Bücher mit dem Tag "kibbuz"

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25 Bücher

  1. Cover des Buches Bühlerhöhe (ISBN: 9783471351260)
    Brigitte Glaser

    Bühlerhöhe

     (148)
    Aktuelle Rezension von: abuelita

    was zur Zeit Adenauers so passierte.

    Rosa Silbermann ist eine deutschstämmige Jüdin. Im Auftrag des israelischen Geheimdienst 1952 reist sie nach Deutschland um ein Attentat auf Bundeskanzler Konrad Adenauer zu verhindern. Da Rosa bereits als Kind im Schwarzwald war und sich dort auskennt, scheint sie gut geeignet dafür. Allerdings hat sie null Erfahrung als Agentin und das Nobelhotel Bühlerhöhe verunsichert sie genauso wie die Tatsache, dass ihr angeblicher Ehemann, der diese Mission leiten soll, erst mal gar nicht ankommt ….

    Die Zeit der damals noch ganz jungen Bundesrepublik beschreibt die Autorin sehr gut. Manche Handlungsstränge aber wären wirklich nicht nötig gewesen und auch die vielen Personen kann der Leser eher mühsam im Blick behalten.

    Mir gefiel es ganz gut, aber die Spannung fehlte. Von daher auch nur 3 Sterne.

     

     

     

  2. Cover des Buches Totengebet (ISBN: 9783442482498)
    Elisabeth Herrmann

    Totengebet

     (67)
    Aktuelle Rezension von: Lesezeichenfee

    Ein Anwalt wacht im Krankenhaus auf und kann sich an fast nichts mehr erinnern, außer an eine schöne junge Frau, die Jüdin ist. Er recherchiert zunächst in Berlin und dann in Israel.

    Von dieser Autorin kannte ich zwar dem Namen nach, aber ich glaube, ich hab noch kein Buch von ihr gelesen. Eigentlich ist es auch nicht mein Thema, aber auf der anderen Seite finde ich Amnesie oder Teilamnesie immer sehr spannend. So habe ich mich auf das Buch, das ich irgendwo ertauscht oder im Second Hand Shop gekauft hatte eingelassen. Es hielt mich von Anfang an gefangen. Auch die Charaktere fand ich sehr interessant und echt, ich hätte nie herausgefunden, wer jetzt der Mörder war. Dabei haben – wenn ich so nachdenke – doch einige Leute den Mörder nicht gemocht. Nun ja, wie dem auch sei. Der Anfang war für mich sehr spannend, die Mitte sehr interessant, weniger spannend und der Schluss wieder spannend mit Highlights. Es ist wohl der 5. Fall einer Serie, wie ich im Internet lesen konnte.

    Also das Buch war wirklich gut, aber am Ende hätte ich dann noch einige Fragen gehabt und ein Buch mit 438 Seiten (ohne Danksagung und Glossar) sollte – meiner Meinung nach – keine Fragen offen lassen. Die Bücher, die ich lese haben normalerweise um die 300 Seiten. Außerdem war das ganze dann doch etwas verwirrend. Zudem kannte ich ja noch keinen Charakter des Buches. Und ich denke, dass das irgendwie mehr so was wie eine Familientragödie war und eher weniger ein Krimi. Ein Thema mit dem ich sonst nichts anfangen kann und trotzdem hab ich das Buch, in etwas weniger als einer Woche, ausgelesen und fand es spannend. Nur, dass da Fragen offen blieben, fand ich sehr schade.

    Ich hab mir bei LB die Rezis angesehen, damit ich mich ein wenig über die Serie informieren konnte. Und da las ich, mit größtem Erstaunen - dass das das wohl der schlechteste Teil der Serie war (bis 2016, denn ich vermute, es gibt weitere Teile). Nun ja, dann brauch ich unbedingt weitere Bücher, denn wenn mich etwas fesselt, was mich sonst niemals interessieren würde, dann muss die Autorin wirklich gut sein.

    Mein – Lesezeichenfees – Fazit:
    Ich werde auf jeden Fall weitere Bücher der Autorin lesen. Es gab bei mir zwar kleinere Kritikpunkte, trotzdem werde ich das Buch mit 4 Sternen empfehlen.

  3. Cover des Buches Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (ISBN: 9783518467268)
    Amos Oz

    Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

     (107)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Eigentlich hatte ich nie vor, dieses Buch zu lesen. Schlussendlich tat ich es trotzdem und zwar für die Weltreise-Challenge. Also liess ich mich von Amos Oz durch Jerusalem und seine Geschichte führen. Es war kein Flop, obwohl ich mich doch etwas durch das Buch quälen musste, und das ist schon mal nicht schlecht.

    Grundsätzlich bin ich nun froh, sagen zu können, dass ich ein Buch von Amos Oz gelesen habe. Dazu auch noch sein wohl bekanntestes. Am meisten gefielen mir die einzelnen Passagen, in denen es um die Literatur und Amos' intellektuelle Familie ging. Also vor allem der Anfang hat es mir doch sehr angetan.

    Doch schlussendlich hat sich das Buch für mich zu sehr verzweigt, aber damit hatte ich schon gerechnet. Vielleicht war meine Lektüre somit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wobei ich wie schon gesagt, vom Anfang sehr begeistert war. Aber mit der Zeit liess meine Faszination merklich nach und ich blieb eigentlich nur wegen ein bisschen Faktenwissen und der Challenge dabei.

    Sprachlich bewegt sich Oz auf einem Niveau, das seinem Ruf gerecht wird. Ein präziser Schriftsteller, sehr begabt, ein Talent, welches aus seinem familiären Umfeld gewachsen ist. Wer in eine solch akademische Familie hineingeboren wird, dem liegt das Spielen mit den Worten wahrscheinlich im Blut. Dennoch war es ermutigend zu erfahren, dass auch jemand wie ein Amos Oz Mühe hatte. Deshalb war es auch wieder das Ende, das mich nach längerer Durststrecke wieder mitnahm.

    Ich bin froh, dass ich das Buch durch habe. Trotz meines Mühsals war die Lektüre nicht vergebens. Viele schöne Textzeilen warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Ausserdem habe ich einiges über die Geschichte Jerusalems und Israels lernen können. Kein Buch ist vergebens und dieses schon gar nicht.

    Bücher wie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" tun gut, auch wenn man sich durch sie durchkämpft. Auch dann, wenn man die Handlungen der Figuren nicht versteht. Nicht versteht, wie sie oft nicht zufrieden sein können, wenn sie doch ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber jeder kämpft mit seinen Geistern, auch das lehrt uns Oz. Manchmal sind sie auch zu stark, dies zeigt das prägende Erlebnis des Todes der Mutter, das an unterschiedlichen Stellen thematisiert wird.

