Bücher mit dem Tag "narzissmus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "narzissmus" gekennzeichnet haben.

87 Bücher

  1. Cover des Buches Er ist wieder da (ISBN: 9783404171781)
    Timur Vermes

    Er ist wieder da

     (3.351)
    Aktuelle Rezension von: AlisonBurgers

    Der Autor beeindruckt durch fantastisch gewählte Sprache, insbesondere in Konversationen und inneren Monologen. Gepaart mit viel Phantasie und guter Recherche lässt Timur Vermes die Geschichte erschreckend real wirken. Wer mit diesem Humor klarkommt wird das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Einziger, kleiner Makel: das Niveau kann nicht komplett durchgehend bis zum Ende gehalten werden. 

  2. Cover des Buches Gone Girl - Das perfekte Opfer (ISBN: 9783596520725)
    Gillian Flynn

    Gone Girl - Das perfekte Opfer

     (1.628)
    Aktuelle Rezension von: Woerterkatze

    Ich habe das Buch nun in der Nacht beendet und ich muss sagen, dass mich selten ein Buch so wütend zurück gelassen hat. Aber nun erst einmal von Beginn an. Die Aufteilung mit den drei Teilen fand ich sehr gelungen und auch, dass von vorneherein nicht klar war, was wirklich passiert ist. Wer mein Gezwitscher unter dem #GoneGirl mitbekommen hat, der hat auch da bereits gemerkt, wie mir das Buch auf den Zeiger gegangen ist. Dabei meine ich nicht den Schreibstil, denn der hat mir doch der Kraftausdrücke noch gut gefallen, aber die Charaktere und damit meine ich allesamt und nicht nur Nick und Amy waren mir unsympathisch von Beginn an.
    Nick ist für mich zunächst nur jemand, der immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Nur nicht anecken, nur nicht so werden wie sein Vater, sondern immer nur gut und lieb. Ah, ging er mir auf den Keks. Denn in Wahrheit ist er so nicht und als ich endlich Hoffnung hatte, dass er endlich erwachsen wird und sich auch mal wehrt, knickt er wieder ein. Himmel hat er mich genervt.
    Aber ein Charakter, hätte ich während des ganzen Romans schütteln wollen, und gelinde gesagt, einmal war ich sogar richtig froh, dass ihr nicht alles gelang. Amy Elliott Dunne ist ein furchtbarer Charakter, so unsympathisch und falsch, manipulativ und arrogant ist mir selten untergekommen, wieso schreibe ich eigentlich selten, besser wäre noch nie.
    Am bescheuersten fand ich ihre Eltern. In diesem Punkt muss ich Nick recht geben, sie haben dieses Monster erschaffen und sehen es nicht. Ebenso daneben fand ich die Cops und auch Desi. Es ist wahrlich eine Kunst es hinzu bekommen, dass man als Leser mit keiner einzigen Figur der Handlung Mitleid oder Sympathie empfindet und auch diese Kunst ist auf der anderen Seite wiederum grandios.
    Dafür mich allerdings die Liebe zu einem Buch auch an den Charakteren hängt hat mich “Gone Girl” nicht so mitgerissen wie andere. Ich fand die Idee gut, die hinter Amys Motivation stand, aber nicht die Art der Ausführung und auch der blinde Glaube der Eltern, dass Amy einfach wundervoll ist. Auch der Schreibstil hat mich angesprochen mit dem Wechsel der Perspektive, aber gelinde gesagt, Amys Tagebuch war mir zu glatt und irgendwie habe ich immer im Hinterkopf eine Stimme gehabt, die mich warnte: Kann nicht sein, kann nicht sein…
    Vielleicht hätte mich das Buch noch etwas versöhnter zurückgelassen, wenn das Ende gestimmt hätte, für mich persönlich gestimmt hätte. Aber das war es einfach nicht, was ich vom Schluss erwartet habe. Denn wie falsch kann ein Bild in der Öffentlichkeit sein und wie ignorant die ermittelnden Beamten. Alles für mich nicht ganz schlüssig und auch etwas eigen.
    Eins hat dieses Buch aber bereits geschafft, dass ich mir die Verfilmung mit Sicherheit nicht auch noch antun werde. Egal ob Ben Affleck oder nicht, nein danke!

    Fazit

    “Gone Girl” von Gillian Flynn hätte mich mit ihrer Idee und den Aufbau überzeugen können, wäre da nicht die komplett unsympathischen Charaktere und das für mich unbefriedigende Ende.

  3. Cover des Buches Leichenblässe (ISBN: 9783499248597)
    Simon Beckett

    Leichenblässe

     (2.461)
    Aktuelle Rezension von: LadyBadWolf


    ♡ Allgemein ♡
    Wie bereits von der David Hunter Reihe, ist Leichenblässe in der Ich-Perspektive aus der Sicht des Doktors verfasst. Nur diesmal hat Beckett einen weiteren Faden eingebaut. Bisher hat er immer nur die stringente Story des Doktors niedergeschrieben. Jetzt ist ein weiterer Faden gesponnen, der noch eine zweite Ebene einfügt. Das fand ich sehr spannend!

    ♡ Story ♡
    Juhu, Bodyfarm! Ich fand die Bodyfarm vorher schon immer sehr spannend, daher mochte ich das Setting dort sehr - auch wenn es gar nicht so sehr im Vordergrund stand. Trotzdem hat man wieder was Interessantes ais der Story mitgenommen. Das liebe ich ja an der Reihe!
    Und auch dieser Band war unglaublich spannend. Zumindest ich hatte keine Seite Langeweile.

    ♡ Gesamt ♡
    Ich kann wie immer gar nicht so viel sagen ohne zu spoilern. Aber so viel sei gesagt: für mich war das der beste Band bisher. Erfrischend im Aufbau und och hoffe, dass auch die nächsten Bände mich überraschen können! :D
    5 von 5 Sterne ♡

  4. Cover des Buches Ausgelöscht (ISBN: 9783404169399)
    Cody McFadyen

    Ausgelöscht

     (1.591)
    Aktuelle Rezension von: Fuexchen

    Der Tod war bei dir, und du wünschst, er hätte dich nicht am Leben gelassen…
    „Ich habe ein Geschenk für dich, Special Agent Barrett.“
    Smoky Barrett sieht von ihrem Handy auf. Die anderen Hochzeitsgäste blicken auf das Brautpaar vor dem Altar. Motorenheulen durchbricht die Stille. Ein Lieferwagen hält vor der Kirche, und eine Frau wird auf die Straße gestoßen. Ihr Kopf ist kahl geschoren; sie trägt ein weißes Nachthemd. Sie taumelt auf den Altar zu, fällt auf die Knie und stößt einen lautlosen Schrei aus. Smoky findet heraus, dass die Frau vor sieben Jahren verschwunden ist. Sie kann nicht über das reden, was ihr zugestoßen ist: Jemand hat eine Lobotomie an ihr durchgeführt und die Nervenbahnen ihres Gehirns durchschnitten. Sie ist nicht tot, vegetiert aber als leblose Hülle vor sich hin. Es wird weitere Opfer geben.

    Ich kenne bereits die drei vorangegangenen Teile über Smoky Barrett, so war es für mich nicht verwunderlich, dass ich mit dem Schreibstil des Autors Cody McFadyen gut zurechtkam. Es geht schonungslos zur Sache, was für manche vielleicht gewöhnungsbedürftig ist, ich hatte jedoch keine Einstiegsschwierigkeiten.

    Es gibt zwei Erzählstränge in der Geschichte. Einmal wird aus der Perspektive von Special Agent Barrett in der Ich-Form erzählt. Der andere Handlungsstrang wird in der dritten Person erzählt, so dass man hier auch gar nicht durcheinander kommen kann.

    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und besitzen die nötigte Tiefe, so dass ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Einzig ihr ständiges Gerede über Sex fand ich nicht authentisch. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass im prüden Amerika unter Arbeitskollegen so geredet wird. Hier wäre weniger für meinen Geschmack besser. 

