Bücher mit dem Tag "massenmedien"

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38 Bücher

  1. Cover des Buches Marthas Widerstand (ISBN: 9783846600436)
    Kerry Drewery

    Marthas Widerstand

     (213)
    Aktuelle Rezension von: Mimi

    Eine Gesellschaft, in der die Gerichte mit den Richtern und Anwälten nicht mehr existieren.
    Stattdessen darf die Gesellschaft durch “Voting” per Anruf oder SMS abstimmen. Die Mehrheit bestimmt, ob der Mensch in Zelle 7 stirbt, oder ob er mit dem Leben davon kommt. Beweise interessieren die Menschen schon lange nicht mehr, schuldig oder unschuldig ist nicht mehr aufgrund von Beweisen abhängig. Doch abstimmen kann nur der, der Geld hat.
    Eine Dystopie, die viele Fragen aufwerfen lässt! Was hast du für Prinzipien? Wie hättest du entschieden? Hättest du auch gekämpft oder kapituliert? Ein Buch, das mich wirklich zum Nachdenken animiert hat. Die Hauptfiguren sind einfach nur toll, man muss mitfiebern und ist mitten in die Geschichte involviert!
    Die Spannung baut sich vom Anfang bis zum Schluss weiter aus, es ist nie langweilig.
    Eine das dich mit einem offenen Mund hinterlässt, natürlich werde ich Band 2 lesen. Ich muss wissen wie die Geschichte mit Isaac & Martha weiter gehen wird.

  2. Cover des Buches Verdammnis (ISBN: 9783453438217)
    Stieg Larsson

    Verdammnis

     (2.536)
    Aktuelle Rezension von: Andrea_Willi

    Der erste Drittel und das letzte Drittel waren wirklich interessant. Ich hab das Buch nicht in einem Rutsch durchgelesen da es irgendwann recht langatmig wurde und ich pausen machte. Der Schluss war dann wirklich wieder spannend und habe ich an einem Stück  durchgelesen. Der erste Teil der Reihe hat mir besser gefallen. 

  3. Cover des Buches Vergebung (ISBN: 9783453438224)
    Stieg Larsson

    Vergebung

     (2.301)
    Aktuelle Rezension von: juliakerscher

    In Vergebung wird die Geschichte, die im zweiten Teil begonnen hat, fortgesetzt. Der erste Teil ist ziemlich langsam, was aber nicht schlecht sein muss. Es kommt ganz darauf an, was der Leser bevorzugt. Für meinen Geschmack war es manchmal ein bisschen langatmig, aber nicht so sehr, dass es mich groß gestört hätte. 

    Ein toller Abschluss der Trilogie! 


  4. Cover des Buches Die verlorene Ehre der Katharina Blum (ISBN: 9783462031454)
    Heinrich Böll

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum

     (829)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Ich schreibe wahrscheinlich nichts neues, wenn ich über die verlorene Ehre der Katharina Blum berichte, es ist schließlich Heinrich Bölls bekanntestes Werk.

    Der Einstieg in die Lektüre fiel mir nicht leicht. Man wird direkt mit reichlich Namen bombardiert in einem literarischen Szenario, das an Prozessakten erinnert. Abschnittweise wird die Vernehmung der Katharina Blum nacherzählt, die einem flüchtigen Verbrecher Hilfe geleistet hat dem Zugriff der Polizei zu entkommen. Den Mann lernte sie auf einer Feier kennen, nahm ihn mit nach Hause und verliebte sich Hals über Kopf nach einer gemeinsamen Nacht in ihn. Die Loyalität zu ihm zu halten ungeachtet des Verbrechens, das er begangen haben mag, wird ihr zum Verhängnis, als ein sensationsheischendes Tageblatt (im Buch nur die „ZEITUNG“ genannt) ihren Anteil an der Flucht nicht nur veröffentlicht, sondern ihr Privatleben auf eine pervers tatsachenverdrehende Weise ausschlachtet. Aus einer unbescholtenen, unscheinbaren Bürgerin wird dann eine Täterin, als ihr Hass auf den Verantwortlichen der verdrehten Berichterstattung sie dazu treibt den Journalisten der ZEITUNG zu töten.

    Interessant ist wie wenig sich an manchen Methoden seit 1974 geändert hat, als Böll das Buch veröffentlichte. Sein in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ verarbeitetes Thema ist in einer Zeit, in welcher der Begriff „Fake News“ entstanden ist, aktueller denn je.
    Ein wirklich gutes Buch trotz des gewöhnungsbedürftigen Anfangs!

  5. Cover des Buches Mörder ohne Gesicht (ISBN: 9783423212120)
    Henning Mankell

    Mörder ohne Gesicht

     (975)
    Aktuelle Rezension von: AmaraSummer

    „Mörder ohne Gesicht“ ist der erste Fall für Kommissar Kurt Wallander. Wallander sucht nach einem Mörder, der keine Grenzen kennt und tappt dabei lange Zeit im Dunkeln. Dabei stößt er nicht nur auf interne, sondern auch auf externe Probleme.

    Mir wurde die Reihe empfohlen. Zwar standen die Bücher schon seit längerer Zeit auf meinem Wunschzettel, sie konnten meine Neugierde aber nie so sehr wecken, dass ich sie unbedingt lesen wollte. Letzten Endes habe ich das Buch also nur gelesen, weil eine Bekannte es mir geschenkt hat.

