Bücher mit dem Tag "kriegsenkel"
26 Bücher
- Florian Huber
Hinter den Türen warten die Gespenster: Das deutsche Familiendrama der Nachkriegszeit
(6)Aktuelle Rezension von: HEIDIZDieses Buch erzählt authentisch lebendig beim Zusammenbruch des Dritten Reiches beginnend davon, wie Familie einfach wieder normal leben wollte. Der Alltag der Familien war nicht mehr der, wie er vor dem Krieg war, aber er sollte einfach wieder normal werden. Die Väter sollten nicht vom Krieg gezeichnet sein, sie sollten für ihre Familien keine Fremden sein und auch nicht für ihre Frauen. Straßenkrawalle waren schließlich an der Tagesordnung, weil man einfach nicht sprach, weil man schwieg und die Kinder in diesem Klima aufwuchsen.
Verschiedene Menschen, Charaktere werden beleuchtet, die jeder für sich von Florian Huber betrachtet wird. Kriegsheimkehrer, Schulkinder, Mütter .... Schicksale, die zu Herzen gehen. der Autor macht spür- und begreifbar, wie die Menschen damals zu denen wurden, die sie in Zeiten des Aufbaus waren, sie konnten dem praktisch nicht entfliehen. Die Geschichten bewegen - sie machen auch nachdenklich.
Das Buch ist mit einem edlen Lesebändchen versehen.
Das Buch gestattet einen Blick hinter die Kulissen der Nachkriegszeit und hinter die Charaktere, die diese Zeiten erlebten und durchlebten. Wundervoll geschrieben, emotional und informativ, glaubwürdig, lebendig, als wäre man dabei und in die Figuren blickend - fragend und erklärend. Der Autor hat sich mit der Psyche beschäftigt, das ist klar, ein wirklich rundherum gelungenes Buch !!! Sollte man gelesen haben.
- Matthias Lohre
Das Erbe der Kriegsenkel
(9)Aktuelle Rezension von: AnBaIch befasse mich bereits seit längerer Zeit mit dem Thema Kriegsenkel und habe etliche Bücher – auch die, die der Autor in seinem Buch erwähnt – gelesen.
Der Autor erzählt sehr offen seine eigene Geschichte und liefert dem Leser nebenbei viel Hintergrundwissen.
Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich mit dem Thema befassen möchte und nicht allein den psychologischen Blickwinkel erfahren möchte.
Das Buch ist schon deshalb empfehlenswert, weil es von einem Mann geschrieben wurde und so vielleicht männlichen Kriegsenkeln den Zugang zum Thema erleichtern kann.
- Miriam Meckel
Brief an mein Leben
(41)Aktuelle Rezension von: Tini2006
Miriam Meckel, Professorin der Kommunikationswissenschaften und irgendwie auch prominent, hat einen Burn Out erlitten. Das verwundert wenig, wenn man im Laufe des Lesens von BRIEF AN MWEIN LEBEN quasi zwischen den Zeilen erfährt, welche Prioritäten die Dame so in ihrem Alltag setzt, was ihr wichtig ist und wie sie ihr Leben gestaltet. Berufliche Erfolge stehen über privaten Agenden; Termine reihen sich aneinander, sie ist ständig unterwegs. Damit ist sie sicherlich in dieser beruflichen Liga keine Ausnahmeerscheinung. Allerdings hat sie das Pech, dass ihre Seele da nicht mitspielt und ein Burn Out die Folge ist. In einer speziellen Klinik soll sie im Rahmen einer Reha-Maßnahme nun lernen, damit umzugehen, zur Erkenntnis zu gelangen und Vorfälle wie diese künftig zu verhindern, in dem sie lernt, ihre eigenen Bedürfnisse mehr zu berücksichtigen.
Wie lernt jemand, der sich nicht zu spüren scheint, seine Wünsche und Bedürfnisse wahr zu nehmen? Wie gelingt es einem Menschen, für den beruflicher Erfolg über allem zu stehen zu scheint, auch mal auf die Bremse zu treten und sich dem Privatleben zu widmen? Und: würde diesen Menschen sein Privatleben überhaupt genauso erfüllen wie sein Beruf?
