Bücher mit dem Tag "kriegsgefangenschaft"
45 Bücher
- Jussi Adler-Olsen
Das Alphabethaus
(560)Aktuelle Rezension von: Catarina90„Das Alphabethaus“ von Jussi Adler-Olsen erzählt die Geschichte zweier britischer Piloten, die sich im Zweiten Weltkrieg als SS-Offiziere ausgeben und in einer Nervenheilanstalt untertauchen. Die Grundidee ist stark und gut recherchiert, besonders der erste Teil im Krieg bietet spannende Ansätze. Allerdings wirkt die Handlung stellenweise konstruiert, langatmig und nicht immer ganz plausibel – vor allem im späteren Teil, der Jahrzehnte danach spielt. Man merkt, dass es sich um ein Frühwerk handelt: interessant, aber erzählerisch noch nicht auf dem Niveau der späteren Thriller. Insgesamt lesbar, aber eher Durchschnitt – daher 3 von 5 Sternen.
- Anne Jacobs
Die Töchter der Tuchvilla
(272)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeMarie hat ihren Paul geheiratet und auch Pauls Schwestern Kitty und Elisabeth sind glückliche Ehefrauen. Aber dann bricht der 1. Weltkrieg aus und nicht nur, dass die Männer an die Front müssen, auch daheim wird das Leben immer schwieriger. Die Lebensmittel sind knapp, die Fabrik steht still, die Tuchvilla selbst wird zum Lazarett und jeden Tag wächst die Angst vor schlechten Nachrichten.
Im 2. Teil der Reihe begleitet der Leser unterschiedliche Charaktere mit den verschiedensten Lebensgeschichten. Er erlebt nicht nur das Leben in der Tuchvilla, sondern auch das der Familienmitglieder drumherum. Auch einige Angestellte rücken stärker in den Fokus. Dadurch bleibt es abwechslungsreich und man bekommt einen besseren Blick auf das gesamte Geschehen. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, es wird nie zäh oder langatmig. Nicht jede Storyline ist gleich spannend und manchmal möchte man gerne zu bestimmten Themen schneller zurückkehren, aber man möchte auch keinen Handlungsstrang missen. Marie selbst gerät als Protagonistin leider ein kleines bisschen mehr in den Hintergrund und hätte gerne etwas mehr Raum im Buch haben dürfen. Ihre Liebesgeschichte kann der Leser hauptsächlich in Briefform mitverfolgen, durch den regen Briefverkehr den sie mit ihrem Mann Paul während seiner Zeit an der Front unterhält. Eine gut gestaltete Abwechslung im Buch.
Mein Fazit: Mir hat der 2. Teil der Reihe fast besser als Teil 1 gefallen, da es nicht mehr ganz so realitätsfern zugeht und das Buch trotz seiner Länge sehr abwechslungsreich gestaltet ist. Die Vielzahl der unterschiedlichen Erzählstränge macht das Buch um ein Vielfaches interessanter. Nun freue ich mich definitiv auf Teil 3.
- Tina Dreher
Die Leopardin
(357)Aktuelle Rezension von: Mike_LeseratteEs geht um die Britische Agentin Flick, die unter widrigen Umständen mit ihrem Team eine entscheidende deutsche Fernmeldezentrale in Frankreich zerstören soll. Doch dabei ist ihr der deutsche Dieter Franck immer scharf auf der Spur.
Es ist super spannend geschrieben und auch einfallsreich, über welche verschiedenen Methoden Verfolger abgehängt, Dinge verborgen und Ziele erreicht wurden. Natürlich wirkt es besonders an einigen Stellen unrealistisch, wie viel Glück im Spiel ist, doch das fällt nicht wirklich auf. Es ist vor allem aber auch interessant, wie viel Recherche dahinter steckt. Über die Technik die verbaut ist, die Waffen, die Flugzeuge und den ganzen Ablauf von solchen Missionen und alles. Es wirkt dadurch sehr realistisch und könnte genau so in der Realität passiert sein. Für mich sollte ein Buch über eine Spionin genau so sein.
- Stephanie Schuster
Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt
(202)Aktuelle Rezension von: Buchwurm05Inhalt:
1953. Endlich geht es in Deutschland wieder aufwärts. Die mageren Jahre sind vorbei. Während Luise von einem eigenen Laden träumt, nehmen Luises Brüder die heimatvertriebene Marie bei sich auf dem Bauernhof auf. Helga, die aus reichem Haus stammt, flüchtet vor ihren Eltern und beginnt eine Ausbildung als Krankenschwester in der Geburtsklinik von Dr. von Thaler. Durch ein Missverständnis zieht sie den Zorn von dessen Gattin Annabel auf sich. Jede versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Noch wissen sie nicht, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen werden.....
Leseeindruck:
"Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" ist der erste Band einer Trilogie. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Luise, Marie, Helga und Annabel geschrieben. So konnte ich sie nach und nach besser kennenlernen und wurde tief in die Geschichte hineingezogen. Es hat mich gut und kurzweilig unterhalten, ihren Lebensweg zu verfolgen. Ich habe es bewundert, wie sie das Beste aus ihrer Situation gemacht und immer wieder Mut gefasst haben. Dabei kam es gerade zum Ende hin auch zu Szenen, die ich so nicht erwartet habe. Auf der einen Seite wurde es nicht langweilig und es gab für mich unerwartete Wendungen. Auf der anderen Seite, hat das gar nicht zu den Figuren gepasst. Auch, wenn das jeweils in Ausnahmesituationen geschehen ist, kam mir persönlich das etwas zu unerwartet.
Fazit:
"Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert. Es ist eher ein leichter Roman, bei dem ich mich schnell in die Figuren hineinversetzen konnte. Von mir gibt es eine Leseempfehlung. - Christian Berkel
Der Apfelbaum
(182)Aktuelle Rezension von: KleinerVampirBuchinhalt:
Als bei seiner Mutter eine Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert wird und ihre Erinnerungen und Gedanken immer verworrener werden, beschließt der Autor, seine Familiengeschichte zu rekonstruieren – im Grunde geht es um seine Eltern Sala und Otto, die in den 1920er Jahren aufeinandertreffen. Durch Salas jüdische Herkunft werden Holocaust und Internierung ein Thema, Otto als Arbeiterjunge gerät zunächst ins kriminelle Milieu, studiert später Medizin und gerät letztendlich in Kriegsgefangenschaft, vergisst Sala aber nie....
