Bücher mit dem Tag "moskau"
119 Bücher
- Leo Tolstoi
Anna Karenina
(1.104)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannWenn ich Leo Tolstois „Anna Karenina“ lese, spüre ich von der ersten Bahnhofsszene an ein leises Grollen unter den Füßen: metallisches Zischen, neugierige Blicke, ein Vorzeichen von Unheil. Anna tritt für mich wie ein warmer Lichtkegel in eine kalte Gesellschaft; ihr Blick auf Wronskij entzündet eine Liebe, die zugleich Befreiung und Sturz bedeutet. Ich folge ihr durch Salons, Waggons und Gerüchte, durch die starre Höflichkeit von Petersburg und die klatschenden Kreise Moskaus. Ihr Ehemann Karenin wirkt korrekt wie ein Protokoll: Er schützt die Form und übersieht den Menschen. Ich schäme mich stellenweise über eine Welt, die Skandal wittert, aber Mitgefühl spart. (Mehr zu Anna Karenina: https://love-books-review.com/de/anna-karenina-von-leo-tolstoi/ )
Parallel gehe ich mit Lewin über Felder. In Gesprächen mit Bauern, in Mühen und Zweifeln sucht er Sinn, Gott und Arbeit zu verbinden. Zwischen abgewiesenem Antrag, Rückzug und Rückkehr wächst in mir Ruhe: In Kittys Blick und der Geburt des Kindes erkennt Lewin eine demütige, leise Wahrheit. Diese zweite Geschichte erdet die erste; sie zeigt mir, dass Glück nicht flackert wie Feuerwerk, sondern glüht wie eine kleine Flamme, die man gegen Wind schützt.
Je weiter ich lese, desto enger wird Annas Raum. Eifersucht, Schlaflosigkeit, Morphium und die Unmöglichkeit einer ehrlichen Zugehörigkeit lassen ihre Sprache spröde werden. Am Ende schneiden die Zugräder durch meine Gedanken: ein Entschluss, grausam klar. Ich bleibe erschüttert und zugleich dankbar, weil Tolstoi mir beides schenkt – das Porträt einer Gesellschaft, die Menschen zu Rollen verengt, und die Ahnung, dass Sinn im einfachen Guten liegt. Anna bleibt ein brennender Schatten; Lewin, ein stilles Versprechen von Alltag und Gnade.
- Leo Tolstoi
Krieg und Frieden (Leo Tolstoi)
(516)Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_HappyendingsTolstois "Krieg und Frieden" ist ein zeitloses Meisterwerk, das die Schicksale russischer Adelsfamilien während der napoleonischen Kriege verfolgt, insbesondere die Entwicklungen von Pierre Besuchow, Andrej Bolkonski und Natascha Rostowa. Der Roman verbindet persönliche Geschichten mit historischen Ereignissen und zeigt die psychologische Tiefe der Charaktere. Besonders eindrucksvoll sind Pierres und Nataschas Wandlungen. Tolstois schonungslose Darstellung des Krieges, insbesondere der Schlacht von Borodino, entlarvt heroische Mythen und thematisiert die Sinnlosigkeit des Krieges sowie die Rolle des Individuums in der Geschichte.
Die Detailtreue des russischen Gesellschaftslebens im 19. Jahrhundert ist bemerkenswert, auch wenn die Vielzahl an russischen Namen und die Länge des Romans eine Herausforderung darstellen können.
Empfohlen für:
- Liebhaber komplexer Literatur
- Geschichtsinteressierte
- Leser philosophischer Themen
- Fans tiefgehender Charakterentwicklung
Weniger geeignet für:
- Leser, die schnelle Unterhaltung suchen
- Personen, die lange philosophische Passagen vermeiden
- Leser, die Schwierigkeiten mit vielen Charakteren und Handlungssträngen haben
Ein hilfreicher Tipp für das Lesen ist, eine Liste der Hauptcharaktere und deren Beziehungen zu erstellen.
- Dmitry Glukhovsky
Metro 2033
(669)Aktuelle Rezension von: TintenpfadBesonders beeindruckend wirken die verschiedenen politischen Fraktionen innerhalb der Stationen. Faschisten und Kommunisten reproduzieren die Fehler der alten Welt, statt gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten.
Die düstere Dystopie verdeutlicht die Zerbrechlichkeit unserer Zivilisation.
Der Autor beschreibt die beklemmende Atmosphäre so intensiv, dass die Kälte des Tunnels fast spürbar wird. Jede gelesene Seite wirft unbequeme Fragen über Menschlichkeit und Ideologien auf.
Dieses Werk bleibt ein Pflichtprogramm für alle, die sich kritisch mit Machtstrukturen auseinandersetzen wollen. - Michail Bulgakow
Meister und Margarita
(445)Aktuelle Rezension von: MEvaEigentlich sollte dies mein Lieblingsbuch sein; das Thema ist schaurig-schön, es beinhaltet einen sprechenden Kater und die zeitlose Geschichte des Gut und Böse.
Ist es aber nicht. Grund ist die völlig unnötige umständliche Formulierung. Bei Kritikern als poetisch beschrieben bleibe ich einfach verdattert zurück - was darin gipfelt, dass ich nach jeden Kapitel den Inhalt googeln muss. Dieses Buch bedarf vieler Erklärungen - in der vorliegenden Ausgabe nehmen diese allein 100 Seiten ein - aber ein Personenregister hätte meiner Meinung nach auch hinzugefügt werden können. Am Ende heißt es wer sich durchbeißt wird belohnt: Diese Erfahrung blieb bei mir leider aus.
- Sergej Lukianenko
Wächter der Nacht
(960)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Moskau der Gegenwart existieren Menschen mit magischen Fähigkeiten, die in die Zwielicht-Ebene eintreten können und als die Anderen bezeichnet werden. Seit Jahrhunderten herrscht ein Waffenstillstand zwischen den Lichten (Wächter der Nacht) und den Dunklen (Wächter des Tages), der durch einen Großen Vertrag geregelt wird und plötzlich in Gefahr gerät. Die sehr atmosphärische Handlung mit dem sehr originellen Thema ist in drei miteinander verbundene Episoden aufgebaut und erzeugt ein einzigartiges Facettenreichtum.
Bei den Protagonisten steht der junge Magier der Nachtwache Anton Gorodetski klar im Mittelpunkt der Handlung, was durch die Ich-Erzählperspektive hervorgehoben wird und wird lebendig und moralisch komplex dargestellt. Relevante Nebenprotagonisten, wie z.B. Gesser, Sabulon oder Swetlana sind vielschichtig dargestellt und bereichern die Handlung.
