Bücher mit dem Tag "mitläufer"
17 Bücher
- Theresa Hannig
Die Optimierer
(130)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIn der schönen neuen Welt, die Theresa Hannig in ihrem Roman „Die Optimierer“ entwirft, hat jeder Büger das Recht darauf eine Lebensberatung zu erhalten, aus der dann ein passendes Jobangebot hervorgehen soll. Das Risiko dieser Beratung: Zeigt man zu wenig Eigeninitiative und Engagement wird man der sogenannten Kontemplation zugeführt und lebt dann von einer Art bedingungslosem Grundeinkommen. Die Autorin hat viele kreative Ideen, sie entwirft eine interessante futuristische Welt (ein wenig hat mich das Buch an den Film „Demolition Man“ erinnert, auch wenn keine Muschel vorkommt). Und die Schreibweise ist packend.
Die Hauptfigur des Romans ist Samson Freitag. Er ist ein Verfechter des Systems und hat nichts gegen totale Überwachung und Kontrolle. Vor seinen eigenen, systemkritischen Eltern verteidigt er die Vorteile der sogenannten Optimalwohlgesellschaft. Auf mich hat er zu Beginn des Buchs einen naiven Eindruck hinterlassen, er hat sich an die Gegebenheiten angepasst und hinterfragt nichts. Freitag ist ein braver Beamter eines fragwürdigen Staats, der angepasst die gesellschaftlichen Regeln befolgt. Und noch mehr: Er hat gar den Ehrgeiz, der optimalste und beste Bürger von allen zu sein. Um Sozialpunkte zu sammeln, schreibt er jede Menge Korrekturvermerke, also Verbesserungsvorschläge für das System.
Und die Regeln, nach denen man zu leben hat, sind äußerst rigide. Fleischkonsum wird z.B. mit Abzug von Sozialpunkten sanktioniert. Es werden Bewegungsprofile aufgezeichnet, Gespräche werden mit Hilfe von Linsen gespeichert, das Konsumverhalten wird festgehalten, Krankheiten und Straftaten werden digital und für jeden anderen Bürger einsehbar fixiert. Und weil die Eltern von Samson gegen eine Regel verstoßen, die ihr Sohn nicht zur Anzeige bringt, wird er schließlich sanktioniert und gerät immer tiefer in eine Abwärtsspirale, weil er Sozialpunkte verliert.
Und als ob das noch nicht genug wäre, wird Samson nachträglich auch noch eine Falschberatung einer Klientin vorgeworfen, bei der er es an Empathie hat vermissen lassen. Ihm wird ein schweres Verbrechen zur Last gelegt und er wird zwangstherapiert. Plötzlich ist er nur noch ein Bürger zweiter Klasse, der von anderen gemieden wird. Zwischenzeitlich macht es dabei sogar den Eindruck, dass Samson sich in einen Verfolgungswahn hineinsteigert. Ihm droht gar das sogenannte Internat, eine Umerziehungseinrichtung. Soll er etwa aus dem Weg geräumt werden, weil er zu einem populären Politiker einen Korrekturvermerk verfasst hat? Das alles liest sich sehr spannend und ist toll von Hannig gestaltet worden!
Und durch seine Erlebnisse beginnt Samson das System auf einmal mit anderen Augen zu sehen und Dinge zu hinterfragen. Eine interessante Entwicklung, die der Protagonist hier durchläuft. Er wacht auf und sieht, was schief läuft. Ein interessanter Kontrast, der sich hier ergibt. Von der Gesellschaft als krank abgestempelt, erkennt Samson seinerseits die Krankheitssymptome der ihn umgebenden Gesellschaft. Toll! Und das alles liest sich packend, ich wollte permanent wissen, was aus Samson wird und wie es mit ihm weitergeht. Wird er sich auch seiner Lage befreien? Ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Und auch das Ende ist stark, auch wenn man schon recht früh ahnt, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt.
Fazit: Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangegangen und mit zunehmendem Handlungsverlauft hat mich der Roman immer mehr begeistert. Die futuristische Welt, die sich die Autorin überlegt hat, ist interessant. Ein gelungener Entwurf einer möglichen Dystopie. Und eine Sogwirkung entfaltet Samsons Schicksal. Sein tiefer Sturz von einem braven Beamten zu einem Außenseiter der Gesellschaft. Wirklich packend. Ich habe nichts an dem Buch auszusetzen und gebe deshalb 5 Sterne.
