Bücher mit dem Tag "kulturhistorisches"

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22 Bücher

  1. Cover des Buches Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur (ISBN: 9783570102060)
    Andrea Wulf

    Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Elisabeth_Rettelbach

    Ich liebe historische Reise- und Wissenschaftsbeschreibungen ohnehin sehr, und hier hat mich auch der lebendige Schreibstil mitgerissen. Das Werk befasst sich mit interdisziplinärem und universalem Weltwissen, das die Jahrhunderte überdauert: Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaft, Kunst, Soziologie … Auch machte Humboldt damals schon auf beginnende Umweltzerstörung aufmerksam und kritisierte den Kolonialismus und seine Auswirkungen auf Mensch und Natur durch Ausbeutung. Natürlich lässt sich nicht verhehlen, dass auch er selbst zwangsläufig ein europäischer Eindringling auf dem südamerikanischen Kontinent war und aus heutiger Sicht mit Sicherheit Ausbeutung betrieben hat – allein schon das Sammeln von Pflanzen und Tieren etc. Dennoch schien er für die damalige Zeit umsichtig vorzugehen und wirklich vor allem Wissensdurst stillen wollen, nicht sich selbst bereichern. Ein herrliches Buch, das ich Nächte durchgelesen habe. Sehr zu empfehlen.

  2. Cover des Buches Frauen, die lesen, sind gefährlich (ISBN: 9783938045060)
    Stefan Bollmann

    Frauen, die lesen, sind gefährlich

     (84)
    Aktuelle Rezension von: Books_mytruepassion
    https://booksmytruepassion.blogspot.com/2019/08/rezension-zu-frauen-die-lesen-sind.html#more
    In "Frauen, die lesen, sind gefährlich" zeigt uns der Autor Stefan Bollmann verschiedene Gemälde und Fotografien aus der Geschichte, die Frauen beim Lesen zeigen. Künstler wie Rembrandt, Vermeer oder Vincent van Gogh sind ebenfalls in dem Buch vertreten. Die Gemälde zeigen, dass Frauen auch schon im 11. Jahrhundert, und wenn nicht sogar schon eher, auf Gemälden zu sehen sind wie sie in Büchern lesen. Da es früher als gefährlich galt einer Frau das lesen zu erlauben oder sie dabei zu erwischen, haben diese Bilder eine sehr wichtige Bedeutung für die Gleichberechtigung der Frauen. Es werden verschiedene Gemälde näher Vorgestellt und die Ideen der Künstler erläutert.
    Die Einleitung des Buches ist unglaublich inspirierend und bereitet einen auf den Inhalt des Buches sehr gut vor. Man bekommt richtig Lust mehr über die Intentionen der Künstler zu erfahren. Das Buch ist kurz gehalten, bzw. gibt es meiner Meinung nach manchmal zu wenig Informationen zu den Gemälden und deren Künstlern. Aber im Großen und Ganzen gibt das Buch einen guten Einblick in das Thema Frauen und Bücher, was ich unglaublich faszinierend finde.
    Einige der Gemälde sind unglaublich schön und die Geschichten und die Bedeutungen dazu haben mir auch wahnsinnig gut gefallen. Eines meiner absoluten Lieblingsgemälde in dem Buch ist "Rosengarten" von Peter Severin Kroyer, dass die Frau des Malers zeigt, die in einem Liegestuhl sitzt und liest, während ihr Mann, der Maler, genau dieses Bild zeichnet und sie auf ihn wartet.
    Der Schreibstil in dem Buch ist ist sehr leicht verständlich und es werden auch keine künstlerischen Fachwörter verwendet, was ich sehr gut fand, da man dadurch auch als nicht Kunstliebhaber alles verstehen konnte.
  3. Cover des Buches Tafeln mit dem Kaiser (ISBN: 9783218009072)
    Hannes Etzlstorfer

    Tafeln mit dem Kaiser

     (11)
    Aktuelle Rezension von: elisabethjulianefriederica

    Was war die Lieblingsspeise des Kaisers? Was aß er am 24. Dezember? Wie wirkten sich politische und gesellschaftliche Ereignisse auf seine Mahlzeiten aus?