    Kurt Wallander ist ein Zeitgenosse voller Ecken und Kanten, der meilenweit davon entfernt ist perfekt zu sein. Natürlich wirkt er dadurch authentischer, was die Geschichte deutlich realistischer macht. Leider war ein Großteil seiner Eigenschaften alles andere als positiv. Aus diesem Grund war mir Kurt Wallander extrem unsympathisch.

    Der Klappentext klang sehr vielversprechend und konnte meine Neugierde auf Anhieb wecken. Entsprechend groß waren meine Erwartungen. Ein Großteil davon wurde leider nicht erfüllt. Ich bin mir daher nicht sicher, ob ich die Reihe vorsetzten werde.

    Wallander ermittelt im Laufe der Geschichte in mehreren Mordfällen gleichzeitig. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass das für ordentlich Spannung sorgt. Leider war dem nicht so. Die verschiedenen Handlungsstränge haben vielmehr für Verwirrung und Chaos gesorgt. Spannend war das Ganze zu keinem Zeitpunkt. Die Auflösung sorgte am Ende dann für noch mehr Enttäuschung. Irgendwie war das Ganze zwar schlüssig, für meinen Geschmack hat es aber zu viele Zufälle gegeben, was dem Faktor „realistisch“ einen gehörigen Dämpfer verpasst. Am aller schlimmsten ist für mich aber die Tatsache, dass der Kriminalfall nur eine kleine Nebenrolle spielt.

    Die deutsche Übersetzung von Henning Mankells Schreibstil lässt sich halbwegs flüssig lesen und die Wortwahl hat größtenteils zum Genre gepasst. Erzählt wird das Buch aus der Sicht von Kurt Wallander. Die Kapitel waren extrem lang, was das Buch unglaublich langatmig gemacht hat.

     

    Fazit

    Die ganzen positiven Reaktionen kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. „Mörder ohne Gesicht“ ist für mich kein Krimi, sondern lediglich ein Roman mit ein paar eingestreuten Krimi-Elementen. Von mir gibt es keine Leseempfehlung und nur 2 von 5 Sterne.

  6. Cover des Buches Die volle Wahrheit (ISBN: 9783442454068)
    Terry Pratchett

    Die volle Wahrheit

     (222)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Grasl
    In diesem Buch hat Pratchett ein sehr interessantes Thema unserer Zeit aufgegriffen und zwar die Berichterstattung.
    Dabei drängt sich die Frage auf, wie viel sollte die Bevölkerung der Zeitung und dem darin geschriebenen beimessen? Was ist alles als WAhrheit zu betrachten? Und wie schnell kann es passieren, dass man sich vielleicht selbst als Hauptthema einer Zeitung wiederfindet?

    William de Worde wäre jedenfalls sicher nie auf den GEdanken gekommen sich mit solchen Überlegungen auseinanderzusetzen und der Patrizier von Ank-Morpork ebensowenig. Beide geraten sie jedoch auf ihre ganz eigene Weise in diesen Strudel und der bietet mal wieder einiges an Unterhaltung und Momenten zum Schmunzeln.

    So witzig einige Szenen sind so muss man bei "Die volle Wahrheit" auch ganz offen und ehrlich zugeben, dass ihm ein gewisser Charme fehlt. Zwar baut Pratchett auch hier wieder auf mehrere Handlungsstränge, die am Ende zusammenlaufen, aber mittunter wird man aus den einzelnen Szenen allzu abrupt herausgerissen und in die nächste hineingeworfen. Dadurch fehlt auch eine gewisse Verbundenheit, die man sonst von den Scheibenweltromanen kennt. Die Figuren bleiben mitunter recht oberflächlich und das nicht nur weil man gewisse Charaktere ohnehin bereits kennt. Vielmehr sind es vor allem die neuen Personen, auf die Pratchett nicht wirklich so eingeht wie es bei seinen anderen Büchern durchaus der Fall ist.

    Fazit: Ein solider Scheibenweltroman, dessen Titel den nötigen Witz verspricht, ihn an manchen Stellen leider nicht halten kann und sich in einigen Handlungssträngen verliert. Aber immerhin gibt es einen Mumm, der das Ruder wie immer versucht herumzureißen.
  7. Cover des Buches Die Hauptstadt (ISBN: 9783518469200)
    Robert Menasse

    Die Hauptstadt

     (152)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Der österreichische Autor Robert Menasse ist ein glühender Verfechter der europäischen Idee. Er glaubt allerdings nicht an Europa als Nationalstaatenbund, sondern an das Konzept der Europäischen Republik. Seiner Meinung nach muss das langfristige Ziel der Europäischen Union sein, Nationen zu überwinden, Grenzen aufzulösen und gemeinsame demokratische Politik zu betreiben, weil nationaler Egoismus die EU in jeglicher Hinsicht beschneidet. Seine Kritik richtet sich demnach gegen den Europäischen Rat, während er Institutionen wie die Europäische Kommission, die tatsächlich europäische Interessen vertritt, als legitim und positiv betrachtet. Diese recht radikale Einstellung ist mehr als das Produkt halbgarer Stammtischdiskussionen. Menasse lebte einige Zeit in Brüssel und recherchierte vor Ort, wie die EU arbeitet und funktioniert, denn es wurmte ihn, dass er nicht verstand, wie Entscheidungen gefällt werden, die sein Leben direkt beeinflussen und lenken. Dort entwickelte er die Idee für „Die Hauptstadt“, der weltweit erste Roman über die Europäische Kommission, der von der Fachpresse gefeiert wurde und 2017 den Deutschen Buchpreis erhielt.

