Bücher mit dem Tag "kannibalismus"
70 Bücher
- Cody McFadyen
Die Stille vor dem Tod
(639)Aktuelle Rezension von: Kathrin_HermannDie meiste Zeit versucht der Autor in plastischen Beschreibungen von Gräueltaten zu eskalieren, was das Geschriebene meistens an einen Punkt bringt, bei dem man das Gefühl hat, er hätte sich verlaufen und suchte zwanghaft einen Weg zurück zur Story. Das Buch selbst ist in Präsens geschrieben und trieft vor Rückblenden und „Erinnerungen“ und „Albträumen“, die in seitenlange Ergüsse über noch mehr Folter und Mord enden. Allesamt wenig kreativ ausgeführt. Bedeutungsschwangere, aber im Endeffekt eher nur bedeutungslose Dialoge dominieren den Mittelteil. Die eigentliche Arbeit der Kriminalermittler beginnt erst gegen Ende. Leider hat den Autor da die Phantasie schon verlassen. In einem langen Aufrollen und gekünstelten Herstellen von Verbindungen von „normalen“ Verbrecher der letzten Dekaden (ein paar davon scheinen real gewesen zu sein) ist’s dann eine Randnotiz, die den Hinweis gibt. Also wieder 60 Seiten umsonst gelesen. Die Vergangenheiten und Lebensläufe der Teammitglieder wirken eher lieblos. Sie werden in diesem Band zum fünften Mal erklärt und scheinbar hat auch der Autor keine Lust mehr darauf. Die Interaktion, die er ihnen angedeihen lässt, hat nichts Amikales an sich, wie es unter Kollegen üblich ist, die sich lange kennen. Eher gleiten „seriöse“ Besprechungen in gelegentlichen Infantilismus ab. Selbstredend, dass alle Leute in diesem Buch – egal ob Ermittler oder Verbrecher – die klügsten sind, mit dem besten Gedächtnis, dem schärfsten und wachsten Verstand, die jeden wichtigen Menschen kennen, … und so weiter und so fort. Die Übersetzung ist OK, schätze ich. Was mir sauer Aufstößt sind diese unnötigen Anglizismen, die in der deutschsprachigen und von den USA geprägten Popkultur als „cool“ gelten sollen, aber alle eine vernünftige Entsprechung in der Zielsprache hätten. Und warum reden Eltern immer von sich als Mommy oder Daddy und das auch noch in der dritten Person? Zwischen den ersten vier Bänden und dem fünften lag für mich als Leser eine lange Zeit. Zu lange scheinbar. Die ehemalige Faszination für das Aufklären von Serienmorden konnte das Buch nicht halten. Im Gegenteil: Hätte ich die alten als so schlecht geschrieben in Erinnerung gehabt, hätte ich Band fünf nicht gekauft.
- Thomas Harris
Hannibal Rising
(375)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
In den Wirren des Zweiten Weltkrieges verliert der junge Hannibal Lecter unter dramatischen Umständen seine ganze Familie. Bei seinem Onkel findet er schließlich ein neues Zuhause, aber die schlimmen Erlebnisse lassen ihn nicht los und in ihm wächst der Wunsch nach Rache. Hannibal setzt alles dran die Mörder seiner kleinen Schwester Mischa ausfindig zu machen und sie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen…
„Hannibal starb als Junge 1945 da draußen im Schnee bei dem Versuch, seine Schwester zu retten. Sein Herz ist mit Mischa gestorben. Sie wollen wissen, was er jetzt ist? Ich würde sagen, dafür gibt es noch kein Wort. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung werden wir ihn ein Monster nennen.“ (S. 305)
Meine Meinung:
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil Hannibal Lecter darin erstmals der Protagonist ist und nicht wie in „Roter Drache“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ nur als Nebencharakter in Erscheinung tritt. Hannibal ist ein sehr spezieller und außergewöhnlicher Charakter und gerade deshalb fand ich in den anderen Büchern der Reihe die Szenen mit ihm immer sehr interessant und spannend. Hannibal ist ein unberechenbarer und schwer durchschaubarer Soziopath und Serienmörder, der über eine ausgezeichnete Menschenkenntnis, umfangreiche psychologische Kenntnisse und eine hohe Intelligenz verfügt. Ich war neugierig durch dieses Buch ein paar Antworten auf die Frage zu bekommen wie aus ihm der werden konnte, der er später ist.
Man findet schnell in das Buch hinein. Gleich zu Beginn wird man in das Litauen zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges zurückversetzt. Es ist traurig und berührend mitzuerleben wie Hannibals bis dahin unbeschwerte Kindheit ein jähes Ende findet und wie er letztlich seine ganze Familie verliert. Vor allem die extrem grausame Ermordung seiner Schwester Mischa geht einem nahe und Hannibals Schmerz über ihren Verlust wird sehr eindringlich beschrieben. Es ist absolut verständlich, dass es ihm in den folgenden Jahren nicht gelingt diese Geschehnisse so einfach zu vergessen und man verspürt Mitgefühl.
Es hat mir gefallen, dass der Autor die Geschichte so angelegt hat, dass Hannibal seinen ersten Mord aus einem zutiefst persönlichen Motiv heraus begeht: Er will nämlich durch seinen ersten Mord die grausame Ermordung seiner Schwester rächen. Dieses durchaus nachvollziehbare Mordmotiv sorgt dafür, dass man verstehen kann, warum Hannibal überhaupt zum Mörder geworden ist. Anders wäre es gewesen, wenn Hannibal sein erstes Opfer zufällig ausgewählt hätte, denn dann hätte man ihn viel unmenschlicher gefunden und eine viel größere Distanz zu ihm verspürt.
Meine Kritikpunkte:
Obwohl Hannibal in diesem Buch der Protagonist ist bekommt man nicht wirklich einen tieferen Einblick in seine Psyche als es in den anderen Bänden der Fall war. Ich hätte erwartet, dass man viel stärker in seine Gefühls- und Gedankenwelt eintaucht. Das kann der Autor eigentlich viel besser: In „Roter Drache“ konnte ich mich weitaus besser in den Serienmörder Francis hineinversetzen und dass obwohl dieser zuweilen sehr psychopathische Gedanken hatte. Im vorliegenden Buch verspürte ich hingegen eine vergleichsweise große Distanz zu Hannibal und ich fand ihn nicht so greifbar wie ich es von den Protagonisten aus den meisten anderen Büchern gewohnt bin. Verstärkt wurde dieses Problem auch noch dadurch, dass Hannibal nach dem Verlust seiner Familie über Monate hinweg mit niemandem ein Wort spricht, aber man erfährt währenddessen auch fast nichts darüber was in dieser Zeit in seinem Inneren vorgeht. Ich konnte es auch nicht zu 100% nachvollziehen, warum er später von ein Tag auf den anderen plötzlich doch wieder gesprochen hat.
Das Buch fand ich vorrangig interessant, weil ich mehr über Hannibal Lecter erfahren wollte. Auf dieser Neugier des Lesers hat sich das Buch meiner Meinung nach zu sehr ausgeruht. Es gab deutlich weniger spannende Momente als z. B. in „Roter Drache“ und das Erzähltempo war zudem langsamer. Selbst Hannibals Morde aus Rache werden vergleichsweise unaufgeregt und nicht besonders packend geschildert. Hinzu kommt, dass der Verlust von seiner Schwester Mischa im Vorgängerband „Hannibal“ bereits grob geschildert wurden, weshalb es diesbezüglich natürlich keine Überraschungen geben konnte und es einfach „nur“ etwas detaillierter und eindringlicher geschildert wurde.
Außerdem gab es romantische Momente, die ich sehr unpassend fand. Hannibal fühlt sich zur Ehefrau seines verstorbenen Onkels hingezogen und es kommt zu einem Kuss zwischen den beiden, denn sie erwidert seine Gefühle. Das fand ich extrem überflüssig und zudem auch unpassend. Sie ist immerhin mit Hannibals Onkel verheiratet gewesen und war für Hannibal zu einer Ersatzmutter geworden. Zudem dürfte der Altersunterschied der beiden sehr groß sein, denn Hannibal ist zu diesem Zeitpunkt noch keine 20 Jahre alt. Es hat mich gestört, dass die Verbundenheit zwischen den beiden noch auf eine romantische Ebene gehoben werden musste. Warum bloß hat man es nicht bei einer Freundschaft oder einer Art Mutter-Sohn-Beziehung belassen? Ein ähnliches Problem hatte ich leider auch schon beim Vorgängerband „Hannibal“ wo ich die romantischen Gefühle zwischen Clarice und Hannibal sehr unpassend und nicht wirklich nachvollziehbar gefunden habe.