    Ein eindrückliches Buch mit starkem Charakter. Ein Buch, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt, trotz aller Unwirtlichkeiten. Deshalb prädestiniert wie kein zweites, um Israel zu repräsentieren.
  4. Cover des Buches Zorn der Lämmer (ISBN: 9783839228715)
    Daniel Wehnhardt

    Zorn der Lämmer

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Simply_Another_Bookaholic

    In "Zorn der Lämmer" beschreibt Autor Daniel Wehnhardt wie eine jüdische Rächergruppe um den Partisanenführer Abba Kovner entsteht.

    Im beschulichen Wilna, dem heutigen Vilnius in Litauen, entsteht mitten im zweiten Weltkrieg ein Ghetto. Leid, Hunger und Unterdrückung schweben alseits präsent über den dortigen Bewohnern.

    Abba Kovner alsbald zum Anführer der Wilnauer Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer und führt die Gruppe Bewaffneter und Schutz suchender in die Wälder rund um Wilna.

    Wehnhardts Debüt im Gmeiner-Verlag erschien im April 2021 und ist einfach atemberaubend gut verfasst.

    Der Aufbau ist klar strukturiert. Man wird praktisch durch die Jahre des Krieges an der Hand genommen, während die Grausamkeiten, die Verzweiflung und die Brutalität der 40er Jahre keineswegs verschleiert, sondern mit aller Klarheit offen thematisiert werden.

    Der Wald rund um Wilna ist zwar der zentrale Ort des Geschehens, aber auch das heutige Israel stellt ein immer wieder aufkommendes Thema dar.

    Direkt ab der ersten Seite war ich von der Geschichte gefesselt! Ein einnehmender Schreistil, detailreiche Sprache, politische Referenzen und zum Nachdenken anregende Dialoge machen es einem einfach sich in die Protagonisten hineinzuversetzen.

    Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

  5. Cover des Buches Exodus (ISBN: 9783453138346)
    Leon Uris

    Exodus

     (113)
    Aktuelle Rezension von: Aaron_Aebi

    Leon Uris versteht es, die Geschichte des modernen Israel greifbar zu machen. Er flicht fiktive Held*innen in wahre geschichtliche Begebenheiten ein. Zwar mag genau dort die Gefahr des Buches lauern: in den verschwimmenden Grenzen von Wahrheit und Fiktion, doch lässt es nichtsdestotrotz einen wertvollen Einblick in die Jahre vor und nach 1948 zu. Die Perspektive ist klar eine jüdische, die Anliegen ebenso, Widersacher sind Engländer und die lokale arabische Bevölkerung. In den Auseinandersetzungen, Ungerechtigkeiten und Nöten beschönigt Uris nichts, ebenso wenig mangelt es an Menschlichkeit.

  6. Cover des Buches Morgenland (ISBN: 9783453419902)
    Stephan Abarbanell

    Morgenland

     (44)
    Aktuelle Rezension von: StefanieFreigericht

    Fast inhaliert habe ich dieses Buch über die Zeit, als sowohl die Nachfolgestaaten des Deutschen Reichs als auch Israel noch vor der Gründung standen; man kann es lesen als historischen Roman, gar historischen Krimi, spannend genug finde ich es allemal, ein wenig Liebesgeschichte kommt dazu (nein, KEIN Kitschroman), ein Hauch Agentengeschichte und viel Hintergrundwissen.

    Lilya Wasserfall erhält einen Auftrag: sie soll von Palästina aus nach Deutschland, jetzt, 1946, und recherchieren zu dem vermeintlich in der Zeit des Nationalsozialismus umgekommenen älteren Bruder eines knapp vorher ausgewanderten Schriftstellers. Der hat das Gefühl, dass da etwas nicht stimmen kann an der ihm aufgetischten Geschichte: Warum teilen ihm ausgerechnet die Briten, die im Land verhassten Mandatsträger, die die Einwanderung von Holocaust-Überlebenden zu verhindern trachten, den Tod seines Bruders mit? Und was hat es mit dem seltsamen Lesezeichen auf sich, das ihm zusammen mit einem Buch aus der früheren Bibliothek seines Bruders zugespielt wurde?

    Lilya wurde in Palästina geboren, beide Eltern hatten bereits 1920 von Posen aus die Alyah gemacht, die Rückkehr aus der Diaspora ins Gelobte Land, als Anhänger von Herzls politischem Zionismus, die Tochter selbst ist in der Hagana, von der sie diesen Auftrag erhält, der paramilitärischen Untergrundorganisation während des britischen Mandats (man KANN das Buch auch lesen, ohne hier jeweils nachzuschlagen, doch es empfehlen sich ohne entsprechende Kenntnisse schon vielleicht knappe 10 Minuten Wikipedia, nichts Wildes). Ihre Recherche führt sie nach Großbritannien und quer durch Deutschland. Während sie über den sie faszinierenden David Guggenheim Einblick erhält in die noch weit nach Kriegsende schwierige Lage der überlebenden Juden in Europa, fühlt sie sich zunehmend verfolgt. Noch ahnt sie nicht, welche Konsequenzen sich durch ihre Ermittlungen auch für sie ergeben werden…

    Das Buch lässt sich flott weglesen, ich habe fleißig mit ermittelt und fand es spannend (nein, bitte, KEIN moderner Thriller oder ähnliches), es gab hinlänglich viel zum Nachschlagen und Lernen (mit dringend fälligem Folgebuch), ich mochte das Personal und es gab häufig eine angenehm leise Ironie in den Sätzen, so beim Konzert "...eine Gitarre mit Strom habe ich noch nie zuvor gehört. ich weiß allerdings nicht, ob dieses Experiment eine Zukunft hat. Sie ist so laut." S. 237 Die leichte Schwäche ist bei dem etwas „glatten“ Ende und den doch durchgängig eher  unterstützenden Begegnungen Lilyas (wobei sie zugegeben natürlich  weniger bei früheren Nazis ermittelt, sondern bei überlebenden Juden, Hilfsorganisationen etc.). Definitiv eine Leseempfehlung!

    Folgebuch:
    Leon Uris: „Exodus“ über die Gründung des Staates Israel, die Hagana, die Irgun, die Briten in Palästina. Es ist wirklich viele Jahre her, dass mir eine Freundin das geliehen hat, ich muss es dringend wieder lesen. Auch die Verfilmung mit Paul Newman ist toll, ich meine, man hat nur aus der Abtreibung o.ä. eine Fehlgeburt gemacht?! Irgendetwas war da wohl aus „politscher Korrektheit“…

    Brigitte Glasers „Bühlerhöhe“ wäre ein Tipp für wenig später in der Zeit der jungen Bundesrepublik, etwas stärker in Richtung des Krimis tendierend, um einen zu der Zeit heruntergespielten Attentatsversuch auf Adenauer und was die Staatsgründung Israels damit zu tun haben könnte, mit wesentlich mehr zur deutschen Zivilbevölkerung, von Gewinnlern über Opfer über Unbelehrbare.

