Bücher mit dem Tag "neurologie"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "neurologie" gekennzeichnet haben.

42 Bücher

  1. Cover des Buches Wer bin ich - und wenn ja wie viele? (ISBN: 9783442143139)
    Richard David Precht

    Wer bin ich - und wenn ja wie viele?

    (666)
    Aktuelle Rezension von: Isabelle_Kocher

    Normalerweise finde ich es schwer, generelle Leseempfehlungen zu geben, da es immer auf den persönlichen Geschmack und die jeweiligen Lesevorlieben ankommt, doch dieses Buch möchte ich jedem weiterempfehlen. Ich glaube, unsere Welt wäre ein besserer Ort, wenn wir alle Richard David Prechts Buch lesen und reflektieren würden.

    Im Gegensatz zu anderen philosophischen Büchern, verliert sich Precht nicht in seinen eigenen Gedanken, die weder Hand noch Fuß haben, sondern beleuchtet die wichtigsten gesellschaftlichen Fragen objektiv von verschiedenen Blickwinkeln aus. Dabei begrenzt er sich nicht nur auf die Ideen der Philosophie, sondern zieht auch andere Disziplinen (wie die Neurowissenschaften, die Anthropologie oder die Psychologie) zu Rate, um neue Denkanstöße zu geben und Themen zu diskutieren wie "Dürfen wir Tiere essen?" oder "Ist Abtreibung moralisch?" Anstatt darüber jedoch ein entgültiges Urteil zu fällen, gibt er dem Leser nur Hilfestellungen, sich selbst kritisch darüber Gedanken zu machen. 

    Ich lese dieses Buch jetzt zum zweiten Mal und werde es in meinem Leben bestimmt noch ein weiteres Mal lesen. Absolut phänomenal.

  2. Cover des Buches Das Kind (ISBN: 9783426512173)
    Sebastian Fitzek

    Das Kind

    (2.496)
    Aktuelle Rezension von: Its_angie

    Das Buch ist ein klassischer Thriller. Der Strafverteidiger Robert Stern aus Berlin übernimmt nach vielen Überlegungen und nach einer DVD den kleinen Simon. 

    Der Schreibstil ist flüssig und spannend geschrieben. Ab der Mitte des Buches überschlagen sich die Ereignisse und man kann es denn garnicht mehr aus der Hand legen. 

    Allerdings fand ich das Ende ein wenig verwirrend. 

  3. Cover des Buches Thalamus (ISBN: 9783743206861)
    Ursula Poznanski

    Thalamus

    (758)
    Aktuelle Rezension von: Rettuf

    Unglaublich packend und spannend. Man ist komplett verwirrt und rätselt fieberhaft mit.Die Auflösung geht in die erwartete Richtung, ist aber sehr spannend und gut durchgedacht. Die letzten ca. 80 Seiten und das Ende , halte aber nicht ganz das anfängliche hohe Niveau und wirken etwas plakativ. Trotzdem ein sehr gutes Buch 4/5.

  4. Cover des Buches Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte (ISBN: 9783499012464)
    Oliver Sacks

    Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

    (151)
    Aktuelle Rezension von: belli4charlotte

    Ich bin auf das Buch gekommen durch eine neurologische Fortbildung zur Kognition. Denn dieses Buch ist dabei einzigartig gut. Es steckt voller skurriler Fälle und dabei eben mehr als lehrreich.

    Das Gehirn als komplexes System voller Irrungen und Wirrungen und das zerbrechliche Sein.

    Zum Beispiel gibt es da ein Mann mit medizinisch gesunden Augen und überdurchschnittlicher Intelligenz, der aber nach und nach  nach seine Fähigkeit Bilder wahrzunehmen verliert. Was steckt dahinter, zudem er es selbst gar nicht wirklich wahrnimmt. Statt seinen Hut zu nehmen nimmt er den Kopf seiner Frau in die Hand. 

    So auch der Titel des Buches.


    Ein anderes Fallbeispiel legt dar, wie es ist, wenn man plötzlich sein eignes Bein als ein fremdes Bein anzieht und es lieber abgeschnitten bekommen will.

    Das Leben mit Psychosen, Paresen , Anogsien oder auch anderen hirnorganischen Schäden werden hier unter die Lupe genommen und dabei emotional und nicht nur rein medizinisch betrachtet, so dass es auch Laien möglich ist den einzelnen Geschichten zu folgen und einen Einblick in die Neurologie zu bekommen. Eine Art Fachliteratur in Romanform. Definitiv zu empfehlen.






  5. Cover des Buches Runas Schweigen (ISBN: 9783734106132)
    Vera Buck

    Runas Schweigen

    (232)
    Aktuelle Rezension von: Kitty_Catina

    Eigentlich hat mich dieses Buch nie wirklich interessiert, bis es dieses dann als Mängelexemplar zu kaufen gab und die Buchkaufsucht zugeschlagen hat. Kein Wunder, dass es deshalb auch so lange ungelesen im Regal stand. Nun war es aber Zeit für die Lektüre dieses doch schon besonderen Werkes, welches ich einerseits schon interessant und streckenweise recht spannend fand, welches aber gerade am Anfang leider lange brauchte, um in Fahrt zu kommen und auch ansonsten einige Dinge an sich hatte, die mir nicht so gut gefallen haben.

    Man begibt sich mit diesem Roman ins Paris des Jahres 1884, wo der junge Medizinstudent Jori versucht, Heilung für seine heimliche Liebe Pauline zu finden. Ihn begleitet man dann auch größtenteils durch die Geschichte, wobei es sehr medizinisch wird, aber nicht so, wie wir es heute kennen, sondern teilweise auf sehr makabere, teils schon bösartige Weise. Gerade Dr. Charcot war dabei ein Beispiel für Machtgehabe und fehlende Liebe für den Mitmenschen, was mich extrem sauer und traurig gemacht hat, zumal der Roman sich sehr an der Realität entlang schlängelt. Vieles, was man hier erfährt, gab es zu dieser Zeit wirklich und obwohl ich davon bereits wusste, hat es mich teilweise sprachlos gemacht. 

    Jori ist dabei ein Charakter, von dem ich nicht so richtig wusste, was ich von ihm halten soll. Einerseits will er unbedingt Pauline retten, will wirklich heilen und scheint eigentlich kein schlechter Kerl zu sein. Andererseits scheint er manchmal etwas schwer von Begriff und macht vieles mit, was er eigentlich nicht tun sollte. Dennoch zeigt er wenigstens ein Gewissen und im Laufe der Geschichte entwickelt er sich weiter. Auch zu Runa entwickelt er eine fast schon liebevolle Beziehung.

    Doch wer denkt, dass Jori, der eigentlich Johann Richard Hell heißt, die einzige wichtige Person in diesem Buch ist, der täuscht sich, denn dieses wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, allesamt aus der personellen Sicht, bis auf einen Fall, was im Endeffekt eine tiefere Bedeutung hat. Aber kommen wir erst einmal zu den anderen Charakteren. 

    Da ist zum Beispiel der ehemalige Polizist Lecoq, der sich selbst als Verbrecher betitelt, aber durch einen alten Bekannten auf einen Fall angesetzt wird, der ihn, ohne, dass er es selbst merkt, immer mehr in die Machenschaften rund um Jori, die Salpêtrière und Runa verwickelt. Außerdem gibt es die beiden Kinder Isabelle und Frédéric, die sich mehr oder weniger mit Lecoq anfreunden und ihm helfen. Und dann ist da noch Maxime, der einzige Ich-Erzähler in diesem Buch, der mit der eigentlichen Geschichte gar nicht so viel zu tun hat, aber dennoch im Großen und Ganzen eine wichtige Rolle spielt. Hier will ich aber nicht zu viel verraten.

