Bücher mit dem Tag "kommunismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kommunismus" gekennzeichnet haben.

164 Bücher

  1. Cover des Buches Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (ISBN: 9783328102366)
    Jonas Jonasson

    Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

    (5.963)
    Aktuelle Rezension von: annalog

    Wahnsinnig witzige Idee, die Umsetzung hat mir sehr gut gefallen. Hier gibt es die Geschichte des 100-jährigen, der vor seiner Geburtstagsparty flüchtet und dabei so allerhand erlebt. Es gibt immer wieder Rückblicke auf sein Leben und auch da hat er Dinge erlebt, die mich kopfschüttelnd zurückgelassen haben.
    Mir ist übel aufgestoßen, dass das N-Wort verwendet wurde. Ich hatte hoffentlich noch eine ältere Version und in den neueren ist das hoffentlich überarbeitet?

  2. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783328111368)
    George Orwell

    1984

    (4.317)
    Aktuelle Rezension von: buch_leselust

    Hier frage ich mich tatsächlich, warum ich dieses Buch erst jetzt gelesen habe. Es ist erschreckend aktuell, obwohl es 1946 geschrieben wurde !!


    Die bedrückende und kontrollierende Gesellschaft wird so realistisch dargestellt, dass es mir zwischendurch auch etwas Angst gemacht hat. Es waren zwischendurch auch so viele gesellschaftliche Idee und auch Logiken beschrieben, die in sich Sinn gemacht haben und das System erklärt haben, dass ich kurz überlegen musste, ob es real ist oder Fiktion. Wow, einfach wow. 

    Hatte auch wirklich nicht im Kopf, dass es da eine Frau in Buch gibt und werde jetzt auch das Bich Julia 1984 lesen um diese Sicht noch etwas näher zu beleuchten. 


    Der innere Kampf um die eigenen Gedanken war wirklich beeindruckend geschrieben.

  3. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

    (491)
    Aktuelle Rezension von: Kyra112

    Die nächste Generation steht vor den Herausforderungen der Nachkriegszeiten und stolpert damit mitten in den Kalten Krieg. Während George in den USA gegen die Unterdrückung der Schwarzen kämpft, muss sich Rebecca mit dem System in der DDR auseinandersetzen, ebenso wie ihr Bruder Walli und auch in Großbritannien gibts die ein oder andere Herausforderung.

    „Kinder der Freiheit“ von Ken Follett ist der Abschlussroman der Jahrhunderttrilogie.

    Ich habe dieses Buch wirklich mehrere Jahre vor mir hergeschoben. Nicht, weil mich der Roman abschreckt, sondern die Dicke des Buches.
    Ken Follett schreibt wirklich sehr realistisch und auch absolut mitreißend. Es gab viele Abschnitte, bei denen ich einfach ganz schnell weiterlesen wollte, weil’s wirklich spannend war. Auch hat mich das Buch animiert, einzelne historische Ereignisse oder Personen noch einmal nachzuschlagen und mich fundierter zu informieren. 

    Hin und wieder bin ich bei den Figuren durcheinander gekommen. Es sind ja doch einige Personen und damit Handlungsstränge, die hier behandelt werden und manchmal waren mir die Sprünge zu abrupt, sodass ich erstmal kurze Zeit zum Überlegen brauchte, um zu realisieren, über welche Figur ich nun lese.

    Nervig waren die vielen Beziehungen oder nicht-Beziehungen. Da war ja wirklich bei der neuen keine Beziehung dabei, die wirklich funktioniert hat. Irgendwie hat jeder es geschafft, das Ganze in den Sand zu setzen.

    Mich hat der Teil um die Kennedys etwas gelangweilt. Das war mir alles zu viel, während man zum Schluss das Gefühl hatte, Ken Follett rennt durch die Geschichte, also gerade, was die 70er/80er Jahre betrifft.

    Es war ein interessantes Buch, aber es war mir doch etwas zu viel des Guten. Wer gerne solche dicken Wälzer liest, ist hier richtig, aber für jene, die es eher kompakter lieben, ist der Roman gar nichts.

  4. Cover des Buches Die Känguru-Chroniken (ISBN: 9783548920771)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Chroniken

    (1.268)
    Aktuelle Rezension von: Mirarim

    MEINUNG

    Eigentlich peinlich, wenn ich zugebe, dass ich das Känguru zwar kenne - mein gesamter Freundeskreis war quasi davon besessen, als es raus kam - es jetzt aber das erste mal komplett gehört habe. 

    Ich hatte es schonmal angefangen, aber erst jetzt wirklich von Anfang bis Ende. Es ist  wahnsinnig unterhaltsam vorgelesen - aber durch die Stimme des Kängurus fand ich es auch echt immer wieder anstrengend dem lange zuzuhören.

    Rein von den Themen und der Art und Weise des Humors aber auf jeden Fall ein Hit! Dass da Band 2-5 noch folgen ist ja klar. Aber wegen der Stimme brauche ich dafür den richtigen Moment ;-)


    KLAPPENTEXT

    »Ich bin ein Känguru - und Marc-Uwe ist mein Mitbewohner und Chronist. Nur manches, was er über mich erzählt, stimmt. Zum Beispiel, dass ich mal beim Vietcong war. Das Allermeiste jedoch ist übertrieben, verdreht oder gelogen! Aber ich darf nicht meckern. Wir gehen zusammen essen und ins Kino, und ich muss nix bezahlen.« Mal bissig, mal verschroben, dann wieder liebevoll ironisch wird der Alltag eines ungewöhnlichen Duos beleuchtet. Völlig absurd und ein großer Lesespaß. Marc-Uwe Kling und seine Radio-Kolumne »Neues vom Känguru« ist in der Kategorie »Beste Comedy« mit dem Deutschen Radiopreis 2010 ausgezeichnet worden.

  5. Cover des Buches Die Analphabetin, die rechnen konnte (ISBN: 9783328100157)
    Jonas Jonasson

    Die Analphabetin, die rechnen konnte

    (733)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Zunächst ein großes Kompliment an die Übersetzerin. Es war sicher nicht einfach, diesen spielerischen Umgang mit Sprache, diese teils aberwitzigen und skurrilen Vorgänge, so zu übertragen, dass diese auch im Deutschen ihre gewünschte Wirkung entfalten. Es ist ein Genuss, diesen teils versteckten oder hintersinnig eingestreuten realen Bezügen in einer ansonsten doch sehr abgedrehten Story zu folgen. 

