Bücher mit dem Tag "longlist deutscher buchpreis"

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40 Bücher

  1. Cover des Buches Miroloi (ISBN: 9783446261716)
    Karen Köhler

    Miroloi

     (165)
    Aktuelle Rezension von: hamburgerlesemaus

    Ich wollte das Buch auf Seite 70 bereits aus der Hand legen, als es geschah: Es packte mich, fing mich ein und ließ mich bis zum Ende nicht mehr los. 571 Seiten in 2 Tagen (ok, ich bin für 15 Tage in Thailands Quarantäne weggeschlossen, aber ich hätte auch draußen jede Minute lesen müssen…)

    Das Mädchen ohne Namen, die Protagonistin des Buches, wurde als Baby auf die Treppe des Bethauses auf der fiktiven Insel „im schönen Dorf“ (vermutlich in Griechenland) ausgesetzt.
    Seitdem ist sie verantwortlich für alles Schlechte, was im Dorf passiert. Sie wird von den abergläubischen Dorfbewohnern gemoppt und beschimpft, die Dorfkinder laufen ihr hinterher: „Eselshure, Schlitzi, Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten“ (S.9).
    Sie gehört nicht zur Gemeinschaft, darf keinen Namen haben, nicht heiraten und auch später keine Kinder kriegen.
    Aber sie darf arbeiten: Auf dem Feld, im Stall, in der Küche, Wäsche waschen und nähen.. Jeder darf sich das Mädchen für Arbeiten ausleihen.

    Das Dorf ist hinterwäldlerisch: Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen. Es gibt keinen Strom und wer nicht gehorcht, wird an den Pfahl gebunden und bestraft.

    Es ist die Geschichte einer männerdominierten Dorf-Gesellschaft, wo ein Mädchen Mut aufbringt und sich widersetzt.

    Die Sprache des Romans ist poetisch, aber naiv doch interessant.
    Mir hat gefallen, wie Karen Köhler es geschafft hat, verschieden Kulturen und Religionen zu verknüpfen: So heisst das Gebetbuch des Dorfes Khorabel, die 3 Götter kommen aus dem Hinduismus, wobei die Gemeinschaft eher an die Sekte Colonia Dignidad erinnert.

    Das Buch hat mich ein wenig traurig zurückgelassen: so weiß man, dass es diese Art von Unterdrückung noch in der heutigen Zeit gibt und Religionen als Machtmittel benutzt werden.

    Ein großartiges #romandebüt, ein Buch was nicht so schnell vergessen wird, ein #buchhighlight für mich!

  2. Cover des Buches Die Unschärfe der Welt (ISBN: 9783608983265)
    Iris Wolff

    Die Unschärfe der Welt

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Literaturwerkstatt-kreativ

    „Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor:

    „Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff


    "Es gab Sehnsucht nach etwas, das verloren war, Sehnsucht nach etwas, das sich nicht erfüllt hatte, Sehnsucht danach, etwas zu finden, und manchmal auch danach, etwas zu verlieren."


    Rumänien / Banat - 20. Jahrhundert

    Hannes ist evangelischer Pfarrer und tritt seine erste Pfarrstelle im rumänischen Banat an. Seine Frau Florentine begleitet ihn dorthin und bringt einige Zeit später einen Sohn zur Welt, der den Namen Samuel erhält.

    „Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird?

    Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte?“


    Fazit:

    Iris Wolff erzählt eine bewegende Familiengeschichte in der es um 4 Generationen geht, wobei Hannes, Florentine und Samuel sozusagen der rote Faden dieser Erzählung sind.

    Die Geschichte spielt hauptsächlich im rumänischen Banat und so bekommen wir auch geschichtlich einiges von dieser Region geboten. Hier hätte ich mir an einigen Stellen allerdings die Auseinandersetzung mit der Diktatur in Rumänien und einem despotischen Ceaușescu-Regime etwas ausführlicher gewünscht.

    Die Autorin hat einen wunderschönen, sprachgewaltigen, jedoch auch einfühlsamen Erzählstil. Nach und nach lernen wir die einzelnen Protagonisten der Geschichte kennen. Dabei ist Wolff eine sehr genaue Beobachterin, die uns ihre verschiedenen Charaktere sehr detailliert und liebevoll vorstellt. Dabei hat jeder der Protagonisten so seine Eigenarten, seine Ecken und Kanten, die jene dadurch sehr authentisch erscheinen lassen. Es ist keineswegs ein reißerisches Buch, schon eher eine Geschichte mit wunderschönen stillen und nachdenklichen Momenten.

    Völlig zu Recht wurde „Die Unschärfe der Welt“ für den „Deutschen Buchpreis 2020“, den „Bayerischen Buchpreis 2020“, sowie dem „Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2020“ nominiert.

    Das Taschenbuch erscheint bereits im Oktober diesen Jahres.


    Eine poetische und sehr warmherzige Familiengeschichte!



    Die ganze Rezension auch auf meinem Literaturblog:
    https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2021/08/08/die-unscharfe-der-welt-von-iris-wolff/


    Besten Dank an den „Klett-Cotta Verlag“ für das Rezensionsexemplar.





  3. Cover des Buches Der letzte Satz (ISBN: 9783446267886)
    Robert Seethaler

    Der letzte Satz

     (188)
    Aktuelle Rezension von: buecherhaii

    Das Cover, der Klappentext und der Titel hören sich ja generell schon irgendwo traurig an. Das stellt sich in dem Buch auch nicht als Problem dar, da es auch traurig sein soll. Zumindest kommt mir der Inhalt sehr traurig vor.


    Das Problem in dem Buch ist auch nicht der Schreibstil, das Problem verbirgt sich eher in dem Buch. Die Kürze ist etwas was mich beunruhigt hat und diese Beunruhigung hat sich auch gehalten. 

    Warum? Ganz einfach, es war zu kurz für diese ganze Story. Man hätte das alles viel mehr ausreizen können, das Gewisse etwas hat mir einfach gefehlt das dieses Buch gebraucht hat.


    Man lernt klar den Menschen gut kennen, trotz der Kürze, aber es ist als ob etwas fehlt. Als ob das nicht alles hätte gewesen sein. Als ob man mitten in der Geschichte irgendwie das Ende herbei führt.

    Vielleicht soll die kürze aber auch Zeigen wie schnell das Leben vorbei sein kann... das Buch lässt mich leider unbeeindruckt zurück..

  4. Cover des Buches Vater unser (ISBN: 9783446262591)
    Angela Lehner

    Vater unser

     (98)
    Aktuelle Rezension von: Rinoa

    Eva Gruber wird von der Polizei in die psychiatrische Abteilung des Wiener Spitals gebracht. Dort spricht sie mit Doktor Korb über ihr Leben, die Eltern, ihren Bruder Bernhard und die Umstände, die sie hergebracht haben. Doch kann man Eva und ihrer Wahrnehmung überhaupt trauen? Oder ist vielleicht doch alles ganz anders?

