Bücher mit dem Tag "mussolini"
19 Bücher
- Astrid Lindgren
Die Menschheit hat den Verstand verloren
(94)Aktuelle Rezension von: PhilieneWer dieses Buch liest muss sich darüber im klaren sein, daß es sich hier um die Tagebucheinträge der Autorin handelt. Es hat nichts mit ihren späteren Werken zu tun und es ist auch kein Roman.
Astrid Lindgren kennen wir alle als die Autorin von Pipi Langstrumpf und Michel , aber natürlich war sie auch ein Mensch der in seiner Zeit gelebt hat. Sie war eine junge Frau während des zweiten Weltkrieges. Sie war Mutter und Ehefrau und sie hat ein Tagebuch während dieser Zeit geschrieben,.
Das besondere daran ist das sie es aus Sicht einer Frau geschrieben hat, die nicht in Deutschland, Frankreich, Polen oder einem anderen Land gelebt hat in denen dieser Krieg furchtbar wütete. Sie war nicht von den Verfolgungen der Nazies betroffen und trotzdem hat sie einen nahen Eindruck der Zeit hinterlassen. Denn sie hat in dieser Zeit gelebt.
Ich lese sehr gerne Bericht von Augenzeugen und finde Tagebücher aus der Zeit immer sehr interessant. Und so ging es mir auch mit Astrid Lindgrens Tagebuch. Sie erzählt von dem was sie vom Krieg mitbekommt und wie ihre Familie diese Zeit erlebt hat.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
- Marco Balzano
Ich bleibe hier
(279)Aktuelle Rezension von: izzy_booksDer Roman erzählt die Geschichte von Trina, die im Zweiten Weltkrieg mutig gegen die Zwangsassimilation in Südtirol kämpft. Balzano schildert eindringlich Verlust, Widerstand und tiefe Heimatliebe in einem ruhigen, einfühlsamen Stil und vermittelt zugleich die Härten jener Zeit, die persönliche Opfer und das Streben nach Identität prägen.
- Nadifa Mohamed
Black Mamba Boy
(44)Aktuelle Rezension von: Aqua__Das Leben ist erbarmunglos. So denke ich zumindestens, nachdem ich dieses Buch gelesen habe. Der kleine Jama ist gerade einmal 11 Jahren alt.
Über hunderte von Kilometern, will er sich auf den Weg in den Sudan machen, in einer Zeit in der sein Volk versklavt wird. In den 30er Jahren, in der das Buch spielt, haben die weißen die Kolonialherrschaft an sich gerissen und unterdrücken die Einheimischen in Afrika.
Auf seinem Weg erlebt er so manches Abenteuer. Jama bekommt hilfe, aber ebenso stellen sich ihm Andere in den Weg.
Das besondere ist, das Nadafi Mohammed hier die Geschichte ihres Vaters erzählt und uns dadurch in eine ander Welt eintauchen lässt. - Mark T. Sullivan
Unter blutrotem Himmel
(71)Aktuelle Rezension von: QuibbLange auf dem SUB, nun endlich gelesen und, meine Güte, was für eine Geschichte! Immer wenn ich keine Zeit zum Lesen hatte, zogen meine Gedanken zu diesem Buch und ich wollte weiter Pinos unglaublichen Erlebnissen folgen.
Ich schwanke zwischen totaler Begeisterung und einem kleinen Teil Skepsis darüber, ob das nun alles tatsächlich so passiert sein mag, aber auf den letzten Seiten wird auch über das weitere Leben aller, denen wir begegnet sind, berichtet. Da werde ich definitiv mal das ein oder andere nachforschen.
Die Schreibkunst des Autors ist sicherlich nicht die begnadetste, aber es liest sich flüssig und hat zumindest mich nicht gestört. Man kann schon ein kleines bisschen die amerikanische Ansicht auf die damalige Zeit erahnen, aber insgesamt fand ich das Buch wirklich packend, spannend, erschütternd und fesselnd.
- Hisham Matar
Die Rückkehr
(10)Aktuelle Rezension von: buch_akzenteErgreifend, erschütternd, brillant geschrieben, verdienter Pulitzer- und Geschwister-Scholl-Preis für diese Autobiographie.
Libyen. Weiß jemand von euch mehr über Libyen, als dass es da einen Gaddafi gab? Ich ehrlicherweise nicht. Aber nun, nach der Lektüre weiß ich mehr und bin entsetzt über das Martyrium dieses Volkes.
Der Autor wird im Jahr 1970 geboren, als sein Vater Jaballah Matar kurz nach der Machtübernahme Gaddafis als Diplomat in New York tätig ist. Libyen war von 1951 bis 1969 unter König Idris ein Königreich gewesen. Und zunächst noch voller Hoffnung auf eine Demokratie in seinem Land, bemerkt Jaballah jedoch schnell, wie sehr er sich in Gaddafi getäuscht hat und wird zum heftigsten Unterstützer des Widerstandes. So ist er nach nur wenigen Jahren Aufenthalt mit seiner Familie in seinem Heimatland gezwungen, mit ihr zu fliehen. Zuerst fliehen sie nach Kenia und anschließend nach Kairo. Von dort wird Jaballah 1990 mit Hilfe der ägyptischen Regierung nach Libyen entführt und in das berüchtigte Gefängnis Abu Salim gebracht. Zu dieser Zeit studiert sein Sohn Hisham, der Autor, in England. 22 Jahre später, im Jahr 2012, nach der Revolution und Gaddafis Sturz reist dieser mit seiner Frau nach Libyen, um seinen Vater zu suchen bzw. Klarheit über dessen Schicksal zu bekommen. An diesem Punkt startet Matars Bericht.
Ich wurde beim Lesen hineingezogen in ein Leben voller Trauer, Wut, Verzweiflung und mit einem beherrschenden Gefühl der Heimatlosigkeit, des Abgetrenntseins von Heimat und dem Rest der Familie, aber auch in ein Leben voller Hoffnung, dass der Vater vielleicht doch noch lebt. Hoffnung für Libyen. Hoffnung auf Demokratie, auch wenn schon alle Zeichen auf einen Bürgerkrieg hindeuten.
Dabei erfahren wir über die Geschichte des Großvaters von der Kolonialisierung durch Italien, vom Genozid an mehreren 100.000 Menschen und der Ausbeutung des Landes auf Befehl von Mussolini. Ich hatte davon noch nie gehört oder gelesen. Wusstet ihr davon?
