Bücher mit dem Tag "menschenverachtend"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "menschenverachtend" gekennzeichnet haben.

15 Bücher

  1. Cover des Buches Tausend strahlende Sonnen (ISBN: 9783596030934)
    Khaled Hosseini

    Tausend strahlende Sonnen

     (1.162)
    Aktuelle Rezension von: books_games_and_more

    Mein erster Eindruck zu diesem Titel war etwas warmes angenehmes, da ich aber von den Autor schon mal etwas gelesen habe, wusste ich das hinter diesem Buchtitel sich sehr viel mehr verbirgt. Ich habe mich für die Fischer Taschenbibliothek entschieden, da es klein und handlich ist, ein Lesebändchen hat und für unterwegs einfach gut mitgenommen werden kann. Es hat in diesem Format 592 Seiten für 12€.

    Kann man es als Liebesgeschichte beschreiben oder hat es doch eher etwas biografisches an sich?! Ich würde sagen es ist von beidem etwas. Wie der Autor selbst sagt, hat er durch den Krieg in seiner Heimat Geschichten aufgeschrieben, die möglicherweise wirklich so geschehen sind. Auf jeden Fall  hat die Story Tiefgang. Es werden mehrere Jahrzehnte umfasst von der Kindheit der einen Protagonistin bis in die Mitte ihres Lebens. Bei der anderen Protagonistin wird auch viel auf ihre Kindheit eingegangen doch auch in ihren Zwanzigern/dreißigern hört die Geschichte auf.


    Wir haben zwei starke Frauen um die sich Geschichte dreht. Einmal Mariam sie kommt aus einer Provinz in der Nähe von Kabul (Afghanistan). Dort lebt sie mit ihrer Mutter als Außenseiter. Die eigene Mutter verstösst ihre Tochter teilweise immer wieder und dann versucht sie doch ihre Nah zu sein. Das prägt die Kleine sehr, ihr ganzes Leben lang. Diese und auch die immer wieder kehrenden epileptischen Anfälle der Mutter, die letzten Endes ihren tot verschulden.

    Miriam muss dann zu ihrem Vater und seiner Familie und da sie unehelich ist wird sie zwangsverheiratet mit einem wesentlich älteren Schuhmacher Raschid. Sie zieht mit ihm nach Kabul. Die Jahre vergehen sie wird verliert ihr Kind und wird nicht wieder schwanger, alles „Gründe“ für Raschid die zu schlagen, zu verachten und sich später eine Zweitfrau zu nehmen, die junge Laila. Miriam lässt, dass alles über sich ergehen und setzt sich kaum zur wehr, ganz im Gegensatz zu Laila. Sie ist von Eltern erzogen worden die das „freie“ Denken fördern und sie unter normalen Umständen nie mit Raschid verheiratet hätten. Doch sie sind bei einem Bombenangriff gestorben, den Leila auch nur knapp überlebt hat. Ein wenig aus „Dankbarkeit“ und auch noch aus anderen Gründen willigt sie ein. Nach anfänglichen Zwistigkeiten zwischen den beiden Frauen entsteht so etwas wie Freundschaft und sie sehen sich gemeinsam gegen die Brutalität ihrer Mannes auf und wollen fliehen.

    Durch die Perspektive der Erzählung, ist es gut möglich die Emotionen der beiden Protagonistinnen zu verstehen und sich voll und ganz in das Setting hinein zu versetze. Auch als ich, dass Buch ausgelesen habe musste ich schon öfter mal daran zurück denken. Vor allem, wenn es darum ging, dass die Menschen so grausam und desinteressiert seien können, nur auf sich fixiert und ihr Vergnügen. Dennoch ist es nicht ein rein trauriges Buch, ehr realistisch und ernst mit einem Funken Hoffnung und Liebe drin.

    Somit würde ich es niemandem mit schwachen Nerven empfehlen, da es doch in einigen Situation recht beklemmend wirken kann, da es sehr Realität Nah ist und ja auch  das behandeln von Frauen und Kindern in Kriegssituationen thematisiert. Doch jeder der Realität in Büchern schätzt ist hier gut aufgehoben.  


  2. Cover des Buches American Psycho (ISBN: 9783942656412)
    Bret Easton Ellis

    American Psycho

     (397)
    Aktuelle Rezension von: Wieland

    Ich habe dieses Buch nun nach einer Weile abgebrochen und ich muss sagen, dass ich von "American Psycho" geschrieben von Bret Easton Ellis überhaupt nicht überzeugt bin.

    Im wesentlichen handelt es um Patrick Bateman der bereits mit 27 Jahren Vizepräsident einer fiktiven Investment-Bank ist. Patrick Bateman kommt anfangs als eine diplomatische und linksliberale Persönlichkeit rüber. Schnell stellt sich heraus, dass dies lediglich als Fassade dient und dahinter versteckt sich ein gewalttätiger Psychopath steckt.