  7. Cover des Buches Unter Freunden (ISBN: 9783518465097)
    Amos Oz

    Unter Freunden

     (13)
    Aktuelle Rezension von: HomersEvil

    Amos Oz beschreibt auf eine wunderbare Art und Weise ganz einfache Menschen in einer komplizierten Welt. Menschen in einem Kibbuz. Menschen in Israel, in den 50er Jahren. Umgeben von Feinden, in einem jungen Staat, der seine Rolle in der Welt noch zu finden hat, genau wie seine Bewohner.


    In einem Mikrokosmos, dem des Kibbuzes, beschreibt Oz in acht Erzählungen die Lebensumstände, Gefühle und Gedankenwelten der Bewohner. Die Erzählungen sind dabei aber vollkommen unpolitisch, die Politik, das Land, das junge Gebilde Israel, finden nur ganz am Rande statt. Stattdessen stellt Amos Oz die Menschen in den Vordergrund. Menschen, die ungeachtet der prekären politischen Lage ihre eigenen, ganz privaten Probleme haben und diese zu lösen versuchen, damit scheitern oder erfolgreich und gestärkt hervorgehen.


    Lose zusammenhängend und doch sich in ein ganzes fügend, sind diese acht Geschichten gestaltet. Mit jeder Erzählung fügt sich ein Puzzleteil zusammen und bildet ein Gesamtbild, dass den Leser eintauchen lässt in dieses Leben, das von so unterschiedlichen Lebensentwürfen, Erwartungshaltungen und persönlichen Empfindungen geprägt ist.


    „Sag mir, Joav, was würdest du tun, wenn du dein  ganzes Leben lang jeden Tag mit jemanden zusammensein und jede Nacht neben jemanden schlafen müsstest, der dir zuwider ist. Der dir schon seit Jahren zuwider ist, was er redet, wie er riecht, wie er lacht, wir er sich kratzt, wie er rülpst, wie er hustet, wie er schnarcht, wie er sich in der Nase bohrt. Alles. Was würdest du tun?“ 

                                                                                                  - aus In der Nacht S.131f






  8. Cover des Buches Liebe, Hoffnung, Tod (ISBN: 9783956311765)
    Jochen Rehm

    Liebe, Hoffnung, Tod

     (33)
    Aktuelle Rezension von: Marjuvin
    Klappentext:
    „Sarah,ich bin kein Nazi, wie könnte ich denn auch, wenn die Frau, die ich liebe und mit der ich zusammensein will, Jüdin ist?“ Die Geschichte von Sarah und Ludwig, deren Liebe am politischen Wahnsinn der 30er Jahre zu scheitern droht, ein Buch über Aufbruch und Neuanfang, Entäuschung und Hoffnung.

    Rezension:
    Ich habe sehr lange gebraucht, um das Buch zur Hand zu nehmen, da ich einen biografischen, auf Tatsachen aufgebauten Roman erwartet habe. Ich bin also dem Irrglauben aufgessessen, den ich nun auch in vielen anderen Rezensionen zu diesem Buch entdeckt habe. Mich hingegen hat es Anfangs jedoch positiv überrascht, da es dann weniger "sachlich" war, als ich befürchtet hatte. Bis zur Phase, in denen Lena und Ludwig sich einander nähern, hat mir das Buch ausnehmend gut gefallen, danach hat es leider für mich einiges an Glaubwürdigkeit eingebüßt, ohne es konkret an Einzelheiten festmachen zu können.

    Was ich als störend empfand war, dass in direkten Reden das "Sie" und "Ihren/Ihre" usw. niemals in Großschreibung war. Zuerst dachte ich an einen einmaligen Tippfehler, aber es zieht sich durch. Generell gab es einige Stellen, an denen die Groß- / Kleinschreibung nicht korrekt war. An der Stelle von Romans und Lenas Hochzeit wechselte Lena namentlich zwei mal zu Sarah und wieder zurück, was mich extrem aus dem Lesefluss brachte. Ich blätterte vor und zurück, in der Annahme, dass ich einen Szenenwechsel verpasst hatte.

    Insgesamt empfand ich es durchaus als Lesevergnügen, jedoch mit ein paar Schwächen; insbesondere würde dem Buch ein anderer Titel gut tun.
  9. Cover des Buches Ein anderer Ort (ISBN: 9783866155213)
    Amos Oz

    Ein anderer Ort

     (9)
    Noch keine Rezension vorhanden
  10. Cover des Buches Das Kinderhaus (ISBN: 9783471351819)
    Alice Nelson

    Das Kinderhaus

     (4)
    Aktuelle Rezension von: ulliken

    Das rotbraune Cover zeigt eine junge Frau auf den Stufen vor einem Haus. Darüber lesen wir den Namen der Autorin Alice Nelson und den Titel "DAS KINDERHAUS" in dicken weißen Lettern.


    Ich habe mir etas ganz anderes unter diesem Roman vorgestellt, kann ihn aber dennoch sehr empfehlen. Marina und ihr Bruder sind im Kibbuz, wie es dort üblich ist, getrennt von ihren Eltern aufgewachsen. Sie schliefen im Kinderhaus, körperliche Nähe gab es nicht. Als ihre Mutter beschließt, aus Israel wegzuziehen, ist es jedoch zu spät. Es kommt keine Beziehung mehr zwischen ihnen zustande.


    Marina findet dennoch ihr Glück. Die Professorin heiratet einen Psychiater, der in einer liebevollen jüdischen Familie lebt und sie wird sofort von dieser aufgenommen. Ihr Mann hat bereits einen Sohn, auch mit diesem kommt sie zurecht.

    Eines Tages sieht sie eine Flüchtlingsfrau aus Ruanda mit ihrem ca. 2-3 jährigem Sohn Gabriel, der kein Wort spricht, sondern nur weint oder schreit. Diesen lässt die Frau auf der Straße stehen, ohne Rücksicht, ob er ihr folgen kann. Marina bringt ihn Constance hinterher und will ihnen helfen, sich in New York zurechtzufinden - ohne zu wissen, dass sie dadurch auch ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten muss.

    Der Roman von Alice Nelson spielt mit Zeitsprüngen. Überwiegend sind es nur wenige Jahre von 1997 - 2000, in denen jedoch zusätzlich die Gedanken in die weitere und weite Vergangenheit schweifen. Es ist etwas schwieriger, dem Handlungsstrang zu folgen, ich musste ab und an zurückblättern, um zu sehen, in welcher Zeit wir uns befinden. Das letzte Kapitel hat Gabriel, der Sohn von Constance geschrieben.

