Bücher mit dem Tag "lebenslauf"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "lebenslauf" gekennzeichnet haben.

75 Bücher

  1. Cover des Buches Aufstieg und Fall großer Mächte (ISBN: 9783423280358)
    Tom Rachman

    Aufstieg und Fall großer Mächte

     (117)
    Aktuelle Rezension von: Duffy

    In einem kleinen Dorf in Wales betreibt Tooley Zylberberg eine schon fast bankrotte Buchhandlung zusammen mit Fogg, einem jungen Mann aus dem Ort. Es ist das vorläufige Ende einer unfreiwilligen Wanderschaft, die sie mit ihrem Vater begann, als der als Computerfachmann nur einjährige Engagements in aller Welt annahm.Eines Tages trat die exzentrische Sarah in ihr Leben, die sie in ihre Obhut nahm und später übernahm diese Rolle Humphrey, ein selbsternannter Exilrusse, in New York. Die wichtigste Person in ihrem Leben sollte aber Venn bleiben, der geheimnisvoll auftauchte, um dann gleich wieder zu verschwinden. Dennoch prägte er ihre Persönlichkeit wie kein Zweiter.

    In dieser Buchhandlung erhält sie nach Jahren eine Mail von einem Verflossenen, der ihre nebulöse Vergangenheit wieder zur Gegenwart macht. Es besteht die Chance, einige Wahrheiten zu erfahren.


    Rachmans zweiter Roman ist in erster Linie ein geschickt aufgebautes Konstrukt. Wie eine Zwiebel schält er den Kern über einen Zeitraum von 30 Jahren heraus, immer wieder Dekaden zurückgehend aus drei Zeitperspektiven. Das ist ein Kunstgriff, der ähnlich dem Cliffhanger, den Leser an den Stoff fesselt. Man kann diese Geschichte auch in einem Zug erzählen, um denselben Effekt zu erreichen, wenn man die Dramaturgie ein wenig verändert. Rachman hat aber einen anderen Weg gewählt und sich damit in Sicherheit gebracht, denn die Story ist zwar gut und vor allem gut erzählt, aber sie hat Schwächen. Die größte ist, dass nicht offenbar wird, worauf es am Schluss hinauslaufen soll. Die Dramaturgie lässt mehr Vermutungen offen, als z.B. der Titel der Geschichte verspricht. Einiges bleibt im Unklaren, die Kindheit Tooleys z.B., die einfach hin-und hergeschoben wird, ohne dass es behördliche Probleme gibt. Bis herauskommt, dass es hier nur um die Geschichte von Tooley geht, ist das Buch schon zu Ende. Natürlich lässt sich einiges „Hochgeistiges“ oder „Tiefgründiges“ hineininterpretieren, doch die wahren Ambitionen dürften unter dem Strich nur dem Autor bekannt sein.

    Wofür Rachman nichts kann, sind die Erwartungen, die man an ihn hat. Waren die „Unperfekten“ das Manuskript, dass den wohl größten Vorschuss des Literaturbetriebs einbrachte, ist natürlich auch dieser hier zum Erfolg verdammt, denn die Hype, die dem ersten Roman voranging, machte daraus einen Bestseller und der muss ja wiederholt werden. Es sind die Marktmechanismen, die heute aus einem Buch einen Erfolg machen und ob darüber jeder Autor glücklich ist, sei dahingestellt.

    Rachman ist ein überzeugender Erzähler, aber weder die „Unperfekten“ noch dieser hier haben das Zeug zum Klassiker. Es fehlt ihnen die Genialität, die einzigartige Handschrift und der letzte, aber entscheidende Esprit. Der Wiedererkennungswert im Stil des Schreibers. Es ist eine gute Geschichte, die gut erzählt ist, aber den Leser nicht zwingend zu einer Wiederholung der Lektüre treibt. Um es einfacher zu sagen: Ein Buch, das man lesen kann, aber das nicht nachhaltig wirkt.


  2. Cover des Buches Die Interessanten (ISBN: 9783832163396)
    Meg Wolitzer

    Die Interessanten

     (109)
    Aktuelle Rezension von: janaa

    "Die Interessanten" erzählt eine Geschichte vom Leben, von Freundschaft, Liebe, Trauer, Neid und Depressionen. Wir verfolgen die Leben von Jules, Ash, Cathy, Ethan, Goodman und Jonah über 40 Jahre. Vom Sommercamp in den 70igern bis zur Gegenwart. Sind dabei bei allen Höhepunkte, Schicksalsschlägen und den größten Tiefpunkten. Wir erleben wie aus Freundschaft Liebe wird, wie Freundschaften zerbrechen, wie sich Menschen auseinanderleben und doch ein Leben lang miteinander verbunden sind.

    Für mich hat sich die Geschichte unglaublich real und authentisch angefühlt. Die Protagonisten sind auf ihre Art liebenswert. Sie sind nicht perfekt, haben ihre Eigenheiten und treffen Fehlentscheidungen. Identifizieren konnte ich mich mit keinem so wirklich, dennoch hat mich ihre Geschichte berührt. Über manche Charaktere hätte ich gerne mehr erfahren, an einigen Stellen wollte ich sie einfach nur trösten und in den Arm nehmen, an anderen Stellen hätte ich sie am liebsten mal kräftig durchgeschüttelt. An dieser Stelle noch eine Triggerwarnung für das Thema Vergewaltigung, was sehr unsensibel behandelt wird! 

    Letztendlich beschreibt der Roman einfach das Leben, so (un-)interessant es auch sein mag. 

  3. Cover des Buches Zwei an einem Tag (ISBN: 9783036959375)
    David Nicholls

    Zwei an einem Tag

     (3.671)
    Aktuelle Rezension von: Jenny_Fabienne

    Das Buch hat mir unglaublich gut gefallen. Die beiden Hauptcharaktere werden sehr gut erklärt und bauen sich zu zwei Charaktern auf, mit denen man mitfiebern kann. Man kann sich extrem gut in die Geschichte hineinempfinden und die Liebe der beiden zueinander wird auch super toll erklärt. 

    Noch ein Tipp am Ende: Lest erst das Buch und schaut dann den Film. Ist immer besser ;)

  4. Cover des Buches Die drei Leben der Hannah Arendt (ISBN: 9783423282086)
    Ken Krimstein

    Die drei Leben der Hannah Arendt

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Sokratestochter

    "Am Leben zu sein und zu denken ist ein und dasselbe" 

    Es ist wirklich interessant den Lebensweg dieser starken Frau nachzuverfolgen. Ihr Leben ist eigentlich mehr als ein einziges, wie der Titel so treffend schon sagt. So viel wie diese Frau, erlebt nicht jeder. 

