Bücher mit dem Tag "kolonie"
58 Bücher
- Justin Cronin
Der Übergang
(1.276)Aktuelle Rezension von: koechlWas soll ich über ein Buch schreiben, das nicht beschreibbar ist? Das völlig aus meiner Lesenorm fällt? Wenn ich darüber nachdenke, kann ich es überhaupt einen Genre zuordnen. Vampirroman? Nein, ganz und gar nicht. Besonders in der heutigen Welt, in der Vampire gleichgesetzt werden mit glitzernden Womanizern. Dystopie? Ich bitte euch, Justin Cronins Buch lässt sich auch nicht mit Panem auf eine Ebene stellen. Am ehesten passt wohl der Begriff „Endzeit-Roman“ zum Buch. Aber „Der Übergang“ ist viel mehr, ganz anders, erschreckend, grausam, und gleichzeitig so lehrreich, denn er hat mir so viel über die Kunst verraten, berührende Geschichten zu erzählen und gleichzeitig jegliches Klischee zu umgehen.
Amy ist sechs Jahre alt, als sie von ihrer Mutter in einem Nonnenstift zurückgelassen wird. Sie ist ein merkwürdiges Mädchen, das ein merkwürdiges Leben geführt hat: Von ihrer Mutter, durch das das soziale Netz der Gesellschaft gefallen wie ein Ohrring durch den Abfluss, geliebt, niemals eine Schule oder eine andere derartige Einrichtung besucht, ist sie still, aufmerksam und ernst wie ein viel älteres Wesen. Gleichzeitig forscht eine Regierungsorganisation an einem Virus, der nur schwer kontrollierbar ist. Zwei FBI-Agents schaffen Probanden heran. Es geschieht nicht zufällig, dass sich die beiden Wege kreuzen, die beiden Schicksale verschlingen wie zwei sich verzwirbelnde Taue.
Ich habe sein Können, das Herzblut und die Liebe, die Cronin in den Text gelegt hat, auf jeder Seite gespürt. Natürlich, es war anders als Normal, abseits jeglicher Norm. Große Erzählkonstrukte mit ein paar eingestreuten wörtlichen Reden mögen nicht jedermanns Sache sein. Meine eigentlich auch nicht. Hier jedoch hat mich die Gewalt der Erzählung mitgerissen. Für mich hat sie die Sogwirkung entfaltet - und Achtung - ich bin eigentlich der Typ Leser, der mit süßen fantastischen Helden mitfiebert, nicht mit kleinen Mädchen und einem FBI-Agenten (Wolgast <3) oder mit einer Nonne. Wie erwähnt, das Buch bricht meine Norm richtig gründlich.
Oh Schreck, das Experiment und die Forschungen gehen richtig gründlich schief. Okey, das war jetzt nicht die Offenbarung. Auch dass es eine Welt vor und nach der Katastrophe gibt, konnte ich mir gerade noch so ausrechnen.
Aber - und jetzt kommt der Punkt, der mein Herz geöffnet hat: Die Geschichte zählt mit zu den grausamen, zu den hoffnungslosen, zu jenen, in denen es einige Tode zu beweinen gibt. Eigentlich bin ich so gestrickt, dass ich nach einer gewissen Zeit abstumpfe, wenn zu viel davon auf mich einprasselt. Ich spanne meinen mentalen Regenschirm auf, sehe der Geschichte zu, wie sie an der Membran entlang rinnt, lasse sie aber nicht an mich heran. Allen voran, weil ich enttäuscht vom Autor oder der Autorin bin, es hätte sicherlich eine andere weniger tödliche Lösung gegeben. Bei Cronin fieberte ich nicht mit, ich war an Amys Seite (die übrigens lange keinen POV bekommt, andere erzählen ihre Geschichte), die Herzen öffnet, die Liebe erfährt, die Grausamkeit erträgt und die mit dem Herzen hört. Ich habe miterlebt, wie sie Menschen mit einer abstumpfenden Biografie verändert und zu eigentlich unmöglichen bewegt. Cronin hat einfach eine unnachahmliche Art, seine Geschichte in meinen Kopf zu brennen. Ich hatte auch noch lange nach dem Schließen des Buches die Protagonisten vor Augen und werde sie wohl für lange Zeit in meinem Herzen durch die Welt tragen. Für mich hat Cronin einfach funktioniert. Er hat immer genau das richtige Maß an Hoffnung, Vertrauen und Freundschaft vermittelt, um die Dunkelheit nicht übermächtig werden zu lassen. Und davon existiert reichlich im Buch.
Er ist schwierig, es ist kein Mainstream, jedoch auf eine sehr eigentümliche Art und Weise berührend. - Marie Lu
Legend (Band 1) - Fallender Himmel
(2.300)Aktuelle Rezension von: MaggieMausWow !! Ab dem ersten Kapitel hatte mich das Buch schon in seinen Bann gezogen.
Eine unglaublich packende Geschichte über June und Day, zwei Menschen, die sich eigentlich nicht mögen sollten.
Viel Charaktertiefe, gute Wendungen, spannende Story! Ich fange sofort den zweiten Teil anSowas habe ich lange vermisst :) danke !
- Marie Lu
Legend (Band 2) - Schwelender Sturm
(1.197)Aktuelle Rezension von: PMelittaMNachdem der Meeresspiegel stark angestiegen war, wurden weite Teile der Ostküste der USA überschwemmt, die Menschen flüchteten nach Westen, wo man besorgt war wegen der vielen Flüchtlinge, und sich daher abschottete. Die USA zerfiel dadurch in zwei Teile, im Westen die Republik Amerika, im Osten die sogenannten Kolonien.
In der Republik herrscht ein autoritäres Regime, in dem es vielen Menschen schlecht und nur wenigen gut geht. Gegen die Kolonien wird Krieg geführt.
„Schwelender Sturm“ ist der zweite Band einer Trilogie und wird aus zwei Ich-Perspektiven erzählt. June und Day sind beide Waise, stammen aber aus gänzlich unterschiedlichen Verhältnissen. June ist das „Wunderkind“ der Republik, hochintelligent und war lange loyal dem Regime gegenüber, bis gewisse Ereignisse im ersten Band sie dazu brachten, sich gegen dieses zu stellen. Einer der Gründe ist Day, der in prekären Verhältnissen groß geworden ist, und sich schon früh gegen das Regime stellte.
Zu Beginn des zweiten Bandes haben sich die beiden einer Rebellengruppe, den sogenannten Patrioten angeschlossen, die sie mit gewissen Aufträgen versehen haben. In diesem Band wird man auch mehr über die Kolonien erfahren.
Es ist tatsächlich schon elf Jahre her, dass ich den ersten Band gelesen habe, aber ich kann sagen, dass es mir nicht besonders schwer gefallen ist, wieder in der Geschichte anzukommen. Manches wird angesprochen, so dass man einen gewissen Überblick bekommt, was vorher passiert ist. Empfehlenswerter ist es aber sicher, nicht so viel Zeit verstreichen zu lassen, weswegen ich auch bald den Abschlussband lesen werde.
Durch die Erzählung in der Ich-Form durch die beiden Hauptcharaktere kommt man diesen einigermaßen nahe. Irritiert hat mich jedoch, dass June erst 15 Jahre alt ist, Day wohl auch nicht sehr viel älter. Wenn das nicht gerade erwähnt wurde, waren beide in meiner Vorstellung einige Jahre älter. Es gibt ein paar andere Charaktere, die man ebenfalls näher kennen lernt, nicht jede:n durchschaut man direkt.
Das Setting dieser Dystopie kommt einem heutzutage gar nicht mehr allzu dystopisch vor, eine ähnliche Entwicklung könnte in nicht allzu ferner Zukunft liegen. Es gibt einige Wendungen, die mehr oder weniger überraschend sind, die Aufgaben sind gefährlich, so dass Spannung entsteht, jedoch war die für mich nicht so hoch, dass ich den Roman nicht aus den Händen legen konnte, aber doch so hoch, dass ich wissen wollte, wie es weiter geht. Am Ende darf man gespannt auf den dritten Band sein.
Band 2 der Trilogie erzählt die Geschichte nachvollziehbar weiter, wieder aus den Ich-Perspektiven der beiden Hauptcharaktere. Jetzt bin ich gespannt auf Band 3. Wer gerne dystopische Jugendromane liest, kann hier zugreifen. - Marie Lu
Legend (Band 3) - Berstende Sterne
(889)Aktuelle Rezension von: MaggieMausDieses Buch ist ein wunderbar gelungenes Ende der Geschichte von June und Day. Ohne viel zu Spoilern: ich habe viele Emotionen gefühlt, ich habe das Ende aufgesaugt und gehofft, dass es ein runder Abschluss wird. Ob Happy End oder nicht, das war mir egal
Meine Erwartungen wurden übertroffen! Danke für die tolle Buchreihe! Für mich absoluter Kultstatus
- Amie Kaufman
Aurora erwacht
(341)Aktuelle Rezension von: Angellika_BuenzelDieses Buch hat mich manchmal wahnsinnig gemacht.
