Bücher mit dem Tag "lebensgefühl"
38 Bücher
- Sven Regener
Herr Lehmann
(1.219)Aktuelle Rezension von: winniccxx"Herr Lehmann" ist das erste große Werk des Autoren Sven Regener. Es handelt vom gleichnamigen Protagonisten, der seinen Alltag in Berlin bewältigen muss, und dem dabei allerlei absurde Geschichten passieren. Die handelnden Personen sind meiner Meinung nach sehr schön beschrieben, sowohl die zentralen Hauptpersonen als auch die Nebencharaktere, die immer wieder auftauchen. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, Herr Lehmann wirkt bisweilen sogar unsympathisch, aber dennoch waren die handelnden Figuren sehr passend für das Buch. Dabei gibt es zwar wenig spannende Handlung, doch das will das Buch auch gar nicht erreichen, vielmehr geht es um viele kleinere Episonden aus dem Leben des Protagonisten, etwa die Begegnung mit einem Hund, Schichten in seiner Kneipe oder der Besuch der Eltern in West-Berlin. Diese Episoden sind meist sehr humorvoll und stimmig zueinander, sodass sich ein gutes Gesamtbild ergibt. Dazu werden viele stilistisch lange Schachtelsätze verwendet, die aber für mich auch sehr gut zum Stil des Buchs passen.
Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man immer wieder lachen oder schmunzeln muss, und ist dadurch für mich eine gute Abwechselung zu der Literatur, die ich sonst lese gewesen. Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich übrigens durch einen Ausschnitt aus dem Literarischen Quartett, in dem Marcel Reich-Ranicki ähnliches berichtet. Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen und direkt weiter empfohlen. Von mir gibt es also 5 von 5 Sterne!
- Meike Winnemuth
Das große Los
(255)Aktuelle Rezension von: schokobookMeike Winnemuth hatte 2010 bei Günther Jauch eine halbe Million Euro in der Sendung Wer wird Millionär gewonnen.
Was macht man mit 500.000 Euro? Meike packt ihren Koffer . Nicht in die Luxushotels Europas, sondern sie reist, ein Jahr lang und jeden Monat ein anderes Land und wohnt in airbnb. Alleine! Mit einem Koffer und nur das nötigste. Ihre Erlebnisse hält die Journalistin in einem Blog fest und per Mails an ihre Freunde und Bekannten. Am Ende stellt sie fest, dass sie das Geld nicht unbedingt brauchte, da sie ja weiter gearbeitet hatte, als Journalistin ist das sicher auch so machbar. Aber das Geld hat den Mut gegeben JETZT. Und ich finde das Buch ist inspirierend und das nochmals anders als Eat,Pray Love. Was sich für Möglichkeiten auf tun ist absolut interessant. Das Buch ist locker geschrieben. Hat immer mal wieder Bildmaterial und macht nachdenklich.
- Silvia Trippolt-Maderbacher
50 Dinge, die man in Istrien getan haben muss
(10)Aktuelle Rezension von: Buechergarten》INHALT:
Die Halbinsel voller Wunder
Istrien – die beliebte Sehnsuchts- und Genussregion fast vor der Haustür: mit Hunderten Kilometern Traumküste und kristallklarem Wasser, mit mittelalterlichen Bergdörfern und venezianisch geprägten Hafenstädtchen, mit sanften Olivenhainen und vielseitiger Küche.
Silvia Trippolt-Maderbacher präsentiert mit mediterraner Leichtigkeit 50 Lieblingsplätze, überraschende Aktivitäten und Geheimtipps für Istrienneulinge und -entdecker, für Kenner und Liebhaber.
》EIGENE MEINUNG:
Wie immer bei „Sachbüchern“ habe ich den Original-Klappentext in meine Rezension aufgenommen. Mich hat das Buch vor allem als Istrienneuling angesprochen, da ich bisher weder dort war, noch viel darüber wusste. Dabei muss ich sagen, dass das Buch die Erwartungen - die der Klappentext bei mir geweckt hat – nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen hat!!!
Das Cover wirkt auf mich farbenfroh, sommerlich und fernwehweckend! Trotzdem wirkt es anspruchs- und niveauvoll, was sich auf meine Erwartungen für den Inhalt übertragen hat. Ein lustiger Moment war es für mich, als ich bemerkt habe, dass der blaue Strich (den ich im Internet auf dem Cover entdeckt habe) wirklich „nur“ ein Strich war. Ich hatte angenommen es wäre ein Gummiband das das Büchlein auf Reisen kompakt zusammen halten würde. Vielleicht wäre das noch ein Upgrade für eine Neuauflage! ;)
Auch im Inneren ist das Buch wundervoll gestaltet! Zuerst erwartet den Leser ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis, welches zu meiner Freude bereits bebildert ist! Schriftart und –größe machen das Lesen wahnsinnig angenehm. Sehr gefreut habe ich mich über die Einführung/das Vorwort im Buch. Ich hatte etwas Sorgen, dass ich als kompletter Neuling ohne viel Information in die 50 Orte geworfen werde. Aber hier habe ich einen kleine geografischen, politischen, historischen uvm. Eindruck von Istrien bekommen. Auch die Person Silvia Trippolt-Maderbacher und ihre Intension zu diesem Buch haben sich mir erstmals dargestellt. Und ich musste gleich sagen: Sehr sympathisch!! Ich war auch sehr überrascht, dass es sich um eine Frau in meinem Alter handelt – bei Reiseberichten erwartet man oft ältere Personen, die ein Land ein Leben lang bereist haben. Für mich war diese Tatsache wahnsinnig erfrischend und mitreißend!
