Bücher mit dem Tag "mahler"

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15 Bücher

  1. Cover des Buches Der letzte Satz (ISBN: 9783446267886)
    Robert Seethaler

    Der letzte Satz

     (187)
    Aktuelle Rezension von: Woerterkatze

    Klappentext von der Verlagsseite

    Gustav Mahler auf seiner letzten Reise – das ergreifende Porträt des Ausnahmekünstlers. Nach „Das Feld“ und „Ein ganzes Leben“ der neue Roman von Robert Seethaler.

    An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise.
    “Der letzte Satz” ist das ergreifende Porträt eines Künstlers als müde gewordener Arbeiter, dem die Vergangenheit in Form glasklarer Momente der Schönheit und des Bedauerns entgegentritt.

    Autoreninfo von der Verlagsseite:
    Robert Seethaler, geboren 1966 in Wien, ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine Romane “Der Trafikant” (2012), “Ein ganzes Leben” (2014) und “Das Feld” (2018) wurden zu großen internationalen Publikumserfolgen. Robert Seethaler lebt in Wien und Berlin.
    Erster Satz:

    Den Kopf gesenkt, den Körper in eine warme Wolldecke gewickelt, saß Gustav Mahler auf dem eigens für ihn abgetrennten Teil des Sonnendecks der Amerika und wartete auf den Schiffsjungen.
    Meinung:

    Robert Seethaler erzählt in “Der letzte Satz” von der letzten Schiffsreise Gustav Mahlers nach New York. Dort soll er noch einmal an der Metropolitan Opera dirigieren. In kleinen Episoden blickte ich auf Mahlers Leben zurück, fühlbar ohne zeitlichen Zusammenhang und dadurch auch etwas schwierig einzuordnen. Diese Rückblicke erzählt nicht eine dritte Person, sondern Gustav Mahler, mittlerweile alt und zerbrechlich und an sein Lebensende angekommen, persönlich. Dies finde ich ein schönes Stilmittel und so passt es auch, dass manche Szenen etwas oberflächlich wie seine Begegnungen mit Rodin und Freud.

    Die Rückblicke empfindet man unterschiedlich. Mahler war kein einfacher Charakter und seine Ehe mit Alma nicht glücklich. Er blickt auf den knapp 128 Seiten auf sein Leben von der Kindheit bis zu jenem Tag auf dem Schiff zurück. Man erfährt wie er Alma kennenlernt, über die Heirat mit ihr, ihre Liebe zu einem Baumeister, den Tod der ältesten Tochter und sein Weg zur Musik bis hin zu seiner 8. Symphonie, der “Symphonie der Tausend”.

    All diese Episoden lässt Seethaler Mahler lakonisch, melancholisch und reflektiert sein Leben erzählen. Dadurch entsteht auch eine gewisse Distanz, weil man immer nur Mahlers Sicht auf sein Leben sieht und nicht die Einschätzung von Alma und seiner Tochter Anna.

    Sprachlich ist “Der letzte Satz” wieder ein Genuss. Seethaler schafft wundervolle Sätze wie

    “Sie ist mein Glück. Ich weiß nicht, ob ich sie verdient habe. Du kannst dir die Liebe nicht verdienen.” (S. 55)

    über seine Frau Alma, die um einiges jünger war als er.

    Oder als Mahler erkennt, dass er bald Sterben wird

    Ich hätte noch so viel mehr komponieren können. Es fühlt sich an, als hätte ich gerade erst angefangen, dabei ist es schon wieder zu Ende. So ist es also mit dem Sterben, dachte er. Stillhalten und warten.” (S. 30)

    Sätze, die berühren und das Buch gefällig machen. Was leider dem Protagonisten Gustav Mahler nicht gelingt, sei es wegen der geringen Seitenzahl des Romans, der für mich mehr eine Novelle als ein solcher ist, oder einfach daran, dass Seethaler nur ein Ausschnitt aus Mahlers Leben nimmt und es einfach keine Biografie ist.

    Interessant ist wie Seethaler Mahlers Tod in der Novelle darstellt. Der Schiffsjunge, der Mahler auf der Amerika betreute, nun als Hafenarbeiter arbeitet, erfährt vom Wirt das Mahler verstorben ist und bekommt von der Beisetzung erzählt. Ein feiner Kniff, der die Novelle wieder rund macht.
    Fazit

    “Der letzte Satz” von Robert Seethaler ist eine feine kleine Novelle über die letzte Atlantiküberquerung Gustav Mahlers nach New York. Sprachlich mit schönen Sätzen, aber auch etwas distanziert im Stil.