    Am Wichtigsten ist aber die Figur, die hier im Mittelpunkt steht und das ist natürlich Runa selbst, von der man anfangs gar nicht allzu viel erfährt und die mehr wie ein großes Rätsel wirkt. Dieses Mädchen ist besonders, scheint aggressiv und unnahbar, redet nicht und interagiert auch nicht wirklich. Dafür aber gibt es an verschiedenen Orten mysteriöse Botschaften, welche nach und nach mehr und mehr Sinn ergeben und ein Stück weit erklären, warum Runa so ist, wie sie ist. Leider wird aber nie alles ganz aufgeklärt und es bleiben am Ende viele Fragen offen, was ich echt schade fand.

    Alles in allem begann dieser Roman sehr langsam. Schon allein, bis Runa tatsächlich auftauchte, dauerte es um die hundert Seiten und selbst dann kam die Geschichte nur allmählich in Fahrt. Irgendwann wurde es allerdings echt spannend und ich habe auf eine allumfassende Auflösung hin gefiebert, was es mit Runa und ihrem Verhalten auf sich hat, was eben nicht so kam, wie erwartet. Dafür war das Buch aber wirklich gut geschrieben und bis auf das Medizinische und die französischen Namen ließ es sich flüssig lesen. Ob ich es empfehlen würde, kann ich aber nicht wirklich sagen, da es eben nicht schlecht war, mich aber auch nicht umgehauen hat. Dennoch wird die Geschichte sicher in meinem Kopf bleiben, weil sie doch recht einprägsam und besonders ist.


  6. Cover des Buches Du bist das Placebo (ISBN: 9783867282635)
    Joe Dispenza

    Du bist das Placebo

    (28)
    Aktuelle Rezension von: Burkhard_Hanke

    Joe Dispenzas „Du bist das Placebo“ zeigt, wie stark Gedanken, Emotionen und Überzeugungen unsere Gesundheit prägen. Wer sein Mindset verändert, aktiviert innere Heilkräfte und schafft neue Möglichkeiten. Ein inspirierender Mix aus Wissenschaft und Praxis – mit der klaren Botschaft: Dein Bewusstsein ist dein stärkstes Medikament.

  7. Cover des Buches Ein neues Ich (ISBN: 9783867281966)
    Joe Dispenza

    Ein neues Ich

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Ella1994

    „Ein neues Ich“ verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse über das Gehirn, die Biologie und die Quantenphysik mit spirituellen Konzepten. Dr. Dispenza zeigt, wie wir unsere Gedanken und Emotionen bewusst steuern können, um alte Muster zu durchbrechen und eine neue, kraftvolle Version von uns selbst zu erschaffen.

    Das Herzstück des Buches sind die detaillierten Meditationstechniken, die Schritt für Schritt erklären, wie wir uns aus gewohnten Gedankenschleifen lösen und eine neue innere Realität erschaffen können. Seine Kombination aus wissenschaftlicher Klarheit und spiritueller Tiefe macht dieses Werk zu einem einzigartigen Erlebnis.

  8. Cover des Buches Wie das Gehirn heilt (ISBN: 9783593394770)
  9. Cover des Buches On the Move (ISBN: 9783499628931)
    Oliver Sacks

    On the Move

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Babscha

    Oliver Sacks ist der breiten Öffentlichkeit sowohl als genialer Neurologe und Psychiater wie auch als Autor verschiedenster erfolgreicher medizinischer Fachbücher bekannt geworden, in denen er aus seinem klinischen Alltag berichtet. Sein bekanntestes Buch "Awakenings" über postenzephalitische Patienten, die er nach Jahrzehnten katatonischer Erstarrung vorübergehend ins Leben zurückholen konnte, wurde auch in der Verfilmung mit Robert de Niro und dem unvergessenen Robin Williams ein großer Erfolg.

    Dieses Buch ist sein erst in seinem Todesjahr 2015 im Alter von bereits über achtzig Jahren geschriebener autobiographischer Rückblick auf sein im wahrsten Sinne bewegtes, rastloses Leben. Aufgewachsen als jüngster von vier Söhnen eines jüdischen Medizinerehepaars in London wird ihm das puritanische England bald einfach zu eng. Er bricht mit Mitte Zwanzig allein und ziemlich mittellos auf nach Kalifornien, wo er in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in den american way of life  einer freien Welt voller Sex, Drogen, Motorräder und Bodybuilding abtaucht, dabei aber niemals ganz seine Bodenhaftung verliert, sondern alles seinem großen Ziel, der medizinischen Forschung und seinem unstillbaren Interesse an Menschen unterordnet. Trotz seiner Schüchternheit feiert er im Laufe der Jahre große Erfolge in der Welt der Medizin und schreibt hierüber endlose Reportagen für Fachpresse und Verlage. Seine andere Leidenschaft, die des Reisens, führt ihn um die ganze Welt und lässt ihn zwar Unmengen von Freunden gewinnen, bis zum Schluss aber nie die große Lebensliebe finden, was sowohl an dem fortwährenden inneren wie äußeren Bewegungs- und Veränderungsdrang  in seinem Leben wie auch an seiner zwangsweise weitgehend unausgelebten Homosexualität lag, für die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einfach noch nicht reif war.
     
    Ein insgesamt sehr interessantes, persönlich und ehrlich geschriebenes Buch über einen schillernden Menschen, für den Stillstand wahrlich der frühe Tod bedeutet hätte. Einzig die teils ausufernden medizinischen Fachanalysen und Berichte  aus der neurologischen Welt waren streckenweise etwas too much, aber auch das sei der Empathie und dem unentwegten Forscher- und Mitteilungsdrang des Autors zu Gute zu halten. Und man wird als Leser nur schlauer dadurch.
  10. Cover des Buches Intelligente Zellen. Wie Erfahrungen unsere Gene steuern (Gebundene Ausgabe) (ISBN: 9783936862881)
    Bruce Lipton

    Intelligente Zellen. Wie Erfahrungen unsere Gene steuern (Gebundene Ausgabe)

    (17)
    Aktuelle Rezension von: Waldviertler
    Der amerikanische Zellbiologe Bruce H. Lipton, ein Pionier der Epigenetik, lehrte an den Universitäten Wisconsin und Stanford. Dieses Buch gibt einen grandiosen Überblick über sein Forschungsgebiet, der sich nicht in einigen Zeilen in seiner ganzen Tiefe andeute lässt. Mich hat die Frage am Ende des Buchs beeindruckt: „Wenn du sein könntest, wer du willst – wer möchtest du dann sein?“ - Der Zellbiologe Lipton macht nicht die Biologie für alles verantwortlich, zeigt aber doch ihren großen Einfluss auf unser Leben: Organspenden beweisen, dass Zellen so etwas wie ein Gedächtnisvermögen besitzen, was sich an wissenschaftlich zu beobachtenden Verhaltensveränderungen nach einer Organtransplantation zeigt. Lipton steht auf dem Standpunkt, dass nicht nur die Gene die Lebensweise des Menschen bestimmen, sondern auch die Reize aus seiner Umwelt, auf die er reagiert.
  11. Cover des Buches The Brain (ISBN: 9783570552889)
    David Eagleman

    The Brain

    (26)
    Aktuelle Rezension von: kleinstadtstudentiin

    „The Brain“ ist ein bemerkenswertes Buch über das komplizierteste und beeindruckendste Organ, das die Natur je hervorgebracht hat - das Gehirn. In „The Brain“ beschreibt der renommierte Neurowissenschaftler David Eagleman die Entwicklungen und Prozesse unseres Gehirns von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein, und geht auf verschiedene Themen wie z.B. optische Täuschungen und Erkrankungen ein. 

