Bücher mit dem Tag "kopftuch"
16 Bücher
- Sebastian Fitzek
Das Paket
(2.816)Aktuelle Rezension von: libraryoflaura𝐖𝐎𝐑𝐔𝐌 𝐆𝐄𝐇𝐓 𝐄𝐒?
Die Psychiaterin Emma Stein verlässt nach einem traumatischen Erlebnis ihr Haus nicht mehr.
Sie fühlt sich nirgendwo sicher.
Ihr Postbote bittet sie eines Tages, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen.
Ein Nachbar, den Emma noch nie gesehen hat und dessen Name ihr völlig unbekannt ist.
Mit der Annahme dieses Pakets beginnt ein paranoider Albtraum in ihren eigenen vier Wänden, bei dem Emma bald nicht mehr weiß, was Realität ist und was ihr ihr eigener Verstand vorgaukelt.
𝐖𝐀𝐒 𝐌𝐈𝐑 𝐆𝐔𝐓 𝐆𝐄𝐅𝐈𝐄𝐋:
• Der Suchtfaktor: Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Die Cliffhanger am Ende jedes Kapitels sind so platziert, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann.
• Die Unvorhersehbarkeit: Diese ständigen Wendungen und Plottwists, für die Fitzek bekannt ist, haben mich immer wieder eiskalt erwischt, selbst wenn ich dachte, ich hätte das Rätsel endlich gelöst.
• Das Schock-Finale: Das Ende hat mich sprachlos gemacht. Es war so unerwartet und gleichzeitig geschickt vorbereitet, dass ich regelrecht schockiert war, wie sehr ich der Geschichte auf den Leim gegangen bin.
• Der Spannungsbogen: Fitzek hält das Level durchgehend hoch und führt einen meisterhaft in die Irre.
𝐖𝐀𝐒 𝐌𝐈𝐑 𝐖𝐄𝐍𝐈𝐆𝐄𝐑 𝐆𝐔𝐓 𝐆𝐄𝐅𝐈𝐄𝐋:
• Hier gibt es für mich kaum etwas auszusetzen. Es ist ein typischer Fitzek, auf dessen Logikspielchen man sich einlassen muss und wer das tut, bekommt pure Unterhaltung.
𝐅𝐀𝐙𝐈𝐓:
Ein fesselnder Psychothriller, der beweist, warum Sebastian Fitzek zu den Besten seines Genres gehört.
Perfekt für alle, die aus einer Leseflaute raus wollen, einmal angefangen, gibt es kein Zurück mehr!
- Ferdinand von von Schirach
Strafe
(236)Aktuelle Rezension von: jacky_liestStrafe ist weit mehr als ein Werk über Straftaten, sondern eröffnet für alle ein Fenster zum Gerichtshof, das für die Mehrheit verschlossen bleibt. Schirach erzählt auf wenigen Seiten und mit juristisch-narrativer Distanz zwölf Geschichten über Menschen, Erfahrungen, Gefühle und Abgründe. Die Erzählungen sind kurz, aber keineswegs kurzweilig. Der literarische Kniff von Schirach ist hierbei, dass er auf wenigen Seiten existentielle Fragen sowie Emotionen anhand der Einzelschicksale aufwirft und erzählt. Im Vordergrund steht hier nicht das Fragen nach der Schuld oder die Suche nach schuldigen Personen, sondern der Blick auf Lebensrealitäten und menschliche Vorgänge, die alle von uns (mehr oder minder) betreffen oder betreffen werden.
Mittels seiner gewohnt ruhigen und distanzierten Erzählweise kann auch dieses Werk wieder glänzen und führt die Rezipient:innen (scheinbar) neutral in die menschliche Erfahrungswelt ein. Die Schilderungen mögen zwar neutral sein, aber die Subjektivität der Erfahrungen und Emotionen führen ständig zu einem selbst zurück.
Schirach erzählt hier mehr als Einzelschicksale und öffnet in seinem Werk wieder den kritischen Diskurs des Justizsystems. Angeklagte sind hier nicht die Menschen, sondern das System in dem sie leben und selbst aufrechterhalten - nach der Manier: das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz. Besonders das juristische Setting und der juristische Blick eröffnen ein Fenster für alle, die nicht hinter die Fassade blicken können.
Fazit: Strafe ist ein weiteres gelungenes Werk von Schirach, das tiefer reicht als der Umfang vermuten lässt. Hier werden Blickwinkel und Diskurse auf nur wenigen Seiten eröffnet, die aber lange nachwirken werden.