  2. Cover des Buches 1913 (ISBN: 9783596520534)
    Florian Illies

    1913

     (271)
    Aktuelle Rezension von: Annilove

    für Geschichts- und Kunstliebhaber sehr zu empfehlen, wer aber nichts daran sieht der wird in dem Buch auch nichts finden

  3. Cover des Buches Colors of Life - Mandelmond (ISBN: B01HUIMEMG)
    Mella Dumont

    Colors of Life - Mandelmond

     (55)
    Aktuelle Rezension von: SasaRay

    Nicht ganz so gut wie die ersten drei der Serie. Mir fiel vor allem der Umschwung von Lina zu Valerie schwer. Da ich die ganze Serie inzwischen aber zum zweiten Mal lese, ganz klar eine Empfehlung. Schöne Geschichte, die immer mehr an Tiefe gewinnt

  4. Cover des Buches Colors of Life - Lindenmond (ISBN: B01M6ATE22)
    Mella Dumont

    Colors of Life - Lindenmond

     (43)
    Aktuelle Rezension von: abuelita

    Der Wagner und der Mahler-Clan……gut geschrieben, auch leidlich spannend, aber langsam reicht’s denn auch. Kein Wunder, dass auch Valerie die Nase voll hat….

    Mal sehen, was es noch so alles gibt im letzten Band dann….
  5. Cover des Buches Der Baader-Meinhof-Komplex (ISBN: 9783442155972)
    Stefan Aust

    Der Baader-Meinhof-Komplex

     (307)
    Aktuelle Rezension von: hamburgerlesemaus

    Während meine Mutter beim Post-oder Bankschalter anstand (ATM gab es damals noch nicht), guckte ich mir das große Poster mit all den gesuchten RAF-Gesichtern an. In jeder Bank, Geschäft, Bahnhof oder öffentlichem Amt hing dieses Plakat! Wann immer wir mit unseren Eltern aus Hamburg nach Hause nach HH-Lemsahl fuhren, wurden wir von mindestens einer Polizeikontrolle gestoppt. Am Ende wohnte die RAF nur 5 Km von meinem Elternhaus in Poppenbüttel entfernt.

    #derbaadermeinhofkomplex war das erste Buch, das mir alle Zusammenhänge der RAF darstellte.
    Es ist schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber ich weiß noch, das es sich wie ein Krimi las. 878 Seiten Spannung pur. Allerdings erinnere ich mich auch, dass ich über Baaders seitenlangen, intellektuellen Ergüsse ohne Punkt und Komma im Gerichtssaal hinweggelesen habe.
    Danke #stefanaust

  6. Cover des Buches Rosenmond (Colors of Life 6) (ISBN: B06XPQFM9H)
    Mella Dumont

    Rosenmond (Colors of Life 6)

     (31)
    Aktuelle Rezension von: abuelita
    Die Uhr tickt. Valerie ist schwanger und irgendwelche Irre, wie Lukas sie nennt, bedrohen ihr Leben. Zum Glück sind die beiden nicht allein, denn Leo, Lina, Angie und Marius tun alles, um sie in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Dann stößt Lukas auf ein Foto von Linas Familie – und die Karten werden neu gemischt. Was hat Markus, Linas Bruder, mit seinen Gegnern zu schaffen? Und warum ist Linas Vater wirklich verschwunden? Eine turbulente Suche nach Antworten beginnt, um das Chaos, das zwischen den Clans herrscht, ein für alle Mal zu überwinden

    Ein wirklich gelungener Abschluss, auch wenn der Show-Down doch ziemlich – na ja… - heftig ist. Die Geschichte von Linas Vater ist überraschend, passt aber auch sehr gut in die Geschichte.