    Die Geschichte entfaltete ihren Reiz auch dadurch, dass die historischen Personen beim Namen genannt werden und das politische Geschehen in eine Lebenswirklichkeit hineingezogen wird, die die Distanz zu diesen Geschehnissen nicht nur verringert, sondern tatsächlich auch menschlicher und damit verstehbarer machen – unabhängig davon, ob sie sich so oder so oder auch ganz anders abgespielt haben.  Diese indirekten Anspielungen fordern geradezu nach Weiterdenken heraus. Es fällt leicht mit der „guten Seite“ zu sympathisieren (wer möchte nicht gerne, trotz aller Hindernisse, so souverän durchs Leben gehen?), wobei die „böse Seite“ durchaus auch ihren Charme hat. Es gibt also ausreichend Raum, bei guter Unterhaltung, die eigenen Gedanken spazieren zu führen.

    Da das Elend dieser Welt im Moment zuzunehmen scheint, kommt eine solche Geschichte gerade recht. Nicht als „Erlösungsgeschichte“, sondern als augenzwinkernder Hinweis: Nimm das Leben wie es kommt und mache das dir Mögliche daraus.

    (19.11.2018)

  6. Cover des Buches Tausend strahlende Sonnen (ISBN: 9783596520701)
    Khaled Hosseini

    Tausend strahlende Sonnen

    (1.278)
    Aktuelle Rezension von: buch_leselust

    Ergreifend ist hier wirklich das richtige Wort. Ich habe mit Mariam und Layla mitgelitten und mitgefiebert. 

    Es hat mich stark berührt, was ihnen alles passiert und gleichzeitig wütend gemacht, weil es wirklich nicht unrealistisch ist.


    Die Rolle und Stellung der Frau in Afghanistan wird hier erschreckend real dargestellt und gibt einen guten Einblick in das Leben vor Ort. Leider weiß man ja, wie es sich über die letzten Jahre weiterentwickelt hat...

  7. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9781068796623)
    George Orwell

    1984

    (503)
    Aktuelle Rezension von: sozicu

    1984 von George Orwell ist allgemein als dystopischer Klassiker bekannt. Jetzt, da ich ihn auch gelesen habe, kann ich überzeugt sagen: verdient!

    Der Schreibstil ist erstmal gewöhnungsbedürftig, was aber einfach dem Alter des Buchs geschuldet ist. Es hat ein wenig gedauert bis ich wirklich drin war. Außerdem sind Slurs enthalten. Meiner Meinung nach hätte man die in dieser Neuauflage ersetzen können, ohne dass es etwas verändert hätte.

    Der Fokus liegt ganz klar in der Beschreibung der Welt, wie sie funktioniert und welche Grausamkeiten sie birgt. Der Plot ist eher ein Werkzeug, um alle Aspekte beleuchten zu können. Auf jeden Fall mal was anderes als das, was ich sonst so lese.

    Das funktioniert auch echt gut. Dieses Fiktive London bietet genug Stoff in seinen Eigenschaften, der Gesellschaft, der Politik, um interessant zu sein.

    Die Hauptfigur ist einfach ein Mann der Mittelschicht. Niemand besonderes. Nicht zwingend ein Sympathieträger, aber realistisch. Vielleicht ein wenig naiv an manchen Stellen. Aber Hoffnung lässt dich eben an jedem Strohhalm festhalten.

    Ist auf jeden Fall harter Tobak und sollte mit ordentlich Selbstfürsorge gelesen werden. Dennoch ist es ein wichtiges Werk, das jede*r mal lesen sollte.

    Es ist wirklich erschreckend wie aktuell ein Buch aus 1949 sein kann!

  8. Cover des Buches Kind 44 (ISBN: 9783442481859)
    Tom Rob Smith

    Kind 44

    (779)
    Aktuelle Rezension von: Featherstone

    Inhalt:

    Moskau, 1953: Die Welt von MGB-Offizier Leo Demidow gerät ins Wanken als er unter dramatischen Umständen damit konfrontiert wird wie schrecklich ungerecht und fehleranfällig das sowjetische Justizsystem sein kann. Leo wird in Geschehnisse hineingezogen, die ihn und seine Frau Raisa in höchste Lebensgefahr bringen und die Leos unbedingten Glauben an den sowjetischen Staat zutiefst erschüttern. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod, denn ein Serienmörder treibt seit Jahren sein Unwesen und Leo und Raisa sind die einzigen, denen es gelingen könnte der Mordserie ein Ende zu setzen…

    „Diese ganzen Morde sind entweder falsch aufgeklärt, vertuscht oder auf irgendwelche Geisteskranken, politische Gegner, Betrunkene und Herumtreiber geschoben worden. Sie sind nie miteinander in Verbindung gebracht worden.“ (S. 355)

    Meine Meinung:

    Selten hat mich ein Buch so positiv überrascht, denn es ist viel mehr als „nur“ ein spannender Thriller. Es entfaltet sich zugleich eine Geschichte mit unglaublich großer emotionaler Wucht, die in Erinnerung bleibt und die nachhallt. Neben aufregenden, spannenden und düsteren Momenten sind es vor allem die vielen dramatischen, bewegenden, berührenden, emotionalen und nachdenklich stimmenden Momente, die ich extrem mitreißend fand und die mich nicht so schnell losgelassen haben. Nebenbei lässt das Buch vergangene Zeiten und historische Ereignisse lebendig werden. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. 

    Die Ermittlungen zu den Serienmorden werden sehr fesselnd erzählt. Der Schlüsselmoment in dem Leo realisiert, dass eine Vielzahl von Morden einem einzigen Täter zuzurechnen ist, sorgt für ordentlich Gänsehaut. Es ist nämlich klar, dass der Täter noch immer sein Unwesen treibt und zudem für einige der Morde unschuldige Menschen verurteilt wurden, weil man auf diese Weise unerwünschte Personen wie etwa politische Gegner, Landstreicher oder Leute mit psychiatrischen Problemen loswerden konnte. Es wird sehr spannend und mitreißend erzählt wie Leo und Raisa in einem verzweifelten und gefährlichen Wettlauf gegen Zeit darum kämpfen den Mörder zu stoppen. Ich wollte unbedingt wissen wer der Mörder ist und wie ihm die beiden auf die Spur kommen. Die Enthüllung der Identität des Mörders und seines Motivs fand ich absolut gelungen und sie kam für mich vollkommen unerwartet.