Antworten auf diese Fragen habe ich in diesem Buch sicher nicht erhalten, ganz im Gegenteil - all diese Fragen keimten im Laufe des Lesens überhaupt erst auf. M. Meckel präsentierte sich mir als abgehobene Intellektuelle, die sich lieber in philosophische Ausführungen flüchtet, als eine echte Auseinandersetzung mit sich selbst zu suchen. Seite um Seite wirft sie ein Thema nach dem anderen auf; Themen, die sich auf die Politik im Lande beziehen, auf Kommunikation, auf andere Personen - sehr, sehr wenig aber auf ihr eigenes Leben. Wirr und in vollkommenem Durcheinander, wie Gedankensprünge, reihten sich diese Abhandlungen aneinander, was das Lesen teilweise mühsam machte. Einen roten Faden gab es nicht.
Ich kannte Miriam Meckel vorher nur dem Namen nach. Nach dem Lesen dieser Lektüre ist sie mir noch fremder. In BRIEF AN MEIN LEBEN wirkt sie sehr unpersönlich und unnahbar. Wieso sie ihre Aufzeichnungen, die sie während ihres Klinik-Aufenthalts niederschrieb, veröffentlichte, ist mir ein Rätsel. Anderen Burn Out Opfern hilft dieses Buch sicher nicht weiter. - Christine Drews
Sonntags fehlst du am meisten
(53)Aktuelle Rezension von: buecherwurm1310Caro war das Lieblingskind ihres Vaters, doch durch einen schlimmen Streit ist ein Bruch entstanden und sie haben keinen Kontakt mehr. Nun steht die Goldhochzeit ihrer Eltern bevor. Wird es einen Weg zu einer Versöhnung geben?
Ich habe schon einige Bücher der Autorin Christine Drews gelesen, die mich immer überzeugt haben. Daher habe ich auch dieses Buch lesen wollen.
Caros Vater Karl gehört der Kriegsgeneration an. Diese Generation hat Schreckliches erlebt und musste früh Verantwortung übernehmen. Auch Karl hat für Mutter und Geschwister gesorgt und sich aus dem Nichts etwas aufgebaut. Aber eines hat diese Generation meist nicht, nämlich über das geredet, was sie erlebt haben und dieses „Probleme-nicht-ansprechen“ setzt sich in der nächsten Generation fort.
Caros Leben verläuft nicht so gradlinig wie sich das der Vater gewünscht hätte. Es hat ihr an nichts gefehlt, der Vater wollte immer nur das Beste für seine Tochter, doch leider war er fast nie da. Caro wollte es allen recht machen und hat sich dabei verloren. Ihr kleiner Sohn hat es auch nicht einfach, denn Caro ertränkt ihre Probleme im Alkohol. Ihre Sucht hat sie inzwischen im Griff und sie scheint wieder Boden unter den Füßen zu haben, wozu ihr Freund Jakob beiträgt. Der Streit mit ihrem Vater belastet sie allerdings.
Dann begegnet Caro Frau Schneiders und durch ihre Erzählungen versteht Caro plötzlich, wie all das Unausgesprochene zwischen ihrem Vater und ihr steht. Eine Versöhnung erscheint ihr nun möglich.
Diese Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen und durch die Rückblenden in die Vergangenheit konnten wir Caro und ihren Vater gut kennenlernen und ihr Verhalten nachvollziehen.
Es ist ein Buch, das berührt und zum Nachdenken anregt.
- Susanne Benda
Dein Schweigen, Vater
(49)Aktuelle Rezension von: Ralf-M-RuthardtSusanne Bendas Dein Schweigen, Vater ist ein stilles, eindringliches Buch über die langen Schatten von Krieg, Vertreibung und familiärem Schweigen. Im Zentrum stehen Maria und Uli, die sich im Alter auf die Suche nach der Geschichte ihres Vaters Paul machen — eines Mannes, der als Zwölfjähriger 1945 aus seinem Leben in Brünn gerissen wurde und über seine Erlebnisse kaum sprechen konnte. Der Roman greift damit ein historisch und emotional schwieriges Thema auf: den Brünner Todesmarsch und die Folgen für die Betroffenen und ihre Nachkommen.