    So werden wir auch oft Zeuge von trivialen Morden ohne Motiv und Verstand. Sie dienen lediglich dazu um seine Blutrünstigen Bedürfnisse zu befrieden. Der Ursprung dieser Bedürfnisse ist bis über der Hälfte des Buches nicht bekannt und auch so lässt der Autor kein Spielraum für Spekulationen offen, denn trotz der Ich-Erzählweise bleiben die Morde motivlos. So ziehen sich die weiteren Morde, und auch Straftaten, über mehrere Kapitel, so dass Patrick Bateman weiterhin ein kaltblütiger Mörder bleibt. Durch die Ich-Erzählweise hätte ich mir daher mehr Einblick in die Gedanken und Psyche von Patrick Bateman gewünscht. Warum macht er das gerade so? Warum empfindet er gerade das was er empfindet? Leider erhalten wir nie einen tieferen Einblick, sondern viel mehr einen oberflächlichen. Gepaart mit der Erzählweise hatte ich also permanent das Gefühl, dass mir etwas entgeht, dass da was fehlt und dass der Charakter noch nicht richtig ausgearbeitet wurde. Die Hoffnung dass im laufe der Geschichte Patrick Bateman ein Gesicht bekommt wird zerstreut. Ich hatte bisher nur ein einziges Kapitel gelesen, dass etwas mehr Charakter in Patrick Bateman einfließt und das war es auch. Leider ist der Hauptcharakter dieser Geschichte völlig ein-dimensional.

    Der Schreibstil dieser Geschichte lässt relativ schnell zu wünschen übrig. Ich will den Autor und den Übersetzer nicht beleidigen, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass der Autor und/oder der Übersetzer eine sehr überschaubaren Menge an Bausätzen verinnerlicht hat. Wahllos werden irgendwelche Gegenstände und Kleidungsstücke in die Szene reingeworfen und das wie ein Maschinengewehr. Als Beispiel: "Patrick Bateman trägt eine Krawatte und eine Rolex-Armbanduhr und ein Baumwellhemd und schwarze Schuhe und die Sessel sind Rot und...". Ich war schlussendlich sehr genervt davon und kam auch gar nicht mehr mit, weil so vieles so unpräzise in so kurzer Zeit reingeworfen wurde.

    Damit diese Review allerdings nicht im bösen endet möchte ich gerne sagen, dass die Dialoge mir ganz gut gefallen haben und dass der Autor gut deutlich machen konnte, in welch einer Gesellschaft wir uns befinden. Und wenn man glaubt, dass man irgendwie nun den Durchblick in diesem Sozialen-Konstrukt gefunden hat, kommt wieder irgendetwas daher was einen umdenken lässt. Das fand ich gut, dass hat mich auch ein wenig mitgenommen. Wenn ich ganz ehrlich bin: In den Kreisen in denen sich Patrick bewegt... sie sind zum kotzen... und dass der Autor dass gut mit Steigerungen rüberbringen konnte fand ich gut :)    

  3. Cover des Buches Bei lebendigem Leib (ISBN: 9783732552733)
    Souad

    Bei lebendigem Leib

     (140)
    Aktuelle Rezension von: Lesemaus85

    Ein Schicksal, so unvorstellbar schrecklich, dass man das Gelesene kaum glauben kann.

    Was Souad erleben muss, sollte NIEMAND jemals erleben müssen. 

    Ein Opfer ihrer Heimat. Ein Opfer von unglaublich schrecklichen Traditionen. Ein Opfer, das überlebt und nicht schweigt.

    Eine Geschichte, wertvoll und wichtig. Jeder sollte sie lesen.

  4. Cover des Buches eXXXit (ISBN: 9783802595929)
    Svea Tornow

    eXXXit

     (26)
    Aktuelle Rezension von: AberRush
    „ExXxit“ ist ein Thriller und zugleich der Debütroman von Svea Tornow. Das Setting ist mal etwas anderes, denn hier lernen wir den Arbeitsalltag der Prostituierten Michelle kennen. Das Leben und Arbeiten auf dem Kiez mit all seinen Reizen, Sünden und Gefahren. Man wird sofort in die Geschichte hineingeworfen, denn sie beginnt mit dem Mord an Michelles Arbeitskollegin und besten Freundin. Diese wird in ihrem „Arbeitszimmer“ tot aufgefunden. Ein Unfall oder natürlicher Tod kann sofort ausgeschlossen werden. Michelle ist geschockt und möchte herausfinden wer für diese Tat verantwortlich ist. Zusammen mit dem Ermittler der Kripo möchte Michelle dem Täter auf die Schliche kommen. Der zuständige Ermittler ist zufällig auch noch einer von Michelles Kunden. Es werden Tabus gebrochen, da niemand von der Verbindung der beiden erfahren soll. Dies würde beiden Parteien schaden. Nach einer Zeit entwickeln die beiden mehr als nur eine geschäftliche Beziehung, man merkt dass es zwischen den Beiden gewaltig knistert.

    Die Charaktere sind sehr gut gelungen und ihre Einstellung in Bezug auf käuflichen Sex, ist sehr realistisch dargestellt. Auch die Jagd nach dem Mörder ist spannend, unterhaltsam und nichts für schwache Nerven. Manche Szenen sind wirklich sehr grausam und detailliert beschrieben. Einzig die Tatsache, dass der Täter von Beginn an feststeht, nimmt etwas die Spannung. Mir gefällt es immer besser, wenn ich bis zum Schluss im Unklaren gelassen werde über die Identität des Täters.

