Bücher mit dem Tag "kalter krieg"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kalter krieg" gekennzeichnet haben.

450 Bücher

  1. Cover des Buches Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (ISBN: 9783570585016)
    Jonas Jonasson

    Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

     (5.843)
    Aktuelle Rezension von: nicekingandqueen

    Dieses Buch habe ich vor einiger Zeit gelesen und ich erinnere mich noch heute explizit an so manch eine Szene direkt ohne noch einmal das Buch dafür lesen zu müssen. Solch einen großen Eindruck hat das Werk auf mich gemacht.

    Zudem habe ich wirklich mehrfach laut Auflachen müssen - etwas peinlich, wenn man in der Bahn hockt...aber mir war es egal. Unterhaltung für mich, komische Unterhaltung für die Passagiere. 

    Fazit: Für jeden, der gern lacht sehr, zu empfehlen, falls man es bisher nicht geschafft hat das Buch zu lesen. 

  2. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

     (445)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Band III der Jahrhundertsaga

    „Wie ironisch, dachte George: Um die Türkei zu beschützen, müssen wir die Kernwaffen von dort abziehen. Außenminister Dean Rusk warnte: >>Die Sowjets können aber woanders aktiv werden, Sir, und zwar in Berlin.<< George nickte. Es war paradox, dass der amerikanische Präsident eine Karibikinsel nicht angreifen konnte, ohne die Auswirkungen zu berücksichtigen, die eine solche Entscheidung siebentausend Meilen entfernt in Mitteleuropa hätte. Die ganze Welt war für die beiden Supermächte zum Schachbrett geworden.“ (S. 362)

    Eine komplexe, vielschichtige Handlung vereint historische Eckpunkte aus 30 Jahren amerikanischer, deutscher, englischer und russischer Geschichte. Thematisch durchschreitet Ken Follett, der Stephen King des Historischen Romans, im dritten Teil seiner Jahrhunderttrilogie den Kalten Krieg von vorne bis hinten – beginnend mit dem Mauerbau 1961 (1. Kritikpunkt: Warum beginnt er nicht bei der Nachkriegszeit mit interessanten Ereignissen wie dem Aufstand vom 17. 06. 1953) über die Kubakrise und JFK, die Rassendiskriminierung in den USA und M. L. King, Ost-West-Flucht, Korruption und Intrigen im Kreml (2. Kritikpunkt: Wo bleibt die Aufarbeitung der Nazivergangenheit mit den Nürnberger Prozessen? Richtig. Nirgendwo. Auch zur Mondlandung hätte ich wenigstens eine Erwähnung erwartet) bis hin zu Glasnost & Perestroika und dem Mauerfall (3. Kritikpunkt: Bei Follett hört es sich so an, als wäre mit dem Einsturz einer betonierten Wand alles getan und alle Menschen springen in Blümchenkleidern zu >I’ve been looking for Freedom< über einen Regenbogen…Dass wir auch heute noch, zu einem Zeitpunkt, an dem die Mauer länger abgerissen ist, als sie stand, mit Ungleichheiten und Vorurteilen zwischen Ost und West zu tun haben, lässt er unbetrachtet).

    Ken Follett hat mit diesem Abschluss seiner Familiensaga des 20. Jahrhunderts wieder einen dramatischen Liebesroman kreiert. Alle Protagonisten finden wieder auf magische Weise zueinander von den USA über England und das geteilte Deutschland zur Sowjetunion. Die Stammbäume der beteiligten Familien im Anhang und in den Klappen haben wirklich geholfen mit den umfänglich vorhandenen Protagonisten umzugehen, dennoch kam ich einige Male raus. „Zu wem gehörst du jetzt? Ich dachte, du hast etwas mit dem anderen Typen am Laufen? Oh, ach ne, doch nicht.“ Nach kurzer Orientierung und vielleicht ein paar Seiten zurückblättern ging das bei mir aber wieder.

    Es muss Follett zugutegehalten werden, dass er einen komplexen historischen Zeitrahmen mit vielen politischen Strängen (mehr als in den ersten beiden Teilen der Trilogie) gut gemeistert hat. Er vereint die wichtigsten politischen Themen aus diesen 30 Jahren geschickt, immer ist ein Protagonist live im oder am Geschehen dran ganz wie bei Forest Gump – Montgomery-Bus-Boykott & Martin Luther King’s >I have a Dream<-Rede; JFK’s >Ik bin ein Berliner< -Rede & das Attentat, Vietnamkrieg, Mauerfall u.v.m.

    Die Leserinnen und Leser bekommen einen groben Überblick über politische Zusammenhänge des Ost-West-Konflikts im historischen Kontext. Die Umsetzung in Romanform erlaubt es dem Rezipienten in lockerer Atmosphäre Geschichte spannend und informativ zu erleben. Ich muss zugeben, dass ich mich mit diesem Zeitabschnitt weniger auskenne als das noch beim ersten und zweiten Teil der Fall war. Einfach, weil im Lehrplan besonderer Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen gelegt wird, da wird nach hinten heraus die Zeit knapp. Jahrgänge nach 1990 wie ich kennen sich da weniger gut aus bzw. beziehen ihre Informationen von Eltern und Großeltern. Auch gibt es mehr filmische Adaptionen über die NS-Zeit als über den Kalten Krieg. Daher bewerte ich hier besonders die Auswahl der Eckdaten, die Follett getroffen hat, und deren Zusammenspiel positiv. Gerade zur Rassendiskriminierung und der damit verbundenen Polizeigewalt in den USA konnte ich in diesem Roman etwas lernen. Leider ein immer noch hoch brisantes Thema.

    Dennoch kann ich nicht mehr als drei Sterne vergeben. Wie im Vorgängerband macht Ken Follett einen entscheidenden Fehler, über den ich nicht hinwegsehen kann. Er denkt in Schwarz-Weiß-Schemen, am Ende wird alles gut, alle Protagonisten sind glücklich, gesellschaftliche Probleme werden ignoriert. Beispielsweise sind die Stasi-Mitarbeiter so gezeichnet wie die Nazis in Teil zwei – strunz dumm. Nur einer hat es auf die Familie abgesehen und benutzt seinen Gripps komplett nur zum Schikanieren der Protagonisten. Der Roman suggeriert außerdem, dass die gesamte DDR-Bevölkerung in den Westen will, die Grenzsoldaten werden als handelnde und nicht denkende Schachfiguren bewegt. Was ist denn mit den regimetreuen intelligenten Bürgern und Funktionären? Was ist mit den Ängsten bei der Wiedervereinigung? Follett legt den Fokus besonders auf die Swinging Sixties. Das Jahrzehnt erstreckt sich auf fast 900 der 1200 Seiten, dadurch werden die anderen zwei Jahrzehnte sehr gedrängt.

    Ein großer Kritikpunkt in den Vorgängerbänden war die Häufigkeit von romantischen Bettgeschichten. Hier hat sich das etwas gelegt, Follett lässt vieles nur angedeutet. Es gibt zwar ein kleines Durcheinander, wer mit wem und wann, aber der historische Rahmen mit den Ereignissen überwiegt.

    Fazit

    KINDER DER FREIHEIT ist der Abschluss der Familiensage über das 20. Jahrhundert von Ken Follett. 30 Jahre Weltgeschichte drängen sich auf 1200 Seiten, da können nicht alle Details abgebildet werden. Als dramatische Liebesromane im historischen Setting ist die Reihe gut zu lesen. Ich empfehle, die Erwartungen nicht zu hoch zulegen. Die Leserinnen und Leser finden in diesem dritten Band einen soliden, zufriedenstellenden Abschluss.