    Das Cover gefällt mir und die Beschreibung weckte meine Neugierde. Ich muss aber auch sagen, dass ich die Reihe eh weitergelesen hätte, weil sie mir richtig gut gefällt.

    Insgesamt ein spannender Thriller, der mir mit einer komplexen Story eine tolle Lesezeit bereitete. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und vier Sterne.

  5. Cover des Buches Selection – Die Kronprinzessin (ISBN: 9783733501389)
    Kiera Cass

    Selection – Die Kronprinzessin

     (2.047)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald

    Nachdem ich die ersten 3 Teile im Sommer verschlungen habe, hat mich nun die Muse endlich wieder für Band 4 und 5 gepackt… Joooaa hätt ich mir sparen können.

    Diesmal erleben wir das Casting aus der Sicht von Americas und Maxons Tochter Eadlyn, Kronprinzessin und Oberzicke von Illeá, die sich unter 35 schnuckligen Männern einen aussuchen darf. 

    Vorab: Ein toller Ansatz, das Casting mal von der anderen Seite zu betrachten und diesmal eine Frau bei der Qual der Wahl zu begleiten… leider hat die Geschichte dadurch aber einige Schwächen. 

    Fangen wir mal bei Eadlyn an. Ich konnte sie leider von Anfang an nicht ausstehen. Empathielos, herablassend, aufbrausend und gleichzeitig super sensibel. Ein Mädchen, das alles haben will, aber null Gespür dafür hat, wie man es erreicht. Das Motto „Man erntet was man sät“ hat sie leider auch am Ende des Buches noch nicht überrissen, dafür gilt ständig „Eadlyn first“.

    Die vielen jungen Männer.. das ist mein Hauptmanko. Dadurch, dass man Eadlyn beim Casting begleitet, werden alle Bewerber gleichgestellt. Man kriegt von einigen ein bisschen was mit, von einigen gar nix und ich hab das Gefühl, dass sie eigentlich alle dieselben Puppis mit verschiedenen Namen sind. Aber klar, der Fokus kann halt nicht nur bei einem liegen. 

    Eadlyn und ich werden keine Freundinnen mehr. Die Jungs sind bis jetzt ganz nett, ich hoffe man kriegt jetzt dann mal mehr von ihnen mit. Die Geschichte drum herum finde ich allerdings ganz gut, das Familienkonstrukt im Palast, der Status der Monarchie in Illeá, der Werdegang einiger Charaktere aus den ersten Bänden.. reicht aber für mich nicht. Das Nebenher-Blabla kann ja nicht besser sein als der Hauptplot. 

    Ich habe mit Band 5 bereits angefangen und ich fühle mich in dem bestätigt, was ich von Anfang an vermutet habe. Band 4 ist eine Katastrophe, schafft aber eine richtig gute Basis für den nächsten Teil. Schade, dass es dafür ein ganzes Buch braucht.


  6. Cover des Buches Das Schweigen der Lämmer (ISBN: 9783453432086)
    Thomas Harris

    Das Schweigen der Lämmer

     (850)
    Aktuelle Rezension von: JennyWa

    Inhaltsangabe: 

    Nur ein Mann kann dem FBI noch helfen, den geistesgestörten Frauenmörder „Buffalo Bill“ zu finden: Dr. Hannibal Lecter, der wegen einer Reihe von Verbrechen in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik verwahrt wird. Die junge FBI-Agentin Clarice Starling soll ihn verhören … 

    Autor:

    Thomas Harris, am 11. April 1940 in Jackson geboren, ist ein US-amerikanischer Autor. Er studierte in Waco, Texas und arbeitete nebenbei schon in der Redaktion einer Lokalzeitung als Journalist. Anschließend fängt er an als Kriminalreporter für Associated Press in New York zu arbeiten. Hier schreibt er hauptsächlich über Gewaltkriminalität in den USA und Mexiko. Seinen Durchbruch schaffte er mit seinem Buch „Das Schweigen der Lämmer“  , das 1988 wochenlang die Bestsellerlisten der New York Times anführt. Die erfolgreiche Verfilmung mit Anthony Hopkins erhält zudem einen Oscar als bester Film, insgesamt aber 5 Oscars. Auch die folgenden Bände der Hannibal-Lecter-Tetralogie wurden zu Weltbestsellern und bescherrten ihm internationalen Erfolg. Alle seine Bücher wurden bisher verfilmt. 

    Inhalt: 

    Clarice Starling wird vom FBI-Agent Crawford zu sich gerufen. Er möchte eine Datenbank erstellen mit allen Psychogrammen von Serienmördern. Ein entscheidender Killer fehlt noch  - Dr. Hannibal Lecter. Sterling wird deutlichst gewarnt, dass Lecter ein Monster ist und sie ihm nichts von sich privat preisgeben soll. 

    Dr. Lecter schickt Starling auf eine Reise um ein Auto eines seiner Opfer zu finden. Darin soll sich ein Beweis finden. Er nennt es sein Valentinsgruß für sie. Nachdem sie das Valentinstagsgeschenk von Lecter gefunden hat, wird Starling in den Buffalo Bill - Fall eingeweiht. Sein jüngstes Opfer wurde gefunden und sie muss helfen die junge Frau zu identifizieren und eventuell weitere Spuren auf der Leiche zu finden. 

    Ein neues Opfer wird vermisst und Starling wird vom Fall abgezogen, jedoch ermittelt sie weiter. Schließlich steht sie Buffalo Bill allein gegenüber... 

    Meine Meinung: 

    Natürlich hatte ich zuvor schon die Verfilmung gesehen. War jedoch erstaunt wie detailliert dieser dem Buch nach gedreht wurde. Ich fand es von Anfang an spannend und fieberte mit Starling mit. Es gibt einen Stern Abzug, da es leider nicht viele 'Aha'-Momente gab, wenn man den Film bereits gesehen hat!! 

    Personen: 

    ×Clarice M. Starling:   

    *lernt auf der FBI-Academy   

    *2 Abschlüsse in Psychologie &       Kriminologie  -> Therapeutin   

    *Abschluss in forensischer Chemie 


    ×Dr. Hannibal Lecter:   

    * ein eher kleiner Mann, sehr gepflegt   

    * besitzt an der linken Hand sechs Finger   *kastanienbraune Augen, die das Licht leicht rot reflektieren

