Bücher mit dem Tag "lebensentwurf"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "lebensentwurf" gekennzeichnet haben.

17 Bücher

  1. Cover des Buches Generation Beziehungsunfähig (ISBN: 9783841906182)
    Michael Nast

    Generation Beziehungsunfähig

    (107)
    Aktuelle Rezension von: Irina_Meier

    Wer was hochstehendes, tiefgründiges sucht, ist mit diesem Titel falsch. Tat ich (deshalb nur 2 Sterne). Wer eine Geschichte oder besser viele verschiedene lesen möchte, kommt vielleicht auf seine Kosten. 

    Ich auf jeden Fall finde es alles andere als gut. Die einzelnen Themen werden sehr einseitig betrachted mit viel Klischee. 

     Wie kann es sein, dass ich dieses buch so anders empfinde, wie all diejenigen die es hochloben?

  2. Cover des Buches Acht Berge (ISBN: 9783328602026)
    Paolo Cognetti

    Acht Berge

    (210)
    Aktuelle Rezension von: Da_Maris

    In diesem Buch taucht man ein in eine ganz andere Welt: In die Abgeschiedenheit und Einfachheit der italienischen Berge. Diese so ganz andere Szenerie hat mir gut gefallen. Cognetti gelingt es wunderbar, die Charaktere seiner Figuren herauszuarbeiten, v.a. ihre sozialen (In)Kompetenzen. Als Leser begleitet man Pietro über die Jahre und man kann erkennen, wie er und die anderen Figuren sich mit der Zeit entwickeln und dabei doch immer sie selbst bleiben. Dazwischen gibt es viele Landschaftsbeschreibungen, die man am liebsten mit eigenen Augen sehen würde - die meisten zumindest.

  3. Cover des Buches Im Leben nebenan (ISBN: 9783423284837)
    Anne Sauer

    Im Leben nebenan

    (218)
    Aktuelle Rezension von: Hoopingtrip

    Dieses Buch hat mir wirklich richtig gut gefallen. Es ist wie zwei Geschichten in einer geschrieben. Wir lernen Antonia und Toni kennen. Ein und die selbe Person, aber in zwei völlig unterschiedlichen Leben. 

    Antonia wacht morgens auf und hat plötzlich ein Kind, ist in einem fremden Haus und scheint mit ihrer Jugendliebe verheiratet zu sein. Allerdings kann sie sich an nichts von allem erinnern. Nicht mal, wie sie zu der großen Narbe am Unterbauch gekommen ist. 

    Toni steht vor der Entscheidung, alles für den Kinderwunsch zu tun oder allein glücklich zu sein. Und, wird ihr Partner da mit ziehen? Was macht diese Entscheidung mit uns? 

    Mir ganz persönlich hat dieses Buch viel gegeben. Ich habe mir nie bewusst Gedanken darüber gemacht ob ich Kinder möchte oder nicht. Ich hab jetzt 3, die ich nicht missen möchte. Was gesellschaftlich alles dahinter steckt und wie sich Frauen fühlen die keine Kinder möchten oder bekommen können, ist ja schon immer ein Thema, aber dieses Buch bringt es so schön näher. Mit viel Humor und einer Leichtigkeit im Schreibstil, was einen nur so durch die Kapitel fliegen lässt. Mit diesem Buch bekommen wir hier eine Geschichte, die zum nachdenken anregt. 

  4. Cover des Buches Nie, nie, nie (ISBN: 9783832166212)
    Linn Strømsborg

    Nie, nie, nie

    (141)
    Aktuelle Rezension von: Mirarim


    KLAPPENTEXT

    Frisch, ehrlich, warmherzig: Ein Roman am Puls der Zeit über das Muttersein und das Nicht-Muttersein

    Linn Strømsborgs Erzählerin ist fünfunddreißig – und hat sich schon vor Jahren dazu entschlossen, keine Kinder zu bekommen. Davon, wie sich ihre Entscheidung auf die Beziehungen zu Freunden, den Eltern und nicht zuletzt dem Partner auswirkt, handelt dieses Buch: Ihr Umfeld hat Schwierigkeiten, ihre Haltung zu akzeptieren, immer wieder wird sie mit dem Thema konfrontiert. Da ist ihr langjähriger Partner Philip, der zunehmend daran zweifelt, ob er mit dem Entschluss seiner Freundin leben kann. Ihre Mutter strickt ohnehin seit Jahr und Tag Babykleidung in der Hoffnung auf ein Enkelkind. Als dann die beste Freundin Anniken Nachwuchs bekommt, verändert sich alles.
    Aber kann man wirklich nur mit Kind eine Familie sein? Wieso wird von jeder Frau erwartet, dass sie Mutter werden will? Warum ist es so schwierig, andere Lebensentwürfe zu akzeptieren?
     Linn Strømsborg beschäftigt sich mit Fragen, die jede Frau – ob Mutter oder nicht – sich irgendwann stellt. ›Nie, nie, nie‹ ist ein Buch der Stunde, das sich mit Elternschaft und Weiblichkeit auseinandersetzt, und zwar auf direkte, empathische und bewegende Weise.


    MEINUNG

    Wahnsinnig interessanter Schreibstil, der mir super gefallen hat. Zum einen wurde ich schon stutzig, weil im Klappentext von „Linn Strømsborgs“ Erzählerin die Rede ist. Tatsächlich hat diese keinen Namen und trotzdem ist es wahnsinnig persönlich.