Im weiteren Verlauf des Buches war es für mich absolut wundervoll zu entdecken, dass keiner der Orte zu ausufernd beschrieben wurde. Einige Seiten pro Ort, locker beschrieben und immer bebildert, haben das Lesen für mich zu einem richtigen Vergnügen gemacht! Die Bilder sind auf fast allen Seiten zu finden, sehr ansprechend und abwechslungsreich! Am Ende jedes Kapitels findet sich nochmals ein kleiner Kasten mit Tipps/Adressen zu Sehenswürdigkeiten, Essen & Trinken, Ausflügen und vielen weiteren Infos. Alles sehr übersichtlich und auf den Punkt gebracht! Hinzu kommen kleine persönliche Anekdoten, Erlebnisse mit den Kindern etc. – niemals aufdringlich, immer mit Wohlfühlgefühl!
Dabei ist der Inhalt wunderbar bunt gemischt: Es findet sich Wissenswertes über das Land, die Orte, die Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Ausflugstipps, Essen und Trinken, die Landschaft, Pflanzen, Tiere und vieles mehr. Hier handelt es sich (erfreulicherweise) um keinen typischen Reiseführer! Es ist so viel mehr und um so viel schöner zu lesen und erleben! Die subjektive Auswahl der Orte – geprägt durch die eigenen Erfahrungen, Erlebnisse, Entdeckungen vieler Urlaubsjahre – machen dieses Buch zu einem Highlight! Hier ist für jeden etwas dabei – auch abseits der typischen Touristenpfade - und Istrien wird einem auf ganz tolle Art und Weise näher gebracht!
》FAZIT:
Für mich ist dieses Buch eine wundervolle Überraschung, ein Fernwehmacher, ein Wohlgefühlbereiter, ein toller Ideengeber – ein Highlight 2019 mit Herz, welches mich sicher einmal nach Istrien begleiten wird!
- Martin Walker
Bruno Chef de police
(276)Aktuelle Rezension von: Sanne54Nachdem ich schon sehr oft über Bruno, den Chef de Police eines kleinen Örtchens in der französischen Provinz gestolpert bin, nie aber ein Buch gelesen habe, habe ich nun doch mal einen Blick in den ersten Teil gewagt.
Und bin auch eine durchaus charmant konstruierte Geschichte gestoßen, was den namensgebenden Protagonisten und das Setting betrifft. Ein bisschen wie Rosamunde Pilcher in Frankreich. (Passenderweise kommen auch einige Engländer vor.) Bruno, dessen Rolle nicht so ganz trennscharf auf den örtlichen Polizisten festzulegen ist, hat eine große Schwäche fürs Kulinarische und die Tradition seines Perigords, wofür er sich gerne auch mal mit der EU anlegte, und ist anerkannter Teil seiner Gemeinde Saint-Denis. Obwohl kleinere Versuche gewagt werden, der Figur Tiefe zu verleihen (betrifft seine Vergangenheit in der Armee und dass er als Waise aufgewachsen ist), bleibt der überzeugte (?), aber begehrte Junggeselle sympathisch, allerdings ohne Ecken und Kanten. Das finde ich persönlich Schade.
Insgesamt wartet das Buch für mich mit zu vielen Klischees auf. Vielleicht trägt das zum "Cosy"-Gefühl bei, das diese Krimi-Reihe so erfolgreich macht, ich würde mir mehr Authentizität wünschen und weniger "Reiseführer"-Feeling. Da sind die Figuren die entscheidenden Stellschrauben, wie ich finde.Und dann macht zwischen Wochenmarkt, Kulinarik und Tennisplatz der Fall plötzlich eine überraschende Wendung. Nicht nur durch den brutalen Mord, bei dem Bruno den Ermittlern zuarbeitet, sondern auch durch den politisch-historischen Hintergrund, den der Autor einarbeitet. Hier werden interessante Themen aufgeworfen, die aber in diesem Kontext einfach zu flach und banal bearbeitet werden. Das wird der Thematik einfach nicht gerecht, weshalb ich einen zweiten Punkt abziehe. Vielleicht passen die folgenden Fälle Brunos besser zum Setting und sind nicht im Bereich des politisch-brisanten Kapitalverbrechens angesiedelt, denn das würde ihnen meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.
Im Großen und Ganzen leicht lesbare Unterhaltung und ein sympathischer, spitzbübischer Protagonist, der nachvollziehbar viele Fans hat und hier aber leider in eine zu ambitionierte Story verwickelt wurde.
- Samantha Jayne
Quarter Life Poetry
(12)Aktuelle Rezension von: BambisusuuDie Autorin "Samantha Jayne" ist eine bekannte Bloggerin, die mit kurzen Zitaten und Gedichten das Buch "Quarter Life Peotry" herausgebracht hat und über den Alltag in den 20ern berichtet.
Das Lebensgefühl der heutigen Mittzwanziger kennt Samatha Jayne zu gut. Eine Generation, in der sich viele hilflos und suchend fühlen. Studienkredite, die nicht abgezahlt werden können und auf der anderen Seite die zahlreichen Dating-Apps ohne den perfekten Partner zu finden. Sind die Mittzwanziger beziehungsunfähig? Oder liegt es an ihren Jobs? Die Sorgen stapeln sich. Samantha Jayne will mit lustigen Sprachbildern und umwerfenden Illustrationen den Nerv der Zeit treffen.
Ein klassischer Roman oder eine Biografie steckt hinter diesem kleinen Buch nicht, dafür viele Gedichte und Sprüche, die zum Alltag passen. Im Vordergrund steht das Alter über 20. Die junge Bloggerin greift die heutige Zeit bzw. ihre Generation auf. Auf ihrem Blog findet man zahlreiche Zitate, jedoch auf Englisch. In dieser Ausgabe werden alltägliche Sorgen, wie Studium, Job, Liebe, Sex und Essen thematisiert.