    Zunächst einmal ist „Vater unser“ wirklich super geschrieben und gut zu lesen, der Sprachstil ist rasant und modern. Eva ist ichbezogen und besserwisserisch, doch sie erzählt – oder besser gesagt: monologisiert – auch mit einem Augenzwinkern und lässt hier und da einen gewissen Humor aufblitzen, so dass die knapp 300 Seiten wirklich nur so dahingeflogen sind.

    Ich kann auch nicht sagen, dass die Lektüre nicht kurzweilig war oder ich mich nicht unterhalten gefühlt habe, aber sie hat mich doch ganz schön ratlos zurückgelassen.
    Am Ende waren es für meinen Geschmack zu viele Andeutungen und zu wenig Handfestes, so dass ich fast raten musste, was denn nun wirklich passiert ist (und bis heute nicht sicher bin, ob ich „richtig“ lag). Sicher von der Autorin so gewollt, aber leider nicht ganz mein Fall.

  5. Cover des Buches Unter der Drachenwand (ISBN: 9783446258129)
    Arno Geiger

    Unter der Drachenwand

     (82)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    Mondsee in Österreich 1944. Nach mehr als vier Jahren Krieg treffen am Mondsee, der bislang vom Krieg verschont wurde, der traumatisierte Soldat Veit, die Lehrerin Margot, die mit ihrer Klasse aus Wien verschickt wurde und Margot mit ihrem Baby aufeinander. Es entwickelt sich das Leben in einer Idylle, die scheinbar vom Krieg verschont wurde. Nach und nach kommt aber immer mehr der Krieg ins Leben der Menschen und die Hoffnung auf ein siegreiches Ende des Krieges sind längst verflogen. Als Veit und Margot zusammenkommen und Veit jeden Tag fürchten muss wieder an die Front geschickt zu werden, bekommt das Idyll starke Risse und die Sehnsucht nach einem Leben ohne Krieg wird immer stärker. Diese Sehnsucht verzehrt die Menschen und die Hoffnungslosigkeit breitet sich aus.

    Dem Autor gelingt mit einer tollen Sprache und großer Stilistik ein wundervolles Buch über drei Menschen, die zerrissen sind vom Krieg und dessen Folgen, das vermeintliche Glück gefunden zu haben in einem kleinen Idyll, aber vom großen Krieg wieder eingeholt werden. Die Sehnsucht nach einem normalen Leben wird exzellent eingefangen und auch die Hoffnungslosigkeit des Krieges gelingt als Darstellung. Ein aufrüttelndes Buch, das mich überzeugt hat und daher eine klare Empfehlung.

  6. Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)
    Norbert Scheuer

    Winterbienen

     (88)
    Aktuelle Rezension von: ysmn

    Natur und Krieg. Bienen und Menschen. Leben und Tod.

    All dies verwebt Norbert Scheuer auf großartige und einfühlsame Weise in seinem Roman „Winterbienen“. Er erzählt in Tagebuchform über das Leben des Imkers Egidius Arimond in der Eifel, der während des Zweiten Weltkriegs Juden in seinen Bienenstöcken bis zur belgischen Grenze schmuggelt. Das Fortschreiten des Krieges, die Frauengeschichten des Protagonisten und seine Epilepsie, die immer schlimmer wird, weil er sich keine Medikamente mehr besorgen kann und schließlich die zunehmend gefährlicher werdenden Fahrten mit den Flüchtlingen führen dazu, dass die Situation beklemmender und bedrückender wird.

    Bevor die Geschichte jedoch an Rasanz zunimmt, gelingt es Scheuer, über den Krieg, der „doch immerzu anwesend [ist]; ein schrecklicher Dämon, der seit Menschengedenken existiert, versteckt in einem Winkel lauert und jederzeit unerwartet hervorkommen kann, um blindwütig die Natur und ihre Kreaturen zu schänden”, eindrücklich zu erzählen. Denn er stellt ihn dem Leben der Bienen und ihrem Rhythmus gegenüber, verbindet beides sprachlich miteinander und schafft so einen Kontrast, aber auch ein Nebeneinander.
    Einerseits sind die Bienen untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden und beschützen nicht nur die Flüchtlinge in den Bienenkästen, indem sie sich wie eine Traube um die Menschen legen, sondern auch die Notizen Egidius’ und eine Notration seines Medikaments, die in den Kästen der Bienen sicher aufgehoben sind. Auf einer metaphorischen Ebene lassen sich außerdem die abstürzenden Flugzeuge, die an der Front gefallenen Soldaten, von denen lediglich die Särge den Weg zurück in die Eifel finden, mit einer Krankheit vergleichen, die die Bienen ihres Orientierungssinns beraubt. Sie finden nicht mehr in den Stock zurück und sterben. Ein anderes Bild sind die Menschen im Bunker, die sich wie ein Bienenschwarm zusammenfinden: „Im hintersten Winkel des großen Bunkers in der Bahnhofstraße hängt der ganze Ort gleichsam wie eine zitternde Menschentraube zusammen.”
    Andererseits aber, stehen die Bienen in ihrem Verhalten für all das, was der Krieg nicht ist. Sie arbeiten zusammen, sorgen besonders im Winter füreinander und verteilen “Wärme im Staat”, damit die Larven nicht erfrieren, während der Krieg Hass und Kälte im von menschlicher Hand geführten Staat verteilt. Der ewige Rhythmus der Bienen stellt sich dem Hass, dem Töten und der Zerstörung gegenüber. Sie bleiben vom Krieg unberührt: „Der Lärm der Angriffe scheint den Bienen nichts auszumachen; sie leben in einer anderen, wie es scheint, friedlichen Welt, sie interessiert der Krieg nicht.” Erst als Soldaten auf die Bienenstöcke schießen und diese mutwillig zerstören, hält der Krieg der Menschen selbst in der Bienenwelt Einzug.

    Scheuers Roman ist wie der Tanz der Bienen, wie ihr „Sprachballett”. Er wird den Schrecken des Kriegs gerecht und schafft es gleichzeitig, dass diese nicht die Überhand gewinnen. Er bahnt sich erzählerisch einen Weg durch das Jahr 1944, indem er die Innenansichten des Protagonisten, historische Fragmente, Naturbeschreibungen der Eifellandschaft und den Rhythmus und das Leben der Bienen zu einem Gesamtbild verknüpft. Nicht zuletzt hat Scheuer Egidius Arimond mit diesem Roman ein ihm würdiges Denkmal gesetzt.

    Ein absolut lesenswertes Buch!

  7. Cover des Buches Der Halbbart (ISBN: 9783257071368)
    Charles Lewinsky

    Der Halbbart

     (76)
    Aktuelle Rezension von: Dianaslesezauber

    Leider habe ich lange für das Buch gebraucht, ich fand es sehr langatmig und wenig spannend. Die Erzählung kreiste immer wieder um sich selbst. Für mich leider keine Leseempfehlung 

  8. Cover des Buches Ich an meiner Seite (ISBN: 9783552059887)
    Birgit Birnbacher

    Ich an meiner Seite

     (62)
    Aktuelle Rezension von: wandablue

    Birgit Birnbacher hat eine einfühlsame Geschichte darüber geschrieben, wie schwierig die Wiedereingliederung in die Gesellschaft für straffällig gewordene Menschen ist. Wenn nicht der Zufall zuhilfe kommt oder ein Wunder geschieht, so ihre implizierte Aussage, kann es nicht klappen. 

