Bücher mit dem Tag "lissabon"

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56 Bücher

  1. Cover des Buches Nachtzug nach Lissabon (ISBN: 9783442746248)
    Pascal Mercier

    Nachtzug nach Lissabon

    (1.390)
    Aktuelle Rezension von: Lulia

    Im Zentrum der Handlung steht der introvertierte Altphilologe Raimund Gregorius dessen Alltag aus Ritualen, Büchern und seiner Tätigkeit als Lehrer besteht. Ein zufälliges Treffen mit einer geheimnisvollen Frau auf dem Weg zur Schule und ein portugiesisches Buch voller existenzieller Gedanken, die er zufällig in einer Buchhandlung entdeckt, reißen ihn aus dieser Ordnung heraus und er begibt sich auf die Spuren des Autors ebendieses Buches, was ihn nach Lissabon führt. Die Handlung liest sich wie eine Reise durch Lissabon mit seinen Stationen, die einzeln für sich eine weitere neue Facette sowohl des Autos Prado als auch Gregorius‘ freilegen. Hierbei wechseln sich Passagen mit Schilderungen Nahestehender Prados über ebendiesen, Passagen seines Buches und innerer Empfindungen und Gedanken Gregorius‘ ab. Die stille und langsame Handlung lebt vor allem von der Atmosphäre, den inneren Bewegungen und den Begegnungen.
    Bei den Protagonisten stehen sowohl Gregorius als auch Prado klar im Mittelpunkt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung, die die beiden im Verlauf des Buches vollziehen. Aber auch relevante Nebenprotagonisten erleben eine nachvollziehbare und schöne Entwicklung, die der Geschichte eine zusätzliche Facette und Tiefe verleiht. Wer stille und tiefgründige Romane mit philosophischem Tiefgang und existenziellen Fragestellungen mag, wird hier fündig.
    Der Schreibstil ist philosophisch, klar und teils anspruchsvoll, was gut zur Handlung passt.
    Minuspunkte: Das bereits erwähnte langsame Handlungstempo war an einigen Stellen sehr zäh und der philosophische Einschlag war mancherorts ein wenig zu anspruchsvoll.
    Insgesamt kann ich das Buch empfehlen.

  2. Cover des Buches Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (ISBN: 9783596903092)
    Fernando Pessoa

    Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

    (86)
    Aktuelle Rezension von: Edith_Hornauer
    Pessoa, ein Verwandlungskünstler. Drei gleich er! Doch seine Sprache ist immer atemberaubend - fünf Sterne unbedingt auch für dieses Buch!
  3. Cover des Buches Morgen irgendwo am Meer - Der Roman zum Film (ISBN: 9783570315323)
    Adriana Popescu

    Morgen irgendwo am Meer - Der Roman zum Film

    (184)
    Aktuelle Rezension von: SinaAnis

    Nachdem ich das Buch "Mein Sommer auf dem Mond" total gut fand, musste ich mir mehr von der Autorin holen.

    Morgen irgendwo am Meer darf man definitiv nicht als leichte Sommerlektüre abstempeln. So wie man Adriana Popescu kennt, schreibt sie keine Bücher, die nicht auch irgendwie einen tieferen Sinn haben- so auch dieses.


    Auch dieser Jugendroman hat mir also total gefallen, auch wennn ich am Anfang ziemlich Mühe hatte, in die Geschichte rein zu finden, da es gerade am Anfang viel Drama und Unzufriedenheit gab.

    Beide meine bisher gelesenen Bücher, konnten mich aufgrund des Schreibstils aber auch wegen den diversen Charakteren und deren Geheimnisse fesseln.


    Ich kann also ihre Bücher total empfehlen, einfach nicht unterschätzen

  4. Cover des Buches Nachtzug nach Lissabon: Roman von Pascal Mercier (20. August 2004) Gebundene Ausgabe (ISBN: B010IN0TRC)

    Nachtzug nach Lissabon: Roman von Pascal Mercier (20. August 2004) Gebundene Ausgabe

    (27)
    Aktuelle Rezension von: PinaColada

    Das Langatmige, das Nachdenken und Begreifen im Denken, das Auseinandernehmen, Ausbreiten, Analysieren und wieder neu Zusammensetzen um ganz genau zu verstehen, was vor sich geht. Genau das sagt mir an diesem Schreibstil so zu. Und immer wieder begegnen einem philosophische Denkweisen, die nur von einem Studium der Philosophie herrühren können.

  5. Cover des Buches Immer am Meer entlang (ISBN: 9783423218535)
    Franziska Jebens

    Immer am Meer entlang

    (130)
    Aktuelle Rezension von: EllaH

    „Immer am Meer entlang“ ist aus der Sicht der beiden Protagonisten geschrieben.

    Inhalt

    Seit ihrer Kindheit träumt Josie davon, mit einem alten Bulli quer durch Europa zu fahren – immer am Meer entlang. Nur sie selbst. Doch schon bald trifft sie auf Paul, einen spontanen Reisenden mit einer Reifenpanne. Auf ihren Roadtrips kreuzen sich ihre Wege immer wieder, erst zufällig, dann absichtlich. Unterwegs hinterlassen sie sich kleine Botschaften und Geschenke, durch welche sie sich gegenseitig und sich selbst besser kennenlernen.


    Fazit

    Eine wunderschöne, leichte Sommerlektüre. Man wird ans Meer versetzt und reist quer durch Europa - immer am Meer entlang. Man entdeckt wunderschöne Buchten und Küsten. Ein Roman mit ganz viel Gefühl und Urlaubsatmosphäre. Das Fernweh lässt nicht lange auf sich warten. 

  6. Cover des Buches Machandel (ISBN: 9783328100249)
    Regina Scheer

    Machandel

    (65)
    Aktuelle Rezension von: rose7474

    Dieser Roman wurde mir empfohlen und er sprach mich gleich an, da es um zeitgeschichtliches geht in der DDR. Ich mag solche Geschichten sehr und wurde hier nicht enttäuscht. 

    Ich brauchte etwas Zeit um in die Geschichte reinzukommen. Dann jedoch packte es mich und wollte immer weiterlesen. Die verschiedenen Perspektiven gefielen mir sehr gut und die Schicksale berührten mich sehr ubd brachten mich zum Nachdenken. Ein Buch wofür man etwas Zeit braucht aber wichtig gegen das Vergessen ist. Ich werde es irgendwann nochmal lesen und noch mehr von Regina Scheer. 

    Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und wohlverdiente 5 Sterne. 

