Bücher mit dem Tag "lebensgeschichte"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "lebensgeschichte" gekennzeichnet haben.

354 Bücher

  1. Cover des Buches Der Schatten des Windes (ISBN: 9783596715107)
    Carlos Ruiz Zafón

    Der Schatten des Windes

    (5.837)
    Aktuelle Rezension von: Christian_Fis

    Der Roman beginnt äusserst vielversprechend. Dem Leser eröffnet sich die Komplexität der beiden fein miteinander verwobenen Handlungsebenen: die Geschichte von Daniel Sempere und jene von Julián Carax, dem Schriftsteller, dessen Bücher auf mysteriöse Weise verschwinden und offenbar von einer Figur aus seinen eigenen Romanen verbrannt werden.

    Dies mag zu Beginn etwas verwirrend sein. Ein Personenverzeichnis hilft dabei, die zahlreichen Figuren auseinanderzuhalten, insbesondere, weil die beiden Handlungsebenen und ihre Figuren im Verlauf der Geschichte zunehmend miteinander verschmelzen.

    Leider greift Zafón im «Bericht über Erscheinungen» von Nuria Monfort zu einem recht plumpen Stilmittel. Er verlässt die Perspektive des Ich-Erzählers Daniel und erklärt darin das Geheimnis beinahe vollständig. Damit geht viel von der zuvor so wirkungsvoll aufgebauten mystischen und unterschwelligen Spannung verloren.

    Der Schluss wirkt schliesslich geradezu hollywoodesk und überladen. Schade – hier hat Zafón meines Erachtens eine Chance vergeben, einen wirklich grossen Roman zu schreiben. Dennoch habe ich den Roman sehr gerne gelesen. Seine dichte Atmosphäre, die starken Figuren und der gelungene Einstieg machen ihn trotz dieser Schwächen zu einer lohnenden Lektüre.

  2. Cover des Buches Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (ISBN: 9783328102366)
    Jonas Jonasson

    Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

    (5.968)
    Aktuelle Rezension von: Petra54

    Das Buch kaufte ich trotz des seltsamen Titels, weil ich Geschichten aus Skandinavien mag und es außerdem „das beliebteste Buch des Jahres“ war. Der Klappentext macht neugierig und verspricht eine „herrlich komische Lebensgeschichte“ aus Schweden.
    Ein alter Herr flieht an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altenheim, was vorstellbar ist. Den Anfang fand ich lustig, doch recht schnell ging mir die schnoddrige Erzählart des Autors auf die Nerven. Es gibt mehrere Morde, die wie ein beiläufiger Witz beschrieben werden, ebenso die Weltpolitik der letzten hundert Jahre. Diese absurde Überheblichkeit ertrug ich nicht lange und brach das Lesen ab.

     

  3. Cover des Buches Tagebuch (ISBN: 9783596715237)
    Anne Frank

    Tagebuch

    (2.729)
    Aktuelle Rezension von: Aukje

    Anne Frank, die aus einer jüdischen Familie stammt, muss während des zweiten Weltkriegs von ihrer Heimat Frankfurt am Main, 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam flüchten. Während dieser Zeit führt sie über zwei Jahre lang ein Tagebuch, das deutlich die Ängste und wünsche einer Jugendlichen zeigt, die in diesen schweren Zeiten aufwächst. Und wenn das nicht schon ausreicht erhält man auch noch einen guten Einblick über eine jüdische Familie, die versucht eine einigermaßen erträgliche Normalität aufrecht zu erhalten während sie versuchen zu überleben, in ständiger Angst vor den Nationalsozialisten.

    Da meine 13jährige Nichte sich zurzeit mit der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinander setzt, habe ich ihr dieses Buch gegeben und es selber nach vielen Jahren noch mal gelesen. Auch nach all den Jahren als ich es zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich wieder sehr bewegt. Nach wie vor halte ich dieses Buch wichtig, damit Jugendliche beginnen sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, da es ein autobiografisches Buch einer Jugendlichen ist, die sie nachvollziehen können.

  4. Cover des Buches Der Medicus (ISBN: 9783453503946)
    Noah Gordon

    Der Medicus

    (2.277)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Buttgereit

    Was an Der Medicus bis heute trägt, ist nicht allein die Opulenz seines historischen Schauplatzes. Noah Gordon lässt Rob Cole aus einem England der Angst und des Aberglaubens aufbrechen und macht seine Reise nach Isfahan zu einer Schule des Sehens. Medizin erscheint hier nicht als dekoratives Fachwissen, sondern als genaus hinsehen, zweifeln, lernen.


    Besonders stark ist die Spannung zwischen dem Wissensdurst des jungen Engländers und einer Welt, in der religiöse Zugehörigkeit, Herkunft und Krankheit über Leben und Tod entscheiden. Die Begegnung mit Avicenna gibt dem Roman seinen geistigen Mittelpunkt, ohne die Geschichte in eine Lehrstunde zu verwandeln. Pest, Hunger, die Gefahren der Reise und das Leben in Persien haben Gewicht, doch sie überlagern nie Robs Entwicklung.


