Bücher mit dem Tag "malazanisch"

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11 Bücher

  1. Cover des Buches Das Spiel der Götter (4) (ISBN: 9783442269907)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (4)

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Medienjournal
    Wenn der von Steven Erikson erdachte Kontinent Genabackis in Das Spiel der Götter 4: Die eisige Zeit mittlerweile vor übernatürlichen Wesenheiten nur so wimmelt, schmälert das in keiner Weise die Faszination seines Fantasy-Epos und er unterstreicht eindrucksvoll, dass die Geschichte scheinbar gerade erst begonnen hat, während man sich als Leser über ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern freuen darf. 
    Mehr gibt es unter: 

    http://medienjournal-blog.de/2014/07/review-das-spiel-der-goetter-4-die-eisige-zeit-steven-erikson-buch/
  2. Cover des Buches Das Spiel der Götter (2) (ISBN: 9783442269655)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (2)

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Leseglatze1974

    Nachdem ich Band I einfach in drei Tagen durchgelesen hatte, musste ich gleich Band II hinterherschieben und was soll ich sagen? Er ist noch besser. Man kann jetzt tief eintauchen in die Welt, die der Autor hier erschaffen hat. Alles wird noch tiefer, noch besser, noch echter. Großartig!

  3. Cover des Buches Das Spiel der Götter (3) (ISBN: 9783442269686)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (3)

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Medienjournal
    Mit Das Spiel der Götter 3: Im Bann der Wüste nimmt Steven Eriksons Geschichte noch einmal deutlich epischere Ausmaße an und es ist nicht weniger als ganzer Kontinent, den er zum Leben zu erwecken weiß und mit zahlreichen Figuren und weit mehr als nur einem Hauch Magie und göttlicher Einmischung anreichert. Dabei verzichtet er erneut auf Stereotypen und offeriert stattdessen, eine düstere, anspruchsvolle und mitreißende Form erwachsener Fantasy.
    Mehr gibt es unter:

    http://medienjournal-blog.de/2014/05/review-das-spiel-der-goetter-3-im-bann-der-wueste-steven-erikson-buch/
  4. Cover des Buches Das Spiel der Götter - Im Sturm des Verderbens (ISBN: 9783734160943)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter - Im Sturm des Verderbens

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Der Goldene Herrscher“ als auch „Im Sturm des Verderbens“. Im Original erschien der siebte Band unter dem Titel „Reaper's Gale“, für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.


    Die Tiste Edur zwangen die Letherii auf die Knie. Mit goldenen Münzen übersät, furchtbar und unsterblich regiert Rhulad Sengar über das einstmals mächtige Reich Lether. Von seiner Knechtschaft durch den Verkrüppelten Gott in den Wahnsinn getrieben ist er blind für die subtilen Manipulationen der Letherii, die seinen instabilen geistigen Zustand skrupellos ausnutzen. Sie wiegen ihn in Sicherheit, schüren das paranoide Misstrauen seinem eigenen Volk gegenüber und verfolgen perfide Intrigen, die Rhulad und die Edur langsam entmachten sollen. Die Eroberung ist nicht mehr als schöner Schein; die Kinder des Schattens begreifen nicht, dass Lether in Wahrheit niemals von einer Person regiert wurde, sondern von den abstrakten Gesetzen des Profits. Unbeeindruckt von ihren neuen Herren führen die Letherii weiterhin eine verlogene, grausame Kampagne gegen die indigenen Stämme des Landes, um deren Gebiete an sich zu reißen. Doch die Verzweiflung der Stämme wendet das Blatt. Von der Ausrottung bedroht sammeln sie sich hinter dem legendären Krieger Rotmaske und stellen sich der letherischen Armee entgegen. Erstmals vereint schlagen sie zurück. Blutige Scharmützel fordern auf beiden Seiten zahllose Leben. Lether versinkt im Chaos, sodass die Ankunft einer neuen Bedrohung beinahe unbemerkt bleibt. An der Küste wurden fremde Segel gesichtet. Malazanische Segel…


    Könnte sich das Schicksal von Steven Eriksons Universum in Lether entscheiden? Meine Intuition behauptet, dass diese Option im Rahmen des Möglichen liegt, denn es ist nicht zu leugnen, dass aktuell alle Pfade nach Lether führen. Ich habe den Eindruck, Stück für Stück lenkt der Autor alle Handlungslinien in diese Richtung; er versammelt seine zahlreichen Figuren und verhärtet die Fronten im Krieg der Götter. Diese Annahme vorausgesetzt, ist der zweigeteilte siebte Band von „Das Spiel der Götter“, bestehend aus „Der Goldene Herrscher“ und „Im Sturm des Verderbens“, ein atemberaubend kluges Manöver, das den finalen Schauplatz vorbereitet und Lether selbst tiefer in die übergeordnete Handlung einbindet. Durch die umfangreichen Strömungen, die dieser Band präsentiert, ist das Reich der Letherii und Tiste Edur nun nicht länger isoliert, sondern der Mittelpunkt aller zugegebenermaßen äußerst komplizierten Entwicklungen. Es war eine Herausforderung, den roten Faden ausfindig zu machen. Mir schwirrte ein wenig der Kopf, da ich das Gefühl hatte, auf einem rasant rotierenden Karussell zu stehen. Alles ist in Bewegung, alles dreht sich. Figuren wirbelten durch mein Blickfeld, verschwanden und tauchten bei der nächsten vollständigen Umdrehung wieder auf. Dieser Part von Steven Eriksons fulminanter Geschichte weist mehr Blickwinkel und Perspektivwechsel auf als je zuvor, sodass es schwierig war, zu folgen und die zahllosen Charaktere auseinander zu halten. Es ist ein brillantes Feuerwerk individueller Interessen, Motive und Pläne.


    Die Schilderung des Verhältnisses zwischen Tiste Edur und Letherii ist ein Geniestreich. Die bodenständigen Edur hatten nie eine Chance, die abstrakte kapitalistische Gesellschaftsordnung der Letherii, die der Struktur der realen Welt so ähnlich ist und mit Vorliebe besonders widerwärtige, machthungrige Persönlichkeiten hervorbringt, tatsächlich zu übernehmen, weil sie ihre Spielregeln nicht verstehen. Sie können sich nicht vorstellen, dass den Letherii Ehre, Stolz und Würde so gut wie nichts bedeutet und Falschheit, wenn schon nicht als Tugend, dann zumindest als probates Mittel im Namen des Profits angesehen wird. Es macht den Letherii nicht das Geringste aus, zu katzbuckeln, sich anzubiedern und gute Miene zum bösen Spiel zu machen, während sie weiterhin ihre eigenen Ziele verfolgen. Sie wittern die Schwächen der Edur – ihre naive Arroganz und ihre uneingeschränkte Loyalität für einen tragischen Wahnsinnigen – und nutzen diese schamlos aus. Sie führen ihre Eroberer vor. Die Edur verlieren den Krieg, obwohl sie die Invasion gewonnen haben. Ihnen fehlt der entscheidende Funken Fantasie in Sachen dreister Skrupellosigkeit. Deshalb gelingt es den Letherii, die Machtübernahme der Edur völlig auszuhöhlen.


    Das Inszenieren fieser Intrigen hat in Lether Tradition, davon können die indigenen Stämme ein Liedchen singen, die seit Generationen bis auf den letzten Tropfen ausgeblutet werden. Eine Rebellion war meiner Meinung nach längst überfällig, doch die festgefahrenen Fehden zwischen den einzelnen Stämmen verhinderten die dafür nötige Einigkeit. Erst der mysteriöse Rotmaske bringt sie zusammen, indem er den rechtschaffenen Hass der Stämme auf die Letherii bündelt und ihn in eine Waffe verwandelt. Demzufolge ist das Aufeinandertreffen der Stämme und der letherischen Armee schmutzig, brutal und gemein. Es fasziniert mich, dass Steven Erikson jeder Schlacht seines Epos eine eigene und unverkennbare Atmosphäre verleiht. Die Scharmützel in Lether sind nicht mit dem Kampf gegen den Pannionischen Seher, der Schlacht in Y’Ghatan oder der Rebellion des Wirbelwinds vergleichbar. Sie sind nicht austauschbar, sondern einzigartig, genauso wie es sein sollte. Der Autor beweist sein tiefes Verständnis für die verschiedenen Motivationen der kämpfenden Parteien und lässt diese subtil in seine Schlachtbeschreibungen einfließen. Als Leserin ist es stets ein Genuss, diese atmosphärische Präzision zu erleben.


