Bücher mit dem Tag "kulturen"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kulturen" gekennzeichnet haben.

43 Bücher

  1. Cover des Buches Smillas Gespür für Schnee (ISBN: 9783446286405)
    Peter Hoeg

    Smillas Gespür für Schnee

    (698)
    Aktuelle Rezension von: Eva_Jirsa

    Es ist ein Werk, das extrem gut Stimmungen einfängt. Sei es die Umgebung im kalten, oft finsteren Dänemark oder die kindlichen Erinnerungen der sich selbst hassenden Smilla. Man erfährt zwar, warum sie so schwierig ist, hegt auch eine gewisse Sympathie für sie, fühlt mit ihr, wenn es um Jesaja geht, aber oft übertreibt es Høeg mit den Details. In meinen Augen ist es zum Beispiel unnötig, eine mathematische Formeln zur Berechnung eines wachsenden Eiszapfens zu erklären!

    Manche Szenenwechsel geschehen so schnell, dass man zweimal lesen muss, um zu verstehen, was vor sich geht, und einige Sätze sind zigfach verschachtelt sowie elendslang.

    Wenn es nur das wäre, hätte ich dem Buch vier Sterne gegeben. Die hohe Qualität seiner schriftstellerischen Leistung ist nicht zu verachten, aber es war weniger als unbefriedigend, dass das Ende mit ALLEN Optionen offen bleibt! 

    Der Zeit ihre Mode und so der Buchstil. Ich muss nicht alles mögen.

  2. Cover des Buches Piccola Sicilia (ISBN: 9783596702619)
    Daniel Speck

    Piccola Sicilia

    (171)
    Aktuelle Rezension von: Stolli

    Piccola Sicilia von Daniel Speck ist der direkte Nachfolger von Bella Germania und hat mich erneut mitgerissen, die teilweise sehr bedrückenden Stimmungen, insbesondere in Tunis, waren ganz tief zu spüren.

    Die Charaktere waren sehr gut beschrieben, ich konnte mich gut einfühlen. Gerade Yasmina war sehr negativ aber das war wohl so gewollt.

    Der Schreibstil wunderbar, ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.

    Wie in anderen Rezensionen war auch für mich das Ende einfach zu offen aber dies soll ja in Jaffa Road aufgeklärt werden.

  3. Cover des Buches The sun is also a star (ISBN: 9783570315248)
    Nicola Yoon

    The sun is also a star

    (285)
    Aktuelle Rezension von: Bellita

    Ich bin mit relativ hohen Erwartungen an The Sun Is Also a Star herangegangen und wurde definitiv nicht enttäuscht. Die Geschichte von Natasha & Daniel hat mich von Anfang an neugierig gemacht und ich fand es unglaublich schön, die beiden auf ihrer gemeinsamen Reise durch New York zu begleiten.

    Besonders gut gefallen hat mir, wie viel in nur einem einzigen Tag passieren kann.✨ Natasha glaubt an Wissenschaft und Fakten, während Daniel viel mehr an Schicksal und große Gefühle glaubt. Diese Gegensätze haben für richtig interessante Gespräche gesorgt und ich mochte es sehr, wie die beiden sich gegenseitig zum Nachdenken gebracht haben.

    Auch die Lovestory fand ich unglaublich süß.🥹🩷 Obwohl die beiden nur sehr wenig Zeit miteinander haben, entsteht zwischen ihnen eine besondere Verbindung. Gerade dieses Gefühl von „Was wäre, wenn?“ hat die Geschichte für mich so emotional gemacht.

    Was mir ebenfalls sehr gefallen hat, waren die vielen unterschiedlichen Perspektiven.✨ Dadurch bekommt man nicht nur Natasha & Daniel besser kennen, sondern erfährt auch mehr über die Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegnen. Einige dieser kleinen Geschichten haben mich tatsächlich sehr berührt und gezeigt, wie stark die Entscheidungen und Begegnungen verschiedener Menschen miteinander verbunden sein können.

    Gleichzeitig behandelt das Buch auch ernstere Themen wie Migration, Familie, Identität und die Frage, wo man eigentlich hingehört.🩷 Dadurch war die Geschichte für mich nicht einfach nur eine süße Romance, sondern hatte deutlich mehr Tiefe.

    Der Schreibstil von Nicola Yoon hat mir ebenfalls richtig gut gefallen.✨ Das Buch liest sich leicht und schnell, schafft es aber trotzdem, viele Gedanken und Gefühle zu vermitteln. Besonders die philosophischen Gedanken rund um Liebe, Zufall und Schicksal fand ich sehr schön.

    Insgesamt eine unglaublich schöne, emotionale und besondere Romance, die mich definitiv zum Nachdenken gebracht hat.☀️🩷 Natasha & Daniel habe ich sehr gerne begleitet und ich mochte besonders die Mischung aus Liebe, Schicksal und den vielen kleinen Geschichten, die sich miteinander verbinden. Eine absolute Empfehlung für alle, die romantische Geschichten mit etwas mehr Tiefe lieben.🥹✨


  4. Cover des Buches Ein Lied für die Vermissten (ISBN: 9783492317887)
    Pierre Jarawan

    Ein Lied für die Vermissten

    (56)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Der Libanon war einst die Schweiz des nahen Ostens, mit Skipisten in den Bergen und Jetskis am Strand. Allerdings, so führt der Autor aus, hat die Bevölkerung noch keinen Tag echte Demokratie erlebt. Unter der schönen Oberfläche brodelt es.

    Das spürt man deutlich in diesem Roman, in dem Amin 1994 als Zwölfjähriger nach Beendigung des Bürgerkriegs (1975 bis 1990) in sein Geburtsland zurückkehrt. Nach dem Tod seiner Eltern hatte seine Großmutter mit ihm das Land verlassen. Zuviel war ihr genommen worden und sie wollte das Kind in Sicherheit aufwachsen lassen.

