Bücher mit dem Tag "mauerfall"
80 Bücher
- Ken Follett
Kinder der Freiheit
(489)Aktuelle Rezension von: Kyra112Die nächste Generation steht vor den Herausforderungen der Nachkriegszeiten und stolpert damit mitten in den Kalten Krieg. Während George in den USA gegen die Unterdrückung der Schwarzen kämpft, muss sich Rebecca mit dem System in der DDR auseinandersetzen, ebenso wie ihr Bruder Walli und auch in Großbritannien gibts die ein oder andere Herausforderung.
„Kinder der Freiheit“ von Ken Follett ist der Abschlussroman der Jahrhunderttrilogie.
Ich habe dieses Buch wirklich mehrere Jahre vor mir hergeschoben. Nicht, weil mich der Roman abschreckt, sondern die Dicke des Buches.
Ken Follett schreibt wirklich sehr realistisch und auch absolut mitreißend. Es gab viele Abschnitte, bei denen ich einfach ganz schnell weiterlesen wollte, weil’s wirklich spannend war. Auch hat mich das Buch animiert, einzelne historische Ereignisse oder Personen noch einmal nachzuschlagen und mich fundierter zu informieren.Hin und wieder bin ich bei den Figuren durcheinander gekommen. Es sind ja doch einige Personen und damit Handlungsstränge, die hier behandelt werden und manchmal waren mir die Sprünge zu abrupt, sodass ich erstmal kurze Zeit zum Überlegen brauchte, um zu realisieren, über welche Figur ich nun lese.
Nervig waren die vielen Beziehungen oder nicht-Beziehungen. Da war ja wirklich bei der neuen keine Beziehung dabei, die wirklich funktioniert hat. Irgendwie hat jeder es geschafft, das Ganze in den Sand zu setzen.
Mich hat der Teil um die Kennedys etwas gelangweilt. Das war mir alles zu viel, während man zum Schluss das Gefühl hatte, Ken Follett rennt durch die Geschichte, also gerade, was die 70er/80er Jahre betrifft.
Es war ein interessantes Buch, aber es war mir doch etwas zu viel des Guten. Wer gerne solche dicken Wälzer liest, ist hier richtig, aber für jene, die es eher kompakter lieben, ist der Roman gar nichts.
- Sven Regener
Herr Lehmann
(1.219)Aktuelle Rezension von: winniccxx"Herr Lehmann" ist das erste große Werk des Autoren Sven Regener. Es handelt vom gleichnamigen Protagonisten, der seinen Alltag in Berlin bewältigen muss, und dem dabei allerlei absurde Geschichten passieren. Die handelnden Personen sind meiner Meinung nach sehr schön beschrieben, sowohl die zentralen Hauptpersonen als auch die Nebencharaktere, die immer wieder auftauchen. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, Herr Lehmann wirkt bisweilen sogar unsympathisch, aber dennoch waren die handelnden Figuren sehr passend für das Buch. Dabei gibt es zwar wenig spannende Handlung, doch das will das Buch auch gar nicht erreichen, vielmehr geht es um viele kleinere Episonden aus dem Leben des Protagonisten, etwa die Begegnung mit einem Hund, Schichten in seiner Kneipe oder der Besuch der Eltern in West-Berlin. Diese Episoden sind meist sehr humorvoll und stimmig zueinander, sodass sich ein gutes Gesamtbild ergibt. Dazu werden viele stilistisch lange Schachtelsätze verwendet, die aber für mich auch sehr gut zum Stil des Buchs passen.
Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass man immer wieder lachen oder schmunzeln muss, und ist dadurch für mich eine gute Abwechselung zu der Literatur, die ich sonst lese gewesen. Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich übrigens durch einen Ausschnitt aus dem Literarischen Quartett, in dem Marcel Reich-Ranicki ähnliches berichtet. Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen und direkt weiter empfohlen. Von mir gibt es also 5 von 5 Sterne!
- Charlotte Roth
Als wir unsterblich waren
(243)Aktuelle Rezension von: Amber76Ein beeindruckender historischer Roman, in dem die wechselvolle Geschichte der deutschen Sozialdemokratie mit wichtigen, um nicht zu sagen den Kern ihrer Identität berührenden Konflikten wie beispielsweise ihrer Haltung in der Abstimmung zu den Kriegskrediten im ersten Weltkrieg an zwei Hauptfiguren erzählt wird, die ebenso sehr miteinander wie mit ihrer Überzeugung ringen. Man könnte sagen, die Bruchlinie zwischen verschiedenen Parteiflügeln zieht sich in einer Zeit, in der das mehr als nur hitzige Auseinandersetzungen in Familien- oder Freundeskreis bedeutet, mitten durch eine Liebe. Man sieht und erlebt, wie in einer Zeit, in der der Glaube vorherrschte, dass der Mensch dem Lauf der Geschichte seinen Stempel aufzudrücken hat, die Geschichte den Menschen überrollt.
Der Roman ist sehr gut recherchiert und informativ aufgebaut. Indem ganze historische Diskurskomplexe an zwei Hauptfiguren gebunden werden, wird die Möglichkeit eröffnet, das zugrundeliegende Konfliktpotential rational wie emotional wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. In manchen Teilen des Romans wirkt die Darstellung dadurch etwas vereinfacht, verkürzt . Vielleicht spielt auch der Zufall eine etwas zu bedeutende Rolle. Aber man fühlt sich trotzdem ebenso gut informiert wie unterhalten.
- Jenny Erpenbeck
Kairos
(84)Aktuelle Rezension von: AMCLiestJenny Erpenbeck hat mit diesem Roman nicht nur eine toxische Liebesgeschichte sondern auch die Geschichte Ostberlins in einer faszinierenden, trockenen Sprache geschrieben, die sehr gut anfängt, aber sich etwas mühsam fortsetzt.
