Bücher mit dem Tag "naher osten"
83 Bücher
- Paulo Coelho
Der Alchimist
(2.158)Aktuelle Rezension von: LeseratteAnniDer Alchimist schildert den Weg des jungen Spaniers Santiago. Gewohnt ist er ein Leben als Hirte. Mit seinen Schafen zieht er umher und genießt diese einfache Art des Reisens. Doch ein wiederkehrender Traum von einem Schatz bei den Pyramiden von Ägypten bringt ihn plötzlich von seinen gewohnten Wegen ab. Als jedoch eine Seherin und ein geheimnisvoller König zu ihm sprechen und ihm Hinweise geben, wie er zu seinem Schatz gelangen kann, merkt Santiago, dass dies kein Zufall mehr sein kann. Er beginnt, den Zeichen zu folgen, die ihn auf eine lange Reise nach Ägypten führen. Dabei stellen sich ihm viele Hindernisse in den Weg, und schon bald fragt er sich: Hat dieser Weg überhaupt einen Sinn?
Ich habe dieses Buch aufgrund zahlreicher Empfehlungen gelesen, um zu verstehen, was genau so viele Menschen daran fesselt. Gerade für die jüngere Generation, die noch viele wichtige Lebensentscheidungen zu treffen hat, ist dieses Buch besonders geeignet. Mich hat die Denkweise, die diese Geschichte vermittelt, sehr fasziniert. Die Worte des Alchemisten, Santiagos und weiterer Charaktere haben mich tief berührt.
Der Einstieg gelingt problemlos und schnell – durch den lockeren Schreibstil und die vielen Weisheiten, die sich von Anfang bis Ende durch das Buch ziehen. Jede Handlung Santiagos, jeder noch so kleine Schritt, ist von großer Bedeutung und beeinflusst den Verlauf der Geschichte.
Jeder Mensch hat Träume und eine Bestimmung im Leben. Es liegt an ihm, seinen Träumen zu folgen und sie zu verwirklichen. Doch warum fürchten wir uns so sehr davor, unseren Lebenstraum zu verfolgen? Träume sind Hinweise auf unsere persönliche Legende. Sie kommen aus dem Innersten, aus dem Herzen, und zeigen, was uns wirklich erfüllen kann und wofür wir bestimmt sind.
Als Leser beginnt man zunehmend, auch an sich selbst zu glauben. Man verlässt diese Geschichte mit vielen Weisheiten, neuer Lebenslust und Mut. Paulo Coelho lädt den Leser in eine malerische Kulisse ein und schildert Santiagos Reise nach Afrika sowie seinen Weg durch die Wüste mit einer Karawane. Jede Szene ist eindrucksvoll beschrieben und lädt dazu ein, für einen Moment aus dem eigenen Alltag zu flüchten und Teil dieser Reise zu werden.
Dieses Buch lehrt uns, dass Träume kein Zufall, sondern Wegweiser sind. Der Mensch hat Angst, weil er Sicherheit oft dem Glück vorzieht und Scheitern oder Verlust fürchtet. Viele reden einem ein, die eigenen Träume seien unrealistisch. Die Menschen träumen – doch sie handeln nicht.
Nach dem Lesen von Der Alchimist wird einem dies immer bewusster. Das Ende ist umso überraschender und beinhaltet einen großen Plot-Twist, der die Botschaft „Der Weg ist das Ziel“ noch einmal vertieft. Ein Buch voller Weisheiten, das ich sicherlich immer wieder zur Erinnerung lesen werde.
- Khaled Hosseini
Drachenläufer
(2.050)Aktuelle Rezension von: Sanne54Ich habe das Buch vor vielen Jahren schon mal gelesen, so etwa vor 20 Jahren, und es wieder zur Hand genommen, weil ich es hier bei LB auf der Liste der 100 Bücher gesehen habe, die man lt. NY-Times gelesen haben muss. Und im Fall dieses Buches würde ich das auf jeden Fall unterschreiben. Der Roman entfaltet einen starken Sog, der einen zu Beginn in das Kabul vor dem Einmarsch der Sowjetunion Mitte der 1970er hineinzieht. Amir und Hassan gehören unterschiedlichen Ethnien an und sind trotzdem beste Freunde. Sie bereiten sich auf den Wettkampf der "Drachenläufer" vor, einem traditionellen Wettbewerb im Drachensteigen. Hassan, dem es am Ende gelingen soll, den letzten Drachen zu fangen und somit zu siegen, wird gewaltsam um seinen Sieg gebracht. Amir beobachtet das, schweigt aber. Dieser Verrat treibt einen Keil zwischen die Freunde. Nach dem Einmarsch der Sowjets flieht 1981 Amir in die USA, während Hassan bleibt und als Amir, den die Schuld niemals loslässt, viele Jahre später nach Afghanistan zurückkehrt, findet er ein anderes, gefährliches Land wieder. Amir muss sich seinen eigenen Dämonen stellen, wenn er die Fehler seiner Vergangenheit wieder gutmachen will.
Der Autor begeistert mich im ersten Teil des Buches durch die Lebendigkeit und Leichtigkeit der Ereignisse des "Drachenläufer"-Wettbewerbs, dessen Begeisterung und leuchtende Farben ein großartiges Bild Afghanistans zeigen. Doch am Ende ist es die Vielschichtigkeit und aber auch Zwiespältigkeit seiner Figuren, die durch das brutale Ende des emotional aufgeladenen Wettkampfs deutlich zum Vorschein kommt, die mich auch beim zweiten Lesen gefesselt haben. So werden die Konfliktlinien deutlich, die das Land bis heute noch prägen und beherrschen. Aber auch in den Figuren selbst, hier v.a. auch Amir, zeigt sich eine emotionale Zerrissenheit zwischen seiner unschuldigen, kindlichen Freundschaft zu Hassan, (also dem, was es vermag die unterschiedlichen Menschen eines Landes zu verbinden) und dem Einfluss der gesellschaftlichen, kulturellen, religiösen usw. Umstände auf die Menschen. Die Schuld, die Amir bis ans andere Ende der Welt begleitet und über viele Jahre nicht loslässt, die zu seiner Rückkehr führt und der krasse Gegensatz, der ihn und mich als Leserin dort erwartet, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Ich kann das Buch nur empfehlen, auch wenn es wahrlich nichts für schwache Nerven ist, Amirs Rückkehr ins Afghanistan der Taliban.
