Bücher mit dem Tag "kontrolle"
161 Bücher
- Markus Zusak
Die Bücherdiebin
(4.706)Aktuelle Rezension von: Mi-ka-doLiesel Meminger wächst in einer Zeit auf, in der Angst, Verlust und politische Unterdrückung zum täglichen Leben gehören. Nachdem sie bei dem Ehepaar Hubermann ein neues Zuhause gefunden hat, entdeckt sie nach und nach ihre Leidenschaft für Geschichten. Bücher werden für Liesel zu einem Zufluchtsort, aber auch zu einer Möglichkeit, anderen Menschen Trost und Hoffnung zu schenken.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Entscheidung, den Tod als Erzähler auftreten zu lassen. Er betrachtet das Geschehen mit einer eigenwilligen Mischung aus Distanz, Mitgefühl und trockenem Humor. Dadurch erhält der Roman eine Atmosphäre, die sich nur schwer mit anderen Büchern vergleichen lässt. Die vielen sprachlichen Bilder und eingeschobenen Bemerkungen unterbrechen allerdings immer wieder den Erzählfluss. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen. Auch dass zukünftige Ereignisse teilweise vorweggenommen werden, hat mir anfangs etwas von der Spannung genommen. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind dagegen toll entwickelt.
Mich hat vor allem beeindruckt, wie das Buch kleine Augenblicke der Wärme vor einem grausamen historischen Hintergrund sichtbar macht. Hilfsbereitschaft, Zuneigung und stiller Widerstand stehen einer Welt gegenüber, die zunehmend von Gewalt und Menschenverachtung bestimmt wird. Gerade dieser Gegensatz macht Liesels Geschichte irgendwie anstrengend und schmerzhaft und doch zugleich hoffnungsvoll.
Manche Abschnitte hätten für meinen Geschmack vielleicht ein bisschen kürzer ausfallen können. Trotzdem ist Die Bücherdiebin ein außergewöhnlicher Roman, der seine Wirkung langsam entfaltet und besonders durch seine Figuren, seine Sprache und seine nachdenkliche Sicht auf den Menschen überzeugt. Das Buch hat mich emotional voll abgeholt und auch noch eine Weile nachgeklungen.
- George Orwell
1984
(4.327)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich muss sagen, 1984 hat mich wirklich umgehauen. Anfangs habe ich das Buch allerdings missverstanden, weil ich den ersten Teil als recht langweilig empfand. Ich konnte mich in die Hauptfigur Winston Smith überhaupt nicht hineinversetzen. Er wirkte auf mich eher distanziert und schwer greifbar, sodass ich keine Bindung zu ihm aufbauen konnte.
Der Fehler lag aber nicht an der Erzählweise, sondern bei mir. Ab dem zweiten Teil begann ich, das Buch besser zu verstehen, und im dritten Teil wurde mir dann endgültig klar, warum es einen beinahe makellosen Ruf hat – daher auch meine Bewertung von fünf Sternen.
Im ersten Teil lernen wir die Partei kennen: ein System mit einer völlig eigenen Denkweise, eine Diktatur mit monotoner, strikt vorgegebener Lebensweise. Selbst die Sprache wird kontrolliert – durch „Neusprech“, das gezielt Wörter aus dem Wortschatz entfernt, um das Denken zu beeinflussen und kritische Gedanken unmöglich zu machen. Diese Idee wirkt deshalb so eindringlich, weil sie nicht rein fiktiv erscheint. Formen von Kontrolle, Propaganda und gelenktem Denken gab es schon lange vor unserer Zeit. Betrachtet man etwa das Römische Reich, das vor rund zweitausend Jahren seine Blütezeit erlebte, oder das Achämenidenreich, das bereits etwa 550 v. Chr. entstand, sowie das noch ältere Altes Ägypten, dessen Geschichte über drei Jahrtausende zurückreicht, erkennt man, dass Machtstrukturen und der Einfluss auf Denken und Gesellschaft keine neuen Phänomene sind.
Im zweiten Teil kommt die menschliche Komponente hinzu: Winston verliebt sich in Julia. Die Beziehung ist verboten, und beide erkennen, wie sehr sie das vorgeschriebene Leben hassen. Sie lehnen sich innerlich gegen die Partei auf und träumen davon, Teil einer „Bruderschaft“ zu werden – eines möglichen Widerstands, von dem niemand sicher weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Wir erleben hier andere Werte, den Drang nach Freiheit, nach Selbstbestimmung und danach, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Gleichzeitig zeigt der Roman aber auch, wie viel Kraft es einem Menschen geben kann, nicht mehr allein zu sein, sondern zu zweit, und was Liebe bewirken kann, aber auch, wie blind sie machen kann. Der Übergang vom nüchternen ersten Teil zur emotionalen Tiefe im zweiten ist ein äußerst geschickter erzählerischer Schachzug.
Auch O’Brien tritt hier stärker in Erscheinung und ist für mich einer der gefährlichsten Charaktere des Buches. Ohne zu viel vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass er eine Position vertritt, die die Ideologie der Partei in ihrer reinsten und zugleich erschreckendsten Form widerspiegelt.
Im dritten Teil erleben wir schließlich kein Happy End, sondern eine schonungslose Konsequenz. Winston und Julia werden gefangen genommen und „umerzogen“, und diese Umerziehung funktioniert. Winston wird gebrochen. Er wird zu dem Menschen, den die Partei aus ihm machen will, bis er am Ende sogar den Big Brother liebt.
Für mich ist dieses Buch ein absolutes Meisterwerk, das zeitlos ist und unabhängig von der Epoche, auf die man blickt, immer eine beklemmende Aktualität besitzt.
Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat aus dem Buch:
„Man errichtet keine Diktatur, um eine Revolution zu verhindern. Man macht die Revolution, um die Diktatur zu errichten. Das Ziel von Verfolgung ist Verfolgung. Das Ziel von Folter ist Folter. Das Ziel von Macht ist Macht.“
- Veronica Roth
Die Bestimmung - Tödliche Wahrheit
(3.733)Aktuelle Rezension von: julia___4,5/5
Wieder einmal hat mir das Buch sehr gut gefallen, es ist sehr bildreich und fesselnd geschrieben.