    Natürlich arbeitet der Roman mit den großen Mitteln des historischen Erzählens. Abenteuer, Liebe, Verlust und Bewährung. Gerade weil Gordon sie so souverän ordnet, wird daraus kein bloßer Kostümroman, sondern ein mitreißendes Buch über Neugier und den Preis des Wissens. Ein Klassiker des Genres, der seine Länge verdient.

  5. Cover des Buches Der Gesang der Flusskrebse (ISBN: 9783446273252)
    Delia Owens

    Der Gesang der Flusskrebse

    (1.481)
    Aktuelle Rezension von: EllenKnorr

    Eine sehr ruhige Geschichte mit wundervollen und bildlichen Beschreibungen der Natur. 

    Kya tritt als starke und eigenwillige Hauptprotagonistin auf. Ihre Naturverbundenheit und Intelligenz haben mir sehr gut gefallen. Wirklich ein tolles Buch. Bloß die Zeitsprünge haben mich an manchen Stellen im Lesefluss gestört. 

  6. Cover des Buches Meine geniale Freundin − Kindheit und frühe Jugend. Geschenkausgabe (Neapolitanische Saga 1) (ISBN: 9783518473863)
    Elena Ferrante

    Meine geniale Freundin − Kindheit und frühe Jugend. Geschenkausgabe (Neapolitanische Saga 1)

    (695)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Das Neapel der 1950er-Jahre: In einem armen Arbeiterviertel wachsen die besonnene Elena und die unberechenbare Lila auf. Trotz ihrer Gegensätze entsteht eine tiefe, von Rivalität geprägte Freundschaft. Während Elena weiter die Schule besuchen darf, muss Lila um ihre Zukunft kämpfen. Der Roman begleitet die beiden Mädchen durch ihre Kindheit und frühe Jugend in einem rauen gesellschaftlichen Umfeld.

    Der Schreibstil fängt das historische Zeitkolorit und die unbeschönigte Härte des Nachkriegsneapels mit großer Sprachgewalt ein. Auch bei der Charaktergestaltung beweist die Autorin ein feines Gespür: Die Dynamik zwischen Elena und Lila besticht durch psychologische Tiefe und lebt von einem realistischen Spannungsfeld aus Bewunderung, Neid und ständiger Konkurrenz. Die Figuren besitzen Ecken und Kanten und wirken jederzeit menschlich. Dennoch verliert die Handlung durch den extrem ausschweifenden und detailverliebten Erzählstil massiv an Schwung. Die ständigen Wiederholungen von Alltagsfeindseligkeiten lassen das Geschehen immer wieder ins Stocken geraten. Auch die Entscheidung, den Stoff in eine mehrbändige Saga nach Lebensphasen aufzufächern, bremst die Geschichte spürbar aus. Ein konsequenteres Lektorat und das Straffen der wesentlichen Ereignisse auf ein einzelnes Buch hätten dem Roman deutlich mehr Tempo, Schärfe und echte Spannung verliehen.

    Mein Fazit: Ein vielschichtiges Porträt einer Frauenfreundschaft mit gelungener Kulisse und vielschichtigen Charakteren, das sich jedoch in seinen eigenen Details verliert. Wegen der anhaltenden Zähigkeit reicht es für mich am Ende nur für ein durchschnittliches Leseerlebnis.

  7. Cover des Buches Für immer vielleicht (ISBN: 9783596297160)
    Cecelia Ahern

    Für immer vielleicht

    (2.866)
    Aktuelle Rezension von: Melanie_Hoppe

    Ich hab schon einige Bücher von Cecelia Ahern gelesen und mag ihre Geschichten sehr gerne.  Eine herz zerreißende Geschichte und eine never Endingen Story mit happy End. Einfach toll. Ein großes Kompliment das es nur aus Briefen, Emails und Chat verlaufen besteht. Es ließ sich super toll und flüssig lesen. 

  8. Cover des Buches Bevor ich sterbe (ISBN: 9783570306741)
    Jenny Downham

    Bevor ich sterbe

    (1.921)
    Aktuelle Rezension von: Lesebegeisterte

    Tessa ist sechzehn Jahre alt und hat Leukämie. Leider gibt es keine Hoffnung mehr für sie. Nach vier Jahren Kampf, hat sie der Krebs besiegt. Doch bevor sie stirbt, will sie noch einmal so richtig leben. Sie schreibt eine Liste mit Dingen, die sie unbedingt machen will. Drogen, Alkohol, Sex, viel unterwegs sein, gegen ein Gesetz verstoßen u.v.m.  .

    Doch dann lernt Tessa Adam kennen. Verliebt sein stand nicht auf ihrer Liste! Ein tieftrauriges Buch über ein Mädchen, dass mitten im Leben steht und eigentlich keine Chance mehr hat. Regt sehr zum Nachdenken an und hat mich sehr berührt !!!

