Bücher mit dem Tag "neurosen"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "neurosen" gekennzeichnet haben.

53 Bücher

  1. Cover des Buches Crossfire. Offenbarung (ISBN: 9783453545595)
    Sylvia Day

    Crossfire. Offenbarung

     (1.177)
    Aktuelle Rezension von: Freedom4me

    Ich fand ja den ersten Band schon nicht gut und der zweite Band gefällt mir auch nicht. Für mich war es das jetzt mit der Reihe.

    Es beginnt schon damit, dass Eva Gideon die ersten 10 Seiten lang ununterbrochen anhimmelt. Er sieht ja so mega toll aus und wenn sie ihn sieht wird sie schon erregt und er sieht ja so mega toll aus,...
    Natürlich liegt immer noch das besondere Knistern zwischen ihnen in der Luft und sie fallen dauernd übereinander her, wenn sie sich nur ansehen.

    Die Beziehung entwickelt sich hier sehr ungesund. Beide sind regelrecht besessen vom Anderen. Neben kranker Eifersucht und komischen Machtspielchen und Sex können sie einfach nicht ohneeinander und es ist schon ein Weltuntergang, wenn sie sich ZWEI STUNDEN mal nicht sehen...Die Abhängigkeit der beiden voneinander ist einfach krankhaft und wird hier zu wahrer Liebe romantisiert...

    Was ich zudem echt schade fand war, dass der Fokus nur auf Eva und Gideon liegt. Ihre Freundschaft zu Cary wird kaum mehr aufgegriffen und total vernachlässigt. Dann geht sie zum Beispiel mit einer Freundin und Gideon und einer weiteren Person aus und möchte eine Freundschaft schließen. Beschrieben wird dann aber wieder nur wie sie sich auf Gideon konzentriert. Alle anderen Charaktere sind einfach egal und werden nur ab und an mal erwähnt.

    Auch hier ist es wieder eine super Strategie, miteinander zu schlafen, anstatt über Probleme zu reden. Das geht dann ungefähr so ab:
    Eva: "Gideon, ich bin wütend auf dich und wenn ich wütend bin, dann kann ich nicht kommen."
    Gideon: "Das werden wir ja sehen ;)"
    *Gideon bringt Eva zum Kommen und alle ist wieder gut - Problem gelöst*

    Immerhin gab es dann noch etwas Action und Enthüllungen mit ein paar gar nicht so schlechten Wendungen, wodurch ich dem Buch dann noch knapp zwei Sterne gebe.


    Fazit: Kitschige Schnulze mit krankhafter Liebe, die eher eine Besessenheit und Abhängigkeit vom anderen ist. Es geht hauptsächlich um Sex, über Probleme redet man nicht und alle haben nach wie vor Stimmungsschwankungen. Immerhin gab es ein paar Wendungen, die nicht soo schlecht waren wie der Rest. Für mich war es das dann jetzt mit dieser Reihe...

    Crossfire 2: Offenbarung bekommt von mir 1,8 (also gerundet 2) / 5 Sterne.

  2. Cover des Buches Danach (ISBN: 9783651000452)
    Koethi Zan

    Danach

     (350)
    Aktuelle Rezension von: -BuchLiebe-

    Ein spannendes Buch das einen sofort in den Bann zieht. Außergewöhnlich ist, dass die eigentliche Entführung und die Freiheitsberaubung hier nicht im Mittelpunkt steht. Das Buch startet erst nachdem das alles passiert ist. Es geht hauptsächlich um die Geschehnisse 10 Jahre später. Es geht darum was man als Opfer bereit ist zu tun um dem Täter die „gerechte“ Strafe zuzuführen, um sich selbst und andere zu schützen und um die Wahrheit aufzudecken. Kann man dann seinen Seelenfrieden finden?

    Was in der Vergangenheit passiert ist wird für den Leser erst nach und nach in kleinen Häppchen aufgerollt.

     

    Aber Achtung, das Buch ist nicht für zarte Nerven. Auch ohne, dass die Beschreibungen detailliert sind, sind manche Szenen sehr brutal und man versucht sich die Situation vorzustellen.

     

    Trotz aller Spannung gibt es doch zwei Dinge die mich etwas gestört haben. Zum Einen habe ich mich bei manchen Situationen gefragt wie realistisch das jetzt wirklich ist. Allerdings fällt es mir schwer das wirklich zu beurteilen, denn ich habe weder Fachkenntnis noch eigene Erfahrungen wie traumatisierte Personen sich verhalten.

    Zum Anderen (und das hat mich massiv gestört) hat mir das Ende überhaupt nicht gefallen. Die große Überraschung war für mich gar nicht so groß, denn das hatte ich mir so schon vorher gedacht. Was für den Leser wirklich interessant gewesen wäre, nämlich zu erfahren wie es dazu kommen konnte und was in den vergangenen 10 Jahren in dieser Hinsicht passiert ist, bleibt ungeklärt. Ebenso wie es mit dieser Situation weitergeht. Also nicht wirklich ein Ende sondern eher so halboffen. Das ist leider gar nicht nach meinem Geschmack. Ebenfalls wird nicht geklärt wie es mit dem Täter weitergeht. Und was ich auch sehr schade finde ist, dass im Verlauf der Geschichte mehrere Fäden gesponnen werden, die irgendwie miteinander zu tun haben und irgendwie auch nicht. Allerdings wird das nicht so richtig zusammengebracht. Überall gibt es Andeutungen und man kann sich als Leser ausdenken wie das wohl genau war. Aber richtig komplett geklärt wurde das nicht. Es bleiben viele Fragen offen. Sehr schade. Denn das dürftige Ende kann dem Rest der Geschichte nicht das Wasser reichen. Stattdessen zieht das enttäuschende Ende den Gesamteindruck etwas nach unten. Das hätte nicht sein müssen. Ist allerdings auch Geschmackssache ob man solche Enden mag oder nicht.

     

    Fazit: Ein solider und spannender Thriller der allerdings einige Fragen offen lässt.

  3. Cover des Buches Ein Sommergarten in Manhattan (ISBN: 9783956496707)
    Sarah Morgan

    Ein Sommergarten in Manhattan

     (110)
    Aktuelle Rezension von: LadyIceTea


    Pflanzen sind Frankie die liebsten Lebewesen. In New York verschönert sie als Event-Floristin die Feste der Reichen und Schönen mit kostbaren Gestecken. Doch ihre wahre Liebe gilt den Dachgärten der Stadt. Als der attraktive Bruder ihrer besten Freundin sie für ein exklusives Gartenprojekt einspannen will, stimmt sie zu - ohne zu wissen, dass es ihre Gefühle bald auf eine harte Probe stellen wird.

