Bücher mit dem Tag "kafkaesk"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kafkaesk" gekennzeichnet haben.

52 Bücher

  1. Cover des Buches »Das drucken Sie aber nicht!« (ISBN: 9783492242684)
    Fjodor Michailowitsch Dostojewski

    »Das drucken Sie aber nicht!«

     (494)
    Aktuelle Rezension von: Anke_Kuehne

    Tolles Buch, ich bin nachhaltig beeindruckt!!! Dostojewski schrieb es vor über 150 Jahren und er ist moderner als viele Politiker heute… Sprachlich ist es sperrig und brillant. Außerdem war mir diese russische Epoche bislang unbekannt, ich habe viel gelernt.

  2. Cover des Buches Der Prozess (ISBN: 9783596709625)
    Franz Kafka

    Der Prozess

     (1.089)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Josef K. wird in seiner Wohnung von Polizisten besucht. Eien Befragung findet statt und der Angestellte merkt, dass ihm seine Worte schon hier verdreht werden. Was hat es auf sich? Was wirft man ihm denn überhaupt vor? Ein Alptraum beginnt und Josef K. befindet sich in einem Strudel der Ereignisse und weiß bald nicht mehr, wem er trauen kann. Meisterstück.

  3. Cover des Buches Die Chroniken des Aufziehvogels (ISBN: 9783832181420)
    Haruki Murakami

    Die Chroniken des Aufziehvogels

     (601)
    Aktuelle Rezension von: R_D1

    Dem Protagonisten, Toru, passieren seltsame Begegnisse. Seine Welt beginnt sich zu ändern, gerät aus den Fugen. Es ist nicht nur die Geschichte Torus, einem arbeitslosen Mann aus Tokio. Es ist auch die Geschichte Japans, die Geschichte eines Krieges, die mit Toru mehr zu tun hat, als er glaubt.

    Der Stil ist typisch für Haruki Murakami: nüchtern, detailliert und surreal hat er eine Trilogie über einen eher passiven Mann geschrieben, der sich lieber mit seiner Umgebung befasst als sein Innenleben.

    Mysteriöse Begegnungen und Metaphern tragen sich zu: Es geht um einen Vogel, der jeden Morgen die Welt aufzieht, um eine Hinterhofgasse, um einen Brunnen auf einem verlassenen Grundstück als Portal ins ein Unterbewusste.. und um ein freches Mädchen aus der Nachbarschaft. (übrigens meine Lieblingsfigur!)

    Ich habe damals "Mister Aufziehvogel" gelesen und inzwischen auch "Die Chroniken des Aufziehvogels", die Übersetzung direkt(!) aus dem Japanischen, gelesen und gehört - und bin hellauf begeistert! DAS ist für mich Surrealismus!


    Empfehlenswert für Haruki-Murakami-Fans und FreundInnen des Surrealen und Metaphorischen. 

  4. Cover des Buches QualityLand (QualityLand 1) (ISBN: 9783548291871)
    Marc-Uwe Kling

    QualityLand (QualityLand 1)

     (824)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Die Zukunft heißt Quality-Land, ist weitestgehend durchautomatisiert und alles beruht auf Berechnungen künstlicher Intelligenz. Die Menschen sind fremdgesteuert, das System kennt ihr Vorliebe besser als sie selbst. Bestellungen werden geliefert ohne bestellt worden zu sein, einfach aufgrund der Situation des Einzelnen und seiner berechneten Vorlieben. Doch dann erhält Peter Arbeitsloser ein unaufgefordertes Pakete mit einem rosa Delfinvibrator, bei dem das System darauf beharrt, dass er Peter gefällt, obwohl dies seiner Meinung nach nicht der Fall ist und er beginnt das System zu hinterfragen.....