    Die Umsetzung als Graphic Novel finde ich besonders gut, um die Philosophie auch dem Laien näher zu bringen. Hannah Arendt erkennt man durch ihre grüne Kleidung auf jeden Bild sofort wieder und auch andere bekannte Denker ihrer Zeit werden aufgegriffen und in Verbindung gebracht. 

    Am meisten hat mich die Entwicklung der Beziehung zu Heidegger überrascht. Ich wusste bisher nicht viel über ihn, jetzt wurde mir allerdings deutlicher, wie wichtig es ist den Charakter hinter einer Philosophie zu kennen, um sie einzuordnen. 

  5. Cover des Buches Jane Eyre (ISBN: 9783458364252)
    Charlotte Brontë

    Jane Eyre

     (1.550)
    Aktuelle Rezension von: Julia79

    Ohne Frage ist dieses Buch ein Klassiker. Eine schöne Geschichte vom Waisenmädchen Jane, das eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich bringt und sich eigentlich nur eins wünscht - geliebt zu werden. Es geht um Sehnsucht und Selbstverwirklichung der jungen Frau im 19. Jahrhundert.

    In dem knapp 180 Jahre alten Buch passiert auf 600 Seiten an sich nicht viel und das wenige möchte ich zukünftigen Lesern nicht vorweg nehmen. Wirklich spannend zu lesen ist das Buch erst etwa ab der Hälfte.

    Ich muss zugeben, es hat mich nicht von den Socken gehauen. Die Sprache ist poetisch, anrührend, bildhaft ausgeschmückt, aber leider ohne besondere Raffinesse, wenn auch die Gedanken und gesellschaftliche Normen, die junge Frauen in dieser Zeit umgetrieben haben, gut zur Sprache gebracht werden. Die Form des Tagebuchs, die direkte Ansprache des Lesers fand ich dafür jedoch unpassend, denn die Darstellungen wären viel zu detailliert, Wort für Wort die Dialoge und die Umgebung bis ins Kleinste beschrieben. Es erschien mir nicht ganz rund. 

    Und dann diese Männer.

    In dem ganzen Buch kommen fast ausschließlich anstrengende, wenn nicht sogar verhaltensauffällige männliche Figuren vor. Und zwar nicht auf die Weise, dass ich dachte "das ist ja höchst interessant" sondern eher "du liebes Lieschen, tut das denn Not, sich so aufzuplustern?" Schmalztriefend, pathetisch, theatralisch... Das hat mir fast den Humor und Wortwitz der männlichen Hauptperson verleidet, die eigentlich echt toll ist! Ursprüngliche Dialoge, die in einen seitenlangen Monolog des Gegenüber ausarten, da hab ich teilweise augenrollend weitergeblättert. 

    Die absolute Stärke des Romans und das schriftstellerische Können von Charlotte Bronte liegt meiner Ansicht nach in den Zeichnungen der Charaktere, Aussehen, Wesenszüge und wie Janes Bezug und Gefühl zu ihnen ist. Die Hauptfigur Jane ist eine der stärksten und eindrucksvollsten Frauenfiguren, die mir zwischen zwei Buchdeckeln bislang begegnet sind, sie strahlt eine unglaubliche Präsenz aus.

    Alles in allem kein schlechtes Buch, aber auch kein Highlight. 

  6. Cover des Buches Der Medicus (ISBN: 9783898303453)
    Noah Gordon

    Der Medicus

     (413)
    Aktuelle Rezension von: black_horse
    Schon lange stand dieses Buch auf meiner Wunschliste, ist aber aufgrund immer neuer aktueller historischer Romane nie bis ganz oben gerutscht. Nun war er endlich fällig.

    "Der Medicus" entführt den Leser/Hörer in das 11. Jahrhundert. Der Junge Robert Cole verliert sehr früh seine Eltern und wird dann von einem Bader mitgenommen, bei dem er die ersten Grundzüge des Bader- und Chirurgen-Handwerks lernt. Für Rob ist es eine Berufung. Er will mehr lernen und hat einen großen Plan: Er möchte nach Persien reisen, um dort an der Universität Medizin von den großen Lehrmeistern der damaligen Zeit zu erlernen. Doch für einen Christen ist das ein scheinbar unmögliches Vorhaben. Er begibt sich auf eine gefahrvolle Reise und sieht sich großen Herausforderungen gegenüber.

    Sehr anschaulich beschreibt der Autor die Verhältnisse der damaligen Zeit. Der Hörer erfährt neben medizinischen Details - Rob interessierte sich u.a. für die sogenannte "Seitenkrankheit" - auch viel über religiöse Hintergründe. Dabei ist die Sprache gut verständlich und flüssig. Dem Sprecher Heikko Deutschmann gelingt es sehr gut, die Stimmung des Buches zu transportieren.

    Das Ende des Buches war relativ "seicht". Trotzdem konnte mich das Werk begeistern und macht neugierig auf die anderen Teile der Trilogie.
  7. Cover des Buches Léon und Louise (ISBN: 9783423253635)
    Alex Capus

    Léon und Louise

     (561)
    Aktuelle Rezension von: rkuehne

    Die Lebensgeschichte und Liebesgeschichte von Leon Le Gall, geboren um die Jahrhundertwende in Frankreich, spielt natürlich im 20. Jahrhundert, passt aber streckenweise so gut wie lange kein anderes Buch in unsere Zeit. Das Leben und Lieben Leons, der sich mit 17 in die gleichaltrige Louise verliebt, eine Liebe, die bis an ihr Lebensende hält und dennoch immer starken Widerständen ausgesetzt ist, ist geprägt durch die beiden Weltkriege. Vor allem die Zeit des zweiten Weltkriegs, Leon lebt als Polizeichemiker in Paris, einer besetzten Stadt in der alles gelähmt ist, aber weiterläuft. Zum ersten Mal hab ich bemerkt, dass unsere Corona-Situation, vor allem mit der Ungewissheit, wie lange sie noch anhalten wird, sehr nah an dem Kriegsszenario ist. Täglich sterben hunderte Menschen, das öffentliche Leben ist wie betäubt und trotzdem machen alle irgendwie weiter. Das ist nur ein Aspekt des insgesamt auch tollen Buches, hat mich aber sehr beeindruckt.

  8. Cover des Buches Die andere Welt (ISBN: 9783453360532)
    Julie Cohen

    Die andere Welt

     (41)
    Aktuelle Rezension von: LimitLess

    Peggy und Irving bekommen ein Baby. Es ist ein Mädchen. Sie nennen es Louise. Aber was wäre, wenn das Baby ein Junge geworden wäre? In einer Parallelwelt wird es ein Junge namens Louis und Julie Cohen geht den beiden Lebenswegen auf den Grund. Die Ausgangssituation ist gleich: Eltern, Freunde, Heimatort, Interessen, Merkmale im Aussehen. Aber die Fragen lauten: Worin unterscheiden sie sich? Wie verläuft die Erziehung? Welche Entscheidungen treffen sie? Wie behandelt das Umfeld die beiden aufgrund ihres Geschlechts? 