     

    „Ein Sommergarten in Manhattan“ von Sarah Morgan ist der zweite Band der „Manhattan in Love“ Reihe. In diesem Band nimmt Frankie die Hauptrolle ein. Man muss den Vorgänger nicht gelesen haben aber es wird durch das Vorwissen einfach umso schöner, da man die Figuren schon kennt und ihre Entwicklung weiterverfolgen kann.

    Frankie ist im ersten Band eher ein wenig unscheinbar und fällt vor allem durch ihre trockene und zynische Art auf. So beginnt auch dieses Buch hier aber ich habe es sehr genossen, nach und nach hinter ihre harte Schale zu schauen und mehr über sie zu erfahren.

    Frankie ist durch ihre Vergangenheit geprägt und viele Dinge bereiten ihr große Angst. Besonders wenn es um Beziehungen zu anderen Menschen geht. Mir hat besonders gut gefallen, wie Matt nach und nach ihre Schale ankratzt und zu ihr vordringt. Frankie ist ein unheimlich starker Charakter und sie stellt sich ihren Ängsten und entwickelt sich weiter. 

    Schön ist auch, dass diese Entwicklung nicht perfekt von statten geht. Sie braucht Hilfe von ihren Freunden und dazu gibt es einige Rückschritte. 

    Die Autorin hat einen unheimlich angenehmen Schreibstil und eine schöne Art ihre Geschichten zu erzählen. Mit ihren Büchern kann man sich einfach zurücklehnen und die drei Frauen wie Freundinnen bei ihren Abenteuern begleiten. 

    Ich mag diese Reihe sehr gerne und kann auch diesen Band sehr empfehlen.

  4. Cover des Buches Beneath the Scars - Nie wieder ohne dich (ISBN: 9783736307308)
    Melanie Moreland

    Beneath the Scars - Nie wieder ohne dich

     (120)
    Aktuelle Rezension von: mikemoma

    Zachary lebt einsam und zurückgezogen in seinem Haus am Meer, Megan braucht dringend eine Auszeit. Zachary meidet jeglichen Kontakt zu Megan, Megan will unbedingt mehr über Zachary erfahren. Und sie lässt nicht locker, bis sie sein Geheimnis aufdeckt. Und damit alles zerstört, was die beiden versucht haben sich aufzubauen.
    Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Nicht nur das Cover zeugt von einer romantischen, aber auch dramatischen Geschichte, auch der Klappentext hat mich sofort begeistert. Der Schreibstil war erwartungsgemäß sehr flüssig und somit ließ sich das Buch leicht lesen. Teilweise hatte es einige kleine Längen, die der Rest der Geschichte aber wieder aufgefangen hat.
    Im Großen und Ganzen eine schöne Geschichte über körperliche, aber auch seelische Narben, die manchmal doch tiefer sitzen als man selber glaubt.

  5. Cover des Buches Mädchen für alles (ISBN: 9783492054997)
    Charlotte Roche

    Mädchen für alles

     (97)
    Aktuelle Rezension von: Kayuri

    Eine Frau die ihr Leben hasst und ihre Babysitterin verführen will.

    Die Geschichte war, ohne wirklichen roten Faden, sehr chaotisch. Möglichst obszön und alles wirkte aufgesetzt. Die Handlung war oft nicht nachvollziehbar.

    Zu den Charakteren habe ich keinen Zugang finden können. Der Mann sieht nicht was seine Frau so macht und kann einem leid tun. Das Kindermädchen sagt zu allem ja und Amen und scheint nicht wirklich nachzudenken. Die Protagonistin wirkt egoistisch, möglichst schlecht dargestellt.

    Der Schreibstil sagte mir nicht zu. Passagen wiederholten sich mehrmals. Die Sätze kurz gehalten und nicht flüssig zu lesen.

    Ich kann den Hype nicht nachvollziehen und das Buch nicht empfehlen.

  6. Cover des Buches Der Russe ist einer, der Birken liebt (ISBN: 9783423142465)
    Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

     (182)
    Aktuelle Rezension von: Lesegezwitscher



    *Klappentext*

    Mit kühler Ironie und beeindruckender Prägnanz erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte der höchst eigenwilligen jungen Mascha, die keine Grenzen kennt. In ihrer Welt kommen viele Kulturen und viele Traditionen zusammen. Sie könnte überall leben. Doch eine Heimat hat sie nicht.

    (©dtv_verlag )


    *Meinung*

    Wow, dieses kurze Buch beinhaltet so viele Themen. Mascha ist traumatisiert von dem Bürgerkrieg in ihrem Geburtsland Aserbaidschan und erfährt in Deutschland eine Retraumatisierung durch einen schweren Schicksalsschlag. 

    Sie kann fünf Sprachen und hat verschiedene Wurzeln. Sie ist Jüdin, Russin, Deutsche.

    Es geht um Zugehörigkeit und um die Frage, wie sehr wir uns mit unserer Herkunft identifizieren (müssen?) und in wie fern sie uns ausmacht. 

    🌳🌳🌳🌳🌳🌳

    Die Geschichte wurde gegen Mitte etwas zäh und das zog sich bis zum Ende hin. Der Roman lebt nicht davon, DASS die Geschichte erzählt wird, sondern WIE.

    Die Autorin hat es aber sehr gut geschafft, das "Innere" der Protagonisten nach Außen zu bringen und es gleichzeitig geschafft, dass sie uns fern bleibt, weil sie einfach niemanden an sich ran lässt.


    *Fazit*

    Für mich ein gutes Buch, welches wichtige Themen anspricht, mich aber ab der zweiten Hälfte nicht mehr richtig packen konnte.

    Hätte ich es nicht empfohlen bekommen, wäre es mir aufgrund des (meiner Meinung nach) nicht gelungen Covers wohl nicht aufgefallen. 

  7. Cover des Buches Familie und andere Trostpreise (ISBN: 9783959671958)
    Martine McDonagh

    Familie und andere Trostpreise

     (91)
    Aktuelle Rezension von: Nadine_Imgrund

    „Familie und andere Trostpreise“ von Martine McDonagh

    Klappentext

    „Wer bin ich? Gute Frage! Sonny Anderson, 21, Filmfreak, Neurotiker und neuerdings Millionär.

    Sonny hat eine Menge Neurosen, und es erscheint ihm völlig normal, die Flucht zu ergreifen, wenn Menschen in seiner Gegenwart diese seltsamen Knutsch- und Sauge-Geräusche mit ihren Mündern machen. Und dann ist da noch seine Umschlagphobie, die Riesenangst vor Briefumschlägen! Leider erbt Sonny an seinem 21. Geburtstag nicht nur ein Vermögen, sondern bekommt auch fünf geheimnisvolle Briefe. Nur sie können ihm helfen, endlich mehr über sich und seine merkwürdige Familie herauszufinden. Doch wie soll er anfangen, wenn er sich noch nicht einmal traut, die Umschläge zu öffnen?