Wer intelligente und einzigartige Urban Fantasy mit einer düsteren Atmosphäre und einer Prise Noir-Krimi mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist klar, atmosphärisch und verbindet Magie/Übernatürliches und Bürokratie/Alltagsprobleme gekonnt miteinander.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Tom Rob Smith
Kind 44
(779)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Moskau, 1953: Die Welt von MGB-Offizier Leo Demidow gerät ins Wanken als er unter dramatischen Umständen damit konfrontiert wird wie schrecklich ungerecht und fehleranfällig das sowjetische Justizsystem sein kann. Leo wird in Geschehnisse hineingezogen, die ihn und seine Frau Raisa in höchste Lebensgefahr bringen und die Leos unbedingten Glauben an den sowjetischen Staat zutiefst erschüttern. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod, denn ein Serienmörder treibt seit Jahren sein Unwesen und Leo und Raisa sind die einzigen, denen es gelingen könnte der Mordserie ein Ende zu setzen…
„Diese ganzen Morde sind entweder falsch aufgeklärt, vertuscht oder auf irgendwelche Geisteskranken, politische Gegner, Betrunkene und Herumtreiber geschoben worden. Sie sind nie miteinander in Verbindung gebracht worden.“ (S. 355)
Meine Meinung:
Selten hat mich ein Buch so positiv überrascht, denn es ist viel mehr als „nur“ ein spannender Thriller. Es entfaltet sich zugleich eine Geschichte mit unglaublich großer emotionaler Wucht, die in Erinnerung bleibt und die nachhallt. Neben aufregenden, spannenden und düsteren Momenten sind es vor allem die vielen dramatischen, bewegenden, berührenden, emotionalen und nachdenklich stimmenden Momente, die ich extrem mitreißend fand und die mich nicht so schnell losgelassen haben. Nebenbei lässt das Buch vergangene Zeiten und historische Ereignisse lebendig werden. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen.
Die Ermittlungen zu den Serienmorden werden sehr fesselnd erzählt. Der Schlüsselmoment in dem Leo realisiert, dass eine Vielzahl von Morden einem einzigen Täter zuzurechnen ist, sorgt für ordentlich Gänsehaut. Es ist nämlich klar, dass der Täter noch immer sein Unwesen treibt und zudem für einige der Morde unschuldige Menschen verurteilt wurden, weil man auf diese Weise unerwünschte Personen wie etwa politische Gegner, Landstreicher oder Leute mit psychiatrischen Problemen loswerden konnte. Es wird sehr spannend und mitreißend erzählt wie Leo und Raisa in einem verzweifelten und gefährlichen Wettlauf gegen Zeit darum kämpfen den Mörder zu stoppen. Ich wollte unbedingt wissen wer der Mörder ist und wie ihm die beiden auf die Spur kommen. Die Enthüllung der Identität des Mörders und seines Motivs fand ich absolut gelungen und sie kam für mich vollkommen unerwartet.
Eine ganz große Stärke dieses Buches ist der tolle und interessante Protagonist: Leo macht im Laufe der Geschichte eine bemerkenswerte persönliche Veränderung durch. Er wird sehr vielschichtig charakterisiert und man lernt sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen kennen. Es ist sehr bewegend und interessant zu verfolgen wie er sich zum Positiven verändert. Dabei wird außergewöhnlich gut beschrieben wie einige sehr dramatische und einschneidende Erlebnisse Leos persönliche Einstellung und sein Denken über bestimmte Themen grundlegend verändern. Leo beginnt die Methoden des sowjetischen Staats zu hinterfragen und es wird ihm bewusst wie ungerecht und fehleranfällig das System sein kann und welche erschreckenden Schattenseiten es gibt. Diese Wandel in Leos Denken wird sehr glaubwürdig beschrieben. Gleichzeitig lernt man neue Seiten an Leo kennen, die beweisen, dass er ein gutes Herz hat. Leo geht große Risiken ein um für das Gute zu kämpfen und um für Gerechtigkeit zu sorgen. Das hat dafür gesorgt, dass ich ihn mit der Zeit richtig liebgewonnen habe und sehr mit ihm mitgefiebert habe.
Die Liebesgeschichte zwischen Leo und Raisa ist wunderschöne, sehr emotional und rührend. Ihre Wiederannährung und zweite Chance werden gefühlvoller beschrieben und gehen mehr zu Herzen als in so manch anderem Buch ein erstes Kennenlernen bzw. der Anfang einer Beziehung. Die äußeren Umstände führen dazu, dass Leo und Raisa einander zum ersten Mal ebenbürtig sind und Raisa sich traut mit Leo offen über ihre Gefühle und insbesondere ihre Ängste zu sprechen. Erst als einige sehr schmerzhafte Wahrheiten zwischen den beiden ausgesprochen sind können sie beginnen nach vorne zu blicken. Bei ihren gemeinsamen Ermittlungen zu den Serienmorden geben die beiden ein richtig gutes Team ab. Die dramatischen und gefährlichen Geschehnisse, die sie gemeinsam durchmachen sorgen dafür, dass sie beginnen einander zu vertrauen und feststellen, dass sie sich auf die bedingungslose Unterstützung des anderen verlassen können. Außerdem wird sehr schön beschrieben wie die beiden im Laufe der Geschichte neue Seiten aneinander entdecken und wie eine zuvor nie dagewesene emotionale Nähe zwischen ihnen entsteht.
Die Schattenseiten des sowjetischen Justizsystems werden einem gnadenlos und in allen schrecklichen Einzelheiten vor Augen geführt. Vieles fand ich erschreckender als so manche Horrorgeschichte, weil einem klar ist, dass es solche Zustände tatsächlich gegeben hat und nicht bloß alles der Vorstellungskraft des Autors entsprungen sind. Hier ein paar Zitate bzgl. der damals vorherrschenden Prinzipien der Polizeiarbeit, die für sich sprechen:
BESSER, ZEHN UNSCHULDIGE LEIDEN, ALS EIN SPION ENTKOMMT. Er hatte eine eiserne Grundregel ihrer Arbeit missachtet: dass man zunächst immer einmal von der Schuld des Betreffenden ausging. (S. 53)
EIN AGENT MUSS SEIN HERZ ZUR GRAUSAMKEIT ERZIEHEN. […] Grausamkeit war eine Tugend. Grausamkeit war etwas, wonach zu streben sich lohnte. Grausamkeit war der Schlüssel zum perfekten Staat. (S. 127)
Nach unserem Rechtssystem werden auch sämtliche Familienmitglieder eines Verurteilten zur Rechenschaft gezogen. Die Verwandtschaft macht uns mitschuldig. (S. 151)
Das Überleben ihres politischen Systems rechtfertigte alles. Das Versprechen eines goldenen Zeitalters, wo es solche Brutalitäten nicht mehr gab, wo alles im Überfluss vorhanden und Armut nur noch eine vage Erinnerung wäre, rechtfertigte alles. (S. 99)
Man spürt richtig wie groß das gegenseitige Misstrauen in der Gesellschaft gewesen ist und wie extrem angsteinflößend der Staatsapparat für die Menschen war. Es lässt einem erschaudern wie der sowjetische Staat seine Bürger durch Angst unter Kontrolle gehalten hat und schon Kinder mit politischer Indoktrination und Einschüchterung in den Fokus genommen wurden. Schon winzige Kleinigkeiten reichten um wegen konterrevolutionärer Umtrieben und Spionage schuldig gesprochen zu werden. Manchmal genügte nur ein einziger unbedachter Satz zur falschen Person, denn Denunziation war weitverbreitet. War man erst einmal verhaftet gab es so gut wie keine Hoffnung mehr, die eigene Unschuld zu beweisen, denn oft wurden Geständnisse unter Folter erzwungen. Dementsprechend waren die Hinrichtungsraten unvorstellbar hoch. Das führt einem vor Augen wie gut man es heutzutage hat, wenn man in einer Demokratie lebt und auf Meinungsfreiheit und Rechtstaatlichkeit vertrauen kann.
Es gibt in diesem Buch noch eine ganze Reihe weiterer Szenen, die mir unglaublich nahegegangen sind, weil Probleme aufgezeigt werden, die damals wirklich bestanden haben. So bekommt man u.a. einen Einblick in die schrecklichen Zustände die damals in vielen Waisenhäusern herrschten. Zudem fand ich es zutiefst traurig wie man damals mit homosexuellen Menschen umgegangen ist. Ganz besonders erschütternd fand ich außerdem den Rückblick in die 1930er-Jahre, der einem in die Ukraine zu Zeiten des Holodomor versetzt (= vom sowjetische Staat verursachte Hungersnot, die mehr als eine Million Ukrainer das Leben kostete). Das damalige Elend, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit werden schonungslos und sehr eindringlich geschildert.