    Abwechselnd erzählt Cohen die Geschichten von Louise und Louis. Die sich wirklich in vielen ähneln, aber dann doch in einigen Aspekten anders sind. Getragen werden beide von einem großen Ereignis, das den beiden in ihrer Jugendzeit passiert ist, und um das ein großes Geheimnis gemacht wird. Dieses Geheimnis soll die Spannung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten, nur ich fand es leider etwas nervig, dass ich so lange immer nur mit Andeutungen hingehalten wurde. Das Buch hat einige Längen, es zieht sich. Erst zum Schluss wurde es für mich interessanter. 

    Die Verarbeitung der Geschlechterdifferenzen ist Cohen im Grunde gut gelungen. Überrascht hat sie mich aber nicht und vieles ist vorhersehbar. Sie bleibt meiner Meinung nach mit der Geschichte sehr an der Oberfläche und nicht immer konnte ich die Entscheidungen der Protagonist*innen dem Geschlecht zuordnen. Vieles wird so offensichtlich dargestellt und wenig steht zwischen den Zeilen. Mir fehlten die Raffinesse, die Komplexität des Themas und irgendwie auch die Originalität, auch wenn ich so ein Buchkonzept noch nie gelesen habe. Die Geschichte an sich bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.

    Die Themen, die die Autorin aufgreift, sind jedoch schwere Kost. Zu Verdauen gibt es eine schwere Krankheit, (sexuelle) Gewalt, Gaslighting, Missbrauch, Tod. Den Schreibstil fand ich angenehm zu lesen, trotz der Längen und den anderen Kritikpunkten, konnte mich Cohen doch irgendwann  abholen, sodass ich (nachdem ich mal den Anfang geschafft hatte) gerne gelesen habe. 


    Fazit

    Cohen erzählt die Geschichten von Louise und Louis, deren Ausgangssituation gleich ist, aber aufgrund ihres Geschlechts unterschiedliche Lebenswege einschlagen. Leider schafft Cohen es nicht, mich mit der Geschichte zu überraschen, sie bleibt mit ihren Charakteren und mit ihrer Idee an der Oberfläche. Das Konzept an sich war jedoch spannend, kommt aber leider nicht ohne Längen aus. Nichtsdestotrotz lohnt es sich durchzubeißen und Louises und Louis' Lebenswege zu verfolgen. Ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss. 

  9. Cover des Buches Südlich der Grenze, westlich der Sonne (ISBN: 9783832197070)
    Haruki Murakami

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne

     (1.052)
    Aktuelle Rezension von: Milaliebt

    Haruki Murakamis Durchbruchsroman, „Gefährliche Geliebte“ ist im Jahr 2002 erschienen. Die Erstübersetzung aus dem Englischen sorgte für reichlich Furore. Die saloppe Sprache, verdeutlicht etwa durch die explizite Darstellung der Sexualität, führte zum Meinungsstreit und anschließenden Auflösung des literarischen Quartetts. Sigrid Löffler bezeichnete dort den Roman wortwörtlich als literarisches Fast Food – eine Art primitives Druckerzeugnis zum Mitnehmen. Für Marcel Reich-Ranicki sei das Buch hingegen ein Meisterwerk erotischer Erzählkunst.

    Die Zweitübersetzung des Werkes ist unter dem Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ im Jahr 2013 herausgekommen. Dieses Mal hat Ursula Gräfe die tragische Liebesgeschickte direkt aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt.

    In dem Roman geht es um Hajime, welcher als Einzelkind inmitten von Familien mit mehreren Kindern in einem japanischen Vorort aufwächst. In seiner Kindheit freundet er sich mit Shimamoto an – genauso ein Einzelkind und zudem noch gehbeeinträchtigt. Beide fühlen sich als Außenseiter in ihrer Gesellschaft. Mit ihr hört er Schallplatten, hält Händchen und philosophiert über die Zukunft. Sie scheint sein Ausweg aus der Einsamkeit zu sein. Nachdem Hajime im Alter von zwölf Jahren umzieht, verlieren sich beide allmählich aus den Augen. Es folgen eine Vielzahl von Beziehungen. Mal sind die Beziehungen schüchtern-platonisch, ein anderes Mal exzessiv-sexuell. Immerzu denkt Hajime an Shimamoto. Mit Ende dreißig ist er beinahe glücklich verheiratet, hat zwei gutlaufende Jazz-Bars in Tokio und zwei kleine Töchter. Als seine Kindheitsgeliebte nach Jahrzehnten in seiner Jazz-Bar auftaucht, steht sein Leben Kopf. Seither erscheint sie immer wieder an regnerischen Abenden, woraufhin sie im nächsten Moment wieder geheimnisvoll und ungreifbar verschwindet. Für Shimamoto ist Hajime bereit sein bisheriges Leben aufzugeben und komplett neu anzufangen, doch gelingt es ihm?

    Der neue Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ ist ebenfalls direkt aus dem japanischen Original  übersetzt und erscheint passender als der Titel „Gefährliche Geliebte“ aus der Erstübersetzung. Ein Teil des Romantitels bezieht sich auf Nat King Cole´s Jazz-Lied „South of the Bourder“, wobei unklar ist, ob Nate King Cole dieses Lied je wirklich aufgenommen hat. 

    Der Schreibstil von Haruki Murakami ist schlicht und nüchtern gehalten. Im Gegensatz zur Erstübersetzung ist „Südlich der Grenze, westliche der Sonne“ sprachlich und stilistisch viel sorgfältiger, feinfühliger und zurückhaltender ausgearbeitet. Die Höflichkeitsrede „Shimamoto-san“ wird bei der Neuübersetzung komplett weggelassen, sodass das Verhältnis zwischen Hajime und Shimamoto weniger distanziert wirkt. Die vom literarischen Quartett kritisierte Darstellung der Sexualität an folgender Stelle: „Ich wollte sie bis zur Hirnerweichung vögeln“ wird mit „[Wir] hatten so wilden Sex, dass uns das Hirn schmolz“ abgemildert. 

    [Die folgenden Absätze enthalten Spoiler!]