Vergleich mit der gleichnamigen Verfilmung:
Wer den Film bereits kennt und überlegt das Buch zu lesen: Man bekommt leider durch das Buch auch nicht sehr viel mehr Einblick in Hannibals Gedanken und Gefühle. Wie beim Film verspürt man eine relativ große Distanz zum Protagonisten. Der Film hält sich ziemlich genau an die Buchvorlage und ich muss leider sagen, dass man eigentlich nichts verpasst, wenn man nur den Film kennt, denn das Buch liefert weit weniger Details und Tiefe als erhofft.
Fazit:
Leider konnte dieses Buch meine Erwartungen nicht vollständig erfüllen. Vieles blieb mir zu oberflächlich und ich hatte am Ende nicht das Gefühl einen tieferen Einblick in Hannibals Psyche bekommen zu haben. Das Buch ruht sich meiner Meinung nach zu sehr darauf aus, dass man den jungen Hannibal Lecter als Protagonisten hat. In den anderen Bänden wird deutlich mehr Spannung aufgebaut und aufrechterhalten.
Nachdem ich nun alle vier Hannibal-Lecter-Bände gelesen habe steht für mich fest, dass „Roter Drache“ und „Das Schweigen der Lämmer“ die Highlights sind. „Hannibal“ und „Hannibal Rising“ lassen sich zwar auch gut lesen, aber ich fand sie längst nicht so mitreißend und toll wie die anderen beiden.
Zum Schluss noch zwei Zitate aus dem Buch, die mir besonders gefallen haben. Es sind zwei Dinge, die Hannibals Lehrer Herr Jakov diesem mit auf den Weg gibt:
„Jeder verdient es, dass man sich mit ihm beschäftigt, Hannibal. Wenn jemand auf den ersten Blick langweilig erscheint, musst du nur genauer hinsehen, du musst in ihn hineinsehen.“ (S. 35)
[Herr Jakov:] „Sich erinnern zu können ist nicht immer ein Segen.“ [Hannibal:] „Ich würde mich aber gern an alles erinnern.“ [Herr Jakov:] „Dann wirst du einen Gedächtnispalast brauchen, um alles darin zu speichern. Einen Palast in deinem Kopf.“ [Hannibal:] „Muss es denn unbedingt ein Palast sein?“ [Herr Jakov:] „Jedenfalls wird dieser Ort immer größer werden, bis er irgendwann so riesig ist wie ein Palast.“ (S. 39)
- Veit Etzold
Der Totenzeichner
(180)Aktuelle Rezension von: ShadyDie Thriller rund um Veit Etzold und die Ermittlerin Clara Vidalis gehören für mich klar in die Kategorie „nichts für schwache Nerven, aber genau deshalb so gut“. Die Geschichten sind düster, direkt und oft sehr schonungslos erzählt – genau diese Konsequenz macht aber auch den Reiz der Reihe aus.
Was mir besonders gefällt, ist das hohe Tempo. Kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel und immer wieder Cliffhanger sorgen dafür, dass man kaum aus dem Lesen rauskommt. Man denkt oft „nur noch ein Kapitel“ – und ist plötzlich mitten in der nächsten Eskalation.
Clara Vidalis selbst ist eine starke, glaubwürdige Figur, die sich durch die Fälle kämpft, ohne dabei überzeichnet zu wirken. Auch das Ermittlerteam und die kriminalistischen Hintergründe sind gut eingebunden und wirken solide recherchiert, ohne dass es trocken wird.
Inhaltlich bewegt sich die Reihe häufig im extremen Bereich: Gewalt, psychologische Abgründe und sehr harte Fälle stehen im Mittelpunkt. Genau das macht die Bücher so intensiv – gleichzeitig sollte man wissen, worauf man sich einlässt, wenn man zu dieser Reihe greift.
Insgesamt ist die Clara-Vidalis-Reihe für mich eine klare Empfehlung für alle, die kompromisslose, düstere und temporeiche Thriller mögen, die einen auch mal an die Grenzen des Erträglichen bringen.
- Stephen King
Holly
(185)Aktuelle Rezension von: Julietta89Ich bin eigentlich kein großer Fan von Kriminalromanen, und „Holly“ kommt diesem Genre schon ziemlich nahe. Wenn es kein Buch von Stephen King gewesen wäre, hätte ich es wohl gar nicht erst zur Hand genommen. Umso überraschter war ich, wie sehr mich die Geschichte trotzdem gefesselt hat. King gelingt es hier, auf eine sehr spannende Art und Weise eine Ermittlung zu erzählen, die trotz des klassischen Krimi-Settings so viel mehr bietet.
Besonders beeindruckend fand ich den Aufbau der Story. Die parallelen Handlungsstränge, die sich nach und nach aufeinander zubewegen, haben mich richtig mitgerissen. Man will unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt, auch wenn man als Leser teils schon etwas mehr durchschaut als die Protagonistin Holly selbst. Das sorgt für eine tolle Spannung, die King meisterhaft steuert. Und das ganz ohne seine sonst so typischen übernatürlichen Elemente – was ich eigentlich interessant fand, auch wenn mir ein bisschen von diesem King-Flair dadurch gefehlt hat.
Trotzdem ist „Holly“ ganz klar ein Buch, das man als King-Leser nicht verpassen sollte. Es geht tief in die Abgründe der menschlichen Psyche und zeigt, wie komplex und dunkel das Leben sein kann. Für mich war es eine gelungene Überraschung, die mich auch über das Genre hinaus begeistert hat.
- Franzobel
Das Floß der Medusa
(96)Aktuelle Rezension von: Eva_ReichmannIch hatte einen "historischen Roman" befürchtet - aber das war es nicht: bekommen habe ich etwas, das ich sprachliches Kunstwerk nennen möchte, und zwar deshalb, weil es Franzobel durch seine Art der Beschreibung gelingt, dass ich den Hafen von Rochefort (und das ländliche Frankreich) und die Kombüse und die engen Quartiere au dem Schiff förmlich riechen kann. Das gelingt ihm, obwohl der Erzählton durchaus etwas Ironisches hat.
Riechen und Spüren konnte ich auch die letzten Tage auf dem Floss - mit allen Schrecklichkeiten. Ja, das Buch ist grauslich - genauso wie die reale Situation, um die es geht. Die Vorgeschichte, wie es dazu kam (ein Versagen vieler Menschen auf vielen Ebenen) ist grotesk und ebenso brilliant erzählt.
Ein Buch, dass ich mit Sicherheit irgendwann wieder lesen werde!
- Kathy Reichs
Durch Mark und Bein
(392)Aktuelle Rezension von: Gute_NachtInhalt
Über Swain County, North Carolina, ist Flug 228 der TransSouth Air abgestürzt und Tempe Brennan wird mit der Identifikation der Opfer betraut. In der Nähe des Unglücksorts bringt sie ein grausiger Fund auf die Fährte eines schrecklichen Verbrechens ...
Fazit
Den Einstieg empfand ich als holprig, schwerfällig und zäh, die Handlung kam nur langsam in Fahrt. Einmal in Gang, nimmt die Handlung ordentlich Fahrt auf und es wird doch sehr spannend und temporeich.
- P.C. Cast
Moon Chosen
(168)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeDie Tochter der Mondfrau des Erdwandererclans versteckt sich seit ihrer Kindheit. Statt ihrer Mutter als nächste Mondfrau zu folgen, muss sie verstecken, dass sie zur Hälfte eine Gefährtin ist. Ihr Vater war vom Volk der Gefährten, nur leider versklaven diese die Erdwanderer. Als ein Schäferhundwelpe dem Sohn des Sonnenpriesters der Gefährten wegläuft um sich an die junge Frau zu binden, wird es nur noch komplizierter. Und dann ist da noch die Bedrohung durch den Stamm der Hautdieben. Plötzlich müssen alte Regeln überdacht werden und Entscheidungen getroffen werden, die Alles verändern können.
Die Autorin entwickelt eine dem Leser völlig fremde und gefährliche Welt. Riesige Insekten bedrohen die Existenz der Völker. Die Erdwanderer sind bodenständig, aber ohne ihre Mondfrau verfallen sie in Wahn, die Gefährten leben eng zusammen mit ihren Hunden, sind aber abhängig von der Wahl der Tiere und die Hautdiebe benötigen im wahrsten Sinne des Wortes die Haut anderer Lebewesen, um sich selbst zu retten. Gekonnt führt P.C. Cast immer tiefer in das Leben und die Bedingungen des komplexen Settings und um so tiefer der Leser in diese Welt vordringt, um so mehr möchte er erfahren. In gemächlichem Tempo entsteht ein immer umfangreicheres Bild. Trotzdem wird es an keiner Stelle langweilig, vielmehr nimmt die Sogwirkung und Spannung langsam aber kontinuierlich zu. Auch ihre Charaktere lässt die Autorin einen Prozess durchlaufen und sich stetig weiterentwickeln. Nicht nur die zentrale Protagonistin auch alle anderen Charaktere werden mit Liebe zum Detail vorgestellt und immer weiter ausgebaut. Obwohl es viele ruhige Etappen im Buch gibt, wird es nie langatmig oder gar langweilig, denn die Autorin nutzt die Passagen geschickt um immer neue Informationen zu platzieren und die Neugier des Lesers am Leben zu halten.
