Bücher mit dem Tag "kz"

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316 Bücher

  1. Cover des Buches Die Bücherdiebin (ISBN: 9783570403235)
    Markus Zusak

    Die Bücherdiebin

     (4.579)
    Aktuelle Rezension von: Krizzy

    Zusammenfassung

    Liesel klaut Bücher. Liesel lebt für Bücher. Doch in Nazi-Deutschland ist das Leben nicht so leicht. Der Tod erzählt uns ihre Geschichte.


    Rezension

    Wow. Was für ein Ende. Ich möchte nicht Spoilern, aber das Buch ist nicht umsonst ein Beststeller. Ein Meisterwerk mit den Themen Freundschaft, Liebe, Leidenschaft. Dazu im krassen Gegenzug der Hass der Nazis, der Mangelwirtschaft des Krieges und die Zerstörung. Und zu alles Überfluss wird die Geschichte von niemand geringerem Erzählt als vom Tod himself!


    An die Erzählform muss man sich allerdings erstmal gewöhnen. Geschmückt von unzähligen Metaphern, wirft der Tod ständig Erklärungen und Anmerkungen in den Text. Hat ein wenig gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Anfangs dachte ich, mein Buch sei ein Mängelexemplar, dass komische Kommentare enthalten hatte :-)

    Außerdem fand ich doof, dass uns der Tod selbst immer wieder gespoilert hat. Aber das tat er wohl absichtlich...


    Soviel dazu, dass ich das Buch großartig fand. Jetzt zum schrecklichen Teil: Der Krieg, die Verfolgung und die Massenmorde. Die Kriegsjahre 1939 bis 1945 sind und bleiben ein schwarzer Fleck in der Geschichte Deutschlands. Hoffentlich wird sich ein solches Ereignis wie wiederholen.


    Es gab in der Geschichte auch mal längen. Den ein oder anderen Raubzug hätte man wohl weglassen oder verkürzt erzählen können. Dennoch ist und bleibt es ein Wunderwerk der deutschen Literatur.

  2. Cover des Buches 28 Tage lang (ISBN: 9783499266638)
    David Safier

    28 Tage lang

     (552)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    1942 lebt die 16-jährige Jüdin Mira im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah zu ernähren. Ihr Vater hat sich vor der Deportation das Leben genommen, ihr Bruder Simon arbeitet bei der Judenpolizei. Beide empfindet sie als Verräter. 

    Als sich die Lage im Warschauer Ghetto zuspitzt und die Deutschen beginnen, die jüdische Bevölkerung weiter in den Osten "umzusiedeln", schließt sich Mira, die vor lauter Hoffnungslosigkeit empfindet, nichts mehr zu verlieren zu haben, der jüdischen Widerstandsorganisation ŻOB an. 

    "28 Tage lang" wird aus der Perspektive der 16-jährigen Mira geschildert, die einerseits mutig, aber andererseits auch kopflos und naiv agiert. Schon während ihrer Schmuggeltätigkeit bringt sie sich laufend in Gefahr, hat jedoch immer wieder aufs Neue Glück, nicht von der SS erwischt zu werden. Auch ihre Träume von Liebe und Tanzen und einer Sehnsucht nach New York wirken kindlich. Das Buch würde ich deshalb eher als Jugendbuch einordnen, als einen Roman. 

    Aufgrund der eindringlichen Thematik und der wirklich erschütternden Schilderungen über Hunger, Leid, Angst und Gewalt ist es jedoch auch für Erwachsene ein relevantes Buch über den Holocaust und #GegendasVergessen. 

    Mir war der Roman zu wenig bildhaft geschrieben, das jüdische Ghetto wurde für mich nicht lebendig und vorstellbar, auch die Charaktere wirkten blutleer. Die Geschichte verliert sich häufig in der Gedankenwelt von Mira. Auch wenn man das als Flucht vor der schrecklichen Realität nachvollziehen kann, hatte die Geschichte damit, gerade bis zum Anschluss Miras an den Widerstand, immer wieder ihre Längen. 

    Phasenweise vermittelte der Roman zudem eine sehr einseitige Botschaft hinsichtlich der Frage von Anstand und Moral. Man erhielt die Vorstellung, dass nur der unbedingte Kampf gegen die herrschenden Zustände und die Gefährdung des eigenen Lebens als integer galt. 

    Dagegen fehlte mir ein Gefühl für die Atmosphäre im Warschauer Ghetto, da die Schilderungen des Alltags arg an der Oberfläche blieben. Die junge Mira, die mehr Glück als Verstand hat, konnte mich als Heldin nur bedingt überzeugen, taugt jedoch als Identifikationsfigur für jugendliche Leser*innen.  

  3. Cover des Buches Der Tätowierer von Auschwitz (ISBN: 9783492061377)
    Heather Morris

    Der Tätowierer von Auschwitz

     (189)
    Aktuelle Rezension von: Leseabenteuer

    Das ist ein Buch,welches mir lebenslang im Gedächtnis bleibt. Lale Sokolov ist slowischer Jude und wird 1942 nach Auschwitz deportiert. Die NS macht in zum Tätowierer, welches neben der Gräueltaten , aber auch sein Überleben bedeutet. Seine ganzen Gedanken und Gefühle kommen gut rüber und es ist erschreckend, was er mitmachen musste. Eines Tages muss er wieder neu angekommene Juden tätowieren und wird auf Gita aufmerksam. Es entsteht eine sanfte Liebe, die dem KZ stand hält. Bemerkenswert, wie Lale es schafft, immer wieder aus brenzligen Situationen, einen Ausweg findet. Sehr interessant fand ich auch den kurzen Überblick, wie sein Leben nach dem KZ weiter ging. Es wird kurz beschrieben, wie er mit dem Trauma lebt und sein Leben meistert. Eine sehr berührende, bewegende und intensive Geschichte.

  4. Cover des Buches Marlene (ISBN: 9783492309479)
    Hanni Münzer

    Marlene

     (132)
    Aktuelle Rezension von: Katharina83

    Was soll ich sagen.

    Ich hätte nie erwartet das ich beide so schnell hintereinander lese. Aber sie haben mich gefesselt.

    Honigtot habe ich ja schon geschrieben.

    Nun Marlene, sie beginnt langsamer und sparsamer mit den Ereignissen. Aber ab der zweiten Hälfte des Buches geht es wieder Schlag auf Schlag.

    Ich musste mir nebenbei wieder das eine oder andere Taschentuch holen, aber ich hatte auch ein freudiges Lächeln im Gesicht.

    Der aha Monent Erfolgte mit dem Brief. Er machte die Sache rund. Die zwei Bücher muss man in der richtigen Reihenfolge lesen. Auch wenn sie schon im Jahr 2015 und 2016 erscheinen sind, sind sie leider immer noch mit ihrer Botschaft, Tag aktuell.

  5. Cover des Buches Die Nachtigall (ISBN: 9783746636337)
    Kristin Hannah

    Die Nachtigall

     (523)
    Aktuelle Rezension von: geBUCHt

    Die Schwestern Vianne und Isabelle könnten nicht unterschiedlicher sein. Als Frankreich von den Deutschen besetzt wird, versucht Vianne sich still zu fügen und ihre Ängste in Zaum zu halten, während Isabelle protestiert und Widerstand leistet. Beide Frauen kämpfen im Krieg ums Überleben. 

    Dieses Buch hat mich zutiefst erschüttert. So sehr, dass ich tagelang an nichts anderes denken konnte, auch als ich es bereits fertiggelesen habe. Ich denke, es wird eins der Bücher sein, dessen Handlung ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Ich habe während des Lesens so viele Tränen vergossen. Es war nicht nur eine bestimmte Szene, die mich zu Tränen gerührt hat. Nein, ich habe tatsächlich fast das ganze Buch über weinen müssen. Es hat sich angefühlt, als würde man einen langen Marsch gehen müssen. Man hat als Leser die Anstrengung dieser Zeit richtig zu spüren bekommen und konnte das Kriegsende kaum abwarten. Es hat furchtbar lange gedauert. Nicht weil der Schreibstil langatmig war. Überhaupt nicht. Eher war es so, als hätte man selbst an eigener Haut die Qualen dieser Zeit durchleben müssen. 