  7. Cover des Buches 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts (ISBN: 9783862314645)
    Florian Illies

    1913 – Der Sommer des Jahrhunderts

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Bommerlinda
    Kennt ihr das? Menschen, die man auf einer Party trifft, mit ihnen einen Smalltalk halten möchte, die dann aber die Gunst der Stunde ergreifen, um einem den ganzen Abend über ihr ach so geballtes Wissen um die Ohren zu knallen. Wenn man sich jedoch auf eben diese Menschen einlässt und ihnen aufmerksam zuhört, lernt man doch tatsächlich oft noch was dazu. 
    Genau so erging es mir beim Lesen dieses Buches, geschrieben von einem Autor der, so könnte man meinen, nur so vor Wissen strotzt. In kleinen Anekdoten, die flott erzählt werden, tischt einem der Autor ein breites Spektrum an Persönlichkeiten auf, die alle zufällig in eben diesem Jahr 1913 kulturell unterwegs sind. Vermutlich gibt es unter den Lesern den einen oder anderen, der da überall mitreden kann, aber die meisten werden bei dieser Zeitreise auf interessante Figuren treffen, die sie bisher vielleicht gerade mal vom Namen her kennen.
    Eins vorab, die Aneinanderreihung von kurzen Texten in diesem Buch, wie sie auch in einer Illustrierten stehen könnte, ist kein Roman. Aber Vergleiche mit Klatschblättern, wie ich sie oft in anderen Rezensionen gelesen habe, sind einfach ungerecht.
    Der Autor schreibt für ein niveauvolles Publikum. Eine gewisse Bildung wird vorausgesetzt, sonst ist man schnell im Dschungel der vielen Namen, Städte und Werke verloren. Möglicherweise schummelt er auch an manchen Stellen, um einen engeren Zusammenhang herzustellen, den es so wahrscheinlich nie gegeben hat. Er deutet beispielsweise eine mögliche kurze Begegnung von Hitler und Stalin im Park von Schönbrunn in Wien an. Dies sei ihm zugestanden, denn es erhöht dadurch die atmosphärische Dichte des Buches, das kein exakter geschichtlicher Abriss ist, sondern ein kultureller Roman dieser Zeit. Dabei mag mancher zu gut oder zu schlecht wegkommen, bzw. nur einzelne Facetten seiner Persönlichkeit erwähnt sehen. So taucht Hitler als asketisch lebender Kunstmaler auf, der in Wien und München täglich mehrere Aquarelle erstellt und von Milch und Brötchen lebend den Verkaufserlös der Bilder zusammenhält. Kafka als weinerlicher Pessimist, der schrecklich konfuse Briefe an seine Geliebte schreibt, in denen er sich selbst um die Ehe mit derselben bringt.

    Eine weitere Ebene sind die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge vor gut hundert Jahren. Es ist schon erstaunlich, wie wenig die Welt damals mit einem großen Krieg gerechnet hat. Artikel und Bücher der damaligen Zeit, die man praktisch eins zu eins in die heutige Zeit übertragen könnte, in denen von der Unmöglichkeit weiterer Kriege philosophiert wird, da alle Staaten wirtschaftlich so sehr miteinander verflochten sind, das man unmöglich das alles wegen eines Krieges riskieren könne. Die gekrönten Häupter Europas treffen sich in Berlin zu einer Hochzeit, lächeln sich zu und beschwören eine heile Welt und überall herrscht Friede, Freude, Eierkuchen.  Die Vermögen der Wohlhabenden wachsen, ein Siegmund Freud berechnet für eine Stunde Psychotherapie den Gegenwert mehrerer Monatsgehälter seiner Hausangestellten. Auf der anderen Seite werden viele Künstler von reichen Gönnern bezuschusst, hier sei insbesondere Rilke erwähnt, der nur zu und zu  gern von wohlhabenden Verehrerinnen ein großzügiges Taschengeld annimmt. Ein Jahr später bricht der erste Weltkrieg aus und nichts ist mehr wie es einmal war.

    Fazit: Ein wirklich gut geschriebenes Buch, das Lust darauf macht, sich mit Musik, Literatur und bildender Kunst des Expressionismus näher zu beschäftigen, wenn man denn daran interessiert ist. Absolut lesenswert!
  8. Cover des Buches Das Dorf der verschwundenen Kinder (ISBN: 9783426631874)
    Reginald Hill

    Das Dorf der verschwundenen Kinder

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Rheinzwitter
    BENNY IST WIEDER DA! 

    Das verkündet über Nacht ein Graffito in leuchtendroten Buchstaben an einer Brückenmauer in Danby, einer Ortschaft in Yorkshire, in der am selben Tag ein Kind vermisst wird.
    Das Graffito wird von der Polizei schon bald in Zusammenhang mit dem vermissten Kind vermutet, denn die Worte "Benny ist wieder da!" beschwören bei alteingesessenen Einwohnern schmerzliche Erinnerungen herauf: das Verschwinden dreier Mädchen fünfzehn Jahre zuvor, drei Kinder, die jener Benny entführt haben soll aus einem Nachbarort namens Dandale.

