Bücher mit dem Tag "missionierung"

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22 Bücher

  1. Cover des Buches Die Vermessung der Welt (ISBN: 9783499332708)
    Wenka Mikulicz-Radecki von

    Die Vermessung der Welt

     (3.392)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald


    Daddy sorgt dafür, dass Kathi guten Lesestoff bekommt. So mögen wir das, bester Papa. 

    .

    Daniel Kehlmann erzählt in diesem biographischen Roman die Lebensgeschichte zweier bedeutender Wissenschaftler: Alexander von Humboldt, dessen Name wahrscheinlich vielen bekannt ist: wissbegieriger und empirischer Naturforscher deluxe, der für seine Expeditionen quer über den Planeten gereist ist. Carl Friedrich Gauß, theoretischer Mathematiker, Astronom, blitzgescheit und Stubenhocker vom feinsten. 

    Der Schreibstil des Buches ist ansprechend, aber gewöhnungsbedürftig. Hier wird nichts beschönigt: mit trockenem Humor und einer guten Portion Zynismus beschreibt Daniel Kehlmann die beiden Persönlichkeiten und ihren Werdegang, was für viele Schmunzler zwischendurch sorgt. Jeder bekommt sein Fett weg. Im Gegensatz zu den positiven Eigenschaften der Herren Forscher werden deren negativen übertrieben dargestellt - was für einen gewissen Unterhaltungsfaktor sorgt. So ist Gauß ein engstirniger sturer Kauz und Humboldt ein prüder Naivling. Beschrieben wird ihr Weg zur Forschung, Ausbildung, wissenschaftlichen Errungenschaften sowie die distanzierte, aber doch freundschaftliche Beziehung der beiden. 

    Die Bedeutung des Titels hat sich mir erst gegen Ende hin erschlossen - Kathi mit Brett vor dem Kopf: da hätte ich auch früher draufkommen können. Die Welt wird natürlich nicht wortwörtlich vermessen, viel eher zeigt der Autor durch die Darstellung der Lebensgeschichten die beiden unterschiedlichen Herangehensweise um die Vorgänge der Natur zu verstehen. Der eine erkundet, erforscht, misst, notiert - der andere berechnet, kalkuliert, denkt. Beide kommen so jedoch zu ihrer Wahrheit. 

    Eine tolle Geschichte - doch trotz des positiv ungewöhnlichen Schreibstils und dem biographischen Ansatz konnte mich das Buch leider nicht gänzlich abholen.


  2. Cover des Buches Dein ist das Reich (ISBN: 9783546100090)
    Katharina Döbler

    Dein ist das Reich

     (72)
    Aktuelle Rezension von: benaro

    Die Autorin schreibt in dem fast 500 Seiten langem Buch eine Familiengeschichte, die sich vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts erstreckt. Vorangestellt ist eine Familientafel. Diese müsste man sich eigentlich kopieren und beim Lesen daneben legen, um die vielfältigen Verflechtungen noch nachvollziehen zu können. Das Buch besteht aus etlichen Kapiteln, die für sich Episoden in der Familiengeschichte darstellen. Die Schauplätze sind vielfältig: Von Deutschland nach Papua-Neuginea über die USA und nach Australien bzw. Südostasien. Inhaltlich ist es streckenweise durchaus interessant. Man erfährt einiges über die deutsche Kolonialgeschichte in Südostasien und die Auswirkungen der beiden Weltkriege.
    Es wäre aber sicher einfacher gewesen, wenn die direkte Rede in Anführungszeichen stehen würde. Zudem finden sich in den Kapiteln immer wieder sehr ausführliche Fotobeschreibungen. Mein Fazit: Weniger Seiten, aber dafür eine stringentere Handlung hätten dem Buch sicher nicht geschadet.

  3. Cover des Buches Die Wunder von Little No Horse (ISBN: 9783351037864)
    Louise Erdrich

    Die Wunder von Little No Horse

     (17)
    Aktuelle Rezension von: mesu

    Die Geschichte von Vater Damian Modest ist skuril, poetisch, bizarr - einfach anders und nicht jeder Leser wird sie mögen.

    Er lebt in einem Reservat und ist nun am Ende seines Lebens bereit seine ungewöhnliche Lebensgeschichte zu offenbaren. Denn er ist kein Mann und Missionar, sondern eine Frau...

    Mit sprachlicher Wortgewalt erzählt die Autorin diese Geschichte. Sie beschreibt teils auschweifend, manchmal auch zu offen und leider auch stellenweise langatmig das Leben der Protagonisten. Mir war es zu viel und es konnte mich leider nicht so fesseln.

     Aber es ist auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Roman.

  4. Cover des Buches Schwarzrock (ISBN: 9783257071450)
    Brian Moore

    Schwarzrock

     (13)
    Aktuelle Rezension von: PatriciaJanzen

    Bald 40 Jahre ist es bereits her, dass „Schwarzrock“ im Original von Brian Moore veröffentlich wurde. Der Diogenes Verlag hat den Roman im letzten Jahr neu auflegen lassen, sodass ich erst jetzt auf die bereits verfilmte Geschichte des Jesuiten Père Laforgue und der Algonkin aufmerksam geworden bin.

    Das Buch umfasst keine 300 Seiten, dennoch brauchte ich vergleichsweise lange, um es durchzulesen. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen empfand ich die Kapitel, welche mir eine Geschichte in angenehme (oder eben weniger angenehme) Abschnitte einteilen als unglaublich lang. Manche von ihnen hatten mehr als 40 Seiten. Weiterhin wurde ich – bis zum Ende des Buchs – nicht so richtig mit dem Erzählstil warm. Das Buch wird als eine „Abenteuergeschichte“ beworben, für eine solche kam mir jedoch der Stil ein bisschen zu sperrig und schwerfällig vor. Die Sprache war nicht immer ganz zeitgemäß, zweimal musste ich sogar ein Wort googlen, was mir normalerweise sehr selten passiert. Wir begleiten eine Menge verschiedener Charaktere, zwischen deren Wahrnehmungen wir schwanken. Ein bisschen was hatte dies von einer auktorialen Erzählweise, manchmal verwirrten mich jedoch das Tempo, in dem zwischen den Köpfen der Einzelnen hin und her gesprungen wurde. Weiterhin hatte ich teilweise Probleme mit der vulgären Sprache und den detaillierten Ausführungen brutalster Foltermethoden der indigenen Völker.