  7. Cover des Buches Tod in Lissabon (ISBN: 9783641141585)
    Robert Wilson

    Tod in Lissabon

    (34)
    Aktuelle Rezension von: LisaCou

    Toller atmosphärischer und komplexer Krimi, den ich gelesen habe, weil ich letztes Jahr in Lissabon eine schöne Zeit hatte. Die Geschehnisse reichen zurück ins Dritte Reich und der Autor verknüpft die labyrinthischen Erzählsprünge zu einem spannenden Gesamtwerk, das mich am Ende sehr nachdenklich gemacht hat. Darüber, welche unheimliche, weitreichende Macht eine einzige falsche Entscheidung im Leben vieler Menschen haben kann. 

  8. Cover des Buches Sally Jones - Mord ohne Leiche (ISBN: 9783551316967)
    Jakob Wegelius

    Sally Jones - Mord ohne Leiche

    (39)
    Aktuelle Rezension von: Sanne54

    Anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, handelt es sich bei "Mord ohne Leiche" nicht primär um einen Kriminalroman; der Kriminalfall ist die Einleitung zu einem Abenteuerroman der alten Schule, erzählt mit viel Liebe zu Details, Weitschweifigkeit und Abenteuerlust, der es aber mit über 600 Seiten auch in sich hat- alleine das Gewicht. Die Empfehlung lautet für Kinder ab 10 Jahre, ich würde sagen ein wenig Geduld und Übung müssen die Kinder aber auch mitbringen, denn hier wird die lange Reise der ungewöhnlichen Gorialladame Sally Jones erzählt, um ihren besten Freund zu retten. Dafür werden sie mit einer mit viel Liebe zu den alten, großen Abenteuerromanen erzählten Geschichte belohnt. Geeignet ist das für Kinder, denen Geschichten im Stil von Jules Verne gefallen. Die detailreichen Bilder zu Beginn der Kapitel erinnern an Stiche. So bekommen auch die zentralen Figuren ein Gesicht, da sie bildlich zu Beginn des Buchs vorgestellt werden. Auch das Titelbild passt sehr gut zum Stil des Romans.

    Zum Inhalt: Die sehr intelligente und handwerkliche begabte Gorilladamen Sally Jones erzählt uns ihre Geschichte. Sie kann die Menschensprache verstehen und durchschaut so einiges, kann sich aber nicht in unserer Sprache artikulieren. Sie arbeitet als Maschinistin und einziges Besatzungsmitglied mit ihrem Chief Koskela, mit dem sie auch eine tiefe Freundschaft verbindet. In wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, nehmen die beiden einen etwas dubiosen Auftrag an, an dessen Ende der Kapitän im Gefängnis landet: Er soll im Streit einen anderen Mann getötet haben, die Leiche ist im Hafen ins Wasser gefallen und verschwunden. Sally Jones ist untröstlich, kommt schließlich bei der begabten, aber unbekannten Fado-Sängerin Ana unter und arbeitet für einen Instrumentenbauer. Dann stellt sich aber heraus, dass der mutmaßlich Getötete nur untergetaucht ist. Sally Jones schifft sich nach Indien ein, um mit dem lebenden Mann auch den Beweis für die Unschuld des Chiefs zu erbringen. Der erste Teil spielt in Portugal, das Ende auch, dazwischen spielen erhebliche Teile in Indien.

    Schade ist lediglich, dass sowohl die Rückkehr nach Portugal als auch die Aufklärung des Verbrechens am Ende eher Produkte des Zufalls sind. Hier hätte ich mir, passend zum Buch doch etwas mehr Raffinesse gewünscht, daher der Punktabzug.

    Sally Jones ist sehr vermenschlicht, liefert aber dennoch eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Die Kernbotschaft, also die Bedeutung von Freundschaft, ist eine sehr wichtige. Ich konnte mich schnell auf die ungewöhnliche Protagonistin einlassen.

  9. Cover des Buches Die Nacht von Lissabon (ISBN: 9783462027228)
    Erich Maria Remarque

    Die Nacht von Lissabon

    (87)
    Aktuelle Rezension von: Malte_Hermann

    Ich habe das Buch in einer Nacht gelesen. Passend, oder? Die Nacht von Lissabon ist keine gewöhnliche Fluchtgeschichte. Es ist eine Nacht, ein Gespräch, ein Leben auf der Flucht – erzählt im Flüsterton, während draußen der Krieg die Welt zerreißt.

    Remarque hat es wieder geschafft (Mehr zu Remarque: https://love-books-review.com/de/rezensionen-nach-autor/erich-maria-remarque/ ) : Er macht Geschichte fühlbar. Keine Jahreszahlen, keine Daten – sondern zwei Männer in einem Hafen, mit falschen Pässen und echter Angst.

    Der eine erzählt. Der andere hört zu. Und ich? Ich konnte nicht aufhören zu lesen.

    Die Sprache ist schlicht, aber sie trifft. Jeder Satz klingt wie ein Schritt durch Nebel. Die Liebe, die Verzweiflung, das ständige Gefühl, dass alles auf Messers Schneide steht – all das liegt wie ein Schatten über den Seiten.

    Und trotzdem: Es ist nicht hoffnungslos. Es gibt Momente, die leuchten. Zwischen den Schiffen, in einer Umarmung, in einem Satz.

    Ich habe selten ein Buch gelesen, das so leise ist und gleichzeitig so laut nachhallt. Es geht um Verlust, um Heimat, um Identität – aber vor allem geht es um Würde. Und ums Erzählen, als Akt des Überlebens.

    Die Nacht von Lissabon ist ein stilles Meisterwerk. Ein Buch für eine lange Nacht – und für viele Gedanken danach.

  10. Cover des Buches Portugiesisches Erbe (ISBN: 9783453419445)
    Luis Sellano

    Portugiesisches Erbe

    (105)
    Aktuelle Rezension von: Jackolino

    Unsere persönlichen Erinnerungen an Lissabon sind extrem verregnet, von daher freute es mich, die Stadt nun auch mal von ihrer Sonnenseite aus kennenzulernen. Das tut man, wenn man Henrik Falkner quer durch Lissabon und Umgebung folgt. 

    Er ist in die portugiesische Hauptstadt gekommen, um das Erbe seines Onkels anzunehmen, eines Onkels, den er gar nicht kannte. Der Onkel führte ein Antiquariat und Antiquitätengeschäft in einer dunklen Gasse, zu der sich kaum ein Kunde verirrte. Umso verwunderter ist Henrik, als ihm schon am ersten Tag 1,1 Mio für das Haus geboten werden. Der tatsächliche Wert liegt weit darunter.  Henrik, ehemals Polizeibeamter, steht wenig auskunftsbereiten Hausbewohnern und Mitarbeitern gegenüber, irgendetwas scheint nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Und tatsächlich wird er bereits am ersten Abend fast Opfer eines Verkehrsunfalls, da hat es eindeutig jemand auf sein Leben abgesehen. 