    Obwohl die Situation in Lether auf der intellektuellen, politischen Ebene definitiv sehr interessant und packend ist, erschienen mir Steven Eriksons Schilderungen doch ein wenig verkopft. In „Der Goldene Herrscher“ wirkte die Handlung ausgesprochen ernsthaft; ein Gefühl von kompromissloser Dringlichkeit beherrschte die Lektüre und ließ nur selten Raum für entspannte Momente. Umso dankbarer war ich für die Ankunft der Malazaner in „Im Sturm des Verderbens“, die meine These, dass Steven Erikson Lether als Setting für den finalen Showdown auserkor, wunderbar untermauert. Wenn man den Malazanern eines zutrauen kann, dann, dass sie mühelos Schwung in die Bude bringen. Ich glaube, es ist unmöglich, diesen wilden Haufen unvergleichlich lebendiger, nahbarer Figuren nicht zu lieben. Mandata Tavore und ihre 14. Armee lockerten die strenge Geschichte erfrischend auf und überzeugten mit Witz, Kodderschnauze und Herz. Emotionale Szenen gingen fast ausschließlich auf ihr Konto. Ich empfand sie als willkommene Abwechslung und fühle mich unter den malazanischen Truppen regelrecht daheim. Aber natürlich landen die Soldat_innen nicht zum Spaß in Lether. Die Mandata hat einen Plan. Ich bin nicht sicher, ob ich die Andeutungen korrekt verstanden habe – Tavore Paran lässt sich nur sehr ungern in die Karten schauen. Sollte ich richtigliegen, plant sie, sich dem Verkrüppelten Gott höchstpersönlich in den Weg zu stellen. Ich zweifle kein bisschen an ihr. Glaubt Tavore Paran, dass sie den Verkrüppelten Gott besiegen kann, vertraue ich ihr. Hui, ich bekomme eine Gänsehaut, denke ich an diese potentielle Konfrontation!


    „Das Spiel der Götter“ ist, wie ich nicht müde werde zu betonen, eine hochkomplexe und anspruchsvolle High Fantasy – Reihe. Vielleicht ist sie sogar das ambitionierteste Werk des gesamten Genres. Es war damit zu rechnen, dass diese epische Geschichte irgendwann einen Punkt erreicht, an dem es keine Kleinigkeit mehr ist, alle Figuren, Handlungsstränge und Details auseinanderzuhalten. Deshalb nehme ich Steven Erikson meine marginalen Schwierigkeiten mit „Der Goldene Herrscher“ und „Im Sturm des Verderbens“ nicht übel. Trotzdem hoffe ich, dass es mir im nächsten Band „Die Stadt des Blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ leichter fällt, alle Komponenten souverän zu jonglieren und meinen Lesefluss aufrecht zu erhalten. Außerdem bete ich, dass der Verlag Blanvalet nun endlich aus den Puschen kommt und die letzten vier Bände auf den Markt bringt. Ich habe nur noch einen ungelesenen Doppelband im Regal. Der Veröffentlichungsvorsprung ist beinahe aufgebraucht. Bitte, ihr lieben Menschen bei Blanvalet, zwingt mich nicht, jahrelang auf das große Finale meiner konkurrenzlos liebsten High Fantasy – Reihe warten zu müssen.

  5. Cover des Buches Das Spiel der Götter - Die Knochenjäger (ISBN: 9783734160493)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter - Die Knochenjäger

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Feuer der Rebellion“ als auch „Die Knochenjäger“. Im Original erschien der sechste Band unter dem Titel „The Bonehunters , für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Imperatrix Laseen entsendete Mandata Tavore mit einem eindeutigen Auftrag ins Reich der Sieben Städte: sie sollte die Rebellion des Wirbelwinds samt ihren Wurzeln herausreißen und das Land erneut befrieden. Nach dem verhängnisvollen Blutbad im Sand der Raraku ist der Aufstand niedergeschlagen; Sha’ik ist tot und die Göttin wurde bezwungen. Doch eine kleine Schar ihrer Anhänger entkam. Angeführt von Sha’iks gefürchtetem Leibwächter Leoman von den Dreschflegeln fliehen die Überlebenden in die uralte Festungsstadt Y’Ghatan. Tavore hat keine andere Wahl, als sie mit der erschöpften 14. Armee zu verfolgen, obwohl sie weiß, dass Y’Ghatan für das malazanische Imperium in der Vergangenheit nichts als Kummer und Schmerz bereithielt. Hier starb Dassem Ultor, das Erste Schwert, der größte Held der Malazaner. Trotz dessen muss Tavore ihre Soldat_innen in den Kampf gegen die Feuer der Rebellion schicken. Scheitern ist keine Option, denn sie darf der Imperatrix keine Vorwände liefern. In den letzten Monaten wurden Laseens Pläne und Absichten stetig undurchschaubarer, sie selbst unberechenbarer. Würde sie sich aus Machthunger gegen ihr eigenes Volk wenden und sich im brodelnden Krieg der Götter auf ein gefährliches Spiel einlassen? Würde sie sich mit dem Verkrüppelten Gott verbünden?

    Ich liebe, liebe, LIEBE „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie großartig es ist, zu beobachten, wie sich all die Handlungsstränge Stück für Stück verdichten und langsam zuspitzen. Ich war mehr als nur ein wenig erleichtert, mich im zweigeteilten sechsten Band „Die Feuer der Rebellion“ und „Die Knochenjäger“ wieder in den gewohnten Bahnen der Geschichte zu bewegen und zu bekannten Figuren zurückzukehren. Nach dem Ausflug in das Reich der Tiste Edur und der Letherii hätte ich vor lauter Wiedersehensfreude Luftsprünge machen können. Trotz dessen verstehe ich nun, warum Erikson diesen extremen inhaltlichen Bruch wagte. Die Tiste Edur spielen eine bedeutende Rolle im Krieg der Götter und werden vom Verkrüppelten Gott skrupellos manipuliert. Ohne den tiefen Einblick in ihre Geschichte und Kultur hätte ich niemals begriffen, wieso sie für seine Einflüsterungen außergewöhnlich empfänglich sind. Sie sehnen sich so verzweifelt nach Identität und Bestimmung für ihr Volk, dass sie nicht erkennen, dass er sie hemmungslos belügt. Sie bemerken nicht, dass sie sich weiter und weiter vom Schattenreich und Kurald Emurlahn entfernen.
    Vermutlich ist ihre Distanz der einzige Grund, warum Ammanas und Cotillion das Gewirr der Schatten in Besitz nehmen konnten. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein Mensch – selbst ein Aufgestiegener – ein nicht-menschliches Gewirr für sich beanspruchen konnte. Allerdings glaube ich, dass die Eroberung der Schattensphäre nicht spurlos an Ammanas vorbeiging. Ich habe gewaltige Schwierigkeiten, seine Persönlichkeit als Herr des Hohen Hauses Schatten und seine Persönlichkeit als Imperator Kellanved miteinander in Verbindung zu bringen. Meiner Ansicht nach passen sie nicht zusammen. Ich denke, das Aufsteigen, die Transformation in Schattenthron, veränderte Kellanved stark. Als hätte die fremde Macht des Gewirrs seinen Verstand angegriffen.
    Ich bin Steven Erikson sehr dankbar, dass er endlich erklärt, wie das System des Aufsteigens funktioniert. Es gefiel mir hervorragend, dass Erikson Ganoes Paran diese zusätzlichen Fakten über das Universum erläutern lässt, denn meiner Ansicht nach ist Ganoes‘ Rolle die spannendste der gesamten Geschichte. Er ist der Herr der Drachenkarten, die, wenn sie ausgespielt werden, meinen Puls in die Höhe jagen und meinen Körper mit Gänsehaut überziehen. Als dieser steht er außerhalb des Konflikts der Götter, scheint aber nicht zu Neutralität verpflichtet zu sein. Seine oberste Priorität ist der Schutz der Sterblichen vor allzu radikalen Eingriffen der Götter. Folglich besitzt er eine gewisse Macht über sie, die er eindrucksvoll zum Einsatz bringt.
    Ganoes ist jedoch nicht der einzige Charakter, der sich aktiv in den Krieg einmischt. Mittlerweile ist die Situation erstaunlich vielen Figuren bewusst. Es bildet sich eine unerwartete Allianz gegen den Verkrüppelten Gott, die die Sterblichen unablässig in günstige Positionen schiebt. Interessanterweise betrifft das auch Icarium. Icarium erfüllt nur einen einzigen Daseinszweck: er ist eine Waffe. Eine furchterregende Waffe, die während eines Kampfes in blinde Raserei verfällt. Ich war schockiert. Wie vom Donner gerührt. Ich kannte die Legenden über ihn natürlich, aber niemals hätte ich erwartet, dass dieses witzige, sanftmütige, philosophisch bewanderte Halbblut zu einem Monster mutieren könnte. Kein Wunder, dass er seit Jahrhunderten einen Aufpasser hat. Wenn die Jaghut-Tyrannen so waren wie er, kann ich gut verstehen, dass sich die T’lan Imass auflehnten und schworen, alle Jaghut auszurotten.

