Bücher mit dem Tag "kurdistan"
24 Bücher
- Fatma Aydemir
Dschinns
(378)Aktuelle Rezension von: BuecherkopfkinoDieses Buch fand ich sehr gut.
Als Hüseyin endlich in Rente gehen kann und von Deutschland in seine Heimat Türkei zurück ziehen kann, stirbt er in seiner gerade gekauften Wohnung in Istanbul. Seine Familie reist an, um sich von ihm zu verabschieden, jeder mit seinem eigenen Päckchen. Eine tragische Familiengeschichte, zwar einer Migrantenfamilie, aber das Schweigen und die Dramen können in jeder Familie aufkommen.
Wir lernen nacheinander die Familienmitglieder kennen: Zuerst Hüseyin, dann die Kinder Ümit, Peri, Hakan und Sevda und zum Schluss die Mutter Emine. Jeder berichtet über seine Wahrnehmung der Familie, seine Erlebnisse innerhalb der Familie. Diesen Aufbau fand ich super spannend. Ümit der Jüngste weiß irgendwie am wenigstens, aber irgendwie merkt man schon, dass in der Familie eine bestimmte Zwietracht besteht. Peri ist aus der muslimischen Tradition ausgebrochen und ist mir sympathischer als ihre älteste Schwester Sevda. Im Endeffekt hatte ich aber dann doch auch Empathie und Mitgefühl mit Sevda. Hakan fand ich absolut unsympathisch, aber im Endeffekt ist auch er nur Produkt seiner Familiengeschichte. Und dann ist da die Mutter Emine, die ich die ganze Zeit unnahbar empfinde und als hysterisch, nervig, anstrengend. Am Ende gibt es aber noch ein paar Überraschungen für die Leserschaft und am Ende hatte ich auch mit Emine absolute Empathie und Mitgefühl.
Ich finde diese Charakterdarstellungen sehr tiefgehend und umso mehr man die unterschiedlichen Familienmitglieder kennenlernt, umso besser versteht man dieses Drama innerhalb der Familie und die Traumata der Elterngeneration.
Eine starke Familiengeschichte, die sich nach und nach aufbaut und erschreckende Wahrheiten ans Tageslicht bringt. Sehr überraschende Wendungen.
- Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Ronya Othmann
Die Sommer
(111)Aktuelle Rezension von: PaperboatWir sind wieder als feministischer Buchclub zusammengekommen, um über „Die Sommer“ von Ronya Othmann zu sprechen.
Leyla lebt ein geteiltes Leben. Zu drei Vierteln lebt sie mit ihren Eltern nahe München ein deutsches Leben, während die Sommer der Familie des Vaters in einem kleinen Dorf im Mittleren Osten gehören. Besonders der Großmutter fühlt Leyla sich tief verbunden. Kommt das Mädchen jedoch nach dem Sommer zurück nach Deutschland und erzählt nach Ferienende von der Zeit in Kurdistan, bekommt sie von türkischen Mitschüler:innen vorgeworfen, sie lüge, denn Kurdistan gibt es nicht. Leyla lernt, ihre êzîdische Herkunft nur noch bedingt zu erwähnen.
Als êzîdische Kurd:innen haben alle Menschen im Dorf von Leylas Großmutter einen gepackten Koffer mit den Notwendigkeiten, denn das Risiko von Verfolgung besteht immer.
Weder in der einen noch in der anderen Welt gewollt und geduldet, wächst Leyla mit einer inneren Zerrissenheit auf, die sie auch nach dem Auszug von zu Hause nach der Aufnahme ihres Studiums nicht abschütteln kann. Und dann, eines Tages, sind die Nachrichten voll vom Ausbruch des Krieges in Syrien und der durch den IS ausgelösten Völkermord an den Êzîd:innen. Leylas Vater, der auch zuvor die Nachrichten im Fernsehen verfolgt hat, ist nun gar nicht mehr vom Fernseher wegzubekommen. Wie auch er, empfindet Leyla eine zunehmende Verzweiflung, für die sie allerdings ein anderes Ventil benötigt als aus der Ferne zuzuschauen, wie ihr Volk vernichtet wird und geht den ersten Schritt ihrer ganz eigenen Empanzipation.
