Bücher mit dem Tag "kanadische literatur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kanadische literatur" gekennzeichnet haben.

42 Bücher

  1. Cover des Buches Der Report der Magd (ISBN: 9783827013842)
    Margaret Atwood

    Der Report der Magd

     (680)
    Aktuelle Rezension von: Wolly

    Meinung:
    In meinen Augen besticht der Roman durch zweierlei Dinge. Zum einen ist die dystopische Idee, die Atwood schafft, so grausam wie vorstellbar. Die Mischung aus atomarer Bedrohung, totalitärem Staat und religiösem Eifer ist wirklich gruselig. Jedes für sich genommen ist schon gefährlich genug, aber die Vermengung ist natürlich hochexplosiv und leider eben auch realitätsnah. Denn es gibt alle drei Dinge auf dieser Welt heute schon häufiger, als es uns Menschen lieb sein darf. 

    Hinzu kommt die gute Ausarbeitung Atwoods, die uns die Praktiken in Gilead deutlich vor Augen führt. Besonders der sehr nüchterne, aber gleichzeitig eindringliche Schreibstil verstärkt das Grauen immens.
    Man darf dabei aber auch nicht verschweigen, dass der Stil nicht immer angenehm zu Lesen ist. Auf Dauer kann er je nach Leser auch langweilen oder zu viel des Guten sein, da er wirklich eigenwillig ist. Mir war es zwischendurch auch zu anstrengend, obwohl ich generell ein Fan davon bin.

    So oder so trägt die Schreibe dazu bei, dass ich von der Geschichte genauso entrückt war, wie Desfred von ihrer Situation. Sie lässt die meiste Zeit, die Dinge einfach über sich ergehen und versucht mit dem Kopf woanders zu sein oder an nichts zu denken. Beispielsweise bei Szenen der Vergewaltigung.
    (Wer davon getriggert wird, also bitte die Finger weg von diesem Buch!)
    Man wird einfach beim Lesen gezwungenermaßen Zeuge oder Beobachter von Szenen, vor denen schon die Protagonistin die Augen verschließt und die man gerne überspringen würde. Ein recht spezielles Gefühl.
    Andererseits mag ich aber auch das Beobachten ihrer kleinen Rebellionen und Triumphe zwischendurch. Man freut sich einfach mit ihr, auch wenn man die Freude nicht immer nachvollziehen kann. Man merkt aber deutlich das Kleinigkeiten in so einer ätzenden Situation überraschend viel ausmachen können. Kleine Anker die sie durch ihr Leben tragen und im Endeffekt Liebe, Träume und Hoffnung die sie weitermachen lassen.

    Fazit:
    Eine erschreckend realitätsnahe Zukunft, die sowohl als Buch als auch als Serie eine Empfehlung ist. Lest euch aber vor dem Kauf die Leseprobe durch!

  2. Cover des Buches Giants - Sie sind erwacht (ISBN: 9783453316904)
    Sylvain Neuvel

    Giants - Sie sind erwacht

     (95)
    Aktuelle Rezension von: PeWa

    Ich habe von der Geschichte etwas anderes erwartet, als das was ich hier geliefert bekommen habe. Ich war auf eine Geschichte um Dr. Rose und den riesigen Roboter eingestellt. Geliefert bekommen habe ich zwar eine Geschichte um einen riesigen, außerirdischen Roboter, allerdings spielte Dr. Rose keine so tragende Rolle wie erwartet. Vielmehr ist der große Unbekannte der Hauptakteur. Er ist es, der alles zusammenhält. Er scheint alle Fäden im Hintergrund zusammen zu halten. Er weiß scheinbar immer was er tut, wen er wie ‚manipulieren‘ muss um zu seinem Ziel zu kommen. Was allerdings das Ziel des Mister X ist, bleibt im Verborgenen. Natürlich erkennt man was er vor hat, doch ich denke nicht, dass das Offensichtliche auch wirklich alles ist, was diese Person im Schilde führt

    Was mir an der Geschichte besonders gefallen hat, ist die Art der Darbietung. Die Geschichte ist nicht eben eine erzählte Geschichte. Vielmehr ist sie eine Sammlung verschiedenster Gesprächsprotokolle, Einsatzberichte und Tagebucheinträge der verschiedenen, beteiligten Personen. Natürlich kommen die Einträge in chronologischer Reihenfolge daher und lassen den Leser somit an den Geschehnissen um die Findung, die Erforschung und den Einsatz des ‚Riesen‘ teilhaben.

    Im Laufe der Geschichte werden die wenigen Akteure vorgestellt und ins Spiel gebracht.das alles passiert durch die Hand des Mister X. Alle Darsteller in diesem Stück haben ihre kleine Hintergrundgeschichte, die sie etwas plastischer macht.
    Allerdings muss ich zugeben, dass sich keine Bilder der Personen in meinem Kopf erstellt haben. Normalerweise habe ich doch immer eine grobe Silhouette der Personen im Kopf, aber hier war nix. Vielleicht liegt es an der protokollierten Erzählweise, vielleicht daran, dass sie einfach nicht gut genug dargestellt waren.
    Es geht nicht nur um den rätselhaften Roboter. Mich hat allerdings das Thema ‚zwischenmenschliche Beziehung‘ etwas gelangweilt. Natürlich bleiben bei einem solchen weitreichenden und langwierigen Projekt, wie der Zusammenbau und die Erforschung eines außerirdischen Artefakts bestimmte Spannungen und Liebeleien im Team nicht aus, aber gerade die Beziehungsgeschichte(n) Resnik-Mitchell-Couture kam mir stellenweise etwas zu breitgetreten vor. Hier hätte man sicherlich das eine oder andere Gespräch kürzen können.

    Zum Ende der Geschichte wird recht schnell klar, dass es hier einen weiteren Teil geben wird. Zumal es im Epilog ein sehr rätselhaftes Ereignis gibt. Vor allem aber, da das Thema Roboter nicht abgeschlossen wird.

  3. Cover des Buches Schiffbruch mit Tiger (ISBN: 9783596196982)
    Yann Martel

    Schiffbruch mit Tiger

     (1.013)
    Aktuelle Rezension von: Adrian00021

    Worum geht's

    Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoodrektors und praktizierender Hindu, Moslem und Christ erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Schiffbruch. Bald stehen sich nur noch zwei gegenüber - Pi und der Tiger

    Cover

    Ein schönes Cover, wobei ich die ältere Ausgabe des Covers schöner finde.