    Auch der Stil des Buches ist besonders. Sehr viele Kapitel, die oft auch nicht mal eine halbe Seite lang und ohne Überschrift sind. Dafür hat das Buch "Überkapitel", die eine Art Überschrift über verschiedene Aspekte des Kinderlos-Seins geben und es doch nicht Unterteilen, denn der roten Faden der Handlung bleibt erhalten. Gespickt wird alles mit Gesprächen, Erlebnissen und Konflikten. Zwischen der Erzählerin und ihren Freunden, Bekannten, ihrer Mutter und ihrem Freund.

    Warum ich das so genau beschreibe: Weil der Schreibstil für ein Buch extrem viel ausmacht und es für mich genau das besonders gemacht hat.

    Schön ist an dem Buch, dass etwas thematisiert wird, das man eher selten liest. Die Erzählerin möchte keine Kinder haben und weiß das eigentlich schon immer. Trotzdem wird sie immer wieder mit der Frage konfrontiert, egal ob direkt oder indirekt gestellt.

    Man wird in den Alltag der Erzählerin mitgenommen. Und der Konfrontation des Kinderkriegens. Manches versteht man, manches vielleicht auch nicht, aber genau das macht es auch aus. Weil Menschen verschieden sind, weil Menschen Dinge anders wahrnehmen und sehen. Weil wir alle individuell sind. Das Buch zeigt, wie die Gesellschaft tickt, wie sie denkt und auch drängt. Durch mein Interesse an dem Thema gepaart mit dem Schreibstil, habe ich das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch gelesen.

    Ich mochte an dem Buch sehr, dass es eine erzählende Geschichte ist, die anders erzählt wird, als man es kennt. Ich mochte das Ende. Weil es so gut passt.

    Das Buch thematisiert etwas, das in so vielen Köpfen junger Frauen kreist. Deshalb kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der sich selbst auch schon mal diese Frage gestellt hat: Kinder ja oder nein. Aber ebenso für Menschen, die spüren müssen, dass die nicht alleine sind. Oder welche die den Gegenpart verstehen wollen. Denn Linn Strømsborg schafft es auf unglaublich angenehme Weise die Perspektive ihrer Erzählerin darzustellen. Ohne zu belehren oder zu drängen. Für mich sehr gelungen.

  5. Cover des Buches Töchter (ISBN: 9783499290152)
    Lucy Fricke

    Töchter

    (121)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Das Buch lässt mich doch mit gemischten Gefühlen zurück. Das Absurde war richtig gut, an manchen Stellen auch lustig, an anderen traurig.

    Die Protagonistin reist mit der besten Freundin und ihrem Vater nach Schweiz, wo er sich zum Sterben in einen Krankenhaus begeben soll. Die Idee ist für die Tochter schrecklich und doch lässt der Vater ihr keine andere Wahl.

    Während der Reise trennt sich die Protagonistin von den beiden, um nach ihrem eigenen Vater zu suchen, nicht den echten, sondern den, den sie zum Vater gemacht hat. Er ist der Ex-Lover ihrer Mutter, der später die Familie verlassen hat. Die Protagonistin ist besessen von ihm und will die Lücke füllen, die er hinterlassen hat.

    Natürlich kommt alles anders, als man erwartet, und die Wendung hat mich enttäuscht, weil ich mir so sehr ein Happyend gewünscht habe. Das ist gut. Das hat die Autorin echt gut gemacht.

    Aber das Ende ist dann so etwas wie ein Filmriss, in der die Geschichte plötzlich endet und ich keine Ahnung mehr hatte, was ich damit anfangen sollte. Das tat beim Lesen echt weh und ich habe mich etwas hintergangen gefühlt.

    Manchmal sind ihre Lebensweisheiten ermüdend. Immer wieder werde ich belehrt über ihre Figuren und über das Leben, als wäre die Autorin knapp Hundert geworden und müsse sich die Seele herauskotzen.

    Aber ihr Stil ist großartig. Sie hat es geschafft, dass ich ihre Figuren zu lieben begonnen habe, dass mir die verrückte Reise Spaß gemacht hat. Es ist schon ein schönes Buch, aber ich hätte mir ein deutlich besseres Ende gewünscht. Schade.

  6. Cover des Buches The Long Way to a Small, Angry Planet (ISBN: 9781473619814)
    Becky Chambers

    The Long Way to a Small, Angry Planet

    (44)
    Aktuelle Rezension von: PeacefulFantasy

    Ich wusste nicht, dass ich Cozy Sci-Fi in meinem Leben brauchte, aber ja, ich brauche es. Und ich schäme mich etwas, dass dieses Buch drei oder vier Jahre auf meinem SuB lag und ich einen Buddyread brauchte, um es in die Hand zu nehmen.

    "The Long Way to a small angry Planet" ist ein Paradebeispiel für den Trope Found Family. Rosemary stößt neu zur Crew des Tunneling-Schiffs Wayfarer hinzu, und während es eine übergreifende Handlung mit einem Tunneling-Auftrag gibt (das Anlegen von Sprungtoren/-pfaden im Weltraum, und dieser Auftrag am Ende des Buchs auch wichtig wird, ist es doch mehr eine Geschichte der verschiedenen Crewmitglieder, ihrer Beziehungen zueinander, ihrer Vergangenheiten, ihrer Träume und Wünsche und wie sie sich dabei gegenseitig unterstützen. Und das ist wunderbar wärmend, divers, witzig, tiefgründig und trotz Alienvölkern, Raumschiffen und fremden Welten sehr menschlich und lebensnah geschrieben.

    Die anderen Bände der Wayfarer-Trilogie stehen jedenfalls fest auf meiner Leseliste - und ich werde dieses Mal nicht wieder drei oder vier Jahre mit dem Lesen warten.