     

    KINDER DER FREIHEIT| Ken Follett| Bastei Lübbe| 2014| 1208 Seiten| 29,99€ (Hardcover nicht mehr erhältlich; als Taschenbuch für 17,00€

  3. Cover des Buches Aufstieg und Fall großer Mächte (ISBN: 9783423280358)
    Tom Rachman

    Aufstieg und Fall großer Mächte

     (117)
    Aktuelle Rezension von: Duffy

    In einem kleinen Dorf in Wales betreibt Tooley Zylberberg eine schon fast bankrotte Buchhandlung zusammen mit Fogg, einem jungen Mann aus dem Ort. Es ist das vorläufige Ende einer unfreiwilligen Wanderschaft, die sie mit ihrem Vater begann, als der als Computerfachmann nur einjährige Engagements in aller Welt annahm.Eines Tages trat die exzentrische Sarah in ihr Leben, die sie in ihre Obhut nahm und später übernahm diese Rolle Humphrey, ein selbsternannter Exilrusse, in New York. Die wichtigste Person in ihrem Leben sollte aber Venn bleiben, der geheimnisvoll auftauchte, um dann gleich wieder zu verschwinden. Dennoch prägte er ihre Persönlichkeit wie kein Zweiter.

    In dieser Buchhandlung erhält sie nach Jahren eine Mail von einem Verflossenen, der ihre nebulöse Vergangenheit wieder zur Gegenwart macht. Es besteht die Chance, einige Wahrheiten zu erfahren.


    Rachmans zweiter Roman ist in erster Linie ein geschickt aufgebautes Konstrukt. Wie eine Zwiebel schält er den Kern über einen Zeitraum von 30 Jahren heraus, immer wieder Dekaden zurückgehend aus drei Zeitperspektiven. Das ist ein Kunstgriff, der ähnlich dem Cliffhanger, den Leser an den Stoff fesselt. Man kann diese Geschichte auch in einem Zug erzählen, um denselben Effekt zu erreichen, wenn man die Dramaturgie ein wenig verändert. Rachman hat aber einen anderen Weg gewählt und sich damit in Sicherheit gebracht, denn die Story ist zwar gut und vor allem gut erzählt, aber sie hat Schwächen. Die größte ist, dass nicht offenbar wird, worauf es am Schluss hinauslaufen soll. Die Dramaturgie lässt mehr Vermutungen offen, als z.B. der Titel der Geschichte verspricht. Einiges bleibt im Unklaren, die Kindheit Tooleys z.B., die einfach hin-und hergeschoben wird, ohne dass es behördliche Probleme gibt. Bis herauskommt, dass es hier nur um die Geschichte von Tooley geht, ist das Buch schon zu Ende. Natürlich lässt sich einiges „Hochgeistiges“ oder „Tiefgründiges“ hineininterpretieren, doch die wahren Ambitionen dürften unter dem Strich nur dem Autor bekannt sein.

    Wofür Rachman nichts kann, sind die Erwartungen, die man an ihn hat. Waren die „Unperfekten“ das Manuskript, dass den wohl größten Vorschuss des Literaturbetriebs einbrachte, ist natürlich auch dieser hier zum Erfolg verdammt, denn die Hype, die dem ersten Roman voranging, machte daraus einen Bestseller und der muss ja wiederholt werden. Es sind die Marktmechanismen, die heute aus einem Buch einen Erfolg machen und ob darüber jeder Autor glücklich ist, sei dahingestellt.

    Rachman ist ein überzeugender Erzähler, aber weder die „Unperfekten“ noch dieser hier haben das Zeug zum Klassiker. Es fehlt ihnen die Genialität, die einzigartige Handschrift und der letzte, aber entscheidende Esprit. Der Wiedererkennungswert im Stil des Schreibers. Es ist eine gute Geschichte, die gut erzählt ist, aber den Leser nicht zwingend zu einer Wiederholung der Lektüre treibt. Um es einfacher zu sagen: Ein Buch, das man lesen kann, aber das nicht nachhaltig wirkt.


  4. Cover des Buches Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (ISBN: 9783596510979)
    Milan Kundera

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

     (1.130)
    Aktuelle Rezension von: Novella_Romana

    In Anbetracht der Tatsache, dass Geschichten mit ihren Figuren stehen und fallen, kann man diesem Roman nur 5 Sterne geben. Er ist sehr poetisch gechrieben und gespickt mit sinnvollen Weisheiten und Reflexionen. Zwar wird er für meinen Geschmack gegen Ende hin zu politisch, eine solche subjektive Empfindung zieht ihm aber bestimmt keinen Stern ab.

  5. Cover des Buches Verdammnis (ISBN: 9783453438217)
    Stieg Larsson

    Verdammnis

     (2.532)
    Aktuelle Rezension von: SonjaDeborahEisele

    Gute Geschichte!

  6. Cover des Buches Zeiten des Aufbruchs (ISBN: 9783499272141)
    Carmen Korn

    Zeiten des Aufbruchs

     (107)
    Aktuelle Rezension von: melie6a

    Titel: Zeiten des Aufbruchs

    Autor: Carmen Korn

    Seitenanzahl: 608

    Erscheinungsjahr: 2017

    Verlag: Rowohlt

     

    Klappentext:

    Wirtschaftswunder, Rock ‘n‘ Roll, Cocktailpartys – der zweite Teil der Jahrhundert-Trilogie

    1949: Die vier Freundinnen Henny, Käthe, Ida und Lina stammen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Dabei sind sie im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst nicht weit voneinander entfernt aufgewachsen. Seit Jahrzehnten schon teilen sie Glück und Unglück miteinander, die kleinen Freuden genauso wie die dunkelsten Momente.

    Hinter ihnen liegen zwei Weltkriege. Hamburg ist zerstört. Doch mit den Fünfzigern beginnt das deutsche Wirtschaftswunder. Endlich geht es aufwärts: Hennys Tochter Marike wird Ärztin, Sohn Klaus bekommt eine Stelle beim Rundfunk. Ganz neue Klänge sind es, die da aus den Radios der jungen Republik schallen. Lina gründet eine Buchhandlung, und auch Ida findet endlich ihre Berufung. Aufbruch überall. Nur wohin der Krieg Käthe verschlagen hat, wissen die Freundinnen noch immer nicht. 


    Meine Meinung:

    Wir befinden uns nun in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Die vier Freundinnen müssen ihre Leben neu strukturieren und die Leser/innen können sie dabei begleiten. Zusätzlich werden die Kinder der Freundinnen immer weiter in den Vordergrund gestellt. Schade ist es, dass dadurch meiner Meinung nach die Hauptcharaktere nicht weiter ausgebaut bzw. vertieft werden. Es ist eine neue Generation und auch diese muss einige Schicksalsschläge hinnehmen. Wir dürfen sie aber auch in den schönen Momenten des Lebens begleiten. Genau diese Mischung macht die Jahrhunderttrilogie für mich so besonders. Ein tolles Buch. Es kommt leider nicht ganz an den ersten Teil ran, aber ist trotzdem ein sehr gutes Werk.

  7. Cover des Buches Glück und Glas (ISBN: 9783764505431)
    Lilli Beck

    Glück und Glas

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Mia80

    „Glück und Glas“ war mein drittes Buch von Lilli Beck. Im Gegensatz zu den beiden anderen Romanen, die ich von ihr gelesen hatte, stand hier keine große, romantische Liebesgeschichte im Mittelpunkt, sondern die Freundschaft zweier Frauen, die über 70 Jahre lang sämtliche Höhen und Tiefen durchleben. 

    Marion und Lore werden am letzten Tag des zweiten Weltkrieges geboren. Die besonderen Umstände der Geburt soll die beiden für immer verbinden. 

