Bücher mit dem Tag "lebenswerk"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "lebenswerk" gekennzeichnet haben.

54 Bücher

  1. Cover des Buches Die dunkle Seite des Mondes (ISBN: 9783257233018)
    Martin Suter

    Die dunkle Seite des Mondes

     (670)
    Aktuelle Rezension von: janaobrist

    Das ist jetzt  das 2. Buch das ich von Martin Suter gelesen habe. Ich weiss nicht ob ich das, oder das letztere als besser bewerten könnte. Ich finde das Buch hat wie gesagt eine ganz eigene Energie. Damit meine ich, dass wenn man liest in eine Welt eintaucht die sehr mystisch, dunkel und auch ein wenig eigenartig wirkt. Ich hatte recht Probleme in das Buch reinzukommen. Wie beim letzten mal finde ich, dass sehr viele verschieden, gleichklingende Namen vorkommen und es schwierig ist da den Durchblick zu behalten. Allgemein halte ich seine Bücher für recht anspruchsvoll zum Lesen. Es wird irgendwie immer davon ausgegangen dass man sich in dem Thema, indem sich das Buch befindet, auskennt. Viele Begriffe waren für mich unklar und das machte das Lesen nicht unbedingt angenehm. Der Protagonist war mir sehr unsympathisch, das lag daran dass er einfach ein richtiger Psycho war. Die ganze Geschichte ist schon ein wenig ein Psychothriller. Das machte dafür den Schluss echt spannend. Auch das ganze mit den Drogenpilzen war extrem spannend und ich habe wirklich was gelernt. Es ist sehr gut beschrieben und man kann es sich richtig gut vorstellen. Ich finde es ein wichtiges Thema und es hat mich schon recht aufgeklärt, ich hatte solche Pilze als recht harmlos im Kopf (da kommt es ja auch wieder auf die Sorte draufan). Aber ich bin jetzt schon ein wenig abgeschreckt. Die Storyline mit Lucille fand ich auch sehr gut, wegen dem habe ich auch anfangs weitergelesen, weil um ehrlich zu sein war es manchmal schon ein bisschen ein Kampf. Der ganze Schreibstil ist schon sehr trocken und manchmal viel zu aussführlich für mein Geschmack.

  2. Cover des Buches Steve Jobs (ISBN: 9783442744916)
    Walter Isaacson

    Steve Jobs

     (219)
    Aktuelle Rezension von: PhaedrusBold

    Einfach Wow.

    Bevor ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich nicht viel über Steve Jobs. Er hat Apple gegründet und es gibt dieses Video auf YouTube, als er das erste iPhone vorstellt.

    Deshalb hat mich dieses Buch umso mehr begeistert. Einfach unglaublich wie Steve Jobs die Welt geprägt hat und wo er überall seine Finger mit drin hatte.

    Verbunden mit einer sehr guten und auch sehr detaillierten Erzählweise des Autors ist dieses Buch einfach eine Pflichtlektüre in der heutigen Zeit. Auch wenn man, wie ich, ein Windows und Android Nutzer ist.

    Also das Buch ist eindeutig eine absolute Empfehlung!

  3. Cover des Buches Das Spiel des Engels (ISBN: 9783596512645)
    Carlos Ruiz Zafón

    Das Spiel des Engels

     (1.367)
    Aktuelle Rezension von: glasratz

    Während ich Der Schatten des Windes eines meiner Lieblingsbücher ist,  kann ich bei der Fortsetzung nicht mehr als zwei Sterne springen lassen. Dies hat drei Hauptgründe: Die einseitige Handlung, die übernatürlichen Elemente und zu guter Letzt den Film "Angel Heart" von 1987. Auch wenn vermutlich der letzte Punkt die meisten Ausführungen nötig hat, so möchte ich doch von Anfang an mit der Bewertung beginnen.

    Der erste Punkt ist vermutlich der Schwächste, denn er ist nur zu berücksichtigen, wenn man Der Schatten des Windes als Vergleich heran zieht. Ich tue dies, weil ich sehr wohl finde, dass sich eine Fortsetzung an ihrem Vorgänger messen lassen muss. Um so mehr, wenn dieser ein so grandioses Werk war. Der Schatten des Windes brachte dem Leser eine kleine Anzahl an sehr verschiedenartigen Charakteren mit ihren eigenen Geschichten, alle mit einer eigenen Stimmung - zumeist düster und melancholisch, doch nicht ohne den hin und wieder aufflammenden Funken an Humor. Das Spiel des Engels bietet so gut wie nichts dergleichen. Die Sicht auf die Geschehnisse wird auf den Blickwinkel des Protagonisten eingeengt.

    Die vielen Geschichten des ersten Teils vereinten sich am Schluss des Buches zu einer schlüssigen, wenn auch sehr unwahrscheinlichen und fast übernatürlichen Lösung. Dies ist im Spiel des Engels nicht der Fall. Das Buch bleibt dem Leser eine echte Erklärung schuldig, das Ende ist offen und die losen Enden der Geschichte flattern traurig im Wind. Mag sein, dass es oft ein gutes Stilmittel sein kann, zu verschleiern, was real ist und was der Fantasie des Protagonisten entspringt - jedoch nicht hier, nicht im Vergleich zum Schatten des Windes und nicht im Vergleich zu Angel Heart.

    Ja, Angel Heart. Der Titel ist bereits so ähnlich. Und so ist es auch mit dem einzigen Plotstrang, welcher mehr als andeutungsweise aufgeklärt wird - er ist zu einem nicht geringen Teil so weit identisch, dass jeder, der entweder das Buch oder den Film kennt, ab der Hälfte von beidem sagen können wird, wie der Hase läuft.
    Um zu sagen, Zafon hätte sich von diesem Film inspirieren lassen, sind die Ähnlichkeiten meiner Ansicht nach zu groß. Eher schon könnte man von einer Hommage reden - doch dann hätte sie nicht einen so großen Teil des Buches ausmachen dürfen.
    Kurz: Zafon hat abgekupfert. Ob bei dem Film Angel Heart mit (immerhin mit Rourke und DeNiro, als kein unabhängiger Nischenfilm, bei welchem es nicht aufgefallen wäre) oder direkt bei der Romanvorlage "Falling Angel" von William Hjortsberg aus dem Jahr 1978 ist relativ irrelevant. Ich schließe eher auf Ersteres, da verschiedene Kritiker im Internet zwar eine Nähe zwischen "Das Spiel des Engels" und "Falling Angel" erkennen, aber keine solchen vorwürfe erheben. Titel und Komposition lassen darauf schließen, dass es sich nicht um einen reinen Zufall handeln kann.

    Interessant finde ich, dass ich mir bereits beim Schatten des Windes -vor allem beim "Showdown"- dachte, dass sich der Autor wohl gerne eine Verfilmung wünschen würde, beschreibt er doch viele Szenen so, dass man meint, sie schon einmal in einem Hollywood-Film gesehen zu haben. Diese Vorstellung bleibt im ersten Band jedoch generell und ist mehr in Stilmittel - im zweiten Band leider nicht mehr.

  4. Cover des Buches Der Turm (ISBN: 9783453431614)
    Stephen King

    Der Turm

     (584)
    Aktuelle Rezension von: kleine_welle

    Die Zeit drängt, das Baby kommt. Jake und Pere Callahan versuchen Susannah zu finden und Eddie und Roland sind auf dem Weg zur nächsten Tür um wieder nach Mittwelt zu gelangen. Die Such nach dem Turm nähert sich für das Ka-Tet dem Ende entgegen.

    Tja, zu dem Cover kann ich nichts besonders sagen, denn es ist wieder wie die anderen aus der Reihe glänzend, obwohl man hier ein paar Details besser erkennen kann.
    Nachdem ich Susannah beendet habe, habe ich mit dem letzten Teil der Reihe ziemlich schnell angefangen. Was auch gut ist, denn dieser setzt nahtlos an den Vorgänger an. Hat Susannah mit einem großen Cliffhanger geendet, wird man hier direkt ins Geschehen geschmissen und verfolgt den Weg der 4 (5 wenn man Oy mitzählt) zueinander und zum Dunklen Turm.

    Und die ganze Zeit schwebt eine böse dunkle Wolke (haha) über dem Ka-Tet. Und trotzdem habe ich gehofft, mir gewünscht, dass das Buch bzw. die Reihe doch gut enden wird. Obwohl mir mein Gefühl und die Vorkenntnisse von King Enden was anderes gesagt hat. 

    In Susannah hat man ziemlich lange bei einer Person verweilt und die Wechsel zwischen den Charakteren verliefen langsam, aber hier nimmt King Fahrt auf und nicht nur die Perspektivwechsel erfolgen schneller. Viele Dinge erklären sich so direkt, hat aber leider den Nachteil gehabt, das man manchmal Wiederholungen mit ähnlichen, fast gleichen Sätzen hatte. Allerdings weiß ich nicht, ob das an der Übersetzung liegt oder wirklich an King.

