Bücher mit dem Tag "mao"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "mao" gekennzeichnet haben.

8 Bücher

  1. Cover des Buches Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (ISBN: 9783328102366)
    Jonas Jonasson

    Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

    (5.952)
    Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue

    "Richtig war nicht unbedingt das, was richtig war, sondern das, was von der maßgeblichen Person für richtig erklärt wurde."

    Die Geschichte fängt genauso an, wie der Titel es vorhersage. Der Hunderjährige Allan hat keine Lust seinen 100ten Geburtstag zu feiern und stieg aus dem Fenster des Altenheim und verschwand. Was dann passiert ist sowohl skurill und an manchen Stellen humorvoll. Weil ich mir einfach nicht das vorstellen konnte und kopfschüttelnd lachen musste um mir das was gerade passiert sein soll, vorstellen zu können.

    Insgesamt war es aber mehr eine Erzählung über Allan, wie er aus dem Fenster stieg und was dann passiert, sowie Rückblicke was alles in seinem Leben passiert ist. Fand durch die Erzählung der Schreibstil sehr monoton und dadurch viel es mir schwer manchmal dran zu bleiben, weil es auch schnell langatmig wurde. 

    Eine solide und skurille Geschichte, die bestimmt mal was anderes ist!

  2. Cover des Buches Shutter Island (ISBN: 9783257243352)
    Dennis Lehane

    Shutter Island

    (287)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Zwei Marshalls kommen nach Shutter Island. Hier soll eine Gefangene Kindsmörderin entflohen sein. Die Insel hat drei große Trakte, wo die psychisch Kranken untergebracht sind. Die Marshalls suchen nach Wahrheit und Hintergründen und alles ist irgendwie seltsam hier. Edward hat immer wieder Alpträume von früher. Seine tote Frau taucht auf und seine Vergangenheit beim Einsatz in den Konzentrationslagern. Er schreckt dann immer aus dem Schlaf auf und irgendwas scheint hier vor sich zu gehen auf der Insel, denn es verschwimmt alles vor seinen Augen und in seinem Kopf und die Migräne wird schlimmer. Aber dann steht Edward vor einem Mann aus seiner Vergangenheit und kommt ins straucheln. Was ist wahr? Wer lügt? Wo gehört er wirklich hin? Der Roman von Dennis Lehane ist eine Wucht und überrascht immer wieder. Die vielen Wendungen, das Legen von Fährten und das eröffnen von sogenannten Wahrheiten, bringt uns Leser auch fast um den Verstand. Es ist wie ein Sog und man kommt von der Insel einfach nicht mehr runter.


  3. Cover des Buches Madame Mao (ISBN: 9783104907543)
    Anchee Min

    Madame Mao

    (33)
    Aktuelle Rezension von: Calipso

    Lesenswert obwohl man nie weiß was wirklich oder fiktiv ist. 

    Die Geschichte der Jiang Qing, Ehefrau von Mao, ist schockierend und faszinierend zugleich. Wer sich für andere Kulturen interessiert erhält einen ungewöhnlichen Blick auf ein wichtiges chinesisches Geschichtskapitel.

  4. Cover des Buches Genossin Tschiang Tsching. Die Gefährtin Maos erzählt ihr Leben (ISBN: 9783548035635)
  5. Cover des Buches Eine Mango für Mao (ISBN: 9783906195674)
  6. Cover des Buches Obsidio (The Illuminae Files, Band 3) (ISBN: 9780553499223)
    Amie Kaufman

    Obsidio (The Illuminae Files, Band 3)

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Chianti_Classico

    Asha Grant hätte nicht damit gerechnet, ihren Ex-Freund Rhys Lindstrom jemals wiederzusehen.
    Seit Kerenza IV vor sieben Monaten von BeiTech angegriffen wurde, versuchen sie und ihre Freunde alles, um am Leben zu bleiben, auch wenn die Hoffnung, dass jemand dem Planeten zur Hilfe kommt, mit jedem Tag schwindet. Doch dann steht plötzlich Rhys in BeiTech-Uniform vor ihr und endlich bietet sich den Überlebenden eine Möglichkeit zurückzuschlagen.
    Währenddessen haben Ezra und Kady, Nik, Hanna und Ella den Angriff auf die Sprungstation Heimdall überlebt und befinden sich mit 2000 Überlebenden auf dem Frachter Mao. Da die Station zerstört wurde, haben sie keine andere Möglichkeit, als nach Kerenza IV zurückzukehren, um dort die mobile Sprungstation Magellan wieder instandzusetzen, um ins Kernsystem zurückzukehren, um ihre Geschichte erzählen zu können. Doch auf dem Weg zurück liegen noch viele Gefahren und auch die Ungewissheit, was sie auf dem Planeten vorfinden werden.
    Doch eins ist klar: Sie werden nicht ruhen, bevor BeiTech nicht für seine Taten bezahlt hat.