Mein Fazit: Trotz der Länge des Buches und der eher ruhigen Erzählweise konnte ich mich völlig auf das Buch einlassen, ohne das es auch nur einen Moment zäh wurde. Die Detailverliebtheit der Autorin sollte man sicherlich mögen, aber dann steht faszinierenden Lesestunden nichts mehr im Weg. Wer also gerne Fantasy liest und keine schnelle Story sucht, sondern ein intensives Leseerlebnis vorzieht, der wird hier viel Freude haben. Ich freue mich definitiv auf Band 2 der Trilogie.
- Chase Novak
Breed
(97)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAlex und Leslie Twisden sind ein glückliches Ehepaar, scheinbar, denn der Wunsch nach einem Kind reibt die Eheleute doch sehr auf. Man hat schon soviel probiert, versucht und man besucht auch eine Selbsthilfegruppe, aber nichts erfüllt den Beiden den Wunsch. Leslie möchte schon aufgeben, aber da treffen sie beim spazieren ein Paar aus der Selbsthilfegruppe und sie sind schwanger. Alex bittet seine Frau nur noch einmal einen Versuch zu wagen und so lässt sie sich überreden und die Beiden reisen nach Slowenien und unterziehen sich Beide einer seltsamen und auch schmerzhaften Injektion. Seltsame Veränderungen am Körper machen ihnen zu schaffen und auch der Heißhunger nach frischem Fleisch verwundert sie, aber als Leslie dann schwanger ist und scheinbar nicht nur mit einem Kind, ist alles erstmal vergessen. Dann macht der Autor einen gekonnten Sprung und wir lernen Alice und Adam kennen, die zehn Jahre alt sind. Nachts wird das Zimmer abgeschlossen und manchmal sind ihre Eltern echt seltsam. Warum, dass wissen die Beiden nicht. Adam stibitzt ein Babyphone, um heimlich zu lauschen und eventuell zu erfahren, warum sie eingeschlossen werden, warum sie den Keller nicht betreten dürfen und was mit den Eltern Nachts komisches passiert. Was er Stück für Stück heraus findet ist grauenhaft, bestialisch, ekelhaft und er weiß, seine Schwester und er sind in allerhöchster Gefahr und wenn sie ein normales Leben führen wollen, müssen sie weg¿ Breed ist ein Horror-Roman auf allerhöchstem Niveau und nimmt im Laufe der Geschichte immer mehr Fahrt auf und bringt soviel Spannung und Grusel, dass das Buch nichts für schwache Nerven ist.
- H. G. Wells
Die Zeitmaschine
(399)Aktuelle Rezension von: moontalesDie Zeitmaschine war der erste Roman von H. G. Wells, den ich gelesen habe und er war nicht schlecht! Er wurde 1895 geschrieben und so war es interessant, ihn mit den Sci-Fi Romanen von heute zu vergleichen. Wells hatte jedenfalls eine ausgeprägte Fantasie! Die futuristische Gesellschaft fand ich ein wenig weiter hergeholt vor allem im Vergleich zu dem, was die meisten modernen Romane wahrscheinlich zulassen würden, aber ich denke, das hat es für mich auch unterhaltsam gemacht. Wer gern Sci-Fi liest sollte sich mit diesem Urgestein auf jeden Fall mal auseinandersetzen :) Ich vergebe gute 3,5 Sterne
- Douglas Preston
Attack - Unsichtbarer Feind
(85)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeCorrie Swanson, mittlerweile Studentin, möchte für ihre Masterarbeit die ihr forensisches Interesse widerspiegeln soll, elf Minenarbeiter exhumieren und untersuchen, als sie auf Widerstand der örtlichen Gemeinde trifft, ja gar verhaftet wird. Natürlich erhält sie Unterstützung von Pendergast, allerdings rät auch er ihr, die Sache fallen zu lassen, aber sie macht auf eigene Faust weiter. Dies führt nicht nur zu mehreren Anschlägen auf ihr Leben, sonder auch zu einer ungewöhnlichen Verbündeten und stetig wächst ihre Klarheit, dass die 11 Minenarbeiter nicht einfach nur einem Unglück zum Opfer gefallen sind.....
Das Autorenduo kehr mit Band 13 der Reihe zurück zu absoluter Höchstform. Ein Thriller mit Gruselfaktor, temporeich, durchweg spannend und mit wundervoll mysteriöser Komponente. Mit dem Fokus auf Corrie gelingt es den Autoren neue und für den Leser unerwarte Wege des Protagonisten zu gehen und wieder lebendiger zu schreiben. Wie immer sind sämtliche Charaktere detailliert und bildhaft ausgearbeitet. Pendergast ist noch nicht wieder vollständig auf dem Berg, aber lässt endlich wieder Züge des gewohnten Special Agents erkennen. Der Konterpart mit der diesmal Recht eigensinnigen, selbstbewussten und durchaus sehr smarten Corrie ist erfrischend und bringt viel positive Bewegung ins Geschehen. Trotz der hohen Handlungsdichte und der temporeichen Abfolge der Ereignisse, gelingt es den Autoren die Story locker, leicht und flüssig zu erzählen und wie immer Fakten und Fiction fast nahtlos miteinander zu verschmelzen. Immer ist die Handlung mit Fachwissen unterfüttert ohne dass es zäh oder anstrengend für den Leser wird. Genial eingearbeitet sind die Verweise und die Ermittlungen rund um Sherlock Holmes, die Geschichte innerhalb der Geschichte, die dem Ganzen zusätzlich Würze verleiht und gekonnt in Szene gesetzt ist.
Mein Fazit: Ein Pendergast, der mehr zu seinen Wurzeln zurückgeht und neben temporeicher Spannung, das Mysteriöse und Gruselige nicht vernachlässigt, dank der stärker in den Fokus rückenden Corrie dabei aber lebendiger den je ist. Jetzt freue ich mich um so mehr auf Band 14.
- Brian Moore
Schwarzrock
(22)Aktuelle Rezension von: mabo631635 bricht Paul Laforgue, ein französischer Jesuitenpater zu einer abenteuerlichen Reise von Quebec nach Westen auf, sein Ziel bei einer Missionstation im Landesinneren nach dem Rechten zu sehen. Der dort stationierte Jesuitenpater soll schwer erkrankt sei und es geht das Gerücht dass Mord und Gewalt an den Gottesmännern verübt wurde.
Auf seiner Reise auf dem Sankt-Lorenz-Strom begleitet ihn Daniel, ein junger Franzose und eine Gruppe Algonkin-Indianer. Durch Feindesland gehts, sie werden beobachtet von kriegerischen Irokesen.
Zwei völlig verschiedene Kulturen prallen aufeinander, die Algonkin die ein freizügiges Leben führen, ein mitleidloses Leben, die sich von Träumen leiten lassen, "der grossen Manitu", brutale Bräuche sind an der Tagesordnung. Die Frauen werden wenn sie alt sind und nur noch eine Last sind einfach vertrieben, vergessen.
Anders die Jesuitenpater, "Schwarzröcke" - so werden sie genannt in Ihren schwarzen Gewändern - sie betreiben einen "Wasserzauber" (Taufe) und scheinen die Macht über alles zu haben.
Die Jesuiten ertragen das Leiden im Leben als Hoffnung auf eine Erlösung im Jenseits.
Die Algonkin hingegen leben jetzt, das Jenseits ist für sie das Dunkel.
Zwei Welten treffen aufeinander.
Schonungsloser, recht brutaler Abenteuerroman.
Lesenswert!
- Beth Lewis
Wolf Road - Die Angst ist immer einen Schritt voraus
(28)Aktuelle Rezension von: denise7xyErster Satz
Ich saß oben in der Eiche einen Ast zwischen den Knien, und beobachtete den tätowierten Mann, der im Schnee herumstapfte.
Meinung
Als kleines Kind verirrte Elka sich im Wald und traf auf Trapper, der sie bei sich aufnahm und ihre alles über das Leben in der Wildnis beibrachte. Als sie Jahre später erfährt, dass er ein Serienmörder ist, flieht sie vor ihm und dem Gesetz, welches sie als Komplizen sieht. Durch eine kaputte Welt, fremden Sitten und Menschen, bahnt sie sich einen Weg, auf der Suche nach ihren Eltern. Doch Trapper ist ihr dicht auf den Fersen.
