Bücher mit dem Tag "nationalsozialismus"
851 Bücher
- Markus Zusak
Die Bücherdiebin
(4.685)Aktuelle Rezension von: _lenas-buecherwelt_"Die Bücherdiebin" zeigt, dass Worte ein Rückzugsort und ein Abenteuer sein können, doch gleichzeitig können sie auch gefährlich werden.
Der Schreibstil war etwas anders als bei den meisten Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe. Daran musste ich mich erst ein wenig gewöhnen, war dann aber schnell in der Geschichte drin.
Der Tod ist in der Geschichte der Erzähler. Er berichtet von dem kleinen Mädchen Liesel, dem er öfter in verschiedenen Situationen begegnet ist und dessen Geschichte ihn nicht losgelassen hat. Er schildert auch auf eine besondere Weise die Zeit während des zweiten Weltkriegs und berichtet über den Alltag und das Überleben in Deutschland, über Hoffnung, Schuld und eben auch über den Tod.
Liesel ist ein mutiges Mädchen, das in Büchern und Worten ihren Rückzugsort gefunden hat und die in ihren jungen Jahren schon einiges erlebt hat und nun bei Pflegeeltern aufwachsen soll. Hans Hubermann war für sie ein toller Vater und ist für sie ebenfalls zu ihrem Rückzugsort geworden. Auch Rosa Hubermann hat Liesel in ihr Herz geschlossen, sie hat nur eine andere Art und Weise ihre Liebe auszudrücken. Rudi und Max sind für Liesel zu zwei guten Freunden geworden.
Auch die Gestaltung de Buchs war etwas besonderes, mit Zeichnungen, Geschichten und Bildern von Max.
Die Geschichte hat mich nachdenklich gemacht, mich berührt und mir auch die ein oder andere Träne entlockt. - Timur Vermes
Er ist wieder da
(3.406)Aktuelle Rezension von: deidreeDas Buch lag schon lange auf meinem Regal und jetzt weiß ich auch warum ich es von mir geschoben habe. Ich finde einfach keinen Zugang zu dieser Art von Humor, falls da irgendwo einer versteckt sein sollte.
„Er ist wieder da“ löst bei mir eher Bauchweh aus. Die Vorstellung jederzeit könnte sich ein ähnliches Szenario wiederholen ist weder witzig noch wünschenswert. Leider ist die Möglichkeit nicht völlig auszuschließen.
In meinen Augen hat Timur Vermes wohl eine Satire erschaffen wollen. Bei mir kam diese Bemühung nicht an. Zu lesen fand ich die Geschichte einfach, aber emotional hat sich bei mir alles auf Abwehr gestellt.
Zugutehalten möchte ich den Versuch aufzuzeigen, dass eben jederzeit wieder ein Mensch mit gefährlicher Ideologie auftauchen könnte und wir aufgerufen sind, gut hinzusehen. Auch ist der Schreibstil flüssig und flott zu lesen.
- Anne Frank
Gesamtausgabe
(2.747)Aktuelle Rezension von: daisys_libraryDie 5-Sternebewertung dient lediglich der Bewertung der Darstellung und der Wertschätzung dieses überaus wichtigen Dokuments der Geschichte, da Menschenleben nicht zu bewerten sind.
Mir fehlen doch echt die Worte, als ich die letzten dokumentierten Worte von Anne Frank gelesen habe und mir bereiten sie eine unendliche Gänsehaut. Ich will und kann mir nicht annähernd vorstellen, welche Ängste sie durchgestanden haben muss als sie und die restlichen Mitbewohner des Hinterhauses erwischt wurden.
An Anne ist wirklich so eine tolle, junge, bewundernswerte, starke, zielorientierte, vorausschauende, kluge, talentierte, liebenswerte Frau verloren gegangen. Man kann sich nur ausmalen wie die Welt wohl geworden wäre, wenn sie die Zeit in Bergen-Belsen überlebt hätte. Die Welt wäre ein besserer Ort geworden, defintiv.
Es war wirklich beeindruckend zu lesen und in jedem ihrer geschriebenen Worte zu spüren wie unfassbar fortschrittlich sie schon in ihrem Alter war, sowohl sprachlich als auch gedanklich und es war so interessant mitzuerleben wie sie zu einer starken, mutigen jungen Frau herangewachsen ist, unter Umständen die wir uns in unserem privilegierten Leben nicht annähernd vorzustellen vermögen.
Liebe Anne, wenn du nur wüsstest und selbst sehen könntest, was du mit deinen geschriebenen Gedanken und Worten erreicht hast, noch so viele Jahre nach deinem Ableben. Du hast es geschafft, du wirst auf ewig unvergessen bleiben und in Millionen Herzen fortleben, mit deinem unfassbaren Talent und deiner unsterblichen Seele.
- Ken Follett
Winter der Welt
(821)Aktuelle Rezension von: Buecherliebe_19Ken Folletts "Winter der Welt", der zweite Teil der Jahrhundert-Saga, ist ein gewaltiges Epos – nicht nur wegen seines Umfangs von über 1.000 Seiten, sondern vor allem wegen seiner emotionalen und historischen Wucht. Der Roman erschien 2012 im Bastei Lübbe Verlag und knüpft nahtlos an den Vorgängerband "Sturz der Titanen" an.