    Die Idee und satirische Umsetzung sind hervorragend. Der Spaßfaktor des Buches nimmt dem Thema die durchaus vorhandene Schärfe und Realitätsnähe ein wenig. Die erdachte Zukunft ist in sich schlüssig und detailliert beschrieben. Allerdings verliert sich der Autor gerne in diesen Beschreibungen. Die Erklärungen zum System und den Abläufen in Qualityland sind ausufernd und langatmig, wodurch der Einstieg ins Buch nach kurzer Zeit langweilig wird. Auch die einzelnen Charaktere, so unterhaltsam und eigen diese sind, bleiben platt und oberflächlich. Die Figuren sind größtenteils dümmlich oder zumindest naiv dargestellt, für die Satire sicherlich vorteilhaft, für das Lesevergnügen deutlich weniger. Auch im Schreibstil ist der Autor weder wortgewandt, noch einfallsreich, allenfalls als karg zu bezeichnen.  Während die zwischengesetzte Werbung anfangs noch lustig und erklärend für das System ist, wird sie über die Länge des Buches hin eher nervig, aufdringlich und zieht ebenfalls einfach unnötig in die Länge. Der Unterhaltungsfaktor ist gut umgesetzt und bietet dem Leser ausreichend Möglichkeiten sich mit dem Thema zu beschäftigen und über das Eine oder Andere nachzudenken.

    Mein Fazit: Gute Ansätze nett verpackt, aber zu lang und zu oberflächlich. Ein wenig wie ein durchschnittlicher Comedian, über den man kurzfristig lachen kann, aber dessen Kritik und Thematik spurlos verhallen, einfach aufgrund der Mittelmäßigkeit. Das Buch hat mich kurzzeitig ganz gut unterhalten, müsste aber deutlich akzentuierter und kürzer sein, um längerfristig zu beeindrucken. Als sogenannte Bus- und Bahnlektüre optimal, denn man kann jederzeit problemlos unterbrechen und ist nie so in den Bann gezogen, dass man seine Haltestelle verpasst.

  5. Cover des Buches Das Schloss (ISBN: 9783596709618)
    Franz Kafka

    Das Schloss

     (306)
    Aktuelle Rezension von: Frau_J_von_T
    In Kafkas "Das Schloss" begleitet der Leser den angeblichen Landvermesser K., welcher in ein Dorf am Fuße eines Schlosses kommt um dort zu arbeiten. 
    Schnell merkt er, dass Fremde im Dorf nicht gern gesehen sind und dass man sich dem Willen des Schlosses zu fügen hat, egal wie langsam die Mühlen der Bürokratie auch mahlen.

    Mir hat das Romanfragment Kafkas sehr gut gefallen. Auch wenn es nicht immer ganz leicht und flüssig zu lesen und stellenweise wirklich langatmig war, so konnte ich mich der Sogwirkung des Romans nicht entziehen. Obwohl die Figuren eher oberflächlich bleiben und vor alles sehr surreal wirkt, so kann man sich doch auch selbst sehr gut in K. hineinversetzen. Das ewige Bemühen an sein Ziel zu gelangen und immer wieder Steine in den Weg gelegt zu bekommen... Sich ohne Erfolg abzustrampeln... jeder kennt es irgendwie. 

    "Das Schloss" ist ein Roman auf den man sich voll und ganz konzentrieren muss, um nicht darin unter zu gehen. Man liest es nicht einfach mal eben nebenbei. 
    In dieser Ausgabe des Manesse Verlags, die nicht nur super aussieht, befindet sich am Ende noch ein Nachwort von Norbert Gstrein welches ich sehr interessant fand.
  6. Cover des Buches Die Verwandlung (ISBN: 9783150144336)
    Franz Kafka

    Die Verwandlung

     (1.788)
    Aktuelle Rezension von: nayezi

    „Die Verwandlung“ gehört zu meinen liebsten Büchernüberhaupt, denn der Roman ist unfassbar fesselnd und bewegend geschrieben: Trotz der Kürze des Werkes gelingt es Kafka nämlich mit wenigen Worten große Gefühle zu übermitteln. Selbst Tage nach dem Lesen bewegt mich das Buch noch, wann immer ich daran denke. Und das passiert häufig, da die Themen - aufgrund ihrer vielen und tiefgründigen Facetten - sehr zum Nachdenken anregen. Es geht unter anderem um die Botschaften des Expressionismus, als auch um komplizierte Vater-Kind-Beziehungen.

    Das Buch ist mehr als hundert Jahre nach dessen Erstveröffentlichung, noch immer hoch aktuell, und ich legeihn jedem ans Herz.