    Obwohl es sich hierbei um ein an sich sehr komplexes Fachgebiet handelt, führt David Eagleman seine Leser*innen auf eine sehr spannende und laiengerechte Weise an das Thema heran und vermittelt gleichzeitig grundlegende Informationen über das Gehirn, ohne mit seiner Informationsdichte erschlagend zu wirken. Eine klare Leseempfehlung!

  12. Cover des Buches Thalamus (ISBN: 9783844530292)
    Ursula Poznanski

    Thalamus

    (65)
    Aktuelle Rezension von: danielamariaursula

    Eben noch war der 17 jährige Timo mit dem Motorroller unterwegs zu seiner Freundin Hanna, um ihr ein Geschenk zu ihrem Halbjahresjubiläum, allen Witterungen zum Trotz, zu bringen, nun wacht er in einem Krankenhausbett auf. Er hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten, kann nicht mehr Sprechen, nicht mehr Lesen und nicht mehr Gehen... Die Ärzte sind nach seiner OP aber zuversichtlich, dass er im Reha-Zentrum Markwaldhof sich schnell erholen und Fortschritte machen wird. Er teilt sich das Zimmer mit dem Wachkomapatienten Magnus, den sein Nachbar Carl vom Zimmer gegenüber, nur als „Gemüse „bezeichnet. Doch nachts steht Magnus auf, verlässt das Zimmer und droht ihn mit einem Kissen zu ersticken, sollte er anderen davon erzählen. Auch an sich selbst stellt er merkwürdige Veränderungen fest: nachts kann er aufstehen und ist viel fitter als tagsüber, manchmal kann er nachts sogar sprechen. Am nächsten Morgen ist alles wieder weg. Immer häufiger hört er eine unerklärliche Stimme in seinem Kopf, die ihn warnt und ihn teilweise Dinge tun lässt, die er nicht will. Trotz seiner Einschränkungen freundet er sich mit Carl und der ehemaligen Turmspringerin Mona an, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Sie scheinen jedoch nicht zu bemerken, was um sie herum vor sich geht. Als Timo nachts einige Ärzte belauscht, wird ihm erst das Ausmaß der Gefahr bewusst, in der sie schweben. Doch wie soll er Carl und die anderen warnen, wenn er nicht Sprechen und nicht Schreiben kann?


    Fremd im eigenen Körper, aller seiner bisherigen Fähigkeiten beraubt, Stimmen im Kopf und Gliedmaßen, die bisweilen einem fremden Willen gehorchen. Ein unvorstellbarer Albtraum, der nicht enden zu wollen scheint.


    Es fängt ganz langsam an. Anfangs scheint es nur das Grauen, der unfallbedingten Einschränkungen zu sein doch nach und nach dämmert einem mit Timo, in dessen Kopf man sich bisweilen zu befinden scheint, dass es noch viel schlimmer, viel beklemmender ist. Timo macht immer mehr Fortschritte und nimmt zu immer mehr Personen im einsam gelegenen Markwaldhof auf. Einige wachsen ihm immer mehr ans Herz, denn eigentlich ist es für ihn unverständlich, warum Carl sich so viel Zeit und Mühe mit ihm gibt. Als die Lesefähigkeit zurück kommt, beginnt er wie Carl die Krankenblätter an den Betten seiner Mitpatienten zu lesen und ihm fallen Muster auf, die er sich nicht erklären kann.... je mehr er versteht, desto größer wird seine Angst, desto mahnender und fordernder die Stimme in einem Kopf.


    Ein Jugendthriller, aus dem Bereich der Hirnchirugie und Nanobottechnik. Immer noch sehr modern und erschreckend und hoffnungsvoll zugleich. Da nicht alle die gleichen Vorkenntnisse haben, wird man behutsam und verständlich in dieses Thema eingeführt. Man begreift die Möglichkeit und die Risiken und die Macht des Geldes und die Gefahr des Suchts nach Ruhm und Geld. Während wir mit Timo persönliche Beziehungen zu seinen neuen Mitpatienten aufbauen und deren Einschränkungen und Fähigkeiten und Persönlichkeiten zu verstehen lernen, wird noch eine weitere Spannungsebene aufgebaut. Neben der neurologischen, eine persönliche. Hierbei weist die Autorin viel Gespür für die Würde und die inneren Nöte, der von ihr beschriebenen Jugendlichen. 


     Jens Wawrczeck leiht dem lange Zeit stummen Timo in seinen Gedanken, eine eindringliche Stimme. Man spürt seine Verzweiflung. Der letzte Moment, an den er sich erinnern kann,war doch perfekt, und nun... Man spürt aber auch Timos wachsene Stärke, seinen Mut und seine Ohnmacht. Diese sich immer wieder abwechselnden Gefühle schafft er problemlos mit seiner nie alternden Stimme zu vermitteln, ebenso wie das Gefühl für Gefahr. Mit der Zeit spitzt sich die klaustrophobische Situation immer weiter zu bis sie gegen Ende ihren Höhepunkt in einem großen Showdown findet. Diese schier ausweglose Situation, dieses Drängen und der unbedingte Wille, dieses schier unausweichliche Schicksal aller abzuwenden, wird von ihm stimmlich super vermittelt.

    Ein Jugendthriller, der bewegt und nachdenklich stimmt, bewegend gelesen! 


  13. Cover des Buches Was wir sind und was wir sein könnten (ISBN: 9783596521647)
    Gerald Hüther

    Was wir sind und was wir sein könnten

    (33)
    Aktuelle Rezension von: LydisBooks

    *Was wir sind und was wir sein könnten* von Gerald Hüther hat mir als Ratgeber im Hardcover recht gut gefallen. Es war ein Bücherschrankfund, der mir sicherlich nicht ganz zufällig in die Hände gefallen ist. 

    Es geht um neurowissenschaftliche Erkenntnisse und die Frage, ob wir unser Gehirn auch nach bereits eingefahrenen Strukturen und Denkmustern noch dazu anregen können sich grundlegend zu verändern. 

    Insgesamt haben mir die Schilderung und die Thematik gut gefallen. Das Buch lässt sich flüssig lesen, ist jedoch sehr theoretisch gestaltet und bietet leider kaum Beispiele. Dies führt leider auch dazu, dass ich es sodann aus der Hand gelegt habe und kaum einen Nutzen daraus ziehen kann. 

    Es informiert über Abläufe und Hintergründe, gibt jedoch kaum Spielraum zur Analyse oder Umsetzung und Anregung des eigenen Gehirns und dazu, selbst an den betreffenden Schrauben zu drehen, um grundlegende Veränderungen in unserer Denkweise herbeizuführen. 


  14. Cover des Buches Neuromythologie (ISBN: 9783839415801)
  15. Cover des Buches Der Baum der Erkenntnis (ISBN: 9783596178551)
  16. Cover des Buches Wie das Gehirn die Seele macht (ISBN: 9783608962512)
    Gerhard Roth

    Wie das Gehirn die Seele macht

    (5)
    Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-Pape
    Der aktuelle Stand der Forschung

    Die Erforschung des Gehirns und damit dessen, "was den Menschen zum Menschen macht", hat im letzten Jahrzehnt intensive Fortschritte erzielt, wobei (natürlich) dennoch vieles noch nicht letztendlich geklärt oder genau zu bestimmen ist.

    Erschwerend tritt die Reibung und Spannung zwischen Neurobiologie und breiten Teilen der psychoanalytischen Therapie hinzu (in ihrer strikt geisteswissenschaftlichen Orientierung), wie Roth in der Hinführung zum Thema bedauernd konstatiert.