    Trotz dieser Dinge, die mich gestört haben, hat mich das Buch in gewisser Weise in seinen Bann gezogen. Die Fragen, die über Moral, Kultur und der Existenz von Richtig oder Falsch aufgeworfen werden, sind auch heute noch aktuell und haben mich zum Weiterdenken angetrieben. Das Buch bietet eine gute Grundlage zum Weiterdiskutieren und -philosophieren, auch durch die teilweise polarisierenden Figuren, die Moore für sein Buch entwickelt hat. „Schwarzrock“ ist noch immer aktuell, auch wenn es uns eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert erzählt. Leser, die Interesse an indigener Kultur und Lebensweise haben, sind hier ebenso willkommen, wie Neulinge auf diesem Gebiet. Die Geschichte beruht – folgt man dem Klappentext – auf Augenzeugenberichten, was mich ab und zu doch sehr erschreckt und befremdet hat. Trotz aller Befremdung konnte ich zum Ende des Buches hin doch ein Verständnis entwickeln, dass ich ohne diese Lektüre in dieser Form wohl nicht gehabt hätte. Das hinzugefügte Nachwort rundet das Buch auf eine befriedigende Weise ab und hat mich bei letzten Unklarheiten gut an die Hand nehmen können.

  5. Cover des Buches Glauben. Lieben. Ernten.: Mein Leben für die Unerreichten Indiens (ISBN: 9783038481546)
    Brother Augustine Jebakumar

    Glauben. Lieben. Ernten.: Mein Leben für die Unerreichten Indiens

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Hopeandlive
    "Wenn du am Tag des Widerstands zerbrichst, hast du keine Kraft.!

    An Widerständen hat es Brother Augustine Jebakumar , geboren 1947 in Indien im südlichsten Staat Tamil Nadu, nicht gemangelt in seinem Leben. Er wurde in eine kinderreiche und christliche Familie hineingeboren, die fest in den indischen Wurzeln verwoben war. 
    Schon sehr früh hörte er den Ruf Gottes und folgte ihm auf eine sehr eigene und kompromisslose Art und Weise und ließ sich von nichts und niemanden aufhalten.
    Brother Augustin ist studierter Ingenieur und evangelisierte mit Herz und vollem Einsatz in seinem Heimatstaat bis es in nach Bishar rief . Ein sehr armer Staat im Norden Indiens mit vielen verschiedenen ethnischen Gruppen und bisher völlig unerreicht. Seine Familie ließ ihn ziehen und sucht ihm auch später eine Frau, die seine Mission und Berufung teilte. Diesen Unterschied zwischen bedingungsloser Nachfolge und einem treuen Verwurzeltsein in die indische Kultur hat mich beim Lesen immer wieder erstaunt.
    Brother Augustine und seine Frau Rupaleka bekamen mehrere Kinder und lebten diese Mission mit Herz und Seele, nahmen keine Rücksicht auf ihre Gesundheit und hatten mit Armut und Krankheit zu kämpfen, erlebten aber auch immer wieder eine übernatürliche Versorgung und viele Wunder.
    Brother Augustine wurde nicht müde seinen indischen Mitmenschen das Wort Gottes weiterzugeben , sei das alleine oder in Gruppen, zu Fuß, mit Fahrrad, mit Bus, Bahn, Esel oder was es sonst an Transportmöglichkeiten gab und erlebte in diesen Jahren viele gefährliche Situationen und auch sehr viele Wunder von Krankenheilung bis zur Totenauferstehung.
    Er hielt immer und in jeder Situation an seinem Versprechen zu Gott fest und diese Treue wurde auf eine Weise belohnt , mit der er nicht gerechnet hat.
    Seine Arbeit weitete sich mit den Jahren aus und wuchs und unterstützt von einem Schweizer Missionswerk konnte er viele Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Gemeinden gründen und vielen Menschen zu einem lebendigen Glauben an Gott verhelfen.

    Seine Geschichte liest sich nicht leicht und hält sie den Leser auf eine eigentümliche Weise gefangen. Es ist keine Geschichte die sich wie eine Biografie liest, dazu ist der Schreibstil einfach zu speziell und die Kapitel so voller neuer Namen und Orte, leider fehlt eine Karte um auch visuell auf seinen Spuren zu wandeln, und auch die Widerstände und Wunder über Wunder lesen sich nicht einfach so runter. Man hat beim Lesen das Gefühl , er steht vor Menschen und erzählt eine Geschichte nach der anderen und das erschwert etwas den Lesefluss. Dennoch hat seine Geschichte, seine Hingabe an Gott etwas , das den westlich geprägten Christen zum Nachdenken bringt, was bei uns durchaus noch lebendiger werden darf.
    Für alle, die sich für Indien und seine Kultur und Kirche interessieren ist es auf jeden Fall empfehlenswert.
  6. Cover des Buches Die Mars-Chroniken (ISBN: 9783257801811)
    Ray Bradbury