  7. Cover des Buches Vater unser (ISBN: 9783446262591)
    Angela Lehner

    Vater unser

     (93)
    Aktuelle Rezension von: BirPet

    Dieses Buch ist eine solche Achterbahnfahrt, dass ich noch heute, 3 Tage nach Beendigung ziemlichen Schwindel spüre. Die Achterbahnfahrt befindet sich im Kopf der Protagonistin und dort hinein steigt der/die Leser*in direkt ab Seite 1. Eva Gruber heißt die junge Frau, die uns mitnimmt in ihre Wahrnehmung, durch ihre Augen sehen wird, ihre Gedanken lesen wir und was da Realitität und Fiktion ist, bzw einzig Eva’s subjektive Wahrnehmung, völlig gelöst von der Wahrheit bleibt ein Geheimnis. Eva wird, laut eigener Aussage in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, nachdem sie mit einer Pistole eine ganze Kindergartenklasse erschossen hat. Dies zumindest gibt sie als Grund an, als ihr behandelnder Psychiater in dem ‚Otto-Wagner-Spital‘ in Wien sie fragt, ob sie weiß, warum sie hier ist. Dass dies nicht stimmen kann steht außer Frage, aber was wirklich passiert ist, bleibt auch offen. Was im Verlauf klar wird, ist, dass Eva allerdings eine Gefahr darstellt, für andere und auch irgendwie für sich selber. Sie wollte unbedingt in dieses Spital, denn dort wird ihr jüngerer Bruder Bernhard stationär behandelt wegen ausgeprägter Magersucht, nur noch Haut und Knochen, der allerdings zunächst keinerlei Kontakt mit Eva will. Aufgrund ihrer unfassbar manipulativen Art schafft sie es schließlich doch Bernhard um den Finger zu wickeln. Sie will ihn retten, vor allem will sie mit ihm den Vater töten, ‚unser Geschwür ist der Vater … er dringt uns aus den Poren … kriecht uns den Rache herauf, wenn wir uns verschlucken‘, denn dieser scheint und ist für die Geschwister Kern all ihres Leids. Was es mit dem Vater auf sich hat, wird nicht ganz klar, erst sind beide Elternteile tot, der Vater hat Suizid begangen, dann wiederum lebt er wieder und sie will ihn nun töten um endlich Frieden und Erlösung zu finden. Es wird von liebevollen Szenen mit dem Vater berichtet, dann aber von Missbrauch durch ihn. Das Verhältnis zum Psychiater, den Eva lediglich beim Nachnamen nennt ohne Anrede, ist auch nicht zu durchschauen, zu vertraut, zu eng, zu unprofessionell, wie zwei Bekannte, die sich zum quatschen treffen. Eva’s Ziel ist es Bernhard die Flucht zu ermöglichen, vor den Schläuchen, der Zwangsernährung und mit ihm dann den Vater zu töten. Auf dem Weg zu diesem Ziel erleben wir Eva in ihrem Dasein und einzig aus ihrem Blickwinkel. Das ist manchmal zum schmunzeln, aber nur ganz kurz, denn dann blieb mir an anderen Stellen sinnbildlich der Mund offen stehen. Eva ist nicht nur hoch manipulativ und gefährlich, sie ist auch taktlos, überheblich und hochmütig, süffisant, provokant, zynisch, lakonisch, sarkastisch, unterhaltsam und eine notorische Lügnerin. Was ihr Verhalten den Mitmenschen gegenüber betrifft kennt Eva keinerlei Scheu oder Hemmungen, unterscheidet nicht zwischen fremd und bekannt, zwischen Mitpatient oder Therapeut. 

    Mein Lesejahr 2020 startet direkt mit einem Highlight und ich hoffe sehr weiteres von Angela Lehner zu lesen. Ich werde diesen Roman erneut lesen, ich habe ihn nach dem Lesen bereits mehrmals überflogen, manches sah ich bereits anders, denn das Ende hinterließ mich mit zig Fragen. Manches Mal habe ich mir gewünscht Eva einfach fest zu umarmen und ihr zu sagen ‚alles wird gut‘ und wäre dann aber wohl eine eben solche Lügnerin. Egal was Eva und Bernhard geschehen ist, gut wird es nicht mehr. Ganz ganz klare Leseempfehlung, ein einschlagendes Leseerlebnis mit unvergesslichen Figuren und Geschehnissen.

  8. Cover des Buches Narziß und Goldmund (ISBN: 9783518463567)
    Hermann Hesse

    Narziß und Goldmund

     (676)
    Aktuelle Rezension von: LauraliestBuecher

    Inhalt (einige, kleinere Spoiler)

    Der Zögling Narziss ist in dem Kloster Mariabronn trotz seines geringen Alters als Lehrer tätig und in seinen geistigen Fähigkeiten unübertroffen. Er lebt zwar in allseitiger Anerkennung seiner Klosterbrüder, fühlt sich ihnen jedoch nicht verbunden.

    Seinem Gegenteil begegnet er in Form von Goldmund. Dieser Junge aus reichem Hause wird dem Kloster als Schüler geschickt und ist sofort von seinem Lehrer begeistert. Auf kindliche, unschuldige Art versucht Goldmund Narziss zu beeindrucken, dessen gelehrtes Wesen er als Ideal nachahmt. So entsteht vor den Augen des Lesers eine ungleiche Freundschaft zwischen den titelgebenden Figuren dieses Romans. Auf logikversierte Art und Weise überzeugt Narziss seinen Freund dazu, nicht ein Gelehrtenleben zu führen, sondern erinnert Goldmund an sein eigentliches, künstlerisch-träumerisches Wesen. Dieser bricht daraufhin Hals über Kopf auf, um seine Reise durch das Land zu beginnen und verlässt das Kloster.

    Wir begleiten Goldmund durch sein Leben, beobachten, wie er ein ums andere Mal Frauen verführt und in der Wolllust aufgeht, Liebe zu einer Ritterstochter entwickelt, Hunger und Leid übersteht, die Pest miterlebt, mit dem Tod, mehrmals auch durch eigene Hand herbeigeführt, konfrontiert wird und seine Eindrücke in Form von Kunst verarbeitet.

    Meinung

    Ein Muss für alle Leser. Vor allem der Schreibstil hat das Lesen dieses Romans sehr angenehm gemacht und ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Hermann Hesse schafft es, trotz der relativ gut ausgearbeiteten Persönlichkeit von Goldmund immer noch, Fragen aufzuwerfen, die sich sicherlich ein jeder schon einmal über das Leben gestellt hat, sodass Goldmund, dessen Rolle zu einem großen Teil darin besteht, ein Negativbild Narzisses darzustellen, trotzdem zugänglich wirkt und es leicht fällt, sich in die Lage des jungen Mannes zu versetzen.

    Einen Stern musste ich trotz dessen abziehen, da sich einige Szenen inhaltlich kaum voneinander unterscheiden und wie Wiederholungen voneinander wirkten (z.B. viele Reiseberichte, die man in der Theorie hätte auslassen können und durch die ich mich leider etwas durchquälen musste).


  9. Cover des Buches Die Wahrheit über Alice (ISBN: 9783499255076)
    Rebecca James

    Die Wahrheit über Alice

     (790)
    Aktuelle Rezension von: laraantonia

    MEINE MEINUNG
    Das Buch lag nun schon seit Jahren auf meinem SuB und endlich habe ich es erlöst. Das Cover ist ganz okay, auch wenn es mich mittlerweile nicht mehr ansprechen würde.

    Katherine möchte, seitdem sie die Schule gewechselt hat, am liebsten in der Masse untertauchen und nicht auffallen. Aber da hat sie nicht mit Alice gerechnet, dem beliebtesten Mädchen der Schule, das sie aus dem Nichts zu ihrer Party einlädt. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, in der die eine kaum noch ohne die andere zu sehen ist. Bis Alice sich plötzlich seltsam verhält und eine ganz andere, gruselige Seite von sich zeigt.

    Katherine ist gerade erst umgezogen, um nicht ständig mit dem Vorfall ihrer kleinen Schwester konfrontiert zu werden. Aus dem partybegeisterten und beliebten Mädchen ist nun eine graue Maus geworden, die nicht auffallen möchte. Durch Alice rafft sie sich allerdings immer mehr auf und beginnt, das Leben wieder in vollen Zügen zu genießen, während die dunkel Gedanken sie immer noch verfolgen.
    Alice ist ein Mädchen, das in den Tag hinein lebt, sich nicht um die Meinung anderer kümmert und einen sehr einnehmenden und außergewöhnlichen Charakter hat. Sie treibt gerne kleine Spielchen, die andere verletzen, doch das kümmert sie nicht.

    Mit beiden Charakteren konnte ich nicht viel anfangen. Zu Katherine habe ich keinerlei Verbindung gehabt, aber sie war mir nicht wirklich unsympathisch.
    Dass ich mit Alice nicht wirklich sympathisieren würde, war nach dem Klappentext natürlich klar. Gleichzeitig war ihr Charakter natürlich viel interessanter, sodass ich stets mehr über sie und ihr Leben erfahren wollte.

    Geschrieben ist der Roman in der Ich-Form aus Katherines Perspektive, die teils in ihrer Vergangenheit spielt und so die Geschichte ihrer Schwester aufarbeitet. Gleichzeitig gibt es Blicke in die "Zukunft", die mir persönlich schon zu viel gespoilert haben. Natürlich wurde nicht das Ende verraten, aber ich hätte es schöner gefunden, ohne die Zukunfts-Kapitel zu lesen. Der Schreibstil ist okay, aber er hat mir nicht wirklich zusagen können.

