Bücher mit dem Tag "kibbuz"

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11 Bücher

  1. Cover des Buches Zorn der Lämmer (ISBN: 9783839228715)
    Daniel Wehnhardt

    Zorn der Lämmer

    (32)
    Aktuelle Rezension von: Calypso19

    Dass selbst beinahe 78 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und damit dem Ende der unaussprechlichen Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes an allen Menschen, die dem Unrechtssystem ein Dorn im Auge waren, allen voran an sechs Millionen Juden verübt wurden, immer noch Aufarbeitung stattfindet, in Form von Foren, vor allem aber in der Literatur, ist bezeichnend. Und wichtig! Wider das Vergessen! Auf dass sich die Geschichte nie, niemals wiederholen möge! Dass dem aber dennoch so ist, so viele Versuche der Aufarbeitung ein Volk, in dem die Vergesslichkeit längst wie ein böses Virus umgeht, auch gemacht werden, ist eigentlich unbegreiflich und, wie ich es auch drehe und wende, scheint mit der im Menschen angelegten Gewaltbereitschaft verknüpft zu sein. Das Dritte Reich mit all seinen Implikationen war nicht das erste seiner Art, Völkermorde gab es seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte und gab es auch nach dem Ende des von den Deutschen angezettelten Krieges unzählige Male, bis auf den heutigen Tag, ob in Vietnam, Kambodscha, dem Kongo, in Burundi, Sri Lanka, Afghanistan, Chile oder auf dem Balkan. Kaum vorstellbar, dass nun auch noch ein als so hoch entwickelt geltendes Land wie Russland mitten in Europa Kriegsverbrechen begeht, die nach dem gleichen Prinzip ablaufen, ebenso grausam, wie die von den Nazis verübten!

    Aber kommen wir zu Daniel Wehnhardts hier zu besprechendem Roman mit dem bezeichnenden Titel „Zorn der Lämmer“! Ein, um es vorwegzuschicken, ganz hervorragendes Buch, sorgfältig und gründlich recherchiert, mitreißend geschrieben und so spannend, wie es nur wirklich gute Kriminalromane sein können. Mit einem Unterschied freilich: es erzählt eine wahre Geschichte, natürlich mit den Mitteln eines Romans, also auch mit erfundenen Elementen, fiktiven Dialogen, dramaturgisch passenden Versatzstücken, die, so will mir scheinen, von der Wirklichkeit jedoch nicht weit entfernt sein dürften. Um zum eigentlichen Thema zu kommen, nämlich der Geburtsstunde der jüdischen Untergrundorganisation Nakam, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, gnadenlos Rache zu üben nicht nur an denjenigen, die aktiv an der Massenvernichtung beteiligt waren, sondern gar am gesamten deutschen Volk, das durch sein Stillhalten, sein Schweigen, sein Nichteingreifen das Grauen überhaupt erst ermöglicht hatte, geht der Autor zurück ins Jahr 1943, als die Endlösung bereits beschlossene Sache war und nur eine Frage der Zeit, bis das von den Nazis besetzte Europa 'judenfrei' wäre. Und das tut er völlig zu Recht, denn ohne diese intensiv und schonungslos erzählte Vorgeschichte wäre die Bildung der Nakam kaum nachzuvollziehen. Man muss wissen, was den Protagonisten des Romans, Abba Kovner, Vitka Kempner, Rozka Korczak und Leipke Zinkel, um nur die wichtigsten historischen Personen zu nennen, angetan wurde – ihre Familien fielen samt und sonders der Mordlust der Deutschen zum Opfer -, und was sie selbst im Ghetto der litauischen Hauptstadt Wilna und später, als unerbittliche Partisanen, in den sumpfigen Wäldern von Rudnik, als auch im KZ (Leipke) erlebt und erlitten haben, um, wenn auch nur ansatzweise, ihre Beweggründe, eine so umfassende Rache nehmen zu wollen, verstehen zu können!