    Wann immer ich eine Rezension zu einem Band von „Das Spiel der Götter“ schreibe, bin ich frustriert, nicht alle herausragenden Aspekte ansprechen zu können. Ich wünschte, ich könnte euch haargenau darlegen, wie tief mich die Loyalität und Kameradschaft der 14. Armee berührte, wie spannend und nervenaufreibend die Schlacht in Y’Ghatan war, wie faszinierend die philosophischen, theologischen Überlegungen Steven Eriksons sind und wie viel Misstrauen ich Imperatrix Laseen gegenüber empfinde. Ich könnte zu jedem Fragment der einzelnen Handlungsstränge ganze Abhandlungen schreiben. Die Geschichte der Reihe ist eigentlich viel zu komplex, um sich an Zeichenzahlen zu halten. Vielleicht werde ich in Zukunft alle selbstauferlegten Richtlinien in den Wind schießen und frei von der Leber weg drauf los schwärmen. Denn darum geht es hier ja schließlich: euch von der mit Abstand besten Reihe zu erzählen, die das Genre der High Fantasy zu bieten hat und die mein Herz ehrfurchtsvoll höherschlagen lässt.

  6. Cover des Buches Das Spiel der Götter (8) (ISBN: 9783734160394)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (8)

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Kinder des Schattens“ als auch   „Gezeiten der Nacht“. Im Original erschien der fünfte Band unter dem Titel "Midnight Tides", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Lange Zeit lebten die Völker der Letherii und der Tiste Edur friedlich nebeneinander. Verträge legten ihre Territorien fest und bestimmten den Handel. Das Leid, das die Letherii den indigenen Stämmen antaten, berührte die langlebigen Kinder von Vater Schatten kaum. Aus der Ferne beobachteten sie die gnadenlosen Eroberungsfeldzüge, die weit häufiger mit Münze und Feder geführt wurden als mit Waffen und Soldaten; die perfiden Pläne, die die Stämme in die Abhängigkeit tricksten; Lügen, Verrat und Betrug. Erst als das gierige Auge Lethers auf die Gebiete und Rohstoffe der Edur fällt und die Kontrakte vorsätzlich gebrochen werden, sind sie gezwungen, zu reagieren. Der unausweichliche Konflikt ängstigt die Edur nicht, denn erstmals seit Generation sind sie unter der Führung des Hexenkönigs vereint. Doch auch die Letherii glauben fest an ihre Unbezwingbarkeit. Im Namen des Sieges entfesseln beide Völker schreckliche, unberechenbare Mächte, die niemand zu kontrollieren vermag. Tod, Schmerz und Verzweiflung sind die Banner der unfassbaren Gewalt zwischen Letherii und Tiste Edur, die eine gesamte Kultur auszulöschen droht. Eine uralte Prophezeiung sagt den nahenden Morgen eines neuen Imperiums voraus – wer wird sich aus der Asche des Krieges erheben?

    Steven Erikson hat es wieder einmal geschafft. Mit jedem neuen Band von „Das Spiel der Götter“ nehme ich mir vor, auf alles gefasst zu sein und mich nicht von den unberechenbaren Wendungen aus dem Konzept bringen zu lassen. Es gelingt mir nicht. Erikson ist einfach zu gut. „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ überraschten mich in jeglicher Hinsicht, weil dieser fünfte Band all meine Annahmen zum Verlauf der Handlung der Reihe über den Haufen warf. Er führte mich an ein neues Setting, konfrontierte mich mit neuen Figuren und – der wohl spektakulärste Faktor – katapultierte mich offenbar rückwärts durch die Zeit. Trotz fehlender konkreter Hinweise, in welchem Verhältnis die Zeitrechnung der Letherii und Tiste Edur zur Zeitrechnung im malazanischen Imperium steht, glaube ich, dass es sich um ein Prequel handelt, das chronologisch vor den Ereignissen der vorangegangenen Bände angesiedelt ist. Ich wusste bereits, dass Erikson seinen Leser_innen gern Verwicklungen vorsetzt, die sich erst sehr viel später aufklären, doch mit einem so umfassenden Twist habe ich nicht gerechnet. Die Verbindung zu den bisherigen Bänden ist schmal, tatsächlich taucht lediglich eine Figur auf, die ich schon kannte: der Tiste Edur Trull Sengar, der mir im letzten Band als Ausgestoßener vorgestellt wurde. Dadurch hatte ich zugegebenermaßen Schwierigkeiten, in diesen neuen Handlungsstrang hineinzufinden, weil ich erst spät begriff, wie sich dieser vermutlich einordnet. Trulls Geschichte ist die Brücke zu dem Konflikt zwischen Tiste Edur und Letherii, der wiederum von Bedeutung für das gigantische Gesamtbild ist, da er von jahrhundertealten Mächten beeinflusst wird, die auch für das malazanische Imperium Pläne schmieden. Es erschütterte mich, wie unsagbar brutal dieser Krieg ausfällt. Erikson behandelt seine Figuren zwar niemals zimperlich, aber die überbordende, grenzenlose Gewaltbereitschaft, die in diesem Band zu Tage tritt, schockierte mich dennoch. Sowohl Tiste Edur als auch Letherii nehmen enorme Opferzahlen billigend in Kauf; die Situation eskaliert katastrophal, weil es in Wahrheit nicht um eine Auseinandersetzung über territoriale Ansprüche geht. Der Krieg zwischen Tiste Edur und Letherii ist ein Kampf um Bestimmung und Identität. Beide Völker sehen ihre verzweifelte Aggressivität durch einen höheren Zweck gerechtfertigt. Die Alternative wäre ein Leben in bewusster Bedeutungslosigkeit. Beide Völker verzehren sich nach einer Aufgabe, durch die ihre Kultur bestätigt wird und ein Ziel erhält, weil sie verloren sind und ohne Halt dahindriften. Die Edur glauben an uralte Lügen und mischen ihre faktische Geschichte mit Mythen und Legenden – die Letherii hingegen glauben an gar nichts außer dem Profit. Sie beten einen Leeren Thron an, ein hervorragendes Symbol für das Werte-Vakuum und Wesen ihrer Gesellschaft, die sich auf selbstgerechter, selbstzersetzender Gier aufbaut. Dieser fünfte Band ist voller ähnlich symbolträchtiger und sprachlich herausragender Metaphern und Gleichnissen, die die Handlung mit verschlüsselten Bedeutungen aufladen und Spannung zwischen Oberfläche und Metaebene erzeugen. Ich hatte das Gefühl, zwischen den Zeilen versteckte sich eine weitere, viel tiefere Geschichte, die besonders in kryptischen Traumsequenzen aufblitzte und sich mir möglicherweise absichtlich noch nicht offenbarte. Ich vertraue Steven Erikson, dass er mich zum richtigen Zeitpunkt einweihen und sich alles fügen wird.