Einheitlich fanden wir Ronya Othmanns Debütroman sehr wertvoll. Ganz abgesehen davon, dass sich die Geschichte der vielen Sommer so liest, als wäre man mittendrin im Hause von Leylas Großmutter, enthält das Buch so viel Wissenswertes über eine Kultur, eine Ethnie, ein Volk, das bisher keine von uns wirklich kannte. Ich selbst habe beim Lesen immer wieder innegehalten und im Internet beispielsweise recherchiert, wie das Haus von Leylas Großmutter wohl aussehen mag, wenn es im Text hieß, im heißen Sommer schlafe die Familie nachts auf dem Dach; oder was die hochgelobte Stimme des kurdischen Musikers ausmacht, dessen Kassetten im Laufe der Handlung zum politischen Problem werden.
Dieser Roman hat uns allen, die wir im Buchclub anwesend waren, mehr gegeben als eine lesenswerte Geschichte. - Bachtyar Ali
Der letzte Granatapfel
(14)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer„In jener Nacht, als ich nun wider Erwarten zurückkehrte, wusste ich nicht, wo mein Saryasi sich befand. Ich wusste noch nicht, dass wir zwei uns in einer anderen Art von Wüste verlieren würden. In einer Wüste, die weder meine war noch seine.“ (Zitat Seite 15)
Inhalt
„Was immer bleiben wird: Ein Mann kommt aus der Wüste und verirrt sich auf einem Schiff voll mit Flüchtlingen auf dem Meer.“ (Zitat Seite 342) Dieser Mann heißt Muzafari Subdham und war ein bekanntes Mitglied der Peschmerga, als er in Gefangenschaft geriet. Einundzwanzig Jahre lang lebte er in einem einsamen Gefängnis mitten in der Wüste und mit den Jahren wurden alle seine Erinnerungen zu Sand, nur eine blieb, die Erinnerung an seinen Sohn Saryasi Subdhan, der damals erst einige Tage alt war. Als Muzafari freigelassen wird, macht er sich auf die Suche nach seinem verschollenen Sohn. Von Geheimnis zu Geheimnis, von Geschichte zu Geschichte führt ihn seine Reise durch ein Land, das sich in diesen langen Jahren völlig verändert hat und ihm fremd geworden ist.
Thema und Genre
Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen zwei Granatapfelbäume, die alle Figuren der Geschichte miteinander verbinden, und drei Granatäpfel aus Glas. Ein Thema ist die Suche in vielen Facetten, die Suche nach Liebe, Freiheit, Freundschaft, nach den eigenen Zielen und Träumen, und die Suche eines Vaters nach seinem Sohn. Es geht um das Schicksal der Menschen in einem von Bruderkriegen, Aufständen und Gewalt beherrschten Land. Es sind vor allem die Kinder und die jungen Menschen, denen Kriege die Träume und die Zukunft nehmen. „Ich war aus der Vergangenheit gekommen und nun verbunden mit allen, die keine Zukunft hatten.“ (Zitat Seite 177)
Charaktere
Muzafari Subdham könnte nach seiner Gefangenschaft ein freies, zurückgezogenes Leben führen, doch die Frage, was in jener Nacht vor einundzwanzig Jahren wirklich geschehen ist, treibt ihn an, er muss seinen Sohn finden. Immer wieder trifft er auf seiner Suche Menschen, die ihm Schritt für Schritt weiterhelfen, die ihm jenen Teil der Ereignisse schildern, den sie kennen. Der Autor entwickelt seine Figuren einfühlsam, mit viel Empathie begründet er ihre Stärken und Schwächen, die Motive für ihr Verhalten.
Erzählform und Sprache
Muzafari Subdham erzählt diese Geschichte während der Tage und Nächte, die er mit Flüchtlingen in einem Boot auf dem Mittelmeer verbringt. Es sind viele verschiedene Geschichten und Einzelschicksale, die zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten stattfinden, die schließlich doch alle eine miteinander verschlungene Einheit bilden. „Ist nicht jede Geschichte ein kleiner Bach, der in einen See fließt und am Ende als Fluss mit Tausenden anderer Geschichten in den Ozean mündet.“ (Zitat Seite 277) Die Erzählsprache des Autors ist tief beeindruckend, ausdrucksstark und bildintensiv.
Fazit
Es ist eine Geschichte voll Poesie, Symbolen, Mythenmotiven und der Magie orientalischer Märchen. Doch so wie der magische Granatapfelbaum gleichzeitig auf dem Boden des Reiches der Realität und des Reiches der Träume steht, so erzählt auch hier dieselbe Geschichte von der grausamen Realität der Kriege und der Schicksale der davon betroffenen Menschen. Das macht diesen eindringlichen Roman zeitlos aktuell in einer Zeit, wo die Politik und die Medien begonnen haben, Kriege gegeneinander abzuwägen, und die Nähe zu Europa die Wichtigkeit bestimmt. Eine Geschichte gegen das Vergessen, gegen das Wegschauen, die Geschichte einer Suche, ergreifend schön und unendlich traurig zugleich.