    Zudem musste man wirklich an manchen Stellen dran bleiben an der Story, denn die verschiedenen Ebenen des Turms bzw. die ganzen Welten können einen doch etwas verwirren. 

    Auch wenn ich dieses Buch sehr mochte und es für mich ein fulminantes Ende der Reihe ist, habe ich die ein oder andere kleine Kritik. 

    Es ist natürlich durchzogen von Tod und das macht diesen Teil doch düster, außerdem waren es mir an manchen Stellen etwas zu viele Hinweise auf andere Bücher von Stephen King. Das machte daraus für mich eine kleine Dauerwerbesendung und manchmal nervte das schon. Obwohl so natürlich das Ausmaß an Verstrickungen zwischen seinen Büchern klar wird. ;)

    Aber gegen Ende war das alles vergessen, denn dann wollte ich wie Roland einfach nur noch zum Turm kommen und erfahren, was sich im obersten Stockwerk befindet. Ich musste unbedingt wissen wie alles endet und wurde fast so besessen wie Roland. 

    Und zunächst scheint es doch offen zu bleiben, aber King weiß, wie er seine Leser locken muss. Denn er gibt einem die Chance, das Ende so stehen zu lassen, tragisch und doch irgendwie gut gelungen. Doch wie der Turm ruft King mit den allerletzten Seiten nach einem und man kann nicht widerstehen. Und ich war geflasht. Ich hatte es mir vielleicht schon so oder so ähnlich gedacht, denn es ist einfach typisch King. Aber sooooooo gut! Ich liebe es!

    Mein Fazit: Ein gelungener Abschluss einer wahnsinnig guten Reihe. Man ist überrascht und doch irgendwie nicht wenn man King kennt. ;)

    Auf jeden Fall konnte mich King mit Der Turm zu Tränen rühren und das nicht nur im positiven Sinne. Es ist traurig, tragisch und doch hat es mir sehr gut gefallen. Ich kann einfach nur schwärmen und empfehle diese Reihe jedem, der Stephen King gerne liest. Denn das ist wahrlich ein Meisterwerk!

  5. Cover des Buches Die Vermessung der Welt (ISBN: 9783499332708)
    Daniel Kehlmann

    Die Vermessung der Welt

     (3.392)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald


    Daddy sorgt dafür, dass Kathi guten Lesestoff bekommt. So mögen wir das, bester Papa. 

    .

    Daniel Kehlmann erzählt in diesem biographischen Roman die Lebensgeschichte zweier bedeutender Wissenschaftler: Alexander von Humboldt, dessen Name wahrscheinlich vielen bekannt ist: wissbegieriger und empirischer Naturforscher deluxe, der für seine Expeditionen quer über den Planeten gereist ist. Carl Friedrich Gauß, theoretischer Mathematiker, Astronom, blitzgescheit und Stubenhocker vom feinsten. 

    Der Schreibstil des Buches ist ansprechend, aber gewöhnungsbedürftig. Hier wird nichts beschönigt: mit trockenem Humor und einer guten Portion Zynismus beschreibt Daniel Kehlmann die beiden Persönlichkeiten und ihren Werdegang, was für viele Schmunzler zwischendurch sorgt. Jeder bekommt sein Fett weg. Im Gegensatz zu den positiven Eigenschaften der Herren Forscher werden deren negativen übertrieben dargestellt - was für einen gewissen Unterhaltungsfaktor sorgt. So ist Gauß ein engstirniger sturer Kauz und Humboldt ein prüder Naivling. Beschrieben wird ihr Weg zur Forschung, Ausbildung, wissenschaftlichen Errungenschaften sowie die distanzierte, aber doch freundschaftliche Beziehung der beiden. 

    Die Bedeutung des Titels hat sich mir erst gegen Ende hin erschlossen - Kathi mit Brett vor dem Kopf: da hätte ich auch früher draufkommen können. Die Welt wird natürlich nicht wortwörtlich vermessen, viel eher zeigt der Autor durch die Darstellung der Lebensgeschichten die beiden unterschiedlichen Herangehensweise um die Vorgänge der Natur zu verstehen. Der eine erkundet, erforscht, misst, notiert - der andere berechnet, kalkuliert, denkt. Beide kommen so jedoch zu ihrer Wahrheit. 

    Eine tolle Geschichte - doch trotz des positiv ungewöhnlichen Schreibstils und dem biographischen Ansatz konnte mich das Buch leider nicht gänzlich abholen.


  6. Cover des Buches Charlotte (ISBN: 9783328100225)
    David Foenkinos

    Charlotte

     (79)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Ich liebe Biografien.
    Doch dies ist keine Biografie.
    Dies ist ein biografischer Roman.
    Über das Leben einer deutschen Malerin.
    Sie war mir bisher unbekannt.

    Das Buch hat mich mitgenommen in Charlotte Salomons Leben.
    Sie wurde am 16. April 1917 geboren.
    Viele Schicksalsschläge erschwerten ihr das Leben.
    Mit 26 Jahren wurde sie schwanger ermordet.

    Was Autor David Foenkinos geschrieben hat, hat mich umgehauen.
    Es gäbe Zitate ohne Ende.
    Doch ich weiß nicht, wo ich anfangen sollte.
    Das muss jeder Interessent selbst erleben.

    Es beginnt schon mit dem Layout.
    Jeder Satz benötigt eine Zeile.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    Und jede Aussage sitzt!
    Jede Zeile zieht den Leser tiefer ins Buch.

    Dabei ist es kein Buch zum „Wegschlürfen“.
    Es ist so intensiv, dass Pausen durchaus sinnvoll sind.
    Um das Gelesene zu verdauen.
    Um das Buch nicht zu schnell zu beenden.
    Sondern sich am Text zu berauschen.

    Der Roman geht tief unter die Haut.
    Er trieb mir Tränen in die Augen.
    Er verursachte mir Gänsehaut.
    Er zog mich immer tiefer in das Leben dieser Ausnahmekünstlerin.
    Sie hat sich in mein Herz geschlichen.

    Ebenso wie in das Herz des Autors.
    Foenkinos stammt aus Frankreich, dem Land, wo sie zuletzt lebte.
    Er hat sich auf ihren Wegen umgesehen.
    Er kennt ihren Bilderzyklus „Das ist mein ganzes Leben“.
    Ebenso die Orte, an denen sie gelebt hat.

    Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.
    1940 hat Charlotte ein Selbstporträt gemalt.
    Ein Ausschnitt prangt auf dem Cover.
    So wurde das Buch innen und außen ein Kunstwerk.
    Wenn es ginge, würde ich ihm gerne 10 Sterne geben.

    Ein Ehrenplatz in meinem Bücherregal ist ihm sicher.
    Ich wünsche dem bereits 2014 herausgekommenen Werk viele Leser!

    @gst


  7. Cover des Buches Edelherb (ISBN: 9783596190744)
    Gabrielle Zevin

    Edelherb

     (110)
    Aktuelle Rezension von: qhanqibe2

    Der stabile zweite Band der Jugendbuch-Reihe »Bitterzart«, in dem Anya versucht, nach ihrem Aufenthalt in der Strafanstalt, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und Win bestmöglich aus dem Weg zu gehen. Doch dann treffen sie einander ungewollt wieder und die Medien stürzen sich darauf, weshalb Wins Vater sie zum Wohle seines Wahlkampfes zurück in die Anstalt verfrachtet. Aber Anya kann fliehen und quartiert sich auf einer Kakao-Plantage in Mexico ein, bis tragische Mordanschläge auf sie und ihre Geschwister verürbt werden und sie sich mit einer Gefahr innerhalb der eigenen Familie konfrontiert sieht, die dringend ausgeschaltet werden muss. Die Story ist weiterhin interessant gemacht, mit einigen Wendungen gespickt und generell sehr unvorhersehbar gestaltet, wenn sie auch nicht immer vor Spannung strotzt und es auch gerade zu Anfang einige Längen gibt. Dazu rückt Anyas Beziehung zu Win sehr in den Hintergrund und das Schokoladenbusiness wird Hauptthema, was vielleicht die enttäuschen wird, die die Reihe wegen dem angeblichen Romeo-und-Julia-Setting gekauft haben. Ansonsten macht sich die nun sehr ins (Schokoladen-)Mafia-Milieu gerutschte Story relativ gut.  Anya beweist sich dabei erneut als standhafte und starke Protagonistin und auch die anderen Charaktere sind okay, nur lernt man sie nicht so tiefgehend kennen. Der Schreibstil, der weiterhin aus Anyas Sicht erzählt, liest sich dabei weiterhin relativ einfach und gut. Insgesamt unterhält der Band einen ganz gut und wenn man weiterhin kein Problem damit hat, dass die Geschichte nicht super spannend ist, hat man auch durchaus Lust, noch das Ende der Trilogie zu lesen.