    Meine Meinung

    Eins vorweg: Ich habe dieses Buch bei Seite 280 abgebrochen. Ich hatte so meine Probleme mit diesem Buch, was 1.) daran lag, dass die ersten 120 Seiten nur über Zoo und Religion geredet wird und dadurch 2.) kaum Spannung in diesen ersten 120 Seiten und auch in den folgenden ist kaum Spannung vorhanden. Yann Martel schreibt alles so genau, was mich bei einigen Sachen einfach gar nicht interessiert. Auch seine Vergleiche mag ich nicht.

    Fazit

    Ich empfehle dieses Buch nicht, da sich das Vorgeplänkel einfach sehr lange zieht und der eigentliche Schiffbruch (worum es ja eigentlich geht) eher Nebensache in diesem Buch ist.

    1 von 5 Sternen!


  4. Cover des Buches Das Jahr der Flut (ISBN: 9783833309700)
    Margaret Atwood

    Das Jahr der Flut

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Federfee
    Am Anfang hatte ich ein wenig Probleme mit den verschiedenen Personen und den Zeitsprüngen. Außerdem wechselten sich religiös oder sektiererisch angehauchte Ansprachen mit Ekel-Szenen ab. Doch irgendwann hatte ich mich eingelesen und fand diesen 2. Band der MaddAddam-Trilogie zunehmend faszinierend. Zwar gab es auch hier ethische und moralische Fragen, aber der Schwerpunkt lag für mich auf dem Leben der verschiedenen Personen und wie sie mit der entvölkerten Welt nach 'der großen Flut' (einer Pandemie) fertig werden. War die Gruppe der 'Gottesgärtner' zuerst fremd für mich, traten zunehmend bekannte Personen aus dem ersten Band auf.

    Natürlich geht es auch darum, wie es dazu kommen konnte, welche Machenschaften es sind, die die Erde und das Leben auf ihr zerstören und wer dahinter steckt. Aber das Schicksal der Personen und ihre tapferen Überlebensstrategien und ihr Mut waren es, die mich begeistert haben.

    Und wenn ein Buch so zu Ende geht, dass man es mit Bedauern zuklappt, dass man gerne noch bei den Personen bleiben möchte, dann war es ein gutes Buch. Und jetzt freue ich mich auf den 3. Band.

    P.S. Nicht zuletzt: Kompliment an die Übersetzerin Monika Schmalz, die die Wortspiele auffallend treffend übersetzt hat.
  5. Cover des Buches alias Grace (ISBN: 9783492313476)
    Margaret Atwood

    alias Grace

     (110)
    Aktuelle Rezension von: Pantoffeltier

    Ende des 19. Jahrhunderts bewegt das Schicksal der Grace Marks die Gemüter. Im Alter von 16 Jahren wurde sie der Mithilfe am Mord ihres Dienstherren und dessen Haushälterin verdächtigt. Die Todesstrafe wird im letzten Moment in lebenslange Haft umgewandelt, obwohl die Umstände der Morde alles andere als klar sind..

    Der Nervenarzt Simon Jordan versucht Licht in die Sache zu bringen.

    Ist sie eine kaltblütige Mörderin? Verführte sie ihren Komplizen? Ist sie selbst unschuldiges Opfer des wahren Mörders? Ist sie psychisch krank oder spielt sie nur die Wahnsinnige?

    Margret Atwood legt trotz des Themas keinen klassischen Kriminalroman vor. Es geht nicht so sehr darum, was wirklich passiert ist, als um eine Darstellung der Gesellschaft und des Menschenbildes des 19. Jahrhunderts.

    Atwood verzichtet auf Dramatisierungen und Romantisierung. Sie bemüht sich um ein lebendiges und detailliertes Bild der Zeit, angereichert mit Zitaten aus Gerichtsprotokollen und literarischen Bearbeitungen des Themas. Es geht nicht nurn um den Mord, sondern auch die Geschichte der Erforschung und Therapie von Geisteskrankheiten, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die Situation von Bediensteten. Man kann sich gut in Graces Lage hineinfühlen auch wenn ihre Handlungen nicht immer nachzuvollziehen sind. Zugleich blickt man aus der Sicht des behandelnden Arztes Simon auf Grace. Es gibt kaum schwarz und weiß, stattdessen gibt es sehr viele Schattierungen von grau. Es gibt durchaus Längen und am Ende entzieht sich die Autorin auf unbefriedigende Weise der Notwendigkeit sich endgültig festlegegen zu müssen, aber dafür entschädigt die wunderbar atmosphärische Darstellung.

    Im Anhang geht Atwood auf die realen Hintergründe und ihre Quellen ein. Mir hat sehr gut gefallen, dass sie auf Unklarheiten eingeht, ohne eine Lösung zu präsentieren. Ein sehr eindrückliches, intensives Leseerlebnis.

    4,5 Sterne

  6. Cover des Buches Tanz der seligen Geister (ISBN: 9783596512195)
    Alice Munro

    Tanz der seligen Geister

     (43)
    Aktuelle Rezension von: parden
    VOM ERWACHSENWERDEN...

    Schon lange befindet sich dieser Band von 15 Erzählungen in meinem Regal - zufällig sogar das Debüt der kanadischen Schriftstellerin (Erstveröffentlichung 1968) -, und spätestens seit Alice Munro 2013 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war ich neugierig auf dieses Buch. Doch erst jetzt nahm ich mir die Zeit für die Lektüre und kann schon so viel vorweg verraten: es wird für mich nicht das letzte Buch der 1931 geborenen Preisträgerin gewesen sein.

    Das verbindende Glied der 15 Erzählungen ist im weiteren Sinne der Abschied von der Kindheit, das Finden eines eigenen Weges. Angesiedelt sind die Geschichten etwa in den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der kanadischen Provinz, und wie ich gelesen habe, beinhalten sie zahlreiche autobiografische Erlebnisse der Schriftstellerin. Dies lässt die meist zwischen 20 und 30 Seiten langen Erzählungen in einem besonderen Licht erscheinen.