Das Setting ist super. Es ist Science Ficiton, und das auf allen Ebenen. Es gibt Raumschiffe, intergalaktische Reisen und Aliens. Natürlich darf eine verrückte Crew nicht fehlen. Aber genau hier muss ich mal wieder meckern. Warum sind sie so jung? Manchmal hatte ich das Gefühl, mehreren Teenies zuzuschauen. Sie machen Witze, die eben Teenies machen würden und sie agieren manchmal genauso. Hier hätte ich mich etwas ältere Protas gewünscht.
Das Buch ist aus vielen Perspektiven geschrieben, weshalb ich zu niemandem eine "Beziehung" aufbauen konnte. Das ist aber nicht allzu schlimm. Denn die Story ist spannend und lebt eher von Abenteuern. Romance gibt es trotzdem, aber mehr nebenher.
Fazit: Ein schöner Science Ficiton Roman mit jungen Protagonisten, Humor und einer klitzekleinen Prise Liebe.
- Sarah Lark
Im Land der weißen Wolke
(475)Aktuelle Rezension von: MikeyEines vorneweg: Dieses Buch ist in meinen Augen Trivialliteratur. Warum, begründe ich später.
Es ist die Geschichte zweier Frauen, Helen und Gwyneira, die sich auf einem Schiff von England Richtung Neuseeland kennen lernen. Beide haben die Reise angetreten, um sich zu verheiraten. Gwyneira, weil sie ihr zukünftiger Schwiegervater Gerald, seines Zeichens Schafsbaron, für seinen Sohn Lukas mehr oder weniger in einem Kartenspiel gegen ihren Vater „gewonnen“ hat (dies allerdings mit Augenzwinkern, sie hätte auch nein sagen können), Helen, weil sie sich auf eine Anzeige der presbyterianischen Gemeinde in Christchurch beworben hat, die für ihre männlichen Gemeindemitglieder Frauen sucht. Sie finanziert ihre Überfahrt mit der Betreuung einer Gruppe von Waisenmädchen, die für Dienstbarkeiten ansässiger Familien vermittelt wurden.
Daraus ergibt sich die Tatsache, dass beide Frauen nichts über ihre zukünftigen Ehemänner wissen, daraus ergeben sich auch die Komplikationen des Romanes. Zufall soll es sein, dass beider Frauen zukünftige Ehemänner Nachbarn sind, Zufall ist es auch, dass Helens zukünftiger Ehemann Howard und Gerald Erzfeinde bis aufs Blut sind. Damit ist alles angerichtet, was ein Familiendrama braucht.
Es liegt auf der Hand, dass beide Ehekandidaten nicht das halten, was sich die beiden Frauen versprochen haben. Dabei hat Gwyneira eigentlich noch Glück. Lukas ist ein Gentleman durch und durch, stets zuvorkommend, gebildet, an Kunst interessiert… Dumm nur, dass er sich eigentlich mehr für Männer interessiert, was ihm wohl zum Zeitpunkt der Heirat noch nicht recht bewusst war. So kommt es immer wieder zu missglückten Versuchen, die Ehe zu vollziehen; Gerald will nämlich unbedingt einen männlichen Erben, wird nun auch wegen des Ausbleibens immer unleidlicher.
Helen dagegen hat echt in die Schei...e gegriffen, ihr Mann, ehemaliger Kompagnon von Gerald und mit diesem heillos verfehdet, ist jähzornig bis aufs Blut.
Die verzweifelten Versuche von Gwyneira und Lukas, einen Sohn zu bekommen und Geralds zunehmende Aggressivität wegen des Ausbleibens lassen Gwyneira indes nach einem „Ersatzerzeuger“ suchen, natürlich kommt dabei auch die Liebe ins Spiel. Ergebnis der Bemühungen ist (ins Geralds Augen leider) „nur“ ein Mädchen. Helen dagegen gebärt Howard einen Sohn. Als Gerald davon erfährt, dass seinem Erzfeind ein männlicher Erbe geboren wurde, was ihm versagt blieb, kommt es zur Eskalation…
Ich muss sagen, die Geschichte wäre eine gute Vorlage für eine Verfilmung, alles was ein guter Kino- oder Fernsehfilm braucht. Für einen guten Roman ist alles zu glatt. Typisch für diese Art Roman ist die „Kurzgefasstheit“ der Erzählweise. Die Dinge (sag ich jetzt mal) entwickeln sich nicht, sie werden einfach als gegeben erzählt. Alles wirkt sehr sprunghaft. „Zwei Sunden später…“ oder „“Zwei Monate später…“ zum Beispiel war etwas dann so oder so, wie, warum, weshalb wird nicht erzählt. Ich hätte mich vielleicht trotzdem dazu hinreißen lassen, 4 Sterne zu vergeben; die Geschichte ist spannend und 800 Seiten ist ein guter Umfang für eine Familiensaga. Aber mir sind es alles ein paar zu viele „Zufälle“. Helen und Gwyneira bleiben natürlich miteinander verbunden, werden durch ihre Kinder gar zu einer Familie (das wirkt auch gut als Eskalationsstoff, denn das erinnert durch deren verfeindete Väter anfangs sehr an "Romeo und Julia), auch die Geschichte der Waisenkinder grätscht unnötigerweise immer wieder dazwischen. Diese haben entweder totales Glück mit ihrer Anstellung oder totales Pech, dazwischen gibt es nichts.
Was mir aber die 4 Sterne unmöglich zu vergeben gemacht hat, ist das Ende. Nicht nur, dass wirklich alle Akteure, die unsympathisch, schlecht oder einfach unpassend sind, am Ende sterben, es geht alles gut aus wie im Märchen. Und am Ende des Romanes geht alles sehr sehr schnell. Da werden schon mal zwischen 2 Kapiteln Jahre übersprungen. Es bleibt wieder mal das Gefühl zurück, der Author, die Authorin hatte am Ende keine rechte Lust mehr.
Also 3 Sterne.
Dieses Buch ist der erste Teil einer Trilogie. "Im Land der weißen Wolke" ist aber in sich abgeschlossen. Die Bücher der Trilogie scheinen nur sehr lose miteinander zusammenzuhängen. Also kein Grund, weiterzulesen... - Laura Kneidl
Water & Air
(263)Aktuelle Rezension von: Bianca_BooksIch fand das Buch nicht schlecht und habe es gerne gelesen. Es ist jetzt nichts komplett außergewöhnliches aber mir hat die Zeit und die Welt gefallen in der das Buch spielt. Es spielt in einer dystopischen Zukunft und eine mysteriöse Mordserie hält die Kolonie in Atem.
Die Hauptprotagonisten fand ich total sympathisch und ich hab sie sehr gemocht. Ich fand die Dynamik der beiden Hauptprotagonisten Kenzie und Callum wirklich sehr schön und es hat Spaß gemacht, mit ihnen mitzufiebern wer für die Morde verantwortlich ist.
Ich glaube über den Schreibstil von Laura Kneidl brauchen wir nicht zu sprechen. Er war wie immer richtig toll und ich habe mich beim lesen sehr wohl gefühlt. Er war nicht zu kompliziert und man war sehr schnell in der Geschichte drinnen und konnte ihr sehr gut folgen.
Leider hätte ich tatsächlich gerne etwas mehr Informationen zu der neuen Welt die es in dem Roman gibt bekommen. Die Idee davon finde ich nämlich echt spannend. Das hat für mich leider etwas geschwächelt.
Aber im Großen und Ganzen ein unterhaltsames Buch mit Spannung und einer Liebesgeschichte.