- Karosh Taha
Im Bauch der Königin
(36)Aktuelle Rezension von: angelaeszetIch habe im Oktober das erste von 3 Büchern meines Bücher-Thriathlons zum Thema "Diverse Stimmen und Perspektiven" gelesen.
1. Welches Buch hast du passend zum Thema im Oktober gelesen?
Ich habe aus meinem SUB das Buch "Im Bauch der Königin" von Karosh Taha gelesen.
2. Welche Aspekte des Buches haben dich am meisten fasziniert, bezogen auf bestimmte Themen, Charaktere oder Lebenserfahrungen?
In klarer Sprache wird die Sicht von Migranten in erster und zweiter Generation auf ihr Leben in Deutschland gezeigt. Dabei werden Brüche, ihre Probleme und Sorgen sichtbar gemacht, die uns als Gesellschaft auch etwas angehen. "Meine Eltern besuchten diese komischen Integrationskurse und bekamen irgendwann die deutsche Staatsangehörigkeit. Vater besuchte später das Abendgymnasium, um an der Uni seinen deutschen Abschluss in Architektur zu machen, denn in Deutschland war Vaters Vergangenheit wie ausradiert, so ungültig wie ein abgelaufener Pass, als könnte man die eigenen Fähigkeiten verlieren, wenn man eine Landesgrenze überschreitet." Der Mann war in seinem Heimatland Architekt und ist auch als solcher dort wieder sesshaft geworden aus Mangel an Möglichkeiten hier. Tragisch, für ihn war ein Traum geplatzt, um wieder in seinem Beruf arbeiten zu können, hat er seine Familie in Deutschland alleine zurückgelassen, was zu einer Zerrissenheit bei seinem Kind, einem der Erzählstimmen, führte.
3. Glaubst du, dass das Buch das Thema „Diverse Stimmen und Perspektiven“ erfolgreich umgesetzt hat?
Ja, unbedingt! Es ist nicht nur ein Buch mit zwei Erzählperspektiven, sondern ein Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen und unter mehreren Generationen. Wenn man sich auf den ungewöhnlichen Schreibstil einlässt, taucht man ein in die Welt junger Menschen in unserer Gesellschaft auf der Suche nach ihrer Identität und einem Platz, der sie wirklich ankommen lässt.
- Murat Isik
Das Licht im Land meines Vaters
(4)Aktuelle Rezension von: SommerregenMiran wächst in den 1960er Jahren in dem kleinen Dorf Sobyan, welches einst von Armeniern errichtet und dann verlassen wurde, auf. Seine Familie gehört dem kurdischen Volk der Zaza an, weswegen er mit seinen Eltern und Geschwistern auch Zazaki spricht. Eines Tages erscheint in seinem Dorf jedoch ein Mann, Zengin Bey aus Trabzon, der sämtlichen Kindern dort die türkische Sprache beibringen soll - er sorgt auch dafür, dass Milan mit zehn Jahren einen neuen Namen bekommt. Fortan wird er Mehmet heißen, was nur seine Mutter nicht anerkennt.
Mirans großer Bruder Yusuf durchläuft ebenfalls eine große Veränderung: Er macht sich auf, um eine kurze Zeit in der Hauptstadt zu verbringen und wird erst nach ein paar Jahren wiederkehren.
Milans Vater ist ein angesehener Mann in Sobyan, denn als Geschichtenerzähler vermag er seine Zuhörer an andere Orte und in andere Zeiten zu versetzen. Mit seiner sanften Stimme gibt er jedem ein behagliches Gefühl und auch sonst ist er sehr hilfbereit. Doch geschieht an einem trostlosen Dienstagnachmittag im Frühjahr 1966 etwas dass das Leben der Familie für immer verändern wird.
"Mit jedem Tag schienen die Spannungen im Haus zu wachsen." (S.165)
Kurz darauf sieht sich die Familie gezwungen, ihr Dorf zu verlassen um auf ein besseres Leben hoffen zu können.
So hat ein einziger schicksalshafter Moment alles niedergeschmettert, was sie sich mühsam aufgebaut haben - und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Die Erinnerung an diesen Moment wird Miran nie mehr vergessen können.