Follett nimmt uns mit auf eine bewegende, oft erschütternde Reise durch die Jahrzehnte von der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zum Beginn des Kalten Krieges. Die Leserschaft folgt dabei mehreren Familien in verschiedenen Ländern die auf ganz unterschiedliche Weise mit den Schrecken der Zeit und tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen konfrontiert werden.
Die Geschichte ist in drei große Abschnitte unterteilt: der Aufstieg des Faschismus, der Zweite Weltkrieg und schließlich der geopolitische Umbruch nach 1945. Dabei gelingt es Follett meisterhaft, reale historische Ereignisse mit fiktiven Schicksalen zu verweben. Seine Figuren kämpfen – teils still, teils laut – für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit in einer Welt, die zunehmend von Hass und Gewalt dominiert wird.
Allerdings empfand ich die Vielzahl an elementaren Hauptfiguren stellenweise als etwas überladen. Durch den häufigen Perspektivwechsel wird jedoch eine gewisse Spannung und Dynamik in dem Roman erzeugt.
Besonders hervorzuheben ist Folletts Fähigkeit, unparteiisch zu bleiben: Er schildert sowohl die Gräueltaten der Nationalsozialisten als auch die der Alliierten – nüchtern, aber niemals gefühllos.
Obwohl ich in der Schule nie einen Draht zur Geschichte gefunden habe, hat mich dieses Buch tief berührt – und mir komplexe historische Zusammenhänge verständlicher gemacht. Natürlich hilft es, ein gewisses Vorwissen über die damalige politische Lage mitzubringen, um alle Feinheiten und Begriffe richtig einordnen zu können. Die Handlung folgt einem klaren roten Faden, auch wenn sie an manchen Stellen etwas langatmig oder ausschweifend geraten kann. Dennoch bleibt die Erzählung insgesamt fesselnd.
Es gab Momente, in denen ich das Buch zur Seite legen musste – nicht etwa aus Langeweile, sondern weil mich das Gelesene emotional sehr erschüttert hat. Ich konnte nur noch ungläubig den Kopf schütteln: Wie konnten Menschen zu solch grausamen Taten fähig sein?
Gerade angesichts aktueller Entwicklungen – Kriege, politische Spannungen und das Erstarken rechtsgerichteter Parteien - hat "Winter der Welt" für mich eine bedrückende Aktualität. Das Buch ist nicht nur eine Rückschau, sondern auch eine eindringliche Warnung: Geschichte kann sich wiederholen, wenn wir nicht aufmerksam bleiben.
Die Seitenzahl mag auf den ersten Blick abschrecken, doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer eindrucksvollen und bildgewaltigen Reise durch eine der dramatischsten Epochen der Weltgeschichte belohnt. Für Fans historischer Romane ist dieses Buch fast ein Muss. Auch wurden die geschichtlichen Ereignisse wie gewohnt meisterhaft recherchiert.
Mich haben andere Romane von Ken Follett stärker gepackt, dennoch hinterlässt "Winter der Welt" einen bleibenden Eindruck.
- Robert Scheer
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
(42)Aktuelle Rezension von: pardenEIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...
Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.
"Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)
Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.
Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.
Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.
Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.
"Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)
Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.
Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.
Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.
Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.
© Parden - Bernhard Schlink
Der Vorleser
(5.805)Aktuelle Rezension von: naimalmaolangweilig sowie keine Spannung in dem ganzen Buch. Wie kann sowas Schullektüre sein??
wollte das buch beim nächsten Tauschbücher Stand abgeben aber ich will dieses buch der nächsten Person nicht antun, ich will ihr dieses leid ersparen.gibt das geld das ihr für dieses buch ausgeben würdet, lieber eurem local obdachlosen :-)
- Kristin Harmel
Solange am Himmel Sterne stehen
(796)Aktuelle Rezension von: LesebegeisterteRose hat Alzheimer und bald schon wird sie sich nicht mehr an ihre große Liebe erinnern können. Deshalb bittet sie ihre Enkelin sich auf die Suche nach diesem Mann zu machen.
Jener Mann, dem ihr Herz seit 1942 gehört.
Oh, mein Gott….. diese paar Sätze reichen ja wohl um jedes Frauenherz höher schlagen zu lassen oder ?
Ein total gefühlvoller Roman. Ich war hin und weg!!! Das Thema Alzheimer wird sehr realistisch und dramatisch beschrieben. Ich bin begeistert! Aber Achtung, ich würde empfehlen beim Lesen Taschentücher bereit zu halten.
- Anthony Doerr
Alles Licht, das wir nicht sehen
(440)Aktuelle Rezension von: Renate1964Die Hauptfiguren sind außergewöhnlich und faszinierend. Die Epoche und der Schauplatz interessieren mich sehr. Auch die Geschichte selbst ist gut. Gut beobachtet Anthony Doerr auch die Beweggründe, Gruppendynamiken und zeigt Mißstände auf. Mit den kurzen Kapiteln kann ich mich gar nicht anfreunden und werde immer wieder aus dem Lesefluß gerissen
- John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama
(2.377)Aktuelle Rezension von: AtschiBObwohl ich den Film bereits mehrfach gesehen habe, beeindruckt mich dieses Buch unglaublich. Gleichzeitig macht es mich aber auch sprachlos. Es ist eine interessante und gleichzeitig grausame Geschichte mit geschichtlichem Hintergrund. Sie ist unglaublich emotional, berührend und mitreißend. Sie hat mich sehr bewegt. Die kindliche Naivität von Bruno ist einerseits schön, denn es zeigt, dass er die Realität und Grausamkeiten der Zeit nicht versteht. Die Aufgeklärtheit von Schmuel hingegen schockiert. Beide sind sie im gleichen Alter.