    Grundlage der Sicht des Buches aber ist und bleibt die "naturalistische" Sicht des Seelischen. Psyche und Geist fügen sich in das Naturgeschehen ein und transzendieren dies nicht. Wie diese Einfügung nach aktuellem Stand der Wissenschaft vorzustellen ist, dies beschreibt Roth im Buch beredt und differenziert. Wobei vorweg deutlich benannt werden muss, dass hier auch in der Sprache ein sehr wissenschaftliches Werk vorliegt, das eine konzentrierte Lesehaltung bei der Lektüre erfordert und die Bereitschaft zu einem ebenso konzentrierten Hineinarbeitens bedarf.

    Gehirn und limbisches System, Neromodulatoren, Neuropeptide und Neurohormone, die Entwicklung des Gehirns und der kindlichen Psyche (und damit die Formung der Person), die neurobiologischen Grundlagen der Person, die Aufgliederung in das Bewusste, das Vorbewusste und das Unbewusste, die Ursachen (und Folgen) von psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen aus neurobiologischer Sicht, die Bewertung von Psychotherapien aus dieser Sicht heraus und die Beschreibung der Wirkungsweisen von Psychotherapien aus Sicht der Neurowissenschaften heraus, Schritt für Schritt kreisen Roth und Stüber die Seele und der "Einfügung in das Naturgeschehen" ein.

    Wobei der praktische Aspekt, was diese Erkenntnisse bedeuten, wie und ob man mit ihnen "arbeiten" kann und wohin die Erkenntnis über das "Machen der Seele durch das Gehirn" führt durch den breiten und intensiven Blick im Buch auf die Psychotherapie fassbar und deutlich wird.

    Das anfangs unscheinbar wirkende Kapitel "Was sagt uns das alles" bietet hierzu einen konstruktiven Ausblick (auch mit seiner klaren Kritik am Beharren eher nicht haltbarer alter Denkmuster in der psychoanalytischen Psychotherapie). Durch die Herausstellung der zunehmenden Bedeutung der Bindungsforschung stellen die Autoren hier die Plattform für die zukünftige kooperative Forschungsarbeit demgegenüber deutlich heraus, wie auch die KVT in ihrer Entwicklung die mögliche (dennoch eher langsam voranschreitende) gegenseitige Befruchtung der Wissenschaftsbereiche aufzeigt).

    Insgesamt eine spannende Darlegung des aktuellen Standes der Gehirnforschung in Bezug auf die Entwicklung der Persönlichkeit und die "Seele" des Menschen, in dem die Autoren einerseits fundamentale Grundannahmen der Psychotherapie humanbiologisch bestätigen, auf der anderen Seite sich nicht scheuen, die vielfachen empirisch fragwürdigen Anteile der Psychoanalyse aus neurobiologischer Sicht heraus zu benennen.

    Durch die Darlegung der verbindenden wissenschaftlichen Ergebnisse gerade auf dem Feld der Bindungsforschung eröffnen die Autoren zugleich konstruktive Ebenen für die weitere Diskussion (dies gilt gerade für das "Primat des Unbewussten" als persönlichkeitsbestimmende Kraft im Menschen).

    Einerseits also grenzen die Autoren ihre Erkenntnisse deutlich von manchen traditionellen Grundannahmen der verschiedenen psychotherapeutischen Modelle ab, andererseits betonen Roth und Strüber die empirischen Gemeinsamkeiten auf dem Weg zu einer klareren Vorstellung von Gestalt, Entwicklung und biologischem "Ausdruck" der menschlichen Seele.

    Eine sehr interessante und fundierte Lektüre mit dem erkennbaren Schwerunkt der kritischen Auseinandersetzung zwischen Neurobiologie und Psychoanalyse.
  17. Cover des Buches L.i.o.S. Hinter der Welt (ISBN: 9783744885683)
    JoMu Art

    L.i.o.S. Hinter der Welt

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Seelensplitter

    Meine Meinung zum Buch:

    L.i.o.S Hinter der Welt

    Inhalt in meinen Worten:

    L.i.S sagt man zu Menschen die gerade in einem Koma liegen, wo nicht klar ist, kommen sie zurück oder tritt der Hirntod ein. So gibt es ein Pärchen das mir ihre Geschichte erzählt, der eine im Koma, der andere (oder die andere) ist von außen da und erzählt in Form eines Tagebuchs und einer Geschichte was gerade passiert.

    Muss sie loslassen damit sie sich eines Tages wieder treffen oder kommt er wieder?

    Doch das ist nicht alles was ihr in diesem Buch entdecken dürft, es ist viel mehr.

    Lässt du dich auf das Abenteuer L.i.o.S ein?


    Wie ich das Gelesene empfinde:

    Faszinierend wie man mit Sprache und Bild arbeiten kann um eine Geschichte zu weben die einfach mal anders ist, als die die ich bisher so lese.

    So sind die Bilder und Zeichnungen auf den ersten Blick nicht immer zu deuten auf den zweiten und dritten jedoch absolut Geheimnisvoll und Stück für Stück eröffnen sie mir ihr Geheimnis. Das imponiert mir und lässt mich staunen.

    Denn egal wie oft ich diese Bilder oder Geschichte betrachte immer wieder kommt etwas neues an mein Herz.

    Es geht um Leben. Um Lebenswillen. Tod. Hoffnung. Verlust. Wachsein. Schlafen. So vieles was man stets in einem anderen Blickwinkel betrachten darf.


    Geschichte:

    An sich ist diese Geschichte in drei Geschichten geteilt. Einerseits Tagebuch und Rückblick, andererseits ist es aber auch eine Indianergeschichte mit einem Geist, jedoch auch eine Geschichte von einem Menschen der in sich selbst gefangen ist, und wo nicht klar ist, wird er überleben oder sterben.

    Somit gibt es ganz viele Facetten in der Geschichte die nicht in eine Schublade passen, weil sie dann ganz schnell in eine andere hüpfen wollen oder gar nicht sich einfangen lassen wollen.


    Zeichnungen:

    Für mich sind die Zeichnungen fantastisch, berührend, wunderschön und abgrundtief. Es gibt immer wieder etwas neues zu entdecken und ich frage mich, wie würden die Bilder in Farbe aussehen, und doch gibt es ein Bild das in schwarz weiß gehalten ist und doch sehe ich eine Farbe darin, nicht nur weil das Wort darin steht, sondern weil ich es erahnen kann, fühlen kann, was der Autor ansetzen wollte. Das ist besonders, denn so etwas erlebte ich so in einer Art noch nicht.


    Spannung:

    Diese Geschichte ist keine Geschichte wie es meist in Büchern der Fall ist, dazu ist es zu dicht verwoben zu feingliedrig und doch engmaschig. Und doch sitze ich faszinierend an diesem Buch, möchte es nicht aus der Hand legen und das Geheimnis das mich umspinnt erforschen, kennenlernen und begreifen und ergreifen, weswegen ich dieses Buch auf seine ganz eigene Weise spannend empfinde.


    Empfehlung:

    Raus aus Klischees und hinein in ein buntes Abenteuer? Willkommen im Buch L.i.o.S. Immer wieder gibt es neues zu erforschen immer wieder entdeckt man in einem Bild etwas neues, manches entdeckt man erst wenn man mehrfach hinsieht, nicht nur überblättert. Wenn man sich auf die Zeilen einlässt auf die Gefühle die doch da sind, auch wenn es kein Roman im herkömmlichen Sinne ist.

    Eine Welt die man nicht betreten kann ohne berührt zu werden.

    Und sei es wie eine Feder die ganz leicht um meine Nasenspitze weht, und doch spüre ich sie, so ist es bei diesem Buch, intensiv auf der einen Seite und sanft und zärtlich auf der anderen Seite.

    Für mich ein Geschenk.


    Bewertung:

    Ich finde dieses Buch sollten mehr Menschen kennenlernen, weil mich hat es berührt, auf eine ganz besondere Weise. Fast wie eine kleine Erholungsoase und doch vernichtend und zerrend. So eine Art von Buch hab ich so in der Form noch nicht getroffen und deswegen gibt es auch klare fünf Sterne.

