Bücher mit dem Tag "kinderarbeit"
29 Bücher
- Romina Casagrande
Als wir uns die Welt versprachen
(174)Aktuelle Rezension von: Nika488Berührende Geschichte mit Längen und wenig Tiefe
Als wir uns die Welt versprachen ist eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Schuld und die lange Reise einer alten Frau, die mit ihrer Vergangenheit Frieden schließen will. Die Idee, eine fast 90-jährige Edna auf eine abenteuerliche Reise über die Alpen zu schicken, ist originell und hat viel Potenzial – besonders, weil sie ein kaum bekanntes Stück europäischer Geschichte in den Mittelpunkt stellt: das Schicksal der sogenannten "Schwabenkinder".
Der Schreibstil ist poetisch, teilweise sehr bildhaft, und Ednas treuer Begleiter, der Papagei Emil, bringt eine besondere Note in die Handlung. Auch die Rückblenden in die Kindheit und Jugend sind emotional und gut nachvollziehbar.
Allerdings verliert sich die Geschichte stellenweise in Wiederholungen und philosophischen Gedankenschleifen. Die Handlung entwickelt sich nur langsam, einige Nebenfiguren bleiben blass, und manche Wendungen wirken konstruiert. Die emotionale Tiefe, die das Thema eigentlich verdient, wird dadurch stellenweise abgeschwächt.
Fazit: Eine rührende Geschichte mit geschichtlichem Hintergrund und schönen Momenten, der jedoch etwas mehr Dynamik und Tiefe gutgetan hätten. Empfehlenswert für Leser*innen, die ruhig erzählte Romane mit historischen Elementen mögen.
- Malala Yousafzai
Malalas magischer Stift
(10)Aktuelle Rezension von: SternchenBlau„Aber sie hat doch nicht wirklich einen magischen Stift“, hat mein Sohn beim Titel gefragt, nachdem er wusste, dass Malala Yousafzai die jüngste Friedensnobelpreisträgerin ist. Am Ende des Buches war klar, dass jeder Stift magisch werden kann.
Die Magie zeigt sich schon in den Rotgold glänzenden Ornamenten, die auf dem Cover aus dem Stift fließen und immer wieder auf den Seiten auftauchen. Schönheit und Message fließen in diesem Buch ineinander wie die Ornamente und machen dieses Buch trotz des ernsten Themas zu einem Genuss. Und auch die Sprache ist in ihrer Prägnanz absolut gelungen, schon auf der ersten Seite:
„Glaubst du an Magie?“
Mein Sohn hat genickt.
Malala wünscht sich einen magischen Stift, wie sie ihn aus einer Fernsehserie kennt. Zunächst wünscht sie sich ganz alltägliche Sachen, wie wir sie uns alle wohl wünschen würden. Aber dann sieht Malala ein Mädchen, dass nicht zur Schule gehen darf.
„Als erstes würde ich Krieg, Armut und Hunger ausradieren. Dann würde ich Mädchen und Jungen zusammen als Gleichberechtigte zeichnen.“
„Sie zeichnet die Häuser wieder ganz!“, hat sich mein Sohn gefreut, als die goldenen Linien die Umrisse eines kaputten Hauses wieder auferstehen lassen. Malalas Träume werden aber mit einer noch bitteren Realität konfrontiert, als die Taliban Einzug in ihrem Tal halten. Nun nutzt sie den Stift für Briefe an die Welt, um die Situation aller der Mädchen zu schildern, die sich nicht mehr zur Schule trauen.
Manche Menschen muss man einfach bewundern, wie unbeirrbar sie in ihrem Kampf für eine gerechte Welt bleiben. Mit „Malalas magischer Stift“ hat Yousafzai ihre eigene Geschichte für Kinder erzählt. Sie ist deswegen so inspirierend, weil sie das alles selbst erlebt hat und die Kindheit bei ihr noch nicht lange verstrichen ist: Als das Buch erschien, war sie erst 20 Jahre alt.
Obwohl das Bilderbuch wunderschön anzusehen ist und klare Bilder aufweist, würde ich es frühestens ab Vorschul-, eigentlich erst ab Grundschulalter empfehlen.
„Meine Stimme wurde so mächtig, das die gefährlichen Männer versuchten, mich verstummen zu lassen. Aber es ist ihnen nicht gelungen.“
Der Text steht auf einer schwarzen Seite, die Illustrationen von Kerascoët ist ganz reduziert und zeigt Malala im Krankenhausnachthemd am Fenster. Und gerade durch diese Schlichtheit ist die Wucht des Attentats für Kinder spürbar. „Was ist passiert“, hat mein Sohn auch sofort gefragt. Das ganze Buch gibt einen sehr reduzierten Hinweise auf das Attentat oder einen Angriff. Dennoch war für meinen Sohn sofort klar, dass Malala Yousafzai ihr Leben riskiert hat.
„Malalas magischer Stift“ konfrontiert Kinder damit, dass es „gefährliche“ Menschen gibt, Leid und Ungerechtigkeit, aber Malala gibt ihnen zugleich die Hoffnung, dass auch Kinder eine machtvolle Stimme haben und etwas verändern können. Die Geschichte wird durch ein kleines Nachwort von Malala Yousafzai und eine kurze Biografie abgerundet.
So konnten wir das Buch mit Hoffnung zuklappen. Der Kampf um eine gerechteres Leben geht allerdings weiter, Tag für Tag, und Bücher wie dieses helfen, damit wir gemeinsam mit unseren Kindern diese Hoffnung weiter nähren.