    Die Handlung legt den Fokus hauptsächlich auf Marion. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend und mit ihren feuerroten Haaren ist sie vielen Hänseleien ausgesetzt. Doch Marion hat den Kopf voller Träume. Durch ihre Zielstrebigkeit ist sie tatsächlich für Größeres bestimmt. Sie wird Model und der Leser begleitet ihre aufregende Karriere. Lilli Beck hat früher selbst als Model gearbeitet und wie ich dem Klappentext entnommen habe, wohl ihre eigenen Erfahrungen in diesen Roman einfließen lassen. Marion ist eine Protagonistin, die durch viel Willensstärke und Mut überzeugt. Immer wieder erlebt sie herbe Rückschläge und wird insbesondere von Männern verletzt und hintergangen. Trotzdem steckt sie nie den Kopf in den Sand sondern versucht jede Situation zum Besten zu wenden.  

    Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat war, dass er eine Zeitspanne von 70 Jahren umfasst. Wichtige politische Ereignisse werden in die Geschichte eingeflochten und für mich kam der Zeitgeist der jeweiligen Epoche sehr realistisch rüber. An die 90er und 2000er Jahre kann ich mich auch noch sehr gut erinnern und es machte Spass, an verschieden Dinge wie zum Beispiel erste Handys etc. erinnert zu werden. 

    Auch die Jahrzehnte, die ich nicht miterlebt habe, wirkten auf mich sehr mitreißend. Besonders Marions Modeljahre, ihre Zeit in der Hippie Kommune und ihr besonderer Lebensstil machten „Glück und Glas“ zu einer Lektüre, die man einfach gerne liest. 

    Marion und Lore sind keine typischen Best-friends, die ihr ganzes Leben aneinander kleben. Ihre Freundschaft wird immer wieder von Eifersucht, Neid und falschen Entscheidungen überschattet. Und doch zeigen diese beiden Frauen, dass man trotz vieler Differenzen immer wieder zueinander finden kann. 

    Dies war für mich ein sehr lesenswerter und unterhaltsamer Roman. 


  8. Cover des Buches EVIL (ISBN: 9783453677005)
    Jack Ketchum

    EVIL

     (861)
    Aktuelle Rezension von: chipie2909

    Mein Schatz hat mir dieses Buch empfohlen und bevor ich damit gestartet bin, habe ich mir einige Rezension durchgelesen. Nicht nur einmal stand, dass die Welt dieses Buch nicht braucht und es einfach nur scheußlich ist. Diese Aussagen haben meine Neugierde aber einfach nur noch mehr entfacht. Doch um was geht es denn eigentlich in diesem Werk von Jack Ketchum?

    David genießt seine Kindheit mit seinen Freunden inmitten einer typisch amerikanischen Vorstadtidylle. Sie verbringen viel Zeit miteinander und vorallem bei seinem besten Freund fühlt er sich zuhause. Dort ziehen nach dem Tod ihre Eltern die Schwestern Meg und Susan ein, ihre Tante Ruth hat für die beiden das Sorgerecht bekommen. Doch die schillernde Fassade lockt, denn Ruth beginnt, die beiden Mädchen ganz nach ihren Methoden zu erziehen. Was anfangs noch als blöder Spaß scheint, wird schnell bestialisch. Denn nicht nur Ruth quält vor allem Meg, nein, auch ihre drei Söhne foltern das 16jährige Mädchen. Und wäre das nicht genug, steigen auch noch einige Jugendliche in bestialische Aktivitäten ein.

    Mein Eindruck vom Buch:

    Heftig! Einfach nur heftig! Jack Ketchum erzählt die Geschichte aus Sicht von David und er hat ein wahres Talent, sehr detailgetreu die Folterungen von Ruth und ihren Anhängern zu beschreiben. Mir stockte so oft der Atem, da ich kaum glauben konnte, dass diese Story wirklich auf eine wahre Begebenheit beruht. 1965 wurde in Indianapolis die 16jährige Sylvia Likens von ihrer Ziehmutter Gertrude Baniszewski und zwei ihrer Stiefgeschwister brutal zu Tode geopfert. Mit diesem Hintergrund berührt die Geschichte von Meg natürlich umso mehr. Es ist einfach unvorstellbar, wie grausam Menschen sein können. Aber nicht nur die Folterer haben mich schockiert. Nein, auch die Tatsache, dass in der ganzen Straße bekannt war, dass im Haus von Ruth etwas Schreckliches passiert und jeder einfach nur weggesehen hat. Unglaublich!! Somit wurden so viele Menschen Mittäter. Und auch die Brutalität der Jugendlichen ist unfassbar.

    Mein Fazit:

    Mit diesem Buch verliert man so ein bißchen den Glauben an das Gute im Menschen. Dennoch kann ich mich den Meinungen, dass dieses Buch „unnötig“ sei, definitiv nicht anschließen. Im Gegenteil, ich finde dieses Buch unheimlich wichtig! Es zeigt auf, dass man auch mal über seinen Tellerrand schauen und für das Gute kämpfen sollte. In Gedenken an Sylvia Likens.

  9. Cover des Buches Vergebung (ISBN: 9783453438224)
    Stieg Larsson

    Vergebung

     (2.296)
    Aktuelle Rezension von: juliakerscher

    In Vergebung wird die Geschichte, die im zweiten Teil begonnen hat, fortgesetzt. Der erste Teil ist ziemlich langsam, was aber nicht schlecht sein muss. Es kommt ganz darauf an, was der Leser bevorzugt. Für meinen Geschmack war es manchmal ein bisschen langatmig, aber nicht so sehr, dass es mich groß gestört hätte. 

    Ein toller Abschluss der Trilogie! 


  10. Cover des Buches The Shape of Water (ISBN: 9783426523070)
    Guillermo del Toro

    The Shape of Water

     (82)
    Aktuelle Rezension von: hapedah

    Elisa, die von klein auf nicht sprechen konnte, arbeitet als Putzfrau in einem geheimen Militärlabor. Das Leben verläuft für sie gleichförmig, ihre einzigen Freunde sind der homosexuelle Nachbar Giles und die dunkelhäutige Kollegin Zelda, die im Jahr 1963 ebenso am Rande der Gesellschaft stehen, wie Elisa durch ihre Sprachbehinderung. Doch eines Nachts entdeckt die junge Frau im Sicherheitstrakt eine Kreatur, die wie eine Mischung aus Mensch und Amphibie aussieht - und freundet sich mit dem Wesen an. Als sie erfährt, dass er bald getötet werden soll, setzt Elisa alle Hebel in Bewegung um ihren Freund zu retten. 

    "The Shape of Water" von Guillermo del Toro und Daniel Kraus ist eine fantastische Geschichte, die mich nach dem etwas lang gezogenen Anfang nicht mehr los gelassen hat. Die Figuren sind sehr detailreich dargestellt, nicht nur Elisa und ihre Freunde, auch den Anatagonisten Richard Strickland konnte ich beim Lesen immer mehr kennen lernen, sein Umfeld wurde ebenso ausführlich vorgestellt, wie Elisas Situation. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive neben den beiden Hauptfiguren gibt es auch Kapitel aus der Sicht von Giles, Zelda, einem Forscher des Militärlabors und Stricklands Ehefrau, deren Emanzipation ich in einem Nebenstrang ebenfalls begleitet habe. Gegen Ende gibt es sogar Abschnitte, in denen der Leser die Sichtweise des Wasserwesens mit erleben kann.

    Das alles erzeugte bei mir Bilder im Kopf, die Erzählweise habe ich als einzigartig empfunden und mir kam beim Lesen der Gedanke, dass Guillermo del Toros Schreibstil sicherlich von seiner Arbeit als Regisseur beeinflusst wird, jede einzelne Szene ist so beschrieben, dass ich mir die filmische Umsetzung bereits vorstellen konnte. Mein einziger Kritikpunkt ist der etwas lang gezogene Anfang - sicher ist die Verfolgung des Wasserwesens durch Strickland bis hin zur Gefangennahme ein nicht unerheblicher Teil der Geschichte und schon hier war für mich der Anfang des Wahnsinns spürbar, dem den Antagonisten durch die ganze Handlung hinweg immer mehr verfällt. Zwischendurch wird Elisas Alltag eingeblendet, auch sie wird ausführlich vorstellt, doch für meinen Geschmack war es etwas zu viel "Vorgeschichte" (ca. 100 Seiten), ehe die erste Begegnung zwischen ihr und dem Amphibienwesen statt fand. 

