Bücher mit dem Tag "kapitalismuskritik"

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28 Bücher

  1. Cover des Buches S. - Das Schiff des Theseus (ISBN: 9783462047264)
    J. J. Abrams

    S. - Das Schiff des Theseus

    (122)
    Aktuelle Rezension von: kaelle

    Dieses Buch ist definitiv aufgrund seiner speziellen äußeren Form in mein Bücherregal gewandert: Es steckt in einem Schuber, ist mit imitiertem Leineneinband und fleckigen Seiten auf alt getrimmt, hat zahlreiche "handschriftliche" Anmerkungen in unterschiedlichen Farben auf den Seiten und mehrere Einlagen in Form von Briefen, Postkarten, Servietten, Fotos etc. Aber wozu das alles und worum geht es eigentlich?

    Textebene 1:

    Im Zentrum steht der fiktive Roman "Das Schiff des Theseus" des berühmt-berüchtigten Autos V.M. Straka. In dieser kafkaesken Geschichte findet sich der Protagonist S. zu Beginn mit einer Amnesie in einem ihm unbekannten Stadtviertel wieder. In einer Kneipe trifft er auf eine Frau, mit der er sich unterhält. Währenddessen wird er plötzlich gekidnappt und auf ein Schiff verschleppt, wo mysteriöse Dinge vor sich gehen. Warum er dort ist, weiß er nicht. Irgendwann gelingt ihm die Flucht, woraufhin er sich einer wiederum mysteriösen Gruppe anschließt, die fälschlicherweise für einen Anschlag verantwortlich gemacht wird und sich folglich auf der Flucht befindet. So setzt sich die Odyssee des Protagonisten fort. Auch wenn sich irgendwann die Zusammenhänge ein wenig erhellen, habe ich sie in ihrer Gänze nicht verstanden oder verstehen wollen. Durch zahlreiche surreale Elemente wurde ich verwirrt. Ich mag nicht-realistisches Erzählen aber auch nicht sonderlich.

    Textebene 2:

    Der Roman ist mit einem Vorwort eines fiktiven Herausgebers versehen, der auch für die zahlreichen Fußnoten sowie einen Teil des letzten Kapitels verantwortlich zeichnet. Wir Leser erfahren dadurch, dass die Identität Strakas unklar ist (ähnlich wie bei Shakespeare).

    Textebene 3:

    Die Studentin Jen und der Doktorand Eric sind große Straka-Fans und tauschen sich über "Das Schiff des Theseus" aus, indem sie abwechselnd Unterstreichungen vornehmen und Anmerkungen in das Bibliotheksexemplar des Buches hineinschreiben. Diese Anmerkungen sind teilweise Interpretationen des fiktiven Romans, teilweise Versuche, hinter die Identität von Straka zu kommen. Ist er evtl. sogar identisch mit dem Herausgeber? Handelt es sich um einen der Autoren, die im Vorwort präsentiert werden? Diese Diskussion nimmt einen sehr großen Teil der Anmerkungen ein und hat mich irgendwann nur noch ermüdet. Irgendwann war es mir egal, wer wirklich hinter Straka steckt. Auch mit den angeblich im Roman und in den Fußnoten versteckten Codes konnte ich nichts anfangen. Ehrlich gesagt hatte ich aber auch keine Lust, mich eingehender damit zu beschäftigen und zu suchen, denn sooo superspannend war die Geschichte dann doch wieder nicht. Jen und Eric tauschen sich darüber hinaus auch noch über die Vorgänge an der Uni sowie ihr Privatleben aus, wodurch sie sich Schritt für Schritt näher kommen. Übrigens sind ihre Anmerkungen in unterschiedlichen Farben geschrieben, die für unterschiedliche Zeitpunkte der Einträge stehen. Man sollte sie also wahrscheinlich in der entsprechenden Reihenfolge lesen. (Hab ich nicht gemacht.)

    Insgesamt fand ich sowohl die Kerngeschichte als auch die zusätzlichen Storylines ganz interessant, aber nicht packend. Vermutlich erfordert das Buch mehrere Lesevorgänge, wozu es mir jedoch nicht spannend und realistisch genug war. Vom reinen Inhalt her lande ich bei drei Sternen. Durch die wirklich kreative Aufmachung vergebe ich allerdings noch einen weiteren Stern. Es gefällt mir, dass durch die Anmerkungen ein weiterer Plot entsteht.

  2. Cover des Buches Die Känguru-Chroniken (ISBN: 9783548920771)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Chroniken

    (1.251)
    Aktuelle Rezension von: LooneyTunes


    Normalerweise lese ich gerne Bücher aus den Genres Fantasy, Abenteuer, Mystery oder Krimi. Aber manchmal langweilen sie mich, also dachte ich, ein Buch aus der Kategorie Komödie und Humor könnte eine lustige Abwechslung sein. Nach einiger Recherche bin ich auf die Känguru-Chroniken gestoßen.


    Wenn ich ehrlich bin, hat mich das Buch nicht so sehr begeistert, dass ich es weiterempfehlen würde. Ich hatte erwartet, dass es hauptsächlich humorvoll ist, doch es enthält mehr politische und religiöse Meinungen als eigentlichen Humor. Das Problem ist, dass dies in keiner Zusammenfassung oder Buchvorstellung erwähnt wurde – der Autor hätte das zumindest erwähnen können.


    Natürlich kann jeder seine eigene Meinung über Religion haben, das ist Teil der Meinungsfreiheit. Manche finden Religion logisch, andere nicht. Aber ich persönlich mag es nicht, wenn in einem Buch zu viel über Religion oder Politik gesprochen wird. Allerdings muss ich mir auch eingestehen, dass ich mich vor dem Lesen besser über das Buch hätte informieren können.


    Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass in den Känguru-Chroniken Türken und andere Ausländer kritisiert werden. Humor kann für manche lustig sein, aber für andere auch verletzend. Es ist schade, wenn Satire so gemacht wird, dass sich bestimmte Menschen angegriffen fühlen.

    Trotzdem gibt es auch positive Aspekte. Abgesehen von den religiösen Themen fand ich einige Gedanken des Autors wirklich großartig! Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, dass er mich mit logischen Argumenten zum Nachdenken bringt.

    Zum Abschluss möchte ich ein paar Zitate aus dem Buch teilen, die mir besonders aufgefallen sind:

    „İch lebe nach der Devise: lieber fünfmal nachgefragt als einmal nachgedacht” 

    „》Du willst nicht?《, frage ich. Ja. Weil das gar keine Wahl ist, sagt das Kanguru. Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.《 》Ein Wahlschein?《, frage ich. Das ist, als ob du in den Supermarkt gehst und da wahlen kannst zwischen der Tütensuppe von Maggi und der Tütensuppe von Knorr, aber in Wirklichkeit ist alles Nestlé. Der Wahlschein suggeriert Freiheit, aber in Wirklichkeit sage ich dir: Alles Kapitalismus, alles Nestlé, alles Hähnchen. Da ich nun aber generell keine Tütensuppe essen will, ist mir die Markenwahl im Supermarkt eben schnurzpiepe.” 