Band 2 ist anders als Band 1: düsterer, ernster und schonungsloser. Es bleibt sehr spannend und abwechslungsreich!
Die Dynamik zwischen Tris und Tobias hat mich manchmal genervt (aber ich bin wahrscheinlich zu alt dafür 😅), aber ansonsten ist Tris ein wirklich starker Charakter. Sie ist tief geschrieben und man fühlt mir ihr.
Ich wurde wieder einmal gut unterhalten und freue mich sehr auf das Finale. Wieder eine klare Empfehlung 😊
- Bram Stoker
Dracula
(1.180)Aktuelle Rezension von: MetalfischchenHandlung:
Der junge englische Gentleman Jonathan Harker besucht den Grafen Dracula in dessen Schloss in Rumänien, um vermeintlich harmlose Immobilien-Geschäfte zu besprechen. Jonathan merkt bald, dass es im Schloss nicht mit rechten Dingen zugeht und versucht zu fliehen. Währenddessen wartet Mina, Jonathans Verlobte, langsam verzweifelnd auf Jonathan und erlebt dabei selbst Rätselhaftes.
Ich habe angenommen, die Handlung würde hauptsächlich auf Draculas Schloss stattfinden, aber das stimmt nicht. Verschiedene britische Orte, darunter ein Irrenhaus und ein Hafen, werden zu weiteren Orten des Geschehens. Wir lesen die Handlung als Briefe, Tagebuch- und Logbucheinträge. Jonathan und Mina sind nur zwei von mehreren Hauptcharakteren. Schon früh im Buch verlassen wir Rumänien, denn Graf Dracula sucht neue Jagdgründe. Dabei trifft er auf seinen Hauptgegner, den Doktor und Vampirjäger Van Helsing, und ein Katz-Maus-Spiel beginnt.
Meinung:
Briefromane waren damals üblich, leider bin ich kein Fan davon, es herrscht immer eine gewisse Distanz zum Geschehen.
Diese Distanz macht, dass ich mich eher wie eine Forscherin fühle als wie jemand, der sich aktiv gruselt, auch wenn das Beschriebene das Zeug dazu hätte, wenn nur ein bisschen mehr Atmosphäre vorhanden wäre.
Weil Stokers Dracula nun mal so einflussreich ist wie es ist, habe ich als Leserin unwillkürlich eine Bingo-Karte ausgefüllt im Geist: «Da ist also der Knoblauch! Dort der Spiegel! Da der Pfahl!»
Die Stoker-Version eines Vampirs hat sich bis heute ziemlich gut gehalten. Man kann Twilight und Co. belächeln, aber gebildet, reich, geheimnistuerisch, verführerisch und moralisch ambivalent sind Attribute, die sich gehalten haben und die im Allgemeinen bis heute nicht gross von Stokers Vorlage abweichen.
Leider nicht zeitlos sind Stokers Versuche, die Sichtweise von Frauen darzustellen: «Alle wollen mich heiraten, ich will ja so gerne die perfekte Ehefrau sein, ich glaube ich weine jetzt ein bisschen. Schon tapfer von mir als zarter Frau, nicht ständig in Ohnmacht zu fallen», so liest sich das, unübertrieben. Bei diesen Passagen muss man die Zähne zusammenbeissen vor lauter Fremdscham. Auch die Männer werden in lächerliche Geschlechterrollen-Korsetts gezwängt und es gibt viele Monologe, warum es bspw. ausnahmsweise in Ordnung ist, dass ein männlicher Protagonist weint, oder warum sich ein echter Kerl nur so darum reisst, ehrenhaft im Kampf zu sterben. Das haben andere zeitgenössische SchriftstellerInnen besser gemacht. Wer hier einen "so-war-das-damals-halt"-Freipass vergeben will, hat einfach zu wenige Klassiker gelesen.
Alles in Allem fand ich den eher dicken Band spannend, und wer sich als Horror-Fan fühlt, kommt fast nicht drumherum, diesen Grossvater der Grusel-Popkultur «zu Bildungszwecken» zu lesen, auch wenn die Gänsehaut ausgeblieben ist.
- Ally Condie
Cassia & Ky – Die Ankunft
(1.572)Aktuelle Rezension von: Zarina📖 Inhaltsangabe:
Cassia und Ky haben den Weg zur Erhebung gefunden, einer Bewegung, die das unterdrückende System stürzen will. Doch der gemeinsame Kampf fordert Opfer: Die beiden werden getrennt, Cassia kehrt in die Hauptstadt zurück, Ky wird Pilot. Währenddessen trifft Cassia auf Xander, dessen Rolle komplexer ist als erwartet. Als eine tödliche Seuche das Land bedroht, muss Cassia sich entscheiden, zwischen Vergangenheit, Wahrheit, Vertrauen und Zukunft. Ihr Mut könnte über das Schicksal aller entscheiden.📚 Meine Meinung:
Ein würdiger Abschluss der Trilogie! Besonders spannend fand ich die moralischen Fragen, die sich durchziehen: Vertrauen, Verantwortung und Verlust. Cassia wird in diesem Band noch stärker, reflektierter, nicht mehr nur verliebt, sondern bereit, für mehr zu kämpfen. Auch Xander erhält endlich mehr Tiefe. Die Dreiecksbeziehung steht nicht mehr so stark im Fokus, was dem politischen und gesellschaftlichen Teil mehr Raum gibt. Man spürt den Wandel, der über allem liegt, sowohl in der Welt als auch in den Figuren.✅ Fazit:
Ein gelungener Abschluss, der die Geschichte konsequent weiterführt. Weniger Liebesdrama, mehr Weltveränderung *** spannend, emotional und befriedigend. Wer die ersten zwei Bände mochte, sollte diesen auf keinen Fall verpassen. - Aldous Huxley
Schöne neue Welt
(1.218)Aktuelle Rezension von: HenriLMatosBrave New World ist erschreckender als 1984, weil niemand zwingt. Die Menschen wählen ihre eigene Konditionierung, weil sie sich dabei gut fühlen. Huxley beschreibt eine Gesellschaft, in der Identität von Geburt an zugewiesen wird und niemand protestiert, weil der Protest selbst weggezüchtet wurde. Die Frage, die das Buch stellt und nie beantwortet: Was ist Freiheit wert, wenn man gelernt hat, sie nicht zu vermissen?
