Bücher mit dem Tag "netzwerke"
11 Bücher
- Ernest Cline
Ready Player One
(766)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerReady Player One ist ein rasanter, detailreicher Roman, der vor allem durch seine dichte Welt und die Vielzahl an Popkultur-Referenzen lebt. Die Gamewelt OASIS wirkt lebendig und durchdacht. Die Rätsel, die im Verlauf des Romans eine wichtige Rolle einnehmen, sind klug konstruiert und sorgen dafür, dass man als Leser wirklich mitfiebert. Ich kann mich rühmen, das Buch lange vor der Verfilmung (mehrmals) gelesen zu haben. Besonders überzeugend ist die Entwicklung der Hauptfigur Wade, deren Weg nachvollziehbar erzählt wird und der Geschichte eine emotionale Grundlage gibt. Neben aller Begeisterung für Gaming und Nostalgie schwingt zudem eine leise Kritik am Eskapismus mit, die dem Roman zusätzliche Tiefe verleiht. Die Fülle an Anspielungen auf die 80er-Jahre kann stellenweise sehr präsent sein, gehört aber klar zum Konzept und macht einen großen Teil des Reizes aus. Wer damit groß geworden ist, hat ständig Oha-Erlebnisse.
(Die Verfilmung bleibt im Vergleich zu Roman dazu eher schwach, da liegt der Fokus auf Action und Effekte.)
Fazit: Ein unterhaltsamer und zugleich durchdachter Roman, der weit mehr ist als reine Nostalgie – besonders für Leser mit Interesse an Gaming- und Popkultur ein Muss.
- Catherine Jinks
Teuflisches Genie
(455)Aktuelle Rezension von: angies_bücherDas Cover des Buch ist ein echter Hingucker und wirklich toll. Auch der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen.
Leider war es das mit dem Positivem. Die Geschichte selbst ist vollkommen verrückt, wirr und unterm Strich auch sehr langweilig. Außerdem vollkommen unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen. Bis zum Schluß habe ich auf eine Auflösung oder etwas, was die Geschichte doch noch lesenswert macht gewartet. Für mich ist das Buch wirklich eine totale Enttäuschung.
Und das schlimmste ist, dass Band 2 und 3 auch noch bei mir im Bücherregal stehen! Weiß noch nicht, ob ich denen noch eine Chance gebe. Ich habe mich durch diesen ersten Band wirklich über Wochen durch gequält. Sehr schade.
- Sandra Navidi
Super-hubs
(2)Aktuelle Rezension von: Dr_MIm Klappentext kann man lesen, dass Sandra Navidi einst als "Research Director" beim "Starökonomen" Nouriel Roubini arbeitete. Davor war sie Investmentbankerin und Anwältin in diesem Bereich. Inzwischen betreibt sie eine Unternehmensberatung. Die Autorin gehört also zum Umfeld der selbsternannten Finanz-"Industrie". Diese Branche stellt außer immer mehr Geld nichts her, besitzt aber gegenüber der tatsächlich einen Mehrwert erzeugenden Industrie eine herausgehobene Sonderstellung, die das ganze Wirtschaftssystem inzwischen als Geisel genommen hat statt ihm zu dienen: Fabriziert das Finanzsystem eine Krise seiner selbst, dann bricht das ganze Wirtschaftssystem zusammen.
Doch davon ist in diesem Buch keine Rede. Vielmehr geht es ausschließlich darum, gewissen herausgehobenen Leuten des Geldadels einen Text zu widmen, der sie und ihre Netzwerke angeblich beleuchten will, dies aber in Wirklichkeit überhaupt nicht leistet. Vermutlich müsste Frau Navidi dazu auch gewaltig über ihren Schatten springen, was ihr aber nicht einmal entfernt in den Sinn kommt. Deshalb muss man sich nicht wundern, wenn man kaum ein kritisches Wort in diesem Text finden wird. Vielmehr stellt sich bald das Gefühl ein, eine Art kritikfreier Anbetungslektüre zu lesen.Navidi berichtet in ihrem Text von einem Besuch bei JPMorgan-Boss Jamie Dimon. Darüber erfährt man Folgendes: "Es gab viel zu lachen, aber die Unterhaltung war nicht sonderlich tiefgründig und wir gewannen auch keine neuen Erkenntnisse." Genau so kann man auch den Inhalt dieses Buches kurz und treffend beschreiben. Mehr noch: Diese Stelle ist auch typisch für den ganzen Text, weil sie demonstriert, wie die Autorin Belanglosigkeiten aufbläst.