    „Gewalt ist die Sprache der Dummen.” 

    „Nichts ist peinlicher als ein Verlierer, der nicht merkt, dass er verloren hat.” „ So ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.”

     „Wenn zwei sich streiten,sitzt der Dritte in der Mitte(Altes chinesisches Sprichwort)”

     „Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann.Das Furchtbare ist, das auch jeder es tut.” 

    „Natürlich ist niemand selbst schuld, wenn er im Schlamm geboren wird, aber doch trägt er eine gewisse Verantwortung, sich daraus zu befreien”

     „Das ist die einzige Möglichkeit, sich wirksam zu schützen. Indem man vergisst.” 

    „Wer Krieg spielen will, sagt das Känguru, muss auch bereit sein, leiden zu lernen.”

     „gibt es eigentlich nur zwei Kategorien von Menschen: die, die dich kennen, die du aber nicht kennst,und die, die du kennst, die dich aber nicht kennen.”

    İch hoffe, dass ich hilfreich sein konnte☘️☘️☘️

  3. Cover des Buches Die Känguru-Offenbarung (Die Känguru-Werke 3) (ISBN: 9783548375137)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Offenbarung (Die Känguru-Werke 3)

    (448)
    Aktuelle Rezension von: MayaB

    Ich habe beim Lesen das ungekürzte Hörbuch gehört, und nachdem ich die ersten beiden Bände teils auch ohne Hörbuch gelesen habe: Das ist auf jeden Fall die richtige Art, diese Bücher zu "konsumieren". Kling arbeitet einfach so sehr mit seiner Stimme und haucht den Texten so viel leben ein, dass lustige Szenen noch lustiger werden, und weniger amüsante Szenen werden amüsant. Ich denke, dass die Geschichte auch ohne Hörbuch vermutlich lesenswert ist, weil ganz viel an dem Humor natürlich auch ohne Stimmen funktioniert, aber es macht einfach einen riesigen unterschied, ob man darüber liest, wie das Känguru und Marc-Uwe versuchen, die Welt zu retten, oder ob man dabei ist, wenn die beiden ihre ganzen Erlebnisse haben.
    Was sich natürlich nicht ändert ist der Inhalt: Systemkritik, viele Witze, Anspielungen auf die echte Welt sowie zahlreiche Bücher und Buchreihen in diesem Band (eins meiner absoluten Highlights, muss ich sagen, fand ich jedes Mal wieder sehr lustig) sind genauso stark wie immer, aber während ich beim Lesen immer eher das Gefühl habe von "ja, kann man mal lesen", bin ich beim Hören wirklich regelmäßig laut am Lachen gewesen und kann mir auch absolut vorstellen, wieder zur Geschichte zurückzukehren (was ich beim Lesen oft eher nicht habe).
    Insofern: Solide Geschichte, die als von Kling gelesenes Hörbuch noch mal einiges an Qualität gewinnt, wenn man mich fragt.

  4. Cover des Buches Utopien für Realisten (ISBN: 9783499633003)
    Rutger Bregman

    Utopien für Realisten

    (46)
    Aktuelle Rezension von: Hannah007
    Beim Lesen dieses Buchs bekomme ich direkt den Eindruck, einen besseren Überblick über verschiedene Zusammenhänge in der Gesellschaft, vor allem bezogen auf Ungleichheit zu erhalten.

    Er schreibt sehr spannend und begründet seine Thesen gut nachvollziehbar mit Quellennachweisen.
    Ich halte hier einige der für mich bemerkenswertesten Gedanken fest.

    Macht der Sozialstaat in der heutigen Form z.B. wirklich Sinn?
    Oder verlängern die Ausbildungsmaßnahmen nicht noch die Arbeitslosigkeit?
    Muss das BIP nicht grundlegend neu gedacht werden, Sozialwesen und andere Werte mit einberechnen, die positive Auswirkungen für die Menschen haben, miteinbeziehen und schädliche Aspekte nicht als Wert berechnen?

    Und sollten wir nicht so langsam die wirklichen Ziele verfolgen, also z.B. Kinderarmut zu beseitigen statt nur einzudämmen?
    Generell sorgt Ungleichheit nur für mehr soziale Probleme, selbst Reiche leiden unter einer höheren Ungleichheit.

    Seine Begründung, wieso bedingungsloses Grundeinkommen die Lösung für so viele Probleme sein könnte, finde ich sehr inspirierend.
    Und gleichzeitig finde ich es immernoch traurig, zu lesen, aus welchem Grund in den USA das Grundeinkommen nur knapp vor einer Einführung doch nicht eingeführt wurde...
    Außerdem könnten wir am Sozialstaatsapparat sparen.

    Wie schaffen wir es, die sinnlosen Jobs, die nur dazu dienen im Kapitalismus Geld zu verdienen, abzuschaffen und stattdessen mehr Freiheit zu erlangen?
    Als Frauen in den Arbeitsmarkt eintraten, hätte die Arbeitszeit insgesamt verkürzt werden können.
    Es muss für Arbeitgeber mehr Anreize geben, Arbeit auf Teilzeitkräfte aufzuteilen.

    Langfristige Verbesserungen für die Gesellschaft sollten außerdem in der Schule beginnen: wir müssen dazu übergehen, Werte statt Kompetenzen weitergeben zu wollen.

    Der technologische Fortschritt allein wird nicht alle Menschen automatisch von den Gewinnen profitieren lassen: wir brauchen Umverteilung!
    Wir brauchen letzten Endes um die Ungleichheit zu bekämpfen eine weltweite progressive Vermögenssteuer! (Piketty)

    Auch Entwicklungshilfe muss kritisch hinterfragt werden und sollte sich an den Ergebnisse aus Studien orientieren.
    Außerdem sollte bedacht werden, dass arme Länder durch Steuerhinterziehung mehr Geld verlieren als sie durch Entwicklungshilfe bekommen.