    Im Buch begleiten wir Amin durch die Straßen von Beirut, wo er vieles entdeckt, das ihm fremd ist. Diese Fremdheit macht sich auch beim Lesen breit. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich an manchen Stellen überlegte, ob ich überhaupt weiterlesen soll. Denn über weite Strecken war ich enttäuscht, weil das Buch so ganz anders war, als Pierre Jarawans erster Roman „Am Ende bleiben die Zedern“ (zwar ging es auch darin um den Libanon, war aber sehr viel einfacher zu lesen). Allerdings kamen dann auch immer wieder Abschnitte, die mein Interesse so sehr auf sich zogen, dass sich alles in mir gegen einen Abbruch wehrte. Letztendlich bin ich froh, durchgehalten zu haben.

    Obwohl ich den Libanon schon in anderen Büchern kennenlernen durfte, erfuhr ich viele neuen Tatsachen über die Geschichte dieses kleinen Landes im Osten des Mittelmeeres, das mit Syrien eine lange gemeinsame Grenze hat. Zum Beispiel verschwanden hier während des Bürgerkriegs über 17.000 Menschen spurlos. Auch die Zerstörung Beiruts wird auf Amins Erkundungszügen deutlich. Dabei begleitet ihn sein Freund Jafar, der sich ihm nach und nach immer mehr entzieht und eines Tages unauffindbar ist.


    Pierre Jarawan (*1985) wurde als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Jordanien geboren. Beide Eltern waren vor dem Bürgerkrieg geflohen und nahmen ihn im Alter von drei Jahren mit nach Deutschland, wo er bereits 2012 Meister im deutschsprachigen Poetry Slam wurde. Heute lebt er mit seiner Familie in München.


    Fazit: Das Buch erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Es eignet sich nicht zum Nebenbeilesen. Aber es lohnt sich, und es bleibt in Erinnerung!

  5. Cover des Buches Der japanische Verlobte (ISBN: 9783257241518)
    Amélie Nothomb

    Der japanische Verlobte

    (88)
    Aktuelle Rezension von: Aenna612

    Bisher habe ich von Amélie Nothomb nur Fiktion gelesen, aber auch dieser autobiografische Roman hat mich nicht enttäuscht. In ihrem üblichen, eher sachlichen Schreibstil erzählt sie in Anekdoten über ihre Zeit in Japan, als sie als Anfang-20-Jährige einen Japaner kennenlernte und mit ihm zwei schöne Jahre verbrachte und er ihr die schönen Seiten des Landes zeigte.

  6. Cover des Buches Fernweh im Herzen (ISBN: 9783959102049)
    Nina Sedano

    Fernweh im Herzen

    (18)
    Aktuelle Rezension von: ckfree

    Das Cover ist altbacken und passt nicht zu einer modernen Weltenbummlerin, die mit dem Rucksack unterwegs ist. Zudem ist der Titelzusatz irreführend, denn es handelt sich nicht nur um neue Abenteuer. Das Buch umfasst vielmehr Reiseerlebnisse aus 40 Jahren (1978-2018), in denen teilweise Rückblicke zu anderen früheren Reisen gemacht werden.

    Die Anekdoten sind mal mehr, mal weniger lang und beschäftigen sich mehr mit den Reisebekanntschaften der Autorin als mit den Ländern.
    Oft wirkt es wie ein Tagebuch oder eine Dokumentation runtergeschrieben. Zwischendurch gibt es Passagen, die sich wie ein Sachbuch über Tiere oder Belehrungen über Natur, Umweltschutz etc. lesen.

    Äußerst wenig verspürt man die Freude und Euphorie der Reisenden.
    So ist das selbst auferlegte Vorhaben "Dieses Buch möchte zum Reisen animieren" in meinen Augen klar gescheitert. So schwappt keine Begeisterung oder springt der Funke für einzelne Länder auf mich nicht über, sodass ich nach dem Lesen ohne neues Fernweh zurückbleibe.

  7. Cover des Buches Bissle Spätzle, Habibi? (ISBN: 9783548066301)
    Abla Alaoui

    Bissle Spätzle, Habibi?

    (246)
    Aktuelle Rezension von: wortknaeuel

    Bei Familie Baysan in Hamburg wird gefeiert: die eine Tochter heiratet und ihr Bruder verkündet seine Verlobung. Ist klar, dass nun auch der Druck auf die Älteste wächst! Kurzerhand sucht die Mutter für die 30-jährige Amaya einen Kandidaten auf Minder aus, dem Tinder für Muslime. Doch Liebe lässt sich nicht erzwingen – statt in Ismael verguckt sich Amaya in seinen besten Freund Daniel. Wie soll sie ihren aus Marokko stammenden Eltern nur erklären, dass sie einen schwäbischen Atheisten liebt? Um Zeit zu schinden, verstrickt sie sich in immer mehr Notlügen. Und dann steht sie als Telenovela-Sternchen auch noch unter ständiger Beobachtung von Presse und Followern – wie kompliziert kann Liebe sein?!

    Ich muss zugeben: es fiel mir manchmal schwer, Amayas Verhalten zu verstehen und ich fand ihr ewiges Zaudern und ihre Lügengeschichten schwer aushaltbar. Andererseits erklären die Episoden aus Amayas Vergangenheit ihre Ängste und Sorgen in der Gegenwart, und machen die Handlung dadurch nachvollziehbar. 

    Amayas Familie und Freunde sind wirklich zum knuddeln. Es wird viel gegessen, gefeiert und geschimpft, was interessante Einblicke in die marokkanische Kultur und Denkweise ermöglicht und vermittelt, warum das Leben der in Deutschland aufgewachsenen Generation vielleicht auch manchmal so wahnsinnig kompliziert ist. Ich fand die Struggles des Aufwachsens und das Hin- und Hergerissensein zwischen den Kulturen ganz gut nachfühlbar. Dabei geht es überwiegend lustig zu, es gibt aber auch sehr traurige Momente.

