Bücher mit dem Tag "mittelamerika"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "mittelamerika" gekennzeichnet haben.

18 Bücher

  1. Cover des Buches Hundert Jahre Einsamkeit (ISBN: 9783462050219)
    Gabriel García Márquez

    Hundert Jahre Einsamkeit

    (570)
    Aktuelle Rezension von: NikoVoss

    »Hundert Jahre Einsamkeit« ist für mich ein ambivalentes Buch.

    Der Anfang hat mich wirklich beeindruckt: die Figuren, die gesellschaftlichen Beobachtungen, die fantastischen Elemente wie Zirkus und Zauberer – das war stark und originell. Márquez hat ein Talent, Stimmungen einzufangen, und das spürt man sofort.

    Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass er mit aller Gewalt möglichst viel Handlung in dieses Werk pressen wollte. Wahrscheinlich auch als Gegenreaktion auf die damalige Kritik an „zu flachen“ Romanen. Hier wird wirklich jede Seite genutzt, um Handlung voranzutreiben – bis ins Extreme. Für mich führte das dazu, dass sich vieles wiederholt und im Kreis dreht. 

    Etwa bei 70–80 % habe ich abgebrochen, weil es mir zu monoton wurde: immer wieder dasselbe Muster, immer wieder neue Figuren, die sich ähnlich verhalten. Schade, denn der Beginn war stark. Für mich gehört „Hundert Jahre Einsamkeit“, trotz des riesigen Lobes, eher zu den schwächeren Werken von Márquez. Deshalb nur 3 Sterne.

  2. Cover des Buches Homo faber (ISBN: 9783518471845)
    Max Frisch

    Homo faber

    (3.287)
    Aktuelle Rezension von: Jiko_Tuna

    Ein Klassiker, der Eindruck hinterlässt - vielleicht auch keinen guten :-). Das Buch hat den Mut einen unsympathischen Hauptprotagonisten zu haben, dessen Verhalten man (nach Nachdenken) nachvollziehen kann aber nicht nachahmen möchte. Wenn man leichte Unterhaltung möchte sicher nicht geeignet. Es thematisiert schwierige Tabu-Themen ohne moralisch sein zu wollen. Ein Buch seiner Zeit, könnte aber auch in der heutigen Zeit Relevanz haben kann (man redet halt nicht darüber). 

    Ich wollte es unbedingt fertig lesen, um zu wissen wohin die Handlung geht und endet. Es ist ein kurzes Buch und daher nicht sehr zeitaufwändig. Mich hat es erst später zum Nachdenken angeregt als ich indirekt mit dem offensichtlichen Hauptthema betroffen war. 

    Empfehlen kann ich das Buch, wenn man gerne Bücher liest, die den Zeitgeist bestimmter Epochen widerspiegeln. Ich mag etwas skurrile und morbide Bücher, daher hat es mir gefallen. 

  3. Cover des Buches Jahre des Jägers (ISBN: 9783426305300)
    Don Winslow

    Jahre des Jägers

    (38)
    Aktuelle Rezension von: Barbara_Nelting

    Dieser dicke Wälzer (Anmerkung: In Originalsprache, also Englisch gelesen), der mir von einer guten Freundin zugespielt wurde, flößte mir einige Wochen lang ungelesen Respekt ein, bevor ich mich endlich an ihn herantraute - um dann nach ca. der Hälfte zufällig zu erfahren, dass "The border" der dritte Teil einer Triologie ist, das Gesamtwerk also aus noch deutlich mehr Seiten als den vielen in meinem Schoß liegenden besteht! Im Nachwort schreibt Winslow, dass er 20 Jahre für die drei Romane gebraucht hat. Und diese intensive Beschäftigung mit dem Stoff merkt man dem Buch auch an. Mir hingegen fiel es bisweilen schwer, die vielen unterschiedlichen Personen, Schauplätze und Ereignisse zu erinnern und immer wieder richtig zuzuordnen. Was der Spannung beim Lesen und auch dem mitfühlenden Interesse, mit dem ich die Protagonisten auf ihrem 4 1/2 Jahre dauernden Weg begleitete, wenig Abbruch tat. Einziger Kritikpunkt sind manchmal etwas zu ausgeschmückte, für den Gesamtverlauf aber irrelevante Passagen (z.B. Nora und Sean in Costa Rica), die an meiner 5-Sterne-Bewertung aber nichts ändern. Ein umfangreiches Lesevergnügen!

  4. Cover des Buches Der Azteke (ISBN: 9783596165223)
    Gary Jennings

    Der Azteke

    (49)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Der Autor Gary Jennings schildert in diesem Roman Aufstieg, Blüte und Untergang des Aztekenreiches. Sein Ich-Erzähler Mixtli steht als Berater, Krieger und Adliger der jeweiligen Herrscher des Aztekenreiches stets im Brennpunkt des Geschehens. Hierbei erfährt der Leser unglaublich viel über die Mythen, Religionen sowie das Regierungssystem der damaligen Zeit sowie über die Ankunft der spanischen Eroberer.  Dieses Buch ist voll mit einer Fülle historischer Details über das Leben der Azteken und beschwört ein eindringliches, authentisches Bild dieses Epoche herauf. Die Geschichte selbst ist fesselnd und spannend zu lesen, allerdings von einer nahezu unerträgliche Fülle an grausamen Begebenheiten. So übergibt sich der Ich-Erzähler Mixtli einmal auf einer verstümmelten Frau, von der sich später herausstellt, dass sie eine einstige Geliebte und nahe Verwandte von ihm gewesen ist. Es kommen auch zahlreiche Opferungen vor, wie beispielsweise die Opferung der einzigen Tochter des Ich-Erzählers, die auf eine besonders blutrünstige Weise ihr Leben lässt. Ich bin sicher, dass dieses Buch vielen Lesern gefallen wird, da es historisch nahezu einmalig recherchiert  ist und dabei sehr spannend zu lesen ist. Einmaliges Buch.