- Frank Schätzing
Breaking News
(197)Aktuelle Rezension von: Ana80Der Starreporter Tom Hagen ist immer dort auf der Welt unterwegs, wo es gerade brennt. Kein Risiko ist ihm zu hoch, um an eine gute Story zu kommen. Doch in Afghanistan geht er zu weit und verliert alles. Niemand möchte mehr mit ihm zusammenarbeiten. Als sich drei Jahre später in Israel für ihn eine Chance auftut in seinem Beruf wieder Fuß zu fasse, lässt er sich natürlich darauf ein, ohne zu ahnen, dass er in eine Falle gerät und fortan quer durch diese hochexplosive Region gejagt wird…
Ich habe für dieses Buch unglaublich lang gebraucht. Den Erzählstrang um Ariel Sharon fand ich sehr interessant, der um Tom Hagen konnte mich nicht packen. Insgesamt ist das Buch voll mit ellenlangen Monologen über alle wichtigen Themen, die meiner Meinung nach deutlich kürzer hätten sein müssen. Wäre das ganze Buch um die Hälfte gekürzt gewesen, hätte es mir mit Sicherheit viel „Spaß“ gemacht, ist das Thema doch leider mal wieder brandaktuell! Gut gelungen ist es Schätzing eine neutrale Position im Nahostkonflikt zu behalten, was ich nicht einfach finde, aber im Falle eines solchen Romans unabdingbar.
Empfehlen kann ich dieses Buch in dieser langen Form eher nicht, obwohl es eigentlich spannende Themen behandelt. Schade
- Andreas Eschbach
Das Jesus-Video
(798)Aktuelle Rezension von: blackburniousDas Jesus-Video ist ein temporeicher, ideenreicher Science-Thriller, der mich von Beginn an abgeholt hat. Die Mischung aus Archäologie, Mystery und moderner Technologie sorgt für eine packende Grundstimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Eschbach versteht es, große Fragen mit unterhaltsamer Spannung zu verbinden: Was wäre, wenn ein Video aus der Zeit Jesu entdeckt würde – aufgenommen mit einer Kamera, die es noch gar nicht geben dürfte?
Die Handlung entwickelt sich stetig weiter, verzweigt sich an vielen Stellen und bleibt dabei durchweg fesselnd. Besonders gefallen hat mir, wie Eschbach wissenschaftliche Neugier, religiöse Fragestellungen und actionreiche Szenen miteinander verwebt. Die Figuren sind gut gezeichnet, auch wenn einige Nebenfiguren etwas blass bleiben.
Gegen Ende zieht das Tempo enorm an, fast schon zu sehr – manches wirkt etwas überladen und hätte für mich gern etwas klarer aufgelöst werden dürfen. Trotzdem: Die Grundidee ist brillant, die Umsetzung spannend und voller Überraschungen.
Fazit: Ein starker, intelligenter Thriller mit einer außergewöhnlichen Prämisse, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig bestens unterhält. Verdiente 4 von 5 Sternen.
- Meike Winnemuth
Das große Los
(255)Aktuelle Rezension von: schokobookMeike Winnemuth hatte 2010 bei Günther Jauch eine halbe Million Euro in der Sendung Wer wird Millionär gewonnen.
Was macht man mit 500.000 Euro? Meike packt ihren Koffer . Nicht in die Luxushotels Europas, sondern sie reist, ein Jahr lang und jeden Monat ein anderes Land und wohnt in airbnb. Alleine! Mit einem Koffer und nur das nötigste. Ihre Erlebnisse hält die Journalistin in einem Blog fest und per Mails an ihre Freunde und Bekannten. Am Ende stellt sie fest, dass sie das Geld nicht unbedingt brauchte, da sie ja weiter gearbeitet hatte, als Journalistin ist das sicher auch so machbar. Aber das Geld hat den Mut gegeben JETZT. Und ich finde das Buch ist inspirierend und das nochmals anders als Eat,Pray Love. Was sich für Möglichkeiten auf tun ist absolut interessant. Das Buch ist locker geschrieben. Hat immer mal wieder Bildmaterial und macht nachdenklich.
- Joakim Zander
Der Schwimmer
(126)Aktuelle Rezension von: Read-and-CreateDer Klappentext dieses Buches hat mir leider falsche Hoffnungen gemacht. Ich habe einen Agententhriller erwartet, aber einen Polit-/Wirtschaftsthriller bekommen. Diese Art von Buch ist nicht mein Fall, daher werde ich auch nicht weiter auf das Buch eingehen. Wer gerne einen Polit-/Wirtschaftsthriller liest, für den ist dieses Buch, meines Erachtens, gut geeignet.
Trotz allem ist der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen. Auch die 3 Handlungsstränge, die in verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten spielen sind super ausgearbeitet und haben die Spannung aufgebaut.
- Alwyn Hamilton
AMANI - Rebellin des Sandes
(260)Aktuelle Rezension von: PrincessofbooksDie Art wie die Geschichte erzählt wird, die Charaktere mit denen man sich so leicht identifizieren kann. Die Magie die durch jeden einzelnen Buchstaben zu fließen scheint.
Man schlägt die erste Seite auf und geht sofort in einem Sog aus Bildern und dem Zauber eines unglaublichen Wüstenmärchens verloren.
Die Spannung baut sich bereits zu Beginn auf und lässt kein einziges Mal nach. Der Schreibstil ist flüssig und so detailreich, die Geschichte, welche klein anfängt fächert sich mit jedem Kapitel weiter auf und offenbart die Welt um Amani so facettenreich, dass man nicht anders kann als weiterzulesen.