    Auch zu den Chancen von Migration äußert er sich sehr positiv:
    Freie Arbeitskräfte-Migration würde den globalen Wohlstand erheblich fördern, Grenzen hingegen fixieren Ungleichheit.
    Der soziale Zusammenhang wird nicht durch Diversität, sondern Armut, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung geschwächt.
    Einwanderer müssen nicht zwangsläufig Arbeitsplätze wegnehmen, sondern können auch neue schaffen.
    Im Gegenteil würde die Alternative dazu, Einwanderer einzustellen, also die Abwanderung von Unternehmen, das Lohnniveau auf dem Arbeitsmarkt viel stärker drücken.
    Außerdem sind Immigration nicht arbeitsscheu und nutzen laut einer Statistik von 2011 seltener das Sozialsystem des Aufnahmelandes als Einheimische. Ein Land kann dennoch Einschränkungen beschließen, was immerhin besser ist als pauschale Vertreibung.
    Auch muss man sich bewusst machen, dass Grenzen die Rückkehr von Einwanderern nur verringern.

    Besonders interessant finde ich auch den Gedanken, eine Gesellschaftsveränderung kann nur durch Krisen Erfolg haben und daher ist es entscheidend, für den Moment der Krise passende Ideen bereit zu haben.

    Das Problem scheint zu sein, dass Politiker, die wieder gewählt werden wollen, sich nur Ansichten leisten können, die im Rahmen des Akzeptablen sind. Also lasst uns gemeinsam diesen Rahmen ausweiten und für wirklich fortschrittliche Ideale kämpfen!

  5. Cover des Buches Die Känguru-Apokryphen (Die Känguru-Werke 4) (ISBN: 9783548291956)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Apokryphen (Die Känguru-Werke 4)

    (237)
    Aktuelle Rezension von: mattder

    Nettes Buch für Wischtuch. Liest sich teileweise ganz witzig. Sehr kurzweilige Geschichten mit den Gedanken über die alltagessitution. Das 4 Buch der Rheine. Ganz gut für zwischendurch. Muss 300 Wörter schreiben. Mir fehlt echt nichts Mäher ein. liest eh keiner. vhvhjfhjhjgfjhfhjfhjfhjfhjfhjghjhjghjghjghjvhjghjghj

  6. Cover des Buches Früchte des Zorns (ISBN: 9783552051911)
    John Steinbeck

    Früchte des Zorns

    (173)
    Aktuelle Rezension von: paddepootje

    Analogien

    30 Kapitel, davon eine Hälfte Familiengeschichte der Joads, die andere Hälfte in Zwischenkapiteln mit anderem Schreibstil.

    Zwischenkapitel sind ganz nett, Erzählung aus anderer Perspektive

    Familiengeschichte als Beispiel von Flucht von Oakland nach Kalifornien. Hoffnung auf Arbeit, sich mit Nichts durchschlagen

    Untergang einer Familie von stolzen Farmern zu armen Flüchtlingen/ Tagelöhnern

    Ende offen, deprimierend, kann man mal gelesen haben

  7. Cover des Buches Generation X (ISBN: 9783351050603)
    Douglas Coupland

    Generation X

    (72)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Die 1980er Jahre waren ein Jahrzehnt der Furcht. Und das hatte nicht nur mit Modern Talking zu tun. In den 80ern boomten Horrorfilme, es herrschte eine Endzeitstimmung und es entwickelten sich die Jugendkulturen der Popper, Punker und Yuppies. Es war die Zeit der Null-Bock- und No-Future-Generation. All dies gründete in der eliminatorischen Bedrohung der vollständigen nuklearen Vernichtung. USA und Sowjetunion hatten sich gegenseitig dermaßen hochgerüstet, dass das Atombombenarsenal ausreichte, die Welt mehrfach auszulöschen. Das Gefühl vieler Menschen war, dass es tatsächlich jederzeit soweit sein konnte. Kinder kannten den Sirenenklang für ABC-Alarm. Auf Schulgeländen befanden sich Atombunker.  Im Angesicht dieser wahnsinnigen Bedrohung entwickelte sich bei vielen Menschen, zumal bei Kindern und Jugendlichen, der Eindruck, dass es sich nicht lohnen würde, lange zu planen. Wofür auch, würde es doch bald im nuklearen Winter eh keine Rolle mehr spielen. Die nachfolgenden 90er Jahre werden heute im kollektiven Gedächtnis verklärt zu einer Zeit des Friedens und Frohsinns. Doch was bewirkten die 80er Jahre in der Psyche der Jugendlichen? Douglas Coupland hatte 1991 in seinem Roman Generation X ein Gesellschaftsbild entworfen, dass dermaßen präzise und weitsichtig war, dass seine Erzählung heute vollkommen zu Recht mit dem Kultstatus versehen wird. 2018 hat der Aufbau Verlag Generation X neu aufgelegt und mit einem Nachwort von Dietmar Dath versehen. Wie geil ist bitte schön das denn?

    Konsumterror

    Man kann die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen überhaupt nicht verstehen, wenn man sich nicht die vorhergehenden Generationen anschaut. Deren Lebensgefühl, deren Erfahrungen prägen die nachfolgenden Generationen. Deren Wünsche und Hoffnungen, deren Enttäuschungen und Ängste bedingen die Veränderungen oder Beharrungen aktueller Generationen. Der allgegenwärtige Konsum, der Hedonismus des Alles-Haben-Müssens, des ewigen Wachstums und des kurzsichtigen Raubbaus an Mensch und Umwelt lässt sich nur aus der zukunftslosen, zukunftsausblendenden Perspektive der Angstgetriebenen verstehen. Wenn es kein Morgen gibt, dann will man wenigstens heute bestens leben.

    „die kleinen, flüsternden, nuklearen Stimmen, die seit dem Kindergarten ununterbrochen in seinem Unterbewusstsein gesprochen hatten, waren verstummt.“

    Dass diese Einstellung erst recht zur Zerstörung des Morgens führt, ist eine Einsicht, die immer erst die nachfolgende Generation zu spüren bekommt. Was ist wenn die Welt morgen nicht im Atomkrieg untergeht? Dann brauchen die Menschen immer noch eine intakte Umwelt, Jobs, eine lebenswerte Welt. Doch die Ausbeutung von Mitmenschen und Natur haben dazu geführt, dass diese lebenswerte Welt so nicht mehr existiert. Zumindest nicht wenn alle immer so weiter machen wie bisher.

    Die Generation X war die nächste Generation, die erkennen sollte, dass Konsum nicht glücklich macht. Ganz im Gegenteil. Der Konsumterror vernichtet die Grundlage für eben diese lebenswerte Welt.