    Urkomisch und herzzerreißend zugleich: die ungewöhnlichste Familiengeschichte des Jahres!“

    Fazit

    Das Cover des Buches und die Gestaltung des Umschlags mag ich sehr, besonders wegen der eingestreuten Hochglanzeffekte. Während des Lesens habe ich immer wieder nach vorn geblättert, um zu schauen, ob Sonny vielleicht von den Fotos auf dem Umschlag spricht.

    Der Schreibstil von Martine McDonagh gefällt mir sehr gut. Das Buch ist als Brief von Sonny an seine Mutter angelegt, in dem er ihr von seinem Leben und seiner Reise auf der Suche nach ihr erzählt.

    Eingestreut sind die Erzählungen von Menschen, die Sonny’s Leben gestreift haben, Tonbandaufnahmen seines Vaters sowie Briefe von Sonny’s Vormund Thomas. Auf diese Weise wird Stück für Stück das Puzzle um Sonny’s Leben gelüftet und wir erfahren, wie und unter welchen Umständen er aufgewachsen ist.

    Durch die vielen Perspektivwechsel und unterschiedlichen Erzähler der Geschichte ist das Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam. Sonny’s Neurosen und seine Art, mit schwierigen Situationen und Enthüllungen umzugehen, sorgen für jede Menge unfreiwillige Komik und Lesespaß.

    Ich habe mich bis zur letzten Seite köstlich amüsiert, auch wenn ich mir vielleicht am Ende doch noch eine Begegnung zwischen Sonny und seiner Mutter gewünscht hätte.

    Vielen Dank, dass ich dieses Buch im Rahmen der Leserunde bei LovelyBooks kennenlernen durfte!

  8. Cover des Buches Der Patient (ISBN: 9783942656061)
    John Katzenbach

    Der Patient

     (1.902)
    Aktuelle Rezension von: Alexandra_Wagner

    wieder ein spannender Thriller von John Katzenbach. Er denkt sich immer wieder sehr clevere Stories aus.

  9. Cover des Buches Die Korrekturen (ISBN: 9783499255496)
    Jonathan Franzen

    Die Korrekturen

     (477)
    Aktuelle Rezension von: MaternaKuhn

    Jonathan Franzen gilt als einer der bedeutensten Schriftsteller der Gegenwart. Paul Auster beneidet ihn um seine literarischen Fähigkeiten. Man zieht Vergleiche mit David Mitchell und viele Literaturkenner fragen sich, warum Franzen noch nicht der Nobelpreis verliehen wurde. Aber das sind nur die, die nicht wahrhaben wollen, dass dieser Preis überwiegend ein Politikum ist. Wenn man sich von „Unschuld“ hat fesseln lassen, so muss man zwangsläufig bei Franzen’s erstem Meisterwerk landen. Letzteres entstand bereits 2001, wurde in kurzer Zeit zum Weltbestseller und wurde von Literaturpreisen anderer Gremien überhäuft.

    Auch auf dieser Plattform wurde „Die Korrekturen“ bereits mehrfach kommentiert oder erwähnt, aber meine Begeisterung braucht ein Ventil. Aber wo anfangen?

    Es ist eine Familiengeschichte. Die Familie soll an Weihnachten im Elternhaus zusammenkommen. Das kommt Ihnen bekannt vor? Genau! Ist es nicht in fast jeder Familie so, dass an eben diesem Fest eine romantisch-infantile Stimmung voller überbordernder Emotionen erzeugt wird, die die Wirklichkeit für eine unterschiedlich lange Zeit ausblendet? Mit eben diesen Assoziationen und Wiedererkennungseffekten spielt Franzen in teils subtiler, teils ganz offensichtlicher Form und hält dem Leser ein ums andere Mal den Spiegel vor. Wenn man will. Natürlich kann man aber - so scheint es in manchen Reviews jedenfalls der Fall zu sein - das alles auch nicht erkennen. Dann verharrt der Leser leider in einer mehr oder weniger netten Familien-Story und verzichtet auf den Benefit der Selbsterkenntnis.

    Manche reduzieren den Roman auf den Alterungsprozess des Vaters Alfred. Wirklich brilliant, wie Franzen in einzelnen Abschnitten die Gedankenwelt eines schwer degenerierten, phasenweise Demenz-geprägten alten Mannes beschreibt. Ja, das ist auch ein Thema, aber nur eines von vielen innerhalb des Familiengefüges. Dazu gehören in einem Atemzug die vier anderen Einzelschicksale, zum Beispiel des ältesten Sohnes und im konventionellen Sinne erfolgreichen Gary (meine Familie, mein Haus, mein Boot), der aber mit seiner Rolle des Ältesten in der Ursprungsfamilie genauso schwer zurecht kommt wie mit der Rolle des Ehemannes und Vaters in seiner neuen Familie. Der zweite Sohn Chip, der vermeintliche Looser, der sich aber als Lebens- und Überlebenskünstler erweist. Die Jüngste, die Tochter Dennis, die in der Familie und im Leben alles perfekt machen möchte und auf der Suche nach ihrer Identität jeden Halt zu verlieren droht. Und natürlich die Mutter Enid, der Prototyp einer Heile-Welt-Mutter, die zur Bewahrung ihrer idyllischen Scheinwelt und ihrer irrealen Ideale kognitive Dissonanzreduktion ohne Ende anwendet. Man könnte die Liste endlos fortsetzen, da all diese Protagonisten wunderbar in ihrer jeweiligen Interaktion im Leben und untereinander entwickelt werden. Nicht nur Eltern-Kinder-Konflikte, fehlende Ablösungen, altersunabhängige Rollenkonservierungen, sondern auch Beziehungsfeinheiten bei jungen wie bei alten Paaren mit all ihren Intrigen und Manipulationen. Und vieles mehr. Ohne dass Franzen billige Stereotypien nutzt, kann sich hier fast jeder Leser irgendwo wiederfinden.

    Dass das alles sprachlich vom Feinsten ist, kann zum Schluss, um den Rahmen nicht zu sprengen, nur noch eine Randbemerkung sein, dabei steht Franzen auch genau dafür - eine herausragende Sprachvielfalt, treffsicher, oft humorvoll, betroffen machend, auch Szenen aushaltend, sodass sie dem Leser schon fast physisch und psychisch wehtun. Und bei aller Liebe zum maximal gut recherchierten Detail dennoch immer im richtigen Erzähltempo. Ein Kompliment auch an die Übersetzerin Bettina Aberbanell - solch ein Sprachfeuerwerk unter Bewahrung der literarischen Qualität will erst einmal übersetzt sein.

