Bücher mit dem Tag "marktwirtschaft"
13 Bücher
- Rob Hart
Der Store
(200)Aktuelle Rezension von: KiraNearTitel: Der Store
Autor*in: Rob Hart
Erschienen in Deutschland: 2019
Originaltitel: THE WAREHOUSE
Erschienen in den USA: 2019
Übersetzer*in: Bernhard Kleinschmidt
Weitere Informationen:
Genre: Dystopie
Preis: € 11,00
Seiten: 591
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-453-27230-9
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
Inhalt:
Der Store liefert alles. Überallhin. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Aber alles hat seinen Preis.
Paxton und Zinnia lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Paxton hat einen Job beim Sicherheitsdienst bekommen. Paxton hat einen Job beim Sicherheitsdienst bekommen. Zinnia arbeitet im Lager. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Sie ahnen nicht, wie weit das Unternehmen geht, um die perfekte Welt von Cloud vor Gegnern zu schützen.
Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Das Buch hier habe ich vor wenigen Wochen recht günstig im Buchladen bekommen, da es ziemlich stark reduziert war, genauer gesagt nur für drei Euro. Was soll ich sagen, die Beschreibung klang düster und interessant, und zu Büchern im Angebot kann ich generell ja nur schwer nein sein. Außerdem fand ich diesen Barcode mit den vielen Händen auf dem Cover sehr ansprechend. Außerdem fühlt sich der Buchdeckel an, als wäre er aus harter Pappe und gibt dem Buch eine Art "Paketoptik", was passend zu einem Buch über einen Versandhandel. Das Rot sticht heraus, wie auch der rote Farbschnitt. Er fühlt sich so an, wei sich Farbschnitte vor mehreren Jahren noch angefühlt haben, ein wenig rau. Aber hier pappten die Seiten wenigstens nicht so stark zusammen und ich bekam sie leichter auseinander. Da hatte ich in der Vergangenheit schon schlimmere Bücher in der Hand.
Ok, genug vom Äußeren des Buchs, kommen wir jetzt zum Inneren. Zu einem der leider wenigen Dingen, die mir an dem Buch gefallen: Das Buch bzw die Geschichte wird aus drei Perspektiven. Die erste Perspektive gehört der Protagonistin, deren echten Namen man nie erfährt. Sie arbeitet in Form von Aufträgen und soll herausfinden, wie "Cloud" es schafft, so viel Energie zu nutzen, und dabei offiziell viel weniger Energie in Anspruch zu nehmen. Dass Zinnia ein falscher Name ist, den sie extra für diese Mission nutzt, erfährt man recht schnell. Ansonsten erfährt man kaum was über sie, was ein wenig schade ist. Man erfährt nicht mal ihre Motivation, warum sie diesen Job hat und was ihr daran gefällt.
Die zweite Perspektive gehört Paxton und ich muss sagen, seine Parts haben mir am besten gefallen. Von ihm erfährt man im Gegensatz zu "Zinnia" ziemlich viel und ich konnte mich auch viel besser in ihn hineinfühlen. Dass seine eigene Firma aufgrund von Cloud pleite ging und dann seine Idee quasi geklaut wurde, das hat ihn ziemlich mitgenommen und ich kann es auch verstehen. Und die letzte Perspektive gehört Gibson, dem Gründer von Cloud, welcher wegen Krebs im Sterben liegt. Bzw schwer an Krebs erkrankt ist, er unternimmt deshalb eine letzte Tour und besucht so viele seiner Standorte, genannt Motherclouds, wie es ihm möglich ist. Von ihm erfährt man nicht nur, wie und warum Cloud entstanden ist, sondern auch, wer sein Nachfolger wird und warum.