    "Es gibt nichts, was du im Augenblick tun kannst, außer die Hände in die Taschen zu stecken und dir ein unvoreingenommenes Herz zu bewahren." (S. 55)


    Aber auch ohne dieses Wissen konnte mich Alice Munros Schreibstil beeindrucken: präzise, unsentimental und intensiv, dabei oftmals poetisch und melancholisch, zeitweise ironisch, immer aber durchzogen von einer tiefen Ernsthaftigkeit. Die Unausweichlichkeit der geschilderten Situationen wird dem Leser vor Augen geführt, nur gelegentlich begleitet von einem leisen Bedauern, stets aber mit der immensen Bedeutung des Geschilderten für das Schicksal der jeweiligen Hauptperson im Fokus. In wenigen Sätzen skizziert Munro den oftmals eher tristen Ort, die Situation, das Geschehen und schafft so ein scharfes Bild, das ein Wegschauen unmöglich macht.


    "Wie die Kinder im Märchen, die gesehen haben, dass ihre Eltern mit furchterregenden Fremden einen Pakt schlossen, die entdeckt haben, dass unsere Ängste auf nichts als der Wahrheit beruhen, die aber nach wundersamer Rettung aus Gefahr heil nach Hause kehren, artig und wohlerzogen zu Messer und Gabel greifen und vergnügt bis an ihr seliges Ende leben - wie sie, von den Geheimnissen benommen und mit Macht begabt, sagte ich nie auch nur ein Wort." (S.79)


    Die einzelnen Geschichten hier vorzustellen, würde m.E. den Rahmen sprengen, und so schließe ich die Rezension mit der Erwähnung meines anfänglichen Erstaunens und der mit dem Lesen wachsenden Erkenntnis, dass auch und gerade das Schreiben von Kurzgeschichten eine Kunst ist - eine so hohe, dass Alice Munro, die 13 Erzählbände und nur einen einzigen Roman geschrieben hat, den Nobelpreis für Literatur in meinen Augen zu Recht gewonnen hat. Eben als "Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte". Chapeau.

    Für mich mit Sicherheit nicht das letzte Buch dieser Schriftstellerin!


    © Parden

  7. Cover des Buches Himmel und Hölle (ISBN: 9783596510252)
    Alice Munro

    Himmel und Hölle

     (98)
    Aktuelle Rezension von: rumble-bee
    Ich habe schon viel von Alice Munro gelesen. Immer - oder zumindest oft - geht es um ungewöhnliche Frauen und ihre Schicksale, um die Bedeutung von lebensverändernden Ereignissen, um die Verstrickungen innerhalb von Familie und Freundeskreis. Dieses Buch habe ich jedoch, aus welchem Grund auch immer, als "besonders" empfunden. Besonders düster in den Untertönen, besonders weitreichend in den Konsequenzen, die man gedanklich ziehen kann.

    Ungewöhnlich oft geht es in diesen neun Geschichten zum Beispiel um den Tod und das Lebensende. In "Trost" sucht zum Beispiel eine Frau nach dem Tod ihres schwer kranken Mannes verzweifelt nach einem Abschiedsbrief - und entdeckt dabei Unglaubliches. Vielleicht hat sie ihren eigenen Mann kaum wirklich gekannt...? In "Was in Erinnerung bleibt" begegnen sich ein Mann und eine Frau auf einer Beerdigung. Was nicht ohne Folgen bleibt.  In "Eine schwimmende Brücke" macht eine schwer krebskranke Frau eine charmante Spritztour mit einem jungen Mann. Und in "Der Bär klettert über den Berg" schließlich sieht sich ein alternder Universitätsdozent mit der schwierigen Situation konfrontiert, seine an Alzheimer erkrankte Frau in ein Heim geben zu müssen.

    Gerade letztere Geschichte hatte mich dazu bewogen, dieses Buch zu lesen. Denn sie ist vor einigen Jahren grandios verfilmt worden, mit Julie Christie in der Rolle der an Alzheimer erkrankten Frau. "An ihrer Seite" heißt der Film, soweit ich mich erinnere. Mich hat beeindruckt zu sehen, dass die Kurzgeschichte eigentlich mit einem Minimum an Worten und Szenen mindestens ebenso viel ausgedrückt hat wie der ganze Film! Das kann eine Alice Munro! Sie zieht einige Pinselstriche, porträtiert ihre Figuren gekonnt, und schon entstehen ganze Landschaften und Schicksale vor dem inneren Auge des Lesers. Auch die moralische Problematik fand ich hervorragend getroffen. Ist ein Mensch, der sich nicht mehr an mich erinnert, für mich überhaupt noch derselbe...? Ich hatte einen dicken Kloß im Hals.

    Ja, ich fand es diesmal nicht ganz leicht zu lesen, dieses Buch. Man musste schon nach jeder Geschichte pausieren. Manchmal auch mittendrin. Aber der Titel der Sammlung - zumindest der deutschen Fassung - ist ausgesprochen gelungen. (Das englische Buch wurde hingegen einfach nach der ersten Geschichte benannt. Nicht immer sind veränderte deutsche Buchtitel ein Fehler!) Denn wer definiert schon Himmel und Hölle? Immer ist auch ein Körnchen des einen im anderen enthalten. Das verdeutlicht diese Sammlung auf zutiefst berührende Weise.
  8. Cover des Buches Der blinde Mörder (ISBN: 9783833301728)
    Margaret Atwood

    Der blinde Mörder

     (54)
    Aktuelle Rezension von: kingofmusic

    „Lauras Meinung nach ist Gott wie ein Radiosender, und wir sind defekte Radios, […]“ (S. 501)


    Es gibt Bücher und Autor*innen, die man auf Grund der unüberschaubaren Menge an selbigen gar nicht alle kennen kann. Zum Glück gibt es aber einige, an guter und/ oder mit einem Literaturpreis ausgezeichneter Literatur (in diesem Fall der Booker Prize) interessierte Nerds, die in regelmäßigen Abständen mit Büchern um die Ecke kommen, die ich selbst nie auf dem Schirm hatte.


    Doch Bildungslücken sind dazu da, geschlossen zu werden und so ließ ich mich spontan zu einer Leserunde zu Margaret Atwood´s „Der blinde Mörder“ ein und (das Fazit vorab): ich bin begeistert!


    Trotz seiner knapp 700 Seiten und der arg kleinen Schrift hat sich das Buch flüssig und wie von selbst gelesen. Das liegt zum Teil an der stetig anziehenden Spannungsschraube der (Lebens-)Geschichte von Iris Chase, aus deren Sicht der ganze Roman geschrieben ist, aber auch an der Schreibweise der Mrs. Atwood, die ein feines Gespür für Humor, für philosophische Gedanken (beides nachzulesen in den diese Rezension einrahmenden Zitaten), aber auch für Gesellschaftskritik (häufig zwischen den Zeilen und wenn offen, dann niemals plakativ!) hat.