- Max Frisch
Andorra
(1.029)Aktuelle Rezension von: teilzeitbaeuerinEin Theaterstück über die Gefahren von Gerüchten und Vorurteilen. Andri gilt im Dorf als Findling des Lehrers, der in als Außenseiter klar deklariert hat. Solange er noch ein Kind ist, ist alles in Ordnung. Als er jedoch älter wird und ebenfalls seinen Platz in der Gesellschaft fordert, wird er mit seiner Herkunft konfrontiert und gelangt ständig an seine Grenzen. Auch wenn der Lehrer nun versucht, die Wahrheit zu sagen, hat sich in den Köpfen der Dorfbewohner bereits ein vorgefertigtes Bild manifestiert. Bis es zu spät ist.
- Ken Follett
Mitternachtsfalken
(238)Aktuelle Rezension von: MalinoisbaendigerDer Roman erlebt die Widerstandsbewegung einiger engagierten jungen Engländer zusammen mit jungen Dänen, welche der Besetzung Dänemarks durch Deutschland ausgeliefert wurden und Hitlers Vormarsch auf Russland stoppen wollen.
In Mitternachtsfalken gelang es Ken Folett, mich die ganze Zeit in eine enorme Spannung zu versetzen. Vom Anfang bis zum Ende lies es sich flüssig lesen. Die Protagonisten wurden klar dargestellt, sodass man mit den einzelnen Namen nicht durcheinander kam. Es wurde auch eine zarte Liebesgeschichte mit in die Handlung eingebracht, die für mich ebenfalls sehr angenehm zu lesen war, dennoch aber nicht dominand in den Fordergrund gerückt ist und so den Rest des Buches ins Abseits geschoben hat. Daher von mir eine klare Leseempfehlung mit 5 Sternen.
- Fernando Aramburu
Patria
(67)Aktuelle Rezension von: JulianchenDieser Roman ist nicht lieblich, üppig oder verspielt. Er ist direkt, etwas ruppig und auf den Punkt und trifft damit mitten ins Herz. Wie das Baskenland selbst mit seiner faszinierenden Sprache, den Menschen und dieser ganz eigenen Atmosphäre. Im Mittelpunkt stehen zwei Familien, die von Freunden zu Fremden werden. Zwei Pole, eine Annäherung unmöglich. Auf der einen Seite die Familie der Opfer und auf der anderen, die der Täter. Doch so einfach ist es nicht und macht es sich der Autor auch nicht. In ständigen Perspektivwechseln wird die Geschichte eines Verbrechens, die Geschichte der beiden Familien und damit auch die Geschichte einer ganzen Region erzählt. Dabei ist der Autor nicht parteiisch, sondern lässt jeder Figur ausreichend Raum. Dabei werden auch unangenehme Wahrheiten ausgesprochen. Besonderes Augenmerk liegt auf den beiden Frauen, Bittori und Miren. Beide sind starke, unbeugsame Charaktere. Beide Mütter, Ehefrauen, einst Freundinnen, jetzt Feindinnen. Mirens Sohn schließt sich der ETA an, Bittoris Mann wird zum Gejagten, zum Opfer. Auch die Kinder kommen zu Wort, die Schwestern, der Bruder. Wie geht es ihnen mit dieser Tat, dieser Schuld, dem Zwang des Dorfes? Dieser gesellschaftliche Zwang, die Ächtung derjenigen, die zu Verrätern erklärt wurden, hat mich besonders schockiert. Wie schnell war man isoliert, unerwünscht und verhasst. Die tragischste Figur ist für mich Joxian, der Freund, Feigling, Vater. Doch auch die anderen Charaktere sind sehr facettenreich gezeichnet. Bei allen menschlichen Schwächen schimmert meist auch eine große Stärke und Kraft unter der Oberfläche. Es ist berührend, wie jeder Einzelne darum kämpft, das eigene Schicksal in der Hand zu behalten, kein Opfer zu sein. Der Schreibstil ist nicht immer einfach. Komplexe Sätze, immer wieder Einschübe zu Gedanken und Gefühlen, tragen nicht unbedingt zu einem schnellen Lesefluss bei. Dennoch passt hier jedes Wort, jeder Satz. Ein wichtiges Buch, das mich nicht nur wegen der geschichtlichen Hintergründe noch lange beschäftigen wird. Insbesondere die Frage von Schuld und Vergebung wirkt nach. Ein Roman mit sehr großer Kraft, der von Heimat, Identität, Familie, Mut und Vergebung handelt.