Mein Fazit ist kurz: ABSOLUTE LESEEMPFEHLUNG!
- Albert Camus
Die Pest
(532)Aktuelle Rezension von: MarcelloDie Pest von Albert Camus habe ich mit 4 Sternen bewertet – mehr aus inhaltlicher Achtung als aus reiner Lesefreude.
Der Roman spielt in der algerischen Stadt Oran, die von einer Pestepidemie heimgesucht wird. Im Zentrum steht Dr. Rieux mit einer kleinen Gruppe von Leuten, die unterschiedlich auf die Katastrophe reagieren. Camus zeigt, wie Menschen mit sinnlosem Leid umgehen, wie sich Solidarität und Egoismus mischen und was es heißt, "anständig" zu handeln, obwohl die Welt keinen erkennbaren Sinn bietet.
Besonders interessant ist die metaphorische Ebene: Die Pest ist bewusst mehr als nur eine Krankheit. Sie kann als Sinnbild für den Kampf der Résistance gegen den Nationalsozialismus gelesen werden, generell aber auch für jede Form von Tyrannei und politischem Übel, das Institutionen, Sprache und Moral angreift. Gleichzeitig steht sie existenziell für das allgegenwärtige Übel im menschlichen Leben – Krankheit, Tod, Zufall, Grausamkeit –, das sich nie endgültig besiegen lässt. Der Roman legt nahe, dass der Ausweg eher in Haltung und Solidarität liegt als in einer großen Lösung.
Aktuell wirkt das Buch dort, wo Camus betont, dass der Pestbazillus nie ganz verschwindet, sondern im Verborgenen weiterbesteht und jederzeit zurückkehren kann. Eine ziemlich klare Parallele zu faschistischen und anderen destruktiven Ideologien, die immer wieder auftauchen – wie auch in der heutigen politischen Diskussion.
Wer einen spannenden Pageturner erwartet, wird hier eher enttäuscht. Die Pest liest sich für mich eher wie ein nüchterner, philosophisch unterlegter Bericht über eine Krise. Der Stil ist bewusst zurückhaltend und stellenweise langatmig. Wenn man sich darauf einstellt und eher an Idee und Atmosphäre als an Spannung interessiert ist, ist das Buch allerdings sehr lohnend. - Kristin Hannah
Die Nachtigall
(621)Aktuelle Rezension von: Wafaooo„In Liebe und in Krieg erkennt man den wahren Mut.“
Kristin Hannahs „Die Nachtigall“ erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die während der deutschen Besatzung in Frankreich auf ganz unterschiedliche Weise ums Überleben kämpfen – und dabei zeigen, was es wirklich heißt, mutig zu sein.
Die ältere Schwester Vianne versucht, ihre Tochter und ihr Zuhause zu schützen, während sie sich in einer gefährlichen und bedrückenden Welt zurechtfinden muss. Isabelle, die jüngere, rebellische Schwester, kann nicht schweigen. Sie schließt sich der Résistance an, um aktiv für Frankreichs Freiheit zu kämpfen.
Beide Frauen gehen an ihre Grenzen – körperlich, seelisch, moralisch. Und obwohl sie so unterschiedlich sind, verbindet sie eines: die Liebe, die sie antreibt, und der Wille, trotz allem Mensch zu bleiben.
Hannah beschreibt die Schrecken und Opfer des Krieges detailliert, aber immer verständlich und nahbar. Man spürt die Angst, die Hoffnung, den Mut. Ich habe beim Lesen viel gelernt, geweint und mitgelitten.
Dieses Buch ist tiefgründig, emotional und historisch eindrücklich – eines der Werke, die lange nachhallen. Für mich eines der schönsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. 💔✨
Ich werde auf jeden Fall noch mehr von Kristin Hannah lesen. - Robert Seethaler
Der Trafikant
(522)Aktuelle Rezension von: tlowFranz Huchel wird von seiner Mutter mit 16 in die große Stadt Wien geschickt. Als Kind vom Land erlebt er ab der ersten Minute immer wieder neues und man begleitet ihn beim Erwachsenwerden. Seine Arbeit in der Trafik ermöglicht ihm den Kontakt zu Sigmund Freud, der ihn vom ersten Moment an fasziniert. Die beiden haben immer wieder Kontakt und Freud wird zum Ratgeber und Freund. Zudem begegnet ihm die erste Liebe. Als sich die politische Situation immer weiter zuspitzt muss Franz immer neue Entscheidungen treffen und es war wirklich eni spannendes Zusammenspiel aus Charakterentwicklung und historischem Hintergrund.
Ich habe die realistische Darstellung Wiens und der politischen Veränderungen sehr genoßen. Nichts wirkte geschönt oder verkürzt und man kann immer mal wieder weiter recherchieren, wenn die Zeit und die Ereignisse im Roman voran schreiten. Auch das ehrliche Porträt des alten Sigmund Freuds hat mir gut gefallen. Der Charakter wirkt greifbar und passt in seine Zeit, wobei einen manche seiner Weltanschauungen stutzen lassen und zum Nachdenken und Nachrecherchieren anregen.