Elka erzählt ihre Vergangenheit, wie sie zu Trapper kam, was er ihr beibrachte und welche Bedeutung er für sie hatte, bevor sie am Anfang ihrer langen und beschwerlichen Reise angelangt. Im Laufe der Geschichte reflektiert sie oftmals Geschehenes, erinnert sich an Verdrängtes und verfällt ein ums andere Mal in Selbstzweifel. Der Schreibstil war flüssig zu lesen.
Mit dem Setting hatte ich zu Beginn Schwierigkeiten, weil ich mir die Richtung nicht wirklich vorstellen konnte. Auch im Nachhinein denke ich, dass das dystopische Setting nicht wirklich von Nöten war, denn es wurde nur teils oder gar nicht erklärt, viel mehr fühlte sich es sich wie ein Western an, was wohl auch dem Goldsuchen geschuldet ist, welches häufiger zum Gespräch kommt.Charaktere
Elka war mit viel Wissen über das Leben in der Wildnis ausgestattet, war aber meist unkonzentriert und teilweise zu naiv, was ihr einige Probleme bescherte. Im Laufe der Geschichte wird ihre immer mehr bewusst, was sie die letzten Jahre über verdrängt und übersehen hat. Es gefiel mir, wie sie sich damit auseinandergesetzt hat, aber insgesamt bin ich einfach nicht mit ihr warm geworden. Das Naive ging mir teilweise doch sehr auf die Nerven.
Elka trifft auf die unterschiedlichsten Leute,, mal gutherzig, meistens jedoch auf ihren eigenen Vorteil aus.
Die Präsenteste ist Penelope. Zu Beginn wusste ich gar nichts mit ihr anzufangen, aber ihre Rolle ist äußerst wichtig für Elkas Entwicklung. Sie ist auf andere Weise als die Protagonistin eine Kämpferin. Das Zusammenspiel zwischen den Beiden war am Ende jedoch teils komisch, ihre Reaktionen nicht immer ganz nachvollziehbar.
Fazit
Das Setting war wenig involviert und somit eigentlich überflüssig, Elkas geistliche Entwicklung und Reflektion sehr stark. Insgesamt solide, auch wenn es am Ende meine volle Aufmerksamkeit nicht mehr für sich gewinnen konnte. 3 Sterne
- Ryan Green
Der Fluch: Eine Schockierende, Aber Wahre Geschichte üBer Aberglauben, Menschenopfer Und Kannibalismus (Wahres Verbrechen)
(5)Aktuelle Rezension von: Ma26ryIm dem Buch "Der Fluch" von Ryan Green geht es um das Leben von Leonarda. Sie entstand aus einer Vergewaltigung ihrer Mutter und erinnerte ihr Mutter tagtäglich an diese Gewalttat. Ihre einzige Chance von ihr loszukommen, war ein Mann den sie heiraten konnte. Als sie einen fand und mit ihm abhaute verfluchte ihre Mutter sie. Dieser Fluch verfolgte Leonadra ihr Leben lang.
Das Buch ist verständlich und spannend geschrieben. Die Hauptfigur ist Leonarda und die Handlung spielt in Italien vor und während des 2. Weltkrieges.
Das Thema des Buches ist Leonardas trauriges Leben, das von Schicksalsschlägen nur so geprägt ist. Durch die Ablehnung in der Kindheit verkraftet Leonarda diese allerdings nicht gut und sieht sie als Bestrafung ihrer eigenen Person an. Dadurch verfällt in eine Art Wahn. In diesem versucht sie sich und ihre Liebsten ständig vor einem Unheil zu beschützen.
Das Buch war für mich ein kurzes, spannendes aber auch tiefgründiges Leseabenteuer. Für alle die gruselige und auch etwas blutrünstige Geschichten mögen ist dieses Buch zu empfehlen. - Martin Krist
Märchenwald
(93)Aktuelle Rezension von: SaintGermainDer 10-jährige Max wird zusammen mit seiner 4-jährigen Schwester Ellie geweckt und in den Wandschrank gesperrt. Ihre letzten Worte: Geht... zu Opa...auf...Fall! Da sie keine Spur ihrer Mutter finden, machen sie sich auf den weg zu ihrem Großvater. Währenddessen bekommt es Kommissar Paul Kalkbrenner in Berlin mit gleich 2 Fällen zu tun: Einerseits wird ein Einbruch bei einem Friseur verübt, bei dem ein Einbrecher durch einen Unfall stirbt und der andere spurlos verschwunden ist. Zum anderen wird ein älterer Mann tot aufgefunden - ein Herzinfarkt. Doch tauchen in seiner Tiefkühltruhe Dinge auf, die eine Ermittlung nach sich ziehen. Zoe wacht währenddessen auf der Straße auf und kann sich an nichts erinnern.
Das Buch ist unter verschiedenen Covers erschienen - ich habe das weiße mit den Bäumen. Es ist wunderbar gemacht ist, passt zum Titel des Buches aber ist auch ein wenig nichtssagend. Nichtsdestotrotz lässt es einem das Buch in die Hand nehmen.
Der Schreibstil des Autors - es handelt sich um Marcel Feiges Pseudonym - ist hervorragend. Orte und Charaktere werden bildhaft dargestellt.
Die Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite auf maximal hohem Niveau, ohne jemals abzusinken. Überraschende Wendungen sind zuhauf vorhanden und der Plot ist hervorragend konstruiert. Ebenso die Protagonisten, allen voran natürlich Kommissar Paul Kalkbrenner, der mich schmunzeln ließ, weil es ja auch einen DJ mit gleichem Namen gibt.
Kalkbrenner ist authentisch und hat mit seinem Privatleben auch einige Baustellen, die in diesem Fall auch eine wichtige Rolle einnehmen. Zum einen will seine schwangere Tochter in Paris studieren, zum anderen kämpft seine demente Mutter nach einem Schlaganfall um ihr Leben. Seine Ex-Frau, die ihn in keinster Weise versteht, ist da auch nicht wirklich eine Hilfe. Er ist eher ein Einzelgänger, hat aber eine Partnerin und ein Team um sich.
Natürlich kann man als Leser erahnen, was Max´ Mutter wirklich meint, aber für Kinder ist es nachvollziehbar. Und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie der Autor die 2 Fälle von Kalkbrenner und die Geschichten um Zoe und Max unter einen Hut bringt, was dem Autor aber auf logische Art gelingt. Zudem gelingt es dem Autor auch einige Nebenhandlungen einzubauen, das dem Leser auch nur bedingt zu Luft kommen lässt.
Ja, am Ende gibt es für den Leser die eine oder andere ungelöste Frage, die man vielleicht noch einbauen hätte können, weil am Ende einfach alles schnell geht. Aber dies ist wirklich Meckern auf hohem Niveau.
Genauso muss ein Thriller sein.
Für mich war es der 1. Band um Kalkbrenner, aber sicher nicht der letzte. Man kann das Buch aber definitiv auch für sich lesen.
Fazit: spannend, überraschend, authentisch - und eklig. 5 von 5 Sternen
- Fred Vargas
Das barmherzige Fallbeil
(100)Aktuelle Rezension von: LejoanEin ziemlich langes und undurchsichtiges Buch nicht unbedingt schlecht geschrieben. Es ist zwar sehr fantasievoll geschrieben und vereint die
Geschichte mit der Gegenwart für den Leser. Die Handlungen sind kreuz und quer, das Buch bringt Wendungen ein und am Ende auch einen anderen Mörder, als alle glauben aber gerade deshalb ist es schwierig der Handlung zu folgen. Zwischenzeitlich hat das Buch einige langatmige Stellen und man muss sich auch ein bisschen dazu zwingen das Buch bis zum Ende zu lesen. Trotzdem könnte es für Robespierreanhänger, Geschichtsfanatiker und Anhänger der französischen Revolution ein gutes Buch mit lesenswerten Stoff sein.
- Richard Laymon
In den finsteren Wäldern
(165)Aktuelle Rezension von: zickzackNeala und Sherri nutzen ihre Ferien um die Berge Kaliforniens zu erkunden. Doch als sie eine Rast in einem kleinen Restaurant in dem Städtchen Barlow machen, ahnen sie nicht, was auf sie zukommt. Sie werden in den angrenzenden Wald verschleppt, an einen Baum gebunden und müssen nun ängstlich auf die hungrigen Krulls warten.
Zeitgleich kommt Lander Dills mit seiner Frau Rutz und ihrer Tochter Cordelia und ihren Freund Ben in Barlow an. Statt dort in einem Bungalow zu übernachten, ereilt sie das gleiche Schicksal. Auch sie werden in den Wald zu den Krulls verschleppt.
Ich habe nicht allzu viel von dem Buch erwartet, da ich schon gelesen habe, dass es recht trashig ist. Dem war auch so, was aber vor allem durch die vielen Nippel und Erektionen entstand. Auch ist die Story an sich sehr einfach.