Mit den kurzen Gedichten bin ich gut zurechtgekommen. Da ich mich in dieser Generation befinde, konnte ich an vielen Stellen, die Bloggerin nachvollziehen. Viele haben ähnliche Sorgen und Gedanken. Die meisten Zitaten fand ich besonders lustig und haben ins Schwarze getroffen. Es gibt aber auch Sprüche, mit denen ich mich nicht anfreunden konnte. Den Hintergedanken konnte ich dadurch nicht immer verstehen.
Die Illustrationen auf jeder Seite geben den Gedichten eine Lebendigkeit, Unterhaltung und heitern auf. Somit wurden manche nichtaussagende Zitate ausgeglichen.
Die Ü-20 Generation wird sich angesprochen fühlen. Als Geschenk eignet sich das unterhaltsame Buch allemal. Ich kann aber auch nachvollziehen, wenn nicht jeder zufrieden über das Buch ist! - Patrick Modiano
Im Café der verlorenen Jugend
(148)Aktuelle Rezension von: FaiditIch habe mich durchgebissen, weil ich die ersten 30 Seiten nicht umsonst gelesen haben wollte, aber das Buch hat mich beinahe depressiv zurückgelassen. Die Sprache ist sehr schön, wie ich zugeben muss. Doch die Atmosphäre, die die Erzählung verbreitet ist mehr als melancholisch. Der Autor Patrick Modiano betrachtet das Leben einer Café-Bekanntschaft aus dem Blickwinkel von drei männlichen Gästen eines Cafés in Paris und der observierten jungen Frau selbst. Modiano schlüpft dabei jeweils in die Rolle seiner Protagonisten als Ich-Erzähler, wie dies viele französische Autoren tun. Tatsächlich hat mir das Kapitel, als er die junge Frau Louki selbst ihr Leben erzählen lässt, am besten gefallen, weil es wenigstens etwas Gefühl transportierte.
Im Großen und Ganzen bleibt der Autor an der Oberfläche und seine Erzählung geht nicht unter die Haut. Die Protagonisten und ihre Handlungen haben keinerlei Tiefgang und scheinen einzig ihre Lebenszeit totschlagen zu wollen. Der Freiheitsdrang Loukis ist nichts anderes als ein Weglaufen vor Beziehung. Alle Protas sind Egoisten ohne Interesse an ihren sogenannten Freunden. Die Beschreibung von Paris beschränkt sich auf die Benennung von Straßen, Plätzen und Metrostationen. Ich konnte nur graue Pflastersteine, dunkle Straßenecken und nachtschwarze Häuserfassaden vor meinem inneren Auge sehen. Zu Nebel gewordene Gefühlskälte und verschwendete Jugend. Der Autor scheint selbst den "Schnee" eingeatmet zu haben und zu keinen großen Gefühlsregungen fähig zu sein. Denn am Ende des Buches fragt man sich, weshalb es überhaupt geschrieben wurde.
- Soraya Lane
Die vermisste Tochter
(130)Aktuelle Rezension von: Katharina_KaatzDie vermisste Tochter von Soraya Lane ist ein gefühlvoller, historischer Roman, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Autorin schafft es, Vergangenheit und Gegenwart auf eine Weise zu verweben, die sowohl emotional als auch spannend ist. Die Geschichte dreht sich um Schicksal, Verlust und die Suche nach Wahrheit. Die wechselnden Zeitebenen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart sind fließend und stimmig miteinander verknüpft. Dadurch entsteht ein tiefes Verständnis für die Charaktere und ihre Entscheidungen. Soraya Lane hat einen Schreibstil, der leicht lesbar, aber trotzdem voller Tiefe ist. Sie braucht keine übertriebenen Dramen, um Spannung zu erzeugen sie lässt ihre Figuren sprechen, und das macht die Geschichte so authentisch. Er hat mich zum Nachdenken gebracht, aber auch mit einem warmen Gefühl zurückgelassen. Wer Geschichten mag, die Historie, Emotion und ein Stück Geheimnis vereinen, wird dieses Buch lieben.
- Theresia Graw
Mit Hanna nach Havanna
(72)Aktuelle Rezension von: our-red-carpet-of-booksSchon im letzten Jahr habe ich „Mit Hanna nach Havanna“ von Theresia Graw aus dem blanvalet.verlag zugeschickt bekommen
Ich hatte mich aufgrund des wunderschönen Covers riesig auf die Geschichte gefreut aber bin damals überhaupt nicht in die Geschichte gekommen.
Jetzt wollte ich das Buch endlich beenden und bin mit großen Erwartungen an die Geschichte gegangen, die ein wenig an den Film „Briefe für Julia“ erinnerte, den ich sehr gerne mag.
Das Buch erzählt die Geschichte von Katrin, die von ihrem Chef zum Abendessen eingeladen ist und fest davon überzeugt ist für Ihre Sendung „Spaziergang mit Katrin“ den Journalistenpreis Golddnen Griffel zu gewinnen.
Doch stattdessen wird ihr mitgeteilt, dass sie durch eine andere Kollegin ersetzt wird und fortan das Seniorenmagazin moderieren soll.
Durch das Magazin kommt sie in Kontakt mit Hanna, die die bittet ihre Biografie zu schreiben und mit ihr auf die Suche nach ihrer Jugendliebe nach Havanna zu reisen.
Die Geschichte hört sich toll an aber was das Buch für mich zerstörte war Katrin.
Sie war so frustriert, dass sie alles und jeden auf respektloseste Art und Weise schlecht gemacht hat und das ging gut zwei Drittel des Buches so.
Im letzten Drittel wurde die Geschichte ganz schön weil sich Katrin auf das Flair Havannas und die Menschen einlassen konnte und das dann auch dem Leser spürbar machen konnte aber da das Buch aus Katrins Perspektive geschrieben ist, war ich bis dahin schon so genervt von ihr, dass ich ihre Charakterwendung am Ende auch nichts positives mehr entgegen bringen konnte.
Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, dass ich das Buch nicht zu Ende gelesen hätte, wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen.
Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, vielleicht hat einem von Euch das Buch ja richtig gut gefallen 😊
Die Autorin schreibt am Ende, dass sie selbst in Havanna war und das Flair vermitteln wollte, was ihr durch ihre Wahl der Erzählerin meiner Meinung nach leider nicht gelungen ist.
Was mir sehr gut gefallen hat waren Hanna und die Rezepte am Ende. - Sebastian Glubrecht
Na servus!
(73)Aktuelle Rezension von: HoldenDer Autor landet als williger Jungjournalist in München, um dort eine schwangere Kollegin zu vertreten, und wird zur Untermiete in Daglfing bei den Untermairs und dem Knollhubert einquartiert. Wißbegierig nähert sich der Exberliner den Bayern an und und schiebt anfangs seine Vorurteile vor sich her (BMW, Folklore, voll umoperierte Menschen aus der Münchner Schickeria). Aber der Knollhubert ist, wie er bald feststellen muß, a Guada, und auch mit dem Rest des kritisch beäugten Völkchens kommt er bald näher. Und die Liebe zu einer bayerischen Punkerin ist auch nicht weit...Schön geschrieben, aber wo kommen die ganzen anfänglichen Vorurteile her? Die Bayern sind eine nettes gemütliches Grüppchen, und man muß ja keine Lederhose tragen (daß das Anprobieren und Anziehen solche Schwierigkeiten bereitet, war mir auch noch nicht klar, ich trug meine letzte Lederhose im Alter von 2-3 Jahren). Und die mögen es auch eigentlich nicht, wenn nicht-gebürtige Bayern die Lederhose tragen. "Hund seids scho" hab ich noch vermisst. "Ein Prosit, ein Pro-ho-sit...."
- Anja Saskia Beyer
Erdbeeren im Sommer
(74)Aktuelle Rezension von: UlrikeBodeWas für eine Geschichte
Ich durfte dieses Buch als Wanderbuch lesen.
Das Cover paßt zum Inhalt und der Klappentext macht neugierig.
Die Protagonisten sind sehr lebhaft beschrieben und die Orte toll in Szene gesetzt.
Die Geschichte ist sehr schön erzählt und hat mich immer mehr motiviert auch einfach mal auszusteigen und mir neuen Wind um die Nase wehen zu lassen.
Da bis zum Schluß die Geheimnisse bewahrt werden ist es zudem auch spannend.
Es läd zum Träumen ein und man spürt die Schönheit und das Temperament des Landes.
Es ist nicht einfach nur ein Liebesroman, sondern beschäftigt sich auch mit einem wichtigen Thema., nämlich der Ernährung. Ich liebe die mediterane Küche und fand die Rezepte toll.
Aber auch Luisas Weg und Entwicklung haben mich unglaublich berührt.
Vielen Dank für dieses Lesevergnügen, welches ich zum Abschalten und Eintauchen in eine andere Welt empfehlen kann.
- Julie Caplin
Das kleine Café in Kopenhagen
(246)Aktuelle Rezension von: JaNa_LiEstMeine beste Freundin hat mir die Buchreihe von Julie Caplin als Feel-Good-Lektüre empfohlen und ich wurde (natürlich) nicht enttäuscht. Die Autorin schafft es, dass man sich ohne lange Vorlaufzeit mit der Protagonistin identifiziert. Und die Mischung aus Ich-kämpfe-mich-aus-einer-ausweglosen-beruflichen-Situation, einem Sehnsuchtsort und einer kleinen knisternden Liebesgeschichte ist einfach ein Garant für wohlige Lesestunden.
Danach habe ich mir direkt weitere Bände der Reihe vorgenommen :-) Aber dieser ist bisher mein Favorit!
- Göran Everdahl
LAGOM. Die schwedische Art der Achtsamkeit
(3)Aktuelle Rezension von: c_awards_ya_sinDer nordische Lebensstil ist überall beliebt. Doch was die Dänen mit Hygge in die Welt gebracht haben, das zelebrieren die Schweden mit Lagom. Die schwedische Art der Achtsamkeit achtet darauf nicht zu viel und nicht zu wenig von allem zu wollen.
In allen Lebenslagen ist Lagom anwendbar. Essen, Mode, Nachhaltigkeit.Mir hat das Buch großen Spaß gemacht und mich an meinen letzten Urlaub in Schweden erinnert. Der war genau richtig, lagom eben.
- Lucy Foley
Das Versprechen eines Sommers
(38)Aktuelle Rezension von: ReisebaerenHal ist ein junger Schriftsteller, der vor seiner eigenen (Kriegs-)Vergangenheit aus England in den frühen 50er Jahren nach Rom flieht. Dort lebt er mehr schlecht als recht von einigen wenigen Aufträgen für die Zeitung. Eines Abends darf er durch eine glückliche Fügung auf eine Party der Reichen und Schönen. Dort lernt er die Contessa kennen, eine ältere gut betuchte Dame, die sich seiner annimmt. Ebenfalls auf der Party ist Stella, eine unnahbare wunderschöne Frau. Sie verbringen eine Nacht zusammen und wissen beide, dass es einmalig war. Doch ein Jahr später sehen sie sich wieder. Die Contessa hat Hal als Journalist engagiert, um über ihren Film und dessen Präsentation zu schreiben. Dazu sind neben den Hauptdarstellern, der Regisseur, ein Fotograf und auch Stella und ihr charmanter, aber kalter Mann eingeladen. Sie segeln mit einer Yacht von Hafen zu Hafen und dabei beginnt erst langsam, dann jedoch immer stärker die Luft zwischen Stella und Hal zu knistern. Doch auch die andern Teilnehmer dieser Fahrt tragen ein eigenes Geheimnis. Welle für Welle öffnen sich die Menschen Hal und auch Stella kann ihm irgendwann nicht mehr widerstehen. Alles steuert schließlich auf das große Finale zu, bei dem es eigentlich um die Premiere des Films gehen soll.
