Bücher mit dem Tag "luchterhand"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "luchterhand" gekennzeichnet haben.

31 Bücher

  1. Cover des Buches HERKUNFT (ISBN: 9783630874739)
    Saša Stanišić

    HERKUNFT

     (204)
    Aktuelle Rezension von: BrittaRoeder

    Wie fühlt es sich an, wenn man auf seine Herkunft reduziert wird? Auf etwas, worauf man überhaupt keinen Einfluss hat? 

    Stanišić hat in seinem autobiografisch-gefärbten Roman seine eigenen sehr persönlichen Erfahrungen niedergeschrieben. Er zeigt: Auch wenn Herkunft ein Zufall ist – so der zentrale Gedanke des Buches – bestimmt sie trotzdem unser Leben. Herkunft ist Familiengeschichte. Sie ist daher immer etwas sehr persönliches, sehr individuelles und  - wie am Beispiel der Großmutter gezeigt wird – sie ist am Ende sogar etwas Unauslöschliches. 

    Stanišić ‘ Ton wechselt zwischen humorvoll  und melancholisch, zwischen poetisch und flappsig. Oft scheint es als ob der Autor den Ereignissen rückblickend ihre Schärfe nehmen will. „Herkunft“ ist dadurch ein überraschend leises Buch geworden. Aber genau darin liegt seine große Klugheit. 

    Der Autor lässt sich erst gar nicht hineinziehen in die politische Diskussion um die Herkunftsfrage. Stattdessen entlarvt er den nationalistischen Ansatz, Herkunft zu definieren, per se als diskriminierend. Herkunft alleine geografisch oder religiös zu verorten, zeigt Stanišić, raubt den so in eine Kategorie eingeteilten Menschen das Recht auf ihre Individualität.

    Herkunft, das wird hier sehr eindringlich klar, ist niemals eine Frage der Politik. Diese Frage ist von grundsätzlich menschlicher Natur. Und so ist dieses unpolitische Buch irgendwie auch sehr politisch, einfach, weil es so menschlich ist.

  2. Cover des Buches Normale Menschen (ISBN: 9783630875422)
    Sally Rooney

    Normale Menschen

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Elina_moro

    Auf der einen Seite ist es eine zärtliche und schmerzhafte Liebesgeschichte. Auf der anderen Seite ist diese ordinäre Liebe sehr delikat und kompliziert.
    Es bleibt immer das Ungesagte zwischen Connell und Marianne, während sie innerlich einen Drang zur Kommunikation spüren. Warum bleiben sie denn verschlossen?Sie haben sich längst entschieden, dass sie es besser wissen und lassen sich damit leiden.Aufgrund ihrer sozialen Ungleichheit können sie einander nicht verstehen.Das Ungesagte über die Liebe, den Schmerz, die Gedanken über die Zukunft und Trauer bzw. Depression... Die Protagonisten scheinen ein schönes Paar zu sein, jedoch steht die Verschlossenheit der beiden im Wege und wird zum Grund für die Probleme in ihrer Beziehung, obwohl sie das, was zwischen ihnen ist, nicht als eine „Beziehung“ definieren. Vertrauen ist das wichtigste, was Connell und Marianne zur einander fühlen und Vertrauen bestimmt die emotionale Ebene von denen.

    Es geht im Roman um die Liebe, Sex, toxische Beziehungen, Trennungen, Identitätssuche, soziale Ungleichheiten und traumatische Erfahrungen. Wir leben in einer Gesellschaft und für vielen von uns ist es wichtig, was unsere Familie und Freunde über unseren Partner*in denken. Am Ende des Tages ist es überhaupt nicht von Bedeutung, was sie denken. Die Hauptsache ist, dass wir einfach glücklich sind.

    Ich habe zahlreiche zweideutige Meinungen zu diesem Buch gehört und bleibe irgendwo in der Mitte. Die Geschichte an sich scheint ganz gewöhnlich zu sein. Solche Geschichten gibt es in unglaublich vielen Büchern. Trotzdem gibt es etwas, was mich fasziniert hat. Es werden im Roman manche Szenen beschrieben, wo ich mich selbst gesehen habe, wo ich genau das gleiche in ähnlichen Situationen gesagt oder getan habe. Mir hat es auch gefallen, dass das Ende ohne irgendwelchen Überraschungen oder Drama war. Das Ende war ganz normal, genau wie es im Leben ist.

    Man kann den Roman innerhalb eines Tages gelesen haben, jedoch vergisst man diese Geschichte nicht.

  3. Cover des Buches Gespräche mit Freunden (ISBN: 9783630875415)
    Sally Rooney

    Gespräche mit Freunden

     (157)
    Aktuelle Rezension von: lisolino

    Die beiden Freundinnen und Studentinnen Frances und Bobbi plätschern irgendwie durchs Leben. Als sie das 10 Jahre ältere Ehepaar Nick und Melissa kennenlernen wird es kompliziert. Bobbi ist von Melissa fasziniert und Frances fühlt sich Nick hingezogen.

    Es ist schwer sich eine abschließende Meinung zu bilden. Als erstes muss ich sagen, dass ich das Buch sehr fesselnd fand. Es war gut zu lesen und irgendwie floss es leicht und schnell dahin. Das hat mich zwischendurch selber gewundert, da es irgendwie keine rechte Handlung gibt. Gespräche und Szenen fließen irgendwie weiter in die nächsten getragen von Frances Gedanken und Wahrnehmungen. Alle Figuren außer der Ich-Erzählerin Frances bleiben blass und man erfährt nichts über sie. Interessiert es Frances gar nicht? Frances selber scheint irgendwie diffus und verschwommen. Auch sie selber fühlt sich so. Diesem Gefühl geht sie oft nach, aber ohne, dass es wirklich irgendetwas bringt oder zu einer Konsequenz führt.

    Fazit:
    Wen man sich treiben lassen möchte und eher an Beziehungskonstellationen als an einer spannenden Handlung interessiert ist, ist das Buch lesenswert. Wenn man Spannung und die Entwicklung einer Story möchte, vielleicht eher nicht das richtige Buch.

  4. Cover des Buches Neujahr (ISBN: 9783442770540)
    Juli Zeh

    Neujahr

     (279)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Henning verbringt die Weihnachtsferien mit seiner Familie auf Lanzarote. Mit seiner Frau Theresa hat er sich auf ein modernes Familienmodell geeinigt, bei dem überwiegend er sich um die beiden kleinen Kinder Jonas und Bibbi kümmert, da Theresa als Steuerberaterin mehr zum Familieneinkommen beiträgt. Henning fühlt sich mit der Situation zu Hause überfordert. Er hat Versagensängste und leidet seit der Geburt von Bibbi unter Panikattacken, die Theresa lästig sind, weshalb Henning versucht, sie vor ihr zu unterdrücken. 

    Seinen guten Vorsätzen folgend, begibt sich Henning am Neujahrsmorgen auf eine Radtour zum Bergdorf Femés. Auf dem anstrengenden Weg nach oben erlebt er wieder eine Panikattacke und hat am Zielort ein Déjà-vu. Auf der Suche nach etwas zu essen und zu trinken, holen  ihn Erinnerungen aus seiner Kindheit ein, die er verdrängt und nicht verarbeitet hat. 


    "Neujahr" ist eine Mischung aus Familiendrama und Psychothriller, eine knapp 200 Seiten umfassende Novelle, die sich inhaltlich in drei Abschnitte gliedern lässt. Zunächst werden die Lebenssituation von Henning und der Familienalltag dargestellt, in welchem er sich als berufstätiger Vater überfordert fühlt. Eindringlich ist geschildert, wie sich Henning fühlt - sein schlechtes Gewissen darüber, dass er dankbar sein sollte, mit einer starken Frau verheiratet zu sein, zwei gesunde Kinder und finanziell keine größeren Sorgen zu haben - er aber dennoch nicht glücklich ist und massive Angst hat, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. 

