Bücher mit dem Tag "kafkaesk"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kafkaesk" gekennzeichnet haben.

50 Bücher

  1. Cover des Buches QualityLand (dunkle Edition) (ISBN: 9783548291871)
    Marc-Uwe Kling

    QualityLand (dunkle Edition)

     (770)
    Aktuelle Rezension von: Los_Libros

    Die Handlung des Buches spielt in einer futuristischen Welt, die vielleicht gar nicht so weit von unserer eigenen entfernt ist.

    Marc-Uwe Kling beschreibt eine Welt, die bspw. jeden Wunsch der dort lebenden Menschen kennt und mit sofortiger Wirkung erfüllt. Man lacht zwar über all die verrückten Einfälle, zugleich ist da aber immer dieser Gedanke im Hinterkopf, ob so etwas tatsächlich möglich wäre. Wären wir Menschen mit der umfassenden Überwachung einverstanden, oder ist das möglicherweise bereits ohne unser Wissen geschehen?

    Dieses Buch ist ein Feuerwerk aus absurden Dialogen, skurillen Ideen und abwegigen Plot-Twists. QualityLand war für mich ein großer Spaß und ich würde es eindeutig weiterempfehlen!


  2. Cover des Buches Die Vegetarierin (ISBN: 9783746637600)
    Han Kang

    Die Vegetarierin

     (419)
    Aktuelle Rezension von: BUCHWURM20

    Die Geschichte erzählt von Yeong-Hye, einer verheirateten Koreanerin, die plötzlich ablehnt, Fleisch zu essen und sich somit gegen die strikte koreanische Gesellschaft, so wie ihren Mann, verweigert. Der Plot ist in drei Kapitel unterteilt und wird aus jeweils einer anderen Perspektive erzählt:

    Das erste Kapitel, aus der Sicht des Mannes, berichtet über deren gewöhnliches Leben, ihren Alltag, die kühlen Wiederholungen einer Zweckehe. Und wie die Entscheidung seiner Frau, kein Fleisch mehr zu essen (oder zu kochen), all diese Dinge aus dem Gleichgewicht bringt.

    Das zweite Kapitel wird aus der Sicht des Schwagers erzählt und handelt von Lust. Denn die abrupte Entscheidung Yeong-Hyes, sich von alten Konventionen loszulösen, erregt nicht nur Wut und Ablehnung im Umfeld, sondern auch Leidenschaft und niedere Triebe.

    Das dritte Kapitel wird aus Sicht der Schwester erzählt und befasst sich mit den Konsequenzen, die unweigerlich alle einholen, die gewaltsam gegen das, was die Gesellschaft "Normalität" nennen, rebellieren. Die Grenze zwischen Rebellion und Wahnsinn sind, wie so oft bei der Autorin, verschwommen. Sprachlich unverschnörkelt und eher distanziert gehalten. Gut geschrieben und empathisch eindrucksvoll. 

  3. Cover des Buches Der Vogelgott (ISBN: 9783990272145)
    Susanne Röckel

    Der Vogelgott

     (50)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Ein Vater und seine drei erwachsenen Kinder geraten auf verschiedensten Wegen in den Dunstkreis eines archaischen Kultes, der einen Vogelgott verehrt. Das ist weder Thriller noch Fantasy, sondern am ehesten ein schwarzromantischer Schauerroman, der an Kafka, Poe und Lovecraft erinnert.

  4. Cover des Buches Die unheimliche Bibliothek (ISBN: 9783832162931)
    Haruki Murakami

    Die unheimliche Bibliothek

     (180)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    "Die unheimliche Bibliothek" ist die gelungene Hommage Murakamis an Franz Kafka. Die kurze, surreale Geschichte lässt sich guten Gewissens als kafkaesk bezeichnen, gleichzeitig kommt der ganz eigene Stil Murakamis hervorragend zur Geltung. Die Stimmung ist düster, die Handlung stimmig und voller Andeutungen. Ergänzt wird das Werk durch wunderschöne Zeichnungen, die den Leser vollends in die Welt des Buches entführen.

     Mit Illustrationen.

  5. Cover des Buches Das Hotel (ISBN: 9783959913119)
    Katharina V. Haderer

    Das Hotel

     (50)
    Aktuelle Rezension von: BeaSwissgirl

    Meine Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)


    Der Titel, das Cover und vor allem der Klappentext haben mich wahnsinnig neugierig gemacht, so dass das Buch tatsächlich mit in meinen Urlaub durfte, in einem Hotel....;) 

    Der Autorin gelingt es mit ihren Worte eine immerwährende spannende, unheimliche Stimmung aufs Papier zu zaubern. Ich verspürte während dem Lesen so einen gewissen Klassiker- Dystopie- Flair. Auch die Wahl in der ICH- Perspektive von Alice zu erzählen fand ich sehr gelungen.

    Alice war mir weder sympathisch noch das Gegenteil, was aber gar nicht schlimm war, wenigstens für mich, denn ich war so gefesselt von der Story, dass es eigentlich egal war, wer sie mir erzählte. Ihre Gedankengänge waren gut ausgearbeitet und ich konnte als Leser so richtig mitfiebern. Die Nebencharaktere hingegen wirkten schon fast blass, was evtl. aber auch gewollt war.

    Der ganze Plot, die creepy Atmosphäre, dieses miträtseln, die Verwirrungen, die vielen offenen Fragen, die Auflösung an sich, das alles fand ich echt genial und ich bin nur so durch die Seiten gerast. Leider gab es zwischendurch aber auch unnötige Längen, hingegen war mir das Ende dann fast schon zu schnell abgehandelt. Ebenfalls waren mir einige Szenen ein Touch zu abgehoben oder ich hatte den Eindruck...hää...habe ich da was überlesen?....