Matars eindrückliche, bestechend klare, versierte und auch poetische Sprache vermag es, uns in seine Person zu versetzen, in seine Gedanken und Gefühle:
"Im Auto unterwegs von Adschabiya nach Bengali ... begriff ich, dass ich all die Jahre das Kind, das ich einmal war, in mir getragen hatte, seine Sprache und Eigenschaften, die ungeduldigen, durstigen Zähne, die in das kalte Fleisch der Wassermelone bissen."
"Seit wir Libyen verlassen hatten, war Wut wie ein vergifteter Strom durch mein Leben geflossen und hatte sich bis in die Verästelungen meiner Anatomie gegraben."
"Wenn ich darüber nachdenke, was mit ihm geschehen sein mag, spüre ich, wie sich ein Abgrund in mir öffnet. Ich versuche, mich an den Wänden festzuklammern, doch sie sind rau und unsicher, aus weichem Lehm, der im Regen wegbricht, und die Öffnung ist rund, wie bei einem Brunnen. Unser Brunnen."
Bei seiner Reise durch seine Heimat befragt Matar mit viel Einfühlungsvermögen Familienmitglieder, die ebenfalls eingekerkert waren, aber wieder freigelassen wurden, in der Hoffnung, etwas über seinen Vater und dessen Verbleib zu erfahren. So erlangen wir Kenntnis über die unfassbaren Haftbedingungen und Geschehnisse im Abu Salim Gefängnis.
Hisham Matar lässt uns in seine arabische, heimat- und vaterlose, sowie -suchende Seele schauen. Er legt alles frei. Und das ergreift den Leser im Innersten. Diese Autobiographie ist große Literatur, in meinen Augen ein Meisterwerk und sollte unbedingt gelesen werden. Lesen, lesen, lesen!!! - Alyson Richman
Der italienische Garten
(30)Aktuelle Rezension von: Reading_Love~ Klappentext ~
Portofino 1943: Mitten im Krieg geht eine junge Frau von Bord eines Schiffes. Die Deutschen halten den malerischen Küstenort besetzt und lassen Elodie nicht mit ihren gefälschten Papieren passieren. Doch in letzter Sekunde gibt ein fremder Mann sie als seine Cousine aus und rettet sie. In seinem Haus auf den Klippen gewährt ihr Angelo zuflucht. Aber Elodie kann niemanden trauen, denn ihr Geheimnis würde nicht nur sie das Leben kosten ...
~ AUTORIN ~
Alyson Richman ist amerikanische Bestsellerautorin und hat schon mehrere Romane verfasst, die in achtzehn Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren kindern auf Long Island, New York. Der italienische Garten ist ihr erster Roman im Diana Verlag.
~ MEINUNG/ FAZIT ~
Das erste Buch dieser Autorin aus dem Diana Verlag und das erste was ich lese von ihr. Und ich bin positiv überzeugt. Der Schreibstil ist einfühlsam sowie auch intensiv. Eine tragische und sehr emotionale Geschichte zur Kriegszeit. Hier werden auch die Figuren sehr hervorgehoben und ihre Verhältnisse zueinander sehr gut beschrieben. Auch kriegt man hier einen Einblick, wie es den menschen um 1943 rum ergangen ist. Ich musste an so manchen Stellen das Buch aus der Hand legen und erst mal eine kleine Pause einlegen, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Eine ziemlich harte Zeit und der Kampf ums überleben, wenn man verfolgt wird.
Dieses Buch bekommt 4 von 5 Sternen. - Mark J. Sedgwick
Gegen die moderne Welt: Die geheime Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Lenz Koppelstätter
Was am Ufer lauert
(131)Aktuelle Rezension von: BuchFan25Der zweite Fall für Polizeireporterin Gianna Pitti von Lenz Koppelstätter lautet "Was am Ufer lauert".
Bereits den ersten Band ziert ein schönes Bild vom malerischen Gardasee. So auch den zweiten Band. Der Wiedererkennungseffekt zur Reihe ist auf jeden Fall gegeben.
Auch dieser Fall hält einige Überraschungen für Gianna Pitti bereit. Möchte sie zunächst ihrem Vater einen Gefallen tun, landet sie schon bald mitten in turbulenten und gefährlichen Ermittlungen. Unterstützt wird sie einmal mehr von ihrem Onkel Francesco, der weiterhin den "typisch wohlhabenden Italiener alter Schule" repräsentiert. Diesmal nicht nur im Hintergrund dabei ist zudem Giannas Vater Arnaldo. So entspinnt sich ein Krimi aus allerlei politischen und historischen Verflechtungen. Durch den Autor erfährt man als Leser viele Hintergründe, die so im Allgemeinen eher nicht bekannt und präsent sind. Allerdings muss man diese Art Krimi mögen, damit man nicht das Gefühl von Längen im Geschehen bekommt.
Die Figuren und deren Vergangenheit breiten sich immer mehr vor dem Leser aus. Dadurch gewinnt man weitere Einblicke und Verständnis für die Situationen und Handlungsweisen.
Insgesamt ein Krimi mit sowohl politischen als auch historischen Verflechtungen, der wohl auch als Roman mit kriminalistischen Elementen durch gegangen wäre. Auch dieser Band enthält viel Lokalkolorit.
- Francesca Melandri
Alle außer mir
(8)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaIch fand den Anfang interessant. Da taucht ein Schwarzer in einer richtig weißen Familie auf und behauptet, der Sohn zu sein und beweist das mit einem Ausweis. Ich würde da auch zögern, ihn für einen Betrüger brandmarken und alles, was er sagt, in Zweifel setzen. Was ja die Familie auch macht, aber dann fällt ihnen ein, dass der Vater in Äthiopien war und plötzlich sind sie sich alle nicht so sicher.
Das baut wirklich Spannung auf, aber dann driftet das Buch in die Vergangenheit, zerhackt den roten Hacken, ein Flashback folgt auf das andere und jede davon mit der schrecklichen Absicht, den Spannungsbogen aufzulösen. Es wird schnell wirr, gerät durcheinander und es sind so viele Figuren drinnen, dass es mir schwerfiel, sie voneinander zu trennen.
Dann begann die Autorin über die Politik zu schwafeln und mit einem Mal fühlte sich das Buch so an, als wollte die Autorin irgendwie die Seiten auffüllen, irgendeine Wortanzahl erreichen und das Buch so schwer wie nur möglich machen. Die Sprache wird vernachlässig, die Gefühle werden ignoriert, keine Atmosphäre, kein Feuer, keine Seele. Das Buch hat mich anzuöden begonnen und ich konnte nicht anders, als es abzubrechen.