Der Roman lässt sich aber auch ganz ohne weitere Recherche genießen. Franz wird im Laufe des Geschehens immer reifer, seine Erfahrungen verändern ihn und er zweifelt immer wieder, stellt Dinge in Frage und hinterfragt scheinbar gegebenes. Er ist mutig, steht für sich ein, trifft aber auch immer wieder auf Grenzen des Möglichen. Dadurch fühlt er sich nahbar an und man kann viele seiner Entscheidungen besser verstehen und mitfühlen.
- David Safier
28 Tage lang
(574)Aktuelle Rezension von: yana271943, Mira lebt im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel in das Ghetto, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah durchzubringen. Ihr Bruder ist bei der verhassten Judenpolizei und ihre Mutter vegetiert seit dem Tod des Vaters vor sich hin. Die ganze Verantwortung der Familie liegt auf den zarten Schultern von der 16 jährigen Mira. Trotz der desolaten Lage wächst eine zarte Liebe zwischen Mira und Daniel, einem Waisenkind.
Es sind die letzten Tage des Warschauer Ghettos, da die Deutschen die Räumung und letztendlich die Tötung der Ghettobewohner beschlossen haben. Mira schließt sich dem Widerstand an, die von dem charismatischen Amos angeführt wird. 28 Tage lang haben die Juden- trotz bescheidenen Mitteln- Widerstand gegen die Nazis geleistet. Die Totgeweihten haben gezeigt, dass sie nicht kampflos ihrem Schicksal fügen werden.
Von David Safier haben ich lustige Bücher wie "mieses Karma" oder " Jesus liebt mich" gelesen- allesamt sehr lustig und amüsant.
Ich hatte Zweifel, ob David Safier so ein sensibles Thema wie Judenverfolgung und Warschauer Ghetto ohne Klamauk handhaben kann.
Und hat Safier mich überzeugen können? Und ob!!
Die beengten und chaotischen Verhältnisse im Warschauer Ghetto wurden sehr gut dargestellt, die starke Figur Mira mit ihrer hoffnungslosem Schicksal war beeindruckend.
Viele zeitgenössischen Figuren wie Janusz Korczak und deren Schicksale wurden dargelegt. Die Szene, wo eine Frau Mira wortlos ihr eigenes Baby in die Hand drückt, hat mir das Herz gebrochen.
Ich bin angenehm überrascht, wie David Safier sensibel und ernst dieses Thema angegangen ist.
Fazit: Unbedingt lesen!
- Juli Zeh
Über Menschen
(433)Aktuelle Rezension von: Burkhard_HankeJulie Zehs Über Menschen entfaltet die fragile Schönheit einer Welt, die zwischen Hoffnung und Ernüchterung taumelt. Dorf und Stadt, Nähe und Distanz, Angst und Zuneigung überlagern sich zu einem dichten Gewebe aus Stille und Aufruhr. Mit leiser Sprache legt Zeh die Brüche unserer Zeit frei und zeigt, dass im Unvollkommenen oft die größte Menschlichkeit verborgen liegt.
- Jussi Adler-Olsen
Das Alphabethaus
(558)Aktuelle Rezension von: KaesekuchenDieses Buch hat bestimmt 15 Jahre auf meinem SuB geschlafen. Immer, wenn ich es weglegen wollte, dachte ich mir, die Geschichte klingt eigentlich doch ganz gut. Und ja, die Geschichte war wirklich außergewöhnlich. Zwei englische Pilote verstecken sich in einer deutschen Psychiatrie im zweiten Weltkrieg. Sie tun dort alles, um nicht als Engländer oder Simulanten aufzufallen. Sie werden schließlich getrennt und Jahre später macht sich einer von ihnen auf die Suche nach dem anderen.
Obwohl die Geschichte wirklich sehr krass ist, zieht sie sich doch immer wieder und hat mich kaum mitgerissen. Vielleicht waren mir die Protagnisten nicht sympathisch genug oder waren zu flach, um gut bei ihnen mitfiebern zu können. Vielleicht wurden aber auch einzelne Abschnitte einfach zu lange erzählt. Ich kann ich nicht genau sagen, was es war, aber ich hatte wirklich kaum Interesse daran, weiterzulesen, obwohl die Thematik echt spannend war.
Als die Geschichte ab der Hälfte dann noch einmal in eine andere Richtung ging, hat es mir deutlich besser gefallen, auch wenn es noch einmal anders krass wurde. Und obwohl mich die Geschichte nicht zu 100% überzeugen konnte, war es doch eines der Bücher, die man nach dem Lesen nicht mehr so schnell vergessen kann.
Fazit:
Wer mal etwas ganz anderes lesen möchte, darf sich gerne mal an diesem Buch versuchen. Es geht wirklich unter die Haut und bleibt im Kopf. Leider ist es aber etwas langatmig und kann nicht jeden alleine durch die Thematik mitreißen. - Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(360)Aktuelle Rezension von: Hanns_Steffen_RentschlerAndreas Eschbach hatte eine geniale Idee.
Also wirklich.
Was wäre, wenn die Nazis schon Computer gehabt hätten?