Amani ist eine so unglaublich starke und mutige Protagonistin, welche eine bemerkbare Entwicklung im Buch macht und Jin der Protagonist überzeugt vom ersten Auftauchen. Auch die Nebencharaktere die in die Geschichte miteingeflochten sind, schleichen sich ins Herz und man fiebert mit ihnen mit.
- Pierre Jarawan
Am Ende bleiben die Zedern
(133)Aktuelle Rezension von: gstSamir kam 1983 zur Welt, ein Jahr nachdem seine Eltern nach Deutschland gekommen waren. Sein Vater war liebevoll und hat ihm viel über sein Heimatland Libanon erzählt. Doch eines Tages war er spurlos verschwunden und hinterlässt eine traumatisierte Familie. Mit Ende 20 begibt sich Samir auf die Suche nach dem Vater und reist in den Libanon.
„Als Vater verschwand, blieb die Zeit für mich stehen. Meine Erinnerung an ihn wurde mit den Jahren verschwommener, undeutlicher, seine Konturen lösten sich auf. Ich wurde älter und veränderte mich, aber er blieb immer jung.“ (Seiten 143)
Ich habe in diesem Buch viele interessante Dinge über den Libanon erfahren. Nicht nur darüber, wie die Landschaft aussieht, sondern auch wie die vielen nebeneinander bestehenden Religionen die Politik beeinflussen.
Der im Libanon geborene und in München lebende Autor und Fotograf hat für diesen Roman mehrere Preise erhalten. Sein Schreibstil erinnerte mich ein wenig an orientalische Geschichtenerzähler und hat mich sehr angesprochen. Dieses Buch war sein Romandebüt. 2020 folgte „Lied für die Vermissten“ und für 2025 ist ein weiteres Buch von ihm angekündigt.
- Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Pierre Jarawan
Ein Lied für die Vermissten
(54)Aktuelle Rezension von: gstDer Libanon war einst die Schweiz des nahen Ostens, mit Skipisten in den Bergen und Jetskis am Strand. Allerdings, so führt der Autor aus, hat die Bevölkerung noch keinen Tag echte Demokratie erlebt. Unter der schönen Oberfläche brodelt es.
Das spürt man deutlich in diesem Roman, in dem Amin 1994 als Zwölfjähriger nach Beendigung des Bürgerkriegs (1975 bis 1990) in sein Geburtsland zurückkehrt. Nach dem Tod seiner Eltern hatte seine Großmutter mit ihm das Land verlassen. Zuviel war ihr genommen worden und sie wollte das Kind in Sicherheit aufwachsen lassen.
Im Buch begleiten wir Amin durch die Straßen von Beirut, wo er vieles entdeckt, das ihm fremd ist. Diese Fremdheit macht sich auch beim Lesen breit. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich an manchen Stellen überlegte, ob ich überhaupt weiterlesen soll. Denn über weite Strecken war ich enttäuscht, weil das Buch so ganz anders war, als Pierre Jarawans erster Roman „Am Ende bleiben die Zedern“ (zwar ging es auch darin um den Libanon, war aber sehr viel einfacher zu lesen). Allerdings kamen dann auch immer wieder Abschnitte, die mein Interesse so sehr auf sich zogen, dass sich alles in mir gegen einen Abbruch wehrte. Letztendlich bin ich froh, durchgehalten zu haben.
Obwohl ich den Libanon schon in anderen Büchern kennenlernen durfte, erfuhr ich viele neuen Tatsachen über die Geschichte dieses kleinen Landes im Osten des Mittelmeeres, das mit Syrien eine lange gemeinsame Grenze hat. Zum Beispiel verschwanden hier während des Bürgerkriegs über 17.000 Menschen spurlos. Auch die Zerstörung Beiruts wird auf Amins Erkundungszügen deutlich. Dabei begleitet ihn sein Freund Jafar, der sich ihm nach und nach immer mehr entzieht und eines Tages unauffindbar ist.
Pierre Jarawan (*1985) wurde als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Jordanien geboren. Beide Eltern waren vor dem Bürgerkrieg geflohen und nahmen ihn im Alter von drei Jahren mit nach Deutschland, wo er bereits 2012 Meister im deutschsprachigen Poetry Slam wurde. Heute lebt er mit seiner Familie in München.
Fazit: Das Buch erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Es eignet sich nicht zum Nebenbeilesen. Aber es lohnt sich, und es bleibt in Erinnerung!
- Daniel Speck
Jaffa Road
(130)Aktuelle Rezension von: Ramgardia„Die Abwesenden haben oft mehr Macht als die Anwesenden“
Moritz schwängert seine Verlobte, bevor er in den zweiten Weltkrieg zieht. Sein Einsatzort ist Tunesien und hier lauscht er gerne Viktor bei seinem Klavierspiel in der Bar. Was er nicht ahnt, ist, dass Viktor Jude ist. Er lebt mit seiner Familie in „Piccola Sicilia“ einem bunten Stadtteil von Tunis und seine Familie versteckt Moritz nach seiner Desertation. Als Maurice emigriert er zusammen mit Viktors Schwester und ihrer kleinen Tochter nach Israel. Ihr Lebensmittelpunkt dort ist die Jaffa Road in Haifa.
Nachdem die Engländer sich zurückziehen, nehmen die Israeli das Land ein und zerstören damit die gewachsenen Strukturen in Palästina. Viele Araber der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen müssen ihr Land und ihr Heim verlassen. Sie werden zu „Abwesenden“, die ihre Ansprüche verloren haben.
Moritz Enkelin, seine jüdische Tochter und sein arabischer Sohn, Kinder aus drei Leben werden nach seinem Tode ins sein in Palermo eingeladen. Es gibt viele Rätsel, viele Fragen und wenig Vertrauen unter diesen Erben.