  8. Cover des Buches Faust (ISBN: 9783520863010)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Faust

     (3.355)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Ein Mann im Kampf mit einem Wesen des reinen Bösen, das sich teils in ihm festgesetzt hat. - Nein, ich meine nicht Harry Potter, obwohl die Überschneidungen durchaus vorhanden sind. Ich spreche von Faust, Heinrich Faust. Die bekannteste Figur der deutschen Literatur, ein Schülerschreck und Lehrerliebling.

    Inhalt Erster Teil -recht humorvoll 😉 Spoiler unvermeidlich

    Doktor Faust, ein Universalgelehrter, ist auf der nie endenden Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält. Die Suche nach dem Sinn des Lebens, den wissenschaftlichen Zusammenhängen, dem großen Ganzen beschäftigt ihn wie auch Lord Voldemort der Stein der Weisen im ersten Harry-Potter-Teil. Da hilft auch kein Frühlings-Spaziergang mehr. Kein Wunder, dass er einwilligt, als ihm Mephistopheles (ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft) ein Angebot machte, dass Faust nicht ablehnen kann. Und worin liegt der Sinn des Lebens für einen Mann, der schöne Augenblick zum Verweilen in der Midlife-Crisis? Genau - unter dem Rock einer tugendhaften (14 Jahre!) jungen „Frau“. Ein kleines Abenteuer im Stil einer Schüler-Lehrer-Beziehungs-Story (oder sollte ich besser Schüler/Professor-Beziehung sagen?) ist ihm sogar seine Seele wert. „Wird ich zum Augenblicke sagen, /verweile doch! du bist so schön!“ Mephistopheles, der auch ein großer Hundefreund ist, nimmt die Herausforderung an und bringt den Doc zur Crazy-Cat-Witch. Nach einem Zahlen-Zauberspruch aller Pipi Langstrumpf spricht Faust aus, was sich der Leser denkt: „Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber.“ (Mein Lieblingszitat) Durch einen Zaubertrank wird Faust zum Sexiest Man Alive. (Was da wohl drin ist?-Vermutungen in die Kommentare bitte) Durch Schmuck korrumpiert entbrennt das junge Ding in heißer Liebe, bei deren Beschreibung sich jeder New-Adult-Autor die Finger leckt. Ihr „Busen drängt sich nach ihm hin, will fassen und halten ihn.“ Doch dann geschieht es, Gretchen stellt Faust die alles entscheidende Frage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Trotz den atheistischen Ausführungen passiert, was passieren sollte. Die Konsequenzen trägt das naive Mädchen, der rosa-rote Schleier fällt, die Mutti ist tot, der alte Doktor macht sich aus dem Staub. Von ihrem Bruder beleidigt und verurteilt für Kindsmord endet Gretchens Leben ausgesöhnt mit ihrem Liebhaber und doch moralisch gerettet. Und der Faust? -"Nun steh ich da, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor."

    Und die Moral von der Geschicht‘? – Eine Übertragung auf die heutige Realität/ die heutigen Probleme der Menschheit

    Höher, schneller, weiter – das menschliche Streben ist unendlich. Dabei bleibt die Moral auf der Strecke. Fortschritt um des Fortschritts Willen, Globalisierung, Massenkonsum -all das rächt sich früher oder später. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer; Umweltkatastrophen häufen sich; die Ressourcen verknappen; Pandemien beenden nicht nur Leben, sie verändern auch die Gesellschaft. Die Natur findet immer einen Weg. Die Rechnung ist aufgestellt, jetzt muss sie bezahlt werden. Die Menschheit an der Stelle des Fausts ist zum Handeln aufgefordert. Der Pakt mit dem Teufel ist geschlossen. Wie wird es enden? Spoileralert: Faust ist am Ende der Tragödie des zweiten Teils errettet (durch den Eingriff von der tugendhaften, treuen Gretchen, dem Ewig-Weiblichen), Mephisto bekommt ihn nicht in die Hände. Das lässt hoffen. 

    Ich finde, Goethes Faust erster Teil liest sich heute genauso modern wie im 19. Jahrhundert. Es ist ein zeitloses Werk, das zu Recht seinen Platz im Kanon der Weltliteratur hat. 

    Der zweite Teil (posthum veröffentlicht) ist deutlich sperriger als der erste. So ist das mit Sequels, sie kommen nie an den ersten Teil ran. Zwanzig Jahre trennen die beiden Teile, diese Lebenserfahrung macht sich bemerkbar. Die Vielzahl an Figuren lähmt den Handlungsfortschritt. Die ausgedehnten Dialoge ermüden, auch wenn man sich gut mit der griechischen Mythologie auskennt. Da muss der Leser sich schon überwinden und aufgeschlossen sein. Tipp: Mit einem Hörbuch wird es leichter -nicht angenehmer, aber leichter.

    Ein paar berührende Zitate und geflügelte Worte lassen sich auch im zweiten Teil finden:

    Alles ist sodann gefunden: /Ich bin dein, und du bist mein;/ Und so stehen wir verbunden, / Dürft es doch nicht anders sein! (S. 297)

    Denn es muss von Herzen gehen, / was auf Herzen wirken soll. (S.296)

    Hast du die Sorge nie gekannt? -Bin nur durch die Welt gerannt (S.348)

    Das ist der Weisheit letzter Schluss:/Nur wer verdient sich Freiheit wie das Leben, / Der täglich sie erobern muss. (S.353)

    Autor + Schreibstil

    Goethe ist ein Menschenkenner, ein genialer Dichter und nicht unbegründet einer der großen Urgesteine der deutschen Poetik. Was hat der Mann in seinem Leben eigentlich nicht geschafft? Jeder kennt ihn. Seine Zeilen wurden zu geflügelten Worten – ein Stück Unsterblichkeit.

    Ich habe einige der Faust-Zitate versucht im Inhalt wiederzugeben/ auf sie anzuspielen. Selbst wenn einem die Lektüre bisher verwehrt wurde, kennt jeder die Formulierungen. Manche haben ihren Sinn behalten, einige werden heute in sinnentfremdenden Kontexten widergegeben. Das macht für mich zum Teil auch den Reiz von Klassikern aus.

    Jeden Frühling- the same procedure as every jear-, ist es für mich persönlich zur Tradition geworden, Goethes Verse zu rezitieren: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche /Durch des Frühlings holden belebenden Blick; […] Zufrieden jauchzet Groß und Klein:/ Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“

    Meine Ausgabe

    Der Diogenes Verlag hat 1982 in kompakter Form beide Teile von Goethes Faust mit einem Nachwort von Thomas Mann veröffentlicht. So wie ich den Faust in meiner Rezension in die heutige globalisierte Postmoderne übertragen habe, stellt Mann ihn in den Kontext des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit. In dem Nachwort, einer Rede aus dem Jahr 1945, urteilt der Autor, der sich selbst am Faust-Stoff versucht hat, wie folgt: „Unser größtes Gedicht, Goethes >>Faust<<, hat zum Helden den (…) Gottesmenschen, der sich aus vermessenem Erkenntnistriebe der Magie, dem Teufel ergibt. (…) Ein einsamer Denker und Forscher, ein Theolog und Philosoph in seiner Klause, der aus Verlangen nach Weltgenuß und Weltherrschaft seine Seele dem Teufel verschreibt, -ist es nicht ganz der rechte Augenblick, Deutschland in diesem Bilde zu sehen, heute, wo Deutschland buchstäblich der Teufel holt?“ Dazu muss ich aber auch anmerken, dass sich das Nachwort nicht ausschließlich auf Goethes Text bezieht, es beleuchtet viel mehr die deutsche Geschichte, den historischen Gedanken von Nation und Volk in der Rezeption.

    Fazit

    „Unser größtes Gedicht“ urteilt Thomas Mann über Goethes unsterbliches Lebenswerk FAUST. DER TRAGÖDIE ERSTER UND ZWEITER TEIL. Die Tragödie in Versform besticht durch eine zeitlose Story und lebensnahe Charaktere. Ein Must-have in jedem Klassiker-Regal auf der Welt, ein deutsches Kultur-Gut mit Alleinstellungsmerkmal! Zwei Seelen wohnen ach! In meiner Brust: Zum einen finde ich den ersten Teil so bedeutend und menschennah, zum anderen habe ich so meine Probleme mit dem zweiten Teil -Daher 4 von 5 Sternen für das Konvolut.

    Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich nun auch endlich Taten sehn! Lest es und bildet euch selbst eine Meinung 😊

     

    Faust. Der Tragödie erster und zweiter Teil. Mit einem Nachwort von Thomas Mann| Johann Wolfgang Goethe| Diogenes Taschenbuch| 1982| 14,90 DM (Ja, das Buch hat noch Deutsche Mark gekostet – Ich habe es allerdings vor ein paar Jahren im Tauschregal ergattern können)

  9. Cover des Buches Ich, Maximilian, Kaiser der Welt (ISBN: 9783596198191)
    Peter Prange

    Ich, Maximilian, Kaiser der Welt

     (79)
    Aktuelle Rezension von: itwt69

    Das Buch ist sehr interessant, allerdings zuweilen etwas langatmig. So geht es viele Seiten lang um das Herzogtum und weniger um Maximilians Weg zum Kaiser. Wie dieser es zu seinem Ziel bringen konnte ist mir ob der vielen Pleiten, Pech und Pannen ein Rätsel. 3,5 🌟

  10. Cover des Buches Das Testament (ISBN: 9783453190023)
    John Grisham

    Das Testament

     (260)
    Aktuelle Rezension von: MickyParis
    Ein Greis stürzt sich aus dem 13.Stock in die Tiefe. Seine ganze Familie ist schockiert aber nicht wegen des Todes, sondern wegen dem zuvor errichteten Testament. In dem vererbt er ganze 11. Milliarden Dollar einer Person , die keiner aus der Familie kennt. Der Prozessanwalt O'Riley macht sich auf die suche nach dieser Person und muss dafür durch den ganzen Regenwald durchqueren. Grisham beschreibt in diesem Buch die wunderschönen Facetten dieses Fleckchen Erdes, so als wäre man selber dort. Es geht diesmal nicht so sehr um das juristische Dilemma,  sondern eher um die Eindrücke und Gefahren des Regenwaldes. Ein sehr mitfühlendes und leidenschaftliches Buch. 
  11. Cover des Buches Pavel und ich (ISBN: 9783865326737)
    Sandra Brökel

    Pavel und ich

     (14)
    Aktuelle Rezension von: parden

    EIN ERSTAUNLCH PERSÖNLICHES BUCH...

    Zwei Länder, zwei Generationen und zwei völlig verschiedene Menschen. Die Autorin Sandra Brökel ist ein Adoptivkind, auf der Suche nach ihren Wurzeln. Bei ihren Recherchen zum Thema stößt sie schließlich auf ein Buch aus den 1960ern. Autor ist der Prager Kinderarzt und Psychiater Dr. Pavel Vodák. In ihrer Kollegin und Freundin Paula entdeckt sie viele Jahre später überraschend Pavel Vodáks Tochter. Und nicht nur das: Paula hütet das Lebenswerk ihres Vaters, ein umfangreiches Manuskript. - Sandra Brökel zeigt eindrucksvoll, auf welch außergewöhnliche Weise zwei Menschenleben miteinander verbunden sein können. Ein bewegendes Buch über die Suche nach der Bedeutung von Heimat und dem eigenen Seelenfrieden. 

    Dieses Buch entstand nach dem erfolgreichen Roman "Das hungrige Krokodil" und erzählt von den Hintergründen der Entstehung besagten Romans. Erwartet hatte ich, von Begegnungen zu lesen, von einer umfassenden Recherchearbeit, vom Schreibprozess. Nun ja, diese Erwartungen wurden durchaus erfüllt - aber anders als vermutet.

    Sandra Brökel scheut sich nicht, sich als Autorin und vor allem als Mensch mit in die Erzählung einzubeziehen. So erfährt der Leser einiges aus ihrem aktuellenLeben,  aber auch manches aus ihrer Vergangenheit - als adoptiertes Kind hat sie sich spät auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern gemacht und sie auch gefunden. Diese Begegnungen verliefen teilweise erfreulich, z.T. aber auch enttäuschend - und haben doch allesamt dafür gesorgt, dass die Autorin ihre Wurzeln fand und dadurch im Leben mehr zur Ruhe kam.

    Auf den Arzt Pavel Vodák stieß Sandra Brökel erstmals im Rahmen ihrer Suche nach Literatur über adoptierte Kinder und deren Eltern. Leider waren die Bücher, die der Prager Arzt zu diesem Thema verfasst hatte, ausschließlich auf Tschechisch, so dass sich Sandra Brökel anderen Arbeiten zuwandte. Durch einen großen Zufall erfuhr sie Jahre später, dass ihre beste Freundin und Kollegin die Tochter ausgerechnet dieses Arztes war. 

    Auch die Freundin, Pavli, Paula, Paulchen genannt, hatte mit dem Thema "Entwurzelung" zu kämpfen und alte Verletzungen aufzuarbeiten - schließlich floh Pavel Vodák 1970 mit seiner Familie aus der Tschechoslowakai nach Deutschland und entriss das Kind dem, was es bis dahin selbstverständlich als Heimat angesehen hatte. Und im Rahmen der gemeinsamen Aufarbeitung von Pavlis nicht einfacher Lebensgeschichte überließ diese der Autorin schließlich einen Koffer voller Dokumente: die Aufzeichnungen Pavel Vodáks über sein Leben. 


    "Oft frage ich mich: Sind es meine Gedanken oder Pavels? Es war sein Leben. Auf gewisse Weise verschmelzen wir in dem Buch, seine Gedanken tragen jetzt meine Handschrift." (S. 121)


    In einfacher Sprache aber dennoch eindringlich und stellenweise auch sehr berührend schildert Sandra Brökel ihre Verbundenheit mit dem Prager Arzt Pavel Vodák sowie mit seiner Tochter Pavli bis zu deren plötzlichem Tod. Sie schildert Episoden gemeinsamer Vergangenheitsrecherche, die Spurensuche in Prag, Begegnungen mit Menschen und vor allem Empfindungen. Die Stimmung in einem bestimmten Café in Prag, die Kreativität und Hartnäckigkeit bei der Suche nach Originaldokumenten, die Verbundenheit der Autorin auch zu der Stadt Prag selbst - all dies fließt wie nebenher ein.

    Die Verquickung der Erzählung rund um den Entstehungsprozess des Romans mit persönlichen Anteilen der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Keine Nabelschau, glücklicherweise, sondern gerade die richtige Dosis, um deutlich zu machen, wie hilfreich und notwendig es für Sandra Brökel war, genau diesen Roman "Das hungrige Krokodil" zu schreiben - und wie anstrengend. Nach gerade einmal zehn Wochen war der gesamte Roman beim Verlag, eine unglaubliche Leistung.


    "Pavel Vodák träumte zu Lebzeiten von einem Buch über sein Leben, hautnah erlebte europäische Geschichte. Nicht, um sich als Schriftsteller zu profilieren, sondern um eine Botschaft zu verbreiten. (...) Ich lernte viel über Mut und Geduld, über Schuld und Verzeihen." (S. 128)


    Wer den Roman "Das hungrige Krokodil" liest (unbedingt empfehlenswert!), der sollte sich im Anschluss mit diesem ergänzenden Buch belohnen. Hier erfährt der Leser wissenswerte Hintergründe, taucht tiefer in einige Details des Romans ein und gibt der Perspektive der Tochter von Pavel Vodák Raum, was das Bild letztlich rund macht.

    Für mich eine lohnenswerte Lektüre...


    © Parden

  12. Cover des Buches Last Lecture - Die Lehren meines Lebens (ISBN: 9783442471379)
    Randy Pausch

    Last Lecture - Die Lehren meines Lebens

     (124)
    Aktuelle Rezension von: law-and-words

    Randy Pausch weiß, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Also hält er seine "Last Lecture" mit dem Thema: wie kann man seine Kindheitsträume verwirklichen? Er erzählt über Stationen aus seinem Leben, Erkenntnisse die ihn zu dem Menschen gemacht haben der er heute ist und auch seinen Umgang mit seiner Krebserkrankung.


    Ein mutmachendes Buch! Der Anlass ist ein so trauriger und dennoch hat dieses buch ein positives Gefühl in mir hinterlassen. Von Randy Pausch kann man sich wirklich einiges abgucken. Seine "Weisheiten" sind so simpel und doch beherzigt nicht jeder sie. Eine Erinnerung daran was wirklich wichtig ist kann ich persönlich immer gebrauchen, daher hat mich dieses Buch viel gegeben, auch wenn natürlich nicht alle Gedanken neu sind. 


    Besonders toll fand ich auch, dass der Autor zu den einzelnen Punkten Anekdoten aus seinem Leben erzählt und da gibt es wirklich viele, denn er hatte ein spannendes Leben! Alleine um seine Biografie kennen zu lernen hat es sich gelohnt dieses Buch zu lesen.


    Der Schreibstil ist sehr angenehm, einfach gehalten, aber sehr prägnant. Vor allem ist es nicht dramatisch sondern eher mit Humor geschrieben. Dennoch ist die Thematik natürlich sehr traurig, sodass mich einige Stellen auch sehr berührt haben. 


    Ein sehr tolles Buch für Zwischendurch, das aber auch nicht unbedingt leichte Kost ist.