    Der Schreibstil gefällt mir auch sehr gut und die kurzen Kapitel lesen sich weg wie nix. Also wieder mal ein echter Pageturner. Als nächstes werde ich die Fortsetzung lesen, da ich jetzt natürlich wissen möchte wie es weitergeht mit Michelle und dem Polizisten, bin gespannt …
  5. Cover des Buches Von der perfekten Frau zur Teufelin (ISBN: 9783945661246)
    Hannah Fackel

    Von der perfekten Frau zur Teufelin

     (13)
    Aktuelle Rezension von: SweetSmile
    Welche Veränderung bringt der Zuzug von islamisch geprägten Frauen auf unsere emanzipierte weibliche Gesellschaft, wenn sowohl die westliche als auch die islamische Kultur ihre Verhaltensregeln als die überlegeneren ansehen? 

    Dieses Buch gibt einen faszinierenden Einblick in zwei Welten, in der sich Schwestern aus einem radikalisierten Elternhaus, unterschiedliche Lebenswege ausgesucht haben. 

    Zum Inhalt: 

    Nach der beeindruckenden Lebensgeschichte von Helena Fackel, die sie in ihrem Buch "Ich bin die perfekte Frau" niederschrieb, erzählt nun ihre Schwester die Geschichte weiter. Sie hatte das Glück und konnte der frauenverachtenden sowie zutiefst mittelalterlichen, islamisch - slawisch geprägten Kultur entkommen. Doch sie beschreibt nicht nur ihren Wertegang bis zum heutigen Tage, sondern auch die Schicksalsschläge, die ihr und ihrer Schwester widerfahren sind. Ihr Ziel immer vor Augen, kämpft sie für einen menschenwürdigen Umgang mit einer neuen Generation islamischer Frauen. Dafür nimmt sie die finale Verbannung aus ihrer überaus kulturell und religiös geprägten Geburtsfamilie in Kauf.

     

    persönliche Wertung: 

    Ein Buch, welches mich wie schon sein Vorgänger wirklich schockierte. Hannah beschreibt, genau wie schon ihre Schwester Helena, ein Leben, welches man sich aus westlicher Sicht gar nicht vorstellen kann/ möchte.  Immer wieder saß ich kopfschüttelnd da und konnte nicht fassen was vor mir geschrieben stand. Es ist für mich einfach unbegreiflich, dass dies eine wahre Geschichte sein soll, die sich dazu auch noch in Deutschland abspielte. Und vor allem macht es mich wütend, dass keiner etwas dagegen unternimmt! Ein Hoch auf Hannah, dass sie den Mut hatte dieses Buch zu schreiben, um die Leute auf die Defizite ihrer Kultur hinzuweisen.

    Hannah ist eine wirklich bewundernswerte junge Frau, ich finde es super wie sie sich trotz dieser Erziehung entwickelt hat. Sie ist mir von Anfang an sympathisch und diese Sympathie zog sich durch das ganze Buch. 

    Ich fand es sehr interessant, dass sie in ihrem Buch auch darüber berichtet, wie es mit ihrer Schwester nach dem Ende ihrer geschriebenen Geschichte weiter geht. Schon am Ende von "Ich bin die perfekte Frau" hatte ich meine Sympathie für Helena verloren - meine Gefühle für sie in diesem Buch möchte ich lieber gar nicht aussprechen...

    Diese beiden Schwestern sind heute wie Tag und Nacht. Ich wünsche mir, dass Hannah mit ihrem Buch viele Leute erreicht, den Menschen die Augen öffnet und mit ihrer Familie die Schrecken der Vergangenheit vergessen kann!  

     

    Fazit:  

    Ein Buch, welches mich mit anderen Augen durch die Welt gehen lässt... 

    Eine schockierend ehrliche Geschichte über die Entwicklung einer Frau, die meiner Meinung nach trotz ihrer strengen Erziehung die richtigen Entscheidungen trifft und nicht nur ihr Leben lebenswert werden lässt. 

     

  6. Cover des Buches 1793 (ISBN: 9783492317931)
    Niklas Natt och Dag

    1793

     (342)
    Aktuelle Rezension von: junia

    Wie kam ich zu diesem Buch?
    Durch Zufall wurde ich auf das Buch bzw. den Autor aufmerksam. Es ist das erste Buch von Niklas Natt och Dag, das ich lese. Nachdem dieses hier dann einige Zeit im Bücherregal vor sich hin schlummerte, habe ich es mir nun endlich mal gegriffen.

    Wie finde ich Cover und Titel?
    Beides einfach gehalten, aber es ist alles gezeigt bzw. gesagt. Gefällt mir.

    Um was geht’s?
    Auf den Inhalt gehe ich an dieser Stelle nicht allzu detailliert ein, den Klappentext könnt ihr ja selbst lesen, und eine Zusammenfassung des Buches muss ja nun nicht in die Rezension. Lasst euch aber gesagt sein, dass so einiges passiert, 1793 in Stockholm. Ein Jahr, in dem nur die wenigsten ein schönes Leben zu haben scheinen und gefühlt alle in diesen trostlosen Lebensverhältnissen dem Branntwein verfallen sind.

    Wie ist es geschrieben?
    Der Fall ist weitreichend, mit viel Story drumrum, die erst einmal vor sich hin dümpelt, aber nach 200 Seiten wird's ein bluttriefender Pageturner. Bis dahin kommen neue Handlungsstränge hinzu, die zunächst nicht ins Bild passen, eher unspannend sind und vielleicht auch unnötig gestreckt wirken. Am Ende ergibt aber alles ein Gesamtbild. Sehr gut gefällt mir, dass die Erzählperspektive wechselt, so bekommt man sehr viel aus verschiedenen Sichtweisen mit. Die Beschreibungen sind nicht zu ausschweifend, aber detailliert, bildhaft und teilweise drastisch genug, um gleich in der düsteren Grundstimmung dieser Geschichte zu sein. Die Gegebenheiten konnte ich mir sehr gut vorstellen.