    Im Bergdorf Femés angekommen, verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit. Henning wird von Erinnerungen aus frühester Kindheit eingeholt, die er verdrängt hatte und die seinen Ausgang auf der Ferieninsel Lanzarote haben, wo er als Sechsjähriger mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Luna einen Urlaub verbracht hat. Danach war für die Familie nichts mehr wie es war. 

    Die Anfahrt zum Bergdorf ist so steil wie die Spannungskurve des Romans, denn was am Ende über Hennings Kindheit offenbart wird, ist erschütternd und ursächlich für Hennings Panikattacken. 

    Im dritten Teil, als Henning wieder bei sich und in der Gegenwart angekommen ist, besteht Hoffnung, dass er durch die erlebten Flashbacks die Möglichkeit hat, sein Kindheitstrauma aufzuarbeiten und damit die Panikattacken überwinden kann. 

    Der kurze Roman ist im Wesentlichen auf da Innenleben, die Gedanken und Erinnerungen Hennings beschränkt, die so authentisch geschildert sind, dass die innere Zerrissenheit des Familienvaters für den Leser leicht nachzuempfinden ist. Die Situation, in der er sich befindet, ist zwar alltäglich, bereitet ihm aber große Sorgen. Sein innerer Monolog auf dem Weg nach Femés ist dabei so einfühlsam dargestellt, dass man auf dem Weg nach oben mitleidet und an der Spitze dann noch viel Schlimmeres erfahren muss. Die Erinnerungen an den letzten Urlaub mit seinen Eltern sind grausam und mitleiderregend und nichts, was man zu Beginn des Romans erwartet hätte. Die Art der Erzählweise und der Inhalt der Erzählung passen dabei so perfekt zusammen, dass die Geschichte am Ende rund ist. 

  5. Cover des Buches Winter in Maine (ISBN: 9783442747597)
    Gerard Donovan

    Winter in Maine

     (298)
    Aktuelle Rezension von: Eleonora

    Julius Winsome hat nicht mehr viel im Leben. Seine Mutter starb bereits bei seiner Geburt, sein Großvater und Vater vor einigen Jahren und seine Freundin Claire verließ ihn ebenfalls vor geraumer Zeit. Er hat nur noch seinen geliebten Pitbullterrier Hobbes mit dem er in einer einsamen Hütte mitten im Wald wohnt. Umringt von 3282 Büchern, mit einer Tasse Tee in der einen und einem Buch in der anderen Hand, hat er seinen Stammsitz direkt am Ofen, so wie einst auch sein Vater. Er führt ein ruhiges, unspektakuläres Leben und fühlt in jeder Ecke der Hütte Erinnerungen an seine Kindheit und auch an seine Zeit mit Claire wieder aufleben. Doch als er eines Tages Hobbes erschossen im Schnee unweit seines Zuhauses auffindet, wandelt er sich vom friedvollen Einsiedler zum Rächer seines treuen Freundes📖 


    Trotz des Rachefeldzuges im Buch ist es eine sehr ruhige Geschichte. Julius ist sich seiner Taten vollends bewusst und handelt sehr strategisch und durchdacht. Immer wieder zieht es ihn in die Vergangenheit und er erzählt von seinem Großvater, der im ersten Weltkrieg und auch von seinem Vater, der im zweiten Weltkrieg gekämpft hat und von denen er alles gelernt hat. An seine Zeit mit Claire denkt er wehmütig zurück und vermisst sie, stellt sich aber auch immer wieder die Frage, wieso es mit ihnen auseinander ging. Mit seinem einsamen Leben hat er sich im Grunde abgefunden. Jedoch scheint mit dem Tod seines Hundes eine Grenze überschritten zu sein. Ein Verlust zu viel, ein Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt und Julius aus seiner Isolation herausholt um den Täter zu finden, dies aber in einer äußerst ruhigen und bedachten Weise. 

    Das Buch ist in 50 Kapitel unterteilt, die jeweils sehr kurz gehalten sind. Der Schreibstil, klar und schnörkellos, lässt einen flott vorankommen. 

    Ich fühlte mich für 208 Seiten tatsächlich versetzt ins eiskalte, verschneite Maine und die Geschichte von Julius hat mich ganz gut abgeholt. (4/5)⭐🙂

  6. Cover des Buches Leere Herzen (ISBN: 9783442718382)
    Juli Zeh

    Leere Herzen

     (284)
    Aktuelle Rezension von: some_books_4_you

    LEERE HERZEN


    Ein Buch aus einer Zukunft, die die Gegenwart sein könnte.

    Britta und Babak sind Inhaber der "Brücke" und mit ihrem Unternehmen sehr erfolgreich, loben stets den guten Zweck der Sache. Dass sie Selbstmörder zu Selbtmordattentäter machen? Egal. Politik interessiert sie nicht, die Leute wollen mit ihrem Tod doch einmal für etwas einstehen.

    Aber Gleichgültigkeit und Ignoranz der Tatsache gegenüber, dass Demokratie nicht mehr existiert, können sich nicht ewig halten und in Britta erwacht etwas, dass sich Prinzipien und Gewissen nennt.


    Dieses Buch aus 2017 ässt mich irgendwie ohne Worte zurück, teils auch weil ich das Ende nicht zu 100 Prozent verstehe (was mich echt nervt und mtin Kopf arbeitet die ganze Zeit deswegen). Es wirkt alles so surreal und utopisch, doch die von der Autorin geschilderte Welt ist nicht sehr weit von der heutigen Realität entfernt, Ähnlichkeiten zu bestimmten Gruppierungen und Personen sind sicher nicht zufällig. In 2 oder vielleicht auch 5 Jahren halte ich es leider nicht für unrealistisch, diese Fiktion mitzuerleben.

    Leere Herzen - ein bewegendes Buch, das immer wieder überrascht, schockt. Und eine Welt beschreibt, in der die Menschen leere Herzen haben.

  7. Cover des Buches Unterleuten (ISBN: 9783442719761)
    Juli Zeh

    Unterleuten

     (519)
    Aktuelle Rezension von: julia-elysia

    "Unterleuten" ist mein erstes Buch von Juli Zeh, welches im Rahmen meines Germanistik-Studiums gelesen habe. Ich denke, es ist sowieso immer etwas anderes, wenn man einen Roman in der Schule oder Uni lesen muss, weil man (in-)direkt dazu gezwungen wird, aber ich bin tatsächlich sehr offen an das Buch herangegangen. Ich wohne selbst in einer brandenburgischen Kleinstadt, die eher einem Dorf ähnelt, weswegen ich gehofft hatte, einige inhaltliche Strukturen wiederfinden und auf meine ländliche Gesellschaft anwenden zu können.

    Leider wurde ich enttäuscht.

    Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt. Im ersten bekommt man bereits einen groben Überblick über die Protagonist*innen. Jedes Kapitel wird aus einer anderen Sicht geschrieben, was mich nach einer Weile überfordert hat. Wahrscheinlich hätte es mir weitaus mehr geholfen, hätte ich nicht erst am Ende realisiert, dass auf den letzten Seiten eine Personenübersicht zu finden ist, aber alleine die verschiedenen Storylines, die auch mit vergangenen Ereignissen zusammenhängen, haben mir das Lesen erschwert und mir die Konzentration geraubt.

    Das Werk ist auf jeden Fall keine leichte und schnelle Leselektüre, nicht zuletzt durch die 600+ Seiten. Am besten, man schreibt nebenbei mit, damit man nichts durcheinanderbringt.