    Die beiden Schwestern waren mir beide sehr sympathisch. Ihre Reise war durchweg spannend. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Ich fühlte mit Vianne mit, die einzig versucht ihre Tochter zu schützen und alles dabei auf sich nimmt. Sie hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht und mich sehr überrascht. Dabei wird klar, was einfache Frauen durchmachen mussten, während der Feind ihr ganzes Leben beherrschte. Isabelle dagegen ist furchtlos und mutig. Sie bleibt nicht an einem Ort, wie Vianne. Isabelle tritt aktiv in eine Widerstandsgruppe und zeigt, was Frauen damals geleistet haben und wie unterschätzt sie wurden. 

    Ich fand es gut, dass auch die deutschen Soldaten nicht alle grausam dargestellt wurden. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß. Auch fand ich die unterschiedlichen Darstellungen der Schwestern sehr gut. Was die eine mit Kampfgeist und Verbissenheit voran trieb, hat die andere mit Güte und Opferbereitschaft aufgewogen.  

    Es war sehr interessant die beiden Handlungsstränge zu verfolgen. Das hat mir vieles wieder aus der Schulzeit in Erinnerung gerufen und mir aber auch ganz Neue Kenntnisse beschert. Ich finde es immer noch sehr wichtig, solche Geschichten zu lesen, auch wenn es nicht leichtfällt.  

    Obwohl es sich hier um schwere Kost handelt, gab es immer wieder so hoffnungsvolle und aufbauende Momente. Kleine Lichtblicke, die das Herz ein wenig leichter gemacht haben. 

    Schließlich kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Ich muss erwähnen, dass ich auch andere Bücher von Kristin Hannah gelesen habe und diese ebenso eindrucksvoll waren. Lest Die Nachtigall, aber lest auch die anderen Bücher von dieser großartigen Autorin!

  6. Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596856916)
    John Boyne

    Der Junge im gestreiften Pyjama

     (2.285)
    Aktuelle Rezension von: Angelinaa07

    Ein kleiner Eindruck:

    Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt. Ich habe es in knapp 2 Stunden an einem Stück gelesen und wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Alles um mich herum war wie ausgeblendet. Die Geschichte des Jungen im gestreiften Pyjamas und seinem Freund auf der anderen Zaunseite waren fesselnd und lassen mich auch jetzt nicht wirklich los. John Boyne hat für das Buch einen eher einfachen, leichten Schreibstil gewählt, aus einer kindlichen Sicht. Ich hatte den Verlauf der Geschichte so nicht erwartet, ich dachte, das Setting würde anders sein. Aber es war tatsächlich perfekt so, wie es war. Man kann gar nicht so viel zum Inhalt sagen, ohne zu viel zu verraten. Am besten lässt man sich ohne große Erwartungen oder Vermutung auf dieses Buch ein- und lässt sich von ihm verzaubern. 

    (Haupt-) Themen: Holocaust; Juden und ihr Schicksal; Kinder in einer Welt, die nicht für Kinder gemacht ist


    Positiv:

    • „Easy-Read“, gut für zwischendurch 
    • die kindliche Sicht verharmlost die tragische Geschichte nicht, jedoch ist sie nicht so brutal dargestellt, was mir besser gefallen hat 
    • Der eher „naive/kindliche“ Schreibstil gibt eine ganz neue Sicht auf das Geschehen 
    • wichtige Werte werden vermittelt


    Anders als erwartet/hat mir nicht so gut gefallen: 

    • das Leben des „nicht-jüdischen“ Kindes stand vor allem im Vordergrund, ich hätte mir eine größere Konzentration auf „den Jungen im gestreiften-Pyjama“ gewünscht 


    Fazit und Sternebewertung:

    Alles in allem ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Abgesehen vom sehr wichtigen Thema, das darin behandelt wird, lernt man auch noch einmal, wie ein Kind zu denken und die Welt in ihren Augen zu sehen. Ein mancher wird hier bestimmt auch noch einmal seine Ansichten zu seinem Leben hinterfragen und sich für glücklich schätzen. 

    Ein nettes Buch, gut für zwischendurch, dass einem interessante und wichtige Denkanstöße gibt und einen nicht mehr so leicht los lässt.


    ⭐️⭐️⭐️⭐️1/2 (4,5 stars-read)

  7. Cover des Buches Der Vorleser (ISBN: 9783257261349)
    Bernhard Schlink

    Der Vorleser

     (5.720)
    Aktuelle Rezension von: Lovely_Lila

    * Spoilerfreie Rezension! *

     ~ „Der Vorleser“ ist ein unterhaltsamer, tiefgründiger, interessanter Literaturklassiker, der zum Nachdenken anregt und mir trotz seiner langatmigen Passagen insgesamt gut gefallen hat. Wird das Buch als Schullektüre verwendet, sollte darauf geachtet werden, die ernsten Themen (NS-Vergangenheit, Schuld) altersgerecht aufzubereiten und auch die problematischen Aspekte der Geschichte (Altersunterschied in der Beziehung) nicht unter den Teppich zu kehren, sondern klar anzusprechen. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung! ~

     

    Inhalt

    Als Michael sich krankheitsbedingt übergeben muss, kommt ihm eine fremde Frau zu Hilfe. Von der Familie wird er zu ihr geschickt, um sich mit Blumen zu bedanken. Er ist 15 Jahre alt, sie ist 36 und wird seine erste Liebe / Affäre. Da sie selbst nicht lesen kann, liest er ihr jeden Tag aus Klassikern vor. Doch eines Tages verschwindet sie plötzlich. Jahre später sieht sie Michael sie unter unerwarteten Umständen wieder und erfährt, dass sie die ganze Zeit ein schreckliches Geheimnis hatte…

     

    Übersicht

    Einzelband oder Reihe: Einzelband
    Erzählweise: Ich-Erzähler, Präteritum
    Perspektive: männliche Perspektive
    Kapitellänge: sehr kurz

    Tiere im Buch: + Im Buch werden keine Tiere verletzt, gequält oder getötet.
    Triggerwarnung: NS-Zeit, Holocaust, Tod von Menschen, Beziehung zwischen einem Minderjährigen und einer Erwachsenen, toxische Beziehung, Gewalt
    Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): nicht bestanden!
     Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: ---

     

    Kurzrezension


    „Warum? Warum wird uns, was schön war, im Rückblick dadurch brüchig, dass es hässliche Wahrheiten verbarg?“ Seite 38

     

    „Der Vorleser“ gilt als literarischer Klassiker, den man gelesen haben muss, und als beliebte Schullektüre. Pflichtbewusst gekauft, verstaubte das Buch aber zuerst einmal 2 Jahre in meinem Regal, bis ich in den Sommerferien dieses Jahres endlich Lust darauf hatte. 

     

    Zuerst: Hat mir das Buch gefallen? Ja, durchaus! Aber ist es auch so großartig wie angepriesen? Da bin ich mir nicht so sicher. Auf meine hohen Erwartungen folgten zwar ein paar unterhaltsame, interessante und tiefgründige Lesestunden, aber leider auch Ernüchterung. Den ruhigen, unaufgeregten Schreibstil mochte ich, die philosophischen und moralischen Fragen, die immer wieder gestellt werden, haben mich zum Nachdenken angeregt, was mir ebenfalls gefallen hat. Aber Achtung: „Der Vorleser“ ist ein Literaturklassiker, der zwar viele (und vor allem: die richtigen) Fragen stellt, der aber keine klaren, einfachen Antworten liefert! 


    Die ernsten Themen (NS-Vergangenheit, Literatur, Schuld, Erwachsenwerden, erste Liebe, Analphabetismus) und ihre tiefgründige Ausarbeitung haben mich ebenso überzeugt wie die komplexen, glaubwürdigen Figuren (besonders Hanna ist sehr gut gelungen) und der sympathische, selbstkritische, nachdenkliche Protagonist. Teilweise ist diese Mischung aus Liebesgeschichte, Roman und Justizkrimi wirklich spannend geschrieben und es gibt einige unerwartete Wendungen. Aus feministischer Sicht fallen die starken, intelligenten, beruflich erfolgreichen Frauenfiguren positiv auf (besonders da der Roman 1995 erstmals erschienen ist), auch die Darstellung von Frauen als Täter·innen ist außergewöhnlich und bemerkenswert. Die Verfilmung, für die Kate Winslet sogar einen Oscar erhalten hat, werde ich mir auf jeden Fall noch anschauen! 