    Wer spielt mit?
    Die Charaktere und deren Entwicklung sind gut gezeichnet. Ich habe sie kennengelernt, ich habe mitgefiebert und mitgelitten. Winge und Cardell haben beide ihr Kreuz zu tragen, arrangieren sich in dieser Ermittlung aber irgendwie doch sehr gut miteinander.

    Mein Fazit?
    Das Buch hat mir nach gewissen Anfangsschwierigkeiten wirklich sehr gut gefallen, somit erhält es von mir 5 von 5 Sternchen und kann guten Gewissens weiterempfohlen werden. Es wird nicht das letzte Buch des Autors sein, das ich lese. Den nächsten Band habe ich zum Glück schon hier liegen.

  7. Cover des Buches Antiheld (ISBN: 9783939239277)
    Stiff Chainey

    Antiheld

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  8. Cover des Buches Im fahlen Licht des Mondes (ISBN: 9783941485488)
    Kerstin Groeper

    Im fahlen Licht des Mondes

     (20)
    Aktuelle Rezension von: SiCollier
    Der weiße Mann führte zwei Kriege. Einen, um uns zu töten. Und einen, um die Erinnerung daran auszulöschen.
    Black Kettle, Cheyenne Häuptling (1867, S. 7)
    „So ein Mist. Es ist doch nur ein Kind! Wer schießt denn auf Kinder?“
    Collins zuckte mit den Schultern. „Jeder, wenn es sich um Indianer handelt. Wir haben ja auch geschossen.“
    Josh sagte nichts mehr, denn sein Bruder hatte recht. Jeder schoss auf Indianer. Zumindest hier draußen.

    ](Seite 274)


    Meine Meinung

    „Ich fand es beim Schreiben ganz schön, dass ich auch mal ‘nette’ Weiße hatte und nicht nur mordende Soldaten.“ So schreibt Kerstin Groeper im Nachwort (S. 582). Zu dem Zeitpunkt, da diese „netten Weißen“ auftauchten, war es allerdings allerhöchste Zeit für ein paar erfreuliche Gestalten. Denn bis dahin war schon so viel Leid, Schmerz und Tod passiert, daß mein Haß- und Wutpotential ins schier Unermeßliche gestiegen war. Dabei hat die Autorin die Kriegs-, eher Massakerszenen, weder unnötig ausgedehnt noch übermäßig detailgetreu beschrieben, sondern die genau richtige Balance zwischen Beschreiben und Weglassen gefunden, so daß man sich alles genau vorstellen konnte, ohne daß man als Leser horrormäßig „im Blut baden“ mußte. Schlimm genug war es dennoch. Und dieser Teil gehört, man werfe einen Blick in die Geschichtsbücher, eindeutig zum Bereich „Fakt“ und nicht zur Fiktion.

    Das Buch besteht eigentlich aus zwei Teilen, die im Verhältnis ungefähr ein Drittel zu zwei Drittel zueinander stehen. Viel länger hätte der erste Teil aber nicht sein dürfen, um nicht doch die Grenze des Ertragbaren zu überschreiten. Dabei sitzt der Leser möglicherweise gemütlich im Wohnzimmer, während die der Erzählung zugrunde liegenden Menschen das einstens durchleiden mußten. Sicher sind Moekaé und ihre Nichte Rotes Blatt fiktive Figuren, jedoch tauchen etliche historisch belegte auf und wenn man sich deren Lebensweg ansieht, wird man feststellen, daß die Autorin die damaligen Geschehnisse ziemlich zutreffend wiedergegeben hat.

    Und in diesem zweiten Teil, der beginnt, als die „netten Weißen“ endlich auftauchen, finden sich die für meine Begriffe beeindruckendsten Stellen; das sind nicht unbedingt die von Kampf und Krieg. Die ganze Kraft ihres Könnens zeigt die Autorin vor allem in den eher stillen, ruhigen und nachdenklichen Momenten, die auf mich am Ergreifendsten wirkten; etwa wenn Moekaé von mitleidigen Menschen versorgt wird und die Erinnerungen an frühere Zeiten hochkommen. (S. 213) Oder wenn sie nach langem Leidensweg wieder dem alten, einst so stolzen und nun nur noch müden, Häuptling Dull Knife gegenübersteht. „Ich dachte, Indianer weinen nicht.“ Offensichtlich ein Irrtum, und es mag durchaus sein, daß dann nicht nur im Buch die Tränen fließen, weil gerade in solch ruhigen Szenen eine Eindringlichkeit zutage tritt, die tief unter die Haut geht und berührt.

    „Ich möchte mit meinen Büchern unterhalten, aber auch Wissenswertes vermitteln. Am meisten möchte ich jedoch Betroffenheit auslösen.“, schreibt die Autorin im Nachwort (S. 581). Beides gelingt ihr in diesem Roman. Der Schreibstil ist dermaßen „unterhaltsam“, daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Der „wissenswerte Teil“ besteht darin, daß zwar Moekaé und die Bronsons fiktive Figuren sind, an denen jedoch exemplarisch die Geschehnisse jener Zeit dargestellt werden. Denn der Überfall auf das Camp der Cheyenne, der Ausbruch aus Fort Robinson, die Verhältnisse in der Reservation und schließlich die Behandlung der Indianer durch die Armee - das ist historisch verbürgt und in den Geschichtsbüchern nachzulesen.