Dennoch muss ich sagen, dass das Buch mir recht gut gefallen hat. Laymon hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, sondern schleudert den Leser direkt ins Geschehen. Schon in der ersten Szene treffen Neala und Sherri auf eine beinlose Kreatur, die sie mit einer abgetrennten Hand abwirft. Da hat man schon Klarheiten, auf was das hinausläuft.
Der Autor hat es geschafft, dass man schnell in die Geschichte kam. Wenn man hier tiefgründige Figuren oder eine tiefergehende Story erwartet, dann wird man enttäuscht. In dem Nachwort von Brett McBean hat er gut erläutert, was das Buch und anscheinend auch andere Werke des Autors ausmacht. Beim Lesen hatte ich die ganze Zeit einen recht trashigen Horrorfilm vor Augen, von der Storyline wie auch den Ereignissen im Buch. Insbesondere musste ich an „Wrong Turn“ denken und vielleicht ist die Überlegung von Brett McBean gar nicht so falsch, dass sich der Autor von den entsprechenden Horrorfilmen inspirieren ließ.
Richard Laymon hat es gut geschafft, die Atmosphäre in dem Buch einzufangen. Die Sprache ist einfach, nicht sonderlich ausgeschmückt, aber auf den Punkt. Er beschreibt genau das, was einem einen Schauer über den Rücken jagt.
Das Buch war für mich durchweg spannend, obwohl eigentlich recht klar ist, auf was das alles hinausläuft. Aber irgendwie war es schon sehr interessant, wie gerade Lander immer mehr den Verstand verloren hat. Und etwas Hintergrund hat man ja zu den Krulls bekommen, aber eben nicht zu viel. Die Geschichte ist teils etwas lückenhaft, aber so wirklich hat es mich nicht gestört. Laymon regt die Fantasie des Lesers an, dass man dann selbst die Lücken schließt.
Fazit: Ein spannender, unterhaltsamer, aber eben auch sehr trashiger Horror-Klassiker. Wenn man keine große Schreibkunst erwartet, sondern mit Splatter-Horror unterhalten werden möchte, dann kann man gern zu diesem Buch greifen. 4 Sterne.
- Susanne Röckel
Der Vogelgott
(57)Aktuelle Rezension von: Sanne54Im Prinzip besteht dieser Roman aus vier Episoden, einleitend die Schilderungen des Vaters, eines Hobby-Ornithologen, der den Kontakt zum Vogelgott, einem nach Aas stinken Greif mit durchdringenden Augen, zu Papier bringt. Dies ist der Prolog. Dem folgen drei Episoden, die jedes einem der drei Kinder des Ornithologen widmet, die als eher jüngere Erwachsene in eher erfolglosen Lebensphasen stecken und jeder auf seine Art mit dem Vogelgott konfrontiert und psychische von dieser "Idee" vereinnahmt werden. Wobei vereinnahmt zu harmlos ist ... Der jüngste, Theo, lottert nach abgebrochenem Medizinstudium vor sich hin, bis er durch eine dubiose NGO in einem nicht näher bezeichneten afrikanischen Landstrich landet, wo er als Arzt einem Missionskrankenhaus tätig ist, wo der Kult um den Vogelgott beheimatet ist. Seine Schwerster Dora plant eine Promotion, in deren Mittelpunkt ein übermaltes Gemälde eines Malers steht, das sie ebenfalls in den Kult um den Vogelgott abdriften lässt, während ihre Ehe und ihre beruflichen Pläne dabei zerstört werden, und der älteste - ebenfalls gestrandet, aber in einer unglücklichen Ehe und frühen familiären Verpflichtungen, wird im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit damit konfrontiert.
Die knapp 270 Seiten sind erzählerisch sehr kompakt, auch deshalb weil die (in meiner Ausgabe) im Blocksatz formartierten Sätze kaum durch Absätze oder mal einer Leerzeile unterbrochen sind, die mir als Leser erlauben mal durchzuschaufen, man wird mit dem Lesefluss so durch die Ereignisse getrieben. Das unterstreicht natürlich einerseits die Sogwirkung, die die Protagonisten in ihrer Auseinandersetzung mit dem Vogelgott erleben, ist aber auch sehr anstrengend zu lesen, gerade, wenn an dem Inhalt nicht allzuviel abgewinnen kann. Ich persönlich zum Beispiel tue mir schwer, zu einem Urteil zu finden. Sprachlich hat es mir gut gefallen und viele Stellen habe ich auch interessiert gelesen, etwa den Prolog oder die Ereignisse rund um das Missionskrankenhaus. Dann fand ich es wiederum aber häufig auch einfach nur sehr anstrengend und langatmig. Sicherlich ist das ein anspruchsvolleres Buch und kein Mainstream, was tatsächlich schade ist, da die Idee spannend ist. Mir hätte es geholfen, wenn es einfach konkreter erzählt gewesen wäre.
- Carlos Balmaceda
Das Kochbuch des Kannibalen
(10)Aktuelle Rezension von: TheSaintDie Geschichte beginnt 1978 mit dem sieben Monate alten César Lombroso, der sich lustvoll am Fleisch seiner während der Säugung verstorbenen Mutter gütlich tut, ehe die Ratten über den Leichnam herfallen.
César ist der Letzte einer langen Reihe der Familien Cagliostro und Lombroso, deren Schicksale alle in dem Gasthaus "Almacén Buenos Aires" in einem Ort namens Mar del Plata in Argentinien kulminieren.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Zwillinge Luciano und Ludovico Cagliostro von Italien nach Argentinien aufgebrochen, um sich dort den Lebensunterhalt als begnadete Köche zu verdienen. 1911 eröffnen sie das "Almacén" und werden bald zum gefragtesten Gourmettempel des Landes. Sagenhaft sinnliche Speisen lassen dort Präsidenten, Putschisten, Militärs und allerlei das Schicksal des Landes lenkende Personen einkehren. Es gibt familiäre und wirtschaftliche Dramen - dennoch schaffen die Betreiber es immer immer, das "Almacén" zurück ins Interesse wichtiger Menschen mit Hang zu exquisitem und erlesenem Essen zu bringen. Das Geheimnis dieser sinnlichen Küche findet sich im "Handbuch der südatlantischen Küche"... einer großartigen Rezeptsammlung von Césars Vorfahren Mássimo Lombroso. Die Rezepte reichen zurück bis Platon und bilden die Basis zu in höchsten Tönen gelobten Speisen, die die Besitzer dieses wie einen Schatz gehüteten Buches mit ganz speziellen Zutaten zu verfeinern wissen...
Dieser Roman beginnt dem Buchtitel gerecht werdend, doch tritt das kannibalistische Thema erfreulich bis gegen Ende der Erzählung in den Hintergrund und macht einer höchst faszinierenden Familien- wie auch Landesgeschichte Platz. Carlos Balmaceda (* 1954) beschreibt mit größter Wonne die Triumphe und Niederlagen der beiden Familien und verknüpft diese mit den Auf und Abs Argentiniens selbst, bezaubert mit sinnlichen Beschreibungen nicht nur erotische Leidenschaften sondern auch die kredenzten Gerichte und vermag mit Witz und großer Freude am Erzählen mit dem rechtzeitigen Stop vor dem Verfall ins Kitschige auch von kannibalistischen Einlagen zu berichten. Diese große Gabe, mit Worten zu spielen und die Szenen dadurch so lustvoll zu überhöhen, machen die blutrünstigen und dunklen Momente des Romanes auch für Zartbesaitete lesbar.
Es ist kein Horror/Thrillerwerk, sondern ein stimmungsvoller Streifzug durch europäische Schicksale, die in jenen Tagen ihr Heil in Südamerika suchten und vielfach durch die Vorliebe der Reichen für diesen Teil der Welt auch fanden. Eingebettet in Horrorszenarios findet sich eine betörende dramatische Familiengeschichte und der Mythos um dieses Kochbuch mit all den wundersamsten Rezepten. Eine Wonne für Freunde des Lukullischen wie des Schaurigen!
- Jack Ketchum
Beutezeit
(301)Aktuelle Rezension von: Japanophilie„Beutezeit“ erzählt von mehreren jungen Erwachsenen, die Anfang der 1980er-Jahre eine Auszeit in einem abgelegenen Küstengebiet in Maine verbringen wollen. Was zunächst wie ein ruhiger Urlaub in einem isolierten Ferienhaus wirkt, entwickelt sich schrittweise zu einem Kampf ums Überleben, als deutlich wird, dass in der Umgebung eine abgeschottete, verwilderte Gruppe lebt, die Außenstehende nicht als Menschen, sondern als Beute betrachtet. Die Handlung spielt über wenige Tage hinweg und konzentriert sich auf die zunehmende Eskalation zwischen den Urlaubern, örtlichen Bewohnern und den Angreifern.