    Übrigens könnte ich mir die Geschichte ganz gut als Film vorstellen ;)

    Aus diesen Gründen vergebe ich hiermit 3,5 Sterne

  6. Cover des Buches Der Dieb (ISBN: 9783257243765)
    Fuminori Nakamura

    Der Dieb

     (85)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    In Tokyo ist ein Dieb unterwegs. Eine flüchtige Berührung, ein versehentliches Anrempeln, und schon ist die Brieftasche weg. Seine Opfer merken erst zu spät, wie ihnen geschieht. Aber er folgt einem eigenen Kodex und bestiehlt nur die Reichen. Jeder Diebstahl überschüttet den Dieb mit einem schaurigen Wohlgefühl und ist ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er manchmal gar nicht merkt, wenn seine Finger auf Wanderschaft in anderer Menschen Taschen gehen. Als Einzelgänger versucht er sich nicht an andere Menschen zu binden. Doch dann beobachtet er im Supermarkt eine Situation, die ihn nicht kalt lässt, und seine emotionalen Mauern bekommen Risse. Das einzige, was ihm bei seinen Diebstählen auf die Schliche kommt, ist seine Vergangenheit. Er, der nie etwas anderes gemacht hat, als zu stehlen, soll für eine große Sache instrumentalisiert werden – denn er ist unbestreitbar der Beste seines Fachs. Und ausgerechnet sein vor kurzem geknüpfter Kontakt verbietet seinem Ehrenkodex, sich einfach aus dem Staub zu machen – denn die Menschen, die seine Fähigkeiten benutzen wollen, sind brutal und skrupellos in ihren Plänen...

    Fast schon poetisch schön werden die flinken Bewegungen des Mannes in Fuminori Nakamuras „Der Dieb“ geschildert. Diese Schilderungen haben für mich eine Verbindung zur Geschichte aufgebaut. Der Dieb selbst hat sich nicht nur seiner innergeschichtlichen Umgebung emotional entzogen, sondern auch mir als Leserin. Eine interessante Erfahrung! Und in Nakamuras Buch fand ich das, was ich an der japanischen Literatur so schätze – ein Erzählstil, der selbst banalen Dingen und Handlungen Ästhetik einhauchen kann und eine Stimmung erzeugt.

  7. Cover des Buches Tadunos Lied (ISBN: 9783716027554)
    Odafe Atogun

    Tadunos Lied

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieses Buch hat mich in gewisser Weise verzaubert. Der Autor erzählt hier eine Geschichte, die mich irgendwie an ein Märchen erinnert hat und doch ganz bodenständig, luftig, bezaubernd und dramatisch zugleich war. Musik und Politik werden hier meiner Meinung nach auf ganz tolle Art und Weise miteinander verknüpft und es finden sich in diesem Buch viele Weisheiten, die die verschiedensten Formen der Liebe aufzeigen. Themen wie Nächstenliebe, Zusammenhalt, Partnerschaft, Familie – ein relativ kleines Buch mit mindestens doppelt so viel und vor allem wichtigen Inhalt! (Zitat aus dem Buch)
    >> Egal, auf welcher Seite wir stehen, die Hoffnung gehört allen. Wenn wir zu hoffen beginnen, fangen wir an, gegen das zu murren, was uns einschränkt. Und mit dem Murren kommt die Veränderung. << Auch der politische Aspekt kommt hier nicht zu kurz und man bekommt ziemlich nah mit, was Diktatur für den einzelnen bedeutet und wie systematisch dieses System den Menschen schadet. Mich haben einige Dinge hier wirklich sehr ergriffen. Man weiß natürlich einiges, aber es dann innerhalb einer Geschichte so hautnah mitzuerleben, das ist dann schon eine Steigerung der bewussten Gedanken zur Thematik. 
    Ich möchte das Ende der Geschichte nicht vorweg nehmen, dennoch möchte ich abschließend sagen, dass dieses Buch aufzeigt, wie schwer, schmerzvoll und hart das Leben doch sein kann. Und trotz der ganzen Probleme, Schwierigkeiten und dieser Gefangenschaft innerhalb eines Systems ist es die Liebe, die den Menschen lenkt... Mein Fazit:
    Ein absolut lesenswertes Buch, das es sich lohnt zu lesen und auch zu begreifen, denn es hat viel Inhalt, der sowohl das Herz als auch den Kopf.
  8. Cover des Buches KRYONIUM (ISBN: 9783865994448)
    Matthias A. K. Zimmermann

    KRYONIUM

     (35)
    Aktuelle Rezension von: HappySteffi

    Zugegeben, die Rezension zu diesem Buch hat mich vor ziemliche Herausforderungen gestellt, denn ich habe in Bezug auf einen wesentlichen Teil eine sehr geteilte Meinung und kann mich bis jetzt nicht entscheiden, ob ich es jetzt richtig gut oder eher schlecht fand.

    Fest steht jedoch: es ist interessant genug um länger im Hinterkopf zu bleiben.


    Aber erst einmal zum für mich eindeutigen: Der Klappentext konnte mich absolut fangen und schon die ersten Seiten in Kryonium haben gezeigt, das ich einen tollen und für mich neuen Autor erleben darf. Der Schreibstil ist phantastisch! Matthias Zimmermann schreibt spannend und schafft es mir mit seinen tollen Beschreibungen und punktuellen Erklärungen einen schnellen und doch ausreichenden Eindruck von der Situation zu geben. Insgesamt ist Kryonium gut zu lesen, man hat sich dennoch aus einem anspruchsvolleren Wortschatz bedient, was hier gut zur Thematik passt.


    Überhaupt ist dieser Roman nicht unbedingt das, was man auf den ersten Blick meint vorgefunden zu haben. In drei Teilen sehen sich Leser und Protagonist vor neuen Gegebenheiten und Herausforderungen, was auf jeden Fall spannend ist. Aber hier ist auch schon der Part, den ich anfangs angesprochen habe: Ich befinde mich mit dem Protagonisten in einer Situation, in der ich noch viel mehr erfahren wollen würde und in der ich mich wohl fühle, dann ändert sich alles und ich muss mich wieder zurecht finden.
    Sind das First-World-Problems? Ja, ganz sicher! Dennoch empfand ich eben genau das als gleichermaßen erfreulich und nervend.