    Am Beispiel der Protagonisten erzählt Kerstin Groeper die Geschichte der Cheyenne, vom Untergang des freien Lebens und der erzwungenen Anpassung an den Lebensstil des „weißen Mannes“, die alles andere als leicht war. Denn, so möchte man sagen, Cheyenne und Weiße lebten in völlig verschiedenen Welten. Der „weiße Mann“ brach in die Lebenswelt der Cheyenne ein und walzte rücksichtlos alles nieder, was ihm in den Weg kam. Die Cheyenne konnten untergehen - oder sich anpassen und versuchen zu überleben. Genau das, nämlich Überleben, will Moekaé, die von den Weißen dann Monika genannt wird. Als sie verwundet und am Ende ihrer Kräfte, dem Tod näher als dem Leben, von den Bronsons aufgenommen wird, prallen zwei Welten aufeinander, was noch durch die fehlende Verständigungsmöglichkeit verschärft wird.

    In der Folge erleben wir das Zusammenleben und das sich langsam Annähern aus beiden Sichtweisen: der von Moekaé und auch aus der der aufnehmenden Familie Bronson. Eine besonders interessante Figur ist dabei der Vater Theodor, der zunächst mit allen üblichen Vorurteilen und Vorbehalten Indianern gegenüber behaftet und ein ewiger Griesgram ist, was beim Lesen für manchen Lacher gut ist. Seine Entwicklung im Buch ist wohl die deutlichste und macht die ganze Problematik des Aufeinandertreffens der Kulturen besonders anschaulich.

    Allerdings, es war zu befürchten, geht all das nicht ohne Probleme und Mißverständnisse vonstatten, und mehr als ein Mal habe ich die Luft angehalten, ob sich manche schwierige Situation denn noch gut auflösen würde. So wurde es auch in diesem zweiten Teil, obwohl der überwiegend dem harten Leben auf einer neu gegründeten Farm gewidmet war, nie langweilig. Längen konnte ich keine feststellen, handlungsbezogene und beschreibende Abschnitte sind gut ausgewogen und lassen das Kopfkino lebhaft anspringen. Sehr angenehm ist mir auch das langsame Ausklingen des Buches aufgefallen.

    Wenn dann die rund fünfhundertachtzig Seiten viel zu schnell gelesen sind, heißt es Abschied nehmen von Figuren, von denen ich kaum glauben kann, daß sie „nur“ fiktiv sind, so intensiv habe ich sie auf ihrem meist schweren Weg begleitet. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Welt verändert, nichts ist mehr wie es war, und wir können nur hoffen, daß den Überlebenden ein gutes Leben vergönnt ist.

    Das Buch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.


    Mein Fazit


    Der schwere und leidvolle Weg der Cheyenne vom freien Leben in der Prärie in die Welt des weißen Mannes. Ein lesenswertes Buch, das den Cheyenne ein würdiges Denkmal setzt.
  9. Cover des Buches Menschenjagd (ISBN: B009SV22X0)
    Stephen King

    Menschenjagd

     (353)
    Aktuelle Rezension von: Masau

    Ich muss vorher sagen: Ich liebe den Film "The Running Man", der allerdings nur sehr lose auf dem Buch Menschenjagd basiert. Das Buch ist realistischer, allerdings heute auch etwas angestaubt. Trotzdem hat mir auch dieses sehr gut vom Tempo und dem Erzählstil gefallen. Vor allem auch wegen der genialen Stimme von David Nathan, der dem Hörbuch ein tolles Feeling verlieh. Ich kann mit beiden Interpretationen sehr gut leben und empfehle allen Arni-Fans das Werk nachzuholen. Da es einen interessanten Blick auf den Film wirft.

  10. Cover des Buches Nichts als die ungeschminkte Wahrheit (ISBN: 9783963242311)
    Lee Winter

    Nichts als die ungeschminkte Wahrheit

     (3)
    Aktuelle Rezension von: TheaWolf30

    Angestellte verliebt sich in Chefin - das ist ein Konzept, das in Büchern dieses Genres häufig vorkommt, und das mir zugegebenermaßen auch gefällt. Aus diesem Grund habe ich das Buch "Nichts als die ungeschminkte Wahrheit" auch gekauft.

    Die Geschichte fängt mit einer theatralischen Szene an, die dort eigentlich keinen PLatz hat. Maddie Grey, die ihren freien Tag hat, bekommt eine SMS, dass sie zu einem Meeting kommen soll, in dem sich die neue Chefin der Zeitung, für die sie in der Nachtschicht arbeitet, der Belegschaft vorstellt. Und zwar sofort! WArum das alles soooo dramatisch und aufregend ist, dass ihr Mitbewohner Simon sigar zu ihr ins Zimmer stürzen muss, erschliesst sich mir beim besten Willen nicht.

    Schon bald lernen wir Elena kennen,. Ihr Ruf eilt ihr voraus. Sie ist erfolgreich, mächtig und - wie ich zu sagen behaupte - absolut bösartig. Leute wegen Kleinigkeiten zu feuern schürt ihre Lebensfreude, zumindest, wenn man den anfänglichen Schilderungen der Autorin glauben darf. Auf den letzten Seiten relativiert sich das dann etwas. Vorher aber müssen wir einiges von dieser charakterlich so liebenswerten Person  aushalten und mit erleben, wie sie ihr Umfeld schikaniert. 

