Bücher mit dem Tag "kabbala"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kabbala" gekennzeichnet haben.

29 Bücher

  1. Cover des Buches Nachts unter der steinernen Brücke (ISBN: 9783423140751)
    Leo Perutz

    Nachts unter der steinernen Brücke

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Mogul

    Langsam wird vom Autor ein Netz von Geschichten gesponnen, die allesamt irgendwie miteinander verknüpft sind. Jede Story kann auch für sich selbst stehen, aber zusammen ergeben sie ein Gemälde des alten Prags, insbesondere der alten Judenstadt um 1600. Im Zentrum der Geschichten stehen der Jude Mordechai Meisl, welcher zu unglaublichem Reichtum kommt, und der Kaiser. Meisls schöne Frau Esther und der Kaiser sind auf magische Weise ein unglückliches Liebespaar, dass es so nicht geben darf. 

    Perutz hat über 25 Jahre an diesem Romanprojekt mit jahrelangen Unterbrechungen gearbeitet und es 1951 abgeschlossen. Sprachlich und inhaltlich bilden die Texte eine Einheit, wie man sie selten antrifft. Feiner Humor, groteske Situationen und eine mit viel Feingefühl geschilderte Kultur, die für immer verloren ging, bilden zusammen ein mystisches Ganzes, das man am ehesten als einen historischen Roman bezeichnen kann. Aber das Büchlein ist viel mehr, ein schriftstellerisches Kunstwerk, wie man es selten antrifft.

    Fazit: Wer etwas Muse hat, sollte es sich nicht nehmen lassen, dieses fantastisch gut gemachte Buch zu lesen.


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  2. Cover des Buches Das Foucaultsche Pendel (ISBN: 9783423211109)
    Umberto Eco

    Das Foucaultsche Pendel

     (344)
    Aktuelle Rezension von: DorGer

    Bei den ersten 50 Seiten hätte ich fast aufgegeben. Ecos langatmige Satzgebilde mit noch langatmiger Einführung, aber dann überschlugen sich die Ereignisse, dass ich mit dem Lesen nicht nachgekommen bin. Und dann wieder langatmige Passage. So ging es das ganze Buch durch. 

    Gut, das ist man von Eco gewohnt - der Autor will  beweisen, wie akribisch er recherchiert hat - bei dieser Geschichte war es aber extrem. 

    Trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen, Ecos Stil mag man, oder eben nicht. Ich gehöre halt zu erster Gruppe. 

  3. Cover des Buches Gregory & Tintori: Das Buch der Namen (ISBN: B003CPDGVK)
    Gregory & Tintori

    Gregory & Tintori: Das Buch der Namen

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Thornwald
    Ich versuche mich mal an meiner ersten Rezension hier.

    Also, ich habe das Buch schon vor einer Weile gelesen, und doch ist es mir in Erinnerung geblieben. Das sagt ja schon einiges aus.
    Die Handlung ist recht fließend, Langeweile taucht meines Erachtens an kaum einer Stelle auf. Aber die Geschichte erinnert mich doch arg an eine Kombination des Buches "Illuminati" oder "Sakrileg" von Dan Brown und dem Film "Wanted".
    Aber dennoch eine nette Kurzweil für einen entspannten Urlaub. Auf jeden Fall 4 Sterne wert.
  4. Cover des Buches Die Entdeckung des Himmels (ISBN: 9783499247521)
    Harry Mulisch

    Die Entdeckung des Himmels

     (275)
    Aktuelle Rezension von: Ferrum
    Was macht der Himmel, wenn er mit den Menschen unzufrieden ist? Richtig, er will seine 10 Gebote zurückholen und somit die Verbindung zur Erde auflösen. Und darum gehts, beginnend vor der Zeugung der Akteure bis hin zum großen FInale in Jerusalem. 

    Kaum eines der großen gesellschaftspolitischen Themen wird dabei ausgelassen, und dennoch hat man nie das Gefühl, dem hocherhobenen, moralinsaurem Zeigefinger ausgesetzt zu sein. Hat einen ewigen Ehrenplatz in meiner Bibliothek.
  5. Cover des Buches Der Seelenfänger (ISBN: 9783791513430)
    Chris Moriarty

    Der Seelenfänger

     (33)
    Aktuelle Rezension von: Sardonyx

    Sascha Kessler ist ein jüdischer Junge, dessen Vorfahren ,,große Kabbalisten" waren und der mitten in einem New York lebt, wo Zauberei zum Teil verboten ist. Doch dennoch wimmelt es überall von dem pulsierenden Schlag der Magie, die die Inquisitoren der amerikanischen Polizei heftig verfolgen, da Magie auch gefährlich sein kann.
    Unerwartet gerät Saschas ganzes Leben aus den Bahnen, als er entdeckt, dass er Magie sehen kann! Das erfährt er beim Einkaufen mit seiner Mutter, als er eine zaubernde Bäckerin unabsichtlich in Probleme mit den Behörden bringt.

    Augenblicklich werfen die Inquisitoren, welche zauberische Verbrechen aufklären, ein wachsames Auge auf ihn. Denn Sascha soll dank seines Zaubertalentes den Beruf des Inquisitors ergreifen, welcher hohe Aussichten bietet - Ruhm, Ehre, Erfolg.

    Sascha erwartet Arbeit mit viel Lug und Trug, wobei seine Lügen entlarvt werden. ,,... Vor allem aber sagst du damit zum ersten Mal die Wahrheit."

    Vieles wird seltsamer in New York, wo Zauberei blüht und es in den Straßenschluchten genau so viel Licht wie Schatten gibt. Attentate gegen mächtige, reiche Personen machen Schlagzeilen, wobei der Täter nicht menschlicher Natur sein soll. Es handelt sich - um einen Dibbuk! Einem Dämonen, der in die Körper der Lebenden schlüpft, Seelen und Schatten nähren ihn. Diesen Dämon können nur Kabbalisten der hohen Magie beschwören, aber das wäre ein sehr dunkles Unterfangen. 

    Als der blasierte New Yorker Millionär J. P. Morgaunt und der glorreiche Erfinder Thomas Edison Ziele dieser Attacken werden, ist Sascha mit dem reichen Mädchen Lily Alster bereits Lehrling bei Inquisitor Wolf, der ebenso rätselhaft wie wandelbar ist. Und der 13-jährige Junge fragt sich zurecht: ... Welcher Wahnsinnige sollte in New York einen Dibbuk loslassen?

    Schattenhafte Gefahren treten dem Alltag in die Quere, erst der Attentat, dann versuchte Brandstiftung. Und früher oder später wird der Dibbuk die Seele seines Opfers verzehren, um ihn in eine leblose Hülle zu verwandeln. Grausame Ahnungen treffen Sascha, als sich gewisse Anzeichen häufen, dass er selber der Dibbuk ist - seine Seele teilt er mit dem Dämonen, welcher ein Spiegelbild der düsteren Seite des Sascha Kesslers ist: boshaft, hämisch, trotzig.