Eine dieser Fragen, bei denen man als Leser das Popcorn fallen lässt und denkt:
„Holy shit – das wird böse.“
Aber was kommt?
Ein Roman wie ein eingeschlafener Systemadministrator.
Eschbach öffnet die Hölle – und macht dann erstmal ein Backup.
Er ersetzt Goebbels durch Google, Himmler durch Hashwerte und den totalen Krieg durch eine sehr gründliche Datenbankpflege.
Widerstand? Fehlanzeige.
Konsequenz? Abgemildert.
Technologischer Impact?
So revolutionär wie eine Fritzbox im Reichstagsbunker.
Denn wer glaubt, man könne dem Dritten Reich digitale Macht geben, ohne die Welt gleich mit in den Abgrund zu ziehen, der schreibt nicht spekulativ – der schreibt feige.
Statt einer rasenden Neuinterpretation der Geschichte gibt’s kleinteiliges Hackerpathos, moralisches Rumschleichen und ein bisschen Metaethik auf Unterhaltungsniveau.
Eschbach will warnen – aber bitte so, dass es niemandem den Schlaf raubt.
Die Vision bleibt brav. Die Dystopie harmlos.
Die Pointe?
Technik ist gefährlich.
Danke. Das wussten wir schon.
Eschbach zeigt mal wieder wie ungefährlich Literatur bleibt –
wenn sie ihre eigenen Ideen nicht zu Ende denkt.
Stell dir vor, Hitler hat Zugriff auf Big Data – und Eschbach macht daraus einen Roman über Datensparsamkeit.
- Stefan Zweig
Schachnovelle
(1.496)Aktuelle Rezension von: kristinaliestIch habe mich mit der Schachnovelle etwas schwergetan. Die Sprache wirkt oft hölzern, die Satzstellung ungewohnt, und viele Fremdwörter haben meinen Lesefluss gestört. Interessant fand ich jedoch die Schilderungen der Gefangenschaft. Dennoch wird das Buch wohl keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen.
- Hans Fallada
Jeder stirbt für sich allein
(317)Aktuelle Rezension von: Sonja_Schmitz1Durch Zufall bin ich auf Fallada und dieses Buch gestoßen.
Es ist eine sehr gut erzählte, tragische Geschichte über den Krieg, Hitler, den Widerstand und die Menschen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich werde mit Sicherheit weitere Fallada Bücher lesen. - Heinrich Böll
Ansichten eines Clowns
(472)Aktuelle Rezension von: Friedrich_SchoenhoffImmer wenn ich nicht begreife, warum ich so bin, wie ich bin, brauche ich nur das Buch zur Hand nehmen und mich an die Moral der Wirtschaftswunder-Gesellschaft erinnern. An Marie, die ihre Liebe Hans verlässt, weil er sich weigert, die Kinder, die sie bekommen könnten katholisch taufen zu lassen. Und Hans selbst, der, ohne sich hätte anstrengen müssen, in Wohlstand alt geworden wäre.
Statt dessen beschließt er, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, und Clown zu werden.
Er verachtet seine Eltern, die überzeugte Nazis waren und zeigt dem Spießertum erfolgreich den gestreckten Mittelfinger, bis Marie ihn verlässt
Nun wird er der traurigste aller Komödianten, ist völlig mittellos und blickt sentimental auf sein Leben zurück.
Das Buch reflektiert in Ansätzen eine Zeit, deren Macher mich groß gezogen haben, bis ich selbst gemerkt habe, wohin das Streben nach immer mehr führt und welchen Preis ich dafür bezahlen müsste.
Jeder ist ein Kind seiner Zeit und die, die folgen, bleiben Zeit ihres Lebens ein Stück Zeuge der Zeit, ob sie wollen oder nicht. Berührend und damals 1963 skandalös, als jemand sich traute, das Gesicht des Katholizismusses zu entlarven.
Der steht heute vor ganz anderen Problemen und löst sich gerade selbst auf
- Morton Rhue
Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten
(2.333)Aktuelle Rezension von: Perse- Details:
Ausgabe: Taschenbuch
Originaltitel: The Wave
Erscheinungsjahr: 1984 (in Deutschland)
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Verlag: Ravensburger
Genre: Jugendliteratur
Seitenanzahl: 186
- Inhalt:
In einer Amerikanischen Schule ereignete sich folgendes (nach einer wahren Begebenheit)... Im Geschichtsunterricht wird der Nationalsozialismus behandelt und den Schülern kommen Fragen auf: "Wie konnten die Deutschen behaupten sie hätten von alldem nichts gewusst?" und "Wie konnte es überhaupt soweit kommen?". Ein Lehrer beschließt daraus ein Experiment zu machen, dass sich verselbständigt und zu weit geht...
- Wie das Buch zu mir gefunden hat:
Ich hatte das Buch damals im Schulunterricht gelesen, als wir das Thema "Nationalsozialismus" behandelt hatten. Im Zuge dessen, haben wir uns auch ein Theaterstück dazu angesehen. Das Buch habe ich nie vergessen und wollte es noch einmal gelesen haben. Ich habe mir wieder eine "BIBCARD" gemacht und habe dann das Buch ausgeliehen...
- Meinung:
Der Nationalsozialismus ist ein sehr intensives Thema und deswegen ist dieses Werk so wichtig, weil es aufzeigt das wir Individuen sind die die Gabe haben selber zu Denken und zu hinterfragen. Denn das Handeln in der Gruppe, mindert nicht die Schuld am getanen.