    Da der Klappentext den Beginn der eigentlichen Handlung im Labor beschreibt, habe ich mich davon beeinflussen lassen und beim Lesen regelrecht auf diesen Zeitpunkt gewartet. Und spätestens an dieser Stelle hatte mich der Roman gepackt, ich war tief in das fantastische Leseerlebnis versunken und habe das Buch immer erst aus der Hand gelegt, wenn ich die Augen absolut nicht mehr aufhalten konnte. Sowohl die Handlung an sich, als auch der Erzählstil haben mich auf einzigartige Weise bezaubert, deshalb spreche ich sehr gern eine Leseempfehlung aus. 

    Fazit: Wer bereit ist, sich auf eine außergewöhnliche Geschichte in einzigartig fantasievollem Schreibstil einzulassen und sich von kleinen Längen am Anfang nicht abschrecken lässt, wird mit einem fantastischen und sehr intensiven Leseerlebnis belohnt, das ich unbedingt weiter empfehle. 

  11. Cover des Buches Geiger (ISBN: 9783785727379)
    Gustaf Skördeman

    Geiger

     (98)
    Aktuelle Rezension von: mesu

    Es beginnt unglaublich spannend: Agneta, die gerade ihre Kinder und Enkel verabschiedet hat, bekommt einen Anruf. Sie hört nur ein Wort: "Geiger". Dann geht sie los, nimmt eine Pistole und erschießt kaltblütig ihren Mann.

     Der erste Teil der Geschichte ist lesenswert, Zug um Zug erfährt man in Bruchstücken wer der beliebte und allseits bekannte Tote Onkel Stellan war. Doch dann wird die Handlung leider zu zähfließend, mit vielen politischen Erklärungen und auch teils verwirrend. Die Geschichte stockt, leider und man verliert sich darin. Das ist schade.

  12. Cover des Buches Die Physiker (ISBN: 9783257208375)
    Friedrich Dürrenmatt

    Die Physiker

     (3.767)
    Aktuelle Rezension von: Nickmeh

    Immer spannend, immer lustig (was den wenigsten wirklich gelingt) und immer zum Nachdenken anregend. Tatsächlich mag ich keine Romane, die nur direkte Rede beinhalten. Diesen von Dürrenmatt musste (!) ich zu ende lesen. Beim Lesen lief meine bildhafte Vorstellung auf Hochtouren. Ich male mir immer noch aus, wie diese Anstalt, mit seinen seinen sehr interessanten Bewohnern ( samt Personal), aussehen mag.

  13. Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)
    Lauren Wilkinson

    American Spy

     (107)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    Der Anfang: «Ich öffnete den Safe unter meinem Schreibtisch, schnappte mir meine alte Dienstwaffe und schlich lautlos und elegant zur Schlafzimmertür – bis ich auf einen Legostein trat und den Rest des Weges humpeln musste.»


    Eine schwarze FBI-Agentin wird von der CIA engagiert und auf den revolutionären Präsidenten von Burkina Faso, Thomas Sankara, angesetzt. Sie lässt sich darauf ein, obwohl sie eher mit seinen politischen Zielen sympathisiert, als ihn ans Messer zu liefern. Natürlich leidet ihr Gewissen gewaltig. So könnte man diese Lebensbeichte zusammenfassen. Ein Agentenroman. Ein guter Roman. Wer allerdings auf knallharte Action steht, den den muss ich enttäuschen. Es ist ein Buch der leisen Töne, nicht nur das, man benötigt Geduld. Die Actionszene steht gleich am Anfang. Ein Geräusch mitten in der Nacht. Der Schatten eines Mannes. Im US-Bundesstaat Connecticut dringt ein Killer in das Haus von Marie Mitchell ein. Sie kann ihn entwaffnen und erschießt ihn, ruft die Polizei: Notwehr. Aber sie weiß, wer diesen Mann geschickt hat und dass ihre Vergangenheit als Spionin sie nun einholt. Darum packt sie die Koffer und macht sich mit ihren vierjährigen Zwillingssöhnen mit gefälschten Pässen auf den Weg nach Martinique zu ihrer Mutter Agathe.


    «Man kann einen Revolutionär umbringen, aber man kann nie die Revolution umbringen.»


    Dort angekommen, schreibt ihren Söhnen einen langen Brief, damit sie später verstehen, was passiert ist – sollte sie doch noch von ihren Verfolgern gestellt werden. Sie erzählt ihre Familiengeschichte, beginnend im New York der 1960er-Jahre, erzählt, wie ihre Mutter, Agathe, eines Tages verschwand, da sie eine Spionin war und ihren Job erledigt hatte. Verschwunden ohne ein Wort zu sagen. Marie bleibt mit Schwester Helene, die später unbedingt zum Geheimdienst gehen will, beim Vater zurück, der bei der Polizei arbeitet. Das Verhältnis zwischen den Vater und Helene ist nicht das Beste, er schickt sie irgendwann zur Mutter nach Martinique. Ein weiterer Verlust für Marie. Helene geht später zur Army, stirbt bei einem ominösen Unfall kurz vor ihrer Rückkehr ihres Einsatzes in Vietnam. Marie wird Polizistin und geht zum FBI, berichtet von Diskriminierungen der schwarzen Cops, insbesondere der Frauen; von Übergriffigkeiten der Männer. Beim FBI ist sie zuständig für die Rekrutierung von Informanten aus Bürgerrechtsbewegungen, trifft sich mit ihnen und schreibt ihre Berichte dazu. Als Frau, besonders als schwarze Frau, hat sie keine Möglichkeit des beruflichen Aufstiegs. Daher ehrt es sie, als sie in den 1980er-Jahren von der CIA als zeitlich befristete Auftragnehmerin (Agentin) angeheuert wird. Sie soll sich in die Nähe von Thomas Sankara begeben, sein Vertrauen erarbeiten, möglichst seine Geliebte werden, um Informationen zu erhalten, die man gegen ihn verwenden kann. Denn der amerikanische Geheimdienst unterstützt den amerikafreundlichen Gegenkandidaten Blaise Compaoré, den sie zum Präsidenten von Burkina Faso machen wollen.


    «Ich kann euch nur raten, seid keine moralischen Absolutisten. Wenn ihr die Menschen, von denen ich euch hier erzähle, nach dem Lesen in gut und schlecht einteilt, dann habt ihr nicht verstanden, worauf ich hinaus will»


    Historisch: Thomas Sankara war als sozialistischer Revolutionär durch einen Staatsstreich Präsident von Obervolta geworden. Er benannte das Land in Burkina Faso («Land des aufrichtigen Menschen») um, und er lehnte eine Rückzahlung der Schulden der Dritten Welt an den Westen ab, brachte eine engagierte Gesundheits- und Frauenpolitik auf den Weg (er verbot u.a. die Beschneidung von Frauen), kämpfte gegen Korruption im Land. Und er war führend, die Accra einzurichten, die Westafrikanische Union, setzte sich gegen die Apartheid in Südafrika ein. 1987 wurde Sankara bei einem Staatsstreich des Militärs unter Führung Blaise Compaoré ermordet, der ihm als Präsident folgte.