    Sicherlich hat die Autorin Abla Alaoui ganz viel von ihren eigenen Erfahrungen in Amaya hineingelegt. Als Musical- und Film-Schauspielerin mit marokkannischen Wurzeln weiß sie, wovon sie schreibt, und das merkt man.

    „Bissle Spätzle, Habibi?“ ist eine warmherzige Liebesgeschichte, mit sympathisch gezeichneten Figuren und einem spannenden Auf- und Ab der Gefühle.

  8. Cover des Buches Provenzalischer Stolz (ISBN: 9783734110160)
    Sophie Bonnet

    Provenzalischer Stolz

    (35)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    In diesem nunmehr 7. Band verschlägt es Pierre Durand in die Camargue. 

    Doch von Beginn an: Pierre Durand wird durch eine Intrige des neuen Bürgermeisters entlassen und fällt in ein tiefes Loch. Leicht depressiv zieht er sich zurück, was ihm die Dorfbewohner übel nehmen. Als er dann noch zufällig ein abschätziges Gespräch seiner vermeintlichen Freunde belauscht, nimmt er das Angebot seines Nachbarn, ein Hausboot in die Camargue zu überführen dankend an. Auf der Fahrt will er mit sich ins Reine kommen.  

    Gleichzeitig macht ein Kettenbrief mit einer düsteren Prophezeiung rund um drei Sünder, die sterben werden, in ganz Frankreich die Runde. Wer sollen diese drei Sünder sein? Wer ist ohne Schuld? 

    Schon kurz nach Pierres Abreise wird die erste Leiche in seiner Nähe gefunden. Als er auf dem Hausboot einen schwer geschockten, mutmaßlichen Augenzeugen entdeckt, steckt er postwendend wieder in Ermittlungen, denn der Polizeipräfekt teilt ihn dem Ermittlerteam zu. Mit einem Schlag ist Pierre wieder ganz der Alte. 

    In einem zweiten Handlungsstrang macht sich die gute Seele des Rathauses auf, die Malversationen des amtierenden Bürgermeisters aufzudecken, um Pierre und den vormaligen Bürgermeister zu rehabilitieren. Es scheint, als gäbe es da einiges aufzudecken.  

    Meine Meinung: 

    Dieser 7. Fall unterscheidet sich ein wenig von den Vorgängern. Nicht nur, dass der Schauplatz die Camargue ist, sondern auch dadurch, dass Pierre nicht nur der strahlende Held ist. Er darf zweifeln (an sich und seinen Freunden), er darf depressiv sein und sich eine Auszeit gönnen (was ihm nicht gelingen wird). Er darf auch Hilfe in Anspruch nehmen, und zwar nicht nur bei seinen Recherchen, sondern auch im Leben. Das gefällt mir sehr gut. Freundin Charlotte spielt im Moment eine kleinere Rolle, da sie mit ihrem Wunsch nach mehr Nähe, Pierre ein wenig Angst einzujagen scheint. 

    Interessant finde ich Pierres Recherchen im Umfeld der Gitanes, die wie seit Jahrhunderten für alles was schief geht, verantwortlich gemacht werden. Die Vorurteile ihnen gegenüber haben sich nach wie vor nicht verändert. Wir Leser bekommen Informationen über das Leben der Gitanes völlig unaufgeregt und niederschwellig vermittelt.  

    Fazit: 

    Ein komplexer Fall für Pierre Durand, der nun kurzfristig auch außerhalb der Provence ermitteln darf. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

     

  9. Cover des Buches Euphoria (ISBN: 9783406829888)
    Lily King

    Euphoria

    (131)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Die wenigen klassischen Motive in den Erzählungen des Abendlandes: Tod & Sex (unumgänglich an das Moralische gebunden, gerne mit einem Schuldmotiv verknüpft), die Spannung zwischen Fremdem und Eigenem (Lebenseinstellung & Bewältigungsarten), das Wissen und die Unwissenheit, der Kampf (oder eher: die Gewalt), Gut und Böse, Vertrauen und Verrat (Anziehung und Enttäuschung) und schließlich das Gefühl, die Vernunft und das Selbst als eine Dreieinigkeit aller Figuren. Alle diese Motive sind natürlich eng miteinander verwoben, überschneiden sich häufig um neue Facetten zu bilden und das Ganze ließe sich weiter herunterbrechen oder auch noch breiter einteilen.

    Die mögliche Umgebung, der Raum für diese zentralen Motive, ist nicht mehr und nicht weniger als das Universum, mit allem was in seiner Breite existiert(e) und zusätzlich allem, was man sich in/zu ihm ausdenken kann. Jede Umgebung in einem Roman (ob historisch oder geographisch oder beides) ist bestimmt durch einige Aspekte, die untermalend wirken können oder zu wesentlichen Konfliktpunkten in der Handlung werden. Jeder Roman muss in die Motive und die Umgebung die er wählt, seine Figuren weben, und daraus entstehen lassen, was wir Erzählung, Geschichte nennen; doch ist der Roman noch etwas mehr als die Summe seiner Teile, nicht bloß Geschichte, hinter der Motive stehen und nicht nur Motive, die in einer Geschichte lebendig werden. Der Roman ist die Komposition, in der sowohl die Motive als auch die Geschichte nie ein Monopol innerhalb der Leseerfahrung erlangen können und dürfen; das Ganze ist an die Dualität dieser Elemente gebunden, die (ähnlich wie im Leben die Dualität von Handlung (Entscheidung) und Geschehen) nie komplett aufgeschlüsselt oder aufgelöst werden kann.