Versprochen wird dem Leser ein Blick hinter die Kulissen. Die Kulissen bestehen bei Navidi aus Besuchen des Weltwirtschaftsforums in Davos und zahlreichen Empfängen und anderen Veranstaltungen, bei denen sich die "Finanzelite und ihre Netzwerke" treffen. Wer unbedingt wissen will, wer da alles auftritt, wie sich solche Treffen aus relativer Nähe gesehen so anfühlen, was es so zu essen und zu trinken gibt und natürlich mit wem Frau Navidi oberflächliche Gespräche führte, der kann sich dieses Buch durchaus zu Gemüte führen. Übrigens hat Frau Navidi bei einer solchen Gelegenheit auch einmal zwei sinnfreie Sätze mit Herrn Putin gewechselt, was ihr eine Seite ihres Buches wert ist. Selbstverständlich erhält man auch einige Informationen über die Paläste, in denen diese Super Hubs ihr bescheidenes Leben fristen.
Dass eine Geburtstagsfeier eines dieser Herren viele Millionen kostet, will man vielleicht gar nicht wissen. Wenn die Autorin aber kurz nach dieser Mitteilung von der sozialen Kompetenz des Geburtstagskindes schwärmt, dann ist man bei ihrem etwas sonderbaren Humor angelangt, von dem sie aber wahrscheinlich selbst noch nichts weiß. Man findet ihn an vielen Stellen. Etwa wenn Navidi die Rolle von Zentralbanken erläutert und dabei (aus welchen Gründen auch immer) völlig deren auslösende Rolle bei allen Wirtschaftskrisen der letzten hundert Jahre verdrängt. Immerhin weiß das wenigstens ihr ehemaliger Chef ganz anders einzuschätzen.Das ganze Buch ist eine einzige Lobpreisung auf das Bankensystem in all seinen Ausprägungen. Um zu erwarten, dass die Autorin aufklärt, "wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren", muss man schon recht naiv sein. Erstens ist Navidi keine insiderin. Somit liegen diese Dinge schlicht nicht in ihrer Reichweite. Und zweitens würde es diese Elite wohl kaum zulassen, dass irgendwelche wichtigen Interna in einem Buch für ein paar Dollar das Licht der Weltöffentlichkeit erblicken.
Es lohnt sich auch nicht, hier die Definition von Super Hubs wiederzugeben. Es reicht schon, wenn man mit George Soros einen dieser Vertreter beim Namen nennt. Die Autorin hält ihn doch allen Ernstes für einen Wohltäter. Soros besitzt in der Tat nicht nur Netzwerke im Finanzsystem, sondern er mischt auch kräftig im In- und Ausland in der Politik und bei (nennen wir es freundlich) gesellschaftlichen Umbrüchen mit. Sein Open Society Institute ist in über 100 Ländern vertreten. Andere Autoren berichten, dass Soros damit "Oppositions- und Menschenrechtsbewegungen" aus dem Boden stampft, aber gleichzeitig den Eindruck erwecken will, dass es sich dabei um sogenannte Graswurzelbewegungen handelt. Seine "gemeinnützigen" (so die Autorin) Organisationen verschaffen ihm nicht nur Informationen, sondern auch einen direkten oder indirekten Zugang zu Entscheidungsträgern, den er selbstverständlich niemals bei seinen Investmententscheidungen nutzen würde. Über Soros gibt es eine Reihe von Büchern. Das, was man in Navidis Buch über ihn lesen kann, ist wohl mit Abstand das Oberflächlichste, was je über diesen Mann geschrieben wurde.