    «Und Jungs, ich war ja auch FBI-Agentin. Was ihr über euren Großvater und Mr. Ali denkt, trifft also auch auf mich zu. Fred Hampton, Bunchy Carter, Anna Mae Aquash – alle gehörten zu Organisationen, deren Infiltrierung von der Regierung damit gerechtfertigt wurde, sie seinen Kommunisten und Staatsfeinde. Alle waren US-amerikanische Staatsbürger, die ermordet wurden, nachdem sich jemand wie ich vom FBI eingemischt hatte.»


    Letztendlich geht es hier um Kommunistenjagd im eigenen Land, und um das Einmischen von großen Staaten in innere Angelegenheiten von kleinen Staaten, bis hin zum Kippen von Regierungen. In Zeiten des sogenannten Kalten Krieges waren alle Staaten, die sozialistisch oder kommunistisch geführt wurden, oder auch nur einen Hauch, dessen erahnen ließen, Ziel der USA, sie zu attackieren, zu infiltrieren, Paramilitärs mit Waffen zu beliefern, um Regierungen zu kippen. Gleichzeitig beschreibt Lauren Wilkinson die Schwierigkeit, als schwarzer Mensch in einem Job zu bestehen, der von Weißen dominiert wird, als Frau, als schwarze Frau, in einem Job auszuhalten, der absolut von Männern dominiert wird, weißen Männern, die an allen Schaltstellen sitzen. In sofern ist der Roman sehr lesenswert. Resümierend würde ich die Geschichte als Lebensbeichte oder Tagebuch  bezeichnen, aber nicht als Thriller. Es geht zunächst tief in die Familie, bis der Agentenjob beginnt. Der Anfang zieht in die Story hinein, doch dann flacht sie ab, zieht sich ellenlang. Die ausführliche, distanzierte Berichterstattung von Maria hat mich das Buch oft aus der Hand legen lassen. Mir fehlt die Dynamik, das Element der Spannung. Da Lauren Wilkinson ihren Plot in wechselnde Zeitebenen angelegt hat, ist schnell klar, worauf die Geschichte hinläuft, und insofern ist auch kein Thrill in der Geschichte angelegt. Interessant zu lesen, aber die Spannung bleibt nach den ersten Seiten leider liegen.


    Lauren Wilkinson, aufgewachsen in New York City, lebt in der Lower East Side. Sie lehrte Schreiben an der Columbia University und am Fashion Institute of Technology. Ihre Texte sind im Granta Magazine erschienen. American Spy ist ihr erstes Buch.


     https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/american-spy-von-lauren-wilkinson.html

  14. Cover des Buches Honig (ISBN: 9783257243048)
    Ian McEwan

    Honig

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Syakka

    Was für ein beklopptes Buch; echt mühsam zu lesen, langatmig, wie ein Haufen Stroh, den man durchkauen muß. Echt jetzt? Ist das alles?

    Und dann der Schluß. Da hat der Autor noch mal so richtig gegrübelt, wie er " 'nen dollen Knaller" bringen kann. Gähn. Echt lame.


  15. Cover des Buches Roter Rabe (ISBN: 9783423262095)
    Frank Goldammer

    Roter Rabe

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Isar-12

    "Roter Rabe" ist der vierte Band der Max-Heller-Reihe von Frank Goldammer. Der Dresdner Oberkommissar bekommt es diesmal mit einem völlig undurchsichtigen Fall zu tun. Zwei Männer sterben in ihren Zellen jeweils durch angeblichen Suizid, und beide auf die gleiche Art. Max Heller glaubt nicht an einen Zufall, ein Spionageverdacht steht im Raum. Als sich auch noch die Ministerien für Staatssicherheit der DDR und der UdSSR für den Fall interessieren, beschleicht Max Heller eine Ahnung, das es um eine viel größere Bedrohung gehen muss. Denn weitere Mordfälle geschehen in kürzester Zeit. Frank Goldammer lässt den Leser in diesem vierten Fall sehr lange im Dunkeln stehen. Sowohl Motiv und Hintergrund der Mordfälle, als auch private Geschehnisse im Umfeld Max Hellers bleiben fast bis zu den letzten Seiten völlig undurchsichtig. Zwar gibt es Tote am laufenden Band, aber man tappt im Dunkeln. Hat es tatsächlich mit dem kalten Krieg zu tun, geht es wirklich um Spionage, eventuell sogar um Landesverrat? Welche Rolle spielen sein alter russischer Freund Alexej Saizev oder die Kollegen, wem kann man trauen und wem nicht? Sogar Zweifel an der Heimkehr der eigenen Ehefrau bestehen. Diese Komplexität und Undurchschaubarkeit des Krimis machte ihn für mich so spannend. Als Leser war ich ständig nur am Spekulieren, was denn wirklich hinter dem Ganzen steht. Genau dieses "Nichtwissen" machte diesen Band für mich so interessant, die Verflechtungen haben mir gut gefallen. Einzig gegen Ende ging mir dann einiges zu schnell im Eiltempo und ein paar wenige offene Fragen blieben. In Summe ist aber dieser vierte Band aus der Reihe für mich wieder sehr gelungen und es hat Spaß gemacht ein weiteres Kapitel aus Max Heller's Leben und seinen Ermittlungen zu lesen.

  16. Cover des Buches Kolyma (ISBN: 9783442472352)
    Tom Rob Smith

    Kolyma

     (278)
    Aktuelle Rezension von: nord_zeilen

    Bereits ab der ersten Szene des Buches, baut der Autor Spannung auf. Diese Spannung wird immer wieder durch kleine Verfolgungsjagden oder anderen Zwischenereignissen gesteigert. Die Atmosphäre ist detailreich beschrieben, sodass mir das Buch an manchen Stellen sogar zu brutal war. Ab und zu musste ich es weglegen, um die Geschehnisse im Buch zu verarbeiten. Grundlegende Geschichtskenntnisse sind in diesem Fall sinnvoll, um den Geschichtsstrang zu verstehen.

    Der Hauptcharakter Leo Demidow ist mir zu Anfang sehr sympathisch, allerdings ändert sich das im Laufe des Buches. Leo setzt sein Leben auf`s Spiel, um seine Tochter zu retten, die ihn hasst und seine Liebe nicht erwidert. Dieses Verhalten erscheint mir naiv und ich kann seine Handlungen nicht immer nachvollziehen.

    Obwohl das Buch immer wieder in Zeitabschnitte gegliedert ist, gehen mir manche Geschehnisse zu schnell. Dabei geht es nicht um fehlendes Verständnis, sondern darum, dass die Ereignisse in der Realität nicht so schnell ablaufen können.

    Insgesamt kann das Buch den Leser durch die durchgehende Spannung sowie den lebhaften und detailreichen Schreibstil fesseln, weshalb ich das Buch mit vier Sternen bewerte.