    In „Euphoria“ breitet Lily King ein Drama um eine Dreierkonstellation, nebst der Charaktererforschung (von Menschen und Ethnien), aus, gekleidet in ein halbhistorisches Gewand (welches manchmal gut, manchmal etwas zu bemüht unterstrichen wird, indem mal kurz, am Rande, einige Ereignisse des jeweiligen Jahres erwähnt werden). Die Geschichte spielt fast die ganze Zeit (von Rückblicken abgesehen) auf der südpazifischen Insel Neuguinea, eine Kulisse, die nicht überstrapaziert wird und die Handlung sehr gut umgibt. Alle drei Hauptpersonen sind Ethnologen und hierhergekommen um die Völker am Fluss Sepik zu erforschen, die zu dieser Zeit (30er Jahre des 20. Jahrhunderts) bis auf wenige Kontakte noch recht abgeschieden von der Zivilisation leben. Das Buch wird aus der Perspektive des dritten Forschers, der zu den anderen beiden (einem Ehepaar) dazu stößt, erzählt; dann und wann gibt es kleinere Kapitel mit Tagebucheinträgen der Frau.

    Der lange Exkurs über Motive zu Anfang dieser Rezension rührt daher, dass ich finde, dass King in dem Roman ihre Motive nicht gut ausbalanciert hat. Man sollte in der Kunst immer auf das Gelungene eingehen und auch auf dieser Seite gibt es bei Lily King viel zu finden: gut recherchierte und aufgemachte Umgebung, faszinierendes Setting, vielfältige Konfliktpotenziale und Themen. Doch trotzdem wirken andere, widerkehrende Elemente, wie etwa der Kindeswunsch, die Rituale der Eingeborenen, die Spannung zwischen den Eheleuten, der Mutterkomplex, die toten Brüder, die Kriege, das Schreiben, sowie das Mysterium, welches die Arbeit des Ethnologen umgibt, noch nicht ganz ausgereift, nicht ganz wie aus Fleisch und Blut. Nun könnte man argumentieren, dass es nur realistisch ist, dass vieles (zumal man die Geschichte nur durch die Augen einer Figur sieht) unklar und entlegen, unabgeschlossen und verschwommen bleibt und eine allzu runde Darstellung dem Roman die Nähe zum Leben nehmen würden und daher nicht jedes Motiv ausgeführt werden muss, sondern unter der Oberfläche bedacht werden kann.

    Dennoch entstand bei mir nach der Lektüre (das Buch ließ sich sehr zügig dahinlesen) ein unguter Nachgeschmack. Irgendwie war das Ganze zu einfach, vom konfliktbeschwörenden Anfang bis zum von Schuld aufgeladenen Ende. Vieles von der Geschichte war während des Lesens widerstandslos in mich hineingeglitten, aber am Ende blieb wenig übrig, von den Figuren, den Völkern, dem Hintergrund und Vordergrund der Erzählung. Ich hatte das ungute Gefühl einen Roman konsumiert zu haben, der so geschrieben war, dass er keinen Moment langweilig, schwierig oder zu fixiert wirkte, dabei aber aus den Augen verlor, wie er hätte anecken, seine Figuren vertiefen und seine Perspektive hätte wandeln oder neu ansetzen können.

    Die Perspektive, auch so ein Problem. Es ist eine sehr legitime und interessante Entscheidung die Geschichte aus der Sicht einer Person zu erzählen; es ergeben sich Möglichkeiten für Zwischentöne, Interpretationen des Lesers, die von den Betrachtungen des Protagonisten abweichen, einfach, weil er dessen Perspektive reflektiert und noch anderes. In "Euphoria" wirkt diese Entscheidung allerdings manchmal etwas unglücklich, um nicht zu sagen hinderlich. Es fehlt an Reibungsflächen, da der gewählte Protagonist oft zaudert und in seiner meist beobachtenden Position wie ein vielwissender Erzähler wirken kann, bevor einem wieder seine beschränkte Perspektive bewusst wird, meist dann, wenn etwas interessantes aufkommen könnte. Anders gesagt: die Möglichkeiten dieser Perspektive wären viel größer gewesen als in der Umsetzung geschehen.

    Viel, was ich in dieser Rezension angesprochen habe, mag Geschmackssache sein. Alles in allem ist "Euphoria" ein gut geschriebener und faszinierender Roman; was ihm meiner Meinung nach fehlt ist ein Funke, ein Ausbrechen, eine Potenzierung seiner Anlagen. Es ist ein solides Buch, dass sich immer wieder erdet und nichts riskiert, dass den Mut zu mehr Länge, Material und Epik hätte aufbringen müssen. Für eine Novelle oder Erzählung ist es zu sehr ein Roman; für einen Roman ein Schwimmen in einem flachen, zu kleinen Gewässer. Man kann das Buch gut konsumieren; festsetzen wird es sich aber kaum.

  10. Cover des Buches The Travel Episodes (ISBN: 9783492404877)
    Johannes Klaus

    The Travel Episodes

    (5)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76
    ‚Mögen sie euch an ferne Orte entführen. Mögen sie euch Lebensweisen näherbringen, die ihr so nie für möglich gehalten hättet. Mögen sie euch inspirieren und zum Staunen bringen. Und Mut machen, euch selbst und die Welt kennenzulernen.‘ (Seite 15)

    Bei ‚The Travel Episodes. Neue Reisegeschichten von allen Enden der Welt‘ handelt es sich um den dritten Teil der von Johannes Klaus herausgegebenen Reisegeschichten.

    Der Leser wird auch diesmal an exotische sowie an ganz gewöhnliche Orte mitgenommen, an denen die Autoren ganz besondere Geschichten erlebt haben.

    Gegliedert ist der dritte Band in ‚Das Glück des Fremdseins‘, wo der Leser unter anderem die Südsee, Russland und Syrien virtuell bereist, ‚Aus Angst wird Mut‘, wo einen die Autoren mit nach Wales, Kroatien, die Mecklenburgische Seenplatte, an die Elfenbeinküste etc. mitnehmen, sowie ‚Allein ist nicht einsam‘, wo man Geschichten aus und über Peru, Myanmar, Finnland u.v.a. folgen kann.

    Ich kenne Band 1 und Band 2 der Travel Episodes und finde den dritten Band im Vergleich etwas schwächer. Einige der Autoren kannte ich zudem schon, so dass die Geschichten nicht wirklich neu für mich waren.