- Martin Beyer
Und ich war da
(8)Aktuelle Rezension von: Kathrin_SchroederMartin Beyer "Und ich war da"
gelesen dank Netgalley
Fiktiver Erfahrungsbericht eines Mannes, der im 3. Reich heranwächst, an die Ostfront gerät und als Kriegsversehrter zurückkommt.
Wäre dasselbe Buch von dem geschrieben, der als Ich-Erzähler der Geschichte auftaucht, wäre die Geschichte zwar immer noch trotz ihrer Kürze sehr sperrig zu lesen gewesen, aber ich hätte sie dennoch als eher stimmig empfunden.
Als ausgedachte Geschichte ist die Jugend zu viel Klischee, die Ostfront zu sehr Traumerleben und die dritte Phase des Lebens zu Kriegszeiten zu sehr an einem echten Ereignis angelehnt. Der Aufhänger das Buch im hohen Alter für die Tochter geschrieben zu haben, verleiht einer Geschichte auch keine Authentizität, die lange vor der Begegnung mit der Frau endet, die die Mutter werden soll.
#UndIchWarDa #NetGalleyDE #MartinBeyer #KathrinliebtLesen #Rezension #Bookstagram
- Susanna Ernst
Was vor dir noch keiner sah 4
(35)Aktuelle Rezension von: AutorinMonaFrickDie ersten Lieben, Probleme mit Mobbing und Anpassungsschwierigkeiten, Verlust der Eltern... Themen die immer aktuell sind, aber heute scheint es mir, noch mehr als früher. Ich habe es gern gelesen. Schön geschrieben und einfühlsam beschrieben.
Ein Jugendbuch, ja stimmt, aber Liebe kennt ja kein Alter...
- Jenny Blok
Die Nixies - Maila und die Clownfische
(1)Aktuelle Rezension von: KinderbuchkisteAuf euch wartet eine anschauliche, zauberhaft erzählt und illustrierte Geschichte
zum Thema verletzte Gefühle, Mobbing,
über andere Lachen , Streit, Mut und Freundschaft
Mit Gebärdensprache
für Kinder ab 3 Jahren
Anders als in vielen anderen Ländern wie z.B. Frankreich und im englisch-amerikamischen Sprachraum gibt es in Deutschland sehr wenige Bilderbücher mit Gebärdensprache, was wie ich finde, ziemlich schade ist, denn im Grunde bedarf es nicht allzu viel, um eine Bilderbuchgeschichte auch mit Gebärden zu erzählen.
Jenny Blok hat sich diesem Thema angenommen und bringt seit 2020 die Reihe die Nixies heraus in den lebensnahen Geschichten auf Fiktion, Fantasie und Informationen treffen und auch mit Gebärden erzählt werden. Die Nixies erzählen nicht nur eine Geschichte, sondern widmen sich immer einem Thema, das neben der fiktiven Handlung im Anschluss Informationen, Basteltipps und einiges mehr bietet.
In "Die Nixies Maila und die Clownfische" erzählt Jenny Blok sehr anschaulich und einfühlsam die Geschichte von Krake Katara und den Seepferdchen die immer wieder von den Clownfischen, allen voran von Anführer Caius ausgelacht werden.
Wenn andere oder jemand anders über einen lacht, dann ist das ziemlich gemein und tut sehr weh.
Wenn dies dann öfter geschieht, ist das durchaus Mobbing.
Wie sich ausgelacht werden anfühlt und was Mobbing genau ist, erleben die Kinder durch die Erlebnisse der Seepferdchen und Krake Katara wirklich hautnah mit.