    Aus dem Archiv des legendären Fernsehkochs Franz Ruhm stammen die auszugsweise im Faksimile abgedruckten Menühefte „Menus Sr.K. Und K. Apost. Majestät v. 4. Mai 1913 bis 29. Jänner 1914 Schönbrunn“. Kunst-und Kulturhistoriker und Sachbuchautor Hannes Etzlsdorfer stellt ausgehend von diesen Menüheften die privaten, gesellschaftlichen und politischen Ereignisse jener Tage zusammen.

    Eine interessante Idee, die leider nicht immer spannend zu lesen ist, aber immer schön zum Schmökern für zwischendurch. Man muss sich das Buch für kleine Warteeinheiten geschickt plazieren, dass man Geschichte in kleinen Häppchen geniessen kann. Ideal stelle ich mir das vor im Restaurant, während man auf das Essen wartet oder zuhause im Essbereich – oder im Wartezimmer eines Arztes bzw. einer Klinik...

    Für Geschichts- und Kochkunstinteressierte sicher eine interessante Lektüre, die Faksimile-Auszüge

    der Menühefte des Kaisers bekommt man sonst nicht zu Gesicht.

    Mir hat es gefallen, aber nicht am Stück, sondern in kleinen Häppchen serviert.



  4. Cover des Buches Kolumbus' Erbe (ISBN: 9783498045241)
    Charles C. Mann

    Kolumbus' Erbe

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis
    Der Autor, ein amerikanischer Wirtschaftsjournalist, hat ein bemerkenswertes Buch über die Wechselwirkungen und den Austausch von Natur und Politik geschrieben.
    So kamen bis zur Entdeckung Amerikas nicht heimische Pflanzen, Tiere und Organismen nach Amerika. Im Gegenzug importierte Europa Unbekanntes. Nicht immer zum Wohl der Menschheit in beiden Kontinenten, wie wir heute wissen.
    Zwei Arten von ursprünglich europäischen Regenwürmern graben seither Amerikas Erde um, dafür vergiften sich die Europäer mit den Erzeugnissen der Tabakpflanze.
    Mit vielen ähnlichen Geschichtchen deckt der Autor auf, wie die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus ab 1492 eine buchstäblich „neue Welt“ hervorbrachte. Nicht nur Menschen, sondern auch Bakterien, Tiere, Pflanzen, Waren und Rohstoffe wechseln seither in zunehmendem Tempo den Ort und Kontinent.
    Der Teufelskreis „Kultur verändert die Natur – Natur greift in die Politik ein – die Politik versucht die Natur zu steuern“ wurde damals in Gang gesetzt.
    Selbst der Slogan „Zurück zur Natur“ ist Menschenwerk. „Natur pur“ wie es uns die Werbung suggeriert – gibt es nicht (mehr).

    Das Buch wurde zu Recht zum besten Sachbuch 2013 gewählt!
  5. Cover des Buches Das Europa der Könige (ISBN: 9783499629136)
    Leonhard Horowski

    Das Europa der Könige

     (8)
    Aktuelle Rezension von: jackdeck

    Leonhard Horowski, Historiker und Anglist, schenkt den an Geschichte interessierten Lesern viele Stunden Lesegenuss. Vielleicht erschrecken einige über den Umfang des Werkes, das mit 1.120 Seiten und knapp 1,5 kg nicht unbedingt zu den Leichtgewichten zählt.

    In 20 Kapiteln, die unterschiedlich lang sind, stellt Horowski mit leichter Feder eine längst versunkene Welt, die allerdings Auswirkung auf das Heute hat, dar. Er erzählt über adelige Machtkonstellationen, die sich im Absolutismus im „Alleinherrschertum von Gottes Gnaden“ manifestieren. Zuvor ist die Königswürde mitunter ein labiles Gebilde aus mehr oder weniger einflussreichen Adelsgeschlechtern.

    Der Hof des Königs zieht die Adeligen an, wie das sprichwörtliche Licht die Motten. Es wird gemauschelt und gemordet. Man gibt keinen Vorteil auf, weiß über die Hofetikette genauestens Bescheid und kämpft erbittert, sollte einer gegen dieselbe verstoßen.

    Manchmal hat man das Gefühlt einen Roman und kein Sachbuch zu lesen, so farbenprächtig und leicht lässt sich das kolossale Werk lesen.