Besonders stark ist das Buch dort, wo es zeigt, dass Schweigen nicht leer ist, sondern sich auf Kinder und Enkel überträgt. Die Autorin erzählt einfühlsam, ohne reißerisch zu werden, und macht nachvollziehbar, wie unverarbeitete Traumata eine Familie prägen können. Die Spurensuche der Geschwister ist berührend, stellenweise bedrückend, aber nie sentimental überladen.
Einen Stern Abzug gibt es für mich, weil manche Passagen etwas ausführlicher geraten sind und der Erzählfluss nicht durchgehend gleich stark bleibt. An einigen Stellen hätte ich mir noch mehr Verdichtung oder Zuspitzung gewünscht. Dennoch ist Dein Schweigen, Vater ein lesenswertes, sorgfältig erzähltes Debüt, das nachwirkt und einen Teil der Geschichte beleuchtet, über den lange zu wenig gesprochen wurde.
- Volker Pesch
Der letzte Grund
(16)Aktuelle Rezension von: wiechmann8052Ein altes Segelschiff liegt versenkt im Rostocker Hafen. An Bord ein unbekannter Toter, er ist aber nicht der den man an Bord erwartet hatte. Doro, die Kriminalhauptkommissarin hat alle Hände voll zu tun um ihren eigenem Anspruch gerecht zu werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, so viele Ansätze für das Motiv und so wenig Zeit, denn es ist Hanse Sail. Die Politik macht Druck, vor allem weil es noch eine zweite weitaus gefährlichere Baustelle innerhalb der Polizei gibt.
Dieser Krimi war gut, einfach nur gut. Am ersten ist mir aufgefallen, dass der Autor Wert auf Informationen neben der Story legt, Wir erfahren etwas über Schiffe, ihre Vergangenheit und technische Einzelheiten, nicht wichtig für die Geschichte aber sie runden das Ganze perfekt ab. Genauso ist es mit dem Thema Kriegsenkel und Trauma Erfahrungen. Es sind nicht viele Informationen aber genug, damit man neugierig wird und sich vielleicht darüber hinaus informiert. Könnte interessant werden. Genauso legt er Wert auf den sensiblen Umgang mit allen Figuren in diesem Roman, zu mindestens habe ich es so empfunden. Der Respekt untereinander, auch die Spitznamen vermitteln einen freundlichen Umgang mit einander. Tote werden nicht anhand ihrer Verletzungen beschrieben sondern es gab Beschreibungen wie, ein gepflegter Haarschnitt, vor kurzem rasiert. Es war sehr sensibel und überaus spannend erzählt.
Der Spannungsbogen setzte eine Rückwärtsspirale in Gang, es gab Ursachen in der Vergangenheit, wo Schweigen ein ganz großes Thema war.
Ich hoffe der Autor schreibt noch mehr Bücher mit Doro Westkamp als Kommissarin.
- Sebastian Schoepp
Seht zu, wie ihr zurechtkommt: Abschied von der Kriegsgeneration
(3)Aktuelle Rezension von: solveigEines Tages steht vermutlich jeder vor der schweren Entscheidung: wie werden meine alten Eltern am besten versorgt, wenn sie nicht mehr allein in ihrem bisherigen Zuhause leben können? Sebastin Schoepp, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, muss diese Frage klären, als er gerade im Begriff ist, die Karriereleiter emporzusteigen und als Korrespondent nach Südamerika zu ziehen. Schweren Herzens entschließt er sich, zu verzichten und stattdessen die Pflege seiner Eltern zu organisieren, zunächst in ihrem eigenen Haus, später im Heim. Bürokratie, fehlende Pflegekräfte, die Suche nach einem geeigneten Heim -sehr anschaulich beschreibt er seine „Odyssee durchs Gesundheitssystem“, die jeder durchaus so nachvollziehen kann, der sich schon einmal in einer solchen Lage befunden hat.