    Durch die Ich-Perspektive entsteht ein detailliertes Bild von Hajime und seinem Werdegang Diese Erzählart lässt Hajime aber nicht als sympathischen Charakter auftreten. Das muss er aber auch nicht sein. In seinen dreißiger Jahren verkörpert er einen archetypischen Großstädter, der mithilfe seines Schwiegervaters, einem reichen Bauunternehmer, zwei Jazz-Clubs eröffnet. Auf Drängen investiert er seine Einnahmen in die Börse und in Immobilien, wodurch er schnell an Geld kommt. Hajime passt sich immer mehr der Gesellschaft und dem dazugehörigen Nachkriegskapitalismus an, obwohl er eigentlich aus ihr herausbrechen möchte. Trotz Familiengründung und gewonnenem Reichtum bleibt Hajime unerfüllt. Er hat das Gefühl, dass ihm etwas fehlt und er keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Motive der Melancholie, Einsamkeit und Sehnsucht ziehen sich durch das gesamtes Werk. 

    Bis auf seine Kindheitsgeliebte bekommen Frauen aus seinem Leben wenig Raum eingeräumt. Sie scheinen wortwörtlich als Lückenfüller zu fungieren. Shimamoto wird dagegen von Hajime seit seinen Kindheitstagen idealisiert. Sie scheint für ihn der einzige Weg aus seiner Einsamkeit zu sein. Shimamoto wird zur autonomen Herrscherin über Hajimes Gefühle. Dabei weiß dieser nichts über die Hintergründe ihres späteren Lebens. Stattdessen hält er an den Erinnerungen seiner Kindheit fest. Ob das Auftauchen von Shimamoto der Wirklichkeit entspricht oder eine Illusion von Hajime verbleibt, wird bis zum Schluss nicht aufgelöst. Hierbei kommt Murakamis Hang zum Fantastischen durch. Genauso führen viele Nebenhandlungen ins Leere, was manchen wohl unbefriedigt zurücklässt. 

    Letztlich ist Murakamis Werk „Südlich der Grenze, westliche der Sonne“ eine tragische japanische Liebesgeschichte, die auf einer leisen und verträumten Art und Weise erzählt wird. Wer kein Problem damit hat, dass die Erzählung viel Interpretationsraum lässt, sollte unbedingt einen Blick ins Buch werfen.

  10. Cover des Buches Geister (ISBN: 9783492311984)
    Nathan Hill

    Geister

     (123)
    Aktuelle Rezension von: katzenminze
    Es ist eine Krux mit besonders dicken Büchern: Eben weil sie so dick sind bleiben sie oft lange ungelesen. Wenn man dann aber mal zu einem greift, ist es meistens ein besonders gutes Buch. So war es auch bei Geister.

    Als Samuel elf Jahre alt ist, verlässt ihn seine Mutter. Erst Jahre später – er ist mittlerweile Dozent für Literatur – hört er ganz unerwartet wieder von ihr. Sie soll einen populäern konservativen Politiker angegriffen haben und ist an einen außergewöhnlich harten Richter geraten. Warum dieser Angriff? Was steckt hinter den Gerüchten von Prostitution und Radikalität? Und warum ist sie damals überhaupt so plötzlich aus seinem Leben verschwunden? Gezwungenermaßen begibt sich Samuel auf eine Reise in seine und ihre Vergangenheit und kommt langsam den Ereignissen auf die Spur, die ihrer beider Leben so stark geprägt haben.

    Besonders gefallen haben mir die Passagen aus Samuels Kindheit mit Bishop und Bethany. Aber auch Pwnage und die Onlinespielewelt von Elfscape oder Laura Pottsdam waren jedes Mal ein kleines Highlight. Hier hat Nathan Hill auf subtile Art großen Humor bewiesen: Lauras Rechtfertigungen vor sich selbst oder ihre Diskussion mit Samuel waren Gold wert. Ebenso Pwnages Besuch im Biosupermarkt und seine zum scheitern verurteilten Lebenspläne. Ich musste des öfteren Schmunzeln, mochte aber auch Hills Art die beide nicht lächerlich zu machen, sondern durch ihre Schwächen eben besonders menschlich.

    Was diesen Roman so mitreißend und abwechslungsreich macht, sind die vielen Erzählebenen: Wir lesen über Samuels aktuelles Leben mit all seinen Problemen und Unsicherheiten aber auch über seine Kindheit seine jüngere Vergangenheit. Wir lernen Pwnage kennen und Profigeigerin Bethany. Wir folgen Samuels Mutter Faye in ihre Kindheit und ihre Teenagerjahre in den 60ern, erleben den krassen Kontrast von propagierter Freier Liebe und der Realität mit verschämten Annäherungsversuchen und einer seltsamen Verklärung des weiblichen Körpers, der unter allen Umständen rein und sauber gehalten werden muss. Wir hören norwegische Mythen von Hausgeistern und bekommen Einblick in die sehr eigene Gedankenwelt einer Collegestudentin. Und wir bekommen einen sehr lebendigen Einblick in die '68er Protestbewegung in Chicago bis zu ihrem gewaltsamen Höhepunkt am Parteitag der Demokraten.

    Nathan Hill spielt bei alldem wunderbar mit dem Thema Entscheidungen: War die Entscheidung richtig, die man in einem bestimmten Moment getroffen habe? Und was, wenn ich merke, dass sie falsch war? Auch, wie die Entscheidungen der Eltern oder Großeltern das eigene Leben, ja das große Ganze beeinflussen. Wie weit muss man zurückgehen um etwas in Ordnung zu bringen?

    Diese Gedankenspiele passieren ganz nebenbei. Ich war erstaunt wie leichtgängig dieser Roman war, der ja eigentlich einen verlassenen Sohn und seine Mutter zu seinem Hauptthema macht. Aber Hill mischt so viele Themen, so viele Leben, dass einem nie langweilig wird. Mal nachdenklich, mal ironisch, mal traurig, mal lustig führt er durch diese bunte Geschichte über Familie, Verlust, Erwachsenwerden und Vergangenheit. Ein wunderbarer Roman, dessen Figuren ich sehr lieb gewonnen habe und der alle Leser mit einer Vorliebe für weitschweifige amerikanische Familienromane ebenso begeistern dürfte wie mich.
  11. Cover des Buches Eis (ISBN: 9783442483174)
    Ulla-Lena Lundberg

    Eis

     (59)
    Aktuelle Rezension von: elmidi

    Was für ein tolles Buch! 

    Wer Action braucht und atemlose Cliffhanger am Ende jeden Kapitels ist hier falsch!

    Hier sind es die Worte, die in aller Langsamkeit und Gründlichkeit das Bild einer grandiosen Landschaft auf den Örar-Inseln malen. Hier tritt der junge Pfarrer Kummel mit seiner Frau und einer Tochter seine erste Pfarrersstelle an. Seine Frömmigkeit trifft auf Antworten in dieser Landschaft, er findet die richtigen Worte und das richtige Verständnis für die BewohnerInnen dieser Inseln, die ihn schließlich in ihr Herz schließen. Aber nichts bleibt so, wie es ist, ganz unvorhergesehen wendet sich das Leben radikal.