Trotz vieler bedrückender und trauriger Geschehnisse, die einem betroffen machen, gibt es aber zugleich auch einige schöne und hoffnungsvolle Momente. Das gilt auch für das Ende des Buches: Nach einem dramatischen Showdown gibt es herzerwärmende Momente, die einem dann doch noch mit einem positiven Gefühl zurücklassen.
Zudem hat das Buch eine hoffnungsvolle und zu Herzen gehende Botschaft: Es kann sich lohnen Widerstand zu leisten und für das Gute einzutreten. Außerdem findet man Verbündete und Freunde manchmal zu einer Zeit und an einem Ort an dem man es am wenigsten erwartet hätte. Man sollte den Glauben an das Gute in seinen Mitmenschen nie aufgeben.
Vergleich mit der Verfilmung „Kind 44“ (2015):
Es wurden mit Tom Hardy, Gary Oldman und Noomi Rapace sehr gute Schauspieler gecastet, die die Charaktere aus dem Buch auf gelungene Weise lebendig werden lassen. Der Film trifft den Kern des Buches.
Im Vergleich mit dem Buch fällt aber auf, dass im Film ein paar Dinge verändert bzw. weggelassen wurden. So erfährt man z. B. nichts über Leos Kindheit und der Mörder ist nicht Leos Bruder. Außerdem wurden einige Dinge weit oberflächlicher behandelt. Das gilt insbesondre für Leos persönliche Veränderung, die sich im Film zu schnell vollzieht. Zudem ist der historische Hintergrund im Buch sehr viel detaillierter und man erfährt im Buch z. B. viel mehr über die Schattenseiten des sowjetischen Staatsapparats und des Justizsystems. Das kann man dem Film aber verzeihen, denn in einen etwa zweistündigen Film kann man eben nur eine begrenzte Menge an Handlung und Hintergrundinfos hineinpacken. Dieses „Problem“ haben eigentlich alle Literaturverfilmungen.
Trotz der genannten Schwächen finde ich die Verfilmung insgesamt gelungen und empfehlenswert.
Fazit:
Dieses Buch war eine riesengroße positive Überraschung. In diesem Buch steckt so viel mehr als ich erwartet hatte. Die Mischung aus spannenden, dramatischen, düsteren, traurigen, emotionalen und herzerwärmenden Momente ist unglaublich mitreißend. Diese Geschichte ist sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich stimmend und ist keine, die man so schnell vergisst. Ich werde auf jeden Fall dem zweiten Band auch noch eine Chance gaben.
Zum Schluss noch ein besonders rührendes Zitat aus dem Buch:
[Raisa:] „Leo? Ich habe noch ein Geheimnis. Ich habe mich in dich verliebt.“ [Leo:] „Ich habe dich immer schon geliebt.“ (S. 261)
- Iny Lorentz
Das Vermächtnis der Wanderhure
(723)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderMaries Zeit als Wanderhure scheint vorbei und mit ihrem Michel hat sie eine kleine Tochter. Sie erwartet bereits ihr zweites Kind und das passt ihrer Erzfeindin Hulda überhaupt nicht. Diese hat schon sechs Töchter und muss nun einen Jungen zur Welt bringen. Marie wird entführt und die Kinder vertauscht und so bleibt Michel zurück und glaubt, dass Marie tot ist. Diese wiederum irrt umher und wird nach Russland verschleppt. Sie trifft auf Feinde und Freunde. Iny Lorentz Reihe über die Wanderhure ist überall beliebt und jeder Band kommt auf die Bestsellerlisten. Ich fand es langweilig, sehr einfach geschrieben und sehr leichte Kost. Wer über die Historie etwas erfahren will sollte Sabine Weigand, Brigitte Riebe, Rebecca Gablé oder Ulrike Schweikert wählen. Wer einen leichten Roman mit leichtem erotischen Touch sucht, soll ruhig die Wanderhure wählen.
- Julia Dippel
Velvet-Dilogie 1: Velvet Falls, but the Gods forgot to die
(240)Aktuelle Rezension von: dannyVelvet Falls habe ich nicht lange nach Erscheinungsdatum gekauft, da mich sowohl Gestaltung als auch Klappentext sehr angesprochen hat. Mir gefallen die Farben sehr, das Cover und die Innenklappen. Was ich zum ersten Mal gesehen habe, sind die Markierungen bei den Spice Szenen, was ich aber toll fand.
Der Schreibstil war wieder sehr angenehm und witzig und ich mochte Velvet und Kash sehr. Ich fand beide Sichtweisen sehr gut und verständlich dargestellt. Genauso ihre Entwicklungen und die Entwicklung der Lovestory. Das Thema des Buches finde ich gut umgesetzt und es wurden wichtige Themen angesprochen. Das Dämonen-Setting hat mir sehr gefallen, das gange Worldbuilding war komplex und gut durchdacht.
Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, war (SPOILER!!!) dass die beiden eine Art Seelenverwandte sind, das gefällt mir generell nie. - Dmitry Glukhovsky
Metro 2034
(251)Aktuelle Rezension von: Sam_FoxtrottMit Metro 2034 setzt Dmitry Glukhovsky seine düstere Saga in der Moskauer Unterwelt fort. Die Erde ist noch immer unbewohnbar, die Menschen hausen in den dunklen Schächten der Metro, wo Hunger, Seuchen und Gewalt zum Alltag gehören. Diesmal stehen nicht Artjom, sondern der wortkarge Kämpfer Hunter, das junge Mädchen Sascha und der alte Schriftsteller Homer im Mittelpunkt. Ihre Reise durch die Tunnel ist weniger eine lineare Heldenmission als ein Nachspüren von Verlust, Hoffnung und dem Versuch, im Chaos ein Stück Menschlichkeit zu bewahren.
Was mir erneut gefallen hat, ist Glukhovskys unheimliche Fähigkeit, menschliche Verzweiflung und Grausamkeit so drastisch und anschaulich auf Papier zu bannen. Man spürt förmlich die Enge, den Gestank, die Angst in jeder Zeile – ein Segen, wenn man diese Dichte aushalten kann, aber manchmal auch schwer zu ertragen. Die Handlung war in weiten Teilen bedrückend, stellenweise spannend und berührend, aber im Vergleich zu Metro 2033 wirkt der Spannungsbogen weniger straff gezogen. Statt eines klaren Ziels geht es eher um moralische und existenzielle Fragen: Was bleibt von der Menschlichkeit übrig, wenn die Welt zerfällt?
Die Charaktere haben mich auf gemischte Weise berührt. Hunter bleibt geheimnisvoll und undurchsichtig, Homer versucht verzweifelt, Sinn in die Ereignisse zu schreiben, und Sascha ist ein Lichtblick, ein Symbol für Hoffnung. Sie alle wirken oft ruppig und schwer zugänglich, doch gerade das macht sie glaubwürdig in dieser postapokalyptischen Umgebung. Ihre Motive sind nicht immer leicht nachzuvollziehen, was manchmal frustrierend, aber auch realistisch ist – schließlich weiß in dieser Welt kaum jemand, wofür er eigentlich noch kämpft.
