Bücher mit dem Tag "jugoslawien"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "jugoslawien" gekennzeichnet haben.

45 Bücher

  1. Cover des Buches HERKUNFT (ISBN: 9783442719709)
    Saša Stanišić

    HERKUNFT

    (284)
    Aktuelle Rezension von: AQua

    Leider bin ich bei diesem Werk nicht so richtig in einen Lesefluss gekommen. Die Texte wirkten auf mich wie eine Anthologie seiner gesammelten Erinnerungsstücke, und tatsächlich sind einige davon bereits andernorts veröffentlicht worden, wie man hinten nachlesen kann. Auf mich hatte dies die Wirkung, dass ich ebenso gut die Lektüre hätte abbrechen können, hätten wir das Buch nicht im Buchclub gelesen. 

    Die Erzählweise wirkte auf mich etwas selbstverliebt, bis zu dem Zeitpunkt, als der Erzähler berichtet, die Aufenthaltserlaubnis sei an die Tätigkeit als Schriftsteller gekoppelt (S. 219). Das hat mich tatsächlich beeindruckt, die Berechtigung, in Deutschland bleiben zu dürfen, von der unsicheren Tätigkeit des Schreibens und Veröffentlichens abhängig zu machen. Da konnte ich dann auch verstehen, dass er sich als Autor behauptet und vermarktet. 

    Es gibt schöne Momentaufnahmen mit der Großmutter, mit den neuen Freunden in Heidelberg, mit der Rückkehr in eine veränderte, verloren gegangene Heimat. 

    Der Schluss mit den alternativen Enden ist an Rollenspiele angelehnt. Fand ich jetzt nicht sonderlich reizvoll und hat mir keinen Mehrwert gebracht. Es untermalt aber nochmal, dass der Autor gerne mit Wirklichkeit und Fiktion spielt. 

  2. Cover des Buches Mord im Orientexpress (ISBN: 9783455019209)
    Agatha Christie

    Mord im Orientexpress

    (846)
    Aktuelle Rezension von: NalasBuchBlog

    Es gibt glaube niemanden, der dieses Buch nicht kennt oder zumindest dem Inhalt bereits in der einen oder anderen Form begegnet ist 😊
    Für mich ist es dennoch eines der liebsten Agatha Christie Romane!

    Alles beginnt mit einer Reise im Orient Express, der diesmal so gut gefüllt ist, dass es nur noch schwerlich ist, Plätze zu erhalten. Dennoch bekommt Poirot aufgrund seiner Beziehungen einen Platz und darf mitreisen.
    Die anderen Passagiere scheinen sich untereinander nicht zu kennen, oder vielleicht doch? Denn wer tötete Mr Ratchett und wer verschafft hier wem ein falsches Alibi?

    In diesem Buch läuft Poirot zu einer höchstform auf und ist so charmant, wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben. Mit einem wichtigen Unterschied: er ist nicht so herablassend, wie zuvor und nimmt uns mit in seine Gedankenwelt.
    Manche Passagen sind auch sehr witzig geschrieben, sodass wir hier nicht nur einmal von abartig hässlichen Kindern lesen dürfen, was mich das eine oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht hat.

    Auch wenn ich den Ausgang der Geschichte bereits kannte, habe ich dennoch versucht mit zu rätseln, wer der oder die Täter sind. Zwei Personen haben es in meinen Kreis der Verdächtigen geschafft, aber leider bin ich an deren Verbindung gescheitert, warum beide miteinander den Mord geplant haben sollten.
    Wobei das Motiv natürlich klar war.

    Poirot zeigt sich in diesem Buch von seiner bislang menschlichsten Seite und bringt für die Geschichte der Mitreisenden sehr viel Mitgefühl auf, was ich sonst nicht in dieser Art von ihm gewohnt war.

  3. Cover des Buches Welt in Flammen (ISBN: 9783499268434)
    Benjamin Monferat

    Welt in Flammen

    (124)
    Aktuelle Rezension von: P_Gandalf

    Wiedermal eine tolle Idee, wo es bei der Umsetzung hapert.

    Im Mai 1940 stehen die Truppen der deutschen Wehrmacht kurz vor Paris und der Simplon Orient Express ist eine der letzten Gelegenheiten Paris vorher zu verlassen. Unterschiedlichste Personen wollen diese Chance nutzen, um sich vor den Schrecken des Krieges aber auch vor der Verfolgung durch die SS in Sicherheit zu bringen. Außerdem an Bord, der Exil-König des fiktiven Balkanreiches Carparthien, der zurück an die Macht möchte. 

    Die Franzosen möchten gerne den Kurswagen, in dem der Versailler Friede 1918 diktiert wurde, vor Hitlers Zugriff retten und hängen den Wagon kurzfristig an.

    Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass viele Reisende nicht das sind, was sie vorgeben zu sein, sondern Agenten im Auftrag der verschiedenen Regierungen sind. 

    Eigentlich eine Story, die Spannung verspricht - sie aber nicht hält. 

    Der Roman wechselt in vielen kurzen Kapiteln von einer Person zur anderen. Das führt leider auch zu elendigen vielen Wiederholungen, was mein Lesevergnügen erheblich beeinträchtigt hat. Mit der Zeit werden Handlungsstränge vorhersehbar; einzig der Handlungsstrang um die Fürstin Romanowa hat mich in seiner Absurdität immer wieder überrascht.

    Fazit: Tolle Geschichte für Fans des Orient Express - man fühlt sich als Teil dieser Reise (deswegen 3 anstelle von 2 Sternen) - ansonsten aber nicht lesenswert.

  4. Cover des Buches Das einzige Kind (ISBN: 9783426528365)
    Hera Lind

    Das einzige Kind

    (292)
    Aktuelle Rezension von: luckytimmi

    Mit 5 Jahren - am Ende des 2. Weltkrieges - wird Anni ihrer Mutter Amalie entrissen und kommt in ein Kinderheim, während Amalie in ein Arbeitslager verschleppt wird. Annis Oma lässt sich nicht abschütteln und schafft es, in Annis Nähe zu bleiben. 

    Im Laufe von ca. 60 Jahren erfahren wir von Annis und Amalies Leben, ihrer schlechten Behandlung und wie entfremdet sich beide irgendwann wiedertreffen…Aber auch danach hören die Schicksalsschläge nicht auf…

    Dies ist wieder ein megatragischer Roman von H. Lind, mit einem tollen Schreibstil. Furchtbar zu lesen, wie manche Menschen andere behandeln.

    Gestört haben mich ein bisschen die Unterbrechungen des Leseflusses durch Briefe und Gedichte. Auch das ständige  Hin- und Herspringen in der Jahreszahl fand ich anstrengend, später gab es immer größere Zeitsprünge bis ins Jahr 2012, mal aus Annis Sicht, mal aus Amalies Sicht.