- Mark T. Sullivan
Unter blutrotem Himmel
(10)Aktuelle Rezension von: NiWaDer Jugendliche Pino Lella hält sich aus dem politischem Geschehen heraus. Eigentlich interessiert er sich nur in erster Linie für Mädchen, gefolgt von Musik und gutes Essen darf auch immer sein. Doch als die Bomben zum ersten Mal auf Mailand fallen, wird aus dem Jungen ein Mann, der Verantwortung tragen will.
"Unter blutrotem Himmel" ist eine Mischung aus Realität und Fiktion, die Pino Lellas Jugendjahre inmitten des Krieges in das Zentrum stellt.
Ich habe mich für dieses Hörbuch entschieden, weil mich der Schauplatz Italien während des Zweiten Weltkriegs interessiert hat. Zwar habe ich schon viele Bücher über und zum Kriegsgeschehen gelesen, die Rolle von Italien bisher nur am Rande gestreift.
Außerdem handelt es sich angeblich um eine wahre Geschichte. Die Erzählung basiert auf Pino Lella, der tatsächlich lebte und im kriegsgebeutelten Italien seine Jugendjahre verbringt.
Dementsprechend lernt man zu Beginn den lebenshungrigen und liebestollen jungen Mann kennen, der Pino Lella vor besagter Bombennacht ist. Ihm schwirren ausschließlich Mädchen im Kopf herum, er sehnt sich nach Liebe und körperlicher Zuwendung, und versucht ziemlich keck, die eine oder andere Dame für sich einzunehmen. Man merkt schnell, dass er sich wieder für das Kriegsgeschehen noch für den Nationalsozialismus interessiert, und allein mit seinen Flausen tagein, tagaus agiert.
Eines Nachts wird Mailand von Bombenangriffen heimgesucht. Zum ersten Mal steht Pino Lella der Brutalität und Realität des Zweiten Weltkriegs gegenüber. Infolge dieser Erkenntnis schließt er sich einer Bewegung an. Er führt Juden und andere Flüchtlinge über die Alpen in die Schweiz, womit für ihn ein großes Abenteuer beginnt und er zum stillen italienischen Helden wird.
Pino Lella hat unglaublich viel erlebt. Es geht nicht nicht nur um die Alpenroute, die er mit zig Flüchtlingen passiert, sondern auch um Spionage und die ganz große Liebe, die ihn durch diese düsteren Jahre führt.
Meines Erachtens hat Pino Lella ein aufregendes Leben verbracht. Allein die Beschreibungen, wie er mit einer Handvoll Menschen über die Alpen zieht, wie er sich in Hoffnung auf Besserung in Gefahr begibt, und welche Gräueltaten er mitansehen muss, haben mich mehr als einmal schlucken lassen. Pino Lella war ein äußerst mutiger junger Mann, der sich nicht mit Gegebenheiten abgefunden sondern gehandelt hat.
Daher bin ich sehr froh, dass Mark Sullivan seine Geschichte erzählt, und ich empfinde sie als absolute Bereicherung.
Allerdings kommen mir Zweifel, ob sich alles auf diese Weise zugetragen hat. Pino Lella begegnet unzähligen Nazigrößen und Angehörige der obersten italienischen Liga. Kann das alles ein Zufall sein?
Teilweise hat mich Sullivans Erzählstil gestört. Er schreibt absolut perfekt, setzt gekonnt dichte Passagen durchmischt von Zeitraffern ein, und schafft es, die Erzählung mit Höhepunkten zu versehen. Allerdings war es mir manchmal zu geradlinig, zu schnörkellos - ja - zu glatt geschrieben. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, als ob der Autor frisch vom Schreibseminar weg diese Geschichte zu Papier gebracht hat. Dabei habe ich seine Stimme, seine Persönlichkeit, vermisst. Es ist mir zu makellos erschienen.
Diese Kritik liegt wahrscheinlich am Grundcharakter der Geschichte, weil sie eben nicht frei erfunden, sondern auf Gesprächen mit Pino Lella beruht. Ich denke, dass der Autor daher seine Persönlichkeit, seine Note, zurückgehalten hat.
Pino Lellas Leben hat mich berührt, mir Angst und gleichzeitig Mut gemacht. Ich ziehe den Hut vor jenen Menschen, die handeln anstatt zuzusehen, wenn anderen Unrecht widerfährt. In diesem Sinn spreche ich eine Lese- bzw. Hörempfehlung aus, und hoffe, dass Pino Lellas Geschichte vielen zu Ohr kommen wird. - Grit Landau
Die sardische Hochzeit
(53)Aktuelle Rezension von: SeverusNyssenDie sardische Hochzeit von Grit Landau ist ein Roman, der erneut zeigt, dass die Autorin ein Talent für lebendige, detailreiche Geschichten hat. Die Liebesgeschichte von Leo und Gioia, die schon in früheren Bänden ihren Anfang nahm, bietet viele emotionale Momente und interessante Entwicklungen. Allerdings gestaltet sich der Einstieg für Neueinsteiger sehr schwierig. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass die Vielzahl der Figuren, italienischen Namen und komplexen Familienverhältnisse eine große Herausforderung darstellen. Obwohl die Familienverhältnisse zu Beginn erklärt werden, verliert man im Laufe des Romans oft den Überblick: Wer ist Cousin von wem, wer gehört zu welchem Handlungsstrang, wer mischt politisch mit?
Besonders störend fand ich, dass die politischen und historischen Hintergründe ständig in die Geschichte eingewoben werden. Das sorgt zwar für ein authentisches sardisches Flair, drängt aber die eigentliche Liebesgeschichte in den Hintergrund. Als Leserin wird man mit Informationen und Ereignissen konfrontiert, die ohne Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden schwer verständlich sind. Dadurch wirkt die Handlung teilweise überladen und chaotisch.
Dennoch bietet der Roman viele schöne Momente und die Sardische Kulisse ist lebendig und anschaulich beschrieben. Fans der Serie werden vermutlich Gefallen an den zahlreichen Verflechtungen finden, Neulinge könnten jedoch schnell überfordert sein. Insgesamt ist Die sardische Hochzeit ein lesenswerter Roman, der allerdings durch die Vielzahl an Figuren und komplexen Verhältnissen sein Potenzial nur teilweise entfaltet.