    Leider enthält das vielschichtige Buch aber auch sehr langatmige, zähe, handlungsarme Passagen, bei denen ich nur im Schneckentempo vorangekommen bin. Ich kann mir gut vorstellen, dass Schüler·innen hier die Geduld verlieren und das Buch abbrechen könnten. Außerdem könnten ihnen die teilweise recht expliziten sexuellen Beschreibungen unangenehm oder peinlich sein. 


    Doch wenn man sich die Frage stellt, ob dieses Buch als Schullektüre (für die Oberstufe, früher würde ich das Buch mit einer Klasse nicht lesen) geeignet ist, muss noch ein Punkt angesprochen werden: Hochproblematisch ist natürlich die toxische, teilweise sogar gewalttätige Beziehung / Affäre zwischen dem Minderjährigen Michael (15 Jahre alt) und der Erwachsenen Hanna (Mitte 30). Gesetzlich wäre so eine Beziehung zumindest in Österreich erlaubt, moralisch bleibt sie trotzdem mehr als fragwürdig, ist in meinen Augen sehr problematisch und grenzt für mich an sexuellen Missbrauch wegen der unterschiedlichen Lebenserfahrung und des Machtgefälles (das Hanna bewusst ausnutzt). Wenn das Buch in der Schule besprochen wird, sollte dieser Aspekt auf jeden Fall nicht ignoriert, sondern klar angesprochen und diskutiert werden. 

     

    Mein Fazit

    „Der Vorleser“ ist ein unterhaltsamer, tiefgründiger, interessanter Literaturklassiker, der zum Nachdenken anregt und mir trotz seiner langatmigen Passagen insgesamt gut gefallen hat. Wird das Buch als Schullektüre verwendet, sollte darauf geachtet werden, die ernsten Themen (NS-Vergangenheit, Schuld) altersgerecht aufzubereiten und auch die problematischen Aspekte der Geschichte (Altersunterschied in der Beziehung) nicht unter den Teppich zu kehren, sondern klar anzusprechen. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung!

     

    Bewertung

    Idee: 4 Sterne
    Inhalt, Themen, Botschaft: 4 Sterne
    Tiefe: 5 Sterne ♥
    Umsetzung: 3,5 Sterne
    Worldbuilding: 4 Sterne
    Einstieg: 4 Sterne
    Ende: 4 Sterne
    Schreibstil: 4 Sterne
    Protagonist: 4 Sterne
    Figuren: 5 Sterne ♥
    Spannung: 3 Sterne
    Tempo: 3 Sterne
    Wendungen: 4 Sterne
    Atmosphäre: 3 Sterne
    Emotionale Involviertheit: 4 Sterne
    Feministischer Blickwinkel: 4 Sterne
    Einzigartigkeit: 5 Sterne ♥


    Insgesamt:

    ❀❀❀,5 Sterne

    Dieses Buch bekommt von mir 3,5 Sterne! 

  8. Cover des Buches Abschied in Prag (ISBN: 9783453359598)
    Alyson Richman

    Abschied in Prag

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Prag in den 1930-er Jahren. Zwischen dem Medizinstudenten Josef und Lenka, einer Freundin seiner Schwester, bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte an. Als die Zeiten für die jüdische Bevölkerung zunehmend unsicherer werden, heiratet das junge Paar, und bereitet mit den Eltern die Auswanderung nach Amerika vor.

    Durch unglückliche Umstände wird Josef von seiner Frau getrennt, und Lenka nach Theresienstadt deportiert. Ein ganzes Leben lang glaubt jeder der beiden Ehepartner, dass der andere den Krieg nicht überlebt hätte, bis sie sich 60 Jahre später in New York zufällig wiedersehen.


    Mit diesem Roman hat die Autorin ein wunderbares Buch über eine große Liebe in einer schrecklichen Zeit vorgelegt. Josef und Lenka sind von Anfang an die Sympathieträger, deren Schicksal sicher niemanden unberührt lässt, doch auch Eltern und Freunde werden sehr authentisch dargestellt. Als Leser nimmt man regen Anteil an den Repressalien, die das Leben der Juden in Prag immer unerträglicher macht. Berührend schreibt Alyson Richman von großen Zukunftsplänen, enttäuschten Hoffnungen, unfassbaren Grausamkeiten, aber auch von Hilfsbereitschaft, Loyalität, Durchhaltevermögen und der Macht der Liebe.

    Der Aufbau des Romans mit wechselnder Erzählperspektive hat mir sehr gut gefallen. Gefühlvoll, und doch in einer sehr eindringlichen Sprache lässt die Autorin ihre Leser am Unvorstellbaren teilhaben. Viele Details künden von intensiver Recherche, interessant auch die Rolle, die die Kunst in Theresienstadt als Zeichen des Widerstandes spielte.

    Die Handlung erschien mir von Anfang bis Ende sehr durchdacht und war logisch zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehbar. Packend erzählt, habe ich mich vom Strom der Ereignisse mitreißen lassen, und war vom Schicksal der hervorragend dargestellten Figuren sehr bewegt. Gerne gebe ich für diesen berührenden Roman die volle Punktezahl.

  9. Cover des Buches Bis ans Ende der Geschichte (ISBN: 9783328100515)
    Jodi Picoult

    Bis ans Ende der Geschichte

     (202)
    Aktuelle Rezension von: Kleinbrina

    Jodi Picoult gehört zu den Autorinnen, von denen ich nahezu alle Bücher besitze, aber bislang kaum etwas gelesen habe. Da mich ihr neuestes Werk „Bis ans Ende der Geschichte“ allerdings direkt angesprochen hat, wollte ich es sofort lesen und wurde nicht enttäuscht.

    Zwar muss ich zugeben, dass der Anfang sehr schleppend verlief, die Geschichte aber immer mehr in Schwung kam und mich danach in ein absolutes Gefühlschaos gestürzt hat, sodass ich das Buch nur selten aus den Händen gelegt habe. Die Geschichte wird dabei sehr flüssig und eindringlich erzählt, die Dialoge sind mal melancholisch, mal humorvoll und mal erschreckend, aber immer sehr passend und glaubwürdig. Dazu muss man sagen, dass die Autorin hier sehr gut recherchiert hat und über den zweiten Weltkrieg mit all seinen schrecklichen Seiten erzählt. Gleichzeitig sind die Figuren sehr gut ausgearbeitet, sodass man diese zwar nicht zwingend ins Herz schließt, dafür aber sehr gut kennen lernt.

    Sage fand ich von Anfang sehr sympathisch und habe oftmals mit ihr mitgefühlt. Sie arbeitet als Bäckerin und hat nur mit sehr wenigen Menschen zu tun, da sie sehr menschenscheu ist und gleichzeitig den Tod ihrer Mutter verarbeiten muss. Um den Tod zu verarbeiten, besucht sie seit einiger Zeit eine Trauergruppe und trifft dabei auf viele Gleichgesinnte, die ihr Mut machen. Besonders Josef, 93 Jahre alt, wächst ihr dabei ans Herz, allerdings lernt sie erst viel zu spät seine Vergangenheit kennen, denn diese ist sehr erschreckend und man kann zunächst gar nicht glauben, dass dieser gutmütige, alte Mann der Welt so viel Leid angetan hat.

    Josef war während des zweiten Weltkrieges in Auschwitz, hat eine Nazi-Vergangenheit und war an vielen Ermordungen an Juden beteiligt. Nun bittet er ausgerechnet bei Sage um Vergebung, was für sie nicht nur sehr schockierend ist, sondern auch einen persönlichen Bezug hat, denn Sage ist selbst Jüdin und ihre Großmutter musste selbst hautnah miterleben, wie sie und viele andere Menschen in Auschwitz behandelt wurden.

    Die Gespräche zwischen Sage und Josef waren hierbei sehr interessant, aber auch sehr erschreckend, sodass ich das ein oder andere Mal schlucken musste, denn die Autorin beschreibt die Geschichte sehr eindringlich und man fühlt sich, als sei man mittendrin. Auch die anderen Figuren, wie z.B. Sages Großmutter, aber auch Leo finden einen Platz in der Geschichte, auch wenn ich mir nicht so ganz sicher bin, ob die Geschichte Leo tatsächlich gebraucht hätte, da er für mich zu unnahbar wirkte.

    Das Cover ist sehr schön gestaltet, fast schon neutral, konnte mich aber dennoch direkt ansprechen. Auch die Kurzbeschreibung hat mir sehr gefallen, sodass ich das Buch unbedingt lesen wollte.