    "Obsidio" ist der dritte und abschließende Band der Illuminae Files von Amie Kaufman und Jay Kristoff.
    Wie die beiden vorherigen Bände wird auch dieser auf ungewöhnliche Art und Weise erzählt.
    Mithilfe von Chatprotokollen, Transkriptionen von Videos von Überwachungskameras, Zeichnungen, Akten und E-Mails verfolgen wir nicht nur die Geschehnisse auf Kerenza IV, wo wir Kadys Cousine Asha Grant und ihren Ex-Freund Rhys Lindstrom kennenlernen, sondern auch die Geschehnisse auf der Mao, wo die Geschichte von Kady Grant und Ezra Mason und Niklas Malkow und Hanna Donnelly weitergeht. Auch Ella Malikowa und unsere liebste künstliche Intelligenz AIDAN sind natürlich wieder mit von der Partie!

    Die Handlung setzt nicht mal vierundzwanzig Stunden nach dem Ende von "Gemina" an.
    Die Sprungstation Heimdall wurde zerstört, der Weg ins Kernsystem abgeschnitten und die Überlebenden von Heimdall und der Hypatia siedeln auf die Mao über, um dort über ihre nächsten Schritte zu entscheiden. Die einzige Möglichkeit scheint eine Rückkehr nach Kerenza IV zu sein, sieben Monate nach dem Angriff durch BeiTech und niemand weiß, was sie dort erwarten wird, da der Kontakt komplett abgebrochen ist.
    Doch es gibt noch Überlebende auf dem Planeten, unter anderem Kadys Cousine Asha, die vor dem Angriff eine Ausbildung im Krankenhaus absolviert hat, und ihre Freunde Joran Karalis, der in der illegalen Mine von Kerenza IV arbeitet, Bruno Way, einem Klempner und Stephanie Park, einer Mechanikerin. Sie gehören dem Widerstand an, denn noch immer befinden sich BeiTech Soldaten auf dem Planeten, die versuchen die mobile Sprungstation Magellan wieder fit zu machen, um so Kerenza IV entfliehen zu können.

    Sowohl Asha als auch Rhys mochte ich total gerne, wobei ich allerdings das Gefühl hatte, dass man sie nicht ganz so gut kennengelernt hat wie zuvor noch Kady und Ezra oder Hanna und Nik, weil man deren Geschichten in diesem dritten Band ebenfalls noch weiter verfolgen durfte und Asha und Rhys nicht komplett im Fokus der Geschichte standen.
    Früher waren Asha und Rhys unzertrennlich, doch die beiden hatten keinen guten Einfluss aufeinander, sodass Ashas Eltern sie nach einem schrecklichen Zwischenfall zu Kadys Eltern ins Exil geschickt haben. Drei Jahre später steht Rhys wieder vor ihr, doch als Soldat von BeiTech ist er eigentlich ihr Feind. Aber Rhys ist kein skrupelloser Soldat und ist schockiert, als er die Zustände auf Kerenza IV mit eigenen Augen sieht.
    Auch die Geschichten von Ezra und Kady und Nik und Hanna durften wir weiter verfolgen.
    Während Ezra und Kady schon im ersten Band wieder zueinandergefunden haben, müssen Nik und Hanna noch die Ereignisse von Heimdall verdauen und besonders Hanna ist ziemlich durcheinander, denn sie muss auch den Tod ihres geliebten Vaters verarbeiten. Ich fand es sehr gelungen, dass sie nicht sofort zum untrennbaren Traumpaar mutiert sind, sondern sich noch mal Zeit genommen haben. Die beiden sind auch meine liebsten Charaktere der Reihe.