    Ein Schwein geht um in Brüssel. Ein lebendiges Schwein, das durch die Straßen läuft und Brüsseler_innen wie Medien in Aufruhr versetzt. In den Korridoren der EU geht hingegen eine Idee um. Der 50. Geburtstag der Europäischen Kommission steht bevor. Müsste man feiern. Sollte man auch, für ihr Image, meint Fenia Xenopoulou, Leiterin der Direktion C (Kommunikation) der Generaldirektion Kultur und Bildung. Auschwitz als Geburtsort des europäischen Einheitsgedankens in den Mittelpunkt stellen? Warum nicht. Überlebende müssen her, Überlebende, die sich noch erinnern und Zeugnis ablegen können. Überlebende wie David de Vriend, der in einem Altersheim auf den Tod wartet, dem er vor so langer Zeit in einem Zug nach Auschwitz von der Schippe sprang. Nur möchte er lieber vergessen als zu erinnern. Kommissar Émile Brunfaut wurde indes aufgetragen, zu vergessen. Ihm wurde ein mysteriöser Mordfall in einem Brüsseler Hotel entzogen. Anweisung von oben, politische Gründe. Welche, weiß Brunfaut nicht. Er ermittelt auf eigene Faust weiter und deckt höchst schockierende Verbindungen auf. Schockieren wird auch der emeritierte Volkswirtschaftler Alois Erhart. Er wird den Grünschnäbeln des Think Tanks der Europäischen Kommission zeigen, wie radikal Europa gedacht werden muss. Und das Schwein? Das braucht einen Namen.

    „Die Hauptstadt“ begegnete mir zuerst auf dem Wohnzimmertisch meiner Eltern. Damals war das Buch die aktuelle Lektüre meines Vaters und als ich ihn danach fragte, weckten seine Schilderungen schnell mein Interesse. Doch ich war auch eingeschüchtert. Ein Buch über die Europäische Kommission? Konnte ich das überhaupt lesen? Oder reichte mein Wissen über europäische Politik nicht aus, um zu verstehen, was Robert Menasse zu sagen hatte? Mein Vater beschwichtigte mich und gab sich zuversichtlich, dass ich dem Roman gewachsen sein würde. Ich bin froh, dass ich seinem Urteil vertraute. „Die Hauptstadt“ setzt nicht allzu viel Vorwissen voraus; es reicht völlig, wenn man eine ungefähre Vorstellung davon hat, aus welchen Institutionen die Europäische Union besteht und welche Aufgaben sie erfüllen. Feinheiten, Zusammenhänge und Abhängigkeiten erläutert Robert Menasse gewissenhaft, ohne die Geschichte, die er erzählt, jemals zu einer Lehrstunde verkommen zu lassen. Er verliert nie aus den Augen, dass ein Roman an erster Stelle unterhalten soll und verflechtet Erklärungen geschickt mit dem Erleben seiner Figuren.

    Dadurch erkennen Leser_innen auch mit wenig Hintergrundwissen, dass der Einheitsgedanke, mit dem die Europäische Union einst gegründet wurde, heute beinahe in Vergessenheit geriet, die Mitgliedsstaaten nicht an einem Strang ziehen und alle Hindernisse in der Gestaltung europäischer Politik systemischer Natur sind. So mutiert die Organisation einer harmlosen Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag der Europäischen Kommission zum Kraftakt, weil einfach jedes Projekt von nationalen Interessen torpediert und zu Tode verhandelt wird. Daher wunderte es mich nicht, dass Idealismus in Brüssel nicht überleben kann. Die EU ist ein Ort, an dem Ideale, Hoffnungen und Träume mit jedem neuen Kompromiss ausgehöhlt werden. Dies veranschaulicht Menasse in „Die Hauptstadt“ durch die exemplarische Zusammenstellung seiner Figuren, die in diesem System in allen Ebenen und Institutionen arbeiten. Er zeigt, wie sie alle von der schwerfälligen, undurchsichtigen und frustrierenden Realität europäischer Bürokratie betroffen sind und jeweils mit ihr umgehen.

    Die sensible Balance zwischen Nähe und Distanz, die Menasse dabei herstellt, faszinierte mich. Nach jedem der zahlreichen Perspektivwechsel tauchte ich langsam in den banal wirkenden Gedankenstrom einer Figur ein, der Stück für Stück Fahrt aufnahm und immer tiefer, immer signifikanter wurde. Ich gebe zu, für mich war diese Erzählweise zuerst gewöhnungsbedürftig, ich konnte mich ihrem hypnotischen Sog jedoch nicht entziehen und fühlte mich mitgerissen. Dennoch lässt Menasse niemals zu, dass seine Leser_innen von einem Blickwinkel vereinnahmt werden, indem er sie Querverbindungen sehen lässt, die die Figuren nicht wahrnehmen. Ich hatte den Eindruck, das Gesamtbild aus der Vogelperspektive zu betrachten, ohne meine Verbundenheit zu den Figuren opfern zu müssen. Das Maß an Kontrolle, das Menasse demnach auf seine Handlung ausübt, ist beeindruckend. Scheinbare Zufälle, Kreuzwege und Symboliken setzt er bewusst ein, um bestimmte Aspekte zu verdeutlichen. Nichts in „Die Hauptstadt“ geschieht grundlos. Folglich ist nicht einmal das Schwein, das herrenlos in Brüssel herumläuft und beinahe wie ein Phantom wirkt, eine willkürliche Ergänzung. Es ist eine gezielte Metapher, die sich sowohl auf die gesamte Geschichte als auch auf ihre Einzelteile anwenden lässt. Menasse selbst sprach in diesem Zusammenhang über das Spektrum zwischen „Glücksschwein“ und „Dreckssau“, meiner Meinung nach ist die passendste Assoziation jedoch die der Sau, die durchs Dorf getrieben wird – und wir wissen ja, wie lange diese Aufmerksamkeit generiert: Bis die nächste gefunden ist.