    Auf der Bühne dieses Buches wird bravourös eine literarische Familienaufstellung aufgeführt, von der wir im Zuschauerraum auf unseren Logenplätzen ganz viel mitnehmen können. Wenn wir es zulassen.

  10. Cover des Buches Wenn du dich traust (ISBN: 9783401509563)
    Kira Gembri

    Wenn du dich traust

     (509)
    Aktuelle Rezension von: __traeumerkind__

    Ich habe die Geschichte von Lea und Jay  nach nicht einmal einem Tag beendet und war begeistert!

    Eine absolut schöne Geschichte mit dem sensiblen  Thema über psychische Erkrankungen und Zwangsstörungen und darüber, dass jeder im Leben sein Päckchen zu tragen hat.

    Das Buch hat sehr viel Tiefe und wirkt damit sehr realistisch und echt. Die Charaktere wurden auch neben Lea und Jay gut beschrieben, was sie sehr lebendig hat wirken lassen. 

    Der Schreibstil ist so angenehm, dass man nur so durch die Seiten fliegt! Das Buch sowie die Autorin sind absolut empfehlenswert 

  11. Cover des Buches Tausend kleine Schritte (ISBN: 9783492259637)
    Toni Jordan

    Tausend kleine Schritte

     (223)
    Aktuelle Rezension von: Osilla

    Dieses zauberhafte kleine Büchlein habe ich bereits im Januar gelesen und irgendwie schaffe ich es erst jetzt, es euch vorzustellen. Aber besser spät, als nie, denn "Tausend kleine Schritte" ist eine tolle wenn auch ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der es darum geht, seine Mitmenschen so zu nehmen, wie sie sind, auch wenn sie nicht der Norm entsprechen. Wir alle sind einzigartig und sollten uns nicht verbiegen, um ins Raster zu passen.

    Die Autorin:
    Toni Jordan (geboren 1966) ist Schriftstellerin und lebt in Melbourne. "Tausend kleine Schritte" ist ihr erster Roman und war international erfolgreich. Das Buch wurde in Australien für den Miles Franklin Award und den Barbara Jefferis Award nominiert und als Bestes Debüt des Jahres ausgezeichnet. Weitere Romane der Autorin sind "Die schönsten Dinge" und "Neun Tage". Letzterer wurde mit dem Fiction Award der unabhängigen australischen Buchhändler ausgezeichnet.

    Inhalt:
    „Grace Lisa Vandenburg zählt alles, was sie umgibt, jede Kleinigkeit: die Schritte bis zu ihrem Lieblingscafé (920), die Streusel auf ihrem Orangenkuchen (12 – 92) und die Buchstaben ihres Namens (19). Erst Seamus O’Reilly und sein unwiderstehlicher Wunsch, hinter das Geheimnis ihres Lebens zu kommen, lässt sie die Kontrolle verlieren.“ (Klappentext)

    Kritik und Fazit:
    Bereits das Cover lässt darauf schließen, dass wir es hier mit einer eher ungewöhnlichen Geschichte zu tun haben. Da ist ein Stapel Orangen, teils geschält, teils nicht. Das alles auf weißem Grund und eigentlich so gar nicht zum Titel passend. Doch Orangen spielen im Buch eine Rolle, wenn auch eine kleine. Ich fand das Cover zumindest so interessant, dass ich auf dem Tisch der Mängelexemplare danach gegriffen habe. Und das ist es ja schließlich, was ein Cover erreichen sollte.

    Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Er passt genau zu der Protagonistin, die zwar ihre Macken hat, dabei aber dennoch gebildet ist. Ich habe das Buch ziemlich schnell durchgelesen und fühlte mich durchweg gut unterhalten.

    Zitat: "Aber ohne Zählen wäre die Welt zu groß und zu austauschbar. Eine endlose Leere. Ich wäre immerzu orientierungslos. Ich wäre überwältigt."
    (Toni Jordan: Tausend kleine Schritte, Seite 31)

    Grace‘ Tick mit den Zahlen begann schon in ihrer Kindheit. Was das Ganze ausgelöst hat, erfahren wir im Lauf der Geschichte. Wenn man sich ein bisschen mit dem Thema „Zwänge“ auskennt, weiß man, dass meist ein traumatisches Ereignis in der Kindheit der Grund für solche ausgeprägten ungewöhnlichen Verhaltensmuster ist. So auch bei Grace. Dennoch hat sie sich in ihrem Leben gut eingerichtet. Sie kann aufgrund ihrer Zählerei nicht mehr in ihrem gelernten Beruf als Lehrerin arbeiten und gilt nun als erwerbsunfähig. Aber selbst den für sie schwierigen Situationen, wie zum Beispiel dem Einkauf im Supermarkt, ist sie gewachsen und dabei um keine Ausrede verlegen, als es darum geht die fehlende zehnte Banane zu ergattern. So können wir neben der schwierigeren Thematik auch an einigen humorvollen Szenen teilhaben.

    Erst als Seamus O’Reilly in ihre Leben tritt, merkt sie, dass ihr etwas in ihrem Leben gefehlt hat. Er macht sie glücklich und ihr Leben ein wenig aufregender. Er ist alles, was sie braucht. Doch das scheint Seamus nicht zu merken. Sein Drang, ihr zu helfen ist groß und so nimmt die Geschichte der beiden ihren Lauf.

    Wir lernen Grace Marotten ziemlich deutlich kennen, sie zählt alles was ihr möglich ist, um sich in der Welt zurechtzufinden und Sicherheit zu verspüren. Das hat die Autorin wunderbar in Szene gesetzt und manchem Leser könnte das schon auf die Nerven gehen. Ich persönlich fand es aber sehr interessant in Grace Kopf blicken zu dürfen. Natürlich kommen wir in der Geschichte irgend wann zu der Frage , ob es sinnvoll ist, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die eigenen Ticks zu überwinden. Ob es überhaupt nötig ist, sich zu verändern, um mehr der Norm zu entsprechen. Und ob es Grace glücklich macht, mithilfe von Medikamenten ein sogenanntes normales Leben zu führen, welches der eigenen Natur aber zuwider ist.

    "Tausend kleine Schritte" ist ein sehr emotionales Buch, welches uns mitnimmt in die Welt einer Zwangsneurotikerin. Wir erfahren, welche Hürden jene Menschen zu nehmen haben, um so sein zu können, wie sie selbst sein möchte und nicht, wie die Außenwelt sie sehen will. Auch wenn viele Ratschläge von Außen gut gemeint sind, so muss jeder am Ende selbst entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Akzeptiere dich und akzeptiere dein Gegenüber. Jeder ist richtig, so wie er ist.