  5. Cover des Buches Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939 (ISBN: 9783218010436)
    Walter Rauscher

    Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939

    (11)
    Aktuelle Rezension von: krimielse
    Der österreichische Historiker und Sachbuchautor Walter Rauscher bietet mit dem Buch "Das Scheitern Mitteleuropas 1918 -1939" einer informativen und lehrreichen, sachlichen, sehr gut lesbaren Überblick über die Geschehnisse zwischen den Weltkriegen. Ich war vor der Lektüre der Meinung, mich geschichtlich recht gut auszukennen und politische Zusammenhänge erkennen zu können, und wurde vom Autor eines besseren belehrt. Das Buch versorgt mit Informationen, die mir bisher so nicht bekannt waren, betrachtet die Ereignisse aus einer überraschenden Perspektive und zeigt so Zusammenhänge auf, die für mich neu und hochinteressant sind. Als sehr gelungen betrachte ich dabei die in meinen Augen völlig neutrale Herangehensweise. Es ist spannend, auf diese Art Wissenszuwachs zu erhalten, eine Erweiterung des Blickwinkels angeboten zu bekommen und aktuelle Bezüge herstellen zu können. Das Lesen wird angenehm und einfach gestaltet durch die chronologische Abfolge und durch die Einteilung des Buches in sieben Kapitel. Der Autor widmet sich in den einzelnen Kapiteln jeweils der Reihe nach verschiedenen europäischen Gebieten und Ländern. In durchgehend verständlichen Formulierungen erklärt Rauscher die Themenbereiche, Differenzen und Spannungen - die geografische Neuaufteilung, politische Entwicklungen und nationalen Bestrebungen von Sieger- und Verliererstaaten, die Darstellung von Entscheidungen und Fehlentscheidungen mit den bekannten verheerenden Folgen stehen im Vordergrund. Man kann als Leser dem zunehmenden Nationalismus in vielen europäischen Ländern, den aus Gebietsansprüchen und national-egoistischer Kurzsichtigkeit entstandene Konflikte ursächlich nachspüren, die Dramatik in der wirtschaftlichen Entwicklung bedingt durch Zwänge und Eingrenzung sehr gut verfolgen und verstehen. Erschreckend war für mich bei der Lektüre, dass sich Geschichte wiederholt, dass egoistischer Nationalismus nach wie vor auf der Tagesordnung steht und zunehmende Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit durchaus wieder zum Scheitern führen könnte. Wenn auch viele Komponenten bekannt sind besticht Rauschers Buch durch Detailtreue und Präzision im Aufzeigen von Zusammenhängen. Dabei schafft es das Buch auf lobenswerte Art, nicht vom Wesentlichen abzuweichen und wirkt dadurch nie verzettelt oder gar langweilig. Das Buch hat mich beeindruckt und überzeugt, es ist wichtig und sehr lesenswert , und mir 5 Sterne wert.
  6. Cover des Buches Durch Mauern gehen (ISBN: 9783442776054)
    Marina Abramović

    Durch Mauern gehen

    (24)
    Aktuelle Rezension von: ryoma
    Ich kannte die Performance-Künstlerin zuvor nicht. Ich war von Anfang an gefesselt. Ein Buch das zum einen unterhaltend ist, zum anderen vermutlich fast jeder Mensch etwas für sich daraus ziehen kann. Traurig und lustig zugleich. Lediglich das letzte Kapitel wirkte ein wenig gehetzt und auch nicht mehr so spannend. 
  7. Cover des Buches Was Nina wusste (ISBN: 9783446267527)
    David Grossman

    Was Nina wusste

    (73)
    Aktuelle Rezension von: Coriso

    Zeitgeschichtlich geht es um das jugoslawische Umerziehungslager für politisch Gefangene auf der Gefängnisinsel Goli Otok. Das Buch "Was Nina wusste" beruht auf realen Ereignissen: Eva Panić-Nahir hat laut Klappentext ihre Lebensgeschichte David Grossmann selbst erzählt. Angelehnt an Eva, entstand die 90-jährige Vera, deren Enkelin Gili am Geburtstagsfest im Kibuz beschließt, einen Film über die Lebensgeschichte ihrer Großmutter zu drehen. Sie selbst hat nie eine sichere Bindung zu ihrer Mutter Nina aufbauen können und wird durch das Aufwachsen bei ihrer Großmutter zur Schlüsselfigur von Aufarbeitung und Heilung.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Verwobenheit von politischen Ereignissen und deren Wirken über Generationen hinweg in Familien ist großartig beschrieben. Die Logik, aus der die Frauen Vera, Nina und Gili jeweils handeln, wird nachvollziehbar und emotional mitnehmend beschrieben. Die Aufarbeitung der Familiengeschichte in einem selbstgedrehten Film am Ort des Ursprungs, auf der Insel Goli Otok, zu drehen und damit zu bündeln ist gut gemacht. Kein Buch zum schnell mal runterlesen, aber wer Tiefe verwoben mit Zeitgschichte mag, ist hier gut aufgehoben.

  8. Cover des Buches Ein schönes Ausländerkind (ISBN: 9783552073968)
    Toxische Pommes

    Ein schönes Ausländerkind

    (38)
    Aktuelle Rezension von: Karlotta_Stahl

    Selten hat mich ein #buch so ambivalent zurückgelassen wie „Ein schönes Ausländerkind“ von @toxische_pommes

    Irina alias @toxische_pommes erzählt von ihrer Kindheit als Migrantin in Österreich. Oder erzählt sie doch eher von ihrem Vater, für den die Integration so ganz anders verlief als für sie selbst? Ist das ein #roman ? Oder doch eher eine #biografie ? Oder eine Familiengeschichte? Und wo ist hier der rote Faden?

    Wer das Buch in eine konkrete Sparte stecken möchte, sauber einordnen oder gar vergleichen möchte, wird wahrscheinlich scheitern. Für mich war das letztlich aber ehrlich gesagt total egal. Denn das Buch bietet ungelogen so großen Unterhaltungswert! Es hat mich in eine für mich unbekannte Welt hineinschauen lassen. Dabei mischen sich sehr intime und emotionale Einblicke mit einem so bissigen Humor, dass man nur Fan werden kann.

    Die #autorin , die übrigens selbst auch #juristin ist, ist als Kleinkind mit ihren Eltern nach Österreich geflohen. Während ihrer Mutter eine Karriere in der Pharmazie gelang, wurde ihr Vater ungewollt zum Hausmann aber auch zu ihrem besten Freund. Zwischen witzigen Anekdoten und Geschichten, die Einblicke in die osteuropäische Lebensart bieten, liest man in leisen Zeilen vom Leid des Vaters, dessen Integration einfach nicht gelingen möchte.