  6. Cover des Buches Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910 (ISBN: 9783608949148)
    Aram Mattioli

    Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910

     (10)
    Aktuelle Rezension von: SiCollier
    Die Zerstörung des indianischen Nordamerika darf als Schlüsselereignis nicht mehr länger aus der Geschichte der USA wegretuschiert werden, gerade weil viele Amerikaner diese Katastrophe jahrzehntelang ausblendeten oder sie in ihrer Bedeutung bis heute kleinreden. (Seite 348)

    Meine Meinung

    „Es ist nicht möglich, alle an California Indians verübten Massenmorde zu thematisieren, weil es schlicht zu viele an der Zahl sind.“ (S. 210) Der Satz stand bei der Überlegung, welches Zitat ich über meine Rezension stelle, mit zur Auswahl. Immerhin hat er es an den Beginn der Rezension geschafft und deutet so auf zweierlei hin: daß es weder im Buch noch in der Rezension möglich ist, alles Relevante zu erwähnen (weil es schlicht zu viel ist) und wes Geistes Kind die heutigen USA sind, was zu deren Verständnis hilfreich ist.

    Selten hat mich ein Buch dermaßen wütend zurückgelassen wie dieses. Und das, obwohl (oder gerade deswegen?) der Autor in durchweg sachlicher, aber gut lesbarer, Sprache die historischen Ereignisse schildert. Daß er sich diese nicht aus den Fingern saugt, mag die übergroße Anzahl von Quellenhinweisen am Ende des Buches bezeugen.

    Zu Beginn führt er aus, daß es heute drei Positionen zum Untergang der Indianer gibt: die erste besagt, daß der Untergang nicht gewollt passierte, sondern eine „unbeabsichtigte Nebenfolge“ (S. 22) der Westexpansion war. Der zweite ist der Meinung, daß die nordamerikanischen Indianer seit Beginn der europäischen Expansion „Opfer eines gezielten und systematisch betriebenen Völkermordes“ wurden. (S. 22f) Der dritte schließlich besagt, daß die erstgenannten beide nicht zutreffend sind, sondern daß die Indianer an verschiedenen einzelnen Formen der Massengewalt, wie zum Beispiel Todesmärsche bei Umsiedelungsaktionen, Unterversorgung in Reservaten, Kindeswegnahmen, Massakern (vgl. S. 24f) unter gingen, diese insgesamt jedoch nicht die Bedingungen der Genozidkonvention vom 9. Dezember 1948 erfüllen würden.

    Das Buch selbst ist in einzelne Kapitel, die sich mit jeweils einer Großthematik, wiederum unterteilt in bestimmte Regionen bzw. Nationen, befassen aufgeteilt. So entsteht für die Zeit ab etwa 1700 bis in die Neuzeit ein sehr umfangreiches und detailliertes Bild dessen, was durch die Besiedelung des Westens durch die Amerikaner den dort seit Jahrhunderten lebenden indigenen Völkern widerfahren ist. Sicherlich würde eine Gesamtdarstellung aller Nationen samt deren Schicksal den Rahmen dieses (und auch jedes anderen Buches) sprengen, aber dadurch, daß wesentliche Schwerpunktthemen behandelt werden, erhält der Leser doch ein recht vollständiges Bild jener Ereignisse, die oft als „Eroberung des Wilden Westens“ verklärt dargestellt werden.

    Neu waren für mich die Ausführungen dazu, weshalb sich viele Nationen mit den Briten und/oder Franzosen gegen die Amerikaner verbündeten. Vor allem die Franzosen gestanden den Indianern - im Gegensatz zu den Amerikanern - viele Rechte zu, so daß sie relativ frei und unbehelligt in von diesen kontrollierten Gebieten leben konnten. Die Parteinahme für Briten und Franzosen war also wohlüberlegt im Sinne des eigenen Überlebens. Die verheerende Wirkung der von den Europäern eingeschleppten Seuchen war mir allerdings schon früher in anderen Veröffentlichungen begegnet.

