Bücher mit dem Tag "medizingeschichte"

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40 Bücher

  1. Cover des Buches Runas Schweigen (ISBN: 9783734106132)
    Vera Buck

    Runas Schweigen

    (232)
    Aktuelle Rezension von: Kitty_Catina

    Eigentlich hat mich dieses Buch nie wirklich interessiert, bis es dieses dann als Mängelexemplar zu kaufen gab und die Buchkaufsucht zugeschlagen hat. Kein Wunder, dass es deshalb auch so lange ungelesen im Regal stand. Nun war es aber Zeit für die Lektüre dieses doch schon besonderen Werkes, welches ich einerseits schon interessant und streckenweise recht spannend fand, welches aber gerade am Anfang leider lange brauchte, um in Fahrt zu kommen und auch ansonsten einige Dinge an sich hatte, die mir nicht so gut gefallen haben.

    Man begibt sich mit diesem Roman ins Paris des Jahres 1884, wo der junge Medizinstudent Jori versucht, Heilung für seine heimliche Liebe Pauline zu finden. Ihn begleitet man dann auch größtenteils durch die Geschichte, wobei es sehr medizinisch wird, aber nicht so, wie wir es heute kennen, sondern teilweise auf sehr makabere, teils schon bösartige Weise. Gerade Dr. Charcot war dabei ein Beispiel für Machtgehabe und fehlende Liebe für den Mitmenschen, was mich extrem sauer und traurig gemacht hat, zumal der Roman sich sehr an der Realität entlang schlängelt. Vieles, was man hier erfährt, gab es zu dieser Zeit wirklich und obwohl ich davon bereits wusste, hat es mich teilweise sprachlos gemacht. 

    Jori ist dabei ein Charakter, von dem ich nicht so richtig wusste, was ich von ihm halten soll. Einerseits will er unbedingt Pauline retten, will wirklich heilen und scheint eigentlich kein schlechter Kerl zu sein. Andererseits scheint er manchmal etwas schwer von Begriff und macht vieles mit, was er eigentlich nicht tun sollte. Dennoch zeigt er wenigstens ein Gewissen und im Laufe der Geschichte entwickelt er sich weiter. Auch zu Runa entwickelt er eine fast schon liebevolle Beziehung.

    Doch wer denkt, dass Jori, der eigentlich Johann Richard Hell heißt, die einzige wichtige Person in diesem Buch ist, der täuscht sich, denn dieses wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, allesamt aus der personellen Sicht, bis auf einen Fall, was im Endeffekt eine tiefere Bedeutung hat. Aber kommen wir erst einmal zu den anderen Charakteren. 

    Da ist zum Beispiel der ehemalige Polizist Lecoq, der sich selbst als Verbrecher betitelt, aber durch einen alten Bekannten auf einen Fall angesetzt wird, der ihn, ohne, dass er es selbst merkt, immer mehr in die Machenschaften rund um Jori, die Salpêtrière und Runa verwickelt. Außerdem gibt es die beiden Kinder Isabelle und Frédéric, die sich mehr oder weniger mit Lecoq anfreunden und ihm helfen. Und dann ist da noch Maxime, der einzige Ich-Erzähler in diesem Buch, der mit der eigentlichen Geschichte gar nicht so viel zu tun hat, aber dennoch im Großen und Ganzen eine wichtige Rolle spielt. Hier will ich aber nicht zu viel verraten.

    Am Wichtigsten ist aber die Figur, die hier im Mittelpunkt steht und das ist natürlich Runa selbst, von der man anfangs gar nicht allzu viel erfährt und die mehr wie ein großes Rätsel wirkt. Dieses Mädchen ist besonders, scheint aggressiv und unnahbar, redet nicht und interagiert auch nicht wirklich. Dafür aber gibt es an verschiedenen Orten mysteriöse Botschaften, welche nach und nach mehr und mehr Sinn ergeben und ein Stück weit erklären, warum Runa so ist, wie sie ist. Leider wird aber nie alles ganz aufgeklärt und es bleiben am Ende viele Fragen offen, was ich echt schade fand.

    Alles in allem begann dieser Roman sehr langsam. Schon allein, bis Runa tatsächlich auftauchte, dauerte es um die hundert Seiten und selbst dann kam die Geschichte nur allmählich in Fahrt. Irgendwann wurde es allerdings echt spannend und ich habe auf eine allumfassende Auflösung hin gefiebert, was es mit Runa und ihrem Verhalten auf sich hat, was eben nicht so kam, wie erwartet. Dafür war das Buch aber wirklich gut geschrieben und bis auf das Medizinische und die französischen Namen ließ es sich flüssig lesen. Ob ich es empfehlen würde, kann ich aber nicht wirklich sagen, da es eben nicht schlecht war, mich aber auch nicht umgehauen hat. Dennoch wird die Geschichte sicher in meinem Kopf bleiben, weil sie doch recht einprägsam und besonders ist.


  2. Cover des Buches Die Charité: Hoffnung und Schicksal (ISBN: 9783499274527)
    Ulrike Schweikert

    Die Charité: Hoffnung und Schicksal

    (322)
    Aktuelle Rezension von: Nira_cole

    Als Krankenschwester interessiert mich jede form der Historischen Geschichten im Bereich der Medizin. Um so schöner war es die Charite zu Lesen und zu erfahren wie sie versuchen Verschiedene Krankenheiten in der Damaligen Zeit zu bekämpfen. Es ist toll geschrieben und auch für Leute die keine Ahnung von Medizin haben super nachvollziehbar. Wer wissen will wie es früher war sollte diese Bücher lesen. Alle Toll

  3. Cover des Buches Der Horror der frühen Medizin: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner (suhrkamp taschenbuch) (ISBN: 9783518470589)
    Lindsey Fitzharris

    Der Horror der frühen Medizin: Joseph Listers Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber & Knochenklempner (suhrkamp taschenbuch)

    (177)
    Aktuelle Rezension von: xdexx7

    Kurzbeschreibung: In dem Buch geht es um die Karriere des englischen Chirurgen Joseph Lister. Er wurde dadurch bekannt, dass er als einer der ersten Chirurgen die Lehre der Desinfektion vertrat. Anders wie seine Kollegen, befasste er sich mit der hohen Sterblichkeit der Patienten und versuchte dieser entgegenzuwirken. Das dieses Unterfangen nicht von Anfang an mir Erfolg gesehnt war ist voll klar. Trotz aller Kritik und Gegenwehr, gelang es im eine wirksame Methode zur Desinfektion von Mensch, Wunde und Material zu finden und seine verdiente Reputation zu erlangen.