    „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ forderten mich mehr als die vorangegangenen Bände von „Das Spiel der Götter“. Nicht nur musste ich mich in einer völlig neuen Umgebung akklimatisieren und mich mit den Kulturen neuer Völker vertraut machen, ich empfand auch die inhaltlichen Entwicklungen als Herausforderung. Diese ins Verhältnis zur übergeordneten Handlung der Reihe zu setzen war schwierig, weil ich die Verbindungen selbstständig herstellen musste und keine Hilfe vom Autor erwarten konnte. Ich lief oft Gefahr, mich in Details zu verlieren, da mich all die kleinen und großen tragischen Schicksale dieses fünften Bandes dermaßen faszinierten. Ich war gezwungen, mich beim Lesen stark zu konzentrieren, was allerdings nicht bedeutet, dass ich weniger Spaß an der Lektüre hatte. Anderen Autor_innen würde ich den Mangel an Hintergrundinformationen vielleicht vorwerfen, aber ich kenne Steven Erikson mittlerweile gut genug, um ihm soweit zu vertrauen, dass er mir zu gegebener Zeit alles erklären wird, was ich jetzt noch nicht verstehe. Der Aha-Moment wird kommen. Ich weiß es.


  7. Cover des Buches Das Spiel der Götter (7) (ISBN: 9783442264131)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (7)

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Der Krieg der Schwestern“ als auch „Das Haus der Ketten“. Im Original erschien der vierte Band unter dem Titel "House of Chains", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Noch immer wütet im Reich der Sieben Städte die Rebellion des Wirbelwinds. Die Seherin Sha’ik versammelte ihre Rebellenarmee in der heiligen Raraku und erwartet den unausweichlichen Gegenschlag des malazanischen Imperiums. Sie weiß, wen die Imperatrix schicken wird, um das Land zurückzuerobern: Mandata Tavore. Als Tavore in Aren eintrifft, findet sie dort demoralisierte, verängstigte Soldaten vor. Das Schicksal der Kette der Hunde und der grausame Tod von Faust Coltaine hinterließen tiefe Wunden. Die von Verrat gebeutelte malazanische Armee muss auf unerfahrene Rekruten zurückgreifen, um ihre Reihen aufzustocken, kann allerdings auf die Unterstützung einiger Veteranen bauen. Unter ihnen ist Sergeant Saiten, der schon einmal durch die Raraku marschierte und ihre Magie am eigenen Leib erfuhr. Der Armee der Mandata steht eine lange Reise und ein blutiger Krieg bevor, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Obwohl das Lager der Rebellen von Intrigen verseucht ist, verfügt Sha’ik über Wissen, das ihr den entscheidenden Vorteil verschaffen könnte: sie kennt die Mandata. In einem anderen Leben, bevor die Göttin von ihr Besitz ergriff, war sie eine malazanische Adlige. Sie hieß Felisin und hatte eine Schwester – Tavore. Was die Schwestern jedoch nicht ahnen, ist, dass nicht nur die Göttin des Wirbelwinds die Macht der heiligen Wüste begehrt…

    Wer glaubte, Steven Erikson habe in den ersten drei Bänden seiner Reihe „Das Spiel der Götter“ bereits alle relevanten Figuren ausreichend etabliert, wird am Anfang des vierten Bandes unsanft eines Besseren belehrt. „Der Krieg der Schwestern“ beginnt mit der barbarischen, ungeheuerlichen Lebensgeschichte eines gewissen Karsa Orlong, der mir, ebenso wie sein Volk, die Teblor, völlig unbekannt war. Ich hatte das Gefühl, plötzlich in eine andere Geschichte katapultiert worden zu sein. 300 Seiten lang folgte ich Karsa auf seinem blutigen Pfad, ohne zu begreifen, warum Steven Erikson mir seine Geschichte erzählte. Doch auf den König der High Fantasy ist Verlass. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie begeistert und baff ich war, als er mich endlich herausfinden ließ, wer Karsa ist. Das Gefühl, als sich endlich alle Puzzleteile an ihren Platz schoben, war unvergleichlich. Die Erkenntnis beflügelte mich, ich hatte das Gefühl, etwas Großartiges geleistet zu haben, obwohl es in Wahrheit Erikson war, der abermals sein Können unter Beweis stellte. Er belohnte mich für meine Geduld und mein Vertrauen; es fiel mir wie Schuppen von den Augen, was diesen jungen Teblor mit der Rebellion des Wirbelwinds verbindet. Karsas Persönlichkeit ist wie geschaffen für den gewalttätigen Aufstand. Ich verstehe, dass er sich von der destruktiven Aura der Göttin angezogen fühlt. Sie sind verwandte Seelen. Allerdings offenbarte sich mir durch diese Erkenntnis auch die Aussichtslosigkeit der Revolte. Zerstörung um ihrer selbst willen kann nicht erfolgreich sein. Der Krieg mit den Malazanern kanalisiert lediglich den jahrhundertealten Hass und Zorn der Göttin; Empfindungen, die von machthungrigen Führungspersönlichkeiten der Rebellion instrumentalisiert werden, um egoistische Ziele zu verfolgen. Sie haben kein echtes Interesse daran, das Reich der Sieben Städte zu befreien und ich bezweifle mittlerweile, dass dies der richtige Weg ist. Besatzung hat den Beigeschmack von Unterdrückung, doch ich wüsste nicht, wann das malazanische Imperium die Situation eines Landes nicht verbessert und stabilisiert hätte. Die Göttin des Wirbelwinds verspricht weder Hoffnung noch Stabilität, im Gegenteil, sie mehrt das Elend und ihr bedauernswertestes Opfer ist Felisin. Sie benutzt Felisin, bedient sich ihres Körpers, ihres Geistes und ihrer Wut auf ihre große Schwester Tavore. Für mich bestand daher nie ein Zweifel daran, dass der Konflikt der beiden Schwestern in „Das Haus der Ketten“ tragisch enden und verbrannte Erde hinterlassen würde. Ich rechnete jedoch nicht mit einem dermaßen fulminanten Finale für den Erzählstrang der Rebellion. Zum Ende spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu, Erikson zieht Tempo und Spannungskurve scharf an und bringt wieder einmal überraschend viele Figuren zusammen. Er knüpft Querverbindungen zu Charakteren, die meilenweit entfernt sind und verleiht der Geschichte einen mystischen Hauch von Schicksal. Bis zum Schluss lässt er sich nicht in die Karten schauen, öffnet allerdings im richtigen Moment die Türen für zukünftige Entwicklungen, sodass ich zwar vermuten, aber niemals wissen kann, was mich in den nächsten Bänden erwartet. Mutmaßungen, Neugier, Unwissenheit, Sympathien, Überzeugungen und Vorfreude vereinen sich in mir zu einem explosiven Gemisch, das mir keine andere Wahl lässt, als weiterzulesen. Ich freue mich aufrichtig auf die Folgebände.