    Immer wieder wird deutlich, daß es den Amerikanern völlig egal war, wie sie ihr Ziel, den Kontinent vollständig zu unterwerfen und zu besiedeln, erreichen. Dabei trat ein erschreckender Rassismus zutage, der bis heute wirkmächtig ist. Denn die First People wurden nicht als (gleichberechtigte) Menschen, sondern als „Wilde“, als „auf Steinzeitstufe stehengebliebene“, als „unterlegene Rasse“ angesehen, deren natürliches Schicksal es sei auszusterben. Niemand störte sich daran, daß dazu beispielsweise auch der 1. Zusatzartikel zur Verfassung gebrochen wurde (vgl. S. 297).

    Nach der Lektüre des Buches bin ich persönlich zu der Überzeugung gekommen, daß vielleicht kein expliziter schriftlicher Regierungsbeschluß zur vollständigen Ausrottung der Indianer existiert haben mag, die Handlungsweise sowohl von Regierung, US Army als auch den Siedlern lief jedoch auf genau diese hinaus. Weshalb vielleicht nicht im strengen juristischen Sinne nach einer Definition, die Jahrzehnte später erst erstellt wurde, in sachlicher und „gesunder menschenverstandsmäßigen“ Hinsicht jedoch sehr wohl ein gewollter Genozid vorliegt.

    Schriftlich nachweisen läßt sich allerdings der Ethnozid (vgl. das Kapitel S. 294ff: „Versuchter Ethnozid: ‘Töte den Indianer, rette den Menschen’“), in dem versucht wurde, die indianische Religion und Kultur vollständig auszulöschen. Es grenzt schon an ein Wunder, daß dies trotz der massiven Maßnahmen letztlich nicht gelang, wenngleich viel verloren gegangen ist.

    Vieles ließe sich noch anführen, aber wie eingangs erwähnt, reicht dafür der Platz nicht aus. Nur zwei aktuelle Bezüge sind mir im Verlauf des Lesens bewußt bzw. klar geworden. Zum Einen, daß der derzeitige US Präsident Donald Trump in „bester“ amerikanischer Tradition handelt und zum Anderen Europa (bzw. die EU Staaten) aufpassen müssen, daß es ihnen nicht ähnlich ergeht wie den Native Americans. Denn rücksichtslose und rüpelhafte Politik hat in Amerika offensichtlich eine jahrhundertelange Tradition. Dagegen hilft nur große Geschlossenheit, Entschiedenheit und Stärke. Wer weiß, wie die Geschichte in Nordamerika verlaufen wäre, hätten die indigenen Völker über diese Eigenschaften verfügt.

    So bleibt am Ende nur der Hinweis von Simon Pokagon, einem Potawatomi, von 1893 in seinem Büchlein „The Red Man’s Rebuke“:
    „Und während ihr, die ihr Fremde seid und hier lebt, die Angebote der Handarbeit eurer eigenen Länder hierher bringt und eure Herzen voller Bewunderung frohlocken über die Pracht und Größe dieser jungen Republik (...) vergesst nicht, dass diesem Erfolg unsere Heimstätten und eine einst glückliche Rasse geopfert wurden.“ (S. 337)


    Mein Fazit

    Eine umfassende, mit großer Sachkenntnis gut lesbar geschriebene Darstellung der Geschichte der Indianer der USA und ihres Unterganges. Ein unbedingtes Muß für jeden, der sich für die Thematik interessiert.
  7. Cover des Buches Die Verzauberung der Welt (ISBN: 9783406666643)
    Jörg Lauster

    Die Verzauberung der Welt

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Lesefreund6203
    Christentum von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert

    Eines muss man der christlichen Religion auf jeden Fall lassen durch all diese Jahrhunderte nicht nur der Kirchen-, sondern ja auch der spannungsreichen Zeitgeschichte. Sie hat durchgehalten. Was nicht nur für das Christentum gilt, aber doch für dieses eine durchaus nicht selbstverständliche Leistung bedeutet in einer geographischen Religion , die intensiven geisteswissenschaftlichen Strömungen samt der Aufklärung unterworfen war.

    Nicht zu Zeiten „in einer Ecke der Geschichte“ hat diese Religion zu gewissen Zeiten „überwintert“, sondern meist „mitten im Geschehen“, im Ringen um Macht und Einfluss, in Teilen als mehrfache Auslöser für neue, geistige Entwicklungen (Franziskaner, Rubens, Kunstgeschichte u.v.m.) ist das Christentum in Europa eine der zentralen „Geisteskräfte“, Glaubenshaltungen, gesellschaftlichen und kulturellen Antreiber und Beeinflusser gewesen.