  5. Cover des Buches HOLIDAY Reisebuch: Atlas der Naturwunder (ISBN: 9783834231871)

    HOLIDAY Reisebuch: Atlas der Naturwunder

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Buechergarten

    》INHALT:

    Die Natur ist ein Wunder! Größer, vollkommener und eindrucksvoller, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen vorstellen können. Es gibt diese Orte, an denen die ganze Kraft, Schönheit und Perfektion in ganz besonderer Weise zur Geltung kommen. Wenn der Himmel hoch im Norden in irrlichterndem Grün der Aurora borealis erstrahlt. Wenn sich Tausende von Kranichen wie choreografiert auf dem Darß in Bewegung setzen. Wenn man die ganze Gewalt des Ozeans durch die haushohen Wellen an der Küste Portugals spüren kann.

    Der Atlas der Naturwunder nimmt den Leser mit auf die Reise zu diesen Orten und liefert einzigartige Reiseinspirationen für das once-in-a-lifetime-Naturerlebnis.

     

    》EIGENE MEINUNG:

    Das „HOLIDAY Reisebuch: Atlas der Naturwunder“ konnte mich auf den ersten Blick begeistern: Was für ein Titelbild! Aber auch das Konzept im Inneren des Buches kann absolut überzeugen.

    Auf 360 Seiten finden wir verschiedenste Kurzportraits zu Naturwundern rund um die Welt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten dieses Buch zu lesen:

    • Ganz lockeres Durchblättern: Auf jeder Seite finden sich hier die unterschiedlichsten Sehnsuchtsorte. Jeder davon wird durch eine wundervolle, untertitelte Fotografie eingeleitet, gefolgt von einer Überschrift, der Ortsangabe, einem kleinen Länderkarten-Ausschnitt mit markierter Lage, einer interessanten und informativen Kurz-Beschreibung sowie einem Tipp für den „perfekten Ort“ um dieses Naturwunder zu erleben. Hierbei geht es um Tageszeiten ebenso wie besonderen Aussichtspunkten.
    • Nach bester Reisezeit: Nach dem kurzen Vorwort im Buch finden wir eine, durch Farben strukturierte, Übersicht, die die vorgestellten Reiseziele nach bester Reisezeit innerhalb des Kalenderjahres gliedert. Jeder Monat dieses Kalendariums erhält dabei eine Farbe und listet Naturwunder, Ort und Land auf.
    • Nach Kontinenten: Das Buch ist in je ein Kapitel pro Kontinent gegliedert. Europa, Asien, Australien/Ozeanien, Nordamerika, Mittel-/Südamerika, Antarktis und Afrika.
    • Nach Karten der Kontinente: Zu Beginn jedes Kapitels ist eine Karte des jeweiligen Kontinentes abgebildet. Mit Pins werden alle vorgestellten Orte markiert.
    • Nach Art der Naturwunder: Die einzelnen Porträts sind in verschiedene Kategorien unterteilt. Eis & Gletscher, Flora, Fauna, Lost Places, Geologie, Meere, Wetter & Astronomie, Wüste sowie Flüsse, Seen, Wasserfälle. Hier kommt sicher keine Langeweile auf und die eigene Reiseliste wächst ins Unendliche!

     

    Ich bin begeistert und kann das Buch auch als Geschenk sehr empfehlen!

     

    》FAZIT:

    Wundervolle Fotografien, tolle Tipps für Aussichtspunkte, beste Tages- oder Reisezeiten zum Erleben, verschiedenste Möglichkeiten die einzelnen Naturwunder kennen zu lernen und damit eine Menge an Sehnsuchtsorten zu denen man sich träumen oder hoffentlich bald auch wieder reisen kann!

  6. Cover des Buches Eroberung (ISBN: 9783499003462)
    Laurent Binet

    Eroberung

    (34)
    Aktuelle Rezension von: Kagali

    Auf dieses Buch bin ich eigentlich nur durch Zufall gestoßen, ist die zeitgenössische Literatur eigentlich weniger mein Beuteschema. Aber ich habe mir schon seit längerem vorgenommen mehr Gegenwartsliteratur zu lesen und bei Eroberung hat mich die Prämisse sofort fasziniert. Alternativweltgeschichten finde ich ohnehin spannend und dann hier noch die Umkehr der eurozentrischen Erzählungen von Eroberungen und Entdeckungen? Her damit, dachte ich mir nur und setzte das Buch prompt auf die Leseliste.

    Wenn kleine Dinge die ganze Weltgeschichte verändern…

    Der Klapptet des Buches hat mich wahnsinnig neugierig gemacht. Wie wird es wohl sein, wenn die Europäer mal nicht erobern, sondern erobert werden? Welche Auswirkungen hat das auf Europa und den Machtverhältnissen dort? Wie vermischen sich die Kulturen, vermischen sie sich überhaupt? Wie ändert sich der Alltag der Menschen und, die ganz große Frage, die der Klapptext ja auch stellt: Wie sähe unsere Welt heute aus? All diese Fragen schwirrten schon durch meinen Kopf, bevor ich auch nur die erste Seite aufschlug und ich freute mich sehr darauf, wie Laurent Binet sie mir wohl beantworten würde.

    Das Buch ist keine einzige lineare Erzählung, sondern eine Zusammenstellung mehrerer “Berichte”. Als Erstes haben wir eine nordische Saga, in der von Freydis Eriksdottir und ihre Reise nach Amerika erzählt wird. An dieser Stelle ändert Binet zum ersten Mal die Weltgeschichte grundlegend. Indem er die Wikingerin bis nach Südamerika vordringen lässt, ändert er zwei ganz entscheiden Faktoren, die später in unserer Realität den Untergang der großen amerikanischen Zivilisationen maßgeblich beeinflussten: Pferde, Eisenwaren und Viren. Die Dominanz der Kavallerie, der geschärften Metallwaffen und die fehlende Abwehr gegen europäische Krankheiten waren entscheidend dafür, dass die Europäer den großen Doppelkontinent in die Knie zwingen konnten. Indem aber Binet die amerikanischen Indigenen schon gut 500 Jahre früher in Kontakt mit den Viren und in den Besitz von Pferden und dem Wissen zur Eisenverarbeitung brachte, änderten sich die Voraussetzungen europäischer Eroberungsambitionen grundlegend.