    Ein Buch, wie ich es bislang noch nicht gelesen habe und das noch immer nachhallt. Ein kleines Manko im Aufbau und auch im Preis. Aber davon ab eine absolute Empfehlung: Unterhaltung mit Mehrwert garantiert!

  9. Cover des Buches Wie der Soldat das Grammofon repariert (ISBN: 9783442741694)
    Saša Stanišić

    Wie der Soldat das Grammofon repariert

    (129)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Aleksandar wächst im bosnischen Visegrad auf.Früh fällt den Lehrern auf, dass er eine ausgeprägte Phantasie hat und in seinen Aufsätzen die tollsten Geschichten erzählt. Familienfeiern, Musikfeste, Kriminalfälle und vieles mehr. Als der Bürgerkrieg ausbricht verändert sich seine Welt vollkommen. Der Unterricht nimmt andere Formen an und Freunde und Familien fliehen aus dem Land. Eines Tages packt auch seine Familie die Koffer und es geht auf nach Deutschland und Aleksander nimmt seine Geschichten mit und erzählt weiter von einem Leben, dass es so oft nicht gab.  Eines der meist gelobtesten Debuts der letzten Jahre. Sasa Stanisic versteht es wunderbar eine eigentlich traurige Geschichte voll Leben, Spaß und Witz zu erzählen. 1978 geboren und schon so ein großer Schreiber.

  10. Cover des Buches Das achte Kind (ISBN: 9783446272873)
    Alem Grabovac

    Das achte Kind

    (86)
    Aktuelle Rezension von: eulenmatz

    MEINUNG:

    Ich war auf der Suche nach Literatur, die im ehemaligen Jugoslawien spielt und bin dabei auf Das Achte Kindvon Alem Grabovac gestoßen. Hierbei handelt es sich um eine Autofiktion, d.h. er erzählt seine eigene Lebensgeschichte, aber es gibt auch fiktive Handlungsebenen.

    Das Buch ist in drei Teile/ Bücher eingeteilt. Es gibt das Buch Smilja, Das Buch Alem und Das Buch Emir. In allen Bücher erfahren wir zu Teilen die Lebensgeschichte alle drei, die natürlich eng miteinander verwoben, den Alem ist das Kind von Smilja und Emir. Smilja, eine Kroatin und Emir, ein Bosniake lernen sich kennen, heiraten und bald kommt auch schon Alem auf die Welt. Smilja und Emir kommen nach Deutschland, wo Smilja als Gastarbeiterin in einer Schokoladenfabrik arbeitet. Emir hält sich mit fragwürdigen Jobs über Wasser und vertrink sein Geld lieber. Er muss schlussendlich von heute auf morgen fliehen und Smilja erfährt später, dass im berüchtigten Gefängnis Goli Otok landet. Allein kann Smilja nicht für Alem sorgen, ohne den Job zu verlieren. Alem wächst also als Pflegekind in einer deutschen Familie als achtes Kind auf, dennoch bleibt aber immer noch der regelmäßige Kontakt und Besuch zu Smilja bestehen.

    Die Diskrepanz zwischen  der deutschen Pflegefamilie und den familiären Wurzeln ist ein großes Thema in dieses Geschichte bzw. in Alems Leben. Es ist deutlich zu spüren, dass Alems Leben bei seiner deutschen Familie für ihn die Basis ist. Hier wächst er seit frühester Kindheit auf und hier wird akzeptiert und geliebt wie der eigene Sohn. Er wächst mit sieben Geschwistern auf, wovon allerdings nur zwei bis drei mit ihm im Haus aufwachsen. Die anderen sind bereits ausgezogen. Seine Mutter und deren Freund, sein Stiefvater, sieht er allerdings auch regelmäßig, was von Anfang an so vereinbart war. Smilja fällt es sehr schwer, dass ihr Sohn nicht bei ihr aufwachsen konnte. Für Alem ist dieser Wechsel auch nicht einfach, denn zwischen den beiden Familien und Kulturen liegen einfach Welten. In dem Sommerferien besucht er mit seiner Mutter regelmäßig deren Familie, die in sehr einfach Verhältnissen in einem kroatischen Dorf in den Bergen lebt. Diesen Familienkonstrukt stellt Alem niemals in Frage, obwohl es schwer ist, vor allem mit seinem Stiefvater.

    Alem Grabovac erzählt seine Lebensgeschichte sehr schonungslos und lässt auch emotional schwierige Themen nicht aus, dennoch empfand ich die Sprache und Entwicklung einer Handlung schwierig. Als eine Art Biographie funktioniert für mich das Buch, aber für einen Roman fehlte mir doch einiges. Mir fehlte auch schlichtweg die Emotionen und auch eine Reflexion mit dem Erlebten. Wie war das für Alem in dieser in dieser Art Familienkonstrukt groß zu werden? Am Ende erzählt er ganz kurz, wie seine Pflegeeltern gestorben sind als wäre es nur eine Randnotiz, wobei ich den Eindruck hatte, dass diese sehr geliebt hat, denn sie waren immer für ihn und er hat dort Liebe, Geborgenheit und Akzeptanz erfahren. Vor allem ist dies gerade deswegen wichtig, weil Robert, sein Stiefvater schlichtweg immer noch Anhänger des nationalsozialistischen Gedankenguts war und da im krassen Gegensatz zu den Erlebnissen seiner Großeltern steht, die unter den Nazis leiden mussten.

    FAZIT:

    Das achte Kindwar eine interessante Geschichte eines jungen Mannes, der in den Wirren des Untergangs von Jugoslawien und als Kind mit Migrationshintergrund in Deutschland der 1970 und 1980er groß geworden ist. Die Diskrepanz zwischen deutscher Pflegefamilie und der Verwurzelung in der Heimat wurde vor allem mit Hinblick auf die Vergangenheit (2. Weltkrieg) sehr deutlich, dennoch fehlte es mir schlichtweg an ein paar Emotionen und Reflexionen. Alem Grabovac erzählt schonungslos, aber es hatte für mich eher etwas von einem Bericht als von einem Roman.

     

  11. Cover des Buches Der Tunnel (ISBN: 9783038860013)
    Erich F. Lercher

    Der Tunnel

    (1)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Jugoslawien bekam der Loiblpass - ein seit Jahrhunderten sehr wichtiger Übergang über die Karawanken - eine immense militärstrategische Bedeutung. 