Dieser Familienroman hat mich sehr beeindruckt, da sehr eindringlich die Zustände und Veränderungen in dem kleinen Dorf beschrieben werden und auch auf sehr beeindruckende Weise gezeigt wird, wie sich die Menschen angesichts der großen Unterschiede zwischen Stadt und Land, dem konflikt zwischen Sunniten und Aleviten, dem Völkermord an den Armeniern oder Schicksalsschlägen entwickeln.
Einige Szenen haben einen starken Eindruck hinterlassen, allen voran eine Operation, die nicht so schmerzfrei verläuft, wie man es sich erhoffen würde...
Manchmal hat das Buch von 437 wirklich seine Längen, dann wird es jedoch wieder äußerst spannend.
Zudem macht dieses Buch einen mal traurig, dann macht es wütend, löst Erleichterung aus - es ist ein ständiges Auf und Ab.
Gerade wegen einiger heftigeren Szenen, ist "Das Licht im Land meines Vaters" nichts für schwache Nerven und zarte Gemüter...
Sehr hilfreich ist das Glossar am Ende des Buches, welches sowohl Türkische und Zazaki Begriffserklärungen oder allgemeine gibt.
3,5 Sterne - Carola Wegerle
Die Irak-Mission
(25)Aktuelle Rezension von: KlusiDer Roman ist im Präsens geschrieben, und diese Schreibweise bringt mir eine Geschichte immer besonders nahe. Bildhaft und sehr authentisch schildert die Autorin die Ereignisse im Nordirak, wohin die Chirurgin Claire dem Hilferuf eines alten Freundes folgt. Als sie nach Ibrahims Anruf aufbricht, um ihn in Kirkuk bei der Versorgung der vielen verletzten Kinder zu unterstützen, weiß sie noch nicht, auf was sie sich da einlässt, denn ihre Mission ist einerseits wichtig, aber auch sehr gefährlich.
Drei Frauen begleiten sie, um mit ihr zu arbeiten. Doch bereits auf dem Weg nach Kirkuk ergeben sich ungeahnte Hindernisse und Gefahren.
Zur gleichen Zeit ist auch ein Mitarbeiter des BND unterwegs in den Irak. Robert hat eine besondere Mission zu erfüllen und spielt eine wichtige Rolle im Roman.
Und da ist dann noch Gulala, die ebenfalls einige Zeit in Deutschland lebte und seit dieser Zeit mit Ibrahim befreundet ist. Gulala ist eine sympathische, intelligente Frau, aber seit ihrer Heirat lebt sie weitgehend isoliert. Rizgar, ihr Mann, ist nicht an ihrer Meinung interessiert und sieht ihren Platz einzig und allein im Haus. So ist sie in erster Linie für ihre Söhne da und schreibt heimlich brisante Berichte, die jedoch nicht zur Veröffentlichung kommen, da im Nordirak ein absoluter Funkstopp herrscht, denn der Flugzeugabsturz soll unter allen Umständen vertuscht werden.
Die Autorin hat einen sehr fesselnden, eindringlichen Schreibstil. Kirkuk ist in der Handlung ein Brennpunkt, wo viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen. Die Protagonisten arbeiten unter Lebensgefahr, sitzen quasi ständig wie auf einem Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann. Dass sie trotzdem tun, was getan werden muss, setzt ungeheuer viel Mut und Idealismus voraus. Sehr plastisch wird die Lage beschrieben, indem man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der verschiedenen Charaktere erhält. Die Geschichte ist so packend dargestellt, dass sie mich bis in meine Träume verfolgte.
Sie bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken. Man erfährt hier eine Welt der Männer, die getrieben sind von Ehre, Rache und Machthunger und dies alles mit Brutalität und Waffengewalt erzwingen wollen. Obwohl Frauen in diesem Gefüge nach außen hin wenig zu sagen haben, liegt doch bei ihnen, in ihrem Wunsch nach Frieden, die wahre Stärke, eine große, unerschütterliche Kraft, die alles vorantreibt und tatsächlich etwas bewirkt.