    Trotz der Zeitsprünge ist die Handlung fesselnd. Insbesondere die Charaktere der Hauptpersonen Marina und Constance sind einfühlsam dargestellt. 


    Der Roman wurde aus dem australischen Englisch übersetzt von Claudia Feldmann und verlegt bei List

  11. Cover des Buches Der Anfang von etwas Schönem (ISBN: 9783423146302)
    Lizzie Doron

    Der Anfang von etwas Schönem

     (12)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick



    Lizzie Dorons dritter ins Deutsche übersetzte Roman erzählt verfremdet von ihrer Kindheit im Tel Aviver Viertel Yad Elijahu, einem kleinen, aber geschlossen wirkenden Viertel, in das damals fast nur Überlebende der Konzentrationslager zogen.
    Schon in ihrer autobiographischen Novelle "Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?" hat die 1953 geborene Lizzie Doron von Yad Elijahu erzählt, von ihrer prinzipienfesten Mutter, die über ihre Vergangenheit in den Lagern der Nazis wie so viele andere beharrlich schwieg. Doron hat erzählt von den Aufträgen und Botschaften der Mutter, die wollte, dass die Tochter ihr Leben ganz auf die Zukunft ausrichtet. Dass ihre Tochter sich womöglich für ein Leben m Kibbuz entscheiden könnte, war ihr ein schrecklicher Gedanke. Und doch kam es genauso.

    In ihrem Roman "Der Anfang von etwas Schönem" erzählt die Autorin von drei Menschen, die in Yad Elijahu geboren sind und miteinander aufwachsen und deren Lebenswege sich 40 (!) Jahre später wieder kreuzen. Dabei hat sie jeder Figur ein eigenes Kapitel gewidmet, lässt sie jeweils in der Ich-Form erzählen, sich erinnern und die sich langsam bei der Lektüre erschließenden Zusammenhänge zwischen den Lebensgeschichten der drei Menschen schildern.

    Da ist Malinka Zuckmayer, die sich Amalia Ben Ami nennt und seit drei Jahrzehnten allein im Haus ihrer Mutter lebt. Verkaufen kann sie es nicht, denn die Mutter hat verfügt, dass sie zuvor erst heiraten müsse. So lebt sie, mit wechselnden Affären mit verheirateten Männer auch sinnbildlich "im Haus der Mutter" und arbeitet, vorzugsweise nachts, als Moderatorin beim israelischen Armeesender.

    Da ist Gadi. Durch eine Kinderlähmung behindert, wurde der hinkende junge Mann vom Armeedienst befreit. Seit Kindertagen ist er in Malinka verliebt und träumt von einer Hochzeit mit ihr. Um ihn vor der Schande der militärischen Untauglichkeit zu bewahren, organisiert seine Mutter Sarke seine Auswanderung nach Amerika, wo man "kein Brot aus Erinnerungen backt", wie sie sagt. Sarke war mit Etka, Malinkas Mutter zusammen in Auschwitz und sie leben in Yad Elijahu als direkte Nachbarn.

    Gadi wird in Amerika ein erfolgreicher Mann, doch er beginnt sich immer heftiger nach seinem Geburtsort zu sehnen, sehr zum Unwillen seiner Frau Dina, die ihr Judentum verlassen zu haben glaubt, und mit Gadi kontroverse Diskussionen darüber führt, welche Bedeutung Israel für die Juden hat. Er will zurück und mit Amalia leben.

    Und da ist Chesi als dritter im Bunde. Er ist nach Paris gegangen und hat dort als Zeithistoriker Karriere gemacht. Er ist wie besessen von der Idee, dass der Zweite Weltkrieg erst vorbei sei, wenn die Juden bzw. ihre Nachkommen wieder in ihre ursprünglichen Orte in Polen zurückkehren und dort die jüdischen Häuser und Gebetstätten wieder aufbauen. Als er während eines Israelbesuchs Amalias Stimme im Radio hört, die sich mit einen "Schlager aus dem Lager" nämlich dem Lied "Still, still, mein Kind, schweig still, hier wachsen Gräber" von ihren Hörern verabschiedet, trifft er sich mit Amalia. Dieses Lied war die Hymne ihrer Kindheit. Er versucht sie zu überzeugen, dass ihre Begegnung "der Anfang von etwas Schönem" sei, doch sie endet schlussendlich in einem Fiasko, nachdem er sie mit nach Polen zu seinem "Wiederaufbauprojekt" genommen hat.
    Es ist der Umgang mit dem geschichtlichen Erbe, an dem sich in Dorons Büchern entscheidet, ob sich etwas Schönes oder eine versöhnende Idee in einen Schrecken verwandelt oder nicht.

    Dorons Figuren sitzen allesamt wie in einer Falle. So wie sie sie schildert, versucht sie nachzuweisen, dass es keinen "richtigen" Umgang mit dem Gedenken an die Shoa und ihre Opfer geben kann.
    Die zweite Generation, aufgewachsen im auch aggressiv vorgetragenen Schweigen ihrer Eltern, hat für ihr ganzes Leben wirksame Beschädigungen erlitten, weil sie ihr Leben nur verstehen können als Trost für die Eltern. So behutsam zum Beispiel Etka und Sarke miteinander umgehen, so aggressiv und lieblos reagieren alle beide auf die Selbstbehauptungsversuche ihrer Kinder.
    Die suchen so wie Amalia, Chesi und Gadi ihr eigenes Leben und stoßen doch immer wieder auf die Gräber der Vergangenheit: "chweig still, mein Kind, hier wachsen Gräber".

    Lizzie Doron versucht mit ihren Büchern das Schweigen zu brechen. Es gibt niemand sonst, der in der Lage ist, die widerstrebenden Gefühle der Nachkommen der Überlebenden tiefer und schmerzhafter auszuloten. Man spürt der sensiblen und gelungenen Übersetzung Mirjam Presslers ab, welche unsagbare Anstrengung das Schreiben dieser Bücher für Lizzie Doron bedeutet.

    Wie wir wohl die dritte Generation damit umgehen?
    Etwa so wie Jonathan Littel in "Die Wohlgesinnten"?




  12. Cover des Buches Du sollst nicht begehren (ISBN: 9783442442782)
    Batya Gur

    Du sollst nicht begehren

     (36)
    Aktuelle Rezension von: kassandra1010
    Inspektor Ochajon ermittelt in einem Kibbuz. Die Sekretärin des Kibbuz stirbt an einem Penecillin-Schock. Ochajon gibt sich damit nicht zufrieden und ordnet eine Obduktion an. Gift war also die Mordwaffe, doch wer mordet in einem Kibbuz?

    Völlig im dunklen gehen die Ermittlungen nur zäh voran und im Kibbuz selbst erlebt das Team um Ochajon nicht gerade das Zusammenleben, was man als Außenstehender von einem Kibbuz erwartet.