  13. Cover des Buches Wiesenstein (ISBN: 9783406700613)
    Hans Pleschinski

    Wiesenstein

     (52)
    Aktuelle Rezension von: Sigismund
    Fünf Jahre nach seinem viel gelobten Roman „Königsallee“ um Nobelpreisträger Thomas Mann widmet sich Hans Pleschinski (61) nun in seiner auch für literaturwissenschaftlich Unerfahrene absolut lesenswerten Romanbiografie „Wiesenstein“, im März beim Verlag C. H. Beck erschienen, dem Leben und Wirken des Dramatikers und Lyrikers Gerhart Hauptmann (1862-1946). Während die vordergründige Romanhandlung nur Hauptmanns letzte Lebensmonate zwischen März 1945 und Juni 1946 in seiner geliebten Jugendstilvilla Wiesenstein, „der mystischen Schutzhülle meiner Seele“, im niederschlesischen Agnetendorf umfasst - also die dramatischen Wochen zwischen letzten Kriegstagen, russischer Besetzung, polnischer Rache und der Vertreibung aller Deutschen -, lässt Pleschinski in Gesprächen des Hauspersonals, in Rezitationen aus Hauptmanns Werken, in Tischgesprächen des Dichters oder in dessen Erinnerungen nicht nur das Leben des 83-Jährigen bis in dessen Kindheit als Hotelierssohn in Bad Salzbrunn vor unseren Augen ablaufen. Der Autor zeigt uns vor allem das kulturelle Vermächtnis des in seiner literarischen Vielfalt wie auch politisch schwer einzuordnenden Nobelpreisträgers. Gewiss, manche Passage hätte Pleschinski vielleicht kürzer fassen können. Dennoch bleibt der Roman auch für literaturwissenschaftliche Laien interessant und spannend zu lesen. Der Autor wertet nicht, lässt auch nichts aus. Er verdeutlicht, dass nicht nur Macht, sondern auch Ruhm korrumpiert: Hauptmann wurde zeitlebens, ungeachtet der Widersprüchlichkeit seiner Werke, von Öffentlichkeit und Machthabern wenn nicht verehrt, dann doch geehrt. Schon zu Kaisers Zeiten erhielt er 1912 den Literaturnobelpreis, wurde zum Nationaldichter erhoben. Förderte der Schriftsteller bei Ausbruch des Ersten wie des Zweiten Weltkriegs in seinem Werk die Kriegseuphorie, wandelte er sich nach ersten Verlusten plötzlich zum Pazifisten. Von den Nazis wurde der Volksdichter gebraucht, auch missbraucht. Selbst die russischen Besatzer wissen nach Kriegsende, sein Loblied zu singen. Zuletzt erscheint der ostzonale Kulturwissenschaftler Johannes R. Becher in der Villa Wiesenstein und will unter Verweis auf Hauptmanns Vorkriegsdrama „Die Finsternisse“, in dem er die immerwährende Verfolgung des jüdischen Volkes beklagt hatte, den schon Todgeweihten noch für das neue Deutschland gewinnen. Jeder findet also in der Vielfalt der Werke Hauptmanns für sich mindestens eines, das dem aktuell angesagten Zeitgeist entspricht und alle unpassenden zu vernachlässigen ermöglicht. Pleschinski zeigt die Widersprüche Hauptmanns: Zum 80. Geburtstag nahm dieser 1942 die Ehrungen der Nazis entgegen. Er bewirtete in der Villa Wiesenstein in Kriegszeiten den in Polen als Generalgouverneur eingesetzten Hans Frank ebenso wie später russische Kommandanten. Hauptmann wandelte als gefeierter Nationaldichter zwischen den Welten. Er selbst, den Hitler in die „Liste der Gottbegnadeten“ aufgenommen hatte, hielt sich im Rückblick für überparteilich, nennt sich in Pleschinskis Buch selbst einen „Kompromissler“, gesteht kurz vor seinem Tod aber dann doch mit Blick auf seinen langjährigen Rivalen um die Publikumsgunst, den frühzeitig emigrierten Thomas Mann: „Wer nur zuschaut, ist deswegen noch lange nicht unschuldig.“ Pleschinskis Roman „Wiesenstein“ ist ein wunderbares Buch, das jeder Freund deutscher Literatur lesen sollte.
  14. Cover des Buches Kants Welt (ISBN: 9783498024918)
    Manfred Geier

    Kants Welt

     (8)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Mein Land, unsere Erde (ISBN: 9783312011520)
    Sebastião Salgado

    Mein Land, unsere Erde

     (3)
    Aktuelle Rezension von: parden

    EIN BEWEGTES LEBEN...

    Der brasilianisch-französische Starfotograf Sebastião Salgado wird weltweit gefeiert für seine eindringlichen Fotoreportagen, ausschließlich in Schwarz-weiß. Seine sozialdokumentarischen Bilder, für die er seit Jahrzehnten um den Globus reist, halten uns den Spiegel vor und zeigen uns zugleich die Welt als Schöpfung von überwältigender Schönheit. Seine Bilder zeugen von der Würde des Menschen ebenso wie von der Majestät und der Verletzlichkeit unseres Planeten. In Mein Land, unsere Erde erzählt der Fotograf die Geschichten hinter seinen berühmtesten Reportagen. Salgado gewährt Einblick in seine Überzeugungen und seine Entwicklung – als Fotograf, als Künstler, als Aktivist und als Mensch – ein beeindruckendes Selbstporträt des legendären Mannes hinter der Kamera. 


    "Bilder sind eine Art wirkungsvollere Schrift, da man sie überall auf der Welt ohne Übersetzung lesen kann." (S. 72)


    Aufgewachsen in den 1950er Jahren auf einer Farm in Brasilien, empfand Salgado von Kind an eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Zugleich entwickelte er aber auch einen wachen Blick für die prekären sozioökonomischen Verhältnisse, unter denen viele Menschen ihr Leben fristen müssen. Von den unzähligen Werken, die Sebastião Salgado geschaffen hat, ragen drei Langzeitprojekte besonders hervor: 

    • die Dokumentation des allmählichen Verschwindens traditioneller handwerklicher Arbeit weltweit (Workers, 1993), 
    • die Darstellung der massenhaften Wanderungsbewegungen, die durch Kriege, Unterdrückung, Hunger und Naturkatastrophen sowie Umweltzerstörung und den Druck des demografischen Wandels angetrieben werden (Migrations, 2000)  - "Alle sollten von dem Entsetzlichen erfahren. Niemand hat das Recht, sich vor dem Unglück seiner Zeit zu schützen, denn wir tragen auf gewisse Weise alle die Verantwortung dafür..." (S. 117)
    • die Präsentation der Schönheiten der Erde und die Schärfung des Bewusstseins dafür, wie kostbar die letzten unberührten Winkel unserer Welt sind – für uns selbst wie für zukünftige Generationen (Genesis, 2019) - „Rund 46 % des Planeten sind noch immer in dem Zustand, in dem er sich bei seiner Entstehung befunden hat. Wir müssen das Bestehende bewahren.“


    Nach seinem Studium in São Paulo und Paris hatte Sebastião Salgado eine Karriere als Ökonom vor sich – entschied sich jedoch für die Kunst. Bereits zu Beginn fotografierte er kaum einmal in Farbe, konzentrierte sich bald schon nur noch auf die Schwarz-Weiß-Fotografie:


    "Bei Schwarz-Weiß und all seinen Grauschattierungen hingegen kann ich mich auf die optische Dichte der Personen, ihre Haltung, ihre Blicke konzentrieren, ohne dass die Farbe stört. Natürlich ist die Realität eine andere. Aber wenn wir ein Schwarz-Weiß-Bild betrachten, durchdringt es uns, wir verarbeiten es, setzen es unbewusst in Farbe, eignen es uns an. Ich halte die Kraft von Schwarz-Weiß wirklich für außerordentlich..." (S. 163 f.)


    In kurzen Kapiteln von meist nur wenigen Seiten entführt uns Salgado zu den wichtigen Stationen seines Lebens - privat wie beruflich. Dabei drängte sich mir zunehmend der Eindruck auf, dass ein einziges Leben gar nicht ausreicht für das, was dieser Fotograf auf die Beine gestellt hat. Oft lebte er für seine Reportagen monate- oder auch jahrelang am Ort des Geschehens, bereiste über 120 Länder, erstellte zahlreiche Fotobände, präsentierte Ausstellungen, lieferte Bilder für Magazine und Zeitschriften. Ohne seine Frau Léila wäre all dies nicht möglich gewesen.

    Und als würde das nicht ausreichen, engagiert sich Salgado auch noch direkt in seinem Heimatland. In Brasilien pflanzten er und seine Frau bereits über zwei Millionen Bäume und forsteten damit einen Teil des Atlantischen Regenwaldes wieder auf. Ein Idealist? Vielleicht. In jedem Fall ein Mann, der all seine Energie dafür aufwendet, auf Missstände wie auf Schönheiten mit Hilfe seiner Projekte aufmerksam zu machen.

    Doch auch der Mensch Salgado blitzt hier immer wieder auf. So war seine Verzweiflung, seine tiefe Hoffnungslosigkeit nahezu greifbar, als er die Jahre schilderte, in denen er an der Dokumentation über die weltweite Flüchtlingsbewegung arbeitete. Oft nur angedeutet, ahnt man als Leser die Gräuel, die er durch den Sucher seiner Kamera und abseits davon zu sehen bekam. Danach brauchte er eine lange Phase der Regeneration.