Doch nicht allein die Sorge um die Pflege von Vater und Mutter und das Wissen um den nahenendgültigen Abschied treibt Schoepp um. Erst jetzt wird ihm eine gewisse gefühlsmäßige Distanz zu seinen Eltern richtig bewußt. Woher kommt sie? Die Eltern haben nie viel von ihrer Vergangenheit erzählt, und so versucht Schoepp nun, in vorsichtigen Gesprächen und aus alten Dokumenten und Briefen, die er auf dem Dachboden des Elternhauses entdeckt, mehr über ihre Kindheit und Jugend zu erfahren. Seine Recherchen bleiben lückenhaft. Dazu kommen Überlegungen, ob und inwieweit er das Recht dazu habe, mit seinen Fragen schlimme Erinnerungen an Krieg und Gefangenschaft auszulösen, während sie vermutlich ihre Erfahrungen jener Zeit verdrängen wollten. Immerhin gehören seine Eltern zu den letzten Zeitzeugen. Welche „Altlasten“ hat er als Sohn zu tragen?
Auf eine ansprechende, sehr direkte Art widmet sich Schoepp gleich zwei komplexen Themen, die jedes für sich Gewicht haben. Ein umfangreiches Register gibt weitere Literatur-Empfehlungen für Leser, die sich darüber hinaus informieren möchten.
- Bettina Alberti
Seelische Trümmer
(2)Aktuelle Rezension von: RosiJoIn diesem Buch läst Bettina Alberti Erwachsene zu Wort kommen, die in der Nachkriegszeit geboren sind. Man bekommt einen Einblick unter welchen Traumatas Deren Eltern nach dem Krieg leiden. Es war sehr aufschlussreich und anschaulich erklärt, dennoch hätte ich auch erwartet , dass berichtet wird, wie die Nachkriegsgeneration mit den Lebensverhältnissen um geht, wie z.B. Wiederaufbau, Wohnungs und Lebensmittelknappheit.Es wird allerdings fast nur beleuchtet, unter welchen Traumatas ihre Eltern leiden und das weitere Leben der ganzen Familie beeinflussen.
Mir hat es sehr gut gefallen, dass Betroffene selbst zu Wort kamen. Es gab viele Fallbeispiele und Erklärungen. Auch wurde nochmal psychologisch erklärt, was ein Trauma ist .Dennoch hatte ich das Gefühl, dass eher die Kriegsgeneration eine große Rolle spielen anstatt die Nachkriegsgeneration.
- Johannes Böhme
Das Unglück schreitet schnell
(3)Aktuelle Rezension von: Viv29Der Gedanke des Buches - eine Annäherung an zwei Menschen durch ihre Briefe, zwei Schicksale vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges und der Hölle von Stalingrad - hat mir ausnehmend gut gefallen. Jeder, der sich eingehender mit den eigenen Vorfahren beschäftigt hat, kennt sicher das Gefühl, wenn man sich anhand weniger vorliegender Informationen versucht, ein Bild über diese zu machen.