Das Buch ist weniger Abenteuergeschichte und stärker eine Allegorie. Es ist eine Mahnung, wie sehr Seuchen, Gewalt und Gleichgültigkeit eine Gesellschaft zerstören können, und wie dringend wir Hoffnung und Mitgefühl brauchen, um nicht in völliger Dunkelheit zu versinken.
Empfehlen würde ich diesen Teil vor allem Lesern, die schon von Metro 2033 fasziniert waren und tiefer in Glukhovskys bedrückende Welt eintauchen möchten. Fans des „Horror-Survival“-Genres werden auch hier vieles wiederfinden, doch man sollte weniger Action und dafür mehr Nachdenklichkeit erwarten.
Ein atmosphärisch dichtes, aber nicht immer mitreißendes Kapitel der Metro-Saga – literarisch wertvoll, mit starken Bildern und bedrückender Stimmung, jedoch weniger packend als der Vorgänger.
- Dmitry Glukhovsky
Metro 2035
(97)Aktuelle Rezension von: Sam_FoxtrottMit Metro 2035 schließt Dmitry Glukhovsky seine düstere Trilogie ab – und er tut es mit Wucht. Nach dem eher nachdenklichen, langsamen Metro 2034 trifft der dritte Band den Leser mit voller Kraft: Verrat, politische Intrigen, düstere Enthüllungen und die schonungslose Wahrheit über die Welt der Metro stehen im Vordergrund. Wieder begleitet man Artjom, den Helden aus Metro 2033, der inzwischen älter, härter und von der Hoffnung getrieben ist, dass es außerhalb der Metro vielleicht doch noch Überlebende gibt. Seine Suche nach Wahrheit führt ihn durch ein Labyrinth aus Lügen, Manipulationen und Machtspielen – und konfrontiert ihn schließlich mit Erkenntnissen, die alles verändern.
Besonders gelungen ist, wie der Roman den Kontrast zum Vorgänger nutzt: Nach dem ruhigen, fast allegorischen Metro 2034 wirkt 2035 wie ein Schlag in die Magengrube. Plötzlich ist die Handlung wieder atemlos, dicht und voller dramatischer Wendungen. Das stetige Misstrauen, die ständige Frage, wem man noch trauen kann, machen das Lesen beklemmend spannend. Verrat ist ein zentrales Motiv, und die bitteren Enthüllungen, die Artjom auf seiner Reise erfährt, haben mich oft innehalten lassen.
Artjom ist diesmal noch greifbarer und menschlicher: weniger der jugendliche Träumer, mehr der gezeichnete Überlebende, der dennoch nicht bereit ist, seine Hoffnung aufzugeben. Nebenfiguren schwanken zwischen Loyalität und Berechnung, wodurch die moralische Grauzone der Metro-Welt stärker als je zuvor zum Vorschein kommt. Viele Charaktere wirken schroff oder zwiespältig, was perfekt zum Thema passt: In einer Welt, die auf Lügen aufgebaut ist, ist kaum jemand frei von Schuld.
Das Buch, welches man hier in den Händen hält, ist nicht nur eine Fortsetzung, sondern auch eine Abrechnung. Es ist Glukhovskys politischstes und gesellschaftskritischstes Werk der Reihe – eine Mahnung über Manipulation, Machtmissbrauch und die Gefahr, sich mit Illusionen zufrieden zu geben, statt die unbequeme Wahrheit zu suchen.
Empfehlen würde ich Metro 2035 allen, die die ersten beiden Bände gelesen haben – und vor allem jenen, die nach dem etwas ruhigeren 2034 eine kraftvolle Rückkehr zur Spannung und Düsternis des Auftakts erwarten. Es ist kein leichter, aber ein intensiver Abschluss, der lange nachhallt.
- Marie Graßhoff
Cyber Trips
(248)Aktuelle Rezension von: Nick_ShadowheartCyber Trips
Auch im 2ten Band geht es spannend weiter. Die Charaktere wachsen einen immer mehr ans Herz und es gibt jetzt eindeutig auch romantische Verwicklungen. Es gibt auch eine kleine Szene zwischen 2 Charakteren, aber sie überschattet nicht die Handlung und ist auch eher fade to black. Aber auch so will man einfach wissen wie es für alle Beteiligten weiter geht. Wir lüften auch ein paar Geheimnisse was die Vergangenheit von Okijen und Byth angeht. Und ein paar der Charaktere sprechen sich zumindest ein bisschen aus.
Im groben sind wir immer noch in zwei Teams aufgeteilt. Flover und Luke befinden sich auf der Flucht, während die anderen versuchen was gegen KAMI zu unternehmen. Kann man vielleicht doch mit ihr reden?
Ich fand die Actionszenen im ersten Teil schon richtig gut und auch hier gibt es wieder so einige. Ich fand, dass in diesem Teil aber auch einige lustige Szenen vorhanden waren. „Es wäre mir eine Ehre, wenn Sie auf mein Huhn aufpassen“, die Autofahrt oder „Hast du vielleicht eine Fehlfunktion, die mir hier nicht angezeigt wird?“
Aber auch andere Momente fand ich eindrücklich, wie die heiße Kammer in Andras Stamm oder Luke, der denkt er wäre allein.
KAMI an sich ist auch spannend, da sie ja Tendenzen zeigt, dass sie versucht zu verstehen.
Die Bücher sind schon sehr militärisch und die Charaktere machen ja auch so einiges durch, aber mir wird es dabei nie zu düster nie zu viel.
Ich bin gespannt wie das alles ausgeht.
- Amor Towles
Ein Gentleman in Moskau
(155)Aktuelle Rezension von: Petra_de_ZamagnaWarum schreibt ein amerikanischer Schriftsteller, der keine russischen Wurzeln hat oder die russische Sprache spricht oder Historiker wäre, über das Russland in der beginnenden Sovjetzeit? Der Roman erzählt von einem aus der Zeit gefallenen Grafen, der natürlich im Arbeiter- und Bauernstaat des aufstrebenden Kommunismus, nichts zu sagen hatte, eigentlich untergehen hätte müssen. Stattdessen rettet er sich über viele unwirtliche Sovjetrussland-Jahre, weil er eingesperrt im Nobelhotel Metropol im Dachgeschoss seine Zeit fristen darf.
Nun Amor Towles scheint die Idee bei mehreren Aufenthalten in Luxushotels in der Schweiz bekommen zu haben, wo er wiederholt dieselben Leute antraf. Das Thema Hausarrest ist aber ein typisch russisches Phänomen, das es schon zu Zarenzeiten gegeben hat und so transportierte er die Handlung nach Russland. Vielleicht macht genau das den Roman so charmant und leichtfüssig, es gibt keine persönliche Bitterkeit oder sogar politische Agenda des Autors.
Es ist als ob Towles die berühmten Zeilen des persischen Sufi-Mystikers 'Rumi' gelesen hätte und in diesem Roman zum Leben erweckt:
"Sei nicht hoffnungslos, halte Hoffnung, o Herz! / Im Verborgenen liegen viele Wunder, o Herz! / Soll die Welt es auf dein Leben abgesehen haben, lass des Freundes Rock nicht los, o Herz."
Und wir Leser leben mit dem Grafen zwar das Leben eines Eingesperrten, allerdings in einem komfortablen Luxushotel, wo es immer auch wieder Arbeiten gibt, die der Graf gerne bereit ist, kostenlos zu unterstützen. Überdies sehen wir mit seiner Innensicht dennoch auch, was sich im Draussen abspielt, denn es kommen Freunde zu Besuch und andere Personen, die draussen aus und ein gehen, verkehren mit ihm auf freundschaftlicher Basis. So erleben wir, wenn auch durch die Fernbrille, wie die Leute immer mehr den Sowjet-Manövern ausgeliefert sind - selbst wenn sie Anfangs glühende Verehrer des Systems sind. Auch die Freunde des Grafen gehen und verwehen - aber ihm bleibt oft ein weiterer Grund, sich ins Leben einzubringen. So wird er auch für die Erziehung eines Kindes verantwortlich, als die Mutter dem in den Gulag geschickten Mann folgen möchte.