  9. Cover des Buches Die Kathedrale des Meeres (ISBN: 9783328103134)
    Ildefonso Falcones

    Die Kathedrale des Meeres

    (529)
    Aktuelle Rezension von: oldjoe1610

    Sehr gut recherchiertes Buch. Der Autor hat fundierte geschichtliche Kenntnisse und baut diese zu einem wirklich interessanten historischen Roman aus. Zwischendrin ist er manchmal relativ langatmig aber schlussendlich hätte ich gerne noch weiter gelesen. Nachdem ich schon einige historische Romane gelesen habe, die im heutigen Deutschland spielten war der Schauplatz hier (Barcelona) auch sehr interessant.

  10. Cover des Buches Wie ein einziger Tag (ISBN: 9783453425965)
    Nicholas Sparks

    Wie ein einziger Tag

    (2.467)
    Aktuelle Rezension von: Sacura

    Noah und Allie hatten in ihrer Jugend einen Sommer gemeinsam, den sie nie vergessen werden. Kur vor ihrer Hochzeit beschließt Allie an diesen Ort zurückzukehren und Noah zu besuchen. Als sich die beiden wiedersehen ist es, als wäre zwischen ihnen keine Zeit vergangen. Gemeinsam verbringen sie zwei wundervolle Tage, die Allie Zweifel an ihrem aktuellen Leben kommen lassen. Ist es zu spät, um das Leben nochmal umzukrempeln?

    Die Geschichte wird quasi in zwei Abschnitten erzählt. Dem oben beschriebenen Abschnitt und dem Abschnitt des alten Ehepaars, das jeden Tag die Geschichte von damals lies, um gegen Allies Alzheimererkrankung anzukämpfen. Nach dem romantischen, lebensbejahenden Teil, empfand ich das als harten Themenumschwung. Beide sind schwer vom Alter gezeichnet und er kämpft jeden Tag darum, ob Allie ihn erkennen wird oder nicht, was die Erwartung eines Happy Ends stark dämpft. Auch wenn dieseltest des Buches einen die gesunden Jahre deutlich stärker wertschätzen lässt, empfand ich es dennoch als harte Kost.
    Insgesamt war das Buch gut lesbar, aber es hat einen nicht stark hineingezogen.

  11. Cover des Buches Atlas - Die Geschichte von Pa Salt (ISBN: 9783442495283)
    Lucinda Riley

    Atlas - Die Geschichte von Pa Salt

    (279)
    Aktuelle Rezension von: julestodo

    Ich habe die ganze Serie gelesen, aber dieses Buch löst so manche Frage, die beim Lesen der anderen Bücher aufgetaucht sind.

    Ich finde, es ist nicht zu merken, dass Harry Whittaker  weitergeschrieben hat.... alles ist so herzlich geschrieben und beschrieben, dass es eine wahre Freude war, dieses Buch zu lesen.

    Die Auflösung der Frage, was mit der Familie und vor allem mit Pa Salt und auch mit Kreeg Eszu in der Kindheit und im weiteren Leben passiert ist, war sehr interessant zu lesen und hat manche Gedankengänge, die bei mir im Laufe der Lektüre der Bücher immer wieder aufgetaucht sind, geklärt.

    Dieses ist kein Buch, das man einzeln lesen kann, dafür sollte man schon die ganze Reihe lesen und die Entwicklung der Geschichte mit erleben!


  12. Cover des Buches 4 3 2 1 (ISBN: 9783499271137)
    Paul Auster

    4 3 2 1

    (128)
    Aktuelle Rezension von: Steve91

    4 3 2 1 wurde 2017 auf deutsch veröffentlicht und ist Paul Austers Opus magnum. In diesem über 1200 Seiten langen Roman stellt Auster vier verschiedenen ablaufende Leben ein und derselben Person vor, nämlich die Leben des Archie Ferguson.
    Die einzelnen Versionen von Archies Leben werden dabei in zeitliche Abschnitte unterteilt, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter, also circa bis zum Ende des Studiums.
    Es sind nicht nur die Entscheidungen Archies sondern auch die Entscheidungen seiner Mitmenschen und deren Handlungen, die Zufälle und Schicksale, die deren Leben bestimmen, die die jeweils andere Version von Archies Leben entstehen lassen und vorantreiben.
    Es gibt einige zentrale Figuren, wie natürlich seine Eltern, Freunde und Verwandte, die sich in allen Varianten von Archies Leben wiederfinden. Aber auch hier ändert sich, je nach Vergangenheit und Ereignissen, der Umgang miteinander. Diesen Entwicklungen zu folgen ist dabei nicht immer einfach, 4 3 2 1 ist kein Werk, das man zwischendurch liest. Wer aber durchhält, und dazu kann ich nur jedem raten, wird mit einer bzw. vier Geschichten belohnt, die sich intensiv mit der Frage nach Schicksal, nach Zufall und der Selbstbestimmtheit unseres Lebens auseinandersetzen.
    Austers Sprachgewalt ist dabei beeindruckend. Manche Sätze gehen über mehrere Seiten, sind dabei aber nicht langatmig und treiben die umfangreiche Handlung weiter voran. Die Dialoge sind pointiert und genau, jede Figur wird auf ihre Weise durch ihre Tätigkeiten und ihre Sprache unverwechselbar.
    Neben den zentralen Fragen des Romans, Schicksal und Zufall und die Konsequenzen unserer Entscheidungen, findet sich hier auch ein Ritt durch die amerikanische Nachkriegsgeschichte, vor allem durch die Veränderungen der Gesellschaft der USA in den 1960er Jahren. Eine Auseinandersetzung mit den Studentenprotesten, mit dem Vietnam Krieg, mit Baseball und Basketball, mit Literatur, nicht zuletzt mit der Sexualität.
    Austers Werk hat mich tief beeindruckt. Seine Sprachgewalt, seine Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen des Schicksals und des Zufalls sowie die umfangreiche Darstellung so vieler Themen - Geschichte, Politik, Sport, Literatur und viele mehr - machen 4 3 2 1 für mich zu einem Roman, den Liebhaber anspruchsvoller Literatur gelesen haben müssen.