    Meinung: Meiner Meinung nach ist der Titel etwas schlecht gewählt. Der Titel besagt, dass es um den Horror der frühen Medizin geht, dabei geht es aber um einen Chirurgen die zu dieser Zeit nicht mal als Mediziner angesehen wurden. Der Untertitel macht genau so Probleme, dieser suggeriert mir, dass Joseph Lister aktiv gegen Kurpfuscher, Quacksalber und Knochenklempner vorgegangen. Dies ist jedoch überhaupt nicht der Fall. Er hat "nur" eine neue Methodik zur Desinfizierung entwickelt und hat sich somit mit alteingesessenen Medizinern angelegt. Diese waren nämlich der Meinung, dass seine Lehre und Methodik unnötig und falsch sei.

    Fazit: Erwarten sie sich keine Veranschaulichung von Horrorgeschichte über die frühere Medizin des 19. Jahrhunderts. Es geht hier eher um die Revolution der Arbeitsweise der damaligen Chirurgen und wie diese sich auf die Zukunft der Schulmedizin ausgewirkt hat. Trotz allem muss ich sagen, dass es ein sehr unterhaltsames Buch ist, welches sich schnell, spaßig und unkompliziert lesen lässt. Lässt sich auch gut mit dem zweiten Buch "Der Horror der frühen Chirurgie" kombinieren.

  4. Cover des Buches 1918 - Die Welt im Fieber (ISBN: 9783446258488)
    Laura Spinney

    1918 - Die Welt im Fieber

    (21)
    Aktuelle Rezension von: NiWa

    Als der Erste Weltkrieg sein Ende fand, trat die nächste Katastrophe durch die Tür: An der Spanischen Grippe ist ein Drittel der Weltbevölkerung erkrankt. Obwohl diese Pandemie todbringender als der Große Krieg war, scheint sie verdrängt, ausgeklammert und maximal als Fußnote in Geschichtsbüchern zu stehen. Laura Spinney erlaubt einen umfassenden Blick auf eine Zeit, die den Ereignissen von 2020 sehr ähnlich ist. 

    „1918 - Die Welt im Fieber“ ist ein Sachbuch, das sich mit der Spanischen Grippe auseinandersetzt.

    Ich habe mich von jeher für Viren, Epidemien und Pandemien interessiert. Daher stand es für mich außer Frage, dass ich mehr über die Spanische Grippe erfahren möchte. Allerdings ist mein Interesse niemals so weit gegangen, dass ich unbedingt selbst an so einem Weltereignis teilnehmen wollte. 

    Wichtig und bemerkenswert ist, dass dieses Buch 2018 veröffentlicht wurde und daher von den Gegebenheiten rund um die Corona-Pandemie nicht beeinflusst ist. 

    Laura Spinney erschafft ein umfassendes Bild der Spanischen Grippe. Sie erzählt, wie diese Krankheit in die Welt kam und wie sie sich ausgebreitet hat. Dazu geht sie auf viele Theorien und die Wirren der Kriegszeiten ein. Sie beleuchtet unterschiedliche Wege, wie sich die Grippe über die Welt verbreitet hat, führt Belege an und stellt dar, was gegen die genannten Thesen spricht. 

    Sie erzählt, wie die Krankheit zu ihrem Namen kam und warum die Spanier wenig begeistert von der Namensgebung sind. Außerdem beschreibt sie, welche Herausforderung die Pandemie für die Mediziner war und mit welchen mythischen Riten sich die Bevölkerung davor zu schützen gedachte.

    Zudem jagt sie Patient null, der bis heute nicht eindeutig identifizierbar ist. Es wird von bösen Geistern und guten Samaritern erzählt, welche Rolle der Krieg einnahm und wie sich die Gesellschaft trotz oder wegen der Grippe aus dem Nachkriegselend erhob. Zum Ende werden die Toten gezählt und wie die Erinnerung an sie aus unserem sozialen Gedächtnis verschwunden ist. 

    Meiner Ansicht nach ist dieses Werk ausgezeichnet aufbereitet. Die Kapitel greifen ineinander und Spinney baut logisch den Ablauf und die Konsequenzen der Spanischen Grippe auf. Sämtliche Theorien sind mit ihrer Herkunft belegt, sie werden diskutiert und die Autorin veranschaulicht, dass der gesamte Ablauf niemals vollständig rekonstruiert werden wird.

    Mich haben vor allem die damaligen politischen und gesellschaftlichen Reaktionen auf die Seuche interessiert. Mit offenen Mund habe ich von Maßnahmen gelesen, die mittlerweile jeder aus erster Hand kennt: Quarantäne, Lockdown, Mundschutz - um nur einige zu nennen.