     Der Leser begegnet Arthur nachdem er seine Haftstrafe bereits verbüßt hat. Wobei man Buße in seinem Falle wörtlich zu nehmen hat. Weil er nicht nur den Freiheitsentzug zu verkraften hat. Denn, wenn das alles wäre, wäre es ein Kinderspiel. 

    Birgit Birnbacher hat ein fast wahnsinniges Szenario aufgezogen, um die Absurdität mancher Resozialisierungsprogramme aufzuzeigen, in deren behaupteter Sinnlosigkeit leider mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt. Die Gesellschaft bietet Arthur kaum einen Anreiz oder eine Chance zum Neuanfang. 


    Der Roman ist in zärtlich-sachlichem Ton gehalten, einer Tonart, die man selten in Romanen antrifft. Das Schreckliche wird erzählt, ist aber durch die Erzählart für den Leser verkraftbar. Dass, wie der Roman es impliziert, ein Neuanfang ein richtiges Wunder ist und nicht der Normalfall, wie es doch sein sollte, macht den Roman dann allerdings dennoch zu einem deprimierenden Leseereignis. Das restliche Personal in Arthurs Leben ist da und dort ein wenig surrealistisch überzeichnet, was einen Punkt Wertschätzung kostet. Das hätte nicht sein müssen.

    Fazit: Einfühlsamer und dezenter Roman über die Probleme der Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen. 

    Der Roman stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, 2020

     Kategorie: Belletristik
    Verlag: Zsolnay, 2020 

  9. Cover des Buches Vor dem Fest (ISBN: 9783442749898)
    Saša Stanišić

    Vor dem Fest

     (175)
    Aktuelle Rezension von: rica

    Fürstenfelde, ein kleiner Ort in der Uckermark, bereitet sich auf das jährliche Annenfest vor, dabei erleben verschiedene Personen und eine Füchsin die Nacht vor dem Fest sehr unterschiedlich. 

    Ich war mit dem Buch sehr schnell durch, da es sehr packend und flüssig geschrieben ist. 

    Die Kapitel wechseln zwischen den verschiedenen Protagonist*innen uns Schauplätzen, mit einer Ausnahme sind sie durch ein auktorial erzählendes lyrisches Wir formuliert. Zwar spielt der ganze Roman in einer Nacht (und teilweise dem Abend davor und dem Morgen danach) - mit Ausflügen in andere Zeiten durch Gedanken und Erinnerungen der Figuren.

    Diese sehr ungewöhnliche Art zu schreiben fand ich faszinierend!  

    Die Kritik Einiger, es gäbe keine Geschichte, teile ich nicht, kann sie aber verstehen. Die Figuren kreuzen teilweise ihre Wege oder kommen in Gedankengängen anderer vor, aber es gibt nicht den einen zentralen Spannungsbogen. Ich fand die Entwicklungen in den einzelnen Erzählungen schlüssig und mag Geschichten, die einfach das Leben unterhaltsam beschreiben - und nicht jede einzelne Handlung wird spätere als relevant für das Geschehen erkennbar. Aber das ist einfach Geschmackssache.


  10. Cover des Buches Gut gegen Nordwind (ISBN: 9783442489336)
    Daniel Glattauer

    Gut gegen Nordwind

     (5.534)
    Aktuelle Rezension von: Lady_of_Roses

    Ich bin fasziniert, dass das ganze nur mit einer E-Mail begann... Doch schnell haben Emma und Leo mehr von dem Schreiben erwartet bzw. sich mitnehmen lassen in die Anonymität und ihre Gefühle frei heraus gelassen. 

    Ich konnte kaum aufhören das Buch zu lesen und bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung... Die es ja zum Glück schon gibt. :) 

  11. Cover des Buches Gott der Barbaren (ISBN: 9783518428252)
    Stephan Thome

    Gott der Barbaren

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Kleine8310

    Lesegrund:

    Als das Buch für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde hat mich die Thematik direkt angesprochen. Ich finde der Inhalt klingt sehr spannend und der kulturelle Hintergrund hat mich gereizt.

    Handlung:

    Die Geschichte beginnt in China, in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine christliche Aufstandsbewegung zieht durch das Kaiserreich und hinterlässt Terror und Zerstörung. Ein junger Missionar aus Deutschland will bei der Modernisierung des Reiches helfen und ist voller Idealismus. Doch in Nanking steht er dem wahren Bild der Rebellion gegenüber und gerät zwischen die Fronten eines Krieges, der nicht nur ihm alles nehmen kann, was ihm wichtig ist …

    Schreibstil:

    Der Schreibstil von Stephan Thome ist angenehm flüssig zu lesen und bietet eine gute Mischung aus verschiedenen Erzählsträngen, die bei mir insgesamt einen sehr guten Gesamteindruck hinterlassen haben. Durch die verschiedenen Passagen gelingt es dem Autor eine tolle Bandbreite an Inhalten abzudecken, zum Beispiel informative, spannende und emotionale.

    Charaktere:

    Die Ausarbeitung der Charaktere hat mir gut gefallen. Es gibt eine Vielzahl an Charakteren und einige von ihnen sind facettenreich und mit Liebe zum Detail gezeichnet worden. Die Gegensätze und auch die Gemeinsamkeiten hat Herr Thome gut herausgearbeitet und ich fand das Zusammen – und Gegenspiel der Personen interessant.

    Spannung:

    Den Spannungsbogen hat der Autor gut aufgebaut und auch über weite Strecken der Geschichte schön weit oben gehalten, was mir gut gefallen hat. Die verschiedenen Erzählstränge bieten viel Abwechslung und ich habe die Entwicklungen gerne mitverfolgt.

    Emotionen:

    Dieses Buch hat in mir eine Menge Emotionen geweckt und dabei auch die ganze Bandbreite genutzt. Die Inhalte haben mich schockiert, traurig gemacht, meine Wut geweckt, aber auch mein Mitgefühl und irgendwie tatsächlich auch Hoffnung. Das mochte ich sehr gerne.

    “Gott der Barbaren” ist eine vielschichtige und informative Abenteuergeschichte, die mir sehr gut gefallen hat und die ich daher gerne weiterempfehle.

    Meine Bewertung: 4 von 5

  12. Cover des Buches Der Sommer meiner Mutter (ISBN: 9783406734496)
    Ulrich Woelk

    Der Sommer meiner Mutter

     (56)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Dieses Buch ist ein intensiver und auch berührender Blick auf den misogynen Mief einer vergangenen Zeit und ebenso eine Coming of Age Geschichte und auch ein Blick auf die Schuld. 

