Bücher mit dem Tag "konkursbuchverlag"
26 Bücher
- Jette Miller
Lover
(2)Aktuelle Rezension von: SteffiWausLEine Frau bricht aus ihrer Beziehung aus, und verlässt Mann und Sohn, um einen Sommer lang das erotische Abenteuer zu suchen. Sie schläft mit vielen verschiedenen Männern, führt tiefgründige Gespräche mit Freunden und Fremden, und sie versucht herauszufinden, was ihr wirklich wichtig ist im Leben.
Grundsätzlich ist das ein Thema was mich sehr interessiert, und worüber ich gerne lese. Hier hat es mir nicht ganz so gut gefallen. Die Dialoge haben sich teilweise wiederholt, und manchmal fiel es mir schwer, zu verfolgen, wer gerade spricht. Die Protagonistin hat meiner Meinung nach keine wirkliche Entwicklung durchgemacht - obwohl sie so viel erlebt hat. Das Ende war fast etwas kitschig.
Zu empfehlen ist das Buch für alle, die gerne erotische Romane lesen. Von Sexszenen wimmelt es in diesem Buch, und sie sind sehr ansprechend beschrieben (nicht zu platt, sondern eher sinnlich). Zwischendurch gab es immer wieder kluge Sätze, die zum Nachdenken angeregt haben. - Colleen Coover
Small Favors
(9)Aktuelle Rezension von: GeschichtenAgentinSchmutzige Comics für Frauen. - Henrike Lang
Bettenroulette
(2)Aktuelle Rezension von: Tini2006Bei einer Lesung in Frankfurt wurde ich auf Henrike Lang und ihr erheiterndes Buch "Bettenroulette" aufmerksam. Sie las damals aus jenem Kapitel, das ihren One Night Stand mit der Gynäkologin Frau Dr. Özcan-Meyer beschreibt, deren Mann als Samenspender in Aktion treten sollte (und es auch brav tat, nur wurde Henrike nicht schwanger). Dieses Kapitel ist aus meiner Sicht das beste und lustigste im ganzen Buch.
"Bettenroulette" ist insgesamt eine sehr amüsante Lektüre und die Autorin hat wirklich einen tollen Humor. Sehr trocken und humorvoll schildert sie ihre Beziehung mit Judith, der Ärztin, die wohl für eine Diagnose Tage braucht, die insgesamt 14 Semester studiert hat und keine Arbeitsstelle lange behält, das mühsame Procedere, schwanger zu werden und schließlich das Leben mit ihrem Sohn David. Zum Thema "Lesbe will Kind" ist dies sicherlich eines der witzigsten mir bekannten Bücher; eindeutig eines, das einen Tränen nicht vor Traurigkeit, sondern endlich mal vor Lachen in die Augen treibt.
"Bettenroulette" , so der Titel, trifft Henrikes Treiben gerade zu Beginn des Buches wirklich gut. Sie geht mal diesem, mal mit jener ins Bett. Geschlecht: egal. Vorgeschichte: egal. Background: egal. Judith zu Hause: egal. Da geht es um sie, ihren Spaß und dann auch um die Tatsache, dass sie eben ein Kind will. So lustig das Buch auch insgesamt war, so sehr hat mich dieses Bettengehüpfe doch befremdet. Dieses kopflose Triebgesteuerte war mir einfach etwas zu viel, und ich konnte auch später ihre Hebammen-Erotikphantasien und Erotik-Anwandlungen in der Krabbelkindgruppe mit den dort so luftig gekleideten Heterofrauen nicht nachvollziehen. Ihre Beziehung mit Judith ist auch so ein Thema, wo ich mich des Öfteren fragte, ob ständiges Herumschreien und Gezanke (das von den Protagonistinnen als normal empfunden wird) für ein Kind wirklich so ein tolles Umfeld sind. Sollte es wirklich der Realität entsprechen: bitte... jede so, wie sie meint, aber als Leserin empfand ich das beim stillen Mitverfolgen schon recht mühsam.
Insgesamt hat der Humor aber überwogen und ich würde "Bettenroulette" auf jeden Fall weiterempfehlen!