    Da lohnt es sich, gerade diese Kulturgeschichte in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und die nackten, historischen Fakten ein stückweit zumindest in den Hintergrund zu stellen, diese eher als „roten Faden“ als Struktur mitlaufen zu lassen. Und es ist verständlich, dass ein umfassendes Werk am Ende vorliegt, das dichtgedruckt von Informationen fast überfließt, auch wenn vielfache Ereignisse der Kulturgeschichte des Christentums nur komprimiert Platz finden im Buch.

    Wobei Lauster als Theologe von Beginn an seinen Schwerpunkt in der Herangehensweise verdeutlicht.

    „Eine kontinuierliche Verzauberung der Welt“ angesichts des Reiches Gottes, der Ewigkeit, der ständigen Möglichkeit der Entdeckung eigener, innerer Geheimnisse, das macht für ihn den Wesen des Christentums aus, dem er von den Anfängen der Person Jesu bis in das 20. Jahrhundert hinein nachgeht.
    Und verweist gerade in den Anfängen auf diese eine, bis heute entscheidende und zugleich durch die Zeiten hindurch kontrovers aufgenommene Behauptung, in Christus sei „Gott selbst“ sichtbare Person geworden. Und das in Bezug auf eine Person, die in ihren historischen Fakten nie eindeutig geklärt werden konnte. Schon hier also setzt eine gewisse „Glaubens-Verzauberung“ ihre markante Spur.

    Eine „Verzauberung“, das mag zunächst paradox klingen, die sich in einzelnen Menschen oder kleineren Gruppen zunächst (wie z.B. die Katharer) immer wieder vor allem gegen „den eigenen Verein“, die Kirche, ihren Weg zu bahnen wusste, manchmal tatsächlich auf fast wunderhaften Wegen. Kirche und Christus sind, zumindest in ihrer inneren Zielausrichtung, nicht unbedingt deckungsgleich zu verstehen, was immer wieder auch im Buch an entsprechenden Stellen herausgearbeitet wird.

    Reformation, innerkirchliche Erneuerungsbewegungen, Abspaltungen, der Glaube bewegt und bewegt damit zu vielen historischen Zeitpunkten die gesamte Gesellschaft mit (mit Folgen wie dem hundertjährigen Krieg, wo Kirche und Fürsten wieder einmal darauf bestanden, dass der „Geist eben nicht weht, wo er will“).

    Eine Spannung, die „im System“ begründet liegt, wie Lauster ausführlich ausführt. Als „transzendierender Glaube“, der a priori die Welt immer und auch grundlegend in Frage stellt gegenüber einer Institution, die als eine der höchsten Prioritäten auch den Selbsterhalt in der Welt (immanent) verfolgen muss, will sie Institution bleiben, kommt es faktisch zu grundlegenden Spannungen der inneren Haltungen, die sich historisch und kulturell bis heute immer ihren Ausbruch gesucht (und gefunden) haben.

    Von Wegen der „Vergeistigung“ bis hin zum anderen Pol der (fast völligen) Verweltlichung reicht die Kulturgeschichte des Christentums und ihrer irdischen Ausdrucksformen.
    Von „Weltflucht“ zu „Machtansprüchen“, von „den Menschen Gutes Tun“ bis zum „das Beste von den Menschen fordern“ oder „ganz und nur in sich gehen“, intensiv und spannend stellt sich die Kulturgeschichte des Christentums gerade in Europa dar.
    Und auch wenn das Buch manches Mal trocken formuliert wirkt, sich hier und da zu kleinteilig in Einzelheiten verliert, während an anderen Stellen für den je interessierten Leser einiges zu sehr in komprimierter Darstellung verharrt, diese „reibungsvolle Grundstruktur“ des Christentums legt Lauster sehr verständlich und fundiert als den Antrieb des Christentums vor Augen und eröffnet ebenso immer wieder den Blick auf jenen „Zauber“, der dem Göttlichen innewohnt und der Menschen innerlich bewegen kann wie kaum eine andere innere Kraft.