- Siddharth Kara
Blutrotes Kobalt. Der Kongo und die brutale Realität hinter unserem Konsum
(6)Aktuelle Rezension von: sbalunziaWas hat der Kongo mit Klaviertasten, Handys, Nagasaki, Ionen-Lithium-Batterien und der Industrialisierung zu tun? Was war dein erster Gedanke? Ich verrate es dir: die vielen Mineralien und Stoffe in den Böden des Kongo.
"Bitte sagen Sie den Menschen in ihrem Land, dass im Kongo jeden Tag ein Kind stirbt, damit sie mit ihren Smartphones ins Netz gehen können."
Als ich das Buch begonnen habe, war ich mir noch nicht so sicher, wie wohl die ganze Gliederung gestaltet worden ist. Ich stellte mir das ganze Thema als sehr komplex vor (was es auf jeden Fall auch ist). Der Autor schaffte es aber gut, mich als völlig Unwissende abzuholen und durch das ganze Thema zu begleiten. Die Kapitel reichten von der Entdeckung und Kolonialisierung von Kenia bis hin zu den verschiedenen Staatswechseln, weiter bis zum hier und jetzt. Es sind ausgewogene Berichte zwischen Recherchen, Augenzeugenberichten und Interviews mit verschiedenen Parteien des Bergbaus und Weiterverkaufs. Sehr spannend fand ich unter anderem das Interview mit einem Forscher der Universität Lubumbashi.
Firmen, welche Kobalt in ihren Geräten verarbeiten, äussern sich, nur Kobalt aus "sauberen" Quellen zu beziehen. Kara zeigt auf, dass dies genauso realistisch ist wie im See das Erkennen von Wasser aus verschiedenen Flüssen.
Eine Aussage ist mir besonders im Kopf geblieben und jagt mir immer wieder einen Schauer über den Rücken:
"Vielleicht können ein Mal Batterien ohne Kobalt auskommen und die gleiche Leistungsfähigkeit und Sicherheit halten. Dies wird das Elend der kongolesischen Bevölkerung nicht beenden. Der neue Rohstoff wird sehr wahrscheinlich auch in diesen Böden schlummern. Sein unbeschreiblicher Reichtum hat dem kongolesischen Volk nichts als unsägliches Leid gebracht."
Das einzige, was mir fehlte, war die Veranschaulichung. Z.B. eine Karte, damit man besser versteht, von welcher Miene gesprochen wird.
Es war kein einfaches Buch. Auch zu sagen: "Es hat Spass gemacht, es zu lesen" wäre falsch. Es war aber unglaublich bereichernd und meiner Meinung nach ein Muss für jeden, der ein Handy, eine Powerbank, ein E-Bike besitzt oder Batterien benutzt.
Für mehr Rezensionen: Instagram -> book_recommender_sbalunzia
- Ingvild H. Rishøi
Andere Sterne
(51)Aktuelle Rezension von: shizu_readsEine Weihnachtsgeschichte, die ganz anders ist, als man es erwarten würde. Sie liest sich wunderbar flüssig und schnell. Durch die kurzen Kapitel und die knapp 150 Seiten fliegt man geradezu durch die Erzählung.
Die Geschichte hat etwas von einem modernen Märchen, das entfernt an Das Mädchen mit den Schwefelhölzern erinnert. Die Stimmung ist überwiegend düster, aber dennoch gibt es immer wieder helle Momente der Hoffnung, die wie Lichtstrahlen in der Dunkelheit wirken.
Auch die Charaktere sind außergewöhnlich und tragen zur Atmosphäre bei. Sie werden nur in kleinen Nuancen gezeichnet, was jedoch völlig ausreicht, um sie lebendig und greifbar zu machen. Gleichzeitig entziehen sie sich einer klaren Einordnung, was der Erzählung einen besonderen Charme verleiht und hervorragend zum Stil der Geschichte passt.
Besonders gelungen ist die Perspektive aus der Sicht eines Kindes. Sie verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene von Unschuld und Zerbrechlichkeit, die berührt und zum Nachdenken anregt.
Es ist kein fröhliches Buch im klassischen Sinne, aber dennoch geht der weihnachtliche Geist nicht verloren. Vielmehr zeigt die Geschichte auf, dass Weihnachten nicht immer und nicht für jeden eine Zeit des Glücks und der Freude ist.
- Marie Lacrosse
Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben
(65)Aktuelle Rezension von: Daniela_FranzelinIch finde, dieser zweite Teil ist sogar noch um einiges besser als der erste. Die Reihe gehört auf jeden Fall jetzt schon zu meinem absoltuntem Favorit.
Was ich an dem Buch so mag, ist die Realitätsnähe, die die Autorin in die Geschichte hineinfließen lässt. Es geht um so vieles - von der Kinderarbeit zu den schrecklichen Arbeitsverhältnisen zur damaligen Zeit, um die Verhältnisse in damalige Irrenanstalten, um Streiks und nich so so viel mehr.
Wie so viel auf einmal in ein Buch passt, wundert mich im Nachhinein fast. Man hat aber nie das Gefühl, dass die Geschichte zu überladen ist. Im Gegenteil: sie bleibt von Seite zu Seite spannend und man fiebert und leidet permanent mit den Hauptdarstellern mit. Zudem muss man noch erwähnen, dass die Figuren im Buch einfach sehr authentisch und lebendig wirken. Mam will das Buch einfach nicht mehr weglegen.
Somit empfehle ich den zweiten Teil sogar noch etwas mehr als den ersten Teil der Buchreihe. Unbedingt lesen sollte man ihn, wenn man historische Romane auch schon nur ein bisschem mag. Wer mehr an historik interessiert ist, der wird das Buch lieben!