Es dauert sehr lange bis alle Stränge einen Sinn ergeben. Es gibt viele Sprünge durch die Zeit von Beginn des Krieges bis zur Jahrtausendwende. Zum gibt einen die Hoffnung der Zionisten endlich im eigenen Land leben zu können zum anderen die Vertreibung der Palästinenser, die dort viele Jahre friedlich mit Andersgläubigen zusammengelebt haben. Gerade im Hinblick auf die jetzigen Situation fand ich es sehr spannend und informativ zu erfahren, wie der geschichtliche Hintergrund ist. Leider schwindet mit diesem Wissen meine Hoffnung auf eine Lösung, denn zwei Staaten werden von der Welt nicht als Lösung erwogen. Ein Buch, dass mit seiner verschachtelten Erzählweise viele Emotionen in mir geweckt hat. Die Frage der Palästinenserin Amal „Gibt das Unrecht, das ihr Deutschen den Juden angetan habt, ihnen das Recht uns Unrecht anzutun?“ möchte ich spontan verneinen, sie zeigt aber wieviel Zündstoff in diesem Buch steckt.
- Frederick Forsyth
Die Faust Gottes
(49)Aktuelle Rezension von: Jens65Dieser Autor hat Talent:Egal, welches Buch, ob die "Akte Odessa, "Der Schakal" oder jetzt auch "Die Faust Gottes", alle sind spannend geschrieben und sehr genau recherchiert. Forsyth schreibt ein Buch wie einen Film - geschickt spannt er den Bogen immer wieder und versteht sich auf das Verflechten verschiedenster Erzählungsstränge. Profunde Sachkunde und Detailkenntnis sind bei ihm - wie bei vielen amerikanischen Bestseller-Autoren - ein informativer Leckerbissen. - Stefan Ahnhem
Herzsammler (Ein Fabian-Risk-Krimi 2)
(187)Aktuelle Rezension von: ZahirahDer 2. Fall für Stefan Ahnhems Ermittler Fabian Risk ist nichts für Leser mit schwache Nerven. Der Schreibstil und die damit einhergehende Erzählweise sind wieder ausgesprochen gut, sie sind flüssig zu lesen und abwechslungsreich durch die vielen Handlungsstränge. Der Krimi-Plot ist sehr komplex und der Leser muss am Buch bleiben, will er den Überblick nicht schon am Anfang verlieren. Der Autor schafft es dank des beliebten Cliffhangers und unerwarteten Wendungen die Spannungsschraube immer weiter nach oben zu drehen. Die beiden Ermittler Risk und Hougaard werden passend zu ihrer Rolle gut charakterisiert und überzeugen durchaus in ihren Handlungsweisen. Der einzige Kritikpunkt aus meiner Sicht ist die extreme Brutalität, die der Täter an den Tag legt. Man kann, wenn man das will, das Handeln durchaus nachvollziehen, aber weniger Gewalttätigkeit hätte diesem Krimi durchaus nicht geschadet. Das Zusammenführen der vielen Handlungsreihen ist dem Autor letztlich glaubhaft gelungen. Für mich ein durchaus fesselnder aber mit zu viel unnötig beschriebener Gewalt ausgestatteter Krimi. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 4 von 5 Sterne.
- Eric-Emmanuel Schmitt
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
(774)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Ungefähr zu dieser Zeit lernte ich Monsieur Ibrahim kennen. Monsieur Ibrahim war schon immer alt."
Man würde bei diesem Buch eigentlich nicht von einer Geschichte reden. Zu viel ausgespart und nicht verdeutlicht, manches ist zu rasant und sprengt die Idee einer konsequenten Erzählung, anderes kommt einem vielleicht etwas seltsam vor, weil es ohne wirkliche Vorbereitung oder Herleitung geschieht. Wer ein Werk filigraner Erzählkunst sucht, der ist dann mit diesem Buch auch eher weniger gut beraten.
Doch jedes Werk sollte im Zuge seiner Möglichkeiten, seiner Augenblicke des Gewahrwerdens von Schönheit beurteilt werden.
"Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" hat viel von einem Märchen. Es ist voller kleiner Lebensweisheiten und die kommen unvermittelt, kristallisieren sich nicht heraus, sondern werden direkt an den Leser gebracht. Auch die Struktur der Geschichte, die einfach ihrem Fluss nachgeht, um zu erzählen, was sie erzählen will, ohne sich dabei an die ungeschriebenen Regeln der präzisen Darstellung oder eine Art von Konzept zu halten, erschafft einen Raum, leicht und von Ahnungen mehr durchwirkt als durch Fakten, der dem eines Märchens sehr ähnlich sind. Zuletzt ist da auch noch die sehr einfache, immer wieder kleine Kapriolen und Witze schlagende Sprache.
"M'sieur Ibrahim, wenn ich sage, dass Lächeln nur was für reiche Leute ist, dann will ich damit sagen, dass es nur was für glückliche Leute ist."
Sätze, die einem direkt in Fleisch und Blut übergehen; kleine Wunder, die einfach festgestellt werden. Um dieses Buch als etwas Schönes wahrzunehmen, muss man sich vielleicht vergegenwärtigen, dass es im Kern alle wichtigen Elemente einer schönen Geschichte enthält, all die Andeutungen von Lebendigkeit im Dasein, sich aber weigert sie weiter auszubauen, über die bloße Erwähnung hinaus. Das kann man beanstanden, gerade wenn man anderes gewohnt ist. Oder man freut sich über ursprüngliche, völlig unkomplizierte dieser Erzählung, in dem jedem Leser mit eigenen Gefühlen und Gedanken viel Platz eingeräumt wird.
Thomas Mann schrieb einmal über das kleine Buch "Squirrel" von Petzold, seine Lektüre sei so erfrischend gewesen "es hat mich über Tage hinweg glücklich gemacht." Das kann mal wohl, trotz Kürze und einer eher schwirrenden, den vertieften Lektüre, auch über dieses kleine Büchlein sagen. Es ist ein kleines Juwel, nichts besonderes, aber immer noch hell strahlend in jedem Sonnenlicht, dass aus unseren Augen auf seine Seiten fällt.
