Bücher mit dem Tag "native americans"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "native americans" gekennzeichnet haben.

89 Bücher

  1. Cover des Buches Friedhof der Kuscheltiere (ISBN: 9783453504073)
    Stephen King

    Friedhof der Kuscheltiere

     (1.909)
    Aktuelle Rezension von: Sarah31

    Ich habe dieses Buch als Teenager gelesen und bis heute kann ich sagen, dass es mit eines der besten Bücher ist.

    Die Spannung nimmt kein Ende und ich muss sagen das ich an so manchen Stellen Gänsehaut bekommen habe.

    Die Katze, was mit der Familie geschieht, der Friedhof einfach alles hinterlässt einen Schauer und zieht einen in seinen Bann.

    Ich habe damals auch den Film gesehen und kann sagen das beides gleich gut ist. Nicht wie bei vielen Dingen, Buch Klasse, Film schlecht..

    Absolut garnicht.

    Klare empfehlung meinerseits.



  2. Cover des Buches Knochenjagd (ISBN: 9783453437715)
    Kathy Reichs

    Knochenjagd

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Nala73

    Tempes neuester Fall beginnt wie ein Albtraum: In einer verlassenen Wohnung liegt, eingewickelt in ein Handtuch, die Leiche eines Neugeborenen. Und bald tauchen noch zwei weitere tote Babys auf. Die fi eberhafte Jagd nach der Mutter beginnt. Ist sie überhaupt die Mörderin? Ihre Spur führt Brennan und ihren Kollegen Ryan tief in die kanadische Einöde – und in das Revier eines eiskalten Killers ...

  3. Cover des Buches Das Haus des Windes (ISBN: 9783351035792)
    Louise Erdrich

    Das Haus des Windes

     (103)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Und wie seltsam, wie merkwürdig, dass etwas so mächtig werden kann, wenn es am falschen Ort Wurzeln schlägt. Ideen auch, murmelte ich. Ideen.“

    Inhalt

    Joe Coutts steht an der Schwelle zur Pubertät und verbringt seine Nachmittage gerne draußen im Indianerreservat in Gesellschaft seiner Freunde, mit denen er alle Gedanken teilt, die sich ihm aufdrängen. Bis eines Tages seine Mutter Opfer einer Vergewaltigung wird und sich wie ein Häufchen Elend in ihr Zimmer verzieht und fortan weder für den Vater, noch den Sohn ansprechbar ist. Für Joe bricht eine Welt zusammen, nicht nur weil die Erwachsenen mehr zu wissen scheinen als er, sondern vor allem weil sein geordneter, friedvoller Familienalltag vollkommen auf den Kopf gestellt wurde. Langsam nähert sich der Heranwachsende einer Wahrheit, die er zwar eigentlich nicht kennen möchte, die ihm aber hoffentlich die Mutter zurückbringt, deren körperliche Hülle mittlerweile wieder durchs Haus eilt, die aber dennoch eine gebrochene Frau ist. Als der mutmaßliche Vergewaltiger wieder ganz in der Nähe auftaucht, reift in Joe ein mörderischer Plan, denn Gerechtigkeit, die nicht vollzogen wird, macht nichts ungeschehen und wenn kein anderer dazu fähig ist, Rache zu üben, dann wird er eben selbst die Dinge, die getan werden müssen, in die Hand nehmen …

    Meinung

    Der vorliegende Roman der amerikanischen Bestsellerautorin, die hiermit den National Book Award für den besten Roman des Jahres erhielt, thematisiert nicht nur die Vergewaltigung und Selbstjustiz, sondern zeigt ein buntes Leben zwischen der Tradition und der Moderne in den Indianerreservaten von North Dakota. Während die Handlung des Buches im Jahre 1988 angesiedelt ist, schildert der Erzähler die Dinge aus seiner Erinnerung, die durchsetzt ist mit zahlreichen Momentaufnahmen, zwischen dem ganz normalen Leben als Teenager, seiner Identität und Herkunft im Reservat und den Handlungen, denen er sich schuldig gemacht hat. Es sind also eine Menge Hintergründe und viele Jahre des Lebens, die sich hier auf eine relativ kurze Zeitspanne erstrecken und an deren Ende ein abgeschlossener Reifungsprozess steht, bei dem ein Junge zum Mann geworden ist.

    Das Buch stand nun schon etliche Jahre ungelesen im Regal, da ich aber nach dem Werk „Der Gott am Ende der Straße“, welches ich im Erscheinungsjahr gelesen habe, unbedingt noch ein weiteres Buch der Autorin kennenlernen wollte, habe ich nun dieses hier in Angriff genommen und bin mit einer bestimmten Erwartungshaltung an die Lektüre herangegangen. Erhofft habe ich mir einen emotional-intensiven Roman über die Frage der Schuld und die Fallen der Entscheidungsgewalt in Verbindung mit dem Leben eines Jungen, der Rache üben möchte und dem es auch gelingt – jedoch mit der Ambivalenz widerstreitender Gefühle, die die Grenzen zwischen Recht und Gerechtigkeit verwischen lassen. Und dieser Sachverhalt wird im vorliegenden Text stiefmütterlich behandelt, weil er eigentlich nur der Aufhänger für die Story ist und das eigentliche Setting ganz andere Prioritäten setzt.

    Viel intensiver und konkreter wird das alltägliche Leben im Reservat beleuchtet, ebenso wie die Gefühlswelt heranwachsender Jungen, die sich plötzlich fürs weibliche Geschlecht interessieren und heimlich Bier trinken. Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt, um ein Leben in einem Grenzgebiet, wo es klare Richtlinien und unterschiedliche Gesetze gibt und die Menschen sehr genau darauf achten, wer mit wem Umgang pflegt. Tatsächlich hat mir dieser ausufernde, umfassende Stil, der so viele Aspekte aufgreift am allerwenigsten gefallen, denn der Text mäandert und kommt vom Hundertsten ins Tausendste, ohne eine klar erkennbare Linie, eine zielgerichtete Struktur. Die Inhalte, die der Klappentext verspricht, sind dabei eher Nebensächlichkeiten und gehen irgendwo zwischen der Stimmung und den Menschen der Geschichte verloren.

    Sprachlich hingegen habe ich kaum etwas zu meckern. Louise Erdrich schreibt formschön, lässt Bilder lebendig werden und bündelt Gefühle an der richtigen Stelle, dass die Inhalte dabei schwanken, ist für die Geschichte rund um Joe Coutts nicht störend, wohl aber für die Gesamtausrichtung des Romans. Für mich war das Lesen ein ständiges Auf und Ab, ein Wechsel zwischen langatmigen, uninteressanten Passagen und dann wieder dem Aufblitzen genialer Gedankengänge, denen ich voller Eifer folgen konnte. Die Story ist also weder langweilig noch absolut spannend, sie entspricht nur nicht meinen persönlichen Ansprüchen.

    Fazit

    Ich vergebe 3 Lesesterne für diesen Roman über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes, der von Rachegelüsten gequält wird und der in einer Welt aufwächst, die sehr genau zwischen Gut und Böse unterscheidet. Leider konzentriert sich das Buch vielmehr auf das Leben im Indianerreservat als auf die tatsächlichen Ereignisse zwischen Vergewaltigung, Rachegedanken und Mord und dadurch hat es mir diesbezüglich eindeutig zu wenig Input geliefert. Die fehlende Ausrichtung und die verschwimmenden Konturen sind Kritikpunkte, die mich ebenfalls sehr gestört haben, so dass ich ein im Kern gutes Buch eher als enttäuschend empfand und es nur bedingt weiterempfehlen kann. 