- Eoin Colfer
Artemis Fowl Band 5: Die verlorene Kolonie
(336)Aktuelle Rezension von: TheSaintArtemis Fowl II ist mit seinen vierzehn Jahren in der Lage, das Auftauchen eines zeitreisenden nicht voll ausgewachsenen Dämons zu erahnen. Doch die Zeitfenster, in welchem der mit magischen Kräften versehene Dämon namens Nr. 1 an verschiedenen Plätzen der Erde auftaucht, sind kurz. Diese Fähigkeit lässt die "Section Eight" in der unterirdischen Stadt Haven aufhorchen und so wird die Elfe Holly zu Artemis entsandt, um diese Frage zu klären. Während eines weiteren Versuches, Nr. 1 habhaft zu werden, kommt Artemis ein junges Mädchen namens Minerva Paradizo in die Quere... denn sie will den Dämon ebenfalls fangen, um ihre Theorie über die Existenz von Dämonen zu beweisen und dafür den Nobelpreis zu kassieren. Das zwölfjährige Mädchen beginnt Artemis nicht nur wegen ihres genialen Geistes und ihrer forschen Art zu faszinieren und zu verwirren. So wird Nr. 1's Versuch, seine Dämoneninsel Hybras, welche in einem zeitlosen Niemandsland verloren zu gehen droht, zu retten durch die verschiedenen Entführungs- und Rettungsversuche durch Artemis, Holly und Minerva massiv erschwert. Es kommt zu rasanten und explosiven Auseinandersetzungen in Südfrankreich und Taipeh...
Der Roman ist der fünfte Band aus der Feder des 1965 geborenen irischen Schriftstellers Eoin Colfer. Artemis Fowl und sein treuer Bodyguard Butler sowie die unterirdische Elfe Holly Short stoßen hier auf das weibliche Gegenstück von Artemis und ihrem Handlanger Billy Kong. Die Geschichte wird flott und zum Schmunzeln anregend erzählt. Knackige Actionmomente an Handlungsorten wie Spanien, Südfrankreich und Taiwan wechseln sich mit dem Subplot über die Dämonenwelt Hybras und des nicht voll ausgereiften Dämons Nr. 1 in seiner Schicksalsrolle wunderbar ab und halten somit stets interessiert. Colfer lässt seinen jugendlichen Helden langsam in die Pubertät eintreten und schildert die verwirrenden Gefühle und Reaktionen, als sich Artemis mit Minerva konfrontiert sieht, unaufdringlich. Durch einen raffinierten Kniff gelingt dem Autor ein elegantes Ausblenden und Überspringen romantischer Anwandlungen, die einem stringenten Vorankommen der Geschichte hinderlich gewesen wären. Durch diesen Twist bietet sich dem humorigen Jugendbuchautor die Möglichkeit, dem Leser mitzuteilen, dass Artemis geschwisterlichen Zuwachs bekommen hat. Eine stimmige, sehr unterhaltsame Geschichte mit kantigen und keineswegs immer nur "guten" Figuren. Man freut sich auf den nächsten Band.
- Hafsah Faizal
A Tempest of Tea
(245)Aktuelle Rezension von: SwissmomreadsIch verstehe die schlechten Rezensionen nicht. Ich fand es hervorragend geschrieben. Leicht poetisch und filmisch. Die Tension der verschiedenen Protas haben mir unheimlich gut gefallen. Der Plottwist habe ich zwar hier auch schon früh gerochen, trotzdem war mein Leseerlebnis ganz wunderbar gewesen
- Markus Heitz
DOORS ? - Kolonie
(121)Aktuelle Rezension von: _jamii_Der schwerreiche Vater der vermissten Anna-Lena van Dam schickt den Ex-Soldaten Viktor mit einem fünfköpfigen Geo-Expertenteam los, um seine Tochter zu suchen. In einem gigantischen Höhlensystem entdeckt die Gruppe mehrere Türen mit mysteriösen Zeichen. Um Anna-Lena zu retten, müssen sie sich auf Pfade jenseits von Wissenschaft und Vernunft einlassen -
Eine der Türen führt die Gruppe mitten in die 40er Jahre.
Doch hier hat Nazi-Deutschland früh kapituliert, die USA haben kolonialgleiche Kontrolle über Europa übernommen und drohen dem Widerstand, angeführt von Russland, mit einem Atomschlag. Will Viktor überleben, muss er diesen Wahnsinn stoppen – um jeden Preis!Der Schreibstil ist schwierig zu beurteilen, irgendwie seltsam, aber trotzdem irgendwie ok und doch recht abstrus. Die Geschichte ist zwar irgendwie spannend, aber nicht übermässig… Zudem wird die Geschichte, je weiter ich lese, immer seltsamer und immer weniger nachvollziehbar…
Man erhält auf der Buchinnenseite einen kleinen Beschrieb der jeweiligen Personen, und mehr erfährt man über diese auch nicht. Sie bleiben flach und unnahbar und entsprechend auch nicht sympathisch.
Zu viele interessante Hinweise werden, vor allem in den ersten 80 Seiten, die bei allen drei Büchern gleich sind, gestreut, welche dann im Verlauf der Geschichte nicht oder höchstens halbbatzig weiterverfolgt. Es liest sich ein bisschen so, als hätte der Autor keine Idee für die dritte Tür gehabt und hat schnell mal eine lieblose und nicht durchdachte Geschichte konstruiert.
Was mich bei diesem Buch besonders stört, ist das Gemetzel. Achtung Spoiler: beinahe alle Hauptfiguren werden auf eine brutale Art und Weise hingemetzelt. Das hätte nicht sein müssen.
Ich empfand die Geschichte durchs Band leider als vollkommen sinnfrei, je länger ich las umso wirrer wurde es. Das Ende soll wohl auf eine Fortsetzung hinarbeiten.
Leider habe ich vollkommen das Interesse verloren, noch weitere Bücher dieser Reihe zu lesen. Die Ausgangslage wäre sehr interessant, man hätte so einiges daraus machen können, leider wurde es zumindest hier nur lieblos hingeklatscht.
Da ich Doors X – Dämmerung ohnehin auch noch hatte, hab ich dieses zwangsläufig auch gelesen. Ist zwar auch kein Wahnsinns-Buch, aber um längen besser als dieses hier…
- Justin Cronin
The Passage (English Edition)
(38)Aktuelle Rezension von: Wortmagie„The Passage“ von Justin Cronin ist ein Reread. Ich habe den Auftakt der gleichnamigen Trilogie 2011 schon einmal als „Der Übergang“ gelesen. Für mich stand nie Frage, dass ich „The Passage“ weiterverfolgen würde, aber die langwierige Veröffentlichungsgeschichte der deutschen Folgebände verzögerte dieses Vorhaben und schadete meinen Erinnerungen erheblich. Als das Finale 2018 als deutsches Taschenbuch erschien, wusste ich, dass ich von vorn beginnen musste. Während der Wartezeit veränderte sich allerdings mein Leseverhalten, sodass ich auf die deutschen Ausgaben nicht mehr angewiesen war. Amazon verführte mich mit einem günstigen E-Book-Deal für die gesamte Trilogie in Englisch und ich startete einen zweiten Anlauf mit „The Passage“ im Original.
Peter Jaxon hat noch nie die Sterne gesehen. Er wurde in einer Kolonie in Kalifornien geboren, in der es niemals dunkel wird. Dicke Mauern und mächtige Strahler, die die Nacht taghell erleuchten, bieten Schutz vor den blutgierigen Monstern der Dunkelheit: Virals. Die animalischen Infizierten erinnern kaum an die Menschen, die sie einst waren. Angeblich waren die ersten Virals das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Militär-Experiments vor beinahe 100 Jahren. Heute beherrschen sie die USA. Vielleicht sind die wenigen Familien, die in der Kolonie Zuflucht fanden, die letzten Überlebenden. Doch eines Tages entdecken die Wachen vor den Toren ein kleines Mädchen. Sie ist allein und etwa sechs Jahre alt. Niemand weiß woher sie kam. In ihrem Nacken befindet sich ein Chip, dessen gespeicherte Informationen eine verwirrende Geschichte erzählen. Das Mädchen heißt Amy und war Teil des gescheiterten Experiments, das die Virals erschuf. Der Chip sendet ein Signal. In der Hoffnung, Antworten und weitere Überlebende zu finden, beschließen Peter und seine Freunde, es bis zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen. Amys plötzliches Auftauchen muss etwas bedeuten. Könnte sie die Rettung der Menschheit sein?