    Das muss in Binets Alternativwelt dann auch Christoph Kolumbus feststellen, von dessen nun eher unrühmlichen Reise Tagebucheinträge im zweiten Abschnitt des Buches berichten. Und hier ist die zweite entscheidende Änderung: Kolumbus kehrt nie nach Europa zurück und errichtet dementsprechend auch nicht von Gold und anderen Reichtümern in der “neuen Welt”, weshalb die Europäer weder vom Doppelkontinent erfahren, noch Begehrlichkeiten nach den Schätzen dort entwickeln und dementsprechend keinen Anlass mehr haben, sich auf den Weg zu machen. Die Inkas hingegen schon …
    Und damit wären wir bei dem Teil, der den Großteil des Buches ausmacht. Den Bericht vom großen Eroberungsfeldzug des Inkakönigs Atahualpa.

    Der Sonnenkönig in Europa
    Also, wie kann das Wunder geschehen, mit 200 Männer und Frauen einen halben Kontinent zu erobern und das ohne, wie es in der Realität bei Francisco Pizarro der Fall war, mit der Überlegenheit von Pferden, Eisenwaffen und Seuchen im Gepäck? Was unmöglich erscheint, erzählt Binet auf gekonnte Art und Weise. Dabei zeigt sich, dass der Autor auch Historiker ist. Trotz des augenscheinlich abwegigen Szenarios schafft er es, die Erzählung über Atahualpa Eroberungsfeldzug glaubhaft erscheinen zu lassen, indem er reale historische Ereignisse abwandelt und auch zahlreiche Persönlichkeiten dieser Zeit auftreten lässt: große Namen wie, Karl V., Martin Luther, El Greco, Michelangelo, Lorenzino de Medici, Erasmus von Rotterdam oder Machiavelli in Erwähnung, um nur einige zu nennen. Mit zielsicherem Blick und scharf, wie ein Skalpell nimmt Binet die europäische Gesellschaft und das fragile Machtverhältnis des 16. Jahrhundert auseinander und gestattet dem/der Leser/in durch die Augen eines Außenstehenden wie Atahualpa einen neuen Blick auf Europa. Dabei bekommt der/die Leser’in zwar nicht unbedingt eine südamerikanische Perspektive (man merkt immer noch, dass dies ein Buch eines Europäers über Europa ist), aber trotzdem veranschaulicht die Umkehr von “alte” und “neue Welt”, die Absurdität europäischer Übergelegenheitsgedanken. Dabei sind nicht alle Ereignisse allzu ernst zu nehmen (oft hat Atahualpa auch einfach verdammtes Glück), vielmehr gleicht das Buch einer Parodie oder Satire auf europäische Gepflogenheiten, das Christentum und allgemein dem Eurozentrismus.

    Doch das Buch regt nicht nur zur Infragestellung der “europäischen Vormachtstellung” in der Geschichtsschreibung an, sondern ist auch einfach wahnsinnig amüsant. Denn Binet schafft es gleichzeitig, die Geschichte sehr temporeich und unterhaltsam zu erzählen. Wenn Heinrichs VIII. von England zum Sonnenglauben wechseln will, weil der die Polygamie erlaubt und das ganz bequem sein Problem mit dem Papst wegen Anne Boleyn lösen würde, oder die 95 Sonnenthesen fundamentale christliche Glaubensgrundsätze infrage stellen, dann muss man schon schmunzeln, ob dieser Parodien europäischer Geschickte. Diese neuen Wendepunkte der Geschichte mitzuverfolgen machte mir unheimlich viel Spaß und da der Autor eine eher lockere Erzählweise hat, liest sich das alles auch gar nicht so trocken, wie es zuerst klingen mag. Im Gegenteil. In Momenten, wo Atahualpa vor den Spaniern fliehen muss oder auf Eroberungsfeldzug ist, liest sie das Buh schon fast wie ein Abenteureroman.

    und da war es einfach vorbei

    Ich hatte so viel Spaß mit Atahualpas Chronik, dass ich schon ein bisschen traurig war, als sie endete und der vierte und letzte Teil des Buches begann. Aber ich freute mich auch, da ich dachte, dass wir nun weiter in der Zeit voranschreiten und erfahren, wie sich der Eroberungsfeldzug der Inkas auf die späteren Jahrhunderte ausgewirkt hat, ja vielleicht sogar die Gegenwart, wie es der Online Verkaufstext mit der Frage “Wie ginge es uns heute, fragt Binet, wären wir statt der kapitalistischen Ideologie den Lehren des Inkahäuptlings Atahualpa gefolgt?” suggerierte.
    Leider war dieser Werbetext die reinste Irreführung und meine Enttäuschung groß: Statt das Gedankenspiel der Inkas in Europa groß weiterzudenken, spielt die letzte Episode nur wenige Jahre nach der dritten und erzählt eine alternative Lebensgeschichte von Miguel de Cervantes und die ist ehrlich gesagt furchtbar langweilig gewesen und trug, wie ich finde, auch nichts wirklich Neues mehr an Erkenntnissen oder zu Binets alternative Welt bei. Stattdessen wirkt sie fast schon losgelöst ans Ende hinten dann geklatscht, wie eine Bonusstory zum eigentlichen Roman. Den Teil hätte man meinem Empfinden nach komplett streichen können. Dann hätte ich zwar immer noch bedauert, dass das Gedankenexperiment nicht fortgeführt wurde, hätte mich aber immerhin nicht durch diese zähen letzten 40 Seiten quälen müssen.

    Fazit:

    Laurent Binets Eroberung bietet eine faszinierende Umkehr der uns bekannten Geschichtserzählungen von “Eroberung und Entdeckungen”. Durch die geschickte Verknüpfung von Fiktion und historischen Ereignissen entsteht eine temporeiche und unterhaltsame Lektüre, die zum Nachdenken über eurozentrische Vorstellungen anregt und dabei auch ziemlich unterhaltsam ist. Lediglich der letzte Abschnitt erschien mir ziemlich langweilig und überflüssig, aber den ignorierend möchte ich das Buch euch sehr ans Herz legen.