    Eine ganz große Stärke dieses Buches ist der tolle und interessante Protagonist: Leo macht im Laufe der Geschichte eine bemerkenswerte persönliche Veränderung durch. Er wird sehr vielschichtig charakterisiert und man lernt sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen kennen. Es ist sehr bewegend und interessant zu verfolgen wie er sich zum Positiven verändert. Dabei wird außergewöhnlich gut beschrieben wie einige sehr dramatische und einschneidende Erlebnisse Leos persönliche Einstellung und sein Denken über bestimmte Themen grundlegend verändern. Leo beginnt die Methoden des sowjetischen Staats zu hinterfragen und es wird ihm bewusst wie ungerecht und fehleranfällig das System sein kann und welche erschreckenden Schattenseiten es gibt. Diese Wandel in Leos Denken wird sehr glaubwürdig beschrieben. Gleichzeitig lernt man neue Seiten an Leo kennen, die beweisen, dass er ein gutes Herz hat. Leo geht große Risiken ein um für das Gute zu kämpfen und um für Gerechtigkeit zu sorgen. Das hat dafür gesorgt, dass ich ihn mit der Zeit richtig liebgewonnen habe und sehr mit ihm mitgefiebert habe.

    Die Liebesgeschichte zwischen Leo und Raisa ist wunderschöne, sehr emotional und rührend. Ihre Wiederannährung und zweite Chance werden gefühlvoller beschrieben und gehen mehr zu Herzen als in so manch anderem Buch ein erstes Kennenlernen bzw. der Anfang einer Beziehung. Die äußeren Umstände führen dazu, dass Leo und Raisa einander zum ersten Mal ebenbürtig sind und Raisa sich traut mit Leo offen über ihre Gefühle und insbesondere ihre Ängste zu sprechen. Erst als einige sehr schmerzhafte Wahrheiten zwischen den beiden ausgesprochen sind können sie beginnen nach vorne zu blicken. Bei ihren gemeinsamen Ermittlungen zu den Serienmorden geben die beiden ein richtig gutes Team ab. Die dramatischen und gefährlichen Geschehnisse, die sie gemeinsam durchmachen sorgen dafür, dass sie beginnen einander zu vertrauen und feststellen, dass sie sich auf die bedingungslose Unterstützung des anderen verlassen können. Außerdem wird sehr schön beschrieben wie die beiden im Laufe der Geschichte neue Seiten aneinander entdecken und wie eine zuvor nie dagewesene emotionale Nähe zwischen ihnen entsteht.

    Die Schattenseiten des sowjetischen Justizsystems werden einem gnadenlos und in allen schrecklichen Einzelheiten vor Augen geführt. Vieles fand ich erschreckender als so manche Horrorgeschichte, weil einem klar ist, dass es solche Zustände tatsächlich gegeben hat und nicht bloß alles der Vorstellungskraft des Autors entsprungen sind. Hier ein paar Zitate bzgl. der damals vorherrschenden Prinzipien der Polizeiarbeit, die für sich sprechen:

    BESSER, ZEHN UNSCHULDIGE LEIDEN, ALS EIN SPION ENTKOMMT. Er hatte eine eiserne Grundregel ihrer Arbeit missachtet: dass man zunächst immer einmal von der Schuld des Betreffenden ausging. (S. 53)
    EIN AGENT MUSS SEIN HERZ ZUR GRAUSAMKEIT ERZIEHEN. […] Grausamkeit war eine Tugend. Grausamkeit war etwas, wonach zu streben sich lohnte. Grausamkeit war der Schlüssel zum perfekten Staat. (S. 127)
    Nach unserem Rechtssystem werden auch sämtliche Familienmitglieder eines Verurteilten zur Rechenschaft gezogen. Die Verwandtschaft macht uns mitschuldig. (S. 151)
    Das Überleben ihres politischen Systems rechtfertigte alles. Das Versprechen eines goldenen Zeitalters, wo es solche Brutalitäten nicht mehr gab, wo alles im Überfluss vorhanden und Armut nur noch eine vage Erinnerung wäre, rechtfertigte alles. (S. 99)

    Man spürt richtig wie groß das gegenseitige Misstrauen in der Gesellschaft gewesen ist und wie extrem angsteinflößend der Staatsapparat für die Menschen war. Es lässt einem erschaudern wie der sowjetische Staat seine Bürger durch Angst unter Kontrolle gehalten hat und schon Kinder mit politischer Indoktrination und Einschüchterung in den Fokus genommen wurden. Schon winzige Kleinigkeiten reichten um wegen konterrevolutionärer Umtrieben und Spionage schuldig gesprochen zu werden. Manchmal genügte nur ein einziger unbedachter Satz zur falschen Person, denn Denunziation war weitverbreitet. War man erst einmal verhaftet gab es so gut wie keine Hoffnung mehr, die eigene Unschuld zu beweisen, denn oft wurden Geständnisse unter Folter erzwungen. Dementsprechend waren die Hinrichtungsraten unvorstellbar hoch. Das führt einem vor Augen wie gut man es heutzutage hat, wenn man in einer Demokratie lebt und auf Meinungsfreiheit und Rechtstaatlichkeit vertrauen kann.

    Es gibt in diesem Buch noch eine ganze Reihe weiterer Szenen, die mir unglaublich nahegegangen sind, weil Probleme aufgezeigt werden, die damals wirklich bestanden haben. So bekommt man u.a. einen Einblick in die schrecklichen Zustände die damals in vielen Waisenhäusern herrschten. Zudem fand ich es zutiefst traurig wie man damals mit homosexuellen Menschen umgegangen ist. Ganz besonders erschütternd fand ich außerdem den Rückblick in die 1930er-Jahre, der einem in die Ukraine zu Zeiten des Holodomor versetzt (= vom sowjetische Staat verursachte Hungersnot, die mehr als eine Million Ukrainer das Leben kostete). Das damalige Elend, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit werden schonungslos und sehr eindringlich geschildert. 

    Trotz vieler bedrückender und trauriger Geschehnisse, die einem betroffen machen, gibt es aber zugleich auch einige schöne und hoffnungsvolle Momente. Das gilt auch für das Ende des Buches: Nach einem dramatischen Showdown gibt es herzerwärmende Momente, die einem dann doch noch mit einem positiven Gefühl zurücklassen.

    Zudem hat das Buch eine hoffnungsvolle und zu Herzen gehende Botschaft: Es kann sich lohnen Widerstand zu leisten und für das Gute einzutreten. Außerdem findet man Verbündete und Freunde manchmal zu einer Zeit und an einem Ort an dem man es am wenigsten erwartet hätte. Man sollte den Glauben an das Gute in seinen Mitmenschen nie aufgeben.

    Vergleich mit der Verfilmung „Kind 44“ (2015):

    Es wurden mit Tom Hardy, Gary Oldman und Noomi Rapace sehr gute Schauspieler gecastet, die die Charaktere aus dem Buch auf gelungene Weise lebendig werden lassen. Der Film trifft den Kern des Buches.