    Hier herrscht Gier, Neid und leider auch soviel Missgunst, dass ein weiterer Mord vielleicht nicht länger auf sich warten lässt.
  13. Cover des Buches Im Schatten der Orangenhaine (ISBN: 9783404921546)
    Eli Amir

    Im Schatten der Orangenhaine

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Totengebet (ISBN: 9783844519242)
    Elisabeth Herrmann

    Totengebet

     (9)
    Aktuelle Rezension von: engineerwife

    Beim ersten Reinhören in dieses Hörbuch dachte ich „Huch, sehr wirr, das wird ein Abbruch!“ aber ich harrte noch ein bisschen aus und siehe da, ich wurde mit einem spannenden und außergewöhnlichen Fall verwöhnt. Auf diese Idee muss man als Autorin erstmal kommen. Als Hörerin habe ich mich nach einer Weile ganz selbstverständlich zwischen Berlin und Tel Aviv bewegt. Beide Orte wurden sehr glaubhaft und lebendig geschildert. Das Buch erzählt eine Geschichte, die weit in Joachim Vernaus Vergangenheit reicht. Eine Geschichte, die er wahrscheinlich schon fast vergessen hatte, doch eine junge Frau will sich mit aller Macht an sie erinnern …

    Joachim Vernau Fans lege ich dieses Hörbuch sehr ans Herz. Gesprochen wird es wieder von dem talentierten Schauspieler und Sprecher Thomas M. Meinhardt, der vielen vielleicht auch durch diverse Tatortrollen bekannt ist. Nun bin ich gespannt, wann und wie es in dieser Reihe weitergehen wird. 

  15. Cover des Buches Der Duft des Sussita (ISBN: 9783446240292)
    Robert Scheer

    Der Duft des Sussita

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962
    Der Autor: Robert Scheer wurde 1973 in
    Rumänien geboren und lebte mit seiner
    Familie ab 1985 in Israel. Er versuchte sich
    als Rockmusiker in London, auch als
    Dolmetscher und als Musikproduzent. Heute
    lebt er seit 1999 in Tübingen und ist nach
    einem Philosophiestudium als Buchhändler
    und auch Schriftsteller tätig. Aber auch
    sonst ist er sehr vielseitig begabt.

    Dieses Buch ist 2012 im Hansa-Verlag
    erschienen.

    In 12 wunderbaren Kurzgeschichten
    berichtet Robert Scheer u. A. über den
    Duft des Sussita. Es handelt sich
    nicht um eine Modemarke oder
    Parfum, nein es ist ein Auto. Über eine
    glückliche Familie, die ihren ersten
    Ausflug mit diesem neuen Auto macht
    und nach dem Essen das Auto nicht
    mehr finden kann. Oder wie ein
    Opernbesuch zum ersten Richard
    Wagner Konzert in Israel bei den
    Israelis ankommt. Ganz besonders
    gefallen hat mir die Geschichte mit
    Lothar Matthäus, der sich in Israel
    als Trainer versucht hat und leider
    den Spieler mit dem falschen Namen
    arrangieren wollte oder die Privatisierung
    der Essenlieferungen an der Front für
    die Soldaten.

    Der Leser bekommt einen hervorragenden
    Einblick in die Lebensweise und auch
    Denkweise der in Israel lebenden Menschen,
    mit all ihren Macken und Eigenarten.
    Sehr amüsant fand ich es.

    Auch hat Robert Scheer so seinen ganz
    eigenen Stil etwas zu erzählen. Durch
    häufige Wiederholungen der Wörter und
    Sätze prägt sich der Text richtig ein.
    Lässt es noch mal Revue passieren, denkt
    darüber nach und ich musste dann auch
    immer mal wieder Dinge nachschlagen
    oder auch Passagen aus der Bibel
    heraussuchen. Habe einiges neues gelernt,
    über die ausgestorbene Gattung der
    Amalekiter und über die geheimnisvollen
    Drusen, die nur noch in einigen wenigen
    Ländern leben.

    Von solchen Geschichten darf es ruhig
    noch mehr geben. 
  16. Cover des Buches Haddsch (ISBN: 9783426610251)
    Leon Uris

    Haddsch

     (20)
    Aktuelle Rezension von: karatekadd
    HADDSCH: Das ist die große Pilgerreise nach Mekka zum Heiligtum des Islam. Jeder, der diese Reise unternimmt, darf sich HADSCHI nennen. Er erfüllt damit eines der Gebote des Islam. Ein anderes lautet ….

    Im Jahre 1925 unternimmt diese Reise Ibrahim al-Sukari al-Wahhabi, Nachkomme der Beduinen vom Stamme der Wahhabiten und seit 1922 Muchtar (Ortsvorsteher) von Tabah, einem Dorf an einer Straße nach Jerusalem. Die Familie zählt sich zu den sayyids, den direkten Nachfahren des Religionsgründers Mohammed, sie sind Sunniten.

    Die wichtigsten Personen im Roman sind Hadschi Ibrahim, sein Sohn Ismael, dessen Schwester Nada und der Jude Gideon Asch. Ismael, der über weite Strecken als Erzähler auftritt, ist Ibrahims Lieblingssohn, er hat sich, wie schon Ibrahim selbst gegen seine älteren Brüder durchgesetzt. Ismael lernt englisch und lesen und schreiben, dies hebt ihn unter den palästinensischen Arabern heraus. Der Vater ist den arabischen und religiösen Traditionen untrennbar verbunden mit einer Ausnahme: Er kann sich den erfolgreichen Taten der seit Jahrzehnten in das Landesinnere einwandernden Juden, der Bildung der Kibbuze und vor allem der erfolgreichen Urbarmachung unwirtlicher Landstriche nicht verschließen. Unweit des arabischen Dorfes Tabah entsteht unter der Leitung des Sabre Gideon ASCH ein Kibbuz. Gideon und Ibrahim treffen sich gelegentlich und besprechen die wenigen Gemeinsamkeiten. Aber werden sie wirklich Freunde?