    Das hält Maddie, die eigentlich Journalistin sein will, aber Elenas Meinung nach keine ist, aber nicht davon ab, sich in die unnahbare, schwerreiche und äußest attraktive Chefin zu verlieben. Dass Elena verheiratet ist stört dabei genauso wenig wie ihre Unberechenbarkeit und ihr krudes, auf extrem kapitalistischen Säulen basierendes Menschenbild. Sie outet dann noch Elenas Ehemann als sexuell übergriffig, schmeißt sich an die Tochter einer sozialgestörten Designerin heran - und schwupps, schon ist sie ihrem Ziel, Elena für sich zu gewinnen, entschieden näher gekommen!

    Ja, ja. Es ist eine Geschichte. Und sie bedient die heimlichen TRäume vieler lesbischen Frauen (Sex mit der Chefin, Beziehung mit der Chefin, vom Aschenputtel zum Superstar usw.). Ich fand`s prinzipiell auch ganz süß, deshalb drei Sterne. Aber einiges war einfach sehr plump. Natalii mit zwei i als Tochter der Designerin - das war einer dieser Punkte. Die Art und Weise, wie sich Maddie an sie heran machte, ist im realen Leben wohl kaum die Basis einer Freundschaft und schon gar nicht das Trittbrett für eine Karriere. Die darauf basierenden Folgen (Interview mit deren Mutter usw.) waren schlichtweg unglaubwürdig und das ach-so-innige Verhältnis auch völlig übertrieben.

    Am meisten gestört hat mich jedoch das Menschenbild, das in diesem Buch durch die Person der Elena vermittelt wurde. Ist eine Person, die andere für sich tanzen lässt, deren Abhängigkeitsverhältnis ausnutzt, die wegen nix Leute auf die Straße setzt, die in einem grauenvollen, respektlosen Ton mit ihren Angestellten spricht, die keine Fehler verzeiht, denn wirklich so toll und so anbetungswürdig, dass man sich in sie verlieben kann? Es ist ein sehr amerikanisches, kapitalistisches Weltbild, das sich in diesem Buch widerspiegelt. Ich habe vergleichsweise auch deutsche Lesbian-Fiction-Geschichten mit "Angestellte verliebt sich in Chefin" gelesen. Diese Chefinnen hatten zumindest ein Herz und Charisma und irgendwas Liebenswertes! Außerdem waren die Rahmenumstände überwiegend realistischer.

    Kurzum: das Buch sollte man wohl nur lesen, wenn man nicht zu kritisch ist.



  11. Cover des Buches Der Schlepper - Thriller (ISBN: B019BGIF8M)
    René Junge

    Der Schlepper - Thriller

     (5)
    Aktuelle Rezension von: janaka
    *Inhalt*
    Sophie Palmer und Simon Stark habe es nun endlich gewagt, sie haben die Agentur Palmer & Stark ins Leben gerufen und ihren ersten Auftrag haben sie auch schon. Martinus vom Verfassungsschutz bittet das Team sich um die Sicherheit von dem Flüchtlingslager von Peter Kleinschmidt kümmern.
    Dann überschlagen sich die Ereignisse, eine Frau wird ermordet und eine Truppe Vermummter will das Lager überfallen. Was weiß der kleine Junge, dessen Familie bei der Flucht umgekommen ist?
    Geht es um Ausländerfeindlichkeit oder steckt etwas ganz Anderes dahinter?

    *Meine Meinung*
    "Der Schlepper" von René Junge ist bereits der vierte Fall mit dem ehemaligen Elitesoldaten Simon Stark. Die Spannung ist von Anfang an ziemlich hoch, hält sich die ganze Zeit und endet mit einem fulminanten Finale. Gleich mit den ersten Worten zieht der Autor mich in den Bann. René Junge beschreibt die schönen Momente wie z.B. die Überraschungsparty für die Neueröffnung der Agentur genauso gut und detailliert wie die schreckliche, z.B. das Auffinden der Leichen am Strand. Was mir besonders gut gefällt ist die Aktualität der Themen: Flüchtlingsproblematik und Schlepperbanden. Erst habe ich gedacht, oh nein, nicht noch ein Thriller mit dem Thema, aber er ist komplett anders als die, die ich bereits gelesen habe. Der Autor führt den Leser gleich zu Anfang auf eine falsche Fährte und auch zwischendurch werden immer wieder falsche Spuren ausgelegt, echt genial!!!

    Das Wiedersehen mit den allbekannten Charakteren hat mir sehr gut gefallen und ich liebe jeden einzelnen auf seine ganz spezielle Art und Weise. Besonders berührt hat mich die Geschichte des kleinen Waisenjungen, den Amir nun unter seine Fittiche genommen hat. Nur aus Amir werde ich nicht schlau, irgendetwas scheint er zu verbergen. Diesen Zwiespalt zwischen gute und böse hat der Autor glaubhaft dargestellt.