    Tatsächlich konnte ihm nichts Besseres einfallen als im Anschluss  an einer Präsentation der Schönheiten der Erde zu arbeiten, wobei ihm auch der Mensch wieder anders begegnete - dort, an den letzten unberührten Winkeln der Erde, traf er auf naturverbundene Menschen, die ihm vor Augen führten, dass der Mensch nicht zwangsläufig der Untergang der Natur sein muss, sondern dass es auch ein Miteinander gibt:


    "Im Grunde bestand das schönste Geschenk, das ich mir in den letzten acht Jahren gemacht habe, darin, meiner eigenen Art zu begegnen, so wie sie vor mehreren Tausend Jahren war. Sie brachte mir vieles bei, was wir über die Jahrtausende hinweg fälschlicherweise vergessen hatten." (S. 172) "Nach acht Jahren war ich müde, aber innerlich wiederhergestellt. Für "Exodus" hatte ich die schlimmsten und brutalsten Seiten unserer Spezies gesehen, und ich hatte nicht mehr daran geglaubt, dass sie zu retten sei. Die Arbeit an "Genesis" hat meine Meinung geändert." (S. 183)


    Sebastião Salgado wird nicht müde, den Finger in die Wunden der Menschheit zu legen. Aber er sorgt auch für das so wichtige Quäntchen Hoffnung - in Wort und Bild und Tat. Für sein so überaus großes Engagement erhielt er bereits zahllose Erhungen, 2019 auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 

    Diese Autobiografie ist eindrucksvoll, wird mit iheren gerade einmal 192 Seiten einem derart bewegten Leben wie dem von Sebastião Salgado m.E. jedoch nicht ganz gerecht. Vieles konnte so nur angerissen werden, wo ich gerne mehr Informationen gehabt hätte. Untermalt wird der Text eindrucksvoll von einigen seiner Schwarz-Weiß-Fotografien. Neugierig bin ich jetzt jedenfalls geworden auf die Bildbände von Sebastião Salgado, so viel ist gewiss. Einer davon wird demnächst hier einziehen...


    © Parden

  16. Cover des Buches Robert Pattinson (ISBN: 9783896029454)
    Virginia Blackburn

    Robert Pattinson

     (5)
    Aktuelle Rezension von: divergent

    Robert Pattinson

    "Your world gets smaller. There’s a massive contraction. And the weirdest thing is the more you contract it, the more the [public] interest goes up. It’s so crazy. There’s no way around it. You’re either on a 24-7 reality TV show, or people think you should be."

    - Robert Pattinson on fame and becoming insular.

    Robert Pattinson, bewundert und geliebt von Millionen! Seit seinem Erfolg mit Twiilght im Jahre 2008 gehört Robert gemeinsam mit Kristen Stewart zu den erfolgreichsten Jungsschauspielern Hollywoods!

    Doch es begann alles ganz einfach:

    Robert wuchs in einer guten Londoner Gegend auf. Bis er zwölf war machten sich seine zwei älteren Schwestern einen Spaß daraus, ihn als Mädchen zu verkleiden. Danach brachte seine Mutter ihn zum Modeln. Ihn zog es eher zur  Schauspielerei und 2004 folgte dann nach diversen Theateraufführungen, wo ein Agent auf ihn aufmerksam wurde, die erste kleine Rolle in einem Film. 2005 dann eine bedeutende Rolle in Harry Potter und drei Jahre später gelang ihm dann mit der Rolle des Edward Cullen in "Twilight" der internationale Durchbruch! Seitdem hat sich sein Leben ganz schön verändert! Er wird überall erkannt und ist trotz des Erfolgs relativ bodenständig geblieben!

    Für Fans von Robert Pattinson, der Twilight Filme, oder die einfach mal ein bisschen mehr über ihn erfahren möchten ein wirklich lesenswertes Buch, mit schönen Bildern und auch interessanten Zitaten von Pattinson !

    Das Buch ist zwar nicht mehr ganz aktuell (es erschien 2009) doch für Fans dennoch lesenswert!
  17. Cover des Buches Reisen im Skriptorium (ISBN: 9783499243417)
    Paul Auster

    Reisen im Skriptorium

     (97)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Als ich letzte Woche in der Bibliothek war, fiel mir dieses Buch in die Hände. Es war bei den aussortierten Büchern, Kostenpunkt 1 CHF. Das ist wenig für ein kaum gelesenes Hardcover-Buch meines Lieblingsautoren. Gelesen wurde das gute Stück natürlich umgehend.

    Und wieder einmal beweist Paul Auster, dass er es schafft, Schriftsteller zum gefährlichsten Beruf der Welt zu machen. Wieder einmal tauchen wir ab in einer Geschichte innerhalb einer Geschichte und zumindest ich konnte nicht umhin, mir zusammenzureimen, was nun wie wo zusammenhängt.

    Doch das ist hier gar nicht so einfach. Wir haben zu wenige Anhaltspunkte, es könnte alles sein und nichts. Wer war/ist Mister Blank? Was hat es mit all diesen Menschen auf sich? Wieso ist er eingesperrt? Auster lässt viele Fragen offen, überlässt es der Fantasie des Lesers, passende Antworten zu finden. Genauso wie es Mister Blank überlassen wird, Grafs Geschichte zu beenden.

    Beim Lesen hoffte ich stets, dass noch ein paar mehr Geheimnisse gelüftet werden, doch insgeheim wusste ich, dass dem nicht so sein wird. Ich rätselte, fieberte, rechnete - nur um dann auf den letzten Seiten mit einem grossen Knall entlassen zu werden. Genau deshalb ist Paul Auster einer meiner Lieblingsautoren. Ich liebe diesen Stil. Es ist alles da, aber zusammenreimen muss man es sich selbst.

    Es gab jedoch ein paar kleine Punkte, die mir weniger gefielen, aber ich denke, Auster hat die ganz gewollt eingebaut. Sexualität im Alter ist ein Tabu-Thema, das der Autor hier geschickt einfädelt. Nur beim zweiten Mal war es in meinen Augen sexuelle Belästigung, was aber auch zur Figur von Mister Blank passt. Diese Szenen, in denen ich mich als Leser unwohl fühlte, haben also ihre Daseinsberechtigung. Dennoch interessiert es mich nicht, wie viel Stuhl Mister Blank aus seinem Anus drückt, das ist in meinen Augen auch für die Geschichte irrelevant.
  18. Cover des Buches Edith Piaf (ISBN: 9783458322160)
    Monique Lange

    Edith Piaf

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Breaking Bad (ISBN: 9783862653621)
    Ensley F. Guffey

    Breaking Bad

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Der Episodenguide zur allgemein abgefeierten Serie "Breaking bad". Man erfährt Erklärungen zu Fragen, welche Songs werden in der Serie gespielt und welche Aussage treffen diese, welche Metaphern und Symbole werden verwendet und wie sind diese zu deuten, welche Kameraeinstellungen wurden gewählt usw. Bei der Lektüre ist bei mir das "Breaking-bad-Fieber" wieder ausgebrochen, insgesamt ist das Ganze ein gelungener Nachschlag zu der besten Fernsehserie der Welt.
  20. Cover des Buches Walt Disney (ISBN: 9783453074002)
    Marc Eliot

    Walt Disney

     (3)
    Aktuelle Rezension von: SaniHachidori

    INHALT:

    Auf dem Markt existieren einige Biografien über den berühmten Gründer des Walt-Disney-Studios, aber keine beschäftigt sich so eingehend mit den Schattenseiten des innovativen Filmemachers wie die vorliegende Biografie von Marc Elliot. Bereits in der Einleitung erläutert er, wie er versuchte, Zugang zu den Disney-Archiven zu bekommen und wie die Auswahl der Informationen, die für solche Recherchen zur Verfügung gestellt werden, vom Disney-Konzern kontrolliert und gesteuert wird.
    Der Autor machte es sich daraufhin zum Ziel, mit Freunden, Familie, Kollegen und Bekannten von Walt zu sprechen, um auch die dunklen Seiten seiner Person zu beleuchten, die in anderen Werken sozusagen zensiert wurden, um das Image des guten "Onkel Walt" nicht zu beschädigen.
    Deshalb ist die Lektüre nicht nur interessant, sondern verändert unter Umständen das gesamte Bild, dass der Leser vorher von Walter Elias Disney hatte.
    Marc Elliot beginnt mit der Biografie in Disneys Kindheit und Jugend, beschreibt hier klar die familiären Strukturen und wie Walt geprägt wurde. Über die Anfänge des jungen Walt mit seinem Animationsstudio, welches Zeichentrickserien vertrieb bis über seine verkannten Ideen wie bspw. die "Silly Symphonies" wird detailliert berichtet. Auch die finanziellen Schwierigkeiten, mit denen er und das Studio immer wieder zu kämpfen hatte, werden thematisiert - und das bis hin zu den Zeiten, in denen das Walt Disney Studio bereits seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm "Schneewittchen und die sieben Zwerge" Erfolge verzeichnete.
    Besonders interessant waren die Interpretationen der Filme im Zusammenhang mit Walts Psyche und familiären Einflüssen.
    Auch die Filmindustrie Hollywoods zur damaligen Zeit, politische Rahmenbedingungen und Machtspielchen zwischen den Studiobossen werden erläutert.
    Weiterhin wird dargestellt, wie Walt mit seinen Mitarbeitern umging, wie diese sich in Gewerkschaften organisierten und in großen Streik traten und er es einfach nicht wahrhaben wollte.
    Es wird darauf eingegangen, wo die wirklichen Wurzeln der Person Walt Disney liegen, was er für eine Verbindung zum FBI hatte und welche zwischenmenschlichen und politischen Ansichten er pflegte.
    Auch auf seine Werke und sein Schaffen wird der Fokus gerichtet, aber nicht vordergründig.