Persönlicher Einrduck:
Ich schätze Christian Berkel als guten Schauspieler, der mir aus der Krimiserie „Der Kriminalist“ bestens bekannt ist, daher war ich gespannt, inwieweit er sich inzwischen einen Namen als Autor gemacht hat. In seinen familienbiografisch inspirierten Roman „Der Apfelbaum“ breitet er die Geschichte seiner Familie während der Zeit des Zweiten Weltkriegs aus und legt den Fokus auf seine Eltern Sala und Otto.
Basis für diese Suche nach den Wurzeln ist die Alzheimer-Erkrankung der inzwischen betagten Mutter, so dass alte Fotoalben und mannigfaltige Erinnerungen Grundlage für seine schriftstellerische Arbeit liefern.
Sala entstammt einer intellektuellen Familie des Großbürgertums, die Mutter Jüdin, der Vater Lebensreformer und homosexuell. Otto hingegen ist ein Berliner Arbeiterkind, kommt aus einer ganz anderen sozialen Schicht und lernt durch einen Zufall Sala kennen und lieben. Als die Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg ein Thema wird, geraten beide in den Strudel der politischen Ereignisse und während Sala sich nicht als Halbjüdin fühlt, die Tatsache aber nicht leugnen kann, wird Otto, der irgendwann Medizin studiert, als Arzt in den Krieg eingezogen.
Das klingt alles erst mal vielversprechend – wären nicht die konfusen und optisch nicht offensichtlichem Sprünge in der Erzählung. Mal ist die Handlung von früher, mal in der Gegenwart – man kommt irgendwann gar nicht mehr mit und das Lesen gestaltet sich mühselig und ermüdend.
Otto war die einzige Figur, die meines Erachtens interessant war. Leider spielte er auf weiten Strecken der Geschichte überhaupt keine Rolle. Sala hingegen war mir nicht wirklich sympathisch.
Wie Otto, der nie Geld hatte, sich plötzlich ein Medizinstudium leisten konnte, wird auch nie erklärt. Fragen über Fragen, Wirrnis am laufenden Meter.
Ich habe das Buch nach ca. einem Drittel abgebrochen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass die Handlung irgendwann noch auf einen grünen Zweig kommt. Besagter Apfelbaum aus der Kindheit des Autors findet auch zwei Mal Erwähnung, hatte aber irgendwie keinen Sinnzusammenhang mit dem Erzählten, so dass ich mir letztendlich dachte: was soll das Ganze? Es war im Grunde eine Abrechnung mit den Erlebnissen seiner Vorfahren, die Berkel am besten für sich selbst gemacht hätte aber nicht unbedingt als Buch herausbringen hätte müssen. Mich hat die Geschichte jedenfalls nicht gefesselt, die Figuren waren unnahbar und die Lesezeit für dieses Werk sicherlich anderweitig besser investiert.
Da ich das Buch aus einem öffentlichen Bücherschrank gefischt habe, habe ich auch keinerlei Hemmungen, es nicht zu Ende gelesen zu haben. Eine Empfehlung gibt’s von mir keine, tut mir leid.
- Richard Flanagan
Der schmale Pfad durchs Hinterland
(30)Aktuelle Rezension von: Federfee5 Sterne werden diesem Ausnahme-Roman ebenso wenig gerecht wie es meine Rezension werden kann. Aber dennoch will ich versuchen, Richard Flanagans Buch mit meinen unzureichenden Worten zu würdigen. Angeregt wurde er durch die Erinnerungen, durch das Schicksal seines Vaters, der ein japanisches Kriegsgefangenen-Lager und den Bau der Eisenbahn (Death Railway) zwischen Siam (Thailand) und Burma (Myanmar) überlebt hat. Tausende Australier starben unter grausamen Umständen in Lagern im Urwald.
Schonungslos, brutal und ekelerregend, aber dennoch poetisch und bildhaft liefert uns Flanagan eine mitreißende Mischung aus Lagerliteratur und Liebesgeschichte, kaum erträglich beim Lesen, aber wichtig, um über diese Kriegsverbrechen und ihre Hintergründe Bescheid zu wissen.
Das geschieht zeitlich und räumlich in Sprüngen; wir lernen zu Beginn den inzwischen 77-jährigen Kriegshelden Dorrigo Evans kennen, erfolgreicher Chirurg, damals im Lager Militärarzt. Es ist ersichtlich, dass er mit seinem Leben nicht im Reinen ist, sei es wegen der Kriegs- und Lager-Traumata, seien es wegen der durchaus vorhandenen dunklen Seiten seines Charakters, durch seine im Ganzen unharmonische Lebensgeschichte.
Bevor sich Flanagan den Grauen des Kriegsgefangenenlagers zuwendet, erfahren wir in aller Ausführlichkeit von Dorrigos leidenschaftlicher Affäre mit Amy, der jungen Ehefrau seines Onkels, und das, obwohl er selber im Begriff ist, sich zu verloben. Möglicherweise ist es diese Erinnerung an Amy, die ihn das Lager überleben lässt.
Und dann tauchen wir in das Grauen des Kriegsgefangenenlagers ein, das Flanagan in ebenso ekelhaften und brutalen wie poetischen Worten beschreibt, alles in Verbindung mit den Hintergründen und Motiven. Allerdings ist es für Leser nur schwer erträglich, von diesen katastrophalen Zuständen in einem japanischen Kriegsgefangenenlager zu erfahren: Monsunregen im Dschungel, Tropenkrankheiten, Cholera, Geschwüre, keine Medikamente, Hunger, Abmagerung bis auf die Knochen. Kaum Werkzeug zum Bau der Eisenbahnlinie durch den Dschungel, Misshandlungen durch sadistische, brutale Aufseher. Es sind Schilderungen, bei denen dem Leser der Atem stockt.
In dieser Hölle versucht Dorrigo Evans als Arzt so viele Menschen wie möglich zu retten und am Leben zu erhalten und wendet sich dabei sogar mutig gegen den Leiter des Lagers, einen drogenabhängigen, seinem Gott-Kaiser blind ergebenen japanischen Offizier. Er muss nicht nur Operationen unter unsäglichen Zuständen durchführen, sondern auch Entscheidungen treffen wie z.B. Männer für einen Arbeitseinsatz auswählen, ein furchtbares, ihn quälendes Dilemma.