    Die Parallelen enden damit nicht, denn der Mensch von damals hat ähnlich wie sein moderner Nachkomme reagiert:

    „1918 fragten sich die Menschen in den Entente-Staaten, wenn sie zu den vom deutschen Pharmahersteller Bayer produzierten Aspirinschachteln griffen, ob in den Tabletten wirklich nur Aspirin enthalten war.“ (S. 89, eBook)

    „Andere wiederum hatten den Verdacht, die Grippe gehe auf ein Geheimprogramm biologischer Kriegsführung zurück (...)“ (S. 88 - 89, eBook)

    Genauso verbreitet war der ignorante Bevölkerungsanteil, der sich damals wie heute zeigt:

    „ (…) zum Beispiel die mangelnde Einsicht, dass ein Infizierter, der sich frei bewegte, die Krankheit weiterverbreitete.“ (S. 96, eBook)

    Nach der Lektüre finde ich es schade, dass wir Menschen wenig aus der Vergangenheit lernen, denn wenn die Spanische Grippe und hoffentlich bald Corona hinter uns liegen, ist es sicher, dass es nicht die letzte Pandemie gewesen ist: 

    „Eine 2016 von der Commission on Creating a Global Health Risk Framework for the Future (GHRF) - einer unabhängigen internationalen Expertengruppe, einberufen von der amerikanischen National Academy of Medicine - veröffentlichter Bericht gelangt zu der Einschätzung, dass es im Lauf der nächsten hundert Jahre mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit vier oder mehr Pandemien geben werde (…).“ (S. 309 - 310, eBook)

    „1918 - Die Welt im Fieber“ ist ein interessantes Sachbuch, das in unserer Gegenwart aktuell besonderes Augenmerk verdient. Meiner Meinung nach sollte es bei Interesse unbedingt gelesen werden, weil es den Blick für unser gegenwärtiges Leben und Entwicklungen schärft und sogar ein wenig hoffnungsvoll stimmt. 

  5. Cover des Buches Die Ärztin - Das Licht der Welt (ISBN: 9783499273995)
    Helene Sommerfeld

    Die Ärztin - Das Licht der Welt

    (149)
    Aktuelle Rezension von: Laura-Sonnenblume

    Ricardas Geschichte beginnt 1876 als sie, mit nur 13 Jahren, der Grafentochter das Leben rettet. Als Dank nimmt sie die Komtess, die  Ärztin ist, mit nach Berlin und ermöglicht ihr so eine bessere Schulbildung. Ricarda erkennt schnell die Missstände vor allem in den ärmeren Vierteln in Berlin und wünscht sich schon bald selbst als Ärztin zu arbeiten und diesen Menschen helfen zu können. Doch sie ist eine Frau...

    Ricarda ist eine sehr starke Protagonistin, die für das kämpft, was sie sich erträumt. An einigen Stellen kam mir dieses "Kämpferische" und "Eigenständige" aber leicht unrealistisch vor. Ich konnte auch teilweise einige Entscheidungen von ihr nicht nachvollziehen. 

    Trotz dieser kleinen Kritikpunkte mag ich Ricarda als Charakter und fand es schön sie auf ihrer "Reise" zu begleiten.

    Dieses Buch beschäftigt sich auf sehr schöner Art und Weise mit Frauenrechten, Zuständen in der Medizin und Zuständen in den ärmeren Vierteln Berlins. Diese Mischung in Kombination mit einem flüssigen Schreibstil, machen dieses Buch absolut lesenswert.

  6. Cover des Buches Die Formel der Hoffnung (ISBN: 9783596708833)
    Lynn Cullen

    Die Formel der Hoffnung

    (123)
    Aktuelle Rezension von: Stephanie_Ruh

    Das Dr. D.M. Horstmann eine Frau ist, hat der Chefarzt des Vanderbilt-Hospitals übersehen. Zum Glück für Dorothy Horstmann. In den 1940er Jahren ist es in den USA schwierig, eine Ärztin zu sein. Auch wenn man sehr groß ist. Aber Dorothy geht ihren Weg, denn sie hat das Ziel, das Polio-Virus zu besiegen und keine Kinder mehr deshalb sterben zu sehen.

    Das Cover zeigt hauptsächlich den Oberkörper einer Frau sowie den unteren Teil eines Frauengesichtes, das Bild ist durch Puzzleteile etwas interessanter gestaltet und von der schwarzen Schrift des Titels "Die Formel der Hoffnung" bedeckt. Eine große, blonde Frau im Arztkittel, die kleinere Männer überragt, hätte ich zum Buch passend gefunden.

    Lynn Cullen hat eine Romanbiografie über Dorothy Horstmann geschrieben, der Frau, die in der Entwicklung und Verbreitung des Polio-Impfstoffes involviert war. An sich bereits ein spannendes Thema, ich habe so viel Neues über Polio gelernt! Lynn Cullen schreibt spannend und unterhaltsam, das Buch hat mich von Anfang bis Ende durchweg unterhalten und, im positiven Sinne, belehrt. Ich mag Bücher, die Wissen unterhaltsam vermitteln und sich gleichzeitig kritisch mit der entsprechenden Zeit beschäftigen, wie hier mit Problemen, die Frauen in dieser Zeit ausgesetzt waren und die von den meisten als ganz normal empfunden wurden. Eine klare Leseempfehlung von mir für alle, die auf unterhaltsame Weise etwas lernen wollen.

  7. Cover des Buches Die Tinktur des Todes (ISBN: 9783866124721)
    Ambrose Parry

    Die Tinktur des Todes

    (156)
    Aktuelle Rezension von: Barbara251

    Zu Beginn habe ich mit den Figuren etwas gehadert, vor allem mit dem Protagonisten, aber ich bin froh das Buch weiter gehört zu haben.