Die Liebesbeziehung des Mädchens Katharina zum wesentlich älteren Hans, der noch dazu verheiratet ist, fängt recht interessant an, ermüdet aber bald. Die Eifersucht Hans, der sich auch nicht scheiden lassen will, nimmt ziemlich arge Züge an und er kann sie nicht loslassen. Warum sie bei ihm bleibt, obwohl er sie schlägt, ist für mich auch nicht nachvollziehbar. Als er dahinter kommt, dass sie ihn betrogen hat, quält er sich erst recht und kann ihr die Episode mit Vadim nicht verzeihen. In stundenlangen Kassetten erzählt er ihr seine Enttäuschung, die sie kaum ertragen kann. Irgendwann schafft sie es, sich von Ihm zu lösen, aber es fällt ihr schwer.
Die Geschichte Berlins bis zum Fall der Mauer 1989 und darüber hinaus wird genau dargestellt und fasziniert mich sehr, vor allem die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die jungen Menschen, wie Katharina und ihre Freunde kommen damit besser zurecht, als die älteren, wie Hans, der seinen Posten verliert und sich in der neuen Welt nicht zu recht findet.
Die Autorin packt in diesem Roman nicht nur die toxische Liebesgeschichte, sondern auch die historischen Fakten Berlins und auch ihr gesamtes Wissen über Musik und Literatur hinein, sodass ein stimmiges Gesamtbild an Zeitgeschichte entsteht. Ihre Sprache ist manchmal etwas derb, wobei sie auch etwas verwirrende, aber faszinierende Bilder entwirft, die ein plötzliches unerwartetes Ende findet und neue Fragen aufwirft
- Helga Schubert
Luft zum Leben
(106)Aktuelle Rezension von: KwinsuIn Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.
Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich. Wir lesen über ihre Familie, ihr Schriftstellerinnen-Dasein, Schicksalsschläge, das Leben in der DDR, erahnen politische Haltung und emotionale Achterbahnfahrten, auch wenn diese nur äußerst nüchtern betrachtet werden.
Um ehrlich zu sein: mit vielen der Texte konnte ich nichts anfangen, mir fehlte zu vielen Themen der Bezug, beispielsweise wenn sie über ihr Schriftstellerinnentum berichtet. Und auch wenn manche Themen interessant waren, fand ich den Schreibstil zu nüchtern, fand keinen Zugang. Lediglich wenn Schubert über das Fremde schreibt, die Beobachtungen, die sie hatte, wenn sie in den Westen reisen durfte, empfand ich sowas wie Emotionalität und es entstanden entsprechende Bilder in meinem Kopf. Dies geschah auch bei zwei Erzählungen, von denen ich einigermaßen begeistert war: Einerseits "Knoten" - ein Text über familiäre und persönliche Krebserkrankungen, der hinter der nüchternen Fassade Emotionalität hervorschauen, die Krankheit und den Umgang damit reflektieren ließ, verknüpft mit Sinnbildern, die der Geschichte abstrakten Raum geben. Der zweite Text: "Die Diktatur ist die Täterin. Oder?!". Hier verarbeitet Schubert ihr Verhältnis zum Regime der DDR, setzt ihre eigene Akte ein, die über sie geführt wurde und hält ihre Standpunkte fest, ihre Gedanken zur Partei. Hier ist sie explizit politisch, zeigt, wie unmöglich es war, der Partei genüge zu tun. Zwar ist die Sprache auch hier nüchtern und kaum emotional, aber sie gibt Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, dessen Miterleben eng korsettiert war. In dem namengebenden "Luft zu Leben" berichtet die Autorin über ihr Muttersein, ein für mich eher verstörender Text, der "das Kind" mehr als Sache als ein Spross aus eigenem Fleisch und Blut erscheinen lässt.
Zweifelsohne ist Helga Schubert eine literarische Erzählerin, sie konnte mich im Gesamten aber nicht abholen, auch wenn einzelne Texte in Erinnerung bleiben werden. Wer sich schon intensiver mit der Autorin beschäftigt hat und den nüchternen Erzählstil mag, könnte von "Luft zum Leben" begeistert sein. - Anja Baumheier
Kranichland
(113)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterKranichland ist ein Sehnsuchtsland; dorthin ziehen die Kraniche im Herbst und Marlene beneidet sie um diese Freiheit. Sie hat 1968 in Ost-Berlin nicht die Möglichkeit zu reisen, wohin sie möchte. Gemeinsam mit ihrem Freund Wieland plant sie die Flucht über Prag, dort werden sie jedoch von der Stasi abgefangen.
Die Autorin öffnet ein Nähkästchen voller Geheimnisse und Schweigen in einer Familie, die an den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat glauben möchte, jedoch letztlich daran zerbricht. Erst mit der Enkelgeneration wird das Schweigen gebrochen und nun müssen alle mit den Scherben leben. Dem Genre wird der Roman gerecht, er unterhält und hat durchaus spannende Momente. Leider hatte er für mich aber auch einige Schwächen. Die Charaktere sind recht platt und klischeehaft. Ich konnte mit keiner Figur richtig mitfiebern, sie blieben mir fremd. Es passiert viel, was ohne Bezug zur Handlung bleibt und dann einfach im Sande verläuft. Außerdem waren einige Szenen und Charaktere einfach nicht glaubhaft, da wird der gute Wille schon sehr strapaziert.
Interessant sind die Bezüge zur Geschichte der DDR, Fluchtversuch, Austausch politischer Gefangener etc. Das wird gut vermittelt. Von einer Bekannten habe ich mir sagen lassen, dass auch die häufig erwähnten Einrichtungsgegenstände absolut typisch gewesen seien, die hätten ihre Eltern auch gehabt, u. a. das Pastellgemälde des Wiener Schokoladenmädchens oder eine Vase aus Meißner Porzellan. Diese Objekte spielen im Roman eine wichtige Rolle und gerade die Symbolik der Vase ist wirklich gut gemacht.
Alles in allem ein Unterhaltungsroman, der mir etwas zu "leicht" in der Sprache war, stellenweise einfach unglaubwürdig und mit Geheimnissen und Verschwiegenheit überfrachtet. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und dieser Roman hat eine große Fangemeinde. Mir hat "Die Erfindung der Sprache" von der Autorin wesentlich besser gefallen, das Buch kann ich sehr empfehlen, es ist völlig anders geschrieben.