    Fürs Lesen sollte man Zeit mitbringen und die richtigen Schwingungen, vielleicht auch nicht kirchenfeindlich sein, am besten sogar evangelisch. Aber dann findet man in diesem Buch einen wahren Schatz an Gedanken und Bildern, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern, aber auch genausogut Tränen.

  12. Cover des Buches Saturday (ISBN: 9783257236279)
    Ian McEwan

    Saturday

     (255)
    Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkond

    Der Neurochirurg Henry Perowne führt ein glückliches Leben in seinen besten Jahren. Er hat eine erfolgreiche Tochter, einen Sohn, der seinen eigenen Lebensweg geht, eine Frau, die er über alles Liebt und einen Job, in dem er aufgeht. Es ist Samstagmorgen, und Henry freut sich auf ein Squashspiel mit seinem Freund und Arbeitskollegen. Doch es ist kein normaler Samstag. Es sind unruhige Zeiten und in Henrys Heimatstadt London findet am 15. Februar 2003 die größte Friedensdemo seiner Zeit statt. Und dann ist da noch die Begegnung mit einem Fremden, die sich im Laufe des Tages zu einer Katastrophe auszuwachsen droht, und sein Leben für immer prägen wird. 

    Der Schreibstil von Ian McEwan ist sehr außergewöhnlich, und ich glaube nicht für jede und jeden geeignet, aber ich fand ihn einfach fantastisch. Er ist wunderbar atmosphärisch und beschreibend, genau was ich mag. Jedes noch so kleine Detail im Tagesablauf von Henry scheint von Bedeutung. Beeindruckend fand ich an der Geschichte, dass sich alles innerhalb von 24 Stunden abspielt, von 4 Uhr morgens am 15. Februar, bis 4 Uhr morgens am Tag danach, ohne, dass es dabei langweilig wird. In Rückblenden erfährt man vom Leben der Familie - wie sie zu der wurde die sie heute ist. Die Protagonisten sind wunderbar beschrieben und Henry war mir sehr sympathisch. Der Autor hat es sogar geschafft, dass auch die Nebenfiguren, wie beispielsweise das junge Mädchen im Krankenhaus oder Henrys Squashkollege, nicht einfach nur blass wirkten, sondern eine erstaunliche Tiefe in charakterlicher und politischer Weise haben. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, wurden in der Geschichte politische und gesellschaftsrelevante Themen angesprochen, die dem Buch einen besonderen Charakter verliehen. Interessant war für mich auch der Einblick in die damaligen Weltgeschehnisse, und was die Bevölkerung darüber dachte. Die Friedensproteste wirken auf mich zwar sehr interessant, aber auch ein wenig befremdlich, da ich mit meinen 17 Jahren definitiv zu jung für die damaligen Geschehnisse bin, und mir insofern kaum ein Bild der damaligen Lage machen konnte. 

    Alles in Allem ist das Buch sehr lesenswert und ich kann es wirklich weiterempfehlen, wenn man gerne tiefer gehende Geschichten mag, die einen zum Nachdenken über sich selbst und das Leben bringen. Saturday war mein erstes Buch von Ian McEwan und es wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. Ich hoffe, dass mir Der Zementgarten und Abbitte genau so gut gefallen werden. 

  13. Cover des Buches Vier Arten, die Liebe zu vergessen (ISBN: 9783492302531)
    Thommie Bayer

    Vier Arten, die Liebe zu vergessen

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Christian_Woehl
    Thommie Bayer ist, und das habe scheinbar viel zu lange übersehen, einer der besten deutschen Erzähler der Gegenwart und deshalb habe ich auch begonnen, nach und nach alles von ihm zu verschlingen. Bislang steht "Vier Arten, die Liebe zu vergessen" an der Spitze.

    Einzig der Titel ist vielleicht ein wenig irreführend. Ein Sachbuch erwartet man zwar aufgrund des Autors ohnehin nicht, aber die Handlung ist auch gar nicht so sehr auf das Beleuchten vier gescheiterter Liebesbeziehungen ausgelegt. Und das wiederum ist durchaus positiv. Denn sie kann vor diesem Hintergrund einerseits durch und durch romantisch bleiben, ohne andererseits jemals überladen oder gar kitschig zu werden.

    "Vier Arten, die Liebe zu vergessen" ist sowohl ein spannender - und dabei sehr ambivalenter und nie ausnahmslos sentimentaler - Blick zurück in die Schulzeit von vier einst unzertrennlichen Freunden, als auch ein Aufeinanderprallen von vier in der Folge vollkommen unterschiedlichen Entwicklungsverläufen, welches manchmal sehr erkenntnisreich und manchmal auch bloß wahnsinnig ernüchternd ist. Diese Authentizität bewahrt sich der Roman über seine gesamte Länge.

    Wenn er auch eigentlich eher eine Erzählung ist, wie Bayer es über all seine Romane selbst sagt. Denn auch wenn kein Ich-Erzähler eingesetzt wird, so ist doch die gesamte Handlung latent aus der Sicht von Michael, einem der vier Freunde erzählt. Dass er - als hoffnungslos romantischer, schüchterner Einzelgänger - dabei das eine oder andere sympathische Klischee bedient, ist angesichts seiner dennoch komplexen Persönlichkeit und Lebensgeschichte nicht weiter zu bemängeln. Es gibt einfach unzählige Gelegenheiten, mit Michael, der guten Seele des Romans und vor allem auch des Freundeskreises, zu leiden und sich zu freuen.

    Umrahmt wird die gesamte Handlung vom positivsten (am Anfang) und vom negativsten (am Ende) Aspekt. Da Letzterer allerdings den leider viel zu überladenen und hektisch abrundenden Epilog meint, bin ich geneigt, ihn bei der Bewertung außen vor zu lassen. Schließlich endet die Erzählung streng genommen vorher. Wer ihn, wie die meisten, dennoch liest, wird sich vielleicht ein wenig ärgern, dass er einfach zu viel zu wollen scheint.
    Der mit Abstand schönste Ausschnitt dagegen ist gleichzeitig der Grund für das Wiedersehen der vier alten Freunde: die Beerdigung ihrer ehemaligen Lehrerin zu Beginn, welche mich - und das ist bemerkenswert - zu Tränen gerührt hat. Nicht, weil sie so unendlich traurig war - das allein wäre sicherlich schon schwierig genug. Sondern, weil sie es vermag, dem Leser ein zufriedenes Lächeln unter die Tränen zu mischen - und das ist hier die wahre Kunst. Wer zur besagten Szene keinen so rechten Zugang zu bekommen vermag, sollte sich das zitierte Lied "The Parting Glass" in einer A-Capella-Version wie im Buch beschrieben anhören. Die Szenerie wird vermutlich wie von selbst vor dem geistigen Auge erscheinen.