- Marc Elsberg
ZERO - Sie wissen, was du tust
(633)Aktuelle Rezension von: _jamii_London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones kann man sich nicht verstecken …
Der Schreibstil ist interessant und packend ab der ersten Seite. Im Verlauf der Geschichte werden mehrere Charaktere begleitet, man muss etwas bei der Sache sein, um jeweils die Hintergründe und Beziehungen untereinander präsent zu haben. Dafür erfährt man aber viel über die Motive der jeweiligen Personen.
Häppchenweise erfährt man mehr über die wahren Motive von Freemee, wenige Fragen werden beantwortet, viele neue tauchen auf. Die Spannung hält sich über das ganze Buch.
Das Thema ist hochaktuell und nicht weniger beängstigend. Dass Grosskonzerne unsere Daten munter sammeln, verwerten und verkaufen ist ja bekannt. Auch dass sie uns entsprechend manipulieren (können). Hier dann zu lesen, was alles daraus resultieren kann, ist erschreckend.
Zero agiert als Organisation im Hintergrund, welche die Menschen auf die Wichtigkeit ihrer Privatsphäre aufmerksam machen will.
Äusserst realitätsnah, erschreckend und spannend!
- Cody McFadyen
Die Stille vor dem Tod
(641)Aktuelle Rezension von: Kathrin_HermannDie meiste Zeit versucht der Autor in plastischen Beschreibungen von Gräueltaten zu eskalieren, was das Geschriebene meistens an einen Punkt bringt, bei dem man das Gefühl hat, er hätte sich verlaufen und suchte zwanghaft einen Weg zurück zur Story. Das Buch selbst ist in Präsens geschrieben und trieft vor Rückblenden und „Erinnerungen“ und „Albträumen“, die in seitenlange Ergüsse über noch mehr Folter und Mord enden. Allesamt wenig kreativ ausgeführt. Bedeutungsschwangere, aber im Endeffekt eher nur bedeutungslose Dialoge dominieren den Mittelteil. Die eigentliche Arbeit der Kriminalermittler beginnt erst gegen Ende. Leider hat den Autor da die Phantasie schon verlassen. In einem langen Aufrollen und gekünstelten Herstellen von Verbindungen von „normalen“ Verbrecher der letzten Dekaden (ein paar davon scheinen real gewesen zu sein) ist’s dann eine Randnotiz, die den Hinweis gibt. Also wieder 60 Seiten umsonst gelesen. Die Vergangenheiten und Lebensläufe der Teammitglieder wirken eher lieblos. Sie werden in diesem Band zum fünften Mal erklärt und scheinbar hat auch der Autor keine Lust mehr darauf. Die Interaktion, die er ihnen angedeihen lässt, hat nichts Amikales an sich, wie es unter Kollegen üblich ist, die sich lange kennen. Eher gleiten „seriöse“ Besprechungen in gelegentlichen Infantilismus ab. Selbstredend, dass alle Leute in diesem Buch – egal ob Ermittler oder Verbrecher – die klügsten sind, mit dem besten Gedächtnis, dem schärfsten und wachsten Verstand, die jeden wichtigen Menschen kennen, … und so weiter und so fort. Die Übersetzung ist OK, schätze ich. Was mir sauer Aufstößt sind diese unnötigen Anglizismen, die in der deutschsprachigen und von den USA geprägten Popkultur als „cool“ gelten sollen, aber alle eine vernünftige Entsprechung in der Zielsprache hätten. Und warum reden Eltern immer von sich als Mommy oder Daddy und das auch noch in der dritten Person? Zwischen den ersten vier Bänden und dem fünften lag für mich als Leser eine lange Zeit. Zu lange scheinbar. Die ehemalige Faszination für das Aufklären von Serienmorden konnte das Buch nicht halten. Im Gegenteil: Hätte ich die alten als so schlecht geschrieben in Erinnerung gehabt, hätte ich Band fünf nicht gekauft.
- Erin Watt
Paper Prince
(1.544)Aktuelle Rezension von: BiblioLoniNach dem fiesen Cliffhanger im ersten Teil blieb mir eigentlich keine andere Wahl .. ich musste direkt weiterlesen. Keine zwei Minuten später hatte ich den zweiten Band schon geöffnet. Und was soll ich sagen? Die Spannung bleibt!
Die Geschichte hat mich sofort wieder komplett gepackt. Keine Seite war langweilig, kein Charakter blas. Ich war voll drin und konnte das Buch kaum zur Seite legen. Die Autorinnen schreiben so lebendig und detailreich, dass man alles vor Augen hat, und die Dialoge wirken einfach total authentisch.
Besonders schön fand ich, wie sich die Beziehung zwischen Ella und Reed weiterentwickelt. Es bleibt emotional, manchmal chaotisch, aber immer intensiv. Die Höhen und Tiefen zwischen den beiden haben mich richtig mitfiebern lassen. Und die Perspektive von Reed war für mich ein echtes Highlight! Seine Gedanken und Gefühle zu erleben, hat der Geschichte noch mehr Tiefe gegeben.
Und dann dieses Ende... wieder total unerwartet! Ich sitze schon mit dem dritten Band bereit. Nach diesem Ende geht’s für mich definitiv direkt weiter! - Freida McFadden
Wenn sie wüsste
(1.244)Aktuelle Rezension von: biadiaWas soll ich sagen? Dieser Thriller hat mich ziemlich schnell gepackt und ich verstehe jetzt definitiv, warum so viele von diesem Buch begeistert sind.
Millie ist auf der Suche nach einem Neuanfang und nimmt deshalb eine Stelle als Hausmädchen bei der Familie Winchester an. Auf den ersten Blick scheint das genau die Chance zu sein, die sie braucht. Doch schon bald merkt sie, dass in diesem Haushalt einiges ganz und gar nicht normal ist. Vor allem Nina, die Hausherrin, verhält sich Millie gegenüber immer wieder völlig unberechenbar. Mal freundlich, mal verletzend – und man weiß irgendwann selbst nicht mehr, wem man eigentlich trauen kann.