Man verfolgt die Geschichte wie gesagt aus drei Perspektiven und man wird auch recht schnell mit dem harten Arbeitsalltag konfrontiert, der in den Motherclouds mehr oder weniger vorherrscht. Doch vorher sieht man den Einstellungsteil und wie schwer dieser ist. Ebenso, wie man aufgrund seiner Antworten und seines Lebenslaufs durch eine KI in die passende Abteilung geschoben wird. "Zinnia" hat einen sehr, sehr stressigen Job im Laber, wo sie zig verschiedene Sachen für die Kunden aus den Regalen heraussucht und aufs Fließband legt, damit diese an die Kunden verschickt werden. Arbeitssicherheit wird dabei nicht sonderlich groß geschrieben (bzw es ist vorgeschrieben, aber damit man sein Tageslimit erreicht, muss man diese eher ignorieren). Wie alle anderen Mitarbeiter kann sich "Zinnia" irgendwelche Dinge bestellen und die werden dann auf ihr Zimmer gebracht. Paxton dagegen muss die meiste Zeit einfach nur irgendwo herumlaufen und "Anwesenheit" zeigen. Dabei wird er oft mit den Problemen und der Ablehnung, wie sie die Leute vom Sicherheitsdienst oft erfahren, konfrontiert.
Es gab auch noch viele andere Punkte, die mir natürlich gefallen haben. Ich fand es erschreckend zu sehen, wie stark Cloud die Welt unter Kontrolle hat. Wie hart und schwer die Arbeit dort ist und wie weitläufig die Überwachung über die Mitarbeiter. Wie streng die Strafen sind, wenn man sich nicht an die Regeln hält oder wenn man sein Tageslimit nicht erreicht. Wie schnell es zu Entlassungen kommen kann. Und das möchte man eigentlich nicht, wenn es wird impliziert, dass es kaum noch Arbeitgeber neben Cloud gibt.
Was ich auch schrecklich, wie auch interessant fand: Welche Gedankengänge Gibson so hat, welche Ideen er hat und wie er seine Taten rechtfertigt. Er sieht absolut nichts falsches an dem, was er getan hat und was heute alles passiert. Anfangs kam er mir jemand vor, mit guten Ideen, Idealen etc, dessen Werk am Ende aber verbastadisiert und missverstanden wurde. Nur, je mehr von man von ihm liest, merkt man, dass er keine gute Person ist. Manchmal konnte ich nicht anders, als über seine Ansichten den Kopf zu schütteln.
Der teilweise monotone Arbeitsalltag und wie er dargestellt wurde, besonders in den ganz kurzen Kapiteln, die immer kürzer wurden, haben mir sehr gut gefallen. Und hat die Monotonie richtig gut dargestellt, da es immer weniger zu erzählen gab. Es ist immer weniger da, das man hier erzählen könnte und wie das aufgebaut wurde, hat mir richtig gut gefallen.
Ok, aber jetzt zu den Punkten, die mir nicht so gut gefallen haben, da gab es leider mehrere. Andere Rezensenten haben das schwache World-Building angesprochen und ich muss ihnen leider rechtgeben. Es wird nur hin und wieder erwähnt und gezeigt, dass es sehr heiß draußen ist, dass Essen wie Fleisch, Obst, Gemüse eine teure Seltenheit sind und dass sich die Leute eher günstiges Fastfood oder Ersatzessen leisten können.
Aber ob es jetzt der Klimawandel ist und was genau in der Welt alles los ist, das erfährt man so gut wie gar nicht.
Und was ich auch merkwürdig finde: Es heißt auf der einen Seite, dass es kaum noch andere Jobs und Arbeitgeber neben Cloud gibt. Dass viele fast schon verzweifelt versuchen, ein Teil von Cloud zu werden, damit sie Geld und ein Dach über dem Kopf haben.
Auf der anderen Seite wird ja ganz fleißig bestellt und ich kann mir nicht vorstellen, dass das von den Mitarbeitern kommen kann. Und es wird alles mögliche bestellt, hier und da wird aufgelistet, was "Zinnia" so durch die Gegend tragen darf. Nur: Woher haben die Kunden all das Geld? Wer liefert die Sachen? Wo werden sie hergestellt? Das wird nirgendwo erklärt und das finde ich schade. So wirkt es ein wenig unlogisch bzw wie eine große Logiklücke.