Diese weibliche Urkraft, die Carola Wegerle in ihrem Roman sehr deutlich zum Ausdruck bringt, ist für mich die schlüssige und wichtige Aussage der Geschichte. Aus diesem Grund ist meines Erachtens heute, am internationalen Frauentag, der perfekte Zeitpunkt, meine Rezension zu veröffentlichen. - Michael Korth
Das Kopfkissenbuch der Liebe
(2)Aktuelle Rezension von: sommerlese"*Das Kopfkissenbuch der Liebe*" enthält eine bunte Sammlung von Liebesgedichten von Frauen und wurde im "*Hoffmann und Campe Verlag*" 2013 herausgegeben von "*Michael Korth*". "*Katja Maasböl*" sorgte für die Illustrationen.
Dieser Band versammelt Lyrik liebender Frauen aus dreieinhalb Jahrtausenden - von der Antike bis zur Gegenwart. Gedichte, u.a. von Sappho, Louise Labé, Gioconda Belli, Else Lasker-Schüler und Ono no Komachi wurden für Das Kopfkissenbuch der Liebe entdeckt und einfühlsam ediert. Diese aufwendig illustrierte Anthologie ist gegliedert nach den Emotionen, die die Liebe mit sich bringt: Sehnsucht und Hingabe, Verzweiflung, Eifersucht, Begierde und Erfüllung. Eine bemerkenswerte Sammlung für Poesieliebhaber.
In diesem Band sind eine Vielzahl von Dichterinnen vertreten, und es finden sich auch ein paar Volkslieder darunter.
Sie alle eint das älteste und zugleich zeitloseste Thema der Welt in eindrücklicher Weise, und zwar schreiben alle über die Liebe.
Die Zeitspanne ist enorm: der älteste Text stammt von Sulpicia, einer adeligen Nichte des Feldherrn Messala aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Die jüngste Autorin ist Diane Mönch (geb. 1977) mit ihrem Gedicht "Neben dir".
Die Gedichte dieses weltumfassenden Themas stammen aus aller Welt: Afrika, Europa (Deutschland, Frankreich, England, Finnland, u.a.) Japan, China, Chile und Kurdistan sind vertreten.
Überrascht hat mich das Lied "Wenn ich ein Vöglein wär" von Johann Gottfried Herder aus dem jahr 1778. Deutsches Liedgut enthält also auch Liebestexte, die dank einer leichten Melodie zu Volksliedern wurden.
Daneben stellt das aus dem Shi-King stammende chinesische Lied "Für den Winter Süssigkeiten" die Eifersucht dar.
Selbst Königin Maria Stuart ist vertreten, sie erschuf im 16. Jahrhundert das Gedicht "Ach! In meinem jungen Frühling" und gibt darin ihre Sehnsucht nach ihrem Geliebten kund.
"Seelenallein" von Christine de Pisan klingt richtig modern und ist doch von ungefähr 1400. Erstaunlich ist auch, dass diese Dichterin damals schon mit ihrer Dichtkunst ihr Geld verdiente.
Gioconda Belli (geb. 1948 in Managua) hat ein schon fast erotisch zu nennendes Gedicht erdacht, es heißt: "In der schmerzhaften Einsamkeit des Sonntags".
Von ihren verletzten Gefühlen schreibt Louise Labé (1526-1566) in "Solange meine Augen Tränen geben".
Mich haben bei diesem Bildband besonders die wunderschönen Gemälde von Monet, Renoir, Sisley u.a. sehr erfreut. Die verschiedenen Bilder geben dem Buch einen stilvollen Rahmen und lassen die Gedichte noch intensiver wirken. Für die Bilder ist Katja Maasböl verantwortlich.
Ein wunderschönes Buch für Lyrik-Liebhaber, bei dem man Gedichtschätze aus aller Welt entdecken kann. Sie alle beschäftigen sich mit Liebe, aber auch mit verletzten Gefühlen, Sehnsucht und Eifersucht. Die Leidenschaft, die Leiden schafft!
- Katharina Füllenbach
OSTTÜRKEI
(7)Aktuelle Rezension von: PerlengesangVor der Lektüre dieses Buches kannte ich vieles in der Region 'Osttürkei' nur dem Namen nach. Katharina Füllenbach nimmt den Leser mit auf eine Entdeckungsreise und erzählt in persönlicher Art und Weise ihre Wahrnehmung der kriegsähnlichen Verhältnisse indiesem Teil der Türkei, Monate vor dem "Putschversuch" der im ganzen Land alles veränderte. Und auch das Flüchtlingsabkommen der EU erscheint nach dem Lesen in einem anderen Licht.