Ich mochte Millie als Hauptfigur sehr gerne. Sie war mir mit ihrer direkten und teilweise herrlich sarkastischen Art sofort sympathisch. Gleichzeitig wollte ich natürlich unbedingt herausfinden, was hinter den merkwürdigen Vorgängen im Haus steckt.
Der Schreibstil von Freida McFadden ist angenehm unkompliziert und sorgt zusammen mit den kurzen Kapiteln dafür, dass man regelrecht durch die Seiten fliegt. Die Geschichte wird überwiegend aus Millies Perspektive erzählt und entwickelt dadurch eine schöne Nähe zu ihr. Besonders gut gefallen hat mir, dass ich lange selbst versucht habe, die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen.
Natürlich hatte ich irgendwann einen Verdacht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Trotzdem hat das dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan, denn die Handlung hält noch einige Überraschungen bereit. Gerade die Wendungen haben dafür gesorgt, dass ich das Buch immer wieder weiterlesen wollte, obwohl ich eigentlich längst hätte aufhören sollen.
Auch die Atmosphäre hat mir gefallen. Das Haus der Familie wirkt von Anfang an irgendwie falsch – nach außen perfekt, aber dahinter verbirgt sich eine ganz andere Welt. Je länger Millie dort lebt, desto unwohler wurde mir beim Lesen.
Und dann kommt das Ende! Für mich war das noch einmal ein richtig guter Abschluss, der die Geschichte auf interessante Weise abrundet. Ob man die Auflösung mag, ist sicherlich Geschmackssache, aber ich fand sie gelungen.
Mein Fazit: Ein spannender, kurzweiliger Thriller mit einer sympathischen Protagonistin, einer unangenehm-düsteren Atmosphäre und einigen gelungenen Wendungen. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und kann den Hype um dieses Buch durchaus nachvollziehen.
- Vera Buck
Keine Angst, Darling
(283)Aktuelle Rezension von: LadybugMillionen feiern Lea für ihr scheinbar perfektes Leben als Ehefrau, Mutter und Influencerin in der luxuriösen Siedlung Sancta Familia in Florida. Doch als sie plötzlich spurlos verschwindet, reist ihre Schwester Paula aus Deutschland an und stößt hinter der makellosen Fassade auf eine Welt voller Kontrolle, Manipulation und erschreckender Regeln.
Was als packender Psychothriller beginnt, entwickelt sich zu einer beklemmenden Geschichte, die weit über ext Spannung hinausgeht. Vera Buck zeigt eindrucksvoll, wie aus Fürsorge Kontrolle, aus Liebe Abhängigkeit und aus einem vermeintlichen Traumleben ein Gefängnis werden kann. Besonders die kritische Auseinandersetzung mit dem romantisierten Tradwife-Lifestyle macht diesen Thriller so erschreckend aktuell und intensiv.
Die Atmosphäre ist von der ersten Seite an von einem kaum greifbaren Unbehagen geprägt. Mit jedem Kapitel bröckelt die perfekte Fassade weiter, während Gaslighting, Isolation und subtile Manipulation immer deutlicher werden. Gerade weil all das so leise und realistisch geschieht, geht die Geschichte unglaublich unter die Haut.
Paula ist eine starke, glaubwürdige Protagonistin, deren Hartnäckigkeit und Verzweiflung man auf jeder Seite mitfühlt. Die geschickt eingestreuten Social-Media-Beiträge und Einblicke in Leas vermeintliches Traumleben verstärken den Kontrast zwischen Schein und Wirklichkeit auf eindrucksvolle Weise. Überraschende Wendungen sorgen dafür, dass man bis zum Schluss miträtselt, auch wenn sich einzelne Vermutungen langsam bestätigen.
Besonders das Nachwort verleiht der Geschichte noch einmal zusätzliches Gewicht und macht deutlich, wie nah die dargestellten Mechanismen unserer Realität tatsächlich sind. Keine Angst, Darling ist deshalb nicht nur ein fesselnder Pageturner, sondern auch ein gesellschaftlich relevanter Thriller, der lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.
- Stieg Larsson
Vergebung
(2.351)Aktuelle Rezension von: WelpemaxDer letzte Teil der Millenium Trilogie unter Stieg Larsson. Im Vergleich zu den anderen beiden Teilen fand ich den letzten Teil noch etwas besser als Teil I, aber letztlich war es für mich wieder eine Wiederkehr zu alten Fehlern. Um überhaupt zu dem Punkt zu kommen wo es interessant wird, muss man mehrere 100 Seiten lesen. Wenn man Passagen oder Kapitel hat, die man mag und die man spannend findet, dann ist der Stil von Herr Larsson wirklich lesefördernd, aber wenn Herr Larsson mal wieder ein Nebenstrang der äußersten Unwichtigkeit ausführt, dann liest sich das Buch sehr zäh (zum Beispiel Erikas Ausflug zur SMP). Die einen mögen es lieben, aber wirklich nervig sind die Intermezzi von Mikael und den Frauen. Nix gegen romantisches und auch nix gegen was sexuelles, aber der hopst von einem Bett ins nächste und jede Frau hat Verständnis und duldet natürlich auch alle Seitensprünge, ja es ist den Frauen sogar bekannt und trotzdem wollen sie auch auf der Liste „Ich-hatte-Mikael-im-Bett“ stehen. Zu guter letzt, geht alles viel zu glatt über die Bühne und der Komplott wird aufgedeckt ohne das einer der „Guten“ zu Schaden kommt, was in Anbetracht der Machtfülle äußerst unwahrscheinlich ist, aber Dank der immerwährenden Fehlentscheidungen der „Bösen“ natürlich durchaus im Rahmen des Möglichen liegt.