    Wenn ich gewusst hätte, dass der dritte Band nächstes Jahr im Mai doch noch auf deutsch erscheinen würde, hätte ich wahrscheinlich gewartet. So habe ich das Buch auf Englisch gelesen und nach kurzer Einfindungsphase konnte mich die Geschichte auch komplett mitreißen!
    Ich liebe die Erzählweise der Reihe einfach! Es ist so spannend, den Chatverläufen zu folgen und die Zusammenfassungen der Überwachungskameras zu lesen! Amie Kaufman und Jay Kristoff haben einen unglaublichen Humor und die Illuminae Akten sind einfach nur genial!
    Ich habe diesen dritten Band echt geliebt, fand es großartig, wie alle Fäden in diesem Band zusammenlaufen und ein stimmiges Bild ergeben!
    "Obsidio" hat meine Erwartungen einfach übertroffen und ich bin restlos begeistert von dieser grandiosen Reihe!

    Fazit:
    "Obsidio" von Amie Kaufman und Jay Kristoff ist ein absolut gelungener Abschluss ihrer Illuminae Files!
    Ich habe diesen dritten Band von der ersten Seite an geliebt und bin restlos begeistert, wie genial die beiden Autoren die Fäden verknüpft und welch spannende Geschichte sie hier erzählt haben!
    Das Buch konnte mich komplett mitreißen, die Erzählweise ist grandios und auch die Charaktere haben mir wieder richtig gut gefallen!
    Ich vergebe verdiente fünf Kleeblätter.

  7. Cover des Buches Wilder Ingwer (ISBN: 9783596190119)
    Anchee Min

    Wilder Ingwer

    (9)
    Aktuelle Rezension von: colour_hunter_books

    🇩🇪𝚁𝚎𝚣𝚎𝚗𝚜𝚒𝚘𝚗 

    𝚆𝚒𝚕𝚍𝚎𝚛 𝙸𝚗𝚐𝚠𝚎𝚛 𝚟𝚘𝚗 𝙰𝚗𝚌𝚑𝚎𝚎 𝙼𝚒𝚗

    𝙸𝚗𝚑𝚊𝚕𝚝:

    Wir schreiben das Jahr 1969. Die Kulturrevolution in Shanghai ist im vollen Gange. Unter dem kommunistischen Regime haben es Menschen mit einem intellektuellen Hintergrund, Ausländer und sogenannte „Verräter“ schwer. Darunter auch die Schülerin Wilder Ingwer. Durch ihre gelbgrünen Augen, die im Kontrast zu ihrem sonst so asiatischen Aussehen stehen, fällt sie sofort auf. Trotz der ungerechten Behandlung, die ihr widerfährt, ist sie eine große Anhängerin der Lehren Maos. Um in dieser Gesellschaft akzeptiert zu werden ,verrät sie alle die ihr nahe stehen. 

    𝙼𝚎𝚒𝚗𝚞𝚗𝚐:

    Ein Leben, das mit viel Ungerechtigkeit zu kämpfen hat. So würde ich das Dasein von Wilder Ingwer und ihrer Freundin Ahorn unter dem Regime Maos beschreiben - so wie vielen anderen. Wir erhalten als Leser einen Einblick in den Alltag der Menschen und wie stark die maoistischen Lehren sie begleiten. Wie Kindern von klein auf beigebracht wird ,wer Freund und wer Feind ist. Aus meiner Sicht eine sehr traurige Lektüre mit eingeschobenen lustigen Momenten. 

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    𝚆𝚒𝚕𝚍 𝙶𝚒𝚗𝚐𝚎𝚛 𝚋𝚢 𝙰𝚗𝚌𝚑𝚎𝚎 𝙼𝚒𝚗

    🇺🇸𝙲𝚘𝚗𝚝𝚎𝚗𝚝:

    It's 1969. The cultural revolution in Shanghai is in full swing. Under the communist regime, people with an intellectual background, foreigners and so-called "traitors" have a hard time. Including the student Wild Ginger. Due to her yellow-green eyes, which contrast with her otherwise Asian appearance, she immediately stands out. Despite the unfair treatment that happens to her, she is a great supporter of the teachings of Mao. In order to be accepted in this society, she betrays everyone close to her.

    𝙾𝚙𝚒𝚗𝚒𝚘𝚗:

    A life that struggles with a lot of injustice. This is how I would describe the existence of Wild Ginger and her friend Maple under the Mao regime - just like many others. As a reader, we get an insight into people's everyday lives and how strongly the Maoist teachings accompany them. How children are taught from an early age who is a friend and who is an enemy. From my point of view, a very sad reading with inserted funny moments.