Die "Beziehung" zwischen "Zinnia" und Paxton fühlt sich ein wenig erzwungen an. Er hat sehr schnell Interesse an ihr, sie will ihn nur für ihre Zwecke ausnutzen. Und irgendwann hat sie dann doch Gefühle für ihn, aber irgendwie auch wieder nicht ... das kam mir alles total merkwürdig vor. Wenn sie auf einer freundschaftlichen Ebene geblieben wären, ohne Liebe, Sex etc, dann wäre es besser für die Story gewesen, finde ich.
Was die Auflösung, wie auch das Ende angeht, bin ich ein wenig enttäuscht. Besonders, da es Paxton betrifft. Seine Charakterentwicklung fand ich am spannensten, auch wenn ich mir nicht sicher war, was denn genau seine Ziele waren. Zum einen wollte er Rache haben. Zum anderen aber wollte er lieber den Job bei Cloud behalten, weil er damit Geld, Essen, ein Dach über den Kopf hat, einen geregelten Arbeitstag. Und ganz am Ende trifft er eine Entscheidung, die dann aufgrund seiner Charakterentwicklung sehr merkwürdig auf mich wirkte. Und was aus "Zinnia" wird, darüber kann man nur raten. Und ich hasse es, bei sowas raten zu müssen.
Fazit:
Da das Buch sehr stark an Amazon erinnert, ist das Buch Kritik am Online-Versandhandel, wie auch an Dingen wie Monopolen und geldgierigen Menschen ohne Gewissen. Und auch ohne jegliche Menschlichkeit. In welche Richtung sich unsere Welt vielleicht entwickeln könnte, wenn wir Unternehmen immer mehr und mehr Macht geben, ihnen immer mehr Freiraum geben und sie alles durchgehen lassen.
Aber das ganze System ist leider nicht ganz komplett durchdacht und hat hier und da Schwächen, die das Fundament der ganzen Geschichte dann doch zum Wackeln bringen können. Manche Punkte der Firma wirken auch wenig durchdacht, bzw wenig weitsichtig. Ich hatte zwar Spaß beim Lesen, aber ...
Hier hat man leider viel verschenkt. Die Länge hat mich dagegen gar nicht gestört, aber dicke Bücher lese ich genauso gerne wie dünne Bücher.
Von mir bekommt das Buch insgesamt drei Sterne.
- Robert Kurz
Schwarzbuch Kapitalismus
(7)Aktuelle Rezension von: paulsbooksDer Autor erarbeitet Stück für Stück die Gründe für die regelmäßigen Crashs einer kapitalistischen Marktwirtschaft und erklärt u.a.,
- weshalb immer weniger Leute immer mehr Arbeit machen, während andererseits ein riesiges Heer Arbeitsloser entsteht
- weshalb Staatsschulden die letzte große Blase sind und nie zurückgezahlt werden
- weshalb die 2008er Krise anders und übler ist als alle zuvor, da es sich um ein globales Problem handelt (große "Kreisläufe" China-USA und Deutschland - Süd-EU-Länder)
- weshalb der Euro Europa nützt und zugleich massiv schadet
- weshalb totale Inflation oder totale Deflation mit all ihren extrem hässlichen "Nebenwirkungen" unumgänglich sind
- wie sich das Ganze in eine umfassendere Sicht auf u.a. Karl Marx' Lehre einbettet, die eben nicht bloß dessen immer wieder gleichermaßen verwendeten Thesen der jüngeren Historie wiederkäut.
Die Ursache für die Konzentration der Arbeit auf wenige Menschen wird im Buch sinngemäß so erklärt: "der Anteil des Sachkapitals, welches keine Werte neu schafft sondern nur reproduziert, wächst auf Grund der durch Konkurrenzdruck verursachten Rationalisierung ständig an, wodurch letztlich die Anlagerendite des Kapitals in der Realwirtschaft unter eine lohnende Schwelle sinkt, was zu Blasen und dem finalen Crash führt".