    Köln im Sommer 1969. Der elfjährige Tobias bewohnt mit seinen eher konservativen Eltern ein Haus und ist von der kommenden Mondmission und der Physík/Astronomie begeistert. Im Nachbarhaus ziehen ein linkes und politisch engagiertes Ehepaar und dessen dreizehnjährige Tochter Rosa ein. Nun wird das Leben der Familie von Tobias auf den Kopf gestellt. Tobias ist mehr und mehr von Rosa fasziniert, er wird älter und übersieht dabei auch andere Veränderungen in seiner Familie. Denn die Familien beeinflussen sich gegenseitig und aus der anfänglich positiven Entwicklung wird leider bald eine traumatische. Tobias Vater ist von der Nachbarin ganz hingerissen und Tobias Mutter wird von dem Ehepaar getriggert ihr Leben zu verändern. Doch die Mutter von Tobias und auch der Vater schlittern in eine für sie unbekannt gewordene Welt der Gefühle. Und diese Welt der Gefühle lässt das fragile Gefüge der Familien auseinanderbrechen. Und auch Tobias trägt eine schwer zu verkraftende Schuld. 

    Ulrich Woelk vermag diese Geschichte ruhig zu erzählen, aber das Erzählte wirkt nicht kühl oder distanziert. Der Autor schafft es mich zu beeindrucken und die Charaktere gehen mir nahe. Sie zünden mich nur nicht an. Aber hier fehlt wirklich nicht viel. Schade!

  13. Cover des Buches Risiko (ISBN: 9783453419568)
    Steffen Kopetzky

    Risiko

     (63)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle
    Zunächst geht es um Geopolitik, das große Spiel, wie der Kampf zwischen Briten und Russen um Afgahnistan im 19. Jahrhundert genannt wird. Dann ist das große Spiel auch ein Brettspiel, das von Clausewitz persönlich erfunden wurde, um den Offizieren beizubringen, mit dem Zufall zu rechnen. Es ähnelt sehr dem bekannten "Risiko" hat sich aber weiterentwickelt, so dass es sämtliche Ressourcen der Staaten einbezieht, wie es für die modernen Kriege im Industriezeitalter nötig ist. Die Regeln müssen dabei so kompliziert sein, dass es sich nur um eine Fiktion handeln kann.
    Die Hauptperson ist der Marinefunker und Vogelkenner Sebastian Stichnote, ein rundum sympathischer junger Mann, ein zuverlässiger Freund (jedenfalls meistens), ein pflichtbewusster Soldat und so nett, dass er schon fast langweilg wird.

    Hauptsächlich aber geht es um die Niedermeyer-Expedition, die es tatsächlich gab. Deren Leiter sollte im Ersten Weltkrieg die afghanische Moslems zum Dschihad aufwiegeln und die Briten aus Indien vertreiben. Diese Expedition verlässt auf ihrem Weg von Istanbul nach Kabul nach und nach die Zivilisation und muss auf ihrem Weg schreckliche Wüsten durchqueren und der Irrsinn unter den Teilnehmern nimmt immer mehr zu, Stichnote wird Opiumsüchtig und wird von seinen Visionen gequält, einige andere verfallen dem religiösen Wahn. Und in Afghanistan ist die Expedition noch immer nicht am Ziel.

    Der Roman ist sehr gut recherchiert, viele historische Personen tauchen als Nebenfiguren auf und werden, soweit ich das beurteilen kann, korrekt dargestellt.

    Die Idee des Spiels durchdringt den gesamten Roman. Auch der Kriegsverlauf bekommt etwas spielerisches, und man kann ja auch sagen, dass etwas, wo es so auf Zufälle ankommt, auf keinen Fall ernst sein kann. Andererseits finde ich es nicht angemessen, so über den Ersten Weltkrieg zu schreiben.

    Fulminant ist der Epilog. Hier schildert der Autor mit vielen literarischen Reminiszenzen, wie der Weltkrieg auch hätte ausgehen können: Im Vertrag von Verdun schließen sich Deutschland und Frankreich zu einem Staat zusammen, Indien wird unabhängig, Großbritannien wird geschwächt, bleibt aber stärkste Seemacht und hält us-amerikanische Großmachtansprüche in Schach.

    Ich finde den Roman toll erzählt, aber insgesamt ist er doch arg lang und manche Episoden und Personen schienen mir ziemlich überflüssig.
    Allerdings fand ich den Epilog so genial, der bekommt für mich ein Extra-Sternchen.
  14. Cover des Buches Die Gewitterschwimmerin (ISBN: 9783847906445)
    Franziska Hauser

    Die Gewitterschwimmerin

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Buchstabenliebhaberin

    Das Leben in ihrer exzentrischen Familie hat Tamara hart gemacht, sie geht bei Gewitter in ihrem geliebten See schwimmen und hätte nichts dagegen, vom Blitz getroffen zu werden. Manchmal kann sie sich selbst nicht leiden, wenn sie um ihre geliebte Schwester trauert, die sich zu Tode gesoffen hat.

    Nach außen hin ist bei den Hirschs alles schillernd und aufregend, eine jüdische Familie, angesehen und renommiert, Großvater Friedrich, Mathematikprofessor, flüchtete vor den Nazis nach England, sein Sohn Alfred war aktiv im Widerstand in Frankreich, entschied sich anschließend für ein wildes, ausschweifendes Künsterleben. Dominante Herren, denen sich die Frauen unterordneten, die depressive Ilse an Heinrichs Seite, die unberechenbare, scheinbar sexuell hörige Adele an Alfreds Seite.

    Adele kann mit ihren Töchtern nichts anfangen und macht keinen Hehl daraus, Haushälterin Irmgard ist eine Art Mutterersatz für die beiden Mädchen, die erst den sexuellen Übergriffen des Vater ausgesetzt sind, und später auch denen der Mutter, die alles mitmacht was Alfred vorlebt. Und den Freunden der Familie bei den tabulosen Künstlerparties im Haus. Entsetzlich!

    Franziska Hauser kann schreiben! Man hat förmlich vor Augen, wie alle im Hause Hirsch nackig durch die Gegend laufen. Wie die Stimmung immer schnell und unerwartet kippt. Eine Familie, die zusammen hält, durch die tiefe Risse gehen, die von niemanden benannt werden dürfen. Traumen, die von Generation an Generation weitergegeben werden. Schrecklich.

    Als Leser*innen allerdings erfahren wir alles. Es ist einfach, Adele zu hassen, die ungebildete ehemalige Krankenschwester, die nur für und mit Alfred sein kann, die nichts eigenes besitzt und immer bösartiger wird. Und Tamara, ihrer Tochter, blüht das gleiche Schicksal, und sie sieht und weiß es, und kommt nicht wirklich dagegen an. Ihr Leben hat sie hart gemacht, und das hat sie überleben lassen. Warum hat niemand den Lebemann Alfred gestoppt? Weil es damals nicht üblich war. Das Thema Missbrauch hat heute einen ganz anderen Stellenwert, das macht das Buch auch sehr deutlich. Früher waren die Kinder damit allein, kaum jemand hat es gewagt sich einzumischen. Oder sah es überhaupt als Problem an.

    Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Personen einander zuzuordnen. Vor allem Ilse, Irmgard und Irene hab ich gern durcheinander geworfen. Es hat etwas gedauert, bis ich wusste wer zu wem gehört. 

    Es ist ein dickes Buch, was mich sofort in seinen Bann zog und schneller als erwartet ausgelesen war. Meine Leseempfehlung!

  15. Cover des Buches Herzklappen von Johnson & Johnson (ISBN: 9783518429174)
    Valerie Fritsch

    Herzklappen von Johnson & Johnson

     (26)
    Aktuelle Rezension von: SteffiWausL

    Mir fällt es nicht leicht, hier auch mal einen Flop zu präsentieren.

    Ich möchte betonen, dass ich (wahrscheinlich) niemals ein Buch schreiben könnte, das dann auch noch verlegt wird, und sogar auf die Longlist für den deutschen Buchpreis kommt. Vor der Autorin Valerie Fritsch und ihrer Arbeit habe ich also größten Respekt, und ich möchte ihr Werk nicht schlecht machen.

    Ich schildere hier nur mein Leseerlebnis, und oute mich nebenbei als Literaturbanause ohne Sinn für hochwertige Bücher

    Was soll’s?! 


    Dieses Buch musste ich für den Buchclub mit meinen Freundinnen lesen. Eine von ihnen hatte es vorgeschlagen.


    Den Klappentext finde ich irreführend. Das was dort beschrieben wird, kommt nur auf wenigen Seiten vor. 


    Nach meinem Empfinden passiert in dem Buch folgendes:

    Bis Seite 90 lesen wir Charakterstudien und Beschreibungen von Umständen und dem Umfeld der Protagonisten. Im Vordergrund stehen Alma, ihre Eltern und Großeltern. Später kommt noch der Mann und das Kind von Alma hinzu (Seite 90). Kurze Beschreibung der Mutterschaft von Alma. Die besondere Problematik des Kindes, keinen Schmerz empfinden zu können, wird beschrieben, außerdem die Reaktionen von Alma und den anderen Personen. Ab Seite 140 unternehmen Alma, ihr Mann und ihr Sohn eine Reise (ihr Mann aus beruflichen Gründen, Alma möchte das Kriegsgefangenenlager sehen, in dem ihr Großvater war). 30 Seiten bis zum Ende sind Reisebeschreibungen und Umgebungsbeschreibungen. 

    Soviel zum Inhalt…


    Es gibt keine wörtliche Rede, was die Personen starr wirken ließ. 

    Die Stimmung ist kalt, düster und melancholisch. Es wirkte auf mich so, als wenn alle traumatisiert sind. Der Großvater war Kriegsgefangener in Russland und hat sicherlich ein Trauma davongetragen. Auch die Großmutter hatte sicherlich schlimme Erlebnisse - was aber die Eltern von Alma und Alma selbst angehen, da finde ich diese Traurigkeit etwas überzogen. Ich verstehe, dass die Autorin zeigen möchte, dass sich Traumata über Generationen weitervererben, aber in diesem Ausmaß?!

    Zur Sprache: sie ist sehr bildhaft, voller Metaphern. Viele dieser Bilder sind tatsächlich sehr gut und treffen genau den Punkt, den die Autorin (wahrscheinlich) machen möchte. Die Sätze sind aber so bildgewaltig, dass ich sie teilweise 2-3mal lesen musste, um sie zu verstehen. Ganz oft habe ich gelesen, aber nichts aufgenommen. Schon nach kurzer Zeit war ich übersättigt, und empfand eine innere Unruhe beim Lesen.

    Da nicht wirklich viel passiert, kam bald Langeweile bei mir auf. Diese Langeweile gepaart mit der inneren Unruhe hat mich schon fast aggressiv gemacht.

    Nur weil ich das Gefühl hatte, es für den Buchclub lesen zu müssen, habe ich weitergemacht, sonst hätte ich schon nach wenigen Seiten abgebrochen. Es sind nur 170 Seiten, aber die haben sich wie 600 Seiten angefühlt.


    Von mir leider keine Leseempfehlung, aber ich bin vielleicht auch einfach eine Literaturbanausin?


  16. Cover des Buches Frühling der Barbaren (ISBN: 9783442748235)
    Jonas Lüscher

    Frühling der Barbaren

     (64)
    Aktuelle Rezension von: Daniela8
    Ich mag ja Novellen, auch wenn jeder sie heutzutage tot redet. 
    Diese hier ist ganz exquisit. 
    Und der Autor schafft es mit seiner wundervollen Sprache, fein beobachteten Einsichten in die Figuren und dem regelmäßigen Perspektivwechsel innerhalb der Erzählung, mich für eine Geschichte zu begeistern, deren Themen (Tunesien, Staatsbankrott in England, zwei unterschiedliche Familien, die auf einer Hochzeit aufeinandertreffen) mich eigentlich überhaupt nicht ansprechen. 
    Ich kaufte das Buch nach längerem Abwägen dann doch, da die Leseprobe Lust auf mehr machte und ich blieb dran, ja ich muß sogar sagen, ich konnte mich gar nicht lösen von der immer absurder werdenden Geschichte. 
  17. Cover des Buches Zwei Herren am Strand (ISBN: 9783423144681)
    Michael Köhlmeier

    Zwei Herren am Strand

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania
    Zwei große Persönlichkeiten, wie sie verschiedener wohl nicht sein könnten, treffen in diesem Roman von Michael Köhlmeier aufeinander: Ein weltberühmter, vielleicht DER bekannteste Schauspieler der Welt Charlie Chaplin und eine Ikone der Politik, die sich höchst persönlich in den Krieg mit Hitler stürzte: Winston Churchill.
    Beide litten zeit ihres Lebens unter Depressionen der schweren Art. Sie lernen sich durch einen ungewöhnlichen Zufall kennen. Keiner zeigt dem anderen, dass er weiß, wer sein Gegenüber ist und doch gehen sie gemeinsam spazieren und finden das erste Mal wirkliche Hilfe in ihren dunkelsten Stunden. Sie versprechen sich gegenseitig immer für den anderen da zu sein, obwohl der eine in Großbritannien, der andere in den Staaten lebt. Beide sind außergewöhnliche Männer und vor allem lernt man sie in diesem Buch kennen, auch unabhängig voneinander.
    Das war dann leider auch der Punkt, der mich ein wenig enttäuscht hat. Ich hätte mir mehr zu der Freundschaft und den Gesprächen gewünscht, mehr miteinander. Stattdessen geht es seitenweise über die anderen im Umfeld von Churchill und Chaplin. Deren Freundschaft selbst kam mir leider ein bisschen kurz. Die Passagen ihrer Gespräche waren toll, aber zu selten.
    Dennoch erfährt man einiges über den Staatsmann Churchill, seine Familie, vor allem seine innig geliebte Tochter.
    Chaplins größte Stütze in den Staaten ist einer seiner Hausangestellten. Interessant bei Churchill sind die Informationen über seine Filme. Was er sich dabei denkt bzw. gedacht hat, was er innovativ erreichen wollte.
    Alles interessant, aber doch etwas anders als erwartet.
    Dennoch eine interessante, vielleicht etwas düstere Freundschaft, wie sie in dieser Form sicherlich besonders und sehr selten ist.
  18. Cover des Buches Wie hoch die Wasser steigen (ISBN: 9783446258150)
    Anja Kampmann

    Wie hoch die Wasser steigen

     (17)
    Aktuelle Rezension von: raveneye

    Waclaw und Mátyás arbeiten zusammen auf einer Ölbohrplattform, doch bei einem Unwetter geht Mátyás über Board und für Waclaw bricht eine Welt zusammen.