In der Stille des Hotels werden also Freundschaften geschlossen, Liebesbeziehungen begonnen, Arbeitsverhältnisse gestartet, Kochkünste und Weindegustationen zelebriert - und immer wieder zeigt sich auch die kommunistische Welt, weil Parteileute die Etablissements des Hotels nutzen . Der Graf bleibt aber besonnen und kümmert sich um das Nahegelegene.
Der Clou ist beinahe, dass ein hoher Sovjetfunktionär mit Namen Ossip Iwanowitsch Glebnikow (ist es nicht sogar Stalin selbst, der ja aus Georgien stammte und mit Vornamen Josip also Josef hiess und der Literatur und Kultur bewunderte, obwohl er selbst aus einfachsten Verhältnissen als Sohn eines Schusters stammte?) sich eines Tages in Privatstunden beim Grafen französisch und westliche Sitten beibringen läßt. Im völlig abgeschotteten Bereich einer streng bewachten Hotelsuite treffen sich die zwei, sehr respektvoll und die Lehrstunden finden über eine lange Zeit statt.
Voller unerwarteter Wendungen ist das Leben des Grafen Rostov, so dass das Buch trotz 500 Seiten nie langweilig wird. Was in den 1920er Jahren begonnen hat, endet dann 1954. Eine Zeit des Umbruchs auch in Russland, als nach dem Tode Stalins 1953 ein Machtkampf über die Nachfolge entsteht. Der Graf, diesmal mitten drin im Geschehen, weil er als Oberkellner gewisse Einblicke in die sich positionierenden Anwärter der Nachfolge (hier mit tatsächlichen Namen benannt als Chruschtschow und Malenkov bzw. Beria) erkennen kann und diese Information nutzt, um sowohl für seine Ziehtochter als auch für sich selbst einen günstigen Augenblick zu nutzen.
Ein wunderbares Buch von Anfang bis Ende - voller Menschlichkeit und Philosophie und Konzentration auf Ort und Zeit. Ein herausragender aktueller Schriftsteller.
- Dmitry Glukhovsky
Metro – Die Trilogie
(20)Aktuelle Rezension von: Read-and-CreateDmitry Glukhovsky hat mich auf eine ganz eigene Art gefesselt – trotz einiger kleiner Hürden. Ich muss gestehen, dass ich anfangs richtig Schwierigkeiten mit den russischen Namen hatte (besonders mit den Stationsnamen); es war manchmal echt verwirrend und ich bin ein paar mal ins Grübeln geraten. Zwar liegt ein detaillierter Plan der Metro bei, doch gerade zu Beginn war es schwer, sich in diesem unterirdischen Labyrinth zurechtzufinden. Dennoch überwiegt der fesselnde Inhalt, und ich konnte mich kaum losreißen.
Das Buch hat eine unglaubliche Portion Action und lässt einen regelrecht in die düstere Welt der Metro eintauchen. Die geheimnisvollen Protagonisten zogen mich mit ihrer undurchsichtigen Art in ihren Bann, und der bildhafte Schreibstil des Autors – so lebendig und detailliert – erweckte diese gefährliche, trostlose Welt zum Leben.
FunFakt: Das Buch hat das Lesen zu einer echten Herausforderung gemacht, da es ein richtiger Brocken mit über 1600 Seiten und 2,2 kg ist. 😮💨 - Michael Robotham
Amnesie
(326)Aktuelle Rezension von: LidenKeine Leseempfehlung
Datum : 29.07.2025
✨Handlung✨
Ein Ermittler wird schwer verletzt in der Themse (Fluss) aufgefunden. Nach diesem Ereignis erlitt er eine Amnesie. Zuvor war er an einem wichtigen Fall (Kindesentführung) dran und vermutet, das es ein geplanter Unfall war.
✨Protagonisten✨
Charaktere : 1 / 5
Vincent war der Protagonist und man erfährt so ziemlich alles sehr genau und detailreich über ihn … auch wenn es dich nicht interessiert und den Fall auch nicht weiterbringt.
✨Setting✨
Unterhaltung : 1 / 5
Tatsächlich hab ich diesmal den/ die Antagonist(in) vorhergesehen. War nen bisschen stolz auf mich 🤣 langsam werde ich zum alten Thrillerhasen 😎 es geht um das Amnesie (Gedächtnisverlust) und Kindesentführung. Der Thriller spielt sich in England ab.
✨Schreibstil✨
Spannung : 1 / 5
Ich werde mit dem Schreibstil nicht warm. Dieses ständige Ausschweifen an unnötigen Details hat mir jederlei Spannung genommen. Nach knapp 200 Seiten hab ich den Rest nur noch überflogen.
✨Fazit✨
Der Michael und ich, wir werden keine Freunde. Fand das erste Buch (Adrenalin) schon nicht so doll, dachte aber das starke Ausschweifen war gewesen, damit wir die Charaktere besser kennenlernen. Nun, er schreibt nunmal sehr detailreich und ausschweifend - was für mich ein kO Kriterium für nen guten Thriller ist. Ich möchte Spannung, interessante Themen und das Bedürfnis haben, das Buch nicht weglegen zu wollen.
- Sergej Lukianenko
Wächter des Tages
(515)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Moskau der Gegenwart existieren Menschen mit magischen Fähigkeiten, die in die „Zwielicht“-Ebene eintreten können und als die Anderen bezeichnet werden. Seit Jahrhunderten herrscht ein Waffenstillstand zwischen den Lichten (Wächter der Nacht) und den Dunklen (Wächter des Tages), der durch einen „Großen Vertrag“ geregelt wird, der in Gefahr gerät. Die sehr atmosphärische Handlung mit dem sehr originellen Thema ist erneut in drei miteinander verbundene Episoden aufgebaut und erzeugt ein einzigartiges Facettenreichtum, das durch den anderen Fokus als in Teil eins noch faszinierender wirkt. Fürs Verständnis sollte man Teil eins gelesen haben.
Bei den Protagonisten steht die junge, lebendige und moralisch komplex dargestellte Hexe der Tagwache Alissa im Mittelpunkt der Handlung, die bei einem Einsatz ihre magische Kraft verliert und sich in einem Ferienlager erholen soll, wo eine tragische Romanze mit einem „Lichten“ entsteht und sich als Teil eines gigantischen Intrigenspiels zwischen den Anführern der Tages- und der Nachtwache (Sabulon und Geser entpuppt. Relevante Nebenprotagonisten sind vielschichtig dargestellt und bereichern die Handlung.