    Zunächst dachte ich, dass ich mit „Der Gott am Ende der Straße“ ein inhaltlich schwächeres Buch der Autorin erwischt hätte, doch nun merke ich, dass auch dieses hier nicht ganz meinen Geschmack trifft. Im Regal wartet nun noch „Ein Lied für die Geister“ auf mich, sollte auch dieses nur eine mittelmäßige Bewertung schaffen, dann werde ich die Autorin von meiner Liste streichen, nicht weil sie schlecht schreibt, sondern weil mir die Bücher zu wenig Gedankenfutter liefern und mich emotional nicht erreichen können. 

     

  4. Cover des Buches Rain Song (ISBN: 9783401504230)
    Antje Babendererde

    Rain Song

     (314)
    Aktuelle Rezension von: books_and_baking

    In dieses Buch ist man schnell und leicht rein gekommen, weil der Schreibstil sehr gut war. Ich mochte es sehr, dass die Geschichte aus der Perspektive von mehreren verschiedenen Personen geschrieben ist. Auch der Handlungsort hat mir mega gefallen, doch leider bin ich mit den Protagonisten nicht ganz warm geworden. Hanna, die eigentlich auf der Suche nach ihrem Verlobten war, hat sich für mich gefühlt nie so wirklich auf die Socken gemacht und somit ist für mich die Geschichte lange nur auf einer Stelle stehen geblieben. Doch zum Ende hin hat die Story doch noch an Fahrt aufgenommen und ich hätte nie mit diesem Ende gerechnet. Es war für mich eine sehr nette Geschichte für zwischendurch, die aber etwas mehr Spannung zwischendurch vertragen hätte.

  5. Cover des Buches The Revenant – Der Rückkehrer (ISBN: 9783492305655)
    Michael Punke

    The Revenant – Der Rückkehrer

     (63)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Ein interessantes und sehr spannendes Abenteuerbuch! Es entführt die Leser in eine vergangene Zeit, in eine vergangene Welt, in die nördlichen Prärien des frühen 19. Jahrhunderts. Auch dieses Buch transportiert keine Wildwestromantik, sondern zeigt eine eher grausame Realität. "The Revenant - Der Rückkehrer" ist eine abenteuerliche und auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die die Natur und die Gewalt der Menschen und die Grausamkeit und Gleichgültigkeit der Natur zeigt. Es geht um ein aggressives Geschehen und eine Reaktion darauf, den Wunsch nach Rache. Hugh Glass wird von seinen Reisegefährten beraubt und schwer verletzt in den Prärien zurückgelassen. Dennoch kann er sich retten und dürstet nach Rache. Vielleicht hat ihn auch gerade die Tat seiner Reisegefährten wieder ins Leben zurückgeholt. Wer weiß das schon?!?! Mir erschien es auf jeden Fall so. Dabei fand ich die Schreibe interessant und das Thema gut rübergebracht, etwas gestört hat mich nur, dass die indianischen Bewohner Amerikas hier nicht so gut wegkommen, aber hier spricht nur mein Wunsch und vielleicht auch meine Romantik. Denn beide Bevölkerungsgruppen werden authentisch und menschlich gezeichnet, wir leben ja auf keinem rosaroten Ponyhof. Die lebensfeindlichen Witterungsbedingungen werden perfekt geschildert und der Leser bekommt eine Ahnung davon, was es heißt damals und an diesem Ort gelebt und überlebt zu haben. Ebenso finde ich, dass dieses Buch ein Winterbuch ist, denn in dieser Jahreszeit wird der Geist des Buches noch etwas besser transportiert.

    Interessant finde ich auch, dass das Buch recht wenig Ähnlichkeit zu dem Film aufweist. Und das Buch durchaus realer rüberkommt und damit bekommt der Film, den ich auch sehr schätze, einige Minuspunkte ab. Denn die Figur des Hugh Glass kommt in dem Buch weniger reißerisch rüber, ist aber dafür deutlich lebensechter! Wenn das Drehbuch des Films sich mehr an dem Buch orientiert hätte, wäre der Film ebenso toll geworden. Schade!

  6. Cover des Buches Dort dort (ISBN: 9783446264137)
    Tommy Orange

    Dort dort

     (26)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    Tony Loneman, Dene Oxendene, Opal Viola Victoria Bear Shield, Edwin Black, Bill Davis, Calvin Johnson, Jacquie Red Feather, Orvil Red Feather, Octavio Gomez, Daniel Gonzales, Blue, Thomas Frank - 12 Menschen, deren Schicksale sich unwiederbringlich und auf tragische Weise miteinander verflechten. Sie alle kommen zum diesjährigen Powwow in Oakland zusammen, manche als Veranstalter*innen, manche als Tänzer*innen, andere als Zuschauer*innen - und einige mit bösen Absichten. Dabei entsteht eine Geschichte die vor Vielfalt, Dramatik und Wucht nur so strotzt.


    Tommy Oranges Roman "Dort, Dort" ist ungewöhnlich: er lässt sehr, sehr viele Figuren zu Wort kommen, die bis auf die Tatsache, dass sie Native Americans sind und vorhaben, am Powwow in Oakland teilzunehmen, auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto klarer werden jedoch die Verbindungen zwischen den verschiedenen Charakteren. Mit viel Raffinesse und einem ganz besonderen Schreibstil erzählt der Autor - der selbst Mitglied der Cheyenne und Arapaho Tribes ist und in Oakland geboren wurde - von Amerikas ersten Bewohnern. Er berichtet von deren Vergangenheit und Gegenwart, von Gewalt und Sucht, von Fremdbezeichnungen und umgedeuteter Geschichte.


    Das Buch ist in sehr viele verschiedene Kapitel unterteilt, die immer aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben sind. Was zunächst etwas unübersichtlich klingt, wird aber durch die kurze, dem Roman vorangestellte, Aufstellung der Charaktere mit knappen und genau ausreichenden Beschreibungen aufgelöst. Mir fiel das Lesen tatsächlich von Anfang an sehr leicht und ich mochte diese Komposition aus verschiedensten Sichtweisen so gerne! Außerdem gibt es einen Prolog und ein Zwischenspiel, in denen der Autor auf die ihm eigene Art und Weise geschichtliche Hintergründe erläutert und beispielsweise verständlich macht, was ein Powwow eigentlich ist.


    Ich hatte nach dem Zuklappen des Romans das Gefühl, einerseits sehr viel Neues gelernt zu haben (Notiz an mich selbst: häufiger und intensiver mit Native Americans beschäftigen - vorzugsweise wie hier durch Own Voice-Autor*innen!) und andererseits war ich auch völlig mitgenommen davon, wie heftig die Geschichte ausgeht. "Dort, Dort" ist klug, besonders, intensiv und einfach anders - sehr lesenswert!

  7. Cover des Buches Die Geschichte des Sitting Bull. (ISBN: 9783938305959)
    Erik Lorenz

    Die Geschichte des Sitting Bull.

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Lessayr
    Dieses illustrierte Buch „Geschichte des Sitting Bull“ vom Autor Erik Lorenz erschien im März 2016 im Palisander Verlag. Es erzählt die Geschichte von Sitting Bull, einem Indianer vom Stamm der Lakota.