Wir erfahren einiges über die Motive und Einstellung der Japaner gegenüber den Kriegsgefangenen. Zwar sind es einerseits kultivierte Menschen, die Haikus zitieren, die aber andererseits kein menschliches Erbarmen haben und ihren ‘ehrenvollen Dienst’ für den Kaiser über alles stellen.
Ein großer Zeitsprung - der Leser erfährt, wie die Kriegsverbrechen verfolgt wurden und was aus den Überlebenden geworden ist, wie sie mit ihrer Schuld und ihren Traumata leben, sowohl die Opfer als auch die Täter. Leider war es auch hier teilweise der Fall, dass ‘die Kleinen bestraft wurden’, z.B. koreanische Aufseher, die zu diesen Diensten gezwungen wurden und dass man ‘die Großen laufen ließ.’ Der Krieg endet nicht, auch wenn die Waffen schweigen. Man mag nicht weiter denken…
Dieses Buch ist das Porträt eines Mannes, der nicht nur seinen Mitgefangenen selbst- und furchtlos half, was ihn dem Leser sympathisch macht, sondern auch eines Mannes, der sich im Privaten schuldig macht. Er heiratet eine Frau, die er nicht liebt und betäubt sich mit unzähligen Affären, was viele Menschen verletzt.
Dieses Buch hat den Man-Booker-Prize zu Recht gewonnen und hat auch und gerade heute Aufmerksamkeit verdient. Es schockiert nicht nur, was es auch zu einem Antikriegsbuch macht, sondern es behandelt existenzielle menschliche Fragen. Der Titel ‘Der schmale Pfad durchs Hinterland' kommt als Bild inhaltlich mehrmals vor und basiert auf einem japanischen Reisetagebuch von Matsuo Basho aus dem Jahre 1689.
Ich kann diesen Roman nur ausdrücklich empfehlen und wünsche ihm viele Leser.
- Paullina Simons
Tatiana und Alexander
(135)Aktuelle Rezension von: aly53Band 1 der Tatiana und Alexander Trilogie hat mich komplett begeistert und mehr als alles andere musste ich wissen , wie es weitergeht.
An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar. Dies beeinflusst meine Meinung jedoch in keinster Weise.
Beim Einstieg war ich zunächst hin und wieder etwas verwirrt, was aber an der Übersetzung lag.
Mit der Zeit gelang es mir besser dem Verlauf zu folgen und in das Geschehen einzutauchen.
Band 1 befasste sich überwiegend mit Tatianas Geschichte.
Eine Geschichte über eine mutige und tapfere junge Frau , die mir alles abverlangt hat.
Bei diesem Band geht es vordergründig um Alexander. Endlich lernt man ihn näher kennen und erfährt sehr viel aus seiner Vergangenheit. Die Rückblenden die sich über einen weiten Zeitraum erstrecken , haben mir sehr gut gefallen.
Ich kam Alexander näher und erkannte , wie klug und herzerwärmend er ist.
Aber es gab auch Szenen, die haben mich sehr mitgenommen und im wahrsten Sinne des Wortes unter sich begraben.
Schon im ersten Band mochte ich ihn sehr gern. Hier hab ich ihn noch mehr ins Herz geschlossen.
Ich litt mit ihm , kämpfte und trauerte.
Und auf der anderen Seite ist da Tatiana , die ein neues Leben beginnt.
Doch tut sie das wirklich?
Kann ein gebrochenes Herz heilen?
Bei Tatiana merkt man die Entwicklung recht deutlich. Sie wächst , lebt und doch ist die Vergangenheit immer präsent.
Ihre starke und kämpferische Persönlichkeit kommt auch hier sehr gut zum Ausdruck und das ist es letztendlich auch , was sie so außergewöhnlich macht.
Man lernt hier auch weitere neue Charaktere kennen. Auch wenn der ein oder andere etwas blass wirkt, so sind sie doch sehr ausdrucksstark, lebendig und facettenreich.
Die Autorin selbst bezaubert wieder mit ihrem stark einnehmenden, bildhaften und fließenden Schreibstil. Sie schreibt mit sehr viel Gefühl, sie geht sehr detailreich vor. Dadurch hat man mitunter etwas das Gefühl auf der Stelle zu treten. Was es mitunter etwas mühsam macht. Gerade im ersten Drittel ist das deutlich zu spüren.
Nichtsdestotrotz ist es wichtig , um Alexanders Geschichte zu verstehen und zu verinnerlichen.
Wie gewohnt erfährt man auch hier wieder beide Perspektiven.
Mit der Zeit wird es spannender , auswegloser und man hat das Gefühl, nach jedem Strohhalm greifen zu müssen.
Die Traurigkeit ist förmlich greifbar und man fiebert und zittert unglaublich mit.
Auch die Fortsetzung hat mir einiges abverlangt.
So viele Herausforderungen, so viele Gedanken die mir keine Ruhe ließen.
Alexanders Geschichte ist voller Schmerz, Angst und Verzweiflung.
Man spürt sein Leid und seine innere Zerrissenheit.
Man kämpft und weint mit ihm.
Er muss einiges meistern und doch gibt ihm das Leben auch Hoffnung.
Man erfährt sehr viel über die Kriegszeit , was mir gut gefallen hat.
Die Autorin hat hier auf sehr wundersame Art und Weise Wendungen eingewoben, bei denen mir schier der Mund offen stehen blieb.
Es gab Szenen, die hatte ich einfach nicht erwartet.
Auf der einen Seite erfährt man Hoffnung und Wärme und auf der anderen Seite hat man das Gefühl , all das Grauen und die Abgründigkeit nicht ertragen zu können.
Besonders das letzte Drittel war an Spannung kaum noch zu überbieten. Meine Gefühle tanzten Achterbahn und ich lechzte nach jeder Zeile. Es war explosiv, hat mich nicht zu Atem kommen lassen und vollkommen gefesselt.
Der Abschluss von diesem Bandes hat mir sehr gut gefallen und ich bin gespannt, was der letzte Band für uns bereithält.
Schlussendlich ist auch Band 2 eine fesselnde und mitreißende Geschichte , die einiges abverlangt.
Voller Sehnsucht, Wehmut und der Kraft der Liebe.
Dennoch reicht sie nicht an den Vorgänger heran, da es leider auch einige Wiederholungen gab , die ich hin und wieder als störend empfand.
Fazit:
Mit Band 2 hat die Autorin eine fesselnde, mitreißende und traurige Fortsetzung der Tatiana und Alexander Trilogie geschaffen , die einiges abverlangt.