    Insgesamt hat Jodi Picoult mit „Bis ans Ende der Geschichte“ eine erschreckende Geschichte geschrieben, die in mir ein absolutes Gefühlschaos ausgelöst hat. Gleichzeitig hat die Autorin das Leben und das Leid in Auschwitz sehr gut recherchiert, sodass man hierbei eine sehr glaubwürdige und erschreckende Geschichte vorfindet. Ich kann es demnach nur empfehlen.





  10. Cover des Buches Wenn wir wieder leben (ISBN: 9783426520307)
    Charlotte Roth

    Wenn wir wieder leben

     (109)
    Aktuelle Rezension von: Alex_gedankenwelt

    1964: Die 19-jährige Wanda lebt mit ihren Schwestern, ihrer Mutter „Matti“ und Tante Lore in einer kleinen Wohnung in Berlin. Stets liebevoll umsorgt und gut behütet aufgewachsen, hat sie sich um die vergangenen Jahre nie viel Gedanken gemacht. Ihr Vater ist im Krieg geblieben und zu Hause wird nie darüber gesprochen. Was vorbei ist, das ist vorbei. 

    Kurz nach Beginn ihres Studiums an der Berlins Freier Universität lernt sie den Mitstudenten Andras Goldfarb kennen. Andras, getrieben von dem Wunsch nach Gerechtigkeit, bereitet sich auf einen große Sache vor. Er sammelt Beweise und Unterlagen zusammen für den im Dezember beginnenden Auschwitz-Prozess in Frankfurt. Völlig fasziniert von ihm fängt Wanda an, auch ihre eigene Herkunft zu hinterfragen. Als sie Matti mit der Frage „Was habt ihr von 1933-1945 gemacht?“ konfrontiert, hat sie noch keinen blassen Schimmer davon, welchen schmerzlichen Prozess sie damit in Gange setzt. Wird sie die Wahrheit aushalten können? 

    Mein persönliches Fazit:

     Charlotte Roth hat einen wunderbaren Roman geschrieben. Nach und nach verschmelzen die zwei Handlungsstränge miteinander, Vergangenheit und Gegenwart finden zueinander. Den geschichtlichen Teil dieses Buches finde ich großartig. Die Berichte über Zoppot und Danzig. Die Entwicklung in den Jahren 1933 – 1945. Die Informationen um die Wilhelm Gustloff. Die pommersche Mundart und die dargestellte Lebensfreude, großartig! Die geschichtliche Entwicklung in Zeiten des Krieges, so gut recherchiert. Ich habe dieses Buch wirklich so, so gerne gelesen. 

    Bemängeln muss ich allerdings, die Charakterzeichnung der Wanda. Ein 19 jähriges Mädchen, das 1964 in West-Berlin Geschichte studiert und anscheinend so gar nicht über geschichtliches Hintergrundwissen verfügt. Bis zur ihrer Begegnung mit dem Studenten Andras wusste sie nicht einmal, wo ihr Geburtsort liegt. Zoppot, bei Danzig in Polen. Naiv und unglaubwürdig. Auch andere Charaktere fand ich teilweise etwas unglaubwürdig. Hierfür habe ich einen Stern abgezogen. Trotzdem! 

    Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 4 / 5 Sterne. 

     

  11. Cover des Buches Frühling, Sommer, Herbst und Tod (ISBN: 9783453436886)
    Stephen King

    Frühling, Sommer, Herbst und Tod

     (327)
    Aktuelle Rezension von: EllaEsSteff

    🌩⚡️

    𝘋𝘪𝘦 𝘩𝘰𝘤𝘩 𝘢𝘶𝘧𝘨𝘦𝘵𝘶̈𝘳𝘮𝘵𝘦𝘯 𝘞𝘰𝘭𝘬𝘦𝘯 𝘻𝘰𝘨𝘦𝘯 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘯𝘢̈𝘩𝘦𝘳, 𝘶𝘯𝘥 𝘸𝘪𝘳 𝘸𝘢𝘳𝘦𝘯 𝘧𝘢𝘴𝘻𝘪𝘯𝘪𝘦𝘳𝘵 𝘷𝘰𝘯 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘳 𝘎𝘳𝘰̈𝘴𝘴𝘦 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘦𝘳 𝘴𝘵𝘶𝘮𝘮𝘦𝘯 𝘋𝘳𝘰𝘩𝘶𝘯𝘨, 𝘥𝘪𝘦 𝘷𝘰𝘯 𝘪𝘩𝘯𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘴𝘨𝘪𝘯𝘨. 𝘏𝘪𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘸𝘪𝘦𝘥𝘦𝘳 𝘴𝘢𝘩 𝘦𝘴 𝘢𝘶𝘴, 𝘢𝘭𝘴 𝘸𝘶̈𝘳𝘥𝘦 𝘦𝘪𝘯 𝘳𝘪𝘦𝘴𝘪𝘨𝘦𝘴 𝘉𝘭𝘪𝘵𝘻𝘭𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘪𝘯 𝘪𝘩𝘯𝘦𝘯 𝘨𝘦𝘻𝘶̈𝘯𝘥𝘦𝘵, 𝘥𝘢𝘴 𝘪𝘩𝘳𝘦 𝘗𝘶𝘳𝘱𝘶𝘳𝘧𝘢𝘳𝘣𝘦 𝘧𝘶̈𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘔𝘰𝘮𝘦𝘯𝘵 𝘪𝘯 𝘩𝘦𝘭𝘭𝘦𝘴 𝘎𝘳𝘢𝘶 𝘷𝘦𝘳𝘸𝘢𝘯𝘥𝘦𝘭𝘵𝘦. 𝘜𝘯𝘵𝘦𝘳 𝘥𝘦𝘳 𝘞𝘰𝘭𝘬𝘦, 𝘥𝘪𝘦 𝘶𝘯𝘴 𝘢𝘮 𝘯𝘢̈𝘤𝘩𝘴𝘵𝘦𝘯 𝘴𝘵𝘢𝘯𝘥, 𝘴𝘢𝘩 𝘪𝘤𝘩 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘨𝘦𝘻𝘢𝘤𝘬𝘵𝘦𝘯 𝘉𝘭𝘪𝘵𝘻 𝘩𝘦𝘳𝘢𝘣𝘧𝘢𝘩𝘳𝘦𝘯. 𝘌𝘳 𝘸𝘢𝘳 𝘴𝘰 𝘩𝘦𝘭𝘭, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘦𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘣𝘭𝘢𝘶𝘦 𝘛𝘢̈𝘵𝘵𝘰𝘸𝘪𝘦𝘳𝘶𝘯𝘨 𝘢𝘶𝘧 𝘮𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘕𝘦𝘵𝘻𝘩𝘢𝘶𝘵 𝘮𝘢𝘭𝘵𝘦. 𝘋𝘢𝘯𝘯 𝘧𝘰𝘭𝘨𝘵𝘦 𝘭𝘢𝘯𝘨 𝘢𝘯𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯𝘥𝘦𝘴 𝘋𝘰𝘯𝘯𝘦𝘳𝘨𝘳𝘰𝘭𝘭𝘦𝘯. 🌩


    🔨

    Diese Sammlung vereint vier längere Geschichten, von denen drei erfolgreich verfilmt wurden. Sie lassen sich nicht grundsätzlich dem Horrorgenre zuordnen, enthalten jedoch Elemente jenes Grauens, in dem es King zum unbestrittenen Meister gebracht hat - vier Höhepunkte in seinem Schaffen. 𝘈𝘵𝘦𝘮𝘵𝘦𝘤𝘩𝘯𝘪𝘬 ist die grausige Geschichte einer Frau, die ihr Kind zur Welt bringen will; ganz gleich, was geschieht. In 𝘋𝘦𝘳 𝘔𝘶𝘴𝘵𝘦𝘳𝘴𝘤𝘩𝘶̈𝘭𝘦𝘳 erliegt ein netter, aufgeweckter Junge der Faszination des Bösen. 𝘗𝘪𝘯-𝘶𝘱 erzählt von einem ungewöhnlichen Gefängnisausbruch. Und in der stark autobiografisch gefärbten Geschichte 𝘋𝘪𝘦 𝘓𝘦𝘪𝘤𝘩𝘦 gehen vier Großstadtjungen auf verhängnisvolle Entdeckungsreise.


    💭

    Ich habe alle vier Geschichten geliebt. Jede einzelne zieht einen in ihren Bann. 

    Ich verstehe nun, dass viele sagen es sei die beste Kurzgeschichtensammlung von King. 