    Auch die Handlung hat mir nicht so sehr zugesagt, wie erwartet. Die Ausgangslage ist super interessant und zunächst wurde ich fast magisch eingesogen in die Welt von Alice. Doch der Zauber lässt schnell nach und die Handlung plätschert sehr vor sich hin. Alice ist zwar wirklich eine intrige, narzisstische und böse Person, doch irgendwie hatte ich mit schrecklicheren Taten ihrer Seite gerechnet. So war es zwar wirklich nicht nett, doch etwas flach.
    Auch Katherines Vergangenheit wurde nicht wirklich schön aufgearbeitet und letztlich hat mir hier ganz klar eine Trigger-Warnung gefehlt. Als ich gemerkt habe, in welche Richtung das geht, musste ich einige Seiten überspringen, weil ich es einfach schrecklich fand.

    Nebenbei werden noch einige andere Handlungsstränge angerissen, die bei mir eher für Verwirrung gesorgt haben, als für eine neue Spannung. So tauchen neue Charaktere auf, über deren Verbundenheit mit der Geschichte ich mir bis zum Ende nicht sicher war. Allgemein waren viele Szenen sehr belanglos und schienen nicht wirklich nötig für das Buch.

    FAZIT
    Eine spannende Idee, die an der Umsetzung leider sehr gescheitert ist. Weder Schreibstil, noch Handlung konnten mich überzeugen, sodass ich das Buch mit einem enttäuschten Gefühl beendet habe.
  10. Cover des Buches Bestie Mensch (ISBN: 9783499620928)
    Thomas Müller

    Bestie Mensch

     (67)
    Aktuelle Rezension von: Giuse
    Das Fachbuch für einen um Definitionen ringenden Leser. 
    Das unfassbare Grauen gegenüber Serienmördern macht es unmöglich, Begriffe zu finden, Unsagbares in Worte zu giessen und es zu relativieren. Dem gegenüber setzt der Kriminalpsychologe die Beobachtung und die Analyse.

    Thomas Müller zeigt mehr, als Portraits von Serienmördern. Mit Hilfe einer Anzahl von Berichten erstellt er das plastische Abbild eines funktionierenden Wahns. Man erkennt den dünnen Riss zwischen Normalität und Todesgefahr, zwischen soziopositivem Verhalten und Zerstörungswillen.

    Die Lebensgeschichte von Serienmördern zeigt rückblickend eine mögliche Entwicklungsrichtung auf. Dass der Mensch sich entscheidet, ist ihm selbst überlassen und Thomas Müller versteht nicht, er vollzieht archivarisch eine Entwicklung nach. Daraus zieht er Schlüsse und sieht Handlungsmöglichkeiten voraus.

    Ich habe das Buch sehr langsam gelesen. Es hat mich in Gedanken durch den Tag begleitet. Es hat bei mir eine Wirkung hinterlassen, wie nur wenig Bücher es tun. Es hat meine Wahrnehmung geschult. Es hat meine Fähigkeiten verstärkt, Verhaltensmotive zu sehen.

    Das Buch fand ich einigermassen gut geschrieben, das ist mir bei dieser Art Buch nicht wichtig, so habe ich 5 Sternen gegeben.

  11. Cover des Buches Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie (ISBN: 9783833310270)
    Katherine Dunn

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

     (53)
    Aktuelle Rezension von: Stephan59

    „Binewskis, Verfall einer radioaktiven Familie“, allein schon die irritierende Abnormität des Titels lud mich ein, als ich zufällig auf diesen Roman von Katherine Dunn stieß, es zu lesen.

    Und: der Inhalt ist noch viel schlimmer! Schräg auf jeden Fall, dabei schwankend zwischen hinreißend und abstoßend, weil Dunn letztlich nichts auslässt, was ihr beim Schreiben wohl als Idee durch den Kopf geschossen sein mag.

    Bizarr ist sie, diese Zirkusfamilie, die das „Abnorme“ zum Kult erhebt und ihr Anderssein zum Lebensmotto macht. Ein Albino mit Buckel, der Bruder eine Art Fisch mit Flossen, die Zwillinge natürlich siamesisch. Hier wird Andersartigkeit zum Privileg. Die absolut freakige Geschichte mit ihrem eigenen, zum Teil absolut abseitigen Humor hat mich gefesselt. Nur zum Ende hin, im letzten Drittel, nachdem ich den religiösen Kult der Arturer mit ihren operativen Selbstverstümmelungen noch halbwegs annehmen konnte, wiederholt sich das Ganze noch einmal, nur dass Olympia, der bucklige Albino mit der faszinierenden Stimme nun gezwungen ist, gerade dies zu verhindern, um den letzten Spross der Familie davor zu bewahren. In der zweiten Hälfte waren mir auch zu viele Längen im Text und ich blieb nur dran, um die Entwicklung zum Ende hin noch zu lesen. Aber insgesamt, ein tolles Buch.

  12. Cover des Buches Der Feind an meiner Seite (ISBN: 9783959102117)
    Johanna Winter

    Der Feind an meiner Seite

     (16)
    Aktuelle Rezension von: pumuckel
    Die Autorin erzählt ihre eigene Geschichte. Die Geschichte beschreibt ihr Kennenlernen, die darauf folgende Hochzeit mit Rolf und den Horror danach. Johanna sucht die Fehler bei sich und merkt zu spät, dass ihr Ehemann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat.

    Es ist eine Geschichte, die einen fassungslos zurücklässt. Man erlebt beim Lesen viele Emotionen, wie Wut, Traurigkeit und Verständnislosigkeit. Aber diese Geschichte regt zum Nachdenken an und gibt einem eine sehr persönliche Sicht auf die Geschehnisse. Man fühlt mit Johanna mit. Es kann betroffenen Mut machen und auch anderen zeigen, wie man solche Beziehungen erkennt. Sie zeigt, dass es einen Weg aus der persönlichen Hölle gibt und dafür bewundere ich sie.
    Es ist zwar noch ein langer Weg für sie und es wird auch nie aus ihrem Leben verschwinden, aber sie hatte den Mut den Weg aus der Situation zu suchen und ihn auch zu gehen.

    Da ich finde, dass sich jeder mit diesem Thema auseinandersetzen sollte kann ich nur jedem empfehlen dieses Buch einmal zu lesen.
  13. Cover des Buches Zärtlich ist die Nacht (ISBN: 9783423140577)
    F. Scott Fitzgerald

    Zärtlich ist die Nacht

     (58)
    Aktuelle Rezension von: damentennis
    Vor einem Menschen, der alle Bücher von F. Scott Fitzgerald derart auseinanderhalten kann, dass er die Personen und Orte und Hadlungsstränge, die sich ja immer sehr ähnlich sind, präzise den jeweiligen Buchtiteln zuordnen kann, ziehe ich jederzeit den Hut, das halte ich für eine große Leistung. War das jetzt Anthony Patch? Amaury Blane? Oder wer handelt hier in "Zärtlich ist die Nacht"? Ich selber weiß es nicht mehr, aber das ist auch egal, denn Bücher von Fitzgerald sind nicht nur immer ähnlich, sondern auch immer super. Wer den Großen Gatsby mag, der mag auch "Die Schönen und Verdammten", mag eben auch dieses Buch hier. Storyline: Mann und Frau, Hollywood, Liebe, leere Welt, vage Gefühle, schöne Sprache, Prunk und Scheitern, Borniertheit und Schönheit. Ob nach der Lektüre von drei oder vier ja immer recht langen Büchern von Fitzgerald erste Ermüdungserscheinungen einsetzen, weiß ich nicht. Sicher, die ersten beiden Bücher sind wahrscheinlich die schönsten, wie auch die ersten beiden Biere immer die leckersten sind, aber da zumindest ich auch das siebte und achte Bier immer ohne zu meckern trinke, möchte ich auch Fitzgerald nach all den Büchern keine Abgestandenheit anlasten. Sonder eher: ihn pauschal loben, ihn verehren und ihm danken, dass er so viele Bücher geschrieben hat, die zwar alle gleich sind, aber eben auch alle cool. Amaury Blane war aber am coolsten, und der spielt hier leider nicht mit.
  14. Cover des Buches The Picture of Dorian Gray (ISBN: 9783526418085)
    Kieran McGovern

    The Picture of Dorian Gray

     (53)
    Aktuelle Rezension von: Gittenen2

    Die Stimmung an Anfang war wunderschön und  poetisch ausgedrückt .Ich mochte sehr wie Wilde den Lebensweg Dorians beschrieb.
    Für mich ist Henry jedoch nicht der Faustus zu dem er in der meisten Literaturkritik gemacht wird.