Das Cover ist schlicht in Schwarz gehalten. Der Titel „Beutezeit“ prangt in roter Schrift auf dem Band und erinnert durch die Farbgebung an Blut, das im Laufe der Geschichte reichlich fließen wird. Im unteren Bereich sieht man einen männlichen Oberarm, dessen Hand ein blutiges Messer hält. Insgesamt wirkt das Cover nüchtern und direkt. Wer den Klappentext oder eine Inhaltsangabe kennt, ahnt bereits, worauf sich die Geschichte konzentriert: kompromissloser Horror und explizite Gewalt. Für mich passt die reduzierte Gestaltung daher gut zum Inhalt.
Das Vorwort im Buch, das ich nach einigen Seiten wegen möglicher Spoiler abgebrochen habe, steigerte zunächst meine Neugier auf den Roman. „Beutezeit“ war mein erstes Buch von Jack Ketchum, und mir war vorher nicht bewusst, dass der Autor bereits seit Jahrzehnten Horrorromane schreibt. Entsprechend groß war meine Vorfreude.
Leider blieb nach der Lektüre vor allem Enttäuschung zurück. Obwohl ich die überarbeitete Version gelesen habe und es sich um den Debütroman von Jack Ketchum handelt, konnte mich die Geschichte kaum packen. Keine der beschriebenen Szenen empfand ich als wirklich gruselig oder verstörend. Als großer Horrorfan, der bereits viele Bücher gelesen und Filme gesehen hat, wirkte das Grundmotiv – eine Gruppe von Menschen in einer abgelegenen Hütte – auf mich inzwischen zu vertraut. Auch die Verbindung mit dem Thema Kannibalismus verlieh der Handlung für mich keine zusätzliche Tiefe, sondern ließ sie eher flach erscheinen.
Hinzu kommt, dass der Roman für meinen Geschmack zu kurz ist, um eine Bindung zu den Figuren aufzubauen oder sie wirklich kennenzulernen. Dadurch blieb mir weitgehend egal, was mit den Charakteren geschieht. Stellenweise erinnerte mich die Erzählung eher an einen durchschnittlichen Splatterfilm als an einen spannenden Horrorroman. Zudem wirkten einige Handlungen auf mich nicht ganz nachvollziehbar, etwa bestimmte Entscheidungen der Antagonisten, die für mich nicht immer konsequent erschienen.
Für empfindsame Leserinnen und Leser ist der Roman aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellungen sicher nicht geeignet. Menschen werden gefoltert und zerstückelt, und insgesamt ist die Geschichte sehr brutal erzählt. Zwar liest sich der Roman flüssig und ist aufgrund seiner geringen Länge schnell beendet, doch wer bereits viele Horrorbücher oder Filme aus dem Genre kennt, dürfte den Verlauf der Handlung und manche Entwicklungen früh erahnen. Für mich blieb die Geschichte dadurch vorhersehbar und weitgehend ohne Nervenkitzel.
Insgesamt war „Beutezeit“ für mich eine Enttäuschung. Trotz des flüssigen Schreibstils und der kurzen Lesezeit fehlten mir Spannung, Atmosphäre und interessante Figuren. Als kurzer Horrorhappen für zwischendurch funktioniert das Buch zwar, nachhaltig beeindruckt hat es mich jedoch nicht. Für mich reicht es deshalb nur für 2 von 5 Sternen.
- Tim Miller
Familienmassaker: Festa Extrem
(51)Aktuelle Rezension von: Rudolf_ArlanovBasierend auf den überwiegend guten bis sehr guten Bewertungen und der hohen Sternebewertung wurde ich neugierig auf dieses Werk von Tim Miller. Mit dementsprechend hohen Erwartungen begann ich zu lesen und wie meine Sternebewertung und Kurzmeinung bereits andeuten, folgte leider eine herbe Enttäuschung.
Aber alles von Anfang an:
Der US-amerikanische Autor Tim Miller ist auf Extreme Horror und Splatterpunk spezialisiert und ist bekannt dafür, die Grenzen des Genres durch explizite Gewaltdarstellungen und Gore-Elemente zu überschreiten. Er studierte Religion und Psychologie und es liegt vermutlich nahe, dass er diese Themen gelegentlich in seine Geschichten einbaut, um die Abgründe der menschlichen Psyche zu beleuchten.
Seit seiner Jugend verfasste er Kurzgeschichten zur Unterhaltung von Freunden. Seine professionelle Laufbahn als Horror-Autor startete er im Jahre 2012 mit seinem offiziellen Debütwerk The Hand of God (dt. Die Hand Gottes), welches er im Selbstverlag veröffentlichte. Anschließend folgte am 16. Dezember 2013 sein Roman Familienmassaker (engl. Family Night), den er im Selbstverlag über die CreateSpace Independent Publishing Platform (heute Teil von Amazon KDP) veröffentlichte und der als sein Durchbruchswerk im Bereich des Extreme Horrors gilt. Es folgten dann weitere Werke wie Willkommen in Hell, Texas, Snuff Film und The Country Club / Suicide Hotline.
Alle frühen Werke wurden von Miller selbst als eBooks (und später Print-on-Demand) veröffentlicht. Dieser Weg erlaubte ihm die uneingeschränkte Darstellung von Gewalt, die in traditionellen Verlagen oft abgelehnt worden wäre. Erst durch den Erfolg dieser Indie-Veröffentlichungen wurde der deutsche Festa Verlag auf ihn aufmerksam und dieser Roman erschien 2015 als Teil der „Festa Extrem“-Reihe im Festa Verlag, aus dem Amerikanischen übersetzt von Christian Jentzsch.
Im Roman Familienmassaker ist hinten eine Danksagung, in der Tim Miller u.a. seiner guten Freundin Lori King, die eine großartige Diskussionspartnerin und Lektorin sei, und all seinen Vorablesern und Cherri von Goregasm als Gradmesser seiner Verdorbenheit.dankt.
Soweit einige Hintergrundinfos zum Autor, zum Roman und zur deutschen Veröffentlichung.
Eine inhaltliche Zusammenfassung spare ich mir, sondern ich steige direkt ein mit meinem Feedback über diesen Roman:
Der Prolog und die ersten Kapitel machten Laune, führten das Opfer Carla Gonzales ein, ihre Arbeit als Kellnerin in einer Bar, Feierabend und Entführung durch den maskierten Haupt-Bad Guy Eddie Mason und seinen beiden, ebenfalls maskierten Kindern (später erfährt man deren Alter und Namen: Tochter Brandi (14) und Sohn Jeffrey (5)), führten die junge Detective Julie Castillo ein, die nach der vermissten Carla fahndet und zeigten die Lebenumstände, in denen der seit einem Jahr arbeitslose Eddie Mason, Familienvater, Ehemann und incognito Serienkiller-Kannibale mit evtl. schizophrener Doppelidentität, mit seiner tyrannischen Ehefrau Margie und den beiden Kindern lebt.
Die Sprache ist einfach, der Dialogton innerhalb der Polizeibeamten ist hardboiled rauh und vulgär und die Familiendynamik innerhalb der Mason-Familie ist anfangs nur auf Eddie und seine Frau Margie beschränkt.
Leider beginnt ab Seite 33/34 des Romans das Trauerspiel: Wenn ich als Leser plötzlich beginne, im Text Passagen mit einem Stift zu markieren, dann ist das kein gutes Zeichen. Wenn ich mich nicht mehr auf die Story konzentrieren kann, weil mir vermehrt Fehler im Text auffallen, dann ist das der Todesstoß für den Roman.
Für diejenigen, die den Roman bereits besitzen, hier einige konkrete Beispiele, für alle anderen Leser ein Hinweis oder eine Warnung, es sich mehr als doppelt zu überlegen, sich diesen Roman anzuschaffen, und für diejenigen Leser, die Wert auf schriftstellerisches Handwerk legen, einige typische Anfängerfehler von Autoren:
- Kapitel 6, Seite 32: Detective Julie Castillo wird zum Fundort einer Leiche gerufen. Sie zieht Gummihandschuhe an und kniet sich nieder, um den Leichnahm zu begutachten. Anschließend erhebt sie sich zweimal: auf Seite 33 zum ersten und auf Seite 34 zum zweiten Mal.
- Kapitel 9, Seite 46: Sarah, die entführte Freundin von Julie Castillo, erwacht zweimal.
- Kapitel 11, Seite 53: Aus der Perspektive von Ben, dem Partner von Julie Castillo, wird geschildert, wie er von seiner ein gutes Stück entfernt liegenden Position aus Julies Ankunft an eine Tankstelle beobachtet: "Er beobachtete, wie sie den Motor abstellte und das Licht ausschaltete. Eine Minute lang passierte gar nichts, ..." Kapitel 12, Seite 55, das gleiche Geschehen aus der Sicht von Julie: "Nachdem sie eine Minute lang mit laufenden Motor gewartet hatte, stellte sie ihn ab und stieg aus.". Widersprüchlich und passt nicht. Vor allem, wenn dann in Kapitel 26 der ermittelnde Captain Johnson an der Position von Ben steht und rüber zur Tankstelle blickt und der Autor dann schreibt: "Johnson stemmte die Hände in die Hüften und versuchte zu rekonstruieren, was hier passiert war. Von dieser Stelle hatte man gute Sicht auf die Tankstelle, auf deren Rückseite Castillos Wagen stand." Jetzt bin ich noch mehr verwirrt, wenn der Wagen Castillos auf der Rückseite der Tankstelle steht, konnte Ben den Wagen von seiner Position aus gut sehen?