    Anschläge und gruselige Entdeckungen wechseln sich in rascher Folge ab, die Polizei darf nicht eingeschaltet werden, weil man sie für bestechlich hält. Und so jagt Henrik mit wechselnden Partnern kreuz und quer durch Lissabon, nur um zum Schluss die HIntermänner der von ihm aufgedeckten Verbrechen doch nicht zu fassen zu bekommen. 

    Ich kannte die Reihe nicht, habe aber festgestellt, dass es schon einige Fortsetzungsbände gibt. Von daher dürften die Schuldigen  mittlerweile durch die weiteren Bände bekannt sein. Aber wer weiß, was das Antiquariat noch an Geheimnissen barg. 

    Die Geschichte ist durchaus flott und spannend. Dennoch wäre ich als ehemaliger Polizist in so manchem Fall anders vorgegangen. Warum fotografierte er seine Funde nicht, wenn die Beweislast später doch bei ihm liegt? Auch die beiden sexuellen Intermezzi irritierten zumindest, zumal sich nichts weiteres daraus ergab. Die intuitiven Eingebungen, die ihn auf die Spur der Verbrechen der Vergangenheit führen, wirken sehr konstruiert. Das besondere Plus des Buches ist der Schauplatz. Lissabon ist eine faszinierende Stadt und ihr manchmal etwas morbider Charme kommt im Krimi gut zur Geltung.

    Für Leser, die Lissabon kennen, sind die Wege durch die Stadt sicher eine schöne Erinnerung, an manches habe selbst ich mich, trotz damaligen Dauerregens, erinnert.



  11. Cover des Buches Die Hohen Berge Portugals (ISBN: 9783596032419)
    Yann Martel

    Die Hohen Berge Portugals

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Sikal

    Nachdem Yann Martel den meisten durch seinen Roman Schiffbruch mit Tiger bekannt ist, wird er wohl auch daran gemessen und die Erwartungen dementsprechend hoch geschraubt. Doch dieser Roman ist anders, nicht schlecht, aber ungewöhnlich und skurril.

    Der Roman ist in drei große Teile gegliedert – Heimatlos, Heimwärts, Heimat. Der erste Teil beginnt in Lissabon, 1904 und erzählt die Geschichte von Tomás, der nach einem schweren Verlust nur mehr rückwärts geht, um seinen Protest an die Welt oder das Schicksal auszudrücken. Als er während seiner Arbeit in einem Museum auf ein geheimnisvolles Relikt längst vergangener Zeit stößt, setzt er alles daran um in den Hohen Bergen Portugals nach diesem zu suchen. Sein wohlhabender Onkel leiht ihm eines seiner wundersamen Automobile, gibt ihm einen Crashkurs in Sachen Fahrtechnik und Handhabung. Als sich Tomás auf seine Reise macht, ahnt er noch nicht mal ansatzweise, welch beschwerlichen Weg er zu bewältigen hat. Bereits in diesem ersten Teil erfahren wir viel tiefgründige Abschnitte und Andeutungen. Als kleiner Einblick eine Erklärung des Onkels über das Zeitalter des Automobils:

    „Hier hast du es vor Augen. Die dreißig Pferde stecken alle zusammen in diesem Metallkasten hier zwischen den Vorderrädern. Die Leistung! Die Sparsamkeit! Nie zuvor hat das Feuer der Vorzeit einen so großartig modernen Nutzen bekommen. Und wo ist beim Automobil der Abfall, der beim Pferd so sehr unser Missfallen erregt? Es gibt keinen, nur eine Rauchwolke, die in der Luft verpufft. Ein Automobil richtet genauso wenig Schaden an wie eine Zigarette. Lass es dir gesagt sein, Tomás: Dieses Jahrhundert wird als das Jahrhundert der Rauchwolke in die Geschichte eingehen!“

    Im zweiten Teil begegnen wir dem Pathologen Eusebio am Silvestertag 1938 an seinem Arbeitsplatz. Als ihn seine Frau besucht und sich in religiösen Ergüssen seitenlang offenbart, braucht man als Leser viel Geduld. Doch auch diese Sequenz geht vorüber und Eusebio bekommt noch Besuch von einer Witwe, die einen ungewöhnlichen Wunsch hat. Auch hier fordert Martel dem Leser einiges ab, die Obduktion eines Leichnams mit allen ekelerregenden Details ist ebenso Teil dieser zweiten Episode.

    Im Teil „Heimat“ begleiten wir den Politiker Peter im Jahr 1981 bei einem Umbruch in seinem Leben. Als er nach dem Tod seiner Frau mit dem Leben in Kanada nicht mehr zurechtkommt, begibt er sich auf Spurensuche und reist mit dem Primaten Odo zu seinen Wurzeln in die hohen Berge Portugals. Auch hier findet man wieder viele tiefgründige, philosophische und auch melancholische Ansätze. Martels ruhige, bildhafte Schreibweise tut das Übrige, um die drei Protagonisten zu verstehen und ihre Entscheidungen zu respektieren. Erst gegen Ende findet man den Faden wieder, der die drei Geschichten miteinander verbindet.

    Martel kann mich hier nur bedingt überzeugen, zu skurril waren für meine Begriffe diverse Szenen. Dafür hat mich das Ende wieder entschädigt und sehr berührt.

  12. Cover des Buches Eine allgemeine Theorie des Vergessens (ISBN: 9783406713408)
    José Eduardo Agualusa

    Eine allgemeine Theorie des Vergessens

    (83)
    Aktuelle Rezension von: Julietta89

    Der Einstieg gelingt schnell – man ist sofort mitten im Geschehen, auch wenn anfangs unklar bleibt, wohin die Geschichte führt. Gerade die Protagonistin, die sich in ihrer Wohnung eingeschlossen hat, fand ich bemerkenswert. Auch der kleine Sabulu war ein Highlight.

    Was mich beeindruckt hat, war, wie viel man über die Geschichte Angolas mitbekommt. Gleichzeitig war es nicht immer einfach, der Handlung zu folgen. Viele Stränge, Zeitsprünge und Figuren haben es stellenweise verwirrend gemacht, wer gerade eigentlich im Mittelpunkt steht.

    Die Figuren wirkten glaubwürdig, auch wenn manches ein wenig überzogen war. Besonders hängen bleibt das Wissen um die portugiesische Kolonialzeit und den schwierigen Bürgerkrieg in Angola – ein Hintergrund, der dem Buch viel Tiefe gibt.