- Fazit:
Ich habe das Buch gerne und zügig gelesen. Für mich gehört dieses Werk zu den Klassikern der Jugendliteratur und ist zu Recht eine Pflichtlektüre.
Ich hoffe, dass sich daran auch nichts ändert!
- Empfehlung:
Für alle, die etwas zum Thema "Nationalsozialismus" und/oder Sozialexperiment lesen möchten.
Eine Kauf- und Leseempfehlung von mir!
- Tipp:
- Schaut euch den gleichnamigen Film von 2008 an.
- Die Welle als Theaterstück ist nur zu empfehlen.
- Lieblingszitate:
"»Was damals geschehen ist, kann man heute nicht mehr ändern.« »Aber man darf es auch nicht vergessen«..."
Kapitel 3 - Seite 28
"Als er dann in die Klasse stürzte, erwartete er, eine Art Irrenhaus vorzufinden, doch er erlebte eine Überraschung."
Kapitel 6 - Seite 57
"»Du darfst nur nicht vergessen, dass das Beliebte durchaus nicht immer das Richtige sein muss «"
Kapitel 7 - Seite 70
"Und obgleich sie es wie im Scherz sagte, hoffte sie doch, das er es als Warnung verstünde."
Kapitel 7 - Seite 73
"»Laurie, wenn du einmal untersuchst, war für Menschen sich solchen Gemeinschaften anschließen, dann wirst du feststellen, dass es fast immer Menschen sind, die mit sich selbst und ihrem Leben unzufrieden sind. Sie sehen diesen Kult als eine Möglichkeit der Veränderung, eines neuen Anfangs, einer Art Wiedergeburt....«"
Kapitel 9 - Seite 95
"Man musste sich verstecken, wenn man nicht dazugehörte!"
Kapitel 12 - Seite 119
"»Faschismus, das ist nicht etwas, das nur andere Menschen betrifft. Faschismus ist hier mitten unter uns und in jedem von uns.«"
Kapitel 17 - Seite 177
"Einstein hat einmal gesagt: »Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.«"
Nachbemerkungen des Verlages - Seite 185
- Marcel Reich-Ranicki
Mein Leben
(250)Aktuelle Rezension von: ugadenneEigentlich steht es mir sicher nicht an, einen derart großartigen Kritiker zu rezensieren. Ich probiere es trotzdem.
Dieses autobiographische Werk schildert das ganze Leben von Marcel Reich-Ranicki. Der Autor schreibt in einem nüchternen, sachlichen Ton, trotzdem kann man die Gemütsbewegungen während des Lesens spüren
Es beginnt bei der Kindheit und Jugend in Berlin, wo er sich schon der Literatur verschrieben hat. Dann folgt die Deportation nach Polen und anschließend das Leben im Warschauer Getto. Dieser Teil hat mich total erschüttert. Es ist erstaunlich was Menschen anderen Menschen antun können. Und es ist noch erstaunlicher, dass Menschen das alles überlebt haben. Und trotz allem, ist die Liebe zu Literatur und Musik erhalten geblieben. Oder haben diese beiden ihm geholfen, das alles zu überstehen? Es muss grausam sein, alle seine Verwandten und Freunde zu verlieren. Trotzdem schafft er es, diesen Teil ziemlich nüchtern zu beschreiben. Trotzdem steht so vieles zwischen den Zeilen.
Es folgt die Blitzheirat mit Tosia, damit sie bei ihm im Getto bleiben darf. Später die Flucht und das Leben im Untergrund. Dieses Buch sollte eine Warnung für alle sein, die nach rechts driften!
Die Beschreibung seiner kurzen diplomatischen Karriere und die diversen Begegnungen und Freundschaften mit zeitgenössischen Autoren runden das Bild ab. Die Enttäuschung über viele seiner zeitweisen Freunde und Wegbegleiter kann er nicht verbergen. Ebenso haben die Ressentiments gegen Juden ihn sein Leben lang begleitet. Glücklich war er, dass sich sein Jugendtraum, Kritiker zu werden, erfüllt hat.
Marcel Reich-Ranicki war sicher nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse, woraus er auch gar keinen Hehl macht. Aber dieses Buch hat mich sehr ergriffen und fasziniert. Teil vier und fünf waren meines Erachtens teilweise zu langatmig, ja fast langweilig und ich hatte Mühe bis zum Ende durchzuhalten.
Trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung von mir.
- Judith Kerr
Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Band 1-3 (Ein berührendes Jugendbuch über die Zeit des Zweiten Weltkrieges) (Rosa Kaninchen-Trilogie, 1-3)
(453)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Berlin, 1933: Von einem Tag auf den anderen verändert sich das Leben der 9-jährigen Anna für immer. Ihre jüdische Familie sieht sich gezwungen mit ihr außer Landes zu fliehen als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen. Anna verliert ihr Zuhause und muss unter anderem ihr geliebtes Kuscheltier – ein rosarotes Kaninchen – zurücklassen. Die Familie lässt sich schließlich in der Schweiz nieder und versucht sich dort ein neues Leben aufzubauen, aber die Schwierigkeiten hören nicht auf. Bald schon ist ein erneuter Umzug erforderlich und es geht für Anna nach Frankreich…
„Ich meine nur, wir sollten zusammenbleiben“, sagte sie, „es ist mir gleich, wo oder wie. Es ist mir gleich, wenn die Umstände schwierig sind, wenn man zum Beispiel kein Geld hat […] – wenn wir nur alle vier zusammenbleiben.“ (S. 165)
Meine Meinung:
Es hat mich überrascht wie sehr mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen hat. Natürlich wusste ich schon vorher, dass dieses Buch allgemein sehr bekannt und auch beliebt ist, aber ich hatte dennoch nicht erwartet, dass es mir so sehr gefallen würde. Obwohl die Geschichte kindgerecht erzählt wird vermocht sie es auch mich als erwachsene Leserin mitzureißen.