- Zeina Nassar
Dream Big
(31)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaIch habe das Buch gekauft in der Hoffnung, ich würde eine starke Frau begleiten, wie sie sich gegen die bescheuerten Regeln widersetzt, die eindeutig von Männern gemacht wurden, wie es ihr dann gelingt, in den Ring zu steigen, zu kämpfen und zur Meisterin zu werden. Stattdessen habe ich das Buch von einer Angeberin bekommen, die alle wichtigen Punkte ihres Weges überspringt, um über die Religion zu schwafeln.
Sie ist nicht in der Lage, eine einfache Handlung zu beschreiben, sondern schweift ständig ab, ignoriert wichtige Handlungspunkte, um ihre Gedanken offenzulegen. Sie baut keine Atmosphäre auf, erzählt wirr, es ist durcheinander, teilweise liest es sich so, als hätte es ein kleines Kind geschrieben, teilweise wirkt es so, als hätte sie den Text für einen Facebookbeitrag formuliert.
Ich wollte wirklich wissen, wie sie den Boxverband davon überzeugt, dass sie mit einem Kopftuch kämpfen darf. Aber das macht sie nicht. Ihre Trainerin erledigt das alles und wir bekommen nichts davon mit. Wie hat die Trainerin die Leute überzeugt, wie hat sie argumentiert, wie ist sie da vorgegangen? Nichts. Die Autorin ignoriert gerade diesen Schwerpunkt gänzlich, um davon zu labern, dass der Prophet dies und jenes gesagt hat und wie sie sich deshalb fühlt und so weiter.
Dann kommt der Boxkampf, in der sie ihren Meistertitel gegen die Endgegnerin verteidigen muss. Der erste Satz hat für Spannung gesorgt, der Rest war wieder durcheinander, emotionslos erzählt und schlichtweg langweilig. Die Autorin baut keine Spannung auf, keine Atmosphäre, keine Action, keine Leidenschaft, sondern sie erzählt das alles monoton, um dann einen plötzlichen Szenenwechsel zu machen, der den Leser raushaut.
Immer wieder erzählt sie kurz von anderen Figuren, die einen Einfluss auf sie haben, was ich ja in Ordnung finden würde, wäre der Auftritt der Figuren nicht drei Zeilen lang und würden sie nicht aus dem Nichts heraus stattfinden, um in den Gedanken der Autorin unterzugehen. Es ist einfach zu unordentlich, die Handlung wird von ihren Gedanken unterbrochen, um in einer völlig anderen Szene fortzulaufen, was den Lesespaß ruiniert, was das ganze Buch schlichtweg schlecht macht.
Ich merke nichts von einer starken Frau, ich merke überhaupt nichts davon. Für mich hat sich das beim Lesen so angefühlt, als hätte die Autorin unkontrolliert auf die Tasten gehauen und alles geschrieben, was ihr in den Sinn kam, vor allem ihre Gedanken. Die Handlung selbst ist für sie zweitrangig und es interessiert sie nicht wirklich. Das Buch inspiriert nicht, es ist keine Erfolgsgeschichte, keine Motivation, keine Lebenshilfe, sondern es ist halt da und dazu verdammt, wieder vergessen zu werden.
- Amina Bile
Schamlos
(70)Aktuelle Rezension von: MissKiss3 Freundinnen, die einfach mal miteinander reden. 3 Muslima, die über die Welt und in der über ihre eigene Welt uns erzählen.
Sie erzählen uns über ihre Religion, über Vorurteile, über Mobbing und Feminismus. Aber auch über ihren Alltag.
Es ist so ob der Leser einfach sich zu ihrem Tisch dazusetzen und einfach mitlauschen könnte.
Und auch, wenn die Themen oft schwer sind, hat es eine Art Leichtigkeit in sich: vielleicht nicht nur wegen der wunderschönen Grafik des Buches, sondern vielleicht einfach dadurch, dass es gut tut Themen anzusprechen. Es tut gut miteinander zu reden. Und es gibt Hoffnung, wenn man sieht wie reflektiert die heutige Jugend sein kann.
Und diese Hoffnung, in einer freidlichen Zukunft, brauchen wir heute sehr.
Eine grosse Empfehlung von mir, ab 12 Jahren! Für Mädchen und Bubben. Für alle. - Reyhan Şahin
Yalla, Feminismus!
(17)Aktuelle Rezension von: CatastrophiaReyhan Şahin, wissenschaftliche und feministische Grenzgängerin, bezieht in diesem Buch klar Position. Die Themen Deutschrap, Islam und Wissenschaft stehen im Fokus und werden von ihr sowohl wissenschaftlich als auch aus eigener Erfahrung und Perspektive analysiert. Die Sprache eckt genauso an, wie es Şahin als Person tut, und gerade deshalb ist diese Sprache auch Ausdruck davon, dass in ihrer Person selbstermächtigender, sexualisierter Rap und fundierte Wissenschaft zusammentreffen.