    Der Klappentext des Buches war vielversprechend und hat mich neugierig gemacht auf das Buch, nur konnte ich leider mit der Umsetzung nicht viel anfangen. Leider.


    Ich habe an sich nichts dagegen wenn die Sprache eines Buches etwas anspruchsvoller ist solange die Geschichte im Gesamten stimmig ist und ich mich von sich überzeugen kann. Dies kann ich von „Wie hoch die Wasser steigen“ leider nicht sagen. Der Mangel an Redezeichen ist hier eher nebensächlich, denn damit hätte ich leben können, aber Sprache und Satzbildung haben hier schon einige Hürden für einen guten Lesefluss bereitgehalten.

    Die Autorin arbeitet mit einer sehr bildhaften Sprache, die recht schwer daherkommt und nicht immer auf Anhieb verständlich wirkt. So dass das Kopfkino zwar anspringt, aber keine zusammenhängenden Bilder erzeugt, weil man nur Fragmente des Geschriebenen wirklich zu fassen bekommt. Was auch teilweise an den Sätze liegt, die versuchen diese Geschichte zusammenzusetzen. Sie machen oft einen ungelenken Eindruck und klingen seltsam oder holperig. Die Geschichte läuft nicht rund, kann man sagen.

    Und auch die Charaktere und der zugrundeliegende Ton des Buches konnten mich nicht im geringsten für sich einnehmen.


    Ich habe einfach keinen Zugang zur Geschichte gefunden und deswegen ist das Buch für mich leider ein Leseflop gewesen.

  19. Cover des Buches Der Fuchs und Dr. Shimamura (ISBN: 9783937834764)
    Christine Wunnicke

    Der Fuchs und Dr. Shimamura

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe
    Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg in dieses Buch nicht gerade leicht fiel. Der junge Neurologe Dr. Shimamura reist 1891 in die japanische Provinz um Frauen zu untersuchen, die vom Fuchsgeist besessen sein sollen. Fuchsgeist? Besessene Frauen? Soll damit die Tollwut gemeint sein? Bevor ich weitergrübelte, recherchierte ich ein bisschen und stieß auf eine Seite der OAG, der Ostasiatischen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, die mir die besondere Beziehung der japanischen Gesellschaft zum Fuchs deutlich machte (siehe oag.jp/images/publications/oag_notizen/Notizen_Feature_Fuchs_und_Fuchsglaube_in_Japan.pdf). Danach fiel mir das Lesen deutlich leichter ;-)
    Doch ich blieb beim Recherchieren. Denn nicht nur Dr. Shimamura (wie auf der Umschlagseite vermerkt) war eine reale Person, auch alle anderen auftauchenden Figuren, denen er während seines Stipendiums in Europa begegnete, waren existent, sodass ich mir nach und nach einen umfangreichen Überblick über die Anfänge der Neurologie verschaffen konnte. Alle äußeren Merkmale wie auch öffentliche Beziehungen scheinen wahrheitsgetreu wiedergegeben worden zu sein - das Ganze dann angereichert durch die vermutlich fiktiven persönlichen Merkmale der Einzelnen und deren Verhältnis zu Dr. Shimamura.
    Diese Verflechtung von Realität und Fiktion wirkt mustergültig - als ob die Autorin als Zeitgenossin an den Geschehnissen beteiligt gewesen wäre. Wer über das reine Lesen des Buches hinaus sich ein wenig mit den darin vorkommenden Personen beschäftigt, wird vielleicht bald von der Geschichte der Neurologie und Psychoanalyse gefesselt sein (siehe beispielsweise spiegel.de/einestages/jean-marie-charcot-und-die-hysterieforschung-in-der-pariser-salpetriere-a-951005.html). Mir ist es zumindest so ergangen und so hat das Lesen dieses dünnen Büchleins wesentlich länger gedauert als gedacht ;-) Und mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern auch mein Wissen erweitert.
    PS: Das Buch war auf der Longlist 2015 für den Deutschen Buchpreis.
  20. Cover des Buches Baba Dunjas letzte Liebe (ISBN: 9783462054729)
    Alina Bronsky

    Baba Dunjas letzte Liebe

     (278)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    Baba Dunja wohnte in Tschernowo - bis das Reaktorunglück ihren Wohnort in eine Todeszone verwandelte. Es folgten Jahre in der Stadt, doch Baba Dunja ist kein Stadtmensch. Sie beschloss, zurückzukehren. Heute lebt sie wieder in ihrem kleinen Dorf, mit einigen anderen älteren Menschen - Rückkehrern und Krebskranken, Vor-Sich-Hin-Welkende und In-Sich-Zurückgezogene. Sie bauen in ihren Gärten an, was sie brauchen und holen den Rest aus der letzten Stadt vor der Todeszone. Doch dann ziehen zwei Menschen in das verstrahlte Dorf, die dort nicht hingehören - und das Unglück nimmt seinen Lauf.


    "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky hat mich direkt angesprochen, als ich den Klappentext gelesen habe. Ich bin auf das Buch beim Stöbern nach Romanen, die auf dem Land spielen, gestoßen - und dieser hier passt perfekt in das Land-Thema, wenn auch auf sehr unkonventionelle Weise.


    Erzählt wird die Geschichte die ganze Zeit aus Baba Dunjas Ich-Perspektive. Als Lesende schlüpfen wir in ihre Figur und nehmen Tschernowo sowie das Leben in diesem kleinen, verlassenen Dorf aus ihrem Blickwinkel wahr. Die Erzählung wird dabei häufig sehr humorvoll und skurril, beispielsweise wenn Baba Dunja von den vielen Spinnen erzählt, die sich aufgrund der durch das Reaktorunglück fehlenden Vögel in Tschernowo ausgebreitet haben. Oder bei Schilderungen über Biolog*innen, die in voller Strahlenschutz-Montur Proben der in Tschernowo angebauten Früchte und Obstsorten nehmen. Oft arbeitet die Autorin aber auch ernste Themen mit ein, allen voran das Älterwerden und die Distanz zu der eigenen Familie.


    Trotz der Kürze des Buches fand ich die Geschichte sehr eindringlich und gut erzählt. Sie wird wenig ausgeschmückt und es passiert gar nicht so viel, fesseln konnte mich die Autorin damit dennoch. Vielleicht hätten ich zu einem Aufbau von Bindungen zu den Figuren und zur Handlung an sich aber doch einige Worte mehr gebraucht. So habe ich mich zwar gut unterhalten gefühlt und hatte durchaus etwas zum Nachdenken, richtig fallen lassen konnte ich mich in den Roman aber nicht.