    Wenn man es genau betrachtet, bietet „Der blinde Mörder“ wie ein Überraschungsei (Spannung, Spaß und Schokolade *g*) drei Geschichten: die Lebensgeschichte von Iris, den Roman „Der blinde Mörder“ (ja, es geht in der Tat um einen Roman dieses Namens) sowie innerhalb des „blinden Mörders“ eine teils kuriose Science-Fiction-Story. Der Sinn hinter der Story hinter der Story hinter der Story erschließt sich nicht auf den ersten Blick und die geneigte Leserschaft muss (fast) bis zum grandiosen Finale warten, bis alle Puzzleteile an ihrem Platz sind, alle Geschichten einen Sinn ergeben – großartig, wie und was Mrs. Atwood hier „komponiert“ hat. Sie führt den Leser bewusst auf falsche Fährten und wenn man denkt „Ich weiß die Lösung“ – peng, kommt eine Wendung, die man nicht vermutet und alles ist für die Katz *g*. Hier erinnert mich Margaret Atwood an ihre von mir hoch geschätzte Kollegin Agatha Christie, in deren Krimis ich aufgegeben habe, mitzuraten, wer der Mörder ist, weil am Ende eh alles anders kommt, als man denkt.


    Von mir bekommt „Der blinde Mörder“ eine definitive Leseempfehlung und es wird garantiert nicht das letzte Buch von Margaret Atwood gewesen sein, was ich lese bzw. gelesen habe. 5*


    „Das Foto spricht von Glück, die Geschichte nicht. Glück ist ein von Glas umschlossener Garten: es gibt keinen Weg hinein oder hinaus. Im Paradies gibt es keine Geschichten, weil es keine Reisen gibt. Verlust und Bedauern und Unglück und Sehnsucht – sie treiben die Geschichte voran, auf ihrem gewundenen Weg.“ (S. 686)

  9. Cover des Buches Ausgesetzt (ISBN: 9783426508800)
    James W. Nichol

    Ausgesetzt

     (353)
    Aktuelle Rezension von: eletroe

    Sehr spannend und fesselnd. Sollte man Mal gelesen haben. Kann man sich auch gut hineinversetzen

  10. Cover des Buches Gefrorene Seelen (ISBN: 9783426504543)
    Giles Blunt

    Gefrorene Seelen

     (195)
    Aktuelle Rezension von: Liz_Elisa
    Eins der wenigen Bücher das ich tatsächlich schon 3x gelesen habe. Es ist absolut großartig geschrieben & von der ersten Seite war ich sofort gefesselt. Viele spannende Wendungen & mit dem Ende habe ich bis zum Schluss nicht gerechnet.
    Absolute Leseempfehlung.
  11. Cover des Buches Oryx und Crake (ISBN: 9783492311311)
    Margaret Atwood

    Oryx und Crake

     (124)
    Aktuelle Rezension von: Federfee
    Ist Margret Atwood eine moderne Hexe? Kann sie in die Zukunft sehen? Als ich die ersten Seiten las, musste ich gleich nachgucken, wann das Buch erschienen ist: 2003. Das Auftauen der Permafrostböden, Methan, das frei gesetzt wird, New New York, denn das alte wurde vom Meer verschluckt, u.v.m. Auch wenn es immer noch Leute gibt, die das nicht glauben oder für Horrorszenarien halten … wir sprechen uns wieder, in 50 Jahren. Ich gucke dann allerdings von oben, vielleicht ;-)

    Dabei ist dieses Szenario im Roman schon wieder 'Geschichte', denn die Hauptperson 'Schneemensch' (nicht Oryx und Crake) lebt in einer noch schlimmeren unvorstellbaren Welt, die durch eine Pandemie total entvölkert und deren Umwelt größtenteils verseucht oder zerstört ist.

    Oder doch nicht so ganz? Zumindest die 'Craker' leben dort, eine 'Kreation' des genialen, aber sicher größenwahnsinnigen Wissenschaftlers Crake, die besseren Menschen, in deren Erbgut er alles Negative eliminiert hat.

    Die Frage, ob man sich 'an den Bausteinen des Lebens vergreifen' darf (Gentechnologie - S. 60), ist für mich das Hauptthema des Buches. Hier empfinde ich den Klappentext als völlig irreführend und man fragt sich, ob dessen Verfasser das Buch überhaupt gelesen hat. Da ist von einer 'zarten Liebesgeschichte' die Rede, was ich für ziemlichen Quatsch halte.

    Margret Atwood schildert eine Welt, deren Ansätze jetzt schon deutlich zu erkennen sind und wirft ethische Fragen auf, die sich nicht einfach – wenn überhaupt – beantworten lassen. Dies wäre ein hervorragendes Buch zur Diskussion in einer Leserunde.

    Mir hat es ausnehmend gut gefallen; ich habe es zweimal gelesen und kann nur folgendes empfehlen: einmal schnell lesen, denn man will ja wissen, was passiert und dann ein zweites Mal gründlich. Erst dann versteht man viele Sätze, die wie beiläufig da stehen und mit der Kenntnis des ganzen Buches ihre Bedeutung bekommen.

    Es ist ein forderndes, anspruchsvolles Buch, das mich gedanklich sehr beschäftigt hat (und es noch tut) und ich bin gespannt, was die Teile 2 und 3 dieser dystopischen Trilogie bringen werden.

    Ein großartiges, komplexes, vielschichtiges, phantasievolles Meisterwerk, auf das man sich voll einlassen muss.