Auch wenn mir diese wirklich gut gefallen hat , so reich sie für mich nicht an den Vorgänger heran. Dafür ist Tatianas Geschichte einfach zu besonders.
Dennoch eine gelungene Fortsetzung, die einiges an Erkenntnissen und Wahrheiten mit sich bringt.
Ich bin gespannt, was Band 3 für uns bereithalten wird. - John Katzenbach
Das Tribunal
(40)Aktuelle Rezension von: NoraStorm"Hart's War/Das Tribunal" ist von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd - die letzten hundert Seiten konnte ich vor Spannung gar nicht schnell genug lesen! Es gibt kaum einen Krimi, der so gut geschrieben ist; Katzenbachs Stil ist überaus mitreißend und doch anspruchsvoll, manchmal sogar poetisch (z.B. schon auf den ersten Seiten bei der Beschreibung eines aufziehenden Unwetters über der karibischen See).
Doch nicht nur der Stil reißt mit, sondern auch der Inhalt: Der junge US-Luftwaffensoldat Tommy Hart wird im 2. Weltkrieg vor Sizilien abgeschossen (superpackend geschildert!) und in ein Kriegsgefangenenlager in Deutschland gesteckt. Dort entgeht er der Eintönigkeit des Lageralltags, indem er sich mit Hilfe von mitgefangenen Juristen auf sein Jurastudium vorbereitet. Als ein Mord geschieht und der schwarze Bomberpilot Lincoln Scott verdächtigt wird und vor ein Tribunal kommt, wird Hart zum seinem Verteidiger bestellt - und lernt das Lager, seine Mitgefangenen und seine Bewacher plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen...
Obwohl manche der aufgegriffenen Themen schon aus "Gesprengte Ketten" oder "Ein Käfig voller Helden" bekannt sind, so ist deren Verknüpfung zu einer rasanten, komplexen und alles andere als schwarzweißmalerischen Handlung einzigartig und ergreifend. Katzenbachs Roman gibt keine einfachen Antworten, sondern hat den Mut zu Tiefe und Differenzierung sowohl der Gefangenen wie ihrer Wächter. Selbst die Identifikationsfiguren des Romans haben negative Seiten; der angeklagte Pilot wird von Katzenbach wunderbar lange als ambivalente Figur dargestellt. Das Ende des Romans spiegelt diese Vielschichtigkeit wider: Es reicht nicht, dass Hart im Stile eines Whodunnit den Mord aufklärt, sondern auch die Aufklärung eines Mordes hat Konsequenzen - und die Schuld, die Hart hier auf sich lädt, wird ihn sein Leben lang verfolgen.
Katzenbach zeigt sich in "Hart's War" als ein meisterhafter und feinsinniger Erzähler. Ich habe selten einen so spannenden und ergreifenden Roman gelesen. 5 Sterne. - Sasha Filipenko
Rote Kreuze
(184)Aktuelle Rezension von: petraellenAutor
Sasha Filipenko
Inhalt
Der junge Alexander ist gerade nach Minsk gezogen. Vor kurzem hat er seine Frau verloren und muss sein Leben mit seiner kleinen Tochter neu ordnen.
Auf dem Stockwerk seiner Wohnung lebt noch eine neunzig Jahre alte Frau, alleinstehend und an Alzheimer erkrankt. Nach einer kleinen Stadterkundung kommt er zu seiner Wohnung zurück und stellt mit Erstaunen fest, dass jemand ein rotes Kreuz auf seine Wohnungstür gemalt hat. Es stellt sich heraus, dass seine Nachbarin Tatjana Alexejewna es war. Alexander hält es zunächst für einen Scherz, doch Tatjana Alexejewna erklärt ihm, dass sie das Rote Kreuz braucht, um den Weg nach Hause zu finden. Sie erklärt Alexander, dass bei ihr kürzlich Alzheimer diagnostiziert wurde. Sie weiß, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Krankheit ihr Gedächtnis zerstört und ihre Erinnerungen ausgelöscht hat. Tatjana bittet Alexander in ihre Wohnung und will ihm ihre Geschichte erzählen. Eigentlich möchte er nicht auf einen Plausch zu ihr kommen, doch dann fesselt ihn die Lebensgeschichte.
„»… Ich würde Ihnen gern eine unglaubliche Geschichte erzählen. Eigentlich keine Geschichte, sondern eine Biographie der Angst. Ich möchte Ihnen erzählen, wie das Grauen den Menschen unvermittelt packt und sein ganzes Leben verändert.«“ (S. 15)
Sie erzählt von ihrer Vergangenheit, an die sie sich noch gut erinnern kann. Sie erzählt von dem Zweiten Weltkrieg, ihrer Arbeit im Außenministerium. Ihr Mann Ljoscha wurde vermisst und ihre Tochter Assja entriss man ihr, als sie wegen Volksverrat ins Lager kam.
Sie erzählt ein schockierendes Kapitel der russischen Geschichte, wie die Sowjetunion die russischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg im Stich ließ, wie ihre Familien als Verräter verfolgt wurden.
Sprache und Stil
Tatjana Alexejewna wird in London geboren. Anfang 1920 zieht sie mit ihrer Familie nach Moskau. Ihr Vater Alexej Alexejewitsch Bely sieht in dem Regierungswechsel „eine Revolution des Geistes! Petersburg und Moskau sind jetzt Städte des kleinen Mannes!“ (S. 23)
Tatjana begeistert sich für den Kommunismus. Sie dient ihrem Land und wird doch verhaftet.
Sie arbeitet als Fremdsprachensekretärin im Außenministerium, als sie einen Brief bekommt, den sie übersetzen soll. Es ist eine Liste mit Namen russischer Kriegsgefangener in Rumänien, auf der sie den Namen ihres Mannes entdeckt. Sie weiß, dass Kriegsgefangene und ihre Familien als Verräter verfolgt und in den Gulag geschickt werden. Sie nimmt den Namen aus der Liste und setzt einen anderen Namen, der bereits schon auf der Liste steht, dazu.
Die gefährliche Einmischung zum Schutz ihres Mannes hat nicht die Wirkung, die sie sich vorstellt. Sie wird als Verräterin bestraft und verbringt fast zehn Jahre voller psychischer und körperlicher Misshandlungen in einem weit entfernten, entsetzlichen Lager, ohne zu wissen, was mit ihrem Mann und Kind geieht. Erst nach der Haftentlassung erfährt sie, dass beide nicht mehr leben. Zudem plagt sie das schlechte Gewissen, einen Betrug vorgenommen zu haben, von dem sie sich eine Rettung erhoffte.