  13. Cover des Buches Portugiesische Rache (ISBN: 9783453419452)
    Luis Sellano

    Portugiesische Rache

    (47)
    Aktuelle Rezension von: Jackolino

    Henrik Falkner wird Augenzeuge eines Mordes in der Bar neben seinem Antiquariat. Seine Versuche, den Erstochenen noch zu retten, misslingen, aber der Mann hatte kurz vorher noch ein Buch bei ihm gekauft. Es liegt also die Vermutung nahe, dass sein Mord etwas mit diesem Buch zu tun hatte, es macht ihn stutzig, dass es bei dem Toten nicht gefunden wird. 

    Falkner wird damit in eine Geschichte hineingezogen, mit der er gar nichts zu tun hat. Von Helena, der befreundeten Polizeibeamtin, erfährt er Namen und Hintergrund des Mannes und beginnt mit eigenen Ermittlungen, zumal er sich beobachtet und verfolgt fühlt. 

    Es beginnt eine gnadenlose Jagd kreuz und quer durch Lissabon. Wer die Stadt kennt, wird sich an viele Orte erinnern, zumindest solange sie in der Innenstadt liegen. Der Autor kennt sich in der Stadt am Tejo sehr gut aus und transportiert mit seinen Beschreibungen viel Lebensgefühl der Portugiesen.

    Gut fand ich auch, dass die Handlung die neuere Geschichte Portugals aufgreift. Der Estado Novo endete erst mit der Nelkenrevolution in den 70er Jahren und - wie auch in anderen Diktaturen - so konnten sich auch dort viele Beamte und Geschäftsleute von einer Karriere in die nächste in der Demokratie retten. Ihr Interesse, dass ihre alten Verbrechen noch aufgedeckt werden, ist naturgemäß gering. 

    Unrealistisch erscheint hingegen Henrik Falkner selbst. Man könnte ihn fast als James Bond Portugals bezeichnen. Nichts kann ihm etwas anhaben, eben ist er noch bewusstlos, kurze Zeit später rennt er schon wieder durch die Straßen. Auch wenn man bei einem ehemaligen Polizisten eine gewisse Kondition unterstellen kann, so schien mir sein Verhalten doch etwas übertrieben.

  14. Cover des Buches Asterix 41 (ISBN: 9783770424412)
    Fabcaro

    Asterix 41

    (34)
    Aktuelle Rezension von: derMichi

    Wo sich andere Asterix-Bände in den letzten Jahren noch sichtlich bemühten auch neue Leser zu gewinnen ist "Asterix in Lusitanien" eindeutig ein Comic für langjährige Fans. Rudimentäres Vorwissen zum eingangs zitierten Band "Asterix: Die Trabantenstadt" ist hilfreich, wenn auch nicht zwingend Voraussetzung. Dass der vertraute Look der Nebenfigur Schnurres an die ruhmreichen Zeiten von Goscinny und Uderzo anknüpft ist ein Geschenk für langjährige Asterixianer und vervollständigt die antike Welt der wehrhaften Gallier.

    Im Grunde gibt es kaum Überraschungen und vielleicht macht gerade das den Band zu einer angenehmen Konstante im sich permanent gegenseitig überbietenden Comicsektor. In der Geschichte setzen Zeichner Didier Conrad und Texter Fabcaro auch auf bekannte erzählerische Elemente wie den unvermeidlichen Culture Clash, wenn die Gallier neue Länder und neue Sitten kennenlernen, Obelix' Neigung zur Emotionalität und die unvermeidlichen kulinarischen Kollisionen. Der Kampf kleiner Unternehmer gegen Antagonisten mit Namen wie "Fetterbonus" und Handlanger à la "Niubisnes" sorgt für gelungene Spitzen gegen die Marktmacht von Konzernen und deren Einfluss auf Regierungen.

    Vergnüglich sind auch die eher subtil eingestreuten Anachronismen, etwa die berühmte Lissabonner Straßenbahn (in Form von Pferdefuhrwerken mit Seilen über der Straße) sowie ein Rezeptionist, der vor dem Betreten eines Sicherheitsbereichs ein Passwort mit Zahlen und Sonderzeichen einfordert. Alles in allem eine versöhnliche Angelegenheit für Asterix-Fans aller Altersgruppen, die niemandem wehtut, aber auch nicht langweilt. Die Gallier haben ihre Nische gefunden und dürfen darin auch einmal in Ruhe Neues ausprobieren, ohne gleich Außerirdische zu treffen oder sich einen Lifecoach ins Dorf zu holen.

    Originaltitel: "Astérix en Lusitanie"

  15. Cover des Buches Portugiesische Tränen (ISBN: 9783453419469)
    Luis Sellano

    Portugiesische Tränen

    (25)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein Whiskey, ein Lieferschein und eine Fahne, drei Dinge, die auf den ersten Blick nichts gemein haben, und doch führen sie Henrik Falkner auf die Spur eines weiteren ungeklärten Falls, den sein verstorbener Onkel ihm gemeinsam mit dem Antiquariat vererbt hat. Die Hinweise führen Falkner zur japanischen Botschaft und mitten hinein in einen Kampf um einen seltenen Koi. Die Beteiligten würden töten für den wertvollen Fisch. Aber wer von ihnen geht tatsächlich bis zum äußersten?

    Obwohl der dritte Band einer Reihe, so kann er doch vollständig für sich alleine stehen und ist auch ohne Vorkenntnisse verständlich. Im Verlauf wird über vergangene Ereignisse, die zumindest einen geringen Einfluss auf die aktuellen Geschehnisse haben, ausreichend informiert. Selbst wenn man erst nach der Lektüre später erschienener Bände auf diesen Fall zurückgreift, merkt man sofort, dass nichts relevantes vorweggenommen wurde, das Rätsel absolut ungelöst vor einem liegt.

    Nicht immer sind die Gedankengänge Falkners für den Leser sofort nachvollziehbar, dennoch folgt man ihm bereitwillig in jede noch so brenzlige Situation. Vermutlich könnte er selbst nicht beantworten, ob er sich der bevorstehenden Gefahren nicht bewusst oder einfach nur lebensmüde ist. Allerdings muss man trotz allem unumwunden zugeben, dass durch seinen Leichtsinn immer mehr Gegenspieler ihre Maske fallen lassen, wodurch die Handlung merklich angetrieben wird.

    Zunächst noch ein bisschen verhalten, schließlich müssen die gefundenen Artefakte erst einmal einen Sinn ergeben, wird der Spannungsaufbau stetig vorangetrieben. Konzentration ist ebenso geboten, um nicht die Orientierung zu verlieren oder gar in eine geschickt platzierte Falle zu tappen. Einmal gefangen im Kosmos rund um den angebeteten Fisch, scheint ein geordneter, gewaltfreier Rückzug unmöglich. Die Frage ist nun, wie stark die Blessuren sein werden, die man davonträgt.