  7. Cover des Buches Ein anderes Leben (ISBN: 9783499010637)
    Caroline Peters

    Ein anderes Leben

    (93)
    Aktuelle Rezension von: sommerlese

    Der Debütroman Ein anderes Leben von Caroline Peters erscheint im Rowohlt Verlag


    "Was soll das schlechte Leben nützen?...Hanna erlaubte sich jederzeit, sich auch noch für den eigensinnigsten ihrer persönlichen Wünsche einzusetzen, um das schlechte Leben zu verbessern."  Zitat S. 97 

    Hanna war mit drei Männern verheiratet und hatte von jedem eine Tochter. Als Ich-Erzählerin fungiert die jüngste der drei Schwestern aus dem Leben ihrer Mutter Hanna und von ihrer ungewöhnlichen Patchwork-Familie. 

    Der Roman beginnt mit der Beerdigung Bows, des Vaters der Erzählerin, wir bekommen Einblicke in die Kindheit, erfahren wie es den Großeltern bei ihrer Flucht von der Neiße erging, lernen Hannas Studienfreunde und Väter ihrer drei Töchter kennen und tauchen ein in Hannas Berufstätigkeit als Übersetzerin und Bibliotheksangestellte. Ihr Leben änderte sich als sie Mutter wurde, diese Rolle als Hausfrau wurde ihr aufgezwängt, ihre eigene berufliche Entwicklung hätte sie gern vorangetrieben.

    Hannas Charakter hat viele Facetten, sie ist intelligent, hat promoviert, schreibt Lyrik und muss ihrer Rolle als Mutter gerecht werden. Sie ist gefangen in den Aufgaben des Alltags, die sie schon mal vergisst. Die Rolle als Mutter, die sie nicht gern ausfüllt und die auch die Beziehung mit den Töchtern belastet. Es geht um Schuld und Liebe, aber auch um Verzeihen und Verstehen der Töchter. Man kann sich aus den vielen einzelnen fragmentarischen Erinnerungen ein eigenes Bild dieser Familie machen und ahnt, dass hier schwelende Konflikte die Familie belasteten. Die Tochter stellt sich ihren eigenen Fragen und beantwortet sie nach Hannas Tod. Für mich bleiben viele Fragen offen und dadurch wird es für mich auch keine runde Geschichte.  

    Die Erzählweise ist etwas anekdotenhaft, häufig lebendig, doch das Klein-Klein des Alltags und die persönlichen Erinnerungen wurde mir an manchen Stellen einfach zu viel. Was macht eine Familie aus, welche Person war Hanna und wie gut verstehen sich die Schwestern? Diesen Fragen haben mich beim Lesen begleitet, nicht alles wurde aufgeklärt. Die Personen öffneten sich mir nicht in dem Maße, als dass ich großen Anteil an ihrem Leben hätte nehmen können.  

    Eine spezielle Familiengeschichte, die mich nicht vollständig überzeugen konnte. 

  8. Cover des Buches Weihnachtsküsse am Leuchtturm (ISBN: 9783985950577)
    Annette Böhler

    Weihnachtsküsse am Leuchtturm

    (38)
    Aktuelle Rezension von: Kyra112

    Nina ist studierte Juristin. Kurz nach dem Studium arbeitet sie in einem Start-up, doch das geht schief. Nina flüchtet vor ihrem Leben in Wien, ihrem schicken Loft, ihren Schulden und dem Gefühl, nichts wert zu sein. Ihr Weg führt sie nach Travemünde. Hier lernt sie Mika kennen, der eine komplett andere Sicht auf das Leben hat. Er regt Nina zum Nachdenken an.


    Dies war das zweite Buch, welches ich von Annette Böhler gelesen habe und auch dieses fand ich wieder total toll.

    Aufgrund einer persönlichen negativen Erfahrung in den letzten Tagen konnte ich mich sehr gut mit Nina identifizieren und ihre selbstkritische Art, ihre Zweifel nachvollziehen. Wie viele von uns denkt auch Nina sehr viel und lässt sich nur selten auf spontane, unvorhergesehene und nicht planbare Dinge ein, absolut nachvollziehbar. Sicher ging einem ihre Art, die Dinge immer wieder zu hinterfragen manchmal etwas auf die Nerven, aber wenn ich ehrlich bin, ich mache es nicht anders.

    Annette Böhler stellt Mika dagegen ganz anders dar. Er ist ein sehr bescheidener, genügsamer Mensch, ohne Ansprüche, aber mit einer bewussten Lebensweise. Manchmal habe ich ihn und seine Sicht der Dinge belächelt, aber zwischen den Zeilen lehrt er den Leser eine Menge über sich und die heutige, schnelllebige Gesellschaft.

    Besonders mag ich die Ich-Perspektive, die die Autorin verwendet. Ich finde dies erfrischend anders.


    Ich war auch ein absoluter Fan ihrer Landschafts- und Städtebeschreibungen. Ich kenne die Neustädter Bucht aus beruflichen Gründen sehr gut und an deren Ende befindet sich Travemünde, sodass ich immer ein Bild vor den Augen hatte.

    Ganz besonders gefiel mir auch Ninas Begeisterung über die Buddenbrooks, denn auch ich liebe diese, wenn auch traurige Geschichte, sehr! (Ebenso die Geschichte von Jane Eyre!)

    Und ganz besonders liebe ich die Vorweihnachtszeit!