  13. Cover des Buches Mary Shelley, Frankenstein. Ein Schauerroman (ISBN: 9783730613108)
    Mary Shelley

    Mary Shelley, Frankenstein. Ein Schauerroman

    (642)
    Aktuelle Rezension von: Susi180

    Mary Wollstonecraft Shelley (1797–1851) wurde im englischen Somers Town geboren. 1814 folgte sie dem Dichter Percy Bysshe Shelley auf den Kontinent und lebte dort mit ihm zusammen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete sie ihn 1816. Gemeinsam mit Lord Byron unternahmen beide eine Schweizreise, während der der Roman »Frankenstein« entstand. Percy Shelley starb bereits 1822; daraufhin kehrte Mary Shelley nach England zurück und widmete sich ganz der Herausgabe der Werke ihres Mannes. 


    Meine Meinung:

    Endlich habe ich dieses Buch gelesen. Was war das für ein Projekt. Ich hatte es so oft angefangen, und dann immer wieder zu Seite gelegt. Es hat einfach nie gepasst von der Stimmung. Jetzt aber, habe ich es beendet.


    Am Anfang kam ich überhaupt nicht rein. Ich kam mit der Sprache nicht so gut zurecht. Was keinesfalls heißt, das diese schwierig zu lesen ist. Aber es was einfach nicht meins. Und dann kam der Moment, wo ich richtig Lust hatte das Buch zu lesen. Ich muss allerdings dazu sagen, ich hatte vorher den Film geschaut.


    Wenn man die Geschichte erst mal auf sich wirken lässt, die Figuren ins Herz geschlossen hat, erwartet einen hier was sehr emotionales. Und das hätte ich ja gar nicht erwartet. Es ist eben nicht das Böse, sondern eigentlich das was uns Menschen ausmacht und wonach wir uns sehnen. Liebe und Zuwendung.


    Das Buch hat mich am Ende wirklich begeistert. Und wenn man mal überlegt, wie alt diese Geschichte schon ist. Wahnsinn, wie aktuell doch die Thematik. Das Buch hat eine klare Botschaft die mich wirklich mitgerissen hat. Ein Klassiker der nichts an seiner Stärke verloren hat. Ich kann nur sagen, haltet auf den ersten Seiten durch, es lohnt sich. Und am Ende lies es sich super flüssig lesen. 

  14. Cover des Buches A Little Life (ISBN: 9781447294832)
    Hanya Yanagihara

    A Little Life

    (110)
    Aktuelle Rezension von: Lia_Bischoff

    Enthält Spoiler


    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich dieses Buch rezensieren soll, ohne dabei selbst wieder komplett in seine Gefühle hineingezogen zu werden. A Little Life ist kein Buch, das man einfach liest. Es verschlingt dich. Langsam, grausam, wunderschön. Am Anfang war ich ehrlich gesagt skeptisch. Mir wurde zu viel erzählt statt gezeigt. Dieses ständige Beschreiben von Verhältnissen, Vergangenheiten und Dynamiken, anstatt Szenen wirklich auszuspielen, hat mich immer wieder aus der Geschichte gerissen. Dazu kamen die riesigen Zeitsprünge, die fehlenden Kapitel und diese endlosen Rückblicke, bei denen ich irgendwann komplett den Überblick verloren habe, wann wir eigentlich gerade im „Jetzt“ sind. Teilweise fühlte es sich an, als würde ich durch Erinnerungen schwimmen, ohne festen Boden unter den Füßen. Und trotzdem irgendwann hat dieses Buch angefangen, mich vollkommen zu zerstören. Nicht auf die laute Art. Sondern langsam, schleichend. Wie etwas, das sich unter die Haut legt und dort bleibt. Jude ist wahrscheinlich einer der tragischsten Charaktere, die ich jemals gelesen habe. Und das Schlimmste ist: Man versteht ihn. Seine Gedanken, seine Selbstwahrnehmung, seine Angst, seine Zerstörung, all das fühlt sich so echt an, dass es weh tut. Ich habe irgendwann nicht mehr nur gelesen, ich habe mitgefühlt. Teilweise so sehr, dass ich nicht mehr wusste, ob ich gerade noch ich selbst bin oder längst mit ihm zusammen untergehe. Und Willem… Gott, Willem. Alles an ihrer Beziehung hat mich fertiggemacht. Dieses vorsichtige Annähern, diese Liebe, die nie laut sein muss, um alles zu bedeuten. Ich wollte nichts mehr, als dass Jude endlich einfach geliebt werden darf, ohne Bedingungen, ohne Schmerz. Dieses Buch hat mich wütend gemacht. Es hat mich verzweifeln lassen. Mehrmals wollte ich es gegen die Wand werfen. Und trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich habe Schlaf vergessen, Essen vergessen, Zeit vergessen. Dieses Buch wurde irgendwann kein Buch mehr, sondern ein Zustand. Natürlich habe ich Kritikpunkte. Die Langatmigkeit. Die teilweise extrem ausschweifenden Rückblicke. Manche Perspektivwechsel, die mich eher herausgerissen als vertieft haben. Und ja  manche Entwicklungen tun so weh, dass man fast das Gefühl bekommt, das Buch wolle einen absichtlich zerstören. Aber vielleicht ist genau das seine größte Stärke. A Little Life ist kein perfektes Buch. Aber es ist ein Buch, das etwas mit dir macht. Etwas Bleibendes. Etwas Unangenehmes. Etwas Wunderschönes. 