Das besondere an der Geschichte ist, dass Nixe Maila unbewusst in die gemeinen Aktionen der Clownfische einbezogen wird. Clownfisch Caius macht sich über Krake Katara lustig, weil, sie sich immer wieder mit ihren vielen Armen selbst verfängt und verknotet. Es ist ihr ohnehin peinlich, dass ihr das immer wieder passiert aber, dass sie dann auch noch von den Caius und den anderen Fischen ausgelacht wird und auch Maila lacht das verletzt sie sehr. Maila jedoch lacht nicht um auszulachen, sondern weil sie die Situation in diesem Moment lustig findet.
Auch bei dem Zusammentreffen mit den Seepferdchen ist es Caius der einen gemeinen Spruch auf den Lippen hat, den Maila witzig findet.
Das dieser Spruch die Seepferdchen kränkt begreift sie erst einmal nicht. Zwar erklären ihr die Seepferdchen, das sie es gewohnt sind verspottet zu werden, dass es sie aber trotzdem verletzt, doch so richtig begreift die kleine Nixe den Ernst der Lage erst als sie wieder auf ihre Freundin Krake Kaia trifft, die richtig sauer auf sie ist. Maila versteht nicht, wieso Kaia böse mit ihr ist, hat aber Glück, dass der Krake sich ihr öffnet und ihrem Unmut und ihrer Enttäuschung Luft macht. Maila sah es nur als Spaß, aber der war es eben für Kaia geauso wenig wie für die Seepferdchen, das versteht die Nixe und ist sehr betroffen und traurig.
Als Nixie Nera und Izumi auf die traurige Maila treffen kommt es zu einem intensiven Gespräch über Mobbing und Gefühle bei dem Maila erkennen muss, dass sie sich entscheiden, muss welche Freundschaft ihr wichtiger ist, die zu den Clownfischen oder die zu den anderen. Dass sie trotz der Einsicht, dass ihr Mitlachen falsch war, trotzdem noch Angst hat die Freundschaft zu den Clownfischen zu verlieren, wenn sie ihr Verhalten nicht gutheißt, ist für viele befremdlich spiegelt aber sehr schön das Prinzip der Mitläufer wider.
Maila bricht den Kontakt zu den Clownfischen nicht ab. Auch am nächsten Tag schwimmt sie mit ihnen mit doch dieses Mal beobachtet sie Caius und die anderen Clownfische sehr genau und hat sogar den Mut Caius auf sein gemeines Verhalten hinzuweisen. Es kommt, wie die kleine Nixe befürchtet hat Caius wird sauer. Doch dann geschieht etwas, was die Clownfische im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib erleben, lässt wie es sich anfühlt, ausgelacht zu werden.
Die Clownfische entschuldigen sich bei Maila und den anderen. Ihr möchtet wissen, wie es an diesem Tag weitergeht?
Schaut ins Buch und erlebt diese eindrucksvolle, gefühlvolle und erkenntnisreiche Geschichte selbst.
Nach der Geschichte erwarten euch noch weitere Informationen zum Thema Mobbing und neben einer wunderbaren Idee Gefühlbilder mit Hilfe von Knete zu basteln und damit zu spielen, gibt es auch noch ein Rezept für Freunfschaftsmuffins. Alles wunderbar illustriert und mittels Fotos erklärt.
Abschließend gibt es in jedem Buch, so auch hier den Gebärdenindex.
Mittels dem Gebärdenindex können einzelne Gebärden den Seiten zugeordnet und gefunden werden.
Die Gebärden sind in die Illustrationen auf zweierlei Weise eingebunden.
Zum einen gibt es Bilder von Kindern die die Gebärden für bestimmte Wörter wie z.B. Tag, genervt, mögen, Tag, Glück, satt, traurig..... so anschaulich machen, dass sie jeder nachmachen, kann zum anderen werden bestimmte Gebärden auch direkt von den Nixies im Bild via Illustration vermittelt. Die Nixies unterhalten sich mit Gebärden, die Bewegungen auch mit Pfeilen unterstützt zeigen und die Bewegung der Hände erklären.
So können Gehörlose die Geschichte über die GebärdenBilder und die Gebärden sowie unterstütz von der allgemeinen Bildsprache der Illustrationen erleben.