Ich möchte gleich zu Beginn meiner Rezension zu „The Passage“ darauf hinweisen, dass meine Inhaltsangabe lediglich einen Bruchteil der Handlung des Trilogieauftakts abdeckt. Ich habe mit anderen, umfangreicheren Versionen herumgespielt, aber es stellte sich heraus, dass jede Annäherung an den vollständigen Inhalt jeglichen Rahmen sprengte. Daraus könnt ihr ableiten, wie komplex die Geschichte ist, die Justin Cronin erzählt. Der erste Band teilt sich in zwei Zeitabschnitte: zuerst erleben die Leser_innen den Ausbruch der ursprünglichen zwölf Virals und den daraus resultierenden Zusammenbruch der modernen Zivilisation; danach folgt ein enormer Zeitsprung von knapp 100 Jahren in die Zukunft, der die kläglichen Überreste der Menschheit in der von Virals dominierten USA fokussiert. Klingt simpel, ist es aber nicht. Cronin liebt Details. Er ist ein penibler, perfektionistischer Autor, der keine Gelegenheit auslässt, exakte Beschreibungen einzuarbeiten und sein Epos groß aufzuziehen. Seine Zukunftsvision bietet eine spannende Perspektive auf den Vampirmythos, denn Virals sind im Grunde nichts anderes als äußerst grässliche Blutsauger, Glitzereffekt ausgeschlossen. Trotz dieser scheinbar übernatürlichen Thematik ist „The Passage“ vorstellbar und glaubwürdig. Cronin präsentiert fundiert wirkende wissenschaftliche Erklärungen, aus denen sich ein durchaus realistisches Szenario ergibt. Wer weiß schon, womit die Militärs dieser Welt im Geheimen herumpfuschen? In diesem Fall glaubte die US-Armee, sie hätte ein Allheilmittel gegen Krankheiten und den Tod gefunden. Sie injizierten zwölf Todeszelleninsassen ein Virus aus dem bolivianischen Dschungel und hofften auf einen medizinischen Durchbruch. Natürlich ahnten sie nicht, was sie erschufen. Auf gewisse Weise wurden ihre Hoffnungen sogar erfüllt, denn Virals sind albtraumhafte Spitzenprädatoren – unsterblich, beinahe unverwundbar und Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen. Mich gruselte vor allem ihre primitive, inhumane Schwarmintelligenz. Diese Monster ließ die Army auf die Welt los, weil sie zu arrogant waren, um zu begreifen, dass ihre Kontrolle über die Virals lediglich Illusion war. Die explosive Eskalation, die Cronin beschreibt, erschien mir vollkommen plausibel. Diesen ersten Part der Geschichte fand ich rasant, atemlos und ausgesprochen aufregend. Mit dem Übergang zum zweiten Part flacht der Spannungsbogen jedoch abrupt ab. Cronin nimmt sich viel Zeit, um die Situation der Kolonie zu etablieren und ergeht sich in langatmigen Darstellungen des Alltags der neuen Figuren, die ich dadurch allerdings intim kennenlernte. Ich bin sicher, sie alle zuverlässig einschätzen zu können. Die Spannungskurve nimmt erst wieder Fahrt auf, als Peter und seine Freunde die Kolonie verlassen, um den Ursprung von Amys Chipsignal ausfindig zu machen. Ihre Reise ist der Beginn der grundlegenden Geschichte: der aktive Kampf um das Überleben der menschlichen Spezies.
Als ich vor acht Jahren „Der Übergang“ las, war ich überwältigt. Diese Euphorie konnte ich mit der Lektüre von „The Passage“ zwar nicht wiederbeleben, doch das werfe ich Justin Cronin nicht vor. Ich habe seitdem eine Menge Dystopien und postapokalyptische Romane gelesen, weshalb es deutlich schwerer ist, in mir dieselbe Begeisterung zu entfachen. Nichtsdestotrotz beeindruckte er mich mit der gewaltigen, Spannungstiefs rechtfertigenden Dimension seiner Geschichte und der überzeugenden Umsetzung seiner interessanten Ideen. Seine Penibilität gefällt mir, weil ich das Gefühl habe, mich jeder Zeit auf seine Autorität als Autor verlassen zu können. Der einzige kleine Hickser in einem sonst stimmigen Buch ist der nicht zu leugnende christlich-religiöse Einschlag, mit dem ich als Atheistin nichts anfangen kann. Solange dieser jedoch diskret bleibt, werde ich mich daran nicht stören. Eine Vampir-Postapokalypse ist einfach faszinierend, christliche Motive hin oder her.
- Ellin Carsta
Die ferne Hoffnung
(167)Aktuelle Rezension von: kapitelschlagDie Geschichte setzt 1888 in Hamburg ein, mit dem tragischen Selbstmord des Vaters, der für die drei Brüder Robert, Georg und Karl einen entscheidenden Wendepunkt markiert. Besonders beeindruckend fand ich, wie unterschiedlich ihre Lebenswege verlaufen: Robert zieht mit seiner Familie nach Kamerun, um eine Kakaoplantage zu übernehmen, Georg bleibt in Hamburg, während Karl versucht, sich in Wien ein neues Leben aufzubauen.
Gerade der Wechsel zwischen diesen Schauplätzen verleiht dem Roman einen besonderen Reiz. Er sorgt für Abwechslung und hält die Spannung aufrecht, weil jede Perspektive ihre ganz eigene Atmosphäre und Dynamik mitbringt. Besonders berührt hat mich die Figur von Luise, Roberts Tochter, die in Kamerun aufwächst. Sie wirkt mutig, eigenständig und folgt unbeirrt ihren eigenen Gefühlen. Auch Karls Kapitel in Wien, geprägt von gesellschaftlichen Zwängen und innerer Zerrissenheit, haben ihren eigenen Reiz und verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe.
Ellin Carstas Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Sie versteht es, sowohl emotionale als auch alltägliche Momente lebendig einzufangen und den Figuren eine glaubwürdige Stimme zu geben.
Allerdings bleiben die kolonialen Hintergründe in Kamerun eher an der Oberfläche. Hier hätte ich mir mehr historische Tiefe und eine kritischere Auseinandersetzung gewünscht, um die Zeit und ihre Konflikte greifbarer zu machen.
Trotz dieser kleinen Schwächen habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen. Besonders gefallen hat mir die gelungene Mischung aus Familiengeheimnissen, Gefühlen und historischen Elementen. Die Charaktere sind lebendig und sympathisch, und ich war gespannt, wie sich ihre Wege weiterentwickeln würden.
Für mich ist *Die ferne Hoffnung* ein starker Auftakt der Hansen-Saga, der Lust auf die Fortsetzung macht.
- Marguerite Duras
Der Liebhaber
(193)Aktuelle Rezension von: GwhynwhyfarDer Anfang: «Eines Tages, ich war schon alt, kam in der Halle eines öffentlichen Gebäudes ein Mann auf mich zu. Er stellte sich vor und sagte: »Ich kenne Sie seit jeher. Alle sagen, Sie seien schön gewesen, als Sie jung waren, ich bin gekommen, Ihnen zu sagen, daß ich Sie heute schöner finde als in Ihrer Jugend, ich mochte Ihr junges Gesicht weniger als das von heute, das verwüstete.»
Sie treffen sich auf einer Fähre über dem Mekong, es ist ein ungleiches Paar im Indochina der dreißiger Jahre. Er ein Chinese aus reichem Elternhaus, etwas mehr als 12 Jahre älter, sie eine französische Halbwaise, die mit ihrer Mutter und zwei Brüdern in einem einst herrschaftlichen Haus am Fluss lebt, die sich Direktorin nennt, eine kleine Schule auf dem Land führt. Finanziell stehen sie schlecht. Das Mädchen geht auf ein französisches Gymnasium in Saigon, schläft in der Woche im Internat. Ein abgedunkeltes Zimmer oberhalb des geschäftigen Straßenlebens in Saigon wird der heimliche Zufluchtsort der Liebenden. Sie ist seine Obsession, sie hat ihn in der Hand.
«Doch dann, eines Tages, sind sie nicht mehr da. Sie sind jetzt tot, die Mutter und die beiden Brüder. Auch für die Erinnerungen ist es zu spät. Jetzt liebe ich sie nicht mehr. Ich weiß nicht mehr, ob ich sie geliebt habe. Ich habe sie verlassen. Ich habe den Duft der Haut meiner Mutter nicht mehr im Kopf, die Farbe ihrer Augen nicht mehr in meinen Augen. Ich erinnere mich nicht mehr an die Stimme, nur manchmal an jene sanfte Stimme der Erschöpfung am Abend.
Das Lachen, ich höre es nicht mehr, weder das Lachen noch ihr Geschrei. Es ist vorbei, ich erinnere mich nicht mehr.»