"Schau mal, Momo, die Brücken, die Seine liebt sie, wie ein Frau, die in ihre Armbänder vernarrt ist." - Peter Frankopan
Licht aus dem Osten
(12)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchEs gibt Geschichte, die vor der Geschichte des Westens begann. Das wird im Westen oft vergessen. Das Buch beschreibt meisterlich die Geschichte aus der Perspektive der Länder Zentralasiens und des vorderen Orients und wie bespielsweise der Ölreichtum im Irak und Iran eben nicht erst seit kurzem auf der "Einkaufsliste" des Westens stehen. Es ist es ein klar empehlenswertes Buch.
- Robert Scheer
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
(42)Aktuelle Rezension von: pardenEIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...
Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.
"Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)
Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.
Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.
Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.
Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.
"Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)
Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.
Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.
Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.
Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.
© Parden - Emily Walton
Die Welt in unseren Händen
(34)Aktuelle Rezension von: hooniliEmma besucht ihre Großmutter June in Oxford. Dabei entdeckt sie ein kleines Buch mit Gedichten und einer Widmung aus dem Jahr 1944. Als Leser lernt man nun die junge June kennen, die damals im Dienst der Royal Air Force war. In Kairo lernte sie Ken kennen und das hat ihr Leben verändert. Die schwere Zeit des Krieges und die außergewöhnliche mutige junge Frau haben mich sehr beeindruckt. Die Autorin erzählt lebensnah und echt, stets hatte ich das Gefühl direkt dabei zu sein. Sehr viele Emotionen und eine flüssge Schreibweise sowie historische Gegebenheiten prägen das Buch. Es ist eine sehr wertvolle, emotionale Geschichte. Das liegt sicherlich daran, dass dieses Buch die Lebensgeschichte der Großmutter der Autorin erzählt. Das Buch ist ein großer Schatz und ich werde noch lange an diese Geschichte denken.
- Mosab Hassan Yousef
Sohn der Hamas
(23)Aktuelle Rezension von: itwt69Generelle Neuigkeiten oder Ansichten über den Nahost-Konflikt bietet das Buch nicht, jedoch werden interessante Details zur Gründung und den Anfangsjahren der Hamas öffentlich. Kaum zu glauben, dass Mosab dies alles überlebt hat und vom Muslim zum Christen konvertiert ist. Die Geschichte ist zwar schon einige Jahrzehnte alt, jedoch hat sich zur heutigen Zeit überhaupt nichts geändert: Solange es Menschen auf beiden Seiten gibt, denen Krieg wichtiger ist als Frieden, wird es diesen nicht geben. Denn nicht die Hamas oder der Shin Bet sind das Problem - die Gedanken der Menschen bestimmen, was passiert.
- Basma Abdel Aziz
Das Tor
(63)Aktuelle Rezension von: BuckshawDas Tor, aus dem Arabischen übersetzt von Larissa Bender, spielt in einer nicht näher benannten Stadt im Nahen Osten, es ist aber stark anzunehmen, dass es sich um Ägypten handelt. Nach brutal niedergeschlagenen Protesten installiert das Regime einen gigantischen Bürokratieapparat, um die Kontrolle über jede noch so absurde Kleinigkeit im Berufs- und Privatleben der Menschen zu erhalten. Denn für nahezu alles wird eine Genehmigung durch „das Tor“ benötigt. Das Tor steht für eine Regierungsbehörde, steht aber auch ganz sinnbildlich als großes Gebäude in der Stadt. Eigentlich soll eine gewisse Anzahl an Anträgen jeden Tag bearbeitet werden, doch das Tor öffnet sich nicht mehr. Und so wird die Warteschlange der Menschen davor immer länger und länger, die Leute warten erst Tage, dann Wochen, dann Monate in der brütenden Hitze.
Die verschiedenen Charaktere, die dort anstehen werden näher beleuchtet. Da ist zunächst Yahya, um dessen Schicksal herum sich die Erzählung entfaltet. Er wurde bei den Protesten angeschossen und eine Kugel steckt in seinem Körper. Doch die Entfernung einer Kugel muss genehmigt werden und so verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zunehmend während er innerlich blutet. Um ihn herum warten z.B. eine Lehrerin, die einen kritischen Aufsatz vor der Klasse vorgelesen hat und jetzt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung braucht, um weiter arbeiten zu dürfen, eine alte Frau, die für die falsche Partei gestimmt hat und jetzt kein Brot mehr kaufen kann und eine ganze Reihe weiterer Figuren. Einen Blick von außen auf die Warteschlange liefert ein Journalist, der über Yahyas Fall eine Reportage schreiben will und der Arzt Tarik, der innerlich zerrissen ist zwischen dem Wunsch seinen Job zu erledigen und Yahya zu operieren und der Angst vor den Konsequenzen eines solch direkten Verstoßes gegen die Verordnungen des Tors.
Mit der Zeit organisieren sich die Leute in der Schlange, knüpfen Kontakte, tauschen Geschichten aus, diskutieren die aktuellen Entwicklungen und ziehen Geschäfte auf. Währenddessen erlässt das Tor immer wieder neue Verlautbarungen, schreibt die Geschichte um. Am Anfang werden die Proteste, die immer nur als „schändliche Ereignisse“ bezeichnet werden, noch zugegeben, am Ende wird selbst die Existenz der Kugel in Yahyas Körper verleugnet. Damit ändert sich auch die Lage für die Protagonisten immer wieder, bekommt neue absurde Züge. Das ist alles nicht spektakulär und viel Einblick in die Hintergründe der Figuren und ihr Innenleben wird auch nicht gegeben. Ihre Gesamtheit und was sie symbolisieren, das so gezeichnete Gesellschaftsbild ist entscheidend für die Wirkung des Romans. Und mit allen macht die Situation etwas, alle Charaktere verändern sich geprägt durch die Ereignisse. Der Statik der Warteschlange wird so eine gewisse Dynamik durch die Erlasse des Tors und die Figurenentwicklung entgegengesetzt. Die Sprache ist sehr ruhig und nüchtern gehalten, fast schon dokumentarisch. Eine Form, die hervorragend zum Buch passt, so beginnt ja auch jeder Teil mit einem kurzen Auszug aus der Patientenakte von Yahya. Und diese Akte wird fortlaufend aktualisiert, enthält nicht nur medizinische Daten, sondern zunehmend auch Berichte über seine Aktivitäten in der Schlange und seine Kontakte.