    Benny verschwand kurz nach den Mädchen, die Verbrechen blieben unaufgeklärt. Dandale musste einem Stausee weichen, die Ortschaft wurde eingeebnet und überflutet, aber ein extrem heißer Sommer legt nun dort die Ruinen vergangener Tatorte ebenso bloß wie das erneute Verschwinden eines Kindes die offenen Wunden der Hinterbliebenden, die, zwar umgesiedelt aber immer noch verwurzelt in der Vergangenheit, von Neuem mit dem mutmaßlichen Entführer konfrontiert werden, angekündigt von einem Menetekel in blutroten Worten.

    Dieser 1997 erschienene Roman ist – wenn man die Novelle
    One Smal Step mitzählt – bereits der 16. Band um das  ungleiche Polizistengespann Dalziel ("Dii-ell" ausgesprochen) und Pascoe, das 1970 in  Eine Gasse für den Tod ihren ersten Auftritt hatte, bis die Reihe mit dem 23. Band The midnight fugue (noch keine deutsche Übersetzung) eingestellt werden musste aufgrund des Ablebens von Reginald Hill 2012.

    Für mich war Das Dorf der verschwundenen Kinder die Premiere mit Dalziel und Pascoe, und als Quereinsteiger hatte ich die Befürchtung, mich nur schwer in dem Beziehungsgeflecht gewachsener Charaktere zurechtzufinden; Befürchtung unbegründet, ich fand schnell hinein in die Geschichte, weil sie alleinstehend funktioniert und Hill nur vereinzelt Verweise auf frühere Erlebnisse einflicht, deren Verständnis sich aus dem Zusammenhang ergibt ohne aufdringlich zu wirken.

    Wer recherchiert, erfährt über Hill, dass er sich in 40 Jahren den Respekt seiner Kollegen und eine treue Fangemeinde erschrieben hat mit Geschichten, die als vielschichtig gelten, einfühlsam und gesellschaftskritisch.

    Nun, mag alles sein – aber zumindest dieser Band hat mich nicht überzeugt.

    Ja – der Roman ist sprachlich gelungen, schon das erste Kapitel in Form eines Protokolls ist eine geschickte Einführung der in der Vergangenheit angesiedelten Ereignisse, die zum Ausgangspunkt der Ermittlungen werden. Das Protokoll aus der Sicht eines Kindes spiegelt Sprache und Erfahrungswelt überzeugend wider.

    Ja – das Geplänkel zwischen dem Studierten Pascoe und seinem der Arbeiterklasse entstammenden Chef Dalziel sind einsichtsreich und witzig, auch die Charakterisierung der übrigen Stammfiguren ist überzeugend.

    Nein – ansprechender Stil allein reicht nicht, handlungsarme Passagen kurzweilig durchzustehen, Passagen, die von Stimmungsmalerei und Innenansichten gesäumt werden, die aber in der Wiederholung an Kraft verlieren und ebenso wie die ewige Selbstbeschau der Protagonisten die Handlung nicht voranbringen. Es wird zu viel erklärt und zu wenig gezeigt.

    Nein – die Motive der Figuren sind in ihrer Konsequenz nicht schlüssig. So glaubhaft Hill den eigenwilligen Personen über Sprachduktus und Gebaren Kontur verleiht, so eingeschränkt kann er die Gefühlswelt von Kindern und Frauen nachempfinden.

    Sauer aufgestoßen ist mir vor allem die Darstellung einer jungen, karrieretüchtigen Polizistin und ihrer aufkeimenden Schwäche für einen in die Jahre gekommenen prolligen Vorstadtcasanova, denn nichts macht plausibel, warum sich eine moderne selbstbewusste Frau zu einem solchen Schmierlappen hingezogen fühlen könnte – da meine ich eher das angejahrte Frauenbild des ältlichen Autors dahinter zu verorten.

    So manchem Kritiker ist die Bewertung Meisterwerk aus der Feder gerutscht, aber ich kann mich dem in meinem Fazit nicht anschließen. Selbst mit kürzendem Lektorat bliebe nur ein gediegener, stilistisch souveräner Kriminalroman englischer Machart, mehr nicht.