    Kurz und knapp, dieses Buch von Annette Böhler hat mich wieder einmal begeistert und ich kann es allen Fans von Liebesromanen nur empfehlen. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen! 😉

  9. Cover des Buches Das lässt sich ändern (ISBN: 9783492274760)
    Birgit Vanderbeke

    Das lässt sich ändern

    (45)
    Aktuelle Rezension von: schokoloko29

    Adam Czupek ist ein draußen Kind. Während die Protagonistin ein drinnen Kind ist. Adams Mutter war durchgeknallt und wurde mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Seine Kindheit war geprägt von Verwahrlosung, Isolation in der Familie, wenig Platz für Privatsphäre, Kreativität und sich alleine durchschlagen. Dagegen war die Protagonistin eine Tochter aus gutem Haus. Ein Schneider kam ins Haus und nähte ihrer Schwester und ihr selbst maßgeschneiderte Kleider, sie hat einen gute Bildungshintergrund und hat Logopädie studiert. Adam glaubt nicht ans Reden, sondern ans machen und zupacken. Diese beiden Menschen verlieben sich in einander und gründen eine Familie. Zum Verdruss ihrer beiden Familien und Freunden. Dann wird noch ihre gemeinsamt Wohnung gekündigt und sie stehen so gut wie auf der Straße. Doch da trifft die Protagonistin ihre alte Freundin Fritzi aus der Studienzeit wieder und sie beschließen zusammen eine WG zu machen. Fritzi hat nämlich ein altes verwahrlostes Haus in Jott- weh-de geerbt. Adam hilft beim renovieren. Und sie beiden Freundinnen und die Familie leben zusammen unter einem Dach.

    Für mich war das Buch einfach ein sehr schönes Leseerlebnis. Es erinnerte mich auch etwas an "Das alte Land" von Hansen. Es steht im Vordergrund die Improvisation von Lebensumständen und Resourcen und das Beste daraus machen. Und auch das Thema zurück zu der Handarbeit und zur Selbstversorgung.

    Mir hat es wirklich sehr gut gefallen. Ich mag aber auch die Autorin sehr!

  10. Cover des Buches Kintsugi (ISBN: 9783596704927)
    Miku Sophie Kühmel

    Kintsugi

    (79)
    Aktuelle Rezension von: jtk_0701
    S.80 „Ich würde gern wissen, woran er denkt. Egal, wie lange man zusammen ist, man lernt nie, die Gedanken des anderen zu lesen.“ 


    Ich als Leserin hatte das Vergnügen all die Gedanken der 4 Personen in „Kintsugi“ zu lesen. Und ja, wahrscheinlich kennen wir nie all die Gedanken unseres Gegenübers, ganz egal wie lange wir zusammen sind. Nachdem ich diesen tollen Roman gelesen habe, bestätigt sich mir mal wieder, dass die Hülle des Menschen nur ein kleiner Einblick in das Ganze ist. Was nach außen vollkommen und neu erscheint, kann im Inneren nur eine fein repariertes Teegeschirr sein und kurz vor dem Zerbrechen. Ein wirklich zart erzählte Geschichte, über das Paar Max und Reik, dass ihr 20-jähriges Jubiläum in ihrem Wochenendhaus am See feiern möchten. Keine große Feier, nur mit dem ältesten Freund Tonio und dessen Tochter Pega. Dabei passiert erst mal nicht viel, aber diese besondere Art der Erzählung macht es doch ereignisreich. Abwechselnd darf ich in die Gedanken der 4 Personen tauchen, hier und da mit der Figur abschweifen, das Boot in dem ich sitze verlassen und Wünsche und Sehnsüchte spüren, erinnern an gemeinsame Vergangenheiten, bewundern wie 3 so junge Männer eine so tolle junge Frau großgezogen haben und erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Und zwischendurch, als kleine Gedankenpause, darf ich die Augenblicke im Haus und am See szenenartig beobachten. Und so fügt sich ganz langsam eine ganze Geschichte zusammen. Wirklich ein tolles Lesevergnügen. Ich freu mich, dass ich noch ein Buch der Autorin hier liegen habe. 


  11. Cover des Buches Fashion Queen's Diary (ISBN: 9783958180895)
    Sonja Becker

    Fashion Queen's Diary

    (5)
    Aktuelle Rezension von: Bambisusuu
    Das E-Book "Fashion Queen's Diary" wurde von der Autorin "Sonja Becker" geschrieben und ist im "Forever Verlag" 2016 erschienen.

    Pia ist eine absolute Fashionista und dabei ist sie erst Mitte zwanzig. Ihr Lieblingsthema ist die Mode und auch ihr Leben dreht sich um nichts anderes. Ihr Motto ist "Glücklich vergeben an meine Klamotten- wer braucht schon einen Mann?". Pias großer Traum ist in der Modebranche als Bestseller-Autorin durchzustarten. Das Leben als It-Girl steht ihr bevor und mit täglichen Schönheits-Routinen gelingt es Pia mit Sicherheit die Karriereleiter aufzusteigen. Einfach ist ihr Traum nicht, denn sie lebt mitten in einem Dorf in einer WG mit ihrer besten Freundin. Als sie auf den Fitnesstrainer Chris trifft, ändert sich ihr Leben schlagartig.

    Die Struktur und der Schreibstil haben mich gleich zu Anfang überzeugt. Lustig und amüsant wird Pias Leben geschildert, sodass man sich sofort mitten in der Handlung fühlt. Durch die Ich-Perspektive wirkt Pia vertraut und erlebt ihren Alltag hautnah mit. Die ersten Kapitel haben mich dadurch begeistert und mich immer wieder aufgeheitert. Hin und wieder konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

    Der Inhalt ist leicht und hat leider nicht so viele Höhen und Tiefen. Der Humor ist tatsächlich bis zum Schluss erhalten geblieben. Dadurch hat das Lesen eigentlich recht Spaß gemacht, jedoch habe ich mir vom Inhalt mehr erhofft. Ich selber liebe die Mode und konnte mich mit Pias Vorstellungen gut identifizieren. Das Buch hatte eine Mischung aus Ratgeber und Liebesroman. Die Handlung fand ich persönlich sehr einfach. Der Klappentext verrät viel vom Inhalt und auch das Ende konnte ich schnell erahnen. Die Spannung ist dadurch auf der Strecke geblieben.