    Viele der Geschichten schaffen es jedoch, den Leser vor Ort zu versetzen, lassen ihn beim Lesen träumen, Abenteuer vom heimischen Sofa aus erleben, besondere Fleckchen der Erde entdecken, exotische Speisen kosten und/oder aufatmen, weil der Autor seine aufregende Tour unbeschadet überstanden hat.

    Manche der Geschichten sind einfach von Grund auf spannend (z.B. die Reise von Dominik Mohr nach Syrien vor dem Krieg), andere sind hervorragend, mit großer Spannung oder viel Witz erzählt (z.B. die Kreuzfahrt von Philipp Laage oder die Indien-Reise von Oleander Auffahrt), wieder andere fand ich persönlich kaum interessant (z.B. die Ruhrpott-Geschichte von Karin Lochner). Alles in allem ist aber für jeden etwas dabei, weil die Geschichten so heterogen geschrieben sind und vollkommen unterschiedliche Orte und Reisearten behandeln.
  11. Cover des Buches The Travel Episodes (ISBN: 9783492406062)
    Johannes Klaus

    The Travel Episodes

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Frechdachs

    NEIN VIEL BESSER - IRAN - NORWEGEN - MOSAMBIK - KONGO - RUANDA - UGANDA - AFGHANISTAN - PYRENÄEN - ETC.

    Bei mir war es dann mal wieder soweit - vor lauter Fernweh und zuhause auf der Couch rumhocken hatte ich das Buch The Travel Episodes: Neue Geschichten für Abenteurer, Glücksritter und Tagträumer als mein Leseziel auserkoren und wurde alles in allem soviel lässt sich jetzt bereits sagen nicht enttäuscht.

    Das Buch gliedert sich nach einem kurzen Vorwort von Andreas Altmann und von Johannes Klaus in die folgenden drei Kapitel:

    - Geschichten für Abenteurer
    - Geschichten für Glücksritter
    - Geschichten für Tagträumer

    Es hält insgesamt 27 kurzweilig zu lesende und unterhaltende Episoden unterschiedlichster Autoren/Reisender bereit.

    Die Geschichten selbst entführen den Leser in vielerlei Länder abseits der bekannten und ausgetretenen Touristenpfade.

    Jede einzelne Geschichte ist meiner Meinung nach lesenswert - wenn auch die Schreibstile der Verfasser sowie die Seitenumfänge der Berichte und damit auch die Detailliertheit doch sehr unterschiedlich ausfallen. Aber gerade das macht diese Sammlung verschiedener Reiseepisoden für mich aus. Das Buch zaubert einem auch an verregneten Tagen ein Schmunzeln und Lächeln ins Gesicht und man kann sich einfach mal in entfernte Gefilde wegträumen und den Alltagsstress hinter sich lassen.

    Das Buch selbst bietet sehr gut die Gelegenheit in die Reisewelten der Autoren ein- und abzutauchen und so wähnt man sich allein mit elf Huskies in der Wildnis Alaskas, 4.200 km unterwegs auf dem Amazonas, auf den Spuren der Berber in Marokko, im Angesicht mit Gorillas im Kongo, mit den "blauen Großraumnussschalen" namens pangas auf dem Weg zum paradiesischen Ziel "Little Corn", auf der Suche nach den letzten Berggorillas der Erde in Ruanda (Mrrrrmh-mrrrrrmh), mit Schmugglern und Drogendealern auf "Du und Du" im Iran, mit einer sechsköpfigen Familie auf Weltreise unterwegs, beim Sightseeing in Kabul, bei einer Wanderung quer durch die Pyrenäen, im skurrilsten "Museum" bzw. in der skurrilsten Sammlung von Helsinki - dem "Götan Maailma" um nur einige enthaltene Geschichten herauszugreifen.

    Die einzelnen Episoden geben mal mehr und auch mal weniger ausführlich die individuellen Eindrücke der Reisenden im jeweiligen - mitunter wirklich exotischen - "Touristenziel" wieder. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Reisenden bewusst die ausgetrampelten Touristenpfade verlassen und erst dadurch die richtige Würze besser gesagt die gewisse Spannung und Lebendigkeit für den Leser ins erlebte Geschehen kommt.

    Am Ende des Buches werden die im Buch enthaltenen Autoren im kurzen Abriss vorgestellt.

    Das Buch kommt im handlichen Taschenbuchformat und umfasst 352 Seiten (inkl. einigen farbigen und s/w-Fotos).

    Das Buch ist für fernwehgeplagte, abenteurerlustige und auch -hungrige Zeitgenossen sehr zu empfehlen. Das Buch darf allerdings nicht mit klassischer Reiseliteratur wie beispielsweise den üblichen Reiseführern verwechselt werden, da hier wirklich die persönlichen Eindrücke auf sehr individuellen Reisen im Vordergrund stehen.

  12. Cover des Buches Arrangierte Ehe (ISBN: 9783956316449)
    Nesrin Kismar

    Arrangierte Ehe

    (18)
    Aktuelle Rezension von: Kathrin_Schroeder

    Nesrin Kismar, Arrangierte Ehe

    Gelesen dank Netgalley im April 2020 als digitales Leseexemplar

    Ausgesucht habe ich das Buch, weil ich mehr über das Thema Arrangiert Ehe bei Türken in Deutschland lesen wollte. Da die junge Frau in einer verantwortlichen Position berufstätig ist (Alzheimerpflege als alleinige Pflegerin in einer Familie), erwartete ich eine Erzählung, in der nicht über den Kopf der zukünftigen Braut hinweg entschieden wird.

    Die Brautschau - Besichtigung der potentiellen Braut durch die Familie des potentiellen Bräutigams - wird über eine Vermittlerin durch die Großmutter der jungen Frau vereinbart. Zuerst sträubt sie sich gegen die Idee so jung zu heiraten, möglicherweise den Beruf aufzugeben, doch nachdem sich der junge Mann nach mehreren Zurückweisungen um sie bemüht und sie ihn dadurch näher kennenlernt, nimmt die Brautwerbung Fahrt auf.