    Fazit: "Vier Arten, die Liebe zu vergessen" ist gleichzeitig tieftraurig und wahnsinnig fröhlich. Es ist hoffnungslos romantisch aber niemals kitschig. Es ist eines der besten Werke von Thommie Bayer, das ich jederzeit wieder lesen würde.
  14. Cover des Buches Als das Leben vor uns lag (ISBN: 9783404177516)
    Care Santos

    Als das Leben vor uns lag

     (35)
    Aktuelle Rezension von: paradisehours
    Cover: Das Cover ist sehr hübsch und wirkt nostalgisch weshalb es sehr gut zum Buch passt. Leider fehlt mir der inhaltliche Bezug ein wenig. Vielleicht wäre ein anderes nostalgisches Bild besser gewesen.
    Charaktere: Die vier Mädels sind alle sehr gut ausgearbeitet. Man erkennt ihr Komplexität, die im Laufe des Buches immer mehr Form annimmt. Die Verschiedenheit ihrer Charaktere und Leben zeichnet ein ziemliches gutes Bild der Gesellschaft.
    Inhalt: Vier Mädchen die sich aus dem Internat kennen und nach der letzten Nacht nie wieder etwas voneinander hören. Unausgesprochen liegen die Geschehnisse der letzten Nacht zwischen ihnen. Nach all den Jahren beschließt eine von ihnen ein Treffen zu arrangieren und jede von Ihnen bringt ihre eigenen Probleme mit. Das Thema hat von Anfang an Spannung versprochen. Das Setting ist eher ruhig und unspektakulär, dafür sind die Gespräche umso spannender. Stück für Stück offenbaren sich die Frauen einander und finden dabei mehr über sich selbst heraus als sie dachten.
  15. Cover des Buches Von Mäusen und Menschen (ISBN: 9783423253970)
    John Steinbeck

    Von Mäusen und Menschen

     (318)
    Aktuelle Rezension von: NiWa

    Die Wanderarbeiter George und Lennie ziehen von einem Arbeitgeber zum nächsten.  Und manchmal sind sie regelrecht auf der Flucht. Denn Lennie streichelt gern, wobei er ständig seine Kraft unterschätzt. 

    "Von Mäusen und Menschen" ist ein amerikanischer Klassiker aus dem Jahr 1937, in dem John Steinbeck die Freundschaft von zwei Arbeitern beschreibt.

    George und Lennie arbeiten als Erntehelfer und gehen gemeinsam ihres Wegs. Dabei ist Lennie von seinem Freund George abhängig, weil er sein Verhalten und Verständnis für die Welt am besten einschätzen kann.

    Lennie ist stark wie ein Stier und von hünenhafter Erscheinung. Im Gegensatz dazu steht seine geistige Entwicklung, weil er eindeutig zurückgeblieben ist. Dieser Umstand bringt den Gefährten George und ihn ständig in Schwierigkeiten. Obwohl es der gutmütige Lennie nicht böse meint, verursacht er erheblichen Schaden. Außerdem steht der sanfte Riese auf Flauschiges: Seien es Kaninchen, Mäuse oder Haare - sobald es ein Fell hat, möchte er es streicheln. 

    George ist Lennies Schutzengel, sein Gefährte und er wacht so gut wie möglich über den Freund. Er schärft ihm Verhaltensregeln und Fluchtpläne ein, und hat dabei immer Gutes im Sinn.

    Als die beiden Freunde einen neuen Job anfangen, sehen sie sich ihrem Ziel nahe: Sie wollen ihre eigene Farm, wo sie die Herren sind. Doch diese Hoffnung gerät in Gefahr, weil sich Lennie nicht im Griff hat.

    Tragende Thematik ist der amerikanische Traum vom eigenen Grund und Boden. George und Lennie sehnen sich nach einer kleinen Farm, wo Lennie die Kaninchen versorgen darf. Außerdem ist Lennies Beeinträchtigung Dreh- und Angelpunkt des Geschehens wie auch der gesellschaftliche Umgang damit. 

    Erzählerisch orientiert sich Steinbeck eindeutig an Theaterstücken. Angeblich hat er dieses Werk auch als Schauspiel konzipiert, was man dem Roman durchaus anmerkt. 

    Der Spannungsbogen ist gigantisch. Vom ersten Moment an herrscht Unwohlsein. Man spürt, dass sich eine dunkle Wolke zusammenbraut. Bedrängnis zieht über die Seiten, und man erwartet, dass es jeden Moment ein Gewitter samt Hagel geben wird. 

    Neben der intensiven Leseerfahrung, was die Freundschaft und die beinah unerträgliche Spannung angeht, sind es Steinbecks Naturbeschreibungen, die plastisch und greifbar sind. Ich fühlte mich als ob ich neben George und Lennie am Fluss säße und gemeinsam über den nächsten Schritt nachdächte.

    „Von Mäusen und Menschen“ ist - trotz der geringen Seitenzahl - ein ganz großer Roman. Die Geschichte ist packend, intensiv und dermaßen traurig, dass man alle Hoffnung fahren lässt. 

    Wer sich an Steinbeck versuchen will, ist „Von Mäusen und Menschen“ unbedingt zu empfehlen. Große Träume, eine bewegende Freundschaft und eindrucksvolle Beschreibungen runden diesen Roman zu einem bedeutenden Werk amerikanischer Literatur ab. 

  16. Cover des Buches Die ersten Bewerbungen für Schüler und Studierende (ISBN: 9783658262143)
    Tamara Schrammel

    Die ersten Bewerbungen für Schüler und Studierende

     (40)
    Aktuelle Rezension von: DerBlaueVogel

    Ich habe diesen Ratgeber gelesen und bewerte ihn mit 5 Sternen, da er im Großen und Ganzen sehr nützlich und hilfreich für mich war/ist/ bleiben wird.

    Wie die hohe Seitenanzahl vermuten lässt, werden verschiedenste Themen angesprochen. Eine Mindmap stellt den Aufbau des Buches zu Anfang sehr gut dar; so kann man, wenn man möchte, gleich auf die relevanten Kapitel zugreifen. 

    Anders als bei den meisten Büchern werden die einzelnen Kapitel nicht am Ende, sondern am Anfang gebündelt zusammengefasst. Dies hat mir gut gefallen, weil ich durch diesen Überblick entscheiden konnte, ob das jeweilige Kapitel für mich von Relevanz ist, oder nicht. 

    Im Allgemeinen würde ich jedoch dazu raten, alle Kapitel zu lesen. Durch die vielen Themenbereiche sollte für jeden etwas dabei sein. 

    Ich habe mich zum Beispiel am meisten über kostenlose Vorlagen, die man sich downloaden kann, gefreut. 

    Der Schreibstil ist einfach verständlich und durch Beispiele und Erfahrungen der Autorin auch persönlich. 