Was mich überrascht hat: das Wort "Zins" kommt an den entscheidenden Stellen überhaupt nicht vor; das Buch beinhaltet Kritik am Geld selbst, nicht am Zins - das muss man erstmal verdauen.
Meine Kritik am umfassenden und lesenswerten Werk:
- Die Sprache ist sehr komplex, der betrachtete Horizont riesig und die Zusammenhänge zwar äußerst umfassend, aber dadurch auch ohne tiefgehende Vorbildung schwer zu verdauen. Vielleicht wäre ein "Schwarzbuch Kapitalismus für Dummies" eine lohnende Sonderausgabe.
- Wenn man begriffen hat, wie treffsicher hier unser System zerlegt wird, kommt schnell die Frage auf: "Was ist denn nach Meinung des Autors die Lösung?". Der Autor lässt den Leser hier bewusst allein.
- Stephan Jung
Mut zur Zukunft
(2)Aktuelle Rezension von: Roswitha_Boehm„Mut zur Zukunft“ hat mich vor allem mit seinem Schreibstil abgeholt: Das Buch liest sich angenehm flüssig, wirkt praxisnah und schafft es, große Themen so herunterzubrechen, dass man nicht nach drei Seiten das Gefühl hat, ein Lexikon zu umarmen. Komplexe Entwicklungen und globale Trends werden klar erklärt, oft mit anschaulichen Beispielen und einem motivierenden „Okay, wir können da wirklich was machen“-Grundton.
Besonders spannend fand ich die internationale Perspektive. Der Blick über den Tellerrand – wie andere Länder und Märkte mit Wandel, Disruption und neuen Anforderungen umgehen – bringt frische Impulse und sorgt dafür, dass man nicht nur in der eigenen Bubble hängen bleibt. Dazu kommen immer wieder Denkanstöße und Methoden, die tatsächlich dazu einladen, Dinge auszuprobieren, statt nur theoretisch darüber zu nicken.
Und trotzdem bleibt bei mir ein kleines „Da fehlt noch was“. Nicht, weil das Buch schlecht wäre – im Gegenteil: Es ist ein guter Einstieg und ein motivierender Orientierungsgeber. Aber genau so fühlt es sich auch an: eher wie ein Kompass als wie eine tiefgehende Analyse. Es wird viel angerissen, es werden viele Beispiele geliefert, doch für echtes Tiefenverständnis und gründliches Durchdringen einzelner Themen wirkt das Buch auf mich nicht „dick“ genug. Manche Punkte hätten für meinen Geschmack mehr Raum gebraucht, mehr kritische Einordnung, mehr Tiefe.
Unterm Strich: Ein gut verständliches, inspirierendes Sachbuch, das Lust macht, den eigenen Blickwinkel zu erweitern und ins Handeln zu kommen – aber wer eine wirklich tiefgründige, umfassende Auseinandersetzung erwartet, wird eher einen starken Überblick als die letzte Detailtiefe bekommen.