    Aber hier ist nichts, wie es scheint! Märchen trifft Realität und wirft eine Menge Fragen und Gefühle auf. Man setzt sich mit Erinnerungen auseinander und ich ertappte mich dabei, wie ich nachdem ich den Roman zur Seite gelegt habe über meine eigenen Erinnerungen nachdachte und was sie eventuell zu bedeuten haben.
    Die Erlebnisse und Gefühle, die der Protagonist durchlebt werden toll geschildert, so das man selber vieles miterleben und auch nachempfinden kann. Paranoia und Ratlosigkeit sind da nur zwei Beispiele, die mich nachhaltig berührt haben. Hier merkt man auch einfach wieder, wie gekonnt der Autor mit Worten umgehen kann, denn Gefühle zu transportieren, die nicht unbedingt alltäglich sind und sie seinen Lesern so nah zu bringen, das sie mitfühlen, ist meiner Meinung nach pures Können.


    Fazit

    Auch wenn sich meine Eingangsfrage noch immer nicht ganz geklärt hat empfinde ich Kryonium als wirkliche Bereicherung im Bücherregal. Und wenn du dir jetzt denkst „ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Buch mögen werde“ dann gib dir einen Ruck, les dir die Leseprobe durch und lass dich vom Autor überzeugen. 

  9. Cover des Buches Die Chroniken des Aufziehvogels (ISBN: 9783832181420)
    Haruki Murakami

    Die Chroniken des Aufziehvogels

     (593)
    Aktuelle Rezension von: HansDurrer

    Diese Neuübersetzung aus dem Japanischen von Ursula Gräfe ist um 300 Seiten länger als die alte Übersetzung aus dem Englischen, lässt der Verlag wissen.

    Murakamis Schreiben hat etwas Leichtes und macht mich oft lachen. „Während ich den Garten betrachtete, blieb die Taube auf der Antenne sitzen und gurrte mit einer Zuverlässigkeit und Regelmässigkeit, die einem Finanzbeamten alle Ehre gemacht hätte.“

    Der Protagonist Toru Okada, ist 30 Jahre alt, hat Jura studiert, als Botenjunge in einer Anwaltskanzlei gearbeitet und dann seinen Job aufgegeben – eine Existenz als Anwalt konnte er sich nicht vorstellen. Sein Leben stagniert. Seine Frau Kumiko ist Redakteurin bei einer Zeitschrift für Natur- und Gesundheitskost. Der Kater der beiden ist davongelaufen. Malta Kano („Frau Kano war sehr schön. Zumindest sehr viel hübscher, als ich sie mir beim Klang ihrer Stimme am Telefon vorgestellt hatte.“), die über hellseherische Fähigkeiten verfügt, soll helfen, ihn wiederzufinden.

    Frau Kano hat eine jüngere Schwester, Kreta Kano, die von Kumikos Bruder Noboru Wataya, einem seelenlosen Typen par excellence, vergewaltigt wurde. Bei Toru Okadas Beschreibung seines Schwagers, fühlte ich mich an Donald Trump erinnert. „Er war ein zutiefst gemeiner Mensch und ein hohler Egoist. Aber ganz eindeutig tüchtiger als ich.“

    Bei der Suche nach dem Kater stösst Herr Aufziehvogel, wie Toru Okada genannt wird, auch auf die 16jährige, sehr gewitzte May Kasahara, die bei einem Perückenhersteller arbeitet. „In der Firma, in der ich arbeite, darf man niemals das Wort ‚Glatze‘ verwenden. Wir müssen immer von ‚Herren mit zurückweichendem Haaransatz‘ sprechen. ‚Glatze‘ ist nämlich diskriminierend. Einmal habe ich zum Spass ‚Menschen mit Haupthaarbehinderung‘ gesagt. Da ist der Chef sofort ausgerastet. Das sei überhaupt nicht witzig und völlig unpassend. Die nehmen ihren Beruf alle total ernst. Kennen Sie das? Die meisten Leute auf dieser Welt nehmen alles total ernst.“

    Halte ich mich in einer mir unbekannten Gegend auf, finde ich so recht eigentlich alles interessant und speziell das Alltägliche. Murakami beschreibt viel Alltägliches, wodurch dieses gleichzeitig spannend und seltsam wirkt. „Kaum tut man einen Schritt aus dem Haus, hören sich alle Telefone gleich an.“

    Von Herrn Honda, einem Mann mit übersinnlichen Kräften, lese ich. „Wie Herr Honda damals sagte, ist das Schicksal etwas, worauf man im Nachhinein zurückblickt, und nichts, das man im Voraus kennen sollte.“ Und von grausamen Mongolen und pflichtgetreuen Japanern erfahre ich.

    Eines Nachts dann kommt Kumiko nicht nach Hause, bleibt auch am andern Morgen verschwunden. Nach und nach stellt sich heraus, dass es da einen anderen Mann gibt und sie sich scheiden lassen will.

    Die Chroniken des Aufziehvogels zeichnet sich durch wunderbare, oft sehr witzige Dialoge aus, dann aber auch immer wieder durch Sätze, die mich nicht nur schmunzeln machen („Ich seufzte. Nicht dass Seufzen geholfen hätte, aber ich konnte nicht anders.“), sondern die ich auch wunderbar anregend finde. „Ich dachte kurz an irgendetwas und entliess es ins Leere.“ Murakami zu lesen, bedeutet immer auch, seine Aufmerksamkeit zu schulen. „Sagen wir mal, die Menschen würden ewig leben, nie älter werden und die ganze Zeit gesund bleiben. Meinen Sie, die würden überhaupt noch nachdenken, so wie wir? Wir machen uns doch Gedanken über mehr oder weniger alles. Philosophie, Psychologie, Logik, Religion, Literatur und so. Aber ohne den Tod käme doch kein Mensch auf so komplizierte Ideen.“

    Mit den Schwestern Kano und der jungen May Kasahara ist Herr Aufziehvogel auf eine sehr spezielle Art verbunden; alle drei scheinen an ihm Seiten wahrzunehmen, die ihm selber gar nicht bewusst sind, ihn jedoch wesentlich ausmachen.