    Schriftstellerisch ist „Die Hauptstadt“ genial. Robert Menasse ist ein hervorragender Autor, der ein bemerkenswertes Gespür für Subtilitäten und Zwischentöne besitzt. Er ist sich der Wirkung von Details allzeit bewusst und schreckt nicht davor zurück, diese unkommentiert zu lassen. Vieles erscheint in diesem Buch absurd und ich bin überzeugt, dass Menasse diese Absurditäten, die am gesunden Menschenverstand des europäischen Verwaltungsapparates zweifeln lassen, gezielt betonte. Ja, „Die Hauptstadt“ vermittelt Humor– doch es ist Galgenhumor, resigniert und fast bitter. Deshalb empfand ich den Roman emotional als schwer verdaulich. Die Lektüre war sehr desillusionierend, trotz all der radikalen, revolutionären und wunderschönen Ideen für Europa, die Menasse präsentiert. Es macht mich unsagbar traurig, dass das Potential der Europäischen Union ungenutzt bleibt und wir nicht daran arbeiten, das Konzept von Nationalitäten zu überwinden, um als wahrhaft geeintes Europa zu wachsen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Europa ist untrennbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden und wird es immer sein. Sollte der Anspruch gelebter Erinnerungskultur nicht bedeuten, dass wir versuchen, das Problem an der Wurzel zu lösen und nationale Interessen hinter europäischen Interessen zurückzustellen?

    Die Idee, innereuropäische Grenzen aufzulösen, Staaten abzuschaffen und eine echte europäische Identität für alle Bürger_innen aufzubauen, wirkt auf den ersten Blick heftig, meiner Meinung nach liegen die Vorteile jedoch auf der Hand. Wir würden nicht mehr von Brüssel aus „fremdregiert“, denn wir würden unsere politischen Vertreter_innen in der EU wählen, wie wir jetzt nationale Politiker_innen wählen. Würde der Kontinent Europa als Ganzes begriffen werden, stünde der Weg frei für einheitliche Politik. Ich denke da vor allem an die Ressorts Wirtschaft, Bildung und Außenpolitik. Selbstverständlich ist so ein extremer Schritt kein Garant dafür, dass tatsächlich Einigkeit entsteht. Aber ich glaube, der aktuelle Zustand der EU belegt, dass wir diese Einigkeit unter den herrschenden Bedingungen nie erreichen werden. Der politische Rechtsruck in vielen europäischen Ländern ist ein eindeutiges Signal dafür, dass wir genau jetzt versagen. Um überhaupt eine Chance zu haben, müssen wir mutig sein, umdenken und einen klaren Cut wagen, um anschließend unter neuen Voraussetzungen zusammenzuarbeiten.

    Leider wird das wohl nicht passieren. Auch das vermittelt „Die Hauptstadt“. Robert Menasse mag von einem vereinten Europa träumen, er mag dafür kämpfen, optimistisch gibt er sich allerdings nicht. Wie könnte er auch, nachdem er in Brüssel hautnah erlebte, wie sich die Europäische Union Tag für Tag selbst ausbremst? Sein Roman konnte wahrscheinlich gar nicht mit einer hoffnungsvollen Note enden. Stattdessen transportiert er am Schluss die düstere Prophezeiung, dass es immer so weitergehen und sich niemals Einsicht in den grundlegenden Änderungsbedarf entwickeln wird. Zumindest habe ich es so empfunden. „Die Hauptstadt“ ist kein Hoffnungsschimmer. Es ist eine Bestandsaufnahme, die zeigt, was die EU sein sollte – und was sie in Wahrheit ist.

  8. Cover des Buches Die Getriebenen (ISBN: 9783827500939)
    Robin Alexander

    Die Getriebenen

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Buchmoment

    Dieses Buch hat mein Interesse geweckt, weil man ja eine doch eher oberflächliche Berichterstattung mitbekommen hat zum Thema “Flüchtlingspolitik”. Die Fakten zu den Hintergründen wurden nicht wirklich öffentlich gemacht – oder gingen zumindest an mir vorbei. Ich finde es immer schwierig, sich eine angemessene Meinung zu bilden, wenn man ein Thema nicht aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Die ganze Flüchtlingssache polarisiert an sich ja schon sehr stark und beide Seiten wollen nichts von der jeweils anderen wissen.

    “Die Getriebenen” bietet einen Einblick hinter die Kulissen und lässt einen nur erahnen, wie stressig und anstrengend die Zeit im Sommer 2015 für die Politiker gewesen sein muss.

    Robin Alexander hat dabei einen solchen Schreibstil, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Es gelingt ihm sehr gut, hierbei ein wertungsfreies Bild zu konstruieren. Es bleibt dem Leser überlassen, die entsprechenden Wertungen selbst vorzunehmen.

  9. Cover des Buches Das Meer (ISBN: 9783426307076)
    Wolfram Fleischhauer

    Das Meer

     (33)
    Aktuelle Rezension von: GrPieper

    Die Story mag ja interessant und originell sein, aber beim Lesen kam mir das Buch vor eher wie ein Pamphlet einer Umwelt-NGO als ein echter „Thriller“. Ab Seite 100 ist der Plot schon klar: danach gibt’s keine überraschende Wendungen, es kommt keine echte Spannung auf. Die Story zieht sich eher lahm in die Länge, garniert mit den meist überflüssigen autobiographischen Elementen des Autors, der in der Figur des Dolmetschers Adrian durch den Roman zieht. 