    Nach der Lektüre musste ich mich erst einmal literarisch erden – meine Wahl fiel auf Ken Bruens   Jack Taylor fliegt raus: sprachlich der Gegenpol durch minimalistisch-clevere Schreibe, die es versteht, mit einem von mir geschätzten Stilmittel die Phantasie zu befeuern, nämlich durch die Kunst der Auslassung.
  9. Cover des Buches Musik und Religion (ISBN: 9783492246071)
    Hans Küng

    Musik und Religion

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  10. Cover des Buches Sekundenlang (ISBN: 9783518418826)
    Martín Kohan

    Sekundenlang

     (2)
    Aktuelle Rezension von: HeikeG
    Wie ein Schwergewichtsboxer ein Symphonieorchester dirigiert oder die Verdichtung der Zeit Beginnt ein neuer Stern am lateinamerikanischen "Literatenhimmel" zu leuchten? Der argentinische Autor und Literaturprofessor Martín Kohan, geboren 1967 in Buenos Aires, hat mit seinem deutschsprachiges Debüt von "Sekundenlang" etwas Geniales vorgelegt. Äußerst interessant konstruiert Kohan seine Story in diesem spannenden und intellektuell intelligenten Roman. Zum Inhalt: Kohan versetzt den Leser ins Jahr 1990, in die argentinische Provinz Patagonien, in ein Städtchen südlich von Buenos Aires mit Namen Trelew. Rückblickend erinnert sich der Ich-Erzähler Alfaro Roque an Erlebnisse vor siebzehn Jahren (man merke sich diese Zahl!) im Jahr 1973, wo er - "noch keine zwanzig Jahre alt" - unbeabsichtigterweise in Geschehnisse hineingezogen wird, die er jetzt endgültig zu klären versucht. Damals stand das 50jährige Jubiläum der Zeitung - bei der er als Archivar arbeitete - an, was mit einer Sonderbeilage mit dem Titel "Ferne Zeiten" gefeiert werden sollte. Dazu wurden die Redakteure der einzelnen Ressorts aufgefordert, jeweils einen Artikel über ein besonders hervorzuhebendes Ereignis aus dem Jahre 1923 - dem Gründungsjahr der Zeitung - beizusteuern. Ledesma und Verani, der Feuilleton- und der Sportredakteur - tauchen bei Roque auf, um sich ein entsprechend zu würdigendes Geschehnis des damaligen Jahres auszusuchen. Man wird schnell fündig. Der gebildete, intellektuelle, kultur- und kunstbeflissene Schöngeist Ledesma wird den Artikel dem Gastspiel der Wiener Philharmoniker, unter der Leitung von Richard Strauss im Teatro Colon mit der bereits legendären Aufführung von Gustav Mahlers 1. Symphonie, widmen. Und dass sein immer etwas einfältig wirkender Kollege Verani über den im selben Monat stattgefundenen mythischen Boxkampf Luis Angel Firpos gegen den amtierenden amerikanischen Weltmeister Jack Dempsey, bei dem der argentinische Herausforderer skandalös um den Sieg gebracht wurde, berichtet, steht für ihn außer Frage. Doch Verani entdeckt eine andere kleine Zeitungsnotiz, in der von einer unbekannten Leiche in einem Hotelzimmer in Buenos Aires berichtet wurde. Dieser Artikel lässt ihn nicht mehr los und unbeirrt verfolgt er die Idee, dass es zwischen dem Tod dieses Unbekannten und den beiden historischen Großereignissen irgendeine mysteriöse Verbindung geben könnte. Stoisch lässt er die Belehrungs- und Erklärungsversuche Ledesmas, sei es über die Hintergründe der eigenartigen Freundschaft zwischen Gustav Mahler und Richard Strauss, das Eheleben der Mahlers, dessen Hilfeersuchen bei Siegmund Freud oder aber sogar sporttechnische Ausführungen, über sich ergehen. Ihn interessiert allein der ungeklärte Mord? oder Selbstmord? dieses Ausländers, der just in dem Augenblick eingetreten war, als der skandalöse Sieg Dempseys bekannt gegeben wurde. War das Opfer in einen Wettskandal verstrickt? Gab es Zusammenhänge zwischen den beiden Großereignissen? Immer tiefer dringt Verani mit Hilfe eines Freundes von Roque in den Fall ein. Aber endgültig gelöst wird er mit einem grandiosen Paukenschlag erst auf den letzten Seiten des Buches und zwar 1990 von Roque selbst. Aufbau und das Grundgerüst dieses