Bücher mit dem Tag "mongolen"
4 Bücher
- Jiang Rong
Der Zorn der Wölfe
(78)Aktuelle Rezension von: Drachenbuecherhort„Der Zorn der Wölfe“ von Jiang Rong ist ein abenteuerlicher Epos, der in der inneren Mongolei während der Kulturrevolution in den 1960er Jahren spielt und auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Roman erzählt die Geschichte von Chen Zhen, einem chinesischen Studenten, der in die Mongolei geschickt wird, um das Leben der nomadisierenden Viehzüchter kennenzulernen. An der Seite seines Lehrers Bilgees trotzt er den extremen Wetterbedingungen und erhält Einblick in die Mythen und Traditionen des mongolischen Volkes.
Jiang Rongs Schreibstil ist geprägt von einer tiefen emotionalen Resonanz und einer starken Verbundenheit zur Natur. Er ist bildgewaltig und eindringlich, aber zugleich auch sehr anspruchsvoll, was den ernst der Thematik verdeutlicht. Die detaillierte Schreibweise führt leider auch dazu, dass es gewisse Längen gibt, die das Buch stellenweise sehr zäh machen.
Der Roman ist ein autobiografischer Bericht, der aus der Perspektive von Rongs Alter Egos Chen Zhen geschrieben wurde, und er schildert seine Erfahrungen als Schafhirte in der Inneren Mongolei während der Kulturrevolution. Jiang Rong verwendet seinen Stil, um die Konflikte zwischen den Han-Chinesen und den mongolischen Nomaden zu beleuchten, sowie die Auswirkungen des technokratischen Fortschritts auf die Umwelt und die Kultur. Sein Werk ist bekannt für seine kritische Auseinandersetzung mit den Eigenschaften der größten Volksgruppe Chinas, den Han-Chinesen, und deren Raubbau an der Natur.
Ein zentrales Element des Buches sind die Wölfe, deren Klugheit und Mut die Mongolen schon immer fasziniert haben. Als Hauptkonflikt gilt der Wolfshass, der die Spannungen zwischen den menschlichen Interessen und der natürlichen Welt dargestellt. Der Roman zeigt, wie die Chinesen, die in die Mongolei geschickt werden, um das wirtschaftliche Potenzial der Steppe zu erkunden, die traditionelle Lebensweise der Mongolen und ihre Beziehung zu den Wölfen bedrohen. Die Wölfe, die als klug und mutig angesehen werden, stehen symbolisch für die Natur und das Gleichgewicht, das durch den menschlichen Eingriff gestört wird.
Die Geschichte verwebt Fiktion und Fakten, um die Leser über die Bedeutung des Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur aufzuklären. Der Wolfshass entsteht aus dem Wunsch nach Profit und Fortschritt, der das traditionelle Leben der Mongolen und ihre harmonische Beziehung zu den Wölfen untergräbt. Jiang Rong verwendet den Wolfshass, um eine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des technokratischen Fortschritts auf die Umwelt und die Kultur zu fördern.
Das Buch ist ein Appell an das Bewusstsein für die Bedeutung des Respekts vor der Natur und die Notwendigkeit, das Gleichgewicht zwischen menschlichen Aktivitäten und der Erhaltung der Umwelt zu wahren. Es zeigt auf eindringliche Weise, wie der Mensch durch Gier und Machtstreben das Gleichgewicht zwischen Natur und Zivilisation zerstören kann.
„Der Zorn der Wölfe“ ist ein Roman, der sich durch seine universelle Anziehungskraft auszeichnet. Er spricht Leser an, die sich für die Komplexität der menschlichen Geschichte, die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Natur interessieren. Jiang Rongs Werk bietet eine fesselnde Sicht auf die Kulturrevolution in China und die nomadische Lebensweise der Mongolen. Es ist ein literarisches Stück, das sowohl für seine tiefgründigen Themen als auch für seine emotionale Wirkung geschätzt wird.
- Daniel Wolf
Das Gold des Meeres
(77)Aktuelle Rezension von: DoschoDer Kaufmann Balian Fleury ist schwer verschuldet. Um seine Gläubiger zu besänftigen, bricht er zusammen mit einer Gemeinschaft zu einer gefährlichen Reise auf, die ihn bis nach Nowgorod führen soll.
Wer meine Rezensionen zu der Fleury-Reihe von Daniel Wolf verfolgt, weiß, dass ich den Vorgänger von „Das Gold des Meeres“ stark dafür kritisiert habe, zu ähnlich zum ersten Band zu sein. Dies hat sich mit diesem Buch völlig geändert. Wie ich schon in meiner Rezension zur Kurzgeschichte „Der Vasall des Königs“ geschrieben habe: Ich begrüße den komplett anderen Ansatz, den Daniel Wolf nun wählt.
Denn im Zentrum des Romans steht nun die Reise der Gemeinschaft, in die Balian als Außenseiter zunächst hineinwachsen muss. Das heißt, Varennes-Saint-Jacques sowie Balians Eltern kommen nahezu überhaupt nicht vor. Stattdessen bemerkt man über das gesamte Buch hinweg die charakterliche Entwicklung Balians: Vom unsicheren, missachteten Tollpatsch hin zu einem erfahrenen Mann, der Führung übernehmen kann und am Ende sogar den Mut hat, seine Rolle als Kaufmann, in die er hineingeboren wurde, abzulegen und seine eigenen Wege zu gehen.
