Bücher mit dem Tag "mussolini"

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44 Bücher

  1. Cover des Buches Die Menschheit hat den Verstand verloren (ISBN: 9783548288697)
    Astrid Lindgren

    Die Menschheit hat den Verstand verloren

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Orisha
    Ein paar Worte der Einleitung... 

    Ich finde es immer etwas schwierig, Bücher zu bewerten, die als solche nie geplant waren. Bücher, die im Grunde Quellen darstellen. Bücher, die eigene Gedanken wiederspiegeln. Bücher, die bestimmte Ereignisse dokumentieren. Bücher, also Tagebücher, deren Inhalt nicht für eine breite Öffentlichkeit gedacht war. Tagebücher spiegeln unsere Gedanken, innersten Ängste, unsere Freude, unseren Zwiespalt wieder und zeigen ein sehr persönliches Bild von einer Person, die man vermeintlich zu kennen scheint, die sich aber in solchen persönlichen Aufzeichnungen, durchaus anders darstellt, als man vermutet. 

    Das führt mich zu Astrid Lindgrens Tagebüchern aus den Kriegsjahren 1939 bis 1945. Wir lernen eine Lindgren kennen, die noch keine Autorin ist. Eine junge Frau mit Kindern, einem Ehemann, die sich durch die Kriegsjahre schlägt und so genau - wie es für sie möglich war - versucht zu verstehen, zu begreifen und zu dokumentieren. Wir lesen von den uns allseits bekannten Kriegsereignissen: dem Überfall auf Polen, den Russlandfeldzug, Mussolini Treiben in Italien, Rommels Kampagne in Afrika, den (manchmal längst vergessenen) Akteuren anderer Länder und von noch viel mehr. Lindgrens Tagebuch besticht zunächst durch eine gewisse Distanz zu diesen Ereignissen - was nicht verwundert - denn Schweden war nun einmal nie in den Krieg direkt involviert. Daher betrachtet Lindgren zwar genau, doch manchmal auch etwas unkritisch, ohne aber jemals ihr privilegiertes Leben in Stockholm zu vergessen.

    Besonders was die Rolle Russlands und Deutschlands angeht, ist sie stets zerrissen. Denn die Angst vor dem bolschewistischen Übergriff wiegt beinahe schwerer als jene vor den Nationalsozialisten und Schergen Hitlers. Das mutet aus heutiger Sicht merkwürdig an, war aber eben europäische Realität jener Zeit. Auch spannend und leider mal wieder bestätigt, wird klar, dass die Vernichtung der Juden und die Existenz von Konzentrationslagern eben kein Geheimnis war. Da Zeitungen immer wieder davon berichteten und Lindgren dieses in ihren Aufzeichnungen auch dokumentiert. Hinzu kommt dass sie einen anderen Zugriff auf Informationen hatte, weil sie in einer Briefkontrollstelle arbeitete und Briefe fremder Menschen lesen konnte, die nochmal ein sehr eindringliches Bild des Krieges zeichnen. Das nimmt Lindgren über die Jahre auch zunehmend mit. 

    Daneben werden aber auch persönliche Probleme deutlicher - die zwar selten direkt benannt werden - aber dennoch einen Blick auf den Mensch Lindgren erhaschen lassen.

    Einzige Kritik, sofern man ein Tagebuch kritisieren kann, ist der Aufbau. Mit Faksimiles wurden einige Seiten aus den Originaltagebücher wiedergegeben, deren Transkription und Übersetzung auf den folgenden Seiten erfolgte und für die es wiederum Querverweise im eigentliche Tagebuchtext gibt. Das ist zwar verständlich, doch ich fand den Aufbau etwas unsäglich, da man immer wieder aus dem Lesefluss herausgerissen wurde. Eine fortlaufende Reihung mit Faksimiles oder ein originalgetreue Nachbildung des Tagebuchs wären da sicher praktischer gewesen. Dafür gibt es einen Stern Abzug.

    Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, lest dieses und andere Tagebücher jener Zeit, um nicht zu vergessen.

    Fazit: Lesenswert!


  2. Cover des Buches Ich bleibe hier (ISBN: 9783257071214)
    Marco Balzano

    Ich bleibe hier

     (177)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    Graun, Südtirol, zur Zeit des 2. Weltkrieges: Das kleine, idyllische Bergdorf wird gleich von mehreren düsteren Ereignissen überschattet. Es steht inmitten der Konflikte zwischen Deutschland un Italien, wird einerseits von den Faschisten unterdrückt, die die dort vorherrschende Sprache Deutsch verbieten, andererseits marschieren die Nazis in das Dorf ein und schikanieren die Bevölkerung. Über all dem steht jedoch noch ein weiteres drohendes Unheil: der Bau eines Staudamms, der unweigerlich zur Überflutung von Graun durch den Reschensee führt.

    Inmitten dieser Spannungen setzt Marco Balzano seine Geschichte um die dort lebende Trina an. Sie ist eine gebildete Frau, möchte Lehrerin werden und heiratet einen dort ansässigen Bauern. Wir begleiten die Protagonistin über mehrere Jahre hinweg bis etwa 1950, als Graun tatsächlich unter dem Wasser verschwand. Durch die fiktive Person bringt uns der Autor diese wirklich berührende Geschichte des Dorfes näher und er geht dabei so behutsam und mit so viel erzählerischem Geschick vor, dass ich mich ganz in den Roman fallen lassen konnte.

    Die Inspiration zu "Ich bleibe hier" gab dem Autor eine Besichtigung des Reschensees. Heute schaut lediglich noch ein Kirchturm aus dem Wasser heraus, er ist alles, was noch von dem damaligen Graun übrig geblieben ist. Dieser Kirchturm ist ein von Tourist*innen gerne fotografiertes Motiv, sie werden in Scharen mit Touribussen dort angekarrt und ergehen sich dann im Selfie-Wahn. Die tragische Geschichte hinter dem Turm im See scheint aber nur den Wenigsten bewusst zu sein.

    Ich habe diesen Roman sehr geliebt und hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Geschichte um Graun und den Reschensee sowie der damaligen Zwangsenteignung und der Rolle des Ortes im 2. Weltkrieg bisher viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Es ist so schön, dass der Autor diesem versunkenen Ort seine Stimme leiht. Ich hatte mich mit dem Thema vorher nie beschäftigt und jetzt lässt es mich nicht mehr los.

    Das Buch hatte für mich eine ganze eigene Intensität und Traurigkeit und es berührte mich auch auf seine ganz eigene Weise. "Ich bleibe hier" erzählt von Hoffnung und Trauer, vom Vertrieben- und Entwurzelt-Werden aber auch von Zugehörigkeit, von Aufstand und Resignation. Ich habe es als sehr lesenswert empfunden, ein Stück Zeitgeschichte, das viel bekannter sein sollte.