    Ich finde man sollte auch die Stimme des Autors nicht vergessen,wenn man das bewertet. Wilde würde seine Hauptfigur ,die den Hedonismus verkörpert, doch nicht als den absolut "" Bösen " gestalten, wenn er doch Kritik an der zugeknöpften viktorianischen Gesellschaft ausübt ( und die trieft bei jeder  gesellschaftlichen Zusammenkunft), für die jegliches Vergnügen Unmoral ist.Es lässt sich auch nur verführen, wer sich verführen lässt,meist unerfahrene und labile Charaktere.

    Wilde selbst ist ja von der Gesellschaft zum " Bösen" erklärt worden, er musste ins Gefängnis nur weil er bisexuell war.Ich denke auch weil er ungemütlich für sie war

    Die Verwendung der Perspektiven fand ich sehr interessant . Am Anfang ist es aus der Sicht von Lord Henry geschrieben. Als er Dorian kennenlernte, wechselte die Perspektive fast vollständig auf Dorian. Als ob er " introduced" worden wäre

  15. Cover des Buches Die Schopenhauer-Kur (ISBN: 9783442740451)
    Irvin D. Yalom

    Die Schopenhauer-Kur

     (114)
    Aktuelle Rezension von: dominona
    Dieses Buch ist, wie alles, was ich bisher vom Autor gelesen habe, eine Symbiose aus Psychologie und Philosophie. Ich glaube jeder, der sich Gedanken über die Beziehungen zwischen Menschen macht, kann etwas aus diesem Buch für sich herausfiltern. Anfangs haben mich die Perspektivwechsel noch irritiert, aber hat man die Personen erstmal kennen gelernt und angenommen, verfolgt man ihre Dialoge gerne. Egal ob es um das Leben mit dem Tod, kaputte Ehen, Sexsucht oder Alkoholismus geht, es ist lehrreich und ganz nebenbei erfährt man Neues über Arthur Schopenhauer. Grübeln auf hohem Niveau.
  16. Cover des Buches American Psycho (ISBN: 9783942656412)
    Bret Easton Ellis

    American Psycho

     (397)
    Aktuelle Rezension von: Wieland

    Ich habe dieses Buch nun nach einer Weile abgebrochen und ich muss sagen, dass ich von "American Psycho" geschrieben von Bret Easton Ellis überhaupt nicht überzeugt bin.

    Im wesentlichen handelt es um Patrick Bateman der bereits mit 27 Jahren Vizepräsident einer fiktiven Investment-Bank ist. Patrick Bateman kommt anfangs als eine diplomatische und linksliberale Persönlichkeit rüber. Schnell stellt sich heraus, dass dies lediglich als Fassade dient und dahinter versteckt sich ein gewalttätiger Psychopath steckt.

    So werden wir auch oft Zeuge von trivialen Morden ohne Motiv und Verstand. Sie dienen lediglich dazu um seine Blutrünstigen Bedürfnisse zu befrieden. Der Ursprung dieser Bedürfnisse ist bis über der Hälfte des Buches nicht bekannt und auch so lässt der Autor kein Spielraum für Spekulationen offen, denn trotz der Ich-Erzählweise bleiben die Morde motivlos. So ziehen sich die weiteren Morde, und auch Straftaten, über mehrere Kapitel, so dass Patrick Bateman weiterhin ein kaltblütiger Mörder bleibt. Durch die Ich-Erzählweise hätte ich mir daher mehr Einblick in die Gedanken und Psyche von Patrick Bateman gewünscht. Warum macht er das gerade so? Warum empfindet er gerade das was er empfindet? Leider erhalten wir nie einen tieferen Einblick, sondern viel mehr einen oberflächlichen. Gepaart mit der Erzählweise hatte ich also permanent das Gefühl, dass mir etwas entgeht, dass da was fehlt und dass der Charakter noch nicht richtig ausgearbeitet wurde. Die Hoffnung dass im laufe der Geschichte Patrick Bateman ein Gesicht bekommt wird zerstreut. Ich hatte bisher nur ein einziges Kapitel gelesen, dass etwas mehr Charakter in Patrick Bateman einfließt und das war es auch. Leider ist der Hauptcharakter dieser Geschichte völlig ein-dimensional.

    Der Schreibstil dieser Geschichte lässt relativ schnell zu wünschen übrig. Ich will den Autor und den Übersetzer nicht beleidigen, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass der Autor und/oder der Übersetzer eine sehr überschaubaren Menge an Bausätzen verinnerlicht hat. Wahllos werden irgendwelche Gegenstände und Kleidungsstücke in die Szene reingeworfen und das wie ein Maschinengewehr. Als Beispiel: "Patrick Bateman trägt eine Krawatte und eine Rolex-Armbanduhr und ein Baumwellhemd und schwarze Schuhe und die Sessel sind Rot und...". Ich war schlussendlich sehr genervt davon und kam auch gar nicht mehr mit, weil so vieles so unpräzise in so kurzer Zeit reingeworfen wurde.

    Damit diese Review allerdings nicht im bösen endet möchte ich gerne sagen, dass die Dialoge mir ganz gut gefallen haben und dass der Autor gut deutlich machen konnte, in welch einer Gesellschaft wir uns befinden. Und wenn man glaubt, dass man irgendwie nun den Durchblick in diesem Sozialen-Konstrukt gefunden hat, kommt wieder irgendetwas daher was einen umdenken lässt. Das fand ich gut, dass hat mich auch ein wenig mitgenommen. Wenn ich ganz ehrlich bin: In den Kreisen in denen sich Patrick bewegt... sie sind zum kotzen... und dass der Autor dass gut mit Steigerungen rüberbringen konnte fand ich gut :)    

  17. Cover des Buches Der ganz normale Wahnsinn (ISBN: 9783746616872)
    François Lelord

    Der ganz normale Wahnsinn

     (40)
    Aktuelle Rezension von: Sonnenblume1988
    Wer kennt ihn nicht: Den kleinkarierten Nachbarn, den stressigen Kollegen oder den ständig nach Ordnung strebenden Chef. Wir alle haben Personen in unserem Umfeld, die uns nicht als „ganz normal“ erscheinen. Ziel des Buches ist es, zu helfen, mit den schwierigen Persönlichkeiten im familiären oder beruflichen Umfeld klarzukommen. 

     In dem Buch wird das Verhalten verschiedene Persönlichkeiten wie der ängstlichen, narzisstischen, zwanghaften oder depressiven Persönlichkeit näher beschrieben. Dabei benennen die Autoren nicht nur die Probleme, sondern auch die Vorteile der Persönlichkeit. Diese Umsicht finde ich sehr gut, da sonst von der Person schnell nur die negativen Merkmale wahrgenommen werden können.   Durch Beispiele, auch aus Sicht der charakterlich betroffenen Person, sind die Erklärungen sehr gut verständlich und alltagsnah und interessant geschrieben. Außerdem werden auch Beispiele aus bekannten Filmen und der Literatur gebracht (auch wenn ich selber wenige kannte) und es sind Ratschläge ausgelistet, die den Umgang mit der schwierigen Persönlichkeit erleichtern sollen.
    Am Ende des Kapitels gibt es eine Frageliste, die man auf sich selber oder sein Umfeld anwenden kann, um herauszufinden, ob die Merkmale der Persönlichkeit zutreffen.   In den letzten Kapiteln des Buches wird der Frage nachgegangen, was passiert, wenn die Charakterzüge krankhaft werden. Außerdem gibt es einen Vergleich zwischen der kognitiven und der psychodynamischen Therapie. 