Wenn die Autorin tatsächlich vorgehabt hätte, den Einfluss von ihren Super Hubs auf das Weltgeschehen zu beleuchten, dann wäre also gerade Soros ein perfekter Ansatzpunkt gewesen. Doch auf diesen Weg begibt sie sich nicht. Die Strafe für wirkliche Enthüllungen wäre vermutlich eine Verbannung aus den Zirkeln, in denen sie ihr Geld verdient. Also reduziert sie ihre "Enthüllungen" auf die Beschreibung einiger dieser Super Hubs, ihren Werdegang und ihr Auftreten bei irgendwelchen Anlässen mit der ihr eigenen Oberflächlichkeit und einem sehr amerikanischen Hang zur Glorifizierung. Keine Spur von Tiefgang, keine wirklich kritischen Betrachtungen.
Natürlich existieren auch in der Finanzwelt wie überall Netzwerke. Wer hätte denn daran je gezweifelt. Und selbstverständlich halten bestimmte Figuren viele Fäden in der Hand. Das ist banal. Navidi versucht daraus eine Theorie zu machen. Doch für wen sollte dies nützlich sein? Für den Leser sicher nicht. Und die Netzwerker im Finanzsystem können mit Sicherheit gut auf Navidis Buch verzichten. Wenn man blauäugig genug ist oder sich mit den Dingen noch nie tiefgründiger befasst hat, mag man vielleicht glauben, man hätte irgendetwas darüber erfahren, wie die Prozesse in der Hochfinanz organisiert werden.
Kurz gesagt: Das Buch ist im Grunde völlig belanglos, weil es nichts wirklich Wesentliches ans Licht bringt, diese Leere aber geschickt tarnt. Man muss entweder ziemlich blind sein oder gewisse Absichten hegen, um ein solch wohlmeinendes Buch über Leute zu schreiben, die (sofern sie Banker sind) die Allgemeinheit so geschickt bestehlen, dass die meisten Leute das noch nicht einmal bemerken.
Worin besteht nun aber der merkwürdige Überraschungs- oder Aha-Effekt, den dieses im Grunde nichtssagende Buch offenbar bei vielen Lesern erzeugt? Irgendwo hat man beigebracht bekommen, wie gewisse Systeme (in der Theorie) funktionieren sollten. Sowie aber Menschen im Spiel sind, laufen die Dinge gewöhnlich ganz anders als in der Theorie, die wie selbstverständlich auch immer Menschen voraussetzt "wie sie sein sollten". Das ist in der Tat etwas verstörend, wenn man ans Ideale glaubt. Bücher wie dieses geben vor, diese Erkenntnislücke zwischen Theorie und Realität füllen zu können. In diesem Fall suggerieren sie den Lesern so etwas wie das endgültige Verständnis des Finanzsystems. In Wirklichkeit schaffen sie jedoch nur ein neues Bühnenbild für ein ziemlich merkwürdiges Heldenepos. Was tatsächlich hinter dieser Kulisse gespielt wird, bleibt nach wie vor im Dunklen. Und das ist gewollt.
- Heinz-Peter Gumm
Einführung in die Informatik
(3)Aktuelle Rezension von: Puspedeckt wirklich alle bereiche ab, jedoch zu lasten der sustanz. mit anschaulichen grafiken die halseitige erklärungen sicher kürzen könnten worde ebenfalls gespart. - Christian Schwägerl
Die analoge Revolution
(2)Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-PapeDie Macht über die Daten
Analoge und digitale Welt treffen in der Gegenwart intensiv aufeinander.
Einerseits digitalisiert sich „die Welt“, Datenströme, Informationsflut, Selbstvermessung, ständige Kommunikationsmöglichkeiten, weitreichende Steuerprogramme für automatisierte Abläufe und vieles mehr kennzeichnet den Alltag bis hin dazu, dass „das Private öffentlich wird“ (und das nicht immer freiwillig).