  3. Cover des Buches Unter blutrotem Himmel (ISBN: 9781503950085)
    Mark T. Sullivan

    Unter blutrotem Himmel

     (57)
    Aktuelle Rezension von: DieBerta
    Unter blutrotem Himmel von Mark Sullivan
    Klappentext:
    Pino Lella will eigentlich nichts mit dem Krieg oder den Nazis zu tun haben – er ist ein normaler italienischer Jugendlicher, der sich für Musik, Essen und Mädchen interessiert. Dann schafft ein Bombenangriff in seiner Heimatstadt Mailand eine Wirklichkeit, die den jungen Mann über Nacht erwachsen werden lässt. Pino schließt sich einer Untergrundorganisation an, die Juden bei der Flucht über die Alpen hilft, und beginnt für die Alliierten zu spionieren. Dabei verliebt er sich unsterblich in die sechs Jahre ältere Anna. Doch kann ihre Liebe Bestand haben in einer Welt, in der nichts so sicher ist wie die Veränderung?

    Taschenbuch: 596 Seiten
    Verlag: Tinte & Feder (22. Mai 2018)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 1503950085
    ISBN-13: 978-1503950085
    Originaltitel: Beneath a Scarlet Sky
    Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 2,5 x 18,6 cm

    Wie schon im Klappentext beschrieben geht es hier um die Geschichte eines italienischen Jugendlichen, der auch nicht anders als andere Menschen unverhofft vom Krieg überrascht wird und sich erst einmal gar nicht betroffen fühlt. Fast durch Zufall gerät er in eine Untergrundorganisation, sowie er auch seine weiteren Abenteuer eher durch Zufall, als durch Heldentum oder Berechnung überlebt. Die Geschichte der Judenverfolgung wird hier aus der italienischen Sicht, aus der Sicht eines ganz normalen Jugendlichen beschrieben. Der Leser kann sich fragen, wie hätte ich wohl in dieser oder jener Situation gehandelt. Das alles auf wahren Begebenheiten beruht mag man hier nicht ganz glauben, aber der Leser wünscht sich ja auch einen spannenden Roman und es handelt sich hier um einen Roman und keine Biographie oder ein Lehrbuch. Somit ist der Roman recht spannend und lässt sich einfach lesen, wer mehr wissen möchte muss sich dann schon weiter mit dem Thema beschäftigen.
    Ich kann dieses Buch Lesern empfehlen, die sich mit der Geschichte des zweiten Weltkrieges mal aus einer anderen Sicht, aber auch unterhaltsam beschäftigen möchten. Hier finden sie einen historischen Roman, eine Liebesgeschichte, ein bisschen „James Bond“-Abenteuer in einfacher Schreibweise. Wer Informationen, Tatsachenberichte oder ähnliches wünscht, muss sich schon weiter mit dem Thema beschäftigen.
  4. Cover des Buches Gegen die moderne Welt: Die geheime Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts (ISBN: 9783957575203)
  5. Cover des Buches Nullnummer (ISBN: 9783446249394)
    Umberto Eco

    Nullnummer

     (36)
    Aktuelle Rezension von: Bernd_Walhorn
    Sein letzter Roman vor seinem Tod ist ein originaltypischer Eco. Aberwitzige Geschichte. Mailand. Abstruse Handlung, lange verschachtelte Sätze. Eco kommt wie üblich vom Hölzchen aufs Stöckchen, sodass der Leser - zumindes ich - wie gewohnt Mühe hat, ihm zu folgen. Kein Buch für den schnellen Rutsch. Man muss sich schon ein wenig Zeit nehmen, um seinen Stil genießen zu können. Meister der Wortakrobatik wie ich keinen zweiten kenne. Ein echter literarischer Sprachgenuss.
  6. Cover des Buches Der letzte Zeuge (ISBN: 9783492257350)
    Rochus Misch

    Der letzte Zeuge

     (47)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Ich werfe mir heute nicht vor, dass ich unter den damaligen Umständen funktionierte, dass ich meinen Dienst immer ordentlich und gewissenhaft versah, selbst dann noch, als mir 1943 klar wurde, dass der Krieg verloren gehen würde. Selbst dann noch, als er längst verloren war. Selbst dann noch, als Hitlers Leiche brannte. Nein, ich werfe dem Rochus Misch von damals nicht vor, dass er keinen Ärger machte.
    Dennoch – dass mir das so selbstverständlich war, das macht mich nachdenklich.«

     

    Rochus Misch, geboren 1917, war nie Mitglied der NSDAP. Wegen seiner Körpergröße und Statur wurde er nach der Musterung für die Leibstandarte SS Adolf Hitler ausgewählt. Er arbeitete bis zum letzten Tag als Leibwächter, Kurier und Telefonist Hitlers, hielt auch noch nach dessen Tod die Stellung im Führerbunker. Hier erzählt er seine Geschichte.

     

    Als ich dieses Buch entdeckte, wurde ich gleich neugierig. Was war das für ein junger Mann, der da in unmittelbarer Nähe Hitlers seinen Dienst tat? Was bewegte ihn und wie dachte er über die furchtbaren Dinge, die um ihn herum geschahen?

    Rochus Misch schrieb diese Autobiographie, eben weil ihn ständig aus aller Welt Fragen erreichten. Er erkannte den Wert, den sein Bericht für die Nachwelt hat, weil dieser den Leser zwingt, sich differenziert mit der Thematik auseinanderzusetzen.

     

    Diese Auseinandersetzung ist nicht leicht, die Wertung fällt schwer. Es ist ein unbequemes Buch, denn wie gerne würde man Misch, treues Mitglied des persönlichen Begleitkommandos Hitlers, einfach als Nazi verurteilen. Und sich sagen, dass man selber garantiert anders gehandelt hätte…

     

    Misch als Person zu beurteilen, fällt schon schwer. Da gibt es so einiges, was Verständnis oder gar Sympathie weckt, andere Dinge befremden. Wie er auf seinen Posten kam, gehört zu den nachvollziehbaren Punkten.

    Die Vollwaise Rochus Misch, aus einfachen Verhältnissen stammend, hatte sich zu den SS-Verfügungstruppen gemeldet, weil diese mit Vergünstigungen und Zukunftsperspektiven lockten. 1939 wurde Misch in Polen schwer verletzt, hatte u.a. einen glatten Lungendurchschuss. Dass anschließend der Gedanke, wieder an die Front zurück zu müssen, ihm nicht gerade verlockend erschien, ist nur zu verständlich. Als für das persönliche Begleitkommando des Führers ein »absolut zuverlässiger junger Mann« gesucht wurde, der »keinen Ärger macht«, kam man auf Misch.