Die drei Schwerpunktthemen sind nicht zufällig gewählt, sondern spiegeln das Spannungsfeld wieder, in dem sich Dr. Bitch Ray bewegt. Im Bereich des Deutschrap analysiert sie die Problematik sexistischer und patriarchaler Strukturen, spricht sich für feministische Selbstermächtigung aus und dafür, dass insbesondere die interne Auseinandersetzung mit Problemen im Rap zunehmen muss, will man das Thema nicht ignorieren oder undifferenzierten und ideologischen Debatten überlassen.
Als Wissenschaftlerin, die über die Bedeutung des Kopftuchs promoviert hat ebenso wie als Angehörige der religiösen Minderheit der Aleviten setzt sie sich für eine differenzierte und faktennahe Auseinandersetzung mit "dem Islam" ein, was einerseits bedeutet, anzuerkennen, dass es "den Islam" nicht gibt, andererseits, die Instrumentalisierung des Themas scharf zu kritisieren. Sie kritisiert westliche, pauschalisierende Lesarten der Religion und des Kopftuchs als frauenverachtend und "primitiv" ebenso wie die umgekehrte unkritische Übernahme von Narrativen des Kopftuchtragens als per se feministisch. Şahin plädiert für einen Mittelweg, der die Existenz islamischer Feminismen ebenso anerkennt wie die Instrumentalisierung des Feminismus durch konservative Islamverbände und des Islam durch Feminist*innen der "zweiten Welle" des Feminismus wie bspw. Alice Schwarzer und Muslim*innen und Kopftuchträger*innen gleichberechtigt in die Debatte einbezieht.
Außerdem thematisiert sie die fortbestehenden Ungleichheiten im deutschen Universitätsbetrieb, die patriarchalen Hierarchien und impliziten Rassismen und kritisiert die mangelnde Bereitschaft von Wissenschaftler*innen, sich selbstkritisch und reflektiert mit diesen Themen zu befassen.
Mich hat beim Lesen teilweise die Zentrierung auf ihre Person gestört, allerdings merkt Şahin selbst die Problematik an, dass sie aufgrund ihrer einzigartigen Position selbst auf ihre Errungenschaften und Pionierinnenarbeit hinweisen muss, da es sonst kaum jemand tut. Und dass sie diese Arbeit geleistet hat, steht außer Frage. Auch, wenn ich Rap nie viel gehört habe, konnte ich aus diesem Kapitel einiges mitnehmen. Gerade die Themen Kopftuch und Wissenschaft fand ich jedoch besonders spannend, denn als Feministin, Studentin und in der Hochschulpolitik aktive Person kenne ich viele der Debatten aus beiden Bereichen und finde eine Differenzierung und öffentliche Benennung dieser Probleme, so wie sie Şahin vorschlägt, absolut wichtig.
Das Buch eignet sich einerseits, wenn man am Beispiel einer konkreten Person mehr über intersektionalen Feminismus lernen will, andererseits aber auch, um als bereits feministisch aktive Person innerfeministische Debatten im Bereich Islam besser einordnen zu können. Durch die lockere Sprache lässt sich das Buch gut lesen und sorgt für einige Lacher.
- Gerhard Schweizer
Türkei verstehen
(5)Aktuelle Rezension von: JazzH"Türkei verstehen" ist nach "Die Türkei" aus dem Jahr 2008 Schweizers zweites Buch über die Türkei. Daher gibt es wirklich sehr viele Parallelen. Teilweise liest sich das Buch wie eine Wiederholung. Schade. Wenn er bei diesem Buch sich mehr ausschließlich auf die neuen Erschließungen in den Jahren zwischen 2008, dem Erscheinen seines ersten Buchs über die Türkei bis 2016 fokussiert hätte, wäre das sicherlich besser gewesen - für den Leser, der sich bei dem zweiten Buch ein wenig irritiert fühlt, da er fast alles schon aus dem ersten Buch kennt, als auch für die Umwelt, da umsonst Bäume gefällt werden mussten.
Sollten Sie dagegen das erste Buch nicht kennen, so empfehle ich ausschließlich dieses Buch zu kaufen.