- Kapitel 25, Seite 108: "Als sie nach draußen gingen, fiel ihr auf, dass sie zum ersten 'Mal die Tür offen stehen ließen." Aber einige Zeilen weiter, Anfang der Seite 109: "Als ihre Peiniger nach draußen gingen, blieb der Mann stehen und sah sie durch seine Maske an." Was nun? Sind sie alle raus gegangen, gingen nur die Kinder raus, er aber nicht, sondern blieb vor, in oder außerhalb der Tür stehen?
- Kapitel 30, Seite 126: "Mit dem Messer schnitt Sarah ihm jeden Finger einzeln ab. Sie setzte das Messer am Gelenk an, sodass die Glieder sich leichter abschneiden ließen." Die Finger werden abgeschnitten und dann nochmal?
Was in dem Roman auch leider sehr häufig vorkommt, sind unfreiwillig komische Sätze, doppeltgemoppelte Erklärungen und viele Wiederholungen, auch hier beispielsweise:
- In Kapitell 11 auf Seite 54: Für mich die beiden besten Sätze im Roman, bei denen ich herzhaft lachen musste:
- Ben hat sich aufgrund eines Stromstoßes die halbe Zunge abgebissen. Der Autor schreibt weiter: "Die Schmerzen waren mindestens so schlimm wie der Stromstoß im Schritt." Mindestens. :-)
- "Als sich der Van in Bewegung setzte, verlor sich sein Bewusstsein, weil er in Ohnmacht fiel." :-)
- Die beiden Frauen Sarah und Julie sind nach ihrer Entführung durchgehend im Roman die gesamte Zeit nackt. Und doch muss mich der Autor fast am Ende des Romans, in Kapitel 12, auf Seite 134 mit dem Satz "Sie war immer noch nackt" daran erinnern, weil ich es als Leser vergessen haben könnte? Oder eine Seite später, auf Seite 135, muss mich der Autor nochmal mit dem Satz "Jeder Teil ihres Körpers schmerzte, vor allem die Beine und Knie." daran erinnern, dass Sarah seit Kapitel 19 (Seite 84) zertrümmerte Kniescheiben hat.
- Kapitel 20, Seite 86:
- "Zuletzt hatten ihn unerträgliche Schmerzen aufgeweckt, als der Mann angefangen hatte, ihm das Bein zu zerschneiden."
- Etwas weiter unten, schreibt der Autor: "Dann hatte der Mann sein Bein zerschnitten."
Woran ich beim Lesen auch sehr oft hängen geblieben bin, sind die zeitlichen Angaben, die Miller macht. Seine Lieblings-Zeitangabe scheint "eine Minute" oder "ein paar Minuten" zu sein.
Beispiele:
- Bei einer Szene in Kapitel 14, Seite 64 "Der Mann starrte Julie einfach nur ein paar Minuten lang nieder, dann wendete er sich wieder Sarah zu." kann ich die Handlung nicht mehr ernst nehmen. Einige Minuten lang sich anstarren und dazwischen passiert nichts. Das muss man sich vorstellen, allein schon eine Minute, die man bewusst wahrnimmt, kommt einem ewig vor, und hier sind es einige Minuten.
- Kapitel 20, Seite 88: Ben wird einige Minuten lang von Eddie Mason und seinen beiden Kindern geschlagen. Einige Minuten lang. Und kurz danach, auf Seite 89, lauscht Ben mehrere Minuten lang, wie die drei zu Atem kommen.
- Kapitel 21, Seite 94: "Das Mädchen schob das Messer zurück in die Scheide, starrte Sarah noch eine Minute an und kehrte ihr dann den Rücken zu."
Die Seiten 88 und 89 sind mir noch in einem anderen Aspekt aufgefallen, der für mich den schlechten Schreibstil des Romans gut aufzeigt: Allein 5x wird das Wort "spürte" verwendet, 3x das Wort "hörte", dann wird auf diesen beiden Seiten wiederholt nach Luft geschanppt, nach Atem gerungen, schwer geatmet, zu Atem gekommen, und diese Luft-Atem-Wiederholungen ziehen sich durch den Roman.
Neben diesen Beispielen, die das Lesen vermiest haben, kommen
- Pacing- und Anschluss-Probleme zwischen Kapiteln oder Szenen,
- Begriffe wie "Kanone" (Seite 52, Seite 113), wo ich eher an ein Piratenschiff als an eine Knarre, Waffe oder Pistole denke, oder der Begriff "Eispickel" (Kapitel 13, Seite 60 ff.), wo ich nicht genau weiß, was genau damit gemeint ist, eine Art Bergsteigerhammer oder das Werkzeug zum Zerkleinern von Eis, und dann folgt auf Seite 62 die Szene mit dem Eispickel und den beiden Augen/Augäpfeln, wo ich mir denke, mein lieber Autor, wie soll das gehen.
- Die Interaktion, Dialoge, dieses gesamte Familienthema zwischen Eddie und seinen beiden Kindern Brandi und Jeffrey kommt mir viel zu spät. Anfangs macht Eddie seine Recherchen allein, der Focus liegt hautpsächlich auf ihn und seine Kinder sind meist nur die stummen Maskenträger. In späteren Kapiteln, ungefähr nachdem Eddie seine Frau Margie und deren Liebhaber ermordet, erhalten die Kinder mehr Screentime vom Autor, aber sie bleiben leider eindimensional und bekommen keine eigene Tiefe oder Persönlichkeit.
- Auch die Charakterisierung anderer Protagonisten der Geschichte bleibt unteridisch. Julie Castillo nehme ich den Detective leider nicht ab. Da stehen Sarah und Julie hinter der Tür im Raum, haben einen Plan und warten auf ihre Peiniger. Als sich die Tür öffnet und der Überraschungsmoment auf ihrer Seite ist, ist der Fluchtversuch in Kapitel 17 ein einziges Ärgernis für mich als Leser, weil hier nicht nur ich, sondern auch die Charaktere selbst für dumm gehalten werden: Julie hatte Eddie niedergeschlagen und ihn und Jeffrey mit dem Schockstab niedergestreckt. Anstatt ihrer Polizeiausbildung zu folgen, die beiden zu fesseln, kampfunfähig zu machen, zu durchsuchen, oder sonstiges, den Raum hinter sich abzuschließen, flieht Julie, und wird kurz darauf von Eddie mit dem Wagen umgefahren.
- Die in der Danksagung erwähnten Lektorin und Testleser: Ich weiß nicht, was sie gelesen haben, aber für mich macht dieser Roman leider einen noch völlig unfertigen Eindruck und bedarf eines tiefgreifenden Lektorats und erheblicher Überarbeitung.
Fazit:
Für einen Autor, der Psychologie studiert hat, bietet mir dieser Roman zwar einen relativ plastischen Eindruck von Eddie Mason, aber das wars dann auch schon. Alle anderen Charaktere sind platt, oberflächlich und nicht ernst zu nehmen. Auch wenn der Roman keine Rechtschreibfehler aufweist, ist er für mich sehr ungelenk und oft umständlich verfasst, voller Logiklöcher und handwerklicher Schwächen, und insgesamt leider eine Enttäuschung. Der Roman ist brutal und hart, aber was nützt mir eine Aneinanderreihung von Sadismus und Kannibalismus, wenn mich der Autor bzw. der Roman nicht packen, nicht erreichen, nicht überzeugen: Leider ein Satz mit x.
- Douglas Preston
Extinction. Wenn das Böse erwacht
(54)Aktuelle Rezension von: MinPatiAls langjährige Leserin von Douglas Preston, und jemand, der Relikt - Museum des Grauens bis heute für einen der stärksten wissenschaftlichen Thriller hält, bin ich mit hohen Erwartungen an Extinction herangegangen. Und auch wenn das Buch nicht in allen Punkten an meine Favoriten heranreicht, hat es mich insgesamt überzeugt.
Das Setting erinnert zunächst stark an Jurassic Park: Ein exklusives Resort, in dem wiedererweckte Urzeittiere wie Wollhaarmammuts frei herumlaufen. Doch Preston wäre nicht Preston, wenn die Story sich darauf beschränken würde. Hinter der glänzenden Fassade von Erebus lauert ein viel düstereres Geheimnis, das spätestens nach dem grausamen Mord an einem Milliardärssohn und seiner Frau Fahrt aufnimmt.