    Dieses Anforderungsprofil trifft seinen Charakter recht gut. Er war zuverlässig auf seinem Posten, tat pflichtbewusst seine Arbeit, war immer da, wenn man ihn brauchte und hielt ansonsten den Mund. Wenn er erzählt, kommt es einem so vor, als hätte er einen ganz normalen Job bei einem ganz normalen Arbeitgeber gehabt. Da ist nichts von Aggressivität in seinem Bericht, er wirkt auch nicht sonderlich politisch. Zu interessieren scheint ihn nur, wie es ihm und seiner Familie geht. Das wirkt nicht bösartig oder egozentrisch, er denkt einfach nicht weiter. Vermutlich gab und gibt es sehr viele Menschen wie ihn.

     

    Befremdlich wird es, wenn er beispielsweise den Privatmann Hitler als »normaler, einfacher Mann, der einfachste Mensch, den ich kannte« beschreibt. Ich möchte ganz einfach Hitler nicht als normalen Menschen betrachten, nicht mal, wenn ich lese, wie er im Schlafanzug nach einer Wärmflasche für seine Füße verlangt. Misch betont immer wieder, dass er keine Kenntnis darüber hatte, was in den Konzentrationslagern vor sich ging. In der Nähe des Führers wäre nie über so etwas gesprochen worden, auch unter den Kameraden nicht. Kann das wirklich so stimmen?

    Zumindest eine Ahnung muss dagewesen sein, alles andere scheint mir nicht realistisch. Und warum sonst sollte Misch an anderer Stelle sagen: »Dass man von diesem Thema besser die Finger ließ … das war völlig klar … Man hatte immer ein bisschen Angst.«

     

    Rückblickend verurteilt Misch die Taten der Nazis, fragt sich sogar, wie »Untaten solchen Ausmaßes nur ein so gut gehütetes Geheimnis bleiben konnten«. Aber damals lebte er ein Dasein voller Widersprüche, vermittelte den ganzen Tag über Telefonate für Hitler und ging abends nach Hause, zur politisch links eingestellten Ehefrau und hörte mit dem Schwiegervater zusammen den Feindsender. Der Eindruck manifestiert sich, dass dieser junge Mann einfach nur überleben wollte und die Realität um sich herum bewusst ausblendete. Wenn er berichtet, wie Magda Göbbels ihren Kindern die Totenhemdchen anzieht, merkt man allerdings, dass der Familienvater Misch dabei an seine Grenzen kam.

     

    Rochus Misch hat vermutlich aktiv nichts Böses getan. Man könnte ihm vorwerfen, dass er für die obersten Nazis arbeitete, Hitler bediente und beschützte. Man könnte sagen, dass er sich hätte verweigern oder sogar etwas gegen Hitler hätte unternehmen müssen. Nah genug dran war er schließlich. Aber man muss sich auch ehrlich fragen, was man selbst an seiner Stelle getan hätte. Misch durchlebte 9 Jahre russischer Kriegsgefangenschaft, wurde grausam gefoltert. Wenn man ihm Schuld anrechnen kann, dann hat er dafür gebüßt.

     

    Das Buch enthält neben vielen Fotos auch detaillierte Karten von Führerbunker und Reichskanzlei, einen umfangreichen Anhang mit geschichtlichen Erläuterungen und zahlreichen Kurzbiographien.

     

    Fazit: Faszinierender chronologischer Bericht eines Zeitzeugen. Die Perspektive ist ungewöhnlich und die Lektüre unbequem, da man sich nicht einfach ein Urteil bilden kann, sondern sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen muss.

  7. Cover des Buches Der italienische Garten (ISBN: 9783453358584)
    Alyson Richman

    Der italienische Garten

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Selinavo

    Elodie wächst wohlbehütet auf. Doch sie lernt Luca und seine Freunde kennen - und dadurch auch die Widerstandsbewegung im Krieg. Auch sie will den Krieg nicht einfach so hinnehmen und bewegt hält sich immer mehr in gefährlichen Situationen auf, was auch Verluste mit sich bringt.

    Später trifft sie auf Angelo und muss ihr Geheimnis des Widerstandes wahren, doch da beide mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen haben, nähern sie sich immer mehr an.

    Die ersten 100 Seiten konnte mich das Buch noch nicht packen. Aber dann wurde es sehr spannend. Der Leser konnte sich sehr gut in die Situation des Krieges hineinversetzen, was zwischenzeitlich ein sehr grausames Gefühl mit sich brachte. Insgesamt war der Schreibstil sehr bildlich und machte keinen Halt vor grausamen Situationen. Die Emotionen waren geladen und man fühlte sehr mit.

    Auch wenn ich etwas Zeit brauchte, um mit der Geschichte warm zu werden, kann ich dieses Werk wärmstens empfehlen. Es zeigt die Grausamkeit des Krieges, was nicht vergessen werden sollte. Andererseits kommt aber auch die Liebe und die Hoffnung nicht zu kurz.

  8. Cover des Buches Black Mamba Boy (ISBN: 9783423145350)
    Nadifa Mohamed

    Black Mamba Boy

     (41)
    Aktuelle Rezension von: Aqua__
    Das Leben ist erbarmunglos. So denke ich zumindestens, nachdem ich dieses Buch gelesen habe. Der kleine Jama ist gerade einmal 11 Jahren alt.
    Über hunderte von Kilometern, will er sich auf den Weg in den Sudan machen, in einer Zeit in der sein Volk versklavt wird. In den 30er Jahren, in der das Buch spielt, haben die weißen die Kolonialherrschaft an sich gerissen und unterdrücken die Einheimischen in Afrika.
    Auf seinem Weg erlebt er so manches Abenteuer. Jama bekommt hilfe, aber ebenso stellen sich ihm Andere in den Weg.
    Das besondere ist, das Nadafi Mohammed hier die Geschichte ihres Vaters erzählt und uns dadurch in eine ander Welt eintauchen lässt.
  9. Cover des Buches Bella Ciao (ISBN: 9783257070620)
    Raffaella Romagnolo

    Bella Ciao

     (87)
    Aktuelle Rezension von: graefinrockula

    Bella Ciao von Raffaella Romagnollo ist ein vielseitiges, spannendes und emotionales Buch. Es erzählt vom Ersten und Zweiten Weltkrieg aus italienischer Perspektive. Die Kriegsgeschichte wird mit der Geschichte der Freundinnen Giulia Masca und Anita Leone verknüpft. Die beiden Freundinnen werden durch die Wirrungen getrennt und müssen ihr Leben ohne einander leben. Doch am Ende finden Sie in der Vereinigung endlich den Frieden, den sie gesucht haben.