  7. Cover des Buches Die Erzählungen (ISBN: 9783596903719)
    Roger Hermes

    Die Erzählungen

     (134)
    Aktuelle Rezension von: Erinnye
    Dass Buch ist zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Texten von Kafka. Dies reicht von kurzen, einseitigen Erzählungen bis hin zu mehrseitigen Geschichten. Dabei gelingt es Kafka thematisch zwar immer innerhalb eines gewissen Stils zu bleiben, jedoch wiederholt er sich nicht. Jede seiner Schriften hat für sich gesehen eine individuelle Daseinsberechtigung und sagt etwas Anderes aus. Diese Aussage zu verstehen ist bei Kafka natürlich immer so eine Sache. Es bleibt ein Rätsel, ob man die Erzählung so versteht, wie der Autor sie gedacht hatte - jedoch macht dies auch den Spaß an seinem Schreibstil aus. Vielfach interpretierbar, aber auch einfach nur genußvoll lesen und die Prosa bestaunen.. dies alles ist möglich bei diesem Autor. Die Geschichte, die mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist die, die von einem neurotischen Maulwurf erzählt, der um seinen Bau fürchtet, gleichzeitig aber auch davor zurückschreckt ihn wieder zu betreten, wenn er zwecks Vorratsbeschaffung nach draußen muss. Kafka gelingt es, über mehrere Seiten hinweg kein einziges Mal das Wort "Maulwurf" zu benutzen und lässt somit offen, ob es nicht doch eine Wühlmaus oder ein Hamster ist, das ist auch egal, stellt es doch eine hervorragende Metapher dafür dar, dass es bei Kafka nicht um festgesetzte Personen geht, sondern lediglich um die Aussage, die er mit seinem Text tätigen will. Natürlich waren auch so berühmte Geschichten wie "Die Verwandlung" und viele Andere vertreten. Um Kafka zu lesen sollte man eine gewisse Konzentration mitbringen, es ist aber auch dann sicher nicht etwas für jedermann. Man muss den kafkaesken Stil einfach mögen. Tut man dies, dann erscheint einem diese Sammlung von Erzählungen einfach als ein einmaliges Stück Literatur und seine poetischen Texte als wahre Kunst für sich. Immer wieder lesen, immer wieder neu interpretieren, immer wieder neu erleben.
  8. Cover des Buches Franz Kafka, Gesammelte Werke (ISBN: 9783866478497)
    Franz Kafka

    Franz Kafka, Gesammelte Werke

     (77)
    Aktuelle Rezension von: thronesoflife
    so viel ist schon über diesen Autor geschrieben werden, ich hänge mich kurz an. es lohnt sich es zu lesen, damit du mitreden kannst, wenn dich wer fragt, wer denn einer der grössten unserer Sprache war. lest es, lest es!!!! mehr gibt es dazu nicht zu sagen, es wird euch beeindrucken
  9. Cover des Buches Blinde Weide, schlafende Frau (ISBN: 9783832186012)
    Haruki Murakami

    Blinde Weide, schlafende Frau

     (125)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly

    In "Blinde Weide, schlafende Frau" wurden 24 Kurzgeschichten aus verschiedenen Murakami-Epochen zusammengefasst. Die 24 Kurzgeschichten ähneln den 24 Stunden eines Tagesverlaufs mit unterschiedlichstem Lichteinfall und stimmungsschwankender Ausprägung, mal ruhig und melancholisch, dann wieder beunruhigend, alptraumartig. Aus manchen, wie z.B. Glühwürmchen wurden Romane, in diesem Fall "Naokos Lächeln".
    Für mich zeigt Murakami auch mit seinen Kurzgeschichten, wie gekonnt er unsere Abgründe zu beleuchten vermag. Wie ein Herrscher über Unterbewusstsein und Vorstellungskraft erzählt er surreale Traumbilder ohne seine Protagonisten zu entblößen. Verletzlichkeit ist bei ihm nie Schwäche, Einsamkeit nie anstössig. Ich mag sein Begehren, seine Sehnsüchte, die Tiefe der Gefühle, Gefühle, die verweilen ohne sich rechtfertigen zu wollen.

  10. Cover des Buches Die Vegetarierin (ISBN: 9783746637600)
    Han Kang

    Die Vegetarierin

     (447)
    Aktuelle Rezension von: Martine_H

    "Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar....So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestossen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten". Es sind diese zwei Sätze, die so alles aussagen über die Geschichte von Yong-Hye. Sie scheint erst zu existieren als sie durch die simple Banalität des Ablehnens von Fleisch aus der Gesellschaft um sie herum ausbricht. Dieser Ausbruch bringt Schreckliches mit sich.