  18. Cover des Buches Der Fuchs und Dr. Shimamura (ISBN: 9783937834764)
    Christine Wunnicke

    Der Fuchs und Dr. Shimamura

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe
    Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg in dieses Buch nicht gerade leicht fiel. Der junge Neurologe Dr. Shimamura reist 1891 in die japanische Provinz um Frauen zu untersuchen, die vom Fuchsgeist besessen sein sollen. Fuchsgeist? Besessene Frauen? Soll damit die Tollwut gemeint sein? Bevor ich weitergrübelte, recherchierte ich ein bisschen und stieß auf eine Seite der OAG, der Ostasiatischen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, die mir die besondere Beziehung der japanischen Gesellschaft zum Fuchs deutlich machte (siehe oag.jp/images/publications/oag_notizen/Notizen_Feature_Fuchs_und_Fuchsglaube_in_Japan.pdf). Danach fiel mir das Lesen deutlich leichter ;-)
    Doch ich blieb beim Recherchieren. Denn nicht nur Dr. Shimamura (wie auf der Umschlagseite vermerkt) war eine reale Person, auch alle anderen auftauchenden Figuren, denen er während seines Stipendiums in Europa begegnete, waren existent, sodass ich mir nach und nach einen umfangreichen Überblick über die Anfänge der Neurologie verschaffen konnte. Alle äußeren Merkmale wie auch öffentliche Beziehungen scheinen wahrheitsgetreu wiedergegeben worden zu sein - das Ganze dann angereichert durch die vermutlich fiktiven persönlichen Merkmale der Einzelnen und deren Verhältnis zu Dr. Shimamura.
    Diese Verflechtung von Realität und Fiktion wirkt mustergültig - als ob die Autorin als Zeitgenossin an den Geschehnissen beteiligt gewesen wäre. Wer über das reine Lesen des Buches hinaus sich ein wenig mit den darin vorkommenden Personen beschäftigt, wird vielleicht bald von der Geschichte der Neurologie und Psychoanalyse gefesselt sein (siehe beispielsweise spiegel.de/einestages/jean-marie-charcot-und-die-hysterieforschung-in-der-pariser-salpetriere-a-951005.html). Mir ist es zumindest so ergangen und so hat das Lesen dieses dünnen Büchleins wesentlich länger gedauert als gedacht ;-) Und mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern auch mein Wissen erweitert.
    PS: Das Buch war auf der Longlist 2015 für den Deutschen Buchpreis.
  19. Cover des Buches Im Labyrinth der Nerven (ISBN: 9783959103558)
    Nicole Knobloch

    Im Labyrinth der Nerven

    (30)
    Aktuelle Rezension von: Test-LR

    Cover:

    Das Cover mit dem beruhigenden Grünton im Hintergrund ist schlicht gehalten. Der Mensch, der mit Hilfe von netzartig verlaufenden weißen Linien angedeutet wird, ist kaum zu sehen. Dennoch passt genau das sehr gut zu einem Sachbuch wie diesem. Es wirkt seriös, macht aber auch neugierig.

    Inhalt:

    Das Ärzteehepaar Dr. Nicole und Dr. Christian Knobloch betreiben seit über 20 Jahren gemeinsam eine Praxis für Neurologie und Psychiatrie. In diesem Buch schildern sie eine Reihe von Fallbeispielen aus ihrer Praxis, die sowohl Einblicke in die verschiedensten Krankheitsformen geben, aber auch die Schwierigkeit aufzeigen, diese zu diagnostizieren.

    Mein Eindruck:

    "Und warum tun wir das? Wir wollen Mut machen! Und wir wollen informieren und Einblicke gewähren, die sonst nur wenige haben. Wir möchten vermitteln, was uns als Ärzten und vor allem als Menschen während unserer Arbeit durch den Kopf geht. Aber vor allem versuchen wir zu schildern, wie die Patienten und auch deren Angehörige eine Krankheit erleben, die sie wortwörtlich »bis ins Mark« trifft. Unsere Arbeit ist immer spannend, oft dramatisch, manchmal todtraurig, häufig sonderbar – und immer wieder auch beglückend und bereichernd."

    Dieses Zitat aus dem Vorwort fasst diese Buch im Kern treffend zusammen. Ich habe dieses Buch von Beginn an verschlungen, denn die beiden verstehen es, ihre Fälle unterhaltsam und interessant zu präsentieren. Sie lassen einem teilhaben an ihren Gedanken und Gefühlen den Patienten gegenüber. Man merkt dabei sehr gut, dass diese Arbeit auch menschlich manchmal schwierig und belastend sein kann und vor allem, wie schwierig es ist, eine eindeutige Diagnose zu stellen. Viele Krankheiten ähneln sich in den Symptomen oder es kommen mehrere Faktoren zusammen. Hier ist Geduld, genaues Zuhören und Hinschauen gefragt.
    Die Fälle sind dabei meistens in einem Kapitel abgehandelt, ein Fall erstreckt sich aber auch über mehrere Kapitel, die von anderen Fällen unterbrochen werden. Dies lockert das Ganze auf und macht diesen speziellen Fall noch spannender.


    Mir hat sehr imponiert, dass beide ihren Patienten gegenüber sehr respektvoll und sympathisch begegnen und sehr viel Geduld bei der Diagnostik mitbringen. Ihnen ist wichtig, die Ursache der Symptome zu erkennen und diese zu bekämpfen und nicht die Patienten mit irgendeinem Medikament ruhig zu stellen. Das ist heutzutage leider nicht selbstverständlich.


    Neben den Krankheit der Patienten wird aber auch deren privates Umfeld ein wenige geschildert und ihre Schicksale sind teils ermutigend und beglückend, teils aber auch tragisch. Dieser emotionale Aspekt gefiel mir sehr, denn der Patient wird als Ganzes, als Mensch betrachtet und nicht nur auf seine Krankheit reduziert.


    Auch merkt man, dass die Beiden sich gegenseitig bei der Arbeit unterstützen, sich Rat und Halt geben und dass die Schicksale ihrer Patienten ihnen trotz aller Professionalität nahe gehen. Besonders gut gefallen hat mir ihre Sicht bezüglich "behinderter Menschen": 

    "Überhaupt zu definieren, was einen Menschen mit einer Behinderung ausmacht, führt einen schon zur wichtigsten Frage: Sollte man ihn über seine Defizite definieren? Wäre es nicht besser, über ihn als einen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu sprechen?" 

    Dieses Zitat hat mich sehr berührt.

    Die meisten geschilderten Fälle gehen gut aus bzw. tragen am Ende einen Hoffnungsschimmer in sich. Einige Fälle enden aber leider tragisch. Den Autoren war es wichtig, ein Buch zu schreiben, dass eher positiv ist und Mut macht, aber auch die andere Seite wollten sie nicht völlig verschweigen, was auch gut, richtig und wichtig in meinen Augen ist. So ist auch der Corona-Krise und ihren negativen Auswirkungen ein Abschnitt gewidmet, der deutlich macht, dass nicht nur der Virus dabei eine Gefahr für unsere Gesundheit bedeutet.

    Am Ende eines jeden Falles gibt es einen Infokasten, der die wichtigsten Fakten zu der geschilderten Krankheit auch für Laien verständlich zusammenfasst. Obwohl ich mich schon mit einigen Aspekten neurologischer und psychischer Krankheiten im Vorfeld befasst habe, habe ich hier einiges dazu gelernt. Manches war erschreckend, aber vieles gibt auch Hoffnung, denn mittlerweile gibt es schon viele medizinische Methoden, um viele Krankheiten zu behandeln oder deren Verlauf zu mildern. Das Register am Ende rundet das Sachbuch ab.