- Benjamin Pütter
Kleine Hände – großer Profit
(5)Aktuelle Rezension von: Sikal„Sadanands Körper ist mit Narben übersät. Der 13-jährige musste im indischen Mirzapur als Sklave in der Teppichindustrie arbeiten, täglich 16 bis 20 Stunden, fast ohne Pause und ohne ausreichend Essen. Wenn er während der Arbeit einschlief, wurde er von seinem Arbeitgeber heftig geschlagen, einmal sogar mit einem Nagelbrett. Schließlich konnte er fliehen.“
Unzählige solcher Einzelschicksale weiß Benjamin Pütter zu berichten. Der Kinderarbeitsexperte war in den letzten 30 Jahren unzählige Male in Indien, hat dort viele Kinder, die unter sklavenähnlichen Bedingungen ihr Leben fristen, aufgespürt, interviewt und oftmals befreit. Er sammelte Beweismaterial, machte mobil gegen diverse Industriezweige, informierte die Öffentlichkeit, appellierte an die Moral der Konsumenten – denn jeder von uns wurde bereits zum Unterstützer von Kinderarbeit. Diese ist weit verzweigt, wenngleich der Autor hier den Schwerpunkt auf Indien legt, welches einerseits das Land mit den meisten Kinderarbeitern ist und andererseits natürlich vom Autor durch seine Erfahrungen am besten analysiert werden kann.
Püttner gibt uns hier einen Einblick in ein System, welches so unglaublich ist, dass man nur den Kopf schütteln möchte. Gesellschaftliche Unterschiede durch ein Kastensystem, welches in den Köpfen der Menschen so dermaßen tief verankert ist, dass es nicht scheint, hier bald eine Änderung zu erwirken. Kastenlose Kinder dürfen z.B. nicht in Dorfschulen unterrichtet werden, damit das allgemeine Bildungsniveau nicht sinkt. Somit wird der Grundstock für die Zukunft dieser Kinder gelegt, die aus ihrer Armut nicht ausbrechen können. Kinder werden den Eltern teilweise abgekauft, teilweise auch entführt oder müssen die Schulden ihrer Eltern abarbeiten. Mit welchen Argumenten oder welchem Druck hier gearbeitet wird, ist erschreckend. Diese Kinder haben keine Chance – und deren Eltern ebenso wenig.
Unterschiedliche Produktionsbereiche werden vorgestellt, in denen Kinderarbeit vermehrt eingesetzt wird. Ein großer Teil des Buches widmet sich hier der Teppichindustrie, der Natursteinindustrie, ebenso dem Wickeln von Räucherstäbchen oder gar der Waffenproduktion. Vor allem in diesen Industriezweigen werden Kinder unter furchtbaren Bedingungen ausgebeutet, misshandelt und ihrer Würde beraubt, um den westlichen Konsumgesellschaften Produkte anbieten zu können, deren Herkunft man besser nicht hinterfragt, wenn man weiterhin ohne schlechtes Gewissen schlafen möchte.
Doch nicht nur der Westen trägt einen großen Teil zur Förderung der Kinderarbeit bei, ebenso stehen in Indien Korruption, Illegalität und Drohungen an der Tagesordnung. So mancher Gesetzesvertreter steht auf der Gehaltsliste eines Steinbruchbesitzers – wer sollte denn da noch in den Betrieben ermitteln? Und sobald eine Schiefertafel an der Wand hängt, der Betrieb somit als „Ausbildungsbetrieb“ gekennzeichnet ist, verliert sich die Illegalität.
Benjamin Püttner lässt uns trotzdem nicht ganz hoffnungslos zurück, gibt uns in einem Kapitel über diverse Siegel eine Möglichkeit, Produkte aus unabhängigen Prüfungen zu erkennen und diese vorzuziehen.
Das Buch analysiert unmögliche Zustände, gibt einen Einblick in ein Tabu-Thema, welches uns alle angeht, nimmt Politik und Gesellschaft in die Pflicht, ein Umdenken anzustreben und zeigt Wege auf, aus dieser Spirale auszubrechen.
„Die Menschenrechte sind unteilbar und gelten daher für Kinder in Indien, Pakistan, Ghana oder Bolivien in gleicher Weise wie für Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und so wie es selbstverständlich ist, dass es bei uns keine Kinderarbeit gibt, so muss dies auch selbstverständlich werden für alle Kinder dieser Welt.“
- Nora Luttmer
Dunkelkinder
(13)Aktuelle Rezension von: abuelitaMixed Emotions löste dieses Buch in mir aus. Einerseits ist das Thema wirklich sehr interessant, andererseits ist es in meinen Augen schlecht geschrieben.
Ermittlerin Mia Paulsen wurde von einem Fall so mitgenommen, dass sie in psychologische Behandlung musste und ist nun zurück in ihre Heimatstadt Hamburg. Dass Ihr neuer Chef ein Ex-Freund von ihr ist, erleichtert ihren Start nicht und dass sie nur alte Fälle zugeschoben bekommt, spricht für sich.
Auch dass sie sich damit nicht zufrieden gibt und selbst zu ermitteln beginnt, weil sie eine Verbindung von einem alten Fall zu einem neuen sieht, finde ich reichlich unglaubwürdig.
Die ständig wechselnden Perspektiven von vielen verschiedenen Personen waren nicht schlecht, aber da hier auch die Täter zu Wort kommen, weiß der Leser viel mehr als die Ermittler und das nimmt einfach die Spannung, die so oder so nicht groß da ist.Wie gesagt, ich weiss nicht so recht, ob ich das Buch empfehlen soll oder nicht…am besten macht Ihr Euch doch selber ein Bild davon.