- Hanna Poddig
Radikal mutig
(8)Aktuelle Rezension von: HoldenFrau Poddig schreibt über ihr widerspenstiges, freies Leben und es ist eine Freude, alles mitzuerleben. Ich wußte zB bisher nicht, wie sich Castorgegner fühlen und daß es (angeblich) so ist, daß die eingesetzten Polizisten nur so lange freundlich bleiben, soweit die Kameras vor Ort sind. Und wie fühlt man sich, wenn man an ein Schienenstück zwecks Blockade gebunden ist? Informative Einblicke neben einem flammendem Appell zu einem bewußteren und gesünderen leben. Und zusätzlich bietet das Buch an einigen Stellen die Möglichkeit, sich selbst zu hinterfragen, ob man im eigenen voll durchkalkulierten Tagesablauf nicht doch Möglichkeiten hätte, das Richtige zu tun und dagegen zu sein? Angesichts von Trump Gauland usw wünscht man sich natürlich eine Neuauflage, bis dahin sei das Buch allen allen empfohlen. - Rainer Zitelmann
Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung
(3)Aktuelle Rezension von: Dr_MSchon als kleine Kinder lernen wir die Welt nicht so zu sehen wie sie ist, sondern so, wie sie irgendwie sein sollte. Immer obsiegt das Gute, wo Gerechtigkeit fehlt, wird sie von unseren Märchenhelden wieder hergestellt. Das setzt sich in der Schule fort. Lehrer, die von der Schule zur Universität gingen, um dann wieder an die Schulen zurückzukehren, erklären Kindern, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte und dass der Kapitalismus eigentlich ein Übel ist, das man beseitigen muss. Welche ungeheuren Katastrophen und Opfer solche Versuche erzeugten, wird tunlichst verschwiegen.
Eine Mehrheit von scheinbar gebildeten Menschen unterstützt sozialistische Ideen in den verschiedensten Ausprägungen. Wie Menschen und Gesellschaften tatsächlich funktionieren und warum das so ist, bleibt ihnen verborgen. Dabei gibt es eine sehr einfache Systematik, die man nicht bestreiten kann: Das kapitalistische Wirtschaftssystem hat sich immer spontan, also von unten entwickelt. Es bestand also nie ein großer Plan. Sozialismus, egal welcher Ausprägung, braucht stets einen Plan und Leute, die ihn durchsetzen. Diese Gesellschaftsstruktur wird also erzwungen. Und sie endet stets in einer Diktatur mit einer anschließenden wirtschaftlichen Katastrophe. Statt der versprochenen sozialen Gerechtigkeit herrschen nach einigen Jahren Armut, allgemeines Elend und Verfall vor. Nur mit Terror kann der wachsende Widerstand noch unterdrückt werden. Da Menschen nicht so sind, wie sie nach der Meinung sozialistischer Vorreiter sein sollten, versucht man zunächst, sie umzuerziehen, den "neuen Menschen" zu schaffen. Leider klappt das nie, was dann zu steigender Unfreiheit und staatlicher Gewalt in sozialistischen Gesellschaften führt.
Während also der Kapitalismus eine Form der Selbstorganisation eines hoch komplexen Systems ist, bleibt der Sozialismus eine einzige komplexe Anmaßung von Wissen, was man nicht besitzen kann. Und weil einzelne Menschen oder Gruppen sich immer wieder einbilden, komplexe Systeme vollständig zu verstehen, existiert selbst der eigentliche Kapitalismus heute nicht. Moderne Gesellschaften sind eher eine Mischform aus Kapitalismus und sozialistischen Ideen, von denen Leute glauben, dass sie den Kapitalismus verbessert.
Sinn und Zweck dieses erhellenden Buches ist es wohl, aufzuzeigen, in welche wirtschaftlichen Engpässe und zu welchen Wohlstandsvernichtungen selbst solche Versuche führen. Daneben beschreibt sein Autor die zahlreichen sozialistischen Katastrophen und ihre Bilanz. In Venezuela führt das dortige sozialistische Regime gerade vor, wie man eines der an Bodenschätzen reichsten Länder der Welt in den Abgrund wirtschaften kann. Zitelmann vergleicht Venezuela mit Chile, wo nach dem Sturz des Allende-Regimes wieder kapitalistische Strukturen zugelassen wurden. Chile ist heute der wirtschaftliche Musterknabe Südamerikas.