Romans sind nahezu genial komponiert. Kohan teilt seine Geschichte in siebzehn (da haben wir sie wieder, diese magische Zahl) Kapitel ein, stellvertretend für die siebzehn denkwürdigen Sekunden im Boxkampf Dempsey - Firpo. Ab Kapitel Zehn! werden sie mit Ausrufezeichen versehen, als ginge es darum, den skandalträchtigen Zählvorgang im Ring zu wiederholen. Die Kapitel wiederum (zumindest bis zum Kapitel Zehn!) sind in zehn Absätze gegliedert, welche in wechselnder Folge jeweils den Boxkampf aus unterschiedlichen Sichten, die Streitgespräche zwischen Ledesma und Verani sowie Erinnerungen und Gegenwartserlebnisse von Roque betrachten. Des Weiteren steht die Zahl Drei für verschiedenste Konstellationen: einmal das Dreiergespann Ledesma, Verani und Roque. Dann werden während des Boxkampfes drei unterschiedliche Personen betrachtet (der Champ Dempsey selbst sowie der Ringrichter Gallagher und der Fotograf Mitchell). Alles spielt sich in drei ständig wechselnden Ebenen ab (1923, 1973 und 1990). Diese drei Ebenen offenbaren wiederum einen genialen Konstrukt: Während die Ebene 1923 im Sekundentakt von den siebzehn! legendären Sekunden des Boxkampfes in New York erzählt, rückt die Uhr im Jahr 1990 bei Roques siebzehn!stündigem Aufklärungsversuchen pro Kapitel jeweils stundenweise vor. Die Erinnerungen an das Jahr 1973 erfolgen dagegen in siebzehn! Tageseinheiten. Und es gibt noch jede Menge mehr Gleichnisse. Das alles hört sich sehr kompliziert und verworren an. Zugegeben, das Buch erfordert ein erhöhtes Maß an Konzentration, einmal aufgrund der stets wechselnden Zeit- und Erzählebenen und zum anderen wegen teilweise langer Schachtelsätze, die jedoch durch ihren intelligenten Sprachwitz und der von Seite zu Seite aufgebauten Spannung zu bewältigen sind. Man gerät geradezu in einen Sog der Spannungsabhängigkeit. Vage Andeutungen des Ich-Erzählers und teilweise wunderbar humorvolle Beschreibungen - vor allem der Streitgespräche Verani - Ledesma - tun ihr Übriges und tragen zu erhöhtem Lesegenuss bei. Außerdem ist dieses Buch geradezu ein Pool an Wissenswertem in Bezug auf Gustav Mahler, Richard Strauss und deren Musik (wer weiß schon, dass die Anfangstakte der argentinischen Nationalhymne eine Komposition Richard Strauss' sind). Köstlich, wie aus winzigen Zeiteinheiten - Bruchteilen von Sekunden - einige Buchseiten werden. Man geht mental mit zu Boden, so detailliert werden Vorgänge des Knockouts beschrieben. Und... Ein Konzertführer, mit einem Autor Ledesma, würde Mahlers wunderbare Musik sicher einem breiteren Publikum zugängig machen ;-) Fazit: Martin Kohan durchdringt in diesem postmodernen Roman Zeit und Raum und erschafft ein kunstvolles Gebilde, in welchem er geistreich und humorvoll die Lebensgeschichten völlig unterschiedlicher Menschen genial zu bündeln weiß - denn "alles hat mit allem zu tun", das Konzert, der Boxkampf, der Tote im Hotel. Gleichzeitig erfährt der gewillte Leser eine Fülle höchst aufschlussreicher und interessanter geschichtlicher Informationen, sei es zu Mahler und Strauss, den Aufbau einer Symphonie oder aber den Ablauf eines Boxkampfes. Es mag für den ein oder anderen Leser eine konzentrations- und geduldintensive Herausforderung werden, aber der Weg ist das Ziel. Was anfänglich verwirrend scheint, wird nach und nach entflochten und zwar mit einer derart "großen Klarheit, Konzentration und Ehrfurcht vor dem Augenblick, dass man als Leser selbst ganz demütig wird angesichts der Fülle der Wahrnehmung". "Es gibt Boxkämpfe - oder Symphonien -, die nach dem Höhepunkt noch nicht zu Ende sind." (aus "Sekundenlang" von Martín Kohan) Martin Kohan ist eine erfrischende und lohnende Neuentdeckung, der die große Tradition der lateinamerikanischen Literatur auf neue Weise fortsetzt.
  11. Cover des Buches Wiener Passion (ISBN: 9783423136624)
    Lilian Faschinger