    Zitate

    Von den vielen zitierwürdigen Sätzen nur diese beiden:

    "Erst die Führer und die Geführten, dann die Tyrannen und die Sklaven, dann die Massaker. So war es immer." (162)

    "Die ganze Welt ist mittlerweile ein riesiges unkontrolliertes Experiment … und die Doktrin der unbeabsichtigten Folgen beherrscht alles." (235)
  12. Cover des Buches Die Liebe einer Frau (ISBN: 9783596510535)
    Alice Munro

    Die Liebe einer Frau

     (44)
    Aktuelle Rezension von: kirara
    Nachdem mich die Seite gerade unerwartet hinausgeworfen hat, als ich die Rezi speichern wollte (das passiert übrigens öfters, langsam etwas nervig), hier nur noch eine abgespeckte Version:

    Ich hatte mich darauf gefreut die erste Kurzgeschichtennobelpreisträgerin zu lesen, aber schon während der ersten Geschichte die Enttäuschung.
    Ein detail- und schachtelsatzverliebter Sprachstil, der leider mehr auf Umgebungsbeschreibungen als auf Handlungsstärke Wert legt. Die meisten Figuren leben leider auch nicht durch das was sie tun, sondern über Beschreibungen und irgendwelche Erinnerungen. Mir kam es eher wie eine etwas eintönige Stadtführung vor.
    Einen verhältnismäßig großen Teil nahm auch Sex ein, dadurch dass dieser für die Geschichten gar nicht relevant war. Völlig unerwartet und teilweise auch ohne Zusammenhang gibt es eine sexuelle Berührung (oder eine die als so beschrieben wird) oder einen sexuellen Traum oder die erregende Vorstellung sich einer Kommune anzuschließen, die nach festem Zeitplan ihre Partner tauscht. Manchmal ist der Schreibstil entsprechend vulgär geworden.
    Vielleicht waren diese Darstellungen für Munro wichtig und ich bin einfach nur aus einer Generation, die sich davon eher nicht schocken lässt sondern fragt wozu das jetzt in der Geschichte auftaucht.

    Ich bin also eher enttäuscht und möchte kein weiteres Buch von ihr lesen. Ich empfand diese knapp 220 Seiten schon als anstrengend.
  13. Cover des Buches Hexensaat (ISBN: 9783328103363)
    Margaret Atwood

    Hexensaat

     (64)
    Aktuelle Rezension von: katzenminze

    Nach einer privaten Tragödie verliert Theaterregisseur Felix auch noch völlig unerwartet seinem Job. Unbemerkt hat sein Assistent ein Komplott gegen ihn geschmiedet und übernimmt nur zu gerne Felix' Platz. Sein Meisterstück – die Inszenierung von Shakespeares Sturm – wird nie aufgeführt. Schwer getroffen zeiht sich Felix in eine kleine Hütte zurück und wird mehr oder weniger zum Einsiedler. Doch nach einiger Zeit bietet sich ihm die Möglichkeit eine Gruppe von Gefängnisinsassen im Zuge eines Weiterbildungsprogramms zu unterrichten. Natürlich nimmt er Theaterstücke von Shakespeare mit ihnen durch und es funktioniert erstaunlich gut! Und dann erscheint plötzlich auch sein alter Widersacher auf der Bildfläche auf und Felix ersinnt einen riskanten Plan...

    Man kann es sich fast denken: Hier kommen Tragik und Witz zusammen, perfekt vereint in der Figur von Felix. Dazu Rachegelüste und Intrigen und dem shakespearschen Drama steh nichts mehr im Wege. Die Parallelen zum „Sturm“ kommen auch gut raus, wenn man das Original nicht kennt, da Atwood dem Leser die Handlung durch Felix ja sehr gekonnt runter bricht.

    Das Setting sowohl der kleinen Hütte die Felix bezieht als auch des Gefängnisses gefielen mir. „Hexensaat“ war unterhaltsam, las sich gut und ich habe etwas über Shakespeare gelernt. Eigentlich alles Voraussetzungen für einen gelungenen Roman. Aber dann fehlten mir Charaktere, die neben Felix bestehen konnten. Gerade die Teilnehmer der Schauspieltruppe blieben blass, da sie kaum selbst zu Wort kamen und man sie nicht richtig kennenlernen konnte. Mit Felix als unumstrittener – wenn auch glaubhafter – Hauptfigur und nur zwei Handlungsorten war hier einfach nicht so viel los.

    So bin ich insgesamt ein wenig hin- und hergerissen. Ich hatte Spaß beim lesen, die Story war gut aufgebaut, der Mix zwischen Theaterstück und Realität sehr gelungen. Aber es ist ein Buch, das mir nicht lange im Kopf bleiben wird. Es gab nichts an dem meiner Herz hing, nichts richtig Erinnerungswürdiges. Aber vielleicht hat das auch mit meinem generellen Desinteresse am Theater zu tun und weniger mit dem Roman selbst. Shakespeare- und Atwood-Fans sollten auf jeden Fall einen Versuch wagen!

    3,5*

  14. Cover des Buches Washington Black (ISBN: 9783847900597)
    Esi Edugyan

    Washington Black

     (82)
    Aktuelle Rezension von: lovelines

    >>“Oh, aber das ist gar kein Grab, Kind“, raunte er. „Es ist ein Eingang, ein Übergang. Der Weg in die Zukunft. Hab keine Angst. Wir alle müssen hinabsteigen, bevor wir aufsteigen können.“<<
    „Washington Black“ von Esi Edugyan – ein Buch, zu dem es mir so so schwer fällt die richtigen Worte zu finden, die all das ausdrücken, was in mir tobt! Diese Geschichte ist nahezu poetisch erzählt, mit wundervollen Bildern, aber auch mit gewaltigen Bildern, auf die ich so nicht vorbeireitet war. Die Autorin schafft eine Atmosphäre, die so greifbar und schwer ist, dass es für mich kaum möglich war, mich dem Buch und dieser wortkräftigen, gewaltigen, einfühlsamen, ehrlichen Geschichte zu entziehen. Es ist nicht nur die Geschichte eines Sklavenjungen, letztlich spinnen sich hier so einige Fäden und führen zum großen Ganzen. Was bleibt und ist, und zwar von Beginn an, ist ein tiefer schwerer Schmerz, der mich sehr bewegt hat und sicher noch lange lange nachhallen wird...
    Für mich ist dieses Buch ganz klar eines meiner Lebens-Lese-Highlights🌟

  15. Cover des Buches Der englische Patient (ISBN: 9783446248298)
    Michael Ondaatje

    Der englische Patient

     (234)
    Aktuelle Rezension von: angioletta

    Als "Der englische Patient" in den Kinos lief, sah ich ihn mir gleich drei Mal an, weil mich die verzwickte Story so faszinierte. Jetzt, fast 25 Jahre später, habe ich endlich das Buch gelesen, welches die Vorlage dieses Films bildete.