    Wie gesagt, hatte ich gehofft, einige dort abgebildete Strukturen auch auf meine dörfliche Region anwenden zu können. Auch wenn einige Stimmen und Kritiker*innen meinten, dass dieses Buch eine brandenburgische ländliche Gemeinschaft/Gesellschaft darstellt, konnte ich da nicht wirklich mitgehen. Vielleicht erging es aber auch nur mir so.

    Insgesamt gebe ich dem Buch 3 Sterne. Wäre es vielleicht nicht so langatmig und mit so vielen Protagonist*innen geschrieben worden, hätte man vielleicht eine verständlichere und fesselndere Geschichte gehabt.

  8. Cover des Buches WEST (ISBN: 9783630876061)
    Carys Davies

    WEST

     (49)
    Aktuelle Rezension von: ysmn

    Es ist das Jahr 1815 in Pennsylvania. John Cyrus Bellman hat seine Heimat England verlassen, um sich in der Neuen Welt niederzulassen. Doch seine Frau Elsie ist bei der Geburt der Tochter gestorben und Cy kann ein Verlust nicht überwinden. Erst als er einen Artikel in der Zeitung über den Fund eines riesigen Skeletts im Westen des Landes liest, keimt neue Hoffnung in ihm auf. Er ist davon überzeugt, dass diese riesigen Tiere leben und beschließt, sich selbst auf die Suche nach ihnen zu begeben.


    Der Roman begleitet Cy auf seiner Reise durch ein unbesiedeltes und zu großen Teilen noch völlig unentdecktes Land, das sich vor den Augen des Lesers entfaltet. Cys Hoffnung, in der wilden, unberührten Natur Erfüllung zu finden und seine Abenteuerlust durch sie stillen zu können, wird bald mit der Realität konfrontiert. Unbeholfen und klein wirkt der Mensch im Angesicht der Schlangen, Bären und Wölfe, der harten und menschenfeindlichen Winter und der gefährlichen Wege.


    Gleichzeitig hat der Westen, auf den die Träume des Protagonisten projiziert werden, etwas Großes und Mythisches an sich. Er ist nicht nur Gefahr, nicht nur wilde Natur, sondern repräsentiert auch den unerschütterlichen Glauben der Menschen und den Drang zu entdecken und zu erforschen.


    Davies erzählt unaufgeregt und in einer schlichten Sprache, die Bilder von großer Kraft und Ausdrucksstärke heraufbeschwört. Der Roman ist ein Western, der durch seinen poetischen und tiefgründigen Charakter hervortritt und sich von anderen vermeintlich ähnlichen Geschichten in dieser Hinsicht stark abhebt. Er verklärt die Zeit der Siedler nicht und zeichnet stattdessen ein glaubhaftes Bild von ihnen, das sich auch aus Vergewaltigungen und Betrügereien zusammensetzt.

    Ein besonderer und lesenswerter Roman!

  9. Cover des Buches Die langen Abende (ISBN: 9783442770496)
    Elizabeth Strout

    Die langen Abende

     (53)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Es war November, der erste Schnee in Crosby, Maine, stand noch aus, und weil an diesem Mittwoch die Sonne herausgekommen war, lag eine geradezu bedrohliche Schönheit über der Welt. Die Eichen trugen noch Laub, verschrumpelt und golden, und die Nadelhölzer standen stramm, als frören sie, aber die anderen Bäume waren kahl und reckten ihre spitzen schwarzen Äste in den Himmel.»


    Wer Elisabeth Strout kennt, weiß, dass ihre Romane eigentlich so etwas wie zusammenhängende Kurzgeschichten sind, Erzählungen über Menschen wie du und ich. Eben das ist das Besondere: Kleinstadtgeschichten, in einem episodisch angelegten Roman, in denen man sich selbst wiederfindet. Das Ganze wird durch schwarzen Humor unterfüttert. In Crosby, einer kleinen Stadt an der Küste von Main passiert nicht viel. Nicht weit entfernt von New York werden die Küstenstädte im Sommer voll, den Rest des Jahres lassen es sich Rentner hier gut gehen und die ältere Bevölkerung der Einheimischen, weil die Jungen fast alle abgewandert sind. Dieser Roman befasst sich mit dem Altern, mit Generationenkonflikten, Verlust und Trauer, Schuld und Sühne. Olive Kitteridge, eine pensionierte Lehrerin Anfang siebzig, mischt sich gern in die Angelegenheiten von anderen ein. Zurückhaltung und Feingefühl sind nicht ihre Tugend. 


    «Jetzt gestattete Jack es sich doch, an Olive Kitteridge zu denken: Groß, wuchtig; mein Gott, war sie eine seltsame Frau. Aber sie hatte ihm gefallen, sehr sogar, sie hatte eine Ehrlichkeit – war es Ehrlichkeit? – irgendetwas hatte sie an sich.»


    Jack Kennison, einst Harvardprofessor, ist der Meinung, sie ist die einzige Witwe im Ort, mit der er es sich zu leben vorstellen kann. Beiden sind die langjährigen Ehepartner verstorben und nach einer Trauerphase hat beide die Einsamkeit übermannt. Beide vermissen ihre Kinder, die in New York leben, ihnen fremd geworden sind, woran Olive und Jack selbst nicht gerade unschuldig sind … Sie schätzen sich gegenseitig sehr. Und Olive hat sich vorgenommen, Milde walten zu lassen, sie weiß heute, «... wann man besser den Mund hält.» Das Leben, das vor ihnen liegt, ist kurz – warum sollte man sich über Eigenheiten, die stören, aufregen? Vertane Zeit, obwohl es einiges gäbe, das ihr an Jack auf die Nerven fällt. Jack sagt: «Wir haben nicht viel Zeit», bittet sie, ihn zu heiraten. Etwas, das bei Olivs Sohn keine Zustimmung findet. 


    «Jack kamen ihre dicken alten Leiber immer vor wie zwei am Strand angespülte Schiffbrüchige, die sich verzweifelt aneinander festklammern. Nie im Leben hätte er es für möglich gehalten, seine letzten Jahre mit solch einer Frau zu verbringen. Die Sache war, bei ihr konnte er er selbst sein.»


    Eine zweite Liebe im Alter und viele Randgeschichten von Menschen, denen Olive begegnet. Tragik und Bitternis, Familiengeschichten, Kindesmissbrauch, Vernachlässigung und häusliche Gewalt, die Schwierigkeit des Alterns, Demenz; lebensecht und feinsinnig, nüchtern betrachtet, auf den Punkt gebracht, beobachtet Elizabeth Strout Menschen, mit allen Facetten. Olive, spröde und zynisch, aber doch das Herz auf dem richtigen Fleck, nervtötend in ihrer ständigen Hilfsbereitschaft. Genau das gibt dank des schwarzen Humors und der Situationskomik der Traurigkeit vieler Szenen etwas Komisches.


    «Jahre später hatte er es bei einem Streit aufs Tapet gebracht, und Betsy hatte gesagt: ‹Ich habe gehofft, dass du stirbst.›

    Ihre Unverblümtheit hatte ihn schockiert. ‹Du hast gehofft, dass ich sterbe?› In der Erinnerung hatte er verwundert die Arme ausgebreitet, während er das fragte.

    Worauf sie, etwas betreten, sagte: ‹Es hätte für mich alles viel leichter gemacht.›

    Da hatte er es.

    Oh, Betsy! Betsy, Betsy, wir haben es versiebt.»