    Wiener Passion

     (9)
    Aktuelle Rezension von: awogfli
    Der Roman ist eine viel zu gemächliche Story, deren Rasanz zwar zum morbiden weinerlichen Schneckentempo des Wasserkopfs Wien passt, mich aber nur mittelmäßig begeistert hat.

    Die junge Sängerin Magnolia Brown besucht die Stadt ihrer Vorfahren, um sich bei  Gesangsunterricht auf ihre Rolle der Anna Freud vorzubereiten bzw. ihre Lebensumstände kennenzulernen. Durch ein hundert Jahre altes in einer alten Truhe gefundenes Schriftstück, die Lebensbeichte der Rosa Hawelka, wird ihr und dem Leser das triste Schicksal der Dienstboten in der Kaiserzeit und die Lebensgeschichte ihrer eigenen Großmutter nähergebracht.

    Lilian Faschinger kann und will sich einfach nicht entscheiden, welche Story sie wirklich erzählen will und das ist der Qualität des Romans meiner Meinung nach sehr abträglich, da sich der Inhalt des Romans in seinem Ziel und Zweck komplett in den beiden gleichberechtigen Erzählsträngen verliert. Welches Wien soll denn nun gezeigt näher thematisiert und analysiert werden? Jenes der Jahrundertwende, das die grauenhafte von Armut geprägte Lebensrealität der Dienstboten schildert oder jenes der xenophoben und misanthropen pseudofeinen eingesessenen Wiener Gesellschaft der Innenstadtbezirksbewohner (Nummern 01-09), die angesichts ihrer  diversen ausländischen Wurzeln aus der KUK-Zeit ganz dezent ihre Papalatur halten sollten?

    Es ist unbenommen, dass Faschinger beide Gesellschaften sehr genau und pointiert beschreibt, wer glaubt, die Autorin entwirft klischeehaft irgendwelche Achetypen, dem sei gesagt, die sind wirklich so, sowohl um die Jahrhundertwende als auch jene in der Jetztzeit skizzierten Figuren. Wenn der Roman nach 2010 geschrieben worden wäre, käme auch noch die neuerdings grassierende BOBO-Attitüde der Innenstadtbezirke dazu. Diese Gesellschaftsbeschreibungen sind auch die eigentliche Stärke des Romans, aber die beiden Erzählstränge nehmen wahnsinnig viel Tempo aus der gesamten Geschichte und schaffen eine Distanz des Lesers zu den Figuren, die die Empathie und das Involvement mitunter komplett eindösen lässt.

    Die Lebensbeichte der Rosa Haweka aus der Jahrhundertwende ist insofern informativ, da in der KuK Zeit unter den Dienstboten gar nix Heppi Beppi war, so wie man es in den Sissi-und anderen Filmen immer darstellte. Das wusste man zwar ohnehin,  aber dass die Dienstboten derart rechtelos waren, war mir bisher unbekannt. Ich dachte immer, die Bettgeher- Obdachlosen- und anderen Probleme trafen nur die ungelernten Arbeiter aber nicht das Dienstpersonal. Es existierte ein Dienstbotenkodex der jeglichem Missbrauch der "feinen" Herrschaft Tür und Tor öffnete: Hungern lassen, Gewalt, sexueller Mißbrauch, Ausgangsverbot bzw. eigentlich Freiheitsentzug, 20 stündige Arbeitszeiten, ... im Prizip war alles erlaubt. Die Einbindung von historischen Ereignissen in die Geschichte der Rosa Hawelka ist zwar ob der Zufälle etwas an den Haaren herbeigezogen, aber durchaus nicht ungelungen.

    Auch in der Gegenwart wird ein gutes Psychogramm der Innen-Stadt und ihrer pseudofeinen Bewohner, die sich oft sogar aus den ehemaligen Dienstboten lukrieren, gezeichnet. Wien ist ..... wo sogar die Ausländer xenophob sind (Martin Mucha, Papierkrieg). Die bösartigen "anständigen" alten "Österreicher", von der arbeitenden Bevölkerung mittlerweile mit Höchstpensionen gesponsort, in den mietpreisgebundenen Kaiserzeitwohnungen in den Innenbezirken hausend und Nachmietern mit ihren knochigen Fingern horrende jurisitisch ungerechtfertigte Ablösen von zigtausenden Euro fordernd und selbstverständlich rechtspopulistisch wählend, weil ihnen die pösen Ausländer gar sooo viel angetan haben, sind meinen besten Freunden, die nach dem Studium in Wien geblieben sind, so oft untergekommen, dass man das nicht als Klischee sondern als Epidemie werten muss. Auch der im Roman beschriebene hypochondrische feine Mammasohn mit Hang zur Homöopathie hat mich derart oft in meinem Leben erfolglos angebraten, dass er nicht als Einzelfall gewertet werden kann.  Weiters gefällt mir auch die Tristesse mit der Wien und die Innenstatdtbezirke beschrieben werden, habe erst gestern wieder in einer Musikdokumentation gehört, dass Wien Anfang der 80er Jahre eine der rückständigsten grausten Städte Europas war, im Gegensatz dazu war Moskau hinter dem Eisernen Vorhang eine pulsierende Metropole. Auch das setzte sich so ca. bis Ende der 90er Jahre  in den Innenstadtbezirken außer dem 2. und dem 6. Bezirk fort, die feine WienStadt war ein greises Museum, das eigentliche Leben fand außerhalb des Gürtels und in Transdanubien statt.   