Andererseits wird das Digitale auch der „Analogisierung“ unterzogen. In den Bereichen der KI, der Robotik, der selbstlernenden Systeme liegen menschliche-analogen Denkweisen zugrunde, die erster Input zur Digitalisierung sind.
So trifft der Untertitel des Buches den Status Quo des aktuellen Prozesses sehr genau:
„Wenn Technik lebendig wird und die Natur mit dem Internet verschmilzt“.
Eine Entwicklung, die Schwägerl zunächst sehr verständlich in ihrer Entwicklung im Buch auch fiktional nachzeichnet.
Dieser Prozess ist aber nicht der eigentliche Schwerpunkt seiner Gedanken, sondern Schwägerl geht vor allem der Frage nach, wer denn „das Sagen“ in diesem Prozess faktisch besitzt und wer diese Macht eigentlich besitzen sollte, damit die von ihm benannten konkreten Gefahren (der Griff nach dem ganzen Leben, Endstation Singularität, „Hineinschritt“ statt „Fortschritt“) im Zaum gehalten werden können.
Mit sehr lebendiger Erzählweise und sehr treffenden Projektionen für eine gar nicht ferne Zukunft führt Schwägerl dabei jeweils in seine einzelnen Themen ein.
Der Verlust der Datenbrille („Er hatte diese Brille vom ersten Tag an gehasst. Jetzt, wo sie weg war, bekam er Angst. Er war nicht mit dem System verbunden, er hatte sein eigenes kleines Loch geschaffen, durch ein Versehen“) und der damit verbundene „Ausschluss“ aus der Welt ist eine der vielen Fiktionen, die Schwägerl dabei treffend nutzt.
Einerseits liest sich das wie Science Fiction in Teilen, andererseits trifft Schwägerl den Nagel bereits für die Gegenwart auf den Kopf (und das war ja der Sinn dieser kleinen Fiction zu Beginn des Buches).
Denn wie ist das jetzt schon, wenn das Internet mal ausfällt für einige Stunden? Das Smartphone sich verabschiedet und Ersatz einige Tage dauert? Interessante Emotionen sind dann zu beobachten, auch an sich selbst, so selbstverständlich ist die digitale Welt bereits in die analoge Kultur implementiert.
Eine Verschmelzung, die weiter fortschreiten wird und für die Schwägerl in seiner besonderen Art und Weise der Annäherung an das Thema immer wieder Szenarien und Visionen vor Augen führt, die das technisch Mögliche weiterdenken.
Das ist gewöhnungsbedürftig, dieses andere Form eines ja doch Sachbuches, funktioniert aber bei fortschreitender Lektüre durchaus, auch wenn manche Szenarien noch überaus abstrakt wirken.
Immer klarer lesen sich die Grundgedanken Schwägerls heraus. Der „gesteuerte“ Weg des Menschen zum Egoismus, die „Vereinzelung“ auf Kosten des Blicks für die Bio-Unität, die Behauptung des „Ich“ als einer Illusion des Stoffwechsels statt einer fassbaren und eigenständigen Komponente des menschlichen Seins, all dies sind Fehlentwicklungen, die Schäwgerl benennt, welche die Gefahr einer digitalen Isolation befördern können.
Ein Umdenken ist es, das Schwägerl als roten Faden des Buches anmahnt.
„Panarchie statt Egoshooting“ und damit demokratische Kontrolle der „Systeme“ statt Nutzung der digitalen Möglichkeiten als Machtinstrumente.
Das Verbindende zu stärken, auch im digitalen Prozess, das „Ego-Gen“ wieder zu schwächen, gemeinsam die Kontrolle auszuüben und damit eine echte „Fortentwicklung“ statt eine „passiven Hineingezogen-Werdens“ zu ermöglichen, dafür bietet Schwägerl Ideen und Alternativen, nachdem er den Status quo kreativ dem Leser auch emotional nahegebracht hat und die Gefahren ebenso kreativ vor Augen geführt hat.