    Vier Bände von „Das Spiel der Götter“ habe ich nun gelesen. Erst jetzt traue ich mich, vorsichtig erste Annahmen zu formulieren, worum es in der Reihe geht. Möglicherweise habe ich den zugrundeliegenden Handlungsstrang freigelegt. Möglicherweise. Sicher bin ich nicht. Ich schmunzele über meine tapsigen Versuche, Steven Erikson zu durchschauen, weil es recht unwahrscheinlich ist, dass mir das gelingt. Er will nicht durchschaut werden. Er möchte, dass seine Geschichte unvorhersehbar bleibt und überrascht. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf jeder Seite bewiesen zu bekommen, dass der Autor cleverer ist als ich. Ich kann aber nicht behaupten, dass es mir missfallen würde. Ich genieße es, mich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen und die Kontrolle abzugeben. Ich muss während der Lektüre von „Das Spiel der Götter“ keine ernsthaften Vermutungen über den Verlauf der Handlung anstellen, weil ich sowieso danebenliege. Ich muss nicht nach Logiklöchern Ausschau halten, weil es keine gibt. Ich kann mich auf Steven Erikson verlassen, ihm vertrauen und einfach das tun, was ich am liebsten tue: lesen.

  8. Cover des Buches Das Spiel der Götter (6) (ISBN: 9783442264100)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (6)

     (37)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Der Krieg der Schwestern“ als auch „Das Haus der Ketten“. Im Original erschien der vierte Band unter dem Titel "House of Chains", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Noch immer wütet im Reich der Sieben Städte die Rebellion des Wirbelwinds. Die Seherin Sha’ik versammelte ihre Rebellenarmee in der heiligen Raraku und erwartet den unausweichlichen Gegenschlag des malazanischen Imperiums. Sie weiß, wen die Imperatrix schicken wird, um das Land zurückzuerobern: Mandata Tavore. Als Tavore in Aren eintrifft, findet sie dort demoralisierte, verängstigte Soldaten vor. Das Schicksal der Kette der Hunde und der grausame Tod von Faust Coltaine hinterließen tiefe Wunden. Die von Verrat gebeutelte malazanische Armee muss auf unerfahrene Rekruten zurückgreifen, um ihre Reihen aufzustocken, kann allerdings auf die Unterstützung einiger Veteranen bauen. Unter ihnen ist Sergeant Saiten, der schon einmal durch die Raraku marschierte und ihre Magie am eigenen Leib erfuhr. Der Armee der Mandata steht eine lange Reise und ein blutiger Krieg bevor, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Obwohl das Lager der Rebellen von Intrigen verseucht ist, verfügt Sha’ik über Wissen, das ihr den entscheidenden Vorteil verschaffen könnte: sie kennt die Mandata. In einem anderen Leben, bevor die Göttin von ihr Besitz ergriff, war sie eine malazanische Adlige. Sie hieß Felisin und hatte eine Schwester – Tavore. Was die Schwestern jedoch nicht ahnen, ist, dass nicht nur die Göttin des Wirbelwinds die Macht der heiligen Wüste begehrt…

    Wer glaubte, Steven Erikson habe in den ersten drei Bänden seiner Reihe „Das Spiel der Götter“ bereits alle relevanten Figuren ausreichend etabliert, wird am Anfang des vierten Bandes unsanft eines Besseren belehrt. „Der Krieg der Schwestern“ beginnt mit der barbarischen, ungeheuerlichen Lebensgeschichte eines gewissen Karsa Orlong, der mir, ebenso wie sein Volk, die Teblor, völlig unbekannt war. Ich hatte das Gefühl, plötzlich in eine andere Geschichte katapultiert worden zu sein. 300 Seiten lang folgte ich Karsa auf seinem blutigen Pfad, ohne zu begreifen, warum Steven Erikson mir seine Geschichte erzählte. Doch auf den König der High Fantasy ist Verlass. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie begeistert und baff ich war, als er mich endlich herausfinden ließ, wer Karsa ist. Das Gefühl, als sich endlich alle Puzzleteile an ihren Platz schoben, war unvergleichlich. Die Erkenntnis beflügelte mich, ich hatte das Gefühl, etwas Großartiges geleistet zu haben, obwohl es in Wahrheit Erikson war, der abermals sein Können unter Beweis stellte. Er belohnte mich für meine Geduld und mein Vertrauen; es fiel mir wie Schuppen von den Augen, was diesen jungen Teblor mit der Rebellion des Wirbelwinds verbindet. Karsas Persönlichkeit ist wie geschaffen für den gewalttätigen Aufstand. Ich verstehe, dass er sich von der destruktiven Aura der Göttin angezogen fühlt. Sie sind verwandte Seelen. Allerdings offenbarte sich mir durch diese Erkenntnis auch die Aussichtslosigkeit der Revolte. Zerstörung um ihrer selbst willen kann nicht erfolgreich sein. Der Krieg mit den Malazanern kanalisiert lediglich den jahrhundertealten Hass und Zorn der Göttin; Empfindungen, die von machthungrigen Führungspersönlichkeiten der Rebellion instrumentalisiert werden, um egoistische Ziele zu verfolgen. Sie haben kein echtes Interesse daran, das Reich der Sieben Städte zu befreien und ich bezweifle mittlerweile, dass dies der richtige Weg ist. Besatzung hat den Beigeschmack von Unterdrückung, doch ich wüsste nicht, wann das malazanische Imperium die Situation eines Landes nicht verbessert und stabilisiert hätte. Die Göttin des Wirbelwinds verspricht weder Hoffnung noch Stabilität, im Gegenteil, sie mehrt das Elend und ihr bedauernswertestes Opfer ist Felisin. Sie benutzt Felisin, bedient sich ihres Körpers, ihres Geistes und ihrer Wut auf ihre große Schwester Tavore. Für mich bestand daher nie ein Zweifel daran, dass der Konflikt der beiden Schwestern in „Das Haus der Ketten“ tragisch enden und verbrannte Erde hinterlassen würde. Ich rechnete jedoch nicht mit einem dermaßen fulminanten Finale für den Erzählstrang der Rebellion. Zum Ende spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu, Erikson zieht Tempo und Spannungskurve scharf an und bringt wieder einmal überraschend viele Figuren zusammen. Er knüpft Querverbindungen zu Charakteren, die meilenweit entfernt sind und verleiht der Geschichte einen mystischen Hauch von Schicksal. Bis zum Schluss lässt er sich nicht in die Karten schauen, öffnet allerdings im richtigen Moment die Türen für zukünftige Entwicklungen, sodass ich zwar vermuten, aber niemals wissen kann, was mich in den nächsten Bänden erwartet. Mutmaßungen, Neugier, Unwissenheit, Sympathien, Überzeugungen und Vorfreude vereinen sich in mir zu einem explosiven Gemisch, das mir keine andere Wahl lässt, als weiterzulesen. Ich freue mich aufrichtig auf die Folgebände.

    Vier Bände von „Das Spiel der Götter“ habe ich nun gelesen. Erst jetzt traue ich mich, vorsichtig erste Annahmen zu formulieren, worum es in der Reihe geht. Möglicherweise habe ich den zugrundeliegenden Handlungsstrang freigelegt. Möglicherweise. Sicher bin ich nicht. Ich schmunzele über meine tapsigen Versuche, Steven Erikson zu durchschauen, weil es recht unwahrscheinlich ist, dass mir das gelingt. Er will nicht durchschaut werden. Er möchte, dass seine Geschichte unvorhersehbar bleibt und überrascht. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf jeder Seite bewiesen zu bekommen, dass der Autor cleverer ist als ich. Ich kann aber nicht behaupten, dass es mir missfallen würde. Ich genieße es, mich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen und die Kontrolle abzugeben. Ich muss während der Lektüre von „Das Spiel der Götter“ keine ernsthaften Vermutungen über den Verlauf der Handlung anstellen, weil ich sowieso danebenliege. Ich muss nicht nach Logiklöchern Ausschau halten, weil es keine gibt. Ich kann mich auf Steven Erikson verlassen, ihm vertrauen und einfach das tun, was ich am liebsten tue: lesen.