- Deepa Anappara
Die Detektive vom Bhoot-Basar
(94)Aktuelle Rezension von: FrancieNolan„Die Reichen meinen, sie könnten alles kaufen, sogar uns.“
“Glücklich sind diejenigen, die alt werden in der Überzeugung, dass sie Kontrolle über ihr Leben haben, aber auch sie werden eines Tages erkennen, dass alles ungewiss ist und man irgendwann für immer verschwindet. Wir sind nur Staubkörner in dieser Welt, leuchten einmal kurz in der Sonne auf, und dann verschwinden wir im Nichts. Du musst lernen, deinen Frieden damit zu machen.“
….aus dem Nachwort der Autorin: „…angeblich verschwinden in Indien jeden Tag etwa 180 Kinder. Normalerweise erfährt man in den Nachrichten nur dann davon, wenn die Kidnapper gefasst oder besonders grausige Einzelheiten der Verbrechen bekannt werden.“ …“wie lebt man mit täglicher Ungewissheit? Wie schöpft man Hoffnung, wenn einem erklärt wird, dass es keine gibt?“
Das indische „Emil und die Detektive“, nach einer wahren Geschichte, heißt es - ich würde es nicht so bezeichnen, da es dafür zu realistisch ist, aber nichtsdestotrotz weht ein Hauch Kästner durch das Buch, gepaart mit ganz viel buntem Indien, aber auch mit der Gewalt und der Armut, die dort herrschen. Und vor allen Dingen konnte es mich mindestens genauso begeistern, denn ich habe es durchweg sehr gerne gelesen, bei aller Brutalität der Tatsachen.
Die Autorin nimmt hier sehr geschickt die Perspektive von drei Kindern ein, wodurch die Geschichte eine Leichtigkeit erhält, die die allgegenwärtige Armut ertragbar macht. Die Kinder Jai, Pari und Faiz, die in einem städtischen Slum leben, und sich, angeregt durchs Fernsehen, als Detektive auf die Suche nach vermissten Klassenkameraden machen, erleichtern durch ihren unschuldigen Blick auf die Dinge dem Leser die Akzeptanz eines Daseins, das ähnlich wie in dem Film Slumdog Millionärs dargestellt, aber eben in keinster Weise romantisiert oder verkitscht wird.
Wie die Autorin im Nachwort erklärt, ging es ihr vor allem darum zu ergründen, wie sich Menschen in völlig aussichtslosen, ungerechten Verhältnissen zurechtfinden und trotzdem sogar Lebensfreude bewahren, und wie gleichzeitig aber alleine die Armut immer wieder auch Gewalt gebiert.
Das ist ihr gut gelungen, und so ist es Buch weniger ein Kriminalroman, als vielmehr eine großartige Reflexion über die tägliche Gewalt in Indien, dabei aber auch eine eindrucksvolle Geschichte, die zwischen Magie und trauriger Realität – wie Polizeikorruption, religiöse Konflikte/Unterdrückung & Armut und das Leben in einem Slum – schwankt. Es gibt auch noch ein weiteres schreckliches Thema, das ich hier aber nicht verrate, weil es ein Spoiler wäre.Der Schreibstil von Anappara ist fesselnd und sprachlich humorvoll-leicht, und sie schafft es, eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, die den Leser sowohl in die indische Kultur als auch in die dunklen Aspekte der indischen Gesellschaft, die harten Gegensätze, eintauchen lässt. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie die Autorin das mystische Element des „Bhoot-Basar“ - übersetzt der „Markt der Geister“ - und eine Welt der Dschinns einfließen lässt, was der Geschichte eine besondere, beinahe phantastische Dimension verleiht.
Was die Bewertung mit 4 statt 5 Sternen angeht, ist das lediglich der Tatsache geschuldet, dass es ein paar wenige Längen gibt, die Konstruktion der Geschichte, insbesondere mit dem Ende etwas unausbalanciert daherkommt - der eigentlichen Lösung wird zu wenig Zeit gewidmet und das wichtige Thema des Endes kommt etwas abrupt. Das darauf weniger eingegangen wird, als am Anfang auf diverse Themen, fand ich etwas schade.
Dennoch bleibt das Buch insgesamt sehr empfehlenswert, besonders für jene, die sich für soziale Themen und ein Indien jenseits touristischer Prospekte interessieren.
Fazit
„Die Detektive vom Bhoot-Basar“ ist eine außergewöhnliche Geschichte mit Tiefgang, die die Leichtigkeit von Kästners Detektiven, ein bisschen magischen Realismus & viel Indienatmosphäre mit einer fesselnden Reflektion zu Ungerechtigkeit und Armut in unserer Welt verbindet, ohne die Romantisierung eines Films wie Slumdog millionaires oder gar der Bollywoodstreifen. Ein rundum sehr lesenswertes Buch.
- Julia Kröhn
Papierkinder
(11)Aktuelle Rezension von: Eliza08Julia Kröhn hat einen monumentalen Roman über die erste Kinderrechtserklärung geschrieben, mit dem ich mich leider stellenweise etwas schwergetan habe.
Es geht in dem Roman um drei beeindruckende Frauen, die sich für die Rechte der Kinder stark gemacht haben. Die Sozialistin Emma Dölz, die Montessori-Lehrerin Clara Grunwald und die Wohltäterin Eglantyne Jebb stehen im Mittelpunkt dieses Romans, denn ihnen ist es zu verdanken, dass 1924 die Genfer Erklärung unterschrieben wurde.
Besonders Clara Grunwald hat mich beeindruckt und ich mochte sie im Laufe des Romans sehr.