Gleichzeitig können Kinder, die der Gebärdensprache nicht mächtig sind, diese über die Bilder erlernen.
Die Geschichte ist so konzipiert, dass sie sowohl Kindergarten- als auch Grundschulkinder anspricht. Grundschulkinder können sie selbst lesen und so auch die Gebärden alleine üben. Kindergartenkinder benötigen hier die Hilfe eines Lesenden.
Das hier Nixies als Protagonisten gewählt wurden ist wirklich gut durchdacht, denn Unterwasser kann man sich einfach nur über Gebärdensprache, Sprache mit den Händen verständigen.
Die Nixies sind für Gehörlose wie Hörende eine wunderbare Geschichtenreihe, die noch dazu beiden Gruppen ermöglichen gemeinsam einer Geschichte zu lauschen. Im Zuge von Inklusion ist dies eine Bereicherung, die aber weit darüber hinaus geht, denn die Gebärdensprache zu beherrschen ist generell wertvoll. Kinder können hier spielerisch lernen und damit eine echte Bereicherung für ihr ganzes Leben erfahren.
Am Ende des Buches erwartet den Leser noch ein QR Code der zu dem passenden Bilderbuchkino mit Gebärdensprache auf YouTube führt.
Ich würde mir wünschen, dass diese zauberhafte, vielfältige Geschichte in allen Einrichtungen, Büchereien und vielen Familien ein Zuhause finden, egal ob Gehörlose oder Schwerhörige dabei sind oder nicht.
Wie wäre es einfach mal mit seinen Kindern und den Büchern Gebärden zu lernen, denn das macht richtig viel Spaß und inspiriert den ein oder anderen bestimmt sich ein wenig näher und mehr damit zu beschäftigen.
Kommt macht mit, es macht wirklich Freude.
Ich kenne einige Kinder, die sich inspiriert von den Geschichten jetzt mit Gebärden unterhalten, wenn sie nicht möchten die Eltern oder andere mithören.
Für sie ist die Gebärdensprache zu einer Art Geheimsprache geworden.
Ihr könnt sehr gut die einzelnen Gebärden-"Bausteine" (Bilder) kopieren und einzeln auf kleinen ausgedruckten Zetteln zum Beispiel an einer Wand oder auf einer Leine (mit kleinen Wäscheklammern) befestigen. Wir haben eine mit Magnetfarbe gestrichene Wand an der wir die einzelnen Vignetten (Bilder) nach Themengruppen platzieren. Drum herum malen die Kinder passende Bilder, die dazu gepinnt werden.
Die einzelnen Gebärdenbilder werden zuvor laminiert und können so immer wieder zum Spielen heruntergeholt werden.
Sicherlich hat jeder so seine eigenen Ideen mit gebastelten Gebärdenkarten.
Ziel sollte sein, dass Kinder spielerisch Gebärden lernen und in ihren Alltag integrieren können. Wie selbstverständlich lernen unsere Kinder Fremdsprachen wieso nicht auch die Gebärdensprache? Dies würde viel zur selbstverständlichen Inklusion Gehörloser und Gehörbehinderter Menschen beitragen.
- Roberto Bolano
Chilenisches Nachtstück
(26)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerEin alter chilenischer Literaturkritiker und Priester sinniert über sein Leben. Dabei streift er die jüngste Geschichte Chiles, Präsidentschaft Allendes, Militärputsch Pinochets und danach die Demokratie. Dabei findet durchgehend ein Literaturbetrieb statt, der die Augen verschliesst vor Ungerechtigkeiten und sich anbiedert bei der jeweils herrschenden Klasse. Jetzt will niemand mehr dabei gewesen sein, niemand etwas gewusst oder geahnt haben. Grandios und eindrücklich wie diese Gefühlslage näher gebracht wird. - Nora Bossong
Reichskanzlerplatz
(7)Aktuelle Rezension von: JorokaAus der Perspektive von Hans lernen wir die Stiefmutter seines Schulfreundes Hellmut Quandt, Magda kennen, die nur 7 Jahre älter ist als der anfangs 12jährige Bub. Sie hat den Vater von Hellmut, den Witwer und Industriellen Günther Quandt geehelicht. Im pubertären Alter entwickelt Hans Gefühle für Hellmut, die dieser jedoch nicht erwidert, stattdessen verliebt er sich als junger Mann in seine eigene Stiefmutter, stirbt aber tragischerweise an einer Sepsis mit nur 21 Jahren. Hans tritt an seine Stelle und beginnt eine Affäre mit Magda. Als Magda den späteren Reichspropagandaminister Goebbels kennenlernt, zerbricht das Band zwischen Hans und ihr, jedoch nie ganz vollständig ..