  9. Cover des Buches Das Spiel der Götter - Der goldene Herrscher (ISBN: 9783734160936)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter - Der goldene Herrscher

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Der Goldene Herrscher“ als auch „Im Sturm des Verderbens“. Im Original erschien der siebte Band unter dem Titel „Reaper's Gale“, für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.


    Die Tiste Edur zwangen die Letherii auf die Knie. Mit goldenen Münzen übersät, furchtbar und unsterblich regiert Rhulad Sengar über das einstmals mächtige Reich Lether. Von seiner Knechtschaft durch den Verkrüppelten Gott in den Wahnsinn getrieben ist er blind für die subtilen Manipulationen der Letherii, die seinen instabilen geistigen Zustand skrupellos ausnutzen. Sie wiegen ihn in Sicherheit, schüren das paranoide Misstrauen seinem eigenen Volk gegenüber und verfolgen perfide Intrigen, die Rhulad und die Edur langsam entmachten sollen. Die Eroberung ist nicht mehr als schöner Schein; die Kinder des Schattens begreifen nicht, dass Lether in Wahrheit niemals von einer Person regiert wurde, sondern von den abstrakten Gesetzen des Profits. Unbeeindruckt von ihren neuen Herren führen die Letherii weiterhin eine verlogene, grausame Kampagne gegen die indigenen Stämme des Landes, um deren Gebiete an sich zu reißen. Doch die Verzweiflung der Stämme wendet das Blatt. Von der Ausrottung bedroht sammeln sie sich hinter dem legendären Krieger Rotmaske und stellen sich der letherischen Armee entgegen. Erstmals vereint schlagen sie zurück. Blutige Scharmützel fordern auf beiden Seiten zahllose Leben. Lether versinkt im Chaos, sodass die Ankunft einer neuen Bedrohung beinahe unbemerkt bleibt. An der Küste wurden fremde Segel gesichtet. Malazanische Segel…


    Könnte sich das Schicksal von Steven Eriksons Universum in Lether entscheiden? Meine Intuition behauptet, dass diese Option im Rahmen des Möglichen liegt, denn es ist nicht zu leugnen, dass aktuell alle Pfade nach Lether führen. Ich habe den Eindruck, Stück für Stück lenkt der Autor alle Handlungslinien in diese Richtung; er versammelt seine zahlreichen Figuren und verhärtet die Fronten im Krieg der Götter. Diese Annahme vorausgesetzt, ist der zweigeteilte siebte Band von „Das Spiel der Götter“, bestehend aus „Der Goldene Herrscher“ und „Im Sturm des Verderbens“, ein atemberaubend kluges Manöver, das den finalen Schauplatz vorbereitet und Lether selbst tiefer in die übergeordnete Handlung einbindet. Durch die umfangreichen Strömungen, die dieser Band präsentiert, ist das Reich der Letherii und Tiste Edur nun nicht länger isoliert, sondern der Mittelpunkt aller zugegebenermaßen äußerst komplizierten Entwicklungen. Es war eine Herausforderung, den roten Faden ausfindig zu machen. Mir schwirrte ein wenig der Kopf, da ich das Gefühl hatte, auf einem rasant rotierenden Karussell zu stehen. Alles ist in Bewegung, alles dreht sich. Figuren wirbelten durch mein Blickfeld, verschwanden und tauchten bei der nächsten vollständigen Umdrehung wieder auf. Dieser Part von Steven Eriksons fulminanter Geschichte weist mehr Blickwinkel und Perspektivwechsel auf als je zuvor, sodass es schwierig war, zu folgen und die zahllosen Charaktere auseinander zu halten. Es ist ein brillantes Feuerwerk individueller Interessen, Motive und Pläne.


    Die Schilderung des Verhältnisses zwischen Tiste Edur und Letherii ist ein Geniestreich. Die bodenständigen Edur hatten nie eine Chance, die abstrakte kapitalistische Gesellschaftsordnung der Letherii, die der Struktur der realen Welt so ähnlich ist und mit Vorliebe besonders widerwärtige, machthungrige Persönlichkeiten hervorbringt, tatsächlich zu übernehmen, weil sie ihre Spielregeln nicht verstehen. Sie können sich nicht vorstellen, dass den Letherii Ehre, Stolz und Würde so gut wie nichts bedeutet und Falschheit, wenn schon nicht als Tugend, dann zumindest als probates Mittel im Namen des Profits angesehen wird. Es macht den Letherii nicht das Geringste aus, zu katzbuckeln, sich anzubiedern und gute Miene zum bösen Spiel zu machen, während sie weiterhin ihre eigenen Ziele verfolgen. Sie wittern die Schwächen der Edur – ihre naive Arroganz und ihre uneingeschränkte Loyalität für einen tragischen Wahnsinnigen – und nutzen diese schamlos aus. Sie führen ihre Eroberer vor. Die Edur verlieren den Krieg, obwohl sie die Invasion gewonnen haben. Ihnen fehlt der entscheidende Funken Fantasie in Sachen dreister Skrupellosigkeit. Deshalb gelingt es den Letherii, die Machtübernahme der Edur völlig auszuhöhlen.


    Das Inszenieren fieser Intrigen hat in Lether Tradition, davon können die indigenen Stämme ein Liedchen singen, die seit Generationen bis auf den letzten Tropfen ausgeblutet werden. Eine Rebellion war meiner Meinung nach längst überfällig, doch die festgefahrenen Fehden zwischen den einzelnen Stämmen verhinderten die dafür nötige Einigkeit. Erst der mysteriöse Rotmaske bringt sie zusammen, indem er den rechtschaffenen Hass der Stämme auf die Letherii bündelt und ihn in eine Waffe verwandelt. Demzufolge ist das Aufeinandertreffen der Stämme und der letherischen Armee schmutzig, brutal und gemein. Es fasziniert mich, dass Steven Erikson jeder Schlacht seines Epos eine eigene und unverkennbare Atmosphäre verleiht. Die Scharmützel in Lether sind nicht mit dem Kampf gegen den Pannionischen Seher, der Schlacht in Y’Ghatan oder der Rebellion des Wirbelwinds vergleichbar. Sie sind nicht austauschbar, sondern einzigartig, genauso wie es sein sollte. Der Autor beweist sein tiefes Verständnis für die verschiedenen Motivationen der kämpfenden Parteien und lässt diese subtil in seine Schlachtbeschreibungen einfließen. Als Leserin ist es stets ein Genuss, diese atmosphärische Präzision zu erleben.


    Obwohl die Situation in Lether auf der intellektuellen, politischen Ebene definitiv sehr interessant und packend ist, erschienen mir Steven Eriksons Schilderungen doch ein wenig verkopft. In „Der Goldene Herrscher“ wirkte die Handlung ausgesprochen ernsthaft; ein Gefühl von kompromissloser Dringlichkeit beherrschte die Lektüre und ließ nur selten Raum für entspannte Momente. Umso dankbarer war ich für die Ankunft der Malazaner in „Im Sturm des Verderbens“, die meine These, dass Steven Erikson Lether als Setting für den finalen Showdown auserkor, wunderbar untermauert. Wenn man den Malazanern eines zutrauen kann, dann, dass sie mühelos Schwung in die Bude bringen. Ich glaube, es ist unmöglich, diesen wilden Haufen unvergleichlich lebendiger, nahbarer Figuren nicht zu lieben. Mandata Tavore und ihre 14. Armee lockerten die strenge Geschichte erfrischend auf und überzeugten mit Witz, Kodderschnauze und Herz. Emotionale Szenen gingen fast ausschließlich auf ihr Konto. Ich empfand sie als willkommene Abwechslung und fühle mich unter den malazanischen Truppen regelrecht daheim. Aber natürlich landen die Soldat_innen nicht zum Spaß in Lether. Die Mandata hat einen Plan. Ich bin nicht sicher, ob ich die Andeutungen korrekt verstanden habe – Tavore Paran lässt sich nur sehr ungern in die Karten schauen. Sollte ich richtigliegen, plant sie, sich dem Verkrüppelten Gott höchstpersönlich in den Weg zu stellen. Ich zweifle kein bisschen an ihr. Glaubt Tavore Paran, dass sie den Verkrüppelten Gott besiegen kann, vertraue ich ihr. Hui, ich bekomme eine Gänsehaut, denke ich an diese potentielle Konfrontation!