Leider habe ich mich etwas schwergetan, zum einem hat mich die Rahmenhandlung (spielt im Jahr 2023) verwirrt, der Prolog und auch der Epilog waren für mich irgendwie überflüssig. Zum anderen ist mir die Zeitspane zu groß, in der der Roman erzählt wird. Der Roman beginnt 1874 und endet 1925, die Gliederung gibt dem Roman zwar eine Struktur und einen Rahmen, dennoch waren mir die Zeitsprünge manchmal ein bisschen viel.
Es geht um die Not der Kleinsten und Schwächsten in unsere Gesellschaft, die Kinder. Sie wachsen in Armut auf und haben ein scheinbar vorbestimmtes Leben vor sich. Es geht aber auch um das Arbeitnehmerrecht, um die Frauenrecht, um den Sozialismus, die SPD, Maria Montessori und die Reformpädagogik, den ersten Weltkrieg und vieles mehr.
Die drei großen Frauen werden durch die fiktionale Geschichte um die Familie Albrecht in einen Kontext gesetzt. Für mich wirkte genau dies, manchmal etwas zu sehr gewollt.
Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt sehr flüssig und gut zu lesen. Ich hatte streckenweise auch sehr viel Spaß mit dem Buch, leider gab es aber auch einige Stellen, die sich etwas gezogen haben.
Ich empfehle jedem dieses Buch, der sich etwas näher mit den Kinderrechten auseinandersetzen möchte.
- Shobha Rao
Mädchen brennen heller
(4)Aktuelle Rezension von: nocheinbuchDas südwestliche Indien mit seinen mal staubtrockenen, unglaublich erhitzten, mal von Regengüssen völlig zermatschten Böden, die das Barfußlaufen erzwingen. Barfuß zum Sari-Webstuhl, zum Tee mit der möglicherweise zukünftigen Schwiegerfamilie, barfuß durch den Morast der absoluten Armut, der lebenzerstörenden Mitgiftpolitik, der Unterwelt voller geschasster Mädchen - Frauen werden sie kaum, derart giftig durchtränkt sie ihr gottgegebenes Schicksal in niedriger Kaste.
.
“Flammen, Flammen rings um dich, die deine eben erst entstandenen Brüste auffressen, deinen eben erst blutenden Körper. Und Flammenmeere, weit wie die Welt. Die darauf warten, dich zu vernichten, dich zu Asche zu machen - und selbst der Wind, sogar der Wind, meine Kleine, schaut dir beim Brennen zu, will es, weht über dich hinweg und durch dich hindurch. Verstreut dich, weil du ein Mädchen bist und weil du Asche bist."
.
Mädchen wie die Weberin und Halbwaise Purnima und die Müllsammlerin Savita, 16 und 17, deren Perspektiven in Shobha Raos Debütroman “Mädchen brennen heller” abwechselnd in den Vordergrund treten, wobei eine sehr fließende, teils poetische Sprache die dunklen Gräben der erzählten Abgründe überbrückt. Auch wäre das nicht nur die beiden von Geburt an begleitende Verständnis des weiblichen Körpers als Ware unerträglich ohne ihre tiefe Freundschaftsliebe zueinander sowie den sequenziell angelegten, recht abenteuerlichen Storyverlauf, ausgekleidet mit dem Mut und der Zuversicht ihres jeweils aufkeimenden identitären Bewusstseins.
.
Bis in die USA gelangen Purnima und Savita, längst wieder voneinander getrennt, bis dort zieht sich der Handel mit Körpern, ihren Funktionen und Kräften und verbietet somit die Gewohnheit, Dritte-Welt-Zustände auszublenden. Denn: Sie kehrt vor unserer Haustür - manchmal buchstäblich, das versteht jetzt allerdings nur, wer "Mädchen brennen heller" liest, wer in diese reale, lodernde und doch eiskalte, aber vor allem würdelose Hölle voller inhumaner Despotie blickt.
.
Ein nicht ganz perfekt ausgereiftes Debüt, das mich allerdings völlig in Beschlag nahm und infolgedessen mir andere Zeitungsmeldungen als gewohnt ins Auge stachen.
- Varsha Shah
Ajay und die Tintenhelden
(20)Aktuelle Rezension von: kinderbuchundbasteleiDieses Kinderbuchdebut der Autorin Varsha Shah hat mich so begeistert!
"Ajay und die Tintenhelden" nimmt uns mit in die Ferne, in die große indische Millionenstadt Mumbai, und erzählt die Geschichte von Ajay, einem Straßenjungen, und seinem großen Traum, eines Tages ein bekannter Journalist zu werden. Unmöglich für einen kleinen Jungen, der am Bahnhof lebt, ohne die Unterstützung und Liebe von Eltern oder Verwandten, noch dazu wo er noch niemals die Schule besucht hat?
In diesem Buch wird Unmögliches möglich!
Deshalb ist es auch eine wahnsinnig tolle Inspiration für junge Menschen! Noch dazu ist die Geschichte fesselnd geschrieben und bleibt spannend bis zum Schluss, denn die Abenteuer, die Ajay zusammen mit seinen Freunden erlebt, sind nicht ohne. Plötzlich sehen sie sich nämlich mit kriminellen Machenschaften konfrontiert und müssen ganz schön viel Mut und Durchhaltevermögen an den Tag legen, um diese aufzudecken und publik zu machen. Doch aufgeben ist für Ajay keine Option und auch seine Freunde beweisen, dass sie trotz Schwierigkeiten, Diskrepanzen und Gefahren weiter zusammen durch Dick und Dünn gehen werden!