  17. Cover des Buches Der englische Liebhaber (ISBN: 9783958900806)
    Federica de Cesco

    Der englische Liebhaber

     (87)
    Aktuelle Rezension von: winniehex

    Münster, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt ist zerstört, es ist Winter, die Menschen kämpfen um ihre Existenz. Die junge Anna hält ihre Familie mit einer Stelle als Dolmetscherin bei der britischen Besatzungsmacht über Wasser. Als sie eines Tages mit Fieber bei der Arbeit erscheint, bietet ihr der englische Captain Jeremy an, sie nach Hause zu bringen – es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Liaison, die im Nachkriegsdeutschland verpönt ist, denn mit dem Feind lässt man sich nicht ein. Doch als Anna schwanger wird, ist Captain Jeremy verschwunden, und die Engländer verweigern ihr jede Auskunft. Vierzig Jahre später findet Annas Tochter Charlotte Tagebuchaufzeichnungen und alte Tonbandaufnahmen – und sie macht sich daran, das Geheimnis der großen verbotenen Liebe von Anna und Jeremy zu lüften. Warum verschwand er eines Tages spurlos aus Annas Leben, obwohl sie seine große Liebe war? Was ist das Geheimnis des charismatischen und so undurchschaubaren Mannes, der ihr Vater ist? Und was ist der Grund für Annas Selbstmordversuch Jahrzehnte später? Je mehr Charlotte in die Geschichte ihrer Familie eintaucht, desto lebendiger wird für sie – und die Leser – auch die deutsche Nachkriegszeit, als die europäischen Völker einander als Feinde galten und in vielen Familien das Gespenst des Nationalsozialismus noch lebendig war. (Klappentext)

    Ein Buch voller Spannung und Emotionen, ich war von der ersten Seite total gefesselt. Die junge Anna verliebt sich in Jeremy, dem Feind schlechthin, aber wo die Liebe nun mal hinfällt.  Das aber Jeremy auch noch ein kleines Geheimnis mit sich trägt, dass erfährt Anna erst später. Trotz allen Hindernissen wollen die beiden ihr Glück versuchen, aber Jeremy ist von heute auf morgen spurlos verschwunden und keiner will Anna eine Auskunft erteilen. Die Geschichte könnte auch eine Biografie sein, denn so ging es damals in der Nachkriegszeit in Deutschland. Wer sich mit den vier Mächten verbindet ist ein Feind Deutschlands. Ein wirklich sehr Einprägsamer Roman, denn man nur weiterempfehlen kann.

    Vielen Dank an den Europa Verlag und Netgalley für Ihre Geduld, da ich gesundheitlich eingeschränkt war.

  18. Cover des Buches Klara vergessen (ISBN: 9783866486270)
    Isabelle Autissier

    Klara vergessen

     (41)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    Der erste Satz: «Es war dieser erhabene Moment.»


    Gleich vorweg, ich bin begeistert, einer der besten Romane, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Eine Familiensaga, aber es ist viel mehr: Es ist russische Geschichte, die dunkle Zeit der Stalindiktatur, der Gulags, und gleichzeitig findet man beeindruckende Naturbeschreibungen, die harte Arbeit der Fischer, das raue Leben auf See – und die Autorin geht tief hinein in ihre Charaktere – warum einer so ist, wie er ist. Eine überzeugende Kombination, ein Roman, der schnell einen Sog entwickelt, spannend, berührend – ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen.


    «Unvermittelt blieb er vor dem kräftigen Gelb des Arktischen Mohns stehen, dem Fuchsienrot von Weideröschen oder Steinbrech, dem weichen Schopf der für die Supflandschaft typischen Wollgräser. ... Heidelbeeren, Kranichbeeren oder Moltebeeren mochte er Wachholderbeeren, die seinen Mund mit ihrem pfeffrigen Geschmack erfüllten ... sah er einen Fuchs oder ein Nagetier Reißaus nehmen, einen unscheinbaren, grau geflügelten Schmetterling davonfliegen.»


    Den Ornithologen Juri erreicht 2017 in den USA die Nachricht, dass sein Vater Rubin im Sterben liegt. Er bittet ihn, nach Hause zu kommen. Juri hatte sich vorgenommen, nie wieder an diesen Ort zurückzukommen: Murmansk, nördlich des Polarkreises. Doch erfühlt sich verpflichtet, auch wenn er mit seinem Vater kein gutes Verhältnis hatte. Rubin bittet Juri um einen letzten Gefallen, herauszufinden, was damals mit Klara geschah. Juri dachte, seine Großmutter sei vor langer Zeit verstorben. Doch niemand weiß, was mit ihr geschah seit der Nacht, in der die Staatspolizei die Geologin abholte. Rubin war 1950 sechs Jahre alt. Juri ist erstaunt, stellt Anträge zum Verbleib der Großmutter und fordert Akten an. Manch einer erhält eine Antwort, die meisten nicht, viel mehr kann er nicht tun.


    «Doch aus den Körpern sprach vor allem eine uralte Gier, die tiefe Befriedigung beim Anblick eines Berges von lebendigem Fleisch, das auf das Deck niederprasselte und saß Gefühl der Macht, die darin lag, Lebewesen aus der Tiefe herauszuziehen, die ihren Messern ausgeliefert wären. In diesem Momenten waren sie durch den Gemeinschaftsgeist verbunden.


    Drei Generationen, deren Schicksal von der politischen Entwicklung des Landes abhängt. Juri schlendert durch Murmansk und erinnert sich an seine Kindheit und seine Jugend. Er hat Rubin gehasst, den Kapitän eines Fischtrawlers, einer der Erfolgreichsten, aber ein Vater, der nicht in der Lage ist Liebe zu zeigen, der den Jungen züchtigt und ihm harte Übungen auferlegt, den Körper zu stählen. Er soll in der ersten Reihe der Pioniere stehen, später selbst als Kapitän zur See fahren. Doch Juri interessiert sich mehr für die Schönheit von Vögeln. Glücklicherweise ist der Vater meist abwesend. Aber auch die Mutter hat nicht viel Liebe zu geben. Dann dann kommt der Tag, an dem der Vater von ihm verlangt, Seemann zu werden. Seine erste Fahrt als Schiffsjunge wird eine monatelange Tortur an Bord des Fischtrawlers von Rubin. Isabelle Autissier beschreibt eindringlich die Gewalt des Meeres, das harte, gefährliche Leben der Fischer an Bord. Die Bootsjungen werden unmenschlich geritzt, besonders vom Ausbilder Serikow, der den verträumten Juri auf dem Kieker hat. In Juri gärt es. Wann ist der Punkt erreicht, sich zur Wehr zu setzen?


    «Das Kratzen von Metall auf Metall, das leise schwingen der Tür beim Hineinstecken des Schlüssels, das noch immer doppelte Klicken des Riegels, das saugende Geräusch der sich vom Rahmen lösenden Tür, das Reiben des Windstoppers auf dem Fußboden und schließlich der dumpfe Klang beim Schließen. Ein leichter Schwindel überkam Juri, als er nach so vielen Jahren wieder die Wohnung der Familie betrat.»


    Nach dieser Fahrt ist es für Juri klar: Nie wieder! Er studiert Biologie in Leningrad (heute St. Petersburg), erhält ein Stipendium in den USA, um seinen Doktortitel zu erreichen und bleibt. Rubin erklärt ihm auf dem Sterbebett, dass er weiß, was Juri auf dem Schiff gemacht hat. Er ist sogar Stolz auf ihn – er trägt eine gleiche Schuld. Und nun geht es zu Rubin. Wir erfahren, was mit der angesehenen Familie geschieht, nachdem Klara verhaftet wurde. Sein Vater, Anton, ein schwacher Mensch, muss mit Rubin ins Rotlichtviertel in eine Baracke ziehen – die Familie gehört nun zu den Aussätzigen, die Dreck am Stecken haben, die politisch unrein sind. Rubin wird von den Mitschülern misshandelt, er darf mit der Familienvergangenheit auch nicht zu den Pionieren, ist aber Feuer und Flamme für den Staat, kämpft um Anerkennung. Anton, zermürbt die Erinnerung, er zerbricht fast an seiner Schuld. Dann entdeckt Rubin seine Liebe für das Meer, will Fischer werden und sich heraufarbeiten, die Schuld seiner Mutter in den Schatten stellen. Auch hier wieder berauschende Naturbeschreibungen auf See, zur Arbeit der Fischer. Klara zu vergessen ist Rubin unmöglich, auch wenn nie wieder ein Wort über sie gesprochen wird. Er hat ihren Geruch in der Erinnerung, ihr Zimtparfüm, den Duft, den er bei jeder Frau sucht, aber nie finden wird. Und er nimmt sich Sok an, der im Gulag aufwuchs, nicht lesen und schreiben kann – dessen Familie dort elendig zu Grunde ging.