    Dadurch, dass in Deutschland der Erste und Zweite Weltkrieg und die Verstrickungen bzw. Schuld an diesen omnipräsent sind, bleibt leider oft wenig Zeit eine andere Perspektive einzunehmen. Die Erzählung der Familie Leone und Masca/Manfredi ermöglichen es die italienische Geschehnisse dieser Zeit nachzuvollziehen und eine andere Perspektive einzunehmen. Besonders die Frauen der Familie Leone und die Marchessa Adelaide widersetzen sich dem Regime und trotzen trotz schwerer persönlicher Verluste und Trauer den Faschisten.

    Aus feministischer Perspektive lohnt sich die Lektüre. Die Erzählung nimmt verschieden point of views ein. Darunter auch mehrere weibliche Blickpunkte. Der Blick auf Kampf, Krieg und Durchhalten und wie die Frauen sich in dieser Zeit emanzipieren, da Ihnen keine andere Wahl bleibt ist gut beschrieben. Besonders Adelaides Entwicklung von der Marchessa zur starken Frau und Gutsherrin ist absolut beeindruckend. Doch nicht nur Frauen bekommen eine starken Blickwinkel auch das Leid der Männer und auch derer, die es nicht aushalten in der Krieg zu ziehen, wird gezeigt.

    Von den Männerrollen hat mir besonders Adelmo gefallen. Der Prototyp eines Antihelden. Zu feinsinnig, sanft und liebevoll für den brutalen Krieg, der lieber den Tod wählt als den Krieg.

    Stilistisch ist hervorzuheben, dass Bella Ciao feinsinnig, detailreich und ruhig geschrieben wurde. Durch die Wechsel der point of view, die manchmal nicht mal durch Absätze markiert sind, wird die Verstrickung der Handlungsstränge nicht nur auf inhaltlicher, sondern auch auf stilistischer Ebene dargestellt. Die Figuren werden tiefgründig vorgestellt und entwickeln sich im Laufe der Handlung.

    Neben diesen gesellschaftlichen Themen ist es auch eine wunderbare Geschichte über Familienzusammenhalt, Freundschaft und, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels geben wird. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für historische Stoffe in Verbindung mit gesellschaftlichen Themen interessiert.

  10. Cover des Buches A Russian Novel (ISBN: 9781846680854)
    Emmanuel Carrère

    A Russian Novel

     (1)
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  11. Cover des Buches Mario und der Zauberer (ISBN: 9783946257059)
    Thomas Mann

    Mario und der Zauberer

     (197)
    Aktuelle Rezension von: ClaudiaJunk

    Ich gebe zu, "Mario und der Zauberer" war meines erstes Buch von Thomas Mann. Ich wollte mich diesem Autor nicht mit einem seiner dicken Wälzer nähern, sondern dachte mir, ich fange mal mit einer Erzählung an. Und was soll ich sagen?: Ich bin begeistert von diesem Büchlein. Manns Sprache kommt so leicht und humorvoll daher - und zugleich steckt so viel Tiefe darin, dass jeder Satz, jede Formulierung eine ganze Welt beinhaltet. 

    Der Untertitel "Ein tragisches Reiseerlebnis" trifft es absolut. Der Ich-Erzähler verbringt mit seiner Frau und ihren zwei Kindern die Ferien im Spätsommer - wie schon öfter - am Tyrrhenischen Meer in Italien. Die mittlerweile überwiegend faschistischen Einwohner machen es der Familie zunehmen schwer. Das Wetter ist schwül, die Atmosphäre unangenehm nationalistisch,, so dass die Familie schon sehr bald das Gefühl hat, hier keineswegs so willkommen zu sein wie noch in früheren Jahren. Am Ende des Urlaubs kündigt sich ein Zauberer namens „Cavaliere Cipolla“ an und die Familie beschließt, die Vorstellung zu besuchen. Der Zauberer ist jedoch mehr ein Meister der Hypnose als der Magie. Am Ende der Vorstellung "bezirzt" er den jungen Kellner Mario ... mehr verrate ich nicht.

    Das Hauptthema des Romans ist unzweifelhaft die "Willensfreiheit", Kavaliere Cipolla steht sinnbildlich für das ein ganzes Land hypnotisierende Ungeheuer - mehr ein Dämon - namens Faschismus. Selbst der kritische Erzähler unterliegt der allgemeinen Faszination, will er doch eigentlich abreisen, verdrängt aber immer wieder seine eigenen Skrupel und Bedenken, viel zu neugierig, was weiter passieren wird und irgendwie auch angezogen von der elektrisierten Spannung im Dorf. 

    Wie gesagt, ich bin von der sprachlichen Virtuosität begeistert und vor allem von der so deutlich und doch nirgends direkt ausgesprochenen Kritik an den politischen Verhältnissen der 1930er Jahre, der Verführbarkeit von Menschen, der Faszination des Übels/des Bösen - mit klarer Aufforderung, sich aktiv dagegen zu wehren (siehe Ausgang der Vorstellung). 


  12. Cover des Buches Cry Wolf (ISBN: 0333906713)
    Wilbur A. Smith

    Cry Wolf

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Unter blutrotem Himmel (ISBN: B07D829K9K)
    Mark T. Sullivan

    Unter blutrotem Himmel

     (7)
    Aktuelle Rezension von: NiWa
    Der Jugendliche Pino Lella hält sich aus dem politischem Geschehen heraus. Eigentlich interessiert er sich nur in erster Linie für Mädchen, gefolgt von Musik und gutes Essen darf auch immer sein. Doch als die Bomben zum ersten Mal auf Mailand fallen, wird aus dem Jungen ein Mann, der Verantwortung tragen will.

    "Unter blutrotem Himmel" ist eine Mischung aus Realität und Fiktion, die Pino Lellas Jugendjahre inmitten des Krieges in das Zentrum stellt.

    Ich habe mich für dieses Hörbuch entschieden, weil mich der Schauplatz Italien während des Zweiten Weltkriegs interessiert hat. Zwar habe ich schon viele Bücher über und zum Kriegsgeschehen gelesen, die Rolle von Italien bisher nur am Rande gestreift.

    Außerdem handelt es sich angeblich um eine wahre Geschichte. Die Erzählung basiert auf Pino Lella, der tatsächlich lebte und im kriegsgebeutelten Italien seine Jugendjahre verbringt.

    Dementsprechend lernt man zu Beginn den lebenshungrigen und liebestollen jungen Mann kennen, der Pino Lella vor besagter Bombennacht ist. Ihm schwirren ausschließlich Mädchen im Kopf herum, er sehnt sich nach Liebe und körperlicher Zuwendung, und versucht ziemlich keck, die eine oder andere Dame für sich einzunehmen. Man merkt schnell, dass er sich wieder für das Kriegsgeschehen noch für den Nationalsozialismus interessiert, und allein mit seinen Flausen tagein, tagaus agiert.