Leider hat mir die Umsetzung in diesem Buch nicht zugesagt. Das liegt weniger an der Geschichte an sich, denn immer, wenn der Autor sich seiner Großmutter und ihrem ersten Mann widmet, von ihnen und ihren Lebensumständen berichtet, ist es interessant, gewährt einen anschaulichen, persönlichen Blick. Leider aber werden Anny und Hermann in ihrer eigenen Geschichte zu Randfiguren. Das mag daran liegen, daß dem Autor nicht viel Material vorliegt - er berichtet häufig von offenen Fragen und Unklarheiten, stellt Vermutungen an, stellt sich selbst viele Fragen (die eher seitenfüllend als für den Leser relevant sind). Allerdings hätte das vorhandene Material durchaus für ein interessantes Buch gereicht. Leider aber besteht mehr als die Hälfte der 400 Seiten aus einer minutiösen Darstellung der Kriegsereignisse, an denen Hermann beteiligt war - und häufig auch aus Ereignissen, an denen er nicht beteiligt war. Das ist ausgezeichnet recherchiert (was auch eine lange Literaturliste am Ende beweist) und dafür hat der Autor meinen ganzen Respekt, denn so detailliert habe ich die Ereignisse bisher nicht in einem Buch gefunden. Allerdings habe ich dieses Buch nicht gekauft, um den Kriegsverlauf zu recherchieren, sondern um etwas über die Geschichte von Anny und Hermann zu erfahren. Natürlich ist der historische Kontext relevant, natürlich gehören Fakten dazu, wenn man etwas über Hermanns Leben an der Front erfahren, es verstehen möchte. Aber hier überlagern die viel zu detaillierten Hintergrundinformationen die eigentliche Geschichte, man liest über weitere Strecken hier eher ein Geschichtsbuch und das ist am Thema absolut vorbei. Auch sind die Informationen in dieser Ausführlichkeit für Recherchen interessant, aber als Lektüre viel zu ausgewalzt. Über Anny und Hermann erfahren wir viel zu wenig, während die Kriegsberichte in Details ertrinken.
Der Schreibstil liest sich eigentlich angenehm, aber die experimentell-poetischen Abschnitte paßten für mich weder zum Geschehen noch lasen sie sich gut. Wenn der Autor Lied- oder Gedichttexte zitiert und nach jeder Zeile seine Gedanken einschiebt, wenn er Ausschnitte aus anderen Kriegsbriefen auseinandergerissen aneinanderreiht, wenn er sich in blumigen Beschreibungen der Landschaft ergeht, dann fand ich das anstrengend und etwas zu gewollt.
Mehrere Bilder aus dem Besitz der Großmutter illustrieren ihre Geschichte. Auch hier: eine gute Idee, aber die Bilder sind durchweg so klein, daß man kaum etwas erkennen kann. Meistens sieht man eine unscharfe Gestalt vor einem Hintergrund, ein Bild ist eine Steppenlandschaft (nehme ich an), die letztlich nur aus diversen Grauschattierungen besteht und mangels Erkennbarkeit nichts aussagt. Die Bilder sind symptomatisch für das Buch: vom Gedanken her ausgezeichnet, aber letztlich zu vage und nicht gut umgesetzt.
So verging mir das Lesevergnügen leider zunehmend - nur das Ende ist wieder berührend und persönlich. Es zeigt, wie das Buch gewonnen hätte, wenn es sich auf seine eigentliche Geschichte konzentriert und nicht zum ausführlichen Frontbericht geworden wäre.
- Detlef M. Plaisier
Bubis Kinnertied. Tüsken Wieken un Wullgras
(11)Aktuelle Rezension von: HarpoDie Originalgeschichte, welche aus den sogenannten Memoiren des Vaters des "Autors", bezogen wurde, hätte eigentlich das Potential zu einer wahrhaft erzählenswerten sein können. Leider macht es der Autor - wir mögen ihn so nennen - einem unmöglich die Geschichte zu genießen. Der Grund: Langweilig und überaus langatmig erzählt. Dazu auch noch schriftstellerisch wenig ausgereifte Stil, der es fast schon zum Kraftakt macht, sich durch das Ganze durchzuarbeiten.
Nationalsozialistische Täterschaften: Nachwirkungen in Gesellschaft und Familie (Reihe Neuengammer Kolloquien)
(1)Noch keine Rezension vorhanden- Norbert Lebert
Denn du trägst meinen Namen
(15)Aktuelle Rezension von: lucky_snakesIm Abstand von ca 40 Jahren haben die beiden Autoren (auch Vater und Sohn) die Kinder von Nazigrößen besucht, um festzustellen, wie diese im Deutschland der 50er/90er Jahre so leben. Ich fand dies sehr interessant zu lesen, vor allem die unterschiedlichen Varianten der "Kinder" mit der Last ihres Namens umzugehen (und doch erschreckend, dass es zum Teil gar keine Last war) - Traudl Bünger
Eisernes Schweigen
(1)Aktuelle Rezension von: Ruth
Traudl Bünger, 1975 geboren, ist eine deutsche Autorin und promovierte Kulturschaffende. In ihrem neuesten Buch „ Eisernes Schweigen“ beschäftigt sie sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte.