Marguerite Duras beschrieb immer wieder Tabuthemen – in diesem Fall das sexuelle Verhältnis einer fünfzehnjährigen Französin, die in Saigon eine Amor foe mit einem zwölf Jahre älteren Chinesen hat. Er holt sie täglich mit seiner Limousine und Chauffeur von der Schule ab und sie haben Sex miteinander. Für sie ist es ein Spaß, er wird zeitlebens nicht von ihr loskommen. Seinem Vater, einem Bauunternehmer, gehören ganze Straßenzüge in Indochina, und der hat bereits für den Sohn eine Ehe arrangiert. Bekommt die Mutter nichts mit, fragt man sich. Doch, anfänglich hat sie einen Verdacht, schimpft. Aber dann lädt der Chinese die Familie zum Essen ein – über das, was zwischen den beiden läuft, wenn sie allein sind, wird einfach geschwiegen. Das Geld des Chinesen lockt. Die Familie behandelt den Mann von oben herab – weil er ein Chinese ist, obwohl er ihnen weit überlegen ist. Die Mutter kümmert sich letztlich nicht um das Mädchen, sondern ausschließlich um ihren ältesten Sohn, den sie von vorn bis hinten verwöhnt. Er wird sie zeitlebens abzocken, nichts auf die Reihe bekommen, Unsummen von Geld verspielen. Auch für den talentierten jüngsten Sohn interessiert sich die Mutter nicht – er ist daher eng mit seiner Schwester verbunden. Leider stirbt er früh.
«Meine Brüder werden nie das Wort an ihn richten. Als sei er unsichtbar, als fehle ihm die Konsistenz, um von ihnen wahrgenommen, gesehen, gehört zu werden. Und zwar deshalb, weil er mir zu Füßen liegt, weil vorausgesetzt wird, dass ich ihn nicht liebe, dass ich wegen des Geldes mit ihm zusammen bin, dass ich ihn nicht lieben kann, dass dies unmöglich ist, dass er alles von mir erdulden würde, ohne in seiner Liebe nachzulassen. Und dies, weil er ein Chinese ist, weil er kein Weißer ist.»
Eine toxische Familie, eine Familie im Verfall. Marguerite Duras spricht manchmal von dem Mädchen, dann fällt sie wieder in die Icherzählerin, lässt in der Schwebe, ob sie autobiographisch schreibt. Die alternde Schriftstellerin, die ihre Erinnerungen niederschreibt, blickt zurück auf ihre Jugend, auf ihre Mutter, auf ihre Familie, daran, wie sie zerfallen ist. Man fragt sich, ist es diese Beziehung Prostitution, weil der Chinese das Mädchen bezahlt, die Mutter finanziell unterstützt, die Spielschulden des älteren Bruders begleicht. Das Mädchen genießt den Sex, macht sich aber nicht viel aus dem Mann an sich. Der Roman ist in Erinnerungsfragmenten geschrieben, Sprünge in Zeit und Raum, dicht und schnörkellos, distanziert. Nach Erscheinen hat es 1984 wilde Empörung über die französischen Lolita gegeben, und letztlich erhielt Marguerite Duras den wichtigsten Literaturpreis des Landes dafür: der Prix Goncourt. Es wurde immer wieder spekuliert, was von dem Roman autobiographisch war, was fiktiv. Die Autorin hat die Leserschaft zeitlebens darüber im Dunkeln gelassen. Ein Klassiker, den es sich lohnt zu lesen!
«Nie guten Tag, guten Abend, ein gutes neues Jahr. Nie danke. Nie ein Gespräch.
Nie das Bedürfnis zu reden. Alles bleibt stumm, fern. Eine Familie aus Stein, versteinert bis zur Undurchdringlichkeit, unzugänglich. Tag für Tag versuchen wir einander umzubringen. Nicht nur, daß wir nicht miteinander reden, wir schauen uns nicht einmal an.»
Marguerite Duras wurde am 4. April 1914 in der ehemaligen französischen Kolonie Gia Dinh, dem heutigen Vietnam als Marguerite Donnadieu geboren und starb am 3. März 1996 in Paris. Sie besuchte das Lycée Français in Saigon und machte 1931 Abitur. Ein Jahr später siedelte die Familie nach Paris um, wo sie an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Paris und an der École des Sciences Politiques studierte. Von 1935 bis 1941 arbeitete sie als Sekretärin im Ministère des Colonies. 1939 heiratete sie Robert Antelme. Beide waren ab 1940 in der Résistance aktiv. Antelme wurde später ins Konzentrationslager Dachau deportiert. 1943 erschien ihr Debütroman Les Impudents (Die Schamlosen) unter dem Pseudonym Marguerite Duras, welchem keine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zuteil kam. Mit Un Barrage contre le Pacifique(Heiße Küste), das 1950 erschien, hatte Duras größeren Erfolg. Sie schrieb nicht nur Romane, sondern verfasste auch Theaterstücke und trat als Filmregisseurin in Erscheinung. Neben ihren literarischen Beiträgen war Duras für ihre offene politische Haltung bekannt, insbesondere in Bezug auf Frauenrechte, und sie engagierte sich aktiv in der feministischen Bewegung in Frankreich. Der Roman L’Amant (1984; Der Liebhaber; Film 1992) gewann 1984 den renommierten Prix Goncourt.
- Uwe Timm
Morenga
(37)Aktuelle Rezension von: DieFlammende"Ein Entsetzen über dieses fehlende Entsetzen. Eine Gleichgültigkeit, die keine Gleichgültigkeit sein durfte" (Timm: Morenga 164)
Uwe Timm hat sich als einer der ersten Autoren mit dem deutschen Kolonialismus beschäftigt und gab dadurch den entscheidenden Anstoß für die Wiederbeschäftigung.
Fakten und Fiktion
Timms Roman zeichnet sich durch eine unglaublich hohe Anzahl an historischer Dokumente aus. Ganze Kapitel bestehen aus historischen Dokumenten. Diese Dokumente zeichnen den Krieg ausschließlich aus deutscher Perspektive und damit ganz anders, als Timm es tut: als fatalen Vernichtungskrieg der Deutschen gegen die Herero und Nama. Nicht als die segensbringenden Zivilisierungsmissionen, sondern als inszeniert zur Landbeschaffung der deutschen Siedler. Timm liefert sowohl die vorgeschobenen Begründungen für die Kolonialisation, zeigt aber kurze Zeit später ebenfalls die dahinterliegende Gründe wie Geld, Land und Macht, auf.
Jedoch basiert alles Dargestellte auf historischen Geschehnissen. Ein vielstimmiges Bild der Ereignisse entsteht, durch die gezeigt werden soll, dass es eine objektive Darstellung der historischen Ereignisse niemals geben kann.
Protagonisten
Ebenfalls sind Timms Protagonisten historisch untermauert. So spielt unter anderem Trothas Proklamation von 1904 eine wichtige Rolle, die in der Geschichte Namibias den Ausschlag für den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts gibt.
Timm beleuchtet den Kolonialkrieg aus der deutschen Perspektive des Oberveterinärs Johannes Gottschalk. Der Protagonist durchzieht den ganzen Roman, wobei jedoch eine außergwöhnlich hohe Anzahl an weiteren Neben- und Episodenfiguren das Werk durchkreuzen. Von Händlern, Missionaren, Humanmedizinern, Soldaten ist quasi jede Personengruppe vertreten. Alle Figuren haben eine wichtige Rolle, die mir oftmals auf den ersten Blick verborgen blieb, sodass ich das Buch mehrmals durchsuchen musste, um die Zusammenhänge zu verstehen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass mit jedem Kapitel auch neue Figuren in den Roman eingefügt wurden, die aber (wenn man Gottschalk und einige wenige andere ignoriert) genauso schnell wieder verschwinden. Jedoch zeigt sich, dass jede deutsche Figur eigene Gründe für die Kriegsteilnahme haben.
Der Großteil der Figuren sind Kolonialisatoren, da Timm eine "Einfühlungsästhetik" als kolonialen Akt bezeichnet und diesen vermeidet. So bekommen die Nama im Roman kaum eine Stimme und werden meist aus Sicht der Deutschen als Kollektiv dargestellt. Dies wird in der Literatur zu Timms Roman ebenfalls kritisiert, da den Indigenen auch historisch gesehen keine Stimme bei Verhandlungen über ihr Land (Stichwort Berliner Afrika-Konferenz) gegeben wird. Obwohl die Indigenen nicht oft zu Wort kommen, zeigt sich doch Timms Parteinahme mit ihnen aufgrund der Tatsache, dass die Deutschen meist mit ironischem Biss gezeichnet und damit der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Kritisieren tun die Indigenen die Kolonialisatoren nie aktiv oder wörtlich. Es werden nur einige wenige Indigene mit Namen genannt, darunter die Titelfigur sowie weitere Anführer oder Bambusen. Der kollektiven indigenen Gruppe werden aber allerlei stereotype Eigenschaften zugeschrieben, durch die sie klassifiziert werden.