    Ich fühlte mich sehr gut beraten und auf den Bewerbungsprozess und seine Vorbereitungen gut vorbereitet, weshalb ich diesen Ratgeber guten Gewissens empfehlen kann. 

  17. Cover des Buches Der seltsame Fall des Benjamin Button (ISBN: 9783730603444)
    F. Scott Fitzgerald

    Der seltsame Fall des Benjamin Button

     (203)
    Aktuelle Rezension von: _AveryAnn_

    -Klappentext- 

    Die Buttons erwarten ein Kind- einen süßen kleinen Fratz. Doch als das Baby zur Welt kommt, kommt ein alter Mann mit Bart zum Vorschein und diese skurrile Geburt bleibt den Leuten auch nicht verborgen. Ein schweres Schicksal ist dem ‚kleinen‘ Benjamin Button auferlegt worden: Er durchläuft das Leben rückwärts und wird von Tag zu Tag jünger.

    Geprägt von einem einfachen Schreibstil, kurzen Seiten und einer besonderen Geschichte, war das Buch in einer Stunde durchgelesen!

    Die Idee des Autors ist zugleich so skurril als auch besonders und entführt den Leser auf eine spannende Reise Rückwärts ;)

    Auch wenn das Buch nur sagenumwobene 70 Seiten enthält, wurde die Geschichte nicht zu blass, zu oberflächlich oder zu kurz geschrieben, sondern sehr gewissenhaft, interessant und ‚echt‘ (so echt wie es nur sein kann ;) ) !

    Von diesem Buch bin ich wirklich sehr begeistert und werde auch das sogar noch beliebtere Buch des Autors ‚der große Gatsby‘ hoffentlich bald lesen! 

  18. Cover des Buches Als der Tag begann (ISBN: 9783453356634)
    Liz Murray

    Als der Tag begann

     (67)
    Aktuelle Rezension von: aliinaa1309
    In dem Buch "Als der Tag begann" geht es um das Leben von Liz. Sie wuchs in den 80er Jahren in der Bronx auf. Ihre Eltern - Drogenabhängig. Ihre Kindheit verläuft in Armut. Sie bekommt oftmals kein Essen auf den Tisch, zur Schule geht sie gar nicht mehr und sie selbst verdreckt. Sie lernt in jungen Jahren neue Freunde kennen sogar ihre erste große Liebe. Aber mittlerweile geht es der Mutter schlechter und schlechte bis sie letzten Endes an Aids stirbt. Liz wurde teilweise sogar obdachlos aber der Tod ihrer Mutter macht bei ihr Klick und sie versucht ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Letzten Endes schafft sie es auf die berühmte Harvard University zu kommen.

    Vorweg muss einmal gesagt sein, dass ich ein totaler Krimi und Thriller Liebhaber bin und somit zunächst eigentlich nichts mit dem Buch anfangen konnte. Die Geschichte klingt wirklich überspitzt, unrealistisch und klischeehaft. Und ich gebe zu: Sie entspricht auch all dem. Wieso dann eine 5 Sterne Bewertung? Weil die Autorin (das Buch ist übrigens eine Autobiographie) diese Story wunderschön rüberbringt. Da sie das alles ja auch wirklich erlebt hat, gelingt es ihr eine authentische Geschichte über das Leben dar zu stellen. Es wurde alles sehr interessant dargestellt und zum Beispiel den an ihr nagende Hunger konnte ich anhand der detailreichen Beschreibung fast selbst schon spüren. Man kann den Gedankenzügen von Liz gut folgen, selbst wenn man etwas anderes getan hätte. Liz selbst machte au mich zwar einen sogar eher fast schon unsympathischen Eindruck aber mit dem schönen Schreibstil der Autorin machte es mir nichts aus. Das Buch lädt dazu ein sich selbst eine Meinung über alle Geschehnisse zu bilden was äußerst Positiv ist. Außerdem lernt man vieles über Sachen die man vorher nicht gewusst hat. Ehrlich gesagt kann ich über dieses Buch gar nicht so viel mehr Worte verlieren da es mich einfach sprachlos im positiven Sinne gemacht hat.

    Aber alles hat auch seine negativen Seiten. Hier in der Lektüre sind diese aber wenig vertreten. Zum einen ist die "Balance" des Buches schlecht gewählt. Liz Kindheit wird auf 300 von ca 450 beschrieben. Ihr Leben in Harvard hingegen wird nur im Epilog erwähnt. Die Liebesgeschichte mit Carlos zeiht sich über Seiten aber im Endeffekt tut diese nicht viel zur Sache. Die Liebesgeschichte mit James hingegen, die viel schöner verläuft und ihre wirkliche Liebe ist, wird nur am Rande erwähnt. Es erscheint der Eindruck als wäre das Ende schnell hingegkritzelt worden sein.
    Außerdem klingt dieses Buch meiner Meinung nach fast schon übertrieben. Die Situationen werden melodramatisch überzogen. 
    Aber das sind kleine Kritikpunkte die, die schöne Geschichte nicht unbedingt schlechter machen sondern einfach nur Geschmackssachen sind.

    Insgesamt eine wunderschöne Geschichte die aber eher für gefühlsvollere Menschen geeignet ist. Alles in allem aber kein Must-Read.

  19. Cover des Buches Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig? (ISBN: 9783462049121)
    Dave Eggers

    Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?

     (27)
    Aktuelle Rezension von: rkuehne

    Ein hölzernes Kammerspiel auf einem verlassenen Kasernengelände. Thomas, Mitdreißiger in einer Lebenskrise holt nach und nach einen Astronauten, Abgeordneten, Polizisten, seine Mutter, einen Lehrer und eine Krankenschwester in eine der Kasernen, fesselt sie an einen Pfeiler und beginnt ihnen Fragen zu stellen um ihre jeweilige Schuld an seinem verkorksten Leben zu belegen. Der „gewaltlose“ Amoklauf auf der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft ist vom Ansatz her gut, könnte Wutbürger, soziale Scheren und viele andere Gesellschaftliche Probleme personalisieren, ist aber sprachlich wenig ambitioniert und teils zu moralisch und hinterlässt mich am Ende rat- und lustlos.