    Der Klappentext spiegelt sehr gut den Inhalt des Buches wieder ohne zu viel zu verraten:
    Der zehnjährige David vom Stamm der Sicangu Lakota kennt Tatanka Iyotake, besser bekannt als Sitting Bull, nur als eine mythische Gestalt seines Volkes. Als er seinen Großvater besucht, erfährt er von ihm die wahre Geschichte des berühmten Häuptlings und Medizinmanns der Lakota. Am Lagerfeuer des alten Mannes taucht er ein in eine längst vergangene Zeit, in die faszinierende Welt des amerikanischen Westens – die spannende Lebensgeschichte Sitting Bulls.
    In dieser großartig illustrierten, auf historischen Tatsachen beruhenden Erzählung für Jung und Alt wird die wechselvolle Geschichte des Jägers, Sonnentänzers, Kriegers, Geheimnismanns, Kriegshäuptlings und Showmanns Sitting Bull zu neuem Leben erweckt.

    Statt einer trockenen Biografie schreibt der Autor Erik Lorenz eine sagenumwobene bewegende Geschichte in die man tief hinein taucht und sich versinken sieht. Alle biographischen Aspekte werden in der Erzählweise eines Romans geschildert. Die Umgebung und die Geschehnisse werden alle sehr detailliert und ausführlich beschrieben. Die Umgebungen sind traumhaft dargestellt was durch die zahlreichen Illustrationen auch zur Geltung kommt. Sehr gut gefallen haben mir die Seiteninformationen im Buch. Hier wurde zusätzliches Hintergrundwissen genannt oder Begriffe erläutert. Gerade wenn nicht alles sehr geläufig ist eine gute Ergänzung.

    Die Gestaltung und die Aufmachung des Buches sind hochfertig. Das gebundene Buch überzeugt von seinem Material und wurde zusätzlich mit vielen liebevollen Illustrationen von Claudia Lieb geschmückt.

    Auch wenn dieses Buch eher ein Sachbuch mit romanhaften Zügen ist, empfehle ich jedem dieses Buch. Es ist ein Werk welches inhaltlich und äußerlich auf ganzer Linie überzeugt.
  8. Cover des Buches Julischatten (ISBN: 9783401509075)
    Antje Babendererde

    Julischatten

     (198)
    Aktuelle Rezension von: Hannah_S_

    Ich weiß gar nicht mehr, wann ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe. Seitdem waren es jedoch mindestens schon drei weitere Male... "Julischatten" schafft es immer wieder, mich in seinen Bann zu ziehen und mich ins ferne Amerika zu träumen. Ich kann gar nicht genau sagen, was mich an diesem Buch so fasziniert - vielleicht ist es die Mischung von Szenen aus Tagträumen und brutaler Realität, die einen immer wieder unvorhergesehen trifft. Im einen Moment reitet man auf dem Pferderücken durch die Prärie, im nächsten ist man mit der trostlosen Realität in den Reservaten konfrontiert. 

    Die drei Hauptcharaktere Sim, Lukas und Jimi sind detailreich beschrieben und ihre ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten kann ich mir lebendig vorstellen. Auch die Handlung erwacht vor meinem inneren Auge zum Leben und packt mich jedes Mal aufs Neue. Und auch wenn ich die entscheidenden Wendepunkte nach dreimaligem Lesen schon kenne, schaffen sie es doch jedes Mal, mich zu Tränen zu rühren. Das will etwas heißen, denn das schaffen schon beim ersten Mal lesen nicht viele Bücher. Von mir eine definitive Leseempfehlung!

  9. Cover des Buches Der scharlachrote Pfad (ISBN: 9783941485235)
    Kerstin Groeper

    Der scharlachrote Pfad

     (29)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Wild ging es zu, als diverse Indianerstämme noch Kriege gegeneinander führten, Frauen und Kinder raubten und an ein freies Leben glaubten. Doch zum Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich alles. Die Indianer mussten ihre Lebensweise umstellen und wurden den von Weißen aus ihren Jagdgebieten vertrieben. 

    Neun Jahre lang begleitet die Autorin eine fiktive Familie und beschreibt deren Leben ebenso, wie die Stammesbräuche. Als Leser erfährt man, wie Familien auseinander gerissen und neu zusammengestellt werden. Man sieht die Kinder aufwachsen und das Streben der Jungen danach, Krieger zu werden. Auch wenn die Autorin in ihrem Nachwort schreibt, dass die sich weniger für die Kriegsführung und die Kämpfe interessiert, kommt sie nicht umhin, auch diese zu beschreiben. Besser gefallen haben mir allerdings die Szenen, die das Alltagsleben der Indianer zum Inhalt haben.

    Ebenso wie die Jahreszeiten wiederholen sich viele Verhaltensweisen und Erlebnisse der Indianer in der ersten Hälfte des Romans. Beinahe hätte ich die Lust am Weiterlesen verloren. Dabei hatte ich vor Jahren schon „Im fahlen Licht des Mondes“ von Kerstin Groeper gelesen, das mir sehr gut gefallen hatte. Beim „scharlachroten Pfad“ (ihrem ersten Roman) gelang es der Autorin erst etwa ab der Hälfte, mich in gewohnter Weise einzufangen. Da kannte ich die Personen und verfolgte atemlos mit, wie die Weißen mit Amerikas Ureinwohnern umgingen, so dass sie über die Grenze nach Kanada flüchten mussten, um ihr Leben zu retten.

    Sieben Bücher über das Leben von Indianern hat Kerstin Groeper inzwischen veröffentlicht. Die Idee dafür entstand bereits in den 80er Jahren, als sie in Kanada lebte und die Reservation „Wood Mountain“ in Saskatchewan besuchte und die Geschichte einer Lakota-Gruppe erfuhr. 

    Obwohl mich der Anfang des Buches teilweise langweilte und maximal drei Sterne wert war, fand ich den zweiten Teil so spannend, dass insgesamt doch eine vier-Sterne-Wertung zustande kam. 

  10. Cover des Buches Waterlily (ISBN: 9783957840325)
    Ella Cara Deloria

    Waterlily

     (16)
    Aktuelle Rezension von: karatekadd

    Lange Zeit waren es fast ausschließlich Romane, historische Romane, die ich über „Indianer“ las, über die indigenen Völker vor allem Nordamerikas. Erst in den letzten Jahren wurde ich, nicht zuletzt durch inspiriert durch die Veröffentlichungen des Palisander Verlages, auf neuere Werke, Veröffentlichungen, aufmerksam, wiederum Romane aber auch Sachbücher. Vermehrt las ich Bücher, die von Angehörigen der Völker selbst verfasst wurden, von diesen schrieb ich bereits auf dem Blog. Dabei waren die Biografie über Sitting Bull von Ernie la Pointe, die gesammelten Märchen und Geschichten in Roter Vogel erzählt von Zitkala-Ša oder das Buch Das Wunder vom Little Bighorn von John Oute Sica.
    Wieder liegt ein Roman vor mir. Die Autorin von Waterlily, Ella Cara Deloria (1889 – 1971), Anpetu Waste-win (Schöner-Tag-Frau), ist vermutlich eine „Ausnahme-Indianerin“, ebenso wie Gertrude Simmons Bonnin – Zitkala-Ša (1876 - 1938). Diese Bemerkung beruht allein darauf, dass beide Dakota – Indianerinnen die „angebotene“ Schulbildung nutzten und als Erwachsene Schriftstellerinnen wurden.