Der Protagonist (sofern man bei einer Beteiligung von gut 40% im ganzen Buch von einem Protagonisten sprechen kann) ist Johannes Gottschalk. Er ist, im Gegenteil zu den meisten anderen Figuren nicht überzeugt von dem Handeln der Deutschen. So versucht er, den Nama auf verschiedenste Arten zu helfen und nähert sich ihnen, ganz im Sinne des Going Native, an. Er wird von Timm ganz anders gezeichnet als andere Deutsche. Gottschalk scheint darüber nachzudenken, was dort geschieht.
Die Titelfigur Morenga ist der Anführer der Aufständischen. Jedoch wird dieser nur ein oder zweimal wirklich dargestellt, durch Begegnungen mit Deutschen. Ansonsten werden ihm ausschließlich Eigenschaften zugeschrieben.
Schreibstil
Ich hatte leider Probleme beim Lesen. Morenga ist definitiv keine leichte Abendlektüre. Durch die vermischung der Fiktion mit historischen Dokumenten, liest sich der Roman eher wie ein Geschichtsbuch, da vom Leser / der Leserin viel aufgenommen werden muss. Auch die kleinen Anmerkungen, die Ironie, der Sarkasmus, muss herausgefiltert werden, um das ganze Potential des Romans erschöpfen zu können. Somit muss sehr aufmerksam gelesen werden. Ebenfalls die Vielzahl an Figuren erschwert die Lesbarkeit. Ich konnte keinem Protagonisten wirklich folgen. Während man irendwann von dem Gedanken Abschied nimmt, Morenga würde das Buch durchziehen, wechselt man zu Gottschalk, der in manchen Kapiteln aber ebenfalls nicht auftaucht. Durch Zeitsprünge in die Vergangenheit (beispielsweise 1855) oder in die Zukunft (1960) erschwert sich das Lesen nochmals.
Fazit
Meist zeigt sich Timms Kritik an kleinen, Aspekten, Teilsätzen oder gar einzelnen Wörtern. Er zeigt das rassistische Klischee der vermeintlichen Höherwertigkeit der Deutschen, das widerum ad absurdum geführt wird. Gleichzeitig werden aber auch die Gründe der Indigenen zum Widerstand aufgeführt: Sie kämpfen auf Leben und Tod; dadurch wird die
Tragweite des Krieges in Deutsch-Südwestafrika verdeutlicht. Zimm zeigt ebenfalls durch Rückblicke in die Vergangenheit, wie die Kolonie entstehen konnte, sowie durch Ausblicke auf eine Zukunft, was die Folgen der Kolonialisierung noch heute sein können. Timm dekonstruiert Stereotypen und zeigt, dass das Bild des Fremden nicht fest und fixiert ist.Ich habe meine Masterarbeit über diesen Roman geschrieben und habe das Gefühl, trotzdem nicht alles verstanden zu haben, was Timm damit eventuell implizieren möchte. Es ist eine harte Lektüre, die sich mit dem deutschen Kolonialreich auseinandersetzt und die Geschichtsmythen aufhebt.
- J.R.Ward
Blinder König
(608)Aktuelle Rezension von: Schuby233"Black Dagger 14" von J.R. Ward bietet den Lesern erneut eine fesselnde und vielschichtige Geschichte, die die Welt der BLACK DAGGER um weitere facettenreiche Charaktere bereichert.
In diesem Teil stehen Rehvenge und Ehlena im Mittelpunkt, ein ungewöhnliches Paar mit unterschiedlichen Hintergründen und Herausforderungen. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, als Rehvenge's dunkles Geheimnis droht, ans Licht zu kommen und tödliche Feinde auf den Plan ruft. Ehlena wird vor die schwierige Entscheidung gestellt, zwischen Loyalität und Liebe zu wählen, was ihre Tapferkeit und Entschlossenheit auf die Probe stellt.
J.R. Ward zeigt erneut ihr Talent, Charaktere mit Tiefe und inneren Konflikten zu erschaffen. Rehvenge's komplizierte Persönlichkeit und Ehlena's Mut und Stärke verleihen der Geschichte eine emotionale Intensität.
Die düstere und erotische Atmosphäre der Black Dagger-Reihe bleibt auch in diesem Buch erhalten und trägt zur Spannung und Leidenschaft der Geschichte bei. Die Leser werden erneut in eine Welt voller Intrigen, Gefahren und unerwarteter Wendungen entführt.
Es ist erfrischend zu hören, dass Sie sich auf die neuen Charaktere und ihre Geschichten einlassen können. Dies zeigt, dass die Serie auch nach so vielen Bänden noch immer in der Lage ist, die Leser zu fesseln und zu überraschen.
Insgesamt verdient "Black Dagger 14" aufgrund seiner fesselnden Charaktere und der weiterhin spannenden Handlung eine Bewertung von 4 von 5 Sternen. Es ist ein weiterer gelungener Beitrag zur Serie, der die Leser weiterhin in die faszinierende Welt der BLACK DAGGER entführt.
- Tade Thompson
Fern vom Licht des Himmels
(25)Aktuelle Rezension von: valentinaleo1Tade Thompsoner schafft einen außergewöhnlichen Science-Fiction-Roman, der mehr als eine klassische Weltraumgeschichte. Die Handlung beginnt auf dem Siedlungsschiff, das nach einer jahrelangen Reise eine neue Kolonie erreichen soll. Doch kurz vor dem Ziel erwacht Michelle „Shell“ Campion aus dem Tiefschlaf und entdeckt, dass zahlreiche Passagiere brutal ermordet wurden und die Schiff-KI nicht mehr zuverlässig funktioniert. Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich ein spannender Mix aus Kriminalfall und düsterer Zukunftsvision.
Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre des Romans. Die Isolation des Raumschiffs, die Unsicherheit gegenüber der künstlichen Intelligenz und das Gefühl ständiger Bedrohung erzeugen eine beklemmende Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. D
Neben der spannenden Handlung überzeugt der Roman durch vielschichtige Figuren und interessante gesellschaftliche Themen. Fragen nach künstlicher Intelligenz, Machtstrukturen, Kolonisierung und sozialer Ungleichheit werden organisch in die Geschichte eingebunden, ohne den Lesefluss zu blockieren.
Der Autor schreibt bildhaft, intelligent und voller Ideen. Manche Wendungen wirken bewusst ungewöhnlich und verlangen Aufmerksamkeit, belohnen jedoch mit einer originellen Geschichte, die lange nachwirkt. Eine klare Empfehlung für Leserinnen und Leser, die anspruchsvolle Science Fiction mit Krimi-, Horror- und Mystery-Elementen mögen und nach einer modernen, atmosphärisch dichten Weltraumgeschichte suchen.
- Gene Luen Yang
Avatar - Der Herr der Elemente 1: Das Versprechen 1
(31)Aktuelle Rezension von: Sunshine24Die Serie war schon in der Kindheit eine meiner Favoriten... Und das ist sie jetzt im Erwachsenenalter immer noch. Wer würde nicht gerne ein Element bändigen und in einer so interessanten Welt leben mit schöner Natur und tollen Tierkreuzungen? Ich habe die Serie schon mehrmals gesehen und als ich jetzt beim Schauen erfahren hatte, dass es Comics gibt, die nahtlos an die Serie anknüpfen, war klar: Die muss ich lesen! Nachdem wir gestern die letzte Folge geschaut haben, haben mein Partner und ich heute den ersten Comic-Band gelesen. Wir sind begeistert! Der Comic ist handlich und super gestaltet, die Charaktere sehen genauso aus wie in der Serie, es passt einfach wunderbar. Als würde man die Serie weiterschauen. Es ist spannend zu sehen, wie die Geschichte weitergeht. Denn es knüpft wirklich ohne Lücke an das Ende der Serie an. Fies, dass es mit einem spannenden Cliffhanger endet... ich möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht und freue mich schon auf den nächsten Band! Ich gebe eine klare Empfehlung und es ist ein Muss für alle Avatar-Fans.
- Jennifer Ebbinghaus
CHASING AFTER
(49)Aktuelle Rezension von: JaniIch persönlich finde es zu lang gezogen. Für jemanden der das erste Mal eine Dystopie liest, ist es ein super toller Einstieg. Die Story an sich ist total toll, und typisch Dystopie. 1 Stern Abzug da mir die Spannung gefehlt hat.
Ich freue mich, auf die nächsten zwei Teile. Und hoffe das sich jetzt die Spannung aufbaut.