    Inhaltlich können die Ansichten zur Fischerei unterschiedlich sein: im Buch halte ich fest dass manche Fakten stimmen, manche aber sind veraltet (nicht allen Beständen geht es schlecht und viele haben sich in den letzten Jahren sogar erholt). Auch die üblichen Klischées über die EU-Flotte kursieren (zB wir fischen den Afrikanern die Fische weg und zwingen sie so, Flüchtlinge oder Piraten zu werden“...). Das sind die Mantras der Oceana, WWF, Pew usw. die man seit 2 Jahrzehnten hört und ziemlich realitätsfremd sind. Bin selbst seit über 12 Jahren im Geschäft und kenne mich ein bisschen aus. Auch die Rolle der „Bösen“ (illegale Fischer und deren skrupellose Hintermänner) sollte besser fokussiert werden: nicht dass es solche Typen nicht gibt, aber welche Akteure sind das echte Problem? Die EU bzw. unsere Fangflotte sind eher ein Teil der Lösung, nicht des Problems! Wenn sich die Fangflotten von China, Taiwan, Russland, Korea u.ä. an unsere EU-Standards halten würden, wäre der Zustand der Fischbestände weltweit deutlich besser. Auch das Schicksal der Fischereibeobachter ist nicht überall gleich: die im Buch zitierten Fälle von Übergriffen fanden in den Meeresgebieten von IATTC und WCPFC statt: dort könnte Teresa wahrscheinlich dasselbe widerfahren... aber im NAFO-Gebiet? Und auf einem spanischen Freezer-Trawler? Wage es zu bezweifeln...

    Zuletzt noch die Aktivisten: deren Plan ist durchaus originell (wer hat schon mal etwas von Ciguatera gehört?) aber ihre Handlung driftet ziemlich bald in eine Fantasy-Ebene ab: soll eine Handvoll verwegener Idealisten es schaffen, aus dem tiefsten Dschungel eines rückständigen Landes ohne Logistik, wie aus Zauberhand, eine globale, perfekt koordinierte Aktion durchzuführen? Und Heerscharen von Idealisten zu rekrutieren und auszubilden, die dafür das Risiko gravierender strafrechtlicher Folgen für sich selbst in Kauf nehmen? Nun ja, schön wär‘s....

    Fazit: gut recherchiert und sprachlich ansprechend, aber inhaltlich etwas zu politisch-belehrend, um ein unterhaltsamer Roman zu sein!

  10. Cover des Buches Vincent (ISBN: 9783257608038)
    Joey Goebel

    Vincent

     (474)
    Aktuelle Rezension von: Jan_N

    Ein Künstler kann nur dann wahrlich kreativ sein, wenn er leidet. Also lasst ihn leiden!

    Diese Prämisse verfolgt Joey Goebel bitterböse in seinem Werk Vincent und lässt uns anhand des Agenten des jungen Vincent all das Leid miterleben.

    Sein Agent hat dabei die Rolle, Vincents Leben zu sabotieren, damit er die Welt mit Unterhaltung, mit hervorragender Unterhaltung versorgt.


    Goebel rechnet in diesem Buch zynisch mit der Popkultur und ihrem Bestreben ab, Künstler bis zum erbrechen zu verheißen, nur um etwas mehr Geld aus ihnen herauszupressen. Dabei empfindet man als Leser nicht nur Mitleid mit Vincent, sondern auch mit seinem Agenten. Auch er erkennt, dass er nur ein Spielball des Konzerns ist, für den er arbeitet und er verrichtet seine Aufgabe zwar hervorragend, aber ohne Leidenschaft.


    Ein sehr gutes, böses Buch. Es sei jedem Zyniker ans Herz gelegt

  11. Cover des Buches Über Fotografie (ISBN: 9783596230228)
    Susan Sontag

    Über Fotografie

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Schnupperstern
    Susan Sontags gesammelte Essays befassen sich mit der Fotografie als gesellschaftliches Ausdrucksmittel, mit der Frage, ob Fotografie Kunst sei, mit den Unterschieden zwischen Fotografie und Malerei und mit dem Verhältnis zwischen Fotografie und Realität. Dieses Buch ist ein Standardwerk, ebenso wie Bourdieus "illegitime Kunst". Es ist gut und verständlich geschrieben, allerdings drängt sich bei der Lektüre manchmal der Eindruck auf, sie habe gewisse Dinge nur geschrieben, um zu demonstrieren, was sie alles weiß
  12. Cover des Buches Niemand ist eine Insel (ISBN: 9783898971119)
    Johannes Mario Simmel

    Niemand ist eine Insel

     (49)
    Aktuelle Rezension von: siggi88
    Spannende Schilderung der Welt der grausamen Filmindustrie, verknüpft mit der elenden Welt behinderter Kinder. Oder leben doch alle in einer Welt(?!)
  13. Cover des Buches Seichtgebiete (ISBN: 9783442156412)
    Michael Jürgs

    Seichtgebiete

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Michael Jürgs betreibt Doofenbashing. Die Behauptung "So schlimm wie jetzt wars noch nie." ist ja nie besonders sympathisch, aber angesichts neuer Tiefpunkte wie Scripted reality ist der totale Tiefstand offenbar noch nicht erreicht. Aber die Behauptung, daß Sarrazin im Ergebnis recht habe, kannst du dir sonstwohin stecken, Alter!
  14. Cover des Buches Das Okkulte (ISBN: 9783886808885)
    Sabine Doering-Manteuffel