    Luis Sellano gelingt es regelmäßig aus eher unscheinbaren, fast schon trivial anmutenden Hinweisen eine komplexe Geschichte zu formen, deren Ausmaß womöglich selbst für den Autor im Vorfeld nicht unbedingt zu erfassen ist. Über unbedachte Aktionen der Hauptfigur lässt sich mitunter streiten, aber gerade die Unberechenbarkeit des Charakters zieht den Leser in den Bann. Ab und an wird das Tempo ein bisschen zu sehr heruntergefahren, hier wünscht man sich ein wenig mehr Kontinuität. Ansonsten ist man schlichtweg gespannt welche Geheimnisse das Antiquariat noch preisgeben wird.

  16. Cover des Buches Schwindende Schatten (ISBN: 9783328600138)
    Antonio Muñoz Molina

    Schwindende Schatten

    (6)
    Aktuelle Rezension von: milkysilvermoon

    In Lissabon landet James Earl Ray, der Attentäter von Martin Luther King, im Frühsommer 1968 auf der Flucht vor der Polizei. Unzählige Male hat er seine Identität gewechselt, nun jedoch scheint sein Spiel sich dem Ende zu nähern. In der portugiesischen Stadt verweilt auch der Autor Antonio Muñoz Molina eine Weile. Er schreibt dort im Jahr 1987 den Roman, der für ihn den literarischen Durchbruch bedeuten wird. Dreißig Jahre später kehrt er zurück nach Lissabon und wandelt auf den Spuren von James Earl Ray. 

    „Schwindende Schatten“ von Antonio Muñoz Molina ist ein Roman mit (auto-)biografischen Zügen.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 26 Kapiteln, die wiederum aus mehreren Abschnitten bestehen. Es gibt zwei Erzählstränge: Einerseits wird aus der Sicht des Attentäters Ende der 1960er-Jahre erzählt, andererseits in der Ich-Perspektive aus der Sicht des Schriftstellers in der jüngeren Vergangenheit. Die beiden Stränge wechseln sich von Kapitel zu Kapitel ab. Diese Struktur ist reizvoll und wirkt gut durchdacht.

    Dass der Autor hervorragend mit Sprache umgehen kann, ist dem Roman mehrfach anzumerken. Gelungene Bilder und kluge Sätze, die immer wieder eingestreut sind, belegen das schriftstellerische Können. Der Autor schafft es, eine intensive Atmosphäre und Szenerie zu erzeugen. Gleichzeitig ist der Schreibstil, der von vielen Details geprägt ist, aber ziemlich ermüdend. Lange, verschachtelte Sätze mit vielen Aneinanderreihungen machen das Lesen zu einer Herausforderung und sind eine der Hauptgründe, weshalb es mir zunehmend schwerfiel, die Geschichte weiterzuverfolgen.

    Auch inhaltlich hatte ich mit dem Roman Schwierigkeiten. Dabei stehen mit James Earl Grey und dem Schriftsteller zwei interessante Persönlichkeiten im Vordergrund, die recht wenig gemeinsam haben außer dem Ort Lissabon, an dem sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten verweilen. Am meisten fesseln konnten mich die Kapitel, die sich mit der Flucht des Attentäters beschäftigen. Interessant fand ich es auch, mehr über das künstlerische Schaffen und den Arbeitsprozess eines Schriftstellers sowie die autobiografische Komponente von Antonio Muñoz Molina zu erfahren. Insofern hat mich die Grundidee des Romans sehr neugierig gemacht. Beide Charaktere werden authentisch dargestellt und bieten viel Potenzial, das in diesem Fall leider jedoch nicht ausgeschöpft wurde.

    Schon allein aufgrund der Zahl von rund 500 Seiten wird dem Leser schnell deutlich, dass der Roman etwas Durchhaltevermögen erfordert. Dies wäre auch kein Problem, wenn sich der Inhalt einfacher erschließen würde. Für mich blieb allerdings bis zum Schluss unklar, was die Verbindung beider Erzählstränge bewirken sollte, da sie nicht ausreichend miteinander verknüpft wurden. Immer wieder verliert die Geschichte den roten Faden aus dem Blick, beschäftigt sich mit Nebensächlichkeiten und lässt einige interessante Fragen offen. Vieles bleibt somit unkonkret und oberflächlich. Bis zum Ende konnte ich daher keinen Zugang zum Gelesenen finden. Stattdessen machten sich bei mir zunehmend Langeweile und die Frage breit, was der Autor mit seinem Werk überhaupt bezwecken will. Auch das Nachwort gibt leider keinen Aufschluss über Letzteres. Das ist auch deshalb schade, weil durchaus spürbar ist, wie viel Recherche und sonstiger Aufwand in dem Roman steckt.

    Das zurückhaltende, etwas geheimnisvolle Cover passt gut zum Inhalt. Mir gefällt auch, dass sich der deutsche Titel am spanischen Original („Como la sombra que se va“) orientiert.

    Mein Fazit:
    Meinen hohen Erwartungen wurde „Schwindende Schatten“ von Antonio Muñoz Molina leider insgesamt nicht gerecht. Selbst geübten Lesern anspruchsvoller Literatur verlangt der Roman aufgrund seiner Langatmigkeit einiges ab. Wer jedoch Durchhaltevermögen beweist, wird hier und da mit einigen beeindruckenden Sätzen und Passagen überrascht.

  17. Cover des Buches Ein unvergänglicher Sommer (ISBN: 9783518470015)
    Isabel Allende

    Ein unvergänglicher Sommer

    (143)
    Aktuelle Rezension von: AutorinMonaFrick

    Gerade hab ich das Buch abgeschlossen und es sehr gern gelesen. Früher schon hab ich die Bücher der Autorin verschlungen, aber sie irgendwie aus den Augen verloren...

    Allende schreibt hier zwar über dramatische und grausame Zeiten in der Militärdiktatur und traurige Ereignisse in der Vergangenheit der drei Protagonisten, schafft es aber, in der Gegenwart wunderbar zu unterhalten. Drei Personen, die über Zufall und wahrscheinlich Schicksal verbunden sind und ein Abenteuer bestehen müssen... 

    Ein Buch, das Hoffnung gibt, nach allen erlebten Traumata zum Trotz, das Glück und die Liebe zu erfahren.