    Die Mars-Chroniken

     (8)
    Aktuelle Rezension von: tedesca
    "Die Mars-Chroniken" waren mein erstes Buch von Ray Bradbury, sehr gut gelesen von Rufus Beck. Anfangs fand ich es ehrlich gesagt etwas langweilig, zu einfach gestrickt, zu naiv. Dann legt es doch an Tempo zu und wird tatsächlich kritisch und leicht bissig, nur um am Schluss dann in ein paar, meiner Meinung nach völlig unnötigen, Geschichterln zu enden, die das Werk in die Länge ziehen. Den Aufbau des Buches finde ich ganz witzig. Die ersten Geschichten haben alle die selbe Ausgangssituation, nämlich die Landung von Menschen auf dem Mars, jede dieser Missionen endet auf andere Art und Weise, da fehlte mir allerdings irgendwo die Spannung, und auch etwas mehr Sarkasmus wäre angebracht gewesen, versteht sich das Buch doch als Kritik an der US-Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg. Schön waren die Beschreibungen der Marslandschaft und ihrer Bewohner, die hatten etwas sehr Mystisches, und besonders amüsiert habe ich mich bei den Missionierungsbestrebungen der Priester. Am liebsten mochte ich die Geschichte im House of Usher - mehr wird nicht verraten, vielleicht interessiert sich ja doch noch jemand von Euch für dieses durchaus unterhaltsame Werk. Was mich extrem gestört hat, aber daran kann der Autor nix, wohl aber Rufus Beck, der auch Regie geführt hat, waren diese grässlichen Posauneneinlagen zwischen den Geschichten. Ich hasse Hörbücher mit Musik, und dann noch dazu mit einer, die einem gleich das Trommelfell durchlöchert, wenn man den iPod nicht schnell genug leiserdreht, grässlich! Ich höre ja auch beim Lesen nicht Musik, und Jazziges aller Art vertrage ich am besten live, aber nicht direkt ins Ohr posaunt.
  7. Cover des Buches Things Fall Apart (ISBN: 0385474547)
    Chinua Achebe

    Things Fall Apart

     (22)
    Aktuelle Rezension von: WildRose
    "Things Fall Apart" ist das meistverkaufte Buch eines afrikanischen Autors. Chinua Achebe hat hier ein ganz wichtiges Werk geschaffen, das trotz seiner Kürze tief zu berühren vermag. Protagonist des Romans ist Okonkwo, welcher einem nigerianischen Stamm angehört, der durch zahlreiche Bräuche und Traditionen gekennzeichnet ist. Okonkwos Vater war in den Augen des Stammes ein Versager und darum ist es Okonkwo sehr wichtig, anerkannt und respektiert zu werden. Er ist sehr streng mit seinen Ehefrauen und Kindern, lässt ihnen nichts durchgehen, und gilt selbst als furchtloser Kämpfer. Durch die versehentliche Tötung eines Clanmitgliedes fällt Okonkwo in Ungnade und muss sein Clan für sieben lange Jahre verlassen.
    Dieser erste Teil des Buches überzeugt durch leise Töne und eine sehr ruhige, gleichmäßig dahingleitende Erzählweisung, die auch als Symbol für das ursprüngliche Leben des Clans in Einklang mit der Natur verstanden werden kann, jedoch ohne die uns zweifellos teilweise als unmenschlich erscheinenden  Bräuche und Traditionen auf ein Podest zu stellen. Es erfolgt keine Wertung, man lernt einfach nur das Leben eines nigerianischen Clans kennen.
    Der zweite Teil beginnt mit Okonkwos Rückkehr zum Clan, in welchem sich in den letzten Jahren vor allem durch die ankommenden weißen Missionare viel verändert hat. Okonkwo ist wütend darüber, wie zögerlich sich die Clanmitglieder den Weißen gegenüber verhalten, dass sogar sein eigener Sohn dem Christentum beitritt, empfindet er als besonders schlimme Schmach.
    Das Ende des Romans möchte ich hier nicht vorwegnehmen, es ließ mich aber sehr nachdenklich zurück. Das Buch ist eines der wenigen Bücher afrikanischer Autoren, die weltweite Beachtung erlangten, und Chinua Achebe hat meiner Ansicht nach mit "Things Fall Apart" ein echtes Juwel geschaffen, ein Buch, welches anhand der Entwicklung eines einziges Mannes die Entwicklung eines ganzen Volkes, eines Landes, ja eines Kontinents aufzeichnet.
    "Things Fall Apart" sollte man unbedingt gelesen haben.
    Ich hätte mir nur gewünscht, dass der Roman etwas länger wäre und man mehr über das Gefühlsleben und die Ansichten der Frauen und Kinder Okonkwos erfahren hätte.
    Insgesamt nichtsdestrotz ein ausgezeichnetes Werk.
  8. Cover des Buches Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910 (ISBN: 9783608949148)
    Aram Mattioli

    Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910

     (10)
    Aktuelle Rezension von: SiCollier
    Die Zerstörung des indianischen Nordamerika darf als Schlüsselereignis nicht mehr länger aus der Geschichte der USA wegretuschiert werden, gerade weil viele Amerikaner diese Katastrophe jahrzehntelang ausblendeten oder sie in ihrer Bedeutung bis heute kleinreden. (Seite 348)

    Meine Meinung

    „Es ist nicht möglich, alle an California Indians verübten Massenmorde zu thematisieren, weil es schlicht zu viele an der Zahl sind.“ (S. 210) Der Satz stand bei der Überlegung, welches Zitat ich über meine Rezension stelle, mit zur Auswahl. Immerhin hat er es an den Beginn der Rezension geschafft und deutet so auf zweierlei hin: daß es weder im Buch noch in der Rezension möglich ist, alles Relevante zu erwähnen (weil es schlicht zu viel ist) und wes Geistes Kind die heutigen USA sind, was zu deren Verständnis hilfreich ist.

    Selten hat mich ein Buch dermaßen wütend zurückgelassen wie dieses. Und das, obwohl (oder gerade deswegen?) der Autor in durchweg sachlicher, aber gut lesbarer, Sprache die historischen Ereignisse schildert. Daß er sich diese nicht aus den Fingern saugt, mag die übergroße Anzahl von Quellenhinweisen am Ende des Buches bezeugen.