    Zudem finde ich, ist dieses Buch ideal für King-Einsteiger. 

    Meine Lieblingsgeschichte ist 𝘋𝘪𝘦 𝘓𝘦𝘪𝘤𝘩𝘦. 


  12. Cover des Buches Später Frost (ISBN: 9783462044492)
    Voosen | Danielsson

    Später Frost

     (157)
    Aktuelle Rezension von: schaebelchen

    Dies ist der erste Teil einer neuer Schweden-Krimi-Reihe. Smaländische Kommissarin und ihr Ermittlerteam ermitteln in einem komplizierten Fall. Die Protagonisten sympathisch, die Geschichte spannend und interessant und verwoben, nicht so einfach, Licht ins dunkel zu bringen. Sehr guter Auftakt.

  13. Cover des Buches Der Klang der Hoffnung (ISBN: 9783570159903)
    Suzy Zail

    Der Klang der Hoffnung

     (69)
    Aktuelle Rezension von: MoWilliams
    „Der Klang der Hoffnung – Die Geschichte einer unmöglichen Liebe“ warf mich zuerst aus dem Konzept. Eine Liebesgeschichte in Auschwitz ist nichts, was ich mir als besonders romantisch oder liebevoll vorstelle, erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine fünfzehnjährige Jüdin und den Sohn eines Kommandanten handelt. Doch es ist nicht nur eine Geschichte über eine junge Liebe, wie man anfänglich vielleicht glauben mag, sondern ein kleiner Ausschnitt über Menschlichkeit, dessen Verlust und der Frage, ob es eine Rechtfertigung dafür braucht, überleben zu wollen. 

    Der Roman von der australischen Autorin Suzy Zail, deren Vater selbst Auschwitz überlebte und nach Australien auswanderte, erzählt die Geschichte von Hanna Mendel. Bereit, um das ungarische Konservatorium zu besuchen, sobald der Krieg vorbei ist, lebt sie seit geraumer Zeit im Ghetto von Debrecen. Schließlich werden sie in die Serly-Ziegelei umgesiedelt, um wenige Tage später mit dem Zug nach Auschwitz-Birkenau transportiert zu werden. Hanna wird sehr schnell von ihrem Vater getrennt, sie bleibt mit einer verstörten Mutter und ihrer älteren Schwester Erika zurück. Als sie im Mädchenorchester Auschwitz ihre alte Klavierlehrerin Piri trifft, ergibt sich bald eine lebenswichtige Chance – der Kommandant sucht nach einer neuen Klavierspielerin und Hanna wird dazu ausgewählt, vorzuspielen.
    Zail bezieht gleich zu Anfang sehr viele historische Fakten mit ein – darunter das Ghetto, als auch die Serly-Ziegelei, deren Entstehung und Räumung historisch nahezu korrekt datiert ist. Auch das Mädchenorchester in Auschwitz, wie der gleich zu Beginn auftauchende Dr. Mengele hat es wirklich gegeben. Die meisten anderen Personen hat sie frei erfunden – zugleich in dem am Anfang auftauchenden Vorwort betont sie, dass es sich bei diesem Buch um einen fiktiven Roman handelt. Sie scheint sich auch ein wenig selbst aus der Situation „Auschwitz zu erleben“ zu „retten“. Denn ihr letzter Absatz beinhaltet, dass sie nicht so tun möchte, als wüsste sie über das Leben der Häftlinge in Birkenau Bescheid. „Ich denke nicht,“, schreibt sie, „dass jemand, der es nicht am eigenen Leib erfahren hat, das jemals verstehen kann. Aber es ist wichtig, es dennoch zu versuchen.“ 

    Und das tut sie. Suzy Zail überzeugt durch einen sehr bildlichen, eigensinnigen Schreibstil, der sehr viel Platz für Beschreibungen lässt und trotzdem nicht die Spannung aufgibt. Sie hat mit einer erstaunlichen subtilen, aber dennoch nicht zu sanften Art Auschwitz-Birkenau und deren Vorkommnisse beschrieben. Was mir allerdings gefehlt hat, waren die Gefühle zu den Beziehungen zu ihrer eigenen Familie und zu den restlichen weiblichen Häftlingen in ihrer Baracke. Da ihre Mutter von Anfang an die Situation in Auschwitz ignoriert und so tut, als wären sie auf Ferienurlaub, begibt sie sich durch ihr Verhalten nicht nur in Gefahr, sofort erschossen zu werden, sondern auch, sich nicht auf das Überleben zu konzentrieren. Hanna beweist hier nicht sonderlich viele Gefühle und klammert sich an ihre Schwester – auch die Trennung von ihrem Vater und das Auftauchen am Ende (ich werde hier ausnahmsweise nicht spoilern ;D) einer geliebten Person verblasste in wenigen Absätzen und war mir zu wenig. Entweder Hanna dreht ihre Gefühle selbst langsam ab, was allerdings der Begegnung am Ende widersprechen würde, oder Zail hat sich tatsächlich auf andere Faktoren konzentriert. Als Erstes wäre die Darstellung der SS, der vorkommenden Nazis und der Blockführerin zu nennen. Obwohl Hanna von Anfang an betont, wie sehr sie diese Leute dafür hasst, was sie tun, lässt Zail immer wieder Momente der Menschlichkeit einfließen. Der Kommandant ist gegenüber Juden eiskalt und brutal – er behandelt sie, als wären sie wertlos – umso stärker wirkt somit seine liebevolle Behandlung gegenüber seinem Schäferhund. Durch diesen Kontrast hat die Autorin in meinen Augen eine sehr realistische Darstellung von dem geschaffen, was es hieß, als Jude „nichts“ wert zu sein, sogar weniger als ein Tier. Die SS und die Blockführerinnen führen diese Gegensätze fort, untereinander sind die Lagerkommandanten sehr menschlich zueinander und auch die Blockführerinnen zeigen ein anderes Benehmen, sobald man ihnen „Wertschätzung“ entgegenbringt und ihnen Zigaretten, Essen oder Dinge zusteckt, die sie in „Kanada“ umtauschen können. 
    Zweitens, dass Zail Beziehungen durchaus mit sehr viel Feingefühl und vielen Emotionen beschreiben und erzählen kann, beweist die langsame Annäherung zwischen Hanna und Karl, dem Sohn des Kommandanten. Davor habe ich mich definitiv am meisten gefürchtet – was soll ich auch erwarten, wenn ich von „unmöglicher Liebe“ lese und ich automatisch an Twilight denken muss? An Twilight in Auschwitz? Dementsprechend ist diese Vorstellung nach wie vor wahnsinnig grotesk für mich – jedoch hat Zail sich sehr, sehr viel Zeit mit der Beziehung gelassen, die für mich persönlich nicht im Vordergrund der Geschichte stand, da sie im Vergleich viel zu wenig Seiten füllt. Karl rettet ihr vermutlich einmal das Leben und schließlich bemerkt sie, dass er in den Wäschekorb, den sie täglich in die Wäscherei von Auschwitz schicken lassen, Essen schmuggelt. Karl hasst, was sein Vater den Häftlingen antut und verschanzt sich daher im Haus und die meiste Zeit hinter einem Buch, doch er lässt Hanna und die anderen Häftlinge, die bei ihnen im Haus arbeiten, nicht im Stich. So gut er kann, rettet er sie vor seinem Vater und sagt nichts – wenn er außer Haus ist – wenn sie sich an den Essensresten bedienen.

    Je länger ich über diesen Roman nachdenke, umso mehr frage ich mich, ob für Zail selbst die Liebe tatsächlich im Mittelpunkt stand. Denn für mich ist die Freundschaft – die viel länger im Fokus steht und die sich zwischen Hanna und Karl entwickelt – viel wichtiger. Sie allein hätte schon gereicht, um zu zeigen, dass es egal ist, welche Religion Menschen haben oder welcher Minderheit sie angehören. Die Liebe entsteht wahnsinnig zart und lässt Hanna so oft hinterfragen, da Karl immerhin der „anderen“ Seite angehört, dass ich ihr sie glaube. Aber sie hätte diesen Faktor nicht benötigt – Zail hat auch so eine sehr subtile, gefühlsbetonte Geschichte von Auschwitz erzählt. 