- Robert Harris
München
(15)Aktuelle Rezension von: Buechergarten》INHALT:
München, September 1938: Der Weltfrieden ist bedroht - mit Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier trifft eine Auswahl führender europäischer Politiker zu einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung zusammen. Mit ihm Gefolge sind Hugh Legat, Privatsekretär Chamberlains aus dem Außenministerium, und Paul von Hartmann, aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die beiden verbindet eine Freundschaft aus vergangenen Tagen und Oxford, die nun auf die Probe gestellt wird. Wie weit wagen sie zu gehen, um den drohenden Krieg abzuwenden?
》EIGENE MEINUNG:
Das Hörbuch zu „München“ umfasst die gekürzte Lesung auf 6 CDs mit einer Gesamtspielzeit von ca. 8 Stunden. Als Sprecher konnte dabei Frank Arnold vollständig überzeugen. Im Gegensatz zu anderen Stimmen habe ich die „Kürzung“, auch wenn ich sie bei meinen Hörbüchern immer zu vermeiden versuche, nicht als präsent wahrgenommen. Das Cover ist in den Farben Rot, Schwarz und Weiß gehalten, was auf mich bereits sehr eindringlich und auch auf gewisse Weise gefährlich wirkt!
Die Geschichte bezieht sich auf das, tatsächlich 1938 stattgefundene, Münchner Abkommen.
Die Meinung einiger Rezensenten zum Thema „Politik ja, Thriller nein“ kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich war im Hörbuch durchgehend angespannt, habe mitgefiebert und den Ausgang genauso herbeigesehnt, wie gefürchtet. Natürlich weiß man wie die Ereignisse in geschichtlicher Hinsicht geendet haben, aber auch die beiden – mehr oder weniger fiktiven - Protagonisten Legat und von Hartmann sind mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen. Dabei basiert von Hartmann auf der echten Person von dem der von den Nazis ermordete Adam von Trott zu Solz. Sehr spannend war für mich auch Harris Sicht auf den englischen Premierminister Neville Chamberlain sowie die jeweiligen Beweggründe der handelnden Personen. Durch wechselnde Sichtweisen zwischen Legat und von Hartmann geht die Geschichte zügig und harmonisch voran. Man taucht in die Positionen, Verhandlungen und Ziele der einzelnen Seiten ein. Zum Schluss hatte ich fast das Gefühl die Personen nun zu kennen, so detailreich und lebendig sind sie gezeichnet. Extrem wichtig fand ich auch die Einblicke in die Reaktionen des deutschen bzw. englischen Volkes – die Stimmung wurde perfekt eingefangen.
Robert Harris ist es laut einem Interview wichtig, dass seine Geschichte genau so hätte passiert sein können. Und so fühlte es sich für mich auch zu jederzeit an. Ich habe mich neben dem Hörbuch viel mit der Geschichte um das Münchner Abkommen, Chamberlain, der Sudetenkrise etc. beschäftigt. Harris versteht es perfekt reale Geschichte mit Fiction zu verweben, ohne dem Stoff seinen wahren Kern zu nehmen.
Besonders fasziniert bin ich davon, wie der Autor das Ende seiner Geschichte gewählt hat. Als Leser weiß man, dass der Krieg durch das Münchner Abkommen „nur“ verschoben wurde, rechnet also mit dem Schlimmsten. Man bereitet sich vor, auch auf den Abschied von Legat und von Hartmann. Ich würde nichts daran ändern und hatte auch nie das Bedürfnis im Hörbuch von der Realität abzuweichen, um mehr Fiction zu erfahren. Für mich: Eine perfekte Mischung!
》FAZIT:
Ich empfinde dieses Hörbuch, sowohl den fiktiven Teil als auch das Wissen um die historischen Fakten darin, als absoluten Gewinn! Ich war, von den wenigen, detailgetreu beschriebenen Tagen, durchgehend gefesselt und muss sagen: Das war zwar mein erstes Buch von Robert Harris, aber sich nicht mein Letztes!
- Nicoletta Giampietro
Niemand weiß, dass du hier bist
(44)Aktuelle Rezension von: Sanne54Im Mittelpunkt stehen der 12-jährige Lorenzo und sein Freund Daniele. Obwohl Italien sich 1942 schon seit zwei Jahren zu Hitler-Deutschland bekennt, merkt man in Siena noch nicht so viel vom Krieg, der Europa bereits überzogen hat. Dennoch ist der Faschismus schon all gegenwärtig und auch von Lorenzos Denken hat er Besitz ergriffen. Seine Freundschaft zu Daniele, der Jude ist, bleibt davon aber unberührt.
Plötzlich werden auch in Siena Deportationen durchgeführt, von denen auch die Familie Danieles betroffen ist. Buchstäblich im letzten Moment flieht Daniele vom Laster und Lorenzo entscheidet, dass er ihn bei sich zu Hause verstecken wird - ohne sich der Tragweite dieser Entscheidung nur ansatzweise bewusst zu sein. Niemandem erzählt er davon, daher der Titel. Stattdessen übernimmt der Heranwachsende alleine die Verantwortung für seinen Freund, organisiert Lebensmittel oder zweigt sie heimlich von den Vorräten der Familie ab, versorgt den Freund mit Papier und Stift, damit er gegen die Langeweile und Verzweiflung anmalen kann usw. Das wird natürlich immer schwerer, um so länger das Verstecken gelingen muss.
Giampietro gelingt ein Roman, der sich mit einem Thema beschäftigt, dass nicht neu ist, aber in - für mich - neuem Gewand, dass ich gerade auch Jugendlichen empfehlen würde: Die vielleicht manchmal zu abstrakten Begriffe Faschismus, Antisemitismus und Krieg werden greifbar, da sich das Buch so klar auf die "kleine Welt" von Lorenzo und Daniele konzentriert, deren essentielle Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen. Das ist sehr berührend, da so nah an den Handelnden.
Zum Ende hin (so ca. im letzten Drittel) weitet sich dann der Blick, was dazu führt, dass auch andere wichtige Aspekte (z.B. die Partisanen) einen Raum bekommen, die sicher erzählt werden müssen. Hier werden dann auch die Gräuel des Krieges konkreter benannt, etwa wenn ein ganzes Dorf aus Rache für den Tod eines deutschen Offiziers in die Kirche getrieben und verbrannt werden. Zwar wird dies nicht in allen Einzelheiten beschrieben, ich würde Eltern/Erwachsenen aber dennoch empfehlen, das Buch gerade mit Blick auf jüngere Jugendliche vorab zu lesen.
Für mich liegt die Stärke des Romans allerdings tatsächlich in der Fokussierung auf Lorenzo und Daniele. Sehr empfehlenswert.