    „Warum sollen wir arbeiten? Nur um noch mehr Kram zu kaufen?“

    Couplands Protagonisten Andy, Dag und Claire verweigern sich den Idealen ihrer Eltern. Wozu Geld anhäufen? Wozu immer mehr konsumieren? Besitz macht offensichtlich nicht glücklich, sondern verlangt immer nur zu noch mehr Besitz. Und um besitzen zu können, muss man viel arbeiten. Die Lebenszeit wird also mit Arbeit vergeudet, nur um sich Dinge anzuschaffen, die in ihrer Konsequenz den Planeten und andere Menschen zerstören. Alles nur, um nicht über die Zukunft nachdenken zu müssen und sich von einer kurzfristigen Konsumbefriedigung in die nächste zu stürzen. Und zwischenzeitlich haben die vorhergehenden Generationen die wesentlichen Prozesse des Lebens aus den Augen verloren. Überschuldung, Überbevölkerung und Klimaerwärmung waren auch in den 90ern schon ein Thema. Nur hatte niemand Zeit sich darum zu kümmern. Man brauchte ja noch ein Haus und ein weiteres Auto. Urlaube mussten verdient werden. Urlaube, die man brauchte, weil man hart dafür gearbeitet hatte, sich selbige zu leisten.

    „Er verkörpert für mich all die Leute meiner Generation, die alles, was sie an Gutem in sich tragen, nur dazu benutzt haben, Geld zu machen“

    Generation X ist im Kern eine Episodenerzählung ohne echten Handlungsstrang. Die drei Freunde versuchen, so wenig wie möglich Lebenszeit mit Arbeit zu verschwenden. In ihrer freien Zeit sitzen sie beisammen, erzählen sich Geschichten und leben. Warum der ursprüngliche Untertitel bei der Neuauflage weggelassen wurde, erschließt sich mir nicht wirklich. Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur, trifft immer noch zu. Mit Vollgas gegen die Wand möchte man ergänzen. Wen wundert es da, dass Fridays For Future solch eine Anziehungskraft generiert. Es ist die gleiche Angst vor Vernichtung der Welt, vor der Zerstörung der eigenen Zukunft und lebenswerten Welt. Bis jetzt hat es keine Jugendkultur geschafft, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Der Konsumterror ist mittlerweile zu absolut, um sich ihm entziehen zu können.

    „Mit 30 gestorben, mit 70 begraben“

    Coupland hat einen großartigen Roman geschrieben, der in kleinen Geschichten des Alltags, die Wünsche und Träume, die Ängste und Hoffnungen einer ganzen Generation, schon fast aller jungen Generationen beschreibt.

    Der Trend der 70er, 80er und 90er Jahre hat sich in den 2000ern nur fortgesetzt. Während in den 90ern der Spiegel noch vor dem globalen Turbokapitalismus warnte, ist heute der ausbeuterische Wachstum vermeintlich alternativlos. Generation X ist natürlich für die in den 70er Geborenen Pflichtlektüre. Aber auch für alle anderen ist es großartige Literatur und Zeitgeschichte. Mut macht es hingegen nicht unbedingt.

    Einzig die Übersetzung ist an einigen Stellen nicht immer gelungen und erinnert im Bereich der Jugendsprache oft an den heutigen Google Translator. Aber irgendwas zu meckern, ist ja immer. Diese Jugend.

  8. Cover des Buches Neununddreißigneunzig (ISBN: 9783492970952)
    Frédéric Beigbeder

    Neununddreißigneunzig

    (229)
    Aktuelle Rezension von: Schnick

    Ich habe nach der Hälfte abgebrochen, weil mir der Roman zu blöd war. Sicher, Autor Frédéric Beigbeder spricht einige interessante Punkte an, aber seine Kapitalismuskritik ist so grob gestrickt, dass es fast schon an Beleidigung grenzt. 

    Abgesehen davon ist die Geschichte selbst stumpf, vorhersehbar und viel zu bemüht. Da hält sich jemand für oberschlau, ist es aber nicht und muss daher mit Allgemeinplätzen aufwarten. Keine Ahnung, ob die anderen Bücher Beigbeders besser sind; mich erschreckt momentan, dass es überhaupt noch weitere Veröffentlichungen von ihm gibt, denn in meiner Wahrnehmung ist er ein Blender. 

  9. Cover des Buches Hotel Cartagena (ISBN: 9783518471548)
    Simone Buchholz

    Hotel Cartagena

    (68)
    Aktuelle Rezension von: MichisBuecherDingsBums

    Zack ahoi, das ist mein vierter Kriminalroman von Simone Buchholz im Suhrkamp Verlag. Was soll ich sagen? Spektakulär klasse!

    Simone Buchholz hat so eine ganz eigene Art und Weise der verehrten Leseschaft die Hamburger Halbwelt zu vermitteln, man mag es und geniest es oder man lässt es lieber sein, Die Story fügt sich mal wieder aus zwei Handlungen in unterschiedlichen Zeitebenen zusammen. Zum einen wird man unweigerlich in die Halbwelt des internationalen Drogenschmuggels eingeführt und sitzt quasi im Hawaihemd auf einer tickenden Bombe, zum anderen fesselt ein die Gegenwart in einer Hamburger Bar zusammen mit Gleichgesinnten und den irren Geiselnehmern. Auch hier macht es letztendlich ordentlich BUUUM! Es bleibt in dieser bizarren Situation genügend Zeit um so einige Charaktere, wenn nicht schon bereits mehrmal geschehen, ordentlich abzuarbeiten. Wieder eine klare Leseempfehlung, für den der Lust hat, sich auf den Wahnsinn einzulassen. Es wird hamburgisch gesprochen im Klartext und es richt nach Hafen...


  10. Cover des Buches Das Känguru-Manifest (ISBN: B005I5EF6C)
    Marc-Uwe Kling

    Das Känguru-Manifest

    (253)
    Aktuelle Rezension von: Henri3tt3

    Erstaunlich, dass dieses (Hör-)Buch schon so alt ist. Die Themen sind entweder zeitlos oder wieder oder immer noch aktuell, z.B. die Frage, wofür die Abkürzung CDU steht. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Dafür kann man sich aber wunderbar kichernd und gackernd auf dem Boden wälzen z.B. über die falsch zugeordneten Zitate, den Wettbewerb mit den unerkannten Beleidigungen und die Halt-mal-kurz-Falle. Ich hatte großen Spaß.

  11. Cover des Buches Herr der Gespenster (ISBN: 9783446256736)
  12. Cover des Buches Die Schulter des Riesen (ISBN: 9783744893435)
    Raffael Rauhenberg

    Die Schulter des Riesen

    (26)
    Aktuelle Rezension von: dicketilla
    Gregor Bach, Silberschmied,34 Jahre.

    Eine einzige Unbeherrschtheit gab den Auslöser, der nichts mehr mit seinem unbeschwerten, sorglosen Leben gemein hatte. Doch wenig später musste er dieses Vorgehen teuer bezahlen - und jetzt durchlebte er das Leben derjenigen, die er doch einst so verachtete.