    ,,(...) den kalten, hungrigen Blick, das unheimliche Stöhnen, das Zähneknirschen, den Schatten, der ihn umgibt. Außerdem sah er auch aus wie ein Dibbuk."

    ,,Der Seelenfänger" ist der erste Band der Sascha-Kessler-Reihe, die ein schillerndes Gewebe aus Mystik, Zauberei, Abenteuer und Jugendbuch darstellt, verwoben mit dezentem Witz und einem der Handlung Leben einflößenden Hauch Magie. Das Gute sind besonders die gewieften Widerstreiter, für die Dämonen des Schattens treueste Diener sind. Als geschichtenumrankte Kulisse wählt die amerikanische Autorin Chris Moriarty das zauberhafte New York zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, welches unwiderstehlich bezaubert.

    Der Schreibstil ist sehr gut, aber um ihn ganz genau zu beschreiben, schwanke ich gerade zwischen den Worten; kann ein Schreibstil als ,,charmant" beschrieben werden? In Bezug auf den ,,Seelenfänger" ist das möglich, da die Worte unwillkürlich ihren Zauber in unseren Köpfen vollziehen. Jugendbuch mit Neigung zu Kopfkino also!
    Beinahe natürlich und lebensecht hat Moriarty ihren Hauptdarsteller Sascha gezeichnet, dessen Charakter durchaus schwankend, vorsichtig ist. Auch die anderen Figuren kommen gut herüber, nur habe ich mich gefragt, warum alle Antagonisten in irgendeiner Weise hämisch/ zynisch/ spöttisch sind.

    Kletternd und ansteigend zieht sich durch die ganze Handlung der rote Faden des Geschehens, welches an manchen Stellen sehr verwirrend ist, ehe gegen Ende des rasanten Buches inmitten brennender Trümmer ( ,,Eintritt: 10 Cent") viele Geheimnisse ihre wahre Identität enthüllen.
    Für mich ist der ,,Seelenfänger" ein spannendes, unberechenbares Buch, welches jeden, dem es nach Magie und Gefahren dürstet, mehr als beglückt. 

    Ich glaube, jeder der ferner die Bekanntschaft von unserem guten, alten Harry Potter gemacht hat, besiegelt mit einem Buchhändedruck eine gute Freundschaft mit dem amerikanischen Sascha Kessler. 

    Voller Vorfreude widme ich mich bald dem 2. Band, dessen Titel bereits eine Menge verspricht. Wie düstere, verborgene, heimliche Unklarheiten, hinzu obskure und zwielichtige Zauberverbrecher. Mal sehen, wohin mich der ,, Schattenjäger" verschlägt.
  6. Cover des Buches Der Golem (ISBN: 9783899196542)
    Gustav Meyrink

    Der Golem

     (124)
    Aktuelle Rezension von: awogfli

    Bei diesem Klassiker hatte ich von Beginn an zwei Hauptkritikpunkte. Der erste von beiden wurde vom Autor gar grandios gegen mich verwendet, indem er mich am Ende der Geschichte meisterlich am Nasenring vorführte und meine Kritik nicht nur vorwegnahm, sondern gegen mich verwendete. Chapeau! Großes Kino und geniales Schreibhandwerk. Der zweite Kritikpunkt, der versteckte Antisemitismus, bleibt bedauerlich bis zum Ende bestehen und wird auch nicht ausgemerzt, im Gegenteil, er ist so subtil und manipulativ eingesetzt, dass mich so etwas immer gegen eine Geschichte aufbringt, egal, wie alt sie ist, ob so etwas zu dieser Zeit normal war und wie gut der Roman sonst fabriziert wurde. Doch nun zum Detail der beiden Punkte.

    Kritikpunkt eins, der gar genial am Ende des Werkes verpufft, war die an den Haaren herbeigezogene auf Zwang gebürstete bedrohliche Umgebung, die es im realen Prag, das in dem Fall zu mehr als 85% noch genauso heutzutage existiert, gar nicht gibt und auch damals gar nicht geben konnte.

    Mein realistisches Hintergrundradar schaltet da immer vollautomatisch auf Detektion.
    Vor allem, weil ich genau die Wege und die Gebäude innen und außen seit meinem Geburtstag im Jänner 2020 kenne, als wir uns einmal ohne Touristenwahnsinn die Prager Altstadt genau anschauen wollten. Klar, ist das ganze oft auch dem Wetter geschuldet, aber es war halt bei meinem Besuch auch Jänner es war auch dunkel kalt, aber es war sehr wenig gruselig, weder in der Judenstadt (wo ich es mir noch eher vorstellen könnte, da seit der Renovierung heute ja nur noch Bruchteile stehen), noch auf dem Hradschin, noch auf dem Weg vom 2. Bezirk auf den Hradschin. Wenn man jetzt einwenden möchte, dass wir ja heute in einer anderen Zeit leben mit all dem Licht und den modernen Gebäuden, dann muss ich dagegenhalten, dass die ganze Strecke, die Meyrink beschreibt, bis auf die Judenstadt noch heute original ist, inklusive der Straßenbeleuchtung, die definitiv aus der Jahrhundertwende stammt, da die Lampen original Jugendstil sind. Eines, dachte ich, hat Meyrink auch nicht berücksichtigt, wenn er die fürchterlich gruseligen Steinstufen zum Hradschin hinaufsteigt, dann geht Protagonist Pernath rechter und linker Hand mitten durch einen Weinberg, dieses Weingut des Heiligen Wenzel gibt es schon seit dem 10 Jahrhundert. https://www.prague.eu/de/objekt/essen/2562/weinberg-des-heiligen-wenzel-svatovaclavska-vinice

    Das fand ich halt usprünglich schon a bisssi Dings, wegen der Stimmung im Roman, einen der ungruseligsten Wege so auf Grauen aufzumascherln. Denn an einem Weinberg ist gar nix gruselig nicht mal mit viel Nebel.

    Abgesehen davon, dass die geschilderten Umstände unrealistisch sind, wenn man die Gegebenheiten kennt, schafft es Meyrink jedoch meisterlich, ein bedrohlich waberndes Hintergrundszenario zu kreieren. Was dem Autor zudem außerordentlich genial gelingt, ist es, eine paranoide Hintergrundstimmung in den zwischenmenschlichen Beziehungen in die Geschichte einzubauen. Obwohl alle Figuren nicht wirklich sehr bedrohlich agieren und nur hin und wieder a bissi altagsaggressiv sind, spürt ein von Verfolgungswahn geprägter Geist wie die Hauptfigur Pernath sofort die dunklen Mächte und das wird der Leserschaft wirklich sehr glaubwürdig vermittelt.