Eine empfehlenswerte Lektüre, die durchgehend den Blick auf die Menschen als grundlegend und von Natur aus „verbundene, soziale und vielschichtige Lebewesen“ schärft und zur Verantwortung für die weitere Entwicklung genau auf dieser Grundlage Impulse vermittelt, auch wenn nicht alle teils abstrakten „Visionen“ des Autors überzeugen und er zum Ende hin doch ein wenig in transzendente Gefilde abdriftet. - Hermann Ploppa
Die Macher hinter den Kulissen: Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Olivier Guez
Das Verschwinden des Josef Mengele
(6)Aktuelle Rezension von: TheSaintDer französische Journalist und Schriftsteller Olivier Guez (* 1974) hat über drei Jahre lang Recherchen zu dieser Nachkriegsbiographie angestellt, welche nun von dem fabelhaften Burghart Klaußner ungekürzt durch seine Kunst der "Untertöne" vorgetragen wird.
Klaußner schafft es von Beginn an, die Geschichte dieses Unmenschen vom Zeitpunkt seiner Flucht aus Deutschland 1949 bis zu seinem viel zu milden Tod in Brasilien 1979 aus einer gekonnten Balance aus Distanz und Nähe, aus sachlicher Kühle und Anverwandlung vorzutragen. Die Flucht über die berüchtigte "Rattenlinie" nach Südamerika und die Treffen Mengele's dort mit anderen Nazi-Schergen jagen durch den hervorragenden Vortrag des Sprechers Schauer über den Rücken und erzeugen mehr Grauen als ein fiktionaler Horrorroman.
Fassungslos verfolgt man, wie sich die geflüchteten menschlichen Monstren in Argentinien zusammenrotten und Unterstützung und Schutz durch das Präsidentenehepaar Juan und Evita Peron erfahren. In diesem Land, welches sich in den 50ern Jahren als legitimer Erbe Hitler-Deutschlands sieht, lebt es sich in Saus und Braus. Der Nazi/Hitler-Kult wird zelebriert und der Traum der Wiederkehr des Nationalsozialismus genährt. Aber nicht nur hochrangige Politiker, sondern auch einflußreiche Privatpersonen, Militärs und auch die Kirche unterstützten diesen menschlichen Abschaum. Unglaublich, wozu der Mensch in der Lage ist, wenn ihm Macht und Geld geboten werden.
Doch dann wird man durch Aktivitäten des israelischen Geheimdienstes aufgeschreckt und Mengele muss Argentinien verlassen. Er findet Unterschlupf in Paraguay, wo der mit deutschen Wurzeln versehene Präsident Strössner Mengele's Auslieferung an Deutschland verweigert. Doch auch hier kommt dieser abstoßende Mensch nicht zur Ruhe. Aus vielen Quellen zitiert Olivier Guez Mengele's Gejammer und die Bösartigkeit und die tiefe Überzeugung, das Richtige getan und im Namen der Wissenschaft gehandelt zu haben. Er & Co sind sich bezüglich der im Auftrag der "Herrenmenschen" begangenen Taten keiner Schuld bewusst: Alles geschah, um dem Land zur zustehenden Überlegenheit zu verhelfen... und weil es befohlen war. Seine Flucht führt ihn weiter nach Brasilien. Die Psyche und Gesundheit beginnen zu bröckeln, die sozialen Kontakte zerbrechen... Man ist erschüttert, wenn man den Gedankengängen dieses Mannes folgt - Opfer kommen selten zu Wort - und diese dann den historischen Tatsachen gegenüberstellt. Das Ende dieses Menschen im Feber 1979 empört zusätzlich.
Ein eindringliches, berührendes, aufwühlendes, schmerzliches Werk. Das Hörbuch gewinnt durch Klaußner's Vortrag noch mehr an Schwere und ist in Zeiten, in denen die Zahl jener Amöben der menschlichen Spezies, die diese Zeit mit ihren Abscheulichkeiten verharmlosen oder gar ins Reich der Fantasie zu verweisen versuchen und heute solch Idiotie wieder in ihrem Lande haben möchten, eine DRINGENDE UND ABSOLUTE LESE/HÖREMPFEHLUNG!