- Frank Goosen
Liegen lernen
(161)Aktuelle Rezension von: Lilli33Taschenbuch: 334 Seiten
Verlag: Heyne (Oktober 2002)
ISBN-13: 978-3821808543
Preis: 9,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich
Rückkehr in die 1980er Jahre
Inhalt:
Der 16-jährige Helmut lebt mit seinen Eltern irgendwo im Ruhrgebiet. Seine Jugend ist recht unspektakulär - Schule, Freunde, Musik. Bis Britta in sein Leben tritt und Helmut sich unsterblich verliebt. Eine Liebe, die ihn ein Leben lang begleiten wird.
Meine Meinung:
„Liegen lernen“ ist Frank Goosens Debütroman und lässt schon die Stärke der späteren Werke erkennen. Der Geist der 1980er Jahre lebt in diesem Roman auf. Ich wurde direkt in die damalige Zeit zurück versetzt und konnte mich in vielen der beschriebenen Szenen wiederfinden. Natürlich spielt Musik eine sehr große Rolle, aber auch Liebe und Freundschaft. Helmut versucht eher holprig, seinen Platz im Leben zu finden. Das macht ihn sehr nahbar, obwohl er mir gar nicht so recht sympathisch war.
Den Schreibstil fand ich anfangs noch sehr passend. Es wird in sehr einfachen Sätzen erzählt, wie man sie einem Sechzehnjährigen durchgehen lassen kann. Doch ändert sich dies im weiteren Verlauf nicht wesentlich, und einem gestandenen Akademiker, der aus Helmut wird, nehme ich diese einfach-kargen Sätze ein bisschen übel.
★★★★☆
- Leon de Winter
Hoffmans Hunger
(67)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannVon 350 auf 430 Pfund. Für die männliche Klammer, für all die vergebliche Gier in einer vom großen Fressen (mit Verstopfung uns Ausspeien) geprägten Welt, sorgt, so beiläufig, so real wie sinnfällig ein US-amerikanischer Waschsalonbesitzer auf Reisen. Sein gewichtiger Pedant, der niederländische Botschafter in Prag, bildet indes den Dreh- und Angelpunkt dieser sowohl spannend als auch erhellend geschilderten Geschichte.
Spannend, weil sie am Vorabend des Mauerfalls spielt, und noch einmal die Implikationen des „Kalten Krieges“ eindringlich darstellt, zusammen mit Spionage, Agenten und Co. sowie all den Wirrnissen, die sich daraus ergeben. Erhellend, da sie die elementaren Such- und (möglichen) Findeprozesse eines Mannes im Angesicht von Tod und Verzweiflung so schildert, dass es einen nicht unberührt lässt. Zumal dieser Prozess mit Hilfe der Philosophie Baruch Spinozas erfolgt, explizit anhand seines Buches: „Abhandlungen über die Verbesserung des Verstandes und über den Weg, auf dem er am besten zur wahren Erkenntnis der Dinge geleitet wird.“
Manchmal sind diese Dinge, über das große Fressen und seine psychischen Hintergründe sowie damit einhergehenden körperlichen Vorgänge (alles, was hineingestopft wird, muss auch irgendwie wieder raus) nicht so „einfach“ zu lesen, von tiefgründig bis eklig reicht hier die Spannbreite. Zur Verdeutlichung der tragischen Momente (Verlust der Kinder), des Risses, der hierdurch bei den Eheleuten entsteht, sowie der Sehnsucht nach Heilung von einer Schuld, die erst im Nachhinein deutlich wird, ist diese Spiegelbild gut geeignet – und wird hier überaus gekonnt in Szene gesetzt.
Es sind aber nicht nur die persönlichen Geschichten, die hier glänzen, sondern auch allgemeingültige Betrachtungen, die den Nerv der Zeit treffen, aber genauso zeitlos sind, wie das folgende Beispiel verdeutlicht: „Wir müssen die Welt in ihrer eigenen Dynamik sehen, in ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit. Nicht von unserer subjektiven Besessenheit aus.“ Und auch Spinoza trägt einen guten Teil am Gelingen dieses Buches bei: „Denn alles auf einmal zu begreifen, ist etwas, das die Kräfte des menschlichen Verstandes bei weitem übersteigt.“
Es gibt Bücher, die kann man ein zweites oder gar ein drittes Mal lesen; dieses Buch gehört auf jeden Fall dazu.
(14.09.2022)
- Alena Schröder
Bei euch ist es immer so unheimlich still
(192)Aktuelle Rezension von: YukBookEs ist eine Weile her, dass ich in „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ die Protagonistin Hannah bei ihrer Ahnenforschung begleitet habe. Diesmal stehen ihre Mutter Silvia und die Großmutter Evelyn im Mittelpunkt. Nach langer Funkstille besucht Silvia 1989, kurz vor der Wende, mit der wenige Wochen alten Hannah ihre Mutter in ihrer schwäbischen Heimat. Die Kluft zwischen den beiden ist jedoch so tief wie eh und je – warum, das erfahren wir in einer zweiten Zeitebene, die in den 1950er Jahren spielt.
Dass Evelyn nach Silvias Geburt ihren Beruf als erfolgreiche Ärztin aufgeben musste, hat sie nie verwunden. Wie verzweifelt und überfordert sie sich in der Mutterrolle fühlt und wieviel Kraft es sie kostet, die Erwartungen an Frauen in der Nachkriegszeit zu erfüllen, erzählt Alena Schröder stark und bewegend. Und da wäre noch Evelyns Schwägerin Betti mit ihrem losen Mundwerk und unkonventionellen Lebensstil, die eine besondere Beziehung zu Silvia aufbaut.
In diesem Roman stimmt einfach alles: die präzise Figurenzeichnung, die lakonische, kraftvolle Sprache und viel Zeit- und Lokalkolorit. Diese Geschichte über eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung, unausgesprochene Verletzungen, Enttäuschungen und verstörende Familiengeheimnisse hat mich bis zur letzten Seite gefesselt.