Der Roman vermengt kafkaeske surreale Bürokratie, orwellsche totale Überwachung, religiösen Fundamentalismus und die ganz realen Ereignisse und Nachwirkungen rund um den Arabischen Frühling und erzeugt so eine zwar zeitlose, aber auch sehr gegenwärtige Dystopie in einem ganz eigenen Stil. Unter der genretypischen beklemmenden Hoffnungslosigkeit kommt auch immer wieder ein untergründiger Humor zum Vorschein. Dabei herausgekommen ist eine großartige, fein konstruierte Erzählung.
- David Ignatius
Der Mann, der niemals lebte
(79)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderIm Nahenost gibt es den CIA-Agenten Roger Ferris. Nach einer verpatzten Aktion wird er nach Jordanien gesandt, wo er eine Terrorgruppe aufspühren soll. Es wird spannend, gefährlich und nach einem Angriff durch tollwütige Hunde, trifft er im Krankenhaus auf eine wunderschöne Krankenschwester. Er verliebt sich, aber es ist schwierig in dem Land und Ferris hat einiges zu tun. Spannend und mit politischem Hintergrund.
- Delphine Papin
Atlas der Unordnung
(39)Aktuelle Rezension von: HundertmorgenwaldWas sind Grenzen und wie wurden sie festgelegt?
Die Antwort erscheint erstmal einfach, doch es ist ein komplexes Thema, welches Delphine Papin und Bruno Tertrais in diesem Buch angehen.
Der Westfälische Friede 1648 schrieb die ersten Landesgrenzen fest und zwischen Russland und der Türkei wurde schließlich die moderne Staatsgrenze erfunden. So konnte man Epidemien eingrenzen, aber auch verhindern, dass sich jemand seinen Steuern oder der Wehrpflicht entzog.
Die meisten Grenzen entstanden erst nach 1800.
„Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1914 wurde im Zuge der Staatenbildung die ganze Welt eingegrenzt. Mehr als die Hälfte aller Landgrenzen stammt aus den Jahren 1875 bis 1924. Fast zeitgleich schlossen die USA (1890) und Russland (1860) die „Eroberung“ ihrer riesigen Landflächen ab.“
Es gibt „natürliche“ Grenzen (Flüsse und Gebirge) und „künstliche“ Grenzen.
„Natürliche“ Grenzen können dabei genauso komplex, unfair und umstritten sein, wie „künstliche“ Grenzen gerecht und friedliche sein können.
Die französische Originalausgabe erschien 2021. 2020 gab es 311 internationale Landesgrenzen, die zwei Staaten trennen.
In 60 Schaubildern und 5. Kapiteln erläutern Delphine Papin und Bruno Tertrais verschiedene Grenzthematiken.
Kapitel 1: Grenzen als Vermächtnisse
Hier wird z.B. die wachsende Zahl der Grenzen von vor 1800 bis heute aufgezeigt und die verschiedenen Ansichten von Kulturgrenzen.
Kapitel 2: Meere und Grenzen
Wie wird eine Grenze im Meer und im Fluss gezogen? Wo fängt das Hoheitsgebiet an?
Hier geht es vor allem auch um Bodenschätze, Erdölvorkommen und Fischerei. Jede Menge Stoff für Konflikte, in ganz unterschiedlichen Regionen der Erde. Da kriselt es sogar zwischen den USA und Kanada.
Kapitel 3: Mauern und Migration
Welche Mauermodelle gibt es?
Es gibt immer mehr Mauern. 2015 hatte Europa schon fast mehr physische Barrieren an seinen Grenzen als zur Zeit des Kalten Krieges. Grenzen werden zum Friedhof und Pässe und Visum zum Schlüssel. Die Berliner Mauer war da mit 3,6 m im Vergleich zu anderen Mauern noch klein.
Kapitel 4: Spezielle Grenzen
Exterritoriale Liegenschaften, in denen das Gastgeberland keine Hoheitsrechte hat, Enklaven, Mikroländer und absurde Grenzverläufe. In diesem Kapitel finden sich jede Menge Kuriositäten. Z.B. ein Bauernhof in Australien, der zu Groß-Britannien gehört. Oder Belgien hat 22 kleine Enklaven in den Niederlanden. Und in dieser Enklave befinden sich wiederum Enklaven der Niederländer.
Kapitel 5: Umstrittene Grenzen
Fast alle Länder der Erde liegen im Streit um ihre Grenzen. D.h. nicht zwangsläufig, dass es auch Krieg gibt. Auch in Europa gibt es 15 Unstimmigkeiten, darunter auch die Frage, wo am Bodensee die Grenze zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz verläuft. Neben den bekannten „heißen“ Grenzkonflikten versuchen auch Großmächte ihre Grenzen wieder auszuweiten und das ist nicht Putin alleine.
Meine Meinung:
Ich finde das Buch sehr interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel über Grenzen zu sagen gibt. All die Fragen und unterschiedlichen Themen waren sehr spannend. Ganz besonders mochte ich die geschichtlichen Hintergründe und die Erklärungen, wie Grenzen festgelegt werden. Bisher habe ich Grenzen als eher etwas Trennendes erlebt und empfinde das nun anders. Da wo Grenzen klar sind und man sich einig ist, herrscht Ordnung, um den Titel aufzugreifen.
„Eine Grenze bedeutet unter anderem, dass Frieden geschlossen wurde.“ Michel Foucher
Allerdings ist „Der Atlas der Unordnung“ nicht ganz so leicht zu lesen. Obwohl ich denke, dass ich mich in Geografie ganz gut auskenne, musste ich so einige Mal googeln, um etwas zuordnen zu können. Hier hätte ich mir auf jeden Fall mehr Erklärungen gewünscht und auch mehr Hintergrundinformationen zu einzelnen Konflikten.