Sie ist am Ende ihres Lebens angekommen. Sechzig Jahre später erzählt sie ihre Lebensgeschichte ihrem jungen Nachbarn. Ihre Geschichte beginnt in Moskau 1941, als Russland schon im Krieg gegen das Nazideutschland steht. Sie erzählt von dem Wahnsinn der wütenden, stalinistischen Säuberungen.
Trotz alledem hat sie ihren Kampfgeist bewahrt und kämpft dafür, dass nichts vergessen wird.
Das Band zwischen Tatjana und Alexander
Tatjana hat Mann und Tochter verloren.
Alexander musste eine schwierige Entscheidung treffen. Er konnte wenigstens seine Tochter retten.
Beide sind verlassenen und beide werden mit dem Vergessen, Erinnern konfrontiert. Alexander hat kein Alzheimer und muss trotzdem gegen das Vergessen kämpfen.
Die Metapher „Alzheimer“ ist im Roman „Rote Kreuze“ allgegenwärtig.
Die Alzheimer-Krankheit als Schlüsselrolle
Tatjana hat Alzheimerkrankheit. Alzheimer beginnt mit leichten Gedächtnisstörungen und dem Betroffenen fällt es zunehmend schwer, sich in fremder Umgebung zu orientieren.
Es folgen deutliche Ausfälle bis zum Kontrollverlust. Das weiß Tatjana und kokettiert damit. „Ihr fällt der Vatername nicht mehr ein“ (S. 12).
Der Autor setzt die Alzheimerkrankheit als Metapher ein. Als Mahnung der Erinnerung und gegen das Vergessen. Es ist ein Aufschrei gegen das Vergessen. Hier insbesondere gegen das kollektive gesellschaftliche Vergessen, der Repressionen in den sowjetischen Republiken.
Die „Roten Kreuze“ stehen ebenfalls für „Alzheimer.“ Sie zeigen den Weg, dieses Vergessen zu verhindern. Die zahlreichen Dokumente geben Aufschluss darüber, was geschehen ist. Menschen, die davon betroffen waren, bekommen Namen, sie werden namentlich genannt. Die Schicksale werden sichtbar.
Denn nicht nur die Alzheimerkrankheit lässt vergessen, sondern auch eine Generation, die dies miterlebt hat, wird eines Tages nicht mehr da sein und darüber reden können. Und daher ist es wichtig, dass nichts in Vergessenheit gerät.
„Aber jetzt, wo in meinem Leben alles vorbei ist…jetzt denkt sich Gott, dieser von mir erdachte Gott, für mich Alzheimer aus, weil er Angst hat! Er hat Angst, mir in die Augen zu schauen! Er will, dass ich alles vergesse.“ (S. 197)
Historische Fakten, die überprüfbar sind
Sasha Flilipenko verwendet in seinem Roman „Rote Kreuze“ Dokumente, die er in Genf recherchiert hat, denn in Moskau werden diese Dokumente unter Verschluss gehalten. Das alleine ist schon sehr wertvoll, die Dokumente zu lesen. Sie bilden letztendlich auch die historische Grundlage für seinen Roman. Oftmals kann man aus den Dokumenten entnehmen, dass auf Briefe oder Telegramme keine Antwort kam „unbeantwortet geblieben“.
Jedes Dokument und jedes Telegramm stellt einen „Stolperstein" dar. Die Aussagen sind gewaltig. Wie wenig war man an Menschen interessiert, diese zurückzuholen. „Wir sind immer davon ausgegangen, dass sich in jeder Regierung und in jeder Organisation ein Mensch finden lässt, der sich zurückmeldet. Neun werden nicht antworten, aber der Zehnte wird das lesen und was unternehmen." (S. 266)
Jedes Dokument hat eine eigene Aussagekraft, ein anderes Schicksal. Es geht um Reden des Volkskommissars, Erklärungen des deutschen Botschafters von Schulenburg, Amnestie-Erlass aus der Prada, Einlieferungsschein in die Krankenstation des Gulag, vieles mehr. Eindrucksvoller kann man diese Zeit 1941/42 in diesem Zusammenhang nicht wiedergeben.
Erzählstrategie
Sasha Filipenko baut seinen Roman auf zwei Erzählsträngen auf. Einmal erzählt Tatjana und dann wieder Alexander. Bei beiden wechselt er zwischendurch die Perspektive mit dem Effekt, dass der Leser direkt das Geschehen verfolgen kann. Diese Strategie erzeugt einen Sog in das Geschehen, dem man sich nicht entziehen kann.
Der Text wird zudem durch Gedichte und Liedtexte aufgelockert.
Fazit
Sasha Filipenko ist ein außerordentlicher Roman gegen das Vergessen der geschichtlichen Verbrechen gelungen.
Tatjanas Schicksal wird in einem erschütternden, mitreißenden Lebensverlauf erzählt.
Dieser Lebenslauf steht stellvertretend für Millionen anderer Menschen, ist aber nicht fiktiv, sondern real. Genau das macht diesen Roman aus.
- Helga Bürster
Luzies Erbe
(70)Aktuelle Rezension von: Jayjay94Das Cover ist Recht ansprechend und auch der Klappentext ist spannend geschrieben.
In dem Buch geht es um Luzie Krusenbusch, die stirbt. Ihre ganze Familie kommt zusammen, um die Beerdigung vorzubereiten. Johannes, die Enkelin, öffnet Luzies "heiligen Koffer" und geht der Geschichte ihrer Großmutter auf den Grund. Was ist damals im Zweiten Weltkrieg geschehen?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas enttäuscht bin. Der Klappentext verspricht so viel und leider habe ich da mehr erwartet.
Erst zum Mittelteil wird es wirklich spannend.
Am Anfang fiel es mir auch schwer in die Geschichte hineinzufinden. Mit den Personen bin ich auch durcheinander gekommen. Meiner Meinung nach würden die Protagonisten nicht wirklich vorgestellt.
Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart war schwierig. Beim Lesen muss man selber überlegen, welche Zeit jetzt gemeint ist. Die überschriebenen Kapitel nützen da wenig. Vielleicht hätte man da das Jahr vermerken können.
Die Geschichte hat mir zum Schluss hin dann besser gefallen. Der Krieg spielt eine große Rolle. Interessant finde ich es auch, dass die Autorin aus dem echten Leben erzählt. Es ist vieles wirklich so passiert!