    Aber auch die nicht direkt mit Abba und seiner Truppe in Verbindung stehenden, aber ungemein wichtigen, stets kurzen, aber zutiefst bestürzenden, tief unter die Haut gehenden Szenen, allesamt historisch belegt, die, immer aus dem Blickwinkel einer fiktiven Person, meist eines jungen Mädchens oder einer jungen Frau, von denen niemand das jeweilige Massaker, das sich anbahnte, überleben würde, immer wieder eingestreut werden, lassen den späteren Rachegedanken der Überlebenden beinahe zu dem eigenen werden.Wann immer der Autor zu diesem erschütternden, den Leser involvierenden, oft genug zum Weinen bringenden Stilmittel greift, ist der Roman am stärksten, denn dann wird die zeitliche, räumliche und emotionale Distanz aufgehoben, einfach ausgehebelt und niedergerissen, dann ist es gar, als wäre man viel mehr als nur ein unbeteiligter Leser und damit irgendwie auch Zuschauer. Man möchte eingreifen, die Mörder stoppen – und selbst zum Mörder werden...

    Ja, der Gedanke an Rache, die Gerechtigkeit damit in die eigenen Hände zu nehmen, ist nicht fern! Aber kollektive Rache? Ein Auge für ein Auge, ein Zahn für ein Zahn oder, wie der unversöhnliche Abba Kovner es forderte, ein Leben für ein Leben? Nach Kriegsende denken freilich nicht alle wie er. Die überlebenden Juden hatten andere Sorgen, denn obwohl ihnen von den Nazis nun keine Gefahr mehr drohte, waren sie nach wie vor in ihrer osteuropäischen Heimat unerwünscht und die neuen Besatzer, die Russen, trachteten ihnen sogar nach dem Leben. Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung waren bei ihnen ja seit Jahrhunderten gang und gebe! Also betätigten sich Abba und Vitka zunächst einmal als Fluchthelfer – Palästina, das Gelobte Land der Bibel, war das Ziel! Doch dort Einlass zu finden war das nächste Problem – auch über diese unerfreulichen Aspekte lesen wir in Daniel Wehnhardts Roman, und sie dürften denjenigen, die Leon Uris Mammutwerk 'Exodus' kennen, geläuftig sein!

    Während Leipke nach der Befreiung der KZs durch die Alliierten weiterhin interniert war (und dies, so unglaublich es auch klingt, in den selben Baracken, in denen er unter den Nazis täglich in höchster Lebensgefahr schwebte!) und Abba und Vitka noch in Deutschland waren, mit nächstem Ziel Italien, war es Rozka gelungen, direkt nach dem Einmarsch der Russen ins heimische Litauen nach Palästina zu gelangen und hatte es sich dort zur Aufgabe gemacht, Zeugnis zu geben von dem Völkermord – in meinen Augen die einzige Möglichkeit der Verarbeitung des Unaussprechlichen, gleichzeitig eine Mahnung und eine Aufklärung, auf dass sich so etwas nicht wiederholen möge. Es war dies eine Angst, die die allermeisten Überlebenden des Holocaust noch lange mit sich herumtrugen, wenn sie sie denn zu ihren Lebzeiten jemals loswurden, und auch ein Grund, so schnell wie möglich europäischen Boden zu verlassen. Gegen ihren Willen und trotz ihrer Skepsis gelang es dem charismatischen Abba, der schließlich auch in Palästina eintraf, die ehemalige Kampfgefährtin und Geliebte zur aktiven Mitarbeit zu bewegen.