- Juli Zeh
Corpus Delicti: erweiterte Ausgabe
(598)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWenn ein Buch in den Canon „zu lesender Bücher“ an Schulen Eingang gefunden hat, so ist davon auszugehen, dass es nicht nur um ein diskursiv zu bewältigendes Thema geht, sondern zugleich den Anspruch eines pädagogischen Mehrwertes (man könnte es im klassischen Sinne auch als Literatur bezeichnen) beinhaltet. Insofern gäbe es an dieser Stelle wenig oder aber, im Sinne einer Textanalyse, sehr viel zu sagen. Im ersten Fall scheint alles gesagt bzw. geschrieben zu sein, im zweiten Fall wurden und werden vermutlich bereits Doktorarbeiten über diesen Themenkreis vergeben. Insofern bleibt eigentlich nur noch der Hinweis eines beeindruckten Lesers: lesen – denken – sich Notizen machen.
Denn ohne Notizen, ohne An- und Unterstreichungen wird man diesem Buch nicht gerecht, oder, anders ausgedrückt, wird einem die Vielfalt möglicher Implikationen verborgen bleiben. Aber auch ohne diesen Anspruch kann man dieses Buch lesen, dann bleibt es allerdings blutleer auf der Strecke und spätestens am Ende wird man sich fragen: Was soll das denn jetzt? Wer also nur prickelnde Unterhaltung sucht, wird hier möglicherweise enttäuscht. Das heißt im Umkehrschluss allerdings nicht, dass es den nicht gäbe.
Wie auch immer, es ist ein Buch, das viele Themen berührt, das Fragen provoziert und bei den Antworten eine beeindruckende Vorstellungswelt entstehen lässt. Es geht um das Menschsein in (vielleicht gar nicht so) ferner Zukunft, in denen dieses einem einzigen Thema untergeordnet ist: der Gesunderhaltung – und zwar um jeden Preis. Die sich daraus ergebenden politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen werden hier in Aufbau und Thematik mit eindrucksvollen Bildern wiedergegeben. Kurz gesprungen geht es sowohl um die Dialektik eines solchen Lebens, der Unterscheidung zwischen: passt oder passt nicht, gut oder schlecht/böse, als auch um ein Dazwischen, einem Schwanken, das solcherart mit der Metapher der auf einem Zaun sitzenden Hexe herausragend symbolisiert wird:
„‘Weißt du, was eine Hexe ist, Mia [ihr wird der „Prozess“ gewacht]?‘
Überrascht hebt die Angesprochene den Kopf und muss sich anstrengen, um ihre Konzentration auf den neuen Begriff zu richten.
‚Eine Hexe, mit Buckel und Besen? Die im Backofen oder auf dem Scheiterhaufen endet?‘
‚Das Wort kommt von Hagazussa. Die Hexe ist ein Heckengeist. Ein Wesen, das auf Zäunen lebt. Der Besen war ursprünglich eine gegabelte Zaunstange.‘
‚Was hat das mit mir zu tun?‘
‚Zäune und Hecken sind Grenzen, Mia. Die Zaunreiterin befindet sich zwischen Zivilisation und Wildnis. Zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Körper und Geist. Zwischen Ja und Nein, Glaube und Atheismus. Sie weiß nicht, zu welcher Seite sie gehört. Ihr Reich ist das Dazwischen.‘“
Nach der Lektüre des Buches war ich froh wieder im Hier und Jetzt angekommen zu sein, in einem Leben, welches von Widersprüchen durchzogen ist, und es solcherart zu einer Entdeckungsreise macht – auch mit all dem immunologisch bedenklichen Schmutz, der einer umfassenden Gesundheit, wie sie hier dogmatisch gelebt wird, hin und wieder ein Bein stellt.
(2.5.2023)
- Audrey Carlan
Trinity - Verzehrende Leidenschaft (Die Trinity-Serie 1)
(519)Aktuelle Rezension von: love1988Das Cover ist ein absoluter Blickfang – elegant, sinnlich und perfekt auf die emotionale Intensität der Geschichte abgestimmt. Es transportiert die Leidenschaft des Romans schon auf den ersten Blick.
Die Hauptfiguren sind unglaublich vielschichtig, authentisch und voller innerer Konflikte. Ihre Entwicklung ist emotional berührend, und die Chemie zwischen ihnen ist von der ersten Seite an spürbar.
Die Nebenfiguren geben der Geschichte zusätzliche Tiefe und wirken niemals blass oder austauschbar. Sie bringen Dynamik, Wärme und genau die richtige Portion Drama in die Handlung.
Der flüssige, gefühlvolle Schreibstil verbindet sich mit dem intensiven, atmosphärischen Setting zu einem Sog, dem man sich kaum entziehen kann.
Von mir eine klare Leseempfehlung!!!!!
- John Green
Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
(723)Aktuelle Rezension von: Cookie4Mir hat das Buch sehr gefallen, vorallem der Schreibstil von John Green war wieder so toll, dass man flüssig lesen konnte und das Buch nicht aus den Händen legen konnte. Die dargestellten Chats zwischen Aza und ihrer besten Freundin und auch mit Davis haben es viel moderner gemacht.
Großes Lob!
Ich finde es auch sehr gut, dass er in diesem Buch viel über Azas Zwangsstörung geschrieben hat und man auch einen Einblick in ihre Gedankenwelt und ihre Probleme bekommen hat, denn so hat man gespürt, dass sie in ihrem eigenen Kopf gefangen ist und keinen Ausweg sieht und das Ganze für Aza am schwierigsten ist.
Ein tolles Buch für junge Erwachsene, ich kann es nur weiterempfehlen!
- Bianca Iosivoni
Sturmtochter - Für immer verboten
(560)Aktuelle Rezension von: Stefanie-BDie Idee rund um die verschiedenen Clans und die unterschiedlichen Kräfte ist cool, sorgt für Spannung und hat für einige interessante Momente gesorgt. Und auch die Story an sich entwickelt sich wirklich interessant. Es gibt einige Überraschungen und Wendungen, sodass sich nicht alles von Anfang an vorhersehen lässt.