Zweifelsfrei kann Lucy Foley gut schreiben. Sie hat ein tolles Gefühl für Situationen, Beschreibungen der Umgebung, grandiose Vergleiche. Auch die Charaktere sind ihr durch und durch gelungen. Nicht nur die zwei Hauptcharakter, sondern auch die Nebendarsteller haben ihr eigene plausible Geschichte. Alle haben Geheimnisse, die Stück für Stück aufgedeckt werden. Die Geschichte an sich ist sehr unterhaltsam, spannend und manchmal etwas mysteriös.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich war von Anfang an dabei und war gespannt wohin das Abendteuer führt. Das einzige was mir nicht so gefallen hat, war das Ende. Es hat mich überrascht, war mir aber ein Stück zu einfach aufgrund der vorangegangen Spannung, die erzeugt wurde. Lesenswert ist es auf jeden Fall.
- Yvonne Jarré
Ein kleines Stück Paris
(13)Aktuelle Rezension von: peedeeDie Grundschullehrerin Svenja Lorentz kommt an ihre Grenzen: Burn-out! Während ihrer Krankschreibung erfährt sie, dass sie eine Wohnung in Paris geerbt hat. Sie ist zwar winzig, aber würde ganz allein ihr gehören. Paris bringt ihr einen neuen Blickwinkel auf ihr Leben. Vielleicht bringt es ihr auch eine neue Liebe? Doch über dem neuen Lebensgefühl schwebt der drohende Hausverkauf – es soll luxussaniert werden…
Erster Eindruck: Ein hübsches Cover mit den vielen verschiedenfarbigen Macarons – im wahrsten Sinne süss.
Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man erfährt, dass man von Unbekannten geerbt hat? Der Name Georges Cordonnier des Verstorbenen hat Svenja nichts gesagt – ihrer Mutter jedoch schon, denn es handelte sich um Georg Schuster, ihren älteren Bruder und gleichzeitig das schwarze Schaf der Familie. All die Jahre wurde nicht über ihn gesprochen. Nun gut, die Familie Lorentz wohnte in Hamburg und der Bruder in Paris, da läuft man sich ja nicht aus Versehen über den Weg. Warum wurde er als schwarzes Schaf bezeichnet? Nur weil er nicht so leben wollte, wie es seine Geschwister gerne gesehen hätten? Wieso hat er ausgerechnet seine Nichte Svenja, die er nur ein einziges Mal gesehen hatte, als Erbin eingesetzt?
Als ich den Originalklappentext gelesen habe, habe ich gleich mal leer geschluckt und leichte Platzangst gespürt: eine acht Quadratmeter grosse Wohnung? Das Wort „Wohnung“ ist doch viel zu gross dafür! Die winzige Wohnung wird in Frankreich auch „studette“ genannt – ein Einzimmerapartment mit Waschgelegenheit. Sie hat keine Küche, die Toilette befindet sich auf der gleichen Etage, die Dusche eine Etage tiefer. Hm, das wäre mal so gar nichts für mich… Die Bewohner des Hauses reagieren eigenartig auf die Ankunft Svenjas – sie scheinen sich irgendwie bedroht zu fühlen. Nur Marc Decaux nicht, ihr direkter Nachbar; er ist Musiker. Nach und nach erfährt Svenja mehr über ihren verstorbenen Onkel.
„Macarons – den Kummer können sie dir zwar nicht nehmen, aber er schmeckt wenigstens nicht mehr so bitter.“
Dies ist das Debüt einer deutschen Autorin unter dem Pseudonym Yvonne Jarré. Mir hat das Buch sehr gefallen. Zuerst war es für mich ein eher locker-leichtes Buch, das mich aber immer mehr berührt hat, je mehr ich von den Menschen in dem Pariser Wohnhaus erfahren habe. Von mir gibt es 4 Sterne. - Eric Standop
Ich lese dich
(12)Aktuelle Rezension von: Nothingforever99Vor einigen Tagen habe ich das Buch "Ich lese dich" von Eric Standop beendet und kann sagen, dass mich schon lange kein Buch mehr so gefesselt und in den Bann gezogen hat. Zuerst war ich ein wenig skeptisch, doch mit der Zeit fand ich die Leidenschaft für das Thema Gesichtslesen. Es ist einfach geschrieben, man erfährt viel über sich und seine Mitmenschen und hat mich wirklich positiv beeinflusst.
- Agnès Poirier
An den Ufern der Seine
(76)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerAgnès Poirier entführt die Leser*innen an die Ufer der Seine, in die magischen Jahre von Paris 1940 bis 1950. Dies ist kein trockenes Sachbuch, das Fakten trostlos aneinanderreiht. Hier wird eine Epoche lebendig, hier wird Geschichte erlebbar. Während des Lesens singen Juliette Gréco und Édith Piaf ihre klassischen Chansons leise im Hintergrund. Ich versinke im Ohrensessel, ein heißer Tee steht auf dem Bistrotisch und weht mir seinen Vanilleduft unter die Nase. Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre sitzen mir gegenüber im Café de Flore. Fast scheint es mir als würde der Pfeifenrauch durch mein Lesezimmer ziehen.