    Fazit:

    Spannende und emotionale Fallbeispiele von einem sympathischen Ärzteehepaar mit detektivischem Spürsinn und Empathie bei der Diagnostik

  20. Cover des Buches Die Illusion der Gewissheit (ISBN: 9783499633911)
    Siri Hustvedt

    Die Illusion der Gewissheit

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Cornelia_Ruoff

    GENRE SACHBÜCHER

    2. ZUM INHALT

    Als ich “Die Illusion der Gewissheit“ von Siri Hustvedt bei Rowohlt im sah und den Klappentext las, war ich sofort interessiert. Das Leib-Seele-Problem fand ich schon immer spannend. Ich war gespannt auf Siri Hustvedts Herangehensweise. Zu welchem Ergebnis würde sie kommen?

    DIE ZENTRALE FRAGE DES LEIB-SEELE-PROBLEMS ODER MODERNER GESAGT: KÖRPER-GEIST-PROBLEMS IST

    die Frage nach der Beziehung zwischen Körpern und Geist. Der Geist umfasst in dieser Problemstellung die Seele.
    (Enzyklopädie Philosophie, Meiner)

    Siri Hustvedt führt den Leser in die Philosophiegeschichte des Körper-Geist-Problems ein. In einer dialektischen Form stellt sie Leib und Seele, Körper und Geist, Gott und Welt, angeboren und erworben (Nature/Nurture), Form und Materie, Mann und Frau, Psyche und Soma und noch weitere Gegensätze gegenüber. Diese Gegensatzpaare sind mit dem Problem verwoben. In vielen Fällen handelt es sich um Dichotomien.

    Dabei entsteht ein Menschenbild, dass sich im Laufe der Zeit verändert. Vor allem das Frauenbild hat sich stark gewandelt. Vom Jäger und Sammler Menschenbild bis heute war ja auch ein weiter Weg. Aber was ist der „Mensch“ heute? Was macht uns aus? Genau diese Fragen stellt Siri Hustvedt in ihrem Essay.

    Siri Hustvedt macht einen kleinen Ausflug in die Antike zu den Pythagoreern, zu Platon und Aristoteles, um dann bei Rene Descartes zu verweilen, erwähnt Hobbs, Wir machen zwischendurch bei Kant, Hegel, Schopenhauer und auch Freud Station.

    Immer wieder stellt sich die Frage: Haben Leib und Seele ein gleich starkes Verhältnis oder ist einer stärker?

    Ist der Geist Herr über den Körper? Oder hat der Körper die Übermacht? Dazu verweist die Autorin auf mehrere Studien.

    Besonders belustigt hat mich die These mit dem angeborenen Dominanzverhalten der Männer. Oder die These, dass der Herrschaftsanspruch bei Männern in den Genen zu finden sei. Tja, was sagst du dazu?

    Hirnforscher, Evolutionspsychologen, Genetiker, Psychiater, Computerwissenschaftler. befassen sich mit dem Leib-Seele-Problem. Auch der viel zitierte Kognitionswissenschaftler Steven Pinker konnte genauso wenig wie Steven Ray eine wirkliche Lösung bieten.

    4/5 Punkten

    3. SPRACHLICHE GESTALTUNG

    Das Essay verlangt einen aufmerksamen Leser, der bei Bedarf auch mal bereit ist, Definitionen nachzulesen. Es ist kein Buch, dass ich an ein oder zwei Tagen durchlese und alles verstanden habe. Aber durch die herangezogenen Studien, fand ich den Weg sehr interessant und wie schon erwähnt, hat mich einiges zum Schmunzeln gebracht..

    Trotz des schwierigen und umfangreichen Themas lässt sich das Buch gut lesen.

    4/5 Punkten

    4. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNg

    „Die Illusion der Gewissheit“ von Siri Hustvedt, aus dem Amerikanischen von Bettina Seifried, hat 416 Seiten, einen Festen Einband und ist am 15.05.2018 unter der ISBN 9783498030384 bei Rowohlt im Genre: Sachbücher erschienen.

    Erstveröffentlichung von „The Delusions of Certainty“  bei Simon & Schuster (17. Oktober 2017) veröffentlicht.

    4/5 Punkten

    5. WAS SAGT SIRI HUSTVEDT?

    Links dazu auf Connies Schreibblogg

    6. FAZIT

    Siri Hustvedt zitiert im letzten Kapitel Blaise Pascal aus seinem Werk „Gedanken“. Und dieses Zitat bringt das Ergebnis auf den Punkt.

    – Ich weiß immer noch nicht, wer oder was mich in die Welt gesetzt hat.
    – Ich weiß immer noch nicht, was die Welt ist.
    – Ich weiß immer noch nicht, wer ich bin.
    – Ich weiß immer noch nicht, was der Geist ist.
    – Ich weiß immer noch nicht, was die Seele ist.
    – Ich weiß immer noch nicht, was das Bewusstsein ist.

    Siri Hustvedt kann das Problem zwar nicht lösen, aber sie hat das im mittelalterlichen Universalienstreit gipfelnde Problem ins Hier und Jetzt – in die Gegenwart – geholt. Sie nimmt den Leser dabei mit und lässt ihn daran teilhaben. Der Leser mag gerne eigene Schlüsse daraus ziehen.

    Die Frage ist natürlich: Benötigen wir überhaupt die Trennlinie zwischen Körper und Geist? Und genau hier kommt die Lösung:

    Was bedeutet das für uns? Was will uns Siri Hustvedt mit ihrem Essay sagen?

    Wir müssen einen ganzheitlichen Blick entwickeln. Die Frage des Körper-Geist-Problem hat keine Relevanz. Die Trennung ist auch immer ein Ausgrenzen und genau das möchte Siri Hustvedt nicht.

    Das Buch aus dem Genre Sachbücher gefällt mir gut. Es ist eine fachübergreifende Sammlung an Fakten, Studien, Philosophiegeschichte, Neurowissenschaften und noch vielen zum Thema.

    Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.

  21. Cover des Buches Drachen, Doppelgänger und Dämonen (ISBN: 9783499629723)
    Oliver Sacks

    Drachen, Doppelgänger und Dämonen

    (9)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Mit etwa fünf Jahren hatte ich als Nebenwirkung eines Hustensirups Halluzinationen. Ich sah verschiedene leuchtende unheimliche Tiere. Seither bin ich misstrauisch, wenn jemand sagt, er glaube nur, was er gesehen hat. Mir scheint, dies ist die entscheidende Frage der Erkenntnistheorie: Woran erkenne ich, wie weit meine Sinneseindrücke einer Wirklichkeit entsprechen?

    Deshalb scheint mir fundamental, möglichst genau zu wissen, welches Ausmass Täuschungen annehmen können. In dieser Frage sind Oliver Sacks’ Bücher eine ideale Lektüre. Im hier vorgestellten Werk, ‚Drachen, Doppelgänger und Dämonen’ schildert er eine ganze Reihe eigenartiger Halluzinationen. Wie auch in anderen Büchern geht er dabei kaum auf die neurologischen Hintergründe ein. Halluzinationen können auch bei gesunden Menschen können sporadisch auftreten, sei das durch Übermüdung, Alkohol- oder Drogeneinfluss oder im Zusammenhang mit einem Migräneanfall. Weitere Auslöser sind Höhenkrankheit, Sauerstoffmangel, Halbschlaf, Medikamente, abgesetzte Medikamente oder Drogen, Dehydrierung, grosse Trauer, Epilepsie oder Schizophrenie.