- Julia Malye
La Louisiane
(88)Aktuelle Rezension von: allabouteveIns Auge gestochen ist mir "La Louisiana" im wahrsten Sinne des Wortes wegen des wunderschönen Covers - auf Basis des Gemäldes der Jeune von Eugene Delacroix, weich, aufwühlend, in Pastell Farben gehalten. Dieses Cover passt wunderbar zur Geschichte der porträtierten Frauen, die an Bord des Schiffs "La Baleine" 1720 Frankreich und ihre gemeinsame Vergangenheit im Hospital La Salpetriere in Paris verlassen. Das Schiff ist auf dem Weg in die Vereinigten Staaten, nach Louisiane, wo die Frauen ein neues Leben erwartet, von dem sie nichts ahnen, nichts wissen, das sie als solches nicht wirklich gewählt haben. Julia Malye, die Autorin, hat inspiriert von der Lektüre "The Brides of La Baleine" von Randall Landser acht Jahre für diesen Roman recherchiert und die Geschichte der Frauen geschrieben. Übrigens zweimal: der erste Entwurf auf Englisch, der zweite auf Französisch. Die Akribie und die Faszination spürt man beim Lesen! Toll übersetzt von Sina de Malafosse, das sollte auch erwähnt werden.
- Thomas von Steinaecker
Schutzgebiet
(14)Aktuelle Rezension von: FornikaZu Beginn des 20. Jahrhunderts soll in der deutschen Kolonie Tola eine weitere Stadt entstehen: Benesi. Der Forstwirt Gerber mit seiner Schwester Käthe, der drogensüchtige Arzt Brückner und der Architekturstudent Henry, der nach dem tragischen Tod seines Vorgesetzten kurzerhand dessen Identität annimmt, bilden die zweifelhafte Saat aus der mal eine blühende Stadt sprießen soll.
Thomas von Steinaecker hat seinen Roman mit wahrlich schrägen Charakteren bevölkert. Allein Gerbers Ansinnen in der afrikanischen Steppe einen guten, deutschen Wald zu ziehen (wohlgemerkt mit Sprösslingen, die im Blumentopf per Schiff anreisen), hat mich schon ein bisschen an Gerbers Verstand zweifeln lassen ; ) Benesi bildet ein Auffangbecken für die mehr oder weniger gescheiterten Existenzen und man schaut ihnen gerne bei ihren Versuchen zu sich wieder zu etablieren. Der Autor lässt uns ebenfalls großzügig in die Vergangenheit der Figuren blicken, sodass zu jedem ein rundes Bild entsteht. Leider sind sie dann doch etwas stereotyp geraten und heben sich nicht wirklich von den Siedlern in ähnlichen Romanen ab. Die Beschreibung der Zustände in der Kolonie, v.a. auch das Verhalten gegenüber der schwarzen Bevölkerung scheint mir recht realistisch, ebenfalls die Tatsache wie weltfremd man doch abgeschnitten von der fortschrittlichen westlichen Welt wurde. Der Schreibstil mag nicht jedermanns Sache sein, ich fand ihn manchmal etwas hölzern. Insgesamt vielleicht nicht das beste Werk des Autors, aber durchaus keine völlig verschenkte Lesezeit.
- Kat Gordon
Kenia Valley
(70)Aktuelle Rezension von: SunnySueEin Stück Kolonialgeschichte Kenias der 20er und 30er Jahre lässt Kat Gordon mit ihrem Roman "Kenia Valley" aufleben.
Die Geschichte beginnt 1925. Theos Vater ist Direktor der Eisenbahn und wird mit seiner Familie nach Kenia versetzt. Seit 1920 gehört Kenia nun offiziell zu den Kronkolonien nachdem es zuvor schon 25 Jahre ein Britisch-Ostafrikanisches Protektorat war und letzendlich 1902 von der britischen Regierung zur Besiedlung freigegeben wurde. Dort lernt der vierzehnjährige Theo Lebemann Freddie und seine Geliebte Sylvie kennen. Beide sind deutlich älter als er, eigentlich jeweils mit jemand anderem verheiratet, und führen Theo nun in das ausschweifende, glamouröse und dekadente Leben der reichen und mächtigen Briten ein. Es ist eine Welt, die der Junge kaum begreifen kann und der er auch kaum gewachsen ist, doch seine unberechenbare Mutter treibt ihn nur weiter in die Arme diese Welt...
Zum Studieren wird Theo nach England zurückgeschickt und kehrt 1933 wieder nach Kenia zurück. Doch das Land hat sich verändert, genauso wie seine alten Freunde. Ihr Leben dreht sich zwar noch immer um Partys, Sex und Drogen, aber Freddie mischt nun in der Politik mit und es dauert nicht lange bis Theo die Augen öffnet und sieht, was wirklich vor sich geht und wie Freddie und Sylvie ihn benutzt haben.
Die Geschichte von Theo, seiner Schwester Maud und einigen anderen Charakteren des Buches hat mich wirklich gefesselt. Während sich Theo sehr von anderen blenden lässt und ihnen absolut verfällt, sieht seine Schwester doch was alles falsch läuft. Sie sieht die Kenianer und wie ihnen die britische Lebensweise aufgedrückt wird und wünscht sich doch viel mehr, dass ihr Land den Kenianern hilft, sich selbst zu helfen. Beide erleben ihr Erwachen. Theo sieht Freddie eines Tages wirklich. Er schaut hinter die glamouröse Fassade und die Fratze, die ihm dann entgegenblickt erschüttert ihn entsetzlich. All die Jahre, die Theo zu Freddie aufgeschaut hat, in denen er sich gewünscht hat eines Tages wie Freddie zu sein. Doch die tragischsten Figuren sind definitiv Theos Schwester Maud und Sylvie.
Insgesamt eine sehr interessante Geschichte, die im Ansatz vielleicht auch ein wenig an "The great Gatsby" von Fitzgerald erinnert, die sich jedoch am Ende mehr mit den menschlichen Beziehungen und Abgründen denn mit der Historie beschäftigt. - George R. R. Martin
Planetenjäger
(9)Aktuelle Rezension von: einz1975Eine Kolonie, weit weg von der Erde. Ramon Espejos wuchs in Mexiko auf, doch auf der Suche nach dem Glück, landete er eben genau hier. Schon vorher verbrachte er viel Zeit auf der Straße und er weiß wie man überlebt. Er ist kein feiner Kerl, keiner den man wirklich als seinen Kumpel bezeichnen würde. Selbst bei den Frauen hält er es nie lange aus, außer aktuell bei Elena. Doch ein Abend sollte sein Leben komplett ändern. Eine Bar, zu viel Alkohol und schon war der Streit nicht weit. Noch ein paar Schluck mehr und ein Kampf war unausweichlich. Keine Sekunde zu spät zückte Ramon das Messer und... nun ihr könnt euch denken wie es ausgegangen ist. Jetzt muss er dringend aus der Stadt, denn die Polizei wird schon nach ihm suchen.
Als Job, wenn man das so bezeichnen möchte, nennt er sich Prospektor. Er erkundet unerforschtes Gebiet, zeichnet Karten auf, nimmt Gesteinsproben und erforscht die Vegetation. Genau das versucht er erneut und flüchtet so in die Wildnis. Nach einigen Kilometern außerhalb der bekannten Region findet er einen geeigneten Platz und er geht seiner Bestimmung nach. Hier eine Probe und da eine kleine Sprengung, um herauszufinden welche Mineralen sich in dem Berg befinden. Leider lag er bei diesem Berg ganz falsch. Wie aus dem Nichts taucht eine Drohne auf und er wird gefangen genommen. So viel in etwa kann man auch vom Klappentext erfahren.
Nur wie es weitergeht., da war ich schon überrascht. Nicht das einfach nur eine simple Entführung durch Aliens dahinter steckt, vielmehr hat man ab dem ersten viertel des Buches eine Änderung der Hauptfigur und eine neue kommt hinzu. Es erinnert zum Teil an eine Flucht, eine Jagd, eine Expedition und an ein Experiment. Das es Aliens gibt wissen die Menschen schon seit vielen Jahren, Ohne sie wären die Menschen vielleicht nicht einmal auf diesem Planeten. Dennoch gibt es immer noch Lebewesen welche unbekannt sind und genau auf diese trifft Ramon. Die Jagd/Flucht wird wunderbar durch Nebensächlichkeiten beschrieben.
Wie etwa Feuer machen, Floß bauen, Essen fangen und vieles mehr. Selbst den Zwiespalt zwischen Jäger und Gejagten kann man schier stetig hören. Die Selbsterkenntnis und die Erinnerungen an die Vergangenheit helfen dem Leser Ramon besser zu verstehen. Vielleicht ist er doch nicht so ein harter Kerl für den er sich selbst hält?! Einzig die Wortwahl unseres Helden mag mir manchmal den Lesefluss gehemmt haben. Selbst wenn man auf der Straße groß geworden ist, muss man nicht zwingend auch so reden.