    Der Protagonist heißt Will Raven und ist ausgebildeter Mediziner. Zu Beginn der Geschichte fängt er als mittelloser Hilfsarzt bei dem renommierten Dr. Simpson in Edinburgh an zu arbeiten. Er ist auf Geburten spezialisiert und forscht an neuen Wegen diese für die Frauen leichter zu machen, indem er Anästhetika einsetzt. Bei seiner Arbeit wird er vor allem durch weitere Ärzte unterstützt, aber auch durch Sarah. Sie ist als Hausmädchen bei ihm angestellt, in ihr regt sich jedoch Widerstand gegen ihre Aufgaben, da sie sich eigentlich ebenfalls für die Themen der Ärzte interessiert. Immer wieder kommt sie wegen ihrer Neugierde und Forschheit deshalb auch mit Will in Konflikt.

    Während Will an der Seite von Dr. Simpson seine praktischen Fähigkeiten verbessert, geht in der Stadt ein Mörder um. Mehrere Frauen fallen ihm zum Opfer – und aus persönlichem Interesse forschen sowohl Will als auch Sarah nach, weshalb sie sterben mussten. 

    Der Schreibstil wechselt zwischen durchaus anspruchsvollen und etwas leichteren Passagen, welche die Handlung vorantreiben. Erstere beinhalten vor allem viel Wissen zu historischen Aspekten der Geburt von Kindern und dem Einsatz von Anästhetikum. Das liegt vermutlich daran, dass ein Teil des Autorenduos hinter dem Pseudonym „Ambrose Parry“ ausgebildete Anästhesistin und Medizinhistorikerin ist. Durch eine ihrer wissenschaftlichen Arbeiten kam die Idee zum Buch, welches sie gemeinsam mit ihrem Mann umgesetzt hat. 

    Durch die Herkunft der Protagonisten aus einer eher niedriger gestellten Gesellschaftsschicht gibt es auch viele philosophische Gedanken zum Thema „Klasse“ und wie sehr diese Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Frauen noch den Zugang zu Bildung und Arbeit verwehrt hat. Die Gefühle und Motivation von Sarah finde ich hierbei sehr gut nachvollziehbar und so konnte ich ihr die ein oder andere „Frechheit“ besser vergeben als Will, der besonders zu Beginn vor allem einen sehr „geldversessenen“ Eindruck auf mich gemacht hat. Dieser Eindruck hat sich mit der Zeit allerdings gelegt und tatsächlich finde ich im Nachhinein, dass seine Entwicklung im Roman dadurch sogar noch besser zur Geltung kommt. Die Figuren haben ihre Fehler und Probleme – was sie realistischer wirken lässt als „klassische“ Gary Stu’s oder Mary Sue’s, die es meiner Meinung nach zu viel in der gegenwärtigen Literatur gibt. 

    Das Tempo der Geschichte wurde in vielen Rezensionen kritisiert, ich fand es jedoch sehr angenehm, weil ich ausführliche und detaillierte lieber mag als temporeiche Geschichten mit viel Action. Teilweise wurden jedoch wirklich sehr viele Geburten geschildert, was ja aber auch das „Hauptgeschäft“ des Protagonisten und seines Umfelds darstellt. Allgemein ist die Atmosphäre eher dunkel – der Jahreszeit (winterlich), den Themen (viel Tod & Leid) geschuldet ist. Trotzdem fand ich die Geschichte sehr spannend und an der ein oder anderen Stelle auch wirklich süß, wenn es um Gefühle und Romantik ging. 

    Die Geschichte regt dazu an sich mit den ethischen Aspekten des Arztseins und auch Medizingeschichte allgemein auseinander zu setzen.Wer sich für einen historischen Krimi im Medizinbereich, mit einem Hauch Gesellschaftskritik und einer kleinen Romanze begeistern kann, der ist bei diesem Buch richtig. Personen, die vielleicht Probleme mit den viel behandelten Themen rund um Geburten haben würde ich dagegen eher abraten das Buch zu lesen. 

  8. Cover des Buches Die Heilung der Welt (ISBN: 9783608965940)
    Ronald D. Gerste

    Die Heilung der Welt

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Schneeflamme

    „Die Heilung der Welt- Das Goldene Zeitalter der Medizin 1840-1914“ von Ronald D. Gerste mit der ISBN 9783608984095. Das 19. Jahrhundert gilt als goldenes Zeitalter der medizinischen Entwicklungen und war eine mega spannende Zeit. Der Autor bringt dem Leser Seuchen wie Pest, Pocken oder Cholera und Typhus näher, die Geißeln der vergangen Tage. Eine Verbindung von Medizin- und Weltgeschichte ist dem Autor gelungen. Und versetzt uns in die damalige Zeit. Es ist für Menschen, die sich mit Medizinhistorischen Dingen auseinander setzen und Serien wie Charite lieben.

  9. Cover des Buches Der Horror der frühen Chirurgie: Von der Autorin des Bestsellers »Der Horror der frühen Medizin« (suhrkamp taschenbuch) (ISBN: 9783518472798)
    Lindsey Fitzharris

    Der Horror der frühen Chirurgie: Von der Autorin des Bestsellers »Der Horror der frühen Medizin« (suhrkamp taschenbuch)

    (77)
    Aktuelle Rezension von: Kagali

    Lidsey Fitzharris nahm mich schon mal mit Der Horror der frühen Medizin mit, auf eine abenteuerliche Reise durch die Medizingeschichte (und ließ mich mehr als dankbar sein, im Zeitalter von Desinfektionsmittel, Penicillin und anderen Antibiotika zu leben). Daher war ich sehr neugierig auf ihr neustes Buch, in dem es dieses Mal um die Anfänge der plastischen Chirurgie geht.

    Eine Disziplin, geboren aus dem Terror des 1. Weltkrieges

    "Ab dem Moment, als an der Westfront das erste Maschinengewehr ratterte, stand eines fest: Die Fortschritte in der Militärtechnologie stellten die Medizin vor ungeahnte Herausforderungen."