    Was der Betroffene an Halluzinationen erleben kann, sprengt die Vorstellungskraft des nicht Betroffenen. Alles, was Sie in Gruselfilmen je gesehen haben, scheint sich hier tatsächlich abzuspielen. Z. B.:

    • Eine Stimme kommandiert Sie herum.
    • Musik spielt wunderschön.
    • Beliebige Farbeffekte und Muster tauchen auf.
    • Jemand atmet direkt neben Ihnen.
    • Riesige Spinnen, Mäuse, Würmer oder anderes Ungeziefer krabbeln durchs Zimmer.
    • Die Figuren eines Films oder eines Gemäldes klettern plötzlich aus dem Fernseher oder aus dem Bild und rennen im Zimmer umher.
    • Sie schrumpfen plötzlich zum Zwerg, so dass Sie sich hinter einem Lippenstift verstecken können.
    • Sie wachsen riesenhaft gross und sehen andere Menschen winzig klein.
    • Die ganze Welt wirkt plötzlich fremd. Sie erkennen Ihre eigene Mutter nicht mehr, obwohl Sie wissen, dass diese genau so aussieht.
    • Alles wirkt plötzlich bekannt und vertraut, obwohl es neu ist. Sie sind überzeugt, alles schon einmal erlebt zu haben.
    • Der freundliche Verkäufer verwandelt sich unversehens in ein Gruselmonster und Würmer kriechen aus seinem Gesicht.
    • Im Türrahmen hängen vermodernde Leichen.
    • Sie schweben durchs Zimmer.
    • Ihre Beine oder die eines Anderen sind plötzlich verkürzt oder ungleich lang.
    • Sie sehen plötzlich alles ganz hell und klar, erleben ein überirdisches Glücksgefühl und wissen, dass Gott zu Ihnen spricht.
    • Sie lesen ein Buch und lesen da Dinge, an die Sie sich später erinnern, aber nie mehr finden können.
    • Ein Alltagsgegenstand vervielfältigt sich und steht in mehreren Kopien vor Ihnen.
    • Eine Person geht in gleichen Zeitabständen auf genau die gleiche Weise immer wieder an Ihnen vorbei.

    Viele dieser Erlebnisse werden problemlos als Halluzination erkannt, andere erscheinen völlig real. Welche real erscheinen und welche nicht, ist kaum davon abhängig, wie verrückt die Erlebnisse sind. Jeder gesunde Menschenverstand und jede Logik, was möglich ist und was nicht, kann ausgeschaltet werden. Denn gesunder Menschenverstand und Logik, die schliesslich vom Gehirn produziert werden, können natürlich auch durch eine Gehirnstörung ausser Kraft gesetzt werden. Das Beispiel des Anton-Syndroms mag dies erleuchten: Patienten mit dem Antonsyndrom sind völlig blind, bemerken dies aber nicht. Werden sie aufgefordert, ein Zimmer zu beschreiben, kommen sie dieser Aufforderung nach und erzählen voller Überzeugung viele Details über das Zimmer. Allein, das Zimmer sieht völlig anders aus. Wenn sie im Zimmer umher gehen und dabei gegen Möbel stossen, fällt ihnen keineswegs auf, dass sie diese ja gar nicht sehen, sondern sie erklären z. B., die Möbel seien verschoben worden. Ansonsten sind Anton-Patienten aber voll zurechnungsfähig.

    Da erhebt sich doch die Frage, ob wir nicht alle –oder auch nur ich?- auf ähnliche Weise grosse Teile der Welt nicht wahrnehmen, ohne es überhaupt zu bemerken. Was können wir tun, um diese Gefahr zu minimieren? – Das scheinen mir die bedeutsamen Fragen der Erkenntnistheorie. Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich Leute treffe, die sich ‚Erkenntnistheoretiker’ nennen, dann aber feststelle, dass sie nur gerade Kant gelesen, aber nie über derartige Fragen nachgedacht haben.

    Wer sich dafür interessieren, wie Wissen begründet werden kann, findet bei Oliver Sacks einige Warnlampen, die er beachten sollte. Wer eine Theorie des menschlichen Bewusstseins oder der Seele begründen will, findet einige unerwartete Phänomene, die durch so eine Theorie erklärt werden sollten. Wer aus eigener Erfahrung oder aus ihrem Umfeld ähnliche Phänomene kennt, findet Leidensgenossen und Verständnis. Wer gesund ist, aber sich auf mögliche zukünftige Halluzinationen vorbereiten will, findet Anschauungsmaterial. Falls Sie morgen beim Aufwachen feststellen, dass sie von einer Riesenschlange umschlungen werden, schlafen Sie getrost noch eine Runde. Sofern Sie in Deutschland und nicht in der Nähe eines Zoos wohnen, haben Sie gute Chancen, dass dies reine Einbildung ist. Und sonst ist’s eh zu spät.

    Hier habe ich einige der Halluzinationen in Kurzfassung zusammen gefasst:
    https://fragen-raetsel-mysterien.ch/experimente-und-fakten-zum-thema-bewusstsein/
  22. Cover des Buches Tiefschlaf (ISBN: B00BLQZ890)
    Fabian Berger

    Tiefschlaf

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Lesewurm82
    ich konnte es nicht mehr weg legen, Spannung pur, aber es bleibt am Ende die Hoffnung auf eine Fortsetzung.

    Schade dass es dies nur als Ebook gibt, würde es auf jeden Fall weiter empfehlen und weiter verschenken.
  23. Cover des Buches Aus Sicht des Gehirns (ISBN: 9783518295151)
    Gerhard Roth

    Aus Sicht des Gehirns

    (3)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Als Einstieg in die Gehirnforschung gehört dieses Buch von Gerhard Roth zu den empfehlenswertesten. Gerhard Roth beleuchtet einige Erkenntnisse aus der Gehirnforschung, die geeignet sind, unser Selbstbild zu erschüttern, mehr noch vielleicht als die Erkenntnisse der modernen Physik oder die Evolutionstheorie. Während in der Allgemeinheit die Idee des Urknalls und die Evolutionstheorie durchaus bekannt sind und diskutiert werden, scheinen die philosophischen Erkenntnisse der Gehirnforschung weitgehend an der Allgemeinheit vorüber gezogen zu sein und kaum Einfluss auf unser Weltbild zu haben.

    Bedeutsam scheint mir z. B.: Es gibt kaum noch Gehirnforscher, die an eine vom Körper unabhängige Seele glauben. Diese Tatsache ist aber unter Laien kaum bekannt, geschweige denn die Gründe dafür. Sie liegen keineswegs nur darin, dass die Forscher keine Seele finden, wenn sie das Gehirn betrachten. Vielmehr wird immer klarer, wie das Gehirn Sinnesreize verarbeitet und speichert. Und auch wenn wir nicht beweisen können, dass es keine unsterbliche Seele gibt, ist doch völlig klar, dass diese Seele die Arbeit des Gehirns eigentlich nur stören kann. Wenn wir eine unsterbliche Seele haben, die auch losgelöst vom Körper sieht, denkt und sich erinnert, wozu brauchen wir dann noch ein energiefressendes Gehirn das die gleiche Arbeit noch einmal macht?
    Es ist praktisch unmöglich, eine Theorie des Denkens und des Bewusstseins aufzustellen, in der eine unsterbliche Seele auch nur einigermassen eine sinnvolle Bedeutung hat. Deshalb gibt es keine solche Theorie. Bemerkenswert scheint mir das deshalb, weil eine unsterbliche Seele im Weltbild vieler Menschen eine ganz zentrale Rolle spielt.

    Wer sein Weltbild mit den Erkenntnissen der Wissenschaft in Übereinstimmung bringen will, muss sich deshalb mit Gehirnforschung befassen. Als erster Schritt dazu eignet sich das Buch von Gerhard Roth. Es gibt einen schönen Einblick in verschiedene Aspekte der Gehirnforschung, ohne allzu sehr in die Details zu gehen. Roth erklärt das Nötigste über den Aufbau des Gehirns. Er zeigt an Hand einiger Gehirnstörungen, dass Denken anders funktioniert, als wir uns dies gemeinhin vorstellen. Viele der kniffligen Probleme, die das Gehirn alltäglich löst, sind uns gar nicht bewusst. Erst wenn etwas nicht mehr funktioniert oder wenn wir einen Roboter auf diese Aufgabe programmieren wollen, wird uns bewusst, was das Gehirn hier leistet. Deshalb ist die Betrachtung von Gehirnstörungen sehr erhellend.