    "Sein altes Leben... Damals hatte er für seinen Wohlstand gearbeitet, nun arbeitete er an seiner Armut." (S.139)

    Es ist schon verstörend, wie schnell ein Mensch in eine ausweglose Situation, teilweise unverschuldet, gelangen kann. Wie das Labyrinth der behördlichen Unbegreiflichkeiten, ein Entkommen unmöglich machen. Sicher hat Gregor in manchen Momenten falsch gehandelt, aber wie sollte man ihm einen Vorwurf machen, in dieser surrealen Welt.
    Der Leser begibt sich mit ihm auf den Weg nach einem warmen Schlafplatz, landet in der Gruft, die ihren Namen zurecht trägt. Bettelt um einige Münzen, um sich sein Schließfach und einen Bissen leisten zu können. Sieht die verachtenden Blicke, die Scham, wie er sich vor seinen Kindern verbirgt.
    Aber dennoch verlor Gregor nicht seinen Blick für das Böse, den Dealern, die den Verfall von Menschen in Kauf nahmen, die Perversen, die sich an Jugendlichen, Kindern vergingen.
    So sieht er ein Ziel, dem jungen Ricky beizustehen, ihm einen Ausweg zu zeigen.

    Die Geschichte spielt in einer fiktiven Stadt in Deutschland, wird als eine Geschichte der Gegenwart geschildert.Und diese Gegenwart lauert bereits vor unseren Türen, ist in unseren Städten präsent. Mich hat diese Geschichte sehr erschüttert, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der die Kluften mehr und mehr auseinander driften.
    Raffael Rauhenberg baut seine Gesellschaftskritik geschickt in die Handlung ein. Seine Wortwahl präzise, mit einer Genauigkeit, die Bilder entstehen läßt, die man eigentlich nicht sehen mag, Gerüche denen man entfliehen möchte. Menschen formt, die selbst in ihrer abgrundtiefen Verachtung, dennoch ein wichtiger Teil der Handlung werden. Selbst in dieser Trostlosigkeit etwas wie Sorge, Freundschaft erblühen läßt. Er fordert den Leser auf sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, hinzusehen, was da so schief läuft. Eine Hand, die sich uns entgegenstreckt, oftmals keine andere Wahl hat, geschweige bekommt.
    Die Aroganz derer, die sich  im Schoße des Wohlstands befinden, sich dessen ganzen Ausmasses des Elends nicht bewusst sind, ihre Verachtung nach außen tragen.

    Ich kann dieses Buch nur jedem Leser empfehlen, sich dem Umstand seines eigenen Lebens bewusst zu sein. In einer Welt, in der Konsum immer mehr im Vordergrund zu stehen scheint, Altersarmut droht, Mieten unerschwinglich werden, man sich nie um seiner Sicherheit sicher sein kann, seine Werte zu überdenken, Menschlichkeit zu bewahren, auch denen gegenüber, die schon ganz unten angekommen zu scheinen.

    Es ist nur ein Buch, ein Buch mit einer Geschichte, aber die dennoch weiß den Leser zu erreichen, ihn nie in solch eine Situation gelangen läßt. Im wahren Leben ein Netzt gespannt wird, dass uns davor bewahren möge.

  13. Cover des Buches Ändere die Welt! (ISBN: 9783328100300)
    Jean Ziegler

    Ändere die Welt!

    (10)
    Aktuelle Rezension von: katze102
    Jean Ziegler, Soziologe, emiritierter Professor der Universität Genf, ehemaliger Abgeordneter im Eidgenössischen Parlament und noch so vieles mehr, schildert aus seinen Erkenntnissen und Erlebnissen der letzten Jahrzehnte und Lehrmeinungen / Theorien vieler Jahrhunderte. Beleuchtet werden viele Aspekte, z.B. der Tauschwert des eigenen Lebens oder der Arbeitskraft, die Entäußerung aller sozialer und individueller Freiheiten, beschleunigte Akkumulation und die kontinuierliche Profitmaximierung u.v.m. in den Kapiteln „ Was nützt ein Intellektueller?“, „Die Ungleichheit zwischen den Menschen“, „Die Irrwege der Ideologien“, „Wissenschaft und Ideologie“, „Die Ketten in unseren Köpfen“, „Der Staat“, „Die Nation“, „Wie entsteht und entwickelt sich die Gesellschaft?“, „Die Völker des Schweigens“, „Die Bruderschaft der Nacht“ und zum Schluß „Auf welcher Seite stehst Du?“.

    Ich halte es für nahezu unmöglich, den Inhalt des Buches zusammenzufassen, denn die Informationen darin finde ich äußerst komprimiert; es häufen sich sehr viele Zitate und Schlagwörter. Streckenweise fand ich es sehr anstrengend, konzentriert zu lesen, denn diese Fülle hat mich schon etwas „erschlagen“ und außerdem habe ich manchmal den roten Faden verloren. Im Gegensatz zu seinen früheren Büchern enthält dieses relativ viele philosophisch-theoretische Elemente; obwohl es sehr interessant zu lesen war, fand ich einen Aspekt zu schwach ausgeleuchtet: Es ist schön zu wissen, warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen, aber sehr ich hätte mir Konkreteres gewünscht, wie ich denn die Welt verändern kann.
  14. Cover des Buches Skandinavisches Viertel (ISBN: 9783608981377)
    Torsten Schulz

    Skandinavisches Viertel

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Nil

    Ostberlin, eine Kindheit im Prenzlauer Berg und heute immer noch da als alter Nostalgiker und wie es so schön auf dem Klappentext heißt: Anti-Gentrifizierer.

    So könnte man diesen Roman über einen Mann, der unbedarft, nicht sehr wahrheitsliebend durchs Leben geht und doch immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wird, zusammenfassen. Wir begleiten Matthias Weber in seinem Makler-Alltag sowie in Rückblenden in seine Kindheit und Jugend. Aber das würde diesem Buch nicht gerecht werden. Torsten Schulz schreibt hier nicht zitatreif, aber angenehm niveauvoll. Er schafft es die Kinder- und Jugendjahre so absolut skurril und auch komisch darzustellen, obwohl es im Roman in der Summe 5 Beerdigungen gibt! Das muss man erst mal schreiben können.

    Ein Buch, dass mir Augenringe bescherte, da es mir schwer fiel es aus der Hand zulegen und das nicht der Spannung wegen sondern weil die Prosa so klangvoll ist. Der Autor, Torsten Schulz, vorrangig Drehbuchschreiber gibt das Geschehen eher narrativ wieder als mittels wörtlicher Rede. Unerwartet, aber gelungen.

     

    Der Aufhänger des Romans „Das skandinavische Viertel“ ist Matthias Hirngespinst, das sich als roter Faden durch den Roman zieht. Er benennt als Kind für sich einfach ein paar Straßenzüge gedanklich im Prenzlauer Berg um, wie eine Flucht im Kleinen aus dem einengenden DDR-Leben.