- Nazan Eckes
Guten Morgen, Abendland
(11)Aktuelle Rezension von: HoldenFräulein Üngörs Aufruf zu gegenseitiger Toleranz und Annäherung, eingebettet in ihre persönliche Familiengeschichte in Deutschland. Wie schon eine Rezensentin vor mir geschrieben hat, sind die Passagen über ihre Familie, der schwierige Neuanfang ihres Vaters in Deutschland und das glückliche Familienleben sehr berührend und herzergreifend, andere Passagen wie ihr Neid auf die immer hübsche Heidi Klum in Modemagazinen oder ihre Frustration über ihre deutsche Fernsehproduzentin Petra eher nichtssagend und stehen der Message eher im Wege. Ein Buch also mit Licht und Schatten, Frau Eckes hat die Anfeindungen und Herabsetzungen, denen man ausgesetzt war, sicherlich eher noch heruntergespielt. Seit 2010 hat sich sicher nicht all zu viel geändert, inzwischen haben wir mit Herrn Özdemir aber den ersten türkischstämmigen Bundesminister. Es bleibt also noch viel zu tun, Entscheidungsträger bitte lesen! Und mit dem Dolmus bin ich auch schon gefahren, aber daß man sich da ducken muß, war mir neu!
- Joachim R. Steudel
Traum oder wahres Leben: Kismetbahr - Der Schicksalsfluss
(15)Aktuelle Rezension von: KristinaTiemannAchtung Spoiler!
„Kismetbahr – Der Schicksalsfluss“ ist nun der dritte und letzte Teil der Reihe und wir begegnen Günter Kaufmann darin mit einer weiteren Identität als alias Karim bin Azmi bin Halim Al-Kismetbahr. Die Geschichte im Hier und Jetzt befasst sich mit der Öffnung eines Grabes aus der Pharaonenzeit, mit dem der Hauptakteur unmittelbar verbunden ist, die Vergangenheit mit der verstorbenen Person selbst sowie mit den Geschehnissen um sie herum.
Günter alias Karim rettet das kleine Mädchen Tefnut, das seine Eltern bei einem Angriff auf sein Heimatdorf verloren hat. Er zieht sie groß wie sein eigenes Kind und mit der Zeit ändern sich Tefnuts unschuldige Vaterliebesgefühle in partnerschaftliche und Karim steht vor der Frage, wie er damit umgehen soll?
Diese Entwicklung wurde hier in einer vorhergehenden Rezension moniert, ich aber finde sie völlig natürlich. Inzucht innerhalb der Herrscherkaste war gang und gäbe, Pharaonen ehelichten häufig die eigenen Schwestern. Moralisch verwerflich wurde dies ja erst durch die Entstehung des Christentums, woran sich jedoch selbst der Adel im zumindest frühen Mittelalter nicht groß daran störte. Und wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, bleiben solche Gefühle eben oft nicht aus.
Nein, was mich viel mehr faszinierte, ist die Tatsache, dass, als Karim sich seine Gefühle eingesteht und Tefnut praktisch ehelichen möchte, es zu spät ist, weil sich die Geschichte wiederholt!
Buddhistische Weisheiten vom Kreislauf des Werdens und Vergehens, aber auch der Möglichkeit des Durchbrechens von Schicksal durchzieht die gesamte Reihe und ihre Hauptaussage deckt sich mit der Buddhas, nämlich Vergebung durch Erkenntnis!
Das Ganze unter der großen Überschrift „Traum oder wahres Leben“ und einen besseren Titel gibt es nicht. Denn auch wenn Erklärungsangebote geliefert werden und der Hauptakteur möglicherweise wirklich ein tausende Jahre altes währendes Leben lebt, wird dies vom Ich-Erzähler selbst immer wieder in Frage gestellt und bleibt auf gewisse Weise offen bis zum Schluss. Ich erkläre sie mir mit dem Karma, ob die Leben nun geträumt sind oder nicht, spielt angesichts der großen Botschaft nun wirklich keine Rolle.
Und auch diesmal wurde wieder hervorragend recherchiert und die altägyptische Welt derart präzise geschildert, dass man glauben könnte, der Autor selbst hätte sie miterlebt. Ich bin völlig fasziniert von dieser Erzählkunst, eine derart authentische Kulisse zu erschaffen, um seine Botschaften zu transportieren!
Man könnte die Bücher sogar unabhängig voneinander lesen, wenn man nur eine schöne Geschichte lesen möchte, die in China, Japan oder Altägypten spielt. Wem jedoch die großen Daseins- und Erkenntnisfragen am Herzen liegen, dem empfehle ich die ganze Reihe.
Absolut fantastisch!
- Kübra Gümüşay
Sprache und Sein
(6)Aktuelle Rezension von: Aenna612Kübra Gümüşay zeigt an zahlreichen Praxisbeispielen und fundiert durch wissenschaftliche Studien, wie Sprache unser Denken formt. Der Fokus liegt dabei überwiegend darauf, wie wir Menschen durch Sprache kategorisieren und Gruppen zuordnen, statt sie als Individuen zu sehen, und wie diese Denkweise unsere Politik bestimmt. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil und hat das Hörbuch sehr angenehm selbst eingesprochen. Mini-Abzug: Sie spricht recht langsam, daher habe ich das Hörbuch auf 1,2facher Geschwindigkeit laufen lassen, was immer noch nicht zu schnell war - für meinen Geschmack.