    Meyrink hat mich am Ende also an der Nase rumgeführt und genau meiner Kritik, wie sie sicher auch unter anderen Pragauskennern sehr häufig geäußert wurde, vollständig den Zahn gezogen und sie pulverisiert. Am Ende war alles nur ein paranoider Wahn und ein Hirngespinst, das der Hut von Meister Pernath ausgelöst hat. Der Finder des Hutes geht am Ende des Romans dieselbe Strecke und konstatiert, in der Realität angekommen, genau dasselbe wie ich, dass der beschriebene Weg in jedem Fall total ungruselig ist. Das ist sowas von abgedreht so als hätte der Autor meine ursprüngliche Kritik vorausgeplant, um mich dann auch noch am Nasenring vorzuführen. Das ist ganz große Literatur!

    Zu Kritikpunkt 2: Ich kämpfte den ganzen Roman diesem unsäglichen unterschwelligen Antisemitismus, der aus jedem Satz Meyrinks tropft. Da ich aus dieser Zeit bisher fast nur österreichisch-jüdische Literatur gelesen hab (Musil, Roth, Schnitzler…), wo so etwas einfach nicht üblich war, bin ich so einen selbstverständlichen Judenhass überhaupt nicht gewohnt ...das triggert mich immer sehr stark, wiewohl ich natürlich historisch weiß, dass das natürlich in anderen literarischen Werken außerhalb Österreichs durchaus üblich war.

    Ich kann auch in historischen Werken mit dem ganz gut versteckten Antisemitismus nix anfangen, da gruselt es mich mehr als bei den gruseligen Beschreibungen. Klar ist Meyrink kein offener glühender Antisemit, aber er bedient vortrefflich verdeckt und ziemlich manipulativ die antisemitischen Codes. Ja, seine fast allesamt jüdischen Figuren frönen dem Selbsthass und es kommt kein einziger Tscheche vor, der offen antisemitische Aussagen tätigt. Aber die den selbsthassenden Figuren zugeschriebenen Eigenschaften sind halt typisch jene, die den Juden vorgeworfen werden: Geiz, Geldgier, heimlicher Reichtum, unerträgliche Hässlichkeit (rote Haare bei Frauen, Hasenscharte und andere Deformationen bei Männern, Judennase), ungesundes Blut, Rücksichtslosigkeit ... .

    Das ist für mich insofern problematisch, da ich schon sehr viele Darstellungen jüdischer Schriftsteller von jüdischem Leben gelesen habe und vor dem Holocaust war keine von solchem Selbsthass geprägt, der eben die typischen zugesagten jüdischen Eigenschaften fokussierte, dieser Selbsthass war nur eine Projektion und eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die der Antisemitismus und der Holocaust angerichtet haben. Im Gegenteil, die Wiener Juden des Mittelstands waren um 1900 ein fröhliches großzügiges sehr bildungsbewusstes Völkchen und die chassidischen Juden des Ostens waren tiefreligiöse Menschen auch total ungeizig und nur ein bisschen auf Leiden programmiert. Wenn sie Selbsthass zeigten und im exzessiven Leiden aufgingen wie Joseph Roths Hiob, dann in ganz normalen anderen menschlichen Gebieten. Sie litten so wie alle Menschen ihres Kulturkreises - ich meine nichtjüdische Österreicher, Tschechen und Deutsche - auch am Tod von Kindern, an normalen Krankheiten, an der Armut ohne grausliche Gier und Rücksichtslosigkeit und anschließend natürlich am Krieg.

    Meyrink beschreibt ja dieses von antisemitischen Selbsthass-Codes geprägte jüdische Leben nicht aus Innensicht, denn er ist Deutscher - dies ist also erstens eine Zuschreibung und entsprach zumindest vor den Nazis auch nie der Realität. Aus diesem Grund kann ich dieser ganzen auf naiv getrimmten Beschreibung der furchtbaren Zustände in der Judenstadt Prags nicht die gute Absicht des Autors abkaufen. So eine geballte Ladung aus typisch auf jüdisch bösartigen Menschen gab es nirgends, nicht Mal in den ärmsten Vierteln. Eine oder zwei Figuren vielleicht, in jedem nichtjüdischen Wohnviertel gibt es ein paar asoziale Arschlöcher und Verbrecher, aber nicht in dieser Dichte.

    Ein kleiner Gedankensprung von mir noch: Was die Konzentrationslager anschließend mit den Juden gemacht haben - nämlich dass sie durch die Folter, den täglichen Überlebenskampf und die psychopathischen Methoden durch die Nazis dazu gebracht wurden, sich genauso zu verhalten, wie man sie vorher immer fälschlich beschrieben hat - beschreibt Edgar Hilsenrath extrem gut in seinem grausam realistischen Roman Nacht. Dass so was aber nicht nur mit Juden, sondern mit allen Menschen funktioniert, beschreibt das Stanford Prison Experiment.

    Fazit: Von der sprachlichen und plottechnischen Komposition war das Werk genial, es ist gruselig, spannend und rasant, die Geschichte hält die Leser*innen in den Klauen. So geht Gruselgeschichte literarisch anspruchsvoll und sprachlich auf höchstem Niveau. Die Figuren, wenn sie auch antisemitisch gezeichnet waren, waren psychologisch sehr tief und „liebevoll“ (besser gesagt eigentlich akribisch und schlüssig hasserfüllt) konzipiert. Letztendlich hat sich der Roman bei mir noch auf ca. 3,5 Sterne gedreht, die ich wohlwollend auf 4 aufrunde, oder auch nicht. Muss mir noch überlegen, wie ich heutzutage einen manipulativ versteckten Antisemitismus aus einer Zeit abstrafen bzw. bewerten soll, in der so etwas in der deutschstämmigen, tschechischen und polnischen Bevölkerung normal war. Soll ich literarisch oder inhaltlich emotional urteilen?

    P.S: Einen Kritikpunkt habe ich noch an die Adresse des Reclam Verlages. Das Hintergrundmaterial, das sonst immer im Verlag üblich z.B. bei den Schnitzler Werken außerordentlich umfangreich, erhellend und großartig beigefügt wurde, fehlt diesmal völlig. Wahrscheinlich weil der Roman eh schon so lang ist. Trotzdem vermisse ich schmerzlich einen Prager Stadtplan mit den Stationen der Geschichte, so wie im Leutnant Gustl und eine Einordnung des Romans in die Zeit, so wie bei den restlichen Schnitzler Werken. Den typischen umfangreichen Anhang in den schmaleren Reclam Bänden empfinde ich nämlich nicht als Lückenfüller, sondern als echte Notwendigkeit und Bereicherung.

  7. Cover des Buches Das Buch der Namen (ISBN: 9783499246999)
    Jill Gregory

    Das Buch der Namen

     (243)
    Aktuelle Rezension von: Frau-Aragorn
    Dem Autorenteam gelingt es wunderbar interessante geschichtliche und gut recherchierte religiöse Fakten in einer spannenden, fiktionalen Handlung unterzubringen. 


    Die Grundidee des Buches, dass es auf der Welt eine bestimmte Anzahl an Menschen gibt, die unbewusst durch ihre reine Existenz die Welt zusammenhalten finde ich herrlich poetisch.  