Wer intelligente und einzigartige Urban Fantasy mit einer düsteren Atmosphäre und einer Prise Noir-Krimi mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist klar, atmosphärisch und verbindet Magie/Übernatürliches und Bürokratie/Alltagsprobleme gekonnt miteinander.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Jenny Erpenbeck
Kairos
(86)Aktuelle Rezension von: Edgar_BernardiMit Kairos („günstiger Zeitpunkt“) beginnt die Geschichte nach dem Prolog, in dem sich die 18-jährige Katharina und der 34 Jahre ältere Hans 1986 zufällig in Ostberlin begegnen. Was folgt, ist zunächst eine Liebesgeschichte mit sprachlich einfühlsam beschriebenen Gefühlen, in denen man sich wiederfindet und an seine eigene erste wirkliche Liebe zurückversetzt fühlt und die es selbst bei dem Altersunterschied so romantisch geben kann. Hans mit Nazivergangenheit und Übergang in das geteilte Ostdeutschland und Katharina, in der DDR geboren. Lange Lesestrecken mag man den Vaterersatz vermuten, den Katharina in Hans sucht. Aber auch die Bewunderung von Hans' Intellekt als Schriftsteller scheint neben der körperlichen Liebe der Anziehungspunkt zu sein. Bis sich die schöne Liebe in die erste Sado-Maso-Szene mit Gürtelschlägen steigert, was mich befremdet hat. Auch, dass man sich hier an die ersten Tagen nach Mauerfall zurückversetzt fühlt, an dem die Ostberliner die Westberliner Beate-Uhse-Shops stürmten und der Westen hier wohl auf ein obszönes Niveau abgestuft wird. Es folgen unzählige zügellose Liebesszenen, welche die Geschichte langatmig machen und weitere abstossende Szenen. Durchsetzt bzw. unterbrochen wird der Text in Perspektivwechsel durch literarische oder Musikzitate und allseits bekannte Szenen aus der DDR-Zeit (Biermann-Ausbürgerung, Sturm der Zionskirche, etc.), die wohl in keiner DDR-Geschichte fehlen dürfen. Ebenso die Würdigung der unzähligen Jahrestage, an denen sich das Liebespaar stets in einer Bar oder einem Restaurant feiert, erinnert an die unzähligen Jubiläumsfeiern des DDR-Regimes. Erst mit dem "Fremdgehen" von Katharina mit Vadim beginnt klar zu werden, dass Hans das sozialistische System verkörpert, das junge Menschen wie Katharina manipuliert, die ihm in höriger Liebe folgen oder zu folgen haben. Hans generiert in Katharina ein Schuldbewusstsein und ihre eigene Überzeugung, dass ausgerechnet sie gelogen und betrogen hat. Die Methoden, die Vorwürfe mit besprochenen Kassetten und Aufzeichnungen festzuhalten, erinnert an Stasimethoden und tatsächlich wird am Schluss klar, dass Hans als IM Galilei aktiv war. Von dort an wird die Geschichte wieder spannend, während ich zwischendurch das Lesen nach der x-ten Liebes- und Sado-Szene abbrechen wollte. Die Moskaureise der Beiden trieft ein wenig von heroischer Darstellung der Errungenschaften des Sozialismus, immer wieder unterbrochen von zügellosen Liebesszenen, als würde darüber der Glaube an den real-existierenden Sozialismus eingeimpft.
Zusammengenommen ein kluger Plot, die Geschichte der DDR und des real existierenden Sozialismus in der Symbolik dieser Liebesgeschichte zu erzählen. Die Umsetzug allerdings für den Leser anstrengend, teilweise langatmig und auch abstossend. Lesenswert nur, wer seine gelesene Sammlung an DDR-Literatur, in dem Fall nach der Wende erschienen, vervollständigen will.
Der richtige Augenblick, die Gelegenheit beim Schopf packen (Kairos) - ein toller Start - dann doch eher Chronos, verlaufende Zeit! - Boris Pasternak
Doktor Shiwago
(91)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchNach dem Tod seiner Mutter kommt der zehnjährige Juri Schiwago zu seinem Onkel Nikolai Wedenjapin und reift bei ihm zum Mann heran. Er absolviert ein Medizinstudium und heiratet seine Jugendliebe Tonja. Parallel dazu lernen wir die hübsche Larissa Antipowa, genannt Lara, kennen und erfahren, wie sie als Erzieherin in einem Privataushalt anfängt und sich später zu einem Studium an der Universität entschließt. Bei einem tragischen Unfall lernen Juri und Lara sich kennen, verlieren sich aber wieder aus den Augen. Erst viele Jahre später, im großen vaterländischen Krieg, treffen sie einander wieder. Juri ist inzwischen ein angesehener Arzt, der von einer Gewehrkugel verletzt wurde. Lara hat sich als Krankenschwester freiwillig an die Front gemeldet und pflegt ihn im Lazarett gesund. Viel Zeit zum Durchatmen bekommen niemand, denn danach breitet sich die Februarrevolution von Moskau stetig weiter aus. Das ganze Land befindet sich im Umbruch und Dr. Schiwago wird von seiner Familie getrennt und zur Zwangsarbeit verurteilt. Als er nach vielen Jahren freikommt, trifft er Lara wieder und verliebt sich in sie. Anstatt zu seiner Familie zurückzukehren, bleibt er bei Lara, obwohl sie beide wissen, dass ihr Glück nicht von langer Dauer ist. Schließlich zwingen die Umstände sie zur erneuten Trennung und Juri versucht sein Leben allein unter Kontrolle zu bekommen. Doch nicht einmal seine Arbeit als Arzt sagt ihm mehr zu.
Boris Pasternaks berühmter Roman erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Doktor Schiwago, festgemacht an vielen wichtigen Punkten der russischen Geschichte. Neben Hauptpersonen Juri und Lara tauchen mehrere hundert Personen auf – manche nur kurz, andere länger. Dadurch zeigt sich sowohl sein epochaler Umfang als auch seine größte Schwäche. Die Geschichte ist viel zu weitläufig erzählt. Vor allem ab dem Beginn der Februarrevolution ufert die Handlung immer weiter aus. Zig Kapitel haben nichts mit Juri oder Lara zu tun und man merkt deutlich, dass der Autor hier etwas den Fokus verloren hatte. Statt fortlaufender Handlung überwiegen ellenlange Dialoge und Monologe, damit scheinbar jede Person ihre Weltansicht detailliert erläutern kann. Leider setzt sich das bis zum Ende fort. Selbst nach Doktor Schiwagos unspektakulärem Tod ist die Geschichte nicht vorüber, sondern noch mehr Gespräche und Erkenntnisse müssen ausgetauscht werden. Hätte man da einiges gekürzt, es hätte dem Roman vermutlich nicht geschadet. Zumal die Geschichte durch (viel zu) vielen Ansichten eher sachlich erscheint und dadurch Gefühle und Leidenschaft meist ins Hintertreffen geraten. Man leidet daher auch nicht mit den Figuren, sondern weiß vorwiegend über die äußeren Umstände Bescheid. - Dmitry Glukhovsky
Metro 2033
(67)Aktuelle Rezension von: Anja_WeinholdDie Welt wurde durch einen verheerenden Atomkrieg völlig verwüstet. Die Überlebenden sind in den Untergrund der Moskauer Metro geflüchtet und haben dort bereits viele Jahrzehnte ihres Lebens verbracht. Sie sind daher extrem überempfindlich gegen Licht geworden, weshalb sie nur nachts und in Schutzanzüge gekleidet die Oberfläche betreten können. Bei Tag würde das Sonnenlicht sie erblinden lassen und völlig verbrennen, da durch die Atomschläge die Erdatmosphäre völlig zerstört wurde. Zudem ist die Oberfläche ein unwirtlicher Ort aus Asche, Ruinen und allerhand mutierten und sonderbaren Kreaturen, die Jagd auf die Menschen machen.