    Waterlily. Die Geschichte einer Dakota / Lakota Frau und eigentlich deren Mutter Blue Bird. Blue Bird verlor ihre Eltern und Brüder durch einen Überfall während eines Jagdausfluges, gemeinsam mit ihrer Großmutter wurde sie in einer anderen Stammesgruppe aufgenommen, heiratete und gebar Waterlily (Mni Hčahča-win). Blue Bird wird von ihrem Mann verstoßen. Besucher im Dorf erkennen sie als Verwandte und sie kehrt mit Großmutter und Tochter zu ihrer alten Stammesgruppe zurück. Waterlily wächst nun hier im Kreise einer großen Familie auf.
    Im letzten Teil des Romans ist dann nur kurz von weißen Männern die Rede. Durch infizierte Decken und Kleidung, deren starke Farben den Menschen sehr gefallen, sterben viele. Es wird beschlossen, die Überlebenden zu isolieren, das heißt, sie sollen in kleinen Gruppen die Stammesgruppe verlassen.

    Auf einem Sonnentanzfest bewundert sie einst einen Krieger, dem sie, nach den Strapazen der Zeremonie erschöpft, Wasser reicht. Durch Zufall wird dieser später ihr Mann, erfährt aber nicht, dass sie das Mädchen auf dem Fest war.

    Indianer einmal anders und doch nicht. Es ist ein „Dakota-Frauen-Roman“. Eine Dakota schreibt vor allem über das Zusammenleben, von Traditionen, Zeremonien, Glauben. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern und vor allem das zu den Kindern steht im Mittelpunkt des Romans. Ebenso gilt das für die Rolle der Familie, meist Großfamilien (tiyospaye), die innerhalb einer Zeltgruppe / Stammesgruppe wohnen.

    Die Regeln des Zusammenlebens im 19. Jahrhundert zeigen deutlich, dass wir es mit einer mehr entwickelten zivilisatorischen Gesellschaft zu tun hatten, als es die lange noch verbreiteten Klischees vom „edlem Wilden“ annehmen lassen würden, auch wenn diese vom Staat, dem Staatsvolk und dem Staatsgebiet nichts wussten. Die Rolle der Frauen würden wir heute als überholt, die der Kindererziehung vielleicht als vorbildlich ansehen. Besonders deutlich wird uns eine Art Solidarpakt vorgestellt, wenn die Teilung von Jagdbeute, die Lagerung von Nahrungsmitteln für Familien und die Unterstützung, wenn die Männer als Jäger und Krieger fielen oder starben. Die Selbstverständlichkeit der Aufnahme auch nicht unmittelbar Verwandter in das tiyospaye oder gar Alleinstehender, das „Verwandte machen“.

    So ist das Buch kein „Abenteuerroman“, als den man frühere Bücher über die indigenen Völker angesehen hätte, Krieg und Kampf stehen nicht im Vordergrund. Die Geschichte von Blue Bird und Waterlily ist jedoch gleichermaßen spannungsreich und vor allem äußerst informativ, packend und bewegend.

    Ella Cara Deloria, deren Geschichte der Übersetzer im Anhang größeren Raum einräumt, war eine Yankton-Dakota, der Großvater mütterlicherseits war ein US-General. Sie wuchs unter Lakota auf Standing Rock auf und sprach beide Dialekte. Deloria hatte das Glück, dass sie in der Schule auf eine verständnisvolle Lehrerin traf. Später selber Lehrerin erzählt sie von „glücklichen, eifrigen Kindern, aufmerksam gegenüber jedem Gegenstand, in den sie eingeführt wurden“, und gründlichem Unterricht. Selbstverständlich ist dies am Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Die Methoden gegenüber den Indianerkindern in Internaten wie der Carlisle Industrial School, wo ihnen ihre Muttersprache verboten wurde und man den „Indianer in ihnen töten wollte um Amerikaner aus ihnen zu machen“, waren vorherrschend.
    Und doch, die bereits oben erwähnte Schriftstellerin Zitkala-Ša lernte und lehrte später auf einer solchen Schule. Ella Deloria erwarb auch einen Hochschulabschluss und veröffentlichte zu Geschichte, Traditionen und Sprachen der Lakota und Dakota. Waterlily allerdings konnte sie zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen.

    Es gibt gerade aus den letzten 20 Jahren eine Menge guter Bücher über die indigenen Völker Nordamerikas, für mich stechen Ella Cara Deloria mit WATERLILY und Gertrude Simmons Bonnin –Zitkala-Ša mit ROTER VOGEL ERZÄHLT (Rezension) heraus, weil es indianische Autoren besonderer amerikanischer Literatur sind. Ebenso gilt dies für John Okute Sica und sein Buch DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN

    Diese hat der Palisander – Verlag und dessen Verleger und Übersetzer Frank Elstner versammelt und damit allen interessierten Leserinnen und Lesern die Möglichkeit geschaffen, die geliebten Romane, zum Beispiel von Liselotte Welskopf-Henrich, auf deren Hintergrund zu „überprüfen“. Ich staune immer wieder, welches Grundwissen Liselotte Welskopf-Henrich in ihren Romanzyklen DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN offenbarte, denn vieles erklärt nun im Detail Waterlily.

    Das Buch beinhaltet ein Nachwort zur Autorin und Textauszüge aus Roter Vogel erzählt sowie einen Auszug aus Erik Lorenz Die Geschichte des Sitting Bull.

  11. Cover des Buches Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses (ISBN: 9783426628041)
    Dee Brown

    Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses

     (59)
    Aktuelle Rezension von: Wiosna
    Dieses Buch zeigt auf, wie die Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die "Weißen" aus Sicht der Ureinwohner ablief. Schonungslos stellt Dee Brown dar, wie rücksichtslos und brutal der "Weiße Mann" bei der Okkupation des Kontinents vorging.

    Dieses detailliert recherchierte Buch sollte Pflichtlektüre für alle werden, die den "Amerikanischen Traum" bejubeln - er wurzelt in einem blutgetränkten Boden.
    Es wird aufgeräumt mit dem durch seichte "Wild-West-Filme" verbreiteten Bild des "bösen Roten", der die "armen Weißen" abschlachtet.

    Millionenfaches Leid auf Seiten der Ureinwohner - und nur wenige interessiert es. Schaut auf die aktuelle Situation der "Indianer". Es macht fassungslos. Die Verbitterung ist nachvollziehbar.

    Ein wichtiges Buch.
  12. Cover des Buches Der Gott am Ende der Straße (ISBN: 9783351037567)
    Louise Erdrich

    Der Gott am Ende der Straße

     (23)
    Aktuelle Rezension von: nonostar

    Die Welt hat sich verändert, Flora und Fauna scheinen sich zurück zu entwickeln und bringen frühere Arten ihrer Sezies hervor. Für die Menschen bedeutet das, das viele Kinder nicht überleben oder missgebildet zur Welt kommen. Schwangere werden gejagt und in Kliniken verfrachtet, angeblich zu ihrem Wohl, doch so ganz will das niemand glauben. In diesen Zeiten wird Cedar schwanger.