Fazit:
Kantig, Dreckig und mit einem ganz eigenen Charme. Ramon Espejos bringt mit seiner Art die feine saubere Gesellschaft der Zukunft ordentlich durcheinander und schön zu sehen, dass nicht immer alle Abenteuer nur einen Faden haben, sondern auch mit Überraschungen glänzen können. Schade nur, dass Ramons Wortschatz so begrenzt ist. Ein paar mehr Ausführungen zu den Aliens und den Raumschiffen haben mir noch gefehlt, aber sonst, gibt es in puncto Spannung und Abwechslung nichts zu meckern. Bis bald Ramon - En una nueva aventura!
Matthias
Autor: George R.R. Martin, Gardner Dozois, Daniel Abraha
Broschur: 352 Seiten
Verlag: GRRM By Penhaligon
Sprache: Deutsch
Erscheinungsdatum: 26.06.2017
ISBN: 978-3-7645-3172-0 - Joshua Tree
Behemoth 2333 - Das Jupiter Ereignis
(19)Aktuelle Rezension von: Der-Lesefuchs"Behemoth 2233: Das Jupiter Ereignis" ist der Auftakt zu einer Science Fiction Bücherreihe aus der Feder des jungen Autors Joshua Tree. Ich hatte das Vergnügen, das Buch als E-Book lesen zu dürfen (vielen Dank an den Autor). Jeden Monat erscheint ein weiterer Roman zu der Reihe und zweimonatlich fasst Joshua Tree die dann veröffentlichten beiden Einzel-E-Books als Taschenbuchausgabe zusammen.
Der Auftakt in dem Buch ist erst einmal packend. Es geschieht einiges und man wird gleich in die Welt des zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Captains Jeremy Brandt und seiner zusammengewürfelten Crew gestoßen. Es geht gleich um das Überleben und für die Bücherreihe ist es die Grundlage allen Handelns.
Joshua Tree hat sich eine Welt erschaffen, die sehr visionär ist. Menschen, die sich mit implantierten Transmittern ins "SenseNet" einklinken und von dort aus ihre "virtuellen" Handlungen steuern, die allerdings im realen Leben geschehen (wie z.B. die Steuerung von Raumschiffen o.ä.), ist heute noch undenkbar, aber im Jahr 2333 könnte dies durchaus Realität sein.
Die Welt selbst, der technische Fortschritt, aber auch das Selbstverständnis, mit welchem die Menschen in der Geschichte mit allem umgehen, sind für mich realistisch und interessant beschrieben. Die technischen und medizinischen Begebenheiten könnte ich mir in 316 Jahren durchaus so vorstellen, wie sie geschildert sind - somit für mich sehr authentisch.
Es gibt verschiedene Handlungstränge, die sich durch das Buch ziehen und die sehr gut behandelt werden (teilweise auch nur angerissen). Da ist zum einen der Angriff auf die Menschen in einem weit entfernten System, zum anderen das Verschwinden von Millionen von Menschen aus verschiedenen Kolonien und letztlich jemand, der im Hintergrund versteckte Fäden zieht und manipuliert. Das ist, auf die doch recht wenigen Seiten bezogen, recht komplex, zeigt aber auch, dass, es nicht immer die Tiefe sein muss, um zu unterhalten. Wobei ich hier einschränken muss, dass Joshua Tree bei den Charakteren ein gewisses Maß an Tiefe wichtig war, was man merkt und die Protagonisten somit noch lebendiger macht.
Der Plot war für mich gut zu und flüssig zu lesen und mir kamen beim Lesen keine Ungereimtheiten unter (was bei solchen Zukunftsthemen schnell einmal passieren kann). Gleichzeitig wurde ich in die Geschichte hineingezogen und konnte mich in den Situationen gut wiederfinden.
Fazit:
Ein hervorragender Auftakt zu einer Science Fiction-Reihe, die mich sicherlich noch eine Weile begleiten wird. Tolle Charaktere, spannende Begegnungen und komplexe Handlungsstränge begleiten ein Buch, das Lust auf mehr macht. Man hat immer wieder mitgefiebert und es war für mich eine Freunde, mal wieder auf eine Reise mit einem Raumschiff zu gehen. Ich vergebe 5 von 5 möglichen Sternen!! - Michael Meinert
Im Aufstand
(19)Aktuelle Rezension von: nicole8684Schlesien im Jahre 1905. Franziska von Wedell und ihre Freundin Julie von Götzen müssen mehr oder weniger freiwillig ihr Internat verlassen, zu aufmüpfig war ihr Verhalten. Franziska - Komtess von Wedell - entflieht dem frommen, streng gläubigen Elternhaus. Zu allem Überfluss verbietet der Vater ihr die erträumte medizinische Ausbildung. Zu sehr fürchtet er die Reaktionen der Standesgenossen und überhaupt ist dies nicht mit seinen strengen Glaubensregeln zu vereinbaren. Die Waise Julie möchte der gefühlskalten Großmutter entfliehen, die sich leider überhaupt nicht für sie interessiert. Gemeinsam wollen sie nach Deutsch-Ostafrika reisen, um dort sich dort ein Leben aufzubauen. Genauer gesagt beim Onkel von Julie, den dortigen Gouverneur der Kolonie. Dieser ist nicht sonderlich erfreut darüber und nur mit Wagemut, Sturheit und Erfindergeist finden die beiden Mittel und Wege in Afrika zu bleiben. Während ihrer Reise treffen die zwei auf so manches Hindernis, beginnend bei der Abreise bis hin Maji-Maji-Aufstand. „Im Aufstand“ trifft somit in mehrerlei Hinsicht auf die Geschichte zu.
Der oben beschriebene Band ist bereits der vierte Teil der „Hochwald-Saga“, doch kann er durchaus ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da er in sich abgeschlossen ist.
Ich habe mich recht schnell in die Handlung hinein gefunden. Auch für einen Nichtkenner der Saga sind Orte und Personen so gut beschrieben, dass man sich alles genau vorstellen kann und gut in die Geschichte rein kommt. Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass es nicht mal schnell durch lesen kann. Mit über 600 Seiten ist der Wälzer eher umfangreich.
Der Schreibstil von Michael Meiner ist besonders hervorzuheben. Flüssig, abwechslungsreich, detailliert sowie auch bildhaft und einfühlsam mit einer überaus guten Grammatik. Die Dialoge sind gut gestaltet, sprachlich zeitgemäß angepasst und gekonnt bringt der die verschiedenen Sichtweisen in unterschiedlichen Erzählsträngen zusammen. Detailreich werden die Orte und Szenen beschrieben, man kann sich das alles sehr genau vorstellen. Auch der Spannungsbogen ist dem Autor gut gelungen. Er zieht sich wirklich durch den kompletten Wälzer und ist selten vorhersehbar. Man fühlt mit den Charakteren mit, leidet mit ihnen und fiebert mit ihnen mit. Gelegentlich war es mir etwas zu viel Dramatik.
Der Autor hat ein durchweg tiefgründiges Werk geschaffen, christliche Werte haben einen sehr hohen Stellenwert eingenommen. Die Charaktere verkörpern die Glaubensthemen sehr überzeugend und tiefgründig. Aber auch die eher nicht gläubigen Leser finden sich in den doch alltäglichen Problemthemen wieder. Konflikte zwischen Eltern und Kindern sowie den Generationen allgemein, Freundschaft, Vergebung und Einsicht sind nur eine der Blickwinkel. Egal aus welcher Perspektive der Leser die Geschichte betrachtet, definitiv schafft es der Autor zum Nachdenken anzuregen.
Die Charaktere in diesem Buch hat der Autor wirklich gut gestaltet, sehr realistisch, detailliert und haben sich gut ergänzt. Man kann eigentlich immer gut nachvollziehen, warum ein Charakter so handelt, wie er handelt. Es war schön zu lesen, dass allen genügend Platz für deren Entwicklung gegeben wurde, man konnte diese wirklich gut miterleben.
Man merkt, dass der Autor für sein Werk sehr viel recherchiert hat.
Durch sein Vorwort ermöglicht der Autor seinen Lesern einen gelungen Einstieg in die Komplexe Geschichte, sodass man den Ereignissen rund um Franziska und ihrer Freundin leicht folgen kann.
Auch zum Schluss findet der Autor nochmals Platz, um ein wenig auf die historischen Fakten einzugehen und diese von seiner Fiktion anzugrenzen. Zusätzlich findet man etliche Extras wie eine Auflistung der militärischen Grade, eine Übersetzung der genutzten Suaheli-Wörter sowie einer Karte.
Dieses Buch ist durchaus empfehlenswert, auch wenn es mich persönlich nicht reizt, den Rest der Saga zu lesen.