    Eines Tages bemerkt er in seinem Gesicht ein Mal, hält sich drei Tage zum Nachdenken am Grund eines Brunnens auf, wo er von Kreta Kano besucht wird. Er macht sich kundig über die japanische Besetzung der Mandschurei. Und eines Nachts liegt plötzlich die nackte Kreta Karo neben ihm im Bett. Sehr unterschiedliche und teilweise höchst unwahrscheinliche Geschichten gehen nahtlos und ganz unaufgeregt ineinander über, ganz so als ob das Leben ein Traum und eigenartig unwirklich wäre – was es ja auch ist.

    Die Chroniken des Aufziehvogels ist ein sehr philosophisches Werk, mit dem Akzent auf Spüren („Daraufhin nahm sie meine Hand und legte sie auf die Narbe an ihrem Auge. Als ich über May Kasaharas Narbe strich, übertrugen sich die Wellen ihres Bewusstseins auf meine Fingerspitze. Es war ein leichtes, wie suchendes Zittern.“) und Wahrnehmen („Hingucken kann doch eigentlich jeder.“). Gleichzeitig ist es ein surreales Werk von einer wunderbaren Leichtigkeit, reich an subtilem Witz. Sie habe keine Ahnung wie sie aus dem Brunnen raus und zu ihm ins Bett gekommen sei, sagt Kreta Kano. „’Meine Erinnerung reisst mittendrin ab. Der Riss ist so breit.‘ Kreta Kano hob beide Zeigefinger und zeigte mir einen Abstand von etwa zwanzig Zentimetern. Mir war unklar, wie viel Zeit das bedeuten sollte.“

    Dann will sie mit ihm nach Kreta reisen, um ihn, wie sie ihm mitteilt, vor etwas sehr Schlimmem zu bewahren. Doch zuvor will sie ihren Namen ablegen und nicht mehr als Medium im Einsatz stehen. Sie fliegt hin, er bleibt zurück. Was dann geschieht, soll hier nicht verraten werden … Nur soviel: Toru Okada möchte das Nachbargrundstück erwerben, auf dem ein Fluch liegt …

  10. Cover des Buches Das Schloß (ISBN: 9783746765839)
    Franz Kafka

    Das Schloß

     (304)
    Aktuelle Rezension von: Frau_J_von_T
    In Kafkas "Das Schloss" begleitet der Leser den angeblichen Landvermesser K., welcher in ein Dorf am Fuße eines Schlosses kommt um dort zu arbeiten. 
    Schnell merkt er, dass Fremde im Dorf nicht gern gesehen sind und dass man sich dem Willen des Schlosses zu fügen hat, egal wie langsam die Mühlen der Bürokratie auch mahlen.

    Mir hat das Romanfragment Kafkas sehr gut gefallen. Auch wenn es nicht immer ganz leicht und flüssig zu lesen und stellenweise wirklich langatmig war, so konnte ich mich der Sogwirkung des Romans nicht entziehen. Obwohl die Figuren eher oberflächlich bleiben und vor alles sehr surreal wirkt, so kann man sich doch auch selbst sehr gut in K. hineinversetzen. Das ewige Bemühen an sein Ziel zu gelangen und immer wieder Steine in den Weg gelegt zu bekommen... Sich ohne Erfolg abzustrampeln... jeder kennt es irgendwie. 

    "Das Schloss" ist ein Roman auf den man sich voll und ganz konzentrieren muss, um nicht darin unter zu gehen. Man liest es nicht einfach mal eben nebenbei. 
    In dieser Ausgabe des Manesse Verlags, die nicht nur super aussieht, befindet sich am Ende noch ein Nachwort von Norbert Gstrein welches ich sehr interessant fand.
  11. Cover des Buches Von Verwandlungen: Erzählungen (ISBN: 9783981862119)
    Victoria Hohmann

    Von Verwandlungen: Erzählungen

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Estrelas
    "Von Verwandlungen" ist der Titel eines Bandes mit sieben Erzählungen der Autorin Victoria Hohmann, der gut als Oberbegriff fungiert. Schon die Geschichten selbst sind sehr wandelbar in sich durch unerwartete Wendungen, die nicht immer leicht nachzuvollziehen sind, und ihre unterschiedliche Art. Oft fließt Übernatürliches ein, viele klare Worte ("Und dann, der herrliche Eklat, als sein Freund Richard wegen des Geruchs in die Kirchenbank gekotzt hatte. Weihrauch ist nur was für die Harten."), manchmal nur die Aneinanderreihung von Worten (die ich weniger mochte). Besonders gefallen haben mir der Exkurs in den Bereich Phantastik ("Avatare") und die Erzählung "Von Bäumen", insbesondere die darin enthaltene Beschreibung eines Marmeladenbrots aus Kindersicht: "Leuchtend und klebrig war die Marmelade gewesen, darunter eine zarte Butterschicht, die an den Broträndern nicht von Marmelade bedeckt war, so fein, dass das Brot unter ihr durchschien." Die Lektüre ist nicht immer einfach, erinnert zuweilen an Kafkas "Verwandlung", enthält aber ein paar glanzvolle Stellen.
  12. Cover des Buches EinFach Deutsch - Der Prozess (ISBN: 9783140223638)
    Norbert Schläbitz