An manchen Stellen hat sich die Geschichte für mich noch nicht 100% rund und zusammenhängend angefühlt. Dadurch war ich zu Beginn noch nicht vollständig in der Handlung angekommen. Je weiter ich aber gelesen habe, umso mehr hat sich das gelegt, umso mehr konnte ich in die Welt und die Geschichte einzutauchen und umso gefesselter wurde ich. Ich hatte wirklich viel Spaß mit der Geschichte und denke, dass sich viele der eingeführten Elemente im weiteren Verlauf der Reihe auch noch stärker miteinander verbinden werden. Wobei ich schon in diesem Teil die Storyline und die Entwicklungen geliebt habe.
Toll fand ich dabei auch das Setting auf der Isle of Skye, die schottische Landschaft passt wunderbar zur Geschichte und verleiht ihr eine besondere, mystische Atmosphäre.
Stark war zudem, dass das Buch nicht immer nur ala „alles läuft gut“ funktioniert, sondern realistisch und authentisch bleibt - was dafür sorgt, dass man noch mehr mitfiebert.
Die Protagonistin ist total cool, war mir schnell sympathisch und man kann ihre Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen. Sie und auch alle anderen Charaktere werden toll beschrieben und passen sehr gut in die Geshcichte.
Damit kann ich insgesamt sagen, dass „Für immer verloren“ ein spannender Reihenauftakt mit einer interessanten Fantasy-Idee, einem tollen Setting und einer tollen Protagonistin ist. Ich bin definitiv neugierig, wie sich die Geschichte und besonders die Welt rund um die Clans und Elementarkräfte weiterentwickeln wird.
- Fredrik Backman
Ein Mann namens Ove
(855)Aktuelle Rezension von: LotteliestEin Mann, der jeden Morgen seine Wohnsiedlung kontrolliert, der über Parkvergehen Buch führt, der Saab fährt und nicht viel redet - das ist Ove.
Er lebt allein, ist verbittert und will nach dem Tod seiner Frau und dem Verlust seiner Arbeit nur noch eines: in Ruhe sterben. Doch das Leben - oder besser gesagt seine neuen Nachbarn - haben da ganz andere Pläne.
Ein Mann namens Ove war mein erstes Buch von Fredrik Backman und ich wusste ehrlich gesagt nicht so recht, was mich erwartet. Ove als Protagonist ist sperrig - seine sture, abweisende Art machte es mir schwer, wirklich mit ihm mitzufühlen. Gleichzeitig hatte die Geschichte aber auch ihre starken Momente. Besonders die Rückblicke auf die Beziehung zu seiner Frau Sonja haben mich berührt und für etwas emotionale Wärme in einer ansonsten kühlen Welt gesorgt. Die Szenen mit den Nachbarskindern waren ebenfalls herzerwärmend - eine zarte Annäherung, die zeigt: hinter der harten Schale steckt ein weicher Kern.
Was mir besonders gefiel, war die leise Botschaft zwischen den Zeilen - über Einsamkeit, Zugehörigkeit, Verlust und die kleinen Begegnungen, die ein Leben verändern können.
Einige Zitate aus dem Buch werde ich definitiv nicht vergessen.
- George Orwell
1984
(505)Aktuelle Rezension von: sozicu1984 von George Orwell ist allgemein als dystopischer Klassiker bekannt. Jetzt, da ich ihn auch gelesen habe, kann ich überzeugt sagen: verdient!
Der Schreibstil ist erstmal gewöhnungsbedürftig, was aber einfach dem Alter des Buchs geschuldet ist. Es hat ein wenig gedauert bis ich wirklich drin war. Außerdem sind Slurs enthalten. Meiner Meinung nach hätte man die in dieser Neuauflage ersetzen können, ohne dass es etwas verändert hätte.
Der Fokus liegt ganz klar in der Beschreibung der Welt, wie sie funktioniert und welche Grausamkeiten sie birgt. Der Plot ist eher ein Werkzeug, um alle Aspekte beleuchten zu können. Auf jeden Fall mal was anderes als das, was ich sonst so lese.
Das funktioniert auch echt gut. Dieses Fiktive London bietet genug Stoff in seinen Eigenschaften, der Gesellschaft, der Politik, um interessant zu sein.
Die Hauptfigur ist einfach ein Mann der Mittelschicht. Niemand besonderes. Nicht zwingend ein Sympathieträger, aber realistisch. Vielleicht ein wenig naiv an manchen Stellen. Aber Hoffnung lässt dich eben an jedem Strohhalm festhalten.
Ist auf jeden Fall harter Tobak und sollte mit ordentlich Selbstfürsorge gelesen werden. Dennoch ist es ein wichtiges Werk, das jede*r mal lesen sollte.
Es ist wirklich erschreckend wie aktuell ein Buch aus 1949 sein kann!
- Hugh Howey
Silo
(341)Aktuelle Rezension von: DrachenbuecherhortHugh Howeys „Silo“ ist ein dystopischer Roman, der eine düstere, postapokalyptische Zukunft zeichnet, in der die Menschheit in einem unterirdischen Bauwerk, dem titelgebenden Silo, lebt – abgeschottet von der tödlichen Außenwelt. Das Buch wurde vielfach gelobt, unter anderem von Ridley Scott für eine Serienadaption aufgegriffen, und ist der erste Teil einer Trilogie. Nach dem Lesen bleibt jedoch ein durchwachsen positives Bild zurück.
Zugegeben, „Silo“ braucht Zeit. Viel Zeit. Etwa 250 Seiten lang plätschert die Handlung vor sich hin, bevor sie richtig an Fahrt aufnimmt. Die ersten Kapitel widmen sich der Einführung in die abgeschlossene Gesellschaft des Silos, die streng hierarchisch organisiert ist. Man lernt mehrere Charaktere kennen, darunter den Sheriff Holston und später die Mechanikerin Juliette, die zum neuen Sheriff berufen wird. Es wird viel erklärt, angedeutet, verschwiegen. Für manche Leser mag das ein gekonntes Worldbuilding sein – für andere ein zäher Einstieg, der Geduld verlangt. Erst mit Juliettes Perspektive in fortschreitender Handlung bekommt das Buch spürbaren Drive, Spannung und emotionale Tiefe.