    Zu Beginn führt er aus, daß es heute drei Positionen zum Untergang der Indianer gibt: die erste besagt, daß der Untergang nicht gewollt passierte, sondern eine „unbeabsichtigte Nebenfolge“ (S. 22) der Westexpansion war. Der zweite ist der Meinung, daß die nordamerikanischen Indianer seit Beginn der europäischen Expansion „Opfer eines gezielten und systematisch betriebenen Völkermordes“ wurden. (S. 22f) Der dritte schließlich besagt, daß die erstgenannten beide nicht zutreffend sind, sondern daß die Indianer an verschiedenen einzelnen Formen der Massengewalt, wie zum Beispiel Todesmärsche bei Umsiedelungsaktionen, Unterversorgung in Reservaten, Kindeswegnahmen, Massakern (vgl. S. 24f) unter gingen, diese insgesamt jedoch nicht die Bedingungen der Genozidkonvention vom 9. Dezember 1948 erfüllen würden.

    Das Buch selbst ist in einzelne Kapitel, die sich mit jeweils einer Großthematik, wiederum unterteilt in bestimmte Regionen bzw. Nationen, befassen aufgeteilt. So entsteht für die Zeit ab etwa 1700 bis in die Neuzeit ein sehr umfangreiches und detailliertes Bild dessen, was durch die Besiedelung des Westens durch die Amerikaner den dort seit Jahrhunderten lebenden indigenen Völkern widerfahren ist. Sicherlich würde eine Gesamtdarstellung aller Nationen samt deren Schicksal den Rahmen dieses (und auch jedes anderen Buches) sprengen, aber dadurch, daß wesentliche Schwerpunktthemen behandelt werden, erhält der Leser doch ein recht vollständiges Bild jener Ereignisse, die oft als „Eroberung des Wilden Westens“ verklärt dargestellt werden.

    Neu waren für mich die Ausführungen dazu, weshalb sich viele Nationen mit den Briten und/oder Franzosen gegen die Amerikaner verbündeten. Vor allem die Franzosen gestanden den Indianern - im Gegensatz zu den Amerikanern - viele Rechte zu, so daß sie relativ frei und unbehelligt in von diesen kontrollierten Gebieten leben konnten. Die Parteinahme für Briten und Franzosen war also wohlüberlegt im Sinne des eigenen Überlebens. Die verheerende Wirkung der von den Europäern eingeschleppten Seuchen war mir allerdings schon früher in anderen Veröffentlichungen begegnet.

    Immer wieder wird deutlich, daß es den Amerikanern völlig egal war, wie sie ihr Ziel, den Kontinent vollständig zu unterwerfen und zu besiedeln, erreichen. Dabei trat ein erschreckender Rassismus zutage, der bis heute wirkmächtig ist. Denn die First People wurden nicht als (gleichberechtigte) Menschen, sondern als „Wilde“, als „auf Steinzeitstufe stehengebliebene“, als „unterlegene Rasse“ angesehen, deren natürliches Schicksal es sei auszusterben. Niemand störte sich daran, daß dazu beispielsweise auch der 1. Zusatzartikel zur Verfassung gebrochen wurde (vgl. S. 297).

    Nach der Lektüre des Buches bin ich persönlich zu der Überzeugung gekommen, daß vielleicht kein expliziter schriftlicher Regierungsbeschluß zur vollständigen Ausrottung der Indianer existiert haben mag, die Handlungsweise sowohl von Regierung, US Army als auch den Siedlern lief jedoch auf genau diese hinaus. Weshalb vielleicht nicht im strengen juristischen Sinne nach einer Definition, die Jahrzehnte später erst erstellt wurde, in sachlicher und „gesunder menschenverstandsmäßigen“ Hinsicht jedoch sehr wohl ein gewollter Genozid vorliegt.

    Schriftlich nachweisen läßt sich allerdings der Ethnozid (vgl. das Kapitel S. 294ff: „Versuchter Ethnozid: ‘Töte den Indianer, rette den Menschen’“), in dem versucht wurde, die indianische Religion und Kultur vollständig auszulöschen. Es grenzt schon an ein Wunder, daß dies trotz der massiven Maßnahmen letztlich nicht gelang, wenngleich viel verloren gegangen ist.

    Vieles ließe sich noch anführen, aber wie eingangs erwähnt, reicht dafür der Platz nicht aus. Nur zwei aktuelle Bezüge sind mir im Verlauf des Lesens bewußt bzw. klar geworden. Zum Einen, daß der derzeitige US Präsident Donald Trump in „bester“ amerikanischer Tradition handelt und zum Anderen Europa (bzw. die EU Staaten) aufpassen müssen, daß es ihnen nicht ähnlich ergeht wie den Native Americans. Denn rücksichtslose und rüpelhafte Politik hat in Amerika offensichtlich eine jahrhundertelange Tradition. Dagegen hilft nur große Geschlossenheit, Entschiedenheit und Stärke. Wer weiß, wie die Geschichte in Nordamerika verlaufen wäre, hätten die indigenen Völker über diese Eigenschaften verfügt.

    So bleibt am Ende nur der Hinweis von Simon Pokagon, einem Potawatomi, von 1893 in seinem Büchlein „The Red Man’s Rebuke“:
    „Und während ihr, die ihr Fremde seid und hier lebt, die Angebote der Handarbeit eurer eigenen Länder hierher bringt und eure Herzen voller Bewunderung frohlocken über die Pracht und Größe dieser jungen Republik (...) vergesst nicht, dass diesem Erfolg unsere Heimstätten und eine einst glückliche Rasse geopfert wurden.“ (S. 337)


    Mein Fazit

    Eine umfassende, mit großer Sachkenntnis gut lesbar geschriebene Darstellung der Geschichte der Indianer der USA und ihres Unterganges. Ein unbedingtes Muß für jeden, der sich für die Thematik interessiert.
  9. Cover des Buches Das verlassene Boot am Strand (ISBN: 9783423074360)
    Scott O'Dell

    Das verlassene Boot am Strand

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Buchgespenst

    Seit Zia von ihrer Tante Kirana weiß, die alleine auf der Insel der blauen Delphine lebt, wächst in ihr der Wunsch sie zu besuchen und nach Hause zu holen. Dafür arbeitet sie in der spanischen Mission und wartet auf eine Gelegenheit aufzubrechen. Als nach einem Sturm ein Boot an den Strand gespült wird, ist die Zeit gekommen.