    EinFach Deutsch - Der Prozess

     (14)
    Aktuelle Rezension von: jess020
    Josef K. ist ein angesehener Prokurist einer Bank. Umso merkwürdiger erscheint es ihm, dass er eines Tages ohne Vorwarnung angeklagt wird. Er wird zwar nicht verhaftet, doch er muss einmal zur Untersuchung vor den Untersuchungsrichter und befindet sich im Prozess. Weshalb K. jedoch angeklagt wird, welche Tat ihm zur Last gelegt wird, bleibt unklar. Von Kafkas Werken hört man ja immer, dass sie sehr schwer zu lesen sind. Meiner Meinung nach liest sich "Der Prozess", im Vergleich zu anderen Schullektüren wie Schiller oder Goethe, relativ leicht. Die Handlung allerdings ist wahrhaftig "kafkaesk" - ein Begriff, der posthum von Kafka hergeleitet entstanden ist. Es ist einfach unerklärlich wieso K. angeklagt ist, weshalb ihm der Prozess gemacht wird. Aber ich denke, vor allem wollte Kafka in seinem Roman die Macht der Bürokratie zeigen, welche er selbst nicht erklären konnte und gehasst hat. Fazit: der Roman ist leicht zu lesen, doch die Handlung zu interpretieren ist sehr viel schwerer als es zunächst den Anschein hat.
  13. Cover des Buches Franz Kafka, Gesammelte Werke (ISBN: 9783866478497)
    Franz Kafka

    Franz Kafka, Gesammelte Werke

     (77)
    Aktuelle Rezension von: thronesoflife
    so viel ist schon über diesen Autor geschrieben werden, ich hänge mich kurz an. es lohnt sich es zu lesen, damit du mitreden kannst, wenn dich wer fragt, wer denn einer der grössten unserer Sprache war. lest es, lest es!!!! mehr gibt es dazu nicht zu sagen, es wird euch beeindrucken
  14. Cover des Buches Der Verschollene (ISBN: 9783596906543)
    Franz Kafka

    Der Verschollene

     (44)
    Aktuelle Rezension von: stalker
    Kafkas bester, leichtester und unterhaltendster Roman, ein frühe postmoderne Farce, ein Fall von Fall zu Fall, eine Groteske des Scheiterns mit einem Ende, das Dimensionen öffnet.
  15. Cover des Buches Gesammelte Werke, 12 Bde. (ISBN: 9783596124404)
    Franz Kafka

    Gesammelte Werke, 12 Bde.

     (17)
    Aktuelle Rezension von: PrinzessinMurks
    Im LK als Halbjahresprojekt gelesen habe ich sowohl die Diskussionen als auch die herrlich experimentelle Welt des Autors sehr genossen. Und ich weiß, dass ich viel an Randnotizen hatte - und nun ist die Ausgabe verschollen. Ob ich sie verliehen hab? Sie fehlt mir!
  16. Cover des Buches Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt (ISBN: 9783785751794)
    Haruki Murakami

    Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Gwennilein

    Ich liebe den Autor, doch diesmal war es mir einen Touch to much. Fiktion, Realtität, miteinander verknüpft, im Wechsel, man findet sich teilweise in einem Strudel aus Worten und dadurch gar nicht mehr zurecht. Ich mag diesen Stil, den Autor ohnehin, doch mit diese Geschichte ist es mir ein wenig zu konfus und phanstastisch geworden. Das liegt weder am Stil, noch an den Charakteren. Doch meines war es leider nicht. Geschmäcker sind verschieden und das ist auch völlig in Ordnung so.

  17. Cover des Buches Die Erzählungen (ISBN: 9783596903719)
    Franz Kafka

    Die Erzählungen

     (134)
    Aktuelle Rezension von: Erinnye
    Dass Buch ist zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Texten von Kafka. Dies reicht von kurzen, einseitigen Erzählungen bis hin zu mehrseitigen Geschichten. Dabei gelingt es Kafka thematisch zwar immer innerhalb eines gewissen Stils zu bleiben, jedoch wiederholt er sich nicht. Jede seiner Schriften hat für sich gesehen eine individuelle Daseinsberechtigung und sagt etwas Anderes aus. Diese Aussage zu verstehen ist bei Kafka natürlich immer so eine Sache. Es bleibt ein Rätsel, ob man die Erzählung so versteht, wie der Autor sie gedacht hatte - jedoch macht dies auch den Spaß an seinem Schreibstil aus. Vielfach interpretierbar, aber auch einfach nur genußvoll lesen und die Prosa bestaunen.. dies alles ist möglich bei diesem Autor. Die Geschichte, die mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist die, die von einem neurotischen Maulwurf erzählt, der um seinen Bau fürchtet, gleichzeitig aber auch davor zurückschreckt ihn wieder zu betreten, wenn er zwecks Vorratsbeschaffung nach draußen muss. Kafka gelingt es, über mehrere Seiten hinweg kein einziges Mal das Wort "Maulwurf" zu benutzen und lässt somit offen, ob es nicht doch eine Wühlmaus oder ein Hamster ist, das ist auch egal, stellt es doch eine hervorragende Metapher dafür dar, dass es bei Kafka nicht um festgesetzte Personen geht, sondern lediglich um die Aussage, die er mit seinem Text tätigen will. Natürlich waren auch so berühmte Geschichten wie "Die Verwandlung" und viele Andere vertreten. Um Kafka zu lesen sollte man eine gewisse Konzentration mitbringen, es ist aber auch dann sicher nicht etwas für jedermann. Man muss den kafkaesken Stil einfach mögen. Tut man dies, dann erscheint einem diese Sammlung von Erzählungen einfach als ein einmaliges Stück Literatur und seine poetischen Texte als wahre Kunst für sich. Immer wieder lesen, immer wieder neu interpretieren, immer wieder neu erleben.
  18. Cover des Buches Die milchfarbene Haut der Türen (ISBN: 9783981862164)
    Jonas-Philipp Dallmann

    Die milchfarbene Haut der Türen

     (1)
    Aktuelle Rezension von: kingofmusic

    „[…] zum Sehen braucht man Zeit, viel Zeit, und ein bestimmtes Licht, das nicht immer zur Hand ist; ein Licht, das alles in Klarheit taucht und doch nicht stört; kein zu glänzendes Licht, aber auch kein zu stumpfes, ein Licht, das die Seiten aufblättert, ohne sie allzu schnell umzuwenden.“ (aus: Die Fabriken, S. 53)

    ---

    Schritte nähern sich; leise Stimmen dringen zu mir durch. „Was sich wohl hinter der Tür befindet?“ Ich spüre, wie sich ein Auge meinem Schlüsselloch nähert. „Tretet doch ein“, ermuntere ich die Fragenden und öffne mich.