Meine Leseempfehlung für junge - und weniger junge - Lesebegeisterte ab 10 Jahren!
- Ulrike Schweikert
Das Jahr der Verschwörer
(47)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderSie schreibt auch für Jugendliche historische Bücher. Die bekannte Autorin Ulrike Schweikert (Die Hexe und die Heilige). Genauso spannend und interessant führt sie auch ihre jungen Leser in vergangene Zeiten. Das Jahr der Verschwörer ist ein spannendes Buch mit jugendlichen Helden mit denen man mitfiebert und tief in die GEschichte eintaucht.
- Delphine Vigan
Die Kinder sind Könige
(276)Aktuelle Rezension von: LidenLeseempfehlung
Datum : 13.08.2025
✨Handlung✨
Die Tochter einer Influencerin wird entführt und wir können hinter die Fassade der Influencerin gucken. (Bisschen Krimi, bisschen Familiendrama)
✨Protagonisten✨
Charaktere : 3,5 / 5
Wir haben die Sicht von Clara (Polizistin) und Melanie (Mutter und Influencerin) und Auszüge aus der Polizeiakte. Wir sehen, weshalb Melanie so handelt (woher kommt dieser Egoismus, fehlende Selbstreflexion), wie das Leben hinter der Kamera aussieht (nämlich gar nicht mal so rosig. Claras Part war mir ein wenig unklar in der Thematik. Klar, sie war die Ermittlerin, aber ich fand ihre Erläuterungen doch eher unnötig.
✨Setting✨
Unterhaltung : 3,5 / 5
Ein sehr wichtiges und vorallem aktuelles Thema !
Clara ihr Privatleben wurde mir in ihren Kapiteln zu sehr in den Vordergrund gerückt (hat den Fall nicht nicht weitergebracht). Es ging ja grundsätzlich um das Thema Social Media und deren Gefahren und nicht darum, ob die Eltern von der Polizistin gerne auf Demos gingen.
Die Geschichte spielt in Frankreich.
✨Schreibstil✨
Spannung : 3,5 / 5
Bis zum Ende wusste man nicht, wieso weshalb warum Kimmy entführt wurde, von wem, freiwillig, was ihr geschah usw. Das hatte eine Sogwirkung. Die Kapitel hatten eine sehr angenehme Länge.
Die Autorin hat mir leider zu oft schwadroniert.
✨Fazit✨
Das Thema ist so so wichtig ! Ich hätte es mir allerdings pointierter gewünscht.
Ein Buch, welches aufzeigt, wie wichtig es ist den Kindern selbst die Möglichkeit eines digitalen Fußabdruckes zu ermöglichen und nicht vorweg zu nehmen. Und was passiert, wenn man Kinder ins Rampenlicht stellt (wobei dies ja nichts Neues ist, das Medium hat sich nur geändert .. siehe Lindsay Lohan, Macaulay Culkin, Amanda Bynes).. schade das die Menschen nicht daraus lernen und es immernoch welche (viele) gibt, die den Profit auf den Rücken der Kinder sammeln ..
Ich selber habe kein Social Media (mehr), würde aber (wenn ich es wieder hätte) keinen Family Influencer mehr folgen und trauen.
- Mikael Bergstrand
Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte
(48)Aktuelle Rezension von: Dani_EbSchHabe den Anfang gelesen und den Rest beim Sport als Hörbuch gehört.
Egal wie alt "Mann" ist , ob25 oder 52. Er kann sich immer zum "Horst"machen.
Es war sehr lustig, nie langweilig und sehr unterhaltsam. Das Hörbuch würde 5 Sterne bekommen, obwohl gekürzt, war es mit einer männlichen Stimme erzählt sehr sehr amüsant und brachte beim Joggen einige Lacher.....
Bin gespannt auf Teil 2... - Annette Pehnt
Alle für Anuka
(4)Aktuelle Rezension von: camilla1303Autorin: Annette Pehnt
Illustrationen: Jutta Bauer
Titel: Alle für Anuka
Verlag: Carl Hanser Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 144 Seiten
Preis: 12,90€
Zielgruppe/Alter: 10-12 Jahre
Jedes Jahr verbringt Philip seine Ferien im PalmenClub. Dort sieht er Anuka wieder, die im PalmenClub arbeitet. Jeden Tag muss sie früh aufstehen, um den Urlaubern einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten und das Konzept „Urlaub“ ist ihr völlig fremd. Sie ist stolz auf ihre Arbeit, mit der das Waisenmädchen ihre Brüder ernährt.
Geeignet ist das Buch für Kinder ab zehn Jahren. Meiner Meinung nach sollte die Altersbegrenzung aber etwas angehoben werden, da das Buch schwer auf Kinderseelen lasten könnte. Meine zehnjährige Tochter versteht nicht, warum Kinder arbeiten müssen und nicht "nur" Kinder sein können. Und war nach dem Lesender Lektüre doch sehr aufgewühlt.
“Das Buch handelt von Kinderarmut und Ungerechtigkeit, aber auch darüber, was Mitgefühl und Solidarität unter Kindern... ”
Ich durfte das Buch als Buchbotschafterin für ClevereFrauen.de lesen und meine vollständige Rezension findet ihr auf:
http://cleverefrauen.de/html/Kinderarbeit.html - Maria Orsini Natale
Die Pastakönigin
(3)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisVon diesem historischen Roman habe ich ursprünglich ein bisschen etwas anderes erwartet, habe aber dann in diese Familiensaga, die auch die politischen Ereignisse in Italien von Garibaldi bis Mussolini einflicht, als ziemlich interessant empfunden.