    Louise Erdrich hat einen tollen Schreibstil. Ich kann mir die Welt von Cedar richtig gut vorstellen. Aufbgebaut ist das Buch als eine Art Tagebuch, das Cedar für ihr Kind schreibt. Sie befindet sich im ständigen Dialog mit dem ungeborenen Leben in ihr und versucht ihm die Welt zu schildern und wie sich das Leben für sie anfühlt. Der Blick auf diese Welt bleibt dabei zwar etwas einseitig, da kaum andere Personen zu Wort kommen, aber dennoch fand ich es gut geschildert. Die Idee ihrem Kind zu schreiben fand ich sehr rührend und hat mein Herz erwärmt. Die Welt in der Cedar lebt ist sehr düster, sie ist einer ständigen Gefahr ausgesetzt. Dennoch verliert sie nie die Hoffnung und versucht sich nicht von ihren Ängsten leiten zu lassen. In ihren Briefen kommen auch immer wieder religiöse Verweise vor, dieser Bereich hat mich nicht so richtig begeistern können. Ihren Glauben konnte man nicht richtig erfassen fand ich.

    Die Idee des Zurückentwickelns fand ich sehr gut, allerdings waren mir die dystopischen Elemente irgendwie zu wenig ausgearbeitet und bildeten mehr den Hintergrundrahmen. Im Vordergrund stehen Cedar und ihr Kind, aber das alles hätte sich ganz ähnlich auch unter "normalen" Bedingungen abspielen können. Der Schluss bleibt offen und der Leser erfährt nicht, wie es schließlich um das Kind und Cedar steht und wie sich die Veränderungen noch weiter auswirken. Die Figuren neben Cedar sind auch nicht ganz so vollständig ausgearbeitet wie Cedar selbst. Das mag daran liegen, dass man alles nur aus Cedars Blickwinkel sieht aber dennoch hätte ich mir v.a. von den Eltern mehr gewünscht. 

    Trotz allem war "Der Gott am Ende der Straße" ein gutes Buch, das sich, von einigen kleinen Längen im Mittelteil abgesehen, sehr gut lesen lässt.

  13. Cover des Buches Zwei alte Frauen (ISBN: 9783492967112)
    Velma Wallis

    Zwei alte Frauen

     (139)
    Aktuelle Rezension von: Lese_Lisel

    Zwei alte Frauen vom nomadischen Volk der Gwich’in (Athabasken) werden in einem besonders kalten Winter von ihrer Gruppe zurückgelassen und damit zum de facto zu Hungertod verurteilt. Ohne die zwei unnützen Esser hätte die Gruppe eine bessere Chance, den Hunger zu besiegen, hofft der Häuptling. Aber die beiden alten Frauen geben nicht auf und trotzen dem arktischen Winter im nördlichsten Alaska. Dabei besinnen sie sich auf Fähigkeiten und Stärken, die sie jahrelang nicht mehr genutzt hatten, als sie noch mit den Jüngeren zusammenlebten, die sich um sie kümmerten.

    Mit beeindruckender Kraft schildert die Autorin, wie die beiden alten Frauen gegen das ihnen zugeteilte Schicksal aufbegehren. Wie sie dem eisigen Winter trotzen, sich gegenseitig Mut machen, Fallen stellen, Eichhörnchen jagen, Schneeschuhe und Kleider aus Kaninchenfell anfertigen. Das Buch besticht einerseits mit hervorragenden ethnografischen Schilderungen des Lebens eines indigenen Volkes, zeigt aber auch eindrücklich, zu was der Mensch fähig ist, wenn er aus seiner Lethargie herausgerissen wird. Dabei geht es um Mut, Tapferkeit, Freundschaft, Zusammenhalt und das Verzeihen. Und auch darum, dass wir niemals einen Menschen aufgeben sollten. Der Schluss der Geschichte wird hier sebstverständlich nicht verraten. Nur so viel: er ist herzerwärmend und ermutigend!

    Velma Wallis gehört selber dem Volk der Gwich’in an und wurde auf traditionelle Weise erzogen. Als Erwachsene lebte sie elf Jahre lang in einer einsamen Trapperhütte und überwinterte teilweise auch dort. Sie weiss also bestens, von was sie schreibt! 

    Ganz grosse Leseempfehlung!

    „Diese Geschichte hat mich gelehrt, dass den eigenen Fähigkeiten keine Grenzen gesetzt sind, wenn es darum geht, das im Leben zu vollbringen, was man muss – schon gar nicht durch das Alter“

  14. Cover des Buches Gezeichnet (ISBN: 9783596705610)
    P.C. Cast

    Gezeichnet

     (3.675)
    Aktuelle Rezension von: Rayne-Sunshine

    Die Gesichte hatte kaum etwas, was einem geboten werden konnte, was nicht an Klischees gereiht wurde.

    Typische Jugendliche, die ihre rebellische Phase ausleben. Eine Aussprache, die man nur als "Grenzwertig" bezeichnen kann und Dialoge, die man schon in so vielen Trashfilmen gehört hat. Und einer Protagonistin, die sich alles erlauben darf und mit allem durch kommt. 

    Auf der Schule sind zu 99% nur Blondinen, die alle Barbiehaft, arrogant und (Sorry, aber so wird jede weibliche Person beschrieben) schlampen sind.

    und der männliche Part wird grundsätzlich als "unendlich Geil" beschrieben.

    Es gab kaum etwas sympathisches an den Charakteren, die mich nicht alle 5 Minuten die Augen verdrehen ließ. 

    Die Geschichte selbst wird hier einem als Vampirroman verkauft, was, meiner Meinung nach, keine ist. Was einem hier geboten wird, ist eine Hexengeschichte, die mit Vampiren .... sorry, VampYren geschmückt wurde.

    Packen wir einfach ein paar möchtegern Vampire mit rein, dann verkauft sich das Buch schon, ist ja auch zu Zeiten, als jeder zweite Autor ein Vampirroman geschrieben hat.

    Das Ganze Buch hat diesen typischen Unfall-Effeckt. Es ist so langweilig,spannungslos und grässlich, dass man einfach nicht wegschauen kann. Der Vorteil ist, man kommt durch den wenig anspruchslosen Schreibstil relativ schnell durch.

    Mich konnte die Geschichte nur halten, weil ich mir nebenbei beim Lesen ein Hörbuch dazu angehört habe, welches die Sprecherin halbwegs erträglich gemacht hat.

    Leider bin ich ein Freund davon, Reihen komplett zu kaufen, damit man sofortig weiter lesen kann, falls die Geschichte mit einem Kliffhänger endet.

    Wenn die Reihe nicht komplett in meinem Regal stehen würde, würde ich definitiv nicht weiter lesen. Ich schaue mir noch den zweiten Band an, sollte dieser mich nicht überzeugen, zieht die Reihe sofort aus!

  15. Cover des Buches Bleib auf deinem Weg (ISBN: 9783451070693)
    Joseph M. Marshall

    Bleib auf deinem Weg

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Die Aufforderung "bleib auf deinem Weg" durchzieht das Büchlein von Joseph M. Marshall wie ein Mantra und erinnert den Leser immer wieder daran, dass er seinen ganz eigenen, individuellen Weg in seinem Leben finden muss. Doch vererst kann er dem Gespräch zwischen Großvater und Enkel lauschen, das über kleine Geschichten von der Weisheit der Lakota erzählt. Der Enkel stellt Fragen über Schmerz, Tod, Verlust und den Sinn des Lebens. Der Großvater antwortet, manchmal direkt, manchmal durch eine Gegenfrage, um den Enkel auf eine ganz eigene Antwort zu bringen.