    Im Vergleich mit dem Buch fällt aber auf, dass im Film ein paar Dinge verändert bzw. weggelassen wurden. So erfährt man z. B. nichts über Leos Kindheit und der Mörder ist nicht Leos Bruder. Außerdem wurden einige Dinge weit oberflächlicher behandelt. Das gilt insbesondre für Leos persönliche Veränderung, die sich im Film zu schnell vollzieht. Zudem ist der historische Hintergrund im Buch sehr viel detaillierter und man erfährt im Buch z. B. viel mehr über die Schattenseiten des sowjetischen Staatsapparats und des Justizsystems. Das kann man dem Film aber verzeihen, denn in einen etwa zweistündigen Film kann man eben nur eine begrenzte Menge an Handlung und Hintergrundinfos hineinpacken. Dieses „Problem“ haben eigentlich alle Literaturverfilmungen.

    Trotz der genannten Schwächen finde ich die Verfilmung insgesamt gelungen und empfehlenswert.

    Fazit:

    Dieses Buch war eine riesengroße positive Überraschung. In diesem Buch steckt so viel mehr als ich erwartet hatte. Die Mischung aus spannenden, dramatischen, düsteren, traurigen, emotionalen und herzerwärmenden Momente ist unglaublich mitreißend. Diese Geschichte ist sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich stimmend und ist keine, die man so schnell vergisst. Ich werde auf jeden Fall dem zweiten Band auch noch eine Chance gaben.

    Zum Schluss noch ein besonders rührendes Zitat aus dem Buch:

    [Raisa:] „Leo? Ich habe noch ein Geheimnis. Ich habe mich in dich verliebt.“ [Leo:] „Ich habe dich immer schon geliebt.“ (S. 261)
  9. Cover des Buches Farm der Tiere (ISBN: 9783864459870)
    George Orwell

    Farm der Tiere

    (1.033)
    Aktuelle Rezension von: strch_pi08

    Diese Fabel, welche die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 thematisiert, drückt George Orwell durch Tiere aus. 

    Die Handlung ist von Anfang an sehr fesselnd, da die Parallelen zum NS-Regime deutlich zu erkennen sind. Jeder Charakter ist dabei einzigartig gestaltet und die Motive werden deutlich.

    Besonders hat mir gefallen, dass man auch als Leser*in die schleichende Einnistung der NS-Ideologien beim Lesen quasi am eigenen Leibe mitbekommt.


  10. Cover des Buches Die Känguru-Offenbarung (Die Känguru-Werke 3) (ISBN: 9783548375137)
    Marc-Uwe Kling

    Die Känguru-Offenbarung (Die Känguru-Werke 3)

    (456)
    Aktuelle Rezension von: bibliofuechschen

    Auch der 3. Band des Kängurus hat mir sehr viel Spaß gemacht. 

    Nach einem bösen Cliffhanger am Ende von Band zwei habe ich direkt das dritte Buch gelesen. DDas große Ziel: Endlich den geheimen Masterplan des Pinguins herausfinden und natürlich vereiteln. Dafür ist so ziemlich jedes Mittel recht. 

    Wie immer wortgewand und kurzweilig. Sehr zu empfehlen sind auch die Hörbücher, die Marc-Uwe Kling selbst eingelesen hat. 

  11. Cover des Buches Das Känguru-Manifest (Die Känguru-Werke 2) (ISBN: 9783548373836)
    Marc-Uwe Kling

    Das Känguru-Manifest (Die Känguru-Werke 2)

    (610)
    Aktuelle Rezension von: bibliofuechschen

    Das Buch fügt sich nahtlos an das Erste an. Es macht einfach Spaß dem Känguru und Marc-Uwe bei ihrem chaotischen Alltag beizuwohnen. Jeder der Interesse an Gesellschaftskritik in anderem Gewandt hat, sollte sich die beiden genauer ansehen. Und nun gibt's auch noch einen zwielichtigen Antagonisten, den man im Auge behalten sollte. 

    Allerdings muss ich eine allgemeine Wahrnung aussprechen, der Clifhanger ist gemein, also am besten schon Band 3 griffbereit haben😊

  12. Cover des Buches Ein Gentleman in Moskau (ISBN: 9783548290720)
    Amor Towles

    Ein Gentleman in Moskau

    (155)
    Aktuelle Rezension von: Petra_de_Zamagna

    Warum schreibt ein amerikanischer Schriftsteller, der keine russischen Wurzeln hat oder die russische Sprache spricht oder Historiker wäre, über das Russland in der beginnenden Sovjetzeit? Der Roman erzählt von einem aus der Zeit gefallenen Grafen, der natürlich im Arbeiter- und Bauernstaat des aufstrebenden Kommunismus, nichts zu sagen hatte, eigentlich untergehen hätte müssen. Stattdessen rettet er sich über  viele unwirtliche Sovjetrussland-Jahre, weil er eingesperrt im Nobelhotel Metropol im Dachgeschoss seine Zeit fristen darf.

    Nun Amor Towles scheint die Idee bei mehreren Aufenthalten in Luxushotels in der Schweiz bekommen zu haben, wo er wiederholt dieselben Leute antraf. Das Thema Hausarrest ist aber ein typisch russisches Phänomen, das es schon zu Zarenzeiten gegeben hat und so transportierte er die Handlung nach Russland. Vielleicht macht genau das den Roman so charmant und leichtfüssig, es gibt keine persönliche Bitterkeit oder sogar politische Agenda des Autors.

    Es ist als ob Towles die berühmten Zeilen des persischen Sufi-Mystikers 'Rumi' gelesen hätte und in diesem Roman zum Leben erweckt:

    "Sei nicht hoffnungslos, halte Hoffnung, o Herz! / Im Verborgenen liegen viele Wunder, o Herz! / Soll die Welt es auf dein Leben abgesehen haben, lass des Freundes Rock nicht los, o Herz."

    Und wir Leser leben mit dem Grafen zwar das Leben eines Eingesperrten, allerdings in einem komfortablen Luxushotel, wo es immer auch wieder Arbeiten gibt, die der Graf gerne bereit ist, kostenlos zu unterstützen. Überdies sehen wir mit seiner Innensicht dennoch auch, was sich im Draussen abspielt, denn es kommen Freunde zu Besuch und andere Personen, die draussen aus und ein gehen, verkehren mit ihm auf freundschaftlicher Basis. So erleben wir, wenn auch durch die Fernbrille, wie  die Leute immer mehr den Sowjet-Manövern ausgeliefert sind - selbst wenn sie Anfangs glühende Verehrer des Systems sind. Auch die Freunde des Grafen gehen und verwehen - aber ihm bleibt oft ein weiterer Grund, sich ins Leben einzubringen. So wird er auch für die Erziehung eines Kindes verantwortlich, als die Mutter dem in den Gulag geschickten Mann folgen möchte.