    Rückblicke in Lebensläufe, Olive erinnert sich, als sie als Kind die Mutter fragte, warum sie keine Geschwister habe; die Mutter antwortete: «Nach dir? Das haben wir uns nicht getraut, nach dir nochmal ein Kind zu bekommen.» Strout kennt sich sehr gut aus mit dem Altern, denn sie hat u.a. Gerontologie studiert, und sie beschreibt mit aller Härte, aber gleichzeitig auch sehr liebevoll empathisch, welche Schwierigkeiten Menschen im Alter bevorstehten. Prostataoperation, Inkontinenz, Krebserkrankungen, Herzinfarkt, Demenz, Suizide, Alterswindeln, fette Leiber, die engumschlungen einschlafen – das sind keine romantischen Liebesgeschichten für Heftchenromane – und trotzdem gehen sie ans Herz, weil sie authentisch sind. Auch im Alter gibt es Lebensfreude, Menschen werden ruhiger, altersweise und manche schaffen es, sich weiterzuentwickeln. Ein  Roman, der von Liebe und Verlust erzählt, vom Altern und der Einsamkeit, Schicksalsschlägen, Hoffnungslosigkeit und auf der anderen Seite Lebensfreude und Hoffnung. Vielleicht nicht unbedingt ein Roman für junge Leser. Wer gern Romane liest, die das Leben schreiben, der wird sich wie ich amüsieren.


    «Als er starb, neben ihr, im Schlaf, schlugen Ozeane der Angst über ihr zusammen. Tag für Tag beutelte die Angst sie. Komm zurück, dachte sie immerzu, oh bitte bitte bitte komm zurück!»


    Elizabeth Strout wurde 1956 in Portland, Maine, geboren. Für ihren Roman »Mit Blick aufs Meer« bekam sie 2009 den Pulitzerpreis. »Die Unvollkommenheit der Liebe« wurde für den Man Booker Prize 2016 nominiert. »Alles ist möglich« wurde 2018 mit dem Story Prize ausgezeichnet, erhielt ein überwältigendes Presseecho in den USA und stand in allen großen Medien auf den Empfehlungslisten. Die Übersetzungsrechte ihres neuen Romans wurden in bisher 17 Länder verkauft. Elizabeth Strout lebt in Maine und in New York City.

    https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-langen-abende-von-elizabeth-strout.html

  10. Cover des Buches Dann schlaf auch du (ISBN: 9783442770557)
    Leïla Slimani

    Dann schlaf auch du

     (287)
    Aktuelle Rezension von: Kitty_Catina

    Bei dieser Rezension weiß ich wirklich nicht so richtig, wie ich anfangen soll. Dieses Buch ist nämlich wahnsinnig grausam, intensiv und gleichzeitig absolut packend, auch wenn es nicht besonders spannend ist. Mir fällt es jedenfalls richtiggehend schwer, meine Gedanken dazu in Worte zu fassen.


    Aber fangen wir, wie immer, mit dem Schreibstil der Autorin an. Dieser ist sehr sachlich, schnörkellos und extrem unemotional. Nur hier und da hatte ich überhaupt das Gefühl, dass Geschichte und Schreibstil überhaupt zusammenpassen. Vielleicht war das aber auch besser, da ich so die Handlung, die schon mit dem grausamsten Ereignis beginnt, gar hätte ertragen können.


    Diese Geschichte hat es in sich. Sie ist nicht wahnsinnig spannend, denn man weiß von Anfang an, was am Ende geschehen wird, doch sie weiß mit ihrer düsteren, lauernden Atmosphäre zu packen und mitzureißen. Man möchte einfach wissen, wie es zu dem Drama kommen konnte, von dem man in den ersten Seiten schon lesen kann. So entwickelt sie sich von Seite zu Seite, wird immer bedrückender und man lernt die jeweiligen Charaktere immer besser kennen, vor allem aber Louise, die ganz anders ist, als es anfangs noch scheint. Dazu aber später mehr. Dabei geht es einerseits um Muttersein, die ganzen großen und kleinen Probleme, die damit verbunden sind, um Ehe, Freundschaft, aber andererseits auch um Einsamkeit, psychische Erkrankungen und darum, dass manchmal der erste, zweite, sogar der dritte Eindruck noch täuschen kann. Doch dann kam das Ende des Buches, ganz abrupt und leider auch mit vielen Fragen. Bei vielen Büchern hätte ich das auch gar nicht besonders schlimm gefunden, aber hier hat es mich gestört, denn das ganze Buch arbeitet eigentlich darauf hin, dass man am Ende alles aufgelöst bekommt. Dementsprechend war ich wirklich enttäuscht.


    Was die Charaktere angeht, so sind diese alle komplett unterschiedlich, wobei man aber am meisten mit den Eltern Myriam und Paul, sowie deren Nanny Louise zu tun bekommt. Dabei waren mir diese drei allesamt sehr unsympathisch, kaum liebenswert, dennoch konnte ich ihre Denkweisen, ihre Taten und Gefühle irgendwie auch nachvollziehen. Für mich mussten die Charaktere so sein, wie sie sind und sie passen einfach perfekt in die Geschichte, machen diese zu dem, was sie ist. Myriam und Paul sind junge Eltern, die sich auf ihre Karieren konzentrieren wollen und deshalb jemanden suchen, der sich um die beiden noch sehr kleinen Kinder kümmert. Louise hingegen ist eine ältere Dame, welche die Situation scheinbar komplett im Griff hat, deren Hintergründe und vor allem Abgründe man aber erst im Laufe der Geschichte wirklich erfährt. 


    Alles in allem weiß ich nicht, ob ich dieses Buch weiterempfehlen soll. Es ist ein Pageturner und es ist etwas Besonderes in der Art, aber es ist auch ziemlich melancholisch, düster und grausam. Auf jeden Fall sollte man starke Nerven hierfür haben und sich auf die Geschichte einlassen können.

  11. Cover des Buches Die Liebe unter Aliens (ISBN: 9783630873190)
    Terézia Mora

    Die Liebe unter Aliens

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Blacksally

    Meine Meinung:


    Kurzgeschichten mag ich an sich sehr gerne. Bei Bänden mit Kurzgeschichten hat man meistens ein paar die man sehr gut findet und auch 1-2 die man nicht so mag.


    Hier ging es mir etwas anders. 

    Leider bin ich mit dem Schreibstil der Autorin nicht wirklich warm geworden. Mir hat etwas gefehlt, und das waren nicht nur die Striche, wenn jemand etwas sagt. 

    Die Gefühle usw. sind gut rüber gekommen, wir haben hier insgesamt 11 Kurzgeschichten, die alle etwas melancholisch waren und zum Nachdenken anregen. Jedoch bin ich mit den meisten nicht wirklich warm geworden. 


    Ich hatte bei keiner der Geschichten das Gefühl das es einen richtigen Abschluss gab. Was sehr schade war. 

    Dennoch könnte ich mir vorstellen das der Schreibstil an sich, einigen Personen gefallen könnte. Für mich war dieses Buch leider nichts.

  12. Cover des Buches All das zu verlieren (ISBN: 9783442719693)
    Leïla Slimani

    All das zu verlieren

     (157)
    Aktuelle Rezension von: variety

    Von der hochgelobten Literaturpreisträgerin habe ich doch deutlich mehr erwartet. Adèle, die Hauptfigur, geht - obwohl sie verheiratet ist - mit unzähligen Männern ins Bett. Eine Beziehung resultiert daraus nicht. Neue Erkenntnisse gewinnt weder sie noch ich daraus. Auch die Beziehung zu ihrem Mann bleibt irgendwie blass und unklar. Die Handlung plätschert etwas gleichförmig dahin. Natürlich kann sie gut schreiben und man liest das Büchlein rasch zu Ende, aber ein schaler Beigeschmack bleibt: Da wäre mehr möglich gewesen.