    Ähnlich wie die Personen hinter der sich selbständig öffnenden Tür im ersten Absatz, habe ich mich als Leser gefragt, was sich hinter den Türen bzw. den Schlüssellöchern in Jonas-Philipp Dallmann´s Erzählband „Die milchfarbene Haut der Türen“ (erschienen im Juni 2019 im VHV-Verlag) verbirgt. Nun, ich musste zwar jede der 20 Türen (= 20 Geschichten) alleine öffnen, aber je mehr Türen ich öffnete, umso leichter fiel es mir auch.


    Die Geschichten lassen die geneigte Leserschaft eintauchen in surreale, zum Teil kafkaeske Welten (als Reminiszenz gilt hier besonders „Die graue Ebene“, die genauso auch vom Meister selbst hätte stammen können – hier gebührt Jonas-Philipp Dallmann besonderer Respekt!). Auch vor fantastischen Welten („Bor oder Die elfte Stadt“) wird nicht Halt gemacht. Neben den in jeder Geschichte verewigten Türen (oder auch mal Toren, was ja ebenfalls eine Art Tür ist *g*), spielt auch immer das Thema Architektur eine Rolle, was nicht weiter verwundert, da der Autor gelernter Architekt ist. Das Thema spiegelt sich in präzisen Beschreibungen von alten Fabriken („Die Fabriken“), den Stimmungen von Hochhäusern („Aufräumen“), aber auch urigen Häusern („Die milchfarbene Haut der Türen“) wider.


    Die Charaktere in den Geschichten (viele in der Ich-Form, aber auch auktorial erzählt) sind Leute wie Du und Ich, Eigenbrötler, Leute von der Straße – eigentlich lässt der Autor hier jede Gesellschaftsschicht sprechen, was ein zusätzlicher Reiz ist, die Geschichten zu lesen.


    Manch eine der Erzählungen lassen die geneigte Leserschaft schmunzeln, lassen einen innehalten, reflektieren. Manch eine endet so abrupt, dass man sich vorkommt, als wenn man gerade in einem dunklen Raum vor eine Mauer geprallt ist, manchmal enden sie auch völlig anders als man sich das als Leser*in evtl. gerade „zurechtgedacht“ hat – es sind also einige Überraschungen enthalten in den 20 Erzählungen. Der Vorteil, der sich aus diesem Umstand ergibt, ist, dass man das Buch (sofern man auf sprachliche Finesse (mit der hier weiß Gott nicht gegeizt wird!) Wert legt und man generell Zugang zu ihnen gefunden hat) öfter in die Hand nimmt – ich bin mir sicher, man entdeckt jedes Mal eine neue Seite!


    Von mir bekommt „Die milchfarbene Haut der Türen“ eine definitive Leseempfehlung und ich freue mich auf weitere Literatur von Jonas-Philipp Dallmann! 5* deluxe!


    „[…] beschäftigt mit einem Buch, das ihren Verstand über sein Maß hinweg forderte, aber das Nichtbegreifen war köstlicher als alle Klarheit des Verstehens, war ein Vorausahnen und Hinüberblicken zu etwas anderem, das auf sie zu warten schien, das sich zwar nie ergreifen ließ, das aber vor ihr schwebte wie Früchte an einem fernen Baum.“ (aus: Johanna Böhme, S. 151)

  19. Cover des Buches Das Koma (ISBN: 9783442462001)
    Alex Garland

    Das Koma

     (34)
    Aktuelle Rezension von: WolffRump
    Genre:
    Psychodrama in Form einer Novelle.

    Umfang:
    Ca. 160 Seiten (TB).

    Inhalt:
    Carl wird während der abendlichen Heimfahrt in der U-Bahn Zeuge, wie eine Frau von mehreren Jugendlichen bedrängt wird. Als die Situation eskaliert, geht Carl dazwischen und wird zusammengeschlagen. Erst nach einigen Tagen erwacht er im Krankenhaus. Als er wieder nach Hause entlassen wird, stellt er fest, dass seine Wohnung schon seit längerer Zeit unbewohnt zu sein scheint. Carl wird außerdem von Erinnerungslücken und Sinnestäuschungen gequält. Nichts scheint mehr zu passen. Nach und nach erkennt Carl, dass er sich nicht in der realen Welt befindet, sondern in einer Traumlandschaft. Offenbar ist er nie aus dem Koma erwacht, in das er nach dem Angriff in der U-Bahn gefallen war. Carl sucht nach einem Weg aus seinem Koma.

    Perspektive:
    Ich-Erzähler.

    Erzählzeit:
    Präteritum.

    Setting:
    Verschiedene Orte in London, die Carl jedoch nur im Traum erlebt. Sie sind – ebenso wie die Erlebnisse - für ihn selbst (und den Leser) so authentisch, dass er nur an kleinen Logikbrüchen feststellen kann, dass es sich um eine gedankliche Simulation handelt.