    Das Okkulte

     (3)
    Aktuelle Rezension von: GeschichtenAgentin
    Gibt es eigentlich noch Lektoren? Also Menschen, die Autoen helfen aus Materialsammlungen lesbare Bücher zu machen? Gute Idee, interessantes Thema, schöne recherche - nahezu unlesbare Form.
  15. Cover des Buches Die Nachhut (ISBN: 9783746625584)
    Hans Waal

    Die Nachhut

     (102)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Wer den Rückentext liest, wird sofort die Assoziation zu "Er ist wieder da" knüpfen. Doch der Plot klingt interessant genug, um sich einem weiteren Werk zum unerschöpflichen Thema NS-Zeit und ihre Folgen zu widmen.
    In einem unterirdischen Bunker halten auch 60 Jahre nach Kriegsende drei SS-Leute die Stellung, ohne zu wissen, dass die Schlacht schon längst geschlagen ist. Als es zu Differenzen kommt, beschließt man "aufzutauchen" und so kommt man als uniformierte Geister einer vergangenen Zeit in die heutige Welt. Die Drei beschließen, in der "Reichshauptstadt" neue Befehle zu empfangen und nach ihrer Entdeckung geht die Hatz los. Medien, Geheimdienste, Polizei, alle machen Jagd nach den Opas, die einer Welt gegenüberstehen, die sie weder verstehen noch fassen können.
    Waal macht es dem Leser nicht leicht. Während bei "Er ist wieder da" die tragikkomischen Momente überwiegen und sich das Satirische durchsetzt, ist das hier nicht ganz so einfach, denn wie auf dem Cover angekündigt, ist das Buch keinesfalls so witzig, wie man es erwartet. Im Gegenteil, manches Lachen bleibt einem im Hals stecken und das sind die stärksten Momente. Die finden sich in erster Linie bei der Behandlung dieses Themas durch die Medien und da hat es schon fast ein wenig dokumentarischen Charakter. Das Dilemma des Autors ist sein Anspruch. Auf der einen Seite diese Medienhype kritisch zu beleuchten (was ihm recht gut gelingt) und auf der anderen die absurde Ausgangssituation möglichst satirisch und "komisch" aufzubereiten. Das ist dünnes Eis und so manches Mal knackt es an der Oberfläche. Die Erzählweise aus drei Perspektiven ist nicht immer zuträglich und unterbricht oft den Fluß. Schade, dass sich Waal nicht auf einen Schwerpunkt konzentrieren konnte. So hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck, weil man als Leser das Gefühl hat, oft nur oberflächlich in die Szenen eintauchen zu können, denn immer wenn es viel tiefer gehen könnte, zwingt man sich schon in die nächste Katastrophe.
    Die Idee, die allgemeine Wahrnehmung und der Umgang der Presse mit dem Thema Nationalsozialismus in der heutigen Zeit zu verarbeiten, ist fünf Sterne wert. Am Stil des Autors lässt sich nichts aussetzen, aber die Struktur des Buches und die Umsetzung ist irgendwas zwischen 3 und 4 Sterne. Eher drei, denn der Rezensent ist ein wenig enttäuscht, wie der gute Ansatz leichtfertig stellenweise "verschrieben" wurde.
  16. Cover des Buches Machtwechsel auf der Erde (ISBN: 9783453700574)
    Armin Risi

    Machtwechsel auf der Erde

     (6)
    Aktuelle Rezension von: batzn
    Mülltonne auf und rein damit
  17. Cover des Buches Pilawas Allgemeinwissen - Das Quiz (ISBN: 9783570137642)
    Jörg Pilawa

    Pilawas Allgemeinwissen - Das Quiz

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ein nett geschriebenes Jugendbuch, über alles was man so wissen sollte. Aufgebaut wie ein kleines Lexikon mit 10 Kategorien, vermittelt es Kindern mit Freude und Spaß Allgemeinwissen. Zwischendrin sind immer kleine Fragen eingebaut, die man durch das Lesen des Textes leicht beantworten kann. Für wissensdurstige Große und Kleine Leute ein schönes Buch.
  18. Cover des Buches Bilderberger (ISBN: 9783938516355)
    Andreas von Rétyi

    Bilderberger

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Wird unsere Gesellschaft, aber auch die weltlichen politischen als auch wirtschaftlichen Ereignisse im Verborgenen von einer Gruppe von Menschen beeinflusst und gelenkt? Die Rede ist an dieser Stelle von einer Gruppe die sich selbst Bilderberger nennt. Der Name beruht auf dem Ort an dem sich diese ausgewählte Gruppe zu Erst gemeinsam unter dem Vorsitz von Prinz Bernhard der Niederlande getroffen hat. Ins Leben gerufen hat die Gruppe allerdings Herr Retinger. Am Anfang wollte man Europa verbessern und einigen, doch mit zunehmender Zeit wollten die Bilderberger mehr. Sie wollten Macht. Und um diese zu bekommen und sich selbst zu bereichern waren Ihnen alle Mittel recht, sogar Mord! Das Buch beschreibt die Entstehung der Bilderberger und erklärt das Gesamtgerüst und die Ziele der Gruppe. Ebenfalls zeigt das Buch auf in welchen Bereichen der Einfluss dieser elitären Gruppe spürbar war. Wussten Sie, dass selbst unsere Bundeskanzlerin bei den Bilderbergern war? Der Autor beschreibt einen Zeitraum von über 55 Jahren Bilderberggeschichte bis in unsere heutige Zeit! Das Buch ist gleichermaßen fesselnd sowie spannend geschrieben und lässt Sie es nicht mehr aus der Hand legen.
  19. Cover des Buches Banken, Brot & Bomben (ISBN: 9783980710602)
    Stefan Erdmann