    In der Stille des Hotels werden also Freundschaften geschlossen, Liebesbeziehungen begonnen, Arbeitsverhältnisse gestartet, Kochkünste und Weindegustationen zelebriert - und immer wieder zeigt sich auch die kommunistische Welt, weil Parteileute die Etablissements des Hotels nutzen . Der Graf bleibt aber besonnen und kümmert sich um das Nahegelegene.

    Der Clou ist beinahe, dass ein hoher Sovjetfunktionär mit Namen Ossip Iwanowitsch Glebnikow (ist es nicht sogar Stalin selbst, der ja aus Georgien stammte und mit Vornamen Josip also Josef hiess und der Literatur und Kultur bewunderte, obwohl er selbst aus einfachsten Verhältnissen als Sohn eines Schusters stammte?) sich eines Tages in Privatstunden beim Grafen französisch und westliche Sitten beibringen läßt. Im völlig abgeschotteten Bereich einer streng bewachten Hotelsuite treffen sich die zwei, sehr respektvoll und die Lehrstunden finden über eine lange Zeit statt.

    Voller unerwarteter Wendungen ist das Leben des Grafen Rostov, so dass das Buch trotz 500 Seiten nie langweilig wird. Was in den 1920er Jahren begonnen hat, endet dann 1954. Eine Zeit des Umbruchs auch in Russland, als nach dem Tode Stalins 1953 ein Machtkampf über die Nachfolge entsteht. Der Graf, diesmal mitten drin im Geschehen, weil er als Oberkellner gewisse Einblicke in die sich positionierenden Anwärter der Nachfolge (hier mit tatsächlichen Namen benannt als Chruschtschow und Malenkov bzw. Beria) erkennen kann und diese Information nutzt, um sowohl für seine Ziehtochter als auch für sich selbst einen günstigen Augenblick zu nutzen.


    Ein wunderbares Buch von Anfang bis Ende - voller Menschlichkeit und Philosophie und Konzentration auf Ort und Zeit. Ein herausragender aktueller Schriftsteller.


  13. Cover des Buches Die Geschichte der getrennten Wege − Erwachsenenjahre (Neapolitanische Saga 3) (ISBN: 9783518469538)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte der getrennten Wege − Erwachsenenjahre (Neapolitanische Saga 3)

    (281)
    Aktuelle Rezension von: Egata

    Die Protagonistinnen werden älter, die Themen politischer, Studentenunruhen, Feminismus, Straßenkämpfe. Nun ist Elena unglücklich mit Kindern und Haushalt, hat aber keine finanziellen Sorgen und gibt ein Buch heraus. Lila arbeitet in einer Fabrik, hier zeigt sich der Kontrast zwischen Oberschicht und schlimmer Armut, wie er für ganz Italien galt.

    Großartig erzählt die Autorin von den siebziger Jahren in Italien und verknüpft soziale und politische Themen mit den beiden persönlichen Lebensgeschichten. Starke Gefühle, intensive Bilder. Alles hautnah zum Miterleben.

  14. Cover des Buches Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna (ISBN: 9783423149068)
    Eugen Ruge

    Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna

    (296)
    Aktuelle Rezension von: Ruth




    Kann man einen spannenden Roman schreiben, wenn jeder das Ende schon kennt? Ja, kann man. Eugen Ruge hat mit seinem neuesten Werk den Beweis dafür geliefert.
    Allerdings hat er keinen typischen historischen Roman geschrieben, sondern aus einer in der Vergangenheit angesiedelten Geschichte eine satirische Parabel auf die Gegenwart gemacht.
    „ Vergiss, lieber Leser, alles, was du jemals über Pompeji gehört hast. …Vergiss und lies. Dies ist der wahre Bericht vom Untergang Pompejis und seiner Bewohner.“ So stimmt uns der namenlose Erzähler auf das Kommende ein. Er, ein „ beschämter Überlebender“ hat alles auf achtzehn Schriftrollen festgehalten und in einer Amphore verschlossen für die Nachwelt. Allerdings hat er seine Zweifel, ob diese wohl die Zeichen deuten können und daraus etwas lernen werden.

    Die Handlung setzt ein einige Jahre vor dem Vulkanausbruch. Die Stadt hat sich noch nicht ganz von den Folgen des Erdbebens im Jahr 62 v.Chr. erholt.
    Jowna oder Josse, wie er genannt wird, Sohn einer armen Migrantenfamilie, wächst hier auf. Er schämt sich für die Armut und Bedeutungslosigkeit seines Vaters, doch Ehrgeiz entwickelt er keinen. Stattdessen bricht er früh die Schule ab und wird Anführer von einer Bande von Herumtreibern. Bei einem zufällig gehörten Vortrag eines „ externen Referenten“ erfährt er, dass die Stadt auf vulkanischem Boden steht und dass der Vulkan durch das große Beben zum Leben erwacht sei.
    Diese Gefahr ist der Anlass für Josse aufzustehen und zu seiner ersten Rede anzusetzen. Noch linkisch und keineswegs wortgewandt lässt er die anderen an seiner Erkenntnis teilhaben. Da der Berg sich wohl kaum von der Stelle bewegen wird, so sollten das die Menschen tun.
    Josse wird zum Anführer einer Gruppe Gleichgesinnter, die abseits der Stadt eine neue Siedlung gründen. Es ist ein buntes Völkchen hier am „ Fenster des Meeres“. Die einen berauschen sich an Fliegenpilzsud und wildem Sex, die anderen führen endlose Diskussionen über den zukünftigen Regierungsstil, über die Abschaffung des Privatbesitzes und die Gleichbehandlung der Geschlechter, über richtiges und falsches Bewusstsein.
    Doch die Aussteiger werden mit Misstrauen beobachtet von der Elite in Pompeji. Dort will man nichts von der drohenden Gefahr wissen, fürchtet Massenpanik und Abwanderung und in Folge davon den Fall der Immobilienpreise.
    Da tritt Livia auf, die führende Unternehmerin der Stadt. Sie hat sich mit dem Wiederaufbau eine goldene Nase verdient und gerade die Volksthermen für einen symbolischen Preis gekauft und in Betrieb genommen. So eine lässt sich doch nicht von ein paar verrückten Apokalyptikern das Geschäft verderben.
    Sie umgarnt Josse mit ihren weiblichen Reizen und den Verlockungen der Macht und schafft es so, ihn zu einer Kehrtwende zu bewegen. Plagen ihn anfangs noch Skrupel ( „ Wie kehrt man um, ohne zu wenden? Wie übt man Verrat, ohne Verräter zu sein?“) , wird Josse kurz darauf zum Vorsitzenden des Vulkanvereins. Statt Pompeji zu verlassen, gilt nun ein „ Leben mit dem Vulkan“.