    Folge mir ;)

    Diese und andere aktuelle Rezensionen (mit zusätzlichem Coververgleich Deutsch/Original) findet ihr auch auf meinem Blog Miss PageTurner (https://miss-pageturner.de)



  7. Cover des Buches Kolumbus, der entsorgte Entdecker (ISBN: 9783777629162)
    Wolfgang Wissler

    Kolumbus, der entsorgte Entdecker

    (3)
    Aktuelle Rezension von: oceanlover

    Mich in Buchform nochmal genauer zu Kolumbus, seinem Leben und Wirken - aus kritischer Perspektive - zu informieren; dazu konnte ich also nicht nein sagen! Politik meets Seefahrt; yes please!


    Zur vollständigen Rezension: https://oceanlove--r.blogspot.com/2021/04/kolumbus-vierte-fahrt.html

    Das Buch würde ich als erzählendes Sachbuch bezeichnen; ist es doch in Romanform erzählt und auch mit Fiktion ausgeschmückt, zugleich aber auch nüchtern und auf Ereignisse und deren Auswirkungen beschränkt. Von der ersten Seite an war ich gebannt vom bemerkenswerter Schreib- und Erzählstil; Wolfgang Wissler springt hier nicht nur zwischen Personen, sondern auch in der Zeit. Hauptaugenmerk des Buches liegt auf der letzten Reise des Kolumbus, dem politischen Kontext jener sowie den unrühmlichen Geschehnissen. Gleichzeitig werden aber auch Jugend, Werdegang und wichtige Stationen angerissen. Christoph wird als ambivalenter Mensch porträtiert; ein genialer Seemann und ausgezeichneter Motivator, zugleich aber auch von Gier und Egoismus getrieben. Ich empfand dieses Spannungsfeld gelungen ausgearbeitet; wie er seine Mannschaft zusammenhält und aufrecht zu ihr steht, zugleich aber vor Manipulation und Einschüchterung nicht zurückschreckt.

    Diese Erzählung ist kein Tatsachenbericht, sondern eine Möglichkeit, wie verbriefte Ereignisse zueinander führten. Wie der Kontinent nicht nach Christoph, sondern Vespucci benannt wurde; wie die Überzeugung eines Einzelnen nicht nur Karten veränderte, sondern Leben. Unzählige auslöschte. Weder Amerigo noch Kolumbus stehen als Helden da; ersterer gar als Antiheld eines selbst nicht Unbefleckten.

    Kurzweilig und unterhaltsam - vor allem aber informativ und differenziert; keine Glorifizierung und auch keine vollständige Negierung von Kolumbus´ Errungenschaften und deren Konsequenzen. Die Überquerung des Atlantiks als Leistung eines Überzeugten, eines Überzeugers und eines Entschlossenen; das Verhalten jedoch als Ausdruck eines Hochmütigen. Klare Leseempfehlung von mir.

  8. Cover des Buches Ein Traum von einem Schiff (ISBN: 9783596191130)
    Christoph Maria Herbst

    Ein Traum von einem Schiff

    (87)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Verlag mit einem bekannten Namen ein paar Euros macht. Nehmen wir einfach mal den äußerst talentierten Schauspieler Herbst, der sich ja auch als Humorist einen guten Ruf erspielt hat und lassen den ein Protokoll seiner Traumschiffreise schreiben. Es ist anzunehmen, dass man ihn nicht mit vorgehaltener Waffe zwingen musste, denn man merkt, dass ihm das wohl auch ansatzweise Spaß gemacht hat. Herbst versucht so manches Mal in Bandwurmsätzen viel von seiner Komik auf engstem Raum unterzubringen, doch leider scheitert er, denn er kann es einfach nicht, liest sich zu bemüht und konstruiert, scheitert am Anspruch, so etwas wie einen eigenen Stil zu entwickeln. Er ist eben Schauspieler, ein begnadeter Sprecher (das Hörbuch dürfte sicher interessanter sein) und hat als Komiker einen Status erreicht, den er selbst mit diesem Buch nicht demontieren kann. Da will man ihm gönnerhaft zurufen: "Schuster, bleib' bei Deinem Leisten", doch das wird er selbst herausgefunden haben. Ach ja, der Inhalt: Ein paar Gimmicks auf der Kreuzfahrt, Unwohlsein, bisschen Saufen, bisschen Leute-niedermachen, na, alles was Stromberg besser kann, aber Herbst ist ja nicht Sromberg, gibt sich aber Mühe, ein wenig wie Stromberg zu klingen und ... Ach, das Ganze ist zu belanglos, um sich darüber auszulassen, kurz vor dem Ärgerlichen, aber doch nicht ganz so schlimm und machen wir mal das, was das Beste ist: Decken wir den Mantel des Schweigens darüber.
  9. Cover des Buches Das Ritual (ISBN: 9783964432056)
    Gerhard Wegner

    Das Ritual

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Blaustern
    Die Wissenschaftler des ODYSSEE-Teams sind in der Nordsee mit ihrem Schiff unterwegs, als sie einen beispiellosen Fund machen. Ein Codex aus purem Gold. Doch damit beginnt auch der Spießrutenlauf. Dieser Code muss entschlüsselt werden und das ganz dringend, denn außer ihnen hat das gute Stück auch noch andere Interessenten, eine Sekte von vor tausend Jahren, bei denen es um mexikanische Götter geht, die in ihren Riten Menschenopfer fordern. Sie haben die Tochter eines Teammitglieds entführt und verlangen nun schnellstens den Code dafür. Die Zeit drängt.
    Schon auf den ersten Seiten steigt man tief in die Geschichte hinein und ist so gefesselt, dass man kaum wieder auftauchen kann. Zwei verschiedene Handlungsstränge steigern die Spannung enorm, wobei diese auch noch in unterschiedlichen Epochen erzählt werden, bei dem der Schreibstil derjenigen angepasst ist. Der eine Strang spielt vor tausend Jahren in Mexiko während der Götterzeit mit ihren schrecklichen Riten, der andere in der Gegenwart des Fundes und der Entführung. Durch die großartige Recherche lernt man hier ganz neben dem Abenteuer der Schatzsuche auch noch eine Menge über die Wikinger, über die Kultur der Bevölkerung Südamerikas und über die Handhabung der Technik der Forscher. Die Orte mit ihren Einwohnern werden lebendig geschildert, sodass sie realitätsnah in die Handlung passen, und man sich alles gut vorstellen kann. Der Schreibstil liest sich außerdem auch sehr flüssig.
  10. Cover des Buches Die Fahrt der Beagle (ISBN: 9783596175895)
    Charles Darwin