    Schon 1560 gab es hier den ersten Tunnel. Im 17. Jahrhundert plante man einen neuen Tunnel...es scheiterte aber an den Kosten. Erst im September 1942 initiierte der Kärntner Gauleiter Rainer erfolgreich den Bau eines neuen Tunnels. Es sollte jedoch bis Juni 1943 dauern, ehe wirklich durch die Heranschaffung von 330 Deportierten aus dem KZ Mauthausen mit den Grabungsarbeiten begonnen werden konnte.

    Der Autor Erich Lercher recherchierte jahrzehntelang über das Zwillings-KZ von Mauthausen am Loiblpass. Ein Lager befand sich im Süden in Sveta Ana pod Ljubeljem und das nördliche Lager auf österreichischer Seite im Gemeindegebiet von Windisch Bleiberg. Seine Nachforschungen führten ihn auf der Suche nach Überlebenden aus diesen Lagern durch Europa und bei den Gesprächen mit diesen von enormen Überlebenswillen geprägten Menschen tauchte immer wieder ein junges Mädchen namens Jelena auf. Ein 19jähriges Mädchen aus Assling, die zum Kanzleidienst auf den Loiblpass entsandt wurde.

    Dieser Jelena Sumi, den die KZ-Häftlinge den "Engel vom Loiblpass" nannten, wird nun ein kleines Denkmal mit diesem Roman gesetzt: Tagsüber schmuggelte sie direkt unter den Augen der brutalen SS-Lageraufsicht unter Einsatz ihres Lebens Essen und Nachrichten zu den Internierten. Abends verteilte sie Flugblätter der Partisanen am Gelände und rettete somit Hunderten das Leben oder bestärkte sie dadurch in deren Überlebenskampf.

    Es wird aber auch von Janko Tisler, der als Zivilarbeiter der "Universale Bau AG" auf dem Gelände arbeitet, erzählt und welcher sich in Jelena verliebt. Er geht in den Widerstand und arbeitet gemeinsam mit Jelena gegen die Besetzer.

    Das unglaubliche Leiden, die Misshandlungen, Folterungen und das Arbeiten bei jeder Witterung im Stollen unter Entbehrung anständiger Verpflegung und geeigneter Kleidung wird in der Person des aus Sibenik in Kroatien stammenden und von Marseille über Mauthausen in das Südlager gebrachten Boijan Milanovic sehr eindringlich dargestellt.

    Lercher bedient sich in diesem Roman der sehr harten "Knastsprache", welche die Grauen, die die SS-Lagerkommandanten und Kapos - allen voran der abstoßende homosexuelle Sadist Max Skirde - an den ausgeschundenen und ausgehungerten Häftlingen verüben, beim Lesen spürbar machen. Der Terror, die Giftspritzen, die Boxschaukämpfe und die mit Saufgelage der SSler verbundenen Leichenverbrennungen treiben einem manch Träne ins Auge.

    Im Dezember 1943 erfolgte der Durchbruch... am 7. Mai 1945 die Selbstbefreiung der 950 Insassen. 

    Was den Roman zusätzlich so beklemmend und traurig macht, ist die Weiterführung der Geschichte der handelnden Personen durch den Autor bis herauf in die Jetztzeit. Die Prozesse in Klagenfurt und wie sich die Nazischergen dank guter Anwälte oder des im Stillen noch immer lebendigen Gedankengutes der Geschworenen bei der Urteilsfindung aus ihrer Verantwortung retten konnten und teilweise bis zu ihrem Tod hohe Ämter und angesehene Arztpraxen (der Lagerarzt, der Häftlinge mittels Injektion von Benzin ins Herz zu Tode brachte, wurde Leiter des größten Krankenhauses im Bundesland Kärnten und betrieb eine gut ausgelastete Privatpraxis) bekleideten sind genauso beschämend wie der Jörg Haider-Wahn und die Unfähigkeit meiner Landsleute, Geschichte aufzuarbeiten und Tatsachen anzuerkennen. Während es auf slowenischer Seite eine beeindruckende Gedenkstätte des Lagers gibt, muss hier auf österreichischer Seite noch immer drum gekämpft werden, endlich die Reste des Lagers zu schützen und zu betreuen. 

    Ein Zeitdokument, welches mich nun jedes Mal, wenn ich durch den mehr als 1560 m langen Tunnel fahre, frösteln lässt. Ein Dokument über die erstaunliche diabolische Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen Grausamtes und Unwürdigenstes anzutun. Ein Buch über ein Grauen, welches sich aktuell immer noch findet. Obwohl solche Bücher aufrütteln und mahnen, diesen antiquierten stupiden Gedankenkonstrukten endlich abzuschwören, feiert die Idiotie im 21. Jahrhundert fröhliche Urständ. Aber dieser Roman gibt auch Hoffnung: Er beschreibt auch, wozu ein menschlicher Geist fähig ist. Welche Grenzen er körperlich wie mental zu überwinden vermag. Wie ein bißchen Selbstcourage und aufrichtige Nächstenliebe eines jungen Mädchens vielen Todgeweihten das Leben rettete... Man sollte den "Engel" für sich als Vorbild nehmen.

    Eine klare Leseempfehlung für Menschen mit Interesse an diesem sooo dunklen Kapitel unserer Geschichte.


  12. Cover des Buches Epitaph eines königlichen Feinschmeckers. Roman. (ISBN: B001EZ78DW)
  13. Cover des Buches Schildkrötensoldat (ISBN: 9783518469255)
    Melinda Nadj Abonji

    Schildkrötensoldat

    (12)
    Aktuelle Rezension von: tragalibros

    Zoltán ist ein Außenseiter in einem kleinen serbischen Örtchen, kurz vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg. Seit er als Kind vom Motorrad seines Vaters gefallen ist, hat er „Schläfenflattern“, wie er es selbst nennt. Als er 1991 zur Armee eingezogen wird, beginnt für ihn die schlimmste Zeit. Bei einem Gewaltmarsch kommt sein bester Freund zu Tode. Zoltán sucht verzweifelt nach einem Ausweg, ohne Gewalt, ohne Geschrei, ohne Leid…

    Eigentlich war „Schildkrötensoldat“ ein Zufallsfund, als ich für die diesjährige Lovelybooks Themenchallenge nach Büchern suchte, die an meinem Geburtstag erschienen sind.
    Bisher ist mir noch kein anders Buch der Autorin untergekommen, doch der Klappentext dieses Romans, hat mich sehr angesprochen.
    Als ich anfing zu lesen, war ich erst irritiert und skeptisch, wegen der völligen Abwesenheit der wörtlichen Rede. Auch die Regeln der Groß- und Kleinschreibung hat die Autorin für ihr Buch, sagen wir, neu gestaltet. Dies wirkt anfangs sehr befremdlich, führt dem Leser aber den Geisteszustand des Protagonisten wunderbar vor Augen. Man kann, zwar zu Beginn nur mit etwas Mühe und Konzentration, den teils wirren Gedankengängen und Vergleichen des Hauptcharakters folgen, die sehr poetische Vergleiche enthalten, mit denen er seine Umwelt beschreibt.
    Hier wird schnell deutlich, dass Zoltán ein sanftmütiger Charakter ist, der Gewalt und Streit ablehnend gegenübersteht.
    Ergänzt werden die Ereignisse durch Zoltáns Cousine, die sich oft und sehr liebevoll an ihren Cousin erinnert.
    Eine weitere Besonderheit dieses Romans ist es, dass der Leser häufig direkt angesprochen wird. („Wer sind Sie eigentlich?“, „…verstehen Sie?“) Dadurch fühlt man sich als Teil, als Beobachter in dieser Geschichte.