Im unterirdischen Reich der Metro und ihrer Stationen haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte verschiedenartige, gesellschaftliche Strukturen gebildet: Faschismus und Kommunismus haben überlebt, ebenso wie die revolutionären Ideen Che Guevaras - auch, wenn die Unterweltmenschen von diesen Dingen nur aus Büchern erfahren haben und sie oft gar nicht so recht verstehen. Hinzu kommen religiöse Sekten, Satanisten und Kannibalen.
Während ein Teil der Menschen völlig verwildert und sich "Zahn um Zahn und Auge um Auge" durch die Tiefen der Metro schlägt so haben andere Teile einen versucht ihre Zivilisation zu erhalten: Sie schicken Stalker (so eine Art Schatzsucher) an die Oberfläche um Munition, Treibstoff oder Bücher aus der Alten Welt, dem verlorenen Paradies, zu bergen.
Den wahren Verlauf des Atomkrieges können nur noch wenige erzählen und noch weniger können sich an die Sterne und den freien Himmel über ihren Köpfen erinnern. Schließlich war die Metro schon immer da. Und die Metro mit ihren zahlreichen Stationen, gewundenen Tunneln und tödlichen Gefahren birgt finstere Geheimnisse.
In dieser postapokalyptischen Welt wird der junge Artjom auf eine Reise quer durch die Metro geschickt: Denn seine Heimatstation, die Station der "Errungenschaften der Volkswirtschaft", ist in großer Gefahr. Aus den Tunneln, die zur Oberfläsche führen werden die Bewohner immerzu von den "Schwarzen" angegriffen; mysteriösen Kreaturen, die die Menschen nicht physisch verletzen, sondern auch ihren Verstand zersetzen.
Auf seiner Odyssee quer durch die Tiefen der Metro begegnet Artjom allerhand sonderbaren Gestalten, wie dem Philosophen Khan, der sich für die letzte Reikernation von Dshingis Khan hält. Doch die Metro ist ein harter, unerbittlicher Ort, in dem nur der Stärkere überlebt. Und so wird Artjoms Reise zu einer Bewährungsprobe für den jungen, naiven Metrobewohner, der unter der straffen Hand seines Adoptivvaters immer vom Rest der Metro fern gehalten wurde. Und so gerät der Held von einem Irrweg zum nächsten, entgeht immer wieder knapp dem Tod durch Folter, Kanniblismus und dem allgemeinen Misstrauen.
Das eigentliche Ziel dieser Reise ist bis zum Schluss unklar und überrascht mit einem nachdenklichen und fiesen Cliffhanger.
"Metro 2033" ist Glukhovskys Debütrom und was für ein Debüt das ist! Während der Klapptext zunächst Endzeit-Monstersplatter vermuten lässt entwickelt sich das Buch schlussendlich in eine völlig andere Richtung. Die Reise Artjoms dient dabei als Momentaufnahme und Sozialstudie einer Gesellschaft, die alles verloren hat und ihrer Umwelt mehr denn je mit Misstrauen und Hass entgegen tritt. Dabei klammern sich die Metrobewohner wie im Todeskampf an die alten Ideologien und führen erneut ihre tödlichen Zwiste, um Rassismus, Macht und Geld. (Letzteres wird in der Metro durch Kalaschnikowpatronen ersetzt.)
Glukhovsky baut die Spannung dabei sehr subtil auf und erschlägt den Leser im ersten Kapitel zunächst förmlich mit Beschreibungen und Erklärungen über die neue Gesellschaft im Untergrund und ihren Fraktionen. Wer sich Namen (und russische Zungenbrecher) nicht besonders gut merken kann hat hier eindeutige Nachteile.
"Metro 2033" lebt jedoch hauptsächlich von seiner düsteren Atmosphäre und der nachdenklichen Philosophie, die der Menschheit für ihre Sturheit und Aggressivität zum Schluss beinahe das Genick bricht. Denn der Mensch - insbesondere der Metrobewohner - versucht stehts alles mit der "Auslöschung äußerer Feinde" zu beenden. So entpuppen sich auf den letzten Seiten die mysteriösen Schwarzen als alles andere als Böse, doch zu spät! Die Überlebenden haben die mörderische, militärische Spirale der unaufhaltsamen Gewaltätigkeit bereits in Gang gesetzt.
Zwar könnte man Glukhovsky jetzt vorhalten er habe das Buch mit seinen über 760 Seiten aufgebläht und hätte die Geschichte doch eigentlich viel kürzer und knackiger erzählen können. Ebenso wie die Tatsache, dass es kaum Figuren gibt, die Artjom länger als ein paar Kapitel überleben und allesamt kaum charakerisiert sind. Doch die Metro ist ein finsterer Ort, in dem es immer nur um das pure Überleben geht. Der Tod ist an jeder Ecke allgegenwärtig und so sind auch die Figuren abgestumpft und misstrauisch. Liebe? Menschliche Dramen? Das alles scheint zwar in der Metro zu existieren, doch für Mitgefühl bleibt meist kein Platz - außer in der Nebenhandlung um den alten, herzkranken Universitätsprofessor und seinem geisteskranken Enkel -, denn die Menschen haben den Tod über ihre Welt gebracht und tun nun alles dafür auch die Welt unter der Erde noch mehr zu verstümmeln.
So gewinnt das Buch jedoch auch einen verstörenden Knackpunkt, denn blutig wird es nur selten - und dann auch nur auf einem realistischen, angemessenen Niveau. Der wahre Horror der Metro entfaltet sich in ihrer beklemmenden Enge, der "Tunnelangst", der Finsternis, der Verwilderung des Menschen und der völligen Absenz von Menschlichkeit. Normalität ausgeschlossen.
"Metro 2033" merkt man dennoch die großen Vorbilder an. Die Gebrüder Strugazki ("Picknick am Wegesrand") ebenso wie der Spielebestseller "S.T.A.L.K.E.R." und die Werke Sergej Lukianenkos. Dennoch kopiert Glukhovsky seine Vorbilder nicht plump, sondern lässt sie mit Liebe in seine phantastische Erzählweise einfließen. Denn der Autor schafft es so zu schreiben, dass man, als Artjom z.b. das erste Mal den Himmel sieht, völlig überzeugt ist die Sterne ebenfalls noch nie selbst gesehen zu haben. Die Metro erweckt in Glukhovskys direkten, aber auch gleichzeitig wundervollen Stil zum Leben und spürt sie am Ende selbst: Die Tunnelangst, die verzerrten Laute sterbender Kreaturen, die der Tunnel heran trägt, die schweren Bewegungen unter dem Schutzanzug, die beklemmde Enge der Metro und der permanente Wahnsinn, den diese tote Welt verbreitet.
Unbedingt Empfehlenswert! - Eva Hornung
Dog Boy
(13)Aktuelle Rezension von: LaMenschEines Tages wird Romochka alleine in der Wohnung seines Onkels zurückgelassen. Er ist einfach verschwunden, hat nach und nach das Interieur verkauft und weggegeben und ist selbst eines Tages nicht mehr wiedergekommen. Der vierjährige Romochka weiß nicht, was er tun soll. Irgendwann ist der Hunger zu stark. Er verlässt das vereinsamte Haus. Keiner seiner Nachbarn ist mir hier, alle sind verschwunden. Er läuft raus auf die Straße. Irgendwann setzt er sich weil die Kälte zu stark und der Hunger zu groß ist um weiter zu gehen. Er schläft ein. Als er erwacht steht ein großer Hund vor ihm, der sein Leben von Grund auf verändern wird …
Das Buch hat mich doch tief beeindruckt, der Schreibstil ist an manchen Stellen durch Einschübe russischer Wörter ein bisschen holprig. Man kann sich trotzdem wenn man kein Russisch kann den Zusammenhang, bzw. die Bedeutung der einzelnen Wörter erschließen. Der Inhalt des Buches ist eine schwere Geschichte. Ich finde die Charaktere sehr gut dargestellt und auch das Wesen der Hunde gut gezeichnet.