    Die Geschichte ist spannend aufgebaut und gut durchdacht. Durch eine Prise Liebe dabei kommt es zu einer schönen Nebenhandlung. 


    Einzig und allein die vielen Namen, durch die das Ganze recht unübersichtlich würde und die große Vorhersehbarkeit gefallen mir nicht gar so sehr, also vier von fünf.  
  8. Cover des Buches Die Buchstabenprinzessin (ISBN: 9783463404677)
    Myla Goldberg

    Die Buchstabenprinzessin

     (27)
    Aktuelle Rezension von: flipbe
    Sehr schönes Buch über ein Mädchen, dass um die Anerkennung des sehr religiösen Vaters kämpft. Dabei gerät ihr Bruder vielleicht doch auf die schiefe Bahn und ihre Mutter ist eine ganz andere, aber ganz andere... Ich fand das Buch sehr spannend, aber das Ende war enttäuschend rasch.
  9. Cover des Buches Die Gerechten (ISBN: 9783596168453)
    Sam Bourne

    Die Gerechten

     (65)
    Aktuelle Rezension von: Igno

    Innerhalb kürzester Zeit werden rund um den Erdball scheinbar wahllos Menschen ermordet. Allen gemein, man hätte es von ihnen nicht erwartet, aber sie haben Gutes getan. Will Monroe, Jungjournalist bei der New York Times, entdeckt eher zufällig Gemeinsamkeiten in zwei Fällen in den USA. Seine große Story witternd, stürzt er sich in die Recherche, bis plötzlich seine Frau Beth entführt wird. Die Spur führt nach Crown Heights, ein von Chassiden bewohntes Viertel von New York. Je tiefer Will gräbt, desto größer wird auch die Gefahr für ihn selbst.

    Ich mag Sam Bourne unter anderem, weil er zu den Autor:innen gehört, die zwar Unterhaltungsliteratur schreiben, dabei aber oft einen Bildungseffekt mitliefern. In diesem Fall betrifft das wie in Tag der Abrechnung einmal mehr Einblicke in spezielle Aspekte des Judentums. In Die Gerechten widmet er sich dem Chassidismus und lässt uns dabei tief in dessen religiösen Mystizismus eintauchen. Dabei bewegt er sich auf einem breiten Fundament von Abbildungen der Realität, so dass sich auch hier wieder empfiehlt, Lesepausen zur Recherche einzuplanen.

    Gerade in diesem Punkt kann ich diesmal aber nicht kritikfrei bleiben, denn Bournes Darstellung der chassidischen Dynastie ist für meinen Geschmack ein wenig zu positiv. Eine Gemeinsamkeit der chassidischen Strömungen ist ein extrem konservatives und repressives Frauenbild. Bourne kritisiert das am Rande und für mich im Gesamtbild deutlich zu leise über die sehr strengen Bekleidungsregeln für Frauen, die in Crown Heights öffentlich aushängen, die aber bei Weitem nicht das Ende der repressiven Fahnenstange sind. Einen Ausgleich kann da Unorthodox von Deborah Feldman bieten, das sich zwar mit einer anderen Dynastie (den Satmarern) beschäftigt, hinsichtlich des Frauenbildes aber recht ähnlich ist. Praktischerweise wurde ihr Buch auch in einer vierteiligen Miniserie gleichen Titels verfilmt.

    Aber nun zum Buch. Obwohl einer seiner frühen Thriller, lebt Die Gerechten bereits von Bournes Faible für komplexe Handlungen. Seinen Protagonisten Will Monroe – und damit auch seine Leser:innen – führt er immer wieder an der Nase herum; die Handlung nimmt mehrfach unerwartete Wendungen und große Teile des Gesamtbilds entfalten sich erst gegen Ende des Buchs. Das führte bei mir zwischenzeitlich – wie bei Tag der Abrechnung – zu der Befürchtung, das Buch könnte unschön plakativ enden, was sich allerdings nicht bewahrheitete.

    Leider – das fällt mir bei Bourne öfter auf – kratzt er bei einem Großteil seiner Figuren nur an der Oberfläche. Tiefe bekommen neben Will und TC kaum weitere Figuren. Das ist schade, insbesondere weil das Buch mit mehr als 400 Seiten doch Raum genug bieten würde. Ein Grund mag darin liegen, dass neben Will und TC kaum Figuren einen nennenswerten Raum einnehmen, was angesichts des Umfangs des Buches und des geringen Zeitraums, in dem die Handlung spielt, an sich schon bemerkenswert ist. Erwähnenswert scheint mir aber auch, dass die restlichen Figuren zwar recht oberflächlich bleiben, Bourne sie in ihren jeweiligen Szenen aber nicht lieblos in die Handlung wirft. Für den Raum, den er ihnen gestattet, geht er angemessen mit ihnen um, so dass sich meine Kritik an ihrer fehlenden Tiefe eigentlich mehr an das Gesamtdesign richtet.

    Abseits aller Kritik bleibt, insbesondere wenn man Die Gerechten vor allem als Unterhaltungslektüre liest, ein komplexer, spannender Thriller, der immer wieder mit unerwarteten Wendungen aufwartet. Ein kurzweiliges Stück Spannungsliteratur, das dazu noch einen Einblick in jüdisch-orthodoxe Strömungen bietet.

  10. Cover des Buches Das Labyrinth der Rosen (ISBN: 9783453352759)
    Titania Hardie

    Das Labyrinth der Rosen

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Perle
    Klappentext:
    Ein verschollenes Vermächtnis, das nur für eine Auserwählte bestimmt ist
    Die Entscxhlüsselung einer kryptischen Handschrift aus dem 16. Jahrhundert führt die junge Engländerin Lucy King zur Kathedrale von Chartres. Doch die Bedeutung der schicksalhaften Verbiundung zwischen dem geheimnisvollen Kirchen-Labyrinth und den alten Aufzeichnungen vermag sie nicht zu erkennen - noch nicht ...
    Ihre Suche wird zum Kampf auf Leben und Tod - denn Lucy ist nicht die Einzige, die die Wahrheit im Herzen des Rosen-Labyrinths sucht.

    Mysterium, Abenteuer, Enthüllung - ein einzigartiger Roman um eine Verschwörung, die die Menschheit bedroht.
    Besondere Ausstattung:
    Mit Dokumenten im Anhang

    Eigene Meinung:
    Dieses Buch suchte man mir in der Stadtbücherei unserer Nachbarstadt raus, da ich auf Rosenbücher steh. Ich war zuerst etwas skepötisch und dachte es wäre nichts für mich. Doch als ich es letzte Woche begann, stellte sich schnell heraus, dass es mir ganz gut gefällt um nicht zu sagen eigentlich sehr gut.

    Mit den ersten 40-50 Seiten konnte ich weniger angangen, erst dann begann der richtige Roman für mich. Ich hatte diese Zeilen im bus zur Stadt gelesen und konnte mich auch nicht ganz konzentrieren, war noch etwas erkältet und so fiel es mir schwer mich auf die Geschichte zu konzentrieren. Am Wochenende in der ruhigen Wohnung hingegen fiel es mir sehr leicht, mit den Hauptprotagonisten warm zu werden.