- Zana Ramadani
Die verschleierte Gefahr
(14)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerZana Ramadani spricht offen aus, worüber in den Leitmedien und in der Öffentlichkeit wegen falschverstandener Toleranz und übertriebener politischer Korrektheit immer noch nicht geredet wird. Sie benennt Ursachen, erklärt Hintergründe und beleuchtet insgesamt, worin die vielfältigen Probleme mit dem Islam und seinen Anhängern bestehen. Ein sehr informativer und wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein für Politiker (und für Wähler) unabhängig von Religion und politischer Einstellung. - Alice Schwarzer
Der Schock - die Silvesternacht in Köln
(6)Aktuelle Rezension von: Liebes_Buch"Der Schock" ist ein Buch, das Beiträge von verschiedenen Autoren enthält und so verschiedene Blickwinkel auf die Sexattacke in Köln anbietet. Ich hätte gern etwas gelesen, wo das, was Silvester passierte, chronologisch dargestellt wird. Das ist hier aber kaum der Fall. Wenn man dieses Buch liest, muss man sich also im Internet vorher informieren, worum es eigentlich genau geht.
Dann allerdings erfährt man noch genug Dinge, die man noch nicht wusste. Z B dass auch in Köln gepredigt wird, wer aus dem Islam austritt, muss bestraft werden. Oder dass der Staatsschutz die Regierung schon 1996 darüber informierte, dass Islamismus die akuteste Gefahr für das Land darstelle. Diese Information wurde aber mit dem Vorwurf des Rassismus weggewischt. Ein Beitrag ist vom Algerier Kamel Daoud, auf dem eine Fatwa lastet und der in Frankreich als "islamophob" gebrandmarkt ist. Andererseits wird auch Ayaan Hirsi Ali als islamophob beschimpft, weil sie sich über ihre Genitalverstümmelung (mit 5 Jahren) beklagt... Und die herausgeberin Alice Schwarzer ist natürlich doppelt verschrien, nicht nur als Islamkritikerin sondern auch als Feministin.
Der Rassismus-Vorwurf geht so weit, dass sich Frauen nicht mal beklagen dürfen, wenn sie angezündet werden.
Wer auf den Frauenmärschen rumläuft, sollte dieses Buch doch mal lesen. Es ist nicht so dick, nur 136 Seiten. Damit man weiss, wo die neuen Frauenrechte hingehen... - Amélie Sarn
Un foulard pour Djelila
(3)Aktuelle Rezension von: Emotionen"Un foulard pour Djelila", geschrieben von Amélie Sarn war unsere Französisch Klassenlektüre für dieses Schuljahr. Das Buch spricht eine Problematik an, die vor allem in Frankreich hochaktuell ist.
Handlung
Das Buch spielt in einem Pariser Vorort. Die beiden Schwestern Djelila und Sohane entstammen einer tunesischen Familie, die nun im modernen Frankreich lebt. Das ist für alle nicht leicht, aber vor allem die beiden Teenager tun sich schwer. Sie sind hin und her gerissen zwischen zwei Welten. Einerseits sind da die Kultur und die Religion ihres Heimatlandes, die ihnen vorgeben, was sie tun sollen, anziehen sollen, wie sie sich verhalten sollen, andererseits wollen sich auch in ihrer neuen Heimat integrieren. Sohane ist eher konservativ eingestellt, während ihre Schwester großen Gefallen an den Freiheiten, die Frankreich ihnen bietet, findet. Erst kleidet sie sich nur modebewusst, dann beginnt sie sich auffällig zu schminken, fängt an zu rauchen und geht mit ihrer Clique etwas trinken. Sohane ist konservativer, will da nicht mitziehen und trägt schließlich sogar ein Kopftuch um endlich einen Weg zu finden sich selbst darstellen zu können. Eine Gruppe radikaler Jugendlicher aus der Nachbarschaft beginnt Djelila immer mehr zu belästigen und auszugrenzen und Sohane muss sich entscheiden - wird sie ihrer Schwester helfen?
Charaktere
Ich fand die beiden Schwestern Sohane und Djelila sehr gut dargestellt. Ich konnte mich in beide hineinversetzen, allerdings habe ich mit Djelila sehr viel eher identifizieren können als mit ihrer Schwester. Sie war zwar auch mir in manchen Punkten zu weit - mit ihrem Rauchen und Trinken - aber ihre Schwester hat mir schon manches Mal Kopfzerbrechen bereitet. Klar, man sollte die Kultur und Religion seiner Heimat nicht vergessen, aber manchmal muss man auch Neues wagen. Ich hatte den Eindruck, dass sich hinter ihrem Kopftuch eher vor der Welt versteckt, um sich nicht mit deren Problemen oder denen ihrer Schwester auseinandersetzen zu müssen. Ich weiß nicht, inwieweit es zu ihrer Selbstfindung beigetragen hat.