    (Der Horror der frühen Chirurgie von Lindsey Fitzharris, Suhrkamp Verlag, 2022, S. 17)

    Wenn man Plastische Chirurgie heutzutage hört, denken die meisten Menschen zuerst an Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen, Lippen aufspritzen und Hautstraffungen, kurz an Schönheitsoperationen. Die Medizin im Dienst des schönen Scheins. Doch die Anfänge dieser Fachdiszplin liegen ganz woanders, an einem Ort der in etwas so weit weg von Schönheit war, wie das Ende der Milchstraße von unserer Erde, nämlich in den Schützengräben des 1. Weltkrieges. Als das Töten und Verstümmeln von Menschen zur automatisieren, technisierten Wissenschaft wurde, verloren tausende Soldaten auch dann ihr Leben, wenn sie nicht starben, nämlich vor allem dann, wenn Kugeln und Granatenspliter ihnen die Gesichter zerfetzten und zerstörten. Diese “Entstellten” stießen in der Heimat zumeist auf Ekel, Verachtung und Angst, wie es Autorin Lindsey Fitzharris treffend in ihrem Prolog beschreibt:

    "Anders als Amputierte wurden Männer mit entstellten Gesichtern nicht unbedingt als Helden gefeiert. Während ein fehlendes Bein Respekt und Mitgefühl auslöste, rief ein zerstörtes Gesicht häufig Ablehnung oder sogar Ekel hervor. […] Gesichtsverstümmelte Soldaten lebten nach der Heimkehr aus dem Krieg oft in selbstgewählter Isolation vor der Gesellschaft. […] Die Leben der betroffenen Soldaten waren oft so zerstört, wie ihre Gesichter. Ihrer Identität beraubt, wurden sie zum abschreckenden Symbol einer neuen mechanisierten Form der Kriegsführung […] die tragischsten aller Kriegsopfer, fremd sogar sich selbst."

    (Der Horror der frühen Chirurgie von Lindsey Fitzharris, Suhrkamp Verlag, 2022, S. 22ff.)

    Und diesem Leid versuchte der Chirurg Harold Gillies etwas entgegen zu setzten, indem er in kürzester Zeit die plastische Chirurgie um Meilen voranbrachte. Er rekonstruierte Nasen, schloss Löcher und Krater in Wangen, stellte ganze Kiefer wieder her und gab den Soldaten damit wieder eine Identität und auch wenn nicht immer alles perfekt lief, immerhin arbeitete er nahezu immer experimentell mit neuen Techniken, gab er ihnen vor allem eins: Hoffnung.

    Lindsey Fitzharris hat ihr Handwerk verbessert
    Kommen wir zum Literarischen. Wie bereits erwähnt, ist dies nicht meine erstes Buch von Lindsey Fitzharris. Ihr Debütwerk, Der Horror der frühen Medizin fand ich sehr spannend, aber man merkte schon, dass es ein Erstlingswerk von jemanden ist, der bisher viel wissenschaftlich gearbeitet hat. In dem Buch neigte Fitzharris zum Abschweifen, was damals mein Grund für einen Punkt Abzug war. Mit dieser Kritik war ich auch nicht allein und ich habe mich sehr gefreut, dass die Autorin sich diesen öfters genannten Kritikpunkt offenbar zu Herzen genommen hat, denn über Der Horror der frühen Chirurgie kann ich nur sagen: Es ist on point!

    Fitzharris schreibt weiterhin sehr mitreißend und unterhaltsam und dieses Mal bleibt der Fokus stets auf Harold Gillies, sein Schaffen und seine Patienten. Natürlich gibt es ergänzende Informationen zum 1. Weltkrieg und speziell der Versorgung der Verletzten, aber diese Hintergrundinformationen sind bei diesem Buch meinem Gefühl nach immer wirklich nützlich und informativ und ergänzen die Aussagen, statt abschweifend zu wirken. Wirklich eine tolle Verbesserung.

    Gleichzeitig bleibt die Autorin bei dem, was sie auch schon in ihrem Debütwerk großartig gemacht hat: Fakten und Medizingeschichte spannend erzählen. Indem sie Einzelschicksale beleuchtet und mit zahlreichen Tagebucheinträgen, Briefe etc., ergänzt, liest sich dieses Buch sehr bewegend. Es ist unvorstellbar, zu welchen Grausamkeiten Krieg führt, welches Leid selbst diejenigen widerfährt, die nicht im Schützengraben ihr Leben ließen. Fitzharris scheut sich nicht, diese absurde Brutalität ungeschönt zu schildern. Daher ist das Buch definitiv nichts für schwache Nerven und ich bin überzeugt, selbst die hartgesottesten ThrillerleserInnen und SplatterfimliebhaberInnen werden hier schlucken müssen, denn als LeserIn weiß man ja, das hier war real. Die im Buch erwähnten “Vorher-nachher” Fotoaufnahmen lassen sich problemlos finden (suchen auf eigene Gefahr) und es läuft einem eiskalt den Rücken herunter, was Menschen anderen Menschen antun können.
    Doch das Buch ist nicht nur düster und traumatisch, an vielen Stellen zeigt es auch immer wieder Lichtblicke und Momente der Hoffnung. Das Engagement, mit dem sich Harold Gillies und sein gesamtes Klinikpersonal für ihre Patienten einsetzten, ist inspirierend und zeigt einmal mehr, dass wir alle den Leuten in medizinischen Berufen unseren größten Respekt schulden (und Arbeitgeber mehr Lohn!)

    Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Ihr mögt Sachbücher? Dann lest dieses Buch. Ihr mögt keine Sachbücher? Dann probiert es mit diesem Buch. Ich jedenfalls freue mich jetzt schon sehr auf Lindsey Fitzharris drittes Buch, dass im Oktober im Original erscheinen wird und in dem es anscheinend um Seuchen und Pandemien geht und hoffe inständig, dass auch dieses übersetzt werden wird.