     Der Autor Francois Lelord ist durch den Bestseller „Hectors Reise“ bekannt geworden. Da er gelernter Psychologe ist, liegt es nahe, dass er auch zu diesem Thema ein Buch schreibt. Ich verstehe nicht, warum das Buch so unbekannt ist, da es durchaus zum Bestseller werden könnte. Für alle Menschen, die beruflich oder privat mit schwierigen Persönlichkeiten zu tun haben, gehört das Buch als Standartwerk ins Bücherregal
  18. Cover des Buches Ich werde euch finden! (ISBN: 9783404608393)
    Corinna Richter

    Ich werde euch finden!

     (16)
    Aktuelle Rezension von: irismaria
    Corinna Richter erzählt in "Ich werde euch finden!: Eine Mutter kämpft um ihre vom Vater entführten Kinder" die Geschichte ihrer Ehe mit Tom, die mit großer Liebe begann, nach und nach zerbrach und deren Ende darin gipfelte, dass Tom die drei gemeinsamen Kinder entführte und Corinna entziehen wollte.
    Corinnas Geschichte ist leider alltäglich, Männer, die Kontrolle über ihre Familien ausüben wollen, gibt es immer wieder. Mich hat erschreckt, dass Toms Veränderung schleichend erfolgt und nicht absehbar war. Auf der anderen Seite ist es schön zu lesen, wie Corinna immer wieder für ihre Kinder kämpft und wie andere Menschen sie unterstützen. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, sodass man nur so über die Seiten fliegt. Neben der Erzählung der Ereignisse erklärt und deutet sie auch, sodass man ihre und Toms Entwicklung gut nachvollziehen kann.
    "Ich werde euch finden!" ist die bewegende Geschichte einer starken Frau, die sich für ihre Kinder einsetzt. Ich kann das Buch sehr empfehlen.
  19. Cover des Buches Böses Mädchen (ISBN: 9783257235524)
    Amélie Nothomb

    Böses Mädchen

     (152)
    Aktuelle Rezension von: lovelines

    >>Blanche und Christa sind Freundinnen. Bis Blanche das wahre Gesicht ihrer Freundin erkennt: Sie ist die Antichrista. Gekommen, nicht um sie zu erretten, sondern um sie zu zerstören.<<
    „Böses Mädchen“ von Amelie Nothomb ist wie ich finde eine doch sehr vorhersehbare Geschichte. Dennoch hat sie mir gut gefallen und der besondere Stil der Autorin kam meiner Meinung nach auch hier wieder gut zur Geltung. Insgesamt hat mich auch dieses Buch von Amelie Nothomb wieder sehr gefesselt, obwohl ich sagen muss, dass mir einiges doch etwas zu abstrus war und gerade Blanches Eltern mehr als unglaubwürdig rüber kamen. Zumindest habe ich das so empfunden. Mein Fazit: Eine nette Abendlektüre, aber leider kein Nothomb-Highlight.

  20. Cover des Buches White Bodies (ISBN: 9783746634470)
    Jane Robins

    White Bodies

     (33)
    Aktuelle Rezension von: BabsyZ

    Callie und Tilda sind Zwillinge, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Tilda ist schön, schlank und eine bekannte Schauspielerin; Callie dagegen ist von eher normaler Statur, eher unscheinbar und arbeitet halbtags in einer Buchhandlung. Beide verbindet, wie bei Zwillingen üblich, ein besonders Band. Und Callie liebt ihre Schwester abgöttisch, ist geradezu besessen von ihr.

    Als Tilda eine Beziehung mit dem reichen Amerikaner Felix eingeht und diesen schließlich heiratet, spitzt sich die Situation immer mehr zu, denn Tilda scheint das Opfer eines dominanten und gewalttätigen Mannes zu sein. Callie setzt alles daran, ihre Schwester zu retten….

    White Bodies ist ein Thriller mit einer interessanten Grundidee, allerdings auch mit einigen Schwächen. So gibt es in der Geschichte einige Längen, bevor am Ende mit unerwarteten Wendungen tatsächlich ein spannendes Finale auf sich wartet. Die Figuren sind allesamt eher unsympathisch und schaffen es nicht wirklich, zu berühren.

    Mein Fazit: ein guter Thriller über toxische Beziehungen und geschickte Manipulationen.