Der Roman hält sich eng an die Biografie der sogenannten „Mutter der Nation“ im 3. Reich. Die Affäre mit einem Studenten taucht auch bei Wikipedia auf, ein Name wird hingegen nicht genannt. Die Autorin lässt auf dieser Grundlage einen fiktiven Roman entstehen, der einen guten Einblick in die lange zurückliegende Zeit gibt.
Hans wird Beamter im Botschaftsdienst. Ihm gelingt es, seine Homosexualität geheim zu halten und einen sicheren Platz an einem Schreibtisch zu behalten (was als junger Mann zu Weltkriegszeiten ein großes Privileg darstellt).
Der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte wirkt authentisch und nachvollziehbar.
Es handelt sich um eine ungekürzte Lesung mit ca. 7 Stunden Laufzeit, gelesen von Cédric Cavatore. Seine Stimme passt perfekt zum Inhalt und seine Interpretation des Romans hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Fazit: Ein Stück Zeitgeschichte, spannend und bedenkenswert
- Claudia Rusch
Meine freie deutsche Jugend
(39)Aktuelle Rezension von: Holden"für Irmgard, ganz herzlich, Weimar 16.10.03" lautet die Widmung, dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen, nur das hier die Lebensgeschichte eines Vorbilds an Zivilcourage anschaulich präsentiert wird. Wäre man selbst so tapfer gewesen, man weiß es nicht, aber durch die Erziehung zum Querdenken durch ihre Mutter und deren Freunde wurden die Energien der kleinen Claudia in die richtigen Bahnen gelenkt. Das DDR-Unrecht wird drastisch angeklagt, so daß kein Platz mehr für Ostalgie und Verklärung bleibt, erst mit der "Wende" wurden die Oppostitionellen zu "echten" DDR-Bürgern, aber aufhalten ließ sich der hier schreibende Wirbelwind nicht. Auch ein Vorbild an Lebensenergie und der Beweis dafür, was man als Individuum erleben kann.
- Christian v. Ditfurth
Mann ohne Makel
(73)Aktuelle Rezension von: Gartenfee-BerlinAm Anfang des Buches habe ich noch gedacht, was für ein öder Kram. Nur Geschwafel an der Uni, lediglich die Handlungen um den Kommissar herum waren spannend und interessant.
Da ich aber alle Folgebände auf dem SuB habe, habe ich mir gedacht, da muss ich jetzt durch und tapfer weitergelesen. Hat sich auch gelohnt. Es wurde immer interessanter, je mehr Dr. Stachelmann in der Vergangenheit grub und sich die Ergebnisse mit den aktuellen Ereignissen in Verbindung bringen ließen. Dennoch kann ich alles in allem für mich maximal 3.5 Sterne vergeben.
- Jürgen Wiebicke
Sieben Heringe: Meine Mutter, das Schweigen der Kriegskinder und das Sprechen vor dem Sterben
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Eskil Burck
Neue Psychologie der Beeinflussung
(1)Aktuelle Rezension von: NihonDieses Buch ist sehr informativ, unterhaltsam und nicht auf Fachchinesisch geschrieben, sodass man es ohne weiteren Unterbrechungen lesen kann.
Ich persönlich bin schon seit längerem ein Fan seiner Youtubevideos/ seines Podcastes und genau so tief und dennoch gut erklärt werden die Beeinflussungstechniken in diesem Buch.
Deswegen habe ich volle Punktzahl gegeben, es ist nicht nur einfach geschrieben und dabei nicht anspruchslos, sondern erklärt die Sachverhalte auch in der richtigen Tiefe und zeigt auch die dazugehörigen Studien in einem guten Maße und erklärt dabei auch die Stärken und Schwächen der Studien.