  15. Cover des Buches Das Fundament der Ewigkeit (ISBN: 9783404177707)
    Ken Follett

    Das Fundament der Ewigkeit

    (250)
    Aktuelle Rezension von: Yvihh85

    Das Fundament der Ewigkeit hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert und zählt für mich zu den stärksten Romanen der Kingsbridge-Reihe. Ken Follett verbindet Geschichte und Fiktion erneut auf beeindruckende Weise und erschafft eine Handlung, die durchgehend spannend und emotional bleibt.

    Besonders gelungen fand ich die Figuren. Sie wirken glaubwürdig, entwickeln sich nachvollziehbar weiter und machen es leicht, mit ihnen mitzufiebern. Jede Perspektive trägt etwas zur Geschichte bei und keine fühlt sich überflüssig an.

    Auch die Einbindung historischer Persönlichkeiten und Ereignisse ist Follett hervorragend gelungen. Vor allem die Rolle des Attentäters hinter dem Schießpulverkomplott verleiht dem Roman zusätzliche Spannung und zeigt, wie geschickt der Autor historische Fakten in seine Erzählung einwebt.

    Am meisten beeindruckt hat mich jedoch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Glaubensrichtungen. Der Roman beleuchtet die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten differenziert und zeigt, wie fanatischer Glaube, Macht und Politik untrennbar miteinander verbunden waren. Dabei regt die Geschichte immer wieder dazu an, die eigenen Ansichten zu hinterfragen.

    Neben den politischen und religiösen Konflikten nimmt auch die Liebe einen großen Raum ein. Gerade weil sie immer wieder an Standesunterschieden, religiösen Gegensätzen und politischen Intrigen zu zerbrechen droht, wirken die Beziehungen besonders intensiv. Die Liebesgeschichten sind nie kitschig, sondern glaubwürdig und emotional erzählt. Sie geben der Handlung Wärme und Menschlichkeit und sorgen dafür, dass man mit den Figuren bis zum Schluss hofft, leidet und mitfiebert.

    Für mich ist Das Fundament der Ewigkeit ein fesselnder, kluger und emotionaler Historienroman, der Geschichte lebendig werden lässt. Ein absolutes Highlight und für mich einer der besten Romane von Ken Follett.

  16. Cover des Buches Tyll (ISBN: 9783499268083)
    Daniel Kehlmann

    Tyll

    (321)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Wer bei dem furiosen Auftakt noch gedacht hatte, dass ein solches Niveau wohl nicht durchzuhalten sei, reibt sich am Ende der Lektüre verwundert die Augen: Ist das möglich? Welches vertiefende Lesen, welches Nachdenken über eine längst vergangene Zeit (30-jähriger Krieg) ist erforderlich, um so stilsicher, auf schwierigem Parkett, eine solche Geschichte zu erzählen, die so abstrus wie unterhaltsam, so voller Klamauk, bei immer auch vorhandenem Ernst (wenn auch meist mit einem Augenzwinkern), daherkommt? Wo Tod und Leben so nahe beieinander wohnen, dass sie nur durch eine solche Erzählweise einigermaßen zu ertragen sind. Es wird viel gelitten und viel gestorben in diesem aktuellen Roman von Daniel Kehlmann. Die Liebe wird in dieser Zeit noch etwas anders definiert, sie ist allerdings spürbar – trotz aller Wirrnisse. 