Anna ist eine sehr sympathische und liebenswerte Hauptperson und man kann sich sehr gut in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen. Es ist bemerkenswert mit wieviel positivem Denken, Engagement und auch Tapferkeit sie neuen Situationen begegnet. Anna gibt nie auf auch wenn es durchaus Momente gibt in denen sie verständlicherweise sehr traurig ist und zu verzagen droht. In diesen Momenten leidet man sehr mit ihr. Es ist interessant, dass man die Geschehnisse aus Annas kindlicher Sicht erlebt. Aufgrund ihres Alters kann sie zunächst die Tragweite der politischen Entwicklungen noch nicht vollumfänglich erfassen und sie versteht nicht alles, was sie aus den Gesprächen der Erwachsenen aufschnappt. Ihre kindliche Sichtweise macht Vieles umso dramatischer und persönlicher. Was abstrakt als „Konfiszierung jüdischen Eigentums“ bezeichnet wird bedeutet für sie persönlich, dass sie ihr Kinderzimmer, die meisten ihrer Spielsachen und insbesondere ihr geliebtes rosarotes Kaninchenstofftier verliert. Für Anna bedeutet die Machtergreifung der Nationalsozialisten, dass sie ihr Zuhause und all ihre Freunde hinter sich lassen muss und sich in einem fremden Land zurechtfinden muss.
Da ich ohne Vorwissen an die Geschichte herangegangen bin wurde ich davon überrascht, dass der Haupthandlungsschauplatz der Geschichte gar nicht Deutschland ist. Da Anna mit ihrer Familie gleich zu Beginn des Buches außer Landes flieht, spielen sich die nachfolgenden Geschehnisse ausschließlich in der Schweiz und in Frankreich ab. Über die politischen Entwicklungen und die Lage in Deutschland erfahren die Hauptpersonen somit nur durch Zeitungsartikeln, Radioreportagen und durch Briefe von in Deutschland gebliebenen Bekannten. Trotzdem ist die Bedrohungslage für Anna und ihre Familie spürbar und man kann gut verstehen, dass sie sich Sorgen machen, dass sie möglichweise auch in den Nachbarländern nicht mehr lange sicher sein werden.
Während viele Geschichten mit einer geglückten Flucht aus dem Einflussbereich der Nationalsozialisten enden, wird hier gezeigt, dass damit dennoch nicht alle Probleme beseitigt sind. Natürlich hat Annas Familie mehr Glück und ist privilegierter als all die jüdischen Familien, die es sich nicht leisten konnten Deutschland zu verlassen. Einfach ist ihre Lage aber dennoch nicht, denn Annas Vater hat es schwer eine anständig bezahlte Arbeit zu finden, die Ersparnisse schwinden unaufhaltsam und schließlich gerät die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Der gewohnte, vergleichsweise hohe Lebensstand von einst kann nicht länger aufrechterhalten werden und das belastet auch die Ehe von Annas Eltern. Darüber hinaus müssen die Familienmitglieder verkraften, dass sie ihr Zuhause verloren haben und sie sich entwurzelt fühlen. Gleichzeitig gilt es aber auch alles zu tun um sich in der neuen Umgebung einzuleben. Als Fremde ist es aber gar nicht so einfach sich in einem neuen Land zurechtfinden und Kontakte zu knüpfen. Selbst in der Schweiz, die Deutschland eigentlich kulturell sehr ähnlich ist, stellt Anna fest, dass das Schulsystem dort völlig anders ist und es eine Menge Bräuche und Sitten gibt, die ihr nicht vertraut sind und die dafür sorgen, dass sie bei den anderen Kindern aneckt. Als die Familie dann nach Frankreich umziehen muss kommen sprachliche Barrieren hinzu. Es verlangt Anna und Max viel ab den auf Französisch stattfindenden Schulunterricht zu bewältigen.