Die 1940er Jahre, eines der schlimmsten Jahrzehnte der Menschheitsgeschichte, totaler Krieg, totale Vernichtung und totale Kontrolle stehen dem Willen zur totalen Freiheit gegenüber. Und in einem kleinen, alten, verwinkelten Stadtteil von Paris, gegenüber von Notre Dame, einen Steinwurf von der Seine entfernt, begegnen sich einige der wichtigsten Intellektuellen und Ikonen jener Zeit. Philosophen, Schriftsteller, Musiker, Künstler aber auch Lebemänner und Dandys. Existenzialismus und Kommunismus, neue Werte in einer alten Welt, prägen die Diskussionen. Nelson Algren, Simone de Beauvoir, Samuel Beckett, Saul Bellow, Albert Camus, Jean Cocteau, Miles Davis, Janet Flanner, Alberto Giacometti, Juliette Gréco, Arthur Koestler, Jean Paulhan, Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre Boris Vian und Richard Wright, um nur einige zu nennen, leben in den 40er Jahren auf wenige hundert Quadratmeter verteilt, am linken Seineufer, dem Rive Gauche. Wie kann es sein, dass so viele bedeutende Persönlichkeiten in Paris zusammenkommen, um die Weltgeschichte zu verändern?
Leben am Rive Gauche
Leider geht die Kontinuität des Rive Gauche in Poiriers Erzählung etwas unter. Bei ihr erscheint es so, als würden die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts den Mythos des linken Seineufers, des intellektuellen Stadtteils begründen. Dabei haben in den 20er Jahren bereits eine ganze Reihe Künstler dort gelebt und gewirkt, z.B. Ernest Hemingway, Henry Miller, Anaïs Nin, Gertrude Stein, und Sylvia Beach. Und auch davor, war das Quartier geprägt durch die Sorbonne und den zahlreichen Studenten, die hier wohnten. Das traditionelle Universitätsviertel war seit jeher das intellektuelle Zentrum. Auch weil man hier, im Vergleich zum bürgerlichen rechten Seineufer, weitaus günstiger leben konnte.
In diesem Quartier Latin konzentriert sich in den 40er Jahren ein bedeutender Teil der westlichen Intelligentzija. Die meist 20 bis 30jährigen sind gezeichnet vom Weltkrieg, von den Erfahrungen der deutschen Besatzung, der Kollaboration oder der Résistance. Drehte sich jahrelang alles ausschließlich ums Überleben und den Widerstand gegen die Faschisten, veränderte sich mit der Niederlage Nazideutschlands die ganze Welt. Die jungen Erwachsenen fanden sich zurückgeworfen auf existenzielle Fragen: wie konnte es zum Krieg kommen, was fängt man mit seinem Leben nach dem Krieg an? Was ist der Sinn des Lebens? Und wie kann man ihn verwirklichen? Geprägt durch eine grundlegende Skepsis am Kapitalismus, der sich allzu schnell mit dem Faschismus verbrüderte, kokettieren viele Intellektuelle jener Zeit mit dem Kommunismus, dem der Nimbus des Antifaschismus anhaftet.
Erst langsam nehmen einige Wenige auch die Grausamkeiten des Stalinismus wahr und versuchen einen „dritten Weg“ in der Politik zu gehen. Ausgehend von der Philosophie des Existenzialismus, müsse es doch einen Weg jenseits von Kapitalismus und Kommunismus geben. Doch so politisch auch der Alltag war und so produktiv die Künstler und Schriftsteller waren, so wollten alle ihr junges Leben nach den Entbehrungen des Krieges, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und manchmal auch darüber hinaus, genießen. Eine neue Freizügigkeit nicht nur im Denken brach sich Bahnen. Neue Lebensentwürfe wurde erprobt, bürgerliche Traditionen abgelehnt. Simone de Beauvoir erkämpfte sich einen Lebensstil der bis dahin nur Männern vorbehalten war. Ungebunden, frei und mit vielen wechselnden Sexualpartnern, sogar beiderlei Geschlechts. Was für viele junge Frauen Vorbild werden sollte, war für das Bürgertum vor allem eines: ein Skandal.
Exzessiver Exitenzialismus
Und an Skandalen war das arme Paris der 40er Jahre reich. Poirier fängt das Sittengemälde und die Rebellion gegen verkrustete Strukturen grandios ein. Die Leser*innen folgen Sartre und Beauvoir die Treppenstufen hinab in dunkle Kellergewölbe in denen bei Jazzmusik gefeiert und vor allem viel getrunken wird. Die Partner vieler Intellektuellen scheinen im munterem Reigen wechselnde Tête-à-Tête einzugehen. Exzessives Leben in allen Bereichen. Wer will es jungen Menschen verübeln im Angesicht der Grausamkeiten, die nach und nach über den Holocaust bekannt werden oder angesichts einer zunehmenden Weltuntergangsstimmung der sich konfrontierenden Atommächte USA und Russland.
Die Produktivität gepaart mit der verzehrenden Lebensweise hat seinen Preis und Poirier schildert auch die Schattenseiten der so leuchtenden Biographien. So war die Einnahme von Amphetaminen vollkommen gewöhnlich, Drogen und Aufputschmittel verschiedenster Art, anschließend Schlaftabletten um wieder Ruhe zu finden, gehörten zum Alltag. Ebenso wie Alkohol geschwängerte Streitigkeiten, die teils jahrelange Freundschaften zu ruinieren vermochten. So explosiv wie sich die Weltgeschichte darstellte, so heftig, hitzig und obsessiv lebten die jungen Intellektuellen jener Zeit. Und Poirier schafft es mit ihrer Sprache eine geradezu hypnotische Wirkung zu entfachen, ein Mahlstrom, der hinab in die Begierden und Leidenschaften einer unterdrückten Jugend führt. Wer die Menschheit liebt, muss an ihr verzweifeln.