    Die Fahrt der Beagle

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Stadtbuecherei_Wuerzburg
    Charles Darwin, gerade mal 22 Jahre jung, brach am 27.12.1831 zu seiner Forschungsreise an Bord der „Beagle“ auf. Die Welterkundung mit dem Vermessungsschiff unter dem Kommando von Kapitän Fritz Roy dauerte ganze fünf Jahre. In dieser Zeit legte der passionierte Käfersammler Darwin schließlich 1529 Spezies in Spiritus ein, etikettierte 3907 Häute, Knochen und andere Fundstücke. Die Reiseroute führte zu den Kapverdischen Inseln, nach Patagonien, Feuerland, Chile, über die Galapagos-Inseln, Neuseeland und Australien. In dem sehr ausführlichen Reisetagebuch hielt er all seine Beobachtungen und Entdeckungen fest. Er berichtete von der Schönheit Haitis, den atemberaubenden Korallenriffen der Südsee ebenso wie über seine geologischen Exkursionen. Hier erweist sich der junge Charles Darwin als glänzender Stilist, der keinen Hehl aus seiner Liebe für poetische Impressionen und literarische Metaphern machte. Wir lernen einen Menschen kennen, der sich stets wissbegierig über bereits vorhandene Vorurteile und festgefahrene Meinungen erhob und die Welt mit wissenschaftlicher Akribie und exakten empirischen Forschungen, aber auch mit den offenen und staunenden Augen eines Kindes betrachtete. Dabei stellte er bereits spektakuläre Theorien auf, erkannte sehr bald, dass alle Tiere und Pflanzen auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen sind und sich nur allmählich von einfachen zu höheren Lebewesen entwickelt haben. Somit keimte seit dieser Reise die Evolutionstheorie in ihm, die er erst viele Jahre später ausarbeiten und dank seines Kontrahenten Alfred Russel Wallace, der unabhängig von Darwin eine Evolutionstheorie entwickelte, dann auch publizieren sollte. Denn Darwin quälte sich jahrelang mit den Erkenntnissen dieser Theorie herum, ließen sie sich doch überhaupt nicht mit der biblischen Schöpfungsgeschichte unter einen Hut bringen. Selbst heute noch wird er dafür als Häretiker und Ketzer verachtet, denn mit Darwin wurde die Welt verändert und nichts sollte mehr so sein wie es einst war. Endlich nun liegt dieses Buch in einer spannend zu lesenden neuen deutschen Übersetzung vor, die dank des Marebuch Verlags in einer wunderschönen, bibliophilen, edlen Ausgabe mit Kartenmaterial, Illustrationen im Schuber zum Schmökern einlädt. So kann man sich als Leser hervorragend in die Welt des jungen Charles Darwin hineinversetzen und findet dabei eine Welt vor, die noch nicht ausgebeutet und durch des Menschen Hand verunstaltet war. Daniel Kehlmann nimmt im Vorwort den Leser bei der Hand und macht durch seinen engagierten und fundierten Text sofort neugierig auf dieses einmalige Lesevergnügen.
  11. Cover des Buches Doktor Frigo (ISBN: 9783455651102)
    Eric Ambler

    Doktor Frigo

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Gulan

    „Wenn du in einem Ölkonsortiums wärst, Ernesto, und vorhättest, Milliarden von Dollar in eine Kaffeerepublik zu investieren, würdest du die Regierung dann nicht genau unter die Lupe nehmen, bevor du dich entscheidest?“

    Vermutlich.“

    „Und wenn du siehst, dass ein paar Grundgrundbesitzer das Land mit Hilfe kleiner Gangster beherrschen, die sich als Miliz kostümieren, und dass die Inflationsrate bei achtzig Prozent liegt – was würdest du dann machen?“

    „Die CIA bitten, eine neue Regierung einzusetzen, schätze ich.“ (S.75)

    Die CIA spielt dann zwar nur eine Nebenrolle in dieser Geschichte, aber es finden sich andere Dienste, die nur allzu gerne übernehmen. Aber der Reihe nach: Ernesto Castillo ist Arzt auf einer französischen Antilleninsel. Seine Heimat ist ein fiktiver mittelamerikanischer Staat, der von einer Militärjunta regiert wird. Sein Vater war dort Oppositionsführer mit großen Aussichten auf den Präsidentenposten, bevor er vor zwölf Jahren bei einem Attentat ums Leben kam. Seitdem war Ernesto nicht mehr in der Heimat, hat Medizin studiert und hegt keinerlei politische Ambitionen. Doch nun soll er plötzlich als Leibarzt und Spitzel fungieren, denn ein ehemaliger Weggefährte seines Vaters ist auf die Insel gekommen, offenbar protegiert vom französischen Geheimdienst, und es werden Pläne geschmiedet, in der Heimat wieder die Macht zu übernehmen.

    Der Roman wurde erstmals 1974 veröffentlicht. Für einen Politthriller ist er durchaus ungewöhnlich geschrieben, denn auf den ersten drei Vierteln des Romans überschlagen sich die Ereignisse nicht gerade. Allerdings versteht es Ambler virtuos, die Ränkespiele in zahlreichen Dialogen kurzweilig darzustellen. Protagonist und Ich-Erzähler ist, typisch Ambler, ein Mann, der sich eigentlich in die Politik nie hereinziehen lassen wollte. Ernesto ist ein intelligenter und etwas unnahbarer Mann (daher sein Spitzname „Doktor Frigo“). Doch er wird widerwillig von den Franzosen gedrängt, seine Rolle in dieser Geschichte einzunehmen und im weiteren Verlauf wird eine Mischung aus Druck von außen und eigener Eitelkeit ihn immer tiefer in die Geschehnisse katapultieren. Denn so einfach wie zunächst angenommen wird die Machtübernahme nicht werden, denn die Putschisten sind alles andere als eine homogene Truppe. Zudem wird das Attentat auf Ernestos Vater noch eine Rolle spielen und es ergibt sich ein medizinisches Problem beim designierten Präsidenten.