Einer der erstaunlichsten Aspekte an „Silo“ ist der technologische Rückschritt, den diese Zukunftsgesellschaft gemacht hat. Man könnte erwarten, dass ein Silo, das in einer weit entfernten Zukunft erbaut wurde und die letzten Überreste der Menschheit beherbergt, hochmodern und effizient ausgestattet ist. Doch das Gegenteil ist der Fall: vieles wirkt analog, improvisiert und beinahe archaisch. Die Mechanik, die Art und Weise, wie Daten gespeichert werden, und sogar die Kommunikation wirken erstaunlich altmodisch. Nicht einmal ein Aufzug verbindet die vielen Stockwerke des Silos. Das wirkt besonders im Vergleich zum real existierenden „Survival Condo“ – einem Luxus-Atomschutzbunker in Kansas, der mit modernster Technologie ausgerüstet ist – seltsam. Wenn heutige Prepper es schaffen, ein mehrstöckiges Luxusrefugium mit Solarenergie, Waffenkammern, Hydrokulturen und Satelliteninternet auszustatten, warum lebt dann die Zukunftsgesellschaft in „Silo“ in einem technisch eher rückständigen Bauwerk? Diese Diskrepanz hinterlässt Fragen – und sie schwächt ein Stück weit die Glaubwürdigkeit der Welt.
Trotz der Anlaufschwierigkeiten und der technischen Unstimmigkeiten überzeugt „Silo“ auf der Charakterebene. Die Figuren wirken glaubwürdig, menschlich, mit Ecken und Kanten. Juliette als weibliche Protagonistin ist stark, klug und unabhängig, ohne dabei in stereotype Muster zu verfallen. Auch Nebenfiguren wie der IT-Chef Bernard oder der Bürgermeisterin Jahns sind vielschichtig gezeichnet. Man versteht ihre Motive, auch wenn man nicht immer mit ihnen einverstanden ist. Besonders positiv: Es gibt keine künstlich aufgeblähte Romanze, keine plumpen Heldenerzählungen – stattdessen echte Menschen in Extremsituationen.
Ein dystopischer Roman, der so stark auf sein Setting setzt, muss sich natürlich auch an seiner inneren Logik messen lassen. Und hier stolpert „Silo“ gelegentlich. Ein oft diskutierter Punkt: Warum werden verurteilte Personen dazu gezwungen – oder besser gesagt: manipuliert – vor ihrem sicheren Tod die Außenkameras des Silos zu reinigen?
Die Handlung bietet zwar eine Erklärung – durch psychologische Manipulation sollen die Verbannten ein letztes Mal etwas Gutes für die Gemeinschaft tun. Aber wirklich plausibel wirkt das nicht. Wenn die Außenwelt wirklich so giftig ist, warum funktioniert dann die Reinigung mit einem simplen Tuch? Und warum verlassen sich die Bewohner auf eine Methode, die technisch unzuverlässig und moralisch fragwürdig ist? Diese Fragen schmälern nicht das Gesamterlebnis, aber sie nagen an der Konsistenz der Welt, die Howey so sorgfältig entwirft.„Silo“ ist ein ambivalenter Roman mit großem Konzept, glaubwürdigen Figuren und einer faszinierenden Prämisse – aber auch mit Schwächen im Tempo und in der Ausarbeitung der Welt. Leser, die Geduld mitbringen und sich auf die klaustrophobische Atmosphäre einlassen können, werden mit einer intensiven, beklemmenden Lektüre belohnt. Für alle anderen könnte der zähe Einstieg ein Stolperstein sein. Mit mehr technischem Feingefühl und einem besseren Erzähltempo hätte Silo das Potenzial für einen modernen Klassiker gehabt. So bleibt es ein gutes, aber nicht perfektes Buch – ein lesenswerter Auftakt zu einer dystopischen Trilogie.
- Stephen King
Feuerkind
(560)Aktuelle Rezension von: LuliaDas Ehepaar Andy und Vicky McGee erhalten aufgrund eines geheimen Experimentes leichte übernatürliche Fähigkeiten, die sie ihrer Tochter Charlie in Form von Pyrokinese weitervererben und als eine geheime Regierungsorganisation versucht Charlie zu entführen und ihre Kräfte militärisch zu nutzen, beginnt eine gnadenlose Verfolgungsjagd. Die dynamische Handlung mit den zahlreichen Perspektivwechseln zwischen den Gejagten und den Jägern weist eine hohe emotionale Tiefe und einige zähe Stellen im Mittelteil des Buches auf.
Bei den Protagonisten stehen Andy und Charlie im Mittelpunkt der Handlung, die sympathisch und glaubwürdig dargestellt werden. Besonders gelungen ist die Dynamik zwischen den beiden dargestellt. Relevante Nebenprotagonisten, wie z.B. Rainbird, sind facettenreich dargestellt, bereichern die Handlung und treiben diese gekonnt voran.
Wer rasante Science-Fiction-Thriller mit Verfolgungscharakter und vielschichtigen Figuren mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist detailreich und dynamisch, was den Verfolgungscharakter des Buches optimal unterstützt.
Einziger Minuspunkt: Die zähen Abschnitte im Mittelteil des Buches bremsen das Erzähltempo aus und mindern den Lesespaß ein wenig.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Ursula Poznanski
Erebos 2 (Limited Edition)
(546)Aktuelle Rezension von: MrsHetfieldEine mega gute Fortsetzung des ersten Teils. Ich muss unbedingt den dritten Teil lesen! Auch der zweite Teil hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in Atem gehalten. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, weil es so spannend war, daß ich es nicht weglegen konnte. Es ist nicht nur für Jugendliche geeignet, sondern auch für Erwachsene. Im Prinzip wird die Geschichte aus dem ersten Teil fortgeführt, aber das Computerspiel hat einige neue Features, kann sich nun auch auf Handys speichern und die Handybesitzer durch Androhung von schlimmen Konsequenzen lenken. Obwohl ich überhaupt kein Fan von Computerspielen bin und auch als Kind nie Computerspiele gespielt habe, fand ich den Schreibstil super mitreißend und habe echt mit gefiebert. Habe mich richtig in dem Buch "verloren" beim Lesen. Ein mega tolles Lese-Erlebnis.