    Der Autor scheint beim Schreiben großes Vergnügen gehabt zu haben. Er geht spielerisch mit seinem Stoff um, packt jede Menge Begriffe aus der Gegenwart in den Text und schreibt spöttisch über die verschiedenen Denkrichtungen und Ideologien. Es fallen Anachronismen wie „ Mauerspechte“ und „ blühende Landschaften“. Bei einer der Reden Josses will jemand den Satz gehört haben „ Wir schaffen das“, ein anderer „ Das Büffet ist eröffnet“. Die Aussteiger aus der Siedlung erinnern an Hippiekommunen oder an linke Gruppierungen mit ihren Grundsatzdiskussionen.
    Ruge lässt alle Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit auftreten und alle bekommen ihr Fett ab. Der Neureiche, der sich vom freigelassenen Sklaven zum Bauunternehmer hochgearbeitet hat, der korrupte Politiker ebenso wie gierige Kapitalisten und bestechliche Priester. Kaum eine der Figuren entwickelt sich zum Sympathieträger, auch die Hauptfigur nicht. Ein Wendehals, der sich von der Macht verführen lässt, der sich vom Warner zum Demagogen entwickelt.
    Auch historisch verbürgte Figuren treten auf, so z.B. Plinius der Ältere. Ihn zeichnet Ruge als typischen Buchgelehrten, der sein immenses Wissen nicht durch Exkursionen oder eigene Forschungen gewonnen hat, sondern durch das Studium anderer Bücher. Plinius ist mittlerweile eine Karrikatur seiner selbst, fett, unbeweglich und leicht senil. Und auch er glaubt nicht an einen drohenden Vulkanausbruch. Tragisch, dass er später dabei selbst zu Tode kommt.
    Besonderes Vergnügen machte mir das Kapitel, in dem Josse Unterricht bekommt in Rhetorik. Hier lernt er alles, was eine gelungene Politikerrede ausmacht. Wie schafft man Vertrauen und welche Bedeutung haben leere Versprechen ? Wie kann man Versäumnisse als Verdienst ausgeben ? Nutze die verbindende Kraft von Feindbildern! Und manches mehr.
    Bei all dem Gegenwartsbezug merkt man dem Roman aber auch die intensive Recherchearbeit des Autors an, denn der Leser erfährt viel Wissenswertes über das Leben in jener Zeit.
    Doch mich hat beim Lesen weniger die historische Komponente interessiert, sondern seine aktuelle Fragestellung. Wie gehen Menschen mit zukünftigen Bedrohungen um? Sind sie bereit, darauf angemessen zu reagieren oder ignorieren sie die Warnzeichen oder leugnen sie gar?
    Viele Szenen weisen einen hohen Wiedererkennungseffekt auf und man fragt sich, was der Vulkanausbruch unserer Zeit ist. Für mich ist das eindeutig der Klimawandel, aber auch bei der Corona-Pandemie gab es die gleichen Verhaltensmuster.
    Auch wenn manche Rezensenten Parallelen zwischen der Hauptfigur Josse und Joschka Fischer ( ähnlicher Vorname, der Vater von beiden war Metzger) zu erkennen glauben, so hat Ruge meiner Ansicht nach keinen Schlüsselroman geschrieben. Vielmehr ging es ihm um allgemeine Tendenzen und Entwicklungen in Gesellschaft und Politik.
    Eugen Ruge, studierter Mathematiker und Erdbebenforscher, debütierte 2011 mit seiner ( eigenen) Familiengeschichte „ In Zeiten des abnehmenden Lichts“, für das er den Deutschen Buchpreis erhielt. So große Ehre wird seinem neuesten Werk nicht zuteil werden, doch ihm ist mit „ Pompeji“ ein zwar vergnüglich zu lesender, doch nachdenklich stimmender Roman gelungen.


  15. Cover des Buches Vaterländer (ISBN: 9783690450003)
    Sabin Tambrea

    Vaterländer

    (70)
    Aktuelle Rezension von: Seitenfresserin

    Es gibt immer mal wieder Bücher, welche man nicht wieder aus den Händen legen möchte.
    "Vaterländer" ist ein solches.
    Autor Sabin Tambrea (bekannt aus Kino, TV und Theater), beschreibt in Romanform, den mutigen Auf- und Ausbruch seiner Eltern aus Rumänien, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Vorallem ein Leben in Freiheit, ohne ständige Angst vor der Willkür eines diktatorischen Regimes.
    Viel riskiert der Vater, als er es Mitte der 1980er Jahre wagt nach Deutschland zu fliehen, nicht wissend, wann und ob er seine Familie wieder sieht. Zum Glück gelingt es, dass er Frau und Kinder nach Jahren in die Arme schließen darf. Der Anfang, in dem ihnen fremden Land, war nicht einfach. Doch mit viel starkem Willen, gelingt es der Familie, fest zusammenhaltend, ihre Plätze im neuen Leben zu finden. Wenn auch jede*r von ihnen seelisch "ein Päckchen zu tragen hatte". Denn, die Heimat, verlässt Niemand mal eben so.
    Die politische Geschichte Rumäniens war keine glückliche. Bald nach dem großen Sieg über den Faschismus wurde eine kommunistische Diktatur mit größter Grausamkeit und Härte im Land fest installiert. Sie stand bei der Durchsetzung den Methoden der besiegten Faschisten in nichts nach. Ausführende: die Geheimpolizei Securitate. Bespitzelung, willkürliche Verhaftungen und Verurteilungen von Vergehen, welche es nie gab. Daraus resulierend lange Haftstrafen, größtenteils unter unmenschlichen Bedingungen, mit schwerster Arbeit, um die Verhafteten psychisch als auch physisch zu brechen. Und es konnte Jede*n, wie aus dem Nichts, treffen.
    Nachdem der Kommunismus mit Gewalt Regierungsform geworden war, gab es im Land einige Jahre der politischen Entspannung. Doch der nächste Tiefschlag lauerte schon und trug einen Namen: Ceauşescu. Dieser, sah den Sinn als Staatsoberhaupt darin, sich und seine Gattin, bedingungslos vom Volk huldigen zu lassen. Dazu wurde die Securitate wieder verstärkt aktiviert. Strengste Diktatur und Abschottung waren erneut an der Tagesordnung. Das Land wurde so, von einem egomanischen Herrscher-Ehepaar ins Elend gestürzt.
    Kaum auszuhalten für Menschen, welche ohne staatlich verordnete, brutale Knechtschaft leben wollten.
    Nach dem Ende der Ceauşescu-Diktatur, gab (und gibt) es noch weiterhin viele politische Probleme.
    Es war nun aber den Tambreas möglich, wieder in die Heimat zu reisen, um die Familie zu sehen.
    Denn die Familie, ist das stärkste Seil, welches es für sie gibt. Alle sind mit unerschütterlicher Liebe aneinander "geknotet". Im engsten Familienkreis sind die Knoten natürlich am stärksten. Sie halten jedem Sturm stand, egal wie stark er ist, über Generationen hinweg.
    Sehr gut gefällt mir der Schreibstil des Buches. Wobei es ja eigentlich unterschiedliche sind.
    Teils gar mit hemmingwayschen Charakter, bei den Beschreibungen winzigster Details, welche der kleine Sabin als Kind bemerkte. Dabei stets präsent, als liebevolle und unerschütterliche Verbündete: die große Schwester.
    Anders die Erzählweise des Vaters/der Eltern, da diese oft mit schweren Sorgen beladen waren, vor dem Verlassen der Heimat als auch danach.
    Das Berichten des Großvaters über seine Haftzeit, hat fast etwas Pragmatisches. Gerade deshalb fühlt sehr man mit.
    Allen drei Generationen, wird durch diese leicht veränderten Erzählweisen, Raum gegeben. Dabei ist es jedoch stets stimmig.
    Das lässt einen auf's Neue dankbar sein, in einer Demokratie zu leben.
    Fazit: das Buch ist herzerwärmend, bewegend und darum unbedingt lesenswert. Ja, man möchte am Ende gar "Zugabe!" rufen.