  13. Cover des Buches GOTT (ISBN: 9783442771004)
    Ferdinand von Schirach

    GOTT

     (95)
    Aktuelle Rezension von: LadyMuffinchen

    Ferdinand von Schirach hat in diesem Buch, eingebettet in einem Theaterstück, wieder mal bewiesen, wie zwiegespalten man sein kann. Der Schreibstil ist sachlich, die Argumentationen für und gegen eine Beihilfe zum Suizid sind bis aufs äußerste dargelegt und regen bereits nach wenigen Seiten zu einem inneren Konflikt an. Ich dachte bereits, dass ich eine klare Meinung dazu habe, doch mit bislang unbekannten neuen Fakten wurde meine Welt auf den Kopf gestellt. Die einzelnen Positionen der Vortragenden sind klar und deutlich. Sie bringen einen auf die Palme, wie aber auch dazu, neue Gesichtspunkte mit einzubeziehen.


    Innerhalb des Buches bekommt man einen guten Eindruck davon, welche Auffassung Schirach selbst vertritt, aber das hält nicht davon ab, sich ein eigenes Bild zu machen. Fraglich ist doch, ob man gesunden Menschen helfen sollte ihr Leben zu beenden. Dabei kann man es nicht nur den Älteren gestatten, aber wie ist das ganze moralisch vereinbar? Das Gesetz bezieht eigentlich eine klare Stellung, aber wie ist im Einzelfall zu entscheiden? Ein Leben wird von Gott gegeben, sollte er nicht der einzige sein, der es uns nimmt? Und was ist, mit der Würde des Menschen? Der freie Wille eine Entscheidung zu treffen sollte doch überwiegen. Aber was ist mit den Angehörigen?
    So viele Aspekte, die man mit einbeziehen muss. Ferdinand von Schirach ist es mal wieder gelungen ein wahnsinnig gutes Buch zu einem Thema zu verfassen, was aktuell und dazu fähig ist, die Gesellschaft zu spalten.


    Eine Leseempfehlung für jeden, der sich mit moralischen Konflikten der Gesellschaft beschäftigt und sich selbst auch schon mal die Frage gestellt hat, ob ein Mensch Gott spielen sollte...

  14. Cover des Buches Eine Liebe, in Gedanken (ISBN: 9783442719778)
    Kristine Bilkau

    Eine Liebe, in Gedanken

     (106)
    Aktuelle Rezension von: katzenminze

    Toni ist eine selbstbestimmte Frau mit großen Träumen. Sie will reisen, ins Ausland, nach Paris, sie will nicht sparen, sie will das Leben genießen, sich an schönen Dingen erfreuen. Für die 60er Jahre ist sie sehr fortschrittlich und als sie Edgar kennenlernt scheint er der Mann mit dem sie sich ihre Träume erfüllen kann. Dann geht Edgar beruflich nach Hongkong und Toni soll so bald wie möglich nachkommen, doch irgendetwas geht schief, die Reise findet nie statt und doch kann sich Toni ihr restliches Leben lang gedanklich nie ganz von diesem Mann lösen, der sie so enttäuscht hat.

    Mit einem feinen Gespür für Stimmungen beschreibt Bilkau das Leben und den Tod dieser besonderen Frau. Toni, oder Antonia, sprüht vor Lebensfreude. Ihr Selbstbewusstsein und Einfühlungsvermögen, ihre Kraft, die Lust am Leben und ihr leicht fatalistischer Touch beeindrucken. Die Teile aus ihrer Sicht haben mir sehr gefallen. Ihre Tochter, die den Nachlass regelt ist bedachter, beständiger vielleicht und zu sehr auf der Hut vor der Begeisterungsfähigkeit der Mutter. Doch der ruhigere Erzählton passt hervorragend zur Stimmung nach dem Tod Antonias.

    Auch wenn der Blick der Tochter auf das „Vermächtnis“ ihrer Mutter – die Wohnung, die Bücher, der Blick zurück auf Tonis Leben – sehr gut gelungen und von der Stimmung her der Situation absolut angemessen war, war es mir hier ein wenig zu bedächtig und vielleicht ein wenig zu abgeklärt. Zwar passt alles und Bilkau erzählt wirklich treffend, aber mir hat hier ein Tick Emotion gefehlt um mich komplett an die Geschichte zu fesseln.

    Dafür waren die Verweise auf die Bilder von Helene Schjerfbeck absolut passend, auch die Zitate aus „Fast ganz die Deine“ haben sich wunderbar eingepasst. Das vorangestellte Zitat beispielsweise würde ich mir am liebsten an die Wand hängen.

    „Eine Liebe, in Gedanken“ ist ein ruhiger und wunderbar erzählter Roman über eine interessante Frau aber auch über Familie und die Stolpersteine, die das Leben einem in den Weg legt. Eine feine und einfühlsame Geschichte ohne Kitsch und Pathos; einfach ein schönes Buch.

  15. Cover des Buches Achtzehn Hiebe (ISBN: 9783442718610)
    Assaf Gavron

    Achtzehn Hiebe

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Giselle74
    Witzig. Rasant. Respektlos. Sehr unterhaltsam. Das verspricht der Klappentext des Verlages bei diesem neuen Roman des israelischen Bestsellerautors.
    Witzig ist das Buch stellenweise durchaus, wenn man sich denn Stan und Ollie im modernen Tel Aviv vorstellen kann. Rasant ist es auch, immerhin ist der Protagonist Taxifahrer. Respektlos fand ich es eigentlich nicht, dafür manchmal ein wenig geschmacklos und wenn wir das "sehr" streichen, stimmt der Rest auch.
    Es fällt mir ein wenig schwer, den Finger auf die Wunde zu legen, nicht, weil ich nicht wüßte, wo es schmerzt, sondern, weil der Text sich als Krimi verkleidet hat und es daher unfair wäre, den Inhalt zu breit auszuwalzen.
    Eitan Einoch, genannt "Krokodil" (jaha, daher der wenig einfallsreiche Titel meiner Kolumne) ist Taxifahrer in Tel Aviv und außerdem gescheiterter Hobbydetektiv. Bei einer seiner Fahrten lernt er Lotta Perl kennen, eine charmante ältere Dame, die regelmäßig zum Friedhof gefahren zu werden wünscht. In einem ihrer Gespräche gesteht sie, Angst davor zu haben ermordet zu werden und engagiert Einoch, um in einer privaten Sache Nachforschungen zu betreiben. Dieser kontaktiert dafür seinen ehemaligen Kollegen Bar und wirft sich ins Getümmel.
    Für mich ist Plausibilität wichtig, besonders bei einer Krimihandlung. Leider toben Bar und Einoch derartig naiv durch das Geschehen, dass mir der Spass recht schnell verging. Dazu kommen Handlungsteile, deren Wahrscheinlichkeit an Null grenzen, aber Dreh- und Angelpunkte der Story sind. Die achtzehn Hiebe des Titels sind nämlich reale Peitschenhiebe. Würde man die Person, die für die Verabreichung gesorgt hat, fünfzig Jahre später heiraten wollen, ohne Kontakt in der Zwischenzeit wohlgemerkt?
    Von Seite zu Seite wurden mir die Protagonisten unsympathischer. Nun muss man Romanhelden nicht mögen, hier war es aber wohl eigentlich so angedacht. Vielleicht bin ich aber auch schlicht eine Generation zu alt. Ich fühlte mich an das Spiel "Scotland Yard" erinnert, während ich mit dem Taxi über das Spielbrett, Verzeihung, durch Tel Aviv sauste. Vielleicht hätte ich auch besser ein männlicher Leser sein sollen, der sich für Viagra und schöne Frauen interessiert. Vielleicht...
    Vielleicht ist dieser Roman aber auch einfach trotz der Jubelkritiken mittelmäßig. Oder ich bin zu miesepetrig für den Inhalt. Jedenfalls passen wir nicht zusammen, das Krokodil und ich.
  16. Cover des Buches Lincoln im Bardo (ISBN: 9783442770533)
    George Saunders

    Lincoln im Bardo

     (42)
    Aktuelle Rezension von: Kagali

    Auf George Saunders  wurde ich durch Fuchs 8 aufmerksam, dass mir sehr gefallen hatte. Da ich mir eh vorgenommen hatte mal meine Komfortzone zu verlassen und mich in anderen Genre umzuschauen, kam das Buch wie gerufen. Wobei so ganz ohne phantastisches Element ist dieses Buch ja auch nicht, immerhin kommen hier mehr Tote, als Lebende zu Wort.