Interessant finde ich den Aspekt, dass vor allem die Eltern nicht die diejenigen waren, die mit dem Finger auf die Kinder gezeigt haben. Sie wussten zwar vieles nicht über ihre Tochter Djelila, aber sie haben ihr immer versucht ihre Freiheit zu lassen. Stattdessen haben die Nachbarn Djelila bedrängt und sie verunsichert.
Schreibstil
Hier muss ich leider die deutsche Bearbeitung kritisieren. Teilweise waren schwierige Vokabeln zwar angeführt, aber sie waren nicht mit Fußnoten versehen, was es relativ schwer machte, die deutschen Wörter den Französischen zuzuordnen. Außerdem wurden einfache Wörter oft mehrmals erklärt, gerade aber bei französischen Abkürzungen und Umgangssprache hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht. Deshalb gibt es an dieser Stelle einen Stern Abzug von mir.
Fazit
Das Buch zeigt auf erschreckende Art und Weise auf, wohin religiöser Extremismus führen kann. Gerade in Frankreich, das ein Land der Einwanderer ist, ist die Problematik der Integration hochaktuell. Die Regierung arbeitet darin, aber oft sind es die Menschen selber, die mit sich hadern, inwieweit sie sich anpassen sollen, ohne sich selbst zu verlieren. - Nadine Pungs
Das verlorene Kopftuch
(23)Aktuelle Rezension von: daniel_kasselmannDie Düsseldorfer Kleinkünstlerin und Reisejournalistin Nadine Pungs zieht es auf der Suche nach Intensität und Schönheit immer wieder in die Welt hinaus. Als allein reisende Frau lässt sie sich 2016 auf das Abenteuer Iran ein und entdeckt für sich und die Leser das ebenso widersprüchliche wie schillernde Persien neu.
Ihre Reiseroute führt sie von Teheran über Qom, Kashan, Esfahan bis in den Süden des Landes nach Bandar Abbas und von dort aus wieder nach Norden über Yazd, Shiraz, Kermanshah, Hamedan, Tabriz und wieder zurück nach Teheran. Darüber hat sie mit ihrem Buch zunächst einmal einen Reiseführer zu den kulturell bedeutenden Stätten Persiens geschrieben, mit der ausklappbaren Landkarte samt Reiseverlauf im Buchcover vorne kann man ihre Route gut nachvollziehen.
Sie vermisst außerdem die historische Entwicklung von Persien hin zum heutigen Iran, insbesondere die religiöse und politische Entwicklung seit der Zeit des Schahs und Khomeinis. Ebenso vermisst sie die religionspolitisch-gesellschaftliche Entwicklung seit dieser Entwicklung. Ihre immer wieder aufflammende explizite religionspolitische Kritik an der Geschlechter-Apartheid ist vor dem Hintergrund der emanzipierten, engagierten und autarken Autorin mit ihrem Verweis auf konsensuelle westliche Werte wie Humanismus, Aufklärung nur konsequent; sie hadert immer wieder mit dem gesellschaftlichen Bild der Frauen und deren konsequenter Entrechtung.
Die Gesellschaft im Iran heute, Stichworte Couchsurfing, ihre Couchsurfing-Gastgeber Omid und Kourosh, sowie ihre zeitweiligen Führer – wie ein gewisser Herr Jafari, der von einem längeren Aufenthalt in Österreich einen austrischen Deutsch-Dialekt mit Wiener Schmäh mitgebracht hat - sind nur Beispiele für diesen integralen Bestandteil ihrer Reiseaufnahme auf einer sehr privaten Ebene. Das Bild bzw. die Vorurteile über den Iran in der westlichen Welt beschäftigen Nadine Pungs genauso regelmäßig wie ihre eigenen Vorurteile.
Damit kommen wir zu ihren philosophischen Selbstreflexionen über den Iran. Juden im Iran und das Verhältnis zwischen Iran und Israel, liebenswerte Eigenheiten der Perser wie Fahrstil, Höflichkeit, Telefonieren, Übertreibung, Speisen sind weitere Themenfelder. Liebe und Sex im Gottesstaat, Geschlechter-Apartheid, der Hijab, der Feminismus und die iranischen Heldinnen, die das Kopftuch abnehmen gehören da schon wieder zu ihren philosophischen Reflexionen über Freiheit, die schließlich in ihren Versuchen, die Gegensätze des Iran zu einer Synthese und Erkenntnis zu bringen, kulminieren.