  12. Cover des Buches Es wird Zeit (ISBN: 9783499276132)
    Ildikó von Kürthy

    Es wird Zeit

     (139)
    Aktuelle Rezension von: luckytimmi

    Ich mag Bücher von Ildiko von Kürthy. Sie hat so einen besonderen, witzigen Schreibstil.  Bei diesem Buch ist (fast) von allem etwas dabei: Witzigkeit, Traurigkeit, Liebe, Rache...Und es wird sogar recht psychologisch und philosophisch. Es geht um eine Frau in den besten Jahren,  also kurz vor ihrem 50. Geburtstag und ihre vielen Gedanken über ihre Vergangenheit und die Zukunft.  Sie begegnet "alten" Freunden und verliert auch welche. Es geht auch um ihre Ehe und um Seitensprünge. 

    Trotz des angenehmen Schreibstils muss man sich beim Lesen doch immer wieder konzentrieren, da I.v. Kürthy bzw. die Hauptperson Judith beim Erzählen immer wieder abdriftet und ziemlich viel hinterfragt.  Aber sie beschreibt nachvollziehbare Gedanken. 

    Ich habe mich in der Hauptperson oftmals wiedererkannt. ; ) und kann das Buch nur weiterempfehlen. 


  13. Cover des Buches Im Dunkel der Schuld (ISBN: 9783453357501)
    Rita Hampp

    Im Dunkel der Schuld

     (54)
    Aktuelle Rezension von: JoanStef

    Die Geschichte erzählt eine Schwester der betroffenen Familie. Geschickt wird der Spannungsbogen während des gesamten Buchs, erhöht und Spekulationen zu Motiv und Täter, erwünscht. Bis zu den letzten Seiten wird dem Leser nicht verraten, wer hinter diesen perfiden, gut geplanten Morden steckt. Dieses Buch ist meines Erachtens sehr gut geschrieben und bringt das Thema um seelische und körperliche Gewalt in unseren Familien, in den Focus ohne belehrend zu sein.

  14. Cover des Buches Titos Brille (ISBN: 9783596512775)
    Adriana Altaras

    Titos Brille

     (66)
    Aktuelle Rezension von: mixtapemaedchen

    Adriana Altaras ist Schauspielerin, man kennt sie aus den Filmen von Rudolf Thome und Dani Levy. Geboren ist Adriana Altaras in Zagreb, aber aufgewachsen in der Bundesrepublik. 

    Und mit der Geschichte von »TITOS BRILLE« hat es Folgendes auf sich: Ihr Vater Jakob kämpfte während des Zweiten Weltkriegs bei Titos Partisanen gegen die Deutschen. Als sich im Jahr 1944 die Partisanen in den kroatischen Bergen verschanzt haben, ging die Brille des Marschalls kaputt. Und Jakob Altaras  soll die Brille repariert und die Partisanen den Kampf gewonnen haben. Der Vater wird zum Held, auch in der Familie – bis die Tochter realisiert, dass Tito in der fraglichen Zeit gar keine Brille getragen hat. Das Wort Held fällt in diesem Film noch öfter, wenn auch äußerst süffisant . . .

    Diese Geschichte aus einer »strapaziösen Familie« – wie der Untertitel des »TITOS BRILLE« zugrundeliegenden Buchs lautet – ist so etwas wie ein Paradigma. Es geht um Legenden und Lügen in der Familie, Mythen in der Gesellschaft, die Spuren der Vergangenheit und die Verwerfungen des mordlüsternen 20. Jahrhunderts. In ihrem Buch unternahm Altaras eine Reise zu den Stationen ihres Lebens und ihrer Familie. Leider ist diese Reise in meinen Augen für den Leser oft mühsam. Die Reise erfolgt nicht chronologisch, sondern in Sprüngen. Im einen Moment ist man in Südafrika, im nächsten Moment in Italien und dann wieder in Israel.  Dennoch empfand ich vieles auch sehr berührend, beispielsweise  als die Autorin schildert, wie ihre Eltern von den Besatzern abtransportiert wurden. 


  15. Cover des Buches Die Zwillinge von Highgate (ISBN: 9783596512003)
    Audrey Niffenegger

    Die Zwillinge von Highgate

     (285)
    Aktuelle Rezension von: Forti

    Ein Buch, dass anfangs recht harmlos daherkommt und es dann aber doch faustdick hinter den Ohren hat. Die ersten zwei Drittel plätschern so vor sich hin – irgendwie ist das alles ganz nett, mit etwas Tragik und Londoner Atmosphäre. Die Wendungen im letzten Drittel sind teilweise abzusehen, teilweise aber auch nicht.
    Muss man nicht gelesen haben, man macht aber auch nichts verkehrt, wenn man es liest. Ich fühlte mich meist gut unterhalten.

  16. Cover des Buches Heinz und sein Herrl (ISBN: 9783218011556)
    Eva Woska-Nimmervoll

    Heinz und sein Herrl

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Heinz und sein Herrl leben ein zurückgezogenes Leben im Wiener Gemeindebau. Sie drehen ihre Runden um den Block und besuchen ihren Freund Hans (seine Freundin Nina meiden sie aber). Schnell wird dem Lesenden klar, dass das Herrl von Heinz ein anders ist als andere Menschen.
    Eines Tages wird das von Routinen bestimmte Leben reichlich durcheinandergeworfen, als es ein Missverständnis mit dem Nachbarn, der immer schon was gegen Heinz hatte gibt. Der Nachbar stürzt und stirbt kurz darauf im Spital. Das Herrl befürchtet daraufhin den Nachbarn umgebracht zu haben und wegen Mordes ins Gefängnis zu müssen. Heinz’ Herrl wissen sich nicht anders zu helfen als eine alte Bekannte zu kontaktierten, die zur Aussage mit aufs Revier kommt. Zeitgleich tritt ins Leben von Heinz’ Herrl eine Frau, für die er Gefühle entwickelt wie er sie schon lange nicht mehr hatte. Die steht aber auch gleich unter Verdacht, als das Herrl plötzlich Drohbriefe erhält. Warum muss das Leben nur so kompliziert sein?

    Der Klappentext versprach ein amüsantes und gemütliches Leseerlebnis, für mich war das Buch aber so viel mehr: Beim Lesen habe ich festgestellt, dass mir die österreichische Sprache unglaublich gut gefällt. Da begegnen einem Wörter wie Tramway, Stiegenhaus, Ordination oder Sackerl, in meinem umgebungsbedingten Sprachgebrauch vollkommen ungewöhnlich. Ich mag ja Bücher, in denen schrullige und seltsame Männer drin vorkommen, die wirken, als wären sie irgendwie ein bisschen fehl am Platz in der Welt. Mich erinnerte dieses Buch ein bisschen an “Rudi” von Anne Herzig, “Agathe” von Anne Bomann oder “Barbara stirbt nicht” von Alina Bronsky.