Die Mischung aus Wissenschaft, Spannung und realitätsnahen Abgründen funktioniert wieder hervorragend. Auch wenn die Figuren – besonders Agentin Cash, für mich nicht an die Präsenz anderer Preston-Held*innen heranreichen, trägt der Plot das Buch zuverlässig. Ja, der Mittelteil hat Längen und man wartet lange auf die zentrale Enthüllung, aber sobald sie kommt, zieht die Geschichte kräftig an und liefert genau diese dichte, unheimliche Atmosphäre, die ich schon aus Relikt so liebe.
Das letzte Drittel ist intensiv, überraschend und wissenschaftlich faszinierend. Dazu ein starkes, stimmiges Ende und ein hochinteressantes Nachwort, das die Thematik noch einmal vertieft.
Fazit: Nicht mein liebstes Preston-Buch, aber ein spannender, intelligenter Thriller mit spürbarem Preston-Feeling. Wer Relikt mochte, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen, besonders im packenden Finale.
- Agustina Bazterrica
Zart ist das Fleisch
(76)Aktuelle Rezension von: funnyshinydayGenau das ist das Albtraumszenario in das uns Augustina Baztericca in „Zart ist das Fleisch“ wirft.Ein für Menschen tödlicher Virus macht Tierfleisch giftig und auch den Kontakt zu Tieren generell lebensgefährlich.
Marcos, der Hauptcharakter, arbeitet in einem Schlachtbetrieb als rechte Hand des Chefs, so kann er uns auch in den ganzen Produktionsprozess und die Wertschöpfung durch Spezialfleisch, wie Menschenfleisch genannt wird, mitnehmen.
Der Schreibstil ist steril und distanziert, was ich als Stilmittel sehr gut finde, weil die Story und vor allem das Worldbuilding sonst nicht auszuhalten wären.
Es ist natürlich sehr leicht Parallelen zu unserer Konsumgesellschaft, Massentierhaltung und der Fleischproduktion zu ziehen. Auch die Perversionen die entstehen, wenn Gruppen von Menschen entmenschlicht werden oder wie mit Menschen umgegangen wird die am Rande der Gesellschaft stehen werden sehr plastisch dargestellt.
Auf der anderen Seite steht eine Bürokratie die das alles ermöglicht und regelt und damit jedem das Gefühl gibt auf der „richtigen“ Seite zu stehen, so lange man sich an diese Regeln hält.
Ich will euch das Ende nicht verraten, aber es hat mich sehr überrascht und hat mir das Gefühl gegeben den Hauptcharakter das ganze Buch hindurch falsch eingeschätzt zu haben.
Ich empfehlen dieses Buch Fans von tiefgründigen, gesellschaftskritischen Dystopien die einen starken Magen haben.
- Guido Grandt
SNOW BONE
(6)Aktuelle Rezension von: lucatrkisIch hatte mich lange auf „Snow Bone“ gefreut, da andere Rezensenten das Buch mit den Werken Richard Laymons verglichen hatten, wurde jedoch rasch enttäuscht. Zwar war das Setting des Snow Hill Hotels grundlegend vielversprechend, doch spielte sich die Handlung des Romans die ganze Zeit über in den gleichen wenigen Zimmern ab. Zudem waren die allermeisten Protagonisten dermaßen unsympathisch (und damit meine ich nicht nur die Jäger, sondern auch Ned, den überheblichen Anführer der Wanderer), dass ich geradezu darauf hoffte, sie würden endlich zurück in den Schneesturm geschickt oder niedergemetzelt.
Der Autor wob immer wieder übergangslos grausame „Visionen“ in die Geschichte ein, wodurch ich irgendwann verwirrt war, was eigentlich real war und was nicht. Man sollte definitiv nicht zu zartbesaitet sein, denn neben einigen unnötig pornographischen Szenen wurden auch unzählige Abscheulichkeiten in aller Ausführlichkeit beschrieben: (SPOILER) eine Kreuzigung, das Aufessen anderer Menschen, fürchterliche Verstümmelungen sowie vieles mehr. (SPOILER ENDE)
Mich hatte das Buch dort längst verloren, auch wenn ich mich bis zum Schluss durchkämpfte, der selbstverständlich die dunkle Vergangenheit des Snow Hill Hotels enthüllte.
Fazit: Leider nichts für mich. Abgesehen von der Häufung an Fehlern artete die Geschichte bald in eine Aneinanderreihung von Sex- und Ekelszenen aus, die es versäumten, einen Spannungsbogen zu tragen. Sämtliche Charaktere waren entweder zu blass oder unsympathisch – möglicherweise, weil sie ohnehin niedergemetzelt werden sollten …
Noch eine Anmerkung: Auf Seite 27 steht „Caleb Ehefrau“ statt „Calebs Ehefrau“, außerdem sind bei „die im Nachnamen jedoch ein u statt ein a trug“ die einzelnen Buchstaben kleingeschrieben und der Kasus des zweiten unbestimmten Artikels ist fälschlicherweise Nominativ. Auf Seite 30 fehlt ein Komma vor „aber“, ebenso auf Seite 32 bei „bedächtig aber bestimmt“. Auf Seite 43 steht „turnte“ statt „turnten“, auf Seite 65 „die daraufhin hinwiesen“ statt „die darauf hinwiesen“, auf Seite 70 „Idioten wir dir“ statt „Idioten wie dir“, auf Seite 87 „beruhigte“ statt „beruhigten“, und auf Seite 88 fehlt wieder ein Komma bei „unbestimmtes aber beklemmendes“. Auf Seite 90 ist die Kursivschreibung ohne ersichtlichen Grund in der Mitte des Absatzes kurz unterbrochen, auf Seite 102 steht „ihr Meter langer Darm“ statt „ihr meterlanger Darm“, auf Seite 110 fehlt bei „schleichend aber stetig“ erneut ein Komma und auf Seite 129 steht „basierte auf negative Erfahrungen in seiner Kindheit“ statt „basierte auf negativen Erfahrungen in seiner Kindheit“. Auf Seite 145 steht „den Pakt“ statt „der Pakt“, auf Seite 152 „hinter denen“ statt „hinter dem“, auf Seite 200 zweimal „physisch“ bei „nicht nur die physischen, sondern auch die physischen Wunden“ und auf Seite 211 müsste bei „und wollte in einem Anflug von ungewohnter Fürsorglichkeit, Laura an die Hand nehmen“ entweder ein Komma zu Beginn des Einschubs ergänzt oder das am Ende gestrichen werden. Auf Seite 213 ist das Komma bei „Ned fühlte sein Inneres, wie Wachs zerfließen“ inkorrekt, da es sich um einen Vergleich handelt, auf Seite 241 müsste statt „Trotz der Kühlung fängt der Verwesungsgeruch bereits ein“ entweder „fängt […] an“ oder „setzt […] ein“ stehen und auf Seite 244 müsste bei „weich aber kalt“ abermals ein Komma ergänzt werden. Auf Seite 255 fehlt das Komma nach der einleitenden Formel bei „Wie lange wusste er später nicht mehr zu sagen“, auf Seite 281 müsste man „geradeso“ bei „Es schien geradeso, als […]“ mit „geradezu“ ersetzen und auf Seite 284 „soweit“ bei „robbte soweit unter das Bett“ mit „so weit“. Auf Seite 286 müsste man bei „Atemlos hielt Caleb inne und starrte, wie hypnotisiert auf die Reste aus […]“ entweder am Ende des Einschubs ein Komma ergänzen oder das zu Beginn entfernen, auf Seite 293 „geradeso“ bei „Geradeso, als wäre […]“ wieder mit „geradezu“ ersetzen und auf Seite 310 fehlt „zu“ bei „Doch der Hausmeister hatte sich geweigert, darüber reden“. Auf Seite 322 steht „neben dem“ statt „neben der“ (bezieht sich auf eine Tür), auf Seite 388 fehlt das Komma am Ende eines Relativsatzes, auf Seite 345 steht „eine einschneidiges Zeremonienschwert“ statt „ein einschneidiges Zeremonienschwert“, auf Seite 400 „Fußball Spiel“ statt „Fußballspiel“ und auf Seite 401 „diesem lag eine bestimmte Macht inne“ statt „diesem wohnte eine bestimmte Macht inne“. Schließlich müsste auf Seite 407 bei „Als er sich gerade von der kreisrunden Öffnung weit über ihm, abwenden wollte, verharrte er kurz“ nochmals entweder ein Komma am Einschubanfang ergänzt oder am -ende gestrichen werden und auf Seite 415 erstreckt sich die Kursivschreibung bei „Das sind alles nur Sinnestäuschungen“ nicht über den ganzen Satz.