    Die Rückblenden in diese DDR-Zeiten haben mich in der Tat an den Buchpreisträger 2011  Eugen Ruge mit seinem Werk ‚In Zeiten des abnehmenden Lichts‘ erinnert und auch an ‚Sonnenallee‘ von Thomas Brussig. Gefühlt spielt der Roman aber mehr in der Gegenwart als in der Vergangenheit, wobei natürlich die Vergangenheit die Gegenwart bedingt.

     

    Fazit: Wer gerne den Eugen Ruge ‚In Zeiten des abnehmenden Lichts‘ gelesen hat, könnte auch an diesem Werk Gefallen finden. Es ist eine Melange aus Coming-Of-Age & Midlife Crisis und großer Bewältigungsaufgabe des einsamen Protagonisten.

  15. Cover des Buches Radikal mutig (ISBN: 9783867895118)
    Hanna Poddig

    Radikal mutig

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Frau Poddig schreibt über ihr widerspenstiges, freies Leben und es ist eine Freude, alles mitzuerleben. Ich wußte zB bisher nicht, wie sich Castorgegner fühlen und daß es (angeblich) so ist, daß die eingesetzten Polizisten nur so lange freundlich bleiben, soweit die Kameras vor Ort sind. Und wie fühlt man sich, wenn man an ein Schienenstück zwecks Blockade gebunden ist? Informative Einblicke neben einem flammendem Appell zu einem bewußteren und gesünderen leben. Und zusätzlich bietet das Buch an einigen Stellen die Möglichkeit, sich selbst zu hinterfragen, ob man im eigenen voll durchkalkulierten Tagesablauf nicht doch Möglichkeiten hätte, das Richtige zu tun und dagegen zu sein? Angesichts von Trump Gauland usw wünscht man sich natürlich eine Neuauflage, bis dahin sei das Buch allen allen empfohlen.
  16. Cover des Buches Warum die Sache schiefgeht (ISBN: 9783442158676)
    Karen Duve

    Warum die Sache schiefgeht

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Karen Duve schreibt sich dir ganze Wut von der Seele, wie wir von engstirnigen und machtbesessenen MÄNNERN in die globale Krise getrieben wurden, von den gleichen Typen, die seit 5000 Jahren das Sagen haben und wegen denen es jetzt 2 vor 12 auf der Weltuntergangsuhr ist. Sie nennt die Probleme beim Namen (gefühllose, dressierte Entscheidungsträger, die beratungsreistent sind und selbst jetzt vor dem abzusehenden Untergang nicht bereit sind, zu tun, was jetzt unbedingt getan werden muß. Allen Entscheidungsträgern landauf landab sei das Buch vor die Stirn getackert, aber Frau Duve sieht die Rettung ja auch nur in einer Revolution, selbst die Vereinten Nationen scheinen eine Nummer zu klein für das Anliegen zu sein. Das Buch zur rechten Zeit.
  17. Cover des Buches Abgründe (ISBN: 9783404189199)
    Arnaldur Indriðason

    Abgründe

    (97)
    Aktuelle Rezension von: Chiarra

    Bei dieser Krimiserie des Autors gefällt mir persönlich sehr, dass die Bücher der Serie aus den unterschiedlichen Perspektiven der Ermittler erzählt wird. Als "Serienkrimi-Fan" erfährt man so in den einzelnen Krimis immer eine Menge zu dieser jeweiligen Person. Hier ist Erlendur weiterhin im Urlaub und es geht hauptsächlich um Sigurdur Oli.

    Aufgrund des hohen Spannungsbogen habe ich das Buch fast ein einem Rutsch gelesen. Bin schon neugierig auf das nächste Buch der Serie!

    Gelesen und bewertet 24.09.2022

  18. Cover des Buches Junktown (ISBN: 9783453318212)
    Matthias Oden

    Junktown

    (49)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf.

    Mit der Synthese von Technologie, Biologie, Pharmazeutik und totalitärer Politik macht (...) Matthias Oden sein dystopisches Gesellschaftspanorama zu einem einzigartigen Mix.

  19. Cover des Buches Der Zug nach Erlingen oder Die Verwandlung Gottes (ISBN: 9783875363333)
    Boualem Sansal

    Der Zug nach Erlingen oder Die Verwandlung Gottes

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Dr_M

    Vielleicht hat Boualem Sansal selbst gemerkt, dass ihm dieses Buch nicht besonders gelungen ist. Denn er fügt am Ende des Prologs eine Warnung ein: „Die Konstruktion dieses Romans entfernt sich beträchtlich vom gewohnten Rahmen einer Romanerzählung und mag verwirren, doch so ist der Weg der Wahrheit: wohl geeignet, uns in die Irre zu führen.“ Was für ein Unsinn, denn das Buch ist nicht der Weg der Wahrheit, sondern das Werk des Autors.

    Nun wissen wir ja schon aus der Schule, dass uns Kunst immer erklärt werden muss, weil wir zu blöd sind, um sie zu verstehen. Manchmal mag das sogar so sein. Vielleicht verstehen wir den historischen Kontext nicht, in dem manches Werk entstand. Oder uns ist die persönliche Situation des Künstlers nicht geläufig.

    Dieser Roman stammt jedoch im Original aus dem Jahr 2018. Wer Lust auf kryptische Formulierungen oder eine unverständliche Geschichte hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. Man kann in die Handlung, sofern man sie durchschaut, alles Mögliche hineindeuten. Der Autor jedenfalls gibt dafür genügend Anlass. Ich habe jedoch keine Lust mich daran zu beteiligen. Mich hat die Lektüre schon genug angestrengt.

    Gewöhnlich vermeide ich es, den Inhalt eines Buches zu sehr zu verraten. Doch in diesem Fall nimmt eine gewisse Vorschau keineswegs die nicht vorhandene Spannung. Vielleicht trägt sie sogar dazu bei, dass zukünftige Leser den nutzlos kompliziert gemachten geistigen Ausfluss Sansals überhaupt ertragen können.

    Die eigentlich zentrale Figur in diesem Buch heißt Elisabeth Potier. Sie wird in Paris Opfer eines offenbar muslimischen Übergriffs in der Metro. Wenig später verstirbt sie. Das aber erfährt der Leser erst nach der Hälfte des Textes. Vorher dominiert eine ganz andere Geschichte, die absurd und sonderbar ist. Sie spielt in Erlingen, einer fiktiven Kleinstadt in Deutschland. Und Erlingen wird lokal von irgendwelchen Invasoren bedroht, die nicht näher klassifiziert werden. Sie wollen, dass sich die Erlinger ihrem Gott unterwerfen. Neben dem religiösen Extremismus wird es später noch um andere ähnlich brisante Themen gehen. Etwa um die Unvernunft und Feigheit der modernen europäischen Eliten. Obwohl diese merkwürdige Geschichte in der Gegenwart oder nahen Zukunft spielt, bleibt sie sehr nebulös. Aus dem umzingelten Erlingen soll ein Zug die Einwohner hinausbefördern. In Erlingen hofft auch die schwerreiche Ute von Ebert auf den Zug. Zwischenzeitlich schreibt sie Briefe nach Paris an ihre Tochter Hannah, obwohl die Post schon lange nicht mehr funktioniert.