  16. Cover des Buches Animal Farm (with audio-CD) - Readable Classics - Unabridged english edition with improved readability (ISBN: 9783991126508)
    George Orwell

    Animal Farm (with audio-CD) - Readable Classics - Unabridged english edition with improved readability

    (363)
    Aktuelle Rezension von: Butta

    Dieses Buch hat zwar nur ca 100 Seiten aber die haben es in sich. Es ist sehr tiefgründig und voller Metaphern aber vor allem zeigt es dir Gefahren einer Diktatur auf und wie die schleichend entsteht. Es ist genauso aktuell und zeitlos wie 1984 und weißt damit auch ein paar Parallelen auf. Ein echter Klassiker. 

    Teilweise hat es mich echt schockiert und wütend gemacht, wie die Tiere gegaslightet wurden und das Ende von Boxer hat mich echt getroffen. Ein Buch dass mich noch einige Zeit beschäftigen wird und wieder Mal zeigt wie wichtig Bildung ist. Jeder sollte das mal gelesen haben. 

    Das Ende war großartig auch wenn hier ebenfalls alles hoffnungslos und alles andere als Happy war. Es ist kein Wohlfühlbuch. Es ist eine Lehre, ein e Warnung. 

  17. Cover des Buches Makarionissi oder Die Insel der Seligen (ISBN: 9783462049282)
    Vea Kaiser

    Makarionissi oder Die Insel der Seligen

    (110)
    Aktuelle Rezension von: Brigitteevans

    Ein Dorf im Gebirge, in dem eine Großmutter alles macht, damit sich in der Familie alles so entwickelt, wie sie es für gut befindet. (Natürlich ohne die anderen zu fragen, ob sie das auch so wollen).

    Doch so sehr sie sich bemüht, sie kann nicht mit allen Menschen machen, was sie will. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und wir erfahren die Geschichte der Familie in 4 Generationen, die stark mit den politischen Verhältnissen zusammenhängt. Aber was hängt in Griechenland nicht mit Politik zusammen? 

    Über vieles musste ich schmunzeln, weil es mich an meine Zeit in Griechenland erinnert hat. Die Autorin spannt sprachgewandt die Fäden der Erzählung über Kontinente und Generationen, zeitweise in schnellem Tempo, um dann wieder Einzelheiten herauszuholen und genauer zu beschreiben. Vielleicht sind manche Figuren zu sehr auf ein Temperament festgelegt – auf der anderen Seite ist es gerade die Sturheit oder Fixiertheit von Menschen, die Dramen erst ermöglichen. 

    Eine Leseempfehlung für Leser_innen, die Griechenland und unterhaltsame, berührende Erzählungen mögen und einen kleinen Einblick in die Geschichte des Landes erhalten wollen.


  18. Cover des Buches Der Gesang der Berge (ISBN: 9783458682608)
    Nguyễn Phan Quế Mai

    Der Gesang der Berge

    (134)
    Aktuelle Rezension von: Firebee

    Huong wächst bei ihrer Großmutter in Hanoi auf. Vater, Mutter und Onkel kämpfen im Vietnamkrieg. In Rückblicken wird die Lebensgeschichte der Großmutter und ihrer Kinder erzählt und in der Gegenwart die Geschichte von Huong. 

    Entstanden ist ein spannendes, leicht und flüssig zu lesendes Familienepos. Durch die geschickte Kombination aus Gegenwart und Rückblicken wird die Geschichte Vietnams des 20. Jahrhunderts präsent. Ich habe mich mit der Geschichte Vietnams in der Vergangenheit auseinandergesetzt, aber einiges war mir vorher nicht so präsent oder hatte ich vergessen. 

    Durch diese gelungene Prosaerzählung macht es Spaß sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzten. Die Autorin hat es geschafft ein großartiges Bilderkino in meinem Kopf zu zaubern .

  19. Cover des Buches Kältezone (ISBN: 9783404187898)
    Arnaldur Indriðason

    Kältezone

    (166)
    Aktuelle Rezension von: JochenBender

    Ein langsam erzählter Krimi ohne Knalleffekte, bei dem der Autor gekonnt Schritt um Schritt die Spannung aufbaut. Mein Kopfkino sprang sofort an und ich folgte dem bärbeißigen Kommissar mit Vergnügen bei seinen Ermittlungen quer durch Island. Dabei erfuhr ich auch viel persönliches über ihn und seine Kollegen. Dies störte jedoch nicht, sondern machte die Figuren lebendig, zu echten Menschen.