    Der Schreibstil ist ungewöhnlich, da der Perspektivenwechsel für alle Protagonisten gilt und sich fliessend in die Geschichte einreiht. Das Ganze spielt sich eher ab wie ein Film, dem man unausweichlich ausgesetzt ist.

    Man kommt sich vor wie ein Voyeur im Leben von Yong-Hye, das an Schrecken und Verstörung schon fast nicht zu überbieten ist. Das Schwanken zwischen der Lektüre ausweichen, in dem man das Buch weglegt und dem Interesse wie die Geschichte endet, bringt einen selbst in einen persönlichen Konflikt. 

    Jedoch zeigt das Leben selbst, dass wir Gräueltaten nicht ausweichen können; sie finden statt und oft haben wir nicht einmal die Macht, sie aufzuhalten. Das einzige das wir tun können ist zu helfen sie nicht unsichtbar und vergessen zu machen.

    Ein Buch, das einen auch nachhaltig noch ins Schaudern versetzt.

  11. Cover des Buches Das Urteil (ISBN: 9783752854800)
    Franz Kafka

    Das Urteil

     (138)
    Aktuelle Rezension von: nayezi

    Wie gewohnt haben wir auch hier ein bedeutungsstarkes Werk von Kafka. Besonders geht es dabei um die Sinnlosigkeit der von undurchschaubaren Instanzen bestimmten Welt. Es gibt auch noch ein paar weitere Ebenen, die ich aber - um nichts vorweg zunehmen - unbenannt lassen werde. Was ich dazu aber sagen muss ist, dass der Sinngehalt nicht immer direkt zu erkennen ist.

    Damit komme ich auch schon zu dem zentralen Kritikpunkt meinerseits; So fand ich den Text zum Teil etwas undurchsichtig und es wirkte, als sei alles in einer Hast verfasst worden, ohne auf Details oder ähnliches einzugehen. Da hätte ich mir eine andere Darstellung gewünscht.

    Nichtsdestotrotz ein lesenswertes Buch.

    Ein kleiner Nachtrag: Kafka hat das Ganze wohl auch in einer Nacht geschrieben und dann nicht mehr überarbeitet. Dies spiegelt sich hier demnach - in der von mir beschriebenen „Hast“ - wieder.

  12. Cover des Buches Gesammelte Werke, 12 Bde. (ISBN: 9783596124404)
    Franz Kafka

    Gesammelte Werke, 12 Bde.

     (17)
    Aktuelle Rezension von: PrinzessinMurks
    Im LK als Halbjahresprojekt gelesen habe ich sowohl die Diskussionen als auch die herrlich experimentelle Welt des Autors sehr genossen. Und ich weiß, dass ich viel an Randnotizen hatte - und nun ist die Ausgabe verschollen. Ob ich sie verliehen hab? Sie fehlt mir!
  13. Cover des Buches Die unheimliche Bibliothek (ISBN: 9783832162931)
    Haruki Murakami

    Die unheimliche Bibliothek

     (187)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Eine kurze, aber gute Geschichte über Gehorsamkeit, Einsamkeit und Verlust.
    Unglaublich düster und absurd, mir hat das Buch sehr gut gefallen.
    Die Verschwimmung zwischen Wirklichkeit und Absurdität, die Sorge um scheinbar banale Dinge und die Angst vor realen Gefahren, war eine wunderbare Kombination.
    Lustigerweise habe ist es in meiner Bücherei entdeckt. Ich hoffe, man schickt mich nächste Mal nicht dort in den Keller...

    Empfehle ich jedem, der eine kurze, spannende und skurrile Geschichte sucht.

  14. Cover des Buches Der Vogelgott (ISBN: 9783990272145)
    Susanne Röckel

    Der Vogelgott

     (54)
    Aktuelle Rezension von: Leserstimme

    Ich will ehrlich sein. Mir hat das Buch von vorn bis hinten gefallen. Doch habe ich es auch verstanden? 