  21. Cover des Buches Der traurige Prinz (ISBN: 9783499242052)
    Michael Degen

    Der traurige Prinz

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Mit Oskar Werner, dem preisgekrönten, oscarnominierten und zu seiner Zeit vielgeachteten Schauspieler, kam ich zum ersten Mal durch „Fahrenheit 451“ in Berührung. Den Roman von Ray Bradbury sollte, meiner Meinung nach, jeder bibliophile Mensch einmal im Leben gelesen haben. Thematisiert wird dort der feindliche und zerstörerische Umgang mit Literatur in einer dystopischen Welt, die ob ihres aufklärerischen, kraftvollen und meinungsfördernden Charakters als Bedrohung angesehen und verbrannt wird. Der Besitz von Büchern ist strafbar, nur Fernsehen und synthetische Drogen helfen den Menschen über den Tag und machen sie zu leicht kontrollierbaren, willenlosen Geschöpfen. Feuerwehrmann Montag, in der Verfilmung von François Truffaut von Oskar Werner gespielt, zweifelt jedoch an der Richtigkeit dieses Systems und lehnt sich heldenhaft dagegen auf.
    Werner ist in diesem und anderen Filmen trotz namhafter Nebendarsteller stets der Mittelpunkt der Handlung, obwohl er eher zurückhaltend, fast schüchtern spielt. Doch schafft er es, den Zuschauer mit seiner reduzierten Gestik und seinem Charisma zu begeistern.
    Eben diese Begeisterung verspürt auch Michael Degen, als er nach einer Aufführung in Vaduz im Jahr 1983 von Oskar Werner eingeladen wird, mit diesem auf seiner Teixlburg den Abend zu verbringen. Der große Mime, Jahrgang 1922, hat sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen und lebt isoliert von der Welt des Films und des Schauspiels auf seinem Anwesen in Liechtenstein. Umso überraschender kommt die Offerte für Michael Degen, der in Werner nicht weniger als ein Idol der Branche sieht:
    „Diese unverwechselbare, männlich und immer noch jugendlich klingende Stimme, mit diesem leicht wienerischen Tonfall darin. Jeder einschlägige Theatergänger hätte ihn daran sofort erkannt. Ja, das konnte nur er sein. Er, den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener gewesen.“
    Wer jetzt denkt, dass die folgenden knapp 250 Seiten eine Anbetung des Genies von Werner seien und sich innerlich schon auf eine einzige Lobhudelei vorbereitet, sieht sich getäuscht. Degen zollt dem Kollegen großen Respekt, das ist in jeder Szene dieses Buches zu spüren. Doch ist er sich auch seiner eigenen Person und Fähigkeiten bewusst und betrachtet den ehemaligen Weltstar durchaus kritisch.
    Untertitelt ist diese Geschichte mit „Roman einer wahren Begegnung.“ Und angesichts der Tatsache, dass das hier wiedergegebene Treffen beim Erscheinen des Buches schon dreißig Jahre zurückliegt, darf von etlichen Lücken im Gedächtnis des Erzählers ausgegangen werden, die durch fiktive Inhalte gefüllt werden. Es wird in Der traurige Prinz viel Raum gelassen für die Ansichten Werners, für Geschichten aus seiner Wiener Kindheit, in der er mehr Zeit mit seiner Großmutter als seiner Mutter verbrachte, die sein Dasein fast bedauerte und in Phasen der Depression mehrfach Selbstmord verüben wollte.
    Den jungen Oskar Bschließmayer, so der bürgerliche Name Werners, zieht es schnell an das renommierte Wiener Burgtheater, wo die glanzvolle Karriere eines Schauspielers beginnt, der für sein Spiel fast nichts an Arbeit investieren muss. Michael Degen zeichnet in einer Mischung aus wörtlicher und indirekter Rede den Lebensweg Werners auf und gibt auch Auskunft über seine eigene Person; hier treffen sich Kollegen verschiedener Prägung, deren charakterliche und ideelle Gegensätzlichkeiten die Spannung innerhalb der Geschichte auf einem konstant hohen Niveau halten.
    Was neben den, teils bissigen, Passagen der Rede-Gegenrede besonders hervorsticht, ist die tiefe Diskrepanz zwischen der humanistischen, freiheitlich orientierten Weltsicht Werners und seiner tiefen Verachtung für das Geschäft des Schauspielens, der Bühne und der Fiktion:
    „Irgendwann fließen Phantasie, Wunschdenken und Realität ineinander, sodass man gar nicht mehr erkennen kann, was was ist. Und dieses Gemenge überantwortet man dann der Nachwelt. Scheußlich.“
    Je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr demaskiert sich das Idol Oskar Werner und entblößt dabei sein verletzliches, von Zerrissenheit und panischer Angst vor dem Alter geprägtes Inneres. Begleitet von unheimlichen Mengen von Alkohol, Zigaretten, Stimmungsschwankungen und mitunter beleidigenden Kommentaren und Fragen seinem Gast gegenüber changieren die Monologe des Altmeisters zwischen dem Lob der Vergangenheit, der Wut auf die Gegenwart und der Angst vor der Zukunft:
    „Im Grunde war er noch immer der Despot, zu dem er sich im Laufe der Jahre entwickelt hatte. Er sprach zwar nach wie vor bewundernd von seinen Vorbildern, ohne aber auch nur eines von ihnen kennengelernt zu haben. Reinhardt, Barrault, Jouvet – sie waren unerreichbar, weil sie längst tot waren. Umso leichter konnte er sie anhimmeln und verklären. Sie widersprachen ihm nicht, forderten nichts von ihm.“
    Degen versteht es, zwei Seiten einer Medaille aufzuzeigen und das Treffen mit Oskar Werner zu einem nicht nur für ihn unvergesslichen Moment werden zu lassen. Auch der Leser fühlt mit dem Star, ballt die Fäuste gegen das von ihm so verhasste Nazi-Regime, dem er in seiner Kindheit und Jugend zwangsweise dienen musste, begleitet ihn erst auf die Bühne des Burgtheaters, später vor die Kameras Hollywoods und schüttelt konsterniert den Kopf ob der Undankbarkeit und der nicht enden wollenden Litanei gegen seinen alten Beruf und dessen Vertreter.
    Dieser Weg schließlich führt bis zum bitteren Ende, dass in der endgültigen Demontage Werners als ernstzunehmender Schauspieler auf den kleinen Bühnen der Bundesrepublik und final in einem Marburger Hotel endet, in dem Oskar Werner im Jahr 1984 tot aufgefunden wird. Obwohl der Roman schon lange hätte enden können, bringt Degen auch diese unrühmlichen, heute vergessenen Episoden dieses so einzigartigen Lebens vor das geistige Auge des Lesers und ins kollektive Gedächtnis der Kenner Oskar Werners zurück.
    Vielleicht ist dieses schonungslose Ende der richtige Abschluss dieser Geschichte, in deren Mitte zwar das Treffen der beiden Schauspieler steht, die aber eine leise, respektvolle Verbeugung vor einem der Größten der Zunft darstellt. Sie hinterlässt ein Gefühl des Mitleids, der Fassungslosigkeit und gleichzeitig der Neugier, diese so facettenreiche Person näher kennenzulernen.
    Der traurige Prinz ist ein Buch, dass sich wunderbar eignet, um einen Blick hinter die Kulissen der Bühnen- und Filmarbeit zu werfen. Und das darüber hinaus einen Menschen zeigt, der schließlich an der Unvereinbarkeit von Genie, Wunsch und Realität zerbrach.
  22. Cover des Buches Die narzisstische Gesellschaft (ISBN: 9783406640414)
    Hans-Joachim Maaz

    Die narzisstische Gesellschaft

     (13)
    Aktuelle Rezension von: seschat
    Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz zeichnet ein sehr negatives Bild unserer heutigen Gesellschaft. Diese sei größtenteils narzisstisch geprägt. Sind wir alle in die "Narzissmusfalle" geraten?  

    Ich hoffe es mal nicht. Feststeht allerdings auch, dass wer es beruflich zu etwas bringen will, heutzutage gezwungen wird, narzisstisch zu agieren. D. h., nicht nach links und rechts zu schauen, einfach skrupellos das eigene Recht, die eigene Karriere einzufordern/zu verfolgen. Moralisch ist das für Nicht-Narzissten äußerst verwerflich. Der Narzisst kennt es einfach nicht anders, für ihn ist dieses arrogante, rigorose und unsoziale Auftreten eine Ersatzbefriedigung für Kindheitstraumata. Die Menschen, die von ihren Eltern, vor allem ihrer Mutter, während der Kindheit zu wenig Liebe/Anerkennung erfahren haben, suchen sie im Erwachsenenalter Bestätigung. Ob nun im Beruf, im Privaten, egal wo, überall muss man der Beste sein. Lob und Anerkennung ist für Narzissten lebensnotwendig, die Luft zum Atmen. In unser Gesellschaft überwiegt die Zahl der männlichen Narzissten. Sie sitzen meist in Führungspositionen, die sie gekonnt gegen Widersacher uund eigene Mitarbeiter zu verteidigen wissen. Denn nichts ist schlimmer als eine Niederlage, ein Scheitern, weil dies alte Gefühle aus der Vergangenheit auf den Plan ruft, die Mann lieber verdrängt, sei es durch Luxus, Frauen, Machtspiele. Die Spielwiese der Narzissten ist vielfältig, z. B. Politik, Sport (Spitzensportler) etc. Doch eines fällt auf, der Narzisst ist ständig und überall nur mit sich selbst und seinem Erfolg beschäftigt, er ist unfähig Gefühle zu zeigen, Empathie zu empfinden. Alles, auch die Liebe ist egoistisch, 

    Nach Maaz gibt es zwei Narzissmustypen, die Egozentriker (Größenselbst) und die ewigen Versager (Größenklein). Wobei ich selbst mehr Egozentriker kennengelernt und durch Maaz nun besser verstehen gelernt habe. Psychologische Spielchen stehen bei Narzissten an der Tagesordnung, was mich selbst tierisch aufregt. Sie sind nicht ehrlich zu sich und zu anderen, spielen eine Rolle, denn sie wollen gefallen. Kritik und Zurückweisung ertragen sie nicht.

    Maaz' Ausführungen sind sehr plausibel aufbereitet und damit für Jedermann verständlich. Manchmal hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, sich immer wieder auf die verkorkste Kindheit und den Vgl. von "Größenselbst" und "Größenklein" zu versteifen, ist mir zu einseitig. Reinhard Hallers Buch "Narzissmusfalle" hat mir deutlich besser gefallen, weil allerhand Fallbeispiele aus der beruflichen Praxis angeführt wurden und auch das witzige Moment nicht vernachlässigt wurde. Als positiv möchte ich das Abschlusskapitel von Maaz hervorheben, in dem er äußert kritisch seinen eigen Narzissmus diskutiert. 