    Es ist dieser Schreibstiel voller Brillanz, makellos und hinterhältig zugleich, der diesen Roman auszeichnet. Mit dem allerdings Inhalte transportiert werden, die alles andere als elegant zu bezeichnen sind, eher abscheulich bis grotesk, teilweise oberhalb der Schmerzgrenze. Auch wenn damit zum Teil Nachdenkliches mitgeliefert wird und sogar neuere Erkenntnisse der Hirnforschung auftauchen: „Stattdessen [um vor lauter Hunger nicht immer nur an essbare Dinge zu denken] kann man ans Jonglieren denken, das sich nämlich auch in Gedanken üben lässt – man wird dadurch besser.“

    Man könnte den Inhalt dieses Buches allerdings auch anders sehen, beispielsweise so. Was passiert mit den historischen Ereignissen, wenn man die Handelnden zu tumben Hampelmännern degradiert, wenn die historischen Ereignisse verballhornt werden, nur um auf Seiten des Lesers Lacher (und damit Anhänger) zu generieren? Der größte Erfolg für denjenigen, der den Zeitgeist unterhaltsam trifft, wenn auch mit tiefsinnigem Nonsens? Zum Glück steht auf dem Buchdeckel „Roman“ und nicht Geschichtsbuch.

    (3.4.2018)

  17. Cover des Buches Interview mit einem Vampir, 1 Blu-ray (ISBN: 7321983000874)
    Anne Rice

    Interview mit einem Vampir, 1 Blu-ray

    (578)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    1976 erschuf Anne Rice einen faszinierenden und auch sinnlichen Roman, Interview mit einem Vampir. 1994 verfilmte Neil Jordan diesen grandiosen Stoff und erschuff eine eigene und Sog artige neue Welt. Lestat de Lioncourt wird von Tom Cruise wunderbar verkörpert und es ist eine seiner besten Rollen überhaupt. Er meistert den Spagat zwischen "Sex-Symbo", blutiger Vampir, Bösewicht und treuer Gefährte auf geniale Art und Weise und das Spiel seiner Augen ist hervorragend. Brad Pitt als Louis de Pointe du Lac hat eine scheue, verletztliche und liebenswerte Art und man fühlt, leidet und freut sich mit ihm immer mit. Die kleine Kirsten Dunst als Claudia ist einfach der Hammer und leider kann sie heute kaum noch etwas von diesem frischen, verzehrenden, traurigen und zerrissenen Spiel zeigen. Die drei zusammen bilden eine tolle Truppe und es ist eine tolle Kulisse mit der wir mit ihnen jagen dürfen. Der Journalist Daniel Malloy wird von dem hinreisenden Christian Slater verkörpert und sein Minenspiel ist einfach nur groß. Als Vampirleckerbissen gibt es Armand, verkörpert von Antonia Banderas! Ein toller und großartiger Film, der dem Buch vollkommen gerecht wird und mit einigen heißen, spannenden und faszinierenden Szenen aufwartet.


  18. Cover des Buches Herr Lehmann (ISBN: 9783442497577)
    Sven Regener

    Herr Lehmann

    (1.232)
    Aktuelle Rezension von: Eyad_Gahr

    Null Spannung: Es passiert gefühlt einfach überhaupt nichts. Man begleitet einen Typen, der kurz vor seinem 30. Geburtstag steht, durch seinen stinklangweiligen Alltag in Berlin-Kreuzberg. Keine packende Handlung, kein roter Faden - nichts, was einen irgendwie fesselt.

    Ewig lange Sätze: Der Schreibstil ist extrem anstrengend. Regener verliert sich in endlosen, verschachtelten Sätzen und pseudo-philosophischen Kneipen-Monologen, bei denen man am Ende des Satzes schon wieder vergessen hat, wie er angefangen hat.

    Wer ein Buch mit einer spannenden Story und gutem Lesefluss sucht, sollte um diesen Roman einen ganz großen Bogen machen. Absoluter Fehlkauf!

  19. Cover des Buches Der Glasmurmelsammler (ISBN: 9783596521418)
    Cecelia Ahern

    Der Glasmurmelsammler

    (419)
    Aktuelle Rezension von: Buecherliebe_19

    Auch wenn "Der Glasmurmelsammler" von Cecelia Ahern schon etwas älter ist, war es mir eine große Freude, dieses Buch zu lesen. Ich habe bereits mehrere Werke der Autorin verschlungen und bin immer wieder beeindruckt davon, wie sie scheinbar leichte Geschichten mit viel Gefühl und Tiefe erzählt. Auch dieses Buch entfaltet mit jeder Seite mehr Wirkung und regt intensiv zum Nachdenken an.

    Im Zentrum stehen Fergus und seine Tochter Sabrina. Fergus lebt nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim. Er ist körperlich eingeschränkt, leidet unter Gedächtnislücken und erinnert sich kaum an seine Vergangenheit. Nach der Wohnungsauflösung tauchen plötzlich einige Kartons mit persönlichen Gegenständen auf. Darunter eine sorgfältig geführte Murmelsammlung. Weder Sabrina noch ihre Mutter ahnten etwas von dieser Leidenschaft. Eine handgeschriebene Inventarliste lässt erkennen: ausgerechnet die wertvollsten Murmeln fehlen. Sabrina beginnt der Spur dieser Murmeln zu folgen und begibt sich damit auf eine Reise in das unbekannte Leben ihres Vaters.

    Die Geschichte wird in zwei miteinander verwobenen Handlungssträngen erzählt: Die Gegenwart schildert Sabrinas Suche nach den verschwundenen Murmeln und nach Antworten, während der zweite Strang in die Vergangenheit zurückführt und Fergus’ Leben von seiner Kindheit bis ins Erwachsenenalter beleuchtet. Diese Rückblicke zeigen, wie Fergus zu dem Menschen wurde, der er ist mit all seinen Widersprüchen, Geheimnissen und inneren Kämpfen.