  20. Cover des Buches Tod eines Handlungsreisenden (ISBN: 9783596270958)
    Arthur Miller

    Tod eines Handlungsreisenden

     (54)
    Aktuelle Rezension von: Matalina85
    Viel und nichts hat sich geändert in der amerikanischen Wirklichkeit, seit der 'Handlungsreisende' zum ersten Mal seine Musterkoffer auf die Bühne schleppte. Entlassen würde er heute wohl früher als mit 63, Biff wäre auch mit 32 noch arbeitslos, wenn er den Wettkampf mit seinem Nächsten ablehnt, ein Haus abzuzahlen dauert länger als 25 Jahre, und mit 40 Dollar die Woche käme keiner mehr über die Runde. Und doch gibt es den amerikanischen Traum noch, den Traum, dass jeder es zur Nummer Eins bringen kann. Obwohl wir ihn durchschauen, verhalten wir uns noch danach. Ich habe dieses Buch damals in der Schule lesen müssen, aber im Gegensatz zu den bisherigen Schullektüren fand ich dieses Buch sehr interessant. Erzählungen gibt es keine. Das gesamte Buch ist wie ein einziges Gespräch aufgebaut und sehr tragisch wie die Inhaltsangabe schon unter Beweis stellt. Fazit: Wenn es in der Schule auseinander gepflückt wird, macht es weniger Spaß dieses Buch zu lesen, aber wenn man es sich nach ein paar Jahren mal wieder hervorholt, ist es ein kurzes Lesevergnügen wert.
  21. Cover des Buches Kleinhirn an alle (ISBN: 9783837148220)
    Otto Waalkes

    Kleinhirn an alle

     (16)
    Aktuelle Rezension von: HubertM

    Alles Otto, alles gut. Im wahren Leben wie im Buch.

  22. Cover des Buches Narziß und Goldmund (ISBN: 9783518471234)
    Hermann Hesse

    Narziß und Goldmund

     (687)
    Aktuelle Rezension von: _AveryAnn_

    -Klappentext- 

    Der junge Novize Narziss ist in dem Kloster Mariabronn aufgewachsen, durch sein großes Verständnis für die Wissenschaft bei den Gelehrten beliebt und gibt sich gegenüber anderen sehr stolz und hochmütig. Dann taucht Goldmund auf, welcher von seinem Vater in das Kloster gebracht wird, und zwischen den beiden entsteht eine besondere wenn auch komische Freundschaft. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Der eine ein Denker, der andere ein Träumer. Goldmund ist von Narziss angetan, fühlt sich zu ihm hingezogen und versucht ihn nachzueifern. Er scheitert jedoch und Narziss überzeugt und erklärt ihm, dass Goldmund für ein Leben im Kloster nicht bestimmt ist und dieser begibt sich daraufhin auf Wanderschaft und zieht die Kunst dem Klosterleben vor. Es folgt ein intensives Leben, geprägt von Liebe und Lust, aber auch Leid, Pest, Krieg und Einsamkeit.

    Nun habe ich bereits das dritte Buch von Hermann Hesse zu Ende gelesen und bin wieder mal total außer mir! Seine philosophischen Werke sind so besonders und dieses Werk umfasst diverse Themen wie die Analyse des Menschen und die Gegensätze der Individuen, wobei zwei ganz unterschiedliche Lebensweisen dabei verglichen und betrachtet werden- eine Geschichte voller Unterschiede!

    Hesse‘s Schreibstil war mal wieder einfach großartig und ich freue mich jedes Mal aufs Neue, die in Vergessenheit geratenen älteren Wörter in meinen Wortschatz aufzunehmen und zu benutzen ;) !

    Mein liebstes Zitat aus dem Buch (S. 44/45) -anders formuliert : 

    „Es ist nicht unsere Aufgabe einander näherzukommen oder ineinander überzugehen, sondern, so wie Sonne und Mond, einander zu erkennen und zu ergänzen- wie ein Gegenstück.“ 

    Dieses Zitat spiegelt haargenau die Menschen wieder: Alle Individuen so voller Unterschiede- die einen sind Denker und Wissenschaftler, die anderen Künstler und Träumer- und doch ergänzen sie sich und brauchen den jeweils anderen. Ohne den einen, existiert der andere nicht.

    Genauso wie Narziss und Goldmund: Beide von Grund auf verschieden mit anderen Lebensvorstellungen, doch ergänzen und profitieren sie auch von sich. Goldmund hat Narziss die Kunst nähergebracht und Narziss Goldmund den Gehorsam und Gott. Der Geistesmensch hat von der Lebensart des Sinnenmenschen profitiert.

    Beide sind ihren Weg gegangen, haben ihre Lebensvorstellung erfüllt und am Ende trotz ihrer Unterschiede wieder zueinander gefunden.

    Narziss hat Goldmund geholfen seinen Lebensweg zu entdecken und Goldmund hat Narziss geholfen seinen Lebensweg anders zu betrachten.

    Beide so unterschiedlich und doch so gleich. 


  23. Cover des Buches Wir fliegen (ISBN: 9783596511334)
    Peter Stamm

    Wir fliegen

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    12 Erzählungen aus der Feder des bedeutenden Schweizer Schriftstellers; wie bei fast allen Kurzgeschichtensammlungen finden sich auch hier Exemplare von unterschiedlicher Qualität, wobei die hochwertigen Stories bei Stamm deutlich überwiegen.
    Seine nüchtern wirkende, aber durchdachte und auf das Nötigste reduzierte Sprache ist das Hauptmerkmal dieses Schriftstellers. Damit beleuchtet er menschliche Schicksale, Momentaufnahmen der Gesellschaft, oft mit offenem oder eher nachdenklich machendem Ende; die optimistischen Geschichten sind bei ihm stets deutlich in der Unterzahl.
    Stamms Werke zu lesen ist definitiv immer ein Gewinn, sowohl sprachlich als auch menschlich-psychologisch. Man fühlt mit seinen Figuren mit.

    Meine fünf Favoriten dieser Sammlung:

    1. Im Alter
    2. Der Brief
    3. Wir fliegen
    4. Die Erwartung
    5. Drei Schwestern

    Fazit: Ein lohnenswerter Kurzgeschichtenband mit Plots, die unaufgeregt und in einer klaren, minimalistischen Sprache von menschlichen Schicksalen erzählen.
  24. Cover des Buches Grand Tour (ISBN: 9783453419780)
    Steffen Kopetzky

    Grand Tour

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Sabse
    Steffen Kopetzky kann schreiben - und wie! Das beweist er mal wieder in diesem großartigen Roman, der als Neuauflage aus dem Jahr 2002 erscheint. Ausgestattet mit einer sehr hilfreichen (!) Karte begleitet man den Architekturstudenten Leo Pardell auf seiner Reise als Schlafwagenschaffner durch Europa. Es wundert nicht, dass man auf dieser Reise zahlreichen, unterschiedlichsten Menschen begegnet. Herausstechen tut allerdings Baron Reichhausen, der nach Herzenslust Uhren sammelt und gerade auf der Jagd nach einer verschwundenen mechanischen Uhr ist.


    Die beiden Protagonisten begegnen einander im Laufe des Buches immer wieder. Auf fulminante Weise verwebt Kopetzky die Handlungsstränge und überrascht den Leser immer wieder mit neuen Einfällen und Wendungen. Ein großartiges Buch!

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