    Wie z. B. merkt das Gehirn, welcher Körper und welche Körperteile zum Ich gehören und welche nicht, wo das Ich jetzt gerade ist, wer ich bin? – Alle diese Probleme scheinen einfach zu lösen. Es gibt aber Menschen, bei denen dies nicht mehr funktioniert, die z. B. ihr eigenes Bein für ein fremdes halten, die sich selber an zwei Orten sehen oder glauben, ein anderer zu sein.

    Auch andere, oft diskutierte Fragen, etwa, ob Tiere bewusst denken oder ob wir einen freien Willen haben, wie viel Erziehung ausmacht, wie wir besser lernen können, wie das Bewusstsein zu Stande kommt oder welche Gewaltverbrecher therapierbar sind, erscheinen durch die Gehirnforschung in einem neuen Licht. Zu all diesen Themen offeriert Roth einige bemerkenswerte Erkenntnisse, ohne die Themen tot zu schlagen. In der Frage, was das Ich ist, zeigt er, dass dieses Ich eine ganze Reihe verschiedener Aufgaben erfüllt. Roth unterscheidet demzufolge eine ganze Reihe verschiedener Arten von Ich.

    Für die oft als unwissenschaftlich geschmähte Psychoanalyse Sigmund Freuds findet er einige freundliche Worte, die ich bedauerlicherweise fast nicht mehr finde, weil zumindest meine Ausgabe des Buches keinen Index hat. Hier: Freuds Ansichten wurden von der Gehirnforschung insbesondere in drei Punkten bestätigt. 1. Das Unbewusste, das Es, hat mehr Einfluss auf das Bewusste, das Ich, als umgekehrt. 2. Das Unbewusste entsteht zeitlich vor den verschiedenen Bewusstseinszuständen und legt die Grundstrukturen der Persönlichkeit fest. 3. Das bewusste Ich hat wenig bis keine Einsichten in das, was seinen Wünschen, Plänen und Handlungen tatsächlich zugrunde liegt. Das Ich legt sich Erklärungen darüber zurecht, diese haben aber häufig wenig mit den eigentlich bestimmenden Geschehnissen zu tun.

    Dabei scheut sich der Neurologe Gerhard Roth nicht, klare Worte zu verwenden, wenn er mit gewissen Aussagen nicht einverstanden ist. Und wenn er zum Schluss seines Buches eine Reihe von Philosophen kritisiert, so ist diese Kritik zumindest nicht aus der Luft gegriffen.

    Lediglich in zwei Aussagen würde ich klar widersprechen. S. 64: „Denken ist zwar auch nichtsprachlich möglich, aber es besteht kein Zweifel, dass sprachliches Denken nichtsprachlichem stark überlegen ist.“ Und S. 95: „Wichtig ist aber die Tatsache, dass solch unbewusstes, implizites Lernen nicht bei komplizierten Sachverhalten funktioniert.“
    Das wird zwar von vielen Experten oft und gerne behauptet, ist aber völlig falsch. Als Lehrer sehe ich das regelmässig, wenn einer der Spitzenschüler den anderen erklären soll, wie er eine Mathe- oder Physikaufgabe gelöst hat. Die eigenen völlig korrekten Überlegungen in eine einigermassen verständliche Sprache zu fassen, das schaffen nur die allerwenigsten. Auch Topwissenschaftler haben ihre grössten Ideen sehr oft in nichtsprachlichem Denken, indem sie z. B. die Dinge bildlich vor sich sehen. Mehrere grosse Entdeckungen wurden sogar geträumt, z. B. entdeckte Kekulé den Benzolring im Traum, Paul McCartey hörte das Lied „Yesterday“ in allen Details im Traum. Elias Howe, der die erste Nähmaschine erfand, träumte seine entscheidende Idee. Albert Szent-Györgyi, der das Vitamin C entdeckte, benutzte das unbewusste Denken gezielt, um Probleme zu lösen. Wenn er bei einer Frage nicht weiter kam, aber genügend darüber nachgedacht hatte, legte er sich schlafen. Er erklärte: „Da ich das Problem nicht lösen kann, lasse ich es in mein Unterbewusstsein absinken. Dort verweilt es unterschiedlich lange. Irgendwann wird die Lösung unverhofft an mein bewusstes Denken übermittelt.“ – Ich selber mache das übrigens selber genauso.

    Wir brauchen die Sprache nicht zum Denken, auch nicht für sehr komplexe Gedanken. Wir brauchen die Sprache, um komplexe Gedanken anderen Menschen zu erklären. Und weil komplexe Gedanken meist erst dadurch wertvoll werden, dass wir sie erklären können, - und nur deshalb - treten komplexe Gedanken meist im Zusammenhang mit Sprache auf.

    Die falsche Vorstellung, Denken basiere vor allem auf Sprache, führt nicht selten zu einer grotesken Didaktik. So wurde ich z. B. von Sportlehrern aufgefordert, eine schwierige Bewegung in Worten präzise zu beschreiben, in der Hoffnung, ich könne die Bewegung danach besser ausführen. Eine Bewegung beschreiben ist sicher ein gutes Sprachtraining. Aber eine Bewegung lernen kann man so bestimmt nicht. Sie können problemlos ohne Worte durch Vorzeigen jemandem zeigen, wie man einen Papierflieger faltet. Aber versuchen Sie das mal am Telefon, - ohne Kamera!

    Diese kleine Kritik tut aber dem ausserordentlich positiven Gesamteindruck keinen Abbruch. Es ist ein hervorragendes Buch, das ich jedem heiss empfehle!
  24. Cover des Buches Hirnrissig (ISBN: 9783442158683)
    Henning Beck

    Hirnrissig

    (15)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Wer sich auf unterhaltsame Art mit dem Gehirn – und speziell mit den oft plakativen Aussagen zur Leistungsfähigkeit dieses Organs (hier als Neuromythen bezeichnet) – auseinandersetzen möchte, ist hier gut aufgehoben.

    Wortgewandt, und sehr häufig mit anschaulichen Vergleichen garniert, rückt der promovierte Neurobiologe Henning Beck einigen liebgewonnenen „Erkenntnissen“ über das Gehirn zu Leibe. Aber kann man mit einer solch leichtfüßigen Darstellung der Komplexität des Gegenstandes gerecht werden? Oder wird nicht vielmehr dadurch ebenfalls nur „Halbgares“ produziert, was seinerseits neuen Mythen Vorschub leistet? Die Gefahr besteht in der Tat. Und bei manchen Themen hätte man sich etwas mehr Tiefgang gewünscht (z.B. bei der Frage, warum während des Schlafs keine Stoffwechselprodukte entstehen, da doch das Gehirn nie schläft). 

    Doch insgesamt werden die „20,5 größten Neuromythen“ hinreichend erläutert und mit den aktuellen Forschungsergebnissen entkräftet. Aber müssen gleich Titel  u n d   Untertitel so marktschreierisch daherkommen, kann man nur noch so Aufmerksamkeit bekommen? Oder sucht sich „das Gehirn“ nicht irgendwann doch eher die Titel heraus, die etwas mehr Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Thema versprechen. Denn auch ich habe erst zu diesem Buch gegriffen, nachdem ich das aktuelle Werk des Autors, „Irren ist nützlich!“, gelesen hatte und von diesem sehr angetan war.

    (14.5.2017)

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