    Cecelia Aherns Schreibstil ist wie gewohnt klar, einfühlsam, bildhaft und leicht zu lesen. Besonders gelungen finde ich die ruhige Erzählweise, die trotzdem fesselt. Auch humorvolle Momente sind geschickt eingestreut und lockern die eher ernste Thematik auf.

    Die zentrale Botschaft des Romans hat mich sehr berührt: dass es Mut erfordert, zu sich selbst zu stehen und seine Leidenschaften nicht zu verstecken und dass echte Liebe und Akzeptanz all unsere Ecken und Kanten mit einschließen. Außerdem, dass es Dinge gibt, die wir eigentlich nicht vergessen wollen und es daher wichtig ist, dass es Menschen gibt, die diese Erinnerungen stetig für uns am Leben halten.

    "Der Glasmurmelsammler" ist ein stilles, emotionales Buch mit viel Tiefe, dass mich noch lange beschäftigt hat. Eine klare Leseempfehlung für alle, die leise, aber eindringliche Geschichten lieben.

  20. Cover des Buches Schloss aus Glas (ISBN: 9783455012446)
    Jeannette Walls

    Schloss aus Glas

    (444)
    Aktuelle Rezension von: buchstaeblichverliebt

    📌 "Das Leben ist ein Drama voller Tragik und Komik." - S. 176

    Die Geschichte, vernachlässigter Kinder und vom Leben überforderter Eltern, schildert das Leben der Autorin selbst.

    Jeannette Walls schafft es so anschaulich und mit Witz und Wärme von den bedauernswerten Umständen in ihrer Kindheit zu erzählen, dass man fast glaubt man sei dabei gewesen und das ganze Überleben sei ein großes Abenteuer- auch wenn die Tragik der Handlung nicht verkennbar ist.

    Großartig. 


  21. Cover des Buches Der Junge muss an die frische Luft (ISBN: 9783492312394)
    Hape Kerkeling

    Der Junge muss an die frische Luft

    (391)
    Aktuelle Rezension von: SeverusNyssen

    Der Junge muss an die frische Luft“ ist nicht einfach nur eine Autobiografie, sondern eine liebevoll erzählte Erinnerung an die prägenden Jahre des jungen Hape Kerkeling. Von der ersten Seite an nimmt er seine Leser*innen mit in die Welt des Ruhrgebiets der 1970er-Jahre – eine Welt voller Currywurstbuden, Nachbarschaftsleben, rauer, aber herzlicher Menschen und einer Familie, die ebenso Halt wie Bruchstellen bereithält.


    Besonders beeindruckend ist, wie Kerkeling es schafft, kindliche Perspektive und erwachsene Reflexion miteinander zu verweben. Man liest von seiner frühen Begabung für Humor und Imitation, von ersten kleinen Auftritten vor der Familie, und spürt zugleich die Schattenseiten seiner Kindheit: die Depression und den viel zu frühen Tod seiner Mutter, die Leere, die dieses Ereignis hinterlässt, und die Suche nach einem Platz im Leben. Trotz dieser Schwere verliert das Buch nie seinen leichten Ton – es gibt immer wieder Szenen, die zum Schmunzeln bringen, weil sie mit feinem Humor und Selbstironie geschildert sind.


    Das Faszinierende ist, dass Kerkeling weder verklärend noch bitter schreibt. Er blickt ehrlich zurück, ohne zu urteilen. Gerade dadurch entsteht eine Nähe, die berührt: Man fühlt mit dem kleinen Hans-Peter, wenn er in der Enge der Wohnung nach Luft schnappt, aber auch, wenn er durch seine Fantasie ganze Wohnzimmer in Bühnen verwandelt.


    „Der Junge muss an die frische Luft“ ist ein Buch, das zeigt, wie aus Schmerz Kreativität wachsen kann, wie Humor zum Überlebensmittel wird und wie Erinnerungen – so traurig sie auch sein mögen – getragen sind von Liebe und Dankbarkeit. Es ist ein sehr persönliches Werk, das nicht nur Fans von Hape Kerkeling anspricht, sondern alle, die Geschichten über Kindheit, Verlust und die Kraft des Humors schätzen.


  22. Cover des Buches Die Briefeschreiberin (ISBN: 9783442303069)
    Virginia Evans

    Die Briefeschreiberin

    (129)
    Aktuelle Rezension von: Wortgedanken

    Sybil van Antwerp ist in ihren 70ern und schreibt Briefe an Menschen, die ihr etwas bedeuten - manche kennt sie, manche hat sie nie getroffen. Doch ein Brief liegt seit Jahren unvollendet in ihrer Schublade. Als ihre Sehkraft immer schlechter wird, beginnt Sybil, über ihr Leben, alte Entscheidungen und verpasste Chancen nachzudenken. Dabei tauchen Menschen und Erinnerungen auf, die sie längst hinter sich gelassen glaubte. Doch dann bringt ein Brief plötzlich etwas ans Licht, das Sybil lieber für immer verborgen gehalten hätte.