    Ein Zauber, der, so ist sich Lauster sicher, sich immer wieder auf seine Art und Weise entfalten kann. Pluralistischer, vielleicht nicht auf Dauer in Räumlichkeiten der verfassten Kirchen aber immer da, wo Menschen diesem Zauber gegenüber sich aufschließen.

    Insgesamt eine in Teilen zwar komprimierte, dennoch aber hoch informative Darlegung der Kulturgeschichte des Christentums, die es immer wieder versteht, auf den „Kern des Glaubens“ einzugehen, die Transzendenz mit ihrer Faszination für Menschen, den „Zauber“ des „über sich hinaus Denkens, hinaus Gehens und hinaus Fühlens“.
  8. Cover des Buches Am Beispiel der Gabel (ISBN: 9783458176190)
    Bee Wilson

    Am Beispiel der Gabel

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  9. Cover des Buches Neue Fischer Weltgeschichte. Band 13 (ISBN: 9783100108432)
  10. Cover des Buches Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten (ISBN: 9783406652868)
    Neil MacGregor

    Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Brigitte_Kraechan
    Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet ein Geschichtsbuch mit auf jene immer wieder angesagte einsame Insel nehmen würde. Der Autor, übrigens lange Jahre Direktor des British Museum in London und ab 2016 Gründungsintendant am Humboldtforum in Berlin, erzählt die Geschichte der Welt anhand von Dingen. Die ausgewählten  Exponate, die nach einer langen Reise durch die Zeit und nicht selten durch die Welt, letztlich im British Museum landeten , beschreibt der Autor  nicht nur aus dem Blickwinkel eines europäischen Museums, sondern versucht der  Bedeutung der Dinge für die, die sie erschaffen haben, nachzuspüren und dem Weg der Objekte  durch die Zeit zu folgen. Dabei ist die Einleitung bereits so spannend geschrieben, dass ich danach absolut überzeugt war: Mein Lesesommer ist gerettet. Immerhin hat das Buch über 700 Seiten! 100 Objekte ! 100 spannende Kurzgeschichten! Allerdings nix für die Badewanne – zu schwer.  Aber ein interessantes Geschenk für alle, die sich für die Geschichte der Welt oder einfach für die Geschichte ( fast alltäglicher)  Dinge interessieren.
  11. Cover des Buches Liebe im Schatten der Krone (ISBN: 9783596305506)
    Eleanor Herman

    Liebe im Schatten der Krone

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Carosternchen
    Informativ und gut geschrieben. Eben ein Sachbuch über Maitressen:-)
  12. Cover des Buches Geißeln der Menschheit (ISBN: 9783538071599)
    Stefan Winkle

    Geißeln der Menschheit

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Kulturgeschichte der deutschen Küche (ISBN: 9783406676628)
  14. Cover des Buches Kulturgeschichte des Essens und Trinkens (ISBN: 9783572100477)
  15. Cover des Buches Kochen (ISBN: 9783956140877)
    Michael Pollan

    Kochen

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Havers

    Was Michael Pollan sagt, wird gehört. So sieht es zumindest das Time Magazine, das den Professor für Journalistik und schreibenden Mitarbeiter der New York Times 2010 unter die hundert einflussreichsten Menschen der Welt gewählt hat. Es sind die Schnittstellen zwischen Natur und Kultur, die Pollan interessieren und die er in seinen populärwissenschaftlichen Sachbüchern genauer unter die Lupe nimmt. Und wenn man sich seine Veröffentlichungen anschaut, kann man folgern, dass ihm ganz besonders das Thema Ernährung am Herzen liegt.

    Den ersten Kontakt mit Michael Pollans Food-Philosophie hatte ich bei der Lektüre seines Buches „Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regeln für gute Ernährung“. Die Vorbehalte gegen die industrielle Verarbeitung unserer Lebensmittel, die in diesem Titel durchscheinen, teile ich, weshalb mich auch seine neueste Veröffentlichung „Kochen: Eine Naturgeschichte der Transformation“ sehr interessiert hat.