    Aus einer höchst widerspenstigen, selbständigen Frau, die ihren Beruf liebt, wird im Laufe des Buches eine verliebte Braut, dann Ehefrau und Mutter, die den Beruf aufgibt.

    Der Stil der Geschichte ist eher einfach gehalten, Die Erzählweise erinnert mich eher an eine Geschichte, die jemand privat erzählt.

    Einblicke in verschiedenste Traditionen, Regeln und Verhaltensweisen machen die Geschiche anschaulicher. Nervend fand ich, dass Kleidung, Frisur, Make Up (Vorhanden, welche Art, wie viel) ständig in sehr vielen Details erzählt wurden.

    Auch Namen , inklusive der korrekten Titel, sind der Autorin wichtig - das ist bei einem EBook bezüglich der Fußnoten stellenweise anstrengend. Selbst bei Krankenschwester, die einmal kurz auftaucht, wird das Namensschild erwähnt.

    Gut gefallen haben mir die Beschreibungen rund um den Alltag als Pflegerin einer Alzeheimerpatientin, da habe ich auch einiges gelernt.

    Insgesamt war es eher eine durchwachsene Unterhaltung.

    #Netgalleyde #ArrangierteEhe #NesrinKismar #Rezension #KathrinliebtLesen #Bookstagram

  13. Cover des Buches Don´t let me be misunderstood (ISBN: 9783424201239)
    Susanne Kilian

    Don´t let me be misunderstood

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Maza_e_Keqe

    Geschrieben von einer UN-Übersetzerin und Kommunikationstrainerin erfahre ich beim Lesen so einiges über den internationalen Umgang und ganz besonders über die Sprache und das Miteinander. Die deutsche Sprache ist in ihrer Direktheit und Effizienz in der Minderheit auf der Welt. Insbesondere im Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen kann das zu sehr unangenehmen Situationen, Fettnäpfchen und sogar zum Ende von Geschäftsbeziehungen führen.

    Mit viel Leichtigkeit, Witz und reichlich Faktenwissen nimmt mich Susanne Kilian mit auf eine kleine Weltreise. Ich lerne auf den Seiten so viele verschiedene Kulturen kennen wie sonst in kaum einem Buch.

    Zwar richtet sich dieses Sachbuch eher an Geschäftsleute, die international Erfolge einbringen möchten, doch auch ich konnte einiges über meine eigene Kommunikation lernen. Ganz sicher sind Empathie und die „drei Asse“ im Umgang miteinander auch wichtig, wenn dieselbe Muttersprache eine Basis bildet. Gleichzeitig waren die von der Autorin eingestreuten Fettnäpfchen-Beispiele immer wieder unterhaltsam. Susanne Kilian ist mir besonders sympathisch und hat mir mit diesem Werk eine große Freude bereitet.

  14. Cover des Buches Nachtschicht in Neukölln (ISBN: 9783446271142)
    Lana Atakisieva

    Nachtschicht in Neukölln

    (32)
    Aktuelle Rezension von: Bouggo

    Das Buch hat mich sehr persönlich angesprochen und am liebsten würde ich Lana Atakisieva einen Brief schreiben. Sehr anschaulich schildert sie die Schwierigkeiten, die sie meistern musste, um sich aus Aserbaidschan in die fremde, deutsche und leider sehr oft feindlich gesinnte Wirklichkeit einzufinden. Wieder einmal fühle ich mich beschämt, wie meine Landsleute mit Ablehnung, Feindseligkeit, Boshaftigkeit, Drohungen und Übergriffen mit Menschen umgehen, statt ihn, die jede Hilfe dringend gebrauchen können, die Hand zu reichen und ihnen den Neustart so leicht wie möglich zu machen. Um so bewundernswerter ist es, wie sich diese junge Frau durchgebissen und konsequent ihre Ziele verfolgt und erreicht hat.

    Am Aufbau des Buches hat mir gefallen, wie die Abschnitte aus dem persönlichen Bereich und dem Familienleben (den Familientragödien) mit den Abschnitten aus dem Polizeialltag abwechseln. Das macht das Lesen kurzweilig und spannend. Da ich selbst in einer Arztpraxis in Neukölln gearbeitet habe, kann ich die geschilderten sozialen Strukturen nur bestätigen.

    Das Buch kann vielen Menschen Mut machen, und ich hoffe, dass diejenigen erreicht, die diesen Mut brauchen.

  15. Cover des Buches Wo noch Licht brennt (ISBN: 9783709972991)
    Selim Özdogan

    Wo noch Licht brennt

    (23)
    Aktuelle Rezension von: Aischa
    Özdogans letzter Teil der Trilogie rund um die Deutschtürkin Gül ist auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände gut zu lesen.
    Gül kehrt nach einigen Jahren in der Türkei erneut nach Deutschland zurück, um wieder bei ihrem Mann Fuat zu leben. Die Familie ist verstreut, ihre bereits erwachsenen Kinder leben teils in Deutschland, teils in der Türkei. Wo sich Gül zu Hause fühlt ist lange unklar, sie scheint irgendwo zwischen der türkischen und der deutschen Gesellschaft zu hängen. 
    Özdogan schildert die Gefühlswelt seiner Protagonistin sehr einfühlsam und mit ungewöhnlichen Bildern. Seine Sprache ist blumig, geradezu poetisch. So werden etwa Gefühle mit Farben assoziiert, und man findet noch weitere Synästhesien, die jedoch nie ins Kitschige abdriften.
    Gül wird von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, ihr so sehr geliebter Vater stirbt in der Türkei, ohne dass sie ihn noch einmal sprechen kann, Güls Tochter wird jung Witwe. Gül muss nicht nur mit der Untreue ihres Ehemannes fertig werden, nein, er verspielt auch noch das gemeinsame Ersparte. Gül reagiert wenig, meist erträgt sie ihr Schicksal, sie ist gottergeben, bescheiden und doch sehr stark. Diese Stärke ist ihr selbst wohl kaum bewusst, sie ist zugleich in vielen Ängsten gefangen und begehrt nur selten auf. 
    Als Rentnerin geht sie wieder zurück in die Türkei, doch auch dort ist es nicht wirklich ein "nach Hause kommen". 
    Der Roman ist weniger eine Geschichte über kulturelle denn über individuelle Unterschiede. Ich habe sehr mit Gül gelitten, ihre Melancholie zieht sich fast wie ein roter Faden durch die Geschichte. Beeindruckt hat mich, wie sie ihr Schicksal anzunehmen vermag.
    Ein großer Roman über eine leise Frau.
  16. Cover des Buches Die einzige Zeugin (ISBN: 9783404178858)
    Tove Alsterdal