    Banken, Brot & Bomben

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Massenmedien in Deutschland (ISBN: 9783896694201)
    Hermann Meyn

    Massenmedien in Deutschland

     (5)
    Aktuelle Rezension von: BillyTheCrimson
    "Massenmedien in Deutschland" ist ebenfalls eine Fachlektüre, welche ich anlässlich meines Studiums lesen musste bzw. sollte. Hört sich negativer an als es war. Nachdem ich das Buch zugeklappt hatte und wusste, dass mich diese Lektüre näher an die Praxis und deren frühere Methoden gebracht hat, konnte ich ruhigen Gewissens eine thementiefe Konversation mit meiner Journalismus-Professorin führen. Super gute Veranschaulichungen ergänzen das Buch neben Ergebnissen von Studien seit mit der 60er Jahre. Massenmedien als Instrument der Kontrolle könnte man nicht besser ins Licht rücken als es Hermann Meyn getan hat. Defintiv 4 Sterne wert, lediglich einen Stern Abzug wegen des oft mangelnden Bezugs auf konkrete Quellen. Ein Tipp für alle interessierten, jene welche Aufschluss über die Staatskontrolle erhalten wollen und jene, welche sich für Presse-/Print- u. Rundfunkgeschichte interessieren ;)
  21. Cover des Buches Journalismus und Werbung: Kommerzielle Grenzen der redaktionellen Autonomie (ISBN: 9783531187747)
    Stefan Gadringer

    Journalismus und Werbung: Kommerzielle Grenzen der redaktionellen Autonomie

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Admiral
    Da dieser Band vom Springer Verlag gedruckt wurde, habe ich eigentlich nicht so viel Kritik erwartet, als ich anfing das Buch zu lesen. Ich meine: Springer-Verlag. Hallo ? Kann man hier eine öffentlichkeitsorientierte und kritische Untersuchung erwarten ? Doch erst beim Lesen von den ersten Aufsätzen habe ich bemerkt, dass die methodischen Vogehensweisen und Ergebnisformulierungen oftmals zwar ziemlich zurückhaltend und defensiv formuliert sind, doch Kritik fand ich auch in größerem Umfang. Und erst jetzt (nach der Lektüre des Buches) habe ich dann herausgefunden, dass dieser "Springer VS" Verlag nicht deckungsgleich ist mit dem Axel Springer Verlag. Erstere hat auf ihrer HP sogar eine ganze Seite dazu geschrieben, dass sie NICHT zum Axel Springer Ungetüm dazugehören (https://www.springer.com/de/ueber-springer/unternehmensinformationen/springer-springer-oder-springer-/meinen-sie-springer-springer-oder-springer-/29476). Wahrscheinlich wollen sie nicht (von so vorschnellen Leuten wie mir ;D) in dieselbe Schublade gesteckt werden. Kann ich allerdings auch verstehen.


    JEDENFALLS. Nun zum Buch an sich. Ihr habt es bestimmt schon rausgelesen: dieses Buch "Journalismus und Werbung. Kommerzielle Grenzen der redaktionellen Autonomie" (2012), herausgegeben von Gadringer, Kweton, Trappel und Vieth, ist eine Sammlung von 15 kommunikationswissenschaftlichen Aufsätzen.

    Die Themen drehen sich in jeglicher Hinsicht um die Wechselbeziehungen zwischen Werbung und Journalismus. Die Aufsätze sind nicht in Kapiteln zusammengefasst, scheinen aber dennoch eine gewisse Gliederung zu haben. Einleitend stehen ein Aufsatz zu den theoretischen Ansätzen: "Theorien von Redaktion und Werbung" (Plank/Schopf, S. 13-30) und ein Aufsatz zum aktuellen Thema der Kommerzialisierung "Kommerzialisierung in Medien. Ursachen - Manifestation - Folgen" (Gadringer/Vieth; S. 31-49). Im Anschluß an den Kommerzialierings-Aufsatz wird dasselbe Thema aus einer anderen Perspektive nochmal behandelt. Diesmal wird ihre Auswirkung auf das Erfüllungsgebot der medialen Funktionen untersucht: "Eine leidige Pflicht? Die Auswirkungen der Kommerzialisierung der Massenmedien auf die Erfüllung ihrer demokratischen und gesellschaftlichen Funktionen" (Özbicerler/Öztürk; S. 51-66). Nachdem hier erst die Funktionen der Medien definiert und hergehoben werden, wird in kritischer Untersuchung die Gefährdung dieser Funktionserfüllung besprochen. In mehreren Einzelstudien werden hiernach mehrere Zustände und Gegebenheiten untersucht. Inhaltlich mMn etwas unbrauchbar, aber methodisch äußerst interessant, ist in diesem Rahmen der Aufsatz "Skandalös zurückgehalten? Berichterstattung über Werbekunden am Beispiel des Lidl-Bespitzelungsfalles" (Lagetar/Mühlbauer; S. 167-189). Hier werden 4 einzelne Zeitungen (2 aus D, 2 aus Ö) anhand ihrer Berichterstattung über den Lidl-Bespitzelungsfall über einen gewissen Zeitraum hinweg untersucht. Die Zeitungen sind recht gut gewählt (zB länderübergreifend, regional/weitbekannt). Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass keine Beeinflussung stattfand. Exemplarisch ist sie echt bemerkenswert, da sie die Perspektive udn die Methodik eröffnet, worauf zu achten wäre. Doch scheint mir der Vorfll nicht gut genug gewählt zu sein. Die Länder ähneln sich evtl. kulturell zu stark und das Ereignis ist zu  beschränkt. Evtl. sollte ein internationales Ereignis mit kulturell (völlig) unterschiedlichen Zeitungen (und vllt. Medien !) gewählt werden. Dann müssten vllt. auch 2 ähnliche Ereignisse mit denselben Zeitungen aus unterschiedlichen Zeiten (zB Finanzkrise 1929/2008 ?) untersucht werden, um auch noch zeitliche Unterschiede/Gemeinsamkeiten hervorheben zu können.
    Erstaunlich ist auch der Aufsatz "Nachgefragt! Deutsche und Österreichische Journalisten über den Einfluss der Werbewirtschaft" (Reimann/Schopf; S. 191-213). Die Befragungen sind quantitativ zwar stark eingeschränkt, doch qualitativ recht aussagekräftig. Journalisten werden persönlich zur Einflussnahme von Werbekunden auf ihre Berichterstattung befragt. Das Ergebnis ist interessant: Einflüsse sind durchaus vorhanden und gefährden gewissermaßen die Unabhängigkeit der Medien. Evtl. (Ähnliches scheinen auch die Autoren anzudeuten) muss die Einschätzung noch schärfer ausfallen. Denn Journalisten könnten sich einiger Einflussnahmen auch nicht bewusst sein oder sie sich/anderen nicht eingestehen wollen, obwohl die Interviews stark anonymisiert sind.