    Kochen ist für Pollan ein essentieller Bestandteil der menschlichen Entwicklung, und er nähert sich diesem Thema über die vier Elemente des Lebens: Feuer, Wasser, Luft, Erde und ihren Einsatz bei der Nahrungszubereitung. Um tiefer in die Materie einzutauchen, sucht er sich Küchenmeister, deren Techniken auf diesen Säulen ruhen. Die Verarbeitung von Fleisch durch Grillen (Feuer) und Schmoren (Wasser), die Herstellung des täglichen Brotes (Luft) sowie die Fermentierung/Vergärung von Feldfrüchten (Erde) durch den Einsatz von Bakterien. Diese Grundtechniken werden ausführlich und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und vermitteln dem interessierten Leser ein fundiertes theoretisches Wissen.

    Zu jeder Technik gibt es ein Rezept (und das bei einer Gesamtseitenzahl von knapp 500 Seiten), aber Pollans „Kochen“ ist ja auch kein Rezeptbuch, sondern eher eine Mischung aus Philosophie, Historie, Naturwissenschaft und Kulturwissenschaft. Dem Autor liegt vor allem daran, seinen Lesern Informationen an die Hand zu geben, um Interesse an den „Lebens“mitteln und den Hintergründen bei deren Zubereitung zu wecken und dadurch den bewussten Umgang damit zu fördern.

    Und da mittlerweile Kochsendungen im TV Hochkonjunktur haben und noch immer steigende Zuschauerzahlen vermelden, sollte es für diese Thematik wahrlich genügend Interessenten geben. Michael Pollans „Kochen“ ist ein Grundlagenwerk für jeden Koch und jeden Esser – nachdrücklich empfohlen!

  16. Cover des Buches Before They Pass Away (ISBN: 9783832733186)
    Jimmy Nelson

    Before They Pass Away

     (3)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick


     

    Bevor auch sie vergehen … Diesen eher traurigen und pessimistischen Titel hat der britische Fotograf Jimmy Nelson seinem prächtigen Fotoband gegeben, in dem er Stammeskulturen aus aller Welt beschreibt. Gerade in Zeiten der Globalisierung ist der Rekurs auf die Lebensweise dieser Gesellschaften wegen ihrer charakteristischen Lebensweisen, Künste und Traditionen wichtig. Diese Stämme leben noch im Einklang mit der Natur, eine Fähigkeit, die uns im Wesentlichen abhanden gekommen ist.

     

    Einführungstexte in Englisch, Deutsch und Französisch stellen die jeweiligen Stammeskulturen vor. Dem folgen faszinierende, einfühlsame und beeindruckende Bilder von Menschen, die in diesen Gesellschaften sozusagen zu Hütern ihrer Traditionen geworden sind.

     

    Bilder aber auch, die nachdenklich machen, weil auch diese letzten

    Reservate der Menschheit bedroht sind von einer immer schneller sich

    drehenden Welt, die nicht wirklich es schaffen wird, den Einklang mit der

    Natur wieder herzustellen, sondern die, wenn man Stephen Emmett

    glaubt (vgl. sein Buch „Zehn Milliarden“) dem Untergang geweiht ist:

    „Wenn wir eine globale Katastrophe verhindern wollen, müssen wir

    irgendetwas Radikales tun – und ich meine wirklich tun. Aber ich glaube

    nicht, dass wir das machen werden. Ich glaube, wir sind nicht mehr zu

    retten.“

  17. Cover des Buches Tiger an Deck (ISBN: 9783866481282)
    Birgit Pelzer-Reith

    Tiger an Deck

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Reisen hinter den Horizont (ISBN: 9783869640457)
  19. Cover des Buches Zwischen Strom und Haff : Warnemünde, Nienhagen, Bad Doberan, Heiligendamm, Kühlungsborn, Rerik. (ISBN: B00286NI8U)
  20. Cover des Buches Schiller (ISBN: 9783421058560)
    Birgit Lahann

    Schiller

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Herrschaft der Dinge (ISBN: 9783570553824)
    Frank Trentmann

    Herrschaft der Dinge

     (4)
    Aktuelle Rezension von: 101844
    Frank Trentmann hat ein wirklich ansprechendes Buch verfasst. Es beginnt mit einem thematisch passenden und zum Nachdenken anregendem Gedicht. Dem folgt eine Einleitung, in der die Inhalte und Schwerpunkte des Buches verdeutlicht werden. Das stimmt auf das Kommende ein und bietet gleich zu Beginn Orientierung. Der Autor begleitet die Lesenden durch den Text und verfolgt konsequent und souverän den roten Faden. 
    Das Buch gliedert sich in zwei Teile und die Vorgehensweise des Autors wird an geeigneten Stellen erläutert. Gerade bei einem so umfassenden Text, ist das eine willkommene Unterstützung. 