    „Das Spiel der Götter“ ist, wie ich nicht müde werde zu betonen, eine hochkomplexe und anspruchsvolle High Fantasy – Reihe. Vielleicht ist sie sogar das ambitionierteste Werk des gesamten Genres. Es war damit zu rechnen, dass diese epische Geschichte irgendwann einen Punkt erreicht, an dem es keine Kleinigkeit mehr ist, alle Figuren, Handlungsstränge und Details auseinanderzuhalten. Deshalb nehme ich Steven Erikson meine marginalen Schwierigkeiten mit „Der Goldene Herrscher“ und „Im Sturm des Verderbens“ nicht übel. Trotzdem hoffe ich, dass es mir im nächsten Band „Die Stadt des Blauen Feuers“ und „Tod eines Gottes“ leichter fällt, alle Komponenten souverän zu jonglieren und meinen Lesefluss aufrecht zu erhalten. Außerdem bete ich, dass der Verlag Blanvalet nun endlich aus den Puschen kommt und die letzten vier Bände auf den Markt bringt. Ich habe nur noch einen ungelesenen Doppelband im Regal. Der Veröffentlichungsvorsprung ist beinahe aufgebraucht. Bitte, ihr lieben Menschen bei Blanvalet, zwingt mich nicht, jahrelang auf das große Finale meiner konkurrenzlos liebsten High Fantasy – Reihe warten zu müssen.

  10. Cover des Buches Das Spiel der Götter (10) (ISBN: 9783734160486)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (10)

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Feuer der Rebellion“ als auch „Die Knochenjäger“. Im Original erschien der sechste Band unter dem Titel „The Bonehunters , für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Imperatrix Laseen entsendete Mandata Tavore mit einem eindeutigen Auftrag ins Reich der Sieben Städte: sie sollte die Rebellion des Wirbelwinds samt ihren Wurzeln herausreißen und das Land erneut befrieden. Nach dem verhängnisvollen Blutbad im Sand der Raraku ist der Aufstand niedergeschlagen; Sha’ik ist tot und die Göttin wurde bezwungen. Doch eine kleine Schar ihrer Anhänger entkam. Angeführt von Sha’iks gefürchtetem Leibwächter Leoman von den Dreschflegeln fliehen die Überlebenden in die uralte Festungsstadt Y’Ghatan. Tavore hat keine andere Wahl, als sie mit der erschöpften 14. Armee zu verfolgen, obwohl sie weiß, dass Y’Ghatan für das malazanische Imperium in der Vergangenheit nichts als Kummer und Schmerz bereithielt. Hier starb Dassem Ultor, das Erste Schwert, der größte Held der Malazaner. Trotz dessen muss Tavore ihre Soldat_innen in den Kampf gegen die Feuer der Rebellion schicken. Scheitern ist keine Option, denn sie darf der Imperatrix keine Vorwände liefern. In den letzten Monaten wurden Laseens Pläne und Absichten stetig undurchschaubarer, sie selbst unberechenbarer. Würde sie sich aus Machthunger gegen ihr eigenes Volk wenden und sich im brodelnden Krieg der Götter auf ein gefährliches Spiel einlassen? Würde sie sich mit dem Verkrüppelten Gott verbünden?

    Ich liebe, liebe, LIEBE „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie großartig es ist, zu beobachten, wie sich all die Handlungsstränge Stück für Stück verdichten und langsam zuspitzen. Ich war mehr als nur ein wenig erleichtert, mich im zweigeteilten sechsten Band „Die Feuer der Rebellion“ und „Die Knochenjäger“ wieder in den gewohnten Bahnen der Geschichte zu bewegen und zu bekannten Figuren zurückzukehren. Nach dem Ausflug in das Reich der Tiste Edur und der Letherii hätte ich vor lauter Wiedersehensfreude Luftsprünge machen können. Trotz dessen verstehe ich nun, warum Erikson diesen extremen inhaltlichen Bruch wagte. Die Tiste Edur spielen eine bedeutende Rolle im Krieg der Götter und werden vom Verkrüppelten Gott skrupellos manipuliert. Ohne den tiefen Einblick in ihre Geschichte und Kultur hätte ich niemals begriffen, wieso sie für seine Einflüsterungen außergewöhnlich empfänglich sind. Sie sehnen sich so verzweifelt nach Identität und Bestimmung für ihr Volk, dass sie nicht erkennen, dass er sie hemmungslos belügt. Sie bemerken nicht, dass sie sich weiter und weiter vom Schattenreich und Kurald Emurlahn entfernen.
    Vermutlich ist ihre Distanz der einzige Grund, warum Ammanas und Cotillion das Gewirr der Schatten in Besitz nehmen konnten. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein Mensch – selbst ein Aufgestiegener – ein nicht-menschliches Gewirr für sich beanspruchen konnte. Allerdings glaube ich, dass die Eroberung der Schattensphäre nicht spurlos an Ammanas vorbeiging. Ich habe gewaltige Schwierigkeiten, seine Persönlichkeit als Herr des Hohen Hauses Schatten und seine Persönlichkeit als Imperator Kellanved miteinander in Verbindung zu bringen. Meiner Ansicht nach passen sie nicht zusammen. Ich denke, das Aufsteigen, die Transformation in Schattenthron, veränderte Kellanved stark. Als hätte die fremde Macht des Gewirrs seinen Verstand angegriffen.
    Ich bin Steven Erikson sehr dankbar, dass er endlich erklärt, wie das System des Aufsteigens funktioniert. Es gefiel mir hervorragend, dass Erikson Ganoes Paran diese zusätzlichen Fakten über das Universum erläutern lässt, denn meiner Ansicht nach ist Ganoes‘ Rolle die spannendste der gesamten Geschichte. Er ist der Herr der Drachenkarten, die, wenn sie ausgespielt werden, meinen Puls in die Höhe jagen und meinen Körper mit Gänsehaut überziehen. Als dieser steht er außerhalb des Konflikts der Götter, scheint aber nicht zu Neutralität verpflichtet zu sein. Seine oberste Priorität ist der Schutz der Sterblichen vor allzu radikalen Eingriffen der Götter. Folglich besitzt er eine gewisse Macht über sie, die er eindrucksvoll zum Einsatz bringt.
    Ganoes ist jedoch nicht der einzige Charakter, der sich aktiv in den Krieg einmischt. Mittlerweile ist die Situation erstaunlich vielen Figuren bewusst. Es bildet sich eine unerwartete Allianz gegen den Verkrüppelten Gott, die die Sterblichen unablässig in günstige Positionen schiebt. Interessanterweise betrifft das auch Icarium. Icarium erfüllt nur einen einzigen Daseinszweck: er ist eine Waffe. Eine furchterregende Waffe, die während eines Kampfes in blinde Raserei verfällt. Ich war schockiert. Wie vom Donner gerührt. Ich kannte die Legenden über ihn natürlich, aber niemals hätte ich erwartet, dass dieses witzige, sanftmütige, philosophisch bewanderte Halbblut zu einem Monster mutieren könnte. Kein Wunder, dass er seit Jahrhunderten einen Aufpasser hat. Wenn die Jaghut-Tyrannen so waren wie er, kann ich gut verstehen, dass sich die T’lan Imass auflehnten und schworen, alle Jaghut auszurotten.