    Das Buch „Die Insel der blauen Delphine“ habe ich sehr gerne gelesen. Umso enttäuschter bin ich, dass die Fortsetzung nur wenig bietet. Die Geschichte konzentriert sich hauptsächlich auf die spanischen Missionare, die den „heidnischen, undankbaren, schmutzigen, faulen Indianern“ Gelegenheit geben im Sinne eines weißen Christen zu leben und zu arbeiten – natürlich vor allem zu arbeiten und ohne Rechte. Da mich solche Geschichten immer wütend machen und ich borniertes, scheinheiliges Predigen auf Kosten jeglicher Achtung vor dem Menschen nicht ausstehen kann, fand ich das Buch sehr anstrengend, trotz seiner relativen Kürze. 

    Wie Kiranas Geschichte zu Ende geführt wurde, hat mich ebenfalls schwer enttäuscht. Im Grunde wurden alle Befürchtungen, die ich hatte, bestätigt. Es endet vorhersehbar, deprimierend und halbherzig. Man kann bestimmt viel über das Buch diskutieren, aber eine interessante Geschichte wird hier nicht erzählt.

  10. Cover des Buches Die Siedler von Catan (ISBN: 9783785731802)
    Rebecca Gablé

    Die Siedler von Catan

     (54)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Inhalt:

    Ein blutiger Überfall auf ihr Dorf im hohen Norden lässt die Ziehbrüder Candamir und Osmund erkennen, dass ihre Tage in der Heimat gezählt sind. Nach einem Hungerwinter bricht die Gemeinschaft mit neun Schiffen auf, um ein neues Land zu suchen. Ein Sturm verschlägt sie auf jene Insel, die sie nur aus der Sage kennen: Catan ...

    eigene Meinung:

    Bei den Siedlern war ich zuerst skeptisch, eine schriftliche Auseinandersetzung zw. ein Hörbuch von einem Spiel?? Das konnte doch nichts sein. Da ich bisher von Rebecca Gable noch nichts gelesen oder gehört hatte, dachte ich: ok es ist einen Versuch wert. ich wurde nicht enttäuscht, die Geschichte der Siedler, mit der Sklaverei, dem Christentum, etc. hat mic überzeugt und mir sehr gut gefallen.
  11. Cover des Buches Die rote Antilope (ISBN: 9783423215459)
    Henning Mankell

    Die rote Antilope

     (72)
    Aktuelle Rezension von: buchbunt

    1876: Der Schwede Hans Bengler nimmt nach einer Studienreise in Afrika den Buschjungen Molo mit nach Schweden. Molo hat starkes Heimweh und wird in Schweden nie richtig angenommen - er unternimmt mehrere Fluchtversuche, die jedoch immer scheitern. Molo steht eine Weile für einen Maler Model, später vermietet ihn der Schwede an einen Doktor, um wissenschaftliche Forschungen zu betreiben. Danach lebt er in einem schwedischen Dorf, wo er ein Mädchen kennenlernt, das ihm bei seiner Flucht helfen will...

    Eine spannende, aber traurige Geschichte eines entfremdeten Jungen - stellenweise etwas brutal. Auf jeden Fall lesenswert!

  12. Cover des Buches Sie kamen bis Konstantinopel (ISBN: 9783805341394)
    Frank Stefan Becker

    Sie kamen bis Konstantinopel

     (5)
    Aktuelle Rezension von: sabisteb
    Das 7. Jahrhundert nach Christus ist eine Zeit zwischen den Zeiten, über die es nur wenige Quellen und noch weniger historische Romane gibt. Weder Antike noch Mittelalter ist es Jahrhundert des Umbruchs, in welchen der erstarkende Islam dabei ist, seinen Platz in der neuen Weltordnung zu erobern. Pelagia lebt in Karthago. Sie ist die Tochter eines einstmals reichen Händlers, der durch die vielen Überfälle der Araber einen Großteil seines Reichtums eingebüßt hat. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als seine sechzehnjährige Tochter ihrer Wege zu schicken, damit sie selbst ihr Glück macht. So reist Pelagia nach Rom, zu einem entfernten Verwandten, und erlebt eine Stadt im Verfall. Die Residenz der Kaiser und Päpste ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, aber Pelagia ist ehrgeizig, sie will einen reichen Mann und sie will an den kaiserlichen Hof. Dass Reichtum jedoch nicht gleich Glück bedeutet muss sie erst durch Armut, Sklaverei und Flucht lernen. Der Aufbau des Romans ist unüblich. Er beginnt fast mit dem Schluss, um danach erst einmal die Vergangenheit der drei Hauptpersonen zu beleuchten; die des irischen Priester Padraich mit dem dunklen Geheimnis, das seine Seele belastet, des jungen, stotternden Dieners Daud mit seiner großen Sehnsucht nach dem Meer und der verwöhnten reichen Pelagia und ihrem Wunsch nach einem reichen Mann und Macht. Das Schicksal verwebt die Leben dieser drei Menschen für immer miteinander, zum Guten und zum Schlechten. Diese drei stehen auch für die drei Glaubensrichtungen, Padraich der Mönch für die unreflektierte christliche Glaubenslehre, Daud für den strengen Islam und Pelagia für die christliche ratio, denn sie "möchte lesen, was früher gedacht wurde, bevor uns die Kirche den Blick verengte. (S. 170)" Das Buch ist aufgeteilt in drei Teile. Der erste Teil erzählt Padraich Kindheit und Jugend. Dieser Teil ist voller Mystik, Prophezeiungen und Magie, denn Padraich hat die Gabe zu erkennen, wer den nächsten Morgen nicht erleben wird und natürlich gibt es auch ein Ungeheuer im Loch Ness. Meine Lieblingsfigur in diesem ersten Teil war eindeutig Kevin der Barde mit seinem blauen Hund. Teil 2 erzählt Dauds Jugend. Wie er als Diener die Ermordung des Kalifen miterlebte und als Sklave verschleppt wurde. Der dritte und Hauptteil des Buches heißt zwar Pelagia, aber er erzählt die Geschichte aller drei Protagonisten und wie sie Einfluss auf Pelagias Leben nehmen. Leider ist dieser Teil auch derjenige mit den meisten Klischees. Natürlich ist Pelagia schön, wie könnte es auch anders sein und ihre Zeit als Sklavin mit allem drum und dann ist leider unglaublich vorhersehbar und klischeebehaftet. Historisch ist an diesem Buch nichts auszusetzen. Es ist solide recherchiert und voller spannender Details wie die zwei verschiedenen Türklopfer an moslemischen Häusern, einen für die Frauen und einen für die Männer oder die Geschichte des Säulenheiligen oder Epaphrodites. Zu jedem Kapitel gibt es im Anhang einen kleinen Abriss, der erklärt was historische Fakten sind und was nicht. Erzählerisch haben mich jedoch zwei Dinge gestört. Zum einen die bereits erwähnten teils klischeehaften Plots, zum anderen die Zeitsprünge. So vergehen auf S. 203 z. Bsp von einem Abschnitt zum anderen 4 Monate, die zwar im Nachhinein erzählt werden und das kommt noch an verschiedenen anderen Stellen vor. Da hätten mir ein paar zusätzliche Seiten in denen diese 4 Monate erzählt werden besser gefallen, ganz besonders die Wochen nach Mezizios Machtübergreifung, sind so leider unterschlagen worden. Positiv ist das Titelbild anzumerken. Es passt wunderbar zum Inhalt und zeigt, obwohl es sich um einen historischen Roman mit einer schönen Frau handelt, kein großbusiges Weib mit tiefem Ausschnitt.
  13. Cover des Buches Fatu Hiva. Steinzeit-Abenteuer in der Südsee (ISBN: B002CB7CHE)
  14. Cover des Buches Wikingersilber (ISBN: 9783442360314)
    Catharina Sundberg