  17. Cover des Buches Verführung der Schatten (ISBN: 9783802590672)
    Kresley Cole

    Verführung der Schatten

     (206)
    Aktuelle Rezension von: Vampir-Fan
    Der Dämon Cadeon Woede wird von seiner Vergangenheit verfolgt. Vor 900 Jahren wurde sein Bruder Rydstrom vom Thron gestürzt, und Cade glaubt, daran schuld zu sein. Er hat deshalb geschworen, seinen Fehler zu beheben und Rydstrom erneut zum König zu machen. Dafür braucht er die Hilfe der hübschen Halbwalküre Holly, die eine tiefe Leidenschaft in ihm weckt. Einer Prophezeiung zufolge wird Holly ein Kind gebären, welches das Gleichgewicht der Kräfte von Gut und Böse ins Wanken bringen soll. Kann Cade Holly aufgeben, um seinem Bruder Genugtuung zu verschaffen?

    Verführung der Schatten ist der 5. Teil der Immortals-After-Dark-Reihe der amerikanischen Autorin Kresley Cole. Wie in den vorherigen Teilen entführt uns die Autoren in die Welt der Mytenwesen. Nachdem wir im letzten Teil einen Vampir und einen Geist hatten haben wir eine frisch erschaffene Walküre und einen Wutdämon. Den Dämon Cadeon kenn wir bereits aus dem 3. Teil der Reihe und die Walküre Holly habe ich sehr schnell in mein Herz geschlossen. Der Schreibstil ist wie man es von der Autorin gewonnt ist sehr flüssig und durch ihr tolle Beschreibungen wird man fast in die Mytenwelt gezogen. Ein tolles Buch für gemütliche Lesestunden auf dem Sofa. Liebevolle 4 von 5 Sterne.
  18. Cover des Buches Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire (ISBN: 9783442742097)
    Sophie Bassignac

    Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire

     (11)
    Aktuelle Rezension von: FrauLeserin
    Inhalt:

    Als die Pariserin Claire in ihre neue Wohnung zieht, stellt sie mit Entzücken fest, dass sie durch den Innenhof all ihren Nachbarn in die Wohnung blicken kann. Für die exzentrische und chronisch gelangweilte junge Frau – die sich ihre Freizeit sonst mit dem Auflisten seltener Krankheiten oder therapeutischem Sex mit ihrem Osteopathen vertreibt – ist es eine willkommene Abwechslung, ihre Nachbarn auszuspionieren. Bald kennt sie all ihre Geheimnisse, wie die antik anmutende Pistole, mit der die Concierge Madame Courtois auf der Jagd nach vermeintlichen Einbrechern durchs Haus schleicht. Doch dann zieht gegenüber der geheimnisvolle Japaner Monsieur Ishida ein, dessen Verhalten Claire Rätsel aufgibt und sie gleichzeitig fasziniert …



    Meine Meinung:

    Lange habe ich überlegt wie ich hier am besten anfange. Denn bei diesen Buch bin ich sehr zweigeteilt....einerseits fand ich es lahm aber andererseits gab es auch wieder Momente wo ich es wirklich gut fand.

    Claire ist eine sehr liebenswerte Person allerdings blieb sie mir die meiste Zeit fremd. Ich konnte kaum eine Nähe zu ihr aufbauen. Auch alle anderen Charaktere blieben für mich fremd. Was ich immer sehr schade finde in Büchern.

    Ich muss mich nicht 100% mit einer Protagonistin/einen Protagonisten identifizieren können und alles gut und toll finden was diese Person macht. Aber zumindest möchte ich sie kennen- und verstehen lernen.
    Das war hier leider nicht möglich.

    Auch der Schreibstil hat mich nicht wirklich mitgerissen und oft bekam ich einen Szenenwächsel kaum mit.
    Schade, da hätte man sicher mehr rausholen können und den Figuren mehr Seele einhauchen.

    Aber eines war mir an Claire sofort sympathisch....ihre Liebe zu Bücher. Damit kann mich jeder Protagonist, und sei er noch so unsympathisch (was Claire durchaus nicht ist) einfangen.
  19. Cover des Buches Chuzpe (ISBN: 9783518468166)
    Lily Brett

    Chuzpe

     (143)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Derzeit lebt Ruth alleine in ihrem New Yorker Loft, ihr Mann Garth ist beruflich ein halbes Jahr in Australien, ihre drei Kinder sind erwachsen und bereits aus dem Haus. Ruth betreibt ein Schreibbüro und verfasst Grußkarten und Briefe für gut betuchte Leute. Das Geschäft läuft gut, so gut, dass sie davon auch ein Appartement und sämtliche Kosten für ihren 87jährigen Vater Edek bezahlen kann. Dafür macht er sich im Büro mehr oder weniger nützlich, so lange, bis eines Tages Zofia und Walentyna vor der Tür stehen, zwei Polinnen, die Edek und Ruth von einer Urlaubsreise kennen. Die beiden Damen haben ihren Aufenthalt bei der Green-Card-Lotterie gewonnen und Edek hat deren Umzug heimlich, ohne Wissen Ruths, vorbereitet. Die 69jährige Zofia, eine warmherzige, lebensbejahende Frau, hat es Edek besonders angetan, seine Lebensgeister erwachen wieder. Die drei ziehen gemeinsam in eine Wohnung und schmieden Zukunftspläne. Sie wollen ein Restaurant eröffnen, in dem ausschließlich polnische Fleischbällchen serviert werden. Davon ist Ruth gar nicht angetan – schließlich soll sie alles bezahlen …

    „Chuzpe“ ist der deutsche Titel des Romans „You Gotta Have Balls“ der in New York lebenden Schriftstellerin Lily Brett. Das Wort kommt lt. Wikipedia aus dem hebräischen und wird übersetzt mit „Frechheit, Anmaßung, Dreistigkeit, Unverschämtheit“, es bedeutet somit die negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen von Höflichkeit oder Anstand aus egoistischen Motiven überschreitet.

    Damit ist schon sehr viel gesagt über die Protagonisten des Buches. Ruth, deren Leben und Gefühle wohl im Mittelpunkt der Handlung stehen sollen, war mir durchweg unsympathisch. Zweifellos liebt sie ihren Vater, ist aber nicht in der Lage, ein vernünftiges Gespräch mit ihm zu führen. Sie ärgert sich über seine Geldausgaben, spricht ihn aber nie darauf an. Stets ist sie mit irgendetwas unzufrieden, alles widert sie an und missfällt ihr, jedoch ändert sie nichts an diesem Zustand. Beinahe täglich ruft sie ihren Mann in Australien an, nur um ihm wieder etwas vorzujammern.