- Cora Stephan
Ab heute heiße ich Margo
(100)Aktuelle Rezension von: JulianchenDieses Buch wartete schon etwas länger im Regal darauf, gelesen zu werden. Es hat sich gelohnt. Auf den Spuren von Margo, eigentlich Margarete, begibt sich der Leser auf eine Reise durch die deutsche Geschichte von 1936 bis zur Jahrtausendwende. Margo ist eine selbstbewusste Frau, für die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung sehr wichtig sind. Während der Naziherrschaft ist sie eine Mitläuferin, hat keine politischen Interessen und keine politische Haltung. Sie ist fleißig, tatkräftig und mutig und hält sich nicht mit Emotionalitäten auf. Nach dem Krieg gelingt es ihr mit ihrem Mann Henri, ein neues Leben im Wirtschaftswunder Westdeutschlands aufzubauen. Sie ist pragmatisch, kreativ und zukunftsgerichtet. So wird sie schnell erfolgreich und erarbeitet sich eine eigene Karriere. Henri, der auch als Richter seinen Platz gefunden hat, kocht und kümmert sich hingebungsvoll um den Garten. Ein sehr moderner Mann in der damaligen Zeit. Seine Figur rührt mich sehr. Seine Liebe zu Margo hält auch Betrug und Seitensprünge aus. Neben Margo wird die Handlung auch aus der Perspektive von Helene, einer ehemaligen Kollegin Margos und Alard, eines Adeligen erzählt. Die drei verbindet ein Geheimnis aus den letzten Kriegsjahren. Helene ist eine sehr zwiespältige Figur. Anfangs gefällt sie mir sehr gut mit ihrem Mut und ihrem Aufbegehren. Auch ihre Liebe zu Alard, die sich bis auf wenige Tage im Krieg nicht entfalten kann, ist sehr gut eingefangen. Ihre Wandlung zur Spionin der DDR und ihre emotionalen Intrigen werfen dann aber ein anderes Licht auf sie. Mir bleibt ihre Figur bis zum Ende etwas fremd und unnahbar. Dennoch ist die wechselseitige Perspektive aus Ostdeutschland und Westdeutschland, durch Helene und Margo sehr gut gesetzt. Die Geschichte der beiden Töchter, Leonore und Clara bzw. Emma ist angerissen, wird aber im Nachfolgeroman tiefer erzählt. Am Ende geht es dann etwas schnell und wirkt stellenweise konstruiert. Auch das Geheimnis um die verschwundenen DDR-Millionen hätte es für mich nicht unbedingt gebraucht. Doch der Roman berührt mich, interessiert mich und die Figuren sind sehr facettenreich gezeichnet. Daher absolut empfehlenswert.
- Mechtild Borrmann
Lebensbande
(154)Aktuelle Rezension von: MaticeDieses Buch bekommt eine absolute Leseempfehlung von mir. Mechthild Borrmann schreibt spannend mit historischem Hintergrund. Mit diesem Buch nimmt die Autorin uns mit in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, das sie perfekt mit der Gegenwart kombiniert. Ein Buch, bei dem es sehr schwer fällt es zur Seite zu legen.
- Dirk Oschmann
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
(30)Aktuelle Rezension von: pinkdinoprincessInhalt: Dirk Oschmann wurde in der DDR geboren. Mit 22 Jahren erlebte er die Wiedervereinigung, studierte in Deutschland, UK und den USA, und ist nun Germanistik-Professor in Leipzig. Damit ist er eine Ausnahmeerscheinung: Die allermeisten Spitzenpositionen, darunter Professuren, werden in Deutschland mit Personen westdeutscher Herkunft besetzt. Wird Oschmann zu Vorträgen eingeladen, spricht er dort stets als "Ossi". Und so schreibt er über eine Ost-Identität, die er nicht gewählt hat, sondern die ihm auferlegt worden ist.
Fazit: "Der Osten: eine westdeutsche Erfindung" legt den Finger in eine Wunde, der ich mir zwar bewusst war, die mir aber nun noch ein Stück greifbarer erscheint. Selbst als Person, die zehn Jahre nach der Wiedervereinigung im "Osten" geboren wurde, wird mir die Ost-Identität immer wieder auferlegt – und sei es nur, dass ich "das "falsche Jägerschnitzel esse". Wir erschreckend gering auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung der Anteil an ostdeutschen auf Spitzenpositionen ist, war mir jedoch nicht bewusst. Auch auf ostdeutsche Kunst und Kultur wirft Oschmann einen Blick, desweiteren auf mögliche "Gegenbeispiele" erfolgreicher Ostdeutscher wie Angela Merkel. Nicht zuletzt möchte ich den Schreibstil des Autors loben, der durchaus akademisch und dennoch sehr flüssig lesbar war.
Empfehlung: Nicht nur für Ost-Deutsche.
- Patricia Koelle
Der Horizont in deinen Augen
(74)Aktuelle Rezension von: talishaDie Geschichten von Henny und Nicholas konnte man in den ersten beiden Bänden der Ostseetrilogie mitverfolgen. Jetzt fehlt nur noch eins der drei Bernsteinschiffe, jenes von Myra.
Doch wo es ist, weiss keiner. Es scheint mit dem Tod von Myras Tochter Liv verschollen zu sein. Was aber niemand auf Ahrenshoop ahnt: schon bald werden die drei Schiffe und die Familien wieder vereint sein.
Was die Geschichte von der Berlinerin Ylvi, die in der Mauerfallnacht ihre Tochter Remona zeugte, mit der von Ahrenshoop zu tun hat, erzählt Patricia Koelle in "Der Hoizont in deinen Augen".
Architektin Ylvi ist unglücklich verheiratet. Als sie einige Jahre nach Remonas Geburt wieder zu arbeiten beginnt, blüht ihre Liebe zu Gärten auf. Sie schiebt es auf die Sehnsucht nach Theo, ihrem Mauerfallbekannten.
Jahre später, auf Teneriffa, wie schon so oft in ihrem Leben, gesteht ihr bereits vor Ylvis Mutter verstorbener Vater in einem Brief ein grosses Geheimnis. Ihre und Remonas Neugier sind gross, ebenso die der Leser, die nun unbedingt herausfinden wollen, was da alles dahinter steckt.