Und auch auf dieser langen Reise findet der Lesende alles, was das Mittelalter damals so zu bieten hatte: Uneinigkeiten in der Gruppe, Räuber und Wegelagerer, Machtkämpfe von Handelsgenossenschaften und natürlich auch Liebesgeschichten.
Auch wenn das Buch mit etwa 670 Seiten im Vergleich zu seinen Vorgängern fast schon als dünn zu bezeichnen ist, hat es leider doch ein paar Längen. Klar passiert im Laufe der Handlung zahlreiches, manchmal plätscherte sie jedoch auch ein wenig vor sich hin.
Dennoch: „Das Gold des Meeres“ ist für mich klar der bislang beste Teil der Reihe. Statt die selbe Geschichte ein drittes Mal zu erzählen geht man hier neue Wege und zeigt, dass man das Oberthema der Familiensaga auch anders erzählen kann. Ganz starke vier Punkte!
- Jing Liu
Chinas Geschichte im Comic - China durch seine Geschichte verstehen - Band 3
(17)Aktuelle Rezension von: monerlMeine Meinung
Dies ist der dritte Band der Reihe über Chinas Geschichte im Comicformat. Ich kenne Band 1 und 2 nicht, was das Verständnis für diesen dritten Band nicht einschränkt. Auf 8 Seiten wird kurz und kanpp zu Beginn dargestellt, was die Epochen in den vorgerigen Bänden ausmacht, die sich zeitlich auf ca. 2697 v. Chr. bis 907 n. Chr. beziehen. Band 3 setzt fließend bei 907 n. Chr. an.
Viele Kriege und viel Gewalt zeichnen diese Epochen, die sich im Titel auch widerspiegeln. Es war sprichwörtlich eine barbarische Zeit. Um den Überblick über die schnell wechselnden Eroberungen zu behalten, gibt es einige Landkarten, die sehr gut veranschaulichen, wie die Territorien über die Zeit ausgedehnt oder auch abgegeben werden mussten.
Zu Beginn findet sich ebenso eine tolle Zeittafel, die kurz und knapp zusammenfasst, was bestimmte Jahre ausgemacht hat.
Der Autor schafft es viele interessante und komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen und auszudrücken. Selten habe ich so viel gelernt, wie durch diesen Comic: Über Mikrokreditprogramme für die Bauern, Reisanbau, Wasserbauprojekte, über Erfindungen, die damals getätigt wurden wie z.B. Rettungsringe, Vergrößerungsgläser zum Lesen, Schiesspulver, Spinnräder unvm.
Verschiedene historisch wichtige Persönlichkeite werden vorgestellt. Die mir bekannteste ist Genghis Khan und das Mongolische Reich. Es war sehr spannend zu erfahren, wie sich seine Herrschaft und das Ende des Mongolischen Reichs auf China ausgewirkt hat.
Der recht einfache und teilweise kindliche Zeichenstil eignet sich jedoch grandios für die Vermittlung der komplexen und vielfältigen Inhalte. Auch an den passenden Stellen hat Jing Liu Humor eingebracht, der dem Barbarischen etwas Leichtigkeit und Auflockerung verpasst.
Mit Sprechblasen, etwas längeren und kürzeren Textpassagen führt uns Jing Liu durch den Comic. Vielleicht nicht ganz typisch aber für ein Comic-Sachbuch absolut gut geeignet.
Liest man das Buch von hinten nach vorne, so findet man den gesamten 3. Band auf Chinesisch. Dies ist ein großer Vorteil für Chinesisch-Lernende, die damit immer ganz leicht zwischen den beiden Comics hin und herwechseln können.
Fazit
Eine sehr gelungener dritter Band, der große Lust auf die gesamte Reihe macht. Informativ, verständlich und anschaulich – Chinesische Geschichte im Galopp durch die Zeit. Die Komprimierung der Themen und Sachverhalte regt an, auf eigene Faust weiter zu recherchieren und Themen damit zu vertiefen. Absolut lesens- und empfehlenswert, für jung und alt, für Comicleser, -anfänger und alle Chinabegeisterte sowie Chinesisch-Lernende!
Der 4. und letzte Band wird voraussichtlich im Mai 2020 veröffentlicht. Ich freue mich schon sehr darauf, auch den “Weg in die Moderne” zu erkunden.
- Tanja Kinkel
Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin
(56)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchDie Geschichte Chinas und der Mongolei wurde durch sie geprägt: Manduchai, Königin der Mongolen, Wan, die wahre Herrscherin auf dem Drachenthron.
Mit unbändiger Lust und großem Einfühlungsvermögen taucht Kinkel in die zentralasiatische Welt Mitte des 15. Jahrhunderts ein. So wie sie das Leben und Wirken zweier Frauen in einer patriarchalisch geprägten Epoche schildert, bereitet sie großes Lesevergnügen.
Fraglich erscheint mir gegen ende des Buches das Treffen von Manduchai und Wan?!