Ihr Vater war Anfang der 1960er Jahre Doktorand der Chemie und mit seinem Zwillingsbruder zusammen verstrickt in einen terroristischen Anschlag.
Zu dieser Zeit war der Südtirol-Konflikt ein großes Thema. Nach dem Zweiten Weltkrieg hofften viele Südtiroler, wieder österreichisch zu werden. Sie fühlten sich seit Jahren unterdrückt von der Regierung Italiens und die rechte Szene in Deutschland solidarisierte sich mit der Unabhängigkeitsbewegung in Südtirol. So auch Heinrich Bünger. Er baute Zeitzünder für Sprengsätze und ließ auch, zusammen mit anderen Männern, eine Bombe in einem italienischen Bahnhof hochgehen. Doch statt wie geplant nachts zu explodieren, wenn niemand mehr am Bahnhof war, ging die Bombe am Nachmittag des 20. Oktober 1962 hoch. Der Zeitzünder hatte versagt, ein Mann kam dabei ums Leben.
18 Jahre lang zog sich das Verfahren gegen ihren Vater hin. Ein Urteil über dreieinhalb Jahre Haft wurde wieder aufgehoben. Letztendlich musste der Vater für seine Tat nie büßen.
Die Tochter wusste um das rechtsnationale Gedankengut ihres Vaters. Daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Doch über dieses Attentat und seine Beweggründe hat er zeitlebens geschwiegen. „ Eisernes Schweigen“ nennt Traudl Bünger deshalb auch dieses Buch, bei dem sie versucht, nach dem Tod des Vaters, mehr über die Hintergründe zu erfahren.
Vier Jahre dauert ihre Recherche. Dafür hat sie sich in Archive vergraben, Hunderte von Akten durchsucht, Briefe, Protokolle und Gerichtsurteile gelesen. Aber auch Zeugen befragt, darunter den Zwillingsbruder ihres Vaters, der sich damals, um der Strafverfolgung zu entziehen, nach Südafrika abgesetzt hat. Herausgekommen ist ein über 360 Seiten starkes Buch, das sehr genau und detailliert das Ergebnis ihrer Suche zusammenfasst.
Dabei geht es natürlich auch oft um ihre persönliche Beziehung zum Vater. Denn einerseits war Heinrich Bünger ein verlässlicher Vater, einen, den sie geliebt hat. Gleichzeitig hat sie in ihm das gesehen, was er war: „ ein Rechtsradikaler, ein Täter“. Mit diesen widersprüchlichen Gefühlen gilt es fertig zu werden.
Was Traudl Bünger ebenfalls beschäftigt und was auch ich interessant finde, ist die Frage, warum die Einstellung ihres Vaters nicht auf sie abfärben konnte. Eine genaue Erklärung dafür hat sie nicht, aber eine ungefähre Ahnung: Sie ist zu einer ganz anderen Zeit aufgewachsen als ihr Vater. Die gesellschaftliche Haltung zum Nationalsozialismus war eine völlig andere. Man kannte „ Das Tagebuch der Anne Frank“ und im Fernsehen lief, mit großem Medienrummel begleitet, die amerikanische Serie „ Holocaust“. Ihr Umfeld war sehr kritisch eingestellt. Aber am prägendsten in dieser Hinsicht war die Haltung ihrer Mutter. Die hatte zwar nie mit dem Vater diskutiert und ist ihm auch nie ins Wort gefallen, wenn er sein rechtes Gedankengut verbreitet hat. „ Aber sie hatte ein Gegenmittel: Mitgefühl“. Da man weiß, dass das Verhalten der Eltern größere Auswirkungen hat als all ihr Gerede, ist dieses Argument stichhaltig.