    Elisabeth Potier war bis zu ihrer verhängnisvollen Rückkehr nach Paris Französischlehrerin in einer reichen Bremer Familie. Die Vorfahren dieser Familie wanderten im 19. Jahrhundert von Bremerhaven nach Amerika aus. Und an dieser Stelle erst, sehr spät im Roman, verknüpfen sich die beiden scheinbaren Handelsstränge, denn die Vorfahren des von-Ebert-Clans waren auf demselben Schiff. Und auch sie wurden nach ihrer Migration in die neue Welt schwer reich. Tatsächlich aber ist der gesamte erste Teil, also die seltsame Erlingen-Story ein nicht vollendeter Roman der Elisabeth Potier. Also gewissermaßen ein Roman im Roman.

    Diese komplizierte und hinreichend verwirrende Konstruktion, die man - wenn überhaupt – erst am Ende durchschaut, gibt Sansal die Möglichkeit, immer wieder zwischen vielen verschiedenen Epochen und Orten wild hin und her zu springen. Offenbar wollte er seinen Lesern irgendetwas über das Phänomen der Migration mitteilen. Was das genau sein soll, hat sich mir nicht enthüllt.

    Wer verwirrende Bücher schreibt, kann oder will nicht klar denken. Oder muss man etwa davon ausgehen, dass Sansal seine Leser zum Nachdenken und Grübeln anregen wollte? Wenn das so ist, was hat das für einen Sinn, wenn sich trotz Bemühungen keiner ergibt? Sicher ist ein Roman keine wissenschaftliche Erklärung mit besonderer didaktischer Klarheit. Und natürlich möchte kein Autor alles offenbaren, was er sich bei seiner Geschichte gedacht hat. Schließlich soll auch die Phantasie der Leser geweckt werden. Doch was Sansal hier abliefert, ist einfach nur wirr.

    Wenn man sich einer freiwillig einer intellektuellen Herausforderung stellen möchte, die keine wirklichen Erkenntnisse zutage fördert, dann kann man sich diesen Roman gerne antun.

  20. Cover des Buches Glänzende Aussichten - 99 Karikaturen zu Klima, Konsum und anderen Katastrophen (ISBN: 9783931432362)
    Bischöfliches Hilfswerk Misereor

    Glänzende Aussichten - 99 Karikaturen zu Klima, Konsum und anderen Katastrophen

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Karikaturen zum Thema Klimawandel, Flüchtlingselend und Co., die allen Politikern und Wirtschaftsbonzen zur Pflichtlektüre gemacht werden sollten. Wofür haben wir die Europäische Union und deutsche Politiker, wenn sie so was zulassen und es seit Erscheinen des Buches eher noch schlimmer geworden ist (zB was Überschwemmungen in Europa oder Waldbrände in Kaliforniern angeht). Das Lachen bleibt im Halse stecken, besonders bei den auffälligsten Unmenschlichkeiten wie dem Umgang mit Flüchtlingen. Aber was das Konsumverhalten angeht, fühlt man sich doch ertappt und einen Spiegel vorgehalten, wie der vor kurzem verstorbene Photograph Sebastiao Salgado in einem Interview sagte, daß man nicht nach Politik und Konzernen rufen müsse, wir alle würden viel zu viel konsumieren.

  21. Cover des Buches Die Liebe Geld (ISBN: 9783442491971)
    Daniel Glattauer

    Die Liebe Geld

    (49)
    Aktuelle Rezension von: Michael_Blum

    Mal wieder einen 'kurzen' Glattauer gelesen. angefixt seit 'Gut gegen Nordwind'. Wo hat dieser Autor bloß immer seine Ideen her? Auch in "Die Liebe Geld" - ein Theater auf 108 Seiten; kafkaesk, humorvoll und klug überzeichnet. Im Nachgang ist man fast selbst davon überzeugt, seiner Bank ("Vertrauen ist der Anfang von allem" - so der Claim einer Bank, ein Claim wie der vieler anderer Banken auch) sein gesamtes Geld zu überlassen, weil die dann für einen das Leben übernehmen... ein wunderbares Bild, wie ich finde, weil: So läuft's. Mehr kann man eigentlich nicht verraten, ohne den Genuss dieses Büchleins zu schmälern. Und - wunderbare Dialoge: Kommunikation als Mittel der Verführung. 

  22. Cover des Buches Alkatar (ISBN: 9781533142801)
    Anja Fahrner

    Alkatar

    (22)
    Aktuelle Rezension von: pinkdinoprincess

    Inhalt: In einer gar nicht so weit entfernten Zukunft ist die Erde verseucht. Eine Gruppe Freiwilliger wird auserkoren, einen neuen Planeten besiedeln zu dürfen, unter der Aufsicht des Interplanetaren Bundes und Heerführers Alkatar. Sie sollen lernen, sich selbst genug zu sein und nicht nach höherer Macht zu streben. Unter ihnen ist die junge Frau Stefa, welche gemeinsam mit ihrem Bruder und dessen Freundin aufgebrochen ist. Stefa bewundert den ehemaligen Heerführer und malt sich eine gemeinsame Zukunft mit ihm aus, doch er scheint unerreichbar. Kann es eine Zukunft für die kleine Gruppe geben? 

    Fazit: Ich muss sagen, dass sich Science Fiction eigentlich außerhalb meiner Komfortzone befindet. Doch ich hatte mir das Buch einmal während einer Gratis-Aktion gesichert und wollte es nun endlich lesen. Was ich nicht erwartet habe: Es hat mir gefallen! Die Geschichte war spannend, die von der Autorin geschaffene Welt neuartig und dennoch verständlich. Es gab immer mal wieder größere Zeitsprünge, die aber dazu beigetragen haben, die Spannung aufrechtzuerhalten. So gab es keine unnötigen Füllerkapitel. Alkatar als Persönlichkeit fand ich unglaublich interessant und auch an Stefan konnte ich Gefallen finden. Was ich anmerken möchte: Teile der Geschichte sind vielleicht nichts für ganz schwache Nerven.

    Empfehlung: Tatsächlich ja! Science Fiction trifft den Hauch einer Liebesgeschichte und erschreckende Schicksale. 