    Trotzdem komme ich nicht darüber hinweg, dass diese „unmögliche Liebe“ so stark aufgezogen werden muss. (Ich bin hier sehr genau, weil ich dieses Buch vermutlich noch für eine Uniarbeit benötige) Auf S.90 begegnen sich die beiden das erste Mal, auf S.130 richtet Karl das erste Mal (gezwungenermaßen) das Wort an sie und auf S.160 sprechen sie das erste Mal wirklich miteinander, weil Karls Vater nicht zuhause ist. Auf S.230 müssen sie sich trennen, da die Russen immer näher kommen (das Buch umfasst 280 Seiten). Die „Liebesgeschichte“ spielt für mich keine sonderlich große Rolle. Und wie sollte sie auch? Hanna geht nicht Klavier spielen, hätte es nie getan, wenn es nicht darum gegangen wäre, extra Essensrationen für sie, ihre Schwester und ihre Mutter zu bekommen. Meine persönliche Vermutung ist, mit der ich hoffentlich falsch liege, weil sie mich rasend macht – dass mit dieser verbotenen Jugendliebe (natürlich) die Verkaufszahlen angekurbelt werden sollten. Was auch sonst? Verbotene Liebe zieht doch immer. Aber es geht hier nicht um Twilight, sondern um das Überleben in Auschwitz. Ich hoffe, dass hier ein Marketingteam sich dessen bewusst war.

    Andererseits, falls Suzy Zail ihren Roman tatsächlich als Liebesgeschichte bezeichnet, es sich so gewünscht und dies beabsichtigt hat, möchte ich natürlich fest an ihre vermutliche Intention glauben, dass auch Liebe keine Grenzen kennt, dass auch an einem so grauenvollen Ort wie Auschwitz Liebe entstehen kann. Denn wie hat mein Professor gesagt? Warum muss Auschwitz immer für den Tod stehen, warum kann es nicht auch ein Hoffnungszeichen dafür sein, dass es Menschen gab, die tatsächlich überlebt haben?
  14. Cover des Buches Maus (ISBN: 9783596180943)
    Art Spiegelman

    Maus

     (214)
    Aktuelle Rezension von: Chris666

    Definitiv Hochkultur!!! Dieses Buch braucht sich hinter keinem Klassiker zu verstecken. Wer "Comics" für kinderkram hält, wird hier eines besseren belehrt. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass mir die Schicksale der Juden im zweiten Weltkrieg und ihre Nachwirkungen bis ins Jetzt, besser und eindringlicher vor Augen geführt hat.

  15. Cover des Buches Vaterland (ISBN: 9783453421714)
    Robert Harris

    Vaterland

     (355)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Robert Harris` erster, meiner Meinung nach sein bisher bester (auf youtube kann man die Verfilmung mit Rutger Hauer in schlechterer Qualität sehen): Die Zeit nach 1945 konsequent weitergedacht, v.a. die Architektur Berlins nach Kriegsende erscheint zutreffend und morbide. Am Erschreckendsten von allem war natürlich die Einstellung von dem Sohn des Polizisten, der den ganzen Propagandamüll verinnerlicht hat und denkt, für seinen Vater nur das Beste zu tun. Insofern war das Dritte Reich zu der Zeit kein "Vaterland" (keine Ahnung, ob eine solche Sichtweise durch den Autor beabsichtigt war). Hallt alles in allem noch lange  Zeit nach, auch wenn man wie ich den Film schon vor Jahren auf Kabel1 gesehen hat. 

  16. Cover des Buches Deutsches Haus (ISBN: 9783548061177)
    Annette Hess

    Deutsches Haus

     (212)
    Aktuelle Rezension von: Marcsbuecherecke

    Als ich dieses Buch vor einiger Zeit in die Hand genommen habe, hätte ich nicht gedacht, dass es diese Wirkung auf mich haben würde. Ich gestehe: Ich habe mich noch nicht erkundigt, welche Teile dieses Buches auf wahren Gegebenheiten beruhen und welche Teile reine Fiktion sind, aber realistisch und authentisch ist die Geschichte auf jeden Fall! 

    Gerade die Protagonistin, Eva, ist mir so realistisch vorgekommen - ich bin der Meinung sie persönlich zu kennen  Ihre Gedanken und gerade ab dem Beginn der Prozesse das Durcheinandergeraten der Emotionen sind beim Lesen vollends auf mich übergesprungen.

    Was sage ich? Dieses Buch ist eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle: Da ist zum Einen die emotionale Ebene - die mich mit den Geschädigten und Nachkommen der Auschwitz mitleiden hat lassen und dann noch die Ebene, auf der meine eigenen Emotionen, meine Wut die Überhand gewonnen hat, wegen der Tatsache wie schnell man doch versucht hat, Fakten zu ignorieren und so zu tun, als ob die ganze Geschichte zwischen 1933 und 1945 niemals stattgefunden hätte. 

    Einen Handlungsbogen sehe ich in der Geschichte allerdings keinen, was in diesem Fall aber daran liegt, dass die Handlung sehr schnell an Fahrt aufnimmt und dann auch nicht mehr langsamer wird. 

     

    Fazit:

     

    Ich habe es bereits oben geschrieben und ich kann mich nur wiederholen: Dieses Buch ist eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe! 

     

  17. Cover des Buches Der Täter (ISBN: 9783426505342)
    John Katzenbach

    Der Täter

     (174)
    Aktuelle Rezension von: P_Gandalf

    Der Täter spielt in Miami Beach Mitte der 90er Jahre des letzten Jahhunderts und beschäftigt sich mit den Schatten der Vergangenheit - der Judenverfolgung im Dritten Reich und hier im Speziellen mit den sogenannten Greifern. 

    Simon Winter, Detective des Miami Police Departments a.D. ist für mich zentrale Charakter des Romans. Nachdem seine Nachbarin Sophie ermordet wurde, gibt es sich nicht mit der nahe liegenden Erklärung ein Junkie habe Sophie ermordet zufrieden, sondern stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Kurz vor ihrer Ermordung hatte Sophie ihm verängstigt über einen Schatten aus der Vergangenheit - dem Schattenmann - berichtet, dem sie zufällig begegnet sei. Wenn Stunden später liegt sie erdrosselt in ihrem Bett.

    Katzenbach baut die Geschichte geschickt auf. Die diffuse Idee, der Schattenmann - ein jüdisch stämmiger Greifer, der in den 40er Jahren in Berlin Juden an die Nationalsozialisten verriet - morde nun im Rentenalter Überlebende, die ihn vielleicht wiedererkennen könnten, Gestalt an. Seite um Seite wird das Netz um diese nebulöse Gestalt enger gezogen bis es zum unweigerlichen Show Down kommt.

    Fazit: 

    Gut geschriebener Roman mit überzeugenden Figuren. Durchaus lesenswert, aber kein "muss"; daher nur 4 Sterne.


  18. Cover des Buches Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten (ISBN: 9783351035686)
    Daniel Friedman

    Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten

     (73)
    Aktuelle Rezension von: buchpinguin
    Buck Schatz, ehemaliger Soldat/Polizist/gelenkiger Mensch zählt stolze 87 Jahre, als ihm sein alter Armeekamerad auf dem Sterbebett ein Geheimnis anvertraut: Der Nazi-Offizier, der die beiden (vorrangig den jüdischen Buck) in einem Lager gefoltert hat, ist noch am Leben - und hat auf seiner Flucht mehrere Barren Gold mitgenommen!

    Zusammen mit seinem Enkel begibt sich Buck schließlich auf die Suche nach dem Schatz. Was wie ein harmloses Abenteuer gilt, wird bald gefährlich. Der Armeekumpel hat dieses Geheimnis nämlich auch noch seinem Schwiegersohn anvertraut, der ebenfalls fest entschlossen ist, das Gold zu bekommen. Als ob das alles noch nicht genug wäre, werden einige Leute in unmittelbarer Umgebung des Alten ermordet, was die Aufmerksamkeit eines Detektives der Mordkommission erregt...

    Das Buch ist ein absoluter Lesetipp! Der kettenrauchende Hauptprotagonist, der um keinen blöden Spruch verlegen ist, ist eine erfrischende Abwechslung zu "normalen" Romanfiguren und wirkt dabei absolut glaubhaft. Auch die weiteren Figuren des Buches sind wie aus dem Leben gegriffen, zudem ist die Handlung wundervoll ausgearbeitet, wendungsreich und fesselnd - einfach großartig!
  19. Cover des Buches Reality-Show (ISBN: 9783257239430)
    Amélie Nothomb

    Reality-Show

     (147)
    Aktuelle Rezension von: daydreamin

    In dieser kurzen Erzählung steht eine Reality-TV-Show im Fokus, in der Gefangene in einem Konzentrationslager gehalten und von ausgewählten Kapos erniedrigt werden. Jeder ihrer Schritte wird von Kameras überwacht, die das Geschehen in die Welt übertragen. Im Laufe des Buches wird zu immer krasseren Methoden gegriffen, um die Quoten noch weiter zu steigern.