Das Buch wechselt beständig zwischen verschiedenen Text- und Tonarten hin und her. Mal sachlich nüchtern werden Fakten zusammengetragen, werden Dokumente zitiert und ausführlich die Recherchearbeit geschildert. Dann wird es emotionaler, wenn sie versucht, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihres Vaters hineinzuversetzen. Wobei sie hier nur spekulieren kann, denn sein beharrliches Schweigen machen verlässliche Aussagen unmöglich. Solche Passagen wären deshalb entbehrlich gewesen.
Interessanter dagegen sind Traudl Büngers Überlegungen zum Umgang des deutschen Staates mit der rechtsradikalen Szene, die sprichwörtliche Blindheit auf dem rechten Auge. Ganz offen konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die rechte Szene organisieren und vernetzen.
Allerdings ist nicht jeder Gedankengang der Autorin nachvollziehbar, manche Bezüge erscheinen zu gewollt. Und, mein Hauptkritikpunkt, das Buch ist viel zu ausführlich. Nicht jedes Detail ihrer Nachforschung hätte so explizit geschildert werden müssen. Dem Buch hätte eine deutliche Straffung gutgetan.
Empfehlen möchte ich den achtteiligen Doku-Podcast des WDR mit Informationen und Hintergründen des Attentates, nachzuhören in der ARD- Mediathek.
- Maria Bachmann
Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast
(12)Aktuelle Rezension von: abuelitaMaria Bachmann wuchs in Bürgstadt auf. Die gelernte Arzthelferin und Krankenschwester absolvierte von 1987 bis 1989 in Hamburg ihre Ausbildung zur Schauspielerin, war Moderatorin bei Radio Hamburg und nahm Schauspielunterricht in Los Angeles. Bekannt wurde sie 1992 durch den Werbespot …dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. 1995/1996 spielte sie die Hauptrolle in der Sitcom Die Viersteins.
In ihrem Buch Panikrocker küsst man nicht schildert sie ihre Suche nach beruflichen Perspektiven und ihre Beziehung zu Udo Lindenberg.
In diesem Buch aber geht es um die Kindheit von Maria Bachmann in der süddeutschen Provinz der 60iger und 70iger Jahre. Viele der gleichen Generation werden durch dieses Buch auch wieder an Ihre eigene Kinder- und Jugendzeit erinnert. So ging es auch mir – die Sätze „Was sollen die Leute denken“ oder „das gehört sich nicht“ sind auch mir noch geläufig.
Bei Bachmanns wurde wenig geredet und die Eltern - der Vater, ein später Kriegsheimkehrer und ihre depressive Mutter – liebten zwar ihr „Mädle“ wohl, konnten aber mit ihrem Freiheitsdrang wenig bis nichts anfangen und wussten auch damit überhaupt nicht umzugehen. Was wiederum zur Folge hatte, dass Maria erst recht ausbrechen wollte und sich immer mehr nach etwas sehnte, das sie selber gar nicht genau benennen konnte.
Das hat dann auch sehr lange gedauert in ihrem Leben, bis sie darüber Bescheid wusste und in langen Therapien lernte, sich selbst – und dann auch ihre Eltern – anzunehmen.Es ist ein Buch, das bewegt, das nachdenklich macht, das einen „mitnimmt“ und da der Schreibstil auch flüssig und angenehm ist, war diese Biografie wirklich sehr schön zu lesen.
- Angela Findlay
Im Schatten meines Großvaters
(1)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerAngela Findlay ist in England aufgewachsen, hat aber deutsche Wurzeln. Diese Tatsache beinhaltet eine große Bürde, die Angela unbewusst niederdrückt. Angelas Mutter hat ein Foto auf dem Schreibtisch stehen, das für sie liebevolle Erinnerung bedeutet, bei anderen aber Abscheu und Ekel hervorruft. Es zeigt Angelas Großvater als Soldat in Uniform - nicht irgendwen in irgendeiner Uniform, sondern die eines mehrfach ausgezeichneten Generals der Wehrmacht.