- Clifford Stoll
Kuckucksei
(32)Aktuelle Rezension von: LeonorePothast- Genre: Romanartige Dokumentation
- Thema: Internet, Hacking
- Empfehlung: Ja
University of California, Berkeley, 1986. In seiner ersten Woche als Sysadmin entdeckt der Astrophysiker Clifford Stoll bei der Abrechnung der Internetkosten ein Defizit von 75ct. Seinen Kollegen ist’s egal, doch Clifford’s Forschergeist wird geweckt. Eine Woche Recherche später hat er Gewissheit: Jemand hackt sich in’s Uninetz und verbraucht Rechenzeit. Doch wer ist es und warum? Fortan widmet sich Clifford mit bewundernswerter Ausdauer der Hackerjagd. Er vernachlässigt Job, Beziehung und, nicht zuletzt, elementare soziale Umgangsformen. Seine Schritte hält er in einem Tagebuch fest, das er zu einem Roman verarbeitet.
Dieses Buch ist ein beeindruckendes Dokument aus der Zeit, als das Internet hauptsächlich von Militär, Geheimdiensten und Universitäten genutzt wurde, als Computer per Kommandozeile bedient wurden und Maus oder gar Touchscreens unbekannt waren.
Ob Ihr die Zeit selbst erlebt habt oder ob Ihr (wie ich) voll Staunen lest, was damals schon möglich oder noch nicht möglich war – Clifford Stoll auf seinen verschlungenen Wegen durch das „alte Internet“ zu folgen, macht extrem Spaß:
- Spannend, wie ein geklauter Drucker zur Hackerjagd diente …
- Spannend, welch astronomische Summen das Internet früher kostete …
- Spannend, dass die Internetverbindung nur verfolgt werden kann, indem jemand in der Telephonzentrale auftaucht und nachsieht, wo das Kabel angeschlossen ist …
Besonderes Higlight waren für mich Clifford’s Begegnungen mit der NSA. Mehr möchte ich dazu gar nicht verraten. Schmunzeln musste ich, als das Gerücht erwähnt wurde, die NSA würde angeblich alle Telephongespräche abhören.
Faszinierend ist auch, wie wenig eines der beherrschenden Themen unserer Zeit, Internet- und Computersicherheit, den Menschen damals bewusst war: FBI, CIA, NSA – alle werden diverse Male von Clifford angerufen und mit eindeutigem Beweismaterial konfrontiert, doch niemand interessiert sich für den Hacker, niemand greift ein, niemand hilft ihm.
Obwohl der Roman ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, hat er nicht an Aktualität eingebüßt: Die Computer heutzutage sind um ein Vielfaches sicherer als die Computer vor fünfundzwanzig Jahren – aber die Methoden von Hackern (oder sollte man hier lieber sagen: von Leuten und Institutionen, die in meinen Computer eindringen wollen) haben sich garantiert proportional dazu verbessert. Alles in allem fürchte ich, ist es für einen geübten Eindringling genauso leicht oder schwer wie damals, meinen Computer zu unterwandern und Zugriff zu erhalten auf alles, was mir wichtig ist.
Clifford Stoll ist kein geübter Erzähler, und das merkt man. Mit den Längen des Buches in der zweiten Hälfte kann ich leben, weil sie nur ein Bruchteil der Längen sind, die Clifford selbst beim Verfolgen des Hackers empfunden haben muss. Aber zum Beispiel die Szenen mit seiner Freundin hätten für mich alle gestrichen werden können. Die Sprache (soweit man das anhand der Übersetzung beurteilen kann) ist langweilig. Daher bekommt das Buch nur 3,5 Sterne von mir. Dennoch kann ich es rückhaltlos empfehlen! Die Mängel habe ich als Zeichen von Authentizität empfunden.
Fazit: Die Form ist nicht schön, aber der Inhalt ist absolut lesenswert.
- Genre: Romanartige Dokumentation
- Christian Mezler-Andelberg
Identity Management - eine Einführung: Grundlagen, Technik, wirtschaftlicher Nutzen
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