  18. Cover des Buches Der Doppelgänger (ISBN: 9783442745319)
    José Saramago

    Der Doppelgänger

    (52)
    Aktuelle Rezension von: Kerstin_Westerbeck

    Was wenn es dich zweimal gäbe – ein hundertprozentiges Duplikat von dir selbst? Diese Frage bricht unerwartet in Geschichtslehrer Tertuliano Máximo Afonsos Leben ein, als er sich eines Abends nichtsahnend ein Video ansieht. Er entdeckt darin einen Schauspieler, den Nebendarsteller António Claro, der ihm in jeder Hinsicht gleicht, mehr als ein Zwilling. Das Gesehene löst eine kleine Schockreaktion in ihm aus und natürlich kann er nicht anders, als der Sache nachgehen und besagten Schauspieler ausfindig machen. Das aber braucht seine Zeit, denn Tertuliano Máximo Afonso geht methodisch eher konservativ vor. Derweil sich das Unfassbare und die gleichzeitig bohrende Frage: bin ich etwa nicht einzigartig? auf seinen Gemütszustand auswirken, lernt der Leser den Alltag des Lehrers kennen. Nicht sonderlich viel spielt sich dort ab. Es gibt eine Geliebte (Maria da Paz), seine Mutter und ein paar Lehrerkollegen. Mit seiner Beziehung zu Maria da Paz ist er leicht überfordert. Anfänglich möchte er sie lieber loswerden als die Beziehung vertiefen. Dann aber kommt es ihm in den Sinn, sie doch für seine Zwecke – das Aufspüren des Doppelgängers – zu "benutzen" …

    Tertuliano Máximo Afonsos hat keinen klaren Plan für sein Leben – und das vermeintliche Doppel kann somit nur zur Bedrohung werden. Als es dann auch noch zur Gegenüberstellung kommt, alle Zweifel ausgeräumt werden und klar ist: ja, das Geburtsdatum stimmt und selbst Muttermale und Narben sitzen bei beiden an denselben Stellen, reagiert auch „der Andere“ António Claro. Keiner möchte das Duplikat des jeweils anderen sein. Keiner möchte seine Identität zugunsten des anderen aufgeben. António Claro unternimmt jedoch den ersten Schritt, um gegen den selbsternannten „Gegner“ eine Art Racheakt zu verüben ... Kurz habe ich an dieser Stelle überlegt, ob sich hierin jetzt ein charakterlicher Unterschied ankündigt. Saramago aber untergräbt diese Frage gleich wieder – indem er Tertuliano Máximo Afonso zu ganz ähnlichen Waffen greifen lässt ... Die völlig überraschende Wende am Ende des Romans, ist vermutlich eine indirekte Antwort Saramagos auf die kurz zuvor gestellte Frage des Geschichtslehrer, unmittelbar nach der Feststellung der totalen Übereinstimmung: Werden wir auch zusammen sterben? Die Antwort auf diese Frage aber greift weiter, betrifft – meiner Meinung nach – eine ganze Gesellschaft …

    Tertuliano Máximo Afonso ist ein Name der hängenbleibt. Und auch wieder nicht, weil es nicht unbedingt ein leicht einzuprägender Name ist. Deshalb wiederholt Saramago ihn mit schöner Regelmäßigkeit immer vollständig. Der Lehrer gleicht jedoch einem Mann ohne Gesicht, versteckt sich hinter seinem Fachwissen und kommt außer bei einem (vielleicht) unterschwellig gärenden Konflikt mit dem Mathematiklehrer-Kollegen emotional nicht aus sich raus. Um sich aber von seinem vermeintlichen Duplikat zu unterscheiden, müsste er eigentlich auf das zurückgreifen können, was ihm offensichtlich fehlt: eine Vorstellung davon, wer er selbst ist. Zu spät versucht er an eben dieser Stelle seinem Leben eine Richtung zu geben und eine Entscheidung zu treffen (für Maria da Paz) – denn das Schicksal macht ihm unerwartet einen Strich durch die Rechnung …

    "Der Doppelgänger" von José Saramago liest sich nicht unbedingt locker runter. Lange Sätze, keine Absätze, viele Nebensätze, wörtliche Rede nicht durch Anführungszeichen abgesetzt … machen das Lesen eher beschwerlich. Man findet jedoch irgendwann einen Rhythmus, geht mit und weiß intuitiv wer gerade spricht. - Absicht? Vermutlich. Einmal im Fluss, ändert der Autor jedoch plötzlich die Richtung, greift der Handlung vor, kommentiert oder stellt sogar etwas in Frage. Dazu bringt er auch noch den gesunden Menschenverstand ins Spiel, der personifiziert mit dem Protagonisten eine Art innerer Monolog führt. Ich hatte immer wieder das Gefühl, es geht Saramago nicht nur um seinen Protagonisten. Seine Sprache fliesst immer weiter … ähnlich dem „Fluss“ in der Großstadt(?) Wie der Autor ein paarmal andeutet, ist Tertuliano Máximo Afonso einer unter Millionen, Einwohner einer Metropole – und dort ist er nie einzigartig, weil Identität in Anonymität übergeht … Ganz abstrakt von außen betrachtet ist dort jeder ein Duplikat des anderen. Der Mensch wird erst zum Individuum, wenn man ihn einzeln betrachtet. Genau davor aber hat Tertuliano Máximo Afonso eigentlich Angst.

  19. Cover des Buches Loslassen – Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte (ISBN: 9783492405072)
    Katharina Finke

    Loslassen – Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte

    (24)
    Aktuelle Rezension von: susi2310

    Tatsächlich habe ich das Buch nur wegen dem Titel ausgewählt und das es etwas mit Reisen zu tun hat. Den Klappentext habe ich nicht gelesen, sondern mich direkt ins Leseabenteuer gestürzt. 

    Ja, das Wort Abenteuer passt richtig gut, denn Katharinas Leben war alles andere als verwurzelt. Sie berichtet so tiefergehend von sich und ihrem Leben, das es wirklich Mut zur Selbstreflexion brauch so schreiben zu können. 

    Es werden nicht nur Reisegeschichten runtergerattert, sondern es wird ein Lebensstil beschrieben, der so stimmig und auch nachvollziehbar ist, dass man einfach wissen will wie es weitergeht. Was Katharina noch erlebt.

    Bitte stellst Euch kein normales "ich geh dann mal auf Weltreise Buch vor" sondern eins wo Reisen zum Leben und Erfahrung sammeln dazu gehört. Wo Reisen der Job ist bei dem man nicht nur Geld verdient sondern viel viel mehr. 

    Für mich ein super gelungenes Buch, es hat richtig Spaß gemacht zu lesen, auch wenn es ein paar sehr traurige Stellen gibt, aber so ist das Leben. Es kann nicht immer nur die Sonne scheinen. Auch nicht bei Menschen die Reisen. Jede Medaille hat nun mal zwei Seiten. Auf einer Seite gewinnt man, dennoch wird man immer etwas auf der anderen Seite verlieren. Die Frage ist nur wie man damit zu Recht kommt. Genau das beschreibt Katharina wunderbar in Ihrem Buch.