    Empfehlen möchte ich "Baba Dunjas letzte Liebe" gerne allen, die - wie ich - auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Landroman sind. Außerdem denjenigen, die sich für Bücher über das Älterwerden interessieren. Und einfach allen, die ein Buch für Zwischendurch suchen, das unterhält, aber nicht allzusehr mitnimmt. Ich möchte nun jedenfalls einen näheren Blick auf die weiteren Bücher von Alina Bronsky werfen 📚

  21. Cover des Buches Die Infantin trägt den Scheitel links (ISBN: 9783990272428)
    Helena Adler

    Die Infantin trägt den Scheitel links

     (38)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe

    Man sollte den ersten Satz des ersten Kapitels des Buches durchaus wörtlich nehmen:

    Nehmen Sie ein Gemälde von Pieter Bruegel. Nun animieren Sie es.

    Wenn Du dazu noch weißt, dass die jeweiligen Kapitelüberschriften Gemäldetitel sind und Dir die Mühe machst, Dir vor dem Lesen diese Bilder anzuschauen (im Anhang sind die Maler mit ihren Gemälden genannt), hast Du so ungefähr eine Ahnung, was da auf Dich zukommt. Vielleicht aber auch nicht.
    Helena Adler lässt eine junge Frau rückblickend ihre Kindheit und Jugend erzählen, allerdings, wie von Kindern mit einer überbordenden Phantasie nicht anders zu erwarten, maßlos und voller Übertreibungen. Doch damit nicht genug, gibt es anstatt Heidi-Idyll ein Inferno Danteschen Ausmaßes.

    Die Krallen der Mutter sind messerscharf. Gelb und schrecklich sind ihre hakenförmigen Klauen, am liebsten jagt sie kleine Angsthasen und Faultiere wie mich. Ihr spitzer Schnabel ist ein Hackebeil, damit kann sie Gelenke brechen und Knochen zerschmettern.
    Der Himmel donnert, grollt und erleuchtet die Nacht mit Blitzen. Bäume fallen um. Aus den nassen Lochmäulern der Viermagentiere tropft literweise Speichel. Gehörnte Geifergeschöpfe.

    Daneben ist die Handlung kaum der Rede wert – Landleben eben. Kindheit und Jugend mit einem liebenden, aber saufendem, esoterischem Vater, einer hyperreligiösen depressiven Mutter, gehässigen älteren Zwillingsschwestern, die nichts als Arbeit kennenden Großeltern, dem Pfarrer und dem Bürgermeister. Spannung entsteht kaum, nur die Sprache, die im Fortgang der Geschichte etwas milder wird, ist durchaus bewundernswert. Doch dieses Übermaß an Allem, dieses Übertriebene und das Extreme nutzen sich auf Dauer ab, sodass selbst bei den weniger als 200 Seiten eine Art Gewöhnungseffekt eintritt, was durch die eher schlichte Handlung zu einer gewissen Eintönigkeit führt.

    Vielleicht beim nächsten Mal: Etwas weniger extrem die Sprache, dafür ein Mehr an Handlung – das könnte richtig klasse werden!

  22. Cover des Buches Der einzige Mann auf dem Kontinent (ISBN: 9783630872711)
    Terézia Mora

    Der einzige Mann auf dem Kontinent

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein Roman, der verschlingt, der irgendwie nervt, holprig wie ein Ausschlag, das Gefühl, dass man sich kratzen möge, aber nicht darf; es ertränkt einen, geh unter die Dusche, wasch dich, iss Gemüse, quillt es einem innerlich aus der Leserbrust und man möchte es Darius Kopp irgendwie auf jeder Seite zurufen. (Und man möchte ihm beistehen.)

    Nervenaufreibend, weil man sich permanent fremdschämt, jeden einzeln Tropfen Fett und jedes Körnchen Zucker, das Darius Kopp zu sich nimmt, wahrnimmt wie einen Enthaarungsstreifen Wachs auf der Seele, man möchte sich permanent wehren. Und am Ende dieser Topfen nussiges Öl aus Liebe, einfach Liebe. (Das Ende traurig, und so berührend).

  23. Cover des Buches Die Liebe der Väter (ISBN: 9783442742882)
    Thomas Hettche

    Die Liebe der Väter

     (38)
    Aktuelle Rezension von: PaulTemple
    Peter ist kein guter Vater. Nachdem sich er und seine Freundin getrennt haben, hat er zu seiner Tochter kaum noch Kontakt, fühlt sich oft unwohl in ihrer Gegenwart, fürchtet die abschätzigen Blicke der Anderen, die ihn für eine gescheiterte Vaterexistenz betrachten. In dieser Gemütsverfassung möchte er mit seiner Tochter die Silvestertage auf Sylt verbringen - eine Insel, die er seit seiner Kindheit kennt. Hin- und hergeworfen zwischen seiner ängstlichen Vaterrolle und nostalgische Kindheitserinnerungen nimmt das Drama seinen Lauf...
    Meisterlich versteht es der Autor, sich in die prekäre Gemütslage des Protagonisten hineinzuversetzen. Die Zweifel seiner Tochter gegenüber, der Hass auf seine Ex-Freundin, das Bemühen und Scheitern um einen liebevollen Umgang zu seiner Tochter - wahnsinnig intensiv beschrieben!  
  24. Cover des Buches Sechs Koffer (ISBN: 9783839871133)
    Maxim Biller

    Sechs Koffer

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar
    Ich mag Maxim Biller, vermisse seine klugen Worte im literarischen Quartett. Ein emotionaler, streitbarer Mensch, ein neugieriger mit einer Portion jiddischem Humor, und einer mit klarem Standpunkt, ein Intellektueller – eine Kombination, die ihm gern als Arroganz ausgelegt wird. Ich war gespannt auf sein Familiengeheimnis – und ich ahnte es schon – ich werde es nicht erfahren. Wer hat den »Taten«, den Großvater, damals verraten? Ein Verrat, der dem alten Mann das Leben kostete. Einer der Söhne oder Schwiegertöchter? Viele hatten ihre Gründe. Letztendlich geht es doch nur darum: Warum hätte jemand einen Grund, für eine solch schmähliche Tat. Maxim ist ein Kind, als sein Opa stirbt und in seiner Jugend treibt es ihn an, das Geheimnis zu lösen, das ihn bis ins Erwachsenenalter verfolgt.

    Mit diesem für diese Zeit so typischen Familienschicksal landet Maxim Biller auf der Shortlist des deutschen Buchpreises. Bei Biller dreht es sich oft um Biller. In »Der gebrauchte Jude: Selbstporträt« ging es um die Selbstfindung eines jungen jüdischen Schriftstellers in Deutschland, ein Land, das sozusagen judenfrei war. Das Skandalbuch »Esra« wurde eingestampft, durch das sich Billers Exfreundin und deren Mutter kompromittiert fühlten, mit 900 Seiten quälte man sich durch seinen monumentalen Roman »Biografie«, auch die Schwester hatte sich an die Familienbiografie gewagt, ebenso Mutter Rada auf Russisch. Und nun schon wieder die Billers? Mir hat der Roman gut gefallen!