Das Buch schildert die Entstehung der italienischen Pasta-Industrie von einem kleinen neapolitanischen Familienbetrieb von reiner Handarbeit über die frühe Mechanisierung unter Zuhilfenahme von Knetstangen, Matrizen und Bronzeformen bis hin zur Nudelindustrie, wie wir sie von aus den Supermärkten kennen.
Es wird weder die harte Arbeit, das karge Einkommen noch die Anfänge der Mafia ausgespart. Anhand der Familienmitglieder zieht die regionale oder auch dei Weltgeschichte an uns Lesern vorüber. Das eine oder andere Ereignis wird nur kurz gestreift oder eben ausführlicher behandelt.
Fazit:
Wer etwas über die Entstehung der vielfältigen italienischen Pasta lesen will und über den Ideenreichtum der echten italienischen Pasta (abseits von Spaghetti oder Penne) staunt, ist hier richtig. Gerne gebe ich dieser Familiensaga mit Mehrwert 4 Sterne.
- Jonas Lüscher
Frühling der Barbaren
(76)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerMöchte man ein Beispiel einer Novelle kennen lernen, in der die entsprechenden genrespezifischen Merkmale idealtypisch umgesetzt worden sind, so lese man das Werk „Frühling der Barbaren“ von Jonas Lüscher. Sogar das Dingsymbol in Gestalt eines Kamels findet man darin.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich dieser Form von Literatur nicht viel abgewinnen konnte. Der Inhalt und die Sprache sind künstlerisch überformt und ich kann mich den vielen positiven, ja schon überschwänglichen Rezensionen aus dem Feuilleton überhaupt nicht anschließen. Für mich stand das Ereignis der Finanzkrise viel zu wenig im Zentrum der Handlung, und die an die Krise anschließenden Reaktionen der Protagonisten waren mir viel zu surreal. Dem Werk fehlt eine schlichte Eleganz. Auch mag ich „lebensechte“ Literatur. Aber das ist natürlich eine subjektive Sichtweise!
Ich möchte Literatur lesen, die mich berührt, die in mir etwas auslöst, die mich mitnimmt oder die mich wachrüttelt. All das fehlte mir in diesem schmalen Büchlein. Aus diesem Grund konnte ich mit der Novelle nichts anfangen. Das einzige, was ich hier lobend erwähnen kann: Der Sprachduktus des Schweizer Fabrikerben Preising ist eigentümlich und mit Wiedererkennungswert gestaltet worden. Altertümliche Wörter und umständliche Partizipial-Konstruktionen finden sich darin.
Fazit: Ein Buch, das dazu taugt, die Merkmale einer Novelle zu veranschaulichen. Inhaltlich ist das Dargestellte aber nach meinem Empfinden viel zu weit weg von der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Mit diesem künstlerisch-durchgeformten Text konnte ich nichts anfangen. Ich mag Literatur, die etwas in mir auslöst, die mich bewegt und ergreift. Dieses Werk habe ich jedoch unbeteiligt und ohne größeres Interesse gelesen. Ich gebe 2 Sterne!
- Marco Hasenkopf
Köln 300 °C
(16)Aktuelle Rezension von: AngelaKJudith Mertin und Markus Kaiser werden zu einem Autobrand gerufen. Hinterm Steuer ist ein Mann verbrannt. Ein Unfallgeschehen kann ausgeschlossen werden. Im Fußraum des Autos bemerkt Judith Mertin ein verkohltes Etwas, das aussieht wie ein Brikett. Keiner hat eine Ahnung, um was es sich dabei handelt. Und wer ist der Tote? Gibt es Parallelen zu anderen Bränden in Köln?
Etwa dem in dem Heim für unbegleitete Flüchtlinge? Irgendwie scheint alles zusammenhanglos.
Das Ermittlerteam Mertin/Kaiser kann man nicht als harmonisch bezeichnen. Judith fühlt sich von Kaiser im Stich gelassen. Kaiser nervt gerade jeden. Er kann sich selber nicht ausstehen. Judith, die sehr gut in Selbstverteidung ist, schießt manchmal etwas übers Ziel raus. Das Ganze gipfelt darin, daß Judith um eine Versetzung bittet, obwohl sie doch gerade erst begonnen hat mit Kaiser zu arbeiten.
Neben der eigentlichen Krimihandlung und dem Hickhack des Ermittlerteams sind die Hintergründe der im Heim für unbegleiteten Flüchtlinge interessant. Sie sind wie Judith im Kongo aufgewachsen. Die Flüchtlingskinder haben unter menschenunwürdigen Bedingungen in einer Coltanmine gearbeitet, einem für die Handyproduktion notwendigem Rohstoff.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonisten waren überzeugend dargestellt, die Handlung sehr spannend. Klare Leseempfehlung von mir.
- Ane Mulligan
Wenn wir unseren Träumen folgen
(17)Aktuelle Rezension von: Saphir610In Sweetgum, einem kleinen Ort im Süden der USA betreibt die Familie in der 1930er Jahren ein Hotel. Fast alles im Ort gehört dem raffgierigen Besitzer der Spinnerei, auch das Hotel. Es kommt zu einem großen Unglück und alles ändert sich. Die Schwestern Janessa, Annie und Lillian müssen ihre Zukunftspläne überdenken und über sich hinaus wachsen.
Am Anfang habe ich ein wenig Schwierigkeiten gehabt in die Geschichte rein zu kommen, doch dann war ein schöner, angenehmer Lesefluss.
Eine Geschichte über Zusammenhalt, Vertrauen, Glaube und Stärke in schlechten Zeiten.
Es werden auch die Zustände in einer Spinnerei der damaligen Zeit geschildert, mit Kinderarbeit, schlimmen Unfällen und einem Besitzer der Proteste mit Gewalt unterbindet.