    Struktur und Spannungsbogen:
    Ausgehend vom Überfall in der U-Bahn (auslösendes Ereignis) mit anschließender Bewusslosigkeit wird Carls scheinbare Rückkehr in die Realität geschildert. Zuerst kehren einzelne Bilder aus dem Krankenhaus in sein Bewusstsein zurück, dann spricht er mit seinem Pfleger und zwei Polizisten, die ihn zum Überfall befragen. Der Leser folgt Carl auf seinem Weg zurück ins Leben, alles erscheint so, wie man es bei einem Patienten mit einer Gehirnerschütterung erwarten würde. Die Situation wirkt authentisch. Erst als Carl sich wieder in seiner gewohnten Umgebung zu Hause befindet, ergeben sich erste Ungereimtheiten, die Carl zunehmend verunsichert registriert. Der Autor streut geschickt immer neue Episoden ein, die Carl logisch zu deuten versucht. Schließlich erkennt er, dass seine Erlebnisse und Wahrnehmungen nicht real sein können und dass er sich offensichtlich inmitten eines anhaltenden Traumes befindet, aus dem er einen Weg zurück an die Oberfläche seines Bewusstseins finden muss.
    Spannung etsteht in Garlands Roman vor allem dadurch, dass der Autor unserer aller Erfahrung mit Scheinrealitäten (Träumen) nutzt, um Carls Situation zu beschreiben. Auch in unseren Träumen agieren wir in voller Überzeugung einer realen Situation, und es sind oft nur einzelne kleine Passagen und Logikbrüche, die in der Rückschau (sofern wir uns überhaupt erinnern) Indizien für einen Traum liefern. Der Protagonist ist darüber hinaus ein Kopfmensch, eine Figur wie ein Banker, jemand, der Träumereien so fern ist , wie nur denkbar – umso bereitwilliger identifiziert sich der Leser mit seinen Schlussfolgerungen und umso bedrohlicher erscheint uns seine ausweglose Situation, als sie sich uns eröffnet. Carl nutzt sein logisches Denkvermögen wie in der Realität, um seine Traumlandschaft auf ihren Realitätsgehalt hin abzuklopfen. Nicht alle Träumereien erweisen sich als bedrohlich. Carl sucht nach „Katalysatoren“, die ihm helfen können, eine Verbindung „nach oben“ zur Realität zu finden und aus dem Koma aufzuwachen. Es gilt, logische Brücken zwischen den lose in Zeit und Raum umherschwebenden Erinnerungsinseln zu errichten. Einige Brücken erweisen sich als Stege ins Nichts (Story-Twists) und bis zum Schluss droht Carl zu scheitern und auf Ewig in der virtuellen Komawelt zu versinken. Garland nutzt geschickt Bilder und akustische Reize wie wirre Wortketten, um diesen Zustand sensitiv auf den Leser zu übertragen. Das Spannungslevel bleibt bis zum Epilog hoch. Der Protagonist muss keine actiongeladenen Science Fiction – Abenteuer bestreiten – die (Schein-)Realität und der Verlust jeglicher Ankerpunkte, an denen man die eigene Existenz festmachen könnte, ist bedrohlich genug. Das Ende der Story führt an den Anfang zurück und vollendet damit den perfekt konstruierten Frame der Novelle.

    Charaktere:
    Wir sind die Summe unserer Erinnerungen. Den Protagonisten Carl zu charakterisieren, fällt insofern schwer, als er ja gerade seines ‚Ichs’, verlustig gegangen ist. Das, was von Carl im Koma übrig geblieben ist, ist ein ‚Ich-Wille’, ein Überlebensinstinkt, der sich bemüht, die Puzzleteile des ‚Subjekts’ Carl wieder in die richtige Reihenfolge zu bekommen.
    Aufgrund dieser Ausgangslage entsteht die Figur Carl erst im Laufe der Geschichte. Wir erleben seine Selbstfindung, seine (Wieder)Geburt aus dem Baukasten seiner Erinnerungen mit. Carl ensteht by the way.
    Die Nebenfiguren – die im Verlauf der Geschichte nur in Carls Vorstellungswelt präsent sind – haben kein separates Innenleben, sie dienen Carl als Sparringspartner und markieren Wegpunkte seiner Orientierung auf der Suche nach sich selbst.

    Sprache/Duktus:
    Wie lässt sich das, was in einem Menschen im Koma vorgeht, sprachlich beschreiben? Garlands Syntax und Verbalisierung ist ruhig und um Rationalität bemüht. Sie steht in starkem Kontrast zum existenziellen Kampf des Protagonisten. Garland verzichtet sowohl sprachlich, als auch inhaltlich auf jegliche dramatische Überhöhung. Die Sprache repräsentiert die (Rest-)Figur, die eine einzige Eigenschaft hat, die ihr einen Weg aus dem Nichts aufzeigen kann: die Logik. Das Koma begegnet dem Leser als eine Art inneres Weltall, in dem sich die Erinnerungen an alles Physische zunehmend verflüchtigen, bis sie sich schließlich ganz auflösen. Das All, auch das innere, ist lautlos, und diese Stimmung transportiert Garland sprachlich überzeugend.
    Trotz fehlender Verbalhysterie spürt der Leser die Angst des Protagonisten, sich zu verlieren, er spürt sie zwischen den Zeilen und in sich selbst, denn Carl ist ein Platzhalter für unseren eigenen Kampf um unsere Identität.
    Das Kopfkino des Lesers wird zudem durch die holzschnittartigen Bilder von Nicholas Garland, dem Vater des Autors, getriggert, die jedem Kapitel vorangestellt sind. Auch hier dominiert die Reduktion, die Bilder sind in S/W gehalten, alles Individuelle verliert sich.