    Eines Nachts wird Mailand von Bombenangriffen heimgesucht. Zum ersten Mal steht Pino Lella der Brutalität und Realität des Zweiten Weltkriegs gegenüber. Infolge dieser Erkenntnis schließt er sich einer Bewegung an. Er führt Juden und andere Flüchtlinge über die Alpen in die Schweiz, womit für ihn ein großes Abenteuer beginnt und er zum stillen italienischen Helden wird.

    Pino Lella hat unglaublich viel erlebt. Es geht nicht nicht nur um die Alpenroute, die er mit zig Flüchtlingen passiert, sondern auch um Spionage und die ganz große Liebe, die ihn durch diese düsteren Jahre führt.

    Meines Erachtens hat Pino Lella ein aufregendes Leben verbracht. Allein die Beschreibungen, wie er mit einer Handvoll Menschen über die Alpen zieht, wie er sich in Hoffnung auf Besserung in Gefahr begibt, und welche Gräueltaten er mitansehen muss, haben mich mehr als einmal schlucken lassen. Pino Lella war ein äußerst mutiger junger Mann, der sich nicht mit Gegebenheiten abgefunden sondern gehandelt hat.

    Daher bin ich sehr froh, dass Mark Sullivan seine Geschichte erzählt, und ich empfinde sie als absolute Bereicherung.

    Allerdings kommen mir Zweifel, ob sich alles auf diese Weise zugetragen hat. Pino Lella begegnet unzähligen Nazigrößen und Angehörige der obersten italienischen Liga. Kann das alles ein Zufall sein?

    Teilweise hat mich Sullivans Erzählstil gestört. Er schreibt absolut perfekt, setzt gekonnt dichte Passagen durchmischt von Zeitraffern ein, und schafft es, die Erzählung mit Höhepunkten zu versehen. Allerdings war es mir manchmal zu geradlinig, zu schnörkellos - ja - zu glatt geschrieben. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, als ob der Autor frisch vom Schreibseminar weg diese Geschichte zu Papier gebracht hat. Dabei habe ich seine Stimme, seine Persönlichkeit, vermisst. Es ist mir zu makellos erschienen.

    Diese Kritik liegt wahrscheinlich am Grundcharakter der Geschichte, weil sie eben nicht frei erfunden, sondern auf Gesprächen mit Pino Lella beruht. Ich denke, dass der Autor daher seine Persönlichkeit, seine Note, zurückgehalten hat.

    Pino Lellas Leben hat mich berührt, mir Angst und gleichzeitig Mut gemacht. Ich ziehe den Hut vor jenen Menschen, die handeln anstatt zuzusehen, wenn anderen Unrecht widerfährt. In diesem Sinn spreche ich eine Lese- bzw. Hörempfehlung aus, und hoffe, dass Pino Lellas Geschichte vielen zu Ohr kommen wird. 
  14. Cover des Buches Corellis Mandoline (ISBN: 9783596509607)
    Louis de Bernières

    Corellis Mandoline

     (47)
    Aktuelle Rezension von: Siko71
    Corellis Mandolinen spielt auf der griechischen Insel Kephallonia. Es geht um die Liebe der beiden Pelagia und Mandras, welche durch den Krieg einen heftigen Sprung bekommt. Als dann auch noch Hauptmann Antonio Corelli im Dorf auftaucht wird die ganze Sache für Pelagia zum Problem und sie muß sich zwischen beiden Männern entscheiden.

    Ich habe den Roman drei mal begonnen, da ich immer nicht in die Handlung reingekommen bin. Auch beim vierten mal konnt ich keinen Bezug zu den Protagonistn aufbaun. Ich denke hier hat auch der Schreibstil viel damitzu tun. Er ist mit humor und etwas sarkstische geschrieben, aber mir fehlte wirklich der Bezug mich komplett in den Roman zu versetzen. Schade, ich hatte mir mehr versprochen.
  15. Cover des Buches Die faschistischen Bewegungen. Die Krise des liberalen Systems und die Entwicklung der Faschismen (= dtv Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts band 4) (ISBN: B002V9R5UQ)
  16. Cover des Buches Mussolini (ISBN: 9783453081482)
    Richard Collier

    Mussolini

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  17. Cover des Buches Kaputt (ISBN: 9783596174126)
    Curzio Malaparte

    Kaputt

     (12)
    Aktuelle Rezension von: christiane_dieckerhoff
    Dieses Buch ist etwas ganz anderes und auf keinen Fall leichter Tobak. Fast lapidar erzählt Malaparte, der als italienischer Kriegsberichterstatter, von seinen Erlebnissen in Rumänien und Polen. Sei es, dass im See eingefrorene Pferdekörper entsorgt werden, die den deutschen Soldaten im Winter als Sitzkissen beim Eisangeln gedient haben, oder den Überlegungen eines deutschen Stadthalters, der sich Gedanken dazu macht, wie man die Sterblichkeit im Ghetto senken könnte, (Man erhebe eine Sonderabgabe auf jeden Toten) Malaparte ist Zeuge und hält mit seinem Sarkasmus den Mächtigen einen Spiegel vor. Aber er ist nicht nur sarkastisch, wenn er von den Elenden und den Ländern erzählt, gelingen ihm Sätze, die den Leser frierend zurücklassen.
  18. Cover des Buches Piagnolia (ISBN: 9783730700969)
    Matthias von Arnim

    Piagnolia

     (10)
    Aktuelle Rezension von: moorlicht
    Italien, 1934.
    Die Fußballweltmeisterschaft steht an und Mussolini hat es sich in den Kopf gesetzt, dass sein Land den Titel holen wird. Koste es, was es wolle. Und damit bezieht sich der Duce nicht nur auf Geld.

    Es fließen Bestechungsgelder in alle Herren Länder und auch landesintern in alle Richtungen. Funktionäre, Schiedsrichter, Fußballer - alles, was empfänglich ist wird bestochen. Und wer nicht mitspielen will, wird anderweitig 'auf Kurs gebracht' oder als letzte Instanz eben aus dem Weg geräumt.

    Den Gegenpol dazu bildet das kleine Dorf Piagnola mit seinen durchaus liebenswerten und teilweisen etwas verschrobenen Einwohnern. Nicht von ungefähr fühlt man sich mehr als einmal an die s/w-Variante von Don Camillo erinnert.