In Europa vergleicht Zitelmann das Nachkriegs-England mit dem der Thatcher-Ära. Und er führt vor, wie sich Schweden aus seinem sozialistischen Experiment gerade noch herausgerettet hat. Selbstverständlich fehlen Vergleiche zwischen Ost- und Westdeutschland nicht, wenngleich das das wohl schwächste Kapitel ist. Gerade hier hätte Zitelmann noch viel mehr Fakten anbringen können, die deutschen Lesern den Unterschied zwischen einem sozialistischem und einem kapitalistischen Wirtschaftssystem noch klarer verdeutlicht hätten. Immerhin haben gerade die sozialistische Mangelwirtschaft und die fehlende Freiheit im direkten Vergleich zu Westdeutschland zum Aufstand eines Teils der DDR-Bevölkerung geführt, der schließlich die "Wende" hervorbrachte. Dass die DDR schon lange pleite war und nur vom anderen Teil Deutschlands über Wasser gehalten wurde, wussten nur die wenigsten Ostdeutschen.
Das Buch vergleicht also die verschiedensten sozialistischen Experimente in den verschiedensten Ländern entweder mit nachfolgenden kapitalistischen Wirtschaftsformen. Noch deutlicher fällt dies bei den geteilten Ländern Deutschland und Korea aus. Es geht Zitelmann dabei nicht darum, zu erklären, warum solche Vergleiche immer zum Nachteil des Sozialismus ausgehen – er zeigt einfach die Realität auf. Und die ist eben immer eindeutig.
Neben diesen eindrucksvollen Vergleichen setzt sich Zitelmann mit der Frage auseinander, warum sozialistische Ideen trotz der völlig eindeutigen Belege des Scheiterns sich dennoch immer wieder gesteigerter Beliebtheit unter Intellektuellen erfreuen, also nicht aussterben. Das ist besonders lehrreich an diesem Buch.
Zitelmann geht auch auf die jüngsten Krisen des Kapitalismus ein, etwa die Finanzkrise von 2008. Gerade sie wurde von Intellektuellen als Ausdruck des Versagens dieser Gesellschaftsform dargestellt. Bei genauerem Hinsehen ist genau das Gegenteil wahr. Ihr Ursprung, die Immobilienkrise in den USA, erweist sich als eine Folge politischer Korrektheit, die viel mit sozialistischen Ideen zu tun hat. Genaueres findet man im Buch. Auch die nachfolgende Bankenkrise hat wenig mit dem Kapitalismus zu tun, sondern eher mit seiner Verhinderung, die man im Zentralbankensystem festmachen kann.
Das Buch enthält neben den beiden hauptsächlichen Themengebieten auch zahlreiche Einzelheiten zu den geschilderten historischen Vorgängen und ihrer Bewertung durch den Autor. Das reicht bis in die Gegenwart.
Eingefleischte Sozialisten wird Zitelmann wohl nicht von ihrem Glauben abbringen. Vielleicht aber überzeugt die von ihm geschilderte Realität Menschen, die noch nicht blind für sie sind. Das wäre doch wenigstens etwas. - Helmut Geyer
Crashkurs Marketing
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenEin Buch übers Marketing für Einsteiger oder für Interessierte aus anderen Fachgebieten, schön übersichtlich gestaltet mit Aufzählungspunkten, kurzen Randbemerkungen und graphisch schön aufgelockert, hat man doch manchmal den Eindruck, als würden hier arg Binsenweisheiten wiedergegeben. Für einen schnellen Überblick über das Studeinfach sicherlich nicht so schlecht, aber fürs Studium reicht das sicher nicht. - Franz Eisenführ
Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenEin gelungenes Buch, das ich mir im Anschluß an meine JUra-Examina gekauft hab, weil man sich ja auch ein bißchen im Betriebswirtschaftlichen auskennen muß. Dem völlig unvorgebildeten Leser werden Grundbegriffe (zb "Entscheidungstheorie") und betriebswirtschaftliche Denkweisen beigebracht, so daß man mal versteht, wie eine betribewirtschaftliche Fragestellung aussieht. Die Ausführungen zu den rechtlichen Fragen fand ich (als Paragraphenonkel) natürlich nur oberflächlich befriedigend, aber zentrale Begriffe, die sonst nur für Verwirrung gesorgt haben, werden erklärt, so daß man zumindest mal "den Fuß in die Tür kriegt" und weiß, was das ganze Fachchinesisch heißt. Für Einsteiger jeder Fachrichtung geeignet. - Martin Suter
Abschalten
(47)Aktuelle Rezension von: supersusiManager im Stress, die Urlaub nehmen, Urlaub nehmen wollen, oder Urlaubnehmen sollen und nicht wollen. Die Kapitel sind kurz, jedes nur 2-4 Seiten lang und in sich abgeschlossen.