Die Karten sind komplex und man muss sich Zeit nehmen, um sie in ihrer Vielschichtigkeit zu verstehen. - A. K. Grundig
Ich rette die Welt - aber erst mal eine rauchen
(33)Aktuelle Rezension von: sarah83sbookshelfSind es die Bilder oder die Bilder im Kopf, die einen mehr berühren? Wahrlich kann ein Bild mehr als tausend Worte sagen und doch, ohne Zusammenhang und in einer schieren Reizüberflutung können Bilder einen Film hinterlassen, der die Grausamkeit des Krieges verschleiert. Zudem ist es nicht ungewohnt, dass man bei täglicher Auseinandersetzung abstumpft, doch wo endet die Wahrheit und wo beginnt die Mutmaßung?
Lea reist mit mehreren Journalisten und Fotografen nach Syrien. Noch scheint es alles ruhig, doch der Druckkessel ist zum Bersten gefüllt. Zu viele Interessen prallen auf dem nahezu kleinen Gebiet aufeinander. So dauert es nicht lange, bis die Reporter neben der Berichterstattung immer wieder um ihre Existenz fürchten müssen, wenn sie sich auf die Straßen begeben, um mit den Menschen zu sprechen oder sie durch Fotos am Leben zu erhalten. Doch wer erzählt was, wer hat welches Interesse? Werden sie auf Dauer geduldet oder ist es gar auf Dauer schlicht zu gefährlich?
Doch wo das Gefühl der Angst sich umtreibt, ist auch das Gefühl nach Nähe und so treibt es Lea immer wieder zu dem Mann, der eigentlich nicht der Richtige für sie zu sein scheint. Denn ein Immortal War Baby ist ein Leben lang gezeichnet.
Selbst jetzt da ich das Buch beendet und zur Seite gelegt habe, spüre ich noch diesen Druck auf der Brust. Man weiß um die Kriege und um seine Schrecken. Man kennt die Bilder und Videos. Man weiß, was Menschen anderen Menschen antun können.
Doch ist es für das Format eines Buches, dass die Schmerzen und Leiden spürbarer macht, den Schrecken näher rückt, der die Gedanken für die Ursachen des Krieges befeuert. Das nachdenklich stimmt und gleichzeitig die Geschehnisse par absurdum führt.
Alle Gefühle, die vermeintlich kleinen, wie das Betrunken sein vor der Fahrt ins Ungewisse, oder die großen wie zum einen Liebe und zum anderen Hass, vereinigt das Buch in sich, was es zeitweilig nahezu unerträglich macht es weiter zu lesen.
Dabei ist das Schlimme: Es ist nicht wirklich eine Geschichte - es ist ein Spiegel der Realität.
4 von 5 Zigaretten - Bina Shah
Die Geschichte der schweigenden Frauen
(72)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer50 Atombomben haben gereicht. Beginnend mit einem Krieg zwischen Indien und Pakistan breitet sich der Ultimative Krieg von dort nach Westen aus. Der Schmelztiegel des Nahen und Mittleren Ostens implodiert und reißt die Menschheit in einer Kettenreaktion in den Abgrund. Tausende Atombomben stehen in den monströsen Arsenalen der weltweiten Militärs. Doch es reichten bereits 50 Atombomben aus, um den Nuklearen Winter auszulösen. Binah Shah beschreibt in „Die Geschichte der schweigenden Frauen“ das Ende der bisherigen Welt, die Neuordnung und den gesellschaftlichen Neuanfang unter katastrophalen Voraussetzungen. Zwei, drei Generationen nach der Vernichtung eines großen Teils der Menschheit hat sich viel geändert. Doch wie so häufig nach gesellschaftlichen Umwälzungen, bleiben die strukturellen Herrschaftsverhältnisse die Gleichen. Das Patriarchat hat sich in die Zukunft gerettet.
Die Metropole Greeen City ist die Hauptstadt Südwest-Asiens. Mitten in der Wüste erhebt sich diese gigantische, grüne Oase. Auferstanden aus Ruinen, dem Phönix aus der Asche nicht unähnlich, glänzt dieses moderne, technologisch fortschrittliche und den Bewohnern Sicherheit und Wohlstand bringende Paradies. Im Gegenzug erwartet die Obrigkeit von den Bewohnern Green Citys die Einhaltung restriktiver Regeln. Die Oligarchie mächtiger Männer hat diese schöne Anscheinswelt erschaffen, in der die Menschen in Wirklichkeit wie Untertanen leben, während die Herrschenden in römischer Dekadenz dahinschwelgen. Faktisch hält die Obrigkeit die Menschen mittels Gewalt und Technologie unter totaler Kontrolle. Am schlimmsten ergeht es den Frauen von Green City. Aufgrund des Krieges und Epidemien sind die meisten Frauen gestorben. Um eine neue Gesellschaft aufzubauen, sind Frauen verpflichtet, mehrere Männer zu ehelichen, um so viel Nachwuchs wie möglich zu zeugen.
Sie war eine seltsame Mischung aus Haushaltsschule, Indoktrinierungslager und Märchenschloss. Es wurde erzählt, dass dort alles rosa war. Wenn Jungen ihre Oberschule absolvierten gingen sie zur Universität, aber Mädchen zogen in die Markaz. Um zu lernen, wie man eine gute Gattin wird.
„Oberirdisch sind wir bloß Frauen, aber hier unten, in der Panah, sind wir wieder zu Menschen geworden.“
Die Protagonistinnen dieser misogynen Dystopie sind eine kleine Gruppe junger Frauen, die sich diesem Horrorszenario entziehen. Versteckt in einem alten Bunkersystem unter der Erde, der Panah, sichern sie ihr Überleben, indem sie mächtigen Männern nächtliche Dienste anbieten. Dabei geht es jedoch nicht um Prostitution, sondern um Nähe, um Intimität ohne Sex, um (gespielte) Zuneigung. Etwas was in der Welt der Ausbeutung von Frauen als Gebärmaschinen kaum mehr existiert.