Myras Leben war weitaus interessanter als ich bisher angenommen hatte. Auch sie hat geliebt, doch es sollte nicht glücklich enden und so trauert und wartet sie noch immer auf ein mögliches Zeichen ihrer grossen Liebe. Ihre Geschichte fand ich fast noch eindrücklicher als die von Henny und Nicholas. Die Bernsteinbeschwörerin Myra hat mich beeindruckt mit ihrer Genügsamkeit, auch wenn sie oft schroff rüber kommt.
Am Ende wartet noch eine kleine Überraschung auf. Hier sieht man, wie gut die Autorin ihre Trilogie geplottet hat. Nichts überlässt sie dem Zufall und so gestaltet sich das Finale enorm stimmig und gipfelt in einem ergreifenden Lesegenuss.
Fazit: Man fühlt sich beim Lesen zärtlich umarmt, es fühlt sich an, als ob sich Koelles Worte und Sätze wie ein weicher Wollschal um des Lesers Schultern legt.
5 Punkte.
- Christian Berkel
Ada
(139)Aktuelle Rezension von: liebeleinDie Geschichte von “Ada“ ist die Fortsetzung des Romans “Der Apfelbaum“ von Christian Berkel, in welcher er seine Herkunft und Familiengeschichte nicht nur erzählt, sondern auch aufarbeitet – mit einer nachhaltigen Tiefe im Gedächtnis.
Es ist die Geschichte eines Mädchens mit ihrer jüdischen Mutter, das weit nach dem Krieg in den 50er Jahren mit der Mutter aus Argentinien in ein ihr sehr fremdes Deutschland nach West-Berlin zurückkehrt. Sie erlangt wieder Kontakt mit ihrem Vater Otto (falls es ihr Vater ist), den sie sehr vermisst hat, doch ihre Vorstellungen von ihrem Vater und Familie werden nicht erfüllt. Auch mit ihrem später geborenen Bruder kann sie wenig anfangen, sie fühlt sich in dem unbekannten Land mit der autoritären Erziehung fehl platziert und vermisst die vorherige Freiheit und freies Denken in einer Familie, die lieber über alle Geschehnisse schweigt. Sie fühlt sich missverstanden und vereinsamt und flüchtet sich in eine Rebellion gegen die Regeln und Spießigkeit der Erwachsenen auf der Suche nach sich selbst.
Und findet dies in ihrem Dasein als Studentin, Woodstock und alle weiteren Randerscheinungen der Generation der 68er, mit freier Liebe, Drogen und Demos mit Gleichen.
In einem angenehmen Erzählstil geschrieben, nimmt Berkel uns mit in die Umbruchphase in Deutschland in der Person von Ada. Man versteht ihren Zwiespalt und ihre Sehnsüchte, die Abspaltung von den Kriegsjahren und jeglichen konstruierten Regeln, die eine junge Frau in dieser Zeit nur einschränkt und oft verzweifeln lässt. Man fühlt in vielen Situationen mit Ada und begleitet sie zu einer emanzipierten Frau. Interessant ist, dass die ganze Geschichte Adas als Erzählung aus einer Therapiesitzung stammt.
Mir hat die Geschichte über die etwas “andere“ Protagonistin gefallen, leider nicht komplett in allen Passagen abgeholt, jedoch empfinde ich es trotzdem empfehlenswert.
- Andreas Pflüger
Kälter
(91)Aktuelle Rezension von: SalanderLisbeth„Sie rechnen hier nicht mit jemandem wie mir. Und ich seh weiß Gott nicht zum Fürchten aus. Vielleicht hat es sogar noch etwas Gutes, dass ich schon lange nicht mehr auf meine Form geachtet habe.“ „Aber fünf.“ „Vor einer Ewigkeit hat mal jemand gesagt, ich würde nie etwas zu Ende bringen. Und er hatte recht. Aber diese Männer werden sich wünschen, sie hätten die Fähre gestern verpasst.“ Auszug Seite 45
Amrum, die kleine, nordfriesische Insel neben Föhr gelegen, wird wegen ihres feinsandigen, kilometerlangen Strandes und viel Natur auch die Perle der Nordsee genannt. Luzy Morgenroth versieht hier seit einigen Jahren ganz beschaulich ihren Dienst als Inselpolizistin zusammen mit ihrem Kollegen Jörgen, für mehr ist in der Amrumer Station zumindest in der Wintersaison nicht zu tun. Im Herbst 1989, Luzy feiert mit Freunden ihren 50. Geburtstag, als ein heftiger Sturm über Amrum aufzieht, wird die beschauliche Inselidylle jäh gestört. Mit der letzten Fähre landen fünf bis auf die Zähne bewaffnete Killer auf der Insel und es kommt zu einer Reihe von Morden. Luzy sieht sich gezwungen, in ihre Vergangenheit zurückzukehren. Denn was auf Amrum niemand ahnt, sie war einst eine top ausgebildete Mitarbeiterin des BKA und Personenschützerin, die sich nach einem desaströs verlaufenem Einsatz in Israel, zurückgezogen hatte. Der damalige Drahtzieher der Terroraktion, die ihr Leben zerstörte, war Hagen List, genannt Babel. Dieser ließ Luzy damals hochmütig am Leben. Mittlerweile gilt der gefährlichste Terrorist der Welt als tot.
»Wahre Macht über Leben und Tod hast du nur, wenn du dann und wann jemandem erlaubst, fürs Erste weiterzuatmen.“ Auszug Seite 127
Als Luzy einen Hinweis auf „Babel“ als Verantwortlichen des Killerkommandos bekommt, verlässt sie nach acht Jahren die Insel und macht sich auf den Weg, um den Totgeglaubten endlich zur Strecke zu bringen. Um es mit den Gegnern von damals aufzunehmen, reist Luzy nach Berlin, um sich von Yosef, ihrem früheren Krav-Maga-Trainer in die körperliche Form ihrer früheren Karriere bringen zu lassen. In Berlin bekommt sie hautnah den Mauerfall mit, als sich 1989 die Grenzen öffnen. Während die Ostdeutschen in den Westen strömen, kämpft sich Ex-Agentin Luzy ins Stasiarchiv. In alten Stasi-Akten findet sie den Beweis, dass Babel überlebt hat und für unzählige Anschläge verantwortlich ist. Mit den dort enthaltenen Informationen führt sie die Jagd quer durch Europa, von Berlin nach Wien, Israel und Südfrankreich.