    Der Plan stand schon fest, besser die beiden Pläne: Plan A sah vor, das Trinkwasser in Deutschland zu vergiften und Plan B, der dann schließlich auch ausgeführt wurde, die etwa 30000 Kriegsgefangenen im US-amerikanischen Gefangenenlager Nürnberg-Langwasser, allesamt Nazis und SS-Leute, mit arsenversetztem Brot zu vergiften. Ein Segen, dass, durch massive Intervention hochrangiger Israelis und der Inhaftierung Abbas, weder der eine noch der andere – bei aller Sympathie mit Kovner und seinen Getreuen - teuflische Plan glückte! Keinem wäre gedient gewesen, wäre es anders gekommen. Die Juden hätten sich auf die gleiche Stufe gestellt wie ihre Peiniger, ihre Toten wären nicht wieder lebendig geworden – und einen israelischen Staat würde es, so kann man annehmen, bis heute nicht geben. So aber, und da lassen wir am Ende des Romans, das im Jahre 2003 spielt, der inzwischen über 80jährigen Vitka Kempner, die ihren Mann Abba um 25 Jahre überlebte und der Israel zur Heimat geworden war, das Wort, ... denn 'welche größere Rache an Nazi-Deutschland könnte es geben als einen eigenen jüdischen Staat?'. Und sie endet mit den versöhnenden Worten: 'Und ich bin sicher: Das würden auch unsere Familien so sehen.'

  2. Cover des Buches Das Kinderhaus (ISBN: 9783471351819)
    Alice Nelson

    Das Kinderhaus

    (4)
    Aktuelle Rezension von: ulliken

    Das rotbraune Cover zeigt eine junge Frau auf den Stufen vor einem Haus. Darüber lesen wir den Namen der Autorin Alice Nelson und den Titel "DAS KINDERHAUS" in dicken weißen Lettern.


    Ich habe mir etas ganz anderes unter diesem Roman vorgestellt, kann ihn aber dennoch sehr empfehlen. Marina und ihr Bruder sind im Kibbuz, wie es dort üblich ist, getrennt von ihren Eltern aufgewachsen. Sie schliefen im Kinderhaus, körperliche Nähe gab es nicht. Als ihre Mutter beschließt, aus Israel wegzuziehen, ist es jedoch zu spät. Es kommt keine Beziehung mehr zwischen ihnen zustande.


    Marina findet dennoch ihr Glück. Die Professorin heiratet einen Psychiater, der in einer liebevollen jüdischen Familie lebt und sie wird sofort von dieser aufgenommen. Ihr Mann hat bereits einen Sohn, auch mit diesem kommt sie zurecht.

    Eines Tages sieht sie eine Flüchtlingsfrau aus Ruanda mit ihrem ca. 2-3 jährigem Sohn Gabriel, der kein Wort spricht, sondern nur weint oder schreit. Diesen lässt die Frau auf der Straße stehen, ohne Rücksicht, ob er ihr folgen kann. Marina bringt ihn Constance hinterher und will ihnen helfen, sich in New York zurechtzufinden - ohne zu wissen, dass sie dadurch auch ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten muss.

    Der Roman von Alice Nelson spielt mit Zeitsprüngen. Überwiegend sind es nur wenige Jahre von 1997 - 2000, in denen jedoch zusätzlich die Gedanken in die weitere und weite Vergangenheit schweifen. Es ist etwas schwieriger, dem Handlungsstrang zu folgen, ich musste ab und an zurückblättern, um zu sehen, in welcher Zeit wir uns befinden. Das letzte Kapitel hat Gabriel, der Sohn von Constance geschrieben.

    Trotz der Zeitsprünge ist die Handlung fesselnd. Insbesondere die Charaktere der Hauptpersonen Marina und Constance sind einfühlsam dargestellt. 


    Der Roman wurde aus dem australischen Englisch übersetzt von Claudia Feldmann und verlegt bei List

  3. Cover des Buches Totengebet (ISBN: 9783442482498)
    Elisabeth Herrmann

    Totengebet

    (70)
    Aktuelle Rezension von: Lesezeichenfee

    Ein Anwalt wacht im Krankenhaus auf und kann sich an fast nichts mehr erinnern, außer an eine schöne junge Frau, die Jüdin ist. Er recherchiert zunächst in Berlin und dann in Israel.