    Oh... Ich hab es so gern gelesen! Wirklich so gern! Obwohl der Roman „nur" aus diversen Briefen, Postkarten und E-Mails besteht, entsteht die Lebensgeschichte von Sybil. Und diese ist so traurig-schön. Mir wurde wieder bewusst - das Leben ist so kurz und es kann so viel passieren (Gutes wie Schlechtes). Überraschend kommen sogar die Highlands darin vor. Große Leseempfehlung von mir!

  23. Cover des Buches Wasser für die Elefanten (ISBN: 9783832164027)
    Sara Gruen

    Wasser für die Elefanten

    (937)
    Aktuelle Rezension von: aliceimbuecherland14

    Das Buch hat mich vor allem angesprochen, weil ich den Film kenne und nun das Buch zum Film lesen wollte. 

    Ich fand die Eindrücke des Zirkuslebens von damals sehr informativ. Die Sichtweise des Protagonisten in der Gegenwart hat mich berührt. 

    Die Liebesgeschichte fand ich toll und ist nicht ganz so gewöhnlich.

    Das Ende war für mich jedoch nicht so ganz rund, aber alles in allem eine lesenswerte Geschichte. 

  24. Cover des Buches Melody (ISBN: 9783257247886)
    Martin Suter

    Melody

    (347)
    Aktuelle Rezension von: Ron_Robert_Rosenberg

    Melody. Ein Name wie ein Gedicht. Passend für eine wunderschöne, gefühlvolle Frau, die bei anderen die empfindsamen Saiten der Zuneigung zum Schwingen bringt. Auch Nationalrat Dr. Stotz ist diesem Ohrwurm erlegen, der sich tief in sein Herz gebohrt hat. Aber das erfährt der Leser des gleichnamigen Buches "Melody" von Martin Suter, erschienen 2023 im Diogenes Verlag, erst nach kleinen Dosen der Enthüllungen. Am Anfang steht der Jung-Jurist Tom, der sein Glück gar nicht fassen kann, als er von Dr. Stotz beauftragt wird, gegen ein stattliches Honorar samt Privilegien dessen Nachlass zu ordnen. Der Auftraggeber hat nur noch wenige Monate zu leben. Doch für Tom stellt sich bald eine andere Tatsache heraus. Das eigentliche Geheimnis umrankt das Verschwinden der Verlobten Melody, kurz vor der Hochzeit mit dem deutlich älteren Nationalrat. War es freiwillig aus plötzlicher Furcht vor der Heirat eines viel älteren Mannes? Steckte die strenggläubige muslimische Familie aus Marokko dahinter? Handelte es sich gar um ein Gewaltverbrechen? Tom merkt, dass diese unerledigte Aufgabe das eigentliche Erbstück darstellt. Aus Faszination, Neugier und letztlich auch Hingabe zu dieser hinreißenden Vermissten beschließt er, in diesem Fall zu ermitteln. Zu Hilfe kommt ihm dabei auch Laura, die Großnichte und Alleinerbin von Stotz, die ihrem Großonkel ebenfalls gerne helfen möchte. Beide kommen sich während der Recherche näher. Tom wächst mit dieser Aufgabe, wird selbstsicherer und muss zunehmend feststellen, dass der knorrige und geradlinige Multimillionär Stotz es nicht immer genau mit der Wahrheit nimmt. Steckt er vielleicht sogar selbst hinter Melodys Verschwinden? Aber weshalb ist er dann so untröstlich, gerade im Angesicht seines baldigen Todes? Die Spuren führen nach Asien sowie Griechenland, zu Traumlandschaften und flüchtigen und treuen Bekannten. Was hatte Dr. Stotz dort hingezogen? Rein geschäftliche Umstände waren es jedenfalls nicht. Dazu gibt es zu viele Ungereimtheiten. Klar ist: Der Verlust der Liebe ist das beherrschende Thema. Ein Thema über den Tod hinaus. Denn das, was bleibt, wenn wir mal nicht mehr sind, ist das Band, das stärker zu sein scheint, als wir mit unserem Verstand begreifen können.

    Martin Suter gelang 2023 der Sprung auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste. Er ist ein Garant für feinsinnigen, einfühlsamen Stoff, gehobene Literatur und außergewöhnliche Konstellationen. Verlust ist das tragende Thema, das sich auch durch andere seiner Romane wie "Die Zeit, die Zeit" zieht. "Melody" ist ein Lesegenuss, der den Leser mit einem klasse "Sound" umschmeichelt, eine spannende Story bietet und mit starken Charakteren aufwartet.

    Die süße "Melody" bleibt mir noch länger im Ohr, mehr noch, sie durchdringt mein Leserherz und lässt mich gern an die gemeinsame Zeit zurückdenken, in der ich um das Leben der jungen Frau und die Kraft einer Liebe bangte.

    Mein Appell an Herrn Suter und das Diogenes-Team: Spielen Sie weiter auf dieser Klaviatur!

    Bewertung: 5 von 5 Sternen.

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