    Die Kapitel haben mich stutzig gemacht. Für die Seitenanzahl sind es ganz kurze Kapitel, die manchmal nur paar Seiten beinhalten. Beim Lesen kam es dann wie einzelne Unterbrechungen vor, die für eine unentspannte Atmosphäre gesorgt haben. Die Ratschläge fand ich amüsant, doch auch die haben sich mit der Zeit immer wiederholt. Die Aufzählungen von Tipps für Fashionista war für meinen Geschmack viel zu viel, da man irgendwann den Überblick verloren hat. Für die geringe Seitenanzahl wären die Hälfte an Kapiteln tatsächlich besser gewesen. Zum Ende hat mir einfach der Höhepunkt gefehlt. Die Mode ist auch immer wieder im Hintergrund geblieben, da es immer ein Spielchen zwischen Pia und Chris gab und es vom eigentlichen ablenkte. Zum Schluss muss ich mich fragen, ob es hierbei jetzt um die Mode geht oder um einen Liebesroman. Beides wurde viel zu verschwommen geschildert, sodass die Freude zu Beginn verblasst ist.

    Eine Modelektüre, die jede Frau begeistern kann und sicherlich für Unterhaltung sorgt. Wer jedoch Spannung möchte und Höhen und Tiefen braucht, rate ich vom Buch eher ab! Trotzdem gebe ich 3 Sterne, weil mir das Lesen Spaß gemacht hat.
  12. Cover des Buches Trio (ISBN: 9783311100720)
    William Boyd

    Trio

    (9)
    Aktuelle Rezension von: solveig

    Europa im Jahr 1968, einem Jahr der politischen Auseinandersetzungen und Umwälzungen:  William Boyds Protagonisten sind davon nur am Rande beeindruckt, zu sehr sind sie mit ihren privaten Problemen beschäftigt. Ein wirkliches „Trio“, also eine Gruppe von Menschen, die zusammen etwas tun, ergeben Talbot Kydd, Anny Viklund und Elfrida Wing eigentlich nicht. Sie haben ein eher loses Verhältnis zueinander, kennen sich durch die Arbeit an einem mittelmäßigen Spielfilm in Brighton. Was sie vereint ist das „Doppelleben", das sie führen und zu verbergen suchen: Filmproduzent Talbot führt nach außen hin eine funktionierende Ehe, ist aber homosexuell veranlagt; der berühmte Filmstar Anny wird vom FBI verfolgt und Schriftstellerin Elfrida versucht ihre Schreibblockade in Alkohol zu ertränken.

    Wie gewohnt zieht William Boyd seine Leser tief in die fast ausweglos erscheinenden Probleme und Krisen seiner Charaktere. Mit seiner Art zu schreiben  -  schlicht und nüchtern  -  spricht er Interesse und Empathie des Lesers an. Realitätsnah und ohne Pathos erzählt er von der Geschichte und der Entwicklung dreier sehr unterschiedlicher Charaktere.

    Wirklich lesenswert!

     

     

     

  13. Cover des Buches "Was soll aus diesem Kind bloß werden?" (ISBN: 9783862560479)
    Holm Schneider

    "Was soll aus diesem Kind bloß werden?"

    (4)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Ein Baby ist unterwegs – ein Grund zu Freude. Hauptsache, es kommt gesund zur Welt. Was aber, wenn das Baby das Down-Syndrom hat? Was soll aus ihm werden? Wie gehen die Eltern oder deren Familien mit der Diagnose um? Was können die Kinder privat, schulisch und beruflich erreichen? Holm Schneider, mehrfacher Vater, Professor für Kinderheilkunde, stellt sieben junge Menschen und deren Eltern vor.

    Erster Eindruck: Ein sympathischer junger Mann auf dem Cover; ein sehr passender Buchtitel – gefällt mir.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Diagnose „Down-Syndrom“ einfach so ohne weiteres weggesteckt werden kann, denn der Lebensentwurf, den man für das Kind wohl unbewusst automatisch im Hinterkopf hat, wird nicht in dieser Form stattfinden. Das Leben wird anders werden, aber dadurch hoffentlich nicht schlechter. Es ist sehr bedauerlich, wenn Kinder von den eigenen Eltern abgelehnt werden und z.B. die Beziehung der Eltern auseinandergeht, da der Vater nicht damit umgehen kann.
    Sehr beeindruckt hat mich, dass ein Paar ein Kind mit Down-Syndrom adoptiert hat, nachdem sie ein Jahr zuvor bereits einen kleinen Jungen adoptiert hatten. Sie konnten keine eigenen Kinder bekommen, und wenn doch, hätten sie auch ein Kind mit Down-Syndrom behalten. Somit sprach aus ihrer Sicht nichts gegen die Adoption des kleinen Mädchens, obwohl in der Familie grosse Einwände geäussert wurden.
    Es ist verständlich, dass es nicht einfach ist, für ein Kind mit Down-Syndrom die richtige Schule zu finden: ein Ort, wo das Kind gefördert, aber nicht überfordert wird. Es hat mich sehr beeindruckt, wie einige der Eltern gekämpft haben und grosse Hürden überwinden mussten, damit ihrem Kind die Förderung zugutekam, die es verdient.
    Berührend fand ich, wie die jungen Erwachsenen sodann ihre Arbeit gefunden haben und dieser auch äusserst gewissenhaft nachgehen. Die porträtierten Personen arbeiten als Schauspieler, Neigungsgruppenlehrer, Mitarbeiterin im Kindergarten, einer Jugendherberge, bei der Polizei oder im Meldeamt, Hauswart bei einer Schule.