    Wir erleben beginnend mit dem Jahr 1944 die Geschichte Palästinas. In das Gebiet des heutigen Staates Israel, einschließlich des Gaza-Streifens und des West-Jordan-Landes. wandern immer mehr Juden aus den europäischen Ländern ein, der Beginn des nationalsozialistischen deutschen Regimes verstärkt diese Immigration immer mehr. Es haben schon immer Juden im Lande gelebt aber nun suchen viele weitere, die Ideen des Zionismus aufgreifend und vor dem vernichtenden Terror fliehend, eine endgültige Heimat. Die europäischen Staaten haben im Zuge des ersten Weltkrieges Länder geschaffen wie Syrien, den Libanon und Transjordanien. In mitten dieser arabisch dominierten Welt versuchen die Juden eine Heimat zu schaffen und einen Staat zu gründen. Das Völkerbundmandat zur Verwaltung des Gebietes haben die Engländer. Sie versuchen die massiven Einwanderungen zu verhindern und stellen sich damit gegen die "eigene" Balfour - Deklaration, die 1917 den Juden eine eigene Heimstätte in Palästina gewähren sollte.
    Als die UN ihren Teilungsplan am 29.11.1947 (Resolution 181) durch Abstimmung bestätigt, gehen die Juden an die Staatsgründung. Doch die arabischen Bevölkerungsteile einschließlich der umliegenden Staaten wie Ägypten, Libanon, Syrien, Saudi-Arabien und Transjordanien stimmen nicht zu. Es kommt zu ersten Kampfhandlungen und mit Proklamation des Staates Israel durch David Ben Gurion am 14.05.1948 erklären diese Staaten Israel den Krieg, welcher etwas mehr als ein Jahr bis zu ersten Waffenstillständen dauern wird. Infolge von diesen kommt der Gaza-Streifen zu Ägypten und das Westjordanland einschließlich Ostjerusalem unter die Verwaltung von Transjordanien.

    In dieser Zeit und in den Jahren danach hauptsächlich handelt der Roman von Leon Uris.
    Hadschi Ibrahim, seine Familie und die Familien seines Dorfes müssen ihr Dorf verlassen. Gezwungen und bestochen durch Feinde des Staates Israel. Sie wandern erst in Richtung Jaffa (bei Tel-Aviv) und dann später, nach einem Jahr in den Höhlen bei Qumran am Toten Meer, in ein Flüchtlingslager bei Jericho in der Westbank. Den, Traum, wieder in sein Dorf ziehen zu können, gibt der Hadschi nie auf, er kämpft später sogar auf einer Konferenz in Zürich darum. Aber wird dies gelingen? Gehören diese Palästinenser, als diese sie sich inzwischen bezeichnen, da sie weder als Syrier und Jordanier anerkannt sind, zu den hunderttausend arabischen Palästinensern, die in die nun israelischen Gebiete zurückkehren dürfen?

    Uris zeichnet in seinem Roman erschreckend aktuelle Bilder der Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Arabern. Als Jamil, ein Sohn des Hadschis ermordet und zum Märtyrer "geweiht" wird, erinnern die Zeilen an Bilder der Intifada: Tausende Palästinenser, die unter dem Schrei "Tod den Juden" die Särge oder Leichen ihrer toten Söhne durch die Straßen von Gaza oder Ramallah tragen.

    Aber er zeichnet auch ein Bild der uns so fremden Gebräuche und Sitten der arabischen Familien. Hadschi Ibrahim gelingt, obwohl ziemlich vernünftig gegenüber gesellschaftlichen bzw. eher wirtschaftlichen Fortschritts, der Ausbruch aus jahrhundertealten Traditionen nicht. Die Rolle der Frauen und Mädchen, die sich in ihr Geschick drein findenden Söhne und deren Familien, das unangreifbare Patriarchat werden anschaulich beschrieben. Die Kinder Ismael und Nada werden versuchen, dem zu entfliehen bzw. sich zu widersetzen. Der Stolz, die Tradition sind alles, was sie haben neben ein paar alten Schmuckstücken und reichverzierter Kleidung. Der vergleichsweise reiche Hadschi Ibrahim steht einem Haushalt und einem Dorf vor, gegenüber dem uns jeder gerade im Aufbau begriffene Kibbuz der Juden wie eine luxuriöse Oase vorkommt.

    Als Leser überkam mich gelegentlich das Gefühl, dass Uris entschieden projüdisch schreibt und die alteingesessenen arabischen Palästinenser kulturell und traditionell von vorn herein in einem unguten Licht darstellt. Aber ich glaube auch, dass dem wirklich nicht so ist. Während sein 1958 erschienener Roman EXODUS die jüdischen Einwanderer, deren Geschichte und deren Gründe behandelt, sind es hier die arabischen Menschen, die seit Jahrhunderten in diesen wüstenähnlichen Landstrichen leben. In Ibrahim, Ismael und Nada, deren beider Mutter Hagar, Ibrahims Zweitfrau Ramiza und anderen begegnen uns Menschen, deren Leben wir als Mitteleuropäer überhaupt und über 60 Jahre später sowieso uns orientalisch und rückständig vorkommt: keinerlei Erinnerung an tausendundeine Nacht beim lesen des knapp 600 Seiten dicken Taschenbuches.

    Ob das religiöse Bild und Denken der armen arabischen Massen wirklich so ist, wie Uris dies schildert, vermag ich nicht zu sagen. Aber vermutlich ist das religiös verbrämte Wunschdenken von den sieben Himmeln unter Allah und der im Feuer schmachtenden Ungläubigen tatsächlich verbreitet und war es damals, als nur ganz wenige Kinder (Ismael) eine Schule besuchen konnten noch mehr. Grundlage für die Ausnutzung dieses Volkes durch Leute wie den Juden hassenden Großmufti von Jerusalem.

    Ein solcher Roman liest sich nicht leicht. Der geneigte Leser sollte sich mit Nachschlagewerken wappnen (wiki tuts auch) und gelegentlich nachlesen was es zum Beispiel mit der Balfour - Deklaration 1917 und der Londoner Konferenz 1926 auf sich hat.
    Aber man liest sich auch fest. Von Tabah nach Jaffa, von Jaffa an das Tote Meer, ein Jahr in den Höhlen von Qumran, Jericho, die älteste (?) Stadt der Welt…
    Es ist schon ein Weg durch die Geschichte in einem so kleinem Land, kleiner als Hessen…

    Der Konflikt im Nahen Osten scheint bei gelegentlichen Lichtpunkten am vermeintlichen Ende eines Tunnels fast unlösbar. Die Romane Leon Uris zeigen auf anschauliche Art und Weise warum das so sein könnte. Sie wurden vor 50 und mehr Jahren geschrieben und erscheinen immer noch aktuell. Auch wenn arabische Israelis heute natürlich in ganz anderen Verhältnissen leben als damals, 20 Jahr nach E.T. Lawrence (von Arabien).

    * * *
    Leon URIS (03.08.1924 - 21.06.2003) war der Sohn einer jüdischen Immigrantenfamilie. Er trat den US Marines bei und kämpfte im ersten Weltkrieg. Später war er Korespondent in Israel und diese Tätigkeit brachte die Anregung zu seinem ersten Roman EXODUS (195. Dieser Roman wurde auch sehr erfolgreich verfilmt. Seine Romane behandeln verschiedene Konflikt- und Kriegsherde in der Welt des 20. Jahrhunderts. Juden, Palästinenser und natürlich Palästina bilden dabei immer wieder die Grundlage der Handlungen.