    Eine Kakophonie aus Hunderte von Stimmen
    Wie auch schon in seiner fuchsigen Kurzgeschichte, beschreitet George Saunders völlig neue Wege was die Art des Erzählens betrifft. Der Großteil des Buches ist in einer Art "Dialog" geschrieben, in den die Geister des Oak Hill Cemetery das Geschehen kommentieren. Wer gerade spricht, erfährt man durch einen Vermerk. Ich setzte Dialog in Anführungszeichen, da die Geister nicht zwangsläufig ein Gespräch miteinander führen. Vielmehr hat man den Eindruck, man würde in einem riesigen Raum voller Leute stehen und alle rufen einem gleichzeitig ihre Meinung zu.
    Das mag im ersten Moment verwirren, doch mit der Zeit entfaltet sich ein vielstimmiger und interessanter Chor, denn all diese Geister hängen im Bardo fest und haben alle ihre eigene Geschichte. Das Bardo stammt aus dem Tibetischen Buddhismus, bei Saunders ist es eine Art Zwischenreich zwischen dem Tod und dem, was auch immer danach kommt. Menschen, die sich ihren eigenen Tod nicht eingestehen, oder sonst wie das Bedürfnis haben noch etwas zu erledigen, hängen hier fest. Dabei spiegelt sich ihre Lebensweise in ihrem Aussehen und Verhalten wider. Ein Jäger z. B. der sein Leben lang Tiere zum Spaß an der Jagd getötet hat muss nun mit jedem einzelnen getöteten Tier Freundschaft schließen. Hans Vollmann, einer der drei Geister, die die Geschichte maßgeblich erzählen, starb, als er sich gerade darauf freute endlich die Ehe mit seiner geliebten Frau zu vollziehen und läuft nun mit einem gewaltigen Ständer herum. An diesen Stellen beweist der Autor einen makabere, witzigen Sinn für Humor.

    All diese Geister verbindet eines: Das Gefühl, noch nicht gehen zu können. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie das Leben selbst und Saunders gibt sich sichtlich Mühe ein breites Spektrum an Menschen zu Wort kommen zu lassen. Nach eigenen Angaben kommen in seinem Buch 166 Geister vor. Er bildet damit einen Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft des 19. Jh. ab. Vom Säufer bis zum Kaufmann, Sklaven, wie Sklavenhalter, einfache Bauern und Junggesellen, Mütter, Priester und noch viele mehr, so gut wie jeder hat eine Stimme und auch wenn die meisten kaum eine Seite lang von sich selbst erzählten, berührten mich viele Schicksale.

    Historische (Un)genauigkeiten
    Doch die zahlreichen Geisterstimmen sind nicht das einzige Besondere an diesem Buch. Zusätzlich hat der Autor Kapitel mit Zitaten und Anekdoten aus historischen Quellen hinzugefügt und nimmt so ganz nebenbei die Subjektivität ebenjener aufs Korn. So führt er zwölf Quellen auf, die den Mond am Abend eines Festes im weißen Haus beschreiben. Je nach Quelle ist Vollmond, Sichelmond oder Neumond und er leuchtet weiß, gelb, blau, grün oder rot. Amüsanter kann man nicht verdeutlichen, das solche Berichte stets von Vergesslichkeit und persönlichen Intentionen des Erzählers getrübt sind. Herr Saunders legt sogar zu diesem Aberwitz noch einen drauf, indem er manche seiner Quellen (aber nicht alle!) frei erfunden hat.

    Eine Geschichte vom Tod und dem Leben
    Wahrscheinlich klingt das Alles, so wie ich es jetzt erzähle ziemlich chaotisch und eigentlich ist es das auch, aber uneigentlich hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, dass der rote Faden fehlt. Dieser findet sich nämlich in zwei zentralen Themen: Präsident Lincoln und der Tod, die letztendlich beide aber gar nicht so deutlich voneinander zu trennen sind. Die historischen Quellen vermitteln das Bild des Präsidenten, wie ihn seine Zeitgenossen kannten, wir als Leser bekommen aber ein anderes Bild des Staatsmannes, nämlich nicht das des stolzen 16. Präsidenten, sondern vielmehr das, eines trauernden Vaters. Eines Vaters, der nicht Abschied nehmen kann und will von seinem heiß geliebten Sohn, dessen tief gehende Trauer nicht nur die Herzen der Geister von Oak Hill erweicht, sondern auch dem Leser nahe geht. Gleichzeitig ist dies keine reine Erzählung voller Trauer und Schatten, nein es findet sich auch Liebe, Licht und vor allem etwas Lebensbejahendes in dem Roman, sodass man das Buch am Ende mit einem guten Gefühl zuschlägt.

    Fazit:

    In einem neuem Erzählkonzept verarbeitet Saunders die Trauer der Zurückgeblieben ebenso, wie die unerfüllten Träume der Toten und füllt das ganze auch noch mit historischen Anekdoten an. Was auf den ersten Blick wie ein heilloses Chaos anmutet, entpuppt sich beim weiteren Lesen durch den roten Faden: Leben, Trauer, Tod, als grandiose Erzählkunst, die tief berührt. Schon jetzt ein Jahreshighlight! 


    Folge mir ;)

    Diese und andere Rezensionen (mit zusätzlichem Coververgleich Deutsch/Original) findet ihr auch auf Miss Page-Turner


  17. Cover des Buches Gleis 4 (ISBN: 9783442748327)
    Franz Hohler

    Gleis 4

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Am Bahnsteig zu Gleis 4 des Züricher Bahnhofs bricht ein älterer Herr zusammen. Eben hat er noch den Koffer einer Dame die Treppe hochgetragen, nun macht er seinen letzten Atemzug. Die Dame ist Isabelle Rast, die nach einer überstandenen Operation auf dem Weg zum Flughafen war, da sie sich auf Stromboli erholen wollte. Zwar leistet die gelernte Altenpflegerin sofort erste Hilfe, doch der Mann ist nicht mehr zu retten. Seine letzten Worte an sie waren: „Bitte …“. Notarzt und Polizei werden gerufen - an Urlaub ist nun nicht mehr zu denken. So sucht sie ihre Siebensachen zusammen und fährt wieder nach Hause. Dort erst merkt sie, dass sie versehentlich auch die Mappe des Verstorbenen mitgenommen hat. Natürlich will sie die Mappe zur Polizei bringen, doch dann klingelt darin plötzlich ein Handy. Der Anruf eines Unbekannten an einen Toten - eine bedrohliche Warnung an ihn. Jetzt wird Isabelle neugierig, fühlt sie sich doch am Tod des Mannes auch irgendwie schuldig. Sie informiert ihre Tochter Sarah und gemeinsam mit der inzwischen aus Kanada angereisten Witwe des Verstorbenen beginnen sie nachzuforschen. Die drei Damen spielen Detektiv …  

    Der Autor Franz Hohler wurde 1943 in Biel/Schweiz geboren. Er studierte Germanistik und Romanistik und gilt heute als einer der bedeutendsten Erzähler der Schweiz. Sein Werk umfasst Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernsehproduktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane, für die er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Der Schriftsteller lebt heute in Zürich. 