Mit den Protagonisten bin ich nicht wirklich warm geworden. Da wurde nicht viel auf die Charaktere eingegangen, bis auf Luzie's Leben.
Die Geschichte hat mir wie gesagt aber der Mitte dann besser gefallen. Einige Sätze sind tiefgründig und es werden wichtige Themen aufgegriffen.
Trotzdem war es nicht ganz so dass, was ich erwartet hatte.
Daher leider nur 3 von 5 Sterne.
- Heinz G. Konsalik
Der Arzt von Stalingrad
(57)Aktuelle Rezension von: Renate1964Konsalik erzählt hier von einem Lager nahe Stalingrads nach Kriegsende. Doktor Böhler, der Stabsarzt versucht,das Beste für die Gefangenen zu erreichen. Deutlich werden der Haß der ehemaligen Gegner und die unmenschlichen Verhältnisse. Die Sprache ist für mich leider zu pathetisch und die Personen zu eindimensional. Trotzdem, die Figuren ändern sich, aber Hass und Unmenschlichkeit sind in Lagern heute noch zu finden
- Michael Paul
Wimmerholz
(20)Aktuelle Rezension von: Maritahenriette
Nach dem 2.Weltkrieg sind Hunderte von deutschen Wehrmachtsangehörigen über die Ostsee nach Schweden geflohen. Dort in Lagern interniert warteten sie auf die Überführung nach Deutschland und sollten dort den Engländern übergeben werden. Die damalige schwedische Regierung hielt sich jedoch nicht an diese Zusage. Aus Angst vor der russischen Gefangenschaft verletzten, verstümmelten oder haben sich viele Millitärangehörige selbst getötet. Der 30. November 1945 geht in die schwedische Geschichte als der. "blutige Freitag "ein.
MEINE MEINUNG :
Michael Paul verarbeitet die historische Tatsache um die fiktive Geschichte des Soldaten Martin Greven und der zehnjährigen Lena.
Am Anfang des Buches musste ich mich ein wenig an den Schreibstil gewöhnen. Durch die detailgetreue Recherche und die einfühlsame Geschichte um das Waisenkind Lena wurde ich schnell in den Bann gezogen. Die lebensgefährliche Flucht über die Ostsee, das Lagerleben und die Überführung der deutschen Wehrmachtsangehörigen nach Russland hat der Autor sehr bildlich und eindrucksvoll geschildert. Diese Tatsache war für mich teilweise sehr bedrückend zu lesen und hat mich zum denken angeregt. Gerade der Kontrast zwischen den sich zuspitzenden Lagerleben, der Hilfsbereitschaft der schwedischen Bevölkerung, die mitunter im Roman Martin und und das Kind verstecken, führten mich während des lesens in eine "emotionale Achterbahn ".
Die real existierende geheime Organisation der Werwölfe, welche hier Martin und Lena bedrohen, hat der Autor in seinem Buch sehr ausdrucksvoll eingesetzt.
FAZIT :
"Wimmerholz " von Michael Paul besitzt verschiedene Handlungsstränge welche mit viel Spannung und Gefühl umgesetzt wurde. Der Kontrast zwischen Angst, Gewalt, Hilfsbereitschaft und Liebe macht das Buch nicht unbedingt zur einfachen Kost. Die Umsetzung realer, aber nicht jedem präsenter Vergangenheit in einem Roman, ist nach meiner Meinung, sehr gelungen und absolut lesenswert. - Eva Völler
Ein Traum vom Glück
(105)Aktuelle Rezension von: WilmaliestgernIch habe alle drei Bände der Ruhrpottsaga gelesen. Eine faszinierende Reihe über eine Familie im Ruhrpott, die nach dem Krieg versucht, die Kriegsfolgen zu überwinden, sich Wohlstand aufzubauen und dabei die Familie zusammenzuhalten. Es ist ein Roman über eine Familie mit all ihren Fehlern und Eigenheiten, die aber immer zusammenhält. Das Leben im Ruhrpott mit der starken Umweltbelastung und den gesundheitlichen Folgen insbesondere für die Bergleute wird anschaulich geschildert. Die Familie muss einige Schicksalsschläge verkraften, rappelt sich aber immer wieder auf.
Die Protagonisten sind alle liebevoll beschrieben, mit Fehlern und liebenswerten Eigenschaften. Ich habe die drei Bände geradezu verschlungen
- Hannes Köhler
Ein mögliches Leben
(88)Aktuelle Rezension von: gstNach dem Tod seiner Frau macht sich Franz Schneider auf den Weg nach Amerika, wo er Ende des zweiten Weltkrieges in Gefangenschaft war. Er nimmt seinen Enkel mit und erzählt ihm während der Reise von dieser Zeit. In kurzen, manchmal sogar abgehackten Sätzen, schrieb Hannes Köhler diese Geschichte auf. Beim Lesen habe ich vieles erfahren, von dem ich bisher nichts wusste. Die Vorteile, in amerikanischer Gefangenschaft zu sein, werden deutlich, aber auch, wie grausam sich einige hitlertreue Genossen verhielten.
Die Lektüre ist nicht einfach zu lesen, trotzdem habe ich einen gewisser Sog gespürt. Das Allerbeste für mich war allerdings der Schluss: Franz, der immer kühl war zu seiner Familie, teilweise ausgesprochen kalt zu seiner einzigen Tochter, wird weich.
Auch mir ist schon aufgefallen, wie sich die Einstellung zum Leben im Alter ändert. Da hat man schließlich schon vieles erlebt und überstanden. Die letzten Seiten haben mich besonders berührt. Sie erinnerten mich an das Verhältnis zu meinem kürzlich mit 102 Jahren verstorbenen Vater. der ungefähr Franz’ Jahrgang war und mir mit dem Alter immer verständlicher wurde. Da hat sich eine Innigkeit entwickelt, die sich tief ins Herz gegraben hat. Auch er war im Krieg, war in Frankreich in Gefangenschaft und hat oft und gern davon erzählt. Denn auch ihm ging es dort relativ gut. Auch er hat sich die Reise in die Vergangenheit (allerdings mit meiner Mutter) nicht nehmen lassen.
Fazit: Wer Familienstrukturen begreifen will, muss sich mit dem Leben seiner Vorfahren befassen.