    Auf ziemlich skurrile Weise wird ein noch skurrilerer Fall aufgedeckt: Weil nach einem Erdbeben der Spiegel eines Sees um über vier Meter sinkt, geben die Fluten eine seit Jahrzehnten dort liegende Leiche frei. Der Tote wurde an ein russisches Spionagegerät aus den frühen Sechzigern gebunden im See versenkt. So lebte nicht nur der kalte Krieg in Island wieder auf, sondern wurde ich als Leser mit der Geschichte isländischer Sozialisten bekannt gemacht, die zum Studium nach Leipzig durften. Dort wurden die Idealisten mit dem real existierenden Sozialismus konfrontiert, der wenig bis nichts mit ihren Wunschvorstellungen gemein hat. An dessen Schattenseiten wie Stasi statt Freiheit, Dogma statt Demokratie zerbrachen manche und kehrten desillusioniert heim. Ich wünschte, junge deutsche Fans von Frau Reichinek und ihrer Linken würden das Buch lesen. Vielleicht würden sie dann manche Lügen leichter durchschauen.

    Ein spannender und absolut lesenswerter Krimi.

  20. Cover des Buches Und Marx stand still in Darwins Garten (ISBN: 9783548290614)
    Ilona Jerger

    Und Marx stand still in Darwins Garten

    (145)
    Aktuelle Rezension von: Madamebiscuit

    Zuerst hatte ich befürchtet, dass es viel um die Theorien der beiden gehen würde, die zwar wirklich spannend und interessant sind, aber nicht zwingend leicht zu lesen. Aber die Autorin hat genau das nicht getan, sie hat die beiden älteren Herren - vor allem Darwin - in den Fokus gestellt. Dabei beschreibt sie beide so liebenswürdig, schrullig und exzentrisch, dass es ein absolutes kurzweiliges Lesevergnügen war. Ihr flüssiger Schreibstil und der bildliche Sprachstil brachten sie mir zusätzlich nahe.
    Ich habe so einiges über die beiden Männer und ihr Leben erfahren, zum Beispiel, dass beide aus gläubigen Familien kamen. Im Laufe ihres Lebens ihren Glauben allerdings verloren haben, was maßgeblich ihre beider Werke beeinflusst hat. 

    Auch meine Wissenslücke über das Paarungsverhalten von Regenwürmern konnte ich schließen. 🤭

    Auch wenn es das besagte Dinner in der Realität nie gab, ist gerade das eine der amüsantesten Szene mit einem herrlichen rhetorischen Schlagabtausch. 

    Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen kurzweiligen Roman haben.

  21. Cover des Buches Suleika öffnet die Augen (ISBN: 9783746634517)
    Gusel Jachina

    Suleika öffnet die Augen

    (69)
    Aktuelle Rezension von: Vanderkatz

    Ein unglaublich schöner Roman, der mich von Anfang an fasziniert hat. So tiefgründig, erschreckend, erschütternd, spannend und gleichzeitig unheimlich warm und rührend. Der Schreibstil der Autorin ist einzigartig,  sehr authentisch und lässt fantastische Bilder vor dem inneren Auge entstehen, die für sich genommen schon Meisterwerke sind. Auch die Nebenfiguren sind meisterhaft dargestellt. Kulturen, Traditionen, Geschichte, Schicksalsschläge, Volksmärchen, Natur und unglaublicher Mut sind kunstvoll ineinander verwoben. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so begeistert hat. 

  22. Cover des Buches Mao (ISBN: 9783641148430)
    Jung Chang

    Mao

    (33)
    Aktuelle Rezension von: Orgho
    Als das Thema China im Geschichtsunterreicht damals drann war. War ich doch sehr unzufrieden mit den Erklärungen. Es ging übertrieben dargestellt so:"Ja da war Revolution, dann war da Mao. Der machte dann einen langen Marsch und war dann an der Macht. Da denkt man sich als Teenager nur: ??? Wie denn? Warum? Weshalb? u.s.w. Nun, Einige Jahre später ging ich durch eine Buchhandlung und sah zufällig ein dickes, weisses Buch auf dem MAO stand. Die Erinnerung an die unbefriedigende Abhandlung im Geschichtsunterricht erwachte und ich kaufte es mir. Es war nicht sehr leicht zu lesen, doch es ging. Lohnenswert war es allemal. Denn ich erfuhr eine Menge über Chinas Geschichte unter Maos herrschaft. Viele zusammenhänge wurden mir deutlich, die mir zuvor unbekannt waren. Allerdings wirkt die darstellung von Maos Weg zur Macht wie eine Reihe purer Zufälle auf mich. Was ich mir nur schwer vorstellen kann. Ein Buch, welches ich gelesen zu haben nicht bereue.
  23. Cover des Buches GIER - Wie weit würdest du gehen? (ISBN: 9783734105586)
    Marc Elsberg

    GIER - Wie weit würdest du gehen?

    (212)
    Aktuelle Rezension von: mattder

    Das Geld und die sucht danach treib den Menschen um. Wenn man wenig hat versucht man mehr zu haben. Aber auch Getriebe was an man anpflanzt und wen man mehr rauskriegen nicht teil sondern den gewimmten zu mehren oder für sich zu behaltet. Ist ok das Buch liest sich recht zügig durch. Ninja Buch halt. 

  24. Cover des Buches Utopia (ISBN: 9783717524564)
    Thomas Morus

    Utopia

    (132)
    Aktuelle Rezension von: titanreads

    Utopia ist ein lesenswerter Literaturklassiker von Thomas Morus über die ultimative Utopie, genauer die Welt Utopia, bei der niemand weiß, wo diese sich befindet. Sie beschreibt ein total faires, durchklügeltes System von Inselmenschen, die alle das selbe Gut teilen, ohne jegliche Arm-Reich-Schiene und mit perfekt ausgearbeitetem Rechtssystem. Der fiktive Raphael Hytholodaeus trifft hierin auf Morus und auf Petrus Aegidius und erzählt von seiner Zeit in eben jenem erwähnten Utopia. Raphael erklärt das Bestrafungssystem, erzählt von Lust in Utopia und von der Wissenschaft, welche dort noch nicht genutzt wird, aber gleichzeitig, wie die Utopier diesen fehlenden Wissensstand ausgleichen. Den Kindern wird früh bereits beigebracht, dass bloßer Reichtum nicht viel wert ist und geistige und körperliche Arbeit sich immer auszahlt. Jeder in Utopia hat eine klare Rolle und Bestimmung und jeder hilft jedem. 

    Hierbei wirkt alles leider sehr trocken in Hytholodaeus Erzählungen und gelegentlich kann es vorkommen, dass Seiten leider schnell unbewusst eher überflogen als gelesen werden. Die wenigen Rollen in der Utopie sind leider sehr platt und wenig charakterstark darrgelegt. 

    Eine Empfehlung für Geschichts- und Literaturliebhaber, da diese die viele Detailarbeit und den Schreibstil sehr schätzen werden. Aber auch der "neutrale" Leser kann Gefallen daran finden, wenn auch nur zum entspannten Lesen.

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