    Gekonnt weckt der Autor in „Gleis 4“ die Neugierde des Menschen. Er lässt seinen wichtigsten Protagonisten bereits zu Anfang sterben, um dann drei andere Personen auf die Spuren seines Lebens zu schicken. Was führte den Verstorbenen in die Schweiz? Warum erhält er einen anonymen Drohanruf? Isabelle, ihre Tochter Sarah und Véronique, die Witwe des Verstorbenen begeben sich auf eine nicht immer ungefährliche, Spurensuche. Nach und nach erfahren sie immer mehr über seine Herkunft, über die er stets Stillschweigen bewahrte. Dem Leser eröffnet sich so ein trauriges Schicksal, das in seiner Dramatik kaum zu überbieten ist. Behördenwillkür spielt dabei eine große Rolle. 

    Der Schreibstil ist angenehm klar und schnörkellos. Die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen, hat aber dennoch Tiefgang. Der Autor spart nicht mit Seitenhieben gegen die Schweiz, prangert deren Ausländerpolitik an und kritisiert treffsicher die Sozialpolitik – und das alles mit einem Augenzwinkern. Sehr schön sind auch Franz Hohlers Beschreibungen der Schweizer Berge und Seen, aber „Eine schöne Landschaft macht die Menschen nicht besser“ (S. 150). Im nachfolgenden Epilog erfährt der Leser, was zuvor noch unklar war. In einem aufgefundenen Heft berichtet der Tote über sein Leben. 

    Fazit: Ein spannender Roman mit sozialkritischem Hintergrund, ernsthaft und dennoch sehr unterhaltsam. 

  18. Cover des Buches Eine zufällige Begegnung (ISBN: 9783442741427)
    Charles Chadwick

    Eine zufällige Begegnung

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Die-wein
    Ich kann mich den positiven Rezensionen zu diesem Buch nicht so ganz anschließen. 

    Zum Inhalt: Die hässliche Elsie und Stan, der wegen Mordes im Gefängnis saß, treffen sich zufällig während einer Busfahrt. Stan ist auf der Flucht vor seiner kriminellen Vergangenheit und bittet schließlich Elsie ihm zu helfen. Aus dieser anfänglichen Zweckgemeinschaft entsteht eine außergewöhnliche Freundschaft.

    Meine Meinung: Mich störten u.a. die Begriffe über Elsies Aussehen wie z.B. Missgeburt oder hässliche Kuh. Außerdem emfand ich es etwas unglaubwürdig wie die Mutter und ihr Bruder mit ihr umgegangen sind und über sie dachten.

    Der Schreibstil und die Story konnten mich leider überhaupt nicht fesseln und ich wollte das Buch mehrmals abbrechen, habe es aber dann doch weitergelesen. Schade!
  19. Cover des Buches Anleitung zum Gehen (ISBN: 9783630873565)
    Edo Popović

    Anleitung zum Gehen

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Kellerbandewordpresscom

    Ein poetischer Ratgeber, der uns lehrt, was wir selbst und die Welt zum Überleben brauchen

    Inhaltsangabe von Randomhouse.de:

    »Beim Gehen werden wir die eigenen Schritte hören und auch den eigenen Atem und das eigene Herz, und wenn wir uns vollständig entspannen, werden wir auch unsere eigenen Gedanken hören.« In seinem poetisch-philosophischen Essay »Anleitung zum Gehen« versammelt Edo Popovic´ alles, was er in fünfzig Jahren an Weisheit über die Menschheit und ihr oft selbstzerstörerisches Wesen zusammengetragen hat. Über uns, die wir uns benehmen wie Hamster im Laufrad. Die wir rennen, so lange wir Kraft haben, um irgendwann einfach zu erlöschen. Wir sind in Eile. Und wir beschleunigen ständig. Wer nicht beschleunigt, ist verdächtig.

    Edo Popovic beschreibt diesen ständigen Drang zur Selbstoptimierung als einen Hunger, der uns verunstaltet, uns in Automaten zum Verdienen und Verbrauchen verwandelt hat. Von diesem Hunger befreien seine klugen, erfahrungsreichen Texte. Und sie lehren uns: Das, was wir tatsächlich brauchen, wird nicht beworben, es findet sich nicht in Schaufenstern und ist nicht mit Geld zu kaufen.

    Meine Buchbewertung:

    Das sehr philosphische Buch entsprach leider nicht meinen eigentlichen Vorstellungen. ich dachte, er schriebe mehr übers Laufen und der eigentlichen Wanderung.

    Dabei schreibt er übers Denken beim Laufen und übers Erleichtern beim Gewichte schleppen auf einer Wanderung.

    „Ich begriff, dass all das, was ich brauche, in einen 40-Liter-Ruckßck passt.“

    Aber seine Begegnungen mit den Wolken mit diesen genialen Bildern entschädigt alles. Er beschreibt eine Entschleunigung und gibt einem einen poetischen Schubs das Wesentliche im Leben zu achten.

    Seine Wanderung zum und um den Velebit/Kroatien schildert er sehr eindrucksvoll mit sehr viel persönlichen Annekdoten.

    Was Pferde mit der Meteorologie zu tun haben erfährt man ebenfalls im Buch. Das sind dann wieder die Feinheiten, auf die man sonst nie im Leben achten würde.

    Abschliessend findet man eine Buchempfehlung für Wanderer. Mit leichten Büchern für den Rucksack und schweren Büchern für das Regal.

    Fazit:

    Anders als gedacht aber trotzdem was zum Nachdenken – viele private Bilder von tollen Stellen der Erde.

    Vielen Dank an das Bloggerportal und an den Luchterhand Verlag für das kostenfreie Rezensionsexemplar auf Anfrage.

    Mehr Buchtipps findest du bei Kellerbande.wordpress.com

  20. Cover des Buches Männer, die sich schlecht benehmen (ISBN: 9783630875606)
    Joshua Ferris

    Männer, die sich schlecht benehmen

     (2)
    Aktuelle Rezension von: thursdaynext
    Joshua Ferris erster Roman erhielt den Hemingway Foundation/PEN Award und wurde nominiert für die Shortlist des National Book Award, für seinen dritten Roman  gab es 2014 die Auszeichnung mit dem Dylan Thomas Prize und er war auf der Shortlist des Man Booker Prize.

    All diese Meriten haben mich ebenso wie der Klappentext neugierig gemacht. Vielleicht lag es an meiner Erwartungshaltung, vielleicht sind Autor und Leserin nicht kompatibel, Ferris Geschichten über Einsamkeit, Verlassensängste und fehlende Kommunikation konnten mich genauso wenig erreichen wie seine beschädigten, teils misanthropischen Charaktere.