„De facto lässt sich der Iran nicht in Kategorien einordnen. Nur von Despotie auf der einen Seite und Bevölkerung auf der anderen Seite zu sprechen ist zu kurz gegriffen. Denn auch hier verwischen die Grenzen. Natürlich treffe ich Frauen und Männer, die unter den Vorschriften leiden und frei sein wollen. Wie die beiden Studentinnen in Esfahan, die von Frankreich träumen. (…) Wie kann das alles sein? Wie fügt sich das alles zusammen? Freiheitsdrang und Koran? Nasenkorrektur und Tschador? Turbanträger und Twitter? Glaube und Unglaube? Westen und Osten? Weshalb passt der Iran nicht in meine verdammte Schublade? Wieso sprengt er mein Gitternetz?
Weil es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt. Das ahnt jeder Vollidiot und gleichwohl denken wir ständig in schwarz-weißen Rastern, bemühen wir ständig binäre Vereinfachungen. Dabei hat die Wahrheit Graustufen. Und iranische Wahrheiten schimmern in Myriaden von Nuancierungen.“ (214)Ihre Erinnerungen an die eigene Jugend, die Nichtreisen mit Eltern und die klaustrophobische Enge der Kleinstadtspießigkeit mit dem Hinweis darauf, dass sie selbst genau deswegen damals den Entschluss fasste, autark, emanzipiert, großstädtisch und umtriebig-reisefluchtsuchend, immerweitersuchend zu leben, sind da nur noch mal zarte Hinweise darauf, wer da schreibt, und dass man es sich als Leser knicken kann, von ihr kein politisches Statement zu erwarten, selbst wenn das manchmal ein wenig flammend ausfällt.
Die Szenen, die sie beschreibt, egal ob Privatparty oder ein Nachmittag am Grab Hafis, Tabriz, Basar, Busfahrt oder Warten als Qual für die Weltstürmerin und schließlich zarte Szenen in denen leise eine mögliche Liebesgeschichte anklingt, machen die vorliegende „Vermessung der persischen Welt“ zu einer Reiseerzählung, die ihrerseits in ebenjenen Myriaden von Nuancierungen schimmert, wie das Land und die Erfahrungen, welche die Autorin darin beschreibt. Reisekarte, Fotostrecke, Zeittafel und Glossar komplettieren mit dem Literaturverzeichnis das reiseliterarische Werk.
„Hätte ich für diese Erkenntnis so weit reisen müssen? Hätte ich das nicht schon längst wissen können? Ja und ja. Zwischen Wissen und Fühlen liegt ein Unterschied. Und der ist 5000 Kilometer breit.“ (230)
Der Reiseschriftsteller Andreas Altmann bringt es in seiner „Gebrauchsanweisung für die Welt“ auf den Punkt:
„Ein Reiseschriftsteller schenkt dem Leser einen Gedanken, der ihn zu anderen Gedanken verführt. Er benimmt sich wie ein gewiefter Fremdenführer, der einem Fremden die Fremde erklärt und ihn dabei immer tiefer in die Wunderlichkeiten und Verblüffungen der Welt blicken lässt. Schafft er das nicht nur Kraft seines Wissens, sondern auch dank seiner verführerischen Sprache, dann will man ihn, sprich sein Buch, nicht mehr loslassen.“ (Andreas Altmann, München 2012, S. 178)
Die Art und Weise, wie Nadine Pungs die Dinge, die Situationen, ihre Erlebnisse und Gefühle beschreibt, ist so dermaßen eindringlich, dass man als Leser zwischendurch abwechselnd schwer schluckt und schallend lacht. Das beginnt schon im ersten Kapitel der Taxirückfahrt zum Flughafen.
"Ich könnte sagen, dass sich meine schwarz-weißen Vorstellungen in tausendundeine Graustufe aufgelöst haben. Und wie mich der Iran berührte..."
Ihre Fragen sind immer auch wieder philosophische Fragen: Die Betrachtungen ihrer ersten Tage mit ihren Vermietern Omid und Yasemin sind sehr von ihrer bereitwilligen Annahme liebevoller Gastfreundlichkeit und Freundlichkeit generell getragen. Die Anekdote mit einem Taxifahrer, der sie aufgrund einer Straßensperrung zu Fuß zum Nationalmuseum begleitet, eine Tschadorträgerin, die für die Autorin einen günstigen Taxitarif heraus handelt, das Erlebnis des Nouruz-Festes, das sind alles Momente, in denen es für sie darum geht, ihr vorheriges Bild des Iran einer Revision zu unterziehen.
In ihrer Wutsuada "Für mich gibt es keinen Gott..." die wieder mit Fragen endet "Wo ist der Geist der Aufklärung? Wo ist der Humanismus?" verbindet den Reisebericht mit den ganz großen Fragen über die iranische Gesellschaft und den religiösen Faschismus.