Der Autorin hat ein Talent dafür mit vergleichsweise wenigen und einfachen Worten und durch kleine, relativ unaufgeregte Szenen viel zu vermitteln. So hat mich beispielsweise das Drama rund um Onkel Julius besonders bewegt obwohl man ihn nur anhand seiner Briefe kennenlernt und durch die Erzählungen seines Nachbarn. Auch Annas Gefühlausbruch als ihre Eltern zunächst ohne sie und Max nach Großbritannien reisen wollen, ging mir sehr nahe:
„Aber Anna“, sagte Mama, „viele Kinder trennen sich für eine Zeit von ihren Eltern […].“– „Ich weiß“, sagte Anna, „aber es ist etwas anderes. Wir haben keine Heimat. Wenn man kein Zuhause hat, dann muss man bei seinen Leuten bleiben. […] Ich weiß, dass wir keine Wahl haben, und dass ich alles nur noch schwerer mache. Aber bis jetzt hat es mir nie etwas ausgemacht, ein Flüchtling zu sein. Es hat mir sogar gefallen. […] Aber wenn ihr uns jetzt wegschickte, habe ich solche Angst… ich habe so schreckliche Angst…“ – „Wovor denn?“ fragte Papa. – „Dass ich mir wirklich wie ein Flüchtling vorkomme“, sagte Anna und brach in Tränen aus. (S. 165)
Obwohl es viele traurige Momente gibt, ist es kein Buch, das einem ohne Hoffnung zurücklässt. Die Geschichte vermittelt trotz allem eine schöne und zu Herzen gehende Botschaft: Das Zuhause ist dort, wo die Familie ist. Der familiäre Zusammenhalt ist eine unglaublich große Hilfe, wenn es gilt sich mit Schwierigkeiten zu arrangieren und Hindernisse zu überwinden. Außerdem wird vermittelt wie wichtig es ist die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. So stellt Anna z. B. fest, dass nicht allein ein Berg von Geschenken den Zauber von Weihnachten ausmacht. Auch kleine Geschenke genügen so lange man eine schöne Zeit mit den Menschen verbringt, die einem am Wichtigsten sind.
Außerdem gibt es auch Szenen, die die Geschichte auflockern und dafür sorgen, dass es nicht zu bedrückend wird. So ist es beispielsweise sehr lustig zu verfolgen wie Anna und ihr Bruder Max mit ihren mangelnden Französischkenntnissen im Schreibwarenladen Bleistifte kaufen, denn es kommt natürlich zu so einigen Missverständnissen. Auch ist es sehr unterhaltsam wie kreativ Max sich beim Schreiben seines Französischaufsatzes eine Menge Arbeit spart: Er schreibt über ein Festessen und zählt dann einfach mithilfe des Wörterbuches endlos viele Speisen auf, die den Leuten aufgetischt werden.
Fazit:
Dieses Buch erzählt auf feinfühlige und vergleichsweise ruhige Weise eine sehr berührende und ergreifende Geschichte. Neben traurigen Momenten gibt es auch die eine oder andere lustige Begebenheit und das Buch lässt einem nicht ohne Hoffnung zurück. Es wird eine schöne Botschaft vermittelt: Das Zuhause ist dort, wo die Familie ist und man kann sich mehr als nur einem einzigen Ort zugehörig fühlen:
„Glaubst du, dass wir jemals irgendwo richtig hingehören werden?“ – „Ich glaube nicht“, sagte Papa, „nicht so, wie die Menschen irgendwo hingehören, die ihr Leben lang an einem Ort gewohnt haben. Aber wir werden zu vielen Orten ein wenig gehören, und ich glaube, das kann ebenso gut sein.“ (S. 170/171)
- Nele Neuhaus
Tiefe Wunden (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 3)
(769)Aktuelle Rezension von: mxchellex678Tiefe Wunden ist ein solider Kriminalroman aus der Reihe um Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Wie gewohnt schreibt Nele Neuhaus flüssig und detailreich, wodurch sich die Geschichte angenehm lesen lässt. Der Fall selbst war spannend aufgebaut, konnte mich aber nicht vollkommen fesseln. Einige Wendungen wirkten vorhersehbar, und die emotionale Tiefe, die ich mir gewünscht hätte, blieb etwas aus.
Trotzdem überzeugt das Buch mit einer gut konstruierten Ermittlungsarbeit und authentischen Figuren. Besonders Fans der Reihe werden hier auf ihre Kosten kommen, auch wenn es für mich persönlich kein Highlight war. Insgesamt ein gutes, solides Buch – lesenswert, aber nichts, was lange im Gedächtnis bleibt.
- Felix Weber
Staub zu Staub
(23)Aktuelle Rezension von: buecherGott🌟🌟🌟🌟🌟 fünf Sterne weil für mich alles gepasst hat und ich den lese Spaß hatte
Ich bin ganz ehrlich das ist nicht so meins aber dieses Buch ist irgendwo spannend beim Lesen,mal was anderes da mich das Cover auch neugierig gemacht hat .
Der Klappentext und die Leseprobe haben mich dann doch überzeugt es zu lesen auch wenn ich anfangs durch die Zeit Ebenen Schwierigkeiten hat lohnt es sich das Buch zu lesen.
Wer sich für die Kriegs Zeit im 2.Weltkrieg und das drum herum intressiert ist hier mit dem Buch genau richtig es spielt sich in den Niederlande um1949 ab.
Staub zu Staub von Felix Weber ist sehr gut geschrieben sodass man mit kommt und es ist spannend und intressant auch wenn man sich anfangs warm lesen muss
Aber es ist auch nicht ohne wenn man so bedenkt . .da fühlt aber jeder wieder anders beim Lesen
Ja es ist schon ein Krimi aber nicht so ein Krimi den wir kennen
Hier gibt es ein paar Zeitebene und Orte beim Kapitel Wechsel was wiederum ein verwirren könnte mit der Seiten Anzahl geht es aber dann .
Es ist spannend und lesenswert😉📚