    Von dieser Autorin kannte ich zwar dem Namen nach, aber ich glaube, ich hab noch kein Buch von ihr gelesen. Eigentlich ist es auch nicht mein Thema, aber auf der anderen Seite finde ich Amnesie oder Teilamnesie immer sehr spannend. So habe ich mich auf das Buch, das ich irgendwo ertauscht oder im Second Hand Shop gekauft hatte eingelassen. Es hielt mich von Anfang an gefangen. Auch die Charaktere fand ich sehr interessant und echt, ich hätte nie herausgefunden, wer jetzt der Mörder war. Dabei haben – wenn ich so nachdenke – doch einige Leute den Mörder nicht gemocht. Nun ja, wie dem auch sei. Der Anfang war für mich sehr spannend, die Mitte sehr interessant, weniger spannend und der Schluss wieder spannend mit Highlights. Es ist wohl der 5. Fall einer Serie, wie ich im Internet lesen konnte.

    Also das Buch war wirklich gut, aber am Ende hätte ich dann noch einige Fragen gehabt und ein Buch mit 438 Seiten (ohne Danksagung und Glossar) sollte – meiner Meinung nach – keine Fragen offen lassen. Die Bücher, die ich lese haben normalerweise um die 300 Seiten. Außerdem war das ganze dann doch etwas verwirrend. Zudem kannte ich ja noch keinen Charakter des Buches. Und ich denke, dass das irgendwie mehr so was wie eine Familientragödie war und eher weniger ein Krimi. Ein Thema mit dem ich sonst nichts anfangen kann und trotzdem hab ich das Buch, in etwas weniger als einer Woche, ausgelesen und fand es spannend. Nur, dass da Fragen offen blieben, fand ich sehr schade.

    Ich hab mir bei LB die Rezis angesehen, damit ich mich ein wenig über die Serie informieren konnte. Und da las ich, mit größtem Erstaunen - dass das das wohl der schlechteste Teil der Serie war (bis 2016, denn ich vermute, es gibt weitere Teile). Nun ja, dann brauch ich unbedingt weitere Bücher, denn wenn mich etwas fesselt, was mich sonst niemals interessieren würde, dann muss die Autorin wirklich gut sein.

    Mein – Lesezeichenfees – Fazit:
    Ich werde auf jeden Fall weitere Bücher der Autorin lesen. Es gab bei mir zwar kleinere Kritikpunkte, trotzdem werde ich das Buch mit 4 Sternen empfehlen.

  4. Cover des Buches Bühlerhöhe (ISBN: 9783548289823)
    Brigitte Glaser

    Bühlerhöhe

    (159)
    Aktuelle Rezension von: Lesezeichenfee

    ... Handtuch geworfen. Es sind gaaaaaaaanz viele verschiedene Geschichten miteinander verflochten und etwas wirr geschrieben. Das da jetzt ein Spiegel Bestseller Teil drauf ist, ist typisch, weil ich mag das Buch nicht. Selten bin ich mit dem Aufkleber eine Einheit. 


    Nun ja, aber es war echt zu langweilig, als dass ich da die normalen 2 Sterne fürs Abbrechen hätte geben können. 

  5. Cover des Buches Totengebet (ISBN: 9783844519242)
    Elisabeth Herrmann

    Totengebet

    (10)
    Aktuelle Rezension von: MAZERAK

    Rechtsanwalt Vernau wird zum Mittelpunkt einer Ermittlung, als er erinnerungslos in einem Krankenhaus erwacht. Wenig später geschieht ein Mord an einem Mann, mit dem Vernau in seiner Jugend einen Sommer in einem Kibbuz verbracht hatte und ein weiterer Mann, ebenfalls ein damaliger Kamerad, wird verletzt – und Vernau steht plötzlich unter Mordverdacht. Hat die junge Israelin, die seine anwaltliche Unterstützung erbat, damit zu tun? Vernau macht sich auf die gefährliche Suche nach Hinweisen…

    Elisabeth Herrmann entführt den Leser in Vernaus Vergangenheit, einer Zeit, die er in Israel, wie viele andere Volunteers in einem Kibbuz verbrachte. Geheimnisvoll und grausam schlägt das Schicksal zu und die dramatischen Wellen reichen bis in die Gegenwart. Die Autorin schreibt ergreifend, sehr anschaulich und schlüssig und man fühlt sich mit in den Sog gezogen, der Vernau bei seinen Recherchen ergreift. 