    Die bildhafte Sprache fließt dahin wie ein Fluss und nimmt den Leser mit, mal reißend, mal ganz sanft, aber unaufhaltsam auf das große Meer der Weisheit zu. Wer diese zu nutzen weiß, wird der Botschaft sicher mühelos folgen und mutig auf seinem Weg bleiben können.

    Das Büchlein bescherte mir sehr inspirierende, wundervolle Lesemomente ... vielen Dank dafür ;o)
  16. Cover des Buches Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910 (ISBN: 9783608949148)
    Aram Mattioli

    Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910

     (10)
    Aktuelle Rezension von: SiCollier
    Die Zerstörung des indianischen Nordamerika darf als Schlüsselereignis nicht mehr länger aus der Geschichte der USA wegretuschiert werden, gerade weil viele Amerikaner diese Katastrophe jahrzehntelang ausblendeten oder sie in ihrer Bedeutung bis heute kleinreden. (Seite 348)

    Meine Meinung

    „Es ist nicht möglich, alle an California Indians verübten Massenmorde zu thematisieren, weil es schlicht zu viele an der Zahl sind.“ (S. 210) Der Satz stand bei der Überlegung, welches Zitat ich über meine Rezension stelle, mit zur Auswahl. Immerhin hat er es an den Beginn der Rezension geschafft und deutet so auf zweierlei hin: daß es weder im Buch noch in der Rezension möglich ist, alles Relevante zu erwähnen (weil es schlicht zu viel ist) und wes Geistes Kind die heutigen USA sind, was zu deren Verständnis hilfreich ist.

    Selten hat mich ein Buch dermaßen wütend zurückgelassen wie dieses. Und das, obwohl (oder gerade deswegen?) der Autor in durchweg sachlicher, aber gut lesbarer, Sprache die historischen Ereignisse schildert. Daß er sich diese nicht aus den Fingern saugt, mag die übergroße Anzahl von Quellenhinweisen am Ende des Buches bezeugen.

    Zu Beginn führt er aus, daß es heute drei Positionen zum Untergang der Indianer gibt: die erste besagt, daß der Untergang nicht gewollt passierte, sondern eine „unbeabsichtigte Nebenfolge“ (S. 22) der Westexpansion war. Der zweite ist der Meinung, daß die nordamerikanischen Indianer seit Beginn der europäischen Expansion „Opfer eines gezielten und systematisch betriebenen Völkermordes“ wurden. (S. 22f) Der dritte schließlich besagt, daß die erstgenannten beide nicht zutreffend sind, sondern daß die Indianer an verschiedenen einzelnen Formen der Massengewalt, wie zum Beispiel Todesmärsche bei Umsiedelungsaktionen, Unterversorgung in Reservaten, Kindeswegnahmen, Massakern (vgl. S. 24f) unter gingen, diese insgesamt jedoch nicht die Bedingungen der Genozidkonvention vom 9. Dezember 1948 erfüllen würden.

    Das Buch selbst ist in einzelne Kapitel, die sich mit jeweils einer Großthematik, wiederum unterteilt in bestimmte Regionen bzw. Nationen, befassen aufgeteilt. So entsteht für die Zeit ab etwa 1700 bis in die Neuzeit ein sehr umfangreiches und detailliertes Bild dessen, was durch die Besiedelung des Westens durch die Amerikaner den dort seit Jahrhunderten lebenden indigenen Völkern widerfahren ist. Sicherlich würde eine Gesamtdarstellung aller Nationen samt deren Schicksal den Rahmen dieses (und auch jedes anderen Buches) sprengen, aber dadurch, daß wesentliche Schwerpunktthemen behandelt werden, erhält der Leser doch ein recht vollständiges Bild jener Ereignisse, die oft als „Eroberung des Wilden Westens“ verklärt dargestellt werden.

    Neu waren für mich die Ausführungen dazu, weshalb sich viele Nationen mit den Briten und/oder Franzosen gegen die Amerikaner verbündeten. Vor allem die Franzosen gestanden den Indianern - im Gegensatz zu den Amerikanern - viele Rechte zu, so daß sie relativ frei und unbehelligt in von diesen kontrollierten Gebieten leben konnten. Die Parteinahme für Briten und Franzosen war also wohlüberlegt im Sinne des eigenen Überlebens. Die verheerende Wirkung der von den Europäern eingeschleppten Seuchen war mir allerdings schon früher in anderen Veröffentlichungen begegnet.

    Immer wieder wird deutlich, daß es den Amerikanern völlig egal war, wie sie ihr Ziel, den Kontinent vollständig zu unterwerfen und zu besiedeln, erreichen. Dabei trat ein erschreckender Rassismus zutage, der bis heute wirkmächtig ist. Denn die First People wurden nicht als (gleichberechtigte) Menschen, sondern als „Wilde“, als „auf Steinzeitstufe stehengebliebene“, als „unterlegene Rasse“ angesehen, deren natürliches Schicksal es sei auszusterben. Niemand störte sich daran, daß dazu beispielsweise auch der 1. Zusatzartikel zur Verfassung gebrochen wurde (vgl. S. 297).

    Nach der Lektüre des Buches bin ich persönlich zu der Überzeugung gekommen, daß vielleicht kein expliziter schriftlicher Regierungsbeschluß zur vollständigen Ausrottung der Indianer existiert haben mag, die Handlungsweise sowohl von Regierung, US Army als auch den Siedlern lief jedoch auf genau diese hinaus. Weshalb vielleicht nicht im strengen juristischen Sinne nach einer Definition, die Jahrzehnte später erst erstellt wurde, in sachlicher und „gesunder menschenverstandsmäßigen“ Hinsicht jedoch sehr wohl ein gewollter Genozid vorliegt.

    Schriftlich nachweisen läßt sich allerdings der Ethnozid (vgl. das Kapitel S. 294ff: „Versuchter Ethnozid: ‘Töte den Indianer, rette den Menschen’“), in dem versucht wurde, die indianische Religion und Kultur vollständig auszulöschen. Es grenzt schon an ein Wunder, daß dies trotz der massiven Maßnahmen letztlich nicht gelang, wenngleich viel verloren gegangen ist.

    Vieles ließe sich noch anführen, aber wie eingangs erwähnt, reicht dafür der Platz nicht aus. Nur zwei aktuelle Bezüge sind mir im Verlauf des Lesens bewußt bzw. klar geworden. Zum Einen, daß der derzeitige US Präsident Donald Trump in „bester“ amerikanischer Tradition handelt und zum Anderen Europa (bzw. die EU Staaten) aufpassen müssen, daß es ihnen nicht ähnlich ergeht wie den Native Americans. Denn rücksichtslose und rüpelhafte Politik hat in Amerika offensichtlich eine jahrhundertelange Tradition. Dagegen hilft nur große Geschlossenheit, Entschiedenheit und Stärke. Wer weiß, wie die Geschichte in Nordamerika verlaufen wäre, hätten die indigenen Völker über diese Eigenschaften verfügt.