- Heinrich Böll
Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind
(3)Aktuelle Rezension von: OrishaBölls Kriegsaufzeichnungen der Jahre 1943 und 1945. Kurze Notizen, die kurze Einblicke in das Kriegsgeschehen, das Leben im Lazarett und als Soldat bieten.
Zugegeben, ich finde es immer etwas schwierig historische Dokumente, die nie für eine Publikation vorgesehen waren, zu bewerten. Denn Bölls Erlebnisse sind subjektiv. Man kann sie ihm schlecht absprechen, ebenso wenig wie man sie bewerten sollte und daher lasse ich das auch. Aber es bedarf ein paar Worte zur Art der Aufmachung dieses Werks.
Eine kurze Einführung und ein Nachwort rahmen die Aufzeichnungen ein und bilden einen roten Faden. Dazwischen finden sich Faksimiles von Bölls Notizbüchern und die entsprechenden Transkriptionen. So weit so üblich. Was das Buch allerdings ziemlich behäbig hat werden lassen, ist die Tatsache, dass die Annotationen nicht auf den entsprechenden Seiten erfolgten, sondern als Endnoten angebracht sind und dass auch nicht in Form von kleinen Nummern, sondern man hat schlichtweg, pro Seite, die Infos nachgestellt, die man für das Verstehen wichtig hielt. Allerdings ist mir die Auswahl dieser Infos ein Rätsel, denn mal werden Dinge ausufernd erläutertet und in Kontext gesetzt. Zu anderen Punkten fehlen Infos dann wieder komplett. Hier wäre eine Editionsinformation im Vor- oder Nachwort wünschenswert gewesen. Noch besser hätten sich die Annotationen auf der jeweiligen Notizseite gemacht, was bei der Wahl eines anderen Formats durchaus drin gewesen wär. Und last but not least, warum gibt es eigentlich kein Personenverzeichnis, wo man kurz nachschlagen kann, wer entsprechende Person ist? Auch dieser Zusatz hätte dem Buch gut getan.
Kurzum: Inhaltlich sicher interessant, die Aufmachung des Buchs hat das Lesen aber wirklich umständlich gemacht, daher vergebe ich "nur" drei Sterne (für diesen Aspekt).
- Alice Winn
Durch das große Feuer
(60)Aktuelle Rezension von: dracomaEngland im Jahr 1914, dem 1. Kriegsjahr. Im einem englischen Nobel-Internat leben Sydney Ellwood, ein Romantiker, der Gedichte schreibt, und Henry Gaunt, der deutsche Wurzeln hat. Beide können ihre homosexuelle Beziehung ungehindert und ungestraft ausleben. Noch dringt der Krieg nicht in die Gemeinschaft der Schüler ein, sodass die Autorin sich dem täglichen Leben der Schüler zuwenden kann. Prügeleien, Demütigungen, Mobbing und vor allem massive sexuelle Übergriffe scheinen an der Tagesordnung zu sein und sichern die Machtverhältnisse innerhalb der Schülerschaft. Man kann als Leser nur hoffen, dass die Autorin übertreibt. Die Schülerzeitung veröffentlicht Listen gefallener, verwundeter und vermisster ehemaliger Schüler, und so dringt der Krieg schließlich doch in die Schule ein. Schüler melden sich zu den Waffen, teils aus nationaler Begeisterung, teils unter familiären und teils unter sozialem Druck.
Den Schrecken des Krieges gehört der Hauptteil des Romans. Die Autorin schont ihre Leser nicht und schildert teilweise minutiös grausame Kriegshandlungen und schwerste Verletzungen. Hier baut sie ein hohes Maß an Authentizität auf, das sie unterstützt mit Feldpostbriefen und mit Nachrufen aus der Schülerzeitung. Henry und Gaunt rücken ebenfalls ein, und nach wie vor leben sie ohne Scheu ihre Homosexualität aus, die offensichtlich allgemein wie selbstverständlich akzeptiert wird. Damit verliert der Roman meiner Meinung nach ein Gutteil an Authentizität, denn immerhin war Homosexualität zum damaligen Zeitpunkt noch strafbar und nicht nur ein Kavaliersdelikt.
Entscheidender ist allerdings das, was der Krieg aus ihnen und den vielen anderen jungen Männern macht. Hier gelingen der Autorin sehr eindringliche Bilder, wenn sie z. B. den Vater von zwei gefallenen Söhnen sprechen lässt; und wenn man in den Nachrufen in der Schülerzeitung liest, dass auch der letzte verbliebene Sohn den „Heldentod fürs Vaterland“ gestorben ist, erscheint einem das Leid der Eltern unvorstellbar. Angstattacken, Halluzinationen, Paranoia, Kriegsneurosen, lebenslange Traumata, der Verlust von Berufsmöglichkeiten und Lebensträumen, zerstörte Liebesbeziehungen – das sind die Folgen des Krieges, dem Sydney mit seinen Gedichtrezitationen immer wieder entkommen will.
Fazit: Kein Liebesroman, auch kein Gesellschaftsroman, sondern eher ein opulenter Antikriegs-Roman, der zwar vor der Beschreibung grausamer Details nicht zurückschreckt, aber gelegentlich zu langatmig und zu unrealistisch ist.
Trotzdem: LESENSWERT!
3,5/5*
- Lilly Bernstein
Findelmädchen
(193)Aktuelle Rezension von: Anne_Siem_Auch in diesem Buch spielt Lilly Bernstein ihre ganzen Stärken aus: detailliert, nachvollziehbar und mit viel Gefühl werden die Nachkriegswirren aufgezeigt und man fühlt sich komplett in diese Zeit versetzt.
Helga ist eine starke Protagonistin, welche viel aushalten muss, aber dennoch immer für sich und andere kämpft.
Hochemotional und authentisch konnte ich anhand von Helga die Nöte aus der Nachkriegszeit kennenlernen.
Lediglich das Ende war mir in diesem Fall etwas "zu viel".