    Neben dem heimgekehrten Guido Ventura spielen noch einige andere Dorfbewohner eine tragende Rolle.
    Vorrangig im Gedächtnis bleiben für mich der Bürgermeister Agostino, der von der Entwicklung, die sein geliebtes Italien da nimmt alles andere als begeistert ist und für das gesamte Dorf schon seit Jahren keine Steuern mehr zahlt!
    Als nächstes seine Hochwürden, der Dorfpfarrer Corello, der alle Hände voll zu tun hat, seine Schäfchen von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten und nicht von ungefähr sich direkt mit 'dem Herrn' unterhält.
    Dazu kommt dann noch der etwas gedankenlos wirkende Bauer Filotti, der vor allem wegen seiner im weiteren Verlauf sehr passenden Ähnlichkeit mit einer anderen tragenden Figur der Geschichte und seiner Neigung zu unüberlegten Handlungen im Gedächtnis verblieben ist.

    Vom Sprachstil ist es eine ruhige unaufgeregte Sache. Sehr passend für die ländliche Gegend Italiens. Es werden keine große Worte gemacht. Meistens sind die auch nicht notwendig. Zu großen Teilen geht es um die anstehenden Fußballspiele und die Versuche der beiden Parteien, sich gegenseitig auszuspielen. Hohe Spannungsmomente kommen hier seltener auf.

    Damit wird die Geschichte nicht zwingend weniger verfolgenswert. Allerdings kann man sich beim Lesen recht gut vorstellen, in welche Richtung sich die ganze Sache weiter entwickeln wird. Vor allem auch deswegen, weil durch die historische Thematik der letztendliche Ausgang schon feststeht.

    Ich schwanke lange zwischen zwei und drei Sternen. Ein klarer Pluspunkt findet sich in der historischen Authentizität um die 2. Fußball-WM mit originalen Aufstellungen aus dieser Zeit. Damit werden die (politischen) Hintergründe auch einmal für Leser interessanter, die sich sonst nicht für den Fußball-Hype interessieren.

     Die Protagonisten sind detailliert und dabei auch sympathisch ausgearbeitet. Der Haken dabei ist, daß der Handlungsablauf stellenweise zu stereotyp gezeichnet erscheinen. Es lässt sich in diesen Momenten recht genau vorhersagen, was als nächstes geschehen wird.

    Zwei Sterne deswegen, weil die erhoffte Spannung über den größten Teil der Handlung im Hintergrund der Fußballspiele abläuft. Richtig spannend wird es erst zum Ende hin. Ein Ende, mit dem die handelnde Person mit einem Schlag lebendiger und greifbarer geworden ist als über den ganz vorigen Geschichtsverlauf.
    Schön wäre es gewesen, wäre diese Spannungshöhe über den ganzen Verlauf gehalten worden.
  19. Cover des Buches Die Toskana-Verschwörung (ISBN: 9783404163748)
    Rolf Dieckmann

    Die Toskana-Verschwörung

     (9)
    Aktuelle Rezension von: StMoonlight

    Robert Darling möchte nichts weiter als seinen Urlaub in der Toskana genießen. Doch aus Dolce Vita wird leider nichts, denn der ehemalige US-Geheimdienst-Agent wird in Florenz überfallen. Nur ganz knapp überlebt er den Angriff. Zu allem Überfluss wird in der Nachbarschaft eine Leiche gefunden. Als wäre das nicht schon genug Aufregung für einen Urlaub, wird Darling von einem Rechtsanwalt erpresst. Nach und nach gerät der Protagonist in eine spannende und durchaus etwas verrückte Jagd nach dem Mussolini-Schatz …

    Es beginnt seicht, der Autor bringt nach und nach die Protagonisten in die Geschichte. Das WIE ist dabei immer anders, oft sogar lustig. – Leider aber sind die Protagonisten manchmal ein bisschen zu abgestimmt, so ist Robert ehemaliger US-Geheimdienstagent und lernt u.a. Rolf kennen, der – zufälligerweise – einmal bei der NSA gearbeitet hat. Auch hat Robert Darling ein wirklich schon fast kurioses Talent sich aus den brenzligsten Situationen zu befreien, so dass es schon fast unglaubwürdig wirkt.

    Der Schreibstil ist packend, so dass die Seiten nur so wie im Flug verflogen. Die Idee zur Geschichte ist gut. Aber an der Umsetzung hapert es leider ein wenig.

  20. Cover des Buches Der Herr der Unruhe (ISBN: 9783404155620)
    Ralf Isau

    Der Herr der Unruhe

     (67)
    Aktuelle Rezension von: rallus
    Weises, spannendes, nachdenkliches Buch, angesiedelt in den "unruhen" ,Wirren des zweiten Weltkrieges. Der Walzenbändiger sucht seine Bestimmung und findet seine Liebe und seinen Frieden. Ralf Isau versteht es hier sehr gut geschichtliches und fantastisches miteinander zu verbinden und mit Weisheit zu füllen. Tolles Buch!
  21. Cover des Buches Niemand weiß, dass du hier bist (ISBN: 9783492059183)
    Nicoletta Giampietro

    Niemand weiß, dass du hier bist

     (40)
    Aktuelle Rezension von: Lealein1906
    Ich habe jetzt schon so einige Bücher aus dem Zweiten Weltkrieg gelesen, aber dieses hier hat mir noch einmal ein paar ganz neue Facetten offenbart. Zudem hat es ganz besondere Charaktere.
    Lorenzo ist 12 Jahre alt und kommt bei seiner Tante in Siena unter. Dort wartet er darauf, dass seine Eltern ihn zurückholen. In seinem jugendlichen Eifer ist Lorenzo zusammen mit seinem Freund Francesco überzeugter Faschist. Doch dann lernt er Daniele kennen, einen Juden. Da fängt er an nachzudenken.
    Am Anfang fiel es mir schwer, mit Lorenzo klarzukommen, wegen seiner hohen Meinung vom Krieg und dem Faschismus. Allerdings habe ich mich auch gefragt, wie ich wohl als 12-Jährige gedacht hätte, wenn man unter so einer Prägung aufwächst. Trotzdem ist Lorenzo ja von Anfang an ein lieber Junge und durch den Wandel, den er während des Buches durchmacht, mag man ihn immer mehr. Dadurch hatte auch ich das Gefühl, immer mehr in die Geschichte reinzuwachsen.
    DIe Beschreibungen von Siena während des Krieges fand ich sehr beeindruckend, da muss wirklich auch viel Recherchearbeit dahinterstecken. Die Sprache fand ich dafür sehr gut gewählt. Sie passt total gut zum Buch. Ich findeNicoletta Giampietro erzählt gerade die Details, die oft auch traurig sind, genau richtig lebendig und eindrücklich und bewegend.
    Es ist so wichtig, dass es diese Bücher gibt, die aus diesen Blickwinkeln, und vielleicht gerade die eines kleinen Jungen, auf den Krieg schauen, sodass etwas hoffentlich nie wieder vorkommt.
    Dafür gibt es auf jeden Fall 5 Sterne von mir.
  22. Cover des Buches Niemand weiß, dass du hier bist (ISBN: 9783869524191)
    Nicoletta Giampietro