    Wikingersilber

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Mittelalter (ISBN: 9783817485680)
    Christa Pöppelmann

    Mittelalter

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  16. Cover des Buches Amazing Grace (ISBN: 9783038481256)
    Klaus Gerth

    Amazing Grace

     (11)
    Aktuelle Rezension von: strickleserl
    Christliche Leser kennen sicher den erfolgreichen Verlag Gerth Medien, ehemals Schulte und Gerth. In diesem Buch erzählt der Verleger Klaus Gerth aus seinem Leben. Nach einem spannenden Einstieg, erzählt er einige Episoden aus seiner Kindheit und Jugend. Er fühlt sich zur Kosmetikbranche hingezogen und macht dort Karriere. Er verkehrt dort mit den Einflussreichen, in sich spürt er aber eine Leere. Erst durch eine Hinwendung zum Glauben an Jesus Christus wird seine Sehnsucht gestillt. Eifrig verschlingen er und seine Frau alle Literatur, die sie zu ihrem neugefundenen Glauben finden können. Anfangs denken sie, sie sind die einzigen überzeugten Christen weit und breit.
    Obwohl es unvernünftig erscheint, gibt Klaus Gerth schließlich seine Karriere in der Kosmetikbranche auf, um einen christlichen Verlag zu leiten, der ums Überleben kämpft. Vor allem durch seine Kontakte zu christliche Autoren in Amerika kann er einige Verkaufsschlager auflegen. Unter seiner Leitung floriert der Verlag, der schließlich in Gerth Medien umbenannt wird. Nach vielen Jahren ist auch die Nachfolge geklärt, und Klaus Gerth zieht in den Ruhestand nach Amerika, um in der Nähe seiner Tochter zu leben. Dort sucht er Wege sein Herzensanliegen zu verkündigen, die Endzeit.
    Klaus Gerth hat viel erlebt, und seine Geschichte ist spannend. Interessant sind die Erlebnisse seiner Verlagszeit gerade für christliche Leser, da sie einiges über die christlichen Verlage in Deutschland erfahren. Allerdings hat mich diese Biographie nicht überzeugt. Die Erzählung wirkt sprunghaft, lückenhaft und emotionslos. Über Schwierigkeiten und Glaubenskämpfe wird schnell hinweggegangen, von Erfolgen hingegen wird manchmal etwas prahlerisch erzählt. Zwischen den Zeilen lese ich heraus, dass es dem Autor ein großes Anliegen ist zum Glauben aufzurufen, aber ich glaube dieses Anliegen hätte besser umgesetzt werden können. Vielleicht steht in dieser Biographie zu sehr das Wirken des „wundersamen“ Klaus Gerths im Mittelpunkt; dabei hätte ich lieber mehr vom Wirken eines wunderbaren Gottes gelesen.
  17. Cover des Buches Spiel des Lebens (Thema Fußball) (ISBN: B002CE1DVW)
    Andreas-Bühne,Wolfgang Alt

    Spiel des Lebens (Thema Fußball)