    Leon Uris in wikipedia

    © KaratekaDD
  17. Cover des Buches Leon Uris: Exodus (ISBN: B006HI85JC)

    Leon Uris: Exodus

     (4)
    Aktuelle Rezension von: RobinBook
    Die Geschichte des Schiffes "Exodus" ging damals um die Welt, wenn auch etwas anders als Leon Uris sie hier wiedergibt. Trotzdem stellt dieses Buch eine einzigartige Quelle dar, wenn jemand sich auf unterhaltsame Weise und außerhalb eines Sachbuches über die Entstehung  sowohl des Staates Israel als auch des heute noch Unruhe stiftenden Problems der Palästinenser informieren möchte. Die politischen Fakten stimmen alle, lediglich die meisten der handelnden Personen aus dem Kreis der "kleinen Leute" sind frei erfunden. Ihre Schicksale werden in Rückblenden erzählt und sind realen Schicksalen nachempfunden. Auch der Film mit Eve Marie Saint und Paul Newman ist akzeptabel.
  18. Cover des Buches Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin (ISBN: 9783257245820)
    Thomas Meyer

    Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

     (58)
    Aktuelle Rezension von: FreydisNeheleniaRainersdottir

    Das Weltjudentum existiert tatsächlich. Glaubt ihr nicht? Dann fragt Motti Wolkenbruch. Der ist der Anführer. Ach nee, pssst, darf er ja nicht verraten. Ist streng geheim. 🤫

    Ojojoj, was hat Thomas Meyer da nur wieder zusammen geschrieben? Die Meinungen zu diesem zweiten Roman über den ehemaligen orthodoxen Juden Mordechai Wolkenbruch aus Zürich gehen da sehr weit auseinander. Da ist von "genial" und "schreiend komisch" bis "absoluter Blödsinn" alles dabei. Was ich von dem Buch halte? Ich hab mich gekugelt vor lachen. Voraussetzung beim Lesen dieses zweiten Bandes ist, dass man nicht nur jüdischen Humor sondern auch dunkelschwarzen Humor versteht. Wer zum Lachen in den Keller geht oder moralischer Bedenkenträger ist, wird wahrscheinlich wie das HB-Männlein in die Luft gehen und die nächste empörte Rezension verfassen. Im Prinzip liest sich das Buch, als hätte man Mel Brooks-Filme mit Iron Sky gekreuzt und das ganze auf Papier gedruckt.

    "Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin" beginnt, eigentlich ganz harmlos, da, wo "Wolkenbruchs abenteuerliche Reise in die Arme einer Schickse" aufgehört hat: Motti hockt allein im Hotel, von seinen Eltern verstoßen, weil er sich mit einer Schickse (einer Nichtjüdin) vergnügt hat und auch sonst den orthodoxen Lebensstil seiner Mischpoke nicht weiter ausleben will. Die Schickse hat ihn aber auch fallen lassen und das Leben sieht duster aus. Aber weil Zürich ja auch nur ein größeres Dorf ist, hat sich Motti's Schicksenabenteuer und seine Folgen herumgesprochen und einen Herrn Hirsch auf den Plan gerufen, der Motti suggeriert, dass es für ihn einen Platz bei den "Verlorenen Söhnen Israels" gibt, eine kleine Gruppe von Leidensgenossen, die ebenfalls für ihre Familien gestorben sind. Gutgläubig, wie Motti nunmal ist, besteigt er mit dem Herrn einen Flieger nach Israel und wird dort zu seinen angeblichen Leidensgenossen in einen Kibbuz gebracht. Schon bald stellt sich allerdings heraus, dass die mehr tun, als nur Jaffa-Orangen ernten: Sie sind das Weltjudentum, die lebendig gewordene Verschwörungstheorie der Nazis. 🙈

    Um nicht zu spoilern möchte ich nicht noch mehr verraten, nur, dass ich mich gekugelt habe vor lachen und dass eben wegen des Klammaucks, der lebendig gewordenen Verschwörungstheorien und Motti's Mutter, die mit einem auf jüdisch programmierten Alexa-Modul Kleinkrieg führt, dieser zweite Wolkenbruch-Teil noch um so viele Längen besser ist, auch wenn die Cancel Culture da anderer Meinung ist. Einfach mal lesen und selbst ein Bild machen. Es lohnt sich!

  19. Cover des Buches Portnoys Beschwerden (ISBN: 9783446249820)
    Philip Roth

    Portnoys Beschwerden

     (62)
    Aktuelle Rezension von: LarissaMaria

    Ich wusste ja worauf ich mich einlasse. Im Prinzip zumindest. Zwangsstörung meets Promiskuität.

    Nicht selten wurde Philip Roth dafür kritisiert, dass seine Charaktere zu getrieben sind, es ginge nur um Sex und Selbstmitleid,
    Die geteilten Meinungen, welche über ihn kursieren, haben mein Interesse geweckt. Ich wollte mir selbst ein Bild machen.

    Ich lernte also Alexander Portnoy kennen; einen jüdischen Amerikaner, der beim Psychiater sitzt und sein Leid klagt.
    Das würde das ganze Buch eigentlich schon in einem Satz zusammenfassen.

    Der Monolog, aus dem das Buch besteht, veranschaulicht seinen Werdegang, schildert eine Existenz ohne besondere Sternstunden, ohne besonderen Glanz.

    Seine Kindheit mit der Glucken-Mama und dem Waschlappen-Vater, seine Jugend, das Erwachen seiner Sexualität welche gleich in zwanghafte Sphären abdriftet, seine Unfähigkeit eine gute Beziehung zu führen… es ist eine endlose Misere.

    Ich war während des Lesens ständig hin und her gerissen; zwischen Abscheu vor dem Protagonisten und Bewunderung für die Fähigkeit von Roth, dessen verrückte Gedankensprünge so anschaulich darzustellen.

    Daher machte das Lesen irgendwie Spaß. Großteils war ich einfach nur genervt von Portnoys Veranschaulichungen, seinen Anschuldigungen, seiner Unfähigkeit zu erkennen, dass man an seinen Fehlern arbeiten kann...  aber genau das hat eine eigene Art von Spannung erzeugt.

    Ich bin nicht restlos begeistert, aber besonders die Pointe am Schluss hat mich nochmals laut auflachen lassen.

    Also der Gesamteindruck war nicht schlecht.

  20. Cover des Buches Drehn Sie sich um, Frau Lot! (ISBN: 9783898971089)
    Ephraim Kishon

    Drehn Sie sich um, Frau Lot!

     (36)
    Aktuelle Rezension von: Liebes_Buch

    Lustige Kurzgeschichten aus Israel. 

    Ich konnte endlich mal wieder lachen.