- Nicoletta Giampietro
Niemand weiß, dass du hier bist
(2)Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar»Der Duce kam zu uns in einer Zeit, als Italien nach dem Großen Krieg in Elend, Chaos und Gewalt zu versinken drohte. Damals herrschte unter den Italienern Misstrauen und Zweifel. Doch Mussolini glaubte an Italien und wusste, zu welcher Größe die Italiener fähig sind, wenn man sie vereinigt, und sie auf den rechten Weg führt. … und in wenigen Jahren gelang es ihm, aus einem gespaltenen und demoralisierten Land ein neues, ruhmreiches Römisches Imperium zu erschaffen.«
1942, der zwölfjährige Lorenzo ist in Tripolis, der Hauptstadt von Libyen (italienische Kolonie zu dieser Zeit), aufgewachsen, denn sein Vater, ein Faschist, dient als Offizier bei der italienischen Arme. Seit dem letzten Einsatz gilt er als vermisst. Es wird langsam gefährlich, im Land zu bleiben, daher schickt die Mutter Lorenzo nach Siena zu den Großeltern, sie will in Afrika den Vater suchen. Italien befindet sich Seite an Seite mit dem Deutschen Reichs im Krieg. In der neuen Schule freundet sich Lorenzo mit dem Nachbarssohn Franco Tacconi an, der ein eifriger Balilla (Jugendorganisation der Faschisten) ist. Dort üben die Jungen mit dem Holzgewehr zu exerzieren, würden gern in den Krieg ziehen. Die Tante von Lorenzo, Zia Chiara, hält nichts von den Faschisten – nichts mehr, wie sie später berichtet, denn sie hatte Mussolini falsch eingeschätzt, der anfänglich wirtschaftlichen Aufschwung brache, Schulen für alle Kinder, ein Gesundheitssystem. Die Faschisten werden nun offensichtlich jeden Tag unerträglich und immer mehr Widerstandsgruppen bilden sich. Als jüdische Kinder aus der Schule ausgeschlossen werden, versteht Lorenzo die Welt nicht. Er hatte in Büchern gesehen, wie angeblich Juden aussehen sollen … diese hier sehen ganz anders aus. Die zornigen Gesichter mit schwarzem Haar und Hakennase der Bilder glichen doch, wenn überhaupt, der Familie des Lebensmittelhändlers Tacconi – und die sind italienische Faschisten. Und da ist Daniele, Lorenzos jüdischer Freund, den er sehr gern hat, seine Familie gleicht so gar nicht den Bildern aus dem Buch. Aber es wird noch schlimmer. Durch Zufall bekommt Lorenzo aus einem Versteck mit, dass die Juden nach Deutschland abtransportiert werden sollen. Er rennt zu Daniele, will die Familie warnen, doch der Vater hält das für ein Hirngespenst. Doch Lorenzo hatte Recht, kann im letzten Moment Daniele retten, und er versteckt ihn. Das ist sein Geheimnis - nicht einmal die Familie darf davon wissen.
»Wir Italiener gehören dem mediterranen Typ der arischen, also der Herrenrasse an. Geformt und modelliert von den Römern, ist sie die glorreichste von allen und hat die größten Entdecker und Eroberer der Geschichte hervorgebracht. Die Reinheit unserer Rasse muss geschützt werden. … Gehören Juden der italienischen Rasse an?«
Nicoletta Giampietro ist eine deutsche Schriftstellerin mit italienischen Wurzeln, berichtet auch am Ende des Romans etwas über ihre Familie, welche historischen Personen in diesem Roman echt sind, welche Personen sie inspirierten, die sich in ihren Protagonisten widerspiegeln. Faschismus in Italien, Mussolini und Hitler, zwei echt dicke Kumpel mit gleichen Idealen, etwas, worüber man in Italien nicht laut spricht. Balilla – Hitlerjugend – die gleiche Art, junge Menschen unter dem Deckmantel der Kameradschaft zu indoktrinieren, Jungen kriegsheiß zu machen. Judenverfolgung in Italien? Ja, natürlich! Allerdings nicht in dem Ausmaß wie in Deutschland. Auch in Italien wurde in den Schulen die gleiche Propaganda abgezogen: Arm hoch für das Vaterland, die eigene Rasse ist die glorreiche, intelligente – auszumerzen sind die anderen, um die Rasse rein zu halten. In Italien wurden die Juden zusammengetrieben, interniert, nach Auschwitz usw. transportiert. Mit einem Unterschied: Manch einer war damit nicht einverstanden und schaute nicht so genau hin, wenn sich einige aus den nicht stark gesicherten Sammelstellen hinausstahlen. Andere warnten frühzeitig und noch andere versteckten Juden.
Letztendlich ist dieser historisch angelegte Roman ein Entwicklungsroman. Lorenzo, aufgewachsen im Faschismus, der Vater Offizier, in der Schule indoktriniert, ist glühender Anhänger des Duce – was sonst? Seine Tante, Zia Chiara, steht dem entgegen, man munkelt, sie sei im Widerstand involviert. Dagegen steht die Familie Tacconi, die des Lebensmittelhändlers. Franco Tacconi ist der beste Freund von Lorenzo, bis er den jüdischen Daniele kennenlernt, der ihm noch näher steht. Die beiden Freunde darf Lorenzo nicht zusammenbringen, so viel ist ihm schnell klar. Plötzlich wird alles hässlich. Juden dürfen nicht mehr auf die Schule gehen, Lehrer, wie die Tante, werden entlassen. Die Tacconis haben es auf Zia Chiara abgesehen, es gibt Heimlichkeiten der Erwachsenen. Lorenzo sitzt zwischen den Fronten, muss reflektieren. Und er gerät in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, und er begibt sich mehrfach in Gefahr, um Menschen zu warnen oder zu retten, schnuppert in den Widerstand hinein. Der Junge wird schnell erwachsen, ärgert sich, weil man ihn wie ein Kind behandelt. Aber auch im Widerstand spaltet sich die Gesellschaft: Die Moderaten, kämpfen, wollen dabei aber kein Menschenleben aufs Spiel setzen, und die Radikalen, denen es ums Prinzip geht, Hauptsache gegen die Faschisten, ist alles egal, selbst wenn ein ganzes Dorf bei einer Aktion draufgeht. Mehrfach fragt sich Lorenzo, was denn richtig sei, was die Wahrheit. Jeder behauptet, sie für sich gepachtet zu haben. Krieg, eine unsichere Zeit. Bomben der Alliierten fallen auf Italien. Mussolini wird abgesetzt, plötzlich war nie irgendjemand Faschist gewesen. Der Duce schafft es, wieder zurückzukommen, und sofort haben sie wieder die braunen Hemden an … Und nach dem Krieg gab es in ganz Italien nicht einen Faschisten, niemand hat je dazugehört, jeder gehörte zum Widerstand …