Angela fühlt sich seltsam zerrissen, von Schuldgefühlen geplagt und geht der Frage nach in wieweit die Generation der Nachkriegsgeborenen und deren Nachkommen heute noch die Narben derer tragen, die in der dunkelsten Zeit unserer Vergangenheit gelebt und gewirkt haben.
Es folgt eine tiefsinnige und feinfühlige Aufarbeitung der Familiengeschichte, die Angela immer wieder vor herausfordernde Fragen stellt, den Großvater in ein anderes, neues Licht rückt und sich mit der Frage befasst, ob und wieweit Schuld und Sühne von den Nachkriegsenkel:innen getragen werden muss. Ein schweres Erbe, das die bis 1975 Geborenen mit sich tragen, da die Fragen, die sie stellen möchten, meist ungehört bei denjenigen verhallen, die sie beantworten könnten. Oder nicht mehr gestellt werden können, da die Zeitzeug:innen nicht mehr leben.
Das Buch liest sich wie ein aufwühlender Krimi, bietet eine ebenso kleinteilige Recherchearbeit, um das Große und Ganze in kleinen Stücken, bestehend aus Briefen und Fotos, zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, das psychologisch komplex und voller tiefgreifender Erkenntnisse ist. Scham und (vererbte) Schuld, Vergebung und Frustration, Vorurteile und verinnerlichte Glaubenssätze, die zu unverarbeiteten Traumata werden, machen dieses Buch zu einer intensiven Lektüre, die sehr ehrlich und direkt eine Thematik aufgreift, die aktueller denn je ist.
Sprachlich sehr ausgefeilt und eindringlich formuliert, geht dieses Buch unter die Haut und hallt lange nach. - Katharina Ohana
Ich, Rabentochter
(5)Aktuelle Rezension von: MarielTolle berührende Geschichte, die mich sehr berührt, bewegt und inspiriert hat. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Wow! Auch die Sprache hat mich sehr berührt und begeistert. Gerne würde ich die Autorin kennenlernen.
- Claudius Crönert
Spieler - Gegenspieler: Eine Deutsch-Deutsche Nachkriegsgeschichte
(2)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeDas Hörbuch hat mich positiv überrascht.
Der Autor und Journalist Claudius Crönert erzählt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland anhand von 24 Porträts. Konrad Adenauer ist dabei und Helmut Schmidt, Angela Merkel und Helmut Kohl. Jedes Porträt wird erzählt in etwa 30 Minuten.1. September 2025
- Sacha Batthyany
Und was hat das mit mir zu tun?
(26)Aktuelle Rezension von: Lesekatze22Sacha Batthyany entstammt einem alten ungarischen Adelsgeschlecht und begibt sich, nachdem er die Tagebuchaufzeichnungen seiner verstorbenen Großmutter gelesen hat, auf die Spuren seiner Familiengeschichte. Dabei stößt er auch auf ein erschütterndes Familiengeheimnis.
All das verarbeitet er in seinem Buch "Und was hat das mit mir zu tun? - Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie."
Er recherchiert, besucht gemeinsam mit seinem Vater Orte, die mit der Familiengeschichte zusammenhängen, findet jüdische Nachfahren der Familie, die für seine begüterte Familie gearbeitet hatte, bekommt heraus, wie deren Vorfahren starben.
Über all dem steht die Frage, ob ich zum Täter werde, wenn meine Eltern, Großeltern es waren oder andersherum bleibe ich ein Opfer, wenn meine Vorfahren es waren?
Sind wir für die Taten unserer Ahnen verantwortlich? Wohl kaum. Aber wir können von der Vergangenheit lernen und aufpassen, dass wir oder unsere Nachfahren nicht zu Tätern werden.
Eine wichtige, interessante Geschichte über Familie und Schuld.
Allein der Schreibstil, besonders die fiktiven Szenen haben mich nicht abgeholt.