    Dieses Buch hatte vor Minghella als "unverfilmbar" gegolten - und jetzt weiß ich endlich auch, wieso... ;)
    Denn Ondaatje's Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Er erklärt nicht; er wirft die Leser*innen in eine bestimmte Situation, beschreibt ausführlich scheinbar unwichtige Details, er springt willkürlich zwischen Zeiten und Personen umher. Er überlässt es ganz ihnen, die Zusammenhänge herzustellen und Vorkommnisse zu interpretieren; er fordert seine Leserschaft somit aufs äußerste. Ich verstehe Jede*n, der Ondaatje nicht ganz folgen kann. Ich bin zu Beginn sehr froh gewesen, durch den Film wenigstens eine Ahnung zu haben, wo in der Erzählung ich mich gerade befinde.

    Mit der Überwindung der ersten Verständnishürden werde ich jedoch belohnt mit einer sprach- und bildgewaltigen Story, die mich - ganz wie der Film - mit seiner Komplexität zu verzaubern weiß. Vielschichtig untersucht der Autor, wie Menschen mit dem Leben und mit dem Sterben umgehen, was der Krieg mit ihnen macht, wie sie ihren Halt in den "schönen Künsten" finden. Und natürlich der Liebe. Wobei der Klappentext mit "Der ergreifendste Liebesfilm seit Casablanca" in meinen Augen völlig daneben liegt. Die Liebe spielt eine Rolle, aber nicht die einzige. Und welche Liebesgeschichte ergreifender ist, die zwischen Almàsy und Katherine oder die zwischen Hana und Kip, das muss wohl die Leserschaft einmal mehr selbst entscheiden.
    Hier ergibt sich wohl auch der tiefgreifendste Unterschied zwischen dem Film und dem Buch: Während der Film den Schwerpunkt auf Almàsy und Katherine legt, bekommen Hana und Kip im Buch viel bedeutendere Rollen zugeteilt. Gerade die Figur Hana hat für mich durch die Lektüre schwer dazugewonnen. Sie ist vom Krieg auf eine tragische Weise gekennzeichnet. "Sie war ihren Pflichten weiterhin nachgekommen, während sie heimlich ihr Ich zurückzog. So viele Krankenschwestern waren zu seelisch gestörten Dienerinnen des Kriegs geworden, in ihren gelb-und-karmesinroten Uniformen mit Hornknöpfen." (S. 195)

    Leider gab es ein paar Erzählsprengsel, die ich auch jetzt noch nicht richtig ein- und zuordnen kann, weshalb es trotz der gewichtigen Themen, den außergewöhnlichen Figuren und der reichen Sprache nicht fünf Sterne geworden sind für diese intensive Kost.
    Keine leichte Lektüre, aber eine, die nachhallt.

  16. Cover des Buches Blutiges Eis (ISBN: 9783426507421)
    Giles Blunt

    Blutiges Eis

     (104)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Blutiges Eis von Giles Blunt hat mir von seinen Büchern am wenigsten gefallen. Durchaus spannend geschrieben, vorausgesetzt man mag den politischen Hintergrund in der Story.                                                                   Für meinen Geschmack dreht sich alles zu sehr um Politik. Ermittler haben eine politische Randgruppe im Visier, die in den 70er Jahren aktiv war und mit dem CIA zusammengearbeitet hat. Jetzt, in der Gegenwart, werden Morde begangen, um die vor Jahren verübten zu vertuschen.


  17. Cover des Buches Die Aussprache (ISBN: 9783455005097)
    Miriam Toews

    Die Aussprache

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Loonylovegood03
    Inhalt

    "Die Aussprache" ist ein Roman, der reale Vorkommnisse verarbeitet. In einer Mennonitenkolonie in Bolivien wurden zwischen 2005 und 2009 regelmäßig 300 Frauen und Mädchen nachts von acht Männern der Gemeinde betäubt und vergewaltigt. Nachdem den Frauen vielmals unterstellt worden war, dass sie sündhafte Gedanken gehegt hätten und deshalb vom Teufel misshandelt worden wären, wurde schließlich ein Mann bei den Misshandlungen erwischt. Dieser gab in Gefangenschaft die Namen von sieben weiteren Männern preis. Nachdem einige Frauen Angriffe auf die Männer verübt hatten, wurden diese schließlich zu ihrem Schutz von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die restlichen Männer Molotschnas, so eben hieß die Kolonie, fuhren daraufhin in die Stadt um eine Kaution für die Freiheit der Sexualstraftäter zu hinterlegen. Das würde sie ungefähr zwei Tage kosten. währenddessen wogen die Frauen nun ab, wie ihre Zukunft auszusehen hatte. Es blieben ihnen drei Optionen: Nichts tun, Bleiben & Kämpfen und Gehen. Die Frauen können weder lesen, schreiben, und die Sprache des Landes sprechen, noch wissen sie, wo sie sich befinden. Um den Weg zu genau dieser Entscheidung dreht sich der Inhalt des Buches. 

    Meine Meinung

    Gerade die Charakterzeichnung hat mir sehr gut gefallen, da alle Frauen und Mädchen sehr starke und eigenwillige Persönlichkeiten aufweisen und sie den Leser oft mit ihrer Begabung für einen prägnante Audruck von ihren Gefühlen und ihrer Situation überraschen. Sie alle weisen eine eigene Art und Weise auf, mit dem Geschehenen umzugehen. 
    Der Aufbau des Buches ist, meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Es handelt sich um ein Protokoll des Gespräches der Frauen durch den ehemaligen Bewohner der Kolonie, August Epp, welcher aufgrund des revolutionären Verhaltens seiner Eltern, als Kind exkommuniziert wurde und in London aufwuchs, um im Erwachsenenalter, lebensmüde und sinnsuchend nach Molotschna zurückzukehren. Er schiebt oft Anmerkungen ins Protokoll ein, welche oft zum Verständnis der Umstände in Molotschna dienen, aber teilweise auch nur aus Tagträumen seinerseits bestehen. Dies gibt der Geschichte oftmals mehr Symbolik oder fügt ihr eine tragische Note hinzu. 
    Eine Plot-Entwicklung lässt sich nur schwer erkennen, da das Protokoll eher wie ein natürlicher Gesprächsfluss aufgebaut ist.
    Inhaltlich geht es vor allem um Glaubensfragen nach Frieden, Liebe und Gehorsam und ihre persönliche Auslegung durch die Frauen. 
    Insgesamt habe ich den Roman sehr gerne gelesen, da mich die einzelnen Charaktere sehr interessiert haben und ich mehr über sie, ihre Geschichte und ihren Glauben erfahren wollte. Das Buch lebt auf jeden Fall durch die besonderen Charaktere dieser Frauen. Außerdem hat mich ihr Mut und ihre Stärke sehr inspiriert und beeindruckt. Ich halte es also für eine gute Verarbeitung der Ereignisse.