    Wer sich mit griechischen Mythologien  auskennt,  sollte hier keine Schwierigkeiten haben.  Die wichtigsten Protagonisten sind Thedor, Dora und Lorenz Weyde. Auch der Vater der drei spielt eine kleine Rolle. Um nachvollziehen zu können,  was uns die Geschichte mitteilen will, ist es wichtig den Prolog zu lesen. Aus der Sicht der drei Geschwister wird in drei Abschnitten in Ich- Form erzählt. Thedor aus Sicht eines Vogelforschers kommt nach Aza, Dora als Kunsthistorikerin will über den Künstler Wolmuth schreiben und entdeckt in New York u Eau- Vive wichtige Unterlagen dazu, die sie immer mehr in Aufregung versetzen, Lorenz verbeißt sich als Journalist ebenfalls in ungewöhnliche Vorkomnisse. Jeder der drei begegnet unheimlichen Menschen, die Gerüche verströmen, einen in einer Art Bann halten. Ein Kult und deren Anhänger scheinen die Seele zu umnebeln, deren Auswirkungen auf jeden Einzelnen scheinen verstandraubend zu sein...

    Der kannibalistische Vogelgott, der hierbei eine zentrale Rolle spielt und alle seelisch gefangen hält, verlangt Opfer. Manipulation durch seine Anhänger stehen hierbei im Vordergrund. 

    Eine gruselige und düstere und spannende Geschichte, aufgrund der Sprache sehr faszinierend. Die Geschichte selbst besser zu beschreiben, ist nicht ganz einfach. Es zeichnen sich Parallelen zur griechischen Sage um Prometheus ab. Wer etwas abgedrehte, tiefgründige und sprachlich exzellente  Romane mag, ist hier goldrichtig.

    Genre: Grusel, Mythologie, Realitätsverlust 


  15. Cover des Buches Franz Kafka (ISBN: 9783644496811)
  16. Cover des Buches Die Flucht (ISBN: 9783257072853)
    Fuminori Nakamura

    Die Flucht

     (12)
    Aktuelle Rezension von: parden

    VIELLEICHT NAKAMURAS HERZENSPROJEKT?

    Kenji Yamamine kommt in den Besitz der legendären Teufelstrompete des Komponisten Suzuki. Ihr wird die Macht zugeschrieben, Menschen zu begeistern und zu fanatisieren. Bei Recherchen auf den Philippinen trifft Kenji die junge Anh. Sie verlieben sich, Anh folgt ihm nach Tokio, wo sie gewaltsam stirbt. Neben der Trauer um Anh wird Kenji von einer rätselhaften religiösen Sekte verfolgt, die die Trompete für ihre Zwecke nutzen will. Was Kenji jetzt noch bleibt, ist, das Rätsel der Trompete zu lösen und sich mit der Welt in Liebe zu versöhnen. (Verlagsbeschreibung)

    Ansrengend aber lohnenswert ist die Lektüre dieses fast 600 Seiten starken Romans des Japaners Fuminori Nakamura. Vordergründig geht es um eine ominöse Trompete, die während des Zweiten Weltkriegs einen Teil der japanischen Armee zum Erfolg gegen die Aliierten geführt haben soll. Mal als "Instrument des Teufels" bezeichnet, mal als "Instrument Gottes" wird ihr jedenfalls eine magische Wirkung zugeschrieben, und nachdem sie als verschollen galt, nun aber wieder aufgetaucht ist, wird von vielen Seiten her Jagd auf sie gemacht. Und damit auf den Journalisten Kenji Yamamine, der irgendwie in den Besitz der Trompete gelangte.


    "Die Wahrscheinlichkeit, dass du in einer Woche noch lebst, beträgt (...) Vier Prozent." (S. 12) 


    Tatsächlich erweist es sich jedoch bald, dass die Geschichte um die Teufelstrompete nur der lose Aufhänger für diesen überaus komplexen Roman ist, ein Gerüst, in das erschlagend viele Themen hineingewebt wurden. Themen unterschiedlichster Art, jedes für sich interessant, aber in der Vielfalt und den oftmals essayhaften Einschüben stellenweise fast überfordernd. Kein gefäliger Roman ist dies, kein Text, der den Gute-Welt-Glauben bedient - sondern einer, der den Finger in die zahllosen Wunden legt, sei es nun der Rechtsruck in Japan, die Sinnlosigkeit von Krieg, die üblen Manchenschaften in der Vergangenheit wie die jahrhundertelange unbarmherzige Christenverfolgung, die Japan nur zu gerne unter den Teppich kehrt, die verdrehte und verfälschte Darstellung historischer Ereignisse, Fremdenfeindlichkeit, eine immer geringere Meinungsfreiheit u.v.m. Dabei ist vieles gar nicht nur ein japanisches Phänomen, etliche der dargestellten Probleme sind durchaus globaler Natur - mich hat der Roman vielfach ins Grübeln gebracht.