    Starke und geschliffene Dialoge, raffinierte Figuren (beispielsweise Ernestos Freundin Elisabeth, abstammend aus einer Nebenlinie des Hauses Habsburg, die permanent Parallelen zur habsburgischen Familiengeschichte zieht) und ein ausgeklügelter Plot. Einfach grandios wie Eric Ambler die Spannung hoch hält, obwohl es eigentlich erst im letzten Viertel des Buches richtig hoch hergeht. „Doktor Frigo“ ist eine feine Lektion in Sachen Machtpolitik des 20.Jahrhunderts.

  12. Cover des Buches Der Codex (ISBN: 9783426511046)
    Douglas Preston

    Der Codex

    (142)
    Aktuelle Rezension von: FelixLibris

    Ich bin hin- und hergerissen! Die Spannung steigt schnell auf ein gutes Niveau und wird auf dem Level mehr oder weniger durchgezogen. Die Story- ein wenig absurd, wie man es von diesem Autor kennt. Hervorragend war die bildhafte Beschreibung des honduranischen Dschungels!

    Ich werde sicherlich noch einen Teil der Serie lesen. Vermisse aber den (vermutlichen) Einfluss von Child. Mir fehlt der Spannungsbogen.

  13. Cover des Buches Weltretten für Anfänger (ISBN: 9783404177219)
    Arto Paasilinna

    Weltretten für Anfänger

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Pixibuch
    Diese CD trieft vor schwarzem Humor und vor Satire. Bissig und voller Häme wird hier ein sog.Gutmensch beschrieben. Der Finne Surume will einen politischen Gefangenen befreien, der sich im Gefängnis in Mittelamerika befindet. Auf seinen Weg dorthin kommt er auch über Moskau. Hier verhält er sich nicht gerade vorbildlich, um an sein Ziel zu kommen, geht er buchstäblich über Leichen. Auch Adler spielen dabei ein Rolle. Letztendlich befreit er Lopez, dieser verliert aber alsbald sein Leben und kann seine Freiheit nicht genießen. Jürgen von der Lippe als Sprecher gibt dem Ganzen einen gewissen Kick: Mit seinen verschiedenen sprachlichen Stimmlagen kann er sich in die verschiedenen Personen total gut hineinversetzen. Ihm liegt die Komik total. Weltretten für Anfänger ist nicht jedermanns Sache, vor allem wer mit Zynismus nichts anfangen kann. Ein Hörgenuß für ein gewisses Klientel,  deswegen nur 4 Punkte.
  14. Cover des Buches Äquator (ISBN: 9783570103401)
    Antonin Varenne

    Äquator

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Dajobama

    Äquator – Antonin Varenne 

    Das hier ist eine interessante Mischung aus Western und Abenteuerroman. Diesen beiden Genres sollte man also nicht ganz abgeneigt sein. 

    Ist es Flucht oder Fernweh, die den Protagonisten Pete Ferguson immer weiter antreibt? Den Äquator will er sehen. Perspektive hat er darüber hinaus kaum. Unterwegs gerät er auch noch in etliche brenzlige Situationen. Es ist das 19. Jahrhundert, in Nebraska und Nevada wird er gesucht, als Brandstifter und Mörder. Er schließt sich zunächst Büffeljägern an und gelangt schließlich nach Mexiko. Egal wo er auftaucht, es gibt immer Ärger und Grund zur Flucht. Und so geht es immer weiter Richtung Süden. 

    Pete ist ein geborener Abenteurer. Er findet aus jeder Situation einen Ausweg und schafft es meist auch noch eine zweite, schwächere Person zu retten. Er hat das Herz am rechten Fleck, ein wahrer Held eben. Vielleicht ein bisschen viel des Guten, aber egal. Einige Entwicklungen erschienen mir sehr an den Haaren herbeigezogen. Normalerweise würde mich das sehr stören,  hier nicht. Warum auch immer. 

    Überhaupt könnte man viele kleine Schwächen an diesem Roman finden, wenn man will. Man kann ihn aber auch einfach sein lassen, wie er ist und die einzigartige Atmosphäre genießen. Und ebendiese mochte ich sehr. Pete ist ein sehr empfindsamer Held, der  nicht nur den Äquator sucht sondern auch seinen Platz im Leben. Die Stimmung und die Atmosphäre des Wilden Westens sind hervorragend eingefangen. 

    Die Geschichte ist fesselnd erzählt mit vielen nachdenklichen Momenten. Ich habe die Lektüre sehr genossen. 

    Trotz allen Kritikpunkten mochte ich das Buch sehr. 4 Sterne

  15. Cover des Buches Die Eroberung von Mexiko (ISBN: 9783458362524)
    Bernal Díaz del Castillo

    Die Eroberung von Mexiko

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Kapitel7

    1519 zogen ca. 500 spanische Soldaten auf eine Expedition nach Mexiko, um unter der Führung von Hernan Cortes die spanische Herrschaft auszudehnen. Bernal Diaz del Castillo war einer dieser Konquistadoren.

    Aus der Expedition wurde ein Eroberungsfeldzug. Die Spanier schafften es innerhalb von zwei Jahren, das Aztekenreich mit seinen geschätzten 25 Millionen Einwohnern zu erobern, und die Hauptstadt Tenochtitlan zu zerstören. Gut 40 Jahre später schrieb Bernal Diaz die Geschichte dieser Eroberung auf.

    Einer von nur 500 Männern, die von Beginn bis Ende dabei waren. Die meisten dürften in all den Jahren voller lebensbedrohlicher Umständen und Gefahren ums Leben gekommen sein. Es ist ein Wunder, dass wir diesen Bericht haben.

    Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass ein Buch, das im 16. Jahrhundert geschrieben wurde, und das eigentlich ein Bericht ist, altbacken und etwas zäh werden könnte. Doch schon nach ein paar Seiten war klar, dass das hier nicht der Fall sein wird. Die Sprache des Buches ist lebendig und modern, umständliche Schachtelsätze sucht man vergebens.