    Undurchsichtig und düster ist die Geschichte, gruselig die Details, die sich langsam enthüllen um dann doch in die Irre zu führen. Vermutungen begleiten den Leser, Befürchtungen und Hoffnungen, die von dem entsetzlichen Showdown übertroffen werden. Ein gleichermaßen spannender wie dramatischer Krimi, der von Anfang an gefangen nimmt. Und von Thomas M. Meinhardt perfekt eingelesen wird. Er verleiht den Protagonisten eine Stimme, spielt mit Nuancen und sorgt für großes Kopfkino! Meine absolute Hörempfehlung! 

  6. Cover des Buches Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin (ISBN: 9783257245820)
    Thomas Meyer

    Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

    (63)
    Aktuelle Rezension von: FreydisNeheleniaRainersdottir

    Das Weltjudentum existiert tatsächlich. Glaubt ihr nicht? Dann fragt Motti Wolkenbruch. Der ist der Anführer. Ach nee, pssst, darf er ja nicht verraten. Ist streng geheim. 🤫

    Ojojoj, was hat Thomas Meyer da nur wieder zusammen geschrieben? Die Meinungen zu diesem zweiten Roman über den ehemaligen orthodoxen Juden Mordechai Wolkenbruch aus Zürich gehen da sehr weit auseinander. Da ist von "genial" und "schreiend komisch" bis "absoluter Blödsinn" alles dabei. Was ich von dem Buch halte? Ich hab mich gekugelt vor lachen. Voraussetzung beim Lesen dieses zweiten Bandes ist, dass man nicht nur jüdischen Humor sondern auch dunkelschwarzen Humor versteht. Wer zum Lachen in den Keller geht oder moralischer Bedenkenträger ist, wird wahrscheinlich wie das HB-Männlein in die Luft gehen und die nächste empörte Rezension verfassen. Im Prinzip liest sich das Buch, als hätte man Mel Brooks-Filme mit Iron Sky gekreuzt und das ganze auf Papier gedruckt.

    "Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin" beginnt, eigentlich ganz harmlos, da, wo "Wolkenbruchs abenteuerliche Reise in die Arme einer Schickse" aufgehört hat: Motti hockt allein im Hotel, von seinen Eltern verstoßen, weil er sich mit einer Schickse (einer Nichtjüdin) vergnügt hat und auch sonst den orthodoxen Lebensstil seiner Mischpoke nicht weiter ausleben will. Die Schickse hat ihn aber auch fallen lassen und das Leben sieht duster aus. Aber weil Zürich ja auch nur ein größeres Dorf ist, hat sich Motti's Schicksenabenteuer und seine Folgen herumgesprochen und einen Herrn Hirsch auf den Plan gerufen, der Motti suggeriert, dass es für ihn einen Platz bei den "Verlorenen Söhnen Israels" gibt, eine kleine Gruppe von Leidensgenossen, die ebenfalls für ihre Familien gestorben sind. Gutgläubig, wie Motti nunmal ist, besteigt er mit dem Herrn einen Flieger nach Israel und wird dort zu seinen angeblichen Leidensgenossen in einen Kibbuz gebracht. Schon bald stellt sich allerdings heraus, dass die mehr tun, als nur Jaffa-Orangen ernten: Sie sind das Weltjudentum, die lebendig gewordene Verschwörungstheorie der Nazis. 🙈

    Um nicht zu spoilern möchte ich nicht noch mehr verraten, nur, dass ich mich gekugelt habe vor lachen und dass eben wegen des Klammaucks, der lebendig gewordenen Verschwörungstheorien und Motti's Mutter, die mit einem auf jüdisch programmierten Alexa-Modul Kleinkrieg führt, dieser zweite Wolkenbruch-Teil noch um so viele Längen besser ist, auch wenn die Cancel Culture da anderer Meinung ist. Einfach mal lesen und selbst ein Bild machen. Es lohnt sich!