  8. Cover des Buches Maos langer Schatten (ISBN: 9783406755453)
    Daniel Leese

    Maos langer Schatten

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Gerade erst habe ich Kai Vogelsangs ausgezeichnetes Sachbuch „China und Japan. Zwei Reiche unter einem Himmel“ hier vorgestellt. Nach diesem Blick auf die langfristige Beziehungs-, Entstehungs- und Kulturgeschichte dieser beiden Länder folgt nun die Fokussierung auf einen bestimmten Abschnitt in der Geschichte Chinas. Daniel Leese hat sich mit der juristischen, politischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der Kulturrevolution in China nach Maos Tod wissenschaftlich auseinandergesetzt.

    Im Rahmen des vom Europäischen Forschungsrat geförderten Projekts „The Maoist Legacy: Party Dictatorship, Transitional Justice and the Politics of Truth“ hat er erforscht, „auf welche Weise sich die Kommunistische Partei nach Mao Zedongs Tod mit dem Erbe massenhaften historischen Unrechts auseinandersetzte.“ Nun wirkt der Sachbuchtitel „Maos langer Schatten“ dagegen allerdings weniger zutreffend. Denn der lange Schatten spielt lediglich im Prolog wie Epilog eine Rolle. In den anderen über 400 Seiten ist es eher der kurze Schatten, der juristisch aufgearbeitet werden soll. Ganz wie es der Titel des Forschungsprojekts eben hergibt. Für den Sachbuchmarkt hat man dann einen Epilog drangehängt, der die Zielgruppe des Sachbuches jenseits von Sinolog*innen und Rechtswissenschaftler*innen erweitern soll. Aus Perspektive des Marketings legitim, für eine Leser*innenschaft jenseits dieses special interests der innerparteilichen Aufarbeitung von Unrecht und Terror allerdings vermutlich eher etwas enttäuschend. Ein Problem das das gesamte Buch durchzieht: wer ist die Zielgruppe?

    Wie umgehen mit dem eigenen Unrecht?

    „Maos langer Schatten“ ist aber eine äußerst profunde, detailreiche und akribische Darstellung der Aufarbeitung der Staatsverbrechen der Kommunistischen Partei unter Mao während der sogenannten Kulturrevolution. Hunderttausende, vielleicht Millionen Tote forderte der Terror der „10 Jahre Chaos“ und stürzte das Land an den Rand eines Bürgerkrieges. Nach Maos Tod begann die Aufarbeitung dieser Zeit der Willkür und des Unrechts. Das Besondere ist, dass hier kein System- oder Herrschaftswechsel vorhergeht, sondern die Kommunistische Partei Chinas die eigenen Verbrechen und das eigene Unrecht zum Gegenstand der Aufarbeitung machen muss. Oberstes Staatsziel war dabei jedoch die Befriedung und die Einheit und Stabilität Chinas. Wie also mit Tätern umgehen, die weiterhin verdiente Mitglieder der Partei sind? Wie mit Verbrechen umgehen, die von oberster Stelle toleriert wurden? Um den Versprechungen der Partei nach Gerechtigkeit nachzukommen, müssen Täter verurteilt und Unrecht wieder gut gemacht werden. Zwischen 1976 und 1987 wurden so Millionen Urteile neu gesichtet. Über 600.000 Personen waren zeitweise mit der Aufarbeitung beschäftigt.

    „Insgesamt verhandelten die Gerichte in der Kulturrevolution mindestens 1,26 Millionen Strafrechtsfälle, die nach Mao Zedongs Tod alle neu aufgerollt und überprüft wurden. Nicht-politische Verbrechen machten mit 980 000 Verurteilungen die überwiegende Mehrheit aus. Die restlichen 280 000 Fälle wurden zeitgenössisch unter den Tatbestand der Konterrevolution gefasst.“ Man wollte wieder „Ordnung aus dem Chaos schaffen“. Die „Revision ungerechter, falscher und fehlerhafter Fälle“ wurde zwar durch Gerichte und Sicherheitsorgane durchgeführt, allerdings konnten diese durch Parteikomitees verändert werden. Bei den Strafrechtsfällen wurden nur etwa 10 Prozent korrigiert, bei den politischen Vergehen wurden 70 bis 80 Prozent revidiert. Nimmt man alle Verfahren zusammen auch die vor der Kulturrevolution kommt man auf fast 3 Millionen überprüfte Verfahren mit etwa einer Million korrigierter Urteile.

    Sachbuch oder Forschungsbericht?