Moderne Zeiten
Dabei darf man allerdings nicht übersehen, dass mitunter Genauigkeit und Differenzierung dem lockeren Schreibstil geopfert werden. Es ist ein erzählendes Sachbuch, eher eine Reise an die vergangenen Ufer der Seine, denn eine historisch korrekte Betrachtungsweise. Wenn man sich damit anfreunden kann und über die ein oder andere spekulative Szene, die als solche allerdings leider nicht deutlich gekennzeichnet ist, die ein oder andere Stereotypisierung und die ein oder andere verklärte Perspektive hinwegsehen kann, bekommt man eine wunderbare und informative Zeitreise in eines der intellektuellsten Jahrzehnte.
Poirier reicht mit „An den Ufern der Seine“ einem jungen und neuem Publikum die Hand, um den intellektuellen und moralischen Aufbruch einer ganzen Generation zu verstehen. Geschichte wird gemacht und wirkt in die Gegenwart. Es wurden nicht nur literarische Grundfeste erschaffen, sondern zugleich weltanschauliche Wertemaßstäbe entworfen. Der Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung, gegen Faschismus und Autoritarismus, die Intoleranz gegenüber den Intoleranten und Antidemokraten sind zeitlose Imperative. Die Erinnerung daran erscheint nötiger denn je.
Für Bibliophile sei allerdings die Warnung ausgesprochen, dass sehr viele literarische Werke angesprochen werden, die die Liste der zu lesenden Bücher mal wieder zu verlängern vermag.
- Romy Sommer
Das kleine Weingut in der Toskana
(17)Aktuelle Rezension von: Lesefieber22Die Finanzanalystin Sarah reist in die Toskana, um das Erbe ihres Vaters, ein kleines Weingut, zu verkaufen. Dort trifft sie auf ihre Jugendlebe Tommaso, der überraschend gemeinsam mit ihr das Weingut geerbt hat. Sarah möchte so rasch wie möglich verkaufen, Tommaso möchte das Weingut unbedingt weiterbetreiben. Als jedoch klar wird, dass jemand versucht, das Weingut zu sabotieren, raufen sich die beiden zusammen. Rasch flammen die alten Gefühle wieder auf...
Noch nie habe ich so lange gebraucht, um ein Buch fertig zu lesen - ganze neun Monate lang habe ich immer mal wieder einige Seiten gelesen. Es hat mich nie wirklich gepackt, zum abbrechen war es dann aber doch irgendwie wieder zu gut. Die Geschichte hat mir eigentlich gut gefallen und auch das Setting fand ich toll. Mir hat aber etwas Spannung und Tempo gefehlt, die Handlung plätschert einfach ruhig vor sich hin. Erst in den letzten Kapiteln wird es noch richtig interessant und es hat Spass gemacht, das Ende der Geschichte zu erfahren.
Ein ruhiges, schönes Buch ohne grosse Dramen.
- André Kubiczek
Skizze eines Sommers
(35)Aktuelle Rezension von: XirxeWas für ein schön zu lesendes Buch! Locker-leicht-melancholisch vermittelt es ein Lebensgefühl, wie man es nur in einem Sommer mit 16 haben kann - ok, vielleicht auch noch mit 17 oder 18 ;-)
Sommer 1985 in Potsdam, René ist gerade 16 geworden und vor ihm liegen zwei Monate ohne Schule, ohne Erwachsene und mit überraschenderweise viel Geld. Lässig-schnoddrig und auch wundervoll selbstironisch erzählt er von dieser Zeit, dem Abhängen mit seinen Freunden, seinen Erfahrungen mit Mädchen und überhaupt diesem Leben, in dem es nichts Wichtigeres zu geben scheint als Bücher, Musik, Klamotten - nicht zu vergessen der Weltfrieden. Ich las die meiste Zeit mit einem Grinsen im Gesicht, zum Einen weil der Text an sich sehr humorvoll ist ('Es herrschte bei uns ja ständig ein Überfluss an irgendwelchem Mangel'), zum Andern weil mir Vieles sehr bekannt erschien, auch wenn ich meine Jugend nicht in der DDR verbrachte (beispielsweise das Zusammenstellen von Mixtapes). "Hach! - diesen Ausruf hat man beim Lesen von André Kubiczeks «Skizze eines Sommers» ziemlich oft im Kopf." - so schrieb der Stern und ich kann dem nur zustimmen. Insbesondere auch bei der Erwähnung von Musik. Viele, schon lange nicht mehr gehörte Gruppen kehrten wieder ins Bewusstsein zurück, die ich mir endlich mal wieder zu Gemüte führen werde ;-) (The Cure, Grandmaster Flash...). Überrascht bin ich, wieviele Gemeinsamkeiten es offensichtlich damals zwischen der Ost- und West-Jugend gab, nur in wenigen Situationen schienen wirklich deutliche Unterschiede zu herrschen (beispielsweise bei der Literaturbeschaffung).
Auch wenn das Buch mehr als leichte Unterhaltung daherkommt, sind doch immer wieder schöne, tiefergehende Passagen zu finden. Beispielsweise die Lobeshymne auf ein Gedicht: 'Es war wie ein Wunder, jemanden zu treffen, der genau wusste, was man selber gern gesagt hätte. Und der es für einen in Worte kleiden konnte, die schön klangen und in einem Buch geborgen waren, das so edel wirkte wie ein Schatzkiste.' So oder so ähnlich ging es mir auch mit diesem Buch :-) - Claudia Rusch
Meine freie deutsche Jugend
(39)Aktuelle Rezension von: Holden"für Irmgard, ganz herzlich, Weimar 16.10.03" lautet die Widmung, dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen, nur das hier die Lebensgeschichte eines Vorbilds an Zivilcourage anschaulich präsentiert wird. Wäre man selbst so tapfer gewesen, man weiß es nicht, aber durch die Erziehung zum Querdenken durch ihre Mutter und deren Freunde wurden die Energien der kleinen Claudia in die richtigen Bahnen gelenkt. Das DDR-Unrecht wird drastisch angeklagt, so daß kein Platz mehr für Ostalgie und Verklärung bleibt, erst mit der "Wende" wurden die Oppostitionellen zu "echten" DDR-Bürgern, aber aufhalten ließ sich der hier schreibende Wirbelwind nicht. Auch ein Vorbild an Lebensenergie und der Beweis dafür, was man als Individuum erleben kann.