„Vielleicht begegnen wir uns wieder und finden dann heraus, wer von uns beiden kälter ist. Was meinen Sie: Sind Sie kälter als ich?“ Auszug Seite 138
Gemächlicher Anfang für einen Thriller von Andreas Pflüger, aber keine Sorge, nach ca. fünfzig Seiten bricht die Hölle los und das Inselidyll wird nach allen Regeln der Kunst zerlegt. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges entfaltet sich der furiose Agententhriller mit einer viele Haken schlagenden Handlung, aufgrund des persönlichen Rache-Plots wird es auch emotional mit Thematisierung seelischer Abgründe. Typisch für Pflüger steht wieder eine weibliche Heldin im Fokus, eine kaltblütige Killermaschine, die zwischen den Welten steht, sich aber nach Normalität, nach der „Welt der Anderen“ sehnt und der der Autor sogar eine Romanze gönnt. Ein Thriller und ein akribisch recherchiertes Stück Zeitgeschichte, der aufgrund der Verwicklungen und Doppelidentitäten der Geheimdienstler komplex ist, voller Tempo sowie brillant durch Pflügers unverwechselbare Sprache, die besonders in den wortwitzigen, knappen Dialogen aufblitzt. Kopfkino entsteht bei den mit hohem Bodycount virtuos choreografierten Actionszenen, die mit vielen augenzwinkernden Stellen wieder gebrochen werden. Alle Orte, wie die sturmumtoste Nordseeinsel, das Ausbildungscamp in der israelischen Negev-Wüste, das Riesenrad am Wiener Prater oder die Berliner Mauer werden lebendig und präzise beschrieben. Dazu sind die 80er Jahre stets greifbar, die Angst vor der RAF allgegenwärtig.
Es gibt auch ein Wiedersehen mit Figuren, die man bereits aus anderen Pflüger-Romanen kennt, etwa den BKA-Präsidenten Richard Wolf, aber auch Nina Winter und Rem Kukura spielen eine kleine Rolle. Selbst Jenny Aaron taucht als achtjähriges Kind in einem Cameo-Auftritt auf. Das Design des Romans ist im gleichen Stil wie „Wie Sterben geht“ designt und spricht mich sehr an. Andreas Pflüger hat mal wieder gezeigt, dass er in einer ganz eigenen Liga spielt.
- Jürgen Zwilling
Gedichte, Gedanken, ein Plädoyer für die Freiheit
(61)Aktuelle Rezension von: SACHBUCHFANFREIHEIT UND IDEOLOGIE
* ANTHOLOGIE *
Ein RECHTSSTAAT
SOZIALISMUS
MEINUNGSFREIHEIT
DEMOKRATIE
BESITZSTAND
EUROPA
Das ALLES und MEHR über FREIHEIT und IDEOLOGIE im POLITISCHEN SINN betrachtet .
Ein INTERESSANTES und LEHRREICHES BUCH , das zum NACHDENKEN ANREGT .
Im Buch gibt es auch ein paar Fotos .
- Loel Zwecker
Vom Anfang bis heute
(19)Aktuelle Rezension von: WolfhoundLoel Zwecker komprimiert uns hier die Weltgeschichte auf unter 500 Seiten.
Dabei schafft er es durch seinen Schreibstil, aber auch durch vereinzelt eingestreute unnütze Anekdoten, den manchmal doch recht trockenen Geschichtsaspekt aufzulockern. An einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln oder auch Lachen nicht verkneifen.
Die Themen sind gut aufgearbeitet und machen auch Spaß. So bekommt man einen schönen knackig kurzen Einblick in vielen Aspekte unserer Geschichte.
Jedoch werden auch hier (unvermeidbare?!) Schwerpunkte wie z. b. die französische Revolution gesetzt und andere Bereiche werden nur angerissen. So werden Jahrhunderte der afrikanischen Geschichte nur wenige Seiten.
Auf der anderen Seite sind so schwierige Themen wie Rassismus und die Kolonialisierung meiner Meinung nach gut dargestellt und aufgearbeitet.
Leider ist der lockere, moderne Stil des Buches auch auf einigen Strecken etwas anstrengend und die Coolness und der Humor wirken zu gewollt, was mir zum Ende hin den Lesespaß etwas verhagelt hat. Dennoch ist es ein absolut lesenswertes Buch, aus dem man einiges mitnehmen kann und das mein Wissen in einigen Belangen doch wieder sehr aufgefrischt hat
- Judith Frege
Ist denn nicht zufällig Sonntag?
(7)Aktuelle Rezension von: LaMenschZoe ist Ballerina. Wir schreiben das Jahr 1989. Sie hat eine Anstellung am Westberliner Theater. Doch sie hat in den Theaterferien nicht trainiert. Es mangelt ihr an Motivation, denn sie bekommt doch immer nur die undankbaren Rollen, zum Beispiel als Schwan in Schwanensee. Doch das soll sich ändern, denn ein neuer Regisseur soll ein neues Ballettstück, dass das Highlight der Saison werden soll für das Westberliner Theater kreieren. Doch seine Arbeitsweisen sind anders, als die die der aktuelle Direktor kennt. Er mag es nicht, wenn man sich nicht seinen Anweisungen beugt. Doch der neue Regisseur scheint ein gutes Händchen zu haben, vor allem was die Besetzung des Stückes anbetrifft.
Dieses Buch ist nicht zum entspannen gedacht, man muss definitiv aktiv dabei bleiben um nicht einige wichtige Dinge der Handlung zu überlesen. Die Charaktere und ihre Darstellung finde ich im allgemeinen gut gelungen, dennoch fehlt mir teilweise die Tiefe und das Gefühl. Dieses Buch stellt hauptsächlich den Wandel der einzelnen Protagonisten dar. Auch historische Fakten sind sehr gut eingearbeitet. Man bekommt ein Bild davon, wie man um 1989 in Westberlin und zur gleichen Zeit in Ost Berlin gelebt hat. Der direkte Vergleich ist gut dargestellt finde ich. Die Handlung an sich wäre ohne die gut dargestellten historischen Ereignisse glaube ich nur halb so gut, es ist jetzt nicht die Ultra actionsreiche und abenteuerliche Geschichte die manch einer erwartet, es ist eher gesagt eine Handlung, welche die Charaktere wie schon erwähnt zu Veränderungen treibt und historische Ereignisse formen diese Veränderungen mit. Menschen die auf solche Handlungen in Büchern Wert legen werden mit diesem Buch rundum zufrieden sein.