    Neben der unglaublichen Konstruktion des Romans hat mich die Wahnsinnsrecherche des Autors sehr beeindruckt. Zu so vielen Themen derart vielseitig informiert und belesen zu sein: Hut ab. Nach dem Lesen war ich seltsam zufrieden, diesen Roman "bewältigt" zu haben. Sicher auch, weil die Anstrengung nun ein Ende hatte. Aber eben auch, weil ich diesen Roman als etwas sehr Besonderes empfinde und eine Zeitlang darin eintauchen konnte. Nakamura hat die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte und vielschichte Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen - vieles, was ich schwer erklärbar finde, wird hier plausibel und logisch dargelegt. Dazu präsentiert er wohlgefeilte Sätze, kein Wort wirkt hier fehl am Platz.  

    Dieser Roman lässt sich keinesfalls in eine Schublade stecken, etwas Vergleichbares habe ich bislang noch nicht gelesen. Ein gemischtes Chaos aus Gruselgeschichte, Krimi, Gesellschaftskritik, philosophischen Anklängen, Liebesgeschichte, Sachbuch - und all das gespickt mit magischem Realismus bis hin zu kafkaesken Elementen. Wie ein roter Faden zieht sich jedoch die Frage hindurch: Wer will ich eigentlich sein und was halte ich dafür aus? Jedenfalls ist dem Roman anzumerken, wie engagiert Nakamura hier geschrieben hat, wie wichtig ihm die angesprochenenThemen sind. Ein Herzensprojekt? Der Eindruck drängt sich auf.

    Wer sich auf die herausfordernde und durchaus auch unbequeme Lektüre einlässt, der wird belohnt mit einem ungeschminkten Blick auf Japan und seine Vergangenheit, aber eben auch über den Tellerrand hinaus. Selten habe ich mehr gelernt durch einen Roman und selten bin ich dabei so sehr ins Grübeln gekommen. Beeindruckend!


    © Parden

  17. Cover des Buches Das Koma (ISBN: 9783442462001)
    Alex Garland

    Das Koma

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Nachdem der Strand ein bombastisches Debut war und man ganz lang nichts neues von Alex Garland bekam, habe ich mich sehr auf sein neues Buch gefreut. Leider wurde ich enttäuscht. Irgendwann verliert Garland sich in seinem Plot und die Vermischung zwischen Wahrheit und Fiktion wirkt irgendwann ermüdend, erzwungen und einschläfernd. Das Buch hat sehr viele Bilder und wenn man die abzieht und die leeren Seiten, dann kommt man auf ca.80 Seiten. Schade, hätte ich in jeder Beziehung mehr erwartet!

  18. Cover des Buches Der Dieb (ISBN: 9783257243765)
    Fuminori Nakamura

    Der Dieb

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Es geht ganz schnell. Ganz dicht drängt er sich an den Mann heran und seine Finger werden zur Pinzette und er fischt den Geldbeutel aus dem Jackett. In Tokio geht er um und ist ein Dieb und auch einer, der vor sich, seiner Geschichte und seiner Vergangenheit flüchtet. Als er eine Mutter mit ihrem Sohn beim Klauen im Supermarkt beobachtet, greift er ein und hilft dem Jungen und langsam erweicht dieser sein Herz und er wird sein Mentor und Begleiter, aber dann holt ihn seine Geschichte ein. Ein Sog, eine toll geschrieben Geschichte und ein ganz eigener Stil. Nakamura ist ein großer Erzähler.

  19. Cover des Buches Reisende ohne Eigenschaften (ISBN: 9783738613766)
    Simon Gerhol

    Reisende ohne Eigenschaften

     (1)
    Aktuelle Rezension von: kingofmusic

    Dieses „literarische“ Jahr steht bei mir stark unter dem Motto „Wir entdecken die Welt der Independent-Autoren“.