    Die einzige Zeugin

    (25)
    Aktuelle Rezension von: heinoko


    Die Zusammenfassung dieses Mal gleich zu Beginn: Bei „Die einzige Zeugin“ handelt es sich um einen gut geschriebenen, aber langatmigen Kriminalroman. Ein Kriminalroman, der während seines Entstehens wohl vergessen hat, dass er ein Kriminalroman sein wollte und sich in Sozialkritik, privatem Herzeleid und in rumänischen Gebäudebeschreibungen verlor.

    Dabei klingt der angekündigte Plot durchaus vielversprechend. Beckomberga, Stockholm: Auf dem Gelände einer ehemaligen riesigen psychiatrischen Anstalt ist eine exklusive Wohngegend entstanden. Hierhin ist Svante Levander mit seiner neuen jungen Liebe gezogen. Der Schmerz darüber wütet in Eva Levander, der Ex-Frau. Als Svante ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf Eva. Doch die macht sich unerlaubt auf die Suche nach der Bettlerin, die den Mord an Svante gesehen haben muss, eine Suche, die sie nach Rumänien führt.

    Dieses rohe Handlungsgerüst ist jedoch nur ein Bruchteil dessen, was im Buch Platz findet. Da werden auf dem Gelände alte Knochenteile gefunden und ein Einbrecher treibt sein Unwesen, was zur Bildung einer Bürgerwehr führt. Auf der Suche nach der Bettlerin erfahren wir sehr viel über das unerträgliche Leben rumänischer Bettler und über das unterirdische Leben in Stockholm, über den früher üblichen Umgang mit geistig Behinderten, über Flüchtlingsfluten, und das Darknet spielt natürlich auch noch eine Rolle samt Bitcoins. Ach ja, da ist ja noch die schwierige Beziehung zwischen Eva und dem Sohn Filip, den Eva in Berlin aufspürt, der sie aber dennoch nach Rumänien chauffiert. Viele unglaubwürdige Details werden zu einer Geschichte zusammengesetzt, die letztlich nur noch zu Langeweile und Kopfschütteln führt. 

  17. Cover des Buches Kleopatra (ISBN: 9783499629815)
    Wolfgang Schuller

    Kleopatra

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Nachdem ich schon Alberto Angelas Kleopatra-Biografie gelesen habe, wollte ich mich durch einen anderen Autor dieser geheimnisvollen Frau nähern. 

    Wolfgang Schuller legt viel Augenmerk auf die Tatsache, dass sie zuallerst Königin von 3.000 Jahre Geschichte Ägyptens ist. Diesen Hintergrund muss man sich immer vor Augen halten, vor allem deshalb, weil Kleopatra eigentlich eine griechisch-makedonische Prinzessin war. 

    Für ihre Intelligenz spricht ihr politischer Weitblick, der sie quasi in die Arme Roms, Pardon, in die Arme des wohl mächtigsten Römers der Zeit, C. Iulius Caesar, treibt. 

    Wolfgang Schuller zitiert aus antiken Quellen. Nicht ohne zu betonen, dass die Faktenlage dünn ist oder die Berichterstatter sich widersprechen. Er weist darauf hin, dass einiges erst 100, 200 Jahre später niedergeschrieben wurde (wie z.B. Cassius Dio (163-229 n. Chr.)). Auch, dass manche Quellen Propaganda für ihren, gerade aktuellen, Herrscher betrieben. Octavianus, der sich später Augustus nennt, ist ein Meister der Propaganda.  

    Diese Biografie ist geistreich und kurzweilig geschrieben. Sie lässt die Welt der Kleopatra wieder auferstehen. Einzig, dass Fußnoten bzw. Quellenangaben im Text fehlen, ist schade. Es gibt zwar am Ende des Buches ein Literaturverzeichnis, doch die Querverweise innerhalb des Textes wären noch besser gewesen. Das kostet den 5. Stern. 

    Fazit: 

    Eine gut lesbare Biografie einer bedeutenden Persönlichkeit, der ich gerne 4 Sterne gebe.

  18. Cover des Buches Seit wann ist die Erde rund? (ISBN: 9783868731354)
    Guillaume Duprat

    Seit wann ist die Erde rund?

    (3)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick


     

    Das vorliegende Sachbuch, an dem der Autor nach eigenen Angaben über acht Jahre lang gearbeitet hat, ist nicht nur für Kinder ab 9 Jahren, wie vom Verlag empfohlen, geeignet, sondern auch für alle Erwachsenen, die sich für die Entstehung von Weltbildern quer durch die Zeit interessieren, und den Zusammenhang dieser Weltbilder mit der jeweiligen Kultur, die sie geprägt haben. So ist etwa das Weltbild der Bibel, das über eine lange, lange Zeit dominierend war, von dem babylonischen Schöpfungsmythos geprägt, den die jüdischen Theologen nach der Vertreibung ins babylonische Exil dort kennen gelernt und für die Erklärung ihrer eigenen Geschichte adaptiert und verändert hatten. Jeder Theologe lernt das in seinem alttestamentlichem Studium; von den in diesem Buch beschriebenen und erklärten vielen anderen Vorstellungen von der Welt und ihrer Entstehung aus den verschiedenen anderen Kulturen der Welt habe ich jedenfalls bei diesem Studium nichts erfahren. Ein Buch wie das vorliegende hätte mir helfen können, quasi komparatistisch die eigene Tradition einzuordnen.