    Fazit:
    Alex Garlands literarisches Generalthema ist der Existenzkampf. In Der Strand stellte Garland die Makrosicht der Existenz, die menschliche Gemeinschaft mit ihren Regeln und Werten, in den Mittelpunkt und in Manila analysierte er den physischen Existenzkampf. Mit seinem Roman Das Koma verfolgt Garland diesen Weg konsequent weiter. Nun findet der Existenzkampf auf der geistigen Ebene des Individuums statt. Mit Das Koma ist Garland eine subtile und sprachlich unaufgeregte Novelle über das gelungen, was unser ‚Sein’ ausmacht. Garland schickt seine Leser dabei auf eine traumatische Reise bis an die äußersten Grenzen der Selbstauflösung. Er stößt auf diesem Weg zahlreiche Fragestellungen im Spannungsfeld von Philosophie und Psychologie an, ohne notwendigerweise die Antworten gleich mitzuliefern. Insgesamt ist Das Koma eine virtuos konstruierte Story ins Innere des Seins. LeserInnen aus der Esoterik- und Küchenpsychologieecke werden sich ob der Nüchternheit des Ansatzes entsetzt abwenden.
  20. Cover des Buches Ein Landarzt und andere Prosa (ISBN: 9783150096758)
    Franz Kafka

    Ein Landarzt und andere Prosa

     (12)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Der Schlüssel (ISBN: 9783520600011)
    Máirtín Ó Cadhain

    Der Schlüssel

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Julia79

    "Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Schlüsselreich komme. Dein Wille geschehe, wie auf Erden, also auch im öffentlichen Dienst." 

    Einer enthusiastisch zu Papier gebrachten Satire bin ich nie abgeneigt, und zudem bin ich immer auf der Suche nach neuentdeckten Klassikern. So fand ich diese Persiflage des Beamtentums, in dem nicht gedacht wird, sondern stur nach Vorschrift gehandelt wird. 

    J. ist ein Papierbeauftragter im niederen öffentlichen Dienst. Seinen Job hält er für einen der wichtigsten, stimmt etwas mit Dokumenten und Ordnern nicht, ist etwas falsch beschriftet oder abgelegt, könnten die Geschicke des ganzen Landes ins Unglück gestürzt werden.

    Alles, womit er arbeitet, Akten, das Telefon, Schreibutensilien, haben für J. etwas Lebendiges und versuchen zuweilen, ihm die Arbeit zu erschweren.

    Von seinem Vorgesetzten S. wird er gemaßregelt und zur Einhaltung strengster Vorschriften verpflichtet, zu Hause drangsaliert ihn seine lieblose "Alte". Versehentlich wird nun J. in seinem fensterlosen Büro eingesperrt. Sein Vorgesetzter ist theoretisch ab 17 Uhr im Urlaub, praktisch nutzt er aber eine Sonderregelung und hat die Behörde bereits um 14 Uhr verlassen. Aufgrund dieses Umstandes ist J. für diese Dauer nicht befugt, eigenmächtig zu entscheiden, wie er nun vorgehen soll. Als er sich doch, sorgfältig abgewägt, daran macht, seinem Gefängnis zu entkommen, scheitert er. Doch als am nächsten Morgen wieder Leben in das Büro kommt, kann man ihn leider nicht einfach so befreien, denn in diesem Präzedenzfall muss erst die Zuständigkeit geklärt werden. Der Fall entwickelt sich zu einer Angelegenheit nationaler Tragweite als sogar die Kirche und die überregionale Presse sich der Sache annehmen. 

    Das Buch wird als kafkaesk bezeichnet, da ich Kafka jedoch bisher nicht gelesen habe, kann ich zu diesem Vergleich nichts sagen. In jedem Fall ist es absurd und ziemlich wirr, teilweise wahnhaft.

    Man möchte wissen, wer nun die Verantwortung übernimmt, es liest sich sehr spannend, da auch ständig jemand Neues auf der anderen Seite der Tür steht und erklärt, wie weit man mit der Entscheidungsfindung gekommen ist.

    Es ist an sich eine tragische Geschichte, in eine interessante Bürokratiesatire verpackt, durchaus gut umgesetzt und eindringlich, dennoch konnte es mich nicht ganz erreichen. Die Sprache ist mir zu derb und die Schilderung ist mir zu unruhig, es wirkt sehr gehetzt. Die Figuren sind mir zu sprunghaft und aufbrausend. Gelohnt hat es sich trotzdem, diesen irischen Klassiker kennen zu lernen. 

    Die Novelle ist nur 80 Seiten lang, im Anhang findet man hilfreiche Ergänzungen zum Inhalt und eine Zeittafel, in der das Werk auch politisch eingeordnet werden kann.

  22. Cover des Buches Der Heizer /Das Urteil /In der Strafkolonie (ISBN: 9783872911872)
    Franz Kafka

    Der Heizer /Das Urteil /In der Strafkolonie

     (30)
    Aktuelle Rezension von: AuroraM

    Interessant, aber auch etwas beängstigend und brutal.

  23. Cover des Buches Der Prozeß (ISBN: 9783746765761)
    Franz Kafka

    Der Prozeß

     (1.003)
    Aktuelle Rezension von: mabo63

    Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet".


    Josef K. weiss nicht worauf die Anklage gründet, welche Schuld er haben soll. Er bringt es nicht in Erfahrung und seine Anwälte sind ihm keine Hilfe, im Gegenteil mahnen sie zur Vorsicht, nur nichts überstürzen..


    Als Leser ist man gequält ob der Bedrohung die naht, als beträfe es einem selbst fragt man sich unweigerlich: und wenn ich der Angeklagte bin?


    Passt vielleicht in unsere Zeit wo Gehässigkeiten, Hass und Drohungen, (und sei es auch 'nur' übers Netz) an der Tagesordnung sind. Wo schnell auf jemanden gezeigt wird mit dem Finger, wo es schnell einen Schuldigen braucht, da sind sie zur Stelle die Henker unserer ach so tollen digitalen Welt.

  24. Cover des Buches Luftschiff (ISBN: 9783855359745)
    Stefan aus dem Siepen

    Luftschiff

     (6)
    Noch keine Rezension vorhanden

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