  18. Cover des Buches Tricks (ISBN: 9783596510474)
    Alice Munro

    Tricks

     (97)
    Aktuelle Rezension von: dominona
    Kein großes Tamtam, sondern wie beiläufig geschehen schlimme Dinge in den Erzählungen. Eine Protagonistin, Juliet, taucht häufiger auf und man begleitet sie interessiert, da man spürt: hier geht es nicht um heile Welt-Geschichten sondern um Fortschritt im Leben, um Schicksal, um älter werden.
    Das ist zwischen der ganzen existierenden Trivialliteratur eine willkommene Abwechslung und auch zurecht ausgezeichnet, nur hat es mich nicht so stark begeistert, dass ich es ohne Bedenken weiter empfehlen würde. Es ist schon möglich, dass man betrübt zu lesen aufhört und zu grübeln beginnt.
  19. Cover des Buches Wozu wollen Sie das wissen? (ISBN: 9783104026848)
    Alice Munro

    Wozu wollen Sie das wissen?

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Der Einstieg in Elf Geschichten aus meiner Familie, wie der Untertitel des Buches lautet, beginnt in Schottland. In diesen Teilen des Buches ist der Leser mehr gefordert als in den späteren. Manche Sätze muss man hier zweimal lesen, um ihren Bedeutungsgehalt ganz zu erfassen und für den Fortgang der Geschichte im Gedächtnis zu behalten. Aber auch der Autorin, die sich Nobelpreisträgerin nennen darf, dürften die Recherchen zu den Anfangsgeschichten einiges mehr abverlangt haben als zu spüren ist. Was angesichts des zeitlichen Unterschieds des Lebens der Autorin zu dem von ihren Vorfahren Erlebten auch verständlich erscheint. Die Teile der Geschichten, die in Kanada und in den USA spielen, lesen sich wesentlich leichter. Eventuell muss der Anfang sogar als literarisch qualitativ höherwertig angesehen werden. - Mehr Interesse möchte ich dem Haupttitel widmen. Will Frau Munro damit eine Interaktion zwischen ihr und ihren Lesern hervorrufen? Ähnlich wie es bei Theateraufführungen schon seit Längerem der Fall ist. Das dürfte allenfalls bei einer von ihr veranstalteten Buchlesung funktionieren, weil nur da, also unter Anwesenden, eine echte und gleichzeitige Aktion und Reaktion stattfinden kann und nicht bloß eine „Gefällt-mir-Button-Reaktion“. Für Rezensionen bedurfte es keines solchen Buchtitels. Sie kommen unaufgefordert. Die im Haupttitel ganz simpel verstandene Frage müsste sonach ganz banal mit „weil ich gerne lese“ oder „weil ich gerne Familiengeschichten lese“ beantwortet werden. Indes erklärt sich der Buchtitel noch einfacher. Die Autorin wurde bei ihrer Anfrage nach Kirchengeschichten in der Bibliothek des Colleges, an dem sie und ihr Mann studiert hatten, danach gefragt, wozu sie das wissen wolle. Weshalb sie diese Frage, die einem Benutzer eines deutschen Archivs eventuell genau so gestellt worden wäre, zum Buchtitel gewählt hat, bleibt ihr Geheimnis. Der Leser kann da nur spekulieren. - Nach diesem Vorgeplänkel nun doch auch noch ein paar Worte zum Inhalt des Buches. Einerseits bringt die Geschichte einer Auswanderer-Familie nichts Besonderes. Auswanderergeschichten kennt die Literatur viele, aus vermutlich allen "alten" Erdteilen und für wohl alle Kontinente. Solche Geschichten liegen angeblich derzeit sogar im Trend. Bemerkenswert ist jedoch die Art und Weise, wie sich Munro der inneren Verfassung ihrer Hauptfiguren annimmt. In den von ihr beschriebenen Charakteren kann jeder Leser Züge seiner Vorfahren und in gewisser Weise auch von sich selbst finden. Damit erfüllt das Buch die wichtigste Voraussetzung für ein reges Interesse ihrer Leserschaft, will diese doch in jedem literarischen Produkt in ihren eigenen Gedanken und Emotionen angesprochen werden. Ein zweiter Punkt, den ich hervorheben möchte, ist der treffende und manchmal lakonisch wirkende Schreibstil der Autorin. Ein Beispiel: Ihre an sich selbst gerichtete Frage, weshalb sie von der Familie Mountjoy, der sie in jungen Jahren als Dienstmädchen - gedichtet oder real - gedient hatte eine Art von Gleichgestelltheit eingefordert hatte, beantwortet sie mit dem Satz: „Alles, weil ich jung war und über Nausikaa Bescheid wusste“. Damit bin ich bei einem dritten, für mich erwähnenswerten Punkt angelangt. Am meisten besticht das Buch vermutlich durch die Darstellung dessen, wie sich die Lebensumstände und die Denk- und Lebensweise der Menschen im Laufe der verschiedenen Generationen, während der die Geschichte spielt, geändert haben. Man will kaum glauben, wie wenig einerseits und doch auch wieder wie stark sich anderseits nicht nur der technische und wirtschaftliche Fortschritt früherer Zeiten, sondern vor allem auch das Lebensgefühl der Menschen von heute gegenüber damals geändert haben. Munro macht einem die alte Weisheit, dass nur die Veränderung Bestand hat, eindrucksvoll bewusst. - Ein Buch, das vor allem wegen dieses zuletzt genannten Grundes wärmstens als Lektüre empfohlen werden kann.