  7. Cover des Buches Expedition Gelobtes Land (ISBN: 9783947051199)
    Conny Schramm

    Expedition Gelobtes Land

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Kimm_Grundmann

    Ich schreibe hier die Bewertung für eine liebe Freundin, die alle Bücher von Conny Schramm gelesen hat:
    "Das Buch hat mich in meinen eigenen Israelurlaub zurück versetzt. Aber das ist längst nicht alles, was mir an dem Buch gefällt! Ich mag besonders Conny Schramms unnachahmlichen Schreibstil, mit dem sie aus kleinen Missgeschicken einer deprimierten Volontärin lustige Geschehnisse macht und den Leser damit immer wieder zum Lachen bringt."

  8. Cover des Buches Wir sind ja nicht so (ISBN: 9783442541133)
    Philip Reichardt

    Wir sind ja nicht so

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Tagebucheintragungen einer Woche im September 1998, kurz vor der Bundestagswahl, von ganz unterschiedlichen jungen Personen aus ihrem Umfeld, alles natürlich sehr subjektiv geschrieben, mit Edelfedern wie Benjamin von Stuckrad-Barre (dem beim letzten Spice-Girl-Konzert im Londoner Wembley Stadium die Tränen kamen) und Benjamin Lebert, deren Beiträge "literarisch" auch am gehaltvollsten waren. Man erkennt als erstes mit Entzücken, dass Aufschieberitis und Prokrastination nicht einen alleine befallen haben, ein gewisser Stumpfsinn und eine Grundtraurigkeit scheint unserer Generation zu Grunde zu liegen. Kleine Dinge bestimmen das Gelingen oder Nichtgelingen eines ganzen Tages, Nichtspassieren grassiert anscheinend überall. Alles deutlich interessanter als das Vorgängerbuch, das ich niemandem ans Herz legen mag.

  9. Cover des Buches Ein Königreich für Eljuscha (ISBN: 9783407810885)
    Uri Orlev

    Ein Königreich für Eljuscha

    (6)
    Aktuelle Rezension von: parden

    FLUCHT NACH KASACHSTAN...

    Sommer 1941 in der Ukraine: Für Eljuscha beginnt der Krieg wie ein Familienausflug. Doch in Kiew meldet sich der Vater zur Roten Armee und Eljuscha findet sich nach einer abenteuerlichen Zugfahrt in Kasachstan wieder. Eine völlig fremde Welt, wo man mit Kuhfladen heizt, das Wasser aus dem Fluss holt, wo es nur Tauschhandel gibt und keine Schule. Eljuscha, noch ein Kind, ist jetzt »der Mann im Haus« und kümmert sich um seine Familie, lernt Hasen jagen und Fische fangen und freundet sich mit den moslemischen Jungen an – für ihn wird es ein Königreich. Seine Mutter Esther tut alles, um ihre Kinder durchzubringen, sie spielt bei Dorffesten Balalaika und legt den Nachbarn die Karten. Bei Kriegsende kennt Esther nur ein Ziel - Palästina. Für Eljuscha bedeutet das Abschied und das Gefühl, dass etwas ganz Neues beginnt. (Klappentext)

    "Pass auf Mama auf, jetzt bist du der Mann der Familie", sagt der Vater, bevor er seinen kleinen Sohn Eljuscha, die Zwillinge Riwka und Lea und das Baby mit der Mutter in den Zug setzt, der sie vor den deutschen Truppen in Sicherheit bringen soll. Doch was in der Ukraine im Sommer 1941 wie ein Familienausflug beginnt, wird zu einer langen Reise, die erst 1946 ihr Ende findet.

    Für Eljuscha wird die Zeit in Dschambul in den Steppen Kasachstans ein großes Abenteuer. Er freundet sich mit den kasachischen Kindern an, lernt von ihnen, Hasen zu jagen, wie kostbar Kuhfladen sind und wie gefährlich es sein kann, Fische zu fangen. Es sind harte Winter, doch Esther, ihre Mutter, tut alles, um die Kinder durchzubringen. Esther hofft lange auf die Rückkehr ihres Mannes, doch dann, bei Kriegsende, beschließt sie, ihrem Traum zu folgen und mit ihren Kindern nach Palästina auszuwandern. Wieder ein Abschied - und wieder ein Neubeginn...