    Fazit: unbedingt lesen, zwischendurch Luft holen und alles sacken lassen und dann weiterlesen!!!

  20. Cover des Buches Todesschiff (ISBN: 9783596194933)
    Yrsa Sigurdardottir

    Todesschiff

    (137)
    Aktuelle Rezension von: PoldisHoerspielseite

     In Reykjavik wird eine herrenlose Luxusyacht angetrieben, menschenleer und verlassen. Die Anwältin Dora Gudmundsdottir soll den Tod der Passagiere bestätigen, um die Lebensversicherung der Familie auszahlen zu können. Doch als ebenfalls eine Leiche an Land getrieben ist, die eindeutig nicht bei einem Schiffunglück ertrunken ist, will Dora unbedingt herausfinden, wie die Menschen zu Tode gekommen sind…

    Die isländische Krimiautorin Yrsa Sigurdardottir ist insbesondere für ihre Krimis über die Anwältin Dora Gudmundsdottir bekannt geworden, wobei die die Reihe mit dem sechsten Band „Todesschiff“ abgeschlossen hat. Neben der Hauptfigur sind natürlich auch schon andere Charaktere bekannt, so nehmen die Unstimmigkeiten mit Bella wieder sehr unterhaltsam eingebaut und sorgen für einen leicht humorigen Effekt, auch wenn manche Ideen hier schon etwas überzogen wirken. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, einerseits begleitet der Leser Dora bei ihren Ermittlungen. Diese sind stellenweise etwas zu ausgeweitet und tempoarm für meinen Geschmack, sodass sich manche Passagen in die Länge ziehen und die Spannungskurve dann merklich einknickt. Der andere Erzählstrang dreht sich um die Zeit auf der Yacht vor den Todesfällen. Auch hier kommt nicht immer Spannung auf, wenn die Familie sich über recht belanglose Themen unterhält. Doch in der Kombination der beiden Teile, die sich gut reiben und einander ergänzen, ist eben doch eine gelungene Dynamik zu spüren, ebenso wie die vielen kleinen Cliffhanger für Spannung sorgen.

    Die Atmosphäre des Romans hat mir insgesamt gut gefallen – mit Ausnahme der bereits erwähnten langwierigen Passagen – da viele Rätsel gelöst werden wollen und so eine rätselhafte Wirkung entsteht. Nicht alle Charaktere haben bei mir einen lebendigen Eindruck hinterlassen, sie wirken etwas blass und farblos, sodass ich nicht wirklich mit ihnen mitfiebern konnte. Die Auflösung am Ende ist recht verdichtet und konzentriert sich auf Dora, die ihre Erkenntnisse zusammenfasst, wobei einige reizvolle Ideen eingeflossen sind.

    „Todesschiff“ konnte mich zwar nicht vollkommen begeistern, dafür war der Spannungsbogen nicht durchgängig gehalten und manche Charaktere zu farblos dargestellt. Durch die zwei geschickt miteinander verbundenen Zeitebenen und viele Cliffhanger ist insgesamt dennoch ein spannender Gesamteindruck entstanden. Einige gelungene Wendungen und eine sehr dicht erzählte Auflösung machen den Roman dann doch lesenswert, wenn auch nicht der beste Teil der Autorin vorliegt.   

  21. Cover des Buches Sommer unseres Lebens (ISBN: 9783462048896)
    Kirsten Wulf

    Sommer unseres Lebens

    (93)
    Aktuelle Rezension von: bookwormceli

    Hanne, Claude und Miriam haben gemeinsam in Portugal ihren 25. Geburtstag gefeiert und sich damals geschworen, auch ihren 50. Geburtstag wieder genau dort zu feiern. Natürlich haben die drei sich in den letzten 25 Jahren weiterentwickelt und jede führt nun ein anderes Leben, aber trotzdem lassen sie sich auf diese abenteuerliche Reise, jede mit ihrem eigenen Grund dazu, ein. 


    Die Idee für die Geschichte fand ich eigentlich ganz nett. Sich nach 25 Jahren nochmal in Portugal zu treffen, ohne in der Zwischenzeit Kontakt gehabt zu haben, klingt ja nach sehr viel Abenteuer. Erlebt haben die drei Frauen ja einiges, aber leider hat mir beim Schreibstil ein wenig die Spannung gefehlt. Ich war zudem auch manchmal verwirrt, da öfter nicht sofort klar zu sehen war, wer in der jeweiligen Situation gerade spricht. 


    Zu Hanne, Claude und Miriam tu ich mir ein wenig schwer etwas dazu zu sagen, da ich mir ja oft nicht sicher war, wer gesprochen hat. Ich weiß auf jeden Fall, dass jeder von ihnen ein Päckchen mit sich zu tragen hat. Was mir aufgefallen ist, ist, dass die Protagonistinnen 50 Jahre alt sind und das auch immer wieder erwähnt wird, aber sie auf mich teilweise eher wie 20 gewirkt haben. 


    Meiner Meinung nach, ist das Buch ganz nett für den Sommer für zwischendurch. Die Idee dahinter fand ich auch sehr gut, aber da mir persönlich einfach ein wenig die Spannung gefehlt hat, konnte mich das Buch leider nicht so packen.

  22. Cover des Buches Mein Name ist Legion (ISBN: 9783641321826)
    António Lobo Antunes

    Mein Name ist Legion

    (4)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    In einem sozial schwachen Viertel von Lissabon terrorisiert eine aus hauptsächlich Migranten bestehende Jugendgang Anwohner und die umliegenden Gemeinden. Sie überfallen Häuser und Tankstellen, verdingen sich als Zuhälter, verkaufen Hehlerware und schrecken auch nicht vor schwerer Körperverletzung zurück. Die Polizei beobachtet das Viertel über mehrere Monate, infiltriert es, befragt Zeugen und landet schließlich einen großen Coup, bei dem mehrere Todesopfer zu beklagen sind. Dieses Ereignis sowie die Entwicklungen, die zu ihm geführt haben, haben Auswirkungen auf eine Vielzahl von Figuren: den Polizisten, der die Operation hauptverantwortlich leitete, die Eltern der kriminellen Jugendlichen, ihre Geschwister, Komplizen, Nachbarn und schließlich auch die Gangmitglieder selber. Und sie alle erzählen davon – und von dem, was sie noch in ihrem Leben beschäftigt.