    Näher beleuchtet werden die Bewohnerin Pannonica und Kapo Zdena. Pannonica steht für Unschuld, Reinheit, Schönheit, Gerechtigkeit, fast schon Heiligkeit, aber auch Selbstbestimmung und Bewahrung ihrer Würde, so gut es unter den beschriebenen Umständen eben geht. Im Gegensatz dazu ist Zdena stolz auf ihre Ernennung und lebt die ihr gegebene Macht auch aus. Auf den ersten Blick scheint die Einteilung in Gut und Böse einfach, doch Amélie Nothomb versäumt es nicht, auch die riesige Zuschaueranzahl in die Verantwortung zu ziehen, die im Schutze der Anonymität nicht nur zum Erfolg der Sendung beiträgt, sondern auch aktiv wird. 

    Obwohl mir der Schreibstil und der Kern des Buches gut gefielen, hatte ich so meine Probleme mit den Figuren. Sie wirkten alle leider etwas platt und konnten mich nicht überzeugen, sodass ich leider auch glaube, dass mir das Buch insgesamt nicht sehr lange in guter Erinnerung bleiben wird. Mein letzter Roman der Autorin soll "Reality-Show" aber keineswegs bleiben.

  20. Cover des Buches Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge (ISBN: 9783570403556)
    Matteo Corradini

    Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge

     (25)
    Aktuelle Rezension von: MotteEnna

    Mitten im zweiten Weltkrieg beschließen eine Gruppe Jungen, die im Ghetto Theresienstadt leben, alle anderen Kinder durch eine Zeitung über das Leben im Ghetto zu informieren und ihnen durch Geschichten auch ein wenig Hoffnung zu geben. Dabei besteht für sie immer die Gefahr entdeckt und bestraft zu werden, denn das Festhalten der Gegebenheiten im Ghetto ist verboten. Die namenlose Hauptfigur erzählt in dem Buch von ihren gemeinsamen Streifzügen durch die Straßen von Theresienstadt, um Informationen zu sammeln, ebenso von den gemeinsamen Redaktionssitzungen, auf denen beschlossen wird, welche Fakten verbreitet werden sollen. Dabei achten sie sehr auf die Genauigkeit der Daten. Aber auch immer wieder beschreibt "ich" seine Träume, die teilweise Visionen gleichen und ihm zu der einen oder anderen Geschichte leiten. "Ich" beschreibt zudem den Wandel, der in den Jahren in der Stadt vor sich geht. Wie neue Menschen kommen, wie sich die einzelnen Bewohner die Situation meistern und wie immer wieder Freunde und Fremde deportiert werden und jeder weis, dass sie sie wahrscheinlich nie wiedersehen werden.

    Fazit

    Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge ist ein wunderbares und absolut lesenswertes Jugendbuch, dass auf eine sehr vorsichtige aber auch deutliche weise erzählt, wie das Leben der Juden im zweiten Weltkrieg im Ghetto aussah und welchen Ängsten sie sich jeden Tag stellen mussten. Auch wenn viele Leute immer wieder sagen, dass dieses Thema doch langsam alt wird, dass unsere Generation doch gar nicht mehr direkt mit den Geschehnissen in Verbindung steht, aber ich bin da ganz anderer Meinung. Gerade heute, in der in so vielen Ländern eine negative Stimmung gegen andere Nationen herrscht und Angst vor unbekannten Religionen vorherrscht finde ich es besonders wichtig sich mal wieder vor Augen zu führen, wohin das führen kann, wenn man die Augen davor verschließt. Deswegen spreche ich heute auch eine besondere Leseempfehlung für alle Erwachsenen aus, obwohl es sich hier um ein Jugendbuch handelt. Matteo Corradini zeigt mit dieser Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit basiert, dass sich mit dieser Feindseligkeit nicht nur erwachsene Menschen auseinandersetzen müssen, die sich wehren könnten, sondern, dass vor allem die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, darunter leiden und sich wehrlos fügen müssen. Ein MUST-READ für das kommende Jahr.

    Viel Spaß beim Schmökern!

  21. Cover des Buches Schindlers Liste (ISBN: 9783570300046)
    Thomas Keneally

    Schindlers Liste

     (279)
    Aktuelle Rezension von: CarinaElena

    Es gibt schon so viele Rezensionen, da weiß ich gar nicht was ich noch neues schreiben soll was man noch nicht gelesen hat. Habe zuerst das Buch gelesen und dann den Film geschaut und beides hat mich so erschüttert. Finde es auch sehr schwer ein solches Werk zu kritisieren (egal ob positiv oder negativ), daher werde ich mich da kurz halten. Für mich sollte dieses Buch auch als Schullektüre eingeführt werden, sodass die Geschichte niemals in Vergessenheit gerät.

    Der Autor führte viele Gespräche mit Weggefährten und Fachleuten und vermeidet es, Lücken mit erfundenen Informationen zu füllen. Man lernt Oskar Schindler kennen, einen Mann den man so schnell nicht vergessen wird.

    Ich kann jedem, der sich für das Thema Holocaust interessiert, nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Auch der Film ist ein Meisterwerk für sich, aber das Buch sollte man dadurch nicht unbeachtet lassen. Wunderbar, ergreifend und  erschreckend mit jedem Wort, das auf den Seiten steht. Alleine dieses Buch sollte uns zeigen, dass so etwas nie wieder passieren darf! Und gleichzeitig zeigt es auch, wie wahr der hebräische Spruch ist, welcher einige Male im Buch Erwähnung findet:

    "Wer auch nur ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt."

  22. Cover des Buches Das Schweigen des Sammlers (ISBN: 9783458359265)
    Jaume Cabré

    Das Schweigen des Sammlers

     (59)
    Aktuelle Rezension von: Henk_Bleu

    Ich weiß noch, dass ich über dieses Buch in der FAZ eine hymnische Besprechung las. Es sei einer der besten spanischen Romane der letzten Jahre, hieß es darin. Ich weiß nicht mehr, wie das genau begründet wurde, aber mein Interesse war geweckt.

     

    „Das Schweigen des Sammlers“ heißt im Original „Ich bekenne“ und das ist der weitaus treffendere Titel für diesen verwickelten Roman. Formal ein Briefroman, lesen wir die Memoiren des spanischen Gelehrten Adria Ardevol an seine Frau Sara Voltes-Epstein, die große Liebe seines Lebens. Es ist ein Buch über Schuld und die Hoffnung auf Wiedergutmachung. Denn Ardevol fühlt sich schuldig am Schicksal seiner Frau, und daran, dass sie ihn verließ – weil er eine Geige nicht zurückgab, die seiner Familie nicht gehörte. Das klingt vielleicht banal, aber die Geschichte dieser Geige bildet neben Ardevols Lebensgeschichte die zweite große Stütze des Romans. Sie spannt einen riesigen zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, von Geistlichen in Klöstern bis zu Nazischergen in Auschwitz. Und der Streit über ihren Besitz ist Ausgangspunkt für umfangreiche Schilderungen über Gut und Böse, Schuld und Moral.

     

    Damit hat sich Cabre viel vorge-, aber nicht übernommen. Ihm gelingt es, die stattlichen 850 Seiten intelligent und spannend zu füllen. Vor allem hat Cabré die Handlungsebenen kunstvoll und trickreich verknüpft. Oft springt er mitten in einem der vielen Dialoge auf eine andere Ebene. Oder er wechselt in einem Dialog die Erzählperspektive, vom Er zum Ich oder Du. Das ist oft nicht gleich zu verstehen, sondern erfordert die Aufmerksamkeit des Lesers, ist aber absolut faszinierend gemacht und trägt dazu bei, dies Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch formal komplex zu machen. Es führt vor allem dazu, dass der Leser näher an die Handlung herankommt und von ihr stärker berührt wird. Und es macht das Buch einzigartig.