    Niemand weiß, dass du hier bist

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar
    »Der Duce kam zu uns in einer Zeit, als Italien nach dem Großen Krieg in Elend, Chaos und Gewalt zu versinken drohte. Damals herrschte unter den Italienern Misstrauen und Zweifel. Doch Mussolini glaubte an Italien und wusste, zu welcher Größe die Italiener fähig sind, wenn man sie vereinigt, und sie auf den rechten Weg führt. … und in wenigen Jahren gelang es ihm, aus einem gespaltenen und demoralisierten Land ein neues, ruhmreiches Römisches Imperium zu erschaffen.«

    1942, der zwölfjährige Lorenzo ist in Tripolis, der Hauptstadt von Libyen (italienische Kolonie zu dieser Zeit), aufgewachsen, denn sein Vater, ein Faschist, dient als Offizier bei der italienischen Arme. Seit dem letzten Einsatz gilt er als vermisst. Es wird langsam gefährlich, im Land zu bleiben, daher schickt die Mutter Lorenzo nach Siena zu den Großeltern, sie will in Afrika den Vater suchen. Italien befindet sich Seite an Seite mit dem Deutschen Reichs im Krieg. In der neuen Schule freundet sich Lorenzo mit dem Nachbarssohn Franco Tacconi an, der ein eifriger Balilla (Jugendorganisation der Faschisten) ist. Dort üben die Jungen mit dem Holzgewehr zu exerzieren, würden gern in den Krieg ziehen. Die Tante von Lorenzo, Zia Chiara, hält nichts von den Faschisten – nichts mehr, wie sie später berichtet, denn sie hatte Mussolini falsch eingeschätzt, der anfänglich wirtschaftlichen Aufschwung brache, Schulen für alle Kinder, ein Gesundheitssystem. Die Faschisten werden nun offensichtlich jeden Tag unerträglich und immer mehr Widerstandsgruppen bilden sich. Als jüdische Kinder aus der Schule ausgeschlossen werden, versteht Lorenzo die Welt nicht. Er hatte in Büchern gesehen, wie angeblich Juden aussehen sollen … diese hier sehen ganz anders aus. Die zornigen Gesichter mit schwarzem Haar und Hakennase der Bilder glichen doch, wenn überhaupt, der Familie des Lebensmittelhändlers Tacconi – und die sind italienische Faschisten. Und da ist Daniele, Lorenzos jüdischer Freund, den er sehr gern hat, seine Familie gleicht so gar nicht den Bildern aus dem Buch. Aber es wird noch schlimmer. Durch Zufall bekommt Lorenzo aus einem Versteck mit, dass die Juden nach Deutschland abtransportiert werden sollen. Er rennt zu Daniele, will die Familie warnen, doch der Vater hält das für ein Hirngespenst. Doch Lorenzo hatte Recht, kann im letzten Moment Daniele retten, und er versteckt ihn. Das ist sein Geheimnis - nicht einmal die Familie darf davon wissen.

    »Wir Italiener gehören dem mediterranen Typ der arischen, also der Herrenrasse an. Geformt und modelliert von den Römern, ist sie die glorreichste von allen und hat die größten Entdecker und Eroberer der Geschichte hervorgebracht. Die Reinheit unserer Rasse muss geschützt werden. … Gehören Juden der italienischen Rasse an?«

    Nicoletta Giampietro ist eine deutsche Schriftstellerin mit italienischen Wurzeln, berichtet auch am Ende des Romans etwas über ihre Familie, welche historischen Personen in diesem Roman echt sind, welche Personen sie inspirierten, die sich in ihren Protagonisten widerspiegeln. Faschismus in Italien, Mussolini und Hitler, zwei echt dicke Kumpel mit gleichen Idealen, etwas, worüber man in Italien nicht laut spricht. Balilla – Hitlerjugend – die gleiche Art, junge Menschen unter dem Deckmantel der Kameradschaft zu indoktrinieren, Jungen kriegsheiß zu machen. Judenverfolgung in Italien? Ja, natürlich! Allerdings nicht in dem Ausmaß wie in Deutschland. Auch in Italien wurde in den Schulen die gleiche Propaganda abgezogen: Arm hoch für das Vaterland, die eigene Rasse ist die glorreiche, intelligente – auszumerzen sind die anderen, um die Rasse rein zu halten. In Italien wurden die Juden zusammengetrieben, interniert, nach Auschwitz usw. transportiert. Mit einem Unterschied: Manch einer war damit nicht einverstanden und schaute nicht so genau hin, wenn sich einige aus den nicht stark gesicherten Sammelstellen hinausstahlen. Andere warnten frühzeitig und noch andere versteckten Juden.

    Letztendlich ist dieser historisch angelegte Roman ein Entwicklungsroman. Lorenzo, aufgewachsen im Faschismus, der Vater Offizier, in der Schule indoktriniert, ist glühender Anhänger des Duce – was sonst? Seine Tante, Zia Chiara, steht dem entgegen, man munkelt, sie sei im Widerstand involviert. Dagegen steht die Familie Tacconi, die des Lebensmittelhändlers. Franco Tacconi ist der beste Freund von Lorenzo, bis er den jüdischen Daniele kennenlernt, der ihm noch näher steht. Die beiden Freunde darf Lorenzo nicht zusammenbringen, so viel ist ihm schnell klar. Plötzlich wird alles hässlich. Juden dürfen nicht mehr auf die Schule gehen, Lehrer, wie die Tante, werden entlassen. Die Tacconis haben es auf Zia Chiara abgesehen, es gibt Heimlichkeiten der Erwachsenen. Lorenzo sitzt zwischen den Fronten, muss reflektieren. Und er gerät in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, und er begibt sich mehrfach in Gefahr, um Menschen zu warnen oder zu retten, schnuppert in den Widerstand hinein. Der Junge wird schnell erwachsen, ärgert sich, weil man ihn wie ein Kind behandelt. Aber auch im Widerstand spaltet sich die Gesellschaft: Die Moderaten, kämpfen, wollen dabei aber kein Menschenleben aufs Spiel setzen, und die Radikalen, denen es ums Prinzip geht, Hauptsache gegen die Faschisten, ist alles egal, selbst wenn ein ganzes Dorf bei einer Aktion draufgeht. Mehrfach fragt sich Lorenzo, was denn richtig sei, was die Wahrheit. Jeder behauptet, sie für sich gepachtet zu haben. Krieg, eine unsichere Zeit. Bomben der Alliierten fallen auf Italien. Mussolini wird abgesetzt, plötzlich war nie irgendjemand Faschist gewesen. Der Duce schafft es, wieder zurückzukommen, und sofort haben sie wieder die braunen Hemden an … Und nach dem Krieg gab es in ganz Italien nicht einen Faschisten, niemand hat je dazugehört, jeder gehörte zum Widerstand …