    Besonders Lucy hatte ich ins Herz geschlossen, hatte einiges mit ihr Gemeinsam, was möchte ich natütlich nicht verraten, dann würde ich vielleicht zuviel verraten. Auf jeden Fall ging es hier auch wieder um Gedichte und Autoren und schreiben und natürlich um meine geliebten Rosen.

    Konnte keine Schreibfehler entdecken. Ich las jeden Tag 35-80 Seiten, nur einen Tag war mir nicht zum Lesen zumute - dafür las ich dann am letzten Tag die restlichen 125 Seiten und fühlte mich sehr wohl dabei. Habe es in den 7-8 Tagen immer wieder gerne zur Hand genommen und gerne darin geblättert.

    Ein sehr unterhaltsames Buch - klasse geschrieben und tolle Protagonisten.  Kann nichts negatives über diesen Roman sagen bzw. schreiben.

    Ich kann es wärmsten empfehlen, es passt gut in die Winterzeit als auch in die Frühlingszeir, da es zum Beispiel viel um den 23. April geht und die Mittsommerwende.

    Die Autorin war mir bis jetzt auch unbekannt,
    daher mein 1. Buch von ihr.
    Falls es weitere Romane von ihr geben sollte,
    bin ich nicht davon abgeneigt ein anderes Mal mal wieder was von ihr zu lesen. Werde mich mal danach erkundigen, am Besten in der Stadtbücherei, die wissen da am Besten bescheid.

    Vergebe hierfür gut und gerne liebgemeinte 5 Sterne!




  11. Cover des Buches Das Geheimnis des Da-Vinci-Code (ISBN: 9783492246309)
    Marie-France Etchegoin

    Das Geheimnis des Da-Vinci-Code

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Jens65
    Wer sich mit den Hintergründen zum Da-Vinci-Code befassen möchte, sollte sich unbedingt zuallererst dieses Werk zu Gemüte führen. Im humorvollen Umgang mit den Auswirkungen des Phänomens Dan Brown ist dieses Buch ebenso unübertroffen wie in der Detailtreue und Genauigkeit.
  12. Cover des Buches Das Foucaultsche Pendel (ISBN: 9783867177917)
    Umberto Eco

    Das Foucaultsche Pendel

     (16)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Im Zeichen der Sechs (ISBN: 9783453131026)
    Mark Frost

    Im Zeichen der Sechs

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Spannend und atemberaubend
  14. Cover des Buches Madonna (ISBN: 9783810512819)
    Andrew Morton

    Madonna

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Liebes_Buch
    Madonna hat ihre Mitmenschen und die Medien ihr Leben lang derart mit Lügenmärchen gefüttert, dass man kaum echte Fakten über diesen Star hört. Sie ist eine Meisterin der Manipulation und die Medien machen dabei gerne mit, denn Madonna = Geld.
    Andrew Morton hat immerhin ansatzweise hinter diese Mythen geblickt. Trotzdem ist auch hier sicher viel unwahr.Z. B. schreibt er, Madonna habe die Behandlung und Beerdigung alter Freunde übernommen. Anderswo las ich jedoch ein entscheidendes Detail: nach der rührenden Übergabe der Schecks liess Madonna selbige sperren.
    Madonna ist ohne Zweifel eine faszinierende Person. Ich bin immer wirklich beeindruckt, wie viele Chancen sie vergeigte bis sie endlich Erfolg hatte. Madonnas Karriere war anfangs ein Gemeinschaftsprodukt von Madonna, ihrem Bruder, ihren Liebhabern, Freunden, Designern und einem Management. Man muss das hervorheben, weil Madonna verbreitet, sie hätte es ganz allein geschafft. Man stellt jedoch schnell fest, hinter der Frau steht ein Heer an Helfern. Es ist allein beachtlich, wie sie jahrelang von Männern durchgefüttert wurde, wobei sie bis zu 6 Liebhabern gleichzeitig hatte. Es hat mich gerührt, dass so viele Menschen Mitleid mit Madonna hatten und alles daran setzten, ihr den Wunsch vom Ruhm möglich zu machen. Das hat mich sowieso am meisten überrascht: dass Madonna als junge Frau keine Bewunderung erzeugte, sondern hauptsächlich auf das Mitleid ihrer Mitmenschen baute. Madonna hat ihr Leben zu einem Kunstwerk gemacht, an dem nicht viel echt ist. Dabei hat sie sich nie gescheut, sich zu überhöhen oder mit fremden Federn zu schmücken. Da sie Mädchen immer als Vorzeigefrau hingehalten wird, finde ich es wichtig, wenigstens einen kleinen Blick auf die Realität hinter dem Glanz zu werfen. Denn leider muss man mit einem gewissen Schauder sagen, dass diese Frau ohne das ganze Wohlwollen ihrer Mitmenschen einfach in die Prostitution gerutscht wäre. Das konnte sie auch niemals ganz hinter sich lassen. Was die Medien als Feminismus verkaufen, wurde von Madonnas Freunden als Sucht nach Erniedrigung eingestuft. Madonna ist eine traurige und tragische Figur. Spannende Biographie! (Es ist die einzige Madonna-Biographie mit brauchbaren Fotos, damit man sieht, warum Madonna berühmt wurde. Inklusive Höschen-Foto. Madonna zeigte schon als Schülerin gern Männern ihr Höschen.)
  15. Cover des Buches Die Kabbalah: Einführung in die jüdische Mystik und Geheimwissenschaft (ISBN: 9783958010345)
  16. Cover des Buches Die Ohrfeige (ISBN: 9783423138444)
    David Albahari