    Dazu war Die Eroberung von Mexiko auch tatsächlich spannend zu lesen. Ja, man weiß zwar, dass die Spanier am Ende gewinnen – so viel Allgemeinbildung dürfte vorhanden sein – darüber hinaus hat man als durchschnittlicher Deutscher aber eher wenig Informationen über diesen Teil der Geschichte. Die Eroberung von Mexiko ist eine Geschichte voller Kämpfe, Hinterhalte und politischer Intrigen, eine Reise in unbekanntes Gebiet so dass es oft spannend war, wie die nächsten Schritte sein werden.

    Nach der Zerstörung Tenochtitlans flacht der Spannungsbogen des Buches dann ein kleines wenig ab, da das eine große Ziel fehlt. Politische Fragen und kleinere Scharmützel gewinnen an Bedeutung. Dennoch sind die Geschehnisse faszinierend.

    Vieles ist beinahe unvorstellbar. Man stelle sich vor, einer der Eroberer zu sein, jahrelang durch unbekanntes Land zu ziehen, immer in voller Rüstung, ständig im Krieg und numerisch weit unterlegen, dazu die meiste Zeit von Hunger, Krankheiten und Wunden geplagt. Oder man stelle sich die Gegenseite vor, die auf einmal auf diese Fremden trifft, mit ihren Pferden, ihren Kanonen, ihrem Stahl, die fordern, die eigene Religion aufzugeben.

    Die Übersetzung der Auflage aus dem Insel Verlag stammt von Anneliese Botond. Dazu wurde sie von Georg Adolf Narciß bearbeitet, der einige Wiederholungen und unnötige Details gekürzt hat. Diese Kürzungen kommen dem Erzähltempo sehr zugute, es wird nie ermüdend. Dennoch bleiben über 600 Seiten an Erzählung übrig, weshalb ich des Öfteren froh über das ausführliche Register war, wenn ich einen der vielen Namen nicht mehr genau zuordnen konnte.

    Ein kleiner Negativpunkt sind die Karten. Es gibt nur zwei von ihnen, die dazu noch viel zu klein und schwer lesbar sind. Da hätte ich mir besseres Material gewünscht, um die Eroberungszüge auch geografisch noch besser nachvollziehen zu können.


    Eine Zusammenfassung des Ablaufs der Eroberung findet sich zusätzlich zur Rezension auf meinem Blog, der hier zu erreichen ist.

  16. Cover des Buches Das Todeswrack (ISBN: 9783442358687)
    Clive Cussler

    Das Todeswrack

    (30)
    Aktuelle Rezension von: TanteGhost

    Der Zusammenhang zwischen Christoph Kolumbus, dem Untergang der Andrea Doria und dem Verschwinden von archäologischen Untersuchungen ist geklärt.


    Inhalt: Eine Expedition an der marokkanischen Küste, an der auch eine Meeresarchäologin beteiligt ist, fördert eine wirklich unglaubliche Erkenntnis zutage. Dumm nur, dass sowohl das Lager, als auch der Fund kurz darauf von Unbekannten zerstört sind.

    Kurt Austin rettet die Meeresarchäologin aus einer lebensgefährlichen Situation und bekommt so ihre Erkenntnisse und Vermutungen erzählt. Auf diese Weise werden er und die NUMA in den Fall involviert und können herausfinden, dass schon mehrere, voneinander vollkommen unabhängige Expeditionen verschollen sind. Und mit ihr die Funde.

    Ermittlungen in zunächst alle erdenklichen Richtungen fördern eine Grabräuberei zutage, welche bisher unter dem Radar lief, aber eine Tragweite hat, die immens sein kann. 

    Der Untergang der Andrea Doria im Jahr 1956, bisher ungeklärt, wird jetzt noch einmal Thema. Die Fracht war es, welche bestimmte Personen gestört hat und der Täter von damals kann noch heute ausfindig gemacht werden.


    Fazit: Das Cover zeigt eindeutig einen Taucher, welcher im Schutz eines Ubootes über ein gesunkenes Wrack taucht. Es ist vom Bild her sofort klar, dass die beiden Wasserfahrzeuge aus sehr unterschiedlichen Zeiten stammen und unterschiedlicher Bauart sind. Allerdings konnte ich nicht wirklich eine Parallele zu dem Klappentext des Buches ziehen. Das musste dann wohl der Text bringen.


    Der Prolog beschreibt eindeutig den Untergang eines Schiffes. Ein Seeunglück, von dem jeder halbwegs gebildete Mensch schon einmal gehört haben sollte und doch hatte ich am Anfang meine Probleme, da es die Titanic nicht gewesen sein kann. – Der Name des Schiffes stellte sich schnell heraus und ein persönliches Schicksal verschwand im Schatten eines großen Geheimnisses, welches mit dem Schiff untergehen sollte.

    Dann kommt die Meeresarchäologin ins Spiel und geht zunächst gewohnt und routiniert ihrer Arbeit nacht. Trotzdem es für sie wohl Alltagsgeschäft gewesen sein soll, habe ich es schon als etwas Besonderes empfunden. Zwar konnte ich den archäologischen Erkenntnissen und der Sensation zunächst nicht so wirklich folgen, aber trotzdem war es spannend und hat mich sehr gut unterhalten.

    Mit Kurt Austin kommt ein Kollege von Dirk Pitt ins Spiel und ab dem Moment war mir klar, warum mich das alles so fasziniert hat. Schon die Dirk Pitt-Reihe war ein Pageturner ohne Ende. Das verspricht doch eine bombastische Reihe zu werden, wenn der alt bekannte Dirk Pitt weiterhin immer mal wieder eine Gastrolle spielt. 

    Die Handlung schraubt sich spannend voran. Abwechselnd erleben wir archäolgogische Entdeckungen, können auch in die Machenschaften der Grabräuber hineinriechen und den Erkenntnissen der NUMA folgen. Daraus ergibt sich ein weltumspannendes Gesamtbild. Auf diese Art und Weise war es dann doch etwas verwunderlich, dass diese ganzen Machenschaften von einem einzigen Mann ausgegangen sein sollen.

    Das Finale war dann noch einmal richtig grandios und wahnsinnig schade, dass die Fundstätte dann einen Wassertot sterben musste. Was man da noch alles hätte entdecken und Schlüsse daraus ziehen können, hätte mich dann dann doch sehr interessiert.