    *Fazit*
    Diesen spannenden Thriller kann nur jedem empfehlen, Spannung und Aktualität werden großgeschrieben!!! Von mir bekommt er 5 Sterne.
  12. Cover des Buches White Trash Voodoo (ISBN: 9783837089059)
    Stiff Chainey

    White Trash Voodoo

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Das Werk der Bücher (ISBN: 9783839211397)
    Stephan Naumann

    Das Werk der Bücher

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe
    You Can’t Judge a Book by the Cover - das hat Bo Diddley schon vor über 40 Jahren gesungen und es trifft noch immer zu. Leider! Der Totenkopf inmitten der antiquarischen Folianten, das Ganze aufgemacht wie ein altes Gemälde, all das hat mich dazu verleitet, dieses Buch zu kaufen von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Auch der Inhalt klang interessant: Der Sohn des Teufels sollte Gutenbergs Buchdruck dazu nutzen, Satans Botschaft in die Welt zu bringen. Doch statt eines spannenden Mittelalterkrimis mit mysthischen Elementen entsprach die erste Hälfte eher einer historischen Vorlesung zur Entwicklung mittelalterlicher Städte und Gebiete. Über vier bis fünf Seiten hinweg werden immer wieder detailliert geschichtliche Entwicklungen nicht nur von Gebäuden aufgezeigt, sodass ich irgendwann anfing, nur noch diagonal darüber hinwegzulesen. Keine Frage, in einem Sachbuch wäre das sicherlich alles sehr gut angebracht gewesen, aber in einem historischen Roman?
    Die Geschichte an sich ist schnell erzählt: Ein widerlicher Richter, grausam und ohne Mitleid, geht mit dem Teufel einen Pakt ein, um einen Sohn zu bekommen. Doch es ist des Teufels Sohn, Nathan, den der Richter unwissentlich groß zieht. Als er stirbt, zieht der siebenjährige Nathan, über allerlei dunkle Mächte verfügend, allein in die Welt, um den Auftrag seines Vaters zu erfüllen - siehe oben. Das entspricht circa der ersten Hälfte des Buches. Im zweiten Teil dreht sich alles um diese Aufgabe, wobei Nathan sich diversen Widrigkeiten entgegenstemmen muss.
    Auffallend ist die Sprache der Lektüre, die durchweg in einer altertümlichen Form daherkommt, die man aber recht schnell annimmt. Woran ich mich jedoch überhaupt nicht gewöhnen konnte, war die 'Marotte' des Autors, wörtliche Rede in Reimform darzustellen. Der tiefere Sinn hierfür? Keine Ahnung. Leider sind die Reime nur minderer Qualität ('Lass dich gewarnt sein, vor der Gefahr von dem Krankheitskeim'), sodass ich recht glücklich war, dass nur wenige direkte Gespräche wiedergegeben wurden.
    Schade - denn der Ansatz der Geschichte ist nicht schlecht und die Aufmachung hätte wirklich einen besseren Inhalt verdient.
  14. Cover des Buches Das Wunschspiel (ISBN: 9783442055265)
    Patrick Redmond

    Das Wunschspiel

     (257)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    "Das Wunschspiel" ist ein Buch, welches ich schon mehrfach mit Vergnügen gelesen habe. Während der Prolog schon deutlich macht, daß es um dunkle Geheimnisse und mehrere Todesfälle geht, fängt die Geschichte selbst recht gemächlich an. Die Atmosphäre in einer englischen public school Mitte der 1950er Jahre wird ausgiebig geschildert, die relevanten Charaktere vorgestellt. Dies ist trotz des ruhigen Tempos alles andere als langweilig. Die Schüler haben sofort interessante und gut differenzierte Persönlichkeiten: der verschüchterte, aufgrund seiner einfachen Herkunft drangsalierte Jonathan; sein loyaler Freund Nicholas; James, dem es Spaß macht, andere zu quälen und der dafür auch zwei tumbe Gehilfen hat; Richard, der sich von allen fernhält und mit einer Mischung aus Selbstbewußtsein und Arroganz sogar die Lehrer verunsichert.

    Wir erfahren viel darüber, wie die ungesunden Dynamiken innerhalb einer solchen Schule funktionieren, wie selbst die brutalsten Quälereien nicht "gepetzt" werden dürfen, wie einflußreiche Eltern ihre Söhne vor gerechten Strafen schützen. Dazu die fast durchweg autoritäten Lehrer, das strenge Verhaltenskorsett der Schulregeln. Jonathan paßt hier aus vielerlei Gründen nicht hinein und möchte hier auch gar nicht sein - seine ausweglose und beängstigende Lage wird gut geschildert, ebenso wie die allgemeine Unbarmherzigkeit an der Schule. Das alleine ist schon lesenwert, nun kommt aber allmählich der Psychothriller-Aspekt hinzu, als es ausgerechnet diesem schüchternen Jonathan gelingt, sich mit dem selbstsicheren Richard anzufreunden. Warum der, um es gelinde auszudrücken, misanthrope Richard so schnell von Reserviertheit zu enger Freundschaft wechselt, fand ich nicht hinreichend überzeugend dargestellt, aber das ist nicht sonderlich störend. Schnell wird deutlich, daß diese Freundschaft, die Jonathan zu Anfang eine ganz neue Stärke gibt, eine sehr ungute Seite hat, die allmählich überhand nimmt. Die dunklen Seiten Richards kommen immer mehr hinaus, die beiden Jungen geben sich zudem Experimenten mit einem Ouija-Brett hin, die wohl schnell zu unerwarteten Folgen führen.