    5 Jahre alt ist Eljuscha, als die Flucht beginnt, am Ende der Erzählung wird er 11 Jahre alt sein. Eine Kindheit im Krieg und die Geschehnisse danach werden hier geschildert, angelehnt an eine wahre Kindheitsgeschichte, die der israelische Autor in diesem Jugendbuch (Altersempfehlung 14-17 Jahre) verarbeitet hat. Doch wird hier auch noch mehr erzählt als die bloßen Ereignisse in Eluschas Kinderjahren. Auch die Weltgeschichte hält hier Einzug: Kriegsgeschehen werden angedeutet, jüdische Schicksale in ihren tragischen Facetten ebenso. Später bei der Ankunft der Familie in Palästina wendet sich die Erzählung auch der Vorgeschichte des Nahost-Konfliktes zu, ein weiterer Krieg steht an, die Auseinanderesetzungen der Weltreligionen ebenso - bis heute.

    Für mein Empfinden hat Uri Orlev dabei eine gelungene Balance gefunden zwischen der authentischen Kindheitsgeschichte, die an manchen Stellen vielleicht etwas übertrieben ausgeschmückt wirkt, und den gesellschafts-politischen Einwürfen. Viele Kulturen und Lebensformen lernt Eljuscha schon in seinen jungen Jahren kennen, viele Sprachen ebenso, und doch weiß er meist das Beste aus einer Situation zu machen. Dem Optimismus der Kindheit sei Dank.

    Eine Kindheit im Krieg. Leider auch heute ein Thema von ungebrochener Aktualität...


    © Parden  

  10. Cover des Buches Adama (ISBN: 9783518475164)
    Lavie Tidhar

    Adama

    (76)
    Aktuelle Rezension von: Manuel_Hartleib

    Adama ist ein außergewöhnlicher Roman, der viele Genres miteinander verbindet. Es ist Familiengeschichte, historisches Epos und zugleich politischer Thriller. Lavie Tidhar erzählt die Geschichte Israels anhand einer Familie, die untrennbar mit der Entwicklung des Landes verbunden ist. Dabei steht vor allem die beeindruckende Figur der Ruth im Mittelpunkt.


    Ruth ist eine ungarische Jüdin, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina kommt, um dort ein neues Leben aufzubauen. Sie schließt sich einem Kibbuz an, der für sie zur heiligen Erde, zur „Adama“, wird. Ihr Glaube an die Gemeinschaft und an die Idee eines neuen Staates ist unerschütterlich. Doch im Lauf der Jahrzehnte verwandeln sich diese Ideale in eine kompromisslose Härte, und Ruth wird zu einer Frau, die bereit ist, für das Überleben ihres Volkes alles zu tun.


    Das Buch deckt einen großen Zeitraum ab, von den späten 1940er Jahren bis in die Gegenwart, und verknüpft persönliche Schicksale mit der wechselhaften Geschichte Israels. Dabei gelingt es dem Autor, die politischen und gesellschaftlichen Konflikte sehr lebendig und oft auch schonungslos darzustellen. Die Themen sind wichtig, vielschichtig und durchaus bewegend.


    Trotz dieser inhaltlichen Stärke hatte ich jedoch Schwierigkeiten, wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil ist stellenweise anspruchsvoll und wirkt eher distanziert, was es mir erschwert hat, eine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen. Auch die zahlreichen historischen und politischen Details, so interessant sie sind, verlangsamten für mich das Erzähltempo und nahmen der Geschichte an einigen Stellen die Spannung.


    Nichtsdestotrotz ist Adama ein bedeutendes Werk, das viel Stoff zum Nachdenken bietet. Es beleuchtet die dunklen und hellen Seiten der israelischen Geschichte und erzählt gleichzeitig von Loyalität, Verrat, Idealismus und moralischen Grenzen. Wer sich für historische Romane mit politischem Tiefgang interessiert, wird hier sicher viel entdecken können.