Es wird aus der Sicht von Janessas erzählt und das gelingt sehr gut.
Das ist mein zweites Roman von der Autorin und ich würde mich freuen, wenn es im Brunnen Verlag bald mehr von ihr zu lesen geben wird.
- Fritz Mertens
Ich wollte Liebe und lernte hassen!
(54)Aktuelle Rezension von: Nadine_RiedeWem empfiehlt man ein Buch, dessen Inhalt fast ausschließlich aus Hass und Gewalt besteht, das eine schonungslose Geschichte eines schonungslosen Lebens erzählt? "Ich wollte lieben und lernte hassen" ist für mich die tragische Erkenntnis, dass man sich nicht immer aussuchen kann, zu welchem Menschen man wird. Wo keine Liebe ist, kann keine Liebe wachsen. Ein Lebensbericht, den ich trotz allem Schmerz ans Herz legen möchte. - Susan Anne Mason
Ein neuer Anfang für die Liebe
(16)Aktuelle Rezension von: Pepale1919: Allein und mittellos kämpft sich Julia Holloway in Toronto durchs Leben. Als sie in eine missliche Lage gerät, kommt ihr Quinten "Quinn" Aspinall zu Hilfe.
Der sanfte junge Mann ist eigentlich auf der Suche nach seinen Geschwistern, die als billige Arbeitskräfte nach Kanada verschifft wurden. Aus Dankbarkeit schließt sich Julia Quinn bei der Suche an, doch dann erfährt sie, dass Quinn auch ihretwegen nach Kanda gekommen ist - um ein Versprechen zu erfüllen!
Was hat es damit auf sich? Und wird Quinn bei seiner Suche erfolgreich sein? Die gestaltet sich nämlich schwieriger als gedacht… (Klappentext)
Im wesentlichen handelt die Geschichte von dem Thema „British Home Children“. In den Jahren zwischen 1860 bis 1948 wurden Jungen und Mädchen aus dem Vereinigten Königreich, in britische Kolonien und Gebiete in andere Teile der Welt umgesiedelt. Sie wurden nach Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika geschickt, weil man glaubte, dass diese Kinder dort bessere Chancen hätten. Die Kinder stammten aus Familien, die durch Krankheit oder versterben eines Elternteils in einer Notsituation waren. Die Unterbringung in den Heimen war als kurzfristige Lösung gedacht, bis die finanzielle Lage sich in den Familien gebessert hat. Die Eltern wussten selbst nicht Bescheid über die Mißstände in den Heimen und Verschiffung der Kinder in andere Länder.
Ich konnte mir alles bildlich vorstellen. Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen. Die Geschichte und die Protagonisten sind authentisch dargestellt. Die Figuren entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter. Es handelt sich um einen historischen Roman, in den auch immer wieder mal christliche Momente zu Gott eingearbeitet sind, was aber keinesfalls kitschig wirkt. Die Autorin hat viele emotionale Momente eingebaut. Die Sichtweisen der Erzählung wechseln zwischen den Gedanken von Quinn und Julia.
Es handelt sich um eine fesselnde und berührende Erzählung.
- Ellen Marie Wiseman
Das verlorene Medaillon
(28)Aktuelle Rezension von: MiiiDie 19-jährige Emma verliert ihre Eltern bei einem Brand und muss nun bei ihrer Tante und ihrem Onkel unterkommen. Dass sie dort eigentlich nicht willkommen ist und man auch oftmals versucht, sie lediglich auszunutzen, wird doch von Anfang an sehr deutlich.
Die Gegend in der sie lebt, ist geprägt von Armut, Ausbeutung und Tod. Mit Grauen muss Emma feststellen, dass Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingung und Todesfällen hier zum Alltag gehören.
Es war auf jeden Fall ein ergreifendes Buch, das die Grausamkeiten mehr als einmal sehr deutlich gemacht hat. Mit Emma hatten wir einen Charakter der sehr tapfer, stark, mutig und auch selbstlos ist. Das Schicksal der Kinder geht ihr sehr zu herzen, sodass sie sich mehr als einmal in Gefahr bringt um ihnen irgendwie helfen zu können. Dabei begegnet sie auch dem Arbeiter Clayton Nash, der genauso für die Rechte der Arbeiter und Kinder kämpft.
Der Einstieg ins Buch ist gut gelungen aber bis es spannend/interessant wurde hat es dann doch gedauert. Ich fand das Buch einfach sehr langatmig und in vielerlei Hinsicht auch sehr vorhersehbar.
So einige Sachen, die passiert sind, haben halt nicht unbedingt überrascht. Mir hat vor allem ein wenig der Bezug zum Titel gefehlt. Ja schon klar, Emmas Bruder ist gestorben als er am gleichen Ort vor Jahren das Medaillon seiner Schwester aus dem See holen wollte und mit seinem Leben zusammen ist auch das Medaillon verloren. Aber der Zusammenhang wollt sich mir trotzdem nicht so richtig erschließen.
Auch die Sache mit Clayton Nash, vor dem sie vor allen gewarnt wird und dem sie entsprechend erstmal eher zickig begegnet nur um dann später festzustellen dass er einer von den „Guten“ ist, war dann doch nicht unbedingt schockierend.
Und das Ende war nun wirklich so weit hergeholt… Das war dann doch zuviel des Guten.
Insgesamt ein schönes Buch, das wichtige Themen behandelt und durchaus Potential hatte, letzten Endes aber doch nur mittelmäßig geworden ist.