    Daniel Leese gelingt trotz einer wissenschaftlich motivierten überbordenden Detailverliebtheit ein lesenswertes Buch, dass auch aktuelle Geschehnisse und Machtkämpfe in China verstehen hilft. Die herrschende Kultur ist immer auch die Kultur der Herrschenden und so entwirft Leese ein empirisches Bollwerk zu George Orwells Aphorismus: „Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit.“

    Allerdings und das sei auch gesagt ist die teils ermüdende und redundante Tiefe der Darstellungen nicht sonderlich Sachbuch geeignet. So liegt leider bereits in der Ausgangskonstruktion die Krux. Im Wesentlichen wurden hier also die Forschungsergebnisse in ein Sachbuch gezwängt. Die Logik von Sachbüchern ist aber eine andere als die von wissenschaftlichen Büchern oder gar Forschungsberichten. Der Deutsche Sachbuchpreis prämiert „herausragende, in deutscher Sprache verfasste Sachbücher, die Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung geben. Bewertungskriterien sind die Relevanz des Themas, die erzählerische Kraft des Textes, die Art der Darstellung in allgemein verständlicher Sprache sowie die Qualität der Recherche.“

    Die Qualität der Recherche ist bei einem wissenschaftlichen Projekt des europäischen Forschungsrates wohl außer Konkurrenz. Aber sowohl die erzählerische Kraft als auch Darstellung und Relevanz leiden unter dem wissenschaftlichen Duktus, dem wissenschaftlichen Aufbau und der äußerst speziellen Darstellung. Hier wird für eine Handvoll Feuilletonist*innen und Expert*innen geschrieben. Zwar hätte das Thema auch über den sehr eingeengten Fokus Chinas weitreichendere Bedeutung, aber eine der wichtigsten Methoden der Politikwissenschaft findet keine Anwendung: der Vergleich. Und so stehen die Ergebnisse der Forschung im luftleeren Raum. Nun ist es nicht Aufgabe der Wissenschaft, gleich die Schlüsse mitzuliefern. Das kann dem Diskurs in der Scientific Community überlassen werden. Aber bei einem Sachbuch, das gesellschaftliche Relevanz und gesellschaftlichen Diskurs anstoßen soll, wäre dies unabdingbar. Wem hilft der Diskurs im Elfenbeinturm, um es provokant zu formulieren.

    Mal mehr mal weniger gelungen

    Leider ist Leese auch ein Vertreter einer, ich nenne es mal unmodernen, Geschichtsauffassung. Während Kai Vogelsang in herausragender Weise gezeigt hat, wie sich Menschen gegenseitig bedingen und wie die Beziehungen und Verflechtungen der Menschen soziale Prozesse bedingen, schreibt Daniel Leese doch eine äußerst voluntaristische Geschichte der Kulturrevolution, Maos und der Kommunistischen Partei. Hier bedingt sich nichts gegenseitig, hier ist alles geplant und wird zu 100 Prozent auch so durchgeführt, es herrscht eine rein instrumentelle Vernunft. Hier gibt es keine echten Gefühle, sondern nur von Propaganda geschürte, die Kriegsverbrechen der Japaner, rufen keine echte Wut hervor, sondern die Kommunistischen Partei manipuliert diese durch Gefühlspolitik. Das erinnert an die grandiosen Dokumentationen von Adam Curtis oder weniger wohlwollend an verschwörungsideologische Erzählungen.

    Keine Zufälle, keine sozialen Prozesse, keine „Außenwirkungen“, keine Überzeugungen, nicht einmal Fehler gesteht Leese den Handelnden zu. Letzteres liegt allerdings auch in der inneren Logik des Buches begründet, baute doch ein erheblicher Teil der juristischen Aufarbeitung der Kulturrevolution auf der Unterscheidung von Fehlern und Verbrechen auf. Und diese Unterscheidung war, wie zu erwarten, willkürlich bzw. politisch motiviert. Um sich also von dieser Erzählung zu distanzieren, scheint es nur absichtliches zielgerichtetes Handeln bei Leese zu geben. Und zwar dermaßen zielgerichtet, dass das Ergebnis immer das intendierte ist.

    Nichtsdestotrotz ist Maos langer Schatten ein wichtiger Beitrag sowohl zum Verständnis Chinas als auch zum allgemeineren Verständnis von Vergangenheitsbewältigung und juristischer Aufarbeitung eigener Verbrechen.

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