Faschismus nennt sich eine Bewegung, die unter der Führung von Benito Mussolini in Italien von 1922 bis 1943/45 den Ursprung findet. Das Wort fascio wird abgeleitet vom lateinischen fasces. So nannte man Rutenbündel zu Zeiten des Römischen Reiches, die die Liktoren vor den höchsten römischen Beamten, den Konsuln, Prätoren und Diktatoren, hertrugen. Aus dem Bündel Reisig ragte in der Mitte ein Beil hervor, es symbolisierte die Todesstrafe. Im Italien des neunzehnten Jahrhunderts standen die »fascio« (Reisig mit Beil) für die Nationale und die Arbeiterbewegung als revolutionäre Kraft, bezog sich 1870 im geeinten Italien auf unabhängige und sogar anarchistische Arbeiterorganisationen. Benito Mussolini adaptierte die »fascio« für sich, bildete am 23. März 1919 aus den »Fasci dēi lavoratōri« und »Fasci siciliani« die Bewegung der »Fasci italiani di combattimento« (Italienischer Kampfverband), der ein Rutenbündel zu seinem Zeichen machte. Wie Hitler agierte er mit Paramilitärs, Straßenterror, einem starken Personenkult, Massenpropaganda. Mussolini inszenierte den »Marsch auf Rom«, kürte sich zum Ministerpräsidenten. Wie Hitler erließ er ein Ermächtigungsgesetz: andere Parteien wurden verboten, die Bürgerrechte und Pressefreiheit aufgehoben, eine Parteimiliz geschaffen, Gesetze gegen Juden erlassen. Der Roman beschreibt recht gut die Spaltung der Gesellschaft aus der Sicht eines Kindes. Erzogen im Glauben an den glorreichen Duce, sieht Lorenzo die Welt um sich herum zusammenbrechen. Die Perspektive ist gut gewählt, um Unglaubliches offenzulegen, zu vergleichen und um die Wendehalsigkeit von einigen Personen offenzulegen. – Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? – Aber es geht um viel mehr. Es gibt kein Schwarz und Weiß auf der Welt, die Grauzonen sind weit größer. Und genau das versucht die Autorin darzustellen. Menschen, die sich nicht offen gegen das System stellen, trotzdem helfen. Das Thema Faschismus in Italien ist wichtig, wichtig sich dem zu stellen, um ein faschistisches Regime nie wieder zuzulassen. Ein wichtiger Roman und eine spannende, wundervolle Geschichte, eingewoben in reale historische Ereignisse. Einer der besten Geschichtsromane der letzten Zeit. Ich hoffe, er wird auch in Italien erscheinen, denn es ist ja ein deutsches Buch.
Nicoletta Giampietro, geboren 1960, wuchs in Mailand in einer italienisch-französischen Familie auf. Sie studierte Politikwissenschaften und Geschichte in Mailand und Tübingen und zog 1986 endgültig nach Deutschland. Nach längeren Aufenthalten in Köln und Rotterdam lebt sie seit 1995 in Mainz. Sie spricht fünf Sprachen, ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. „Niemand weiß, dass du hier bist“ ist ihr erster Roman. - Beatrice Salvioni
Malnata
(105)Aktuelle Rezension von: dasbuchzuhause„Malnata“ wird aus der Sicht von Francesca erzählt, die zum einen mitten drin ist in der Geschichte und trotzdem auf mich auch wie eine Beobachterin wirkt. Sie kommt aus einer „guten“ Familie, ist bislang immer angepasst gewesen und fällt erst aus der ihr anerzogenen Rolle, als sie mit der Malnata, die wie eine Aussätzige behandelt wird, in Kontakt kommt.
Kurz davor gab es allerdings auch in ihrem Leben eine Veränderung. Dem Unternehmen des Vaters geht es nicht so gut, so dass sie in eine Wohnung umziehen mussten und von vier Hausangestellten nur eine mitnehmen konnten. Ihre Eltern leben zwar zusammen, aber nicht wirklich miteinander. Der Vater wirkt auf den ersten Blick eher uninteressiert am Familienleben und die Mutter verfolgt ihre eigene Agenda, da ist auch Francesca mal eher ein Mittel zum Zweck. Sie erfährt wenig Liebe und Unterstützung von ihrer Mutter. Wäre da nicht Carla, das Hausmädchen, wäre ihr Leben ohne eine fürsorgliche weibliche Bezugsperson.
Beatrice Salvioni beginnt das Buch mit einem Ausblick aufs Ende und erzählt danach das Jahr davor. So ist von vorneherein klar, dass es keine gemütliche Pippi-Annika-Geschichte wird, in der sich zwei völlig unterschiedliche Mädchen anfreunden und aufregende Abenteuer erleben. Es ist die Geschichte zweier Mädchen, die sich gegen alle Widerstände anfreunden und deren Freundschaft immer wieder auf die Probe gestellt wird. Sie lernen „Nein“ zu sagen und sich gegen das, was die Gesellschaft erwartet, zu wehren.
Das Setting im faschistischen Italien, dass die Bevölkerung auf den Krieg und den „Duce“ einschwört, eine Gesellschaft, in der keiner dem anderen mehr trauen kann, tut ein Übrigens, um dem Roman von Anfang an einen dunklen Touch zu geben. Oder – um es anders zu formulieren – Beatrice Salvioni hat die Geschichte von Anfang so konstruiert, dass ich einfach immer weiterlesen musste, um zu erfahren, wie es zu dem Geschehnis am Anfang kommen konnte und was danach geschah.
Eine spannende Erzählung, die allerdings noch nicht zu Ende erzählt ist, es wird einen weiteren Teil geben, so dass ich gespannt bin, wie es weitergehen wird mit Maddalena und Francesca. Es ist also ein wenig Geduld gefragt nach dem Lesen dieses ersten Teils.