- Dominik Barta
Tür an Tür
(31)Aktuelle Rezension von: bouquinNachbarschaft, die zur Freundschaft wird, kulturelle und gesellschaftliche Toleranz, das Leben in der Großstadt, Isolation und Einsamkeit. All dies behandelt Dominik Barta in seinem zweiten Roman „Tür an Tür“, erschienen im Zsolnay Verlag (Hanser). Im Mittelpunkt steht der Protagonist Kurt – Lehrer an einer Abendschule, Anfang dreißig, homosexuell und auf der Suche nach der Liebe – und sein Umzug in eine kleine Wohnung. Dort lernt er die Bewohner des Hauses kennen, freundet sich mit ihnen an und sein bester Freund Frederik zieht nach der Trennung mit seiner langjährigen Freundin bei ihm ein. Nicht nur im Privaten lernt er neue Leute kennen, sondern auch in der Schule, vor allem der Schüler Ferhat hat es Kurt angetan. Davon handelt das Buch: Vom Kennenlernen und die Zeit danach.
Die Beziehung der Protagonisten Kurt und Herrn Drechsler beginnt damit, dass Kurt die Klospülung und Schritte seines Nachbarn hört. Die Leben der Nachbarn laufen parallel nebeneinander her und beginnen sich zu kreuzen. Die Beziehungen werden realistisch beschrieben und die alltäglichen Dinge bekommen eine wichtige Bedeutung. In seitenlangen Monologen erzählen die einzelnen Figuren ihre Geschichte, ihre Handlungsabsichten und Erfahrungen – diese waren teilweise sehr langatmig, da diese Beschreibungen und Geschichten in der Geschichte wenige zur eigentlichen Handlung beitrugen. Ein großes Problem hatte ich mit der unreflektierten, problematischen und sich wiederholenden Äußerung von Phrasen, die Gewalt an Frauen androhte, wie zum Beispiel „Ich bringe sie um“, die von den Protagonisten so hingenommen wurden und als „normales“ Gesprächsthema nicht kritisch hinterfragt wurden. Des Weiteren fand ich das Frauenbild veraltet: Über Frauen wird hier vorwiegend als Ehefrauen und Sexobjekte geredet; Regina wird ständig mit Sex in Verbindung gebracht , Yasmina ist nur als Freundin und Partnerin für Frederik für die Geschichte relevant, und die anderen Nachbarinnen erhalten nur aufgrund ihrer familiären Beziehungen ein wenig Persönlichkeit
Ein Buch über das Kennenlernen, über Nachbarschaft und Gemeinschaft. Vielen Dank für den Zsolnay Verlag für das Rezensionsexemplar!
- Philip Reichardt
Wir sind ja nicht so
(3)Aktuelle Rezension von: HoldenTagebucheintragungen einer Woche im September 1998, kurz vor der Bundestagswahl, von ganz unterschiedlichen jungen Personen aus ihrem Umfeld, alles natürlich sehr subjektiv geschrieben, mit Edelfedern wie Benjamin von Stuckrad-Barre (dem beim letzten Spice-Girl-Konzert im Londoner Wembley Stadium die Tränen kamen) und Benjamin Lebert, deren Beiträge "literarisch" auch am gehaltvollsten waren. Man erkennt als erstes mit Entzücken, dass Aufschieberitis und Prokrastination nicht einen alleine befallen haben, ein gewisser Stumpfsinn und eine Grundtraurigkeit scheint unserer Generation zu Grunde zu liegen. Kleine Dinge bestimmen das Gelingen oder Nichtgelingen eines ganzen Tages, Nichtspassieren grassiert anscheinend überall. Alles deutlich interessanter als das Vorgängerbuch, das ich niemandem ans Herz legen mag.
- Karl May
Das Zauberwasser
(12)Aktuelle Rezension von: BuchgespenstDas Zauberwasser
Der Graf von St. Germain hat sich einen unglaublichen Ruf erworben: er ist unsterblich, ein Magier, der auch anderen die Unsterblichkeit zuteilwerden lassen kann und er kann Edelsteine in ihrem Wert verdreifachen. Der Baron von Langenau glaubt nicht an diesen Ruf, denn St. Germain hat seinen Vater einst ruiniert und in den Selbstmord getrieben. Auf seinen diplomatischen Missionen begegnet ihm St. Germain immer wieder, doch er ist nicht zu fassen. Zu viele mächtige Herrscher stehen dem Magier zur Seite. Langenau muss auf seine Rache warten.