    So bleibt am Ende nur der Hinweis von Simon Pokagon, einem Potawatomi, von 1893 in seinem Büchlein „The Red Man’s Rebuke“:
    „Und während ihr, die ihr Fremde seid und hier lebt, die Angebote der Handarbeit eurer eigenen Länder hierher bringt und eure Herzen voller Bewunderung frohlocken über die Pracht und Größe dieser jungen Republik (...) vergesst nicht, dass diesem Erfolg unsere Heimstätten und eine einst glückliche Rasse geopfert wurden.“ (S. 337)


    Mein Fazit

    Eine umfassende, mit großer Sachkenntnis gut lesbar geschriebene Darstellung der Geschichte der Indianer der USA und ihres Unterganges. Ein unbedingtes Muß für jeden, der sich für die Thematik interessiert.
  17. Cover des Buches Bury My Heart at Wounded Knee: An Indian History of the American West (ISBN: B000PGYK9G)
  18. Cover des Buches Der mit dem Wolf tanzt (ISBN: 9783795112158)
    Michael Blake

    Der mit dem Wolf tanzt

     (67)
    Aktuelle Rezension von: TWDFanST

    Der erfolgreiche Film in Buchform. Autor Michael Blake entführt einen in den Wilden Westen. Dass man dabei immer Kevin Costner vor Augen hat, mag für manche von Vorteil sein. Mich persönlich hat es eher gestört. Aber das mag auch daran liegen, dass der Film nahezu perfekt ist.

    Meine Empfehlung: Erst das Buch, dann der Film. Bringt mehr Spass.

  19. Cover des Buches Blauvogel, Wahlsohn der Irokesen (ISBN: 9783407789617)
    Anna Jürgen

    Blauvogel, Wahlsohn der Irokesen

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Traeumerle_bln
    Die Geschichte eines kleinen Kindes, welches von seiner Familie getrennt wurde und bei Indianern aufwächst. Ein Buch, welches in keiner Kinder- und Jugendsammlung fehlen sollte.
  20. Cover des Buches Das Herz der Sioux- Reise zu den Ahnen: BD 1 (ISBN: 9783981147407)
  21. Cover des Buches The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian (ISBN: 0316013692)
    Sherman Alexie

    The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian

     (38)
    Aktuelle Rezension von: Schlehenfee

    Arnold Spirit, genannt Junior, ist ein Spokane Indianer und zeichnet gerne Comics. Der intelligente Teenie ist an der schlecht ausgestatteten Reservatshighschool zunehmend frustriert, denn wer möchte noch mit dem Schulbuch seiner Mutter lernen?

    Auf Empfehlung eines Lehrers wechselt Junior ins Städtchen Reardan, außerhalb der Reservation, in dem der einzige andere Indianer das Schulmaskottchen ist.

    Fortan steht Junior zwischen den Welten: in Reardan der Indianer, im Reservat der „Verräter“.
    Wie er es schafft, sich zurechtzufinden und was es bedeutet, ein Indianer im 21. Jahrhundert zu sein, davon erzählt Sherman Alexie, selbst Spokane Indianer, in diesem Buch.

    Mir gefielen die unterschiedlichsten Charaktere sehr und dass bei aller Witzigkeit auch immer wieder Tragik, Traurigkeit und Ironie vorkamen. Alexie verschweigt nicht die Perspektivlosigkeit und den Alkoholismus unter den Indianern, macht diese aber durch Juniors lockere Sprüche und seine Cartoons für Jugendliche erträglich ohne wie ein Moralapostel zu klingen, der ein schlechtes Gewissen macht.
    Die unterschiedlichen Sichtweisen von Weißen und Indianern werden immer wieder thematisiert, auch das machte das Buch überaus interessant.

    Einen Stern Abzug gebe ich dafür, dass der Autor seinen Protagonisten meiner Meinung nach durch sein Aussehen zu krampfhaft zu einem Außenseiter macht. Junior ist unter seinen Leuten dadurch schon ein Außenseiter, dass er intelligent ist, Comics zeichnet und Bücher liest, statt sich zu besaufen oder in schrottreifen Autos Mutproben zu bestehen.
    Aber Alexie gibt ihm dazu noch einen Geburtsfehler mit, der ihm einen übermäßig großen Schädel, zwei unterschiedlich große Augen, eine Riesenbrille und Sprachfehler (Stottern und Lispeln) beschert. Da dies im Buch aber nach der Einleitung kaum angesprochen wird und das Stottern keine Unterhaltung verzögert, so dass Junior nach einer Zeit Freunde hat und respektiert wird, hätte der Autor dies meiner Meinung nach völlig weglassen können. Es hätte der Story keinen Abbruch getan.
  22. Cover des Buches Indian Cowboy (ISBN: 9783740749088)
    Brita Rose Billert

    Indian Cowboy

     (20)
    Aktuelle Rezension von: ckfree
    Meine erste Geschichte über Indianer in der Neuzeit.
    Dem Buch ist anzumerken, dass sich die Autorin intensiv mit dem Thema Native Americans auseinandersetzt, deren Probleme kennt und Herzblut in die Geschichte gibt.
    Für die manchmal enthaltenen indianischen Dialoge hätte ich mir allerdings eine Übersetzung gewünscht, da sich der Inhalt nicht immer aus dem Kontext ergibt.

    Der Zwiespalt, in den der junge Lakota Ryan gerät, indem er sein Leben im Reservat hinter sich lässt, sich für ein Leben in der US Army entscheidet und so zwischen zwei Welten steht, ist spürbar. Ansonsten bleibt er mir als Charakter wie viele andere auch sehr oberflächlich. Da hätte ich mir mehr Ausarbeitung gewünscht.

    Der Schreibstil ist im Großen angenehm, wird im Kleinen aber durch kurze, abgehackte Sätze gestört. Manchmal wechselt die Perspektive der dritten Person zudem von personifiziert zu unpersonifiziert (z.B. "Ryan macht" vs. "der junge Mann macht"); das ist gewöhnungsbedürftig.

    Mit etwas Spannung geht es so durch drei Kapitel. Danach kommt es für mich durch einen größeren Zeitsprung gefühlt zu einem Bruch, und ich habe Mühe, wieder in die Geschichte zu finden. Die Handlung wird auch etwas sprunghafter und wirkt hektisch.

    Dass es dann auf ein abruptes, offenes Ende hinausläuft, hatte ich so nicht erwartet und war auch in keinster Weise durch den Klappentext vorgewarnt. Das ist schade, so stehen gelassen zu werden.
    Durch die reichlichen Typos reicht es so nur für 3 Sterne.
  23. Cover des Buches Lucky Luke 97 (ISBN: 9783770440405)
    Achdé

    Lucky Luke 97

     (7)
    Aktuelle Rezension von: PMelittaM

    Als Lucky Luke wieder einmal die Daltons ins Gefängnis bringt – normalerweise das Ende eines Abenteuers – trifft er auf Auguste Bartholdi, der auf einer Tour durch die USA ist, um die Freiheitsstatue vorzustellen. Nicht jeder ist davon begeistert, und so begleitet Lucky Luke ihn, um ihn zu beschützen, nicht ahnend, dass das letztlich auch bedeuten würde, dem Bildhauer nach Paris zu folgen.

    Nach Morris' Tod haben Achdé und Jul die Reihe übernommen, und das perfekt. Gerade dieser Band strotzt nur so vor Anspielungen und Humor, ich bin aus dem Schmunzeln kaum herausgekommen und musste stellenweise laut lachen. Gleichzeitig erfährt man hier einen Teil der amerikanischen Geschichte und lernt historische Persönlichkeiten kennen, was schon immer ein gelungener Teil der Reihe war. Auch die Zeichnungen sind perfekt.