    So wächst die allmähliche Atmosphäre der Bedrohung und ist gut geschildert. Einige seltsame Unglücksfälle geschehen und befreien Jonathan von seinen Peinigern, lassen aber die Zweifel daran wachsen, ob es sich hier um wirkliche Unglücksfälle handelt, oder ob Richard nicht seine Finger im Spiel hat. Auch einige der Lehrer werden allmählich in das Netz der Bedrohung hineingezogen. Sie haben dunkle Geheimnisse, mit denen sie unter Druck gesetzt werden. Anders als die Schüler, die sofort vielseitig und interessant dargestellt wurden, fand ich die Abschnitte über die Lehrer bis fast zum Ende hin ziemlich langweilig. Die Persönlichkeiten blieben blaß, die Gespräche bestanden fast nur aus Andeutungen, was schnell ermüdend wurde. Auch war es etwas seltsam, daß alle betroffenen Lehrer & ihre Ehepartner dunkle Geheimnisse hatten - das ist doch etwas zu praktisch. Einige der Dialoge zwischen den Ehepartnern trieften zudem vor Kitsch, was angesichts der sonst guten Dialoge des Buches auffiel.

    Nach und nach steuert das Buch dann auf das große Finale zu. Jonathan erfährt Beunruhigendes über Richards Psyche, Richard sieht seine Macht über Jonathan in Gefahr und letztlich spitzt sich alles so zu, daß es plötzlich ziemlich viele Tote und einige Verletzte gibt. Das war mir persönlich zu viel - ein Overkill im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem alles mit psychologischer Finesse aufgebaut wurde, wirkt das Ende etwas plump. Die übernatürliche Komponente bleibt bis zum Ende vage, wird nicht komplett aufgeklärt, was ich auch etwas schade, aber nicht unbedingt störend fand.

    Im Ganzen ist "Das Wunschspiel" ein intelligenter aufgebauter Psychothriller mit ausgezeichneter Schaffung von Atmosphäre und Charakteren (jedenfalls den Jugendlichen). Wäre diese Finesse bis zum Ende durchgehalten und nicht zu Gunsten des Overkills aufgegeben worden, wären die Erwachsenen mit der gleichen Sorgfalt gezeichnet worden wie die Jungedlichen, dann wäre es perfekt gewesen. So aber ist es immerhin schon nahe dran.
  15. Cover des Buches Die Irak-Mission (ISBN: 9783741808661)
    Carola Wegerle

    Die Irak-Mission

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Klusi
    Der Roman ist im Präsens geschrieben, und diese Schreibweise bringt mir eine Geschichte immer besonders nahe. Bildhaft und sehr authentisch schildert die Autorin die Ereignisse im Nordirak, wohin die Chirurgin Claire dem Hilferuf eines alten Freundes folgt. Als sie nach Ibrahims Anruf aufbricht, um ihn in Kirkuk bei der Versorgung der vielen verletzten Kinder zu unterstützen, weiß sie noch nicht, auf was sie sich da einlässt, denn ihre Mission ist einerseits wichtig, aber auch sehr gefährlich.
    Drei Frauen begleiten sie, um mit ihr zu arbeiten. Doch bereits auf dem Weg nach Kirkuk ergeben sich ungeahnte Hindernisse und Gefahren.
    Zur gleichen Zeit ist auch ein Mitarbeiter des BND unterwegs in den Irak. Robert hat eine besondere Mission zu erfüllen und spielt eine wichtige Rolle im Roman.
    Und da ist dann noch Gulala, die ebenfalls einige Zeit in Deutschland lebte und seit dieser Zeit mit Ibrahim befreundet ist. Gulala ist eine sympathische, intelligente Frau, aber seit ihrer Heirat lebt sie weitgehend isoliert. Rizgar, ihr Mann, ist nicht an ihrer Meinung interessiert und sieht ihren Platz einzig und allein im Haus. So ist sie in erster Linie für ihre Söhne da und schreibt heimlich brisante Berichte, die jedoch nicht zur Veröffentlichung kommen, da im Nordirak ein absoluter Funkstopp herrscht, denn der Flugzeugabsturz soll unter allen Umständen vertuscht werden.

    Die Autorin hat einen sehr fesselnden, eindringlichen Schreibstil. Kirkuk ist in der Handlung ein Brennpunkt, wo viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen. Die Protagonisten arbeiten unter Lebensgefahr, sitzen quasi ständig wie auf einem Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann. Dass sie trotzdem tun, was getan werden muss, setzt ungeheuer viel Mut und Idealismus voraus. Sehr plastisch wird die Lage beschrieben, indem man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der verschiedenen Charaktere erhält. Die Geschichte ist so packend dargestellt, dass sie mich bis in meine Träume verfolgte.
    Sie bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken. Man erfährt hier eine Welt der Männer, die getrieben sind von Ehre, Rache und Machthunger und dies alles mit Brutalität und Waffengewalt erzwingen wollen. Obwohl Frauen in diesem Gefüge nach außen hin wenig zu sagen haben, liegt doch bei ihnen, in ihrem Wunsch nach Frieden, die wahre Stärke, eine große, unerschütterliche Kraft, die alles vorantreibt und tatsächlich etwas bewirkt.

    Diese weibliche Urkraft, die Carola Wegerle in ihrem Roman sehr deutlich zum Ausdruck bringt, ist für mich die schlüssige und wichtige Aussage der Geschichte. Aus diesem Grund ist meines Erachtens heute, am internationalen Frauentag, der perfekte Zeitpunkt, meine Rezension zu veröffentlichen.
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