Phi-Phob, der Schutzgeist
Die beiden Engländer Phelps und Shower reisen durch Indien. Bei einem Handel mit den Mang-thras kommt ihnen eine Uhr abhanden. Ihr chinesischer Führer Fi erfährt von seinem Schutzgeist, dass die Mang-thras die Diebe sind und die Gesellschaft bricht auf, die Uhr zurückzuholen.
Am „singenden Wasser“
Ralph Hallers, der Westläufer, besucht zusammen mit seiner schönen, wohlhabenden Frau seinen Bruder Job. Wie mag der arme Westmann nur zu diesem Mädchen gekommen sein? Ralph erzählt eine abenteuerliche Geschichte.
Schwarzauge
Die schöne Häuptlingstochter Intha-tisle hat dem Mormonen Gideon den Kopf verdreht. Da sie sich ihm verweigert sinnt er darauf, sie sich mit Gewalt zu nehmen. Jedoch haben die Indianer ihre eigene Art mit Beleidigern umzugehen. So nimmt eine furchtbare Tragödie ihren Lauf.
Das Hamaïl
Eine Raubkarawane lauert auf Beute. Ihr Verbündeter soll ihnen Kaufleute zuführen. Deren Tod ist beschlossen. Doch es kann noch einen Ausweg geben…
Die Söhne des Upsaroka
Old Shatterhand und Winnetou sind mit Dick Hummerdull und Pitt Holbers in der Prärie unterwegs als ihnen eine Indianerin begegnet. Sie berichtet, dass ihre Söhne unerlaubterweise ihrem Vater auf einem Kriegszug gefolgt sind, um sich einen Namen zu machen. Da sie die falsche Richtung eingeschlagen haben, sind sie den feindlichen Indianern in die Arme geritten. Die Westmänner machen sich zu ihrer Rettung auf.
Das Kurdenkreuz
Kara Ben Nemsi reist mit Hadschi Halef Omar durch kurdisches Gebiet. Dabei rettet er eine Frau, die von Hunden zu Tode gehetzt werden sollte. Diese Tat macht ihn zum Feind der Mir-Mahmalli. Der Stamm der Geretteten bietet ihm Gastfreundschaft, doch schon bald geraten die beiden Helden wieder in Gefahr.
Schefakas Geheimnis
Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar waren Gäste der Schirwani-Kurden, doch beim Abschied wissen sie genau, dass diese auf verrat sinnen. Zu verlockend sind die kostbaren Pferde und Waffen. Sie werden in die Arme der Sebari-Kurden getrieben, die ihnen erst Gastfreundschaft bieten und sie dann verraten.
Der Gitano
Auf dem Weg nach Tolada wird eine Gruppe Reisender von Carlisten gefangen genommen. Die Soldaten beschließen ihren Tod, doch das hübsche Zigeunermädchen soll ihrem Privatvergnügen dienen. Sie haben nicht mit dem Gitano gerechnet.
An den Ufern der Dwina
Oberst Graf Milanow steckt bis zum Hals in Schulden. Nur die Hochzeit mit seiner Cousine Paulovona kann ihn sanieren, doch ihr Herz gehört bereits dem deutschen Baron von Felsen. Milanows versucht seinen Nebenbuhler mit allen Mitteln auszuschalten, doch dieser ist ihm immer einen Schritt voraus.
Himmelslicht
Auf dem Weg zu den Haddedihn befreien Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar zwei Feueranbeter aus den Fängen fanatischer Pilger. Die beiden Befreiten sind auf dem Weg, den Vater des einen auszulösen, der von räuberischen Aneïseh gefangen gehalten wird. Kara und Halef bieten ihre Hilfe bei der Befreiung an.
Es Ssabi – Der Verfluchte
Kara Ben Nemsi wird vom Wali Said Kaled Pascha gebeten, die Pension für einen verdienten Mir Alai zu überbringen. Als Geleitschutz werden ihm zwei Arnauten beigegeben, die ihn allerdings verraten. Kara muss sich nicht nur vor seinen hinterlistigen Begleitern in Acht nehmen, auch der Mir Alai ist als fanatischer Moslem bekannt, der sogar seinen Sohn um des Glaubens willen verstoßen hat.
Bei den Bachtijaren
Auf ihren Reisen begegnen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar einem Händler, der die geheimnisvolle Salbe der ewigen Jugend verkauft. Nun hat Halef seiner Frau versprechen muss, ihr diese mitzubringen – allerdings nicht aus den Händen des Händlers, sondern direkt von der mysteriösen Quelle. Auf der Suche nach ihr begeben sich die beiden in große Gefahr.