     (1)
    Aktuelle Rezension von: BRB-Jörg
    Dieses Buch habe ich während der WM 2006 habe in Berlin wie so vieles in die Hand gedrückt bekommen. Lange schaute ich nicht hinein, bis ich mal wieder zu einem Auswärtsspiel fuhr und ich es mir als Lektüre für die Fahrt einsteckte. Teilweise lesen sich die Kurzgeschichten auch nicht schlecht, zumindest sind einige der Fakten durchaus interessant, wenn auch für Kenner der Materie auch nicht neu. Was mir aber absolut auf den Sack ging, waren die steten Querverweise zum Christentum. Ja, nicht nur das: Hier wird an so ziemlich jeder Stelle versucht, den Leser zu bekehren. Okay, vielleicht hätte ich vorher ins Impressum schauen sollen, "Christliche Literatur-Verbreitung", alles klar. So erschien die Sache plötzlich in einem anderen Licht. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich vor Religionen an sich großen Respekt habe. Dass ich es aber auch einfordere, dass Religiöse vor meinem Nichtglauben ebensolchen Respekt haben sollen. Und für mich der Spaß an einer Stelle aufhört, wo so etwas unter Fußballfans anlässlich eines Großereignisses verteilt wird, um zu missionieren. Davon abgesehen sind für mich persönlich manche Texte inhaltlich schwer nachvollziehbar bzw. einfach unglaubwürdig. Besonders die Geschichte von Jean P., der einst Hooligan war, und erst durch den Glauben an Gott davon abkam. Insgesamt also für mich ein Buch, dass zum einen uninteressant ist, gegen das ich außerdem eine innere Aversion habe, und dass zum dritten vollkommen unglaubwürdig ist. So, und nun ist diese Rezension "Gott sei Dank" zu Ende.
  18. Cover des Buches Schwarzrock (ISBN: 9783257217551)
    Brian Moore

    Schwarzrock

     (7)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Die Chronik des Mönchs. Abenteuer unter Heiden (ISBN: 9783941404984)
    Sven R. Kantelhardt

    Die Chronik des Mönchs. Abenteuer unter Heiden

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Ati
    Der AcabusVerlag hat mich schon mehrere Male mit einem lesenswerten amüsanten oder ernsthaften Buch überrascht und so schaue ich regelmäßig in sein Angebot hinein. Vor einiger Zeit landete dadurch der Debütroman von Sven R. Kantelhardt mit dem Titel Die Chroniken des Mönchs – Abenteuer unter Heiden auf meinem SuB. Wofür das R. in seinem Namen steht, weiß ich nicht; aber Kantelhardt wurde 1976 in Gießen geboren. Er studierte Humanmedizin und Ökotrophologie, promovierte 2003 und arbeitet als Neurochirurg. Daneben reist er gerne, interessiert sich für Geschichte und verfasst Fachartikel in medizinischen Zeitschriften. Die Chroniken des Mönchs – Abenteuer unter Heiden ist, wie bereits erwähnt, sein Debütroman. Die Covergestaltung ist Schwarz mit einem schmalen Streifen Grau, in das ein Ausschnitt eines handschriftlichen Skripts eingebettet scheint, wie es Mönche in ihren Skriptorien verfassten. Ferner zeigt es eine hölzerne Stele einer slawischen Gottheit, zu deren Fuße sich einige Knochen befinden. Damit passt sie schon mal zur Inhaltsangabe, die folgendes verrät. Zitat: Das Siedlungsgebiet Schleswig-Holstein im 9. Jahrhundert: Sachsen, Abodriten und Wikinger treffen aufeinander. Teilweise bereits christlich, teilweise noch heidnisch, stehen sich die Stämme meist feindlich gegenüber. Es ist eine Zeit der Umbrüche. Grausamkeiten, Kriege und Raubzüge sind an der Tagesordnung. In seiner „Hamburgerischen Kirchengeschichte“ aus dem Jahr 1076 berichtet Adam von Bremen knapp von einem fast vergessenen Abenteuer. „…wo Burwido gegen einen Kämpen der Slawen einen Zweikampf bestand und denselben tötete. Zum Andenken daran ist auch an jene Stelle ein Stein gesetzt.“ Dieses Ereignis hat der Autor in eine lebendige Geschichte aus dem frühen Mittelalter eingebunden. So schreibt der Mönch Wilfrith eine Chronik über die Ereignisse des Winters 880/881, eine Geschichte voller Abenteuer, Glauben und Zweifel, Kampf und Liebe. Von Hamburg aus bricht er mit einer Handvoll Gefährten auf und durchquert die Sümpfe, Wälder und Meere jenseits des limes saxoniae und des Danewerk, um seinen verschollenen Lehrer, den Missionar Dietrich, zu suchen. Doch die Reise führt weiter als Gedacht und die Zeit drängt, denn der nordelbischen Heimat droht eine unerwartete Gefahr …. Gleich eingangs führt der Autor eine Liste der Hauptfiguren auf, die teils geschichtlich belegt sind. Es folgt ein Inhaltsverzeichnis und der Prolog bevor Kantelhardt seinen Mönch mit der eigentlichen Chronik in 16 Kapitel tätig werden, und das Buch mit einem Epilog, historischen sowie medizinischen Anmerkungen, einer Erklärung alter Maßeinheiten, Hinweisen zur Schreibweise der Ortsnamen und zwei Karten inklusive dazu passender Legende ausklingen lässt. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einem großen, verzierten Initial und in den Kapiteln wiederum gibt es Unterteilungen nach einzelnen Personen, die nicht immer wirklich chronologisch sind. Doch was erwartet den Leser in der Geschichte selbst? Keine Mainstreamgeschichte – das wird jedem sehr schnell klar. Ortsnamen, die ungewöhnlich klingen, etwa Hammaburg für Hamburg oder Starigard für das holsteinische Oldenburg. Und auch die eine oder andere Bezeichnung mag gewöhnungsbedürftig sein. Diese werden zwar sehr gut erklärt, doch genau das dürfte den einen oder anderen beim Eintauchen in die Geschichte oder im Lesefluss selbst stören. Die Erklärungen erfolgen nicht im zeitnahen Verlauf der Geschichte. Vielmehr befinden sie sich am Ende der betreffenden Kapitel. Wenn man – wie ich etwa – wissen will, was sie bedeuten, blättert man natürlich sofort hin und her. Und genau das stört dann in der Fülle, in der sie vorkommen. Zudem startet die Geschichte eher gemächlich und die Ausführlichkeit, mit der Kantelhardt manches beschreibt, stört die angekündigte Spannung. Doch durchhalten lohnt durchaus, denn was einerseits die Spannung stört, vermittelt andererseits eine bedrückende Atmosphäre, zeichnet harte Lebensumstände und anschauliche Ereignisse. Kantelhardt verzettelt sich bei seinen Beschreibungen nicht und er geht nicht sehr zartfühlend mit seinen Figuren um. Die Handlung spielt im tiefsten Winter, unter widrigen Wetterbedingungen, in Sümpfen und Wäldern. Doch das ist es nicht alleine. Denn um Dietrich zu suchen, müssen Wilfrith und seine Gefährten es auch mit Heiden aufnehmen, ohne auch nur andeutungsweise zu wissen, ob ihre Suche tatsächlich zum Erfolg führt oder ob der vermisste Lehrmeister noch lebt. Sie verlassen eine zwar harte aber doch halbwegs sichere Heimat und begeben sich unter Heiden in die Fremde. Das schlicht gehaltene Cover spiegelt sich nicht nur die Inhaltsangabe, sie passt auch hervorragend zu der von Kantelhardt gewählten schlichten Sprache. Überflüssige Darstellungen seiner Figuren lässt er weg. Manche Dialoge wirken zugegebenermaßen flach. Doch die kurz gehaltene Erzählweise reflektiert das damalige Leben sehr gut. Seine in den Roman einfließenden Recherchen, die nicht immer im korrekten Kontext von ihm wiedergegeben werden (worauf er in seinen historischen Anmerkungen hinweist), lassen Die Chroniken des Mönchs – Abenteuer unter Heiden jedoch gleichfalls üppig ausfallen. Illustrativ wird die gefahrvolle und beschwerliche Suche beschrieben. Plausibel wirkt auch die Schilderung der Glaubenskonflikte oder die ungleichen Lebensanschauungen der Figuren. Missionieren bedeutete damals Lebensgefahr. Und diese Gefahr bekommt man trotz des stellenweise unterbrochenen oder durchhängenden Spannungsbogens durchaus gut vermittelt. Fazit: Keine ganz leichte Kost, kein Lesequickie. Kantelhardts Debütroman verlangt dem Leser etwas Durchhaltevermögen ab und gehört nicht zu den spannendsten Büchern die ich gelesen habe. Aber er ist nach heutigem Wissen um die damalige Zeit lebensnah und eindrücklich gestaltet, vermittelt einiges über das Leben im Mittelalter. Und irgendwann, ohne es zu merken, tauchte ich wider Erwarten darin ein. Deshalb möchte ich für Die Chroniken des Mönchs – Abenteuer unter Heiden drei von fünf Punkten vergeben. Copyright © 2012, Antje Jürgens (AJ)
  20. Cover des Buches Kreuz und Schwert (ISBN: 9783861249009)
    Otohiko Kaga