Vielleicht ist es ein Leben im Schatten, aber immerhin befiehlt uns keine Behörde und kein Amt, wen wir heiraten und für wen wir die Beine breit machen müssen. Niemand kann mit unseren Eierstöcken herumexperimentieren, uns mit Fruchtbarkeitsmedikamenten vollpumpen oder unseren Zyklus und die Eiersprünge überwachen. Unsere Körper sind keine Inkubatoren, die die ‚Anzahl der Frauen angemessen vergrößern‘. Oberirdisch sind wir bloß Frauen, aber hier unten, in der Panah, sind wir wieder zu Menschen geworden.
Manche Entscheidungen in der Geschichte der schweigenden Frauen erscheinen unsinnig und irrational, manche Entwicklungen falsch nachgezeichnet. Aber man darf sich nicht von seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen verleiten lassen. Unter den dystopischen Verhältnissen von Green City ist alles anders. Und Binah Shah beschreibt dieses (selbst-)zerstörerische Leben beklemmend real.
Keiner von uns ist normal. Green City hat uns unsere Normalität gestohlen, unsere Kindheit, unsere Zukunft. Was ist überhaupt Normalität? Wir leben unter bizarren Umständen, und entweder kommen wir damit zurecht, oder wir zerbrechen und zersplittern wie Glas. So viel hat mir die Panah beigebracht: Ich habe gelernt meinen eigenen Wahnsinn einfach zu ignorieren.
Es sind diese totalitären Verhältnisse, diese menschenunwürdigen, frauenfeindlichen Bedingungen, die den Alltag beherrschen. Wenn Karl Marx schreibt, der Mensch ist das Ensemble seiner gesellschaftlichen Verhältnisse, dann müssen pathologische Gesellschaften, kranke Individuen hervorbringen.
„Manchmal ist es tröstlicher, über die Vernichtung nachzudenken als über das Überleben.“
Missverständnisse, Kommunikationsprobleme und Geheimnisse führen zu einer gesamten Entwicklung, die niemand vorhergesehen hat und die auch so niemand wollte. Die Geschichte der schweigenden Frauen kann zugleich als ein paradigmatischer Roman des psychologischen Thomas-Theorems gelesen werden.
Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind sie in ihren Konsequenzen wirklich.
Was nichts anderes bedeutet, als das Menschen aufgrund der ihnen zugänglichen Informationen handeln. Und wenn sie eine Situation als real anerkennen, aufgrund ihres Wissens über diese Situation, dann wird ihr Handeln Realität schaffen, auch wenn die ursprüngliche Situation nicht real war. So können z.B. Lügen oder Gerüchte reale Handlungen erzeugen. Mit all ihren schrecklichen Konsequenzen. Bina Shah hat dieses Konzept zu Ende gedacht und in einer erschütternden Geschichte verarbeitet.
Der Roman glänzt nicht mit einem allzu ausgereiften Worldbuilding. Die Rahmenbedingungen werden zwar weitestgehend stimmig geschildert, bleiben aber hinter den Möglichkeiten des Genres zurück. Ein Meisterwerk der dystopischen oder der Science Fiction Literatur wird es nicht werden. Aber das steht hier auch nicht im Vordergrund, vielmehr werden gesellschaftliche Entwicklungen und die aktuelle Gegenwart ein wenig in die Zukunft transponiert, um als feministische Parabel ihre Kraft auf das Hier und Jetzt zu entfalten. Der Fokus liegt auf den Protagonistinnen, auf deren Leben und Erleben. Und hier liegt auch die Stärke des Romans, der zunehmend an Spannung und Geschwindigkeit gewinnt, um konsequent auf eine Tragödie zuzusteuern.
Eine Verbindung zu Margaret Atwoods Der Report der Magd zu ziehen, liegt nahe. Binah Shah betont aber, lediglich davon inspiriert worden zu sein. Die wirkliche Nähe beider Romane liegt denn auch in der feministischen Lesart und weniger im Setting.
„Sabine hatte zwar die Kämpfe nicht hautnah miterlebt, doch das hieß nicht, dass sie nicht ihren eigenen Krieg geführt hatte.“
Die Geschichte der schweigenden Frauen ist eine dystopische Parabel, die Genreliebhaber*innen eine kurzweilige Unterhaltung bietet, die aber vor allem als feministische Literatur zu wirken vermag. In Zeiten zunehmender Frauenfeindlichkeit und immer noch zahlreichen Gesellschaften mit brutaler Unterdrückung von Frauen, ist diese Dystopie, die zu sensibilisieren vermag, die Empathiefähigkeit fordert und fördert und die letztlich zur Rebellion gegen Ungerechtigkeiten provoziert, ein mutiger und unbedingt lesenswerter Roman.
- Batya Gur
Denn am Sabbat sollst du ruhen
(58)Aktuelle Rezension von: SarangeIch wusste noch, dass der Auftakt der Ochajon-Reihe nicht der Knaller ist (schließlich hatte ich mir damals nach dem ersten Lesen diesen Band bewusst nicht zugelegt), aber dass er so lahm ist... Die Kriminalhandlung wird nur sehr zögerlich entfaltet und kommt bis kurz vorm Ende nicht recht in die Gänge, die Figuren drehen sich seiten- und kapitellang im Kreis, ich wurde nicht warm mit ihnen und konnte auch nicht die immer mal wieder von der Autorin behauptete, aber nie wirklich gezeigte Aufregung rund um den Fall nachvollziehen.
Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich wirklich die ganze Reihe rereaden möchte. Dabei hatte ich nach einem Reread der Lisi-Badichi-Reihe (von Shulamit Lapid) im letzten Jahr Lust, mich wieder krimitechnisch nach Israel zu begeben. Batya Gurs Ochajon-Start hat mich jetzt allerdings doch ziemlich ausgebremst... Vielleicht gebe ich der Reihe später im Sommer nochmal eine Chance, aber sicher bin ich mir da, wie gesagt, nicht.
Zwei Sterne für die guten Grundideen rund um die Psychoanalyseszene, die aber (für meinen Geschmack) unfassbar öde und langatmig umgesetzt wurden. Lest zu dieser Thematik lieber Siri Hustvedt oder Lily Brett...