    ...aber wenn so viele alte Erinnerungen brodeln, entzieht sich einem der Kopf, ich höre, wie er alte Begebenheiten bewegt, Menschen und Dinge von ihrem Platz verrückt und Unglück wieder hervorholt, das ich vergessen glaubte, das aber letztlich bleibt... (S. 67)

    António Lobo Antunes gilt als einer der bedeutendsten portugiesischen Schriftsteller der Gegenwart und wird seit Jahren als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt. Dass man es mit anspruchsvoller Literatur zu tun hat, wird jedem Leser aber schon selbst nach der Lektüre der ersten Seite eines jeden seiner Romane bewusst: Lobo Antunes weist einen unverwechselbaren Schreibstil auf, der sich durch wilde Assoziationen, eine reduzierte Interpunktion sowie radikale Introspektion der sprechenden Figur auszeichnet. In seinem Roman Mein Name ist Legion von 2007 lässt er insgesamt 12 Charaktere auf knapp 450 Seiten zu Wort kommen. Sie alle blicken mit denen ihnen eigenen Perspektive auf das Leben im Bairro (portugiesisch für Stadtvirtel), das sich durch Armut, Gewalt, Perspektivlosigkeit und strukturellen Rassismus auszeichnet. Die Vorurteile der Weißen in diesem Roman sitzen tief, das N-Wort wird fast auf jeder Seite in den Mund genommen; gleichzeitig kann jede schwarze Figur von Diskriminierungserfahrungen seit frühester Kindheit berichten. Die Grenze von Schwarz und Weiß ist in Mein Name ist Legion scharf gezeichnet, ebenso die zwischen Arm und Reich sowie Mann und Frau.

    Und doch sind sich alle Figuren in diesem Roman verbundener, als sie selber glauben: Sie alle kämpfen mit Einsamkeit und emotionaler Kälte in ihrem Leben, die Vergangenheit lastet auf allen von ihnen, bei manchen ist sie mit Schuld, bei anderen mit schweren Verletzungen beladen. Positive Momente sind rar in Lobo Antunes‘ Geschichte, das Elend ist allumgreifend, es schillert nur bei jeder Figur in einem anderen (Erzähl-)Ton. Diese inhaltliche Schwere trägt fast genauso wie der anspruchsvolle Stil dazu bei, dass die Lektüre des Romans recht viel Zeit braucht. Doch lässt man sich voll und ganz ein auf Lobo Antunes‘ Art des Erzählens, statt verkrampft zu versuchen, zu verstehen, entfalten seine Bilder eine enorme Stärke: Geht man mit seinem Rhythmus, hört man den Stimmen, die er ertönen lässt wirklich zu, dann kann man in die Gedankenströme eintauchen und aus den einzelnen Erinnerungsfetzen eine komplexe und verzweigte Handlung ableiten.

    Ein Roman wie Mein Name ist Legion macht weder inhaltlich noch stilistisch viel Spaß und trotz aller Bewunderung für das schriftstellerische Können des Autors ist eine gewisse Müdigkeit – die manchmal in Langeweile übergehen kann – beim Lesen nicht auszuschließen. Zugleich wird man mit einer vielschichtigen und vielstimmigen Erzählung belohnt, die Raum für Zwischentöne, Unbewusstes und eigene Interpretationen lässt. Wer es hin und wieder mag, sich durch ein Buch durchzukämpfen und experimenteller Literatur generell offen gegenübersteht, der muss Lobo Antunes eigentlich lesen. Mein Name ist Legion bietet aufgrund des sehr kurzgeschichtenartigen Aufbaus meiner Meinung nach dafür den idealen Einstieg. Also: Traut euch!

  23. Cover des Buches Portugiesisches Blut (ISBN: 9783453439221)
    Luis Sellano

    Portugiesisches Blut

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Jackolino

    Henrik Falkner hat sich in Lissabon eingelebt und hat sogar eine Renovierung des alten Hauses, in dem er lebt und sich das Antiquariat befindet, in Auftrag geben können. Eines Tages sucht ihn eine junge Brasilianerin auf der Suche nach ihrer  Mutter auf. Sie hatte wohl einige Zeit in dem Haus gelebt und so vermutet sie, dass Henrik ihr etwas über ihren Verbleib sagen kann. Tatsächlich finden sich in Martins Unterlagen Hinweise auf sie, aber keiner weiß, wohin sie verschwunden sein könnte. Und so macht Henrik sich auf die Suche.

    Zum Teil tauchen alte Bekannte im Buch auf, die ich bereits aus dem ersten Band kannte. Helena spielt allerdings zunächst einmal nur eine Nebenrolle, Henrik und sie hatten nach einen Streit nur noch wenig Kontakt miteinander. Es scheint, als ob sich die Anzahl der vertrauenswürdigen Menschen in seiner Umgebung reduziert hätte und er mehr und mehr zu einem Einzelkämpfer wird. 

    Ich fand den Fall ziemlich verwirrend, Band 1 der Reihe hatte mir deutlich besser gefallen. Schön war es natürlich, wieder kreuz und quer durch Lissabon unterwegs zu sein und auch Sintra mit in den Handlungsradius aufgenommen zu wissen. Die stehende Hitze in der Stadt konnte man anhand der Beschreibungen nachfühlen und das schlussendliche Gewitter wirkte wie eine Befreiung.  

    Die einzelnen Hinweise aus dem Antiquariat, vor allem die Azulejos, konnte ich der Lösung des Falles aber noch nicht zuordnen. Und letztendlich ist der wichtigste Fall, nämlich Martins plötzlicher Tod,  ja auch noch nicht geklärt, denn die Person, die hinter allem zu stehen scheint, ist noch nicht aufgetaucht und scheint in der ganzen Stadt mehr ein Phantom zu sein.



  24. Cover des Buches Lissabonner Requiem (ISBN: 9783446201736)
    Antonio Tabucchi

    Lissabonner Requiem

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Duffy

    Der Erzähler hat einen heißen Tag, zwölf Stunden, in Lissabon, um sich ganz der Atmosphäre und den Menschen dieser Stadt hinzugeben. Freilich nicht ganz unbelastet, den Tabucchis Buch ist keine Realität, es ist ein Zusammenfluss von Traum und Wirklichkeit. So begegnet der Erzähler einer Vielzahl von Menschen, Begegnungen, die sich in die Stadt einschmiegen und sie lebendig machen. Es sind aber auch Tote dabei, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verschmelzen. Alles zusammen wird zu einer wunderbaren Hommage an eine großartige Stadt, eine einladende Geste für die, die sich vom Zauber einfangen lassen wollen. Daher bildet auch der Schlusspunkt dieses brillanten Büchleins ein Treffen mit dem heimlichen König von Lissabon, dem Literaten Fernando Pessoa. So gibt es dann auch ein Stück Logik in diesem Kaleidoskop, denn wer sonst sollte es besser abschließen als die Lichtgestalt der portugiesischen Literatur. 

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