    Zum Inhalt: Entstehung und Prozess von Konsumkulturen werden mittels vieler guter Beispiele veranschaulicht. So erfahren die Lesenden z. B. die Bedeutung von Gabeln, was es mit "Luxusgesetzen" auf sich hat und wieso gelbe Lederstiefel zum Tode führen konnten.  Dabei bereisen die Lesenden die verschiedenen Kontinente und werden, dank des geschickten Schreibstils des Autors, in die Zeit von vor über 500 Jahren versetzt. Diese Reisen verdeutlichen gesellschaftliche und kulturelle Wandel und deren Einfluss auf den Konsum. Karten, 
    Diagramme und Grafiken unterstützen anschaulich das Verständnis für wirtschaftliche Prozesse und Entwicklungen. Frank Trentmann gelingt es, das Tempo der Verbreitung von Konsum spürbar deutlich zu machen. Es wird nachvollziehbar, wie aus luxuriösen Exoten in kürzester Zeit Alltagsdinge wurden. 
    Ein spannender Exkurs zum Thema Identitätsbildung in unmittelbarem Zusammenhang mit Konsum ist nur ein Beispiel für viele weitere. Dabei führt der Autor immer wieder zum Hauptthema zurück und schafft so ein ganzheitliches Bild. 
    Des Weiteren wird mit gängigen Klischees, wie dem der "Amerikannisierung" Europas, aufgeräumt. Frank Trentmann scheut sich nicht, sich mit der vernichtenden Kritik an den Konsum auseinanderzusetzen. Schlussendlich entwickelt er eine ganz eigene Perspektive, die zeigt, was getan werden muss.
  22. Cover des Buches Vom Verstummen der Welt (ISBN: 9783865811820)
    Marcel Robischon

    Vom Verstummen der Welt

     (5)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick
    Die Lektüre dieses Buches ist ein erschütterndes und nachdenklich machendes Erlebnis. Der Forstwissenschaftler und Biologe Marcel Robischon hat die Welt bereist und auf den Spuren der großen Entdecker Menschen und die Natur beobachtet. Vielen Mythen und Legenden ist er dabei nachgegangen und hat insgesamt dreizehn wunderbare und geradezu poetische Essays verfasst. Essays, die den Leser mitnehmen auf eine „Reise voller Abenteuer, Wunder und Erkenntnis“. Der unaufhaltsam scheinende Verlust der Artenvielfalt ist für ihn nicht nur als Verlust unseres natürlichen Reichtums zu interpretieren. Indem immer mehr Tiere und Pflanzen aussterben, verlieren die Menschen mit den dann auch verschwundenen Farben, Düften und Klängen etwas, was für die Sinne der Menschen über Jahrtausende wichtig gewesen ist, was zu ihrer Kultur gehörte, womit sie sich auch selbst definieren konnten. Die Verarmung der Vielfalt unserer Natur, deren unermesslicher Reichtum den Menschen seit dem Beginn der Evolution Ideen vermittelt und seine Phantasien angeregt hat, wird Folgen haben für das Denken des homo sapiens. Sein Denken, seine Kultur werden nicht unberührt bleiben in einer Umwelt, die immer eintöniger wird. Natürlich will Robischon mit seinem Buch mahnen und warnen. Vor allen Dingen aber will er auf eine fast schon poetische Weise das Mitgefühl seiner Leser wecken für seine Mitgeschöpflichkeit, wie ich das nennen möchte. Er möchte erinnern und erlebbar, spürbar machen, was da alles verloren zu gehen droht. Damit eines nicht geschehe: „dass alles immer gleicher wird und wir in der Natur keine Antworten mehr für die Zukunft finden.“ Ein großes, leidenschaftliches und zutiefst trauriges Buch.
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