    Wann immer ich eine Rezension zu einem Band von „Das Spiel der Götter“ schreibe, bin ich frustriert, nicht alle herausragenden Aspekte ansprechen zu können. Ich wünschte, ich könnte euch haargenau darlegen, wie tief mich die Loyalität und Kameradschaft der 14. Armee berührte, wie spannend und nervenaufreibend die Schlacht in Y’Ghatan war, wie faszinierend die philosophischen, theologischen Überlegungen Steven Eriksons sind und wie viel Misstrauen ich Imperatrix Laseen gegenüber empfinde. Ich könnte zu jedem Fragment der einzelnen Handlungsstränge ganze Abhandlungen schreiben. Die Geschichte der Reihe ist eigentlich viel zu komplex, um sich an Zeichenzahlen zu halten. Vielleicht werde ich in Zukunft alle selbstauferlegten Richtlinien in den Wind schießen und frei von der Leber weg drauf los schwärmen. Denn darum geht es hier ja schließlich: euch von der mit Abstand besten Reihe zu erzählen, die das Genre der High Fantasy zu bieten hat und die mein Herz ehrfurchtsvoll höherschlagen lässt.

  11. Cover des Buches Das Spiel der Götter (9) (ISBN: 9783734160400)
    Steven Erikson

    Das Spiel der Götter (9)

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie
    +++Hinweis+++
    Diese Rezension bespricht sowohl „Kinder des Schattens“ als auch   „Gezeiten der Nacht“. Im Original erschien der fünfte Band unter dem Titel "Midnight Tides", für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

    Lange Zeit lebten die Völker der Letherii und der Tiste Edur friedlich nebeneinander. Verträge legten ihre Territorien fest und bestimmten den Handel. Das Leid, das die Letherii den indigenen Stämmen antaten, berührte die langlebigen Kinder von Vater Schatten kaum. Aus der Ferne beobachteten sie die gnadenlosen Eroberungsfeldzüge, die weit häufiger mit Münze und Feder geführt wurden als mit Waffen und Soldaten; die perfiden Pläne, die die Stämme in die Abhängigkeit tricksten; Lügen, Verrat und Betrug. Erst als das gierige Auge Lethers auf die Gebiete und Rohstoffe der Edur fällt und die Kontrakte vorsätzlich gebrochen werden, sind sie gezwungen, zu reagieren. Der unausweichliche Konflikt ängstigt die Edur nicht, denn erstmals seit Generation sind sie unter der Führung des Hexenkönigs vereint. Doch auch die Letherii glauben fest an ihre Unbezwingbarkeit. Im Namen des Sieges entfesseln beide Völker schreckliche, unberechenbare Mächte, die niemand zu kontrollieren vermag. Tod, Schmerz und Verzweiflung sind die Banner der unfassbaren Gewalt zwischen Letherii und Tiste Edur, die eine gesamte Kultur auszulöschen droht. Eine uralte Prophezeiung sagt den nahenden Morgen eines neuen Imperiums voraus – wer wird sich aus der Asche des Krieges erheben?

    Steven Erikson hat es wieder einmal geschafft. Mit jedem neuen Band von „Das Spiel der Götter“ nehme ich mir vor, auf alles gefasst zu sein und mich nicht von den unberechenbaren Wendungen aus dem Konzept bringen zu lassen. Es gelingt mir nicht. Erikson ist einfach zu gut. „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ überraschten mich in jeglicher Hinsicht, weil dieser fünfte Band all meine Annahmen zum Verlauf der Handlung der Reihe über den Haufen warf. Er führte mich an ein neues Setting, konfrontierte mich mit neuen Figuren und – der wohl spektakulärste Faktor – katapultierte mich offenbar rückwärts durch die Zeit. Trotz fehlender konkreter Hinweise, in welchem Verhältnis die Zeitrechnung der Letherii und Tiste Edur zur Zeitrechnung im malazanischen Imperium steht, glaube ich, dass es sich um ein Prequel handelt, das chronologisch vor den Ereignissen der vorangegangenen Bände angesiedelt ist. Ich wusste bereits, dass Erikson seinen Leser_innen gern Verwicklungen vorsetzt, die sich erst sehr viel später aufklären, doch mit einem so umfassenden Twist habe ich nicht gerechnet. Die Verbindung zu den bisherigen Bänden ist schmal, tatsächlich taucht lediglich eine Figur auf, die ich schon kannte: der Tiste Edur Trull Sengar, der mir im letzten Band als Ausgestoßener vorgestellt wurde. Dadurch hatte ich zugegebenermaßen Schwierigkeiten, in diesen neuen Handlungsstrang hineinzufinden, weil ich erst spät begriff, wie sich dieser vermutlich einordnet. Trulls Geschichte ist die Brücke zu dem Konflikt zwischen Tiste Edur und Letherii, der wiederum von Bedeutung für das gigantische Gesamtbild ist, da er von jahrhundertealten Mächten beeinflusst wird, die auch für das malazanische Imperium Pläne schmieden. Es erschütterte mich, wie unsagbar brutal dieser Krieg ausfällt. Erikson behandelt seine Figuren zwar niemals zimperlich, aber die überbordende, grenzenlose Gewaltbereitschaft, die in diesem Band zu Tage tritt, schockierte mich dennoch. Sowohl Tiste Edur als auch Letherii nehmen enorme Opferzahlen billigend in Kauf; die Situation eskaliert katastrophal, weil es in Wahrheit nicht um eine Auseinandersetzung über territoriale Ansprüche geht. Der Krieg zwischen Tiste Edur und Letherii ist ein Kampf um Bestimmung und Identität. Beide Völker sehen ihre verzweifelte Aggressivität durch einen höheren Zweck gerechtfertigt. Die Alternative wäre ein Leben in bewusster Bedeutungslosigkeit. Beide Völker verzehren sich nach einer Aufgabe, durch die ihre Kultur bestätigt wird und ein Ziel erhält, weil sie verloren sind und ohne Halt dahindriften. Die Edur glauben an uralte Lügen und mischen ihre faktische Geschichte mit Mythen und Legenden – die Letherii hingegen glauben an gar nichts außer dem Profit. Sie beten einen Leeren Thron an, ein hervorragendes Symbol für das Werte-Vakuum und Wesen ihrer Gesellschaft, die sich auf selbstgerechter, selbstzersetzender Gier aufbaut. Dieser fünfte Band ist voller ähnlich symbolträchtiger und sprachlich herausragender Metaphern und Gleichnissen, die die Handlung mit verschlüsselten Bedeutungen aufladen und Spannung zwischen Oberfläche und Metaebene erzeugen. Ich hatte das Gefühl, zwischen den Zeilen versteckte sich eine weitere, viel tiefere Geschichte, die besonders in kryptischen Traumsequenzen aufblitzte und sich mir möglicherweise absichtlich noch nicht offenbarte. Ich vertraue Steven Erikson, dass er mich zum richtigen Zeitpunkt einweihen und sich alles fügen wird.

    „Kinder des Schattens“ und „Gezeiten der Nacht“ forderten mich mehr als die vorangegangenen Bände von „Das Spiel der Götter“. Nicht nur musste ich mich in einer völlig neuen Umgebung akklimatisieren und mich mit den Kulturen neuer Völker vertraut machen, ich empfand auch die inhaltlichen Entwicklungen als Herausforderung. Diese ins Verhältnis zur übergeordneten Handlung der Reihe zu setzen war schwierig, weil ich die Verbindungen selbstständig herstellen musste und keine Hilfe vom Autor erwarten konnte. Ich lief oft Gefahr, mich in Details zu verlieren, da mich all die kleinen und großen tragischen Schicksale dieses fünften Bandes dermaßen faszinierten. Ich war gezwungen, mich beim Lesen stark zu konzentrieren, was allerdings nicht bedeutet, dass ich weniger Spaß an der Lektüre hatte. Anderen Autor_innen würde ich den Mangel an Hintergrundinformationen vielleicht vorwerfen, aber ich kenne Steven Erikson mittlerweile gut genug, um ihm soweit zu vertrauen, dass er mir zu gegebener Zeit alles erklären wird, was ich jetzt noch nicht verstehe. Der Aha-Moment wird kommen. Ich weiß es.

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