    Band 97 der Reihe ist wieder besonders gut gelungen, ich kann ihn nur wärmstens empfehlen.

  24. Cover des Buches Indianisch für Anfänger (ISBN: 9783941485464)
    Kerstin Groeper

    Indianisch für Anfänger

     (23)
    Aktuelle Rezension von: SiCollier
    Abends lag Kaja noch lange wach im Bett und dachte darüber nach. Für sie war Amerika immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen. Ein Land, in dem Milch und Honig flossen. Stattdessen wurde sie hier mit bitterer Armut konfrontiert. (Seite 119)

    Meine Meinung

    Es ist Verlag wie Autorin hoch anzurechnen, daß sie in Zeiten der um sich greifenden „Pseudonymeritis“ diesen Roman unter dem Namen der Autorin veröffentlicht haben, obwohl er so ganz anders ist als ihre bisherigen Bücher. Das fängt bei der Zeit (Gegenwart) an bis hin zur Zielgruppe, bei der anscheinend an ein etwas jüngeres Publikum, das weniger Vorkenntnisse hat, gedacht wurde. Gerade, weil heute vielfach fast schon für jeden Roman ein neues Pseudonym ge- bzw. erfunden wird, habe ich großen Respekt für die Entscheidung, dies hier nicht zu tun. Aus meiner Sicht hat es dem Buch gut getan, denn so habe ich die Kompetenz für die Themen, welche ich bisher bei der Autorin gefunden habe, auch auf dieses Buch übertragen, und mit mehr als nur Verwunderung gelesen, daß man in Amerika beispielsweise wegen sexuellem Mißbrauch in Schwierigkeiten kommen kann, wenn man ein Kind zum Trösten in den Arm nimmt (vgl. S. 20). Ich fürchte, das ist zutreffend.

    In den letzten Wochen habe ich Bücher dreier Autoren, die in verschiedenen Jahrhunderten bei Indianern spielen, gelesen. Direkt vor diesem las ich „Die Feder folgt dem Wind“ der selben Autorin, was einen interessanten Vergleich ergibt. Wobei ein direkter Vergleich natürlich nicht möglich ist, da die Zielgruppen verschieden sind. Dort wie hier ist der anschauliche und flüssig lesbare Stil der Autorin hervorzuheben, der es mir ermöglichte, auch bei nur wenig Zeit ein Kapitel zu lesen. Schon nach wenigen Worten war ich wieder in der Geschichte gefangen und konnte nahtlos ans letzte Lesen anknüpfen - das ist nicht bei allen Autoren der Fall. Dort wie hier war es kaum möglich, das Buch aus der Hand zu legen; einen solchen Sog entwickelte die Handlung, daß ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.

    Eine weitere Parallele ist, daß in beiden Büchern - wenngleich auf sehr verschiedene Weise - eine weiße Frau eine Beziehung mit einem Lakota eingeht. Das für mich interessante war die Feststellung, daß manche Denk- und Verhaltensweisen anscheinend typisch für Indianer sind, nicht nur für Lakota. Don Coldsmith hat mehrere Stämme zum Vorbild für sein Volk der Spanish Bit Saga, die im 16. Jahrhundert spielt, genommen. Bei Michael Blake sind es (im Buch) Comanchen, bei Kerstin Groeper Lakota (Sioux). Auch wenn sich natürlich vieles mehr oder weniger zwangsweise geändert hat, waren doch bis in die heutige Zeit hinein viele Ähnlichkeiten vorhanden, die schon in der „Feder“ beim Verständnis der beiden Protagonisten untereinander zu Schwierigkeiten führten, und auch hier wieder auftauchen. Zumal weder Kaja noch Sonny immer den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund gegenwärtig haben. So müssen beide immer wieder aufpassen bzw. lernen, daß viele Handlungen einfach daraus resultieren, aus welcher Gesellschaft man kommt. Was in der einen normal ist, ist in der anderen unbekannt oder vielleicht ganz anders.

    Etwas seltsam fand ich, daß Kaja sich so ganz ohne Vorkenntnisse in das Abenteuer Amerika gestürzt hat. Pine Ridge mag in der Tat vielen hier kein Begriff sein, aber wenn ich für ein Jahr ins Ausland gehe (und mir bis zu einem gewissen Grad die Gegend aussuchen kann), würde ich mich doch informieren, wohin ich da ungefähr komme. Andererseits ergibt sich natürlich aus eben jener Unkenntnis der Figur die Möglichkeit, die Leser, welche teilweise vermutlich genau so unkundig sind, mit den Verhältnissen bekannt zu machen. Hierbei ist es schwierig, die richtige Balance zwischen zu viel und zu wenig Information zu finden. Mir war vieles bereits bekannt, so daß ich nicht beurteilen kann, wie es auf einen Leser, der wirklich so wenig Ahnung von den Umständen wie Kaja hat, wirkt. Kaja schien mir zu Beginn auch eine recht oberflächliche, teilweise sogar arrogante, Person zu sein; durch die Geschehnisse des Jahres in den USA hätte sie sich für meine Begriffe mehr verändern müssen als es im Buch aufschien. Denn durch die Krankheit der Gastmutter wurde sie quasi ins kalte Wasser geworfen, die Kindheit war von heute auf morgen vorbei. Erst auf der letzten Seite gibt es eine Szene, in der in vollem Umfang deutlich wird, wie sehr sie sich entwickelt hat und erwachsen geworden ist.

    Mit der Thematisierung der kulturellen Unterschiede sowie den sich daraus oft ergebenden Mißverständnissen, dem auch in den USA (aber nicht nur dort) latent vorhandenen Rassismus und dem Plädoyer für ein friedliches und verständnisvolles Miteinander in der Zukunft werden im Verlauf des Buches auch durchaus ernste Themen angesprochen, ohne daß ein Zeigefinger oder gar der Holzhammer hervorgeholt werden.

    Nebenbei erfährt man einiges über geschichtliche Ereignisse, (heute wieder) gepflegte Bräuche sowie die Hauptprobleme in den Reservationen. Auf deren Ursache wird nicht weiter eingegangen, das hätte den Rahmen des Buches allerdings gesprengt. Für den Leser mitunter mit einem Schmunzeln zu verfolgen sind die Schlagabtäusche zwischen Kaja und Sonny - ein Gespann, das mich an manchen Stellen an die „Paarungen“ bei Elisabeth Büchle hat denken lassen (auch wenn deren Bücher ganz anders sind als die von Kerstin Groeper).

    Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Ich halte es für gut geeignet, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen überhaupt erst das Interesse für Indianer (wieder?) zu wecken. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, läßt am Ende jedoch genügend Raum für eine Fortsetzung, die, wie der Verlag an anderer Stelle schrieb, in Überlegung ist. Ich hoffe sehr, daß diese kommen wird. Denn ich möchte zu gerne wissen, wie es nach den Geschehnissen dieses Buches den Figuren weiter ergeht.


    Mein Fazit

    „Weiße Frau“ trifft „roten Mann“ oder das Aufeinandertreffen der Kulturen heute. Ein lesenswertes Buch über Vorurteile, Mißverständnisse und deren Überwindung.

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