    Die Ohrfeige

     (4)
    Aktuelle Rezension von: HeikeG
    Ein undurchschaubares Spiel - Wie eine Ohrfeige manchmal ein ganzes Leben verändern kann - "Über einige Dinge lohnt es sich nicht nachzudenken, oder man sollte nie aufhören, über sie nachzudenken.", so sinniert der namenlose Ich-Erzähler in David Albaharis fabelhaftem Roman "Die Ohrfeige". Und dieser Satz durchzieht latent metaphorisch alle Seiten dieses sehr tiefgründigen Buches. Eigentlich "war nichts Außergewöhnliches vorgekommen: eine Ohrfeige, ein nasser Strumpf, die Stille, die Verfolgungsjagd. Gemessen am Zustand der Welt waren das Bagatellen.", überlegt Albaharis Protagonist, ein eigenbrötlerischer Journalist, der, abgesehen von gelegentlichen Übersetzungen, kleine Essays und Kommentare für eine Wochenzeitung schreibt. Mit seinem Freund Marko trifft er sich regelmäßig, um zu kiffen und dabei über Gott und die Welt im Allgemeinen und die politische Situation des zerfallenen ehemaligen jugoslawischen Staates im Besonderen zu philosophieren. "Was ist das für eine Welt, in der so viele Menschen verloren gehen? Und wenn sie alle verloren sind, wer garantiert mir, dass nicht auch ich schon längst verloren bin?" Er grübelt über die Wirklichkeit, die Erinnerung, den Krieg, den politischen Terror und den Hass: "mein Zuhause [war] eine verdrehte Welt". Eine Beobachtung des jungen Serben am Ufer der Donau soll sein Leben von Grund auf verändern. An einem Sonntag im März 1998 wird er Zeuge einer Szene, die ihn sechs Jahre später, immer noch tief traumatisiert, veranlasst, diese Geschichte zu Papier zu bringen. Was war passiert? Ein Mann gibt einer jungen Frau urplötzlich, ohne jede Ankündigung, eine Ohrfeige. Die komplette Situation erschien ihm damals äußerst suspekt, ja geradezu grotesk. "Die Wucht der Ohrfeige, die Handbewegung, das Verhalten des Mädchens danach, die Art, wie sie taumelnd ins Wasser trat, nichts passte zueinander; es schien, als wäre etwas anderes abgemacht gewesen...". Er verfolgt die Frau, verliert sie jedoch aus den Augen. Doch plötzlich scheint Belgrad voller geheimnisvoller Zeichen zu sein, dessen Zusammenhang er herauszufinden versucht. Stehen sie gar mit diesem ominösen Erlebnis am Donauufer in Zusammenhang? Ominöse Zeichen, ein geheimnisvolles Manuskript Albahari strickt aus diesem Augenblick einen grandiosen Roman, voller tiefgründiger Selbstreflexionen, mystischer Verwicklungen und philosophischer Zwiegespräche, in einer Kulisse, die geradezu prädestiniert ist für derartige Verquickungen: Serbien zwischen den Jahren 1998 und 1999. Doch was hat es mit dem geheimnisvollen Manuskript auf sich, das der junge Mann erhält und welches ein Eigenleben zu entwickeln scheint, ständig seinen Text verändert, aber trotzdem immer wieder zu einer homogenen Einheit wird? Es enthält zum einen die Geschichte der jüdischen Gemeinde Belgrads, zum anderen ein Bündel kabbalistischer Texte und mystischer Lehren von Gut und Böse. Dieses Manuskript scheint wiederum mit anderen Dingen in seinem Leben im Zusammenhang zu stehen. Wurde er - ein Nichtjude - gar als Retter der Juden auserkoren? Alle Begebenheiten erweisen sich nach und nach als Teil eines großen, klebrigen Netzes, in das der junge Journalist offensichtlich bewusst eingebunden wird; in dessen Verstrickungen er sich jedoch zusehends verirrt und nicht mehr befreien kann. Dieses Netz symbolisiert den zunehmenden Nationalismus in seiner Heimat und ganz konkret die eskalierende Situation der Juden, Gräber werden geschändet, Ausstellungen jüdischer Künstler zerstört: ein beängstigender Antisemitismus, der sich während des Balkankriegs in Belgrad tatsächlich entwickelte. Zwiestreit zwischen Chaos und Ordnung David Albaharis anspruchsvoller Roman erzeugt einen magischen Sog, dem sich der Leser kaum entziehen kann. Er taucht ein in einen Text voller Bilder und Klänge, der fast losgelöst von der Sprache zu sein scheint und wird von seiner Mystik und seinen mannigfaltigen Andeutungen geradezu gefangen genommen. Beinahe mühelos wechselt der Autor zwischen realer und imaginärer, irrationaler Ebene, erzeugt "gespiegelte Spiegelungen im Wechselspiel von Licht und Dunkel". Er fordert den Leser heraus, die Gedanken von innen heraus zu beobachten. Analytisches Denken und Logik sind beim Lesen hier fehl am Platz. Chaos und Ordnung stehen ständig im Zwiestreit. Dieses Buch beginnt nicht wie andere Bücher mit Fragen, die am Ende beantwortet werden, sondern hier häufen sich die Fragen gegen Ende, und die Antworten sind überall verstreut. "Die Ohrfeige" ist keine geordnete Erzählung, in der die Stränge harmonisch angelegt sind, sondern "eher ein Abbild des Lebens, das immer chaotisch ist, da sich in ihm immer viel zu viele Dinge auf einmal ereignen.", meint sein Erzähler. Albahari versteht es großartig zu täuschen, auf eine Fährte zu locken, die sich an der nächsten Ecke wieder zu verlieren scheint oder in eine andere Richtung führt. Im selben Augenblick tauchen andere Nebenstränge auf, die scheinbar losgelöst nebeneinander herlaufen, im Endeffekt aber doch zu einem gemeinsamen Strang verflochten werden, der um das eigentliche Zentrum herumkreist und erst auf den letzten Seiten einen kulminierenden Höhepunkt erfährt. Ein ausgesprochenes Leseerlebnis Durchaus hilfreich ist es, sich die politische Situation der damaligen Zeit zu vergegenwärtigen. Das "Land war dabei auseinanderzufallen, Bombendrohungen hingen in der Luft wie überreifes Obst, Menschen zerbrachen, als wären sie aus Legosteinen zusammengesetzt, der Irrsinn war nahe daran, zum Normalzustand erklärt zu werden (…) Nie war die Wirklichkeit so weit von der Wirklichkeit entfernt wie in jenen Jahren in Belgrad, und noch nie hatte man so sehr darauf gepocht, dass dies die einzige Wirklichkeit sei.", stellt der Protagonist fest. Albahari ist es gelungen, das Wesen der Welt und des Lebens auf das Trefflichste zu beschreiben. "Beim Schreiben stehen unserer Phantasie alle Wege offen, die Wirklichkeit jedoch gewährt uns nur wenige Möglichkeiten und manchmal nicht einmal die.", so der Autor. "Die Ohrfeige" ist ein Abstrakt seiner ganz persönlichen politischen Verzweiflung, eine Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse. Und so lässt er den verstörten Helden am Ende erkennen, dass "nicht [wir] Angst vor anderen [haben], sondern vor uns selbst oder genauer gesagt, wir fürchten die Veränderung, zu denen uns die Anwesendheit anderer verleiten könnte. (…) Um andere zu hassen, müssen wir zuerst uns selbst hassen wegen unserer Unzulänglichkeit oder Schwäche, derer Ursache wir nicht bei uns, sondern bei jemand anderem suchen, und zwar nicht bei irgendjemandem, sondern bei dem, der wegen seines Andersseins auffällt und - was noch wichtiger ist - zu schwach ist, um sich zu verstecken oder sich zu wehren." Fazit: "Die Ohrfeige" ist kein fröhliches, aber ein beklemmend eindringliches Buch. Es ist ein Ausflug in die Schattenwelt der Mystik, als Flucht vor dem, was die Welt und deren Wirklichkeit war/ist. Eine unbedingte Leseempfehlung an all diejenigen, die anspruchsvolle Literatur mögen, denn nicht zuletzt dank der großartigen Übersetzung aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann ist dieser Roman ein ausgesprochen tiefgründiges, überwältigendes, phantastisches Leseerlebnis.
  17. Cover des Buches Das Mysterium der Zahl (ISBN: 9783896314369)
    Franz Carl Endres