    Auf die Liste der Autoren, die mich mit ihren Werken begeistern konnten, füge ich nun Simon Gerhol und seine „Reisende ohne Eigenschaften“ hinzu.
    Auf den ersten Blick stehen die vierzehn Geschichten jede für sich und doch verbinden sie sich zu einem großen Ganzen. „Das große Ganze“ wird dem Leser aber erst auf der letzten Seite bewusst bzw. präsentiert – ein genialer Schachzug des Autors aus scheinbar zusammenhanglosen Geschichten eine Einheit zu schaffen.

    Auch wenn die meisten Texte von manchmal (kafkaesker) Melancholie durchzogen und teilweise tieftraurig und brutal sind (als Beispiele dafür seien an dieser Stelle „Der Traum des Elefanten“ und „Das Auge“ genannt), blitzt immer mal wieder auch ein Funken Hoffnung zwischen den Zeilen auf und sie nehmen den Leser mit auf eine Reise in sein tiefstes Inneres, um sich dort zu verankern und bei Bedarf wieder an die Oberfläche gespült zu werden – nämlich dann, wenn der Leser in eine ähnlich verzwickte und verzweifelte (oder auch kuriose) Situation gerät.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Simon Gerhol sein (zweifellos vorhandenes) Publikum abseits des Mainstream findet und freue mich auf weitere Bücher von ihm!

  20. Cover des Buches Hysteria (ISBN: 9783492314619)
    Eckhart Nickel

    Hysteria

     (30)
    Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutter

    Ich bin ganz ehrlich, ich habe 50 Seiten gelesen und dann habe ich Floppy aus dem Regal geholt. es gibt absolut nichts was mich motiviert mich durch den Text zu kämpfen . 

    Dieses Buch handelt von dem Einzug der Künstlichkeit in unser Leben und von Bergheim, der auf der Suche nach der Ursache ist. Schon die ersten Sätze waren so lang und kompliziert, dass mein Kopf schwirrte. Dann sprang der Autor von Gedanke zu Gedanke, weg von der eigenen Handlung. Ihm kamen vergangene Situation in den Sinn, die nicht wirklich etwas mit dem Platz zu tun hatten, und er verlor sich manchmal darin. Und es machte überhaupt keinen Spaß.

    Ich hatte das vorher schon irgendwie im Gefühl

  21. Cover des Buches Luftschiff (ISBN: 9783855359745)
  22. Cover des Buches Der Verschollene (ISBN: 9783596709632)
    Franz Kafka

    Der Verschollene

     (43)
    Aktuelle Rezension von: stalker
    Kafkas bester, leichtester und unterhaltendster Roman, ein frühe postmoderne Farce, ein Fall von Fall zu Fall, eine Groteske des Scheiterns mit einem Ende, das Dimensionen öffnet.
  23. Cover des Buches Die milchfarbene Haut der Türen (ISBN: 9783981862164)
    Jonas-Philipp Dallmann

    Die milchfarbene Haut der Türen

     (1)
    Aktuelle Rezension von: kingofmusic

    „[…] zum Sehen braucht man Zeit, viel Zeit, und ein bestimmtes Licht, das nicht immer zur Hand ist; ein Licht, das alles in Klarheit taucht und doch nicht stört; kein zu glänzendes Licht, aber auch kein zu stumpfes, ein Licht, das die Seiten aufblättert, ohne sie allzu schnell umzuwenden.“ (aus: Die Fabriken, S. 53)

    ---

    Schritte nähern sich; leise Stimmen dringen zu mir durch. „Was sich wohl hinter der Tür befindet?“ Ich spüre, wie sich ein Auge meinem Schlüsselloch nähert. „Tretet doch ein“, ermuntere ich die Fragenden und öffne mich.


    Ähnlich wie die Personen hinter der sich selbständig öffnenden Tür im ersten Absatz, habe ich mich als Leser gefragt, was sich hinter den Türen bzw. den Schlüssellöchern in Jonas-Philipp Dallmann´s Erzählband „Die milchfarbene Haut der Türen“ (erschienen im Juni 2019 im VHV-Verlag) verbirgt. Nun, ich musste zwar jede der 20 Türen (= 20 Geschichten) alleine öffnen, aber je mehr Türen ich öffnete, umso leichter fiel es mir auch.