- Silke Andrea Schuemmer
Nixen fischen
(2)Aktuelle Rezension von: AnneSmKunsthändler Knut Seckig ist wohl das ekligste Stück Mann, das man sich vorstellen kann, so widerlich wie die dreckigen Plastiktassen, die er mit seinem dreckigen Taschentuch auswischt, um Rotwein daraus zu trinken. Sein Laden platzt geradezu vor maritimem Gerümpel. Der jungen Studentin Ines, die bei ihm jobbt, um ein bestimmtes Foto abzuarbeiten, das sie unbedingt haben will, guckt man gerne zu bei ihrem Kampf. Seckig sammelt solche kreuzunglücklichen Mädchen - Nixen - und unterdrückt sie. Die drogensüchtigen Punkerinnen z.B. sind großartig getroffen. Dabei ist Seckig nicht nur ein Sadist, sondern auch ein ziemlich komischer Faun. Ines muss sich bei ihm gefühlt haben wie eine Praktikantin bei Donald Trump ... Am besten gefielen mir die Antiquitätenmesse und die Welt der schrägen Händler, von denen Seckig nur der ekligste ist. Tolle, poetische Beschreibungen! - Juana Ines de la Cruz
Nichts Freieres gibt es auf Erden
(2)Aktuelle Rezension von: Trishen77„Es sind uns, Alcino, die Dinge der Zeit
nur eine Zeitlang zu eigen gegeben.
Der Wunsch, sie zu halten auf Ewigkeit
ist Frevel, Verwirrung und Unwissenheit:
Weil uns das Schicksal das Beste im Leben
niemals besitzen lässt, sondern nur leiht.“
Sor Juana de la Cruz gilt als eine der bedeutendsten Barockdichterinnen. Ihre Prosatexte (sowie das Langgedicht „Erster Traum“) liegen schon seit einiger Zeit in deutschen Versionen vor, was vor allem dem Erscheinen von Octavio Paz‘ umfassender Biographie „Sor Juana oder: Die Fallstricke des Glauben“ [1991, Suhrkamp, Original 1982] und der Verfilmung durch Maria Luisa Bemberg „Ich, die Unwürdigste von allen“ [1990] zu verdanken ist.
In vielen Kontexten wird die Nonne, Wissenschaftlerin und Schriftstellerin als „erste Feministin“ bezeichnet – nicht nur weil sie sich während ihres Lebens gegen die herrschenden Strukturen und Erwartungen auflehnte, sondern auch weil einige ihrer Gedichte explizit feministische Themen behandeln. Darüber hinaus ist sie (neben dem Kampf für eine selbstbestimmte Ausübung ihres Glaubens) vor allem für ihre Liebes- und Alltagslyrik bekannt, die bislang nur in Einzelfällen in deutscher Sprache vorlagen. Diesen Missstand hat diese zweisprachige, im Konkursbuchverlag erschienene Sammlung nun definitiv beseitigt.
„Mich zu verfolgen, Welt, was liegt dir dran?
Was stört’s dich, wenn ich einzig danach strebe,
meinen Verstand mit Schönem auszuschmücken
und nicht für Schmuck und eitlen Zierrat lebe?
[…]
Es liegt mir nichts an Schönheit, die der Zeiten
wehrlose Beute ist, gar rasch besiegt“
Gleich zu Anfang: zu der Adäquanz der Übersetzungen kann ich nichts sagen, da ich des Spanischen leider nicht mächtig bin. Ihr Zug zur Eleganz und zum Reim lässt vermuten, dass hier und da weniger auf die tatsächliche Satzstruktur und wortwörtliche Entsprechung geachtet wurde, und mehr die Beibehaltung der Form im Fokus stand. Dies aber nur eine Vermutung.
Immerhin arbeitet die Übersetzerin Heidi König-Porstner (die auch eine umfangreiche, geradezu eine schmale Biographie ersetzende vierzigseitige Einleitung verfasst hat) öfter auch mit Assonanzen, lässt manche Reime auch weg und es wirkt nicht so, als würde der Sinngehalt der Gedichte unter den Übersetzungen leiden.
Vergegenwärtigt man sich, dass es die Verse einer Barockdichterin, die vor mehr als dreihundert Jahren lebte, sind, ist ihre vitale Klarheit sogar ein klein wenig verblüffend. Gerade wenn es um die Liebe geht, hat sich anscheinend nicht viel geändert. Was die J. Geils Band am Anfang ihres Songs „Love stinks“ so schön zusammenfasst („You love her/but she loves him/and he loves somebody else/you just can’t win.”), erfuhr auch de la Cruz und sie beschreibt jene fast schon klassische Dynamik von unerwiderter Zuneigung am Beispiel ihres eigenen Liebeslebens, zwischen zwei Männern stehend:
„ich leide durch beide, und leide gleich viel.