Die Dramaturgie von "Das verlorene Kopftuch" lebt gerade davon, dass die Autorin virtuos zwischen Reisebericht, philosophischen Betrachtungen, Ausflügen in die politische Regimekritik mitsamt dessen religionsgesellschaftlichen Unmündigkeitsvorschriften und liebevoll-zärtlichen Tönen im zwischenmenschlichen Bereich hin und her wechselt und jedes Thema und Unterthema in seiner jeweiligen erzählerischen Melodie und Tonalität gleich einer Klaviersonate auf den Punkt präzise trifft. Ihren Ausflug in die Ruinenstadt Persepolis beschreibt sie in dem Kapitel „Stadt der Perser“:
„Die Ruinenstadt ist himmelschön, auch wenn viele Steintafeln, Reliefs und Statuen zerstört sind. Im ‚Saal der Hundert Säulen‘ reihen sich etliche Stümpfe. Die Wohnpaläste und das Schatzhaus sind verfallen, aber vorstellbar. Die Löwenköpfe, geschlagen aus goldgelbem Gestein, schleudern den Besucher zurück in vorislamische Zeiten. Hier atme ich Geschichte.
Nun ist es so, dass ich zu Sentimentalitäten neige – manch einer nennt es gar Theatralik – und solche Orte bringen mein Gemüt aus der Fassung. Wenn ich mir vorstelle, dass Alexander der Große genau hier, wo ich stehe, vor 2346 Jahren umherstolzierte und seine Füße denselben Boden berührten und seine Hände an derselben Säule entlangstreiften, dann reicht das locker für eine halbtätige Ergriffenheit. Das passiert mir grundsätzlich an allen geschichtsträchtigen Orten weltweit. Und so eine Ergriffenheit kommt den Museumsshop-Besitzern zugute. Denn in meiner Verzückung kaufe ich überteuerte Postkarten, Kühlschrankmagnete, Porzellanpüppchen oder Wandteller. In Versailles erstand ich aufgrund des Taumels ein hochpreisiges Sofakissen, dessen Polstermuster detailgetreu der Tapete in Marie Antoinettes Schlafzimmer nachempfunden war. Dazu einen kleinen Spiegel, eine Westentaschenuhr und ein gerahmtes Bild einer adeligen Frau. Ich weiß bis heute nicht, wer das ist.
In St. Petersburg mussten es vier Matroschkas sein, ein Kupferstich mit dem Portrait Katharina der Großen und eine Kaffeetasse auf der Putin abgebildet ist – mit entblößtem Oberkörper auf einem Bären reitend. An der Nordsee kaufte ich drei Muschelschatullen und eine Dose Erdbeertee, den ich nie trank und nach zwei Jahren wegwarf. Als ich den Vatikan besuchte, war ich fest entschlossen, einen Rosenkranz zu erwerben, obwohl ich Ketzer bin.
Ich denke also, wir können durchaus von einer Krankheit sprechen. Die museumsshopspezifische Oniomanie oder im Volksmund auch der melodramatische Kaufzwang genannt. In meinem Hirn knallt einfach eine Sicherung durch. Wie bei Verliebten. Dagegen bin ich machtlos.
Und während ich überlege, ob es von Alexander dem Großen und dem brennenden Persepolis nette Bettwäsche zu kaufen gibt, braut sich ein Unwetter zusammen. Ein Grollen in der Ferne, Blitze zucken am Himmel. Eine dunkelgraue Wolkenwand schiebt sich über die Ruinen. Satt und kalt fällt der Regen herab. Menschen hetzen durch den Schlamm, spannen Regenschirme auf, eilen vorbei an geköpften Säulen und wachenden Löwen. Schleier kleben auf nasser Haut, Wimperntusche zerläuft. Das Perserreich geht unter, versinkt in einer Sturzflut. Ein so epochales Bild an einem so epochalen Ort, dass mir die Augen übergehen. Ein Gemälde aus Trümmern und verregneten Leibern. Den einzigen Unterschlupf bietet der Museumsshop. Und ich kaufe mir ein Postkartenbuch.“ (135 ff.)Nadine Pungs legt mit ihrem Debüt "Das verlorene Kopftuch" eine fulminante Reiseerzählung hin, die ihresgleichen sucht. Für diejenigen, die wirklich wissen wollen, was und wie Persien heute ist und was es dem Reisenden an Möglichkeiten der Welterfahrung bieten kann: Uneingeschränkte Leseempfehlung!
Nadine Pungs: Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte. München 2018
EAN 978-3-89029-494-0
250 Seiten, Klappenbroschur
€ 16,00 - 8
- 12
- 24