    Faschismus nennt sich eine Bewegung, die unter der Führung von Benito Mussolini in Italien von 1922 bis 1943/45 den Ursprung findet. Das Wort fascio wird abgeleitet vom lateinischen fasces. So nannte man Rutenbündel zu Zeiten des Römischen Reiches, die die Liktoren vor den höchsten römischen Beamten, den Konsuln, Prätoren und Diktatoren, hertrugen. Aus dem Bündel Reisig ragte in der Mitte ein Beil hervor, es symbolisierte die Todesstrafe. Im Italien des neunzehnten Jahrhunderts standen die »fascio« (Reisig mit Beil) für die Nationale und die Arbeiterbewegung als revolutionäre Kraft, bezog sich 1870 im geeinten Italien auf unabhängige und sogar anarchistische Arbeiterorganisationen. Benito Mussolini adaptierte die »fascio« für sich, bildete am 23. März 1919 aus den »Fasci dēi lavoratōri« und »Fasci siciliani« die Bewegung der »Fasci italiani di combattimento« (Italienischer Kampfverband), der ein Rutenbündel zu seinem Zeichen machte. Wie Hitler agierte er mit Paramilitärs, Straßenterror, einem starken Personenkult, Massenpropaganda. Mussolini inszenierte den »Marsch auf Rom«, kürte sich zum Ministerpräsidenten. Wie Hitler erließ er ein Ermächtigungsgesetz: andere Parteien wurden verboten, die Bürgerrechte und Pressefreiheit aufgehoben, eine Parteimiliz geschaffen, Gesetze gegen Juden erlassen. Der Roman beschreibt recht gut die Spaltung der Gesellschaft aus der Sicht eines Kindes. Erzogen im Glauben an den glorreichen Duce, sieht Lorenzo die Welt um sich herum zusammenbrechen. Die Perspektive ist gut gewählt, um Unglaubliches offenzulegen, zu vergleichen und um die Wendehalsigkeit von einigen Personen offenzulegen. – Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? – Aber es geht um viel mehr. Es gibt kein Schwarz und Weiß auf der Welt, die Grauzonen sind weit größer. Und genau das versucht die Autorin darzustellen. Menschen, die sich nicht offen gegen das System stellen, trotzdem helfen. Das Thema Faschismus in Italien ist wichtig, wichtig sich dem zu stellen, um ein faschistisches Regime nie wieder zuzulassen. Ein wichtiger Roman und eine spannende, wundervolle Geschichte, eingewoben in reale historische Ereignisse. Einer der besten Geschichtsromane der letzten Zeit. Ich hoffe, er wird auch in Italien erscheinen, denn es ist ja ein deutsches Buch.

    Nicoletta Giampietro, geboren 1960, wuchs in Mailand in einer italienisch-französischen Familie auf. Sie studierte Politikwissenschaften und Geschichte in Mailand und Tübingen und zog 1986 endgültig nach Deutschland. Nach längeren Aufenthalten in Köln und Rotterdam lebt sie seit 1995 in Mainz. Sie spricht fünf Sprachen, ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. „Niemand weiß, dass du hier bist“ ist ihr erster Roman.
  23. Cover des Buches Marsch auf Rom und Umgebung (ISBN: 9783852563657)
    Emilio Lussu

    Marsch auf Rom und Umgebung

     (1)
    Aktuelle Rezension von: fredgoetzis
    Meiner Meinung nach ein Kernbuch um das wahre Gesicht des Faschismus in Italien zu erkennen. Emilio Lussu schöpft wie immer auch hier aus eigenen Erfahrungen!
  24. Cover des Buches Südtirol (ISBN: 9783706513487)
    Rolf Steininger

    Südtirol

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Emotionen
    Das Buch "Südtirol - Vom ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart" wurde von Rolf Steininger, einem deutsch-österreichischen Historiker verfasst und spiegelt die Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Südtirol wider.


    Handlung
    Einerseits werden die trockenen Fakten der Geschichte wiedergegeben, andererseits wird dies auf eine angenehme Art und Weise getan. Natürlich ist das Buch kein Roman, doch die Handlung lässt sich doch ein bisschen wie eine Geschichte lesen, dafür sorgen zusammenhängende Texte, die nur selten von Bildern oder Aufzählungen unterbrochen werden. Die Ereignisse werden alle sehr ausführlich dargestellt, wer sich ein genaues Bild von Südtirol machen will, der ist hier bestimmt gut bedient, ich hätte mir oft die eine oder andere Seiten weniger gewünscht - vor allem weil wir ziemlich viel des Buches als Hausaufgabe lesen mussten :D


    Charaktere
    Hierzu lässt sich bei diesem Buch nicht viel sagen, denn ein Sachbuch hat ja keine Protagonisten wie sie in belletristischen Büchern zu finden sind. Steininger ist jedoch in diesem Punkt sehr ausführlich, denn sowohl die Standpunkte der Faschisten, der deutschsprachigen Südtiroler als auch der Nazis werden präsentiert. Südtirol - ein gebeuteltes Land, das als Spielball zwischen Duce und Führer hin und her wechselt. Gut dargestellt wird hier auch der Konflikt zwischen den Südtirolern, als sie sich im Zuge der Option entscheiden müssen, ob sie im faschistischen Italien bleiben wollen oder für Hitler und damit für das Dritte Reich optieren.


    Schreibstil
    Das Buch soll nicht unterhalten, es soll informieren. Das ist dem Autor auch gelungen. Als Universitätsprofessor ist er dabei auch sehr objektiv vorgegangen, soweit ich das beurteilen kann. Wer sich für Geschichte interessiert, der wird das Buch sicher spannend finden.


    Fazit
    Ich finde es sehr wichtig, über meine Geschichte Bescheid zu wissen, auch wenn ich mich nicht in dem Ausmaße dafür interessiere, wie das andere vielleicht tun. Hätte ich das Buch selbst in der Buchhandlung gesehen, hätte ich es wahrscheinlich nicht gekauft, aber als Lektüre im Geschichtsunterricht hat es nicht geschadet. Nicht die Art von Buch die ich sonst leben würde, aber für den einen oder anderen sicher lesenswert. Für mich war es okay.

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