    »Ihr seid doch alle in der Familie davon besessen, Geld zu verdienen, Geld zu wechseln, Geld zu verstecken.«

    Großvater Schmil Gregorewitsch wurde 1960 in Moskau hingerichtet. Jemand hatte den »Taten« verraten, denn die Staatspolizei wusste, dass er mit einem Bündel Westgeld unterwegs nach Tschechien war, man hat ihn am Flughafen gestellt. Sein Sohn Semjon, Maxims Vater, lebte mit der Familie zu der Zeit im Exil in Prag, sie werden nach Deutschland übersiedeln. Schmil wollte Auto zu kaufen. Dazu kam es nicht mehr. Der Großvater war Zeit seines Lebens ein Schmuggler, Schieber und Schwarzmarkthändler. Der trickreiche Jude, der Kaufmann, der alle über den Tisch zieht, dem Geld das Wichtigste im Leben ist. Wegen »schwarzer Geschäfte und anderer jüdischer Tricksereien« wird der Taten hingerichtet. – Biller darf so etwas schreiben. Wenn Biller von einem »bösen, verklemmten Antisemitenblick« schreibt, oder von »unverschämter, frecher, osteuropäische Art« und sagt, einer hätte ein »unfreundliches, kleines Osteuropäergesicht«, dann nimmt ihm das keiner übel, auch nicht »böse, bärtige, linke Deutschlehrer«, mit denen er später gequält wird. Für mich liest sich so etwas als reine Provokation - eben Biller. Denn als Rezensent würde er solche Passagen Autoren um die Ohren hauen.
    Vier Söhne, zwei Schwiegertöchter, wer war es? Oder vielleicht doch jemand anderes, Biller forscht nach. Onkel Dima, dieser Nichtsnutz, der fünf Jahre im Gefängnis unter Stalin einsaß, weil er sich erwischen ließ, als er klammheimlich das Land verlassen wollte, ist einer der Hauptverdächtigen. Da wäre auch Dimas wunderschöne Frau, Natalia, die changeante Schauspielerin, der das Ausgeben von Geld so wichtig ist, die hätte er im stalinistischen Russland sitzen gelassen. Natalia ist diejenige, die vor Maxims Mutter mit Semjon zusammen war, mit ihm in den Westen abhauen wollte, den unbedarften Dima heiratete, weil sie Semjon nicht haben konnte. Die beiden Frauen haben selbstverständlich ein spezielles Verhältnis zueinander. Maxim begibt sich mit fünfzehn auf die Suche nach der Wahrheit, besucht Onkel Dima in Zürich. Dima ist von Natalia getrennt, die in den Kanada lebt. Und was ist mit Lev, der in West-Berlin als Außenhandelsattaché für die kommunistische Regierung eingesetzt war? Der hat sich nach Zürich abgesetzt und jeglichen Kontakt zur restlichen Familie abgebrochen. Wladimir lebt im Brasilien, von dem weiß man kaum etwas. Oder – undenkbar – die eigenen Eltern?

    »Konnte es sein, dachte ich auf einmal, dass es ganz anders war - dass im Gegenteil Onkel Lev an Tates Tod Schuld war und dass er darum vor uns allen weglief?«

    Biller spielt mit dem Leser. Sympathisch – unsympathisch, der eine sagt dies, der andere das und letztendlich sind wir alle Menschen. Der Leser wird angefüttert, dann zieht Biller das Bett unter den Füßen weg. Jeder hat eine andere Sicht der Dinge. Eine große Familie – schön weit über die Welt verteilt, damit man ja nicht miteinander reden muss. Na gut, zwei wohnen in Zürich, aber immerhin liegt ein großer See zwischen ihnen. Die glitzernde Natalia hat in Zürich den Glanz abgelegt, weil sie nun weiß, dass der schnell Patina anlegt, die Frau, deren Eltern im KZ verreckten. Sie selbst überlebte das KZ als Sexsklavin. Und schon wieder soll sie sich anbiedern, damit ihr Drehbuch verfilmt werden kann ...

    »Ich sitze in der Cafeteria im Jewish Community Center und beobachte die alten Männer und Frauen beim Essen und Streiten und denke, dass meine Eltern hier heute vielleicht auch sitzen würden, wenn sie nicht irgendwann aus dieser Welt verschwunden wären, so als hätte man sie einfach weggezaubert.«

    Der Roman beginnt im Mai 1965 in Prag. Billers Vater übersetzt Jaroslav Hašeks »Der brave Soldat Schweik« ins Russische. Maxim ist sechs Jahre alt, an diesem Tag wird Onkel Dima in Russland aus dem Gefängnis entlassen. Die Billers sind Russlandjuden, die nach Tschechien geflohen sind und fünf Jahre später wird Maxim in Hamburg wohnen, in dem Deutschland, dass 30 Jahre zuvor noch die jüdische Rasse bestialisch ausradierte. Hier sind sie sicher. Immer wieder verfolgt, immer wieder auf der Flucht. Was macht das mit dem jungen Maxim? Die Juden in Deutschland vergast, der Großvater, von den Stalinisten erschossen. Sechs Kapitel – sechs Koffer – Biller ist böse, sarkastisch, er ist zärtlich, liebevoll und er ist unsagbar komisch, beherrscht den jiddischen Humor. Zornig hackt er auf dem Einzelnen herum, spitzbübisch macht er sich lustig, um ihn sodann herauszuheben und zu streicheln. Der Icherzähler steigt in manchen Abschnitten in die auktoriale Ebene ein. Hier weiß der Leser, wenn er an den Gedanken der Protagonisten teilnimmt – hey Maxim – das hier hast du dir ausgedacht! – Und was ist damit? Maxim findet die Geheimdienst-Akte seines Onkels Dima, liest sie zum Dilemma des Lesers nicht zu Ende, ebenso einen Brief von Tante Natalia an seinen Vater, den er nach dessen Tod in den Händen hält. Hätte es hier eine Auflösung gegeben? Wie immer mischt sich bei Billes autobiografischen Büchern Wahrheit mit Fiktion.

    »Wenn du erwachsen wirst, wirst du verstehen, dass das Leben daraus besteht, immer nur das Gegenteil von dem zu tun, was man möchte.«

    Eine entwurzelte Familie, zerstritten, in die Welt verteilt, voller Geheimnisse – Migräne, eine Familienkrankheit. Maxims Schwester erfährt erst als Erwachsene, dass die Geschwister verschiedene Väter haben. Sechs Koffer – Sechs Sichten auf die gleiche Geschichte. Menschen, die sich lieben und hassen, sich gegenseitig diffamieren, von ihren eigenen Unzulänglichkeiten gern ablenken, die lügen, sich selbst was in die Tasche lügen; Eifersucht, Rachsucht, Altersmilde, Typen die menschlich sind. Am Ende weiß der Leser nicht, wer der Verräter ist, sämtliche Protagonisten sind selbst Verratene.

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