Ich persönlich vermisste die Tiefe, das Gefühl und ein bisschen die Spannung, kann aber trotzdem sagen, dass das Buch mich unterhalten hat und mir einige historische Fakten nähergebracht hat als jeder Geschichtsunterricht in der Schule. Ich vergebe dafür 4 von 5 Sternen und sage weiter so! - Beate Sauer
Glücklich sind die Mutigen
(16)Aktuelle Rezension von: LeseraupeDer 3. und (vorerst?) letzte Teil der Romanreihe um die Fernsehschwestern macht einen Riesensatz vorwärts und startet zwei Jahrzehnte nach dem 2. Teil. Beate Sauer nutzt diesen Zeitsprung, um die Geschichte zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung spielen zu lassen. Dabei ist es spannend zu lesen, welchen beruflichen und privaten Werdegang die drei liebgewonnenen Schwestern Eva, Franka und Lilly haben. Außerdem bekommt die neue Generation, vor allem Frankas Tochter Joan eine tragende Rolle.
Sehr gut gefallen hat mir, dass ein Handlungsfaden, der seit dem ersten Band umherflattert und die Mutter Annemie umtreibt, nun endlich weitergesponnen wird.
Mehr als ein unschönes Thema, das mit der Welt des Showbusiness einhergeht, wird in den Mittelpunkt dieses Romans gestellt. Beate Sauer findet genau den richtigen Ton, um Spannung, Betroffenheit und Auswege in einen möglichst authentischen Kontext zu bringen.
Für internationales Flair sorgen wieder die eine oder andere große Reise der Frauen.
Alles in allem ist "Glücklich sind die Mutigen" wieder ein Unterhaltungsroman der Spitzenklasse!
- Harald Martenstein
Schwarzes Gold aus Warnemünde
(19)Aktuelle Rezension von: pardenEIN SATIRISCHER GEGENENTWURF...
Im Herbst 1989 wird nahe der DDR-Ostseeküste ein riesiges Ölvorkommen entdeckt. Die DDR überlebt nicht nur - sie ist sogar plötzlich das reichste Land der Welt. Alles ist Gold. Wirklich alles? Nein! Zwei unerschrockene Undercover-Reporter - der Westdeutsche Martenstein und der systemkritische DDR-Bürger Peuckert - entlarven die Schattenseiten des Petro-Sozialismus. Ganz oben und ganz unten.
Hier wird der Lauf der Geschichte einfach umgeschrieben: das Buch erzählt von einer DDR, die 1990 nicht untergegangen ist, sondern als reiche Ölnation weiterexistiert. Westdeutsche Gastarbeiter erledigen die Drecksarbeit, und das Leben vieler Prominenter ist ein bisschen anders verlaufen: Angela Merkel floh nach New York, nachdem sie in Bautzen inhaftiert war - ihr größtes Problem in der DDR war, dass es dort keinen vernünftigen Joghurt gab. Karl-Theodor Guttenberg legte seinen Adelstitel ab, um Wirtschaftsminister in Ost-Berlin werden zu können. Hartmut Mehdorn lehnte den Posten als Vorsitzender der Deutschen Bahn in der BRD ab und wurde statt dessen Vorsitzender des Computerkonzerns Robotron in Dresden. Gregor Gysi kümmert sich als Kulturminister des SED-Staats um die Neuverfilmung von DDR-Klassikern (wie beispielsweise 'Paul und Paula' mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet) und gibt unterhaltsame Interviews, in denen er im Grunde nichts sagt. Und Kati Witt präsentiert sich als männermordender Vamp mit einem Näschen fürs große Geld und moderiert gemeinsam mit Kai Pflaume das Ost-Dschungelcamp auf Kuba.
"Erdöl ist der Betriebsstoff der modernen Zivilisation, der sagenhafte Goldschatz im Untergrund, die Quelle des großen Weltenbrandes. Wegen ihres Ölreichtums ist die DDR heute in gewaltige Entscheidungsschlachten involviert. Entfesselte Naturenergie contra zähmend-maßvolle Menschenkraft, weltenstürzende Besitzgier versus weltenbauende Liebe. Aber das Land will von all dem nichts wissen." (S. 177 f.)
Die erste Enttäuschung beim Lesen kam bereits realtiv zu Beginn des Buches. Denn hier handelt es sich nicht wie von mir erwartet um einen Roman, sondern eher um eine Aneinanderreihung loser miteinander verknüpfter Beiträge in der Art einer Zeitungskolumne. Positiv zu vermerken ist, dass man den beiden Autoren attestieren muss, dass sie über ein hohes Maß an Phantasie verfügen und ihren satirischen Gegenentwurf zur Entwicklung nach dem Mauerfall konsequent durchdacht haben. Selbst die Vita der Autoren wurde auf die veränderten Ereignisse hin abgestimmt. Manche der geschilderten Ereignisse und Begegnungen waren auch ganz unterhaltsam, doch den Großteil der Berichterstattung fand ich eher anstrengend oder auch langweilig zu lesen (s. auch das Zitat). So legte ich das Buch auch nach jedem Kapitel erst einmal wieder weg, wodurch sich die Lektüre ungewohnt in die Länge zog.
Erwartet hatte ich eine intelligente Satire. Bekommen habe ich weniger eine Vision von etwas, sondern eher eine lose Anhäufung von Gags, die großteils von ihrem (berühmten) Personal leben à la 'Was wurde aus der und dem in der dieser DDR'? Vereinzelt wären die Artikel ganz unterhaltsam gewesen, aber in der Summe war es einfach too much. Sorry.