    Fazit:

    Ein intensiver, komplexer Roman über die Entstehung Israels und eine Frau, die alles opfert, um an ihre Überzeugungen zu glauben. Inhaltlich stark und thematisch relevant, für mich jedoch sprachlich und emotional stellenweise etwas zu distanziert. Trotzdem ein wichtiges Buch, das beeindruckt und nachwirkt.


    ⭐️⭐️⭐️ (3 von 5 Sternen)

  11. Cover des Buches Der große Wind der Zeit (ISBN: 9783630875736)
    Joshua Sobol

    Der große Wind der Zeit

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Miamou

    In Sobols großen Familienroman verfolgt man eine Familie über vier Generationen hinweg, man geht mit ihen durch Höhen und Tiefen. Eingebettet ist das Ganze in den Nahost - Konflikt, der schlussendlich auf zwei Personen, der letzten Generation heruntergebrochen wird. 

    Libby ist Verhörspezialistin und bei einem ihrer Verhöre begegnet sie Adib, der ihr vorwirft, dass ihr Großvater seine Großmutter aus ihrem Land vertrieben hat. Daraufhin begibt sich Libby zu ihrem Großvater in ein Kibbuz, den sie dort nicht findet, aber viele Tagbücher seiner Mutter, also ihrer Urgroßmutter Eva, die damals nach Deutschland ging, um Tänzerin zu werden, bis die Nazis mit ihrer Ideologie sie wieder in den Kibbuz zurückgezwungen haben. 

    Diesem Roman in einigen Sätzen eine Inhaltsangabe zu geben, ist gar nicht einfach, da er sehr komplex ist. Die Komplexität schlägt sich auch in den Figuren nieder. Neben Eva und Libby gibt es noch viele andere Figuren in der Familiengeschichte, die ihren Auftritt bekommen. In Erinnerung werden mir allerdings nur diese beiden Frauen blieben und die Cousine von Libby Karin. Sie sind alle drei sehr stark gezeichnete Frauen, die aktuelle Zeitgeschehnisse intensiv und kritisch hinterfragen. Eva den Aufstieg der Nazis und Libby den Nahost - Konflikt, der uns ja bis heute mehr den je begleitet. Auch Karin wirft viele Fragen auf, die ihre Generation prägen sollen. Die Männer hingegen bleiben eher blass. Was sie alle gemeinsam haben - sie sind Suchende und schlussendlich bekommt für mich nur Duvesch (Karins Vater) am Ende des Romans noch ein wenig Kontur. 

    Der Dreh - und Angelpunkt des Romans war für mich ein Telefongespräch zwischen Libby und Adib. Sie ist jüdische Israelin, er ist muslimischer Palästinenser und sie können sich konstruktiv verständigen und mit der Geschichte ihrer Völker emotional unemotional auseinandersetzen. Da ist Sobol ein ganz großer Clou gelungen und ein Wunschdenken - es bleibt zwar sehr offen, aber aus den beiden könnte ein Liebespaar werden. 

    Der Schreibstil ist sehr dialoglastig und dabei stellenweise sehr philosophisch. Die Figuren werden nur zu Beginn in einem Personenregister vorgestellt, bekommen aber kaum eine Beschreibung über ihr Aussehen oder ihren Charakter, was es mitunter ein wenig schwierig macht. Ich habe daher mehr als einmal im Personenregister nachschlagen müssen, wer denn nun zu wem gehört und in welche Generation die jeweilige Figur gehört, die gerade erzählt. Die Handlung ist nämlich nicht linear stringent erzählt, sondern in jedem Kapitel gibt es eine andere Stimme und somit springt man auch laufend in den Zeitebenen. 

    Daher meine Conclusio: Ein fordender Roman, philosophisch angehaucht, mit starken Frauenfiguren. Die Handlung verliert sich aber auch öfter in Nebensächlichkeiten und es braucht dann schon eine gewisse Ausdauerfähigkeit, um dran zu bleiben.

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