    Und obwohl auch die Handlung selbst sehr rührend und tiefgründig ist, tue ich mich mit meiner Bewertung eher schwer.
    Ich war unterhalten, ich habe schnell Sympathie zum Protagonisten aufgebaut und mich gleich zu Beginn in die Handlung eingelesen, aber der Schreibstil hat mich nach einer Weile angestrengt. Hier kam dem Buch allerdings die Kürze (etwas über 170 Seiten) zugute.

    Ich vergebe drei Sterne. Das Buch war definitiv gut, hinterlässt bei mir einen wunderbaren Eindruck, ist aber sehr speziell in der Erzählweise und daher sicher nichts für jeden.

  14. Cover des Buches Die Fremde (ISBN: 9783492960151)
  15. Cover des Buches Die Reise nach Alaska (ISBN: 9783518124932)
  16. Cover des Buches Briefe aus Sarajewo (ISBN: 9783453069541)
    Anna Cataldi

    Briefe aus Sarajewo

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  17. Cover des Buches Phantome (ISBN: 9783548290874)
    Robert Prosser

    Phantome

    (9)
    Aktuelle Rezension von: himbeerbel
    Die Buchbeschreibung dieses Romans, der es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 geschafft hat, verrät:
    „Robert Prosser schildert intensiv ein fast vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte: Der Jugoslawienkrieg, der die letzte große innereuropäische Flüchtlingswelle in den 1990ern auslöste, dessen drastische Verbrechen bis heute nicht aufgearbeitet sind und weit in die Generation der Kinder der Geflüchteten nachwirken.
    Anisa flüchtet 1992 aus Sarajewo nach Wien. In den beginnenden ethnischen Säuberungen hat sie ihren Vater zurückgelassen – und wird ihn nie wiedersehen. Auch von ihrem Freund Jovan, einem bosnischen Serben, der zum Militärdienst eingezogen wurde, konnte sie sich nicht verabschieden. Jahrzehnte später reist Anisas Tochter Sara auf den Spuren ihrer Mutter nach Bosnien-Herzegowina.“
    Dieser Text machte mich neugierig und ich versprach mir von diesem Buch einen besseren Einblick in die damaligen Geschehnisse zu bekommen – in einen Krieg, der gar nicht so weit weg von uns stattfand und von dem ich das Gefühl habe, eigentlich kaum etwas darüber zu wissen. Stattdessen führte mich das Buch im ersten Drittel in die Graffiti-Szene Wiens ein. Auch lernte ich etwas über die Sprayer-Szene Bosniens, über die der Ich-Erzähler – der Freund von Anisas Tochter Sara – bei seinem dortigen Besuch ebenso berichtet, wie über die Gedenkstätten und den heutigen Umgang mit den Greueltaten des Krieges. Der Ich-Erzähler schreibt, wie er zu sprechen scheint. Liest man den Text und stellt sich dabei einen österreichischen Akzent vor, fühlen sich Satzbau und einzelne Begrifflichkeiten stimmiger an, auch wenn sie sich für mich teilweise nicht flüssig lesen lassen. Hinzu kommen Graffiti-Ausdrücke und der wohl übliche Slang, den ich nicht mochte und der mich zudem überhaupt nicht interessierte. Das nahm mir den Lesespaß und auch mein Interesse an der Jugoslavien-Thematik reichte nicht aus, um dem Buch weiterhin unvoreingenommen zu folgen. Ein ums andere Mal überlegte ich, das Buch einfach abzubrechen – einzig die Tatsache, dass es sich dabei um ein Rezensionsexemplar handelt, bewog mich weiter zu lesen.
    Beinahe aus dem Nichts heraus endet schließlich dieses erste Buchdrittel und statt des Ich-Erzählers, folgt plötzlich eine personale Erzählweise, bei der im Wechsel die Kriegserlebnisse von Anisa und Jovan geschildert werden. Während Jovan den Krieg hautnah durchlebt, versucht Anisa als Flüchtling in Wien ihr Auskommen zu finden. Berührende und erschütternde Szenen, die so bildhaft und einfühlsam mitsamt sprachlicher Schönheit geschildert werden, dass sie beeindrucken und unter die Haut gehen. Und doch überwiegen die Passagen, die langatmig sind und sich einfach nur sperrig lesen lassen. Aber oft regt das Gelesene auch zum nachdenken an und man findet gedanklichen Anschluss bei den Flüchtlingen jüngeren Datums. Immer wieder stellte sich mir die Frage, was diese alles erleben mussten und noch müssen.
    Der letzte Teil des Buches spielt wiederum im Jahr 2015 und zeigt die Überlebenden in der Gegenwart. Nachdem ich im Anschluss die Danksagung des Autors gelesen hatte, wünschte ich mir wieder einmal, dass diese gleich zu Anfang des Buches gestanden hätte. Sie hätte mich vielleicht besser durchs Buch geführt, das sich für mich wie aus mehreren Federn geschrieben und ungelenk zusammengeführt anfühlte.
  18. Cover des Buches Hotel Silence (ISBN: 9783458643807)
    Auður Ava Ólafsdóttir

    Hotel Silence

    (35)
    Aktuelle Rezension von: mapefue

    Jónas Ebeneser (49), hat den Boden unter seinen Füssen verloren. In tiefe Depression verfallen? Bei den drei Gudruns, die ihn umgeben kein Wunder. Die eine, seine Ex, hat einst in der gemeinsamen Schlafstatt eine Kissenwand ihm gegenüber aufgebaut, seine Mutter versinkt in Demenz und mit seiner Tochter keine Kommunikation.
     Nur das Wie und das Wo sind noch unbestimmt. Er leiht sich vom Nachbarn dessen Flinte, kann aber nicht damit umgehen und hat keine Munition. Also ab in ein von Krieg zerstörtes Land mit seiner Bohrmaschine, die er dann bräuchte, um einen Hacken in der Decke zu montieren. Bereits früh wird klar, dass bei aller Tragik der Handlung eine Portion Komik beigemischt wurde.

    Nicht dass es von Bedeutung wäre, in welchem Land sich Jónas wiederfindet, tippe ich auf den Balkan, nach dem massiven NATO-Bombardements. Tote, Ruinen, Stromabschaltungen, Ausgangssperre. Das Bizarre an der Situation, dass sich Jonas Mutter zeitlebens intensiv mit dem Thema Krieg beschäftigt hat.
     Der Taxifahrer bringt die ersten zwei Gäste ins „Hotel Silence“, er fährt einhändig, die zweite hat er im Krieg verloren. Das Haus am Meer wird von dem Geschwistern Mai und Fifi geführt, beide hoffen auf einen touristischen Aufschwung. Kein Druck in der Dusche, roter Sand aus der Wasserleitung - für Jónas kein Problem, er repariert es. Das ist nur der Anfang. Er wird zum Synonym für Wiederaufbau und den Glauben an bessere und friedliche Zukunft.

    Der zweite weibliche Gast fährt ins Hinterland, sucht für eine Reportage eine Lokation, der dritte männliche Gast stellt sich später als Kriegsprofiteur heraus.

    Viel ausgiebiger beschäftigt sich Ólafsdóttir mit dem „Hotel Silence“ als Bauwerk, dem ein Thermalbad angeschlossen war und einer berühmten Mosaikwand, von der anscheinend nur Jónas etwas weiß und seinem „Manager“ Fifi. Dessen Schwester Mai, nur ein paar Jahre älter als seine Tochter, ohne Mann mit dem 6-jährigen traumatisierten Sohn Adam.
     „Sehnst du dich nicht nach der Wärme eines anderen Körpers“ (Mai).

    Nicht allen Leuten gefällt Jonas Aufbauarbeit, er wir überfallen und verprügelt. Doch eine Frau verarzt ihn: „Sie können Ihr Hemd wieder zuknöpfen. Schöne Blume.“ Womit wir wieder bei der Coverabbildung wären: Eine Wasserlilie, die sich Jonas vor seinem Abflug stechen ließ.

    Die ausgezeichnete Übersetzung, mit den vielen Zitaten von Persönlichkeiten, die ihrem Leben ein Ende gesetzt hatten, trägt zur überragenden Qualität des Romans bei. Trotz aller Düsternis und Melancholie gewinnt mit der Kraft die Hoffnung und die Magie eines Neufangs die Oberhand. 

  19. Cover des Buches Das letzte Versprechen (ISBN: 9783839819951)
    Hera Lind

    Das letzte Versprechen

    (17)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Es ist Weihnachten, aber in Banat 1944 ändert sich auf einen Schlag alles. Die kleine Anni wird von Partisanen von ihrer Mutter weg gerissen und jeder kommt woanders hin. Anni schreit und die Großmutter ermahnt sie leise zu sein und sie verspricht, auf sie aufzupassen. Für Anni beginnt eine harte und oft auch grausame Zeit und ihre Mutter sehnt sich täglich nach ihrem Kind. Anni aber entwickelt eine unbändige Gier auf das Leben und jede noch so hohe Hürde will sie überwinden und ihre Großmutter ist ihr Halt und gibt ihr Kraft, aber das Leben hat noch viele Kurven für sie... Diese wahre Geschichte hat Hera Lind wieder ganz großartig aufgeschrieben. Zwischen all der Tragik und dem Elend, gibt es auch immer wieder Liebe, Licht und Menschen die helfen. Ein Tatsachenroman der einfach unter die Haut geht.

  20. Cover des Buches Die letzte Zeugin (ISBN: 9783751708821)
    Glenn Meade

    Die letzte Zeugin

    (28)
    Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue

    Dieses Buch ist insgesamt keine einfach Kost. Carla verliert erst ihren Mann und muss dann feststellen, dass sie als Mädchen in einem Lager war, wo wirklich schreckliche Dinge passiert sind.

    Das Buch hat wieder einmal mein Mitgefühl für die Menschen zum Vorschein gebracht, die sowas miterlebt haben. So glaubhaft und authentisch wurde die Geschichte erzählt und auch der Zeitstrang am Anfang des Buches, fand ich wirklich gut. Weil über die Geschichte von Jugoslawien und dem Krieg war mir persönlich nicht viel erkannt.

    Die Geschichte kann ich wirklich jeden empfehlen. War sofort mittendrin. Was auch daran lag, dass die ersten Kapitel einen direkt anspricht. "Du gehst..., Du bist..." ich hatte noch kein Buch, dass mich so angesprochen hat. Mit dem ganzen Du hat es mich wirklich gehabt.

  21. Cover des Buches Dianas Liste (ISBN: 9783702235970)
    Wilhelm Kuehs

    Dianas Liste

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Dieses Buch berichtet über die Gräuel an der serbischen und jüdischen Bevölkerung Jugoslawiens während des Zweiten Weltkriegs, die die kroatischen Ustascha mit Billigung und Wissen des deutschen Nazi-Regimes verübt haben.

    Es erzählt aber auch die Geschichte der Diana Budisavljevic, die in den Jahren 1941—1944 tausende Kinder aus den KZ gerettet hat.

     

    Wer ist sie also diese Diana Budisavljevic?

    Geboren 1891 als Diana Obexer in Innsbruck, lenrt sie während ihrer Ausbildung als Krankenschwester den serbischen Chirurgen Julije Budisavljevic, kennen, heiratet ihn und folgt ihm 1919 nach Zagreb, ins Königreich Jugoslawien, das nach dem Untergange der Habsburger Monarchie gegründet wurde. Das Reich ist ein künstlich geschaffenes Gebilde, in dem unterschiedlichste Ethnien leben: Slowenen, Kroaten, Serben und verschiedene Minderheiten. König Alexander ist serbischer Abstammung. 1928 gründet der Kroate Ante Pavelic den rechtsradikalen faschistischen Geheimbund Ustascha und ruft 1941 mit Unterstützung der Achsenmächte (Deutschland, Italien) den unabhängigen Staat Kroatien aus, und errichtet unmittelbar danach eine Militärdiktatur, die im Wesentlichen das Gebiet Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina umfasst.

     

    Ein grausamer Genozid beginnt. Um ein ethnisch sauberes Kroatien zu erhalten, werden alle anderen Volksgruppen und insbesondere sie Serbisch-Orthodoxen Menschen verfolgt. Sie  werden entweder sofort ermordet oder als Zwangsarbeiter ins verbündete Nazi-Deutschland verbracht. Einigen gelingt die Flucht in die Wälder, wo sie sich den Partisanen anschließen.

     Wahllos werden die Menschen herausgegriffen und in KZs deportiert. Kinder werden von ihren Müttern getrennt, in Lager gesteckt und sich selbst überlassen. Sie erhalten weder Kleidung oder Nahrung. Tausende sterben an Krankheiten wie Typhus oder verhungern schlichtweg.

     

    Als Diana von den Zuständen in diesen Konzentrationslagern erfährt, startet sie eine beispiellose Hilfsaktion. Zuerst verteilt sie Hilfgüter, doch die werden regelmäßig von den Lagerleitern gestohlen. 1942 beginnt sie damit, die Kinder aus den Lagern zu holen. Akribisch katalogisiert sie die Kinder in den Lagern. Ihr großes Ziel ist es, Kinder und Eltern nach dem Krieg wieder zusammenzuführen. Doch mit Ende des Krieges, als es darum geht, die Kinder ihren Familien zurückzugeben, erleiden sie und ihr Hilfswerk einen herben Rückschlag. Die an die Macht gekommenen Kommunisten unter Josip Broz Tito lassen ihre Kartothek mit sämtlichen Aufzeichnungen konfiszieren.

     

    Diana Budisavljevic verlässt Jugoslawien krank und enttäuscht. Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie in Innsbruck, wo sie 1978 stirbt.

     

    Meine Meinung:

     

    Ich habe schon viele Bücher über ethnische Säuberungen und Kriegsgräuel gelesen, doch dieses hier zeigt, wie Fanatiker unendliches Leid über Menschen bringen. Es zeigt aber auch, wie selbst Einzelne über sich hinauswachsen können.

     

    Mit diesem Buch setzt Autor Wilhelm Kuehs einer wirklich großen Frau, die rundherum beinahe vergessen ist, ein Denkmal.

    Der Titel ist jenen akribisch geführten Listen Dianas geschuldet, die Karteikarten für jedes Kind anlegt, um die Familien (oder was davon noch übrig ist) zusammenzuführen. Er  erinnert aber auch an das Buch „Schindlers Liste“, das von Hollywood verfilmt wurde.

     

    Je tiefer ich in das Kuehs‘ Buch versunken bin, desto wütender wurde ich. Dass von den kroatischen Machthabern, als Auftraggeber der Morde, keine Hilfe zu erwarten ist, ist klar. Was aber ist von Rot-Kreuz-Schwestern zu halten, die vor Freude tanzen, wenn wieder hunderte serbische Kinder an Seuchen und Unterernährung gestorben sind? Was geht in diesen Menschen vor?

    Was ist mit der katholischen Kirche? Bis auf wenige Ausnahmen nur Lippenbekenntnisse. Ja im Gegenteil, einige besonders grausame Lagerleiter sind katholische Ordensbrüder, was ist mit dem Erzbischof von Zagreb, Alojzije Stepinac, der allen, die zum katholischen Kirche konvertieren, Schutz angeboten hat? Und sie anschließend doch den Mördern ausgeliefert hat? (Stepinac wird übrigens 1998 von Papst Johanne Paul II, als Märtyrer seliggesprochen.)

     

    Umso bewundernswerter ist es, dass Diana trotz aller Widerstände, trotz aller Bedrohungen für sich und ihre Familie an ihrer Mission festgehalten hat. Aufgrund ihrer Tagebuchaufzeichnung, die Dianas Enkelin in den 1980er Jahren zufällig auf dem Dachboden des Zagreber Hauses ihrer Großmutter findet, können Rückschlüsse gezogen werden, dass durch diese selbstlose Aktion rund 12.000 Kinder gerettet und auf zahlreiche Pflegefamilien aufgeteilt werden konnten. Dass auch nicht alle dieser Pflegefamilien aus reiner Nächstenliebe gehandelt haben, braucht vermutlich nicht extra erwähnt werden. Einige wollten Geld für die ihnen anvertrauten Kinder, andere missbrauchten sie als billige Arbeitskräfte.

     

    Im Nachwort beschreibt Autor Wilhelm Kuehs die Schwierigkeiten, an Originalquellen zu kommen. Die Originale der Tagebuchaufzeichnungen sind öffentlich nicht zugänglich. Das, was veröffentlich wurde, wurde gekürzt und ist daher wissenschaftlich nur bedingt verwendbar. Die Karteikarten wurden 1945 beschlagnahmt und wahrscheinlich mit andern Aufzeichnungen gemischt.

    Dieser Probleme wegen, hat Wilhelm Kuehs diese Hommage an Diana Budisavljevic als „biografischen Roman“ bezeichnet.

     

    Offizielle Ehrung und Anerkennung lassen lange auf sich warten. Sie erhät posthum einen serbischen und einen tiroler Orden. In Innsbruck wird ein Kindergarten nach ihr benannt, in Wien eine gerade einmal 250m² große Grünfläche.

     

    Fazit:

     

    Ein erschütternder Bericht, wozu Menschen fähig sind – im Schlechten wie im Guten. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

     

     

     

  22. Cover des Buches Zorn und Stille (ISBN: 9783455012101)
    Sandra Gugic

    Zorn und Stille

    (12)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Selten war der Titel eines Romans so passend wie bei Zorn und Stille, denn das Leben der Familie Banadinović, das hier erzählt wird, wird maßgeblich durch diese beiden Zustände bestimmt. Da ist nämlich einerseits eine große Wut, vor allem bei den weiblichen Familienmitgliedern: Die Fotografin Billy, eigentlich Biljana, verlässt mit 17 Jahren ihr Elternhaus und hat fortan nur noch sporadisch Kontakt mit ihrer Familie. Die Haltung ihrer Eltern (serbische Migranten in Österreich), hart zu arbeiten, wenig aufzufallen und irgendwie durchs Leben zu kommen, stößt sie ab, doch der Bruch kommt mit dem Jugoslawienkrieg und der politischen Position, die die Eltern beziehen. Auch Mutter Azra ist wütend, war sie schon immer, doch seitdem ihr Sohn Jonas Neven verschwunden ist, kennt ihr Zorn keine Grenzen mehr. Sie richtet sich ein in diesem Gefühl, das doch besser ist als Trauer, und ihr hilft die Sprachlosigkeit angesichts des Verlusts ihres Kindes zu kompensieren. Vater Sima zeichnet sich ebenfalls durch Schweigen aus: Das Reden über Gefühle hat er wie viele Männer seiner Generation nicht gelernt, in Österreich halten ihn die Blicke seiner Mitmenschen, die ihn doch nur für einen Hilfsarbeiter mit schlechten Sprachkenntnissen halten, ab. Verluste zeichnen das Leben der Familie Banadinović über viele Jahre aus: Verlust der alten Heimat, Verlust der Tochter/Schwester bzw. des Sohnes/Bruders, bis am Ende – das in diesem Roman den Anfang darstellt – der Verlust des Vaters steht. Erst jetzt beginnt Billy sich die Fragen zu stellen, die sie all die Jahre nie verbalisiert hat.

    Sandra Gugić erzählt in Zorn und Stille die Geschichte einer Familie vor dem Hintergrund des Zerfall Jugoslawiens. Die Banadinović sind Serben, die als Gastarbeiter nach Wien kommen, und aus der Ferne miterleben müssen, wie das Land, das sie Heimatland nennen, verschwinden. Gugić erzählt von Identität, Generationskonflikten und einer allumfassenden Sprachlosigkeit. Wie spricht man über Herkunft und kulturelle Wurzeln, wenn das Land, aus dem man kommt, nicht mehr existiert? Wie erklärt man Kinder einen Krieg, indem die feindlichen Parteien zuvor als Bruderstaaten nebeneinander existierten? Die politische Stummheit der Eltern bleibt nicht ohne Folgen für die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander: Mutter und Vater können ihren Kindern nicht vermitteln, wer sie einst gewesen sind und was sie geprägt hat; Billy flüchtet sich in die Fotografie, um mit Bildern auszudrücken, wofür sie keine Worte hat; und Jonas Neven bleibt als Nesthäkchen in der Stille zurück, bis er auf Spurensuche in den ehemaligen jugoslawischen Staaten geht und nicht mehr zurückkehrt.

    Weder mein Bruder noch ich - keiner von uns hatte den Krieg erlebt, nur Schatten hatten uns gestreift. Und doch hatte er uns alle verändert. (S. 78)

    Der Jugoslawien-Krieg ist das zentrale Thema in Gugićs Roman, um das – der Unfähigkeiten der Protagonist:innen enstprechend – immer nur gekreist wird, ohne dass seine Bedeutung zentral benannt und erklärt wird. Gugić schreibt assoziativ und lässt die Protagonist:innen sich in ihren Erinnerungen verlieren. Der Roman besteht zum größten Teil aus Rückblicken und ist in drei kurze Kapitel geschildert, in denen jeweils Billy, Azra und Sima zur Wort kommen und die 2016, 2008 und 1999 spielen. So setzt sich die Familiengeschichte bruchstückhaft in der Rückschau zusammen, was zwar einerseits sehr reizvoll ist, bisweilen aber auch ermüdet. Zorn und Stille fehlt es mitunter an Handlung, die knapp 240 Seiten fühlen sich aufgrund der Machart durchaus wiederholend, manchmal auch zäh an.

    Sprachlich ist der Roman anspruchsvoll und intensiv, der Stil trägt über die fehlende Spannung und auftretende Langeweile hinweg. Zorn und Stille ist deswegen vor allem ein Roman für Leser:innen, die sich an einer bedachten Erzählweise erfreuen und mit Leerstellen in einer Geschichte (und vor allem mit offenen Enden) umgehen können. Ein Roman, in dem Form und Inhalt Hand in Hand gehen und der häufig mitschweigt, statt zu erklären. 4 Sterne,

    Jugoslawien war ein Märchen, dieses Land hatte nie existiert. (S. 215)

  23. Cover des Buches Als ob sie träumend gingen (ISBN: 9783835331242)
  24. Cover des Buches Nero Wolfe in Montenegro (ISBN: 9783596184682)
    Rex Stout

    Nero Wolfe in Montenegro

    (8)
    Aktuelle Rezension von: parden

    EIN ALTER  KRIMI-KLASSIKER...

    Drei Schüsse fallen auf offener Straße - der mörderische Job wurde erfolgreich ausgeführt. Doch der Tote, Eigentümer von Rusterman's Restaurant, war Nero Wolfes bester Freund. Sie kannten sich seit ihrer Kindheit in Montenegro. Um seinen Tod zu rächen, begibt sich Nero Wolfe sogar auf Reisen. Mit einem Widersacher dieses Kalibers hatten die Auftraggeber nicht gerechnet… (Klappentext)

    Band 17 der Krimis um die Figur des Privatdetektivs Nero Wolfe ist tatsächlich die erste Folge, die ich aus der Serie überhaupt je gelesen habe. Bei solch einer Endlos-Reihe (33 Romane und zahlreiche Erzählungen) hatte ich die Hoffnung, dass es nicht ins Gewicht fallen würde, mit einer späteren Folge zu beginnen. Diese Hoffnung erfüllte sich nur zum Teil, da es sich hier zwar um einen abgeschlossenen Fall handelt, allerdings immer wieder kurze Querverweise auf vorherige Fälle auftauchen. Doch darüber kann man auch durchaus hinwegsehen.

    Mit der Detektivfigur des rundlichen, bequemen, biertrinkenden und orchideenzüchtenden Nero Wolfe wurde Rex Stout (1886 bis 1975) weltberühmt. Die Veröffentlichungen erfolgten zwischen 1933 und 1975. Zur Seite steht dem New Yorker Privatdetektiv stets sein Assistent Archie Goodwin, der nicht nur dienstbeflissener Handlanger und Mädchen für alles ist, sondern auch herausragend mit Waffen umgehen kann.

    Ermordet wird zu Beginn des Krimis Marko Vukcic, Eigentümer von Rusterman's Restaurant, Manhattan, bester Freund von Nero Wolfe. Der will natürlich herausfinden, wer hinter der Tat steckt und den Täter zur Strecke bringen, doch stellt er bald fest, dass er dafür in seine alte Heimat zurückkehren muss, nach Montenegro. Inkognito machen sich Wolfe und Goodwin auf den Weg und agieren dabei oftmals durchaus unkonventionell. Dabei geraten sie zusehends in eine Strudel undurchsichtiger politischer Verhältnisse, die allseitige Bedrohung ist stets zu spüren. Doch Wolfe ist fest entschlossen, seinen Weg bis zum Ende zu gehen...

    Leider ist dies kein Krimi zum Mitfiebern, sondern eher eine düstere Erzählung, die zum einen die Landschaft und zum anderen die verworrenen politischen Verhältnisse im damaligen Jugoslawien in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Wie Wolfe auch weiß man nicht, auf wessen Seite man sich prinzipiell stellen würde - korrupt zeichnet sie Rex Stout jedenfalls alle. Überall wimmelt es vor Spitzeln, Doppelagenten sind nicht selten anzutreffen, und trauen kann man sowieso keinem. 

    Als eigentlicher Krimi ist dieser doch sehr dialoglastige Fall jedenfalls eher langweilig und unaufgeregt. Insofern fand ich es zwar interessant, den doch legendären Nero Wolfe kennenzulernen, jedoch brenne ich jetzt nicht gerade darauf, noch weitere Fälle um den Privatdetektiv zu lesen. Mal schauen...


    © Parden

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