    «Die Männer sprangen vor und wurden sofort von eisiger Gischt bedeckt. Der Winddruck ließ sie taumeln. Im Scheinwerferlicht glänzten ihre gelben Regenjacken, was sie wie eine Armee riesiger Kartoffelkäfer aussehen ließ. Das Grollen der Wellen und das Kreischen des Windes übertönten das Motorengeräusch. Wenn ein Brecher aufs Schiff stürzte, schrie der Bootsmann: ‹Festhalten!»


    Nachdem Rubin bereits ein Jahr verstorben ist, Juri nichts weiter über Klara erfahren konnte, erhält er per Post Aufzeichnungen. Wir erfahren die Geschichte von Klara, den Grund ihrer Verhaftung, ihre Verlegung nach Stalingrad, weiter in ein abgelegenes Lager auf der Insel Sipajewna, wo sie als Wissenschaftlerin arbeiten muss – einen guten Kontakt zur Urbevölkerung der Nenzen bekommt, die Rentiere züchten, als Nomaden leben. Natur pur. Zunächst läuft es für Klara gut, doch dann wird auch ihre Ruhe massiv gestört. Jeder in dieser Geschichte ist Opfer und gleichzeitig Täter – jede Generation trägt ihre Schuld. 


    «Eine Schale mit frischem, stärkendem Blut wanderte von Hand zu Hand und verströmte einen faden Geruch, eine Mischung aus Eingeweiden und frischem Fleisch. Das Rentier spendet Leben. es gibt sein gutes Fleisch, eine Haut, sein Fell, seine Sehnen, seine Knochen. Auch nur ein Quäntchen davon zu verschwenden wäre eine Beleidigung an die Natur.»


    Eindrücklich beschreibt Isabelle Autissier die Stalin-Ära, eine grausame Zeit der Massenverhaftungen, Massentötungen, der brutalen Umsiedelaktionen – das Brechen von Menschen. Duckmäusertum und Gewalt zurchzieht das Land, Verrat, Verleumdung und Angst prägt die Menschen, mit Alkohol lässt sich dieses Leben besser ertragen. Mit Gorbatschow gibt es Hoffnung, die UdSSR schrumpft zu Russland – aber bald folgt Putin. Eine kleine kapitalistische Brise geht durch das Land, Konsum, Ware aus dem Ausland ist erhältlich. Die Liebe zur Natur und zu Tieren, jede Generation auf ihre Weise, steht hier für die Freiheit – die Natur zwingt niemanden in ein Korsett von Gehorsam und Angst. Die Autorin hat einen sehr spannenden Roman geschaffen, der zwischen gesellschaftlichen Zwängen und Naturbeschreibungen sich wellenartig vorwärtsbewegt, mal süß-poetisch, einmal rau bis brutal. Naturgewalt, Fischfang, ein Abschlachten im Akkord. Atmosphärisch dicht, in punktgenauer Sprache. Drei Menschen, die in die Enge getrieben werden und das verteidigen müssen, was ihnen am meisten bedeutet. Wozu ist der Mensch bereit, wenn in der Erniedrigung eine Grenze überschritten wird? Ein grandioser Roman!


    Isabelle Autissier, 1956 in Paris geboren und dort aufgewachsen, lebt heute in La Rochelle. Mit sechs Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Segeln; 1991 machte sie Furore als erste Frau, die allein im Rahmen einer Regatta die Welt umsegelte. Seit den Neunzigerjahren widmet sie sich dem Schreiben. Ihr Roman Herz auf Eis (2017) war für den Prix Goncourt nominiert und wurde SPIEGEL-Bestseller.


    https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/klara-vergessen-von-isabelle-autissier.html

  19. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783785750049)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

     (42)
    Aktuelle Rezension von: MamaSandra

    In Amerika hält Martin Luther King seine berühmte Rede und die Schwarzen lassen sich nicht länger unterdrücken. Präsident Kennedy und später die Watergate-Affäre werden thematisiert.

    Währenddessen wird in Berlin die Mauer errichtet. Rebecca und auch später Walli fliehen in den Westen. Mehr oder weniger geglückt, läuft die Flucht ab. Der russische Handlungsstrang hat mich hier etwas weniger interessiert.

    Insgesamt ist es wirklich erstaunlich was in 100 Jahren der Geschichte alles geschehen ist. Mit der Jahrhundert-Saga hat Follett 2 Weltkriege und die Trennung Deutschlands thematisiert sowie bahnbrechende Ereignisse der amerikanischen Geschichte. Allein deshalb sind ist diese Reihe interessant und Band 3 vielleicht noch etwas mehr, weil es einen selbst noch betroffen hat oder zumindest die Eltern. Ich bin ein Kind der Wende, aber habe viel erzählt bekommen. Da gibt es immerhin noch wesentlich mehr Zeitzeugen als vom 2. Weltkrieg.

    Sehr gut gelungen ist Follett die Verknüpfung der historischen Fakten und Persönlichkeiten mit seinen fiktiven Charakteren der Bücher.

    Der Erzähler des Hörbuches hat eine sehr angenehme Stimme.

  20. Cover des Buches Agent 6 (ISBN: 9783442475032)
    Tom Rob Smith

    Agent 6

     (155)
    Aktuelle Rezension von: Sassl

    In diesem Abschluss der Trilogie um Leo Demidow begleiten wir ihn in 30 Jahren russischer, amerikanischer und afghanischer Geschichte der Geheimdienste und des Kommunismus. 

    Nach den ersten beiden Teilen Kind 44 und Kolyma hat mich Agent 6 leider enttäuscht. Der Politthriller hat wahnsinnig viele Längen, die sich um zu viel Politik der Geheimdienste drehen. 

    Der eigentliche Plot ist sehr interessant. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin ist großer Anhänger des Kommunismus. Doch nach vielen Jahren des Erfolgs wird er wird er von den Sowjets fallengelassen und von seinen eigenen Landsleuten verachtet. Nach einem Mordanschlag auf Jesse versucht Leo alles, um den wahren Täter zu finden.

    Die Geschichte beginnt jedoch bereits 15 Jahre vor dem Mord und erzählt wie Leo seine Frau Raisa kennengelernt hat. Anschließend vergehen 15 weitere Jahre, in denen wir Leo nach Afghanistan begleiten. Diese Ausflüge waren mir viel zu langatmig und lange Zeit wusste ich gar nicht, wo alles hinführen soll. Um den tatsächlichen Agenten 6 geht es schließlich auch nur auf den letzten 100 Seiten.

    Alles in allem kein schlechter Politthriller, aus dem Tom Rob Smith jedoch viel mehr hätte machen können nach den fabelhaften ersten beiden Teilen der Trilogie.

  21. Cover des Buches Sand (ISBN: 9783499258640)
    Wolfgang Herrndorf

    Sand

     (153)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Nordafrika 1972. Es ist das Jahr des Palästinenserattentats bei den Münchener Olympischen Spielen. Irgendwo in der Sahara spielen sich ebenfalls dramatische Ereignisse ab. Ein Mann ohne Gedächtnis wird an einer Tankstelle mitten in der Wüste von einer Amerikanerin aufgelesen, die sich um ihn kümmert und versucht, mit ihm das Geheimnis um seine Identität zu lüften und warum er von wem gejagt wird. Vier Mitglieder einer Hippiekommune werden von einem vermeintlich drogensüchtigen Amokläufer ermordet, ein frustrierter Kommissar versucht, den Fall zu klären, von einer Mine ist die Rede und niemand weiß, was es damit auf sich hat. Spuren werden verworfen und wieder aufgenommen, Verfolger und Verfolgte wissen manchmal nicht, was der Grund für ihre Rolle, die sie gerade einnehmen, ist. Ein Thriller, der manchmal den Atem anhalten lässt, bis es am Schluss eigentlich gar keinen richtigen Schluss gibt, der aber das Plausibelste enthält, was diese großartige Story hergibt.