Dennoch eine absolute Leseempfehlung, vor allem aufgrund der absolut authentischen Darstellung! - Lilly Bernstein
Trümmermädchen
(180)Aktuelle Rezension von: zuppiAnna lebt bei ihrer Tante Marie und Onkel Mathias. Sie wächst auf mit dem Duft von gebackenem Brot. Besser als jeder Geselle kennst sie die Geheimnisse, wie das köstliche Gut entsteht. Die Bäckerei von Onkel Mathias sorgt dafür, dass sie auch nach Beginn des Krieges nicht hungern müssen. Doch Mathias wird an die Front geschickt. Marie hält die Bäckerei mit Hilfe des Zwangsarbeiters Joseph am Laufen. Doch Köln wird zerbombt
Nach dem Krieg, Hungerwinter 1946: Marie ist am Ende ihrer Kräfte. Vom Haus der Bäckerei ist nicht mehr viel bewohnbar, der Ofen steht still. Es ist kalt, alle Menschen hungern. Marie und Anna versuchen jede für sich, das Überleben der kleinen Familie zu gewährleisten. Dabei leben sie sich zunehmend auseinander, Geheimnisse treten zwischen sie. Schlussendlich geht es in dieser Zeit um Leben und Tod. Kann die kleine Familie den Winter überstehen und das alte Leben Stück für Stück wieder aufbauen?
Das Buch ist sehr bewegend, wie es geschrieben ist hat es einfach mein Herz erreicht. Dieser Mut der Protagonistinnen zeichnet das Buch aus. Der Großteil der Handlung spielt im Hungerwinter 1946. Es gab eine Phase im Buch, als Marie länger als mir lieb war mutlos war. Da musste ich etwas Geduld beim Lesen aufbringen. Davon abgesehen ist es wirklich ein wunderbarer Roman und lässt uns die Auswirkungen des Krieges auf die nicht-verfolgte Deutsche Bevölkerung gut nachvollziehen.
- Thomas Ziebula
Evas Rache
(57)Aktuelle Rezension von: Renate1964Für mich war das der erste, aber bestimmt nicht der letzte Fall, den Kommissar Paul Steiner zu lösen hatte. Thomas Ziebula lässt uns Leipzig 1922 miterleben. Der Roman ist vielschichtig. Neben dem Fall eines. Mädchenmörders geht es um Entwicklung der Persönlichkeit, Aufkommen des nationalsozialismus, Spionage. Alles ist authentisch, spannend und die Sprache genau richtig. Ein toller Krimi
- Marie Lamballe
Café Engel: Schicksalhafte Jahre
(43)Aktuelle Rezension von: SM1Der Roman "Café Engel: Schicksalhafte Jahre" ist der zweite Teil der Reihe über das Café Engel von Marie Lamballe. Wie bereits im ersten Teil, geht es auch hier wieder um die Schicksale der mit dem Wiesbadener Café Engel verbundenen Menschen. Die Fortsetzung beginnt im Jahr 1951 und damit wenige Jahre nach dem ersten Teil.
Auch dieses Buch ist, wie die gesamte Reihe, ein Muss für alle Freunde von Familiengeschichten.
- Heinz G. Konsalik
Der Arzt von Stalingrad. Roman.
(2)Aktuelle Rezension von: EisAmazoneEs ist ein Roman, es ist eine fiktive Geschichte und dennoch ist man sich fast sicher, Konsalik war live dabei, in den Krankenlagern, in Russland, im Krieg.
Er schildert die Gegebenheiten so echt und fesseln, teilweise (zu) detailliert, bei so mancher Operation ;-)
Das Buch handelt von jungen und älteren Männern, die nur ein Ziel kennen, nachdem sie im Gefangenen Lager im kalten und unerbitterlichen Stalingrad gelandet sind: helfen. So kommt es, dass sie mir weniger als nichts versuchen, die Kranken zu heilen und tatsächlich mit den spärlichsten Mitteln Operationen durchführen.
Klingt alles total weit her geholt, aber das Buch ist gar nicht mal so frei erfunden, wie man gemeinhin denken sollte. den entsprechenden Arzt, der solch Wunderwerk verbracht hat, den soll es tatsächlich gegeben haben, man mag es kaum glauben.
Neben all diesem Elend und dem Leid fehlt aber natürlich auch die Liebe nicht, so verliebt sich einer der jungen Ärzte in eine Russische Frau, die im Lager ist und geht somit eine mehr als gefährliche Verbindung ein, die nicht nur für ihn gefährlich werden könnte.
Ein rund um gelungenes und grauenvoll ehrliches Buch, das so mancher Jungspund sich ruhig mal zu Gemüte führen dürfte um ein Bild davon zu gewinnen, wie gut es uns heute eigentlich geht. Ich habe es als junges Mädchen gelesen und bin nach wie vor, auch mehr als zehn Jahre später noch, begeistert von dem Buch und zutiefst berührt. Es hat mich für mein Leben geprägt.
- Joseph Roth
Hotel Savoy
(1)Aktuelle Rezension von: NelebooksInhalt (LB): "Für Joseph Roth wird das Hotel Savoy zum symbolischen Ort der bestehenden Gesellschaft. Seine Stockwerke konstituieren die soziale Hierarchie ihrer Bewohner: Je höher man steigt, je deutlicher wird das Leid und die Armut der Bewohner. Es sind krasse Bilder, die Roth gebraucht, durchaus noch in der Tradition des Expressionismus stehend, mit kühlem Blick distanzierend betrachtet, aber mit einem emphatisch heißen Gefühl für alle, die dem Hotel verfallen waren."
Cover: Das Cover wirkt nicht sehr modern. Die Abbildung verstehe ich tatsächlich auch nicht ganz. Hier hätte die Abbildung des Hotels oder des Hauptcharakters Gabriel Dan besser gepasst. Hier fehlt tatsächlich der Bezug dazu etwas.
Meinung: Von Anfang an beeindruckt mich die Ausdrucksweise, alles sehr poetisch. Doch der Einstieg fiel mir hier nicht ganz so leicht, denn es wurde da sehr viel beschrieben (Hauptcharakter, Hotel, Umgebung), was ich als etwas langatmig empfand, was aber nach wenigen Seiten dann nicht mehr so war. Wir begleiten hier den Kriegsrückkehrer Gabriel Dan, der in einem Hotel absteigt. Hier lernen wir diverse Charaktere, die Atmosphäre des Hotels und die eben damit verbundenen Gespräche und Handlungen kennen. Das alles ist schon recht interessant, auch wenn ich hier nicht so nah am Hauptcharakter dran war wie in anderen Geschichten, sondern das Ganze eher distanziert verfolgt habe.
Generell eine interessante Geschichte, die eigentlich ganz gut in einem Bereich die Gesellschaft und Gesellschaftsprobleme mit aufzeigt.Lieblingszitate:
"Denn wir hörten mit den Herzen, nicht mit den Ohren."
"... die Menschen haben kein schlechtes Herz, nur ein viel zu kleines."