  21. Cover des Buches Der perfekte Frieden (ISBN: 9783518753699)
    Amos Oz

    Der perfekte Frieden

     (7)
    Noch keine Rezension vorhanden
  22. Cover des Buches Das Buch Dahlia (ISBN: 9783423139496)
    Elisa Albert

    Das Buch Dahlia

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Gedankenflüge
    Dieses Buch hab ich vor 3 Jahren bei einem Lesemarathon gewonnen. Es stand schon damals ne recht lange Weile auf meiner WuLi. und ich hab mich wirklich gefreut es nun zu haben. Warum es doch noch mal so lange gedauert hat es zu lesen...? Hm... Da sag ich immer, jedes Buch hat seine Zeit. Und jetzt war es eben der richtige. Aber nun zum Buch.

    Das Cover fiel mir damals schon auf und ich fand es wirklich schön. Nicht nur das der Name der Protagonistin in mit der Dalie im Kopf aufgenommen wird, nein auch der wachsende Hirntumor wird so gleichtauch noch mit aufgenommen. Find ich wirklich eine schöne Idee. Und der Titel dazu, schlicht. Wirklich schön. 

    Der Schreibstil der Autorin ist speziell. Schwierig für mich um rein zu kommen. Auch später im Verlauf fällt es mir manchmal echt etwas schwer flüssig zu lesen, denn sie arbeitet mit sehr viel Zwischensätzen und darin auch noch mit Klammern. Aber ich muss sagen, es passt so gut zur Protagonistin Dahlia. Aber man muss wirklich konzentriert sein, sonst stockt man zu viel und es nervt dann nur noch. 

    Und die Geschichte, keine leichtes Thema. Krankheiten in einer Geschichte sind meist nicht ganz einfach, Krebs ist da meist besonders schwierig. Obwohl die meisten Menschen heute nicht daran sterben. Man hat da einfach zu viele Ängste vor. Krebs ist eine Krankheit die halt eben mit sehr vielen Behandlungen beslastet sind die nicht nur dem Körper alles abverlangt. Bestrahlung, Chemo... eine Zeit die wirklich schlimm ist. An der viele fast zu Grunde gehen... Aber die meisten schaffen es und besiegen den Krebs. Und doch, ein paar wenige eben nicht... 

    Dahlia ist eine junge Frau die mit 29 die Diagnose gestellt bekommt. Hirntumor... Und was jetzt? Wie soll sie damit umgehen? Am besten gar nicht, ignorieren, so tun als wär es nichts. Das wird schon wieder. Ja, so kann man reagieren. Während Dahlias Eltern nur das "Beste" für sie wollen und ihr immer wieder sagen wie sie sich zu verhalte hat, was gut für sie ist und so weiter, will Dahlia es erst mal mit ignorieren versuchen. Und doch nimmt sie ein Buch mit, ein Ratgeber, der ihr hilft auch was Gutes aus der Diagnose zu ziehen. Sie fängt also an das Buch zu lesen... Kapitel für Kapitel, Schritt für Schritt. 

    Das Buch ist eben so aufgeteilt, die Kapitel tragen die Überschrift des Buches und danach kommt Dahlias Geschichte, wie siedazu steht, wie sie damit umgeht und was sie so denkt. Sie versucht sich dann mehr undmehr mit dem Buch auseinander zu setzen, das heisst auch mit sich, mit ihrem Leben. Und so erfahren wir viel über sie, ihre Beziehung zu den Eltern und dem Bruder und verstehen auch mehr und mehr warum Sie so verbittert, so abweisend ist. Und manchmal auch recht unterkühlt rüber kommt. 

    Verbittert wurde sie nicht erst durch die Diagnose... Was mich etwas traurig macht. 29 und schon so verbittert? Das tut mir wirklich leid. Und doch... sie wächst einem schnell ans Herz, die verwöhnte Göre. ;) Sie macht eigentlich nicht viel aus ihrem leben, sie zählt auf Papi der sie unterstützt, nicht nur finanziell. 

    Während des lesens gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Da mich das Thema auch Persönlich getroffen hat, nicht mich selbst, aber meine Mutter, damals, kenne ich viele Gedanken schon... sie haben sich zum Teil sicher verändert aber man fragt sich natürlich immer wieder, wie man sich selber verhalten würde. Was würde man selber tun? Würde man kämpfen? Schnell aufgeben oder bis zum Schluss durchhalten? Wie würden andere damit umgehen? Mit mir? Würden sie sich abwenden? Würde ich neue Freundschaften knüpfen? 

    Ja, kein Leichtes Thema, das Thema Krebs und der Tod sind wirklich Thema die man so lange wie Möglich von sich schiebt... Was, wie ich denke, menschlich ist, aber nicht empfehlenswert.Ich musste mich früh mit dem Thema Tod und sterben auseinandersetzen... Und ich bin nicht daran zerbrochen. Ich denke es hilft später sogar... Je früher desto besser. Der eigenen Sterblichkeit bewusst werden, solche Bücher helfen uns dabei mal tiefer zu gehen, in uns hinein zu hören, fühlen. 

    Das Buch Dahlia ist ein wunderschön trauriges Buch, dennoch Kraftspendend und es lässt Platz für Hoffnung. 

    Meine Lieblingstelle:

    Dann mal ehrlich:  Es spielt keine Rolle, wie verachtenswert, egozentrisch, deprimierend, faul, schlampig, verwöhnt oder vermurkst sie war: LEBEN ist LEBEN.  Und das ist entweder grundsätzlich bedeutsam oder nie, du Schmock; keine Differenzierung.
    Ich kann euch das Buch wirklich nur empfehlen. Auch wenn viele sicher eher denken sie können es nicht lesen weil es einem zu Nahe geht. Aber ich empfand es eben gar nicht so. Es kommt schon mal öfters vor das ich heulen muss, bei diesem Buch aber nicht. Also, versucht es einfach, es lohnt sich...
  23. Cover des Buches Black Box, Roman, (ISBN: B002BZDC2K)
    Amos: Oz

    Black Box, Roman,

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Die Abenteuer des Ruben Jablonski (ISBN: 9783423138406)
    Edgar Hilsenrath

    Die Abenteuer des Ruben Jablonski

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Hillawitchen
    Diese Geschichte hat trotz des ernsten Themas eine gewisse Leichtigkeit um nicht zu sagen sie ist possitiv geschrieben. Man hat ja zu dem Thema "Juden und Verfolgung" immer einen bitteren Nachgeschmack, doch hier folgt man Ruben Jablonski mit neugier durch das Nachkriegs Europa bis ins gelobte Land Palästina. Das "erwachsen werden" unterschied sich früher doch nicht so sehr von heute, auch wenn man das meint, und ist sehr gut beschrieben. Das Buch ist mit Witz geschrieben und lohnt sich wirklich zu lesen.

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