    Kreuz und Schwert

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    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Die Christianisierung Europas im Mittelalter (ISBN: 9783150186411)
    Lutz E. von Padberg

    Die Christianisierung Europas im Mittelalter

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Sokrates
    Der Autor, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Paderborn, beschäftigt sich in diesem kleinen Buch aus der Reclam-Sachbuch-Reihe mit einem recht kleinen Zeitausschnitt der Spätantike bzw. dem frühen Mittelalter, der jedoch für die abendländische Geschichte von wesentlicher Bedeutung war: die Zeit ab 311 - das Toleranzedikt legalisierte das Christentum erstmals im Römischen Reich - und der endgültigen Etablierung der neuen Religion im gesamten Abendland bis zum Ende der ottonischen Herrschaft einschließlich der vielerorts angestoßenen Missionen in den Osten des Reiches und darüber hinaus. - Padberg schreibt souverän, aber nicht akademisch-hölzern. Das Buch liest sich sehr angenehm, flüssig und wird an vielen Stellen durch zeitgenössische (archäologische) Fundbilder oder Karten (Ethnogenese der Germanen u.a.) visuell unterstützt. Zwar ist hier das kleine Format von Reclam etwas im Wege (die Karte bedarf bei der Betrachtung gut einer Lupe), aber immerhin... Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr optimal, denn mit lediglich 6,40 Euro gehört das Büchlein zweifellos zu den sehr erschwinglichen Einführungsliteraturen, die eine sehr rasante und unglaublich spannende Epoche näherbringen. Insbesondere gut geeignet zur begleitenden Vorlesungsvertiefung.
  22. Cover des Buches Okonkwo oder Das Alte stürzt (ISBN: 9783518111383)
    Chinua Achebe

    Okonkwo oder Das Alte stürzt

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Orisha
    Der Zusammenprall zweier Kulturen: Es ist die Geschichte, die Lebensgeschichte, von Okonkwo, einem gestandenen Mann vom Volk der Igbo, im Südosten Nigerias – Die Geschichte einer Tragödie, die ihn zwingt sein Dorf für sieben Jahre zu verlassen und aus der Ferne mit anzusehen, wie die Europäer in sein Dorf kommen und all jene alten Werte, für die Okonkwo steht, zunichte machten. Okonkwo hält an seinen Werten fest , kehrt zurück in eine Gemeinschaft, die nicht mehr die seine ist, er sieht das Alte stürzen und stürzt letztlich mit ihm… 

    Achebe, einer der wohl wichtigsten und bekanntesten Autoren Nigerias, hat diesen Roman im Jahr 1958 verfasst. Okonkwo ist daher so bedeutend, weil die europäische Kolonialisierung aus der Sicht eines Betroffenen, eines Igbo, geschildert wird, dessen Wertesystem in Frage gestellt und in ein eurozentristisches Weltbild gezwängt wird. Achebe gewährt uns nicht nur einen Einblick in seine Heimat, in seine ethnische Herkunft mit all seinen Riten und Gebräuchen, die nicht geschönt dargestellt werden, sondern gibt uns eine andere Sichtweise auf das koloniale Erbe, welches Europa Afrika bis heute hinterlassen hat. 

    Fazit: Kein kolonialer Kitsch, sondern ein lesenswertes Buch für all jene, die Nigeria, die Igbo und Afrika ein Stück weit näher kennenlernen möchten.
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