    Fazit: Für mich wäre es am besten gewesen, die Autorin hätte sich auf eine Geschichte konzentriert und die andere nur nebenbei behandelt, so konnte sie beiden nicht ganz gerecht werden.
  12. Cover des Buches Scherzo furioso (ISBN: 9783462030891)
    Konrad Beikircher

    Scherzo furioso

     (3)
    Aktuelle Rezension von: petronella
    Folgt in der Qualität eins zu eins dem ersten Band, Andante Spumante. Wie an den tags zu ersehen ist, geht es hier in Richtung neuere Musik. Mit der neueren Musik hatte ich mich vorher nicht so sehr beschäftigt. Dieser Konzertführer hat mich dazu angeregt und ich habe einige Perlen entdeckt. Vielleicht wäre ein Kapitel Arnold Schönberg noch angebracht gewesen.
  13. Cover des Buches Szerzo furioso (ISBN: 9783936186383)
    Konrad Beikircher

    Szerzo furioso

     (1)
    Aktuelle Rezension von: petronella
    Genau wie die beiden Bücher und der CD Vorläufer - einfach Spitze. Dieser Führer geht mehr in Richtung neuere Musik, und da ich mich damit vorher nicht so beschäftigt hatte, waren ganz besonders hier die Hörbeispiele sehr hilfreich. Wie beim ersten Hörbuch Andante Spumante fehlen auch hier die Kapitel über die Komponisten, die im Buch vorhanden sind.
  14. Cover des Buches Der Baader Meinhof Komplex, Das Filmhörbuch (ISBN: 9783455306217)

    Der Baader Meinhof Komplex, Das Filmhörbuch

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Rose75
    Ich habe den Film "Der Baader Meinhof Komplex" schon ein paarmal gesehen und daher war ich neugierig wie das Filmhörbuch umgesetzt wurde.  Die Geschichte anzuhören hat nochmal eine andere Qualität. Allerdings denke ich, dass Hörer, die die Handlung / Geschichte nicht kennen teilweise überfordert sind.  Es wird relativ wenig erzählt bzw. erklärt und manche Handlungen scheinen dadurch aus der Luft gegriffen. 
    Etwas störend fand ich die zu lauten Schießereien. Da musste ich leiser stellen.



  15. Cover des Buches Griseldis (ISBN: 9783893509362)
    Hedwig Courths-Mahler

    Griseldis

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Ferrante
    Bei Weltbild kam mir zufällig beim Stöbern ein Paket mit Romanen von Hedwig Courths-Mahler unter, und da mir die Autorin vage als klassisch bekannt war, griff ich zu. Nachdem ich den Namen gegoogelt hatte, war ich zunächst sehr enttäuscht, hatte ich doch den Eindruck, mir billige Schnulzen gekauft zu haben. Von dem Buch war ich dann aber positiv überrascht. Der Graf von Treuenfels wurde des Mordes an seiner unausstehlichen Frau verdächtigt, und die junge Griseldis, krisengebeutelte Erzieherin seiner Tochter, muss den wahren Mörder wie auch den Weg in sein Herz finden. Klingt jetzt total blöd vielleicht, aber liest sich erstaunlich gut. Schreiben konnte Hedwig Courths-Mahler, und der Roman liest sich flüssig, spannend und besonders am Anfang atmosphärisch dicht. Wilkie Collins, ein anderer prinzipell gerne als Unterhaltungsautor eingestufter Schriftsteller, ist sicher besser, aber an diesem Buch gefiel mir auch der unerschütterliche Optimismus den es ausstrahlt, was besonders wohltuend war, da ich es zu einer Zeit las, in der ich recht nervös war. Bevor man Rosamunde Pilcher liest - und das würde ich nie - ist man sicher qualitätstechnisch bei Courths-Mahlers guten Romanen - bei ihrem umfangreichen Werk gibt es sicher auch wirklich Schlechtes - besser aufgehoben.
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