Jedoch muss ich kritisieren, dass an manchen Stellen die Beschreibung so deutlich ist, dass einem schon schlecht werden kann (zum Beispiel beim fressen) ich persönlich kritisiere das, anderen könnte das wiederum gefallen. Das denke ich ist Geschmackssache.
Mich hat das Buch gefesselt, trotzdem fand ich es an manchen Stellen bisschen heftig und vergebe 4 von 5 Sternen. - Maxim Biller
Sechs Koffer
(81)Aktuelle Rezension von: Sanne54Der Großvater wird in Russland wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen hingerichtet, als Beweis dient, dass er mit Westgeld am Flughaften, auf wem Weg nach Prag, aufgegriffen wurde. Der Enkel, der später mit der Familie in den Westen flieht, versucht herauszufinden, welches Familienmitglied die Schwarzmarktgeschäfte des Großvaters verraten und ihn so an den KGB verraten hat. War es die Tante, die zuerst mit dem Vater und dann mit dem inhaftierten Onkel liiert war, der Onkel, der in der Haft geplaudert hat usw.? Dadurch, dass es sich um eine russisch-jüdische Familie handelt, fließen auch Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus und Antisemitismus in der sowjetischen Gesellschaft mit ein. Der Roman spielt zu großen Teilen in Prag.
Das Spiel mit Verdächtigungen und Zweifel hat mir gut gefallen, auf der sprachlichen Ebene ist es nicht so ganz mein Geschmack, aber das Schonungslose und manchmal auch etwas Gesichtslose passt ganz gut zum totalitären sowjetischen System, in der die Individualität nicht im Mittelpunkt steht. Irgendwie läuft es auch auf die Frage heraus, ob man ohne illegale Geschäfte (wie der Großvater) oder ohne Verrat in einem solchen System überhaupt bestehen konnte ... Und was es mit einem Menschen macht, wenn selbst innerhalb einer Familie Vertrauen fatal sein kann.
Könnte auch eine gut Grundstory für einen Thriller sein, ist hier aber als Familiengeschichte erzählt.
- Tom Rob Smith
Agent 6
(167)Aktuelle Rezension von: die_solveig_liestIm dritten Band der Reihe führt uns die Geschichte zunächst zurück ins Jahr 1950. Stalin ist an der Macht, sein Terrorregime hält das Land fest im Griff. Leo Demidow, ein junger, aufstrebender Geheimdienstagent, erhält den brisanten Auftrag, den schwarzen amerikanischen Sänger und bekennenden Kommunisten Jesse Austin während eines Besuchs in Moskau zu betreuen. Trotz all seiner Bemühungen, den wahren Alltag der Menschen zu vertuschen, kommt es beinahe zu einem großen Eklat.
Fünfzehn Jahre später findet in New York ein gemeinsames Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler statt - ein inszeniertes Symbol der Annäherung und Völkerfreundschaft. Auch Demidows Frau und seine beiden Töchter reisen in die USA. Dort werden sie ungewollt zu Spielfiguren eines politischen Komplotts. Der Abend des Konzerts endet mit mehreren Toten und einem erschütternden Vorfall, der Leo Demidow zutiefst trifft.
Agent 6 ist der Einzige, der weiß, was wirklich geschehen ist, und für Leo beginnt eine traumatische Suche nach der Wahrheit. Doch wird er sie jemals erfahren?
Was hat mich dieses Buch gefesselt, mitgerissen und zutiefst berührt. Selten hat ein Buch so viele unterschiedliche Gefühle in mir ausgelöst. Es ist kein Thriller für zwischendurch, aber wer sich darauf einlässt, wird durch eine ganz besondere Tiefe belohnt. Dieses Buch erzählt von Hass, Grausamkeit und Entsetzen – aber auch von bedingungsloser Liebe.
Selten hatte ich beim Lesen ein solches Herzklopfen, dass mir beinahe der Atem wegblieb.
Ein großartiger Abschluss der Reihe um den russischen Agenten Leo Demidow.
𝗪𝗼𝘄. - Sergej Lukianenko
Wächter des Zwielichts
(428)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Moskau der Gegenwart existieren Menschen mit magischen Fähigkeiten, die in die „Zwielicht“-Ebene eintreten können und als die Anderen bezeichnet werden. Seit Jahrhunderten herrscht ein Waffenstillstand zwischen den Lichten (Wächter der Nacht) und den Dunklen (Wächter des Tages), der durch einen „Großen Vertrag“ geregelt wird, der in Gefahr gerät. Die sehr atmosphärische Handlung mit dem sehr originellen Thema ist in drei miteinander verbundenen Episoden aufgebaut und erzeugt ein einzigartiges Facettenreichtum. Fürs Verständnis sollte man die vorherigen Teile gelesen haben.
Bei den Protagonisten steht erneut der nun erfahrene und moralisch komplexe Magier der Nachtwache Anton Gorodetski in der Ich-Erzählperspektive im Mittelpunkt der Handlung, der den Verfasser eines Briefes finden soll, der behauptet er könne einen Menschen in einen Anderen verwandeln. Die Suche führt ihn tief in die Geheimnisse des Zwielichts. Relevante Nebenprotagonisten, wie z.B. Geser oder Sebulon, sind vielschichtig dargestellt und bereichern die Handlung.
Wer intelligente und einzigartige Urban Fantasy mit einer düsteren Atmosphäre und einer Prise Noir-Krimi mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist klar, atmosphärisch und verbindet Magie/Übernatürliches und Bürokratie/Alltagsprobleme gekonnt miteinander.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Lara Prescott
Alles, was wir sind
(111)Aktuelle Rezension von: Simone1985Ich habe das Buch geschenkt bekommen und war anfangs etwas unwillig ein Buch über ein mir unbekanntes (berühmtes) Buch zu lesen. Dr. Schiwago war mir ein Begriff, aber ich kannte die Geschichte nicht. Das tut jedoch dem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Das Buchcover ist wunderschön gestaltet und sehr ansprechend.
Der Schreibstil ist packend und informativ, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Man lernt viel über die Zeit des Kalten Krieges. Ich mag es, wenn man beim Lesen nebenbei noch etwas über Geschichte lernen kann.
Es geht um Liebe, Spionage und Gegenspionage, Frauen, Politik und Macht. - Alexander Osang
Die Leben der Elena Silber
(80)Aktuelle Rezension von: FortiAchtung (nicht sonderlich tiefgehende) Spoiler!
Eine Familiengeschichte über knapp 100 Jahre, die so einiges zu bieten hat: Geheimnisse, Legenden, Tragik, Konflikte, Schweigen, verschwundene Familienmitglieder, Migrationsgeschichten. Eins hat sie allerdings nicht: ein rundes Ende, das alles auflöst. Das machte es für mich aber auch sehr realistisch, denn in welcher Familie lassen sich schon alle Fragen nach der Vergangenheit beantworten. Das Thema Suche zieht sich durchs Buch – die Suche nach Antworten auf Fragen nach der Vergangenheit, die Suche nach Heimat, die Suche nach Familie. Ich fand es alles in allem eine stimmige Geschichte. Für mich eine zwar etwas lange (knapp über 600 Seiten), aber lohnende Lektüre.