    Nicht viel sympathischer ist Edek, Ruths Vater. Die Autorin sieht ihn als liebenswerten alten Exzentriker den jeder großartig findet, doch sein selbstsüchtiges und egoistisches Handeln sprechen dagegen. Edek selbst hat kein Geld, gibt aber Ruths Geld mit vollen Händen aus und erzählt jedem, wie reich seine Tochter wäre und wie viel Geld sie mit ihren Karten und dem Schreiben von Briefen verdienen würde.

    Angenehm hingegen empfand ich das Auftreten der beiden Polinnen Zofia und Walentyna, obwohl die Autorin sie manchmal in schlechtem Licht erscheinen lässt. Die beiden haben das Herz am rechten Fleck, können organisieren, improvisieren und zupacken, und jammern nie über Stress oder zu viel Arbeit.

    Anfangs zieht sich die Geschichte sehr in die Länge. Ruths Befindlichkeiten werden so oft erwähnt, bis es langweilt. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, Fragen, Antworten und teilweise ganze Sätze werden wiederholt, was die Lesefreude nicht unbedingt steigert. Ruth will eine Frauengruppe gründen, doch das misslingt gründlich. Es treffen sich nur drei „Damen“, die sich dann über fünf Buchseiten nur über Samenbanken, Penisse und Spermien unterhalten. Selbstverständlich wird alles doppelt und dreifach erzählt. Etwa nach einem Drittel des Buches, nach Ankunft der polnischen Damen, nimmt die Story endlich etwas an Fahrt auf und wird manchmal sogar witzig. Leider wird das Geschehen aber gegen Ende zu mehr und mehr unwahrscheinlich, ja beinahe albern. Da erscheinen z. B. Luciano Pavarotti nebst Gattin zum Klopse essen, eine Hochzeit wird geplant, bei der Steven Spielberg sein Kommen zugesagt hat. Am Ende des Buches findet man noch einige Rezepte über Klopse, wie sie in dem plötzlich so beliebten Lokal serviert werden.

    Fazit: Trotz einiger Längen insgesamt doch lesenswert.
  20. Cover des Buches Irre! - Wir behandeln die Falschen (ISBN: 9783328102748)
    Manfred Lütz

    Irre! - Wir behandeln die Falschen

     (279)
    Aktuelle Rezension von: HubertM

    Ein sehr gutes Buch.

  21. Cover des Buches Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich (ISBN: 9783866481473)
    David Foster Wallace

    Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich

     (180)
    Aktuelle Rezension von: Christopher_B
    Man hätte es wissen können. Nachdem David Foster Wallace im März 1995 eine Karibik-Kreuzfahrt unternommen und darüber geschrieben hat, hätte man es wissen können. Eine Zeitung hatte ihn beauftragt, eine »persönliche Doku-Postkarte im Breitwandformat« zu schreiben. Er hat sich der Sache angenommen und allen, die noch niemals eine Luxuskreuzfahrt unternommen haben, erklärt, was da passiert, wie es sich anfühlt und wen man dabei trifft.

    Und das, obwohl ziemlich schnell klar wird, dass David Foster Wallace sich niemals von selbst auf das Deck des Luxusliners Nadir von Celebrity Cruises Inc. verirrt hätte. Hut ab, dazu gehören Mut und enorm viel Überwindung, so weit über den eigenen Schatten zu springen. Und sympathisch macht es ihn obendrein. Das Buch hätte gern doppelt so lang sein dürfen – wenn das nicht zugleich bedeutet hätte, dass Wallace auch doppelt so lang an Bord hätte bleiben müssen.

    Beeindruckend sind der Witz, die Klugheit und der Charme, mit denen Wallace die Situation an Bord beschreibt: eine real gewordene Phantasie, die so perfekt ist, dass die Gäste binnen Kurzem vergessen, dass es sich um eine Illusion handelt. Als wäre man ein Baby: Essen, Schlafen und Spielen, wann man möchte. Und vor allem: ohne sich um das Geringste sorgen zu müssen. Es fällt nicht schwer, die Luxuskreuzfahrt als die extremste Auswucherung des Massentourismus zu sehen, die es momentan auf der Welt gibt. Hedonismus in Reinform, aber dennoch gefragt. Ein Riesengeschäft. Was zum Teufel ist mit uns los?

    Am beeindruckendsten finde ich, dass es Wallace gelingt, während der gesamten Kreuzfahrt innerlich einen gewissen Abstand zu bewahren, stets ein wenig außen vor zu sein, zu beobachten und mit scharfem Auge mitzuteilen. Er versinkt nicht in der dargebotenen Luxus-Entertainment-Urlaubs-Welt, in der es zwischen acht und neun Mahlzeiten täglich gibt, in der der Room-Service nie länger als 15 Minuten braucht und in der Handtücher so schnell gewechselt werden, dass das Auge kaum nachkommt.

    Er bleibt der Kritiker dieser obszönen Welt, ein Funken Vernunft, vielleicht der letzte an Bord. Und wir sitzen auf seiner Schulter und fragen uns: Brauchen wir das alles? Ist es existentiell wichtig, dass wir mitten auf dem Pazifik Tontauben schießen können? Dass es Eisskulpturen am Buffet gibt? Dass das Bullauge zu unserer Kabine täglich von außen gereinigt wird?

    Man hätte es wissen können. Wenn man Wallace‘ Buch aufmerksam gelesen hätte, wären einem zwischen den Zeilen die ausbeuterischen Verhältnisse der Angestellten an Bord aufgefallen, die für einen mageren Lohn 12-Stunden-Schichten schieben müssen, fern von ihrer Familie, allzeit freundlich und lächelnd, weil sie wissen, dass sie sonst ihren Job verlieren. Man hätte die enorme Vergeudung von Ressourcen (Nahrung, Öl, Wasser …) sehen können, die dieses Luxusleben verursacht, angetrieben von nichts anderem als Eitelkeit und Feierlaune.

    Und wofür das alles? Für nichts. Unser Überleben auf diesem Planeten ist nicht abhängig davon, dass es Luxuskreuzfahrten gibt. Falls jemand in ein paar Jahren fragen sollte, warum unsere Welt zu Grunde geht – bei David Foster Wallace kann man es nachlesen. Man hätte es wissen können.
  22. Cover des Buches Die Phantasie der Schildkröte (ISBN: 9783596298266)
    Judith Pinnow

    Die Phantasie der Schildkröte

     (66)
    Aktuelle Rezension von: schokokaramell
    Die ganze Montagsbluse ist versaut. Das bekomme ich nie im Leben rausgewischt jetzt auf die Schnelle. Was soll ich bloß machen? Mein Dienstagsoutfit hängt zwar schon bereit, aber so kommt ja die ganze Woche durcheinander.