    Das Buch des Franzosen Guillaume Duprat nimmt seine Leser auf eine spannende und sehr lehrreiche Zeitreise mit, bei der sie erfahren, welche Vorstellungen die vielen Völker dieser Erde und ihre Kulturen von der Form und vom Aussehen unserer Erde hatten und zum Teil heute noch haben. Mit vielen Klapptafeln und schönen Illustrationen ist das Buch ausgestattet, und eine Datumsleiste von der Frühzeit bis heute gibt eine wichtige Orientierungshilfe bei der historischen Einordnung.

    Ein sehr empfehlenswertes Buch, das nicht umsonst nach seinem ersten Erscheinen 2009 den Kinder- und Jugendbuchpreis LUCHS der ZEIT erhalten hat.

  19. Cover des Buches Weltkugel 4: Wie ist es, wenn man anders ist? (ISBN: 9783522305334)
  20. Cover des Buches Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha (ISBN: 9783492276023)
  21. Cover des Buches akzentfrei. Literarische Essays (ISBN: 9783887695576)
  22. Cover des Buches Ein Alman feiert selten allein (ISBN: 9783365000724)
    Aylin Atmaca

    Ein Alman feiert selten allein

    (108)
    Aktuelle Rezension von: DaizyTheDoe
    Ich habe das Buch mit meinem Freund zusammen gelesen.
    Wir sehen so viel Ähnlichkeit mit manchen Familien.

    Wir hatten einen Lacher nach dem anderen.
    Einfach nur super geschrieben und so gefühlsecht.
    Das Buch zeigt so viele Dinge aus der weihnachtlichen Zeit und der Vorbereitungszeit.
    Auch die Figuren sind so real geschrieben und man fühlt sich ihnen sehr nah.
    Sie sind super authentisch dargestellt und wenn wir ehrlich sind, kennen wir alle jemanden im Freundeskreis der genau so ist.

    Der Schreibstil war sehr gut. Man hatte das Gefühl dabei zu sein und die lustigen Facetten kamen neben der ernsteren Schiene gut raus.
    Man lernte auch viel über die unterschiedlichen Vorurteile, die beide der Nationen über den gegenüber hat.

    Am Ende zeigt das Buch auch, dass zwar jeder etwas anders ist, aber alle am Ende doch gut auskommen können.

    Ich kann das Buch ganz klar empfehlen, wenn man erstens ein Fable für Comedy Büchern hat und vor allem Weihnachten dazu noch toll findet.
  23. Cover des Buches Die Frauen vom Meer (ISBN: 9783426306154)
    Deniz Selek

    Die Frauen vom Meer

    (33)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Dieses Buch fand ich im Bücherschrank und hatte keinerlei Erwartungen. Es hat mich sehr positiv überrascht und wird immer in meinem Bücherregal bleiben. 

    Ab der ersten Seite konnte mich dieser Roman fesseln und berühren. Die türkische Kultur wurde mir durch diese Familiengeschichte viel näher gebracht und konnte richtig in sie eintauchen. Ich mochte Ferah besonders gerne. 

    Eine absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne von mir. 



  24. Cover des Buches Eine kurze Geschichte der Trunkenheit (ISBN: 9783608964837)
    Mark Forsyth

    Eine kurze Geschichte der Trunkenheit

    (7)
    Aktuelle Rezension von: sbalunzia

    Im Grunde ist es ein kurzes Geschichtsbuch. Anders als die dicken und zähen Schinken, welche man direkt vor Augen hat, wenn man an ein Geschichtsbuch denkt, ist bei diesem Buch der Schreibstil komödiantisch. Ich meine, bei welchem Geschichtsbuch werden Wörter wie "vermöbeln", "Schwubsdiwups" oder "einen hinter die Binde kippen" benutzt? Es gibt einige Abschnitte, die mich zum Lachen gebracht haben.

    Das Buch ist mit allerlei lustigen Fakten gespickt. Wie etwas über die alten Perser und ihre Methode, einen Beschluss zu fällen.  Das Problem wird zweimal diskutiert: einmal betrunken und einmal nüchtern. Sind beide Male die Ereignisse identisch, handelten sie entsprechend.

    Besonders interessant fand ich den Wandel, welcher der Alkohol machte und in den verschiedenen Kulturen zelebriert wurde.

    Alle hatten aber eines gemeinsam, und zwar Regeln und Bräuche. Die Ägypter hatten Zeremonien mit Alkohol und Orgien, die Griechen tranken ihren Wein in gemeinschaftlichen Symposien und die Römer nannten ihren Trinkbrauch Convivium.

    Wo aber Alkohol ist, da sind auch viele Verbote und noch mehr, welche diese auszuhebeln versuchten. Bei den Wikingern machte der Alkohol ihre gesamte Existenz aus, im England des 18. Jh., wurde peinlich genau zwischen einem Inn (Gasthaus), einer Taverne (Schenke) und einem Alehouse (Bier-Lokal) unterschieden und bei den Azteken war das trinken nur erlaubt, wenn man sowieso zur Arbeit nicht mehr taugte.

    Nach dem Exkurs zu den verschiedenen Kulturen, Stämmen und Religionen wird ein spannendes Fazit gezogen.

    Im Buch wird von den "Feuchten und trockenen Kulturen" geredet. Die einen trinken immer, aber nie so, dass sie betrunken wurden und die "trockenen" waren Abstinenzler bis zu einem bestimmten Fest, wo dann ein grosses Saufgelage gestartet wird. Diese Vermischung führt in absehbarer Zeit zum Alkoholismus.

    Zu dem ganzen komödiantischen fand ich den Epilog mega gut geschrieben und brachte mich zum Nachdenken.

    Für mehr Rezensionen: Instagram -> book_recommender_sbalunzia

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