    Fazit: Es war sehr schön, ein bisschen in das Leben der einzelnen Familien zu blicken und von ihren Gefühlen, Bedenken, Stolpersteinen aber auch Erfolgserlebnissen zu erfahren. Das Buch ist mit seinen nur 127 Seiten schnell ausgelesen – aus meiner Sicht hätte es gut noch weitere Seiten haben dürfen. 5 Sterne.

  14. Cover des Buches Thomas & Mary (ISBN: 9783442487813)
    Tim Parks

    Thomas & Mary

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Dreißig Jahre verheiratet, nach außen hin scheint alles in Ordnung zu sein. Zwei Kinder, Hund, Garten, Thomas hat einen guten Job, während sich Mary um alles kümmert, was sich im heimischen Bereich abspielt. Doch wenn alles so perfekt zu sein scheint, nagt der Wurm der Zersetzung von innen. Auch in dieser Ehe passiert das, was häufig in solchen Beziehungen passiert: Man lebt sich auseinander und nach zehn Jahren des Zögerns ist es dann soweit – es folgt die Scheidung.

    Es ist ein schönes Buch, selbst wenn es in erster Linie um Trennungen und nicht erfüllte Lebenspläne geht. Es ist nicht nur ein Buch der Trennung oder die Szenen einer Ehe, es ist eher eine Biografie der Möglichkeiten, die das Zusammenleben zweier Menschen bietet. Dass man einen derart vielschichtigen Eindruck vermittelt bekommt, liegt an der Methodik von Parks, der diese Geschichte sehr sensibel und beeindruckend ausführlich von allen Seiten erzählt. Das ist das Prägnante an seiner Erzählweise, es wirkt fast wie ein Patchwork-Roman, denn er nähert sich dem Ende dieser 30 Jahre Ehe auf verschiedenen Wegen. Die Welt des Paares wird aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert, dem folgen einzelne Erlebnisse, die Erzählperspektiven wechseln, es wirkt manchmal wie ein großes Puzzle, was allerdings für den Leser keine Schwierigkeit darstellt, denn immer wird ihm wieder das Ganze vor Augen gehalten. Parks wird mit dieser Herangehensweise den verschiedenen Aspekten einer Trennung gerecht, es gibt keine Schuld, es gibt einfach nur das Phänomen der veränderten Lebensumstände.

    Das Ende ist einfach großartig und wird hier nicht verraten, aber es ist ein Kunstgriff, auf den man erst mal kommen muss und selbst wenn man in der Literatur glaubt, etwas ähnliches schon gelesen zu haben, dann ist diese Variante hier, das letzte und schmale Kapitel einnehmend, eine neue und sehr schön nachzuvollziehende.

    Kann man nun sagen, dass das hier ein Liebesroman ist oder ein Buch zur Trennung? Jeder muss das selbst entscheiden, Parks lässt dem Leser viel Raum, um sich auf sich selbst zu besinnen. Viele aufgeworfenen Fragen werden gestellt, die man als „Allgemeingut“ bezeichnen könnte. Nur die Antworten darauf müssen individuell gegeben werden. Ein Buch zum Atmen, zum Innehalten, zum Wiedererkennen und zum Gernehaben. Das schaffen nicht viele.

  15. Cover des Buches Realitätsgewitter (ISBN: 9783351036584)
    Julia Zange

    Realitätsgewitter

    (52)
    Aktuelle Rezension von: cat

    Klappentext:
    "Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst."


    Mein Fazit:

    Das Buch ist sehr kurz und einfach geschrieben, so das man es schnell durch hat.

    Marla wird gut beschrieben sowie auch Ihre Gedankengänge.

    Marlas Leben passt zu der heutigen Zeit, in der das Handy immer dabei ist, Facebook- Freunde zu "echten Freunden" zählen und die Kommunikationen teilweise nur an der Oberfläche stattfinden.

    Meiner Meinung nach ist das Leben von Marla aber sehr überspitzt und übertrieben.

    Sie schmeißt ihr Studium und lässt sich treiben, als Ihre  Eltern Ihr das Geld entziehen, weis sie nicht was sie machen soll, lässt sich aber weiter treiben anstatt irgendwas zu ändern, im Gegenteil sie gibt sogar noch mehr Geld aus und noch vieles mehr. Sie setzt immer wieder Masken auf anstatt sie selbst zu sein.

    Nichts dagegen das sich die Protagonistin ausleben darf und auf der Suche nach sich selbst befindet aber das hätte man auch anders, logischer und tiefgründiger beschreiben können.

    Ich hatte von diesem Buch mehr erwartet.