- Regina Tödter
Holistay
(13)Aktuelle Rezension von: StreiflichtWarum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Ist es daheim nicht eigentlich viel schöner, bequemer, gemütlicher? Und kosten tut es auch nichts oder weniger und man kann im eigenen Bett schlafen...
In ihrem Buch erklärt Regina Tödter einprägsam und gut nachvollziehbar, wie sie daheim auf Reisen geht und täglich zu Hause Urlaub macht – das verrät auch schon der Untertitel des Buches „Holistay“. Dazu hilft es schon enorm, einfach mal den eigenen Blickwinkel zu verändern, mal anders denken und sich seine gewohnte Umgebung ansehen. Steht vor meinem Balkon vielleicht ein wunderbarer Baum, den ich aber noch nie richtig betrachtet habe? Habe ich mir jemals die Zeit genommen, meine Straße, mein Viertel, meine Stadt genauer zu erkunden? Oder vielleicht auch auf Google Maps genauer anzusehen, um zu überlegen, was ich noch alles entdecken kann. Was direkt vor mir liegt, ohne dass ich es sehe, ohne dass ich es beachte?
Ich finde es sehr interessant, wie die Autorin denkt und mit welch einfachen Mitteln man Abstand vom Alltag gewinnen kann. Das hat mir gut gefallen, vor allem auch weil sie mal andere Idee vorgestellt hat als die vielen gängigen, die man schon kennt. Mir hat zum Beispiel die Idee, im Tandem neue Sprachen zu lernen, gut gefallen. Aber auch vieles andere und ich werde das Buch sicherlich immer mal wieder zur Hand nehmen, um mir einzelne Ideen herauszugreifen. Und außerdem werde ich einige Tipps der Liste der Literarischen Entdeckungsreisen ausprobieren. Ich freu mich drauf!
Ein tolles Buch, das für jeden, der sich darauf einlässt, eine Bereicherung ist.
- Alexander Graf von Schönburg
Der fröhliche Nichtraucher
(5)Aktuelle Rezension von: HoldenDer Graf legt ein (auch für Nichtraucher) interessantes Buch vor, wie mit dem Rauchen aufgehört werden kann und was man dabei über sich und seinen Körper lehrt, und greift dabei zunächst auf eigene Erfahrungen zurück. Wie einfach es doch mit dem Aufhören ist, wenn man es wirklich MACHT und es nicht nur versucht. Akutes Rauchverlangen sei schon nach 2 Tagen überwunden, und man habe den "Suchtaffen" dann an sich überlistet. In der Wiederholung des lustvollen Lebens nach der Fluppe mit gewachsener Agilität und Vitalität (was oft genug wiederholt wird), vermag Graf von und zu ein verlockendes Ziel dem Qualmer vor Augen zu halten, so daß dieser beschämt auf seine gelben Finger schaut. Ich kann naturgemäß nicht sagen, ob der Leitfaden wirklich hilfreich ist, habe schon vor Jahren aufgehört und vermutlich auch nicht richtig inhaliert, sonst wärs mir wahrscheinlich nicht so leicht gefallen.
- Lukas Rietzschel
Mit der Faust in die Welt schlagen
(139)Aktuelle Rezension von: MeazostroDas Buch läuft langsam an in der Erzählung von zwei Brüdern, die als Kinder ihrer Zeit gelten können. Im Glauben einer heilen Welt wachsen sie zur Zeit des scheinbar eingelösten Wohlstandsversprechens nach der Wiedervereinigung auf: Bekommen dem Bau des Eigenheims ebenso mit wie vereinzelt tragische Schicksale als Überreste der kollabierten DDR - deren Aufarbeitung ausbleibt. Es ist das kollektive Nacheifern einer Vision vom Mittelstand, das sich letztlich als instabiles Leben über die Verhältnisse hinaus abzeichnet und den Frust einer Generation auffängt, die sich das Verständnis ihres verschwiegenen kulturellen Erbes selbst und ohne Anleitung erarbeiten muss. So schafft Rietzschel es Klischees nicht nur darzustellen als vielmehr zu ergründen, die bekannte Diagnose des aufkommenden Rechtsextremismus als Trotzreaktion um das Verständnis einer aktiven Subjektrolle zu erweitern, die weniger um Inhalte als um Handlungspielraum in der systemisch entkoppelten Alltagswelt kämpft und sich ironisch tragisch damit erst um das eigene Ziel bringt. Das Buch schärft das Bild mit dem Fortschreiten der Geschichte kontinuierlich, sodass man sich am gekonnt ausgewählten Ende kaum davon losreißen kann. Zurecht findet es seinen Weg gerade in die Klassenzimmer.
Es sei noch angemerkt dass auch die Verfilmung zwar lohnenswert ist, aber fast alle Abänderungen leider entgegen der Stärke des Buches stehen, gerade keine individuellen Schuldpakete zu verteilen. Den Vater als inkompetenten Alkoholiker darzustellen reduziert die strukturelle gesellschaftliche Apathie auf ein Familiendrama, der Verzicht auf das Bild des glatzköpfigen Neozazis verkennt gerade dessen Verklärung zum Idol, dass auch die Ästhetik der 90er zurück bringt. Der Versuch einer Stigmatisierung als dummen Ossis vorzubeugen endet nur erneut darin, das Kernproblem nicht ganz ernst zu nehmen und dem Buch damit einen Bärendienst zu erweisen.