    Fazit:

    Mein Monatshighlight im Mai! Der Horror der frühen Chirugie ist ein großartiges Sachbuch über ein düsteres, aber für die Betroffenen lebensveränderndes Kapitel der Medizingeschichte. Fesselnd erzählt, aber Thema bedingt nichts für schwache Nerven. Eine Sachbuchempfehlung für alle, die Sachbücher nicht mögen, es aber trotzdem mal mit einem probieren möchten.


    Folge mir ;)

    Diese und andere aktuelle Rezensionen (mit zusätzlichem Coververgleich Deutsch/Original) findet ihr auch auf meinem Blog Miss PageTurner (https://miss-pageturner.de)

  10. Cover des Buches Schnitt! (ISBN: 9783426301005)
    Arnold van de Laar

    Schnitt!

    (24)
    Aktuelle Rezension von: Kimsieve

    Das Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen und man hat es auch als nicht Mediziner gut verstanden. Die Erklärungen des Autors waren gut gewählt und ich würde es sofort wieder lesen 

  11. Cover des Buches Der Fuchs und Dr. Shimamura (ISBN: 9783937834764)
    Christine Wunnicke

    Der Fuchs und Dr. Shimamura

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe
    Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg in dieses Buch nicht gerade leicht fiel. Der junge Neurologe Dr. Shimamura reist 1891 in die japanische Provinz um Frauen zu untersuchen, die vom Fuchsgeist besessen sein sollen. Fuchsgeist? Besessene Frauen? Soll damit die Tollwut gemeint sein? Bevor ich weitergrübelte, recherchierte ich ein bisschen und stieß auf eine Seite der OAG, der Ostasiatischen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, die mir die besondere Beziehung der japanischen Gesellschaft zum Fuchs deutlich machte (siehe oag.jp/images/publications/oag_notizen/Notizen_Feature_Fuchs_und_Fuchsglaube_in_Japan.pdf). Danach fiel mir das Lesen deutlich leichter ;-)
    Doch ich blieb beim Recherchieren. Denn nicht nur Dr. Shimamura (wie auf der Umschlagseite vermerkt) war eine reale Person, auch alle anderen auftauchenden Figuren, denen er während seines Stipendiums in Europa begegnete, waren existent, sodass ich mir nach und nach einen umfangreichen Überblick über die Anfänge der Neurologie verschaffen konnte. Alle äußeren Merkmale wie auch öffentliche Beziehungen scheinen wahrheitsgetreu wiedergegeben worden zu sein - das Ganze dann angereichert durch die vermutlich fiktiven persönlichen Merkmale der Einzelnen und deren Verhältnis zu Dr. Shimamura.
    Diese Verflechtung von Realität und Fiktion wirkt mustergültig - als ob die Autorin als Zeitgenossin an den Geschehnissen beteiligt gewesen wäre. Wer über das reine Lesen des Buches hinaus sich ein wenig mit den darin vorkommenden Personen beschäftigt, wird vielleicht bald von der Geschichte der Neurologie und Psychoanalyse gefesselt sein (siehe beispielsweise spiegel.de/einestages/jean-marie-charcot-und-die-hysterieforschung-in-der-pariser-salpetriere-a-951005.html). Mir ist es zumindest so ergangen und so hat das Lesen dieses dünnen Büchleins wesentlich länger gedauert als gedacht ;-) Und mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern auch mein Wissen erweitert.
    PS: Das Buch war auf der Longlist 2015 für den Deutschen Buchpreis.
  12. Cover des Buches Die Charité: Aufbruch und Entscheidung (ISBN: 9783958625204)
    Ulrike Schweikert

    Die Charité: Aufbruch und Entscheidung

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Minijane


    Inzwischen befinden wir uns im Jahre 1903 und begleiten den Werdegang  der jungen, ehrgeizigen Dr.Rahel Hirsch, die als erste weibliche Ärztin an die Charité kommt und natürlich nicht von jedem in der Ärzteschaft mit offenen Armen empfangen wird.

    Eine 2. Protagonistin ist die Arbeiterin Barbara Schubert, die ihren Lebensunterhalt in der Wäscherei der Charité verdient und sich in der Arbeiterbewegung für Emanzipation und gerechtere Löhne engagiert.

    Die zwei so unterschiedlichen Frauen treffen aufeinander und mit der Zeit entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihnen, die auch die kommenden schwierigen Zeiten überdauert.

    Dadurch, dass sich Rachel in einen jungen Piloten verliebt, erfährt man als Leser auch mehr über die tollkühnen Pioniere der Luftfahrt.

    Der 1. Weltkrieg ist eine furchtbare Zeit, die Ulrike Schweikert sehr eindrücklich beschreibt. Beide Frauen haben ihre Päckchen zu tragen, aber die Arbeiterklasse für die Barbara stellvertretend steht, ist stetig von Obdachlosigkeit und Hunger bedroht. Wie gut dass Rahel ihrer Freundin und deren Tante nach Kräften unterstützt.

    Wie nicht anders erwartet, hat die Autorin für ihren Roman sehr gut recherchiert und einen spannenden Mix aus Fiktion und wahren Begebenheiten geschaffen. 

    Mir hat die Geschichte wieder richtig gut gefallen, wobei mich Teil 1 ein bisschen mehr begeistern konnte, auch wenn ich gar nicht genau benennen kann, woran es lag. Trotzdem freue ich mich auf den 3. Teil, der schon bereit liegt.