- Mark T. Sullivan
Beneath a Scarlet Sky
(2)Aktuelle Rezension von: KeksisbabyPino und seine Freunde verbringen eine unbeschwerte Kindheit in Italien. Diese endet jedoch abrupt, als die Deutschen einmarschieren. Plötzlich gehören Bombenangriffe zu seinem Alltag. Seine Eltern wollen ihn und seinen Bruder schützen, so schicken sie ihn in ein Camp geleitet von Mönchen in den Bergen. Dort beginnt Pino Juden, die vor der Verfolgung durch die Faschisten fliehen über die Alpen zu führen, damit sie in der neutralen Schweiz eine Chance zum Überleben haben. Als er ins Wehrpflichtige Alter kommt, kommt er bei den Deutschen unter, nach einer Verwundung hat er das Glück und wird der persönliche Fahrer von Hitlers rechter Hand in Italien General Leyer. Seine Landsleute verachten ihn dafür, dass er mit dem Feind kollaboriert, aber als Fahrer für die Deutschen, hat er die Möglichkeit zu spionieren und dafür zu sorgen, dass der Krieg schneller endet.
Die Lebensgeschichte des Pino Lella nahm mich von der ersten Seite gefangen. Eine unbeschwerte Jugend die viel zu früh, durch den Einmarsch der Deutschen in Italien, endet. Bisher habe ich im Geschichtsunterricht viel über den Frankreich-, Polen- und Russlandfeldzug erfahren, aber nur sehr wenig über den Kriegsverlauf in Italien. Schön das ich mit diesem Buch auch etwas über dieses Kapitel des zweiten Weltkriegs teilhaben durfte. Pino ist ein sympathischer junger Mann, mit dem man bangt und hofft, mit dem man leidet, wenn sein bester Freund ihn verstößt weil er glaubt Pino gehöre zu den Faschisten, mit dem man sich aber auch freut, als das Dienstmädchen sein Werben erhört. Diese Geschichte ist so besonders, weil sie nicht einem Autorenhirn entspringt, sondern die Erzählung einer wirklichen Biografie ist. Und im wahren Leben, siegt nun einmal nicht immer das Gute, auch wenn ich so gehofft habe, dass es ihm vielleicht doch noch gelingt seine große Liebe zu retten. Pino kommt durch seine Chauffeurtätigkeit mit der ersten Riege der Nazigrößen in Verbindung und so lernt man als Leser auch den Duce, nebst Geliebte kennen, man ist dabei wenn Hitler seinen Verbündeten Mussolini fallen lässt und als die Alliierten Italien befreien. Dieser Krieg hat eine ganze Generation traumatisiert und es dauert über 70 Jahre bis dieses Generation wenn auch zögerlich beginnt darüber zu sprechen. Ich bin froh, dass Pino Lella sich Mark T. Sullivan anvertraut hat und dieses Buch dabei herausgekommen ist.
Es sollte mehr solcher Geschichten geben, denn sie erhalten die Eindrücke der Entbehrungen, der Gewalt und der Ungerechtigkeit des Krieges aufrecht und können sie Generationen vermitteln, die diese Zeit nur aus den Geschichtsbüchern mit leblosen Zahlen und Fakten kennt.
- Christian Klinger
Die Liebenden von der Piazza Oberdan
(38)Aktuelle Rezension von: PaulinePrunellaNach dem Lesen der Geschichte "Die Liebenden von der Piazza Oberdan" ist auf jeden Fall mein Fernweh geweckt. Auf meine Reiseliste steht jetzt auch die italienische Stadt Triest. Nun aber zur eigentlichen Geschichte von Christian Klinger. Der Geschichtsaufbau ist ungewöhnlich und mit der Zeit führte er bei mir zu Verwirrung. Es werden abwechselnd die "Lebensgeschichten" von Vittorio Robusti und seinem Sohn Pino erzählt. Zwar beginnt jedes Kapitel mit einer Zeitangabe, aber das reicht für den Erhalt des roten Fadens, meines Erachtens, nicht aus. Dadurch wird der rote Faden oftmals unterbrochen und die Geschichte wird daher langamtig. Am Ende der Geschichte erklärt der Autor, dass die Geschichte zwar auf einer wahren Geschichte basiert, allerdings sind nur Bruchstücke bekannt. Sodass es im Großen und Ganzen doch um eine Fiktion handelt. Nichtsdestotrotz ist an für sich die Geschichte glaubhaft und traurig.
- Rolf Steininger
Südtirol
(3)Aktuelle Rezension von: sKnaerzleSteininger gibt einen guten Überblick über die Geschichte Südtirols von der Annexion durch Italien bis zur Gegenwart.
Diese Annexion fiel in die Zeit von Faschismus und Nationalsozialismus, als es nicht darum ging, eine Bevölkerung mit einer anderen Kultur als Staatsbürger zu integrieren, sondern sie möglichst gründlich zu italianisieren, dabei auch zu demütigen.
Der Unterschied nach 1945 im Zeichen von europäischer Integration und Demokratie ist deutlich, auch wenn es noch sehr lange dauerte, bis es zu einem Staatsvertrag kam und noch immer nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
Das Buch gibt einen guten Überblick über die Geschichte des Nationalitätenkonflikts in Südtirol und lässt sich gut lesen.
- David Hewson
Garten der Engel
(24)Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar«Es war nicht einfach, sich eine Welt ohne ihn auszumalen, und weil ich noch ein Kind war, ging ich allem, was nicht einfach war, aus dem Weg. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie die Uccellos fortbestehen sollten, ohne dass er sich um die täglichen Abläufe in unserem Palazzo und um unseren kleinen Männerhaushalt kümmerte. Er war unser Fels, der feste Bestandteil in unserem Leben, von dem ich geglaubt hatte, dass er immer da sein würde. Doch bald schon, meinten nun alle – die Schwestern, die Ärzte, mein Vater und Paolo Uccello selbst –, würde der Patriarch einer der berühmtesten Weberfamilien Venedigs nicht mehr sein.»
Der Antisemitismus lodert in der Weltgeschichte immer wieder auf. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Juden überall in Europa nicht gern gesehen. Und auch in Italien wurden sie unter Mussolini systematisch ausgeschlossen, später erfasst und nach Auschwitz deportiert. Dieser historische Roman spielt zum großen Teil im Herbst 1943 in Venedig, das von deutschen Truppen besetzt ist. Beginnen wir im Jetzt: Als der fünfzehnjährige Nico Uccello seinen Großvater Paolo im Krankenhaus besucht, vertraut ihm der todkranke Mann ein Manuskript an, das Nicos Leben am Ende radikal verändern wird. Paolo hat hier seinem Enkel einen wichtigen Rückblick auf sein Leben hinterlassen, damit diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät – und ein Familiengeheimnis nicht im Grab landet.