  23. Cover des Buches Medizin ohne Moral (ISBN: 9783990254226)
    Erich Freisleben

    Medizin ohne Moral

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Oliver Uschmann

    Ich habe dieses Buch zwei Jahre lang als Privatlektor begleitet und für den Autor den Verlag in Österreich aufgetan, der noch von einem Verleger mit Herz und Passion betrieben wird. "Medizin ohne Moral" kann dazu beitragen, die Risse zu heilen, die generell und in der Corona-Krise umso mehr durch das Land und sogar durch Familien und Freunschaften gehen. Es zeigt, dass man die Entwicklung des Gesundheitssystems hart kritisieren kann, ohne deswegen gleich numinose Verschwörungsnarrative zu eröffnen. Es zeigt, dass man Schulmedizin und Alternativmedizin vereinen kann, ohne entweder ein reiner Materialist oder ein reiner Spiritueller zu sein.

    Mit einem Füllhorn an Details, aber zugleich mit klarer Argumentation und einem spannenden erzählerischen Bogen, kritisiert Erich Freisleben, wie die Medizin, getrieben von Lobbyismus, Ökonomie und einer einseitig "eiskalten" Auslegung von "Wissenschaft", heute immer weniger den Bedürfnissen der Patienten und immer mehr dem unersättlichen Hunger von Big Pharma, Big Data und Big Business dient. Aber Freisleben belässt es nicht beim Kritisieren. Er gibt konkrete Hinweise auf den seelischen Grund vieler Krankheiten, die man auf sich selbst anwenden kann. Spitze, im Grunde amüsante Anekdoten über die Bigotterie der Pharma-Lobbyisten, die privat Naturheilkunde in Anspruch nehmen. Herzenswarme Beispielgeschichten. Aber auch dann wieder eine messerscharfe Kulturkritik, die auf eine hammerharte Pointe hinausläuft und die das Buch sogar lesbar für jene macht, die heutige Philosophen wie Hartmut Rosa oder damalige wie Günther Anders lesen.

    Das Buch fordert und inspiriert, kann immer wieder aus verschiedenen Gründen zur Hand genommen werden und nimmt das Publikum ernst. 

  24. Cover des Buches Radikale Alternativen (ISBN: 9783962380144)
    Alberto Acosta

    Radikale Alternativen

    (2)
    Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-Pape
    Was noch denkbar wäre neben dem „Kapitalismus“

    Seit dem Zusammenbruch des UDSSR, seit dem Fall der Mauer, ist nicht nur ein (in weiten Teilen menschenverachtendes) System in sich kollabiert, sondern auch eine „Alternative weniger“ gesellschaftlich vorhanden.

    Keine „gute Alternative“, so kann man aus den Fakten der Geschichte heraus sagen, aber immerhin eine Art „Korrektiv“ für den, im Rest der Welt damals, vorherrschenden Kapitalismus. Eine Art Konkurrenz, eine scheinbare Alternative, die zumindest dazu geführt hat, so die Lesart nicht weniger Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, dass der Westen sich ein stückweit „in Acht nahm“ und der Sozialstaat ein wichtiges Thema in der weltweiten politischen Kräfte-Balance darstellte.

    Und nun stellt sich einerseits der Kapitalismus als scheinbar „Alternativlos“ und einziges Wirtschaftssystem dar, zum anderen aber werden die sozialen Verwerfungen mit bedingt durch die einseitige Ausrichtung auf Maximierung des Profits und der Akkumulation des Kapitals deutlicher und deutlicher sichtbar und führen zu mehr und mehr kritischen Stimmen zumindest gegen die gegenwärtige Ausprägung der real- und finanzwirtschaftlichen Ausrichtung der „schönen, neuen Welt“ und deren Folgen.

    Acosta und Brand sammeln in diesem schmalen Band Alternativen. Real existierende Alternativen und Ideen, die, im Verbund, eine Möglichkeit des gesellschaftlichen Zusammenlebens ergeben könnten, die weitaus gerechter in der Verteilung und Nutzung der Ressourcen am Ende daherkommt.

    Hierzu verbinden die beiden Autoren, nach einer differenzierten Hinführung auf das Problem und auf., vor allem, die systemimmanenten Schwierigkeiten, Alternativen zum Kapitalismus zunächst zu denken, dann zu finden und sodann praktikabel darzulegen, zwei Alternativen zu einem gemeinsamen Entwurf.

    Einerseits die „Degrowth-Perspektive“. Der Ansatz zur „Wachstumsrückname“, der zentral kritisch am „Credo des Kapitalismus“ ansetzt, dass „Wachstum zwingend notwendig ist“, um das Wirtschaften an sich und damit „die Welt“ in Gang zu halten. Eine Kritik, die im Übrigen inzwischen auch von führenden Wissenschaftlern aller Fachrichtungen geteilt wird und die rein ökologisch betrachtet offenkundig dahinführt, dass eben soziale Verwerfungen und eine soziale Trennung der Welt Grundvoraussetzung sind. Da der Planet einfach rein rechnerisch schon nicht genügend Ressourcen hervorbringt, um allen Bewohnern des Planeten den gleichen Lebensstil zu ermöglichen.

    Radikal sich abwenden vom Wachstumszwang und hin zur nachhaltigen Wirtschaft mit, natürlich, und daran scheitert bisher vieles, der Notwendigkeit gerade der Bewohner der westlichen Hemisphäre, nicht wenig des eigenen Konsums und der eigenen „Versorgung“ zurückzunehmen.

    Hinzu tritt der „Post-Extraktivismus“ im Buch. Der, das ist der Vorteil, bereits an praktischen, realen Beispielen geschildert werden kann, die zu Zeiten vor allem in Lateinamerika „Schule machten“ (wobei auch dort, leider, die Rückkehr zur Ressourcenausbeutung vielfach wieder im Vormarsch sich befindet). Di im Werk von den beiden Autoren im Nachgang zu den Thesen von Enrique Leff als „neue Produktionsrationalität“ gesetzt wird.

    Beides gemeinsam, Rücknahme und anderes, nachhaltiges, ökologisches Wirtschaften setzen dann die Autoren im Buch überzeugend zu einer, tatsächlich radikal zu nennenden, Alternative dem aktuell herrschenden System des „liberalen Kapitalismus“ entschieden entgegen. Mit überzeugenden Argumenten und einer klaren Vision.

    Es bleibt zu hoffen, dass dieser neue, verbindenden Ansatz weiter Gehör findet und tiefer ausgelotet werden kann, so dass auch zahlenmäßig größere Bereichen der Gesellschaften sich mehr und mehr von einem notwendigen „Umdenken“ inspirieren und überzeugen lassen.

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