  13. Cover des Buches Das Geheimnis des Dr. Alzheimer (ISBN: 9783839221501)
    Jørn Precht

    Das Geheimnis des Dr. Alzheimer

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Medizingeschichte finde ich sehr spannend und so war ich neugierig auf dieses Buch. Die Geschichte beginnt im Jahr 1901 und wir begleiten hier u.a. Dr. Alois Alzheimer, der eine neue Krankheit erforscht. Seine Patientin ist Auguste Deter, die tatsächlich die erste bekannte Alzheimer-Erkrankte war. So  beruht dieser Roman zum Teil auf wahren Begebenheiten und realen Charakteren, was es für mich nur noch spannender gemacht hat. 

    Ein interessantes, faszinierendes und unterhaltsames Buch. Zwischendrin gab es für mich hin und wieder auch ein paar Längen, die aber nicht der Rede wert waren. Zum größten Teil hat mich das Buch sehr gut unterhalten.

    15. Juli 2023

  14. Cover des Buches Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht : eine Kulturgeschichte der Essstörungen (ISBN: 9783423115247)
  15. Cover des Buches Heilmittel, Partydroge, Teufelszeug: Die unglaublichen Karrieren der zehn wichtigsten Wirkstoffe der Welt (ISBN: 9783711002433)
    Thomas Hager

    Heilmittel, Partydroge, Teufelszeug: Die unglaublichen Karrieren der zehn wichtigsten Wirkstoffe der Welt

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Der studierte Mikrobiologe und Immunologie Thomas Hager beschäftigt sich in diesem Buch mit Medikamenten, die als „Heilmittel, Partydroge und Teufelszeug“ verwendet wurden und werden. 

    In zehn Kapiteln mit teils launigen teils irreführenden Überschriften stellt er die Substanzen vor: 

    1. Die Freudenpflanze
    2. Lady Mary Ungeheuer
    3. Der K.-o.-Tropfen
    4. Mit Heroin den Husten lindern
    5. Zauberkugeln
    6. Das am wenigsten erforschte Gebiet der Welt
    7. Sex, Medikamente und noch mehr Medikamente
    8. Der verzauberte Ring
    9. Statine: eine persönliche Geschichte
    10. Die Perfektion des Blutes

     

    Zudem gibt es neben der Einleitung noch ein „Intermezzo“ sowie einen Epilog, der sich mit der Zukunft der Heilmittel beschäftigt. 

    Das Buch richtet sich an den interessierten Laien, der sich im Dschungel von Befürwortern und Gegnern von Medikamenten und/oder Therapien ein wenig zurechtfinden möchten.  

    Thomas Hagers Schreibstil ist angenehm zu lesen. Natürlich kann er nicht auf alle Heilmittel und deren Erfinder eingehen. Dass er Carl Dejerassi, der maßgeblich an der Entwicklung der Anti-Baby-Pille beteiligt war, keinen Buchstaben widmet, ist für mich ein wenig befremdlich. Die blaue Pille für den Mann und ihre Entdeckung findet da schon mehr Platz. 

    Gut gelungen ist hingegen, dass er so manchen Hype um ein neues Heilmittel die schwerwiegenden Nebenwirkungen gegenüberstellt. Manches klingt für unsere heutigen Ohren abenteuerlich. Husten mit Heroin bekämpfen? Depressionen mit Laudanum (eine Opiumtinktur)? 

    „Neben effektiveren Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit – sauberes Trinkwasser, bessere Abwassersysteme, bessere Krankenhäuser – haben Medikamente dazu geführt, dass wir nicht mehr die Krankheiten der Kindheit, sondern die Krankheiten des Alters fürchten.“ 

    Der Autor wirft einen kritischen Blick auf die großen Pharmafirmen, die mit diversen Marketingstrategien auch gesunde Menschen zu „optimieren“ suchen, um ihre Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen. 

    Fazit:

    Ein interessanter Ausflug in die Welt der Heilmittel, die auch zum Teufelszeug werden können. 

     

  16. Cover des Buches Die Harnschau: Eine Kultur- und Alltagsgeschichte (ISBN: 9783412203184)
  17. Cover des Buches Die Charité: Hoffnung und Schicksal (2 MP3-CDs) (ISBN: 9783958620681)
    Ulrike Schweikert

    Die Charité: Hoffnung und Schicksal (2 MP3-CDs)

    (39)
    Aktuelle Rezension von: Claudia107

    Inhaltsangabe: "Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen - und als auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen fieberhaft, Überträger und Heilmittel auszumachen: ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Hunderttausenden kämpfen, führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in der Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Prof. Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten, und verdingt sich im Totenhaus der Charité. Die junge Diakonisse Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin und - verbotenerweise - zu einem jungen Arzt..."

    Das Hörbuch besteht aus 2 MP3-CD's, hat eine Laufzeit von 877 Minuten  (ungekürzte Lesung) und wird von Beate Rysopp wunderbar gelesen. 

    Diese Geschichte über die Berliner Charitè und ihrer damaligen Vorgehensweise bei gewissen Erkrankungen im 19. Jahrhundert fand ich unglaublich fesselnd, interessant und informativ. Auch die Protagonisten, die man hier eine Weile begleiten darf, fand ich richtig gut gewählt und ich war immerzu neugierig wie ihre Geschichte weitergeht. Da es noch eine Fortsetzung gibt bin ich jetzt wahnsinnig gespannt auf den 2. Teil und ich hoffe, den ein oder anderen Protagonisten auch dort wieder zu finden.

    Fazit: Für alle die sich für die frühere Vorgehensweisen in der Medizin aus dem 19. Jahrhundert interessieren ein absolutes Muss. Mich konnte dieses Hörbuch richtig begeistern und ich bin gespannt auf die Fortsetzung. 