     

    Kritikpunkte sehe ich bei der Hauptfigur. So facettenreich sie einerseits angelegt ist, so einseitig ist das Motiv von Ardevols Handlungen: Das Gefühl der Schuld und die überbetonten Gefühle für seine Frau wirken über die ganze Länge fast schon penetrant. Aber vielleicht ist das eine Mentalitätssache, und deutsche Leser empfinden hier anders als der spanische Autor. Zum anderen ist Ardevol als Intellektueller angelegt, der über die Natur des Bösen forscht. Dann müsste dazu auch was Intellektuelles kommen, doch das fehlte mir. Dafür gibt er durch die Romanhandlung vielfältige Antworten dazu.

     

    Vielleicht hat Cabre nicht alles einlösen können, aber ihm ist in achtjähriger Arbeit unterm Strich ein bemerkenswertes Buch gelungen, das ich empfehlen möchte
  23. Cover des Buches Der Trick (ISBN: 9783257244007)
    Emanuel Bergmann

    Der Trick

     (165)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    Schon viel zu lange schlummerte dieser Roman aus der Feder des deutschen Autors Emanuel Bergmann auf meinem SUB, so dass mir diese berührend-schöne Geschichte fast entgangen wäre. Da ich ein großer Fan realistischer Romane bin und wesentlich skeptischer bezüglich der Magie der Dinge, war ich mir nicht ganz so sicher, ob die Geschichte um den Juden Mosche Goldenhirsch tatsächlich meinen Lesernerv treffen würde. Aber meine Zweifel waren absolut unberechtigt, denn die Story vereint so ziemlich alles, was für mich gute, nicht triviale Unterhaltungsliteratur ausmacht.

     Inhalt

    Im Zentrum der Erzählung steht der mittlerweile betagte Herr Goldenhirsch, der seinem Leben ein Ende setzen wollte und den Gashahn in seiner Wohnung in der Altersresidenz für Arme aufgedreht hat. Es bleibt jedoch beim misslungenen Versuch, denn in letzter Sekunde agiert der junge Max Cohn ausgesprochen geistesgegenwärtig und dreht den Hahn zu. Max ist auf der Suche nach dem „Großen Zabbatini“, einem Zauberer mit Weltrang, der angeblich einen mächtigen Liebeszauber anwenden kann. Und nun hat er ihn endlich gefunden und ist überzeugt davon, dass dieser alte, grummelige Mann genau der Richtige ist, um die Scheidung seiner Eltern mittels Magie zu verhindern. Doch Mosche wollte nicht mehr zaubern, weil sein Glauben an die Magie vollkommen desillusioniert ist. Sein Lebtag lang war der Zaubermantel sein Schutzschild, gerade in Anbetracht seiner jüdischen Herkunft und seines Berühmtheitsgrades während des Nationalsozialismus in Deutschland. Und selbst wenn ihn seine spektakuläre Show vor dem Schlimmsten bewahren konnte, seine Verluste gleicht auch ein präparierter Koffer nicht aus. Ganz gegen seinen Willen, entdeckt er in dem kleinen Max ein schlaues Kerlchen und greift ein letztes Mal in die Trickkiste, um der Familie Cohn klarzumachen, was eine Scheidung doch für bittere Konsequenzen hätte …

     Meinung

    Erzählt wird aus zwei Perspektiven, wobei die Lebensgeschichte des Mosche Goldenhirsch den größeren Anteil übernimmt. Pendelnd zwischen der Vergangenheit als Künstler, Geächteter, Geliebter und Verlorener und der Gegenwart als ein unbedeutender, alter Mann offenbart sich die ganze Vielfalt eines Menschenlebens. Egal ob es dabei um politische Aktionen, hilflose Reaktionen oder die einfache Willkür geht – der „Große Zabbatini“ blickt auf ein bewegtes Leben zurück und bezieht den Leser fast nebenbei mit ein. 

     

    Fazit

    Hier vergebe ich gerne 5 Lesesterne, weil es sich um eine emotionale Erzählung handelt, die zahlreiche Sympathien weckt und mich sowohl zum Lachen als auch zum Weinen bringen konnte. Selbst der ein oder andere kitschige Moment passt ins Gesamtbild. Zwischen Zauberern und Künstlern fühlt man sich als Leser wohl und entdeckt immer wieder Lebensweisheiten, denen niemand entgehen kann. Dabei spielt die Magie an sich kaum eine Rolle, Sie beschreibt nur das Umfeld der Handlung und mit einem Augenzwinkern noch die Motivation all derer, die an kleine und große Wunder glauben. Weder depressiver Schwermut noch irrsinniger Leichtsinn kommen hier vor und doch berührt dieser Text eine breite Palette an Emotionalitäten. Auch eine Verfilmung könnte ich mir auf Grundlage des Buches gut vorstellen, denn die Bilder entstehen bereits während der Lektüre. 

  24. Cover des Buches Wir waren doch so jung (ISBN: 9783945025437)
    Jennifer Riemek

    Wir waren doch so jung

     (26)
    Aktuelle Rezension von: MissRose1989
    Jakob und Annie sind Juden in Aachen in der Zeit des Nationalsozialismus. Jedem, der sich mal ansatzweise mit dem Thema beschäftigt hat, weiss, welchen Anfeindungen Juden in diese Zeit ausgesetzt waren und wie hart in der Öffentlichkeit mit ihnen umgegangen wurde. Da war das Tragen des "Judenssterns" noch das Harmloseste. Der Judenstern findet sich auch auf dem sonst schlichten Cover des Buches wider, sonst ist der Cover eher grau gehalten. Die alter deutsche Schrift, die für den Titel genutzt wurde, hebt sich von sonstigen Covern ab, macht das Cover aber interessant. Jakob ist gerade 14 Jahre alt und erlebt immer wieder, sie mit Juden und auch mit ihm umgegangen wird, weil er eben Jude ist. Dieser Art der Repressalien verkraftet er nur schön, nur die Liebe zu Annie und eine alte Goldmünze seines Opa helfen ihm, die Zeit, die jahrelang mit Schikanen und Verspottung andauernd wird, zu überstehen... Mit Jakob und Annie schaffen Kuhn und Riemek zwei starke Charaktere, die man sofort ins Herz schliesst, weil sie einfach Opfer ihrer Zeit sind, doch sie finden sie mit der Opferrolle nicht einfach so ab. Das macht sie zu sehr starken Menschen in einer für Deutschland unrühmlichen Zeit.  Natürlich muss man sagen, dass das Thema Holocaust in Bücher nichts neues ist, aber gerade die Verbindung zwischen der fiktiven Geschichte, die gar nicht so sehr von den realen Grundlagen abweicht, gekoppelt mit dem Beleg der historischen Fakten macht es schon zu etwas besonderem.  Die Art, wie die Geschichte durch die Autoren Kuhn und Riemek erzählt werden, ist sehr feinfühlig und macht das Grausame, was in der Zeit besonders gegen die Juden gerichtet wurde, begreifbarer und für den Leser entwickelt sich eine neue Art von Verbundenheit mit Jakob und Annie. Man spürt richtig, dass die Autoren eben nicht nur eine einfache Geschichte schreiben wollten, sie haben ein Buch geschrieben, was nicht nur die Fakten sondern auch durch das Herzblut der Autoren überzeugt. Die Handlung des Buches basiert auf wahren Gegebenheiten, welche im Buch immer wieder belegt werden und so die Geschichte zweier Aachener Familien zwischen 1934 - 1945 erzählt, die einfach geprägt durch die Zeit und durch die Umgebung werden und dabei selber nicht viel dagegen tun können, was mit ihnen gemacht wurde.  Besonders an den Buch ist, dass die Aussagen der Zeitzeugen im Anhang wirklich nochmal durch die Autoren belegt werden und sogar Kurzbiografien der Zeitzeugen im Anhang niedergeschrieben sind, wodurch die Authentizität des Buches nochmal gewaltig gewinnt. 

    Fazit: Die Geschichte rund um Jakob und Annie und deren Familien wird von Michael Kuhn und Jennifer Riemek mit viel Feingefühl erzählt, trotzdem bekommt man beim Lesen leichte Beklemmungen, da alleine das allgemeine Wissen über das Leben der Juden in der Zeit unter den Nationalsozialisten gepaart mit der Geschichte, die auf Zeitzeugenaussagen und Dokumenten basiert, ein konkretes Bild des Lebens der Beiden gibt. Durch das Belegen der Geschichte durch Zeitzeugen und Dokumente wird die Geschichte noch tiefgreifender und berührt den Leser anders als eine fiktive Geschichte. 

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