  20. Cover des Buches Der Salzgarten (ISBN: 9783492313445)
    Margaret Atwood

    Der Salzgarten

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Verletzungen (ISBN: 9783548606644)
    Margaret Atwood

    Verletzungen

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Rennie, eine junge Frau aus Toronto, hatte zuletzt einige Schicksalsschläge zu verkraften. Nach Krebsdiagnose wurde ihre Brust operiert, dann verließ sie ihr Freund und in ihre Wohnung wurde eingebrochen. So kam es sehr passend, dass der Journalistin angeboten wurde, einen Reisebericht über eine kleine Insel in der Karibik zu schreiben. Drei Wochen Entspannen, Sonne und Meer – und dazwischen ein bisschen über Land und Leute schreiben. Doch es sollte anders kommen. Auf der Insel finden die ersten Wahlen nach der Unabhängigkeit von Großbritannien statt. Rennie gerät zwischen die Fronten der politischen Lager. Nach einem Putschversuch wird sie der Spionage verdächtigt und landet im dortigen Gefängnis. Es beginnt ein Kampf ums Überleben …  

    Margaret Atwood, geb. 1939 in Ottawa, ist die wohl bekannteste Autorin zeitgenössischer kanadischer Literatur. Sie schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Kritiken und Essays. Nach ihrem Studium der englischen Sprache und Literatur, das sie 1962 mit dem Mastergrad abschloss, lehrte sie an verschiedenen Universitäten Literaturwissenschaften. Für ihre Romane erhielt sie einige Preise, am 13. Juni 2017 wurde ihr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. 

    Die Gegensätze zwischen moderner westlicher Kultur und eines sich selbst überlassenen kleinen karibischen Inselstaates sind in dem Roman von 2007 deutlich hervorgehoben. Zunächst geht es aber um die äußerlichen und innerlichen „Verletzungen“, die die Protagonistin im Vorfeld erlitten hat. Ihre Gedanken kreisen immer wieder um Vergangenes, Erinnerungen quälen sie, die erhoffte Ablenkung stellt sich nur langsam ein. Als sie dann in das Chaos der Machtkämpfe mit hinein gezogen wird, treten diese Rückblicke in den Hintergrund – sie erleidet neue seelische Verletzungen und braucht nun ihre ganze Kraft und Konzentration, um zu überleben. 

    Neben dem interessanten und sehr aktuellen Thema und der spannend aufgebauten Story fasziniert besonders der bildhafte Schreibstil Margaret Atwoods. Die Art und Weise wie sie die Geschichte aufbaut, wie sie den Leser langsam an die Brutalität des Geschehens heranführt und wie die Stimmung allmählich immer bedrückender wird, ist beeindruckend. Schonungslos schildert sie auch die gewalttätigsten Vorkommnisse, beschreibt diese sehr präzise und ist dabei zurückhaltend in ihrer moralischen Wertung. Der Schluss ist stimmig, lässt den Leser aber dennoch etwas ratlos zurück.   

    Fazit: Nicht unbedingt was man vielleicht von Margaret Atwood erwartet, aber ein spannender Roman mit Elementen eines Thrillers. 

  22. Cover des Buches Überqualifiziert (ISBN: 9783903081208)
    Joey Comeau

    Überqualifiziert

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Nespavanje

    “Überqualifiziert” ist ein ganz ungewöhnlicher Briefroman. Es sind Bewerbungen an verschiedene Firmen, weniger um sich für eine Anstellung zu bemühen, als mehr um ein gescheitertes Leben anzuklagen. Der Autor offenbart darin eine moderne Sinnsuche und ein Seelenstriptease par excellence. Der Stil sorgt anfänglich für Verwirrung und am Ende wird die Geschichte auch berührend. Es ist ein Roman der lange in Gedanken verweilt. Mit seinem Roman „Lockpick Pornography“ habe ich bereits eine Weile geliebäugelt. Spätestens jetzt bin ich mir sicher, dass ich es auch unbedingt lesen will.



  23. Cover des Buches Der karibische Dämon (ISBN: 9783518420652)
    David Chariandy

    Der karibische Dämon

     (1)
    Aktuelle Rezension von: papalagi
    Der namenlose Ich-Erzähler verlässt als letzter mit 17 Jahren seine unter Demenz erkrankte Mutter und kehrt nach zwei Jahren reumütig zu ihr zurück. Wir erfahren wie die Familie gelebt hat, wie mühsam sich die Eltern - Vater Tamile, Mutter stammt aus Trinidad - eine Existenz aufbauten. Das heruntergekommene Haus, gelegen am äussersten Rand einer Sackgasse, nahe einer steilabfallenden Klippe, wurde liebevoll von der Mutter gepflegt. Sie hat immer die Kinder anderer Leute gegen ein Entgelt gehütet, bis auffiel, dass etwas mit ihr nicht stimmen konnte. Immer häufiger hat sie etwas vergessen, Dinge vertauscht. In der Nachbarschaft galt sie bald als die "Verrückte". Die Ärzte konnten auch nicht helfen und die Famiie konnte mit dem Wort Demenz nicht viel anfangen. Tatsache ist, dass die Mutter unter einer früh einsetzenden Demenz litt. Sehr früh starb dann auch der Vater und bald verliess der ältere Bruder das Haus. Er wollte immer Dichter werden. Nachdem der Ich-Erzähler zwei Jahre umhergereist ist, kehrt er wieder zu seinem Geburtshaus zurück. Die Mutter erkennt ihn nicht. In der Zwischenzeit hat sich eine junge Frau, Meera, um sie gekümmert. Hoffnungslos sieht der zurückgekehrte Sohn, wie es um seine Mutter steht, wie sie versucht zu kochen, dabei alles auf den Küchenboden verstreut, oder wie sie völlig verstört und nackt nach draussen geht. Ihm wird bewusst, dass durch ihr Vergessen auch seine Vergangenheit und Herkunft in Vergessenheit gerät. Wir erfahren auch den Grund, warum sich Meera um die alte Frau kümmert. Sie ist selber auch eine Einwanderertochter. Sie hat es in der Schule immer schwer gehabt und um von ihren Klassenkameraden anerkannt zu werden, hat sie ihre Nachbarin in tiefe Verzweiflung gestürzt. Schuldgefühle, Vergessen, die Vergangenheit, Familiengeschichte und Liebe prägen dieses Buch. Es zeigt die Probleme auf, die Einwanderer haben, wenn sie versuchen in einem neuen Land Fuss zu fassen, auch wenn es ein Land wie Kanada ist, das am meisten Einwanderer aufnimmt. David Chariandy ist selber Sohn schwarzer und südasiatischer Einwanderer aus Trinidad. Es ist sein erster Roman und er lebt in Vancouver.
  24. Cover des Buches Kalter Mond (ISBN: 9783426631577)
    Giles Blunt

    Kalter Mond

     (72)
    Aktuelle Rezension von: Tapsi0709
    Das Buch liest sich ganz spannend und interessant, wird zwischendurch ein bisschen langatmig, was sich aber zum Glück in Grenzen hält.
    Es ist gut verständlich geschrieben und im typischen Stil des Autors.

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