  18. Cover des Buches Dr. med. Karl May (ISBN: 9783780216366)
  19. Cover des Buches Die leidige Seuche. Pest-Fälle in der Frühen Neuzeit (ISBN: 9783412094027)
  20. Cover des Buches Medizin – Echt eklig und schauderhaft schrecklich – Warum Pickel mit Krokodil-Kacke behandelt wurden (ISBN: 9783745912524)
    Adam Kay

    Medizin – Echt eklig und schauderhaft schrecklich – Warum Pickel mit Krokodil-Kacke behandelt wurden

    (48)
    Aktuelle Rezension von: Linker_Mops

    Ich fand Adam Kays erstes Kinder-Medizin-Buch ja schon sehr unterhaltsam und witzig. Dieses Buch, was sich eher auf die Medizingeschichte konzentriert, ist genauso ein Brüller. Kay hat es in verschiedene Kapitel (Herz, Gehirn, Knochen, Nieren, etc) unterteilt, wo er aufzählt, wie die Menschen im alten Ägypten, im alten Rom, Griechenland oder im Mittelalter (alias Glitzerzeit - klingt halt besser) Krankheiten heilen wollten und wie sie sich verschiedene medizinische Sachen erklärten. Das war echt interessant, manchmal echt widerlich (zum Glück lebe ich im 21. Jahrhundert) und immer wieder sehr witzig. Das lag zum einen an Kays Schreibstil, der sehr humorvoll ist und er beschreibt alles wunderbar kindgerecht. So bekommen auch Kinder nochmal einen kleinen Einblick, wofür die Organe jeweils wichtig sind. Zum anderen sind es die begleitenden Illustrationen im Comicstil, die das ganze wunderbar und humorvoll begleitet haben. Lediglich der Sidekick - Großtantes Prunella, die das Buch redigiert hat - war irgendwann nervig geworden. Zumal man immer den Kopf dolle verdrehen musste, um ihre Kommentare lesen zu können. Das ist aber der einzige Kritikpunkt. 

    Mein Fazit: Lehrreich und witzig. Biologie- und Geschichtsunterricht mal anders. 

  21. Cover des Buches Das Jahrhundert der Pandemien (ISBN: 9783492070836)
    Mark Honigsbaum

    Das Jahrhundert der Pandemien

    (4)
    Aktuelle Rezension von: porte-bonheur

    Puh, was für ein Buch! Beim Lesen wird klar, warum der Autor dafür zehn Jahre seines Lebens benötigt hat. Es ist eine profunde Abhandlung über Krankheiten, die die Menschheit gewissermaßen über Nacht befallen konnten, sozusagen aus dem Nichts gekommen und in ihrer Behandlung für lange Zeit unerklärbar waren. Darunter: die Spanische Grippe, die Pest, die Papageien-Krankheit, die Legionärskrankheit, AIDS, SARS, Ebola, Zika und - in der zweiten Auflage 2021 - auch COVID-19.
    Honigbaum erklärt als studierter Arzt und Medizinhistoriker ausführlich die Zusammenhänge der Entstehung und Ausbreitung der Krankheiten - trotz der manchmal für einen Laien schwierigen wissenschaftlichen Zusammenhänge macht er dies äußerst spannend, nachvollziehbar, sehr überzeugend und, ja, auch verständlich - die Reaktionen und Vertuschungsversuche verantwortlicher Wissenschaftler und insbesondere Politiker und er zeichnet das Bild von ursprünglich einzelnen Schicksalen Betroffener und Behandelnder/Forschender zu den am Ende nicht selten weltweit in die Tausende gehender Opfer.
    Mich als Leser hat das Buch mehr als betroffen gemacht und ich hoffe sehr, dass es weiterhin viele Leser findet, damit wir diesem Thema auch nach dem erfahrenen COVID-Lockdown Aufmerksamkeit widmen. Insbesondere sollte das Buch Pflichtlektüre für Politiker sein, damit sie in der nächsten Pandemie nicht wieder völlig unvorbereitet und nur auf die eigene Wiederwahl konzentriert sind.
    "Wenn man die letzten hundert Jahre epidemischer Ausbrüche Revue passieren lässt, ist daher das Einzige, was wirklich sicher ist, dass es neue Seuchen und neue Pandemien geben wird. Das ist keine Frage des 'Ob', sondern eine Frage des 'Wann'. Camus hatte recht. Seuchen sind vielleicht unvorhersagbar, aber sie werden wiederkehren." (S.413, Schluss des Buches)

  22. Cover des Buches Schwindsucht: Eine andere deutsche Gesellschaftsgeschichte (ISBN: 9783957575562)
  23. Cover des Buches Salutogenese - Unterwegs zur Gesundheit (ISBN: 9783927369481)
  24. Cover des Buches Wien abseits der Pfade (Jumboband) (ISBN: 9783991002765)
    Georg Renöckl

    Wien abseits der Pfade (Jumboband)

    (8)
    Aktuelle Rezension von: IngridWerner

    Georg Renöckl hat interessante und abwechslungsreiche Stadtspaziergänge zusammengestellt. Geschichtliche Hintergründe kommen genauso zum Zug wie Empfehlungen für Beisl, Cafés und Geschäfte. Alles in einer angenehm flüssigen und persönlichen Erzählweise geschildert. Viel Unbekanntes kann man in diesem Buch entdecken und man wird dazu animiert, mal in die Seitengassen zu schauen und nicht-touristische Viertel und Ecken aufzusuchen. Sicherlich mit Gewinn.

    Ich würde das Buch allerdings ungern auf einen Spaziergang mitnehmen. Dazu wäre es mir zu schwer. Vielleicht wäre die Kombination mit einer App oder ähnlichem zielführend. Andererseits bräuchte man zusätzlich noch einen Stadtplan, da die Karten im Buch zu klein abgebildet sind. Dies alles hat nichts mit der Arbeit des Autors zu tun, sondern geht als Anregung an den Verlag.

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