    Das Leben der 40-jährigen Edith ist vor allem eines. Durchgeplant, systematisch strukturiert und dabei nicht besonders spannend. Bis sie mit dem vermeintlichen Nachbarskind Schneewittchen im Aufzug stecken bleibt, die ihr die Aufgabe stellt, eine wildfremde Person anzusprechen. 

    Was nach einer eigenartigen Begegnung klingt und das wohl auch ist, entwickelt sich nach und nach zu einer wunderschön erzählten, zarten Freundschaft, die Edith mehr Selbstvertrauen schenkt und die Erkenntnis, dass es auch gut sein kann mal aus der Comfort Zone heraus zu agieren.

    Die schrulligen Nachbarn, die immer nur böse vom Balkon schauen, sind am Ende gar nicht so schrullig, die Beziehung zur Mutter ist zwar immer noch verfahren, aber auch hier erkennt man nach dem Buch deutlich, dass es zu allem doch irgendwie eine eigene kleine Geschichte gibt und man den Charakter vielleicht fast versteht.

    Ich muss leider sagen, dass mich das Ende sehr enttäuscht hat. Die Beziehung zwischen Edith und Schneewittchen verläuft für mich leider zu schnell im Sand und endet auf eine Weise, die ich zwar von Beginn an geahnt hatte, die ich mir dann aber doch anders gewünscht hätte. Es gibt viele Bücher über Freundschaften zwischen Erwachsenen und Kindern, die sich immer ein bisschen zwischen Magie und Realität bewegen.... doch hier konnte ich nie so wirklich erkennen, was es denn nun sein soll. Bis zum Schluss...

    Dieses Buch habe ich vor allem gelesen, weil ich viele Personen kenne, die sich nichts trauen und ähnlich wie Edith in den immer gleichen Bahnen laufen und leben. Viele Menschen erkennen sich hier bestimmt wieder und überlegen sich danach (hoffentlich!) etwas zu verändern und ihr Leben wieder ein wenig mehr selbst in die Hand zu nehmen.

    Allein dafür würde ich das Buch jederzeit wieder lesen und es empfehlen, aber als Märchen oder Unterhaltungsroman konnte es mich leider nicht vollends überzeugen. Ein angenehmer Lesespaß für zwischendurch.
  23. Cover des Buches Abriß der Psychoanalyse (ISBN: 9783596901791)
    Sigmund Freud

    Abriß der Psychoanalyse

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Goldstueck90

    Mit seinem letzten Werk kurz vor seinem Tode, wollte Freud die wichtigsten Aspekte seines Lebenswerkes kurz zusammenfassen und allen Lesern verständlich darlegen. Seine Psychoanalyse hat bis heute einen immensen Einfluss auf die Tätigkeit von Psychologen und ist auch aus der Philosophie nicht mehr wegzudenken.

    In Folge eigener Beobachtungen und Untersuchungen stellt er seine Psychoanalyse dar, die als Schauplatz des Seelenlebens funktioniert. Und das in den 30er Jahren. Allen bekannt sein wird an dieser Stelle sein Drei-Instanzen-Modell: Es, Über-Ich, und Ich, die in einem beeindruckenden Zusammenhang stehen.

    Nicht weniger beachtilich sind seine Analysen zur Traumdeutung, die wirklich sehr interssant sind.

    Mit seinem Modell, was sich durch seine Betrachtungen hindurch immer wieder fortsetzt und quasi schon selbst erklärt, stellt Freud dar, warum Menschen psychisch erkranken und wie man ihnen helfen kann.

    Vom Inhalt her möchte ich jetzt nich mehr verraten, denn das Buch soll ja noch gelesen werden :)

    Es handelt sich aber um sehr interessante Ansätze, die in einem gut lesbaren Schreibstil rübergebracht werden und gelesen werden sollten. Ich möchte natürlich nicht verschweigen, dass einige Theorien Freud etwas verstörend und fast schon blödsinnig (in meinen Augen) sind. Mit seinem skizzierten "Sexualtrieb bei Kindern" und dem Durchlaufen der "phallischen Phase" des Mädchens (welches traurig ist, weil es keinen Penis hat), kann ich absolut nichts anfangen...bzw. das kann ich nicht nachvollziehen und verstehen.

    Trotzdem lohnt es sich, die Gedanken dieses Philosophen zu lesen und zu diskutieren :)

  24. Cover des Buches Psychologie und Geisteskrankheit (ISBN: 9783518102725)
    Michel Foucault

    Psychologie und Geisteskrankheit

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Seralina1989

    Nach der Einführung, die durchzogen war von nicht unwichtigen Fachbegriffen, wenn es um geistige Krankheiten (Schizophrenie, Paranoia, Wahn, …), steigt der Autor auch gleich ein.   

    Das erste große Kapitel fand ich als Leihe durch die diversen Fachbegriffe nicht ganz einfach zu lesen. War aber wichtig, da einem sonst im Nachfolgenden ggf. der Zusammenhang gefehlt hätte, zumal einige der genannten Krankheitsbilder gern mal mit einander verworfen werden.

    Im nächsten großen Abschnitt geht er dann auf die Dimensionen und die Blickwinkel, von denen aus man die Krankheitsbilder betrachten kann, ein. Foucault verbindet dabei sehr geschickt zwischen Psychologie & Geisteskrankheit und zeigt verschiedene Zusammenhänge – wie auch die Komplexität innerhalb dieses großen Themas - zwischen den beiden auf. Unterlegt das auch immer wieder mit anschaulichen Beispielen u.a. von Freud und anderen Kollegen.

    Im letzten großen Abschnitt geht es dann darum, wie wir als Gesellschaft mit solchen Krankheiten umgehen. Die geschichtlichen Hintergründe dazu fand ich sehr interessant. Denn F. geht darauf ein, wie man im Laufe der Epochen mit den „Wahnsinnigen“ umgegangen ist, welche Zeiten sich dabei abgrenzen lassen.

    Einige von F.s Ausdrücken hätte man in der deutschen Übersetzung zwecks Verständlichkeit anpassen können. Von daher stehen auf den unteren Rändern einiges an Anmerkungen bzgl. Begriffserklärung. Worin sich auch sehr F.s Wortschatz zeigt. Wer sich vorher noch nicht mit ihm beschäftigt hat, dürfte also an der einen oder anderen Stelle kleine Schwierigkeiten haben. Als Einstieg in die Thematik ist es aber durchaus geeignet.

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