Auferstehung
Auf seinen Reisen im Amazonas Gebiet trifft der Ich-Erzähler auf den unausstehlichen Perdido, der allen mit seinen gewalttätigen Ausbrüchen und Gotteslästerungen das Leben schwer macht. Unverhofft kommt der Ich-Erzähler allerdings seiner Geschichte auf die Spur.
Ein bunt zusammengestellter Erzählungsband, der viele Einblicke in Karl Mays Welt ermöglicht. Von Winnetou bis Kara Ben Nemsi, von spannenden Abenteuererzählungen über eher komische Begebenheiten bis zu religiös gehaltenen Geschichten trifft man hier auf Mays ganz eigene Welt. Ich liebe es all seine Facetten zu entdecken, seine Versionen biblischer Gleichnisse (der „Verlorene Sohn“ ist ein beliebtes Thema mit vielen Varianten) zu sehen und vor allem seine Abenteuergeschichten, die außerhalb seiner bekannten Orient- und Amerikawelten spielen, zu finden. Gerade „Das Zauberwasser“ und „An den Ufern der Dwina“ finde ich großartig.
Wieder mal stehe ich aber der Verlagspolitik skeptisch gegenüber. Dass ich einige Geschichten aus „Orangen und Datteln“ kenne, kann ich akzeptieren. Das Buch stammt schließlich aus einem anderen Verlag. Aber dass Erzählungen aus „Halbblut“ erneut abgedruckt werden, hat mich irritiert. Im Nachwort gibt der Verlag eine Erklärung dazu und es mag richtig sein, dass die Alterserzählungen, die hier vormals enthalten waren, mit ihrem eher ruhigen Ton neben den spannenden Abenteuern seiner Hochzeit verblassten und selbständig zusammengebunden besser vom Leser gewürdigt werden können, aber an ihrer Stelle bereits in Vorgängerbänden publizierte Erzählung erneut abzudrucken, lässt doch leisen Ärger aufkommen. Zumal es sich um ziemlich viele Wiederholungen handelt und nicht nur zwei oder drei, die die Seitenzahl voll machen sollen.
Fazit: Die Erzählungen sind spannend und haben die gewohnte Karl May-Qualität. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es jedem empfehlen, der sich auf Karl Mays-Abenteuerwelt einlassen möchte. Die Verlagspolitik bleibt mir etwas dubios, doch die Ausgaben sind wunderschön aufgemacht, mit Vor- oder Nachwort versehen, die eine Menge erklären. Dass ich persönlich mir eine andere Herangehensweise an Mays-Werk wünsche, steht auf einem anderen Blatt und ist Geschmackssache. „Das Zauberwasser“ lohnt sich allemal!
- Karl May
Durchs wilde Kurdistan
(5)Aktuelle Rezension von: BuchgespenstBei den verachteten Teufelsanbetern spitzen sich die Ereignisse noch mal dramatisch zu und münden im nächsten großen Abenteuer: Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar und Sir David Lindsay machen sich auf den Weg nach Amandije, um den Sohn ihres Gastfreundes Scheik Mohammed Emin zu befreien. Es wird zu einem Wettlauf mit der Zeit.
Ich gestehe Peter Sodann zu, dass er Sir David Lindsay ziemlich gut inszenieren kann, aber sonst bleibt der Sprecher für mich ein absoluter Fehlgriff. Ohne Punkt und Komma, dazu äußerst monoton, und hin und wieder verhaspelt, rattert er die eigentlich spannende und auch witzige Geschichte runter. Sehr schade, dass durch diese mehr als dürftige Inszenierung und nachlässige Bearbeitung, die das Geräusper und auch stockende Neueinsätze und Wiederholungen drin gelassen hat, die Qualität und Kraft der Geschichte gelitten hat.
Die Geschichte selbst bietet alles, was man von einem May-Werk erwarten kann: Große Helden, atemberaubende Taten, eine gut Portion Slapstick, vor allem durch Sir David Lindsay, und auch bitteren Humor, so wenn er die armseligen Zustände in Amandije beschreibt, wo die verantwortlichen Köpfe seit Monaten auf Lohn warten, während ihnen Brot und Optionen ausgehen, was zu brutalen aber auch grotesken Aktionen führt.
Trotz des mehr schlecht als recht gesprochenen Hörbuchs, bleibt die Geschichte spannend und fesselnd!
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