    Das ganze Buch war von vorne bis hinten komplett spannend und hat sich eigentlich gut lesen lassen. Gerade bei den archäologischen Entdeckungen hatte ich ein gigantisches und absolut faszinierendes Kopfkino vor meinem geistigen Auge, was dazu geführt hat, dass ich kaum von dem Buch lassen konnte. Aus diesem Grund habe ich nicht wirklich viel Lesezeit für dieses Werk gebraucht.

    Das Buch erschien im Original im Jahr 1999 und die deutsche Erstveröffentlichung war im Jahr 2000. – Wenn man das so sieht, hat dieses Buch schon eine ganze Menge Jahre auf dem Buckel und kann doch immer wieder faszinieren und fesseln. Einzig die vielen Leerzeichenfehler haben hin und wieder genervt und mich stellenweise aus dem Lesefluss geschmissen. – Keine Tragödie, das ist richtig, aber zumindest mal unheimlich ärgerlich.


    Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die sich für Archäologie und moderne Abenteurer interessieren. Wenn das Ganze noch ohne diese ganze Technologie wäre, könnte man sich glatt an Indiana Jones erinnert fühlen.

  17. Cover des Buches Harte Jahre (ISBN: 9783518471340)
    Mario Vargas Llosa

    Harte Jahre

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Rezension von meinem Blog www.schreibgewitter.de

    Die Tragweite dessen, was der Roman schildert, bleibt den meisten Lesern lange verborgen. Zum Glück rundet Mario Vargas Llosa sein Werk „Harte Jahre“ mit einem Kapitel ab, das die Überschrift „Nachher“ trägt. Es steht anstelle eines Nachworts klassisch-dröger Natur, die oft eine Art Bekenntnis oder Ablass-Bitte enthalten, vor allem, wenn es sich um historische Romane handelt.

    Das munter und lebendig geschriebene „Nachher“ ist mehr ein Teil der Erzählung, ein Nachklang oder Echo des Vorangegangenen. Es schildert die Begegnung Vargas Llosas mit einer der Protagonistinnen! Ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlicher Umstand. Um wen es sich dabei handelt, seit hier verschwiegen, denn die handelnden Menschen in diesem Buch tragen keine Plot-Rüstung.

    Der Abschnitt „Nachher“ ist ein wunderbarer Spiegel dessen, was der Leser gerade durchlitten hat. Vor allem aber wird diese Begegnung und mit ihr auch der politisch-historische Hintergrund des Buches, vom Autor selbst noch einmal reflektiert. Und spätestens dann geht dem Leser ein ganzer Kronleuchter der Erkenntnis auf: Vargas Llosa thematisiert einen zentralen Wendepunkt in der Geschichte Lateinamerikas und der US-Außenpolitik, mit ihren verhängnisvollen Entscheidungen.

    Seit zwei Jahren stelle ich mir diese Frau vor, erfinde sie, schreibe ihr alle möglichen abenteuerlichen Erlebnisse zu, dichte ihre Person um, damit niemand – nicht einmal sie selbst – sich in dieser herbeifantasierten Geschichte wiedererkennt. 

    Wie  so oft sind die Folgen von derartigen Wendepunkten bekannter als die richtungsweisenden Geschehnisse selbst. Zum Beispiel Cuba: Der Autor verweist explizit auf das bis in die Gegenwart betonierte Regime, das sich ohne die in Harte Jahre thematisierten Ereignisse nicht etabliert hätte. Ein historischer Treppenwitz mit Ironie, denn die USA haben dort eine ihrer bitteren Niederlagen nach 1945 kassiert.

    Wer nun einen langweiligen Historienschinken erwartet, wird positiv überrascht. Vargas Llosas ist Schriftsteller und zwar ein ganz herausragender. Als solcher hat er gar nicht erst versucht, irgendeine Form historischer Wahrheit, austariert und vorsichtig zu Papier zu  bringen. Er hat einen Roman mit lebendigen, widersprüchlichen Figuren verfasst, die auf der Bühne des historischen Umfeldes ein tragisches Stück aufführen.

    Bei allem, was mir passiert ist, Arturo, bei allem, was dieses Land mitmacht, weißt du, zu welchem Schluss ich da gekommen bin? Dass der Mensch eine armselige Kreatur ist. Man könnte meinen, auf dem Grund eines jeden von uns wäre ein Monster. Das nur darauf wartet, ans Licht zu kommen und das schlimmste Unheil anzurichten.

    Wie es sich für einen herausragenden Roman gehört, belässt es Vargas Llosa nicht bei einer glatten, gleichmäßig dahinströmenden Erzählung, die Struktur des Werkes fordert dem Leser etwas Aufmerksamkeit ab, weil die einzelnen Kapitel die Perspektiven und die Zeit wechseln. So entsteht ein Kaleidoskop, dessen Bestandteile durch die Hand des Autors geschickt und hochspannend miteinander verwoben sind.

    Der Anfang braucht etwas, um ins Rollen zu kommen, die Tragödie ist noch fern wie dunkle Wolken am Horizont. Das Ende – nun, was soll man sagen? Es ist Lateinamerika. Guatemala. Jeder, der nicht blind und taub durch die Welt irrt, dürfte um die Tragik der gesamten Region wissen. Aber so einfach ist es nun auch wieder nicht, wie spätestens das Kapitel „Nachher“ zeigt.

  18. Cover des Buches Solito (ISBN: 9783462002928)
    Javier Zamora

    Solito

    (130)
    Aktuelle Rezension von: itwt69

    Dies ist die unglaubliche aber wahre Geschichte einer unglaublichen Reise von El Salvador nach La USA. Der neunjährige Javier versucht über La Linea zu seinen Eltern zu kommen. Nach unmenschlichen Anstrengungen und vielen traumatischen Erlebnissen scheint das Ziel erreicht. 1999 scheint es unter den "Schleppern" noch einingermaßen zivilisiert zugegangen zu sein, gut möglich dass es heutzutage nicht mehr so ist - denn die "illegale" Migration in La USA und andere "Paradiese" wird niemals aufhören. Eine herzergreifende Gechichte, wenn auch mit zu viel spanischen Begriffen, die man unmöglich alle im hinteren Teil des Buches nachschlagen kann, ohne den Lesefluss zu zerstören. Deshalb nur 4 Sterne 

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