© Parden
- Nicolas Remin
Sophies Tagebuch
(18)Aktuelle Rezension von: Ann-ChristinSDa ich gerne Romane mit historischem Hintergrund lese, konnte ich an diesem Roman nicht vorbeigehen, denn diese Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen wird Erikas Geschichte um den Fall der Berliner Mauer erzählt und die Geschichte ihrer Mutter Sophie, in Form von Tagebucheinträgen, im Zeitraum 1938-1945. Leider begann die Geschichte für mich recht zäh. Erika war mir nicht wirklich sympathisch und blieb auch den ganzen Roman für mich hindurch recht distanziert. Ihre Mutter, die der Leser nur in Form ihrer Tagebucheinträge kennenlernt, hingegen strotzt, trotz der nicht mehr zu leugnenden Judenverfolgung, nur so vor Naivität. Oftmals musste ich mit den Augen rollen oder einfach nur den Kopf schütteln. Doch Sophie wandelt sich, je länger der Krieg dauert und sie wird erwachsen. Ein Thema blieb aber bei beiden Figuren immer: Kosmetik und Kleidung. Beides schien dem Autor für die Charaktere wichtig zu sein…Spannung kam für mich erst ab der Mitte des Buches auf, als Erika immer mehr in den Tagebüchern ihrer Mutter liest und somit tiefer in die Vergangenheit ihrer Eltern eintaucht. Es tauchen immer wieder neue Verwirrungen um den ehemaligen Schulfreund des Vaters auf. Da dieser Teil der Geschichte viel Raum benötigt, fällt leider der zweite historische Punkt des Romans etwas klein aus. Der Fall der Berliner Mauer wird immer mal wieder nur kurz thematisiert. Evtl. hätte der Autor sich nur auf ein historisches Ereignis konzentrieren sollen, denn Erikas Geschichte hätte auch gut zu einer anderen Zeit spielen können. Zum Ende hin, wird es dann nochmals spannend. Schade fand ich, dass es der Autor nicht geschafft hat, diese Spannung konstant zu halten. Es war immer ein auf und ab und so hatte dieser Roman auch einige Längen.
Fazit: Eine Familiengeschichte, die von den Tagebucheinträgen der Mutter getragen wird.
- Nick Lubens
Heavy Metal
(15)Aktuelle Rezension von: Melanie-SchultzHeavy Metal von Nick Lubens
Inhalt: (übernommen)
Weit weg von Mauer, Stacheldraht, der Politprominenz in Berlin und den politischen Aktionen der anwachsenden Opposition in der Hauptstadt der DDR und in Leipzig gründen vier Zehntklässler in der Provinz eine Heavy Metal-Band. Was als Akt jugendlicher Experimentierfreude und pubertärer Rebellion gegen die starren Regeln der Gesellschaft beginnt, wächst den vier jungen Männern schon bald über den Kopf. Unversehens geraten sie in das Visier der Staatsorgane und setzen ihre Zukunftsaussichten im sozialistischen Arbeiter- und Bauernparadies aufs Spiel. Und zu allem Überfluss gibt es da noch die Verlockungen dieses faszinierenden anderen Geschlechts...
Man kommt wirklich sehr gut in die Geschichte rein. Der lockere und flüssige Schreibstil des Autors hat mir sehr gut gefallen.
Die Protagonisten werden super gut beschrieben. Man konnte wirklich mit ihnen fühlen, sich in sie hineinversetzen. Die Ich-Erzählung rundet das ganze noch ab.
Man bekommt viele Infos zum letzten Jahr in der DDR, vor allem als Westdeutscher.
Der Humor kommt auch nicht zu kurz. Ich musste wirklich über einige Kommentare der Protagonisten lachen.
Ich kann das Buch nur wirklich jedem uneingeschränkt weiterempfehlen. Ich vergebe super gerne 5 STERNE dafür und werde es bestimmt noch einmal lesen.
- Karen Sander
Der Sturm: Vergraben
(126)Aktuelle Rezension von: Melanie_LudwigInhalt
Bei einer Sturmflut auf dem Darß bricht ein Stück der Steilküste weg, und die Gebeine einer Frau werden freigelegt. Noch während die Überreste geborgen werden, entdecken die Kriminaltechniker ein zweites Skelett. Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt und sein Team vermuten, dass es sich bei den beiden Toten um Opfer des sogenannten Darß-Rippers handeln könnte, der im Sommer 1989 auf der Halbinsel mehrere Liebespaare brutal ermordete. Die Mordserie endete mit dem Fall der Mauer, der Täter wurde nie gefasst.
Eine CD, die ebenfalls am Fundort entdeckt wird, soll Hinweise geben, doch die Daten darauf sind schwer beschädigt. Die Kryptologin Mascha Krieger wird hinzugezogen. Als sie erfährt, dass ihr Vater damals an der Suche nach dem Darß-Ripper beteiligt war, kommt ihr ein ungeheuerlicher Verdacht …
Fazit
Wieder ein spannendes Buch mit alten Bekannten. Es ist ein offenes Ende. Tom und marscha ermittelt wieder diesmal zwei Leichenpaare. Außerdem gibt es eine Stalker. Und eine Polizistin wird entführt aber nicht vermisst.von mir gibt es eine klare Weiterempfehlung
- Katja Hildebrand
Zwischen uns die Mauer
(23)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderKatja reist im Jahre 1984 zum ersten mal nach Ostberlin. Dort trifft sie Markus. Sie ist fasziniert, beeindruckt und auch schwer verliebt. Sie erleben ein paar wunderschöne Tage und als sie dann wieder abreisen muss, fangen die Beiden an sich Briefe zu schreiben. Immer wieder reist Katja nach Ostberlin, aber die Mauer dazwischen und das ganz hin und her, lassen die Beziehung dann nach neun Monaten scheitern. Was den Beiden bleibt ist eine Brieffreundschaft die nicht aufhört. Dann im Jahre 1989 fällt die Mauer und die Beiden stehen sich zum ersten mal seit Jahren wieder gegenüber. Eine spannende, eine wahre Geschichte und somit ein Dokument unserer Zeit.