    Die Geschichten lassen die geneigte Leserschaft eintauchen in surreale, zum Teil kafkaeske Welten (als Reminiszenz gilt hier besonders „Die graue Ebene“, die genauso auch vom Meister selbst hätte stammen können – hier gebührt Jonas-Philipp Dallmann besonderer Respekt!). Auch vor fantastischen Welten („Bor oder Die elfte Stadt“) wird nicht Halt gemacht. Neben den in jeder Geschichte verewigten Türen (oder auch mal Toren, was ja ebenfalls eine Art Tür ist *g*), spielt auch immer das Thema Architektur eine Rolle, was nicht weiter verwundert, da der Autor gelernter Architekt ist. Das Thema spiegelt sich in präzisen Beschreibungen von alten Fabriken („Die Fabriken“), den Stimmungen von Hochhäusern („Aufräumen“), aber auch urigen Häusern („Die milchfarbene Haut der Türen“) wider.


    Die Charaktere in den Geschichten (viele in der Ich-Form, aber auch auktorial erzählt) sind Leute wie Du und Ich, Eigenbrötler, Leute von der Straße – eigentlich lässt der Autor hier jede Gesellschaftsschicht sprechen, was ein zusätzlicher Reiz ist, die Geschichten zu lesen.


    Manch eine der Erzählungen lassen die geneigte Leserschaft schmunzeln, lassen einen innehalten, reflektieren. Manch eine endet so abrupt, dass man sich vorkommt, als wenn man gerade in einem dunklen Raum vor eine Mauer geprallt ist, manchmal enden sie auch völlig anders als man sich das als Leser*in evtl. gerade „zurechtgedacht“ hat – es sind also einige Überraschungen enthalten in den 20 Erzählungen. Der Vorteil, der sich aus diesem Umstand ergibt, ist, dass man das Buch (sofern man auf sprachliche Finesse (mit der hier weiß Gott nicht gegeizt wird!) Wert legt und man generell Zugang zu ihnen gefunden hat) öfter in die Hand nimmt – ich bin mir sicher, man entdeckt jedes Mal eine neue Seite!


    Von mir bekommt „Die milchfarbene Haut der Türen“ eine definitive Leseempfehlung und ich freue mich auf weitere Literatur von Jonas-Philipp Dallmann! 5* deluxe!


    „[…] beschäftigt mit einem Buch, das ihren Verstand über sein Maß hinweg forderte, aber das Nichtbegreifen war köstlicher als alle Klarheit des Verstehens, war ein Vorausahnen und Hinüberblicken zu etwas anderem, das auf sie zu warten schien, das sich zwar nie ergreifen ließ, das aber vor ihr schwebte wie Früchte an einem fernen Baum.“ (aus: Johanna Böhme, S. 151)

  24. Cover des Buches Der Meister des Jüngsten Tages (ISBN: 9783423191197)
    Leo Perutz

    Der Meister des Jüngsten Tages

     (50)
    Aktuelle Rezension von: Miz_Dobler

    Vor 100 Jahren erschien Leo Perutz' "Der Meister des Jüngsten Tages". Jorge Luis Borges nahm ihn zwar in seine Edition der besten Kriminalromane der Welt auf, mir scheint Perutz aber zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten zu sein.


    Um was geht es? 

    1909 ereignen sich in Wien mehrere rätselhafte Selbstmorde, die scheinbar willkürlich, ohne jegliches Motiv, von einer Sekunde auf die andere geschehen. Eine atmelose Verfolgungsjagd nach einem unbekannten Täter entspinnt sich und am Ende stapeln sich die Leichen. Und dann hat das Ganze auch noch mit Kunst, Räucherwerl und einem rätselhaften Folianten zu tun ... Zum Glück ist das Buch recht schmal, sodass man es in einem Rutsch auslesen kann. Sonst müsste man wohl die Nacht durchmachen bei so einem gewaltigen Spannungsbogen!


    Meine Empfehlung für einen spannenden Krimisonntag im Wien der Jahrhundertwende und für alle, die feingewebte Sprache lieben. 


    Fun Fact: Perutz selbst hielt nicht viel von diesem Roman. Er titulierte ihn gar als "Bockmist". 

    Auch wenn "Der Meister des jüngsten Tages" nicht mein Allzeitliebling von Perutz ist, so scheint mir das dann doch etwas überzogen.

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