Wie qualvoll ist dieses doppelte Spiel:
Der eine will, was ich für ihn nicht habe,
der andere hat nicht, was ich von ihm will.“
Obgleich viele Studien und biographische Essays zu ihren Schriften und zu ihrem Leben vorliegen, umgibt de la Cruz in letzter Instanz immer noch ein Mysterium. Waren ihre Liebesgedichte an Frauen, die etwa ein Drittel ihrer Liebeslyrik ausmachen, nur Dokumente der Bewunderung, der großen Zuneigung? Oder doch des Werbens, des Begehrens? Wie stand es um ihre Identifikation mit ihrem Glauben und wie reagierte man auf die von ihr verfassten, eindeutig feministischen Werke (von denen eines die Märtyrerin und Heilige Katharina besingt – eine Figur, die spannenderweise vermutlich eine Erfindung ist, in der die Geschichte der antiken Philosophin Hypatia umgedeutet wurde).
Klar ist, dass sie sich für das Recht der Frauen auf Bildung und Wissen einsetzte und sich dabei auch mit Autoritäten anlegte. Eines ihrer besten Gedichte rechnet mit der Doppelmoral männlichen Begehrens ab, mit den daran anknüpfenden Vorstellungen von Reinheit und Makel:
„Wenn ihr sie hofiert, dann wollt ihr
sie leicht und zur Liebe begabt
wie Thais. Doch keusch wie Lucrezia
wollt ihr sie, wenn ihr sie habt.
[…]
Ob sie euch erhört oder wegstößt,
keine macht es euch recht:
Ihr spottet, wenn sie euch lieb hat,
doch weh, sie behandelt euch schlecht!
[…]
Weil eure Dummheit kein Maß kennt,
drum messt ihr mit zweierlei:
Der Grausamkeit zeiht ihr die eine,
die andere der Hurerei.
Wie hättet ihr sie denn gerne,
die Dame, die Frau eurer Wahl,
wenn die Spröde euer Gefühl kränkt,
die Willige eure Moral?“
Zwischen Spott und Schwärmen, zwischen der Scharfzüngigkeit eines antiken Epigramms und der Noblesse eine Shakespeare-Sonetts, bewegt sich de la Cruz‘ Lyrik. Die Gattung des Sonetts ist ihre bevorzugte – fast Zweidrittel der Gedichte in diesem Band sind Sonette.
Vieles, was den Hintergrund der Verse betrifft, bleibt unklar, aber das ist ja bei zeitgenössischer Poesie nicht anders und es geht in diesem Buch ja auch nicht um die Person Sor Juana Inés de la Cruz (zumindest nicht nur), sondern um ihre Gedichte. Und die bestechen nach wie vor auf ihre ganz eigene Weise; und sei es nur dadurch, dass sie die längst durchgespielten Liebes-Topoi noch einmal zum Stechen und Funkeln bringen. Viel Revolutionäres ist nicht von ihr erhalten geblieben, aber auch das Wenige ist interessant und, des Öfteren, auch amüsant (und leider auch nach wie vor aktuell).
Dichtung soll uns nicht nur die Welt in schöne Worte kleiden, sondern auch die Stachel und Ambivalenzen herausarbeiten und diese bis nah an uns heran wachsen lassen. In diesem Sinne warnt de la Cruz – die ja selbst immerhin Liebessonette schrieb, eine der kunstvollsten, formellsten Arten der Dichtung – in einem ihrer Gedichte vor dem Trugbild, das der Künstler erschafft. Und weist daraufhin, dass, wenn nicht etwas darin uns fallen lässt, trifft oder verunsichert, wir vermutlich nicht vor einem Kunstwerk stehen, sondern vor einem Werk der Künstlichkeit.
„Dies bunte Trugbild, das du vor dir siehst,
an dem der Maler höchst Kunst aufwendet,
damit du daraus falsche Schlüsse ziehst
und dir der Farben Pracht die Sinne blendet;“