- Meredith Wild
Hardwired - verführt
(584)Aktuelle Rezension von: MeeehlieErica Hathaway ist tough und klug. Sie hat ihren Abschluss schon in der Tasche und für ihr Internet-Startup "Clozpin" sucht sie einen Investor.
Hier trifft sie auf Blake Landon. Dieser ist mächtig, reich, attraktiv und geheimnisvoll, und schmettert ihre sorgsam vorbereitete Präsentation als uninteressant ab.
Erica ist außer sich vor Wut, doch irgendetwas zieht sie magisch zu Blake hin.
Blake ist fasziniert von dieser toughen, wunderschönen Frau, und versucht Zeit mit ihr zu verbringen. Erica jedoch zieht sich jedes mal zurück, wenn er ihr zu nahe kommt, und so muss Blake um sie kämpfen und gibt nicht auf....
Das Buch war klasse zu lesen, schön spannend und auch erotisch. Beide Charaktere passen sehr gut zusammen und bringen eine gewisse "Würze" mit.
Die Zweifel und Ängste von Erica waren logisch und für mich nachvollziehbar. Man kann zwar vorsichtig sein, trotzdem sollte man auch sein eigenes Glück nicht vernachlässigen und vorne anstellen.
Ob Erica sich letztendlich auf Blake einlässt bleibt abzuwarten, da es noch vier weitere Bände gibt, wo es sicher noch einige Dinge zu klären und zu bewältigen gibt.
Obwohl das Buch super geschrieben war, fehlte mir irgendwie noch eine Kleinigkeit. Ich weiß nicht genau was, doch vielleicht bekomme ich dieses gewisse "Etwas" in den nächsten Bänden.
Ich freue mich jedenfalls darauf zu erfahren wie es weitergeht. - JP Delaney
The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.
(387)Aktuelle Rezension von: Gin_ahab das buch im urlaub gelesen und es war schon fesselnd und eine interessante idee. auch die abwechslung zwischen der vorherigen und der jetzigen frau und auch, dass beide charaktere eine gewisse tiefe besitzen. jedoch war es teilweise ein wenig zu lang, und ohne die gänsefüßchen bei den rückblicken war mein lesefluss ein wenig unterbrochen.
die idee, eines hauses mit system, minimalismus und alles war jedoch interessant und ich denk auch nach dem beenden das buches teilweise darüber nach- natürlichen nur bis zu einem gewissen grad, aber was brauchen wir eigentlich wirklich? was ist unverzichtbar?
naja, ob ich das buch empfehlen würde, weiß ich dennoch nicht. Da gibt es doch spannendere Bücher, mit einem angenehmeren Lesefluss und Schreibstil. Schlecht war es jedoch auch nicht, deshalb 3 Sterne.
- Cecelia Ahern
Ich schreib dir morgen wieder
(1.102)Aktuelle Rezension von: ScriptumFelicisLeider konnte mich dieses Buch nicht überzeugen und das lag vor allem an dieser schrecklichen und egozentrischen Protagonistin. Tamara Goodwin ist eine verwöhnte, undankbare, vorlaute und rotzfreche Göre, die mir einfach nur höllisch auf den Senkel gegangen ist. Sie soll scheinbar 17 Jahre alt sein und gemäß ihren Aussagen fühlte sie sich doppelt so alt – im wahrsten Sinne des Wortes sagte sie «Aber in den letzten Monaten bin ich um Jahre gealtert.». Ah ja? Wo denn? Sie verhält sich wie eine Zwölfjährige, die mit der Situation und ihren Gefühlen nicht klarkommt. Von Reife keine Spur. Von den elendig langen Monologen und Erzählungen ganz zu schweigen. Es war zum Haareraufen.
Von allen anderen Charakteren waren höchstens noch ihre Tante und die Klosterschwester (ich glaube, ihr Name war Schwester Ignatius) interessant, da die beiden Personen etwas Geheimnisvolles umgaben. Die Tante im negativen und die Klosterschwester im positiven Sinne. Mehr kann ich dazu, aufgrund der Spoilergefahr, nicht verraten.
Die Idee fand ich eigentlich recht interessant. Ich meine: Ein Tagebuch, dass die Zukunft zeigt? Das ist doch wirklich interessant. Leider war die Umsetzung mies, nicht sonderlich spannend oder gut durchdacht. Über das Tagebuch erfährt man nicht wirklich viel. Es ist einfach da. Woher es kommt? Wie es funktioniert? Das erfährt der Leser mit keiner Silbe. Es ist da. Punkt. Komm damit klar. Und Tamara selber hegt keinerlei Ambitionen hinter das Geheimnis des Tagebuchs zu kommen. Sehr schade.
Die Geschichte an sich ist größtenteils langweilig und fade. Die Handlung plätschert vor sich hin und es geschieht nicht wirklich viel Interessantes. Stattdessen verliert sich die Autorin in Nebensächlichkeiten und vielen Wiederholungen. Die interessanten Dinge werden auf die letzten 100 Seiten gepresst. Plötzlich geht alles Schlag auf Schlag und das gut behütete Familiengeheimnis wird gelüftet. Bäm! Da hast du es! … Äh? Warum? WARUM tut die Autorin denn sowas? Ich begreife es nicht. Dieses Familiengeheimnis wäre ein toller Spannungsbogen gewesen, der sich durch die gesamte Geschichte hätte ziehen können. Aber nein, warum auch?
Der Schreibstil an sich – tja… Da die Geschichte aus Tamaras Sicht geschrieben wurde, passte der Schreibstil hervorragend zu dieser unreifen 17-Jährigen. Sorry, ich weiß, ich höre mich gerade sehr herablassend an, aber diese Hauptprotagonistin hat mir total die Geschichte vermiest. Ich kann ihr kaum etwas Positives abgewinnen – zumindest hatte sie mich gegen Ende etwas milder gestimmt und sie schien tatsächlich etwas reifer geworden zu sein.
Fazit:
Die unausstehliche Protagonistin und eine größtenteils langweilige Geschichte… Ich bin echt enttäuscht. Diese Geschichte hätte spannend werden können.