    SCHREIBSTIL:

    Zuweilen fand ich den Schreibstil von Elliot ausschweifend und zu detailliert, gerade wenn es um die Zusammenhänge im damaligen Hollywood geht. Aber genau diese Detailtiefe machte es an anderer Stelle wiederum sehr spannend, wenn es um Walts familiäre Verhältnisse oder ihn als Person mit Ecken und Kanten ging.
    Natürlich ist auch dieser Biografie mit anderen gemein, dass sie im Gegensatz zu anderen Genres ein recht überschaubares Lesetempo erzeugt, was den vielen Informationen geschuldet ist. Das tut meiner Meinung nach dem Lesevergnügen in dem Sinne keinen Abbruch, als dass die Fülle der Informationen ein nachvollziehbares und authentisches Bild einer sonst so schillernden Persönlichkeit vermittelt.


    FAZIT:

    Die Biografie "Genie im Zwielicht" von Marc Elliot bietet zu den gängigen Biografien ein interessantes Gegenstück, da sie auch die vielen Schattenseiten Walts und seines Konzerns beleuchtet. Der Blick auf ihn als Person, seine Filme, seinen Erfolg und sein Unternehmen werden durch diese Lektüre auf jeden Fall differenzierter. Denn Walt war nicht nur ein furchtbar schlechter Chef, sondern auch Sonderagent des FBI und ein großer Neider und Aufmerksamkeitshascher. Elliot vergisst dabei aber nicht, auf die psychische Verfassung Walts einzugehen, die durch seine Kindheit maßgeblich geprägt wurde. Somit bleibt dem Leser selbst überlassen, ob Walt wirklich mit böser Absicht handelte oder nicht doch von einer kindlichen Sehnsucht nach Anerkennung getrieben wurde, die ihn zu nicht weniger machte als zu einem Mann, der nie wirklich erwachsen wurde oder werden wollte. Eines jedoch bleibt allen Biografien gemein - die Würdigung seiner Werke und seines Strebens nach Perfektion. Denn Walter E. Disney machte niemals halbe Sachen.
    Meine Begeisterung für Walt als Person hat sich durch diese Biografie nicht gemindert. Im Gegenteil machen seine "dunklen" Seiten und die traurige Wahrheit hinter dem Genie einen greifbaren Menschen aus ihm.
    Die vorliegende Biografie ist ein wichtiges und einmaliges Werk, da es die einzige ist, welche nicht durch den Disney-Konzern kontrolliert wurde. Eine sehr detailliertes und ehrliches Buch, das auch die zahlreichen Schattenseiten von Walt aufzeigt. Sehr interessant und lehrreich. Klare Leseempfehlung!

  21. Cover des Buches Die vielen Leben des Jack London (ISBN: 9783868739916)
    Michel Viotte

    Die vielen Leben des Jack London

     (1)
    Aktuelle Rezension von: R_Manthey
    Ein solcher Satz drückt recht treffend die Ambivalenz in Jack Londons Charakter aus. Er hätte schließlich auch einfach aufhören können ohne sich irgendetwas abzuschneiden. Andererseits war London stets in Projekte verstrickt, die enorme finanzielle Mittel verschlangen. Nur durch seine Schriftstellerei konnte er seinen ruhelosen Lebensstil aufrecht erhalten. 

    London verstarb vor 100 Jahren in einem Alter, wo Männer eigentlich erst richtig aufblühen. Doch Londons Lebensenergie schien schon einige Jahre vor seinem Tod verbraucht zu sein. Man kann das in dieser großartigen Bild-Text-Biografie sehr gut nachvollziehen. Der französische Autor hält sich dabei angenehm mit Urteilen zurück, obwohl sich solche Einschätzungen bei London geradezu aufdrängen. Michel Viotte überlässt das Urteilen seinen Lesern. Diese können Londons Leben in recht kurzen, gut lesbaren und sehr informativen  Texten und vielen Bildern verfolgen. 

    Jack London lebte sein nicht langes Leben offenbar mit großem Optimismus und voller Selbstvertrauen, jedoch auch ohne Rücksicht auf mögliche Folgen seiner Lebensweise. Vielleicht hätte ihm sein kurzer Abstecher zu den Goldgräbern in Klondike eine Warnung sein sollen, denn schon da zeigte sich, dass er seine Belastbarkeit stark überschätzte. Aber das schien London nicht zu tangieren. Immer wieder begab er sich auf große Reisen, deren Strapazen ihn wohl nicht interessierten, deren Preis er jedoch später teuer bezahlen musste. Besonders seine Südseereise auf seinem Segler Snark brachte ihm auf Samoa  Entzündungen und Geschwüre, die nicht heilen wollten. 

    Nebenbei wollte er auch noch unbedingt Farmer sein, baute sich ein riesiges Haus, musste in dieser Zeit jedoch auch wieder dringend auf große Reisen gehen und unzählige Filmprojekte realisieren. Vielleicht stimmt es tatsächlich, dass jedem Menschen nur eine gewisse Menge an Lebensenergie zugeteilt wird, mit der man entweder zurückhaltend umgehen oder sie ungehemmt verbrauchen kann. Bei London war diese Lebensenergie in seinem vierzigsten Jahr verbraucht. Seine Asche liegt unter einem Stein seines kurz vor der Vollendung abgebrannten Hauses auf seiner Farm. 

    Über Londons Bücher erfährt man in diesem Band nur das Nötigste. Es geht dem Autor vielmehr um das Leben (oder die vielen Leben) des Jack London. Die Bildauswahl ist nicht nur großzügig, sondern auch informativ. Da viele Porträts von London gezeigt werden, kann man sich so auch einen gewissen Eindruck von seinem Wesen machen. 

    Am Rande sei bemerkt, dass mich eine Fotografie dann doch etwas verwirrt hat. Sie zeigt Kalifornier an Deck eines Seglers, der sie nach Alaska bringen sollte, wo sie dann ins Land des Goldes reisen wollten. Auf dem Foto sieht man jedoch eine Tanzveranstaltung an Deck mit zahlreichen Frauen. Irgendwie hatte ich mir diese Klientel anders vorgestellt. 

    Dieser biografische Band zeigt sehr  informativ das kurze und ruhelose Leben von Jack London in vielen recht persönlichen Fotografien, mit denen es möglich wird, sich diesen ungewöhnlichen Mann in seiner Welt vorzustellen. Sehr beeindruckend. 
  22. Cover des Buches Die Tugenden und die Laster (ISBN: 9783891909102)
  23. Cover des Buches Die Gedichte (ISBN: 9783458739609)
    Rainer Maria Rilke