    Das Mysterium der Zahl

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Die Kabbala (ISBN: 9783937229775)
    Erich Bischoff

    Die Kabbala

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Waldviertler
    Das Buch ist als Einführung in die Kabbala hilfreich, weil es einen sachlich und geschichtlich fundierten Überblick über dieses Gebiet der Mystik gibt. Detailliert und Kenntnisreich werden historische Zusammenhänge, grundlegende Vorkenntnisse wie das hebräische Alphabet und Aspekte der praktischen Metaphysik dargestellte. Der Teil, welcher der praktischen Mystik gewidmet ist, widmet sich ausführlich den „zweiundsiebzig Gottesnamen“ und den Genien in ihren jeweiligen Wirksphären. Allerdings ist die Orientierung auf die Praxis in gewisser Weise auch die Schwäche dieses Buches. In der Kabbala geht es eben um mehr als nur um Zahlen- und Buchstabenmagie. Ihre Basis ist in der Auslegung der Tora zu finden, also in der jüdischen Theologie. Dieser Aspekt kommt hier in diesem Buch erheblich zu kurz.
  19. Cover des Buches Kabbala-Engel-Orakel - Set (ISBN: 9783778773369)
    Manticus

    Kabbala-Engel-Orakel - Set

     (1)
    Aktuelle Rezension von: FrankWK
    Sehr empfehlenswert für alle, die sich mit Engeln beschäftigen. Mit diesem Buch und der Hochwertigen Kabbala-drehscheibe zur Errechnung der Engel und Antworten aus Plastikähnlichem Material hat man wirklich seinen Spaß bekommt aber auch wirklich hilfreiche Texte und Antworten. Einziger negativer Punkt ist, dass ein immerwährender Kalender fehlt, der nun wirklich noch in das Buch gepasst hätte. Ohne dem brauch man bei bestimmten Fragen auf jeden Fall das Internet, um festzustellen, welcher Wochentag an einem Datum war. Ansonsten super.
  20. Cover des Buches Gezeichnete Schöpfung (ISBN: 9783937715315)
    Gabriele Mandel

    Gezeichnete Schöpfung

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Rächerin der Engel (ISBN: 9783492267625)
    Mary Stanton

    Rächerin der Engel

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Buechergarten

    》INHALT:

    Gemeinsam mit ihren himmlischen Angestellten, vertritt die Anwältin Bree Winston in Savannah die Seelen der Verstorbenen, die zu Unrecht verdammt wurden. In diesem Sinne wird Bree von Bankier Russel O´Rourke kontaktiert, der sich laut offiziellen Ermittlungen nach einem Millionenverlust selbst das Leben nahm. Doch schon bald findet Bree in dessen irdischem Leben erste Spuren, die auf einen Mord hindeuten. Doch wer könnte den Bankier umgebracht haben? Und warum? Je hartnäckiger Bree ermittelt, desto mehr gerät sie in Gefahr – denn der Mörder möchte sein Geheimnis wahren…

     

    》EIGENE MEINUNG:

    Vor vielen Jahren habe ich diese wundervolle Geschichte mit Teil 1 und 2 zu lesen begonnen. Nun möchte ich sie zu Ende bringen, was mir leider wegen der fehlenden Übersetzung des 5. Bandes aus dem Englischen etwas erschwert wird. Der Englische Titel der Reihe „The Beaufort & Company Mystery Series“ klingt ganz wunderbar und der 5. Teil trägt den Namen „Angel Condemned“ (siehe http://marystanton.com/books/?c=beaufort).

    Das Cover ist wieder schön gestaltet, zeigt Anzeichen für das Übersinnliche im Buch und ist dabei leider nicht mehr wirklich etwas Besonderes. Es passt jedoch gut zu seinen Vorgängern bzw. dem 4. Teil der Reihe. Was mich weiterhin stört, ist dass ich die Frau auf dem Cover überhaupt nicht mit der weißblonden Bree, die ihre Haare immer um den Kopf geflochten trägt, in Verbindung bringen kann. Außerdem finde ich die Originalcover der Reihe auch als sehr ansprechend. Es sind keine Personen darauf, sondern außergewöhnlich gestaltete Szenen.

    Bree war mir auch in diesem Teil wieder sehr sympathisch. Zu ihrem Hund Sasha gesellen sich in diesem Teil noch weitere „Beschützer“. Ihre Angestellten habe ich schon absolut ins Herz geschlossen und ihre Schwester wird in diesem Band viel intensiver miteinbezogen und beleuchtet. Bei allen ist eine Weiterentwicklung zu erkennen, neue Charaktere kommen hinzu und die kleine Liebesgeschichte ist weiterhin vorhanden, hält sich aber sehr im Hintergrund.

    Auch hier stehen also wieder Brees Fall, die Ermittlungen, ihr Umgang mit diesem neuen Teil ihres Lebens und das himmlische Gericht im Vordergrund. Bei Letzterem gibt es stückchenweise wieder neue Informationen, nach denen ich gerade zu gelechzt habe! Ein himmlisches Archiv, teuflische Anwälte, mächtige Höllenhunde… Weiter wird die Geschichte für mich düsterer, die Auswirkungen auf Bree deutlicher. Der Mordfall ist ausgeklügelt und es macht Spaß ihn, zusammen mit Bree, zu lösen.

    Der Schreibstil ist erneut flüssig, spannend und unterhaltsam! Zu Beginn des Buches findet sich eine Aufstellung der handelnden Personen, die einem durchaus weiter hilft. Ich empfehle aber trotzdem die Reihe von Beginn an zu verfolgen.

    1. Im Namen der Engel

    2. Anwältin der Engel

    3. Rächerin der Engel

    4. Gerechte Engel

     

    》FAZIT:

    Eine gelungene Mischung aus Spannung, Ermittlungsarbeit der Anwältin, tollen Charakteren, Geheimnissen, ein winziges bisschen Liebe, familiären Verwicklungen und Übernatürlichem.

  22. Cover des Buches Traumklänge (ISBN: 9783404922178)
    Frederik Hetmann

    Traumklänge

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Jacynthe

    Inhalt


    Izaak träumt davon, einen Roman zu schreiben, bei dessen Lektüre man die Welt vergessen kann, doch im fehlt die nötige Inspiration. Diese gelangt schließlich in Form einer metallenen klingenden Kugel in seinen Besitz, die dann auch die Hauptrolle in seiner Geschichte erhält. Die Kugel fördert die Erfüllung der Träume des Besitzers, doch obwohl sie von vielen als Glücksbringer betrachtet wird, beschert sie nicht jedem von ihnen ein Happy End.