    Fazit:
    Augen auf bei der Berufs- und Partnerwahl. Der Narzisst ist mehr verbreitet als gedacht. ;)
  23. Cover des Buches Die Masken der Niedertracht (ISBN: 9783423195263)
    Marie-France Hirigoyen

    Die Masken der Niedertracht

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Steve
    Macht die juristisch schwer nachweisbare seelische Gewalt bewusst. Dabei kann einem bewusst werden, wenn man Opfer eines "perversen Narzissten" geworden ist und einem in Form emotionalem Vampirismus Lebensenergie. Es wird von der Autorin jedoch zuwenig auf Abwehrstrategien eingegangen. Solchen Menschen lieber aus dem Weg zu gehen ist auch so klar.
  24. Cover des Buches Sticky Fingers (ISBN: 9783498030377)
    Joe Hagan

    Sticky Fingers

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall
    Ein Traum: Neben John Lennon und Yoko Ono in einem kleinen Kino in San Francisco zu sitzen. Dieses bei einem Spaziergang mit den beiden zufällig gefunden zu haben. Jene Frau an der Kasse kennenzulernen, die beim Ticketverkauf die beiden nicht erkannt hat. John sagen zu hören, dass er "Let it be" noch nicht gesehen hat. Ihn und Yoko Ono weinend zu erleben, als Paul McCartney gegen Ende des Films auf dem Dach der Apple-Records-Studios singt ...! 

    Ein Traum? Mitnichten, denn Jann Wenner hat es im Frühling 1970 erlebt. Joe Hagan schildert jene Begegnung, eine Geschichte für die Ewigkeit, mit eindringlichen Worten, die jeden Fan schon im Prolog des Buches verzücken dürfte. Zweifellos würde der Gründer des Rolling Stone dieses Ereignis, in welchem sich "jeder Moment mit John Lennon wie eine Geschichte anfühlt", ein Leben lang erzählen ... 

    Im November 1967 ging es los. Inmitten gesellschaftlicher und politischer Veränderungen hatte die Jugend ein Sprachrohr, transportiert durch den musikalischen Zeitgeist, den Jann Wenner mit seiner "ungenierten Anbetung von Idolen", wie es seine Mitarbeiter einst formulierten, einzufangen wusste.
    Seine ganz persönliche, ambivalente Art übertrug er auf das Magazin ... auch wenn Hagans Ausführungen dazu, aus heutiger Sicht, etwas schwer nachzuvollziehen sein mögen.  

    Den Nerv der Jugendbewegung traf Wenner mit dem "Rolling Stone" damals unbestritten, und mit seinem Erfolgsrezept, ausgehend vom (psychedelischen) Underground bis hin zum profitablen Mainstream, eine reine Fanberichterstattung in "echten Journalismus" -wie es Keith Richard formulierte- zu verwandeln, schaffte er es gar mühelos, sich neuen Trends anzupassen. Dies funktioniert besonders gut, wenn sich "Idealismus und Geld" nicht gegenseitig ausschließen.

    Joe Hagan hat ein gewaltiges Werk geschaffen, das allein durch die Fülle an Fakten beeindruckt, aber auch an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit von Leserinnen und Lesern führt. Man wird von Bandnamen und deren Mitgliedern geradezu erschlagen, doch letztlich ist es überwältigend zu lesen, wenn plötzlich Legenden wie Grateful Dead, Joni Mitchel, Frank Zappa, Ramones oder Quicksilver Messenger Service wie selbstverständlich auftauchen.

    Dabei ist es nicht einmal von Belang, sich für diese oder jene Band zu interessieren oder nicht. Man muss sogar nicht unbedingt den Rolling Stone (regelmäßig) gelesen haben. Wenn doch, mögen die Gebirge von Informationen noch interessanter sein. An die damaligen Berichterstattungen der verschiedenen Musikmagazine erinnert sich der Rezensent nur ungern - es interessierte ihn wenig bis gar nicht. Die Musik stand über allem und nicht der geschriebene Text in Magazinen.

    Im Nachhinein ändert sich diese Haltung aber nicht unwesentlich, denn "Sticky Fingers" ist so etwas wie die Summe des Ganzen. Das ganze Drumherum, aus heutiger Sicht, scheint ihm deshalb weitaus interessanter zu sein, als es die ganzen Artikelchen im Original einst waren. Kein Wunder, denn Joe Hagan standen über 100 Stunden Gesprächsmaterial und 235 Interviews zur Verfügung, was ihm (und uns) zahllose Blicke hinter so manche Kulisse erlaubte. Hierin besteht der eigentliche Reiz dieses Buches.

    Beispielsweise die Erkenntnis, dass es schon damals nicht gelang, und nicht einmal einem Jann Wenner, an Bob Dylan heranzukommen, auch wenn er persönlich mit ihm sprechen durfte, um ihm in (vielen) Interviews wenigstens eine Handvoll sinnvoller Antworten und Kommentare zu entlocken. Es war schon damals nicht möglich.

    Erstaunlich, dass Kontakte zu Mick Jagger und dem Rest der Stones schon beinahe selbstverständlich waren, auch wenn sie durch regelmäßige Streitereien, auch urheberrechtlicher Natur, unterbrochen wurden. Beeindruckend und teilweise auch erschreckend, wie sich politische und gesellschaftliche Ereignisse wie die aufkeimende Frauenbewegung, das Konzertdesaster in Altamont, John Lennons Ermordung, die Tate-Morde, Watergate oder der Vietnamkrieg auf die Inhalte der Zeitung auswirkten und z.T. gewinnbringend aufbereitet werden konnten. 

    Allgegenwärtig ist auch das Thema Drogen, welches in seiner Intensität fast auf die Nerven geht. Ohne Tabletten, Spritzen und Pülverchen scheint es ja nicht gegangen zu sein. Die prominenten Opfer sind bekannt, doch auch die Überlebenden der Szene trieben es auf die Spitze. Wundern darf man sich deshalb schon, wie sie das überlebt haben.

    Das alles ist ein aufregendes, aber auch anstrengendes Lesevergnügen. Die Reise einer Musikzeitschrift, die mehr als einmal am finanziellen Abgrund stand, von den revolutionären 60er Jahren bis zur aufsteigenden Kommerzialisierung in den 70ern und darüber hinaus, ist mehr als nur die Geschichte einer Idee. "Sticky Fingers" bedeutete Arbeit. Fünf Jahre sollten vergehen, bis sich Wenners Wunsch nach einer Biografie, geschrieben von Joe Hagan, erfüllen sollte. 

    Einen kleinen Einblick und eine ungefähre Vorstellung des Pensums, welches der Autor, Journalist beim New York Magazine, zu bewältigen hatte, kann man im Anhang nachlesen. Dem jeweiligen Kapitel zugeordnet gibt Joe Hagan darüber Aufschluss, welche Gespräche, Dokumente und Aufzeichnungen er zusammengetragen und ausgewertet hat.

    Seine akribische Recherche und das damit verbundene Fachwissen geht im Detail so weit, dass er uns sogar erzählt, wie es dazu kam, dass "Jan Wenner" seinen Vornamen um ein zweites "n" erweiterte. Auch ein ausführlicher Blick in die Familiengeschichte und im Speziellen auf Kindheit und Jugend Wenners geben Aufschluss darüber, wie es einem einzelnen Menschen mit einer "schizophrenen Persönlichkeit", dessen "ultimative Bestätigung seiner Existenz in der Berühmtheit liegt", gelingen konnte, den Status Quo in der Musikberichterstattung auf den Kopf zu stellen und völlig neu zu ordnen.

    Ernüchternd sind dann eher Fakten wie die Mittel, mit denen das erreicht wurde. Viel nackte Haut von Stars und Sternchen gehörte dazu, was immerhin damals neu war. Und natürlich der unbändige Willen Wenners, einerseits mit seinem Journalismus Grenzen zu überschreiten und andererseits mit Selbstverliebtheit und Narzissmus eine Menge Geld zu verdienen.

    Man könnte ewig aus diesem gewaltigen Werk weiterzitieren, da Joe Hagan neben aller Fach- und Sachkompetenz eines nicht vergessen hat: Sich allgemeinverständlich auszudrücken. Ein weiterer Verdienst von "Sticky Fingers". Ein musik- sowie kulturgeschichtlicher Meilenstein und ein Denkmal ist das Buch ja sowieso.

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