Warum es zum Beispiel besser ist zuerst eine kleine Bitte zu stellen und dann erst die große oder inwiefern es die Chancen erhöht, wenn man seinen gegenüber bei einer Bitte berührt oder aber wieso der einfache Satz "But you are free to accept or refuse" zu deutsch "Aber sie können sich frei entscheiden, ob Sie das machen wollen oder nicht" deine Chancen verdoppelt werden in dem Buch geklärt und noch viel mehr.
Ich würde dieses Buch jedem empfehlen der Interesse an Beeinflussungstechniken hat, diese vielleicht auch braucht oder dagegen gewappnet sein möchte. - Bruno Jonas
Vollhorst
(5)Aktuelle Rezension von: HoldenB.J. zeigt uns die Horstisierung der Gesellschaft auf, v.a. die unserer politisch und demokratisch gewählten Spitzenpolitiker, und läßt sie Luft aus so mancher aufgeblasener Elitenpersönlichkeit. Manches brennt sich geradezu ein, wie daß Deutschland ein Beamtenstaat ist, in dem die Hälfte der Steuereinnahmen für den eigenen "Zirkus" für die eigenen Bedürfnisse verbracht wird. Mir als (halbgelungenen) Juristen leuchtet ein, daß er sich über die Fülle an Gerichten in Deutschland echauffiert, die ohne Ende Papier produzieren und das Ganze einfach kein Ende nehmen will. Wenn er die Existenzberechtigung einiger Bundesländer anzweifelt, möchte ich anfügen, daß man schon berechnet hat, wie milliardenteuer eine Zusammenlegung einiger (kleinerer) Bundesländer werden würde, man beachte jetzt den Wahnsinn mit der Pendelei in die "Bundesstadt" Bonn. Die persönlichen Einschübe, wie die Überlegungen über eine neue Küche, bremsen das Ganze etwas, aber insgesamt eine sehr erhellende Lektüre.
- Lukas Rietzschel
Mit der Faust in die Welt schlagen
(139)Aktuelle Rezension von: MeazostroDas Buch läuft langsam an in der Erzählung von zwei Brüdern, die als Kinder ihrer Zeit gelten können. Im Glauben einer heilen Welt wachsen sie zur Zeit des scheinbar eingelösten Wohlstandsversprechens nach der Wiedervereinigung auf: Bekommen dem Bau des Eigenheims ebenso mit wie vereinzelt tragische Schicksale als Überreste der kollabierten DDR - deren Aufarbeitung ausbleibt. Es ist das kollektive Nacheifern einer Vision vom Mittelstand, das sich letztlich als instabiles Leben über die Verhältnisse hinaus abzeichnet und den Frust einer Generation auffängt, die sich das Verständnis ihres verschwiegenen kulturellen Erbes selbst und ohne Anleitung erarbeiten muss. So schafft Rietzschel es Klischees nicht nur darzustellen als vielmehr zu ergründen, die bekannte Diagnose des aufkommenden Rechtsextremismus als Trotzreaktion um das Verständnis einer aktiven Subjektrolle zu erweitern, die weniger um Inhalte als um Handlungspielraum in der systemisch entkoppelten Alltagswelt kämpft und sich ironisch tragisch damit erst um das eigene Ziel bringt. Das Buch schärft das Bild mit dem Fortschreiten der Geschichte kontinuierlich, sodass man sich am gekonnt ausgewählten Ende kaum davon losreißen kann. Zurecht findet es seinen Weg gerade in die Klassenzimmer.
Es sei noch angemerkt dass auch die Verfilmung zwar lohnenswert ist, aber fast alle Abänderungen leider entgegen der Stärke des Buches stehen, gerade keine individuellen Schuldpakete zu verteilen. Den Vater als inkompetenten Alkoholiker darzustellen reduziert die strukturelle gesellschaftliche Apathie auf ein Familiendrama, der Verzicht auf das Bild des glatzköpfigen Neozazis verkennt gerade dessen Verklärung zum Idol, dass auch die Ästhetik der 90er zurück bringt. Der Versuch einer Stigmatisierung als dummen Ossis vorzubeugen endet nur erneut darin, das Kernproblem nicht ganz ernst zu nehmen und dem Buch damit einen Bärendienst zu erweisen.
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