    Meine Meinung


    Ich bin froh, dieses Buch endlich von meine SuB befreien zu können, wo es schon seit vielen Jahren steht. Ich weiß, dass ich es vor einiger Zeit schon einmal begonnen hatte und war eigentlich der Meinung, es bald darauf wieder weggelegt zu haben. Beim Lesen hatte ich jetzt aber so viele Déjà-vu-Erlebnisse, dass ich mich ernsthaft fragen muss, ob ich das Buch vielleicht doch schon einmal  ganz gelesen habe. Falls dem so wäre, wäre es das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist, nämlich, die Lektüre eines ganzen Buches vergessen zu haben.

    Andererseits wäre das nicht verwunderlich, denn insgesamt ist das Buch mit den darin enthaltenen kurzen Geschichten für mich keines, das durch irgendwelche markanten Geschehnisse im Gedächtnis bleiben würde.

    Zwei Geschichten sind in diesem Buch miteinander verknüpft: Die des Journalisten Izaak, der durch seine neue Freundin Eliza an eine geheimnisvolle Kugel gelangt, die ihn dabei unterstützt, seinen lange geplanten Roman in die Tat umzusetzen. Dieser wiederum stellt die zweite Geschichte dar, bei der der Leser der Kugel durch die Zeit und rund um die Welt folgt. Die Reise beginnt mit einer märchenartigen Erzählung wie aus Tausendundeiner Nacht, durchquert das Mittelalter, reist in die neue Welt und sogar in das Reich der Feen. Man wohnt Inquisitionen und Kriegen bei, aber auch Augenblicken größten Glücks und erfüllter Liebe. Menschen mit realen Vorbildern begegnen dabei erfundenen Persönlichkeiten, die an verschiedensten historischen Ereignissen beitrugen oder zumindest direkt von ihnen beeinflusst wurden.

    Wer historisch und politisch nicht so bewandert ist, kann kurzen Stellungnahmen im Anhang entnehmen, ob das Gelesene nun wahr oder erfunden ist und wo gegebenenfalls mehr über die vorkommenden Personen und Ereignisse erfahren werden kann. Ich stehe so einem Schreibstil eher skeptisch gegenüber, denn aus dem Bereich der Pädagogik weiß ich, wie schnell sich falsche Tatsachen als richtig einprägen, wenn man sie liest. Das Buch ist daher mit Vorsicht zu genießen.

    Passagenweise hat mir der Roman ganz gut gefallen und einige Kapitel vermochten es durchaus, mich zu fesseln. Zu diesen zählt zum Beispiel die Rahmengeschichte, die von Izaak und Eliza handelt und gegen Ende äußerst spannend wird. Im Großen und Ganzen empfand ich den Roman aber als anstrengend und langweilig. Besonders missfallen hat mir die plumpe Art des Autors, über Sex zu schreiben. Die häufig vorkommenden Szenen wirken konstruiert und erschienen mir oft unpassend, außerdem liefen sie immer gleich ab.

    Generell bin ich über die in dem Buch auftauchenden Frauenrollen weniger glücklich, was aber großteils auch den Zeiten geschuldet ist, in der die Kapitel jeweils spielen. Ich finde auch nicht, dass die im Buch enthaltenen Kapitel in die Gattung "Märchen" einzuordnen sind, wie der Titel impliziert. Es könnte allenfalls noch als modernes Märchen durchgehen, wobei auch das keine Bezeichnung ist, die mir sofort zu diesem Buch einfallen würde.

    Ich vergebe  2 von 5 Wolken für diesen Roman.
  23. Cover des Buches Grenzen unseres Wissens (ISBN: 9783572013708)

    Grenzen unseres Wissens

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Der gefrorene Rabbi (ISBN: 9783453409378)
    Steve Stern

    Der gefrorene Rabbi

     (53)
    Aktuelle Rezension von: awogfli
    Dieser Roman hat eigentlich alle Ingredienzien, die mich zu Begeisterung hinreissen könnten.

    Jiddische Geschichte einer Familie quer durch die Jahrhunderte ganz so wie ich es mag, in Rückblenden a bissal polnisches Ghetto, a bissal Shoa, a bissal Auswanderung nach USA, a bissal kabbalistische Mystik versus gottloses kapitalistisches amerikanisches Judentum, a bissal Israel, Terrorismus (sorry Freiheitskampf) bei Staatengründung und Kibbutz - über mehrere Generationen verteilt. Jiddische Witze meist sexuell anzüglich bis fast schon unverschämt dreckig, ausschweifend erzählt mit Anekdöteln gespickt,  jüdisches Leiden in jeder Situation und eingeflochtene jiddische Sprach. Dazu noch ein Familienfluch und das Versprechen einer skurrilen Familiengeschichte.

    Leider waren diese wundervollen Komponenten für mich im völlig falschen Mischungsverhältnis vorhanden. Die Story zog sich permanent und zäh wie Strudelteig und ich habe lange gerätselt, was mich tatsächlich so derart gestört hat bei einer für mich so perfekten Ausgangessituation: Es war  der Skurillitätszwang, den sich der Autor bei der Erzählung der jiddischen Familiengeschichte selbst auferlegt hat, der mich derart nervte. Sobald irgendwas in der Familienchronik einen Hauch von (spiessiger) Normalität versprühte, wie beispielsweise eine klassische Liebesgeschichte mit Hochzeit, normalen Kindern mit normalen Problemen und relativ normaler glücklicher Ehe wurde vom Autor sofort weggeblendet, ein paar Jahre übersprungen und das nächste Kuriosum erzählt. Somit ergab sich keine normale Familiengeschichte, sondern lediglich eine Aneinanderreihung im Kuriositätenkabinett. Ich fand den Autor einfach zu bemüht und angestrengt, sich bei all den Generationen nur die Skurillitäten herauszupicken, die mehr oder weniger doch jede Familie hat. Kuriositäten sollten wie Gewaltsszenen in einem Roman wohldosiert, in den Plot eingewebt und teilweise überraschend eingesetzt werden, sonst stumpft der Leser einfach ab und langweilt sich nur.

    In die andere Richtung bin ich natürlich auch geneigt, Romane mit totalem fiktionalen Wahnwitz, der sich bei schwarzhumorigen Irrsinnspunkten ganz vorne einreihen, sehr zu schätzen zu wissen. In dem Fall war aber dann die Story eigentlich wieder viel zu normal, um in diese Kategorie zu fallen. So pendelte für mich das Werk permanent auf der Kippe zwischen Fisch und Fleisch (im Jiddischen selbstverständlich zwischen Fleisch und Milchprodukten herum). Was ich durch diese Erkenntnis aber gewonnen habe ist, dass ich verstehe, das dieses Buch sehr polarisierend rezensiert wurde, und dass es die einen lieben und die anderen hassen. Für mich war es gleichzeitig zu wenig und zuviel Skurrilität und deshalb bleibt meine Bewertung genauso wie die Geschichte auf dem Grad auf der mediokren Mittellinie.

    Fazit: Nebbich mit guten Ansätzen hätte 2 komplett unterschiedliche gute Romane ergeben können.

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