    Die Gedichte

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht........... . Rilkes Gedichten gelingt es, wie kaum anderen sonst, mich in den innersten Tiefen zu erreichen und dort etwas zum Klingen zu bringen, das ich mit Worten nur schwer beschreiben kann. Natürlich gibt es viele Literaten, Dichter und Autoren, die man loben kann und auf sie hinweisen, aber bei Rilke ist das noch einen Hauch anders. Rilke gelingt es, das Unaussprechliche in Worte zu kleiden. Rilkes Wortkompositionen sind atemberaubend - Nicht zuletzt deshalb, weil sie in der Wahl ihrer Worte oft ganz schlicht gehalten sind. Einerseits schreibt er in ungeheuerer Üppigkeit und verschwenderischen Bildern, in denen sich der Leser regelrecht suhlen kann und die allen Raum bieten, sich tief und weit in sie hinein zu werfen, ohne Sorge zu haben, an Grenzen zu prallen: "Rast! Gast sein einmal. Nicht immer selbst seine Wünsche bewirten mit kärglicher Kost. Nicht immer feindlich nach allem fassen; einmal sich alles geschehen lassen und wissen: was geschieht, ist gut.... Als Mahl beganns. Und ist ein Fest geworden, kaum weiß man wie. Die hohen Flammen flackten, die Stimmen schwirrten, wirre Lieder klirrten aus Glas und Glanz, und endlich aus den reifgewordnen Takten: entsprang der Tanz..... Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht." Auf der anderen Seite gelingt es Rilke, tiefe Gefühle und Wünsche fast schon straff in Worte zu fassen, die in ihrer Schlichtheit beeindrucken. Er konzentriert auf den Kern und legt ihn offen, ohne dabei auch nur eine Ahnung von Härte oder Schärfe zu zeigen: "Mein Leben ist wie leise See: Wohnt in den Uferhäusern das Weh, wagt sich nicht aus den Höfen. Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn: aufgestörte Wünsche ziehn darüber wie silberne Möven. Und dann ist alles wieder still. . . Und weißt du was mein Leben will, hast du es schon verstanden? Wie eine Welle im Morgenmeer will es, rauschend und muschelschwer, an deiner Seele landen." Rilke spricht aus der Einsamkeit heraus. Und wenn es nicht die Einsamkeit ist, so ist es doch zumindest das Alleinesein. Meist sind seine Gedichte und Texte innere Dialoge mit dem Ich und der eigenen Existenz. Seine Empfindsamkeit und Sensibilität sind ungeheuer ausgeprägt und ich stelle mir gut vor, wie qualvoll es ihm beizeiten gewesen sein muss. Rilke sieht tief. Oft sind seine Themen die ewigen, die zeitlosen Themen. Lieben, Vergänglichkeit, Gott, Sehnsucht, Rast, Hoffnung, Zärtlichkeit und Trost. All die Themen, die in jedem Menschen ruhen, wenn er bereit ist, sich ihnen zu stellen und die nur dann zu betreten sind, wenn wir ihnen alleine entgegentreten. Das innere Alleinesein begleitete Rilke durch sein Leben. Betrachtete er andere Menschen und ihr miteinander, findet sich in seinen Zeilen oft Zorn, und eine Art trauige Enttäuschung. "Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. Sie sprechen alles so deutlich aus: Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, und hier ist Beginn und das Ende ist dort. Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, sie wissen alles, was wird und war; kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott. Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um." Dieses Gedicht zeigt mir beeindruckend Rilkes Sensibilität und Scheu. Fast zwangsläufig musste es ihn weit und weiter in eine Art inneren Monolog treiben. Vordergründig mag man denken, Rilke würde über die Liebe als sein Hauptmotiv schreiben, aber ich glaube, das stimmt nur bedingt. Ich meine, sein großes Thema ist eher die Sehnsucht danach. Immer ist es das Motiv der Sehnsucht, welches ich in seinen Zeilen finde. Die Sehnsucht nach der Liebsten - Die Sehnsucht nach der Ruhe - Die Sehnsucht nach Wahrheit usw. Selten lese ich bei Rilke von der Erfüllung dieser Sehnsucht. Mir ist so, als könnte die Erfüllung eine Art Todesstoss für sein so besonderes Wirken bedeuten. Es gab in seinem Leben einen Punkt, wo er diese “Erfüllung” versuchte. Er heiratete und zeugte mit seiner Frau ein Kind. Beide hat er verlassen. Oft gibt es bei Rilke eine Art zartbittere Seite an der Schwelle zur Erfüllung, die sich etwa so anfühlen kann: "Du, der ichs nicht sage, dass ich bei Nacht weinend liege, deren Wesen mich müde macht wie eine Wiege. Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht meinetwillen: wie, wenn wir diese Pracht ohne zu stillen in uns ertrügen? Sieh dir die Liebenden an, wenn erst das Bekennen begann, wie bald sie lügen." Immer, wenn ich Rilke lese, habe ich dieses eigenartige Gefühl, jemandem zu begegnen, der nicht so recht von dieser Welt ist. Ein irdische Welt - voller Tagwerk, Irrtum, Schmutz, Grobheit, niederen Absichten, Lügen und Bedürfnissen. Schon in seinen frühsten Texten schwingt eine sphärische Aura um diesen Mann und vielleicht ist es in der Tat so, dass er voll und zu voll angefüllt mit Attributen war, die doch eigentlich so erstrebenswert sind. Rilke war randvoll mit tiefer Sehnsucht nach Rast. Eine Sehnsucht, die aus dem Wissen geboren wurde, dass Vergänglichkeit durch alle Fugen dringt und mit jedem Atemzug Abschied geatmet wird. Für mich ist Rilke nicht nur der Autor all der wunderbaren Liebesgedichte, sondern in ihm wohnt eine tiefe und schreckliche Tragik. Hermann Hesse schrieb einmal in einem Gedicht, er wäre “Krank an seiner eigenen Kraft” und ich glaube, so kann man Rilke auch beschreiben. Es riss ihn hin und her. Das Leben und seine Möglichkeiten waren ihm wie ein Füllhorn, welches sich zu verschwenderisch über ihm ergoss. "Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten: wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten? Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen? Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich? Wer faßt in sich der Vogelflüge Raum? Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich wie jeder Zweig an einem jeden Baum? Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung ins unbekannte Glück so rein, so reg? Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung und hält sich oben wie ein Wiesenweg?" Ich glaube, Rilkes Tragik bestand darin, dass er in seinem Innersten - in seiner Seele - Dinge zu fühlen vermochte und Wünsche empfand, deren Erfüllung ihm unmöglich war. Unmöglich deshalb, weil es im irdischen Dasein niemals diese Erfüllung geben kann. Rilke fühlte sich getrieben - Vielleicht ging ihm die Zeit viel zu schnell. Die Eindrücke und Erlebnisse zucken wie Blitze vorbei und versucht man, einen von ihnen festzuhalten - zu betrachten - so mag das gelingen, aber es führt dazu, dass viele weitere vorbeieilten und uns fast unfähig machten, dem Tagwerk entsprechen zu können. Er beschreibt das in folgendem Gedicht, dessen letzter Satz für mich der ungeheuerste - der prachtvollste und elementarste ist, den ich persönlich erleben und erfahren durfte: "Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem. Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben, wo ein endlich Sein in alledem? - Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt: Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen, und das willig Liegende verschwimmt - Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; - aber auch in ihnen flimmert Zeit. Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit." “Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit” beschreibt mir Rainer Maria Rilke auf den Punkt und in diesem Satz liegen Welten an innerer Wanderung. Er hat keine Grenzen und er beschreibt das Wesen innere Vorgänge. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage, dass in dieser Aussage vielleicht die Geburt alle Kunst zu suchen ist. Einerseits das innere Wissen darum, jenen Funken Unvergänglichkeit in sich zu tragen und auf der anderen Seite das Wissen darum, dass diese Unvergänglichkeit obdachlos ist und bleiben muss, da wir brutal sterblich sind. Das Schaffen Rilkes arbeitete sich fast zwangsläufig in Regionen vor, die sich mehr und mehr diesen Themen näherten. Zum Ende seiner künstlerischen Arbeit hin, schuf er seine -wie ich finde - prachtvollsten und atemeraubendsten Werke: Die Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus Zu beiden Werken möchte ich mich wenig äussern. Deshalb, weil es meine Fähigkeiten übersteigt, mich ihnen so nähern zu können, wie es ihnen gerecht würde. Beide Werke können nicht einfach gelesen werden. Sie bedürfen eine ganz gewissen Stimmung und vor allem einer inneren Bereitschaft, die schwer zu erarbeiten ist. Die Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus sind das prachtvollste Geschenk, dass ich jemals bekommen habe. Sie sind Dialoge mit einer Welt, die Rilke immer versuchte, zu erreichen. Eine Welt, die nicht erreichbar ist, weil sie eine kommende Welt ist. In beiden Werken hat Rilke eine Schwelle überschritten die doch eigentlich nicht überschreitbar ist. Beide verschenken sich dem Leser nicht - sie fordern ihn - teilweise bis an die Schmerzgrenze und eines ist gewiss: sie zersplittern in 1000 Teile bei dem geringsten Geräusch. In ihnen ruht das Vermächtnis eines Menschen - Rainer Maria Rilke - der ihnen sein Leben gewidmet hat, um sich dort hin zu arbeiten. Vor einigen Jahren hat sich das Künstlerpaar Schönherz und Fleer des Werks Rilkes angenommen und beide haben mit viel Liebe seine Gedichte mit Musik unterlegt und sie von schönen Stimmen bekannter Künstler interpretieren lassen. Alle drei CDs des Rilke-Projekts sind ganz wunderbar gelungen und legen dem Hörer Rilke und sein Werk ans Herz.
  24. Cover des Buches Unterwegs / Der Wanderer (ISBN: 9783257602647)
    Paulo Coelho

    Unterwegs / Der Wanderer

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Angel10
    Diese Geschichten sind sehr empfehlenswert, Geschichten, die dem Leser etwas mitgeben. Leider habe ich das Buch nur ausgeliehen, werde es aber erwerben und immer mal wieder etwas lesen.

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