    Das soll genügen. Ich wollte nur ganz gerne einige exemplarische Untersuchungen vorstellen, um das Buch abschätzbar zu machen und Euch einen kleinen Einblick zu gewähren. Abschließend muss ich zum Inhalt echt sagen, dass die Ergebnisse nur zT überraschen. Manchmal überraschte mich lediglich die Harmlosigkeit der Werbekundeneinflussnahme (zB im Lidl-Vorfall, dazu habe ich oben mehr geschrieben).
    Vieles überraschte nicht: PR im Internet ist erwartet gefährlich für die medialen Funktionen (zB "Zu altmodisch für neue Medien? Neue Werbeformen und das Trennungsgebot auf Nachrichtenportalen" von Angerer/Schächner/Skibba; S. 297-315) und PR-Berichterstattung scheint in zahlreichen Medien mehr als präsent zu sein. Die Autoren sind jedoch sehr vorsichtig und relativ in ihrer Ausdrucksweise, wie mir scheint ("Gut kopiert ist halb geschrieben. Der PR-Durchsatz in der Berichterstattung österreichischer Tageszeitungen" von Özbicerler/Plank; S. 255-273).
    Die Gesamtuntersuchung bringt also mMn nichts Neues an die Oberfläche, was die starke Verflechtung von Journalismus und Werbung angeht. ABER es fundiert die Annahmen, die ansonsten mehr schlecht als recht begründet in vulgo hrumschwirren. Evtl. übertreibe ich jetzt, wenn ich sage, dass sowieso jeder weiß, dass (heutzutage ?) Werbekunden massive Informationseingriffe in die Berichterstattung (auch von Qualitätsmedien) unternehmen. Doch stattet dieses Buch die Vermutenden mit einem theoretischen und methodischen Rüstzeug aus, sich eine begründete Meinung zu bilden.



    Die Autoren sind Studenten der Kommunikationswissenschaft in Salzburg (gewesen ?), die im Rahmen ihrer Master-Studiums dieses Thema behandelten. So entstanden diese Untersuchungen (von jeweils etwa 20 Seiten) unter jeweils mindestens 2 Studenten. Alle Aufsätze und bes. der 1. mit dem Titel "Theorien von Redaktion und Werbung" (S. 13-30) fundieren auf einem sehr umfassenden methodischen Kern. Die Untersuchungen werden Schritt für Schritt nacherzählt und beschrieben, sodass die Ergebnisfindung sehr gut nachvollzogen werden kann (= "normale" Wissenschaft :D). Die Schlussfolgerungen sind dementgegengesetzt meistens sehr knapp und pointiert. Die Aufsätze sind zudem stark gegeliedert mit zahlreichen Kapiteln und Unterkapiteln, sodass sie sehr übersichtlich sind. Leider ist auch dieser Band ein weiteres Beispiel für die sprachliche und theoretische Entfremdung vieler Wissenschaftszweige von der regulären Gesellschaft. Nicht selten sind die Formulierungen etwas unverständlich, die Theorieansätze ziemlich abgehoben und gleichzeitig unglaubwürdig vereinfacht. Letzteres liegt jedoch nicht direkt an den Autoren der Aufsätze, da auch sie sich lediglich auf die Theorieansätze, die in ihrer Wissenschaft kursieren, beziehen und sich auf diese stützen (müssen ?).


    Leider nicht immer sonderlich gut lesbar, aber echt informativ.
  22. Cover des Buches Angst vor der Oberfläche (ISBN: 9783899740813)
    Anja Besand

    Angst vor der Oberfläche

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    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Basiswissen Schule Politik mit CD-ROM (ISBN: 9783898180955)

    Basiswissen Schule Politik mit CD-ROM

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    Aktuelle Rezension von: Babel
    Gute Einführung gerade für schüler. Erspart aber nicht das Grundlagenstudium und die Weitervertiefung.
  24. Cover des Buches Lügenpresse (ISBN: 9783941956308)
    Peter Denk

    Lügenpresse

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    Noch keine Rezension vorhanden

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