    Herrndorf wird ja schon längst nicht nur an seinem Megaerfolg „Tschik“ gemessen. Der viel zu früh verstorbene Autor konnte mit verhältnismäßig wenig Veröffentlichtem zeigen, dass er zu einem der wichtigen Gegenwartsautoren hätte zählen können. Sein großes Plus ist nicht nur die Phantasie und das Gespür für einen guten Stoff, sondern in erster Linie sein Stil, der nicht nur die Bilder transparent macht, sondern auch die Szenen so engmaschig und dicht setzt, dass man sich als Leser förmlich mitbewegt. „Sand“ hat alles, was ein guter Thriller braucht, er streift aber auch die Atmosphäre der Orte mit einer klaren Präzision und fängt den Geruch jeder beschriebenen kleinen Gasse exakt ein. So wird aus dem Buch ein Film mit Figuren, die man vor sich sieht, mit denen man leidet und genießt, wo man in die Psyche der mal mehr, mal weniger komplizierten Charaktere eintauchen kann. Das alles ist große Handwerkskunst und wenn man den Begriff „stilsicher“ gebrauchen will, ist das wahrscheinlich zu oberflächlich, denn Herrndorf hat hier seine eigene Sprache gefunden, die einen unwiderstehlichen Sog produziert.

    Das Ende ist schlüssig und plausibel. Um nicht mehr zu verraten, kann man aber sagen, dass es ungewöhnlich ist, weil sich die Erwartungshaltung nach den 470 Seiten natürlich entsprechend intensiviert hat. Aber das ist kein Manko dieses empfehlenswerten Romans. Ein spannendes und großartig geschriebenes Buch. Es ist schade, das Herrndorf so früh verstorben ist, er gehört in dieselbe Abteilung wie Jörg Fauser, von dem man auch noch hätte einiges erwarten können.

  22. Cover des Buches Lautlos (ISBN: 9783442459223)
    Frank Schätzing

    Lautlos

     (500)
    Aktuelle Rezension von: Bookreader34

    Lautlos von Frank Schätzing ist ein Thriller über ein geplantes Attentat auf ein Staatsoberhaupt während des G8-Gipfels im Juni 1999 in Köln nach dem Kosovo-Konflikt. 

    Das Buch ist in ein Vorwort über westliche Medien und ihre Konsumenten, einen in vier größere, Phasen genannte Abschnitte unterteilten Hauptteil, einen Epilog und einen Anhang geteilt. In letzterem sind genauere Informationen zu ein paar im Buch angesprochenen Themen wie dem Kosovo-Konflikt und Whisk(e)y enthalten.

    Die Hauptpersonen sind der irische Physiker und Autor Liam O'Connor, der eine Vorliebe für Whiskey hat, seine Presseagentin Kirsten-Katharina "Kika" Wagner, sein Lektor Franz Maria Kuhn und die Terroristen Mirko und Jana. 

    O'Connor will eigentlich nur sein neuestes Buch vorstellen, trifft aber auf einen alten Studienfreund. Das bringt ihn dazu, Nachforschungen anzustellen, durch die er, seine Presseagentin und sein Lektor ins Visier der Terroristen geraten.

    Eingeflochten in die Handlung erhält der Leser einige Informationen unter anderem über Köln und die damalige politische und gesellschaftliche Situation, verbunden mit Kritik daran. Vor allem bis etwa zum Ende von Phase 1 fand ich das teilweise aber übertrieben viel. 

    Dadurch und weil in diesem Teil des Buches noch nicht viel außer der Planung des Attentats und der Schilderung von O'Connors vorgesehenen Terminen in Köln passiert, fand ich die Handlung bis zum Ende von Phase 1 eher langweilig. Ab dem Beginn von Phase 2 wird sie aber immer spannender, bis zum wirklich fesselnden Finale.

    Positiv ist die ziemlich ausführliche Charakterisierung von O'Connor und Jana, durch die ihre Handlungen gut nachvollziehbar sind. Ich hätte sogar fast ein bisschen Mitgefühl und Sympathie für die Terroristin Jana empfunden, wenn sie nicht skrupellos den Tod von jedem in Kauf nehmen würde, der das Gelingen des Plans gefährdet.

    Insgesamt hat mir Lautlos recht gut gefallen. Ich weiß aber nicht, ob ich es noch einmal lesen werde.

  23. Cover des Buches Vaterland (ISBN: 9783453421714)
    Robert Harris

    Vaterland

     (347)
    Aktuelle Rezension von: Archer

    April 1964: Das dritte Reich hat den Krieg vor zwanzig Jahren gewonnen. Die Nazis beherrschen Europa und Deutschland, insbesondere Berlin, bereitet sich auf den 75. Geburtstag des Führers vor. Ausgerechnet jetzt wird die Leiche eines hochrangigen SS-Offiziers gefunden. Xaver March, Ermittler der Mordkommission, wird auf den Fall angesetzt. Doch überall wird gemauert, er findet keinen Zugang zu dem Fall und plötzlich mischt sich auch noch der Sicherheitsdienst ein und entzieht ihm das Ganze. Doch Xaver hat Blut geleckt und je tiefer er gräbt, desto scheußlicher werden die Verbrechen und desto lauter schreit sein Gewissen.

    Ich mag ja diese Was-wäre-wenn-Szenarien sehr. Mit diesem Buch hat der Autor wohl vor 25 Jahren in Deutschland einen Skandal heraufbeschworen, hat er doch Ängste und Schuldbewusstsein ordentlich wieder aufgewühlt. Andererseits finde ich das Ganze gar nicht abwegig, schon gar nicht im Licht heutiger Ereignisse betrachtet. Es war eine beklemmende, spannende und durchaus authentische Lektüre, die zwischendrin manchmal ein bisschen langatmig daherkam, ganz besonders, wenn es um das amerikanische Loveinterest von Xaver ging. Dafür riss der Schluss vieles wieder heraus; er war unglaublich intensiv, hoffnungslos, realistisch und vor allem - offen. Nicht was das Schicksal einzelner Beteiligter angeht, aber dafür das Schicksal der ganzen Welt. Fast wie im echten Leben. 

  24. Cover des Buches Das Lied der Stare nach dem Frost (ISBN: 9783492304764)
    Gisa Klönne

    Das Lied der Stare nach dem Frost

     (90)
    Aktuelle Rezension von: dorisdavid

    "Jedes Buch ist ein Zwiegespräch zwischen Autor und Leser" (Ludwig Reiners). 

    Ein passendes Zitat zu dem Erlebnis, das ich beim Lesen von "Das Lied der Stare nach dem Frost" hatte: Denn ich habe Rixa, Elise und Theodor gehört.
    Ich konnte so gut mit den Dreien mitgehen, mitfühlen und konnte zudem auch die feine leise Stimme der vierten Protagonistin Dorothea hören, die sich von Anfang an sehr zurück nimmt und es schien mir sogar, als ob sie gar nicht in Erscheinung treten möchte.
    Und doch hat mich diese Zurückhaltung ganz besonders und am allermeisten berührt. Meine Familiengeschichte ist sehr anders und dennoch habe ich meine Familie in jeder Zeile gespürt, vor allem meine Mutter.
    Vieles hat mich traurig gemacht, vieles hat mich aber auch ruhig und friedlich gemacht. Befriedend.
    Wie behutsam Gisa Klönne die vorangegangene Geschichte der Familie erzählt, hat mich unglaublich begeistert. Kein Schwarz/Weiß, sondern ganz viel dazwischen. Alle Farben. So wie die Autorin deren Leben erzählt, ist so schön, denn es hatte für mich etwas Fürsorgliches, das mich sehr bewegte und durch das ich vieles verstand.

    Das alles in poetisch-schöner Sprache
          

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