Der junge Paolo Uccello kämpft während des Zweiten Weltkriegs nach dem Tod seiner Eltern um den Erhalt des Familienunternehmens, eine traditionsreiche Seidenweberei. Durch den Krieg hatten die Eltern kaum mehr Aufträge für ihre extravaganten, luxuriösen Stoffe bekommen, mussten die Villa aufgeben, die Angestellten kündigen, und sie waren in das Armenviertel gezogen, wo sie Werkstatt und Wohnen in einem heruntergekommenen Haus verbinden konnten. Paolo brach die Schule ab, um mitarbeiten zu können. Endlich hatten die Eltern einen lohnenswerten Auftrag erhalten! Doch auf dem Rückweg nach Venedig wurden sie Opfer eines Bombenangriffs der Amerikaner. Paolo mus nun mit der letzten verbliebenen Kraft Chiara das komplizierte Muster weben – der letzte Anker, um überleben zu können. Aber die Zeit ist knapp bemessen.
Filippo Garzone ist Priester und er hat ein gutes Herz, denn er unterstütz den jüdischen Arzt Dr. Diamante, der im Krankenhaus nicht mehr praktizieren darf, nur noch Juden behandeln darf (historisches Vorbild: der venezianische Arzt Giuseppe Jona). Auch die jüdischen Geschäftsleute dürfen nur noch an Juden verkaufen. Diamante, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, hat von den deutschen Besatzern den Auftrag erhalten, eine Liste aller Juden in Venedig anzufertigen, damit man diese aufspüren und nach Deutschland deportieren kann. Zu dieser Zeit ist Italien bereits geteilt, in Rom regieren neue demokratische Machthaber zusammen mit den Amerikanern und Mussolini hat sich mit seinen schwarzen Brigaden im Norden verschanzt, die Republik von Saló ausgerufen. Die amerikanischen Truppen rücken aus dem Süden vor und es ist abzusehen, dass der Duce bald fallen wird. Diamante hilft den Partisanen immer wieder, einige von ihnen zu verstecken.
«Wenn die Welt sich verdunkelt, bleibst du dann in deinem Versteck und wartest ab, bis es wieder hell wird? Oder versuchst du selbst, eine kleine Flamme zu entzünden?»
Das jüdische Geschwisterpaar Mika und Giovanni kämpft im Widerstand; Mika leitet eine Partisanengruppe, und bei einem Anschlag auf die Faschisten wurde ihr Bruder verletzt. Sie konnten fliehen, benötigen aber einen Unterschlupf, weil Giovanni nicht laufen kann. Die Faschisten wollen sie unbedingt erwischen, denn sie sind Partisanen und gleichzeitig Juden. Diamante fragt Paolo, ob er die beiden für ein paar Tage verstecken kann, denn der unscheinbare Junge mit seinem abgelegenen Haus eignet sich bestens. Giovanni will sich für die Gastfreundschaft revanchieren, zeigt sich geschickt beim Weben, und so hat Paolo die Möglichkeit, seinen Auftrag fristgerecht fertig zu bekommen. Sie freunden sich an. Doch die wilde Mika kann die Füße nicht stillhalten … Die Deutschen und die italienischen Faschisten erwarten das Eintreffen von Salvatore Bruno, einem berüchtigten «Judenjäger» (der selbst Jude ist), der die Stadt säubern soll. Dr. Diamante - wie sein historisches Vorbild Jona - nimmt die Aufgabe, eine Liste zu erstellen, nur zum Schein an. Die Partisanen planen einen Anschlag auf die Deutschen.
«Es wird alles zu einer Geschichte. Einem Märchen. Gut und schlecht. Schwarz und Weiß. Nichts dazwischen. Dabei ist es das Dazwischen, auf das es ankommt.»
Giuseppe Jona (geboren 28. Oktober 1866 in Venedig; gestorben 17. September 1943) war ein venezianischer Arzt und ab 1940 bis zu seinem Freitod, Vorsteher der jüdischen Gemeinde Venedigs. Er war Chefarzt am städtischen Krankenhaus. Er sollte eine Liste aller Juden erstellen, warnte aber die Gemeinde vor der Deportation, beseitigte alle Unterlagen, Namen und Adressen der Juden aus seinen Akten und nahm sich anschließend das Leben. Einige konnten fliehen. Dennoch wurden die meisten in Venedig lebenden Juden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Nur acht von ihnen überlebten. Eine Insel Venedigs, im Sestiere Cannaregi, war seit dem 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung des Gesetzes 1796 unter Napoleon, ein abgeschlossenes Wohngebiet für die jüdische Bevölkerung in Venedig. Mit der Eroberung Venedigs durch Napoleon wurden die diskriminierenden Gesetze aufgehoben. Juden mussten bereits ab 1397 ihre Kleidung mit einem gelben Zeichen kennzeichnen, wenn sie sich in Venedig aufhielten.
Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit – Gespräche am Sterbebett des Großvaters mit dem Enkel, der ihm Kapitel für Kapitel dieser Kriegsgeschichte übergibt. Und das hat seinen Grund: Nico wurde von der Schule suspendiert, weil er tatenlos dabei zugesehen hat, wie ein neuer jüdischer Mitschüler verprügelt wurde. Ein beeindruckender Thriller, ein Familienroman mit historischem Hintergrund, der eine brillante Wendung am Ende präsentiert. Nebenbei erfährt man eine Menge über die schwierige und kunstvolle Seidenweberei, Jacquardweberei. Das italienische Volk, entzweit im Krieg: zwei Seiten, die sich feindlich gegenüberstehen: Verräter; andere, die lieber sterben, als Verrat zu begehen, Wendehälse, die sich nach allen Seiten absichern wollen, kaltblütige Mörder, Feiglinge und Helden, hier haben wir alle Charaktere versammelt, die der Krieg mit sich bringt. Die Geschichte ist fiktiv, doch sie geht entlang von historischen Ereignissen und stellt das Leben von Venedig im Jahr 1943 gut dar, ein Leben voller Angst vor den deutschen Besatzern. Auf der einen Seite die Faschisten, auf der anderen die Partisanen, dazwischen die Juden, für die sich letztendlich keine der Parteien einsetzte. Ein Teil der Shoa wird erzählt, hier aus der Sicht von Venedig. Ein historischer Thriller, atmosphärisch und spannend!
David Hewson, geboren 1953, lebt in Kent. Er hat zwölf Romane geschrieben, die in Italien spielen. Mit siebzehn verließ er die Schule und arbeitete von da an als Reporter, u. a. für The Times, The Sunday Times und The Independent. Bekannt wurde er durch die Krimiserie um den römischen Kommissar Nic Costa und seine Roman-Adaption der dänischen TV-Serie The Killing (dt. Das Verbrechen). Venedig besucht er seit dreißig Jahren.
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