Ich liebe diesen Humor und habe Tränen gelacht bei manchen Geschichten. Herrlich. Ich werde dies Buch auf jeden Fall behalten und weiter empfehlen. Ich mag nicht alle Bücher von dem Autoren, aber dieses hier ist ein Volltreffer.
- Jürgen Freimann
Das Märchen vom gerechten Markt
(7)Aktuelle Rezension von: Schnuck59In seinem Buch „Das Märchen vom gerechten Markt – Wie wir den homo oeconomicus überwinden können“ beschreibt Jürgen Freimann wie Lebens-, Arbeits- und Konsumverhalten die Ökonomie beeinflussen.
Jürgen Freimann hat als Wirtschaftswissenschaftler ein umfangreiches Wissen und erklärt die entwicklungsgeschichtlichen Hintergründe, internationalen Handel, Globalisierung und viele weitere Aspekte zu den internationalen Märkten. Der Schreibstil ist sachlich und mit den nicht immer leicht verständlichen Zusammenhängen gut verständlich und nachvollziehbar.
In dem Kapitel „Gut leben statt viel haben zu wollen“ zeigt Jürgen Freimann verschiedene Ansatzmöglichkeiten um den Märkten Grenzen zu setzen indem man verantwortlich handelt. Hierzu beschreibt er Beispiele wie Tauschringe oder Sharing Konzepte. Wir sind gefordert an Märkten verantwortlich zu handeln, die Ansätze für faire Wirtschaft und Gesellschaft umzusetzen und damit humane Wirtschafts- und Lebensverhältnisse zu erreiche.
„Demokratie ist kein Zuschauersport.“
Bei den Themen Glücksempfinden und Lebenszufriedenheit spielen weniger ökonomische Faktoren eine Rolle, sondern Faktoren, die die soziale Geborgenheit wiederspiegeln. Dazu hat mich hat die Beschreibung der besonderen sozialen Qualität des Lebens in Dänemark mit dem eigenen Wort „Hygge“ zum Nachdenken angeregt.
Das insgesamt eher trockene Thema wurde in diesem Buch gut dargestellt und anschaulich erläutert. - Robert Grözinger
Jesus, der Kapitalist
(1)Aktuelle Rezension von: h3nn1ngJesus soll ein Kapitalist gewesen sein? Ja, sagt der Ökonom Robert Grözinger. Er führt in seinem Buch "Jesus der Kapitalist" gute Gründe dafür auf.
Hier lesen Sie meine komplette Rezension. - Deutsche Bundesbank
Geld und Geldpolitik / [Deutsche Bundesbank; Eurosystem. Hrsg. Deutsche Bundesbank
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenEin von der Deutschen Bundesbank herausgegebenes "Erklärbuch" betreffend Geld und Geldpolitik. Es werden zB die Europäische Zentralbank vom Aufbau und von ihren Funktionen her beschrieben, es wird erklärt, warum gar keine Inflation auch nicht gut für das System ist und was G7 und G20 so machen. Daß Leute die letztgenannten Gremien ablehnen, weil eine unmittelbare demokratische Legitimation fehle und ein Großteil der Weltbevölkerung nicht beteiligt seien, wird unter den Tisch fallen gelassen, ebenso die häufig negative Beurteilung der großflächigen Anleihenaufkäufe der EZB (Stichwort no bail-out). Aber insgesamt ein gutes Einführungsbuch in die Geld- und Finanzwelt, auch vom (vorgebildeten) Laien zu verstehen.
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