  16. Cover des Buches Die Aussteigerin. Autobiografie einer ehemaligen Rechtsextremistin (ISBN: 9783969710609)
    Christine Hewicker

    Die Aussteigerin. Autobiografie einer ehemaligen Rechtsextremistin

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Arbutus
    Erst 14 Jahre jung, schloss sich Christine Hewicker einer regionalen Neonazi-Bewegung an, mit 23 Jahren wurde sie wegen Beteiligung an einem Banküberfall, der dazu dienen sollte, Geld für die große Sache zu aquirieren, festgenommen und als Terroristin zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Zeit im Gefängnis gelang ihr die Umkehr. Man staunt, wenn man die politische Argumentation der Terroristin liest - es ist nicht immer das, was man von einem typischen Nazi erwartet. Vieles klingt eher ein bisschen links- denn rechtsextrem. Kein Wunder, dass sie im Gefängnis auch schnell Zutrauen zu RAF-Leuten fasste. So weit war man offensichtlich gar nicht voneinander entfernt. Ein Psychologe bescheinigte Christine Hewicker ein ausgeprägtes "Helfersyndrom". In ihrer ausführlichen Verteidigungsschrift, die sie damals dem Gericht vorlegte, und die ungekürzt im Buch wiedergegeben wird, lässt sie auch an der NPD kein gutes Haar. "...habe ich im Laufe unserer Beziehung festgestellt, dass hier auch nur nichts weiter als hohle Phrasen gedroschen wurden." Trotz ihrer Abkehr von den Neonazis wird sie aber weiter als hochgefährlich eingestuft; tatsächlich ist auch ihr anti-imperialistischer Moral-Rundumschlag nach wie vor extremistisch in seiner Argumentation und Pauschalisierung. Von ehemaligen Mittätern wird sie als Verräterin gesehen und erhält Drohbriefe. Trotz ihrer immer noch extremen Positionen ist sie aber zu vernünftigen Entscheidungen durchaus in der Lage, zum Beispiel, die illegal erworbenen Medikamente, von denen sie sich während des Prozesses Stärkung versprochen hatte, nach einem Fehlversuch umgehend zu vernichten. "...nach dem heutigen Tag war mir klar, dass ich mich niemals solchen Dingen untertan machen würde. Ich wollte die Herrschaft über mich nie wieder verlieren..." Sehr reif empfinde ich ihre Schilderung der Isolationshaft. Ohne dass sie verbittert wirken würde, bringt sie ihr damaliges Gefühlschaos und die furchtbaren Auswirkungen der Isolierung auf den Punkt. Im Gefängnis ist es ihr stets darum zu tun, die Starke, Unnahbare zu geben. In Wirklichkeit kämpft sie aber mit sich selbst darum, sich nicht zum "eiskalten Monster" zu entwickeln. Zu diesem Zweck beginnt sie, Gedichte und Aufsätze zu schreiben. "Ich schrieb über Hass und Freude, und ich schrieb darüber, wie ich mich in bestimmten Situationen fühlte. Kaum aufgeschrieben, zerriss ich die Blätter wieder und verbrannte sie in der Toilette, damit sie nicht in falsche Hände kamen. Aber ich setzte mich dann auf mein Bett und dachte lange über das Geschriebene nach. Bald merkte ich, dass dies für mich eine gute Methode war, das Menschsein nicht zu verlieren und mir meine restlichen menschlichen Gefühle zu bewahren." Meistens ist ihr Urteil über ihre damalige Lage eindeutig. Sie beschreibt sich selbst als verbohrt und uneinsichtig, urteilt vom "heute" her auf das "damals". Nur hin und wieder kommen nochmal Dinge durch wie "Eigentlich war ich während der letzten Jahre vom Staat völlig bewegungsunfähig gemacht worden." Wenn man das liest, denkt man, dass sie vielleicht noch nicht alles ganz hinter sich gelassen hat. Liest man aber von ihrer allmählichen schwierigen Annäherung an den korrekten Staatsanwalt Hecking, den sie zunächst gehasst hatte und den zu respektieren sie allmählich in kleinen Schritte lernt, so ist dies wiederum sehr glaubwürdig. Angesichts eines im Gefängnishof blühenden Fliederbusches schreibt sie später: "Es ist erschreckend, was man verpasst, wenn man vor lauter Frust und Selbstmitleid die Augen verschließt, nur um ja nichts Schönes zu sehen." Geradezu anrührend, obwohl auch hier knapp und unaufgeregt geschildert, ist es, wenn sie während des Hungerstreiks ein ihr vom Gefängnispersonal angebotenes sehr verlockendes Gericht gegen die Gefängnistür donnert und sich danach kommentarlos, zusammen mit zwei Beamten, an die Beseitigung der Sauerei macht. Gegen gelegentliche Schikanen einzelner Wachleute setzt sie sich zur Wehr. Solche Situationen werden auch genauestens beschrieben. Anders die Konflikte mit den Mithäftlingen. Diese werden stets nur angedeutet. Zu tief sitzt offensichtlich noch die Abneigung, zum Nestbeschmutzer zu werden. Aber genau diese Ungenauigkeit macht die Lektüre etwas zäh. Und zu dieser Konsequenz, was das respektvolle Verschweigen betrifft, passt es dann leider wieder überhaupt nicht, dass einzelne Vollzugsbeamtinnen für ihre unfreundlichen Kleinlichkeiten namentlich auf's Vorzeigetablett gesetzt werden. Mit Respekt spricht sie hingegen von ihren Richtern und Staatsanwälten und schildert ihre eigene damalige Verbohrtheit ihnen gegenüber ohne jegliche Bitterkeit. "Ich war ein Sturkopf", schreibt sie öfter. So legte sie sich während ihrer Haftzeit ständig wieder mit der gesamten Staats- und Bundesanwaltschaft an, weil die ihren Gesinnungswandel nicht ernst zu nehmen scheinen. Ihr Kampf um frühzeitige Entlassung auf Bewährung hat schließlich Erfolg. Die detaillierten Schilderungen sind allerdings auf Dauer etwas ermüdend. Hier hätte eine Straffung geholfen. Leider muss ich auch sagen, dass ich manche Schilderung als etwas arrogant empfinde. Aber auch das ist insofern nur authentisch, da sie selber diese Arroganz als eine der noch nicht ganz ausgestandenen Spätfolgen ihres Lebensweges nennt. Was wieder sehr sympathisch und ehrlich ist. Ehrlich ist es auch, wie sie über ihre heutigen Gefühle gegenüber ihren Ex-Nazi-Kameraden spricht. Sie macht kein Hehl daraus, dass es da auch noch vereinzelte positive Gefühle gibt, auch wenn sie mit der Ideologie abgeschlossen hat. Ein großes Anliegen von Christine Hewicker ist es, dem inzwischen verstorbenen Richter Gleitsmann ein Denkmal zu setzen, der sie zwar zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt hat, "...der mich aber den Wert des Lebens lehrte und der immer für mich dagewesen war, wenn ich ihn gebraucht hatte." Wenn sie schildert, wie sie mehrere Stunden weinend an seinem Grab verbrachte, ist das schon sehr berührend. Als Außenstehender ist man sich kaum bewusst, welch intensiven Briefkontakt ein Gefangener mit Richtern und Staatsanwälten haben kann, und die stolze, aufmüpfige Strafgefangene (wie sie sich später selber charakterisiert) nutzte diese Möglichkeit exzessiv. Dabei ging sie nicht immer diplomatisch vor. "Ich musste immer mit dem Kopf durch die Wand, aber dieser Richter wusste, wie man mich vor dem Aufprall abbremst." Was dieses Buch so wertvoll macht, ist seine große Aussagekraft über die Menschlichkeit, über die Kraft der Veränderung, über die Möglichkeit, einen scheinbar unmöglichen Weg der Umkehr zu gehen. Hin und wieder zieht sich die Lektüre für den ereignis- und sensationsverwöhnten Leser ein wenig, wirkt ein wenig unstrukturiert und langatmig. Wirklich interessant ist wiederum die Kurzanalyse der verschiedenen Personen aus ihrer ehemaligen Szene, die sie am Ende gibt. Man erfährt hier, dass es dumpfbackige, frauenverachtende Machtmenschen gab, aber eben auch solche, die der Autorin echte Wertschätzung entgegenbrachten und ihr menschlich einfach wertvoll geblieben sind. Auch das muss man sich erst mal auszusprechen trauen. Schön ist, dass das letzte Kapitel mit der Versöhnung mit dem Staatsanwalt Hecking endet, dem Menschen, den sie einst als ihren ärgsten Feind angesehen hatte, und dass sie an dieser Tatsache das "Ich habe es geschafft!" misst. Das Buch ist auch ein eindrückliches Plädoyer dafür, ehemaligen Strafgefangenen alle erdenklichen Hilfen beim Wiedereinstieg in ein Leben in Freiheit zu geben; man hat als Außenstehender keine Vorstellung davon, wie schwer dieser Schritt sein kann.
  17. Cover des Buches Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten (ISBN: 9783746632193)
    Susanna Mewe

    Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten

    (46)
    Aktuelle Rezension von: Calipa

    Dieses Buch wartet schon lange (viel zu lange) darauf gelesen zu werden. Als ich es vorgestern nun begonnen hatte, habe ich es unheimlich schnell durchgelesen weil es sehr einfach ist. Und das ist nicht negativ gemeint. Ich musste nicht tief in dieses Buch hineinlesen, sondern war von Anfang an mit von der Partie. Sozusagen als fünfte stille Schwester.

    Jede der vier Schwestern trägt ein Päckchen mit sich, was auf gar keinen Fall eine der anderen heraus finden darf. Viel zu hoch wäre der Preis, den man dann zahlen müsste. Auch das keiner dem anderen etwas gönnt, fiel mir sehr oft auf. Susanna Mewe zeigt hier wunderschön auf, wie eine Geschwister Konstellation (bitte) nicht sein sollte. Das mit netten Neben-Charakteren, viel Stress und verdammt guten und trockenen Humor.

    Uns werden auch Einblicke in die Vergangenheit gewährt, die mir Eindruck darüber gegeben haben, warum und wie diese Schwestern teilweise zu dem wurden was sie sind, oder warum sie eben ihre Macken haben. Leider kamen diese Einblicke für mich, meist so plötzlich, dass ich das Gefühl hatte, etwas verpasst zu haben. Plötzlich fand ich mich in einem ganz anderen Szenario wieder und brauchte einen kurzen Augenblick um mich dort neu zurecht zu finden. Dieser Punkt hat die Flüssigkeit beim Lesen für mich eingeschränkt, was ich schade fand aber nicht als brutalen Fehler betiteln würde.

    Die krassen Handlungen von einzelnen Schwestern werden, finde ich auch ziemlich runtergespielt. So nach dem Motto „Da ist halt mal eine Sicherung durchgebrannt.“ was selbstverständlich passieren kann, aber nicht in diesem Ausmaß.

    Dennoch hatte ich ein zwar kurzes, aber angenehmes Lese Erlebnis und würde es Freunden weiterempfehlen, die Lust auf etwas leichtes, humorvolles und irgendwie auch verdrehtes Buch Erlebnis hätten!

    Von mir bekommt "Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten" von Susanna Mewe 

    3.5/5 Sternen!

    Für eine ausführlichere Rezension zu diesem Buch, besucht mich gerne auf meinem Blog :) 

    http://calipa.de/2018/11/18/als-meine-schwester-das-blaue-vom-himmel-holten-buchrezension/


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