    Außer Mitleid und Langeweile, wobei zweiteres überwog, lösten sie nichts in mir aus. Sei es die Dinnerparty, die dazu führte, dass eine Frau ihren Mann verlässt, der leitende Angestellte, der aus Einsamkeit und unerwiderter Schwärmerei das Büro der unerreichbar Angebeteten verwüstete, ausgelöst durch die verzweifelt ehrlichen Sprachnachrichten, die er des Nachts auf ihrer Mailbox hinterließ oder die Frau, die verzweifelt die erste neue Frühlingsbrise und damit ein anderes Leben als sie es führt erschnuppert, in Aktionismus ausbricht und ihr Leben hinterfragt, um dann alles beim Alten zu belassen. All diesen Menschen, die sich Gedanken machen um ihr Äußeres, ihre Beziehung, ihr Sein, sie alle auf der Suche nach Sinn, neurotisch und elend so beschreibt sie der Autor und das nicht schlecht, doch man kommt ihnen nicht nahe, gafft kurz in ihr Leben, hakt es ab. Handwerklich gut gemacht ohne Frage, aber blass und trübe liest sich das weg. Es fehlt mir hier der Wunsch innezuhalten, einwirken zu lassen und nachzudenken. So konnte mich „Männer die sich schlecht benehmen“ weder fesseln, noch zum Verweilen einladen und der Humor, die Komik, die sich aus diesen Menschen in Ausnahmesituationen, ergibt ist nicht die meine. Die Geschichte „Leben inmitten von Toten“, in der ein Amerikaner Prag besucht, vom Jetlag klagt und während seiner Stadtführung schwermütige, zynische Gedanken wälzt , in der Betrachtungen darüber was der Kapitalismus der Stadt und ihren Bewohnern angetan hat, fängt meinen Eindruck dieser Kurzgeschichtensammlung mit diesem Zitat ein:

    „Die Welt macht – trotz der vielen Helden und Märtyrer – weiter wie gehabt. Stets aufs Neue dieselbe Scheiße. Warum war ich am Morgen überhaupt aufgestanden?“

    Dies ist allen von Ferris Charakteren zu eigen. Sie hätten den Tag besser gemütlich im Bett verbracht, lesend, futternd und darüber nachdenkend, was ihnen missfällt, um dieses dann mit neuer Energie zu ändern, sich aufzumachen und offen zu sein für die Schönheiten unserer unperfekten, aber einzigen Welt.

    So ist mein Problem mit diesem Buch wohl eher einer grundlegend unterschiedlichen Weltsicht, als jener des Autors zu zuzuordnen. Für andere Leser mögen diese Kurzgeschichten eventuell exakt den richtigen Stups geben um nachzusinnen, sich zu amüsieren und etwas für sich herauszuziehen.

  21. Cover des Buches Wenn ich Sie liebte, würde ich Ihnen die Wahrheit sagen (ISBN: 9783630873237)
    Robin Black

    Wenn ich Sie liebte, würde ich Ihnen die Wahrheit sagen

     (4)
    Aktuelle Rezension von: MisaMisa
    "Wenn ich Sie liebte, würde ich Ihnen die Wahrheit sagen" ist eine Zusammenstellung von Erzählungen. Die Themen die behandelt werden sind Verlust, Neuanfang, Schicksalschläge und viele mehr. Es geht um die Emotionen und Gefühle der Charaktere, die vor Neuanfängen stehen oder Schicksalschläge aus der Vergangenheit verarbeiten. Robin Black schafft es mit einer sehr literarischen und präzisen Sprache ihren Charakteren eine eigene und ehrliche Persönlichkeit zu geben. Sie wird sehr gern mit der kanadischen Autorin Alice Munro verglichen, wegen der Stärke und Ausdruckraft der Erzählungen, wie ich meine. Ich bin kein grosser Fan von Erzählungen, aber nach diesem Buch muss ich mir das nochmal überlegen. Robin Black öffnet uns die Augen für die kleinen Dinge des Alltags und bringt und schwierige, ungewöhnliche, besondere Themen nahe. Es ist sehr empfehlenswert!
  22. Cover des Buches Die Unruhigen (ISBN: 9783442718948)
    Linn Ullmann

    Die Unruhigen

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Morgenschnecke
    In „Die Unruhigen“ von Linn Ullman schreibt eine Prominente Schriftstellerin, über ihren berühmten Vater, Ingmar Bergmann.
    Vorweg muss ich sagen, dass ich vorher nicht wusste, dass es in dem Buch um Ingmar Bergmann geht. Die Autorin kannte ich nicht. Das Buch wurde mir von einer Freundin empfohlen, und ich lasse mich gerne auf Bücher ein, ohne den Klappentext und die Geschichten dahinter zu kennen.
    So an dieses Buch ranzugehen, war wohl ein Fehler. Auch wenn die Autorin in Interviews sagt, dass sie die Personen fiktionalisiert, ohne den berühmten Vater wäre es ein anderes Buch.
    In sechs Kapiteln schreibt sie über ihre Kindheit, ihre Familie, ihre Ehe, über das Alter. Das Buch ist kein typischer Roman, der Wechsel zwischen den Erzählarten machte es für mich sehr schwierig, das Werk als Ganzes zu verstehen. Mal bestehen die Kapitel aus einer Erzählung, mal sind es Transkriptionen von Gesprächen mit ihrem Vater. Mal spricht sie von sich in der dritten Person, eine unpersönliche Erzählung über ein Mädchen und ihre Familie.
    Im Ganzen ist es eine fiktive Familiengeschichte, die auf Tatsachen beruht. Was Fiktion und was Wahrheit ist, erkennt man als Leser nicht.
    Ingmar Bergmann wurde als der beste Regisseur aller Zeiten ausgezeichnet. Hier ist er ein alter Mann, der, zuweilen etwas verwirrt über das Alter erzählt, bei den Interviews mit seiner Tochter oft den Faden verliert.
    Auch, wenn der Roman als ein Kunstwerk für sich gesehen werden kann, konnte ich mich nicht dafür begeistern. Das Ganze ist mir zu wirr. Wenn ich mich für die Familie Bergmann interessieren würde, könnte ich mir vorstellen dran zu bleiben. So ist es eine nichtssagende Geschichte, die mehr darstellen will, als für mich dahintersteckt.
  23. Cover des Buches Die Schneekönigin (ISBN: 9783442714469)
    Michael Cunningham

    Die Schneekönigin

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Blacksally
    Ich kenne das Märchen von Hans Christian Andersen sehr gut und wollte daher dieses Buch gerne lesen. Leider hat es mir nicht so gut gefallen.

    Die Protagonisten Barrett und Tyler waren mir beide nicht sonderlich sympathisch. Barrett ist ein homosexueller Mann, der in der Liebe einfach kein Glück hat. Er wurde per SMS verlassen und weiß garnicht so recht warum. Er verliert so langsam den Glauben an die Liebe und ist im allgemeinen eher ein Mensch der pessimistisch ist.
    Sein Bruder Tyler hat es leider auch nicht recht viel besser, seine Freundin ist an Krebs erkrankt und siecht vor sich hin, dazu ist er auch noch Drogenabhängig und mit seiner Musik läuft es ebenfalls nicht so wie es zu wünschen wäre. 

    Ich hatte beim Lesen das Gefühl ich komme an die Protagonisten nicht richtig heran, mir hat irgendwie dieser Funke gefehlt, der überspringt. Sehr schade, denn die Geschichte hat gutes Potenzial.

    Auch mit dem Schreibstil hatte ich so meine Probleme. Zum einen waren die Kapitel teilweiße so kurz, das man sich garnicht richtig darauf einlassen konnte was nun passiert, zum anderen war die Geschichte in meinen Augen ziemlich verworren und abgehakt geschrieben. Ich bin leider in keinen richtigen Lesefluss gekommen und konnte deshalb leider die Geschichte auch nicht so genießen wie ich es mir gewünscht hätte.

    Der Autor:
    Michael Cunningham wurde 1952 in Cincinnati, Ohio, geboren und wuchs in Pasadena, Kalifornien, auf. Er lebt in New York City, lehrt an der Yale University und hat mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht. Sein Roman "Die Stunden" wurde vielfach preisgekrönt, u. a. mit dem Pulitzerpreis und dem PEN/Faulkner-Award, und wurde in 22 Sprachen übersetzt. Die überaus erfolgreiche Verfilmung "The Hours" mit Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman wurde mit einem Oscar ausgezeichnet.


    Fazit:
    Leider war das Buch nichts für mich, mir fehlte der Bezug zu den Protagonisten.
  24. Cover des Buches Aus dem Spiel (ISBN: 9783630871271)
    Susanne Röckel

    Aus dem Spiel

     (0)
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