Bücher mit dem Tag "juli"
45 Bücher
- Carlos Ruiz Zafón
Der Schatten des Windes
(5.837)Aktuelle Rezension von: Christian_FisDer Roman beginnt äusserst vielversprechend. Dem Leser eröffnet sich die Komplexität der beiden fein miteinander verwobenen Handlungsebenen: die Geschichte von Daniel Sempere und jene von Julián Carax, dem Schriftsteller, dessen Bücher auf mysteriöse Weise verschwinden und offenbar von einer Figur aus seinen eigenen Romanen verbrannt werden.
Dies mag zu Beginn etwas verwirrend sein. Ein Personenverzeichnis hilft dabei, die zahlreichen Figuren auseinanderzuhalten, insbesondere, weil die beiden Handlungsebenen und ihre Figuren im Verlauf der Geschichte zunehmend miteinander verschmelzen.
Leider greift Zafón im «Bericht über Erscheinungen» von Nuria Monfort zu einem recht plumpen Stilmittel. Er verlässt die Perspektive des Ich-Erzählers Daniel und erklärt darin das Geheimnis beinahe vollständig. Damit geht viel von der zuvor so wirkungsvoll aufgebauten mystischen und unterschwelligen Spannung verloren.
Der Schluss wirkt schliesslich geradezu hollywoodesk und überladen. Schade – hier hat Zafón meines Erachtens eine Chance vergeben, einen wirklich grossen Roman zu schreiben. Dennoch habe ich den Roman sehr gerne gelesen. Seine dichte Atmosphäre, die starken Figuren und der gelungene Einstieg machen ihn trotz dieser Schwächen zu einer lohnenden Lektüre.
- Cornelia Funke
Tintenwelt 3. Tintentod
(2.961)Aktuelle Rezension von: Isika0510Der dritte Band hat mich leider, in den verschiedenen Sequenzen und Charakteren, nicht mehr so überzeugen können, wie die ersten beiden Teile.
Es war dennoch teilweise spannend und unterhaltsam, in Teilen aber auch etwas langatmig und dadurch für mich schwer dranzubleiben.
Die Geschichte und die Tintenwelt an sich, sind trotzdem wahnsinnig faszinieren und toll zu Papier gebracht!
- Juli Zeh
Unterleuten
(689)Aktuelle Rezension von: Buecherwurm76Mit „Unterleuten” ist Juli Zeh ein beeindruckend vielschichtiger Roman gelungen, der ein ganzes Dorf zum Brennpunkt gesellschaftlicher, politischer und moralischer Spannungen macht. Das Buch spielt im fiktiven brandenburgischen Dorf Unterleuten, die Handlung ist im Jahr 2010 angesiedelt. Was auf den ersten Blick wie eine idyllische Ortsbeschreibung wirkt, entpuppt sich als Darstellung eines Ortes, der durch alte Feindschaften, neue Interessen und äußere Einflüsse rapide aus dem Gleichgewicht gerät.
Auslöser ist der geplante Bau eines Windparks, der das soziale Gefüge des Dorfes komplett sprengt. Einheimische und Zugezogene, Idealisten und Opportunisten, Naturschützer und Investoren verfolgen ihre jeweiligen Ziele und wechseln je nach persönlichem Vorteil ihre Allianzen. Der Roman zeigt eindringlich, wie schnell ein Dorf mit nur rund 200 Einwohnern in einen Strudel aus Misstrauen, Manipulation und Machtkämpfen geraten kann. Die eigentliche Tragik liegt darin, dass fast alle Beteiligten von ihrer eigenen Rechtmäßigkeit überzeugt sind.
Multiperspektivisches Erzählen – Wahrheit ist subjektiv:
Die narrative Kraft des Romans basiert darauf, dass Zeh bewusst auf simplen Gut-Böse-Schemata verzichtet. Stattdessen arbeitet sie mit häufigem Kapitelwechsel aus unterschiedlichen Figurenperspektiven. Jede Figur handelt aus ihrer eigenen, subjektiven Logik heraus. Diese Konstruktion verdeutlicht pointiert: Es gibt nicht DIE objektive Wahrheit in diesem Streit. Die verschiedenen Standpunkte führen zwangsläufig zu tragischen Missverständnissen und eskalierenden Situationen. Dieser Ansatz fordert den Leser aktiv zur Reflexion über Mehrdeutigkeit und Partialwahrheiten heraus.
Stil und Wirkung
Zeh schreibt präzise, analytisch und zugleich unterhaltsam. Ihr Stil lässt sich als scharf beobachtend, politisch, psychologisch feinfühlig und oft ironisch beschreiben. Bemerkenswert ist, dass sich die über 600 Seiten trotz der inhaltlichen Komplexität erstaunlich flüssig lesen, da jeder Perspektivenwechsel neue narrative Dynamik ins Spiel bringt. Der Leser wird vom Sog des Ganzen erfasst, obwohl es keine klassische Krimi-Struktur gibt.
Fazit
„Unterleuten” ist ein herausragender Gesellschaftsroman, der eindrücklich demonstriert, wie fragil Gemeinschaften tatsächlich sind – und wie schnell Menschen zu Gegnern werden, sobald Interessenskonflikte auftreten. Juli Zeh entwirft ein präzises, spannungsgeladenes und oft erschreckend realistisches Bild ländlicher Machtstrukturen sowie menschlicher Abgründe.
Dies ist kein gemütliches Dorfgeschichtenbuch. Es handelt sich vielmehr um eine schonungslose Gesellschaftsanalyse, die lange nachhallt und zum Nachdenken zwingt. Besondere Stärken liegen in der brillanten Figurenzeichnung – jede Figur ist glaubwürdig, widersprüchlich und authentisch menschlich –, der thematischen Relevanz (Energiewende, Demokratie, soziale Spaltung) sowie der unerwarteten Spannungsentwicklung trotz fehlender genre-typischer Strukturen.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die anspruchsvolle zeitgenössische Literatur schätzen und verstehen möchten, wie das moderne Deutschland an den Schnittstellen von Ökologie, Politik und Menschlichkeit zerrieben wird.
- Paula Hawkins
The Girl on the Train (English Edition)
(736)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderRachel fährt jeden Tag mit dem Zug. Sie lebt in London und im Zug kann sie gut nach draußen sehen und fährt an schönen Häusern, tollen Gärten und glücklichen Paaren und Familien vorbei. Aber dann beobachtet sie etwas komisches. Ein Paar scheint Probleme zu haben und eine schöne Frau steht mit einem anderen Mann auf dem Balkon. Was geht hier vor sich? Was passiert in der vermeindlichen Idylle? Rachel ist alarmiert und fängt an Nachforschungen anzustellen und kommt doch etwas ganz furchtbarem auf die Spur, nämlich sich selbst und ihrer eigenen Geschichte. Das Buch packt einen von der ersten Seite an und jede weitere Angabe würde das Lesevergnügen und den Spannungsbogen vermiesen.
- Dörte Hansen
Altes Land
(771)Aktuelle Rezension von: a_dreamerDieser Roman stand schon lange ungelesen in meinem Bücherregal. Als ich die Buchauswahl für unseren Buchclub in Bergen auf Rügen getroffen habe, kam es spontan mit auf die Leseliste. Bereits 2015 erschienen wurde es endlich Zeit dafür. Fazit: "Altes Land" las sich so gut und war perfekt geeignet für unsere April-Runde. Die 1,5 Stunden Austausch vergingen wie im Flug.
Dörte Hansen erzählt im Großen und Ganzen die Geschichte der Frauen Vera Eckhoff und ihrer Nichte Anne. Beide verlieren ihren Halt, ihr Zuhause - aus ganz unterschiedlichen Gründen und zu unterschiedlichen Lebzeiten. Beide finden nach großen Startschwierigkeiten ihre neue Heimat in einem Bauernhaus im Alten Land. Vera kommt zu Kriegszeiten als Flüchtling mit ihrer Mutter aus Ostpreußen und erbt später als adoptiertes Kind das Bauernhaus. Richtiger Teil der Dorfgemeinschaft wird sie nie. Jahrzehnte später flieht Anne aus Hamburg, genau dorthin - vor dem Betrug ihres Partners und Vater ihrer Kinder, vor der Großstadt, vor ihrem eingestürzten Leben. Beide sind grundverschieden und doch entsteht Stück für Stück ein zartes Band. Eine Familie. Ein Neuanfang.
Ich mochte vieles an diesem Buch. Die Beschreibungen des Alten Landes, die sehr authentisch erscheinen - Dörte Hansen lebt dort seit vielen Jahren und das habe ich in jeder Zeile gespürt. Ich fand Themen wie Flucht, Heimatlosigkeit oder das Leben in einer Dorfgemeinschaft in all ihren Facetten ganz wunderbar erzählt. Feinfühlig und gleichzeitig trocken, aber dennoch mit einer großen Prise Humor. Die Hauptcharaktere sind ehrlich, glaubwürdig. Die Nebenfiguren, aus deren Sicht ebenfalls berichtet wird, machen die Geschichte rund. Anschaulich. Mehrdimensional. Und am Ende hat mich sehr berührt, wie sich Vera und Anne annähern. Wie sich Stück für Stück ihr Leben wandelt. Wie sagt man so schön? Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl. - Audrey Carlan
Calendar Girl - Begehrt (Calendar Girl Quartal 3)
(530)Aktuelle Rezension von: Wanda_OsbourneCalender girl Teil 3. Mia Saunders’ ungewöhnliche Reise als Escort im dritten Abschnitt ihrer zwölfmonatigen Mission fort. Auch in diesen Monaten nimmt sie neue Aufträge an, lernt unterschiedliche Männer kennen und wird mit deren Lebensgeschichten, Problemen und Sehnsüchten konfrontiert.
Während Mia weiterhin versucht, das nötige Geld für die Schulden ihres Vaters zu verdienen, entwickelt sie sich emotional immer stärker weiter. Die Begegnungen sind nicht nur leidenschaftlich, sondern bringen sie auch dazu, ihre eigenen Wünsche, Werte und Zukunftspläne zu hinterfragen. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zu Wes ein wichtiger emotionaler Anker, der ihre Entscheidungen beeinflusst.
Teil 3 verbindet Romantik, Sinnlichkeit und persönliche Reifung und zeigt deutlich, dass Mias Reise längst nicht mehr nur finanziell motiviert ist, sondern zunehmend zu einer Suche nach echter Liebe und Selbstbestimmung wird.
Ich hatte mich wirklich drauf gefreut, da mir die ersten beiden Teile gut gefallen haben. Dieser Teil war meines Erachtens etwas drüber. Künstlerische Freiheit okay und das ich dieses Genre nicht mit Realismus lese ist klar, doch hier musste ich wirklich mit dem Kopf schütteln. Trotz allem, ist der Schreibstil angenehm zu lesen und die Neugier hat mich zwar ein paar Seiten Querlesen lassen, mich aber dennoch bis zum Ende kommen lassen. Mia hat wirklich eine Menge erlebt und auch viel negatives durchgemacht. Wie es weitergeht? Ich bin gespannt. Allerdings werde ich zunächst ein anderes Buch und nicht die Fortsetzung lesen. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben.
- Cornelia Funke
Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache
(241)Aktuelle Rezension von: Pilzi90
Dass ich die Tintenwelt-Reihe gelesen habe, ist inzwischen fast 20 Jahre her. Umso größer war meine Freude, als ich erfahren habe, dass Cornelia Funke die Geschichte fortsetzt.
Schon das Buch selbst ist ein Genuss. Das Cover ist wieder wunderschön gestaltet und hat sofort die vertraute Atmosphäre der Tintenwelt zurückgebracht. Besonders gefreut habe ich mich außerdem über die Zitate vor jedem Kapitel, die für mich schon immer ein besonderer Bestandteil der Reihe waren. Sehr hilfreich fand ich auch die Zusammenfassung im Buch, die den Wiedereinstieg nach so vielen Jahren deutlich erleichtert hat.
Trotzdem hatte ich zu Beginn einige Schwierigkeiten, wieder vollständig in die Geschichte hineinzufinden. Die Figuren, Beziehungen und Ereignisse der früheren Bände lagen bei mir einfach schon lange zurück. Je weiter ich jedoch gelesen habe, desto leichter fiel es mir, mich erneut in der Tintenwelt zurechtzufinden.
Im Vergleich zu den früheren Tintenwelt-Romanen wirkte die Handlung auf mich allerdings etwas kürzer und weniger ausgearbeitet. Manche Ereignisse hätten für meinen Geschmack mehr Raum bekommen können. Dennoch hat es viel Freude gemacht, wieder in diese besondere Welt einzutauchen. Obwohl Staubfinger und der Schwarze Prinz im Mittelpunkt stehen, hätte ich mir etwas mehr gemeinsame Zeit mit Meggie und Mo gewünscht, da sie für mich nach wie vor zu den wichtigsten Figuren der Reihe gehören.
Trotz kleiner Kritikpunkte ist Die Farbe der Rache für mich eine gelungene Fortsetzung, die viele schöne Erinnerungen an die ursprüngliche Trilogie geweckt hat und mir das Gefühl gegeben hat, nach langer Zeit an einen vertrauten Ort zurückzukehren.
- P.C. Cast
Verbrannt
(1.458)Aktuelle Rezension von: Ninabella14Der Schreibstil hat mir wieder gut gefallen, locker, einfach und angenehm zu lesen. 🦇 Besonders durch die vielen Dialoge wirkt die Geschichte leicht und flüssig, sodass man schnell vorankommt. 🕯️ Allerdings muss ich sagen, dass bis etwa zur Mitte kaum wirklich Handlung aufkam. Vieles fühlte sich eher wie ein Lückenfüller an. Der Fokus lag stark auf Stark, was interessant, aber nicht unbedingt neu war. Die Szene mit Heath und Zoey hat mich dagegen sehr berührt. Die Traurigkeit wurde so intensiv und eindringlich vermittelt, dass ich mitgelitten habe .Das Ende fand ich dagegen eher unspektakulär. Insgesamt hat mir die Charakterdarstellung gefallen, aber die Geschichte brachte für mich wenig neue Entwicklungen.
- Tanya Stewner
Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb
(303)Aktuelle Rezension von: Lea_booklove2305Ich habe dieses Buch bereits seit einigen Jahren und schon so viele unzählige Male gelesen und trotzdem muss ich jedes mal weinen, wenn ich es lese. „Der Sommer in dem die Zeit stehen blieb“ ist eine sehr schöne und zugleich tragische Geschichte, die man meiner Meinung nach einfach gelesen haben muss. Besonders gefallen hat mir der Aspekt der Zeitreise in der Geschichte gefallen, weil ich ein großer Fan von Zeitreisen bin. Gleichzeitig ist es aber auch eine Geschichte, die mir persönlich bewusst gemacht hat, wie groß die Probleme der heutigen Zeit sind, aber die Tatsache, dass Anjano ihr von der Zukunft in einer wesentlich besseren Welt erzählt, lässt einen hoffen, dass auch unsere Welt es eines Tages schaffen kann, all ihre Probleme zu lösen.
Auch wenn die Geschichte letztendlich tragisch endet, weil Juli einen großen Verlust verkraften muss, ist es eine Geschichte voller Hoffnung auf eine bessere Welt.
Tanya Stewner hat es mit dieser Geschichte also wirklich mal wieder geschafft eine absolut fantastische und romantische Geschichte zu schreiben und neben ihrer Alea-Aquarius-Reihe ist das wirklich meine absolute Lieblingsgeschichte von ihr (ich habe wirklich jedes einzelne Buch von ihr gelesen). 😅 - Kai Meyer
Die Bücher, der Junge und die Nacht
(245)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeLeipzig, 1933: Im Graphischen Viertel verliebt sich der junge Buchbinder Jakob Steinfeld in die geheimnisvolle Juli, die ihm ein selbst geschriebenes Buch anvertraut und kurz darauf spurlos verschwindet. Fast vierzig Jahre später, im Jahr 1971, stößt Jakobs Sohn Robert in der unermesslichen Bibliothek des verstorbenen Verlegers Konrad Pallandt auf außergewöhnliche Einbände seines Vaters. Gemeinsam mit der Bibliothekarin Marie Ludwig begibt er sich auf eine Spurensuche, die ihn tief in die von der Leipziger Bombennacht 1943 überschattete Vergangenheit seiner Familie führt.
Der Schreibstil besticht durch eine dichte Atmosphäre und eine spürbare Faszination für das Buchbinderhandwerk. Kai Meyer verwebt die verschiedenen Zeitebenen – 1933, 1943 und 1971 – geschickt miteinander und baut eine kontinuierliche Grundspannung auf. Die Schilderung des historischen Leipziger Buchhändlerviertels und die düsteren Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verleihen der Handlung viel Tiefe, während rätselhafte Details für eine besondere Note sorgen. Die Charaktere sind greifbar gezeichnet und führen gelungen durch die Geschichte. Einzig kleine Konstruktionen bei den Wendungen und minimale Längen im Mittelteil stehen dem perfekten Ergebnis im Weg, ändern aber kaum etwas am starken Gesamteindruck.
Mein Fazit: Eine fesselnde Geschichte rund um das gedruckte Wort, die historische Ereignisse und ein Familiendrama gelungen miteinander verbindet. Trotz kleiner Hänger im Mittelteil bietet das Buch hervorragenden Lesespaß und hallt lange nach.
- Agatha Christie
Agatha Christie Classics: Die Tote in der Bibliothek
(350)Aktuelle Rezension von: Hilou81Als großer Agatha Christie Fan war ich gespannt auf die Graphic Novels Serie und bin direkt mit dem ersten Band der Reihe gestartet. Ich kenne fast alle Bücher der Autorin, wobei ich den Großteil in sehr jungen Jahren verschlungen habe und mich leider kaum noch an die Geschichten erinnere. Daher lese ich hin und wieder mal ein Buch von Christie zum Auffrischen meiner Erinnerungen. Dieses Graphic Novel bietet da eine perfekte Möglichkeit, wieder in die Agatha Christie Welt einzutauchen. Vor allem für Neuleser dürfte diese kompakte Zusammenfassung in Form eines Comics durchaus sehr interessant sein.
Der einzige Kritikpunkt, den ich bezüglich der Umsetzung hier habe, ist die häufige Verwendung von englischen Ausrufen wie "Oh, my God" oder Ähnliches, die für mich in einer sonst deutschen Ausgabe etwas zu gestellt und fehl am Platz wirken. Möglicherweise wollte man damit bezwecken, dass die Story so britisch wie möglich rüberkommt. Meines Erachtens hätte man da gut darauf verzichten können.
Ansonsten hat mir die Graphic Novel aber sehr gut gefallen. ich habe sie innerhalb einer Stunde durchgesuchtet und werde mir den nächsten Teil vornehmen. - Antje Babendererde
Julischatten
(206)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIn dieser Geschichte begleiten wir Simona, die am liebsten Sim genannt wird, auf dem Weg erwachsener zu werden. Die Umgebung konnte ich mir, dank der schönen Umschreibung sehr gut vorstellen und versuchte mich in das Leben der Lakota hineinzuversetzen. An manchen Stellen schmunzelte ich über die Fauxpas, in welche Sim immer wieder hinein tappte. Denn mir wäre es durch meine westliche Kultur in manchen Dingen wohl ähnlich ergangen, insbesondere in dem jungen Alter. Simona ist erst sechzehn und das merkt man an ihrem Verhalten, sie war sehr eigenwillig und rebellisch. Aber die Geschichte wurde mit der Protagonistin erwachsener und konnte mich zum Ende hin ganz schön in Atem halten. Zwischendurch wird auch aus der Perspektive der beiden Indigenen Jungen, Jimi und Lukas erzählt, aber da möchte ich nichts vorwegnehmen, da diese spannend sowie schockierend für mich war. Aber eines kann ich verraten, es gibt eine etwas komplizierte Liebesgeschichte, welche zum Schluss mein Herz sehr erwärmte. Gerne hätte ich weiter gelesen und erfahren, wie es weiterging.
Das Buch kann ich definitiv empfehlen.
- Petra Schier
Die Bastardtochter
(79)Aktuelle Rezension von: 65_buchliebhaberDie Eifelgräfin (Band 1) erzählt die Geschichte vom Kennenlernen bis zur Hochzeit von Graf und Gräfin von Manten. Im zweiten Band (Die Gewürzhändlerin) steht Luzia Bongert, die Leibmagd der Gräfin, im Mittelpunkt, während wir im dritten Band Die Bastardtocher des Grafen von Manten begleiten auf ihrem Weg, ihr Leben zu gestalten. In meinen Augen ist es notwendig, die Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da sie aufbauend gestaltet ist und immer wieder auf Ereignisse in der Vergangenheit zurückblickt. Die Handlung spielt in der Zeit zwischen 1348 bis 1362.
Die Autorin verbindet die historischen Gegebenheiten gekonnt mit einer interessanten und die Leser mitnehmenden Familiengeschichte. Authentische Protagonisten, ereignisreiche Wendungen, spannende Begegnungen und nachvollziehbare Örtlichkeiten sorgen für absoluten Lesekomfort. Der Schreibstil unterstützt dieses Lesegefühl zudem. Ich kann diese Trilogie uneingeschränkt denjenigen empfehlen, die gerne historische Romane lesen. Die jetzt erscheinenden Hörbücher kann ich mir auch als gute Unterhaltung vorstellen.
Wer diese Bücher gelesen ist schon den Protagonisten der Pilger-Reihe begegnet und kann sich an deren Entwicklung erfreuen.
- Inger-Maria Mahlke
Archipel
(69)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDen mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman "Archipel" hatte ich auf eine Empfehlung einer, nach Teneriffa eingeheirateten Deutschen auf dem Land knapp zwanzig Kilometer westlich von Puerto de la Cruz angefangen zu lesen, fand mich aber schnell im grünen Guagua sitzend auf dem Weg nach La Laguna wieder, mehr auf der Suche nach meinem Teegeschäft, von denen es nur zwei auf der Insel gibt, als nach dem Altenheim, wo, der jetzt hunderteinjährige, Julio Baute, el Portereo, in seiner Pförtnerloge sitzt, sich die Vuelta im Fernsehen ansieht und darauf achtet, dass sich die dementen Alten nicht durch die Tür schmuggeln.
Von den vielen Eindrücken der Insel benebelt gelang es mir zuerst nicht, die zahlreichen, von Inga-Maria Mahlke entworfenen Puzzleteilchen zusammenzufügen, auch weil das Puzzle fragmentarisch ist und die Autorin zudem mit ihrer Geschichte am 9. Juli 2015 um 14.02 Uhr beginnt und in den ersten Minuten des Jahres 1920 endet.
Deshalb habe ich die Lektüre erst in Deutschland fortgesetzt und sie am Silvesterabend 2020 beendet.
"Archipel" erzählt die Geschichte von drei Familien; den aristokratischen Bernadottes, Nachkömmlinge von Kolonialherren, die die Falange gründeten; die Bautes, die für die Mittelschicht und für die Sozialisten stehen sowie die Frauen der Morales aus der Unterschicht, die sich eine Moral nicht leisten können.
Ich kenne den Norden Teneriffas gut. Wenn Mahlke den kanarischen "Gofio" erwähnt, hatte ich sofort seinen Geruch in der Nase, höre auch das Quietschen der "Tranvía" in La Laguna.
Trotzdem lieferte mir die Schriftstellerin so viele neue Informationen über den "Archipel", dass ich sie einerseits kaum fassen kann und andererseits schockiert bin.
Zu Letzterem gehören die Salones de Faifes, faschistische Konzentrationslager in Santa Cruz. Oder, dass das Barranco Santos in den Cañadas ein Massengrab ist.
Vor dem Lesen des Buches hatte ich nicht gewusst, dass die Briten größeres Interesse an den Kanaren hatten als die Spanier, denen Sahara Occidental wichtiger war. Natürlich hatte ich von Francisco Franco y Bahamonde gehört, wusste, dass er von 1939 bis 1975 Diktator Spaniens war. Aber, dass er Teneriffa unter anderem auch deshalb mied, weil das einzige Jagdgut dort Kaninchen sind, war mir unbekannt. Den Namen "Jose Antonio Primo de Rivera" hatte ich noch nie vernommen und deshalb nicht um seine Bedeutung für die Falange gewusst.
Wie Inga-Maria Mahlke in einem Interview sagte, spiegelt Teneriffa als Insel das Weltgeschehen "en miniature" ab.
Das leuchtet ein! Trotzdem finde ich es merkwürdig, dass sie, die auf der Insel aufgewachsen ist und so mit ihr und ihrer Sprache verwachsen ist, ihren Roman nur in deutscher Sprache geschrieben hat.
Warum gibt es keine spanische Übersetzung von einem Buch mit dem Titel "Archipel"?
Meine Erklärung ist, dass die Autorin den deutschen Lesern einen Spiegel vorhalten möchte; ihnen ihre Gegenwart mit Hilfe ihrer faschistischen Vergangenheit erklären möchte.
Nicht nur dafür möchte ich ihr herzlich danken, sondern auch dafür, dass das erste Kapitel des Buches die Überschrift "San Borodón" trägt. Jedoch musste ich feststellen, dass damit nicht jene magische Insel im Westen gemeint ist, sondern eine neue, künstliche Insel.
"Neu, durch und durch neu, ... Nicht von der Zeit deformiert, zurechtgerückt, geschliffen. Nicht mit Geschichte behangen, ... Keine Verwerfungen, aufgestautes Geröll, verkrustete Strukturen unter einer nur mit Mühe glattgezogenen Oberfläche."
Ein Personenregister befindet sich am Anfang des Romans, im Glossar erklärt die Autorin die spanischen und kanarischen Begriffe, auch die ursprüngliche Bedeutung von San Borodón.
Folgendes Gedicht schrieb ich hundert Jahre nach der Geburt von Julio Baute:
San Borondón
San Borondón
Es el corazón
Del islas ochos
Trasnochos
Tenerife la cabeza
Alegría y tristeza
El Hierro
Los pies atierro
Quatro cinco seis y siete
Un grande zaguanete
Dentro del nieblas
Despueblas
La isla magica
Lo significa
La veràs
Quizàs
Al solsticio
El mìstico patricio
Navidad
Una visionad
V.S. - Ian McEwan
On Chesil Beach [Large Print]
(47)Aktuelle Rezension von: una» They were young, educated, and both virgins on this, their wedding night, and they lived in a time when a conversation about sexual difficulties was plainly impossible. But it is never easy. « Mit diesen Worten beginnt On Chesil Beach von Ian McEwan und birgt in diesem letzten Satz des Zitates, für mich, die Kernaussage des Buches über das Leben und Lieben im Allgemeinen und eben auch Speziellem.
Speziell ist die folgende intime Geschichte von Florence und Edward und ihrer Hochzeitsnacht; allgemein ist sie clever eingebettet in die beginnenden 60er Jahre, in England, zu Beginn der sexuellen Revolution, die zu einem freierem Umgang mit Sex und Sex vor der Ehe führte. Dies ist jedoch nur der weite Hintergrund, der mit zu dieser speziellen Nacht führt; zwar haben sich die Beiden noch gemäss der alten Konventionen, keine intimen Handlungen vor der Ehe, verhalten, jedoch geschah dies nicht ganz freiwillig, wie man bald erfährt. Florence hat ein Problem und ist dem Sex abgeneigt. Es wird vage angedeutet, warum dies vielleicht (erschreckenderweise) so ist, aber der Fokus liegt auf der einerseits äusserst intimen Darstellung der Hochzeitsnacht von Florence und Edward, dieser zwei sehr verliebten jungen sympathischen Menschen, mit ihrer vollkommen gegensätzlichen Erwartung und Umsetzung des sexuellen Aktes und der meisterhaft skizzierten Umgebung, Familiengeschichte, Vergangenheit und Umstände der Beiden, also der ‘’grösseren’‘ Welt die sie umgibt. Dieser duale trichterartige Fokus spiegelt sich wunderbar in den 5 Kapiteln der Novelle; so bezieht man im ersten als Leser einen voyouristischen Standpunkt in der Hochzeitssuite, verlässt diese, etwas unwillig, da sehr neugierig der weiteren Entwicklung, im 2. Kapitel in die familäre Vergangenheit und Vorgeschichte der Beiden, kehrt im 3. in den Mikrokosmos der Hochzeitsnacht zurück und reist im 4. Kapitel durchs das vergangene Jahr vor der Hochzeitsnacht, um im letzten das Ende der Nacht und ein Resümee in der kleinen und grossen Welt danach zu erfahren.
Eine interessante etwas wehmütige Reise, sehr detailliert und umfassend, doch auch leicht und sich nach dem Lesen verflüchtigend. Natürlich bedingt die grosse Geschichte die kleine jedoch auch umgekehrt und das Leben, die Liebe....1962 oder 2018, es ist meist ‘never easy’ .... - Dana Vowinckel
Gewässer im Ziplock
(71)Aktuelle Rezension von: olkoIn Gewässer im Ziplock wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Margarita und ihrem Vater Avi erzählt. Die Ecken und Kanten der Figuren führen zu Konflikten, die sich nicht immer rational erklären lassen. Ihre Handlungen erscheinen zunächst oft unverständlich. Erst wenn man sich darauf einlässt, ihre Gefühle nachzuvollziehen, entfaltet sich die volle Kraft des Romans.
Man spürt Margaritas Wut auf ihren Vater, ihre Mutter und nicht zuletzt auf sich selbst. Man spürt Avis Sorgen, aber auch seine Freude am Singen und den Egoismus, der ihn dazu antreibt, seiner Leidenschaft nachzugehen. Dabei wird die Zerrissenheit aller Figuren deutlich: Unabhängig davon, wie sie sich entscheiden, wird jemand verletzt. Besonders eindrücklich zeigt sich das am Ende des Romans. Margarita entscheidet sich dafür, weder ihren Vater noch ihre Mutter verletzen zu wollen, und bürdet sich stattdessen den gesamten Schmerz selbst auf.
Die Entscheidungen der Figuren sind nicht immer nachvollziehbar. Gerade das verleiht dem Roman jedoch seine besondere Authentizität. Die Figuren handeln nicht immer vernünftig, treffen widersprüchliche Entscheidungen und scheitern an ihren eigenen Gefühlen. Dadurch wirkt die Geschichte, als wäre sie mitten aus dem Leben gegriffen. Gewässer im Ziplock zeigt, dass es in menschlichen Beziehungen nicht immer richtige Entscheidungen gibt und dass selbst der Versuch, andere vor Schmerz zu bewahren, zu großem persönlichen Leid führen kann.
- Alexander Oetker
Zara und Zoë - Rache in Marseille
(146)Aktuelle Rezension von: redcouchreadsAlexander Oetkers Thriller in und um Marseille und der Provence startet rasant und der Autor schafft es das Tempo beizubehalten. Wer eine leicht zu lesende und schnelllebige Story sucht ist hier genau richtig. Zara und Zoë sind Zwillingsschwestern, die eine Ermittlerin bei der Europol die andere eine Legende in Mafia Kreisen. Die Vergangenheit und die Gegenwart stehen zwischen ihnen und doch muss Zara ihre Schwester um Hilfe bitten, um der Lösung ihres aktuellen Falls näher zu kommen. Was darauf folgt ist eine wilde Jagd durch den Süden Frankreichs, bei der die beiden Schwestern sich auf ein gewagtes Spiel einlassen. Den Schreibstil und die Perspektivenwechsel fand ich sehr zugänglich allerdings lag hierin auch die Schwäche des Buchs. Der Charakteraufbau kam für meinen Geschmack sehr kurz, gerade bei Zara und ihrem Partner, habe ich mir mehr erhofft. Beide bleiben für mich eher schablonenhaft umrissen, was es schwer macht einen Bezug insgesamt herzustellen. Aus diesem Grund bin ich auch bisher nicht sicher, ob der zweite und dritte Fall auf meiner Leseliste laden wird.
- Gabriele Auth
Juli
(3)Aktuelle Rezension von: Janne1Zum Cover: Wegen des Covers hätte ich mir das Buch nicht gekauft. Wenn man das Buch aber gelesen hat, weiß man, dass es haargenau zum Inhalt passt. Mich hat die Leseprobe überzeugen können, besonders das Zitat am Anfang: "On a sunday morning I opened my eyes and a little bird sat at the frame of my window it took a look in my room and than it looked at me and this is what the bird said ..." Wunderschöner Auftakt zum Buch, finde ich.Zerrüttete Familienverhältnisse lassen die Träume einer jungen Frau gar nicht erst aufblühen oder nur kurz ...Das Buch hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck. Der Sprachstil ist bestens auf den Inhalt abgestimmt, gefühlsbetont, einfühlsam. Die Begebenheiten sind so dargestellt, dass sich mein Kopf beim Lesen gleich mit Bildern füllte. Trotz aller Dramatik avisiert die Geschichte weiterhin Hoffnung. Das hat mir besonders gefallen.
- Petra Schier
Die Gewürzhändlerin
(95)Aktuelle Rezension von: 65_buchliebhaberDie Eifelgräfin (Band 1) erzählt die Geschichte vom Kennenlernen bis zur Hochzeit von Graf und Gräfin von Manten. Im zweiten Band (Die Gewürzhändlerin) steht Luzia Bongert, die Leibmagd der Gräfin, im Mittelpunkt, während wir im dritten Band Die Bastardtocher des Grafen von Manten begleiten auf ihrem Weg, ihr Leben zu gestalten. In meinen Augen ist es notwendig, die Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da sie aufbauend gestaltet ist und immer wieder auf Ereignisse in der Vergangenheit zurückblickt. Die Handlung spielt in der Zeit zwischen 1348 bis 1362.
Die Autorin verbindet die historischen Gegebenheiten gekonnt mit einer interessanten und die Leser mitnehmenden Familiengeschichte. Authentische Protagonisten, ereignisreiche Wendungen, spannende Begegnungen und nachvollziehbare Örtlichkeiten sorgen für absoluten Lesekomfort. Der Schreibstil unterstützt dieses Lesegefühl zudem. Ich kann diese Trilogie uneingeschränkt denjenigen empfehlen, die gerne historische Romane lesen. Die jetzt erscheinenden Hörbücher kann ich mir auch als gute Unterhaltung vorstellen.
Wer diese Bücher gelesen ist schon den Protagonisten der Pilger-Reihe begegnet und kann sich an deren Entwicklung erfreuen.
- Volker Jarck
Sieben Richtige
(42)Aktuelle Rezension von: DankeAnke⭐⭐⭐⭐⭐
„Sieben Richtige“ von Volker Jarck ist eines dieser Bücher, die man nicht einfach nur liest – man fühlt sie.
Es erzählt von Schicksalsschlägen, Verlusten, Zufällen und den Wegen, die das Leben manchmal für uns bereithält. Dabei geht es um große Fragen: Wie geht man weiter, wenn etwas Unvorstellbares passiert? Wie findet man wieder Hoffnung? Und darf man daran glauben, dass selbst aus den dunkelsten Momenten irgendwann etwas Gutes entstehen kann?
Was mich an diesem Roman besonders berührt hat, ist seine Menschlichkeit. Die Figuren wirken echt, verletzlich und nahbar. Ihre Geschichten haben mich mitgenommen, nachdenklich gemacht und oft mitten ins Herz getroffen. Gleichzeitig schafft es Volker Jarck, zwischen all der Traurigkeit immer wieder Hoffnung aufblitzen zu lassen.
Für mich ist „Sieben Richtige“ ein Buch über das Vertrauen ins Leben. Darüber, dass wir nicht immer verstehen, warum Dinge geschehen, aber manchmal erst viel später erkennen, wohin sie uns geführt haben. Es macht Mut, weiterzugehen, auch wenn der Weg gerade dunkel erscheint.
Ein bewegender, kluger und hoffnungsvoller Roman, der noch lange nach dem Lesen nachhallt. Für mich eine absolute Leseempfehlung.
📖 Ein Buch, das daran erinnert: Auch wenn das Leben manchmal alles auf den Kopf stellt, darf man trotzdem daran glauben, dass am Ende irgendwie alles seinen Platz findet.
- Petra Eimer
Und dann kam Juli
(7)Aktuelle Rezension von: pardenDAS PFERD MUSS WEG!
Juli ist uns zugelaufen wie anderen Leuten eine Katze oder ein Hund. Ich habe mir immer einen Hund gewünscht. Bestimmt läuft einem auch mal ein Kaninchen zu oder eine Maus. Passiert. Aber ein Pferd? Tja, Juli stand plötzlich in unserem Garten: 2 Meter hoch, 2 Meter lang und 2 Meter breit. Mindestens! Meine Eltern fanden sie sofort "supersüß", und es störte sie kein bisschen, dass sie kein Hund war. Nur mich störte es, denn mit Pferden wollte ich nie etwas zu tun haben. Zu Recht, wie sich herausstellen sollte, denn so ein Pferd macht nur Ärger... (Verlagsbeschreibung)
Paul ist alles andere als begeistert von dem plötzlichen Familienzuwachs. Da steht doch eines Tages im Juli ein ausgewachsenes Pferd im Garten und weigert sich, wieder wegzugehen. Der Garten ist so natürlich nicht mehr für Abenteuer nutzbar, das Pferd nutzt die Gartenlaube, in der Paul und sein Freund sich immer treffen, als Unterkunft, und alles ist voller Pferdeäpfel. Pauls Eltern sehen das überhaupt nicht als Problem an: ganz im Gegenteil, sie finden das Pferd, das kurzerhand Juli getauft wird, irgendwie toll. Selbst als es den liebevoll gepflegten Gemüsegarten kahl frisst, regt sich niemand ernsthaft auf.
Dabei will Paul doch viel lieber und schon lange einen Hund. Mit dem kann man wenigstens spielen! Für Paul ist klar: das Pferd muss weg! Erst versucht er, den Besitzer per Flugblatt ausfindig zu machen, dann will er Juli verschenken, doch nichts hilft so wirklich. Stattdessen wird der Garten nun ständig belagert von irgendwelchen Mädchen, die das Pferd einfach nur "süüüüß" finden, und selbst sein bester Freund versteht Pauls Problem irgendwie nicht. Dabei will Paul doch einfach nur eines: sein altes Leben zurück!
Mal eine erfrischend ander Pferdegeschichte, die sowohl Jungen als auch Mädchen ansprechen dürfte (Lesealter: 6-10 Jahre). Zwischendurch empfand ich die Geschichte als etwas zäh, weil Paul aus seiner ewigen Miesepetrigkeit einfach nicht rauskam und sich das Ganze doch etwas zog. Die Wandlung am Ende habe ich im Grunde erwartet (es ist immerhin ein Kinderbuch), kam für mein Empfinden aber doch etwas abrupt. Dennoch macht das Ende neugierig auf die Folgebände.
Marius Clarén liest die ungekürzte Hörbuchausagabe (1 Stunde und 51 Minuten) unterhaltsam und kindgerecht - seiner Stimme habe ich gerne gelauscht. Natürlich gibt es beim Hörbuch keine Illustrationen wie im Printexemplar, aber der eigentlichen Geschichte tut dies keinen Abrruch.
Empfehlung für kleine Pferde-Fans uns solche, die es vielleicht werden wollen...
© Parden
- André Kubiczek
Skizze eines Sommers
(36)Aktuelle Rezension von: eight_butterfliesAndré Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ erzählt von einem jener Sommer, die im Augenblick selbst beinahe ereignislos wirken und erst Jahre später ihre eigentliche Bedeutung entfalten. Im Mittelpunkt steht der sechzehnjährige René, der 1985 in Potsdam lebt und unverhofft in die Freiheit entlassen wird. Sein Vater reist für mehrere Wochen nach Genf, während René nach dem Tod seiner Mutter ohnehin schon früh gelernt hat, mit einer gewissen Leerstelle zu leben. Plötzlich ist da Geld, sind leere Tage, Freunde, Musik, Mädchen und das Gefühl, dass dieser Sommer zugleich Anfang und Ende von etwas sein könnte.
André Kubiczeks besondere Stärke liegt darin, diese Zeit nicht nachträglich zu verklären. Das Leben seiner Figuren ist weder spektakulär noch von großen historischen Ereignissen überlagert. Mit einer scheinbaren Beiläufigkeit streifen René und seine Freunde durch ihre Welt, hören Musik, treffen sich in der Disco, kleiden sich nach den Vorstellungen ihrer Generation, reden über Mädchen und verbringen unzählige Stunden damit, eigentlich nichts Bestimmtes zu tun. Doch hinter diesem Müßiggang verbirgt sich die Unruhe des Erwachsenwerdens. Man ahnt bereits, dass die Gegenwart nicht bleiben wird, wie sie ist.
André Kubiczek zeichnet kein politisches Lehrstück und versucht auch nicht, die Jugend jener Zeit auf ihre Lebensbedingungen im Osten zu reduzieren. Vielmehr entsteht das Bild einer Generation, deren Sehnsüchte erstaunlich universell sind. Musik, Mode, Freundschaft, erste Liebe und die Suche nach einem eigenen Platz in der Welt verbinden diese Jugendlichen mit Gleichaltrigen weit über die Grenzen der DDR hinaus. Zugleich sorgen die Beschränkungen des damaligen Alltags für feine, oft beiläufige Unterschiede. Was andernorts selbstverständlich war, konnte hier zu einer kleinen Kostbarkeit werden.
Besonders gelungen ist die musikalische und modische Atmosphäre des Romans. Kassetten, Mixtapes, schwarze Kleidung, aufgestellte Haare und die Klänge von The Cure oder anderen prägenden Bands jener Zeit sind nicht bloß nostalgische Accessoires. Sie werden zu Ausdrucksmitteln einer Jugend, die sich ihre eigene Welt schaffen möchte. Für Leserinnen und Leser, die diese Zeit wie ich selbst erlebt haben, dürfte darin ein beträchtliches Wiedererkennungspotenzial liegen. Sämtliche Schauplätze sind auch die meiner Jugend. Die Protagonisten und ich hätten uns im Orion in der Disco treffen können, an der Teppichstange, in der Klement-Gottwald-Straße, im Exquisit am Staudenhof oder in der Seerose. Beim Lesen aktivierte der Text in mir eine zusätzliche Ebene der Erinnerung, so dass zahlreiche Bruchstücke der Erinnerung aus meiner Jugend an die Oberfläche kamen und mich an dieses Buch fesselten.
Renés ad hoc gelebte und auch unstetige Liebesgeschichten bleiben angenehm frei von romantischer Überhöhung. Seine Begegnungen sind von Unsicherheit, Begehren, Eifersucht und Missverständnissen geprägt, eben von jener Mischung aus Selbstüberschätzung und Verletzlichkeit, die das erste Verliebtsein so unverwechselbar macht. René ist kein Held, der am Ende des Sommers plötzlich erwachsen geworden wäre. Seine Entwicklung vollzieht sich leiser. Er begreift ein wenig mehr von sich selbst, von anderen Menschen und davon, dass Freiheit auch bedeutet, Entscheidungen treffen und Verluste hinnehmen zu müssen.
Der Roman lebt dabei von einem lakonischen, selbstironischen Ton. André Kubiczek schreibt leicht und flüssig, ohne seine Figuren der Oberflächlichkeit preiszugeben. Unter dem Humor liegt eine stille Melancholie. Denn der eigentliche Gegenstand des Buches ist weniger der Sommer selbst als die Vergänglichkeit eines bestimmten Lebensgefühls. Sechzehn zu sein bedeutet hier, noch beinahe unbegrenzt Zeit zu haben und gleichzeitig zum ersten Mal zu spüren, dass sich Türen schließen werden.
Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit und Wehmut macht „Skizze eines Sommers“ lesenswert. Der Roman ist keine große dramatische Erzählung, sondern eher eine literarische Momentaufnahme, eine Skizze eben, die ihre Wirkung aus den kleinen Beobachtungen bezieht. Wer eine rasante Handlung oder eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der politischen Realität der DDR erwartet, könnte die Geschichte stellenweise als zu beiläufig empfinden. Ihre Qualität liegt jedoch gerade darin, dass sie das Erwachsenwerden nicht als großes Ereignis inszeniert, sondern als etwas, das sich in unscheinbaren Augenblicken vollzieht.
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl eines vergangenen Sommers zurück: warm, etwas träge, manchmal komisch, manchmal schmerzhaft und im Rückblick ungleich bedeutender, als er seinen Figuren damals erschienen sein dürfte. André Kubiczeks Roman erinnert daran, dass Jugend ihre eigene Zeitrechnung besitzt. Ein einziger Sommer kann sich endlos anfühlen und später in der Erinnerung zu einem einzigen, kostbaren Augenblick zusammenschrumpfen.
- Rex Stout
Alibi nach Mass
(3)Aktuelle Rezension von: Holden2 (in Worten: zwei) Kriminalkurzromane um Nero Wolfe und seinen Assistenten/ Laufburschen/ Handlanger Archie Goodwin, die Kabbeleine zwischen den beiden sind mit das Schönste na den Krimis. Ich beneide Wolfe nach wie vor um seine Bierklingel, die allerdings nur in der ersten Geschichte zum Einsatz kommt, da Wolfe sich in seinem zweiten Einsatz überraschenderweise nicht zu Hause befindet, da er als Zeuge der Anklage vor Richter Corbett erscheinen und deshalb seine Gefilde verlassen muß. Zwei spannende Fälle, brillant gelöst vom Lieblingsschwergewicht. Bud Spencer hätte sich für eine Verfilmung angeboten, RIP.
- Hannah Juli
Liebe, lavendelblau
(103)Aktuelle Rezension von: leseHuhnLiebe, lavendelblau, von Hannah Juli, erschienen im Ullstein Taschenbuch Verlag am 31. Mai 2021
Taschenbuch 416 SeitenKlappentext
- siehe BuchbeschreibungMeine Meinung
Sarah steht plötzlich ohne Job da und ihr Freund ist gerade in Amerika unterwegs. Spontan möchte sie ihn überraschen und bucht einen Flug. Doch bevor sie in den Flieger steigt, erfährt sie, dass ihr Freund eine kleine Affäre hat. Sie bucht um zu ihrer liebsten Freundin und fliegt nach Frankreich, in die Provence. Und dort trifft sie auf den ruhigen und seltsamen Lucien und freundet sich mit ihm an. Doch dann steht ihr Ex vor ihr!
Hannah Juli hat einen wunderschönen Schreibstil. Ihre Beschreibungen der Orte, der Lavendelfelder und der Weingärten haben mich verzaubert. Und auch ihre Protagonisten haben mir richtig gut gefallen. Authentisch und liebenswert, mit Ecken und Kanten, und auch einige Höhen und Tiefen durchlebt man mit ihnen. Die Autorin hat auch nicht gespart an Emotionen.Fazit
»Liebe, lavendelblau« verzaubert durch das wunderschöne Setting und durch die liebenswerten Protagonisten. Und die feinen Gedichte